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Information
und
Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Rede Präsident Carters vor der Universität von Notre Dame
- Wortlaut AbSchlußerklärung zu den Genfer Gesprächen zwischen Vance und Gromyko

HINTERGRUNDMATERIAL
Neue Verhandlungsrunde über Seerechtskonvention in New York
Interview mit dem US-Chefdelegierten, Sonderbotschafter Elliott Richardson
USA: Mehr Produktions- und Lieferkapazitäten für angereichertes Uran
von Stewart Ramsey

Um Übet/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

REDE PRÄSIDENT CARTERS VOR DER UNIVERSITÄT VON NOTRE DAME
- Wortlaut -

South Bend, Indiana - (AD) - Präsident Carter hat am 22. Mai 1977 in
einer richtungsweisenden Rede vor der Universität von Notre Dame die Grundkonzeptionen der neuen amerikanischen Außenpolitik umrissen, die sich "auf
unseren moralischen Wertvorstellungen begründen muß". Das eindeutige Ziel
dieser Außenpolitik müsse die Schaffung eines umfassenderen Rahmens für eine
internationale Zusammenarbeit sein, die den politischen Realitäten einer
neuen Welt Rechnung trägt, in der sich gegenwärtig die tiefstgreifenden
Veränderungen der Geschichte vollziehen.
Die Rede Carters hat folgenden Wortlaut:
In den 25 Jahren seiner Tätigkeit als Präsident von Notre Dame ist
Father Hesburg beharrlicher und wirksamer für die Unterstützung der Rechte
der Menschen eingetreten, als jeder andere mir bekannte Amerikaner.
Sein

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�»

Sein Interesse an der Arbeit des Instituts für Bürgerrechte der Universität hat niemals nachgelassen, und er hat eine wichtige Rolle bei der
Ausweitung des für die Institutsarbeit gesetzten Rahmens gespielt, die sich
auf alle Völker erstrecken soll - wie dies auch die hier in den letzten
Monaten durchgeführte Konferenz über Menschenrechte und amerikanische
Außenpolitik gezeigt hat.
Dieses Interesse wurde heute mit der Wahl von Bischof Donal Lamont,
Paul Kardinal Arns und Stephen Kardinal Kim erneut manifestiert, denen die
Ehrendoktorwürde verliehen wurde.

In ihrem Kampf für die mensch1 "--.hen

Freiheiten in Rhodesien, Brasilien und Südkorea haben diese drei kirchlichen
Würdenträger all die besten Eigenschaften ihrer Länder und ihrer Kirchen in
sich vereint.

Es ist mir eine Ehre, gemeinsam mit Ihnen ihre Hingabe und

ihre persönlichen Opfer zu würdigen.
In der vergangenen Woche habe ich in Kalifornien über das innenpolitische
Programm für unser Land gesprochen. Unsere Aufgabe in den nächsten Jahren
besteht darin, den Bedarf unserer Bevölkerung noch wirksamer sicherzustellen
und - entgegen allen düsteren Erwartungen unserer Zeit - zu demonstrieren,
daß unsere Regierung sowohl kompetent als auch human sein kann.
Ich möchte heute über die Beziehungen sprechen, die zwischen unseren
Schritten im Ausland und unseren wesentlichen Charakterzügen als Volk bestehen.
Ich glaube, wir können eine Außenpolitik betreiben, die demokratisch ist,
die sich auf unseren grundlegenden Wertvorstellungen begründet und die
Stärke und Einfluß für humane Ziele einsetzt. Wir können ferner eine Außenpolitik verfolgen, die vom amerikanischen Volk sowohl unterstützt - als
auch verstanden wird.
Ich

- 2 -

«

�I

*

Ich habe volles Vertrauen in unser eigenes politisches System.

Da

wir wissen, daß sich die Demokratie bewährt hat, können wir auch die Argumente der Machthaber ablehnen, die ihren Völkern die Menschenrechte verweigern.
Wir sind zuversichtlich, daß das Beispiel der Demokratien überzeugend
sein wird, und daher suchen wir denen dieses Beispiel

näherzubringen, von

denen wir uns unterschieden haben und die noch nicht überzeugt sind.
Wir sind zuversichtlich, daß demokratische Mehtoden am wirksamsten sind,
und daher geraten wir auch nicht in Versuchung, unrechte Taktiken in unserem
Land - oder im Ausland - anzuwenden.
Wir sind von unserer eigenen Stärke überzeugt, und daher können wir auch
wesentliche beiderseitige Reduzierungen in dem nuklearen Wettrüsten anstreben.
Wir vertrauen auf die Vernunft unseres eigenen Volkes, und so lassen wir
es auch an dem Prozeß teilhaben, die außenpolitischen Entscheidungen zu
treffen.

Daher können wir mit den Stimmen von 215 Millionen, und nicht nur

von einer Handvoll, Menschen sprechen.
Die größten Erfolge der Demokratie in der jüngsten Zeit - in Indien,
Portugal, Griechenland, Spanien - zeigen, daß unser Vertrauen keineswegs
unangebracht ist.
Da wir vertrauensvoll in unsere eigenen Zukunft blicken, sind wir jetzt
frei von dieser übertriebenen Furcht vor der Kommunismus, die uns einst dazu
veranlaßt hat, jeden Diktator zu umarmen, der gemeinsam mit uns diese Furcht
tei1te.
Zu

- 3 -

�Zu viele Jahre lang waren wir bereit, die brüchigen Prinzipien und
Taktiken unserer Gegener anzunehmen und manchmal auch unsere Wertvorstellungen zu Gunsten der ihrigen aufzugeben.
Wir haben Feuer mit Feuer bekämpft und niemals daran gedacht, daß Feuer
besser mit Wasser bekämpft wird.
Dieser Weg schlug fehl - wobei Vietnam das beste Beispiel für seine
geistige und moralische Armut ist.
Aber durch Fehler haben wir unseren Weg zurück zu unseren eigenen Prinzipien und Wertvorstellungen gefunden, und wir haben unser verlorengegangenes
Vertrauen zurückgewonnen.
Gemessen an der Geschichte sind die 200 Jahre unseres Landes ein kurzer
Zeitraum; und unser Anstieg zur vorherrschenden Weltmacht ist noch kürzer.
Er geht auf das Jahr 1945 zurück, als Europa und die alte internationale
Ordnung beide in Trümmern lagen. Vorher stand Amerika weitgehend am Rande
der weltpolitischen Ereignisse. Danach standen wir zwangsläufig im Mittelpunkt.
Wir haben mit dazu beigetragen, solide Zeugnisse unseres Glaubens und
unserer Zielsetzungen zu errichten - die Vereingten Nationen, die Nordatlantikpaktorganisation, die Weltbank, den Internationalen Währungsfonds sowie
weitere Institutionen. Dieses internationale System hat ein Vierteljahrhundert lang Bestand gehabt und sich bewährt.
Unsere Politik in dieser Zeitspanne war von zwei Prinzipien geleitet:
dem Glauben, daß die sowjetische Expansion eingedämmt werden muß, und dem
hiermit zusammenhängenden Glauben an die Wichtigkeit eines fast exklusiven
Bündnisses zwischen den nicht-kommunistischen Ländern zu beiden Seiten des
Atlantiks.
Dieses
- 4 -

�*

Dieses System konnte nicht für immer unverändert bleiben.
Trends haben seine Grundlage geschwächt.

