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                  <text>und
PITU
United States Information Service

20. Mai 1977

13

INHALT

WIRTSCHAFT
Ministertagung wird Nord-Süd-Dialog intensivieren
Interview mit Stephen W. Bosworth, Stellvertretender
Unterstaatssekretär im US-Außenministerium

HINTERGRUNDMATERIAL
Versorgung mit Kernbrennstoff
- Regierungschefs gaben Sonderstudie in Auftrag

WISSENSCHAFT &amp; TECHNIK
Pflanzenstoff als Düngemittel
- Zehn bis 40 Prozent Mehrertrag durch Triacontanol

Um Übef/cndung von
ßckgcKcmplorcn wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�1
3

Wift/choft
United States Information Service

13/1977

MINISTERTAGUNG WIRD NORD-SOD-DIALOG INTENSIVIEREN
Interview mit Stephen W. Bosworth
Stellvertretender Unterstaatssekretär im US-Außenministerium

Anläßlich der bevorstehenden Ministertagung des Nord-Süd-Dialogs hat der
Stellvertretende Unterstaatssekretär im
US-Außenministerium, Stephen W. Bosworth,
in einem dem US-Informationsamt (USIA)
gewährten Exklusivinterview eine Bilanz
der von den vier wichtigsten Ausschüssen
der Konferenz für Internationale Zusammenarbeit (CIEC) - die Ausschüsse für Entwicklung, Finanzen, Energie und Rohstoffe geleisteten Arbeit gezogen. Bosworth, der
bei den kürzlichen Beratungen dieser Ausschüsse in Paris die amerikanische Delegation angeführt hatte, leitet im State
Department das Ressort Internationale
Ressourcen und Nahrungsmittel.

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Frage: Womit hat sich der CIEC-Ausschuß für Entwicklung befaßt und
welchen Beitrag könnte er leisten?
Antwort: Der Ausschuß befaßt sich mit dem Transfer von Ressourcen und
Technologien sowie mit Handelsfragen. Seine Tagesordnung umfaßt eine weit
größere Vielfalt von Themen als die irgendeines

ier übrigen Ausschüsse.

Wir

hoffen, daß der Ausschuß fruchtbare Denkanstöße für die Arbeit anderer
Gremien geben kann, die sich ebenfalls mit Handelsfragen sowie dem Transfer
von Ressourcen und Technologien befassen.

Der Transfer von finanziellen

und anderen für die wirtschaftliche Entwicklung bedeutsamen Ressourcen umfaßt den wohl wichtigsten Themenkreis, der im Nord-Süd-Dialog angesprochen
wird. Bei der Analyse dieser Fragen und der möglichen Lösungen muß man sich
stets vor Augen halten, daß es keine Gruppe und auch keinen Block von Entwicklungsländern gibt, die genau den gleichen Bedarf an Hilfe aufweisen.
Bei den ärmsten unter den Entwicklungsländern ist zum Beispiel der Bedarf
an Hilfe völlig anders gelagert als bei den relativ wohlhabenderen Entwicklungsländern.
Einige Länder sind nicht mehr in der Lage, sich die für den Import von
Kapitalgütern benötigten Mittel von den Entwicklungsbanken zu leihen. Die
für sie noch bestehende einzige Möglichkeit, benötigte Ressourcen zu erhalten, ist die Entwicklungshilfe. Die Carter-Administration hat angesichts dieser Situation seit dem 20. Januar, ihrem Amtsantritt, beträchtliche Anstrengungen unternommen, um den US-Kongreß zu einer Aufstockung der
amerikanischen Beiträge an die Weltbank und die regionalen Entwicklungsbanken für Lateinamerika, den Fernen Osten und Afrika zu bewegen. . Andere
etwas wohlhabendere Entwicklungsländer können sich dagegen die benötigten
Finanzierungsmittel - für den Bau von Straßen und Schulen sowie für ihre
Industrialisierung - über die privaten Kapitalmärkte beschaffen.
Frage: UNCTAD IV - und ebenso das fünfte Gipfeltreffen der blockfreien
Länder in Colombo im August letzten Jahres - hat besonderes Gewicht auf den
Transfer von Technologien gelegt.

Handelt es sich hier, verglichen mit dem

�dem Transfer von Finanzierungsmitteln, um eine völlig anders gelagerte
Frage?
Antwort: Diese beiden Fragen gehen ineinander über.

Es ist ganz klar,

daß die Technologien ein wichtiges Element des Entwicklungsprozesses
stellen.

dar-

Technologie umfaßt praktisch alle die Dinge, die das Kapital in

Arbeit umsetzen - sie ist die wissenschaftliche Anwendung und beinhaltet zu
einem Teil auch Management.

Ohne Technologien wäre ein Land g a r nicht in

der Lage, seine Geldmittel für produktive Zwecke einzusetzen.

