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                  <text>Information
und
Dokumentation
United States Information Service

22. A p r i l 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Carter umreißt Lateinamerika-Politik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WIRTSCHAFT
Das Anti-Inflationsprogramm Carters
- Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April 1977

HINTERGRUNDMATERIAL
Kernstoff Plutonium - Gemeinrisiko für die Sicherheit
- Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp für
kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen -

Um Übei/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�3
I 3

Dokumentation
United States Information Service

9/1977

CARTER UMREISST LATEINAMERIKA-POLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Ständigen Rat der OAS am 14. April 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat am 14. April in einer
richtungweisenden Rede vor dem Ständigen Rat der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) die Lateinamerika-Politik seiner Administration dargelegt. In
kurzen Begrüßungsworten, teilweise in Spanisch, erinnerte Carter an eine Ansprache, die er vor drei Jahren nach einer Lateinamerikareise vor dem gleichen
Gremium gehalten hat. Die anschließenden Ausführungen des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"An jenem Tag in Atlanta vor drei Jahren vermittelte ich Ihnen einige
der Gedanken, die meine Frau und ich im Laufe unseres Besuches in mehreren
amerikanischen Staaten gesammelt hatten. Ich sprach vor allem von der Notwendigkeit ständiger Zusammenarbeit, Konsultation und Harmonie unter den Nationen der westlichen Hemisphäre. Daran glaube ich heute als Präsident der
Vereinigten Staaten noch genau so fest wie damals vor drei Jahren als Gouverneur von Georgia.
Ich freue mich, daß ich hier in diesem schönen Haus der OAS zu Gast
sein darf.

Die Organisation Amerikanischer Staaten stand drei Jahrzehnte

lang für gegenseitige Achtung unter souveränen Staaten, für Frieden und für

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�für die Herrschaft des Rechts in der westlichen Hemisphäre.

Die Charta

der OAS verpflichtet uns zur persönlichen Freiheit und zur sozialen Gerechtigkeit.

Ich bin heute hierhergekommen, um unsere eigene Verpflichtung zu

diesen Zielen erneut zu bekräftigen.
Die Herausforderung, vor der wir heute stehen, erfordert jedoch mehr
als nur eine Bekräftigung dieser Grundsätze.
finden, sie Wirklichkeit werden zu lassen.

Wir müssen Mittel und Wege
Wenn wir das tun wollen, dann

müssen wir uns über die Veränderungen in unseren Beziehungen klar werden,
die in den letzten zehn Jahren stattgefunden haben, und wir müssen offen und
ehrlich die Unterschiede eingestehen, die zwischen uns bestehen.
Wir müssen unsere heutige Politik und unsere heutigen Institutionen
an diese Veränderungen anpassen, damit wir unsere Ziele wirksamer verfolgen
können.
Als Nationen der 'Neuen Welt' glaubten wir einst, daß wir in Isolation
von der 'Alten Welt' gedeihen könnten. Aber vor allem seit dem Zweiten Weltkrieg haben wir alle so lebenswichtige Rollen in der Weltgemeinschaft übernommen, daß Isolation heute unseren eigenen besten Interessen und anderen
Ländern schaden würde. Unser Beitritt zum Internationalen Währungsfonds, zur
Weltbank und zum Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommen (GATT) sind Zeichen
dafür, daß wir das begriffen haben. Dazu gehört auch die Konferenz der Vereinten Nationen für Handel und Entwicklung (UNCTAD), die Raul Prebisch aus
Argentinien zu einem wichtigen Forum der Entwicklungswelt machte. Venezuela
ist heute Ko-Vorsitzender der Konferenz für Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) in Paris. Die Wirtschaftskommission der Vereinten Nationen für Lateinamerika ist eine Quelle vieler schöpferischer Ideen für die
Entwicklung in der ganzen Welt. Die Führer vieler lateinamerikanischer Staaten
sind eine treibende Kraft zur Verbesserung der Nord-Süd-Verhandlungen gewesen.
Auf all diese Weise gehörten die Nationen Lateinamerikas zu den ersten,
die in unserer sich verändernden Welt erkannt haben, wie wichtig es ist, daß
- 2 -

�daß sich globale Institutionen an die neuen Realitäten von heute anpassen.
Die Probleme und die Aussichten unserer Region sind so vielfältig geworden wie die der ganzen Welt.

Die Volkswirtschaften der meisten latein-

amerikanischen Länder haben sich rasch entwickelt, wenn auch natürlich in
unterschiedlichem Tempo.

Manche haben eine eindrucksvolle Wachstumsrate

aufzuweisen; einige gehören zu den ärmsten Entwicklungsländern der Welt.
Manche verfügen über reichliche Energiequellen; andere leben in einer verzweifelten Energieknappheit.

Manche unserer Länder exportieren nur Grund-

stoffe; andere sind zu wichtigen Exporteuren von modernen Fertigwaren geworden, wieder andere exportieren kaum etwas.

Ihre Probleme des Marktzugangs,

des Technologietransfers und der Schuldenregelung trotzen manchmal selbst
einer regionalen Lösung.
Neben der wirtschaftlichen Unterschiedlichkeit haben wir alle auch vielerlei Formen und Systeme in der Regierung entwickelt.

Diese Unterschiedlich-

keit hat zu Nationalstolz und nationaler Stärke geführt,und in dem Maße, in
dem Sie eine unabhängigere und wichtigere Rolle in der Weltpolitik gespielt
haben, haben wir alle