Historische

Die einigende Gefahr eines Kon-

flikts mit der Sowjetunion ist jetzt weniger stark - auch wenn der Wettstreit weit umfassender geworden ist.
Der Vietnamkrieg hat eine tiefe moralische Krise ausgelöst und dabei
das weltweite Vertrauen in unsere Politik untergraben. Die wirtschaftlichen
Spannungen der siebziger Jahre haben das Vertrauen der Öffentlichkeit in
das Vermögen der industriellen Demokratie geschwächt, einen anhaltenden Wohlstand für ihre Bürger zu gewährleisten - eine Vertrauenskrise, die durch
den verdeckten Pessimismus einiger unserer Staatsmänner noch verstärkt wurde.
Es ist eine wohlbekannte Wahrheit, daß die Welt sich heute mitten in dem
tiefstgreifenden und raschesten Umwandlungsprozeß ihrer gesamten Geschichte
befindet.

In weniger als einer Generation hat sich das tägliche Leben und

das Streben der meisten Menschen völlig geändert.

Der Kolonialismus ist

nahezu verschwunden; ein neues Gefühl nationaler Identität ist in fast
100 jungen Ländern entstanden; Allgemeinbildung ist heute viel weiter verbreitet; das Streben ist auf viel höhere Ziele gerichtet.

Nachdem immer

mehr Menschen von traditionellen Zwängen befreit wurden, sind immer mehr
Menschen entschlossen, soziale Gerechtigkeit zu erlangen.
Die Welt ist immer noch durch ideologische Streitigkeiten gespalten, sie
wird von regionalen Konflikten beherrscht und lebt unter der drohenden
Gefahr, daß wir die Unterschiede zwischen Rassen und Wohlstand nicht beseitigen können, ohne daß es zu Gewalttätigkeiten kommt oder die großen
Militärmächte in einen Krieg hineingezogen werden.

Wir können nicht länger

die traditionellen Fragen Krieg und Frieden von den neuen weltweiten Problemen
Gerechtigkeit, Gleichheit und Menschenrechte trennen.
Es ist

�Es ist eine neue Welt - aber Amerika sollte sie nicht fürchten.
eine neue Welt - und wir sollten dazu beitragen, sie zu formen.

Es ist

Es ist

eine neue Welt, die eine neue amerikanische Außenpolitik erfordert - eine
Politik, die sich auf eine Haltung des Anstands in ihren Werten und auf
Optimismus in ihrem historischen Ausblick gründet.
Wir können nicht länger eine Politik nur für die Industrieländer als
Grundlage der globalen Stabilität verfolgen, sondern wir müssen auf die
neue Realität einer politisch erwachenden Welt reagieren.
Wir können nicht länger erwarten, daß die anderen 150 Nationen dem Diktat
der Mächtigen folgen, aber wir müssen auch weiterhin vertrauensvoll unsere
Bemühungen fortsetzen, Impulse zu geben, zu überzeugen und zu führen.
Unsere Politik muß unsere Überzeugung widerspiegeln, daß die Welt auf
mehr als auf einfaches überleben hoffen kann, und die Überzeugung, daß
Würde und Freiheit die fundamentalen geistigen Erfordernisse des Menschen
sind.
Unsere Politik muß ein internationales System formen, das länger andauert
als Geheimabkommen.
Wir können eine solche Politik nicht durch Manipulationen gestalten.
Unsere Politik muß offen und freimütig sein; sie muß eine Politik des konstruktiven weltweiten Engagements sein, die auf folgenden fünf Grundvoraussetzungen ruht:
Erstens

sollte unsere Politik die grundlegende Verpflichtung unseres

Volkes widerspiegeln, die Sache der Menschenrechte zu fördern.
Dann

�*

Dann sollte unsere Politik sich auf eine enge Zusammenarbeit zwischen
den industriellen Demokratien der Welt gründen, weil wir dieselben Werte
teilen und weil wir gemeinsam dazu beitragen können, ein besseres Leben
für alle zu schaffen.
Auf der Grundlage einer starken Verteidigungskapazität muß unsere Politik
auch versuchen, die Beziehungen mit der Sowjetunion und mit China in einer
Weise zu verbessern, die sowohl umfassender ist als auch auf größerer
Gegenseitigkeit beruht. Auch wenn wir keine ideologischen Gegensätze überwinden können, so müssen wir doch Anpassungen erreichen, die das Risiko des
Krieges vermindern.
Unsere Politik muß sich ferner auf die Entwicklungsländer erstrecken,
um Leiden zu mildern und um die Lücke zwischen den Reichen und den Armen
dieser Welt zu verringern.
Schließlich muß unsere Politik alle Länder dazu ermutigen, sich über
enge nationale Interessen zu erheben und gemeinsam nach Lösungen für solche
überaus schwierigen weltweiten Probleme wie die Drohung des Atomkrieges, den
Rassenhaß, Umweltschäden, Hunger und Krankheit zu suchen.
Seit Januar haben wir damit begonnen, eine Außenpolitik zu entwickeln
und in Gang zu setzen, die auf diesen Voraussetzungen fußt, und ich habe
mich bemüht, diese Voraussetzungen dem amerikanischen Volk klar vor Augen
zu führen. Lassen Sie mich einen kurzen Überblick geben über das, was
wir getan haben, und lassen Sie mich darlegen, was wir zu tun beabsichtigen.
Erstens haben wir Amerikas Verpflichtung gegenüber den Menschenrechten
als fundamentalen Grundsatz unserer Außenpolitik bekräftigt.

Was unsere

Vorfahren, Religion und Hautfarbe, unseren Herkunftsort und unseren
kulturellen Hindergrund angeht, so sind wir eine so mannigfaltige Nation,
wie sie die Welt je gekannt hat.

Nichts Mystisches von Blut und Boden ver-

eint uns. Was uns zusammenbindet - vielleicht mehr als alles andere - ist

- 7 -

�*

ist unser Glaube an die menschliche Freiheit.

Wir möchten die Welt wissen

lassen, daß unsere Nation für mehr eintritt als finanzielle Prosperität.
Das heißt nicht, daß wir unsere Außenpolitik mit Hilfe starrer moralischer
Maxime

führen können.

Wir leben in einer Welt, die unvollkommen ist und

immer unvollkommen sein wird - in einer Welt, die kompliziert ist und
immer kompliziert sein wird.
Ich bin mir vollkommen der Grenzen der moralischen Überprüfungskraft
bewußt.

Ich mache mir keine Illusionen, daß Veränderungen leicht oder

schon bald eintreten werden.

Aber ich glaube auch, daß es ein Fehler ist,

die Macht des Wortes und der Ideen, die das Wort umfaßt, zu unterschätzen.
In unserer Geschichte reicht diese Macht von Thomas Paines "Der gesunde
Menschenverstand" bis zu Martin Luther Kings "Ich

habe einen Traum".

Im Bereich des menschlichen Geistes sind Worte auch Aktion - und zwar
weit mehr, als es manchen von uns klar ist, die in Ländern leben, wo die
Freiheit der Meinung für selbstverständlich gehalten wird.
Die Führer der totalitären Länder verstehen dies sehr wohl.