Sofern es

über das erforderliche Kapital verfügt, können seine Bürger und Unternehmen
ganz generell auch Technologien erwerben.
Aber bedenken Sie, daß Regierungen in dem Wirtschaftssystem des Westens
keine Kontrolle darüber haben, was die Unternehmen tun. Die Entwicklungsländer verstehen dies oftmals nicht. Sie streben eine Verbesserung der Bedingungen an, unter denen sie Zugang zu den Technologien des Westens erhalten können,und sie sind der Ansicht, daß sie bei Verhandlungen mit den
großen multinationalen Gesellschaften von vornherein im Nachteil sind.
Einige Entwicklungsländer sind zu der Auffassung gelangt, daß der Ausweg
aus diesem Problem in Verhandlungen über bindende Verhaltensnormen liegt,
die das Verhalten der multinationalen Gesellschaften in ihren eigenen
nationalen Territorien festlegen. Wir meinen, daß die Entwicklungsländer,
die ausländisches Privatkapital und ausländische Technologien haben wollen,
eine Verpflichtung haben, das erforderliche Investitionsklima zu schaffen,
damit die multinationalen Gesellschaften in diese Gebiete gehen. Aber wir
sind ebenso der Ansicht, daß die multinationalen Gesellschaften die Pflicht
haben, sich in den Ländern, in denen sie tätig sind, wie verantwortungsbewußte
Bürger zu benehmen.
Ganz allgemein neigen wir zu der Auffassung, daß die Vergehen, die
solchen Gesellschaften angelastet werden, in den Presseberichten wesentlich
übertrieben dargestellt worden sind.

Dies alles soll keinesfalls bedeuten,

wir würden darauf bestehen, daß jedes Land ausländische Privatinvestitionen
- 3 -

�Privatinvestitionen akzeptieren muß - nein, wir erkennen an, daß es sich
hier um eine souveräne Entscheidung handelt, die jede einzelne Regierung für
sich treffen muß.
gut.

Wenn jemand solche Investitionen nicht wünscht, nun

Aber für die Regierungen, die solche Investitionen wollen, gilt es

dann immer noch, zahlreiche Entscheidungen zu treffen - was für Investitionen
erfolgen könnten und unter welchen Bedingungen.
Frage: Und wie steht es mit dem Handel?
Antwort: Der Ausschuß für Entwicklung widmet den Handelsfragen beträchtliche Aufmerksamkeit.

Handel ist für alle Entwicklungsländer - und

ganz besonders für Länder wie Brasilien und Mexiko - von großer Bedeutung.

Das wichtigste, was getan werden kann, ist sicherzustellen, daß

die Weltmärkte weiter expandieren und relativ frei von Beschränkungen
bleiben.

Ich rechne dmit, daß der Entwicklungsausschuß verschiedene

Empfehlungen zu Handelsfragen vorlegen wird, zumal er von den Industriestaaten erwartet, daß diese auf der zur Zeit in Genf stattfindenden TokioRunde von GATT-ZollVerhandlungen gegenüber den Entwicklungsländern eine
liberale Haltung einnehmen.
Frage: Welcher Zusammenhang besteht zwischen der Arbeit des Finanzausschusses und der der übrigen drei Ausschüsse und welche Beiträge könnte
dieser Ausschuß leisten?
Antwort: Der Finanzausschuß befaßt sich mit Zahlungsbilanzproblemen, mit
der Inflation, dem Investitionsfluß sowie hiermit zusammenhängenden Fragen.
Er erarbeitet die Grundlagen für die Erörterung von Finanzierungsfragen
und sich hieraus ergebenden Problemen in den übrigen Ausschüssen. Und er
kann auch Empfehlungen vorlegen, zum Beispiel auf dem Investitionssektor
oder zu Möglichkeiten, wie die privaten Kapitalmärkte für die Entwicklungsländer erschlossen werden könnten.
Frage:

�Frage: Befaßt sich die CIEC auch mit dem für die Entwicklungsländer
wichtigen Schuldenproblem?
Antwort: Ja, diese Frage wird sowohl im Entwicklungs- wie auch im Finanzausschuß erörtert.

Für die CIEC ist die Frage der"Schulden" n'cht eigent-

lich ein Schuldenproblem.

Doch die in der CIEC vertretenen Entwicklungs-

länder haben diese Frage als strukturelles Zahlungsbilanzproblem aufgeworfen,
dem sich eine Gruppe von Entwicklungsländern, darunter die Ärmsten unter
ihnen, gegenübersieht.

Aber aus dem gleichen Grund, aus dem diese Länder

arm sind, gibt es für sie ein eigentliches "Schulden"-Problem nicht, denn
sie haben keine festen Kredite auf den internationalen Kapitalmärkten und
sie sind auch nicht in der Lage, Geld aufzunehmen.
Hilfe.

Sie brauchen einfach mehr

So, wie wir die Situation sehen, wäre ein Schuldennachlaß nicht

das richtige Heilmittel.
Frage: Stimmt es, daß eine wachsende Tendenz besteht, über multilaterale
Institutionen zusätzliche Finanzierungsmittel in die Entwicklungsländer zu
schleusen?
Antwort: Natürlich kommt der multilateralen Hilfe große Bedeutung zu.
Beispielsweise eignet sich gerade die Weltbank ganz besonders zur Fortführung
der Entwicklungsaktivitäten in zahlreichen Gebieten. Und auch die zuständigen amerikanischen Kongreßausschüsse stehen heute den vielen internationalen Finanzierungsinstituten, unter anderem auch den regionalen Entwicklungsbanken, Weit aufgeschlossener gegenüber als in der Vergangenheit. Doch
der Prozeß, im Kongreß Rahmenermächtigungen und die Bewilligung von Mitteln
für Beiträge an diese Institutionen zu erhalten, ist immer noch schwierig und
langwierig.
Die Carter-Administration erachtet es als wichtig, eine gewisse Mischung
von bilateraler und multilateraler Hilfe zu erreichen.