Der

Beweis dafür ist, daß das Wort genau die Aktion ist, deretwegen Dissidenten
in diesen Ländern verfolgt werden.
Nichtsdestoweniger können wir schon bedeutsame weltweite Fortschritte
bezüglich des Schutzes des Einzelnen vor der willkürlichen Macht des Staates
sehen. Würden wir diese Tendenz ignorieren, dann würden wir an Einfluß
und moralischer Autorität in der Welt verlieren. Um führen zu können,
müssen wir die moralische Kraft wiedergewinnen, über die wir einst verfügten.
Alle

�Alle Menschen werden aus diesen Fortschritten Nutzen ziehen. Aus
freiem und offenem Wettstreit erwächst kreative Veränderung - in der Politik,
im Handel, in der Wissenschaft und in der Kunst. Aus der Kontrolle erwachsen Konformität und Verzweiflung.
Die großen Demokratien sind nicht frei, weil sie stark und wirtschaftlich erfolgreich sind.

Sie sind stark und wirtschaftlich erfolgreich,

weil sie frei sind.
Zweitens haben wir uns bewußt bemüht, die Bindungen zwischen unseren
Demokratien zu stärken. Auf unseren kürzlichen Konferenzen in London sind
wir übereingekommen, unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit zu erweitern,
den freien Handel zu fördern, das Weltwährungssystem zu stärken und nach
Mitteln und Wegen zu suchen, um eine nukleare Proliferation zu vermeiden.
Wir bereiteten konstruktive Vorschläge für die bevorstehenden Konferenzen
über die Nord-Süd-Probleme der Armut, der Entwicklung und des globalen
Wohlergehens vor, und wir einigten uns über gemeinsame Bemühungen zur
Verstärkung und Modernisierung unserer gemeinsamen Verteidigung.
Und was noch wichtiger ist: Alle von uns bekräftigten unseren grundlegenden Optimismus hinsichtlich der Zukunft des demokratischen Systems.
Dieser Geist des Vertrauens breitet sich aus. Gemeinsam können unsere
Demokratien dazu beitragen, ein größeres System der weltweiten Zusammenarbeit zu formen - und das Londoner Treffen war ein erfolgreicher Schritt
in Richtung auf dieses Ziel.
Drittens haben wir Schritte unternommen, um die Sowjetunion für gemeinsame Anstrengungen zur Beeindigung des strategischen Wettrüstens zu
gewinnen. Dieses Wettrüsten ist nicht nur gefährlich, es ist auch moralisch
beklagenswert. Wir müssen ihm eine Ende setzen.
Ich

- 9 -

�Ich weiß, daß es nicht leicht sein wird, Übereinkünfte zustandezubringen.

Die Probleme sind außerordentlich komplex und die amerikanischen

und die sowjetischen Interessen, Vorstellungen und Bestrebungen sehr
unterschiedlich.

Wir müssen ebenso geduldig wie umsichtig vorgehen.

Unser Ziel ist es, beiden Seiten gegenüber fair zu sein, um zu reziproker Stabilität, Parität und Sicherheit zu gelangen.

Wir wünschen eine

Einfrierung der weiteren Modernisierung der strategischen Waffen und
deren ständige erhebliche Verringerung.

Wir wünschen einen umfassenden

Kernwaffenteststopp, ein Verbot der chemischen Kriegführung, keine Angriffskapazitäten gegen Raumsatelliten und eine Begrenzung der Rüstungen im
Gebiet des Indischen Ozeans.
Ich hoffe, daß es uns möglich sein wird, zusammen mit allen Ländern
gemeinsame Schritte zu unternehmen, um die Kernwaffen vollständig aus unseren
Todesarsenalen zu eliminieren.

Wir werden beharrlich darauf hinwirken.

Ich glaube an die Entspannung im Verhältnis zur Sowjetunion.
bedeutet sie Fortschritt in Richtung auf den Frieden.
schritt muß sowohl umfassend als auch reziprok sein.

Für mich

Aber dieser FortEs wird uns nicht

möglich sein, einem Teil der Welt zur Ruhe zu verhelfen

und in einem

anderen Teil die Verschärfung der Konflikte hinzunehmen.
Die Auswirkungen der Detente sollten sich nicht allein auf unsere beiden
Länder beschränken.

Wir hoffen, daß sich die sowjetischen Führer uns in

dem Bemühen anschließen werden, die Weiterverbreitung von Nuklearsprengstoffen
zu unterbinden und die Verkäufe von konventionellen Waffen zu verringern.
Wir hoffen, die Sowjetunion davon überzeugen zu können, daß kein Land das
Recht hat, sein eigenes gesellschaftliches System anderen aufzuzwingen weder durch direkte militärische Intervention noch durch den Einsatz der
militärischen Streitkräfte eines Vasallenstaates, wie im Falle der kubanischen
Intervention in Angola.
Kooperation

�Kooperation bringt auch Verpflichtungen mit sich.

Wir hoffen, die

Sowjetunion dazu bewegen zu können, in Zukunft auch in der Unterstützung
der Entwicklungsländer eine größere Rolle zu spielen, weil gemeinsame
Hilfsanstrengungen dazu beitragen werden, eine Brücke des gegenseitigen
Vertrauens zwischen uns zu schaffen.
Viertens unternehmen wir wohlüberlegte Schritte, um die Chancen für
einen dauerhaften Frieden im Nahen Osten zu verbessern.
In weitreichenden Konsultationen mit führenden Politikern der betroffenen Länder haben wir einige Bereiche der Übereinstimmung herausgefunden und eine gewisse Bewegung in Richtung auf einen Konsensus in Gang
gebracht.

Diese Verhandlungen müssen fortgesetzt werden.

In meinen öffentlichen Äußerungen habe ich ferner versucht, ein flexibleres Rahmenwerk für die Erörterung von drei Schlüssel fragen vorzuschlagen,
die bisher nicht in den Griff zu bekommen waren: die Gestalt eines umfassenden Friedens, die Zusammenhänge zwischen Sicherheit und Grenzen und
die Frage der palästinensischen Heimstatt.
Die historische Freundschaft zwischen den Vereinigten Staaten und
Israel hängt nicht von der Innenpolitik des einen oder des anderen Landes
ab; sie leitet sich vielmehr ab von unserer gemeinsamen Achtung vor der
Freiheit des Menschen und von unserer gemeinsamen Suche nach dauerhaftem
Frieden.

Wir werden weiterhin auf eine Regelung drängen, wie wir sie alle

brauchen.

Unsere gemeinsame Politik wird durch Veränderungen der Führer-

schaft in irgendeinem der Länder in Nahost nicht berührt.

Deshalb erwarten

wir von Israel und seinen Nachbarn, daß sie sich weiterhin an die Entschließungen Nr. 242 und 338 der Vereinten Nationen gebunden fühlen, denen
sie zu einem früheren Zeitpunkt bereits zugestimmt haben.
Die

- 11 -

�Die Gegenwart kann durchaus der bestgeeignete Zeitpunkt für eine echte
Regelung seit Beginn des arabisch-israelischen Konflikts sein.

Diese

Gelegenheit zu verpassen, könnte Unheil bedeuten - nicht nur für den
Nahen Osten, sondern vielleicht auch für die internationale politische
und wirtschaftliche Ordnung.
Fünftens versuchen wir trotz des Risikos, daß es zu Reibungen mit unseren
Freunden kommt, die Gefahr einer nuklearen Proliferation und einer weltweiten Verbreitung konventioneller Waffen zu vermindern.
Auf dem jüngsten Gipfel herrschte allgemeine Obereinstimmung, daß die
Proliferation von Kernbrennstoffen aus der Wiederaufbereitung von abgebrannten Kernbrennstoffen eine ernste Frage darstellt.

Wir haben nunmehr

internationale Bemühungen in Gang gesetzt, die besten Methoden der Nutzung
der Kernenergie für friedliche Zwecke herauszufinden und gleichzeitig die
Gefahren zu verringern, daß ihre Produkte für die Herstellung von Sprengstoffen abgezweigt werden.
Wir haben ferner eine umfassende Überprüfung unserer eigenen Politik
betreffend die Weitergabe von Waffen abgeschlossen.

Der Wettbewerb im

Verkauf von Rüstungsgütern ist dem Frieden abträglich und stört die Wirtschaft
liehe Entwicklung der ärmeren Nationen.
Wir werden im Zuge unserer nationalen Politik darauf bedacht sein, den
jährlichen Dollarwert der Waffenverkäufe zu verringern, die Weitergabe von
modernsten Waffen zu beschränken und das Ausmaß unserer Koproduktionsabsprachen mit anderen Staaten zu vermindern.

Und was ebenso wichtig ist, wir

werden versuchen, andere Nationen dazu zu bewegen, sich uns in diesen
Bemühungen anzuschließen.
Das alles ist erst der Anfang.

Es ist aber ein Anfang, der auf ein

klares Ziel hinweist: einen größeren Rahmen für eine den neuen historischen
Umständen angemessene internationale Zusammenarbeit zu schaffen.
Wir
- 12 -

�Wir werden enger mit den einflußreicheren unter den Ländern in Lateinamerika, Afrika und Asien zusammenarbeiten.

Wir brauchen ihre Freundschaft

und ihre Mitarbeit bei gemeinsamen Bemühungen in einer Zeit, in der
sich die Machtstrukturen der Welt verändern.
Vor über hundert Jahren erklärte Abraham Lincoln, unsere Nation könnte
nicht halb als Sklaven- und halb als ein freier Staat existieren. Und
wir wissen, daß eine friedliche Welt nicht zu einem Drittel reich und zu
zwei Dritteln hungrig sein kann.
Die meisten Länder teilen unseren Glauben, demzufolge ein langfristiger,
erweiterter und für alle Beteiligten vorteilhafter Handel den Entwicklungsländern am ehesten dazu verhilft, sich selbst zu helfen. Aber die unmittelbaren Probleme des Hungers, der Krankheit, des Analphabetentums und
der Unterdrückung stellen sich uns hier und heute.
Die Demokratien des Westens, die OPEC-Staaten und die wirtschaftliche
entwickelten kommunistischen Länder können über bereits bestehende internationale Instiutionen zu dem Zweck zusammenarbeiten, wirksamere Hilfe
zu gewähren.

Das ist eine hervorragende Alternative zum Krieg.

Es liegt ein besonderes Bedürfnis für die Zusammenarbeit und für
Konsultationen mit anderen Ländern dieser Hemisphäre vor. Wir brauchen kein
neues Schlagwort; obwohl es sich hier um eine Freunde und Nachbarn handelt,
sind unsere Bindungen zu ihnen gleichermaßen wie unsere Bindungen zur übrigen
Welt Bindungen der Gleichheit. Wir werden sie als Teil eines neuen weltweiten Mosaiks aus globalen, regionalen und bilateralen Beziehungen behandeln.
Es ist

- 13 -

�Es ist wichtig, daß wir Fortschritte in Richtung auf eine Normalisierung
der Beziehungen zur Volksrepublik China machen.

Wir halten die amerikanisch-

chinesischen Beziehungen für ein zentrales Element unserer Weltpolitik, und
China ist eine Schlüssel kraft des Weltfriedens.

Wir wünschen,mit dem

schöpferischen chinesischen Volk bezüglich der Probleme,mit denen sich die
gesamte Menschheit konfrontiert sieht, eng zusammenzuarbeiten.

Wir hoffen,

eine Formel finden zu können, die einige der Schwierigkeiten zu überbrücken vermag, die uns noch immer trennen.
Lassen Sie mich bitte abschließend sagen, daß wir uns zu einer friedlichen Beilegung der Krise in Südafrika verpflichtet fühlen.

Die Zeit

ist gekommen, das Prinzip der Herrschaft der Mehrheit zur Grundlage der
politischen Ordnung zu machen - in Anerkennung des Prinzips, daß die
Rechte der Minderheit in einem demokratischen System ebenfalls geschützt
werden müssen.

Um friedvoll zu sein, muß der Wandel prompt erfolgen.

Die

Vereinigten Staaten sind etnschlossen, mit ihren europäischen Verbündeten
und den betroffenen afrikanischen Staaten zusammenzuarbeiten, um einen
angemessenen internationalen Rahmen für die rasche und progressive Verwandlung der südafrikanischen Gesellschaft zu schaffen und diese von unverdienter Beeinträchtigung von außen her zu schützen.
Lassen Sie mich abschließend zusammenfassen:
Unsere Politik basiert auf einer historischen Vision der Rolle Amerikas;
sie leitet sich her von einer umfassenderen Betrachtungsweise des globalen Wandels;
sie beruht auf unseren moralischen Wertvorstellungen;
sie wird gestützt durch unseren materiellen Wohlstand und unsere militärische Macht;
sie verfolgt den Zweck, der Menschheit zu dienen; und
sie entspricht einer Politik, die Sie, wie ich hoffe, stolz machen wird,
Amerikaner zu sein.
+ + +

- 14 -

�Dokumentation
United States Information Service

14

26. Mai 1977

ABSCHLUSSERKLÄRUNG ZU DEN GENFER GESPRÄCHEN
ZWISCHEN VANCE UND GROMYKO

Genf - (AD) - Der amerikanische Außenminister Cyrus R. Vance
und der sowjetische Außenminister A.A. Gromyko gaben nach Abschluß ihrer
Gespräche über die Begrenzung der strategischen Waffen in Genf am 21. Mai
eine gemeinsame Erklärung heraus, die folgenden Wortlaut hat:
"In Fortführung des Gesprächs zwischen dem Außenminister der Vereinigten
Staaten, Cyrus R. Vance, und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, L. I. Breschnew, sowie dem Mitglied des Politbüros der KPdSU und
Außenminister der UdSSR, A. A. Gromyko, das Ende März 1977 in Moskau
stattfand, trafen sich Cyrus R. Vance und A. A. Gromyko vom 18. bis 20. Mai
in Genf.
Sie prüften im einzelnen die Situation hinsichtlich der Vorbereitung
eines neuen Abkommens über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen,
das auf dem Obereinkommen von Wladiwostok beruht und die Ergebnisse der
nachfolgenden Diskussionen in Rechnung stellt.

Beide Seiten stimmten überein,

daß die Gespräche in Genf notwendig und nützlich waren und daß ein Fortschritt
bei der Entwicklung eines gemeinsamen Rahmens für weitere Verhandlungen

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Verhandlungen erzielt wurde.