Es könnte sich im

Laufe der Zeit eine Tendenz entwickeln, stärker auf die multilateralen Institutionen zurückzugreifen.

Fest steht jedoch, daß die Vereinigten Staaten
- 5 -

�Staaten es aus außenpolitischen Gründen wie auch aus Gründen der wirtschaftlichen Entwicklung für nützlich erachten, ein dynamisches bilaterales Hilfsprogramm beizubehalten.
Frage: Die Vereinbarungen von Jamaika haben Anfang 1976 zu einer beträchtlichen Ausweitung der kompensierenden Finanzierungsfazilität des Internationalen Währungsfonds (IWF) geführt. Hat sich dies bewährt und ist
eine weitere Stärkung dieser Fazilität erforderlich?
Antwort: Ja, dies hat sich sehr bewährt. Ober die kompensierende Finanzierungsfazilität sind in den letzten drei Jahren fast drei Milliarden Dollar
zur Verfügung gestellt worden. Die Vereinigten Staaten sind bereit, in
gewissen Zeitabständen zu überprüfen, ob diese Fazilität noch den Erfordernissen entspricht, vor allem was die Bedingungen anbetrifft, unter denen anderen
Ländern Geldmittel zur Verfügung gestellt werden.
Frage: Bei den erdölexportierenden Entwicklungsländern sammeln sich heute
die großen Kapitalreserven an. Sind Sie der Auffassung, daß die Weltbank und
der Internationale Währungsfonds (IWF) als Katalysatoren dienen sollten, um
diese Gelder in die Entwicklungsländer zu schleusen?
Antwort: Wie Sie wissen, hat der Internationale Währungsfonds beschlossen,
zu diesem Zweck eine neue temporäre Fazilität zu schaffen, deren Mittel von
den erdölexportierenden Ländern sowie den stärkeren Industriestaaten aufzubringen wären. Wir pflichten dem bei, daß der IWF eine nützliche Mittlerrolle zwischen den Überschüssen der erdölexportierenden Länder und den
Defiziten der erdölimportierenden Länder, einschließlich der Entwicklungsländer, einnehmen kann. Der IWF, der dabei nachhaltig von den Vereinigten
Staaten und anderen Ländern unterstützt wird, tendiert ganz eindeutig in
diese Richtung.
Frage:

- 6 -

�Frage: Hat der Energieausschuß bereits Erfolge zu verzeichnen?
Antwort: Meines Erachtens ja.
konstanten Zahlen messen.

Seine Leistungen lassen sich nicht in

Aber der Ausschuß hat den Energieerzeugern und

Verbrauchern der Welt die einmalige Möglichkeit gegeben, sich gemeinsam
an einen Tisch zu setzen und ihre gemeinsamen Energieprobleme und Interessen
in einer kooperativen Atmosphäre zu erörtern.
Es steht fest, daß das Anziehen der Erdölpreise um das Fünffache - ein
wirklich exorbitanter Anstieg in einer sehr kurzen Zeitspanne - sehr ernste
Auswirkungen auf die Volkswirtschaften der Industriestaaten gehabt hat, besonders auf Länder wie Italien und Großbritannien, die wirtschaftlich bereits geschwächt waren. Aber die Auswirkungen waren noch vernichtender für
die Entwicklungsländer, die nicht zu den großen Erdölexporteuren gehören.
Die sich ihnen bietenden politischen Optionen für eine Umstellung auf die
so enorm gestiegenen Ausgaben für Importe sind äußerst begrenzt. Sie
verfügen nur über &lt;;ehr geringe Möglichkeiten für Einsparungen. Im Gegenteil,
aufgrund ihrer Bemühungen um eine Industrialisierung ihrer Volkswirtschaften
muß ihr Energiebedarf ganz zwangsläufig steigen.
Die derzeitigen und die langfristigen Auswirkungen all dieser Entwicklungen
auf die Weltwirtschaft rechtfertigen es ganz eindeutig, daß sich die internationalen Gremien mit diesem Fragenkomplex befassen.

Und der Energie-

ausschuß ist ein Forum, in dem die Regierungen die sehr ernsten Probleme
erörtern können, die sich jetzt ergeben haben.
Frage: Werden die Beratungen im Energieausschuß zu irgendwelchen greifbaren und bedeutsamen Ergebnissen führen?
Antwort:

�Antwort: Ich glaube schon.

Zum Beispiel hoffe ich, daß der Ausschuß

die CIEC-Ministertagung nachdrücklich ersuchen wird, der Weltbank und
anderen internationalen Institutionen sehr spezifische Maßnahmen zu
empfehlen, wie die internationale Völkergemeinschaft den über kein Erdöl
verfügenden Entwicklungsländern bei der Lösung ihrer Energieprobleme
helfen kann.