Als Folge des Meinungsaustauschs wurden die

Differenzen zwischen den beiden Seiten in Bezug auf mehrere vorher ungelöste
Fragen verringert.

Man kam überein, daß die Erörterung aller ungelösten

Fragen fortgesetzt wird mit d?m Ziel eines baldigen Abschlusses eines neuen
Abkommens, das an die Stelle des Interimabkommens über gewisse Maßnahmen
hinsichtlich der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen treten wird.
Zwischen Cyrus R. Vance und A. A. Gromyko kam es ferner zu einem gründlichen Meinungsaustausch über das Problem einer Lösung in Nahen Osten.
Beide Seiten gehen von der Prämisse aus, daß die Eliminierung der
beständigen Quelle der Spannung im Nahen Osten eine der Hauptaufgaben für
die Gewährleistung des Friedens und der internationalen Sicherheit darstellt.

Sie sind überzeugt, daß zur Erreichung dieses Zieles eine wichtige

Rolle der Genfer Friedenskonferenz über den Nahen Osten zukommt - einem
internationalen Forum, das speziell dafür eingesetzt wurde, über eine Lösung
des Nahost-Problems im Interesse aller betroffenen Parteien zu verhandeln.
Nachdem sie bekräftigt hatten, daß beiderseitige Anstrengungen der USA
und der UdSSR, die Ko-Vorsitzende der Genfer Konferenz sind, von wesentlicher
Bedeutung für die Erreichung eines gerechten, dauerhaften und stabilen
Friedens im Nahen Osten sind, kamen beide Seiten überein, ihre gemeinsamen
Anstrengungen auf die Wiederaufnahme der Arbeit der Konferenz im Herbst 1977
zu richten, wobei sie die Bedeutung einer sorgfältigen Vorbereitung vor dem
Zusammentreten der Konferenz anerkannten. Zu diesem Zwecke werden die Vereinigten Staaten und die UdSSR monatliche Konsultationen auf Botschafterebene
in Washington oder Moskau führen. Sie stimmten ferner überein, daß sie in
dieser Richtung auch in ihren Kontakten mit den unmittelbar in den NahostKonflikt verwickelten Parteien wirken werden."
+ + +

�MiUnited States Information Service

26. Mai 1977

14

NEUE VERHANDLUNGSRUNDE OBER SEERECHTSKONVENTION IN NEW YORK
Interview mit dem US-Chefdelegierten, Sonderbotschafter
Elliott Richardson

Der amerikanische Sonderbotschafter
Elliott Richardson und US-Chefdelegierte
auf der Seerechtskonferenz der UN, die
am 23. Mai in New York zu einer neuen
Sitzungsperiode zusammengetreten ist,
hat in einem dem US-Informationsamt
(USIA) gegebenen Exklusivinterview die
Aufgaben und Ziele dieser Konferenz dargelegt. Dabei gab Richardson der
Hoffnung Ausdruck, daß die gegenwärtigen
Beratungen der Vertreter aus rund 150
Ländern, die sich über mehrere Wochen
hinziehen werden, zu konkreten Fortschritten führen, da sonst Gefahr besteht,
daß einzelne Länder einseitige Schritte
unternehmen könnten.
Frage:

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�Frage:

Herr Botschafter, nehmen wir die Seerechtskonferenz als einen

konkreten Begriff, welche Bedeutung kommt ihr auf dem weiten Feld internationaler Verhandlungen zu?
Antwort:

Die Bedeutung dieser Konferenz ist nicht allein in der Schaffung

eines Rahmens für das Seerecht, sondern auch in ihren Auswirkungen auf
weitere Gebiete zu sehen.
Die Tatsache, daß hier Verhandlungen zwischen 150 Ländern geführt werden,
zwingt zu einem Procedere nach Konsens. Angesichts dessen, was hier auf dem
Spiele steht, wäre ein Erfolg der Konferenz ein deutlicher Beweis dafür,
daß Länder mit so unterschiedlichen Interessen, wirtschaftlichem Entwicklungsstand, politischen Auffassungen und kulturellen Traditionen in der Lage
sind, sich zu einem kreativen Vorhaben auf dem Gebiet des Völkerrechts *n
einem Tisch zusammenzusetzen.

Auf der anderen Seite würde ein Fehlschlagen

der Verhandlungen einen schweren Rückschlag für die Bemühungen bedeuten, auch
bei anderen multilateralen Verhandlungen zu Erfolgen zu gelangen.

Die Kon-

ferenz hat somit Präzedenzfall-Auswirkungen angesichts der ineinandergreifenden multilateralen Verhandlungen in so vielen anderen Bereichen, von denen
praktisch die gesamte Welt betroffen wird.
Frage: Einige Beobachter haben in der Konferenz eine Konfrontation
zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern gesehen; stimmt
dies?
Antwort: In gewisser Beziehung stellt die Konferenz die bekannteste
Phase des Nord-Süd-Dialogs dar. Viele der diffizilsten Fragen, denen sich
die Konferenz gegenübersieht, gehen auf unterschiedliche Auffassungen und
unterschiedliche wirtschaftliche Interessen der Industriestaaten und der
Entwicklungsländer zurück. Die Chance wie auch das Risiko dieser Konferenz
ist, daß sie von vielen Teilnehmern als Forum betrachtet wird, auf dem
Industriestaaten und Entwicklungsländer ein Verfahren für eine gemeinsame
Lösung für die Konzeption einer "neuen internationalen Wirtschaftsordnung"
testen.
- 2 -

�testen.

Die Gruppe der 77 zum Beispiel - heute sind es 110 Länder - ist

die Hauptkraft auf dieser Konferenz, auf der die Entwicklungsländer Positionen
zur Förderung der in der neuen internationalen Wirtschaftsordnung niedergelegten Ziele formulieren.
Stellung.

Und diese Gruppe bezieht zu allen wichtigen Fragen

So hat die Frage, ob es dem Norden und dem Süden, den Reichen

und den Armen, den Entwicklungsländern und den Industriestaaten gelingt,
in diesem Rahmen eine Übereinstimmung zu erzielen, auch Auswirkungen auf
einen möglichen Erfolg in anderen Foren.
Frage:

Wie würde sich dies auf andere Bereiche auswirken?

Antwort: Einige der in den Bestimmungen des Vertrages angestrebten Anpassungen werden konkrete Auswirkungen auf andere Bereiche haben. So kann
zum Beispiel die Frage der Kontrolle der Internationalen Meeresbodenbehörde - die jeweilige Rolle des Rates und der Versammlung, das Abstimmungsverfahren im Rat - überall dort von Bedeutung sein, wo es gilt, einen
Ausgleich zwischen dem gleichen Stimmrecht aller Länder und Einern Stimmrecht
zu finden, das dem Ausmaß und dem jeweiligen Interesse der großen Länder
Rechnung trägt. Wenn wir uns künftig mit der Schaffung der erforderlichen
Institutionen befassen, wie sie aufgrund der wirtschaftlichen Interdependenz
notwendig geworden sind, werden wir auch immer öfter auf Lösungen zurückgreifen müssen, die auf der Seerechtskonferenz ausgearbeitet worden sind.
Zu den Gebieten, denen weltweites Interesse entgegengebracht wird und bei
denen auf Lösungen dieser Konferenz zurückgegriffen werden dürfte, gehören
zum Beispiel die Antarktis und der Weltraum. Ich habe erst kürzlich mit
einem Anwalt gesprochen, der sich auf Rechtsfragen spezialisiert tat, die mit
Weltraumsatelliten zu tun haben. Er sagte mir, daß von den Experten genauestens verfolgt wird, was im Hinblick auf das Seerecht geschieht.