Dies gilt besonders für die Erschließung ihrer eigenen Energie-

quellen.
Frage: Die Vereinigten Staaten haben auf der siebten Sondersitzung der
UN-Vollversammlung die Schaffung eines internationalen Energieinstituts vorgeschlagen. Was soll damit erreicht werden - und ist der Vorschlag gestorben?
Antwort: Das Energieinstitut sollte in erster Linie dazu dienen, den
Entwicklungsländern den Zugang zu den Energietechnologien zu erleichtern
und ihnen zu helfen, Unterstützung für die Planungsarbeiten zur Erschließung ihrer potentiellen Energiequellen sowie bei der Ausbildung von
Fachkräften zu erhalten.

Das Institut würde diesen Ländern keine Finan-

zierungsmittel zur Verfügung stellen.

Aber es würde ihnen helfen, sich

über die einschlägigen Technologien zu unterrichten, und ihnen den Zugang
zu solchen Technologien erleichtern.
Sofern auf Seiten der Entwicklungsländer genügend Interesse an diesem
Vorschlag besteht, könnte sich die CIEC für die Schaffung einer solchen
internationalen Behörde einsetzen.
Frage: Wie steht es nun mit dem Ausschuß für Rohstoffe?
Antwort: Dieser Ausschuß befaßt sich mit dem gesamten Bereich der
Rohstoffragen, die gegenwärtig im Rahmen eines integrierten Programms
auch von der Welthandelskonferenz (UNCTAD) in Genf untersucht werden.
Der Ausschuß selbst kann von sich aus allein wenig tun. Seine Aufgabe ist
es, die Arbeit der UNCATD zu unterstützen und ihr immer wieder Anstöße zu
geben.
- 8 •

Frage:

�Frage:

Könnten Sie darlegen, in wie weit sich die amerikanische Roh-

stoffpolitik in den letzten Monaten geändert hat?
Antwort: Ich möchte diese Änderung nicht überbewerten. Meines Erachtens handelt es sich hier um einen stetigen Evolutionsprozeß. Beispielsweise sind die Vereinigten Staaten heute mehr als früher geneigt, Möglichkeiten für die Stabilisierung der einzelnen Rohstoffpreise zu untersuchen.
Die Carter-Administration hält Bemühungen für wünschenswert, wo immer
möglich eine Verbesserung der Funktionsfähigkeit der Rohstoffmärkte durch
Dämpfung übergroßer Fluktuationen bei den Rohstoff preisen zu erreichen., Der
Wechsel zwischen sehr hohen und sehr niedrigen Preisen liegt weder im
Interesse der Erzeuger noch der Verbraucher. Für die Entwicklungsländer
ist es wichtig, mit einem festen Betrag an Exporteinnahmen rechnen zu
können. Und eine Stabilisierung der Rohstoffpreise ist ein legitimer Weg,
dieses Problem zu lösen.
Ein anderer Weg wäre, die Exporteinnahmen durch Verbesserung der
Mechanismen des Internationalen Wärhungsfonds zu stabilisieren. Dieser
könnte zum Beispiel Ländern, die ohne eigenes Verschulden einen Ruckgang
der Exporteinnahmen erleiden, eine Möglichkeit einräumen, zum Ausgleich
dieser Mindererlöse Geld aufzunehmen, so daß sie ihre normale wirtschaftliche Entwicklungsrate beibehalten können.
Frage: Würden hiervon lediglich die Entwicklungsländer profitieren?
Antwort: Nein, dies läge auch im Interesse der Industriestaaten, also
auch der USA, Zum Beispiel sind wir in Zeiten einer weltweiten Rezession
sehr stark daran interessiert, daß die weltweite Kaufkraft - das Vermögen
der übrigen Länder, unsere Güter und Dienstleistungen zu kaufen - nicht
auf einmal stark zurückgeht.

Genauso liegt es in unserem eigenen Interesse,

daß die Rate der Investitionen zur Erschließung neuer Ressourcen, vor allem
von Rohstoffen, nicht plötzlich sinkt, wenn die Preise für die betreffenden
Güter nachgeben.
Frage:
- 9 -

�Frage: Würde eine Stabilisierung der Rohstoffpreise den weltweiten
Inflationsdruck unter Kontrolle bringen?
Antwort: Ohne Zweifel. Versorgungsstörungen bei von den Industriestaaten benötigten wichtigen Rohstoffen begünstigen einen Preisanstieg
bei diesen Materialien.

Und ein derartiges Anziehen der Preise hält

gewöhnlich längere Zeit an.

Gelingt es also, solche Entwicklungen unter

Kontrolle zu bringen, so ist es auch leichter, die Inflation in den einzelnen Ländern unter Kontrolle zu bringen.
Beispielsweise hatten die Rohstoffpreise in der Zeit von 1972 bis 1975
äußerst starke Schwankungen aufzuweisen.

Erst zogen sie stark an und dann

fielen sie wieder auf ein niedriges Niveau zurück.

Die Inflationierung

der Rohstoffpreise bildete einen wichtigen Faktor für die weltweite
Inflation Anfang der siebziger Jahre und der anschließende starke Rückgang
trug wesentlich zu der weltweiten Rezession 1974 und 1975 bei. An Preisbewegungen dieser Art hat niemand ein Interesse.
Theoretisch läßt sich die Funktionsfähigkeit der Weltmärkte ohne
weiteres verbessern, aber in der Praxis ist dies nicht ganz so einfach.
Für die beteiligten Regierungen ergeben sich politische und anderweitige
Probleme. Doch möchte ich hoffen, daß in den nächsten Jahren in Verhandlungen irgendeine Art von internationalen Rohstoffabkommen erreicht werden
kann.
Frage: Bei welchen Rohstoffen?
Antwort: Wir haben bereits Rohstoffabkommen bei Zinn, Kaffee und Kakao.
Die USA haben sich dem Kakao-Abkommen nicht angeschlossen, aber wir wären
bereit, in neue Verhandlungen über eine Revision dieses Abkommens einzutreten. Wir hoffen, daß in den nächsten Monaten ein Zuckerabkommen abgeschlossen werden kann. Und wir sprechen gegenwärtig in Genf unter der
Aegide der UNCTAD über Abkommen für Kupfer, Kautschuk und Jute.
Frage:
- 10 -

�Frage: Wie stehen die USA zu dem gemeinsamen Fonds für eine Finanzierung
von Ausgleichslagern, wie er vor einem Jahr auf der UNCTAD IV in Nairobi
vorgeschlagen worden war.
Antwort: Wir haben bereits kürzlich auf einer Konferenz in Genf zur Prüfung
eines solchen gemeinsamen Fonds gesagt, daß wir bereit sind, in Verhandlungen über die mögliche Schaffung eines solchen Mechanismus einzutreten.
Sollte es zum Beispiel vier Abkommen für Rohstoffe mit unterschiedlichen
Preiszyklen geben, so könnte es vom wirtschaftlichen Standpunkt richtiger
sein, die zur Finanzierung der Ausgleichsvorräte benötigten Mittel zusammenzufassen. So werden Preiszyklen bei industriellen Rohstoffen wie Metallen
in erster Linie durch eine unterschiedliche Nachfrage beeinflußt, die wiederum
in engem Zusammenhang mit dem allgemeinen Wirtschaftszyklus steht. Die
Preise der meisten landwirtschaftlichen Rohstoffe werden dagegen stärker durch
das sich aufgrund der Wetter- und Erntebedingungen verändernde Angebot beeinflußt.
Wir akzeptieren nicht die Auffassung, daß ein gemeinsamer Fonds bereits
geschaffen werden sollte, noch bevor die einzelnen Rohstoffabkommen ausgehandelt sind. Genauso wenig sollten im voraus irgendwelche feste Geldzusagen
für einen solchen gemeinsamen Fonds gegeben werden. Vielmehr sind wir der
Ansicht, daß die Rohstoffabkommen einzeln von den wichtigsten Erzeugern und
Verbrauchern ausgehandelt werden sollten, und daß Ausgleichsvorräte nur als
Bestandteil solcher Abkommen Sinn haben. Vorausgesetzt wir haben die
richtige Zahl und Mischung von Rohstoffabkommen erreicht, wären wir auch
bereit, die verschiedenen Möglichkeiten zur Finanzierung von Ausgleichsvorräten und auch für ein Zusammenfassen der Mittel zu erörtern.
Aber wir sind nicht der Meinung, daß ein gemeinsamer Fonds zur Finanzierung
von Ausgleichsvorräten zu dem Zweck benutzt werden sollte, die Rohstoffpreise
auf lange Zeit hinaus überhöht zu halten.

Dies wäre unseres Erachtens ein

ganz ungeeigneter Weg, einen Transfer von Ressourcen zu erreichen, und wir
bezweifeln es, ob ein solcher Mechanismus überhaupt funktionieren würde.

- 11 -

Frage:
— * -

�Frage: Wie steht es mit der von den USA auf der UNCTAD IV vorgeschlagenen
Ressourcenbank und welche Aussichten werden ihr gegeben?
Antwort: Dieser Vorschlag wird gegenwärtig in der Weltbank geprüft und
dann dem zuständigen Entwicklungsausschuß von Weltbank und IWF zugeleitet
werden.

Wir rechnen damit, daß der Ausschuß in den nächsten Monaten -

wahrscheinlich im September - eine Analyse des Vorschlages und seine
Empfehlungen veröffentlichen wird - also noch vor der nächsten Jahrestagung
der Gouverneure der Weltbank und des IWF. Unseres Erachtens handelt es sich
bei dem Problem , ein ausreichendes Maß an Investitionen überall auf der
Welt zur Erschließung von Rohstoffen sicherzustellen, um eine wichtige
langfristige Frage und wir meinen, daß alle Länder diese Frage sehr
sorgfältig prüfen sollten.

Natürlich werden die Entwicklungsländer in

diesen Bereichen in den kommenden Jahrzehnten einen riesigen Kapitalbedarf
haben.

Die vorgeschlagene internationale Ressourcenbank ist ein Weg zur

Lösunq dieses Problems.

Ein anderer Weg wäre, die Welt zu ermutigen, mehr

staatliche und private Ressourcen für die Erschließung von Rohstoffen
verfügbar zu machen als in der Vergangenheit.
+ + +

- 12 -

�13/1977

VERSORGUNG MIT KERNBRENNSTOFF
- Regierungschefs gaben Sonderstudie in Auftrag

- (AD) - Auf der Londoner Gipfelkonferenz vom 7./8. Mai 1977 kamen
die Staats- und Regierungschefs der Länder USA, Japan, Kanada,Großbritannien,
Bundesrepublik Deutschland, Frankreich und Italien ü'berein, eine der
dornigsten zur Erörterung anstehenden Fragen durch eine Sonderstudie untersuchen zu lassen: Die Frage nämlich, wie sicherzustellen sei, daß alle
Länder zuverlässig mit Kernbrennstoff versorgt werden, ohne daß die Risiken
eines Mißbrauchs von kerntechnischen Anlagen oder Materialien für die
Herstellung von Kernwaffen wesentlich verstärkt werden. Die Studie soll in
zwei Monaten abgeschlossen sein.
Wegen dieser Risiken ist Präsident Carter besonders besorgt.