Frage:

Wir sprechen über die Schaffung umfassender internationaler

Rechtsnormen, die sich aus dem Seerecht ergeben können?
Antwort:

- 3 -

�Antwort:

Ja, denn dies hier ist ein Testfall dafür, ob die Welt wirk-

lich in der Lage ist, rechliche Institutionen zu schaffen, die Konflikte
abwenden und Streitigkeiten beilegen können.

Es geht hier letztlich um

den Versuch, ein System aufzubauen, um dem Recht in Situationen Geltung
zu verschaffen, die sonst möglicherweise zu einem Konflikt führen oder
leicht in Anarchie ausarten könnten.
Frage:
Antwort:

Was aber, wenn die Seerechtskonferenz fehlschlägt?
Ein Fehl schlag würde zur Anarchie auf den Weltmeeren führen.

Darum muß man verstehen, warum sich die Welt so stark in einer Seerechtskonferenz engagiert hat, die Jahr um Jahr hartnäckig und entschlossen auf
ein Abkommen hingearbeitet hat.

Warum nun geben sich die Küstenstaaten und

die seefahrenden Länder, die Staaten ohne Zugang zu den Weltmeeren und die
geographisch benachteiligten Länder nicht damit zufrieden, weiterhin an den
Bestimmungen des herkömmlichen Völkerrechts festzuhalten, das seit dem
17. Jahrhundert besteht?
Frage:

Ja, warum?

Antwort: Es lassen sich meines Erachtens verschiedene Entwicklungen
erkennen, deren Tempo sich in den letzten Jahren zunehmend beschleunigt hat.
Da ist einmal die technologische Evolution, die es ermöglicht hat, die Erdgas- und Erdölreserven des Kontinentalschelfs in immer größerer Entfernung
von den Küsten zu erschließen. Damit wurde es notwendig, die Hoheitsgewalt
der Küstenstaaten gegenüber der internationalen Rechtsprechung immer genauer abzugrenzen. Da sind weiter die technologischen Entwicklungen, durch
die die mineralischen Schätze des Meeresbodens der Tiefsee in Reichweite
gerückt wurden. Damit wird es notwendig, einen sicheren rechtlichen Rahmen
für den Meeresbodenbergbau zu schaffen. Weiter ist da das drängende Problem
der Nahrungsmittelreserven. Die Nahrungsmittel des Meeres stellen riesige
Proteinreserven dar - doch stehen zahlreiche Fischbestände am Rande der Vernichtung, da es keine vereinbarten rechtlichen Bestimmungen für ihren Schutz
- 4 -

�Schutz gibt.

Schließlich besteht eine wachsende Gefahr, daß die Nahrungs-

mittelreserven der Meere durch die Umweltverschmutzung vernichtet werden.
Die starke Zunahme der Erdöl mengen, die von einem Teil der Welt in andere
Gebiete transportiert werden müssen, machen es immer zwingender, einen Rahmen
von Normen zum Schutze der Weltmeere vor Umweltverschmutzung zu schaffen.
Frage:

Auf der Konferenz ist bisher noch kein Vertrag ausgearbeitet

worden, und vermutlich hat es somit auch kein neues Recht gegeben?
Antwort: Von Beginn ihrer Beratungen vor drei Jahren an hat die
Konferenz neue Rechtsprinzipien erarbeitet. So gab es beispielsweise die
Ausdehnung der Territorialgewässer von drei auf 12 Seemeilen und die
Konzeption einer exklusiven 200-Meilen-Wirtschaftszone.
Frage:

Hat dies nicht zu einseitigen Maßnahmen einiger Länder, unter

anderem auch der Vereinigten Staaten, geführt?
Antwort: Der wirtschaftliche Druck und die Sorge um den Schutz der
Weltmeere vor Umweltverschmutzung haben bei immer mehr Ländern zu Ansprüchen
auf Souveränitätsrechte als Küstenstaaten geführt. Unser Gesetz zum Schutz
der Fischbestände ist zum Beispiel ein solcher, allerdings sehr begrenzter
Anspruch. Solange es kein internationales Abkommen gibt, können die
territorialen Ansprüche der Küstenstaaten auf Kosten der traditionellen
Freiheit der Meere weiter ausgebaut werden. Totale territoriale Ansprüche auf
die 200-Meilen-Wirtschaftszone würden die Freiheit der Schiffahrt in über
30 Prozent der Weltmeere beschneiden. Und solange es keine Abkommen über die
Durchfahrt durch internationale Schiffahrtsstraßen gibt, würde es für 116
solcher Schiffahrtsstraßen in aller Welt Streitigkeiten über die anzuwendenden
Schiffahrtsregeln geben.
Frage:

Könnten solche Streitigkeiten möglicherweise zu Kettenreaktionen

führen?
Antwort:

�Antwort:

Sie könnten dazu führen, daß statt der Freiheit der üblichen

Benutzung - dies schließt auch die Durchfahrt getauchter U-Boote, das
überfliegen von Zivil- und Militärflugzeugen sowie die übliche Benutzung
der exklusivien Wirtschaftszone nach den für die offene See geltenden
Bestimmungen ein - territoriale Seerechtsbestimmungen gelten, die nur
unschädliche Durchfahrten zulassen.

Damit wären dann die großen Schiffahrts-

länder in einer peinlichen Verlegenheit: sie ständen vor der Entscheidung, ob
sie sich solchen Souveränitätsansprüchen der Küstenstaaten beugen oder gegen
sie angehen sollten.

Wir könnten beispielsweise unsere Rechtsansprüche

verlieren, weil wir von ihnen keinen Gebrauch machen oder sie einfach aufgeben.

Wenn die Schiffahrtsländer auf der anderen Seite ihre Rechtsansprüche

angesichts derdiesen entgegenstehenden Ausdehnung der Souveränität geltendmachen, würde dies zu einem wachsenden Unmut auf Seiten einer immer größeren
Zahl von Ländern führen.
der Kanonenbootdiplomatie.

Diese Alternative wäre ein Rückfall in die Zeit
Langfristig wären die vom Export ihrer Rohstoffe

abhängigen Entwicklungsländer und die auf den Export ihrer Fertigerzeugnisse
angewiesenen Industriestaaten die Verlierer.

Eine weltweite wirtschaftliche

Entwicklung setzt eine Anwendung des Rechts voraus, die Handel und Schiffahrt
ein Maximum an Freiheit gibt.
Frage:

Sie sind also der Ansicht, daß diese Sitzungsperiode in New York

unter einem starken Zwang steht, Fortschritte zu erzielen?
Antwort: Zumindest drei Punkte müssen beachtet werden. Da ist einmal
der enttäuschende Ausgang der letzten Sitzungsperiode, der die Möglichkeit
anklingen ließ, daß in den die Nutzung des Meeresbodens betreffenden
Fragen nur wenig Fortschritt erzielt werden könnte. Ein zweiter derartiger
Fehl schlag würde höchstwahrscheinlich zu einer Atmosphäre führen, die von
der Suche nach Sündenböcken und von Gegenbeschuldigungen gekennzeichnet wäre.
Die Folge wäre, sofern es nicht zu einem völligen Zusammenbruch der Konferenz
käme, daß weitere Bemühungen zur Erzielung eines Abkommens auf unbestimmte
Zeit hinausgeschoben würden. Zum anderen wäre es unmöglich, wenn keine

- 6 -

�keine wesentlichen Fortschritte erzielt werden, einseitige gesetzliche Maßnahmen einzelner Länder länger zu verhindern.