Für die

Vereinigten Staaten ordnete er an, die Entwicklung eines bestimmten Schnei 1brut-Reaktortyps nicht mehr mit Vorrang zu betreiben.

Denn amerikanische

Experten fürchten u.a., daß es ein Leichtes sein werde, von dem plutoniumreichen Kernbrennstoff, den dieser Reaktor einmal erzeugt, ungeachtet des
bestehenden Systems internationaler Sicherheitsmaßnahmen gewisse Mengen für
die Waffenrpoduktion abzuzweigen.
Präsident

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D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Präsident Carter schlug vor, die Arbeit auf dem Gebiet anderer, weniger
riskanter Verfahren zur optimalen Nutzbarmachung der begrenzten Weltvorräte
an Uran zu intensivieren.

Die USA erboten sich, gemeinsam mit anderen

Nationen im Rahmen einer internationalen Aktion Anstrengungen zu unternehmen,
um dieses Ziel zu erreichen.
Auch andere Nationen sind besorgt, daß sich die Kernwaffen immer weiter
ausbreiten.

Mit jedem neuen Land, das in die Lage kommt, Atombomben herzu-

stellen, sieht sich die Welt noch stärker der Gefahr ausgesetzt, daß durch
das Zusammenwirken irgendwelcher Umstände ein verheerender Atomkrieg ausgelöst wird.
Die Leistungsreaktoren, die heute in Betrieb sind, bedeuten kein großes
Risiko für die Ausbreitung von Kernwaffen. Das Problem ist jedoch, daß sie
nur einen kleinen Teil der nuklearen Energie nutzen, die mit einer gegebenen
Menge von Uran erzeugt werden könnte. Einige Nationen mit unzureichenden
eigenen Vorkommen fürchten, daß bei einer Beschränkung auf die gegenwärtige
Technologie der Zeitpunkt kommen werde, an dem die Uranvorkommen erschöpft
sind und ihrer Wirtschaft dann keine ausreichenden anderen Energiequellen
zur Verfügung stehen.
Eine mögliche Lösung wäre, die Kernbrennstoffe nach ihrem ersten Einsatz im Reaktor aufzubereiten und sie erneut zu verwenden. Präsident Carter
übersieht keineswegs, daß eines Tages die in Atomkraftwerken benutzten Kernbrennstoffe wieder aufbereitet werden müssen. Aber amerikanische Experten
sind überzeugt, daß die Welt genug Zeit habe, geeignete neue Technologien
zu entwickeln, die die Risiken einer nuklearen Proliferation nicht wesentlich
vergrößeren. Sie verweisen darauf, daß man in den USA so verfahre, verbrauchte
Brennelemente aus amerikanischen Atomkraftwerken zu lagern. Sie könnten wiederaufbereitet werden, sobald sich dies als notwendig erweise. Die USA
schlagen vor, dies weltweit zu praktizieren.
Die

- 2 -

�Die Vereinigten Staaten beabsichtigen, allein im nächsten Jahr 750
Millionen Dollar dafür aufzuwenden, um die Möglichkeiten für die Einführung
anderer Kernbrennstoffzyklen zu sondieren, die nicht die Gefahr einer
weiteren Ausbreitung von Kernwaffen in sich bergen.
Ländern wird an diesem Fragenkomplex gearbeitet.

Auch in anderen

So gab ein Vertreter

Frankreichs auf der IAEA-Konferenz über Kernmaterialien kürzlich in Salzburg
bekannt, daß in Frankreich ein neues Verfahren zur Urananreicherung entwickelt worden sei, mit dem Brennstoff für Leistungsreaktoren, nicht
aber Kernmaterial hergestellt werden könne, das sich für Atombomben eignet.
Um andere Nationen zu veranlassen, sich nicht zu früh auf gefährliche
Technologien einzulassen, schlug Präsident Carter ein Programm vor, das
anderen Ländern die zuverlässige Belieferung mit angereichertem Uran für ihre
Leistungsreaktoren garantiert. Bereits vor der Bekanntgabe des neuen amerikanischen Energieprogramms durch Präsident Carter hatten die USA keine neuen
Bestellungen für angereichertes Uran mehr angenommen. Der Hauptgrund dafür
war die Verzögerung in der Ausweitung der amerikanischen Anreicherungskapazität,
die sich aus den Auseinandersetzungen über das Vorgehen hinsichtlich der
Entwicklung neuer Anreicherungskapazitäten ergeben hatte. Präsident Carter
kündigte an, daß die Vereinigten Staaten in absehbarer Zeit wieder Aufträge
für angereichertes Uran annehmen würden. Gleichzeitig schlug er für die USA
vor, ein umfassendes Programm in Angriff zu nehmen, das die Entwicklung ausreichender Kapazitäten für die Produktion "nicht-sensitiver" Kernbrennstoffe
(d.h. von Kernbrennstoffen, die nicht ohne weiteres für Atombomben verwendet werden können) zur Deckung des in- und ausländischen Bedarfs gewährleistet.
Präsident Carter genehmigte inzwischen die ersten acht Lieferungen von
angereichertem Uran im Rahmen der neuen Politik.

Sie sind für Forschungs-

reaktoren in Belgien, der Bundesrepublik Deutschland, in Großbritannien,
Japan, Kanada, in den Niederlanden und für ein internationales Projekt
in Grenoble (Frankreich) bestimmt, an dem Frankreich, die Bundesrepublik und
Großbritannien beteiligt sind.

Im
- 3 -

�Im Rahmen ihrer Bemühungen, die Gefahr einer Weiterverbreitung von
Kernwaffen und eines Atomkrieges zu verringern, verlangen die USA strenge
Kontrollen über Verwendung und den Verbleib angereicherter Kernbrennstoffe,
die sie an andere Länder liefern. Deshalb entschlossen sie sich auch,
kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen nicht zu exportieren. In einem
Interview, das Präsident Carter kürzlich vier europäischen Journalisten
gab, antwortete er auf die Frage nach einem möglichen Export solcher Anlagen
durch andere Länder: "Es wäre uns lieber, wenn in der Welt keine Aufbereitungsanlagen an andere Länder verkauft würden, insbesondere nicht an jene,
die den Vertrag über die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen nicht unterzeichnet haben. Aber einige der Geschäfte oder Verträge sind unter Dach
und Fach oder wurden bereits ausgeführt. Wie haben unsere Meinung kundgetan; aber wir respektieren auch den freien Willen der Nationen, so zu
handeln, wie sie es für richtig erachten."
+ + +

�Wi/scn/choft
und Technik
United States Information Service

13/1977

PFLANZENSTOFF ALS DÜNGEMITTEL
Zehn bis 40 Prozent Mehrertrag durch Triacontanol

- (AD) - Bei Experimenten im Gewächshaus und auf klimageschützten
Versuchsbeeten mit Getreidepflanzen aller Art sowie mit Tomaten, Salat und
Gurken entdeckten Wissenschaftler der Staatsuniversität von Michigan, daß
die Behandlung mit winzigen Mengen der in Wasser gelösten Substanz Triacontanol das Pflanzenwachstum bis zu 40 Prozent zu steigern vermag. Die
Substanz ist ein natürliches Produkt und z. B. im Wachsüberzug der Blätter
bestimmter Pflanzen und im Bienenwachs enthalten.
Dr. Stanley K. Ries, der die Experimente an einem Institut der Staatsuniversität Michigan leitete, isolierte Triacontanol aus Luzernen (in den
USA "Alfalfa" genannt). Der Wissenschaftler vermutet, daß es in allen
Pflanzen vorkommt und als ein Wachstumsregulator wirkt. Er hält es für
denkbar, daß die Substanz synthetisch hergestellt und eines Tages ganz
allgemein zur Produktionssteigerung bei Getreide- und Gemüseanbau eingeführt wird. "Da es sich um ein Naturprodukt handelt, glauben wir auch
nicht, daß damit irgendwelcher Schaden angerichtet werden könnte."

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�Die Bestandteile von Triacontanol, das chemisch zu den Paraffinabkömmlingen zählt, sind Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff.

Es

enthält also - im Gegensatz zu den natürlichen und künstlichen Düngemitteln - keinen Stickstoff.
verdrängen.

Die Substanz könnte Stickstoffdünger nicht

Denn alle Pflanzen brauchen Stickstoff, um Aminosäuren und

Eiweißstoffe aufzubauen.

"Aber sie könnte möglicherweise die Wirksamkeit

der Düngemittel erhöhen", meint Dr. P. Carlson, Biologe an einem der
Pflanzenforschungsinstitute in Michigan.

Mit Triacontanol behandelte

Pflanzen werden größer und wachsen schneller als solche, die nur normal
gedüngt werden.

Acht Milligramm, in Wasser gelöst, reichen für einen

ganzen Hektar Anbaufläche aus.
Die Wirkung ist sowohl bei den einzelnen Pflanzenarten als auch nach
der Art der Anwendung - ob in fester bzw. kristalliner Form oder in Wasser
gelöst - verschieden.

So

erreichten Reis-Setzlinge, die mit Triacontanol-

Kristallen behandelt wurden, in neun Tagen 56 Prozent mehr Trockengewicht als
die Kontroll pflanzen.

(Unter "Trockengewicht" fallen Blätter, Halme,

Körner und Wurzeln, die Tieren oder dem Menschen schließlich zur Nahrung
dienen.)

Wurden Reispflanzen jedoch mit in Wasser gelöstem Triacontanol

behandelt, betrug die Wachstumssteigerung im Vergleich zu den Kontrollpflanzen in 10 Tagen 18 - 42 Prozent.