Das könnte zum Beispiel zu

einer Beeinträchtigung des Rechts auf freie Schiffahrt in der vorgeschlagenen
200-Meilenzone und zu beschränkten nationalen Projekten für eine Erschließung des Meeresbodens führen.

Und schließlich besteht meines Erachtens

seitens der Teilnemerstaaten die Einsicht, daß es sich hier in der Tat um
einen wichtigen Vorstoß handelt, ein neues Gebäude der Weltordnung zu
errichten.

Die in diese Bemühungen gesetzten Hoffnungen sind zerbrechlich.

Aber werden sie zunichtegemacht, so könnte dies zu noch größerer
Enttäuschung führen.

Gehen sie jedoch in Erfüllung, so wäre dies ein

Triumph der internationalen Zusammenarbeit.
+ + +

- 7 -

�26. Mai 1977

14

USA: MEHR PRODUKTIONS- UND LIEFERKAPAZITÄTEN
FÜR ANGEREICHERTES URAN

von Stewart Ramsey

- (AD) - Die Entwicklung des natriumgekühlten Schnellbrutreaktors, der
Plutonium produziert und als Kernbrennstoff benutzt, soll einer Entscheidung der Regierung Carter zufolge gedrosselt werden.

Das bedeutet

u.a., daß die Vereinigten Staaten die Herstellung von angereichertem Uran
mit größerem Nachdruck verfolgen, um die heutige Generation von Leichtwasserreaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.
Wenn der Kongreß zustimmt, werden die USA ihre Anreicherungskapazitäten
vergrößeren und auch wieder neue Verträge zur Lieferung von angereichertem
Uran an das Ausland abschließen können.

Seit drei Jahren wurden nur

Lieferungen auf der Basis bereits bestehender Verträge ausgeführt.

Präsident

Carter ist jedoch aufgrund gewisser Vereinbarungen ermächtigt, für
Forschungs- und Testreaktoren die Ausfuhr von hoch angereichertem Uran
zu genehmigen - d. h. von Uran, das mehr als 20 Prozent Uran-235 enthält.
Im Gegensatz dazu ist das Uran für die Leichtwasserreaktoren der Kernkraftwerke im allgemeinen nur auf 2-4 Prozent angereichert.
Die

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex: 08-85432

�Die USA beabsichtigen, wie Präsident Carter am 7. April 1977 bekanntgab, die Produktionskapazität für plutoniumfreie Kernbrennstoffe, insbesondere für angereichertes Uran, zu erhöhen, um für den Bedarf des Inund Auslandes "ausreichend und rechtzeitig Kernbrennstoffe zu beschaffen..."
Damit andere Länder nicht mehr gezwungen seien, solche Materialien in
eigener Regie zu entwickeln, werden zusätzliche Maßnahmen vorbereitet, die
es den Vereinigten Staaten erlauben, neue Lieferverpflichtungen für Kernbrennstoff zu übernehmen.

Sie sollen "jedem anderen Land, das sich ein-

verstanden erklärt, unsere Ziele der Nichtweiterverbreitung (von Kernwaffen) ebenfalls zu verfolgen, und bereit ist, Bedingungen zu akzeptieren",
die Lieferung von Kernbrennstoff garantieren.
Die hier erwähnte Einschränkung ist in einer Gesetzesvorlage, die dem
US-Kongreß am 28. April zugeleitet wurde, im einzelnen erläutert.

Demnach

würden die Vereinigten Staaten
- einem Land, das nicht zu den Atommächten ^ählt, keinen Kernbrennstoff
liefern, wenn dieses Land zu irgendeinem Zeitpunkt nach Inkrafttreten der
neuen Gesetze einen nuklearen Sprengsatz zündet;
- auf ihrer Zustimmung zur Wiederaufarbeitung oder Übereignung von
Kernbrennstoff aus amerikanischen Lieferungen oder von Material, das mit
Hilfe amerikanischer Ausrüstungen produziert wurde, in jedem Einzelfall
bestehen;
-

- als Dauerverpflichtung bei einer Belieferung durch die USA fordern,
jegliche kerntechnische Aktivität den Sicherheitsmaßnahmen zu unterstellen,
die von der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) wahrgenommen werden.
Die Vereinigten

�Die Vereinigten Staaten würden sich um Neuverhandlungen über bereits
laufende Abkommen zur Zusammenarbeit bemühen, jedoch nicht versuchen,
diese Verträge rückwirkend durch neue Bedingungen zu ergänzen. Gegenwärtig
stellen die USA etwa 90 Prozent des gesamten angereicherten Urans zur Verfügung, das für friedliche Zwecke verwendet wird.
So würde das Thema einer möglichen nuklearen Proliferation auch auf
der Londoner Gipfelkonferer.z der westlichen Industriestaaten (7./8. Mai 1977)
erörtert. Die Teilnehmer erkannten die Notwendigkeit an, zur Deckung des
Weltenergiebedarfs den Anteil der Kernenergie zu erhöhen, verpflichteten
sich jedoch gleichzeitig, das Risiko einer Weiterverbreitung von Kernwaffen zu verringern. Sie beschlossen die Durchführung einer mit Vorrang
zu behandelnden Studie, die Wege aufzeigen soll, wie diesen Zielen am
besten Rechnung getragen werden könne.
Die Nichtweiterverbreitung gefährlicher nuklearer Materialien ist
ein Kernpunkt der Atompolitik Präsident Carters. Sie setzt voraus, daß
Einsparung von Energie den Bedarfszuwachs verlangsamt und daß die amerikanischen Uranreserven genügend groß sind, um die Entwicklung des natriumgekühlten Schneilbrutreaktors nicht mehr mit Vorrang betreiben zu müssen.
Gleichzeitig wird die Forschung auf den Gebieten jener Alternativtechnologien gefördert, bei denen die Gefahr einer Proliferation wesentlich geringer ist.
Der im Jahr 1974 von den USA verhängte Stopp für die Annahme neuer
Lieferverträge für angereichertes Uran ergab sich aus der Auslastung der
Kapazitäten der drei amerikanischen Anreicherungsanlagen.

Dies war u.a.

eine Folge der Tatsache, daß sich frühere Regierungen und der Kongreß
nicht einigen konnten, der Privatwirtschaft den Bau neuer Anreicherungsanlagen zu gestatten.

Frühere Administrationen hatten Forschungs- und Ent-

wicklungsprojekte stark gefördert, die auf den kommerziellen Einsatz des
schnellen Brüters mit Flüssigmetallkühlung abzielten. (Dieser Typ erzeugt
mehr Kernbrennstoff, als er verbraucht, und zwar Plutonium.)