Die optimalen Konzentrationen für die

Behandlung mit Triacontanol-Lösungen scheinen bei 0,01 bis 0,1 Milligramm
pro Liter Flüssigkeit zu liegen.
Erste Feldversuche sollen im kommenden Sommer beginnen. "Wenn wir die
Laborergebnisse im Feldversuch bestätigen und dort auch nur 10 Prozent
Wachstumssteigerung bei den wichtigsten Nahrungspflanzen erzielen könnten",
so Dr. Joseph Worley vom US-Landwirtschaftsministerium, "wäre dies im
Hinblick auf die zunehmenden Schwierigkeiten mit der Ernährung der Weltbevölkerung ein fantastischer Erfolg." Gegenwärtig sind noch an einer Anzahl anderer amerikanischer Laboratorien Experimente im Gang, mit denen
die von Dr. Ries und seinen Mitarbeitern erzeilten Ergebnisse überprüft
und bestätigt werden sollen.
Die

�Die Möglichkeiten für eine künftige umfassende Anwendung des Wuchsstoffes Triacontanol beurteilt Dr. Ries, der in der Zeitschrift "Science"
(Ausgabe 25. März 1977) über seine Versuche berichtete, noch sehr zurückhaltend.

Denn man erhalte, so argumentiert er, bei Feldtests im Großver-

such - mit unterschiedlichen Feuchtigkeitswerten, bei wechselnden
Temperaturen und mit den verschiedensten Pflanzensorten - häufig nicht die
gleichen Ergebnisse und Reaktionen wie unter kontrollierten Laborbedingungen
oder im Gewächshaus.

Da er jedoch seine Experimente mit Feldversuchen,

und zwar mit Luzernen begann, hofft er, daß künftige Feldversuche mit dem
aus Luzernen gewonnenen Extrakt ebenfalls erfolgreich sind.
Dr. Ries nahm die Experimente, die auf die Spur von Triacontanol
führten, vor zwei Jahren auf. Da sich die Weltpreise für Stickstoffdünger
mehr als verdoppelt hatten, wollten er und seine Mitarbeiter nach Auswegen
für den Fall suchen, daß Kunstdünger zu teuer würde, um für die Mehrzahl
der landwirtschaftlichen Betriebe noch erschwinglich zu sein. Stickstoffreiche Pflanzen wie Luzernen, Klee oder Sojabohnen wurden ja bereits seit
langem auch zur sog. bründüngung benutzt - abgesehen davon, daß die
Luzerne in den USA die wichtigste Futterpflanze ist. Sie kommt immer
wieder - bis p + wa 25 Jahre lang - und braucht so gut wie keine Stickstoffdüngung, weil an ihrem tief in die Erde reichenden Wurzelwerk Bakterien
"nisten", die Luftstickstoff aufbereiten und ihr in verwertbarer Form zuführen. Möglicherweise konnten Leguminosen bei entsprechender Anwendungstechnik als regelrechter Düngerersatz dienen.
Um Luzernen als Dünger zu testen, vergruben Dr. Ries und seine Mitarbeiter Bänder von geschnittenen und getrockneten Pf 1 ar. a.r\ unter und
neben Saatkörnern und Sämlingen. "Die Pflanzen, die nahe dem LuzernenDünger wuchsen, gediehen besonders gut", so Dr. Ries. "Bei Tomaten erhielten wir z. B. Ertragssteigerungen um 10 Tonnen pro Hektar." Aber erst
nach einem Jahr und Hunderten von Experimenten gelang es den Wissenschaftlern,eine Substanz zu identifizieren, die die rätselhafte Wachstumszunahme
verursachte. Es war Triacontanol - nicht der Stickstoff, den pflanzliche
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�pflanzliche "StickstoffSammler" langsam und rationell wieder an den Boden
abgeben.

Wurde nämlich Triacontanol aus den Luzernen völlig entfernt, voll-

zog sich das Wachstum der mit der Restmasse "gedüngten" Pflanzen normal.
Die Substanz läßt sich rein auskristallisieren.

Sie ist in jeder

Form wirksam - als Kristall pulver, in winzigen Mengen angewandt, und in
Lösung, die auf die Pflanzen aufgesprüht, als Gießwasser benutzt oder
in die Nährlösungen von Hydrokulturen eingebracht wird.

Die Menge, die

das Wachstum verstärkt, ist geringer als jene, die Pflanzen wie Luzernen von
Natur aus auf ihren Blättern haben.

Aber der Wirkungsmechanismus von

Triacontanol ist noch völlig unklar.

Die Substanz scheint in mancher

Hinsicht Naturgesetze außer Kraft zu setzen.

Am auffälligsten ist die Tat-

sache, daß sie Pflanzen dazu bringt, im Dunkeln zu wachsen.
wächst Getreide nur am Tage.

Normalerweise

Es nutzt Sonnenlicht als Energiequelle, um

atmosphärisches Kohlendioxid in Nährstoffe umzuwandeln.

Die einzigen

Pflanzen, von denen man weiß, daß sie nachts wachsen, sind gewisse Wüstenpflanzen.

Sie speichern CO2 und wandeln es in der Nacht in Nahrung um.

Dennoch scheinen die mit Triacontanol behandelten Pflanzen weder mehr
Kohlendioxid aus der Luft aufzunehmen als unbehandelte, noch scheinen sie
COg zu speichern, um es nachts umzuwandeln.
Die Wissenschaftler konzentrieren sich jetzt aber erst einmal auf die
Feldversuche. Sie meinen, später sei immer noch Zeit, den Wirkungsmechanismus des Triacontanol im Detail zu klären.
+ + +

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