- 3 -

Einer der

�der Gründe für diese Politik war die Befürchtung, daß die Uranvorkommen
für eine langfristige Versorgung der gegenwärtigen Generation von Leichtwasserreaktoren nicht ausreichten.
Angesichts der Ergebnisse neuerer Erhebungen, die für die Zukunft
einen niedrigeren Stromproduktionsbedarf als früher voraussagen, wurde
jedoch in letzter Zeit eine beträchtliche Anzahl von Bestellungen neuer
Reaktoren zurückgezogen.

Dadurch dürfte auch die angespannte Lage bei

der Belieferung mit angereichertem Uran etwas entschärft werden.

Die

US-Regierung arbeitet gegenwärtig an einem von Fall zu Fall anzuwendenden
Modus für die Elektrizitätswirtschaft, einen Teil des angereicherten Urans,
für dessen Abnahme sie sich vertraglich verpflichtet hatte, zurückgeben
zu können.
Amerikanische Energiefachleute nehmen jetzt an, daß im Jahr 2000 in
den USA 300 bis 400 Atomkraftwerke mit Leichtwasserreaktoren in Betrieb
sein werden. Noch vor einem Jahr stand die Voraussage bei 500 Atomkraftwerken (von denen es gegenwärtig 65 gibt).
über den Umfang der amerikanischen Uranreserven bestehen gewisse
Unsicherheiten. Der größte Teil leicht zu fördernden Natururans, Has in
geringer Tiefe liegt, ist bereits abgebaut. Nach Meinung vieler Fachleute
gibt es jedoch mit ziemlicher Sicherheit noch genügend große weitere Vorräte, um den gesamten Bedarf der heutigen Generation von Kraftwerksreaktoren, die noch bis Mitte der neunziger Jahre in Betrieb gehen sollen,
zu decken. In einer kürzlich veröffentlichten Studie, die Wissenschaftler
und Wirtschaftler im Auftrag der Ford-Stiftung durchführten, wird u.a. festgestellt, daß durch den Anreiz höherer Preise, durch intensivere und umfassendere Exploration ausreichende Mengen von Uran gefördert werden
könnten, um den Bedarf amerikanischer Leichtwasserreaktoren bis in
nächste Jahrhundert hinein zu decken.
Nach

�Nach den gültigen Gesetzen dürfen die Vereinigten Staaten zur Zeit
(d.h. 1977) aus anderen Ländern mit Uranvorkommen (z.B. Südafrika,
Kanada und Australien) bis zu 10 Prozent ihres Uranbedarfs importieren.
Diese Zahl erhöht sich bis 1984 auf fast 100 Prozent.

Präsident Carter

hat die Energieforschungs- ur.d Entwicklungsbehörde ERDA angewiesen, in
der vor einigen Monaten in Angriff genommenen Erhebung zur Frage der
amerikanischen Uranreserven nunmehr auch das Element Thorium zu berücksichtigen.

Denn Thorium eignet sich unter bestimmten Voraussetzungen für

die Verwendung als Brennstoff in Reaktoren.
Die Schätzungen für die bekannten und vermutlich abbaufähigen Uranvorkommen in den USA belaufen sich auf 1,8 bis 2 Millionen Tonnen, wobei
Produktionskosten von 66 Dollar/Kilogramm vorausgesetzt werden. Höhere
Preise würden jedoch auch den Abbau minderwertigerer Uranerze ermöglichen.
Bezieht man "mögliche und vermutete" Reserven ein, könnte die Gesamtmenge
sogar mit 3,6 Millionen Tonnen angenommen werden. Die Hälfte davon würde
genügen, so erklärte kürzlich Dr. Robert Fri, amtierender Chef der ERDA,
um mindestens 300 Leichtwasserreaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.
Die frühere Regierungen und der US-Kongreß hatten sich in letzter
Minute auf die Errichtung einer weiteren Gasdiffusionsanlage zur Urananreicherung geeinigt. Für diese vierte Anlage, die wie die anderen drei
unter Staatsaufsicht zu betreiben gewesen wäre, wurden zunächst 170 Millionen
Dollar bereitgestellt. Inzwischen beschloß die Regierung Carter, daß in
der neuen Anlage das energiesparende Ganszentrifugenverfahren angewandt
werden solle. Es ermöglicht die Trennung des leichteren Uranisotops
U-235 von Uran-238 durch Zentrifugieren mit sehr hoher Umdrehungsgeschwindigkeit. Bei dem seit mehr als 30 Jahren angewandten Diffusionsverfahren dagegen werden die Moleküle der gasförmigen Uranverbindung in zahlreichen Stufen durch poröse Trennwände gepumpt.
Der

- 5 -

�Der Energieverbrauch beim

Gaszentrifugenverfahren beträgt schätzungs-

weise nur vier Prozent des Verbrauchs bei der Gasdiffusion, um den gleichen
Anreicherungsgrad zu erzielen.

Um eine neue Gasdiffusionsanlage be-

treiben zu könnne, müßten drei neue große, mit Kohle gefeuerte Heizkraftwerke gebaut werden; die Zentrifugen-Anreicherungsanlage könnte wahrscheinlich an schon bestehende Kraftwerke angeschlossen werden.

Aber die

Gesamtkosten für die Gaszentrifugen-Trennanlage dürften erheblich höher
sein als die 4,4 Milliarden Dollar, die für eine neue Gasdiffusionsanlage
aufgewandt werden müßten.
Wie aus Regierungskreisen verlautet, soll die neue Zentrifugen-Trennanlage entweder in Oak Ridge (Tennessee) oder in Portsmouth (Ohio)
stationiert werden, wo sich bereits Gasdiffusionsanlagen befinden.

Die

meisten amerikanischen Versuche auf dem Gebiet der Zentrifugen-Technologie
wurden in Oak Ridge durchgeführt, wo seit 1971 zahlreiche Testapparaturen
in Betrieb sind.

Der Kongreß bewilligte 60 Millionen Dollar für die

Errichtung einer Demonstrationsanlage mit dem fortschrittlichsten Zentrifugentyp, Ho m sog. "Satz Drei". Man nimmt an, daß diese Technologie eine
höhere Kapazität erlaubt als die Gaszentrifugen, die in Europa zur Urananreicherung veiwendet werden.
Die Zentrifugentechnologie wird in den USA sehr optimistisch beurteilt.
Da jedoch Anreicherungsanlagen dazu verwendet werden können, auch Uran
für Atombomben zu produzieren, sofern der Grad der Anreicherung hoch
genug ist, betrachten die Vereinigten Staaten die gesamte Anreicherungstechnologie als "sensitiv" und geben sie nicht für den Export frei.
Die Anreicherungskapazität wird nach Einheiten für die Trennarbeit
(SWU- separative work units) gemessen, worunter der Aufwand zur Trennung
der Uranisotope zu verstehen ist.

Nach den gegenwärtigen Programmen werden

die USA Anfang der achtziger Jahre über eine Anreicherungskapazität von
28 Millionen SWU/Jahr verfügen.

Die neue Zentrifugen-Trennanlage würde

- 6 -

�würde diese Kapazität um weitere 8,8 Millionen SWU/Jahr erhöhen.
Sie könnte Mitte der achtziger Jahre in Betrieb gehen und gegen Ende
des nächsten Jahrzehnts die volle Produktion aufnehmen.

+ + +

- 7 -

�</text>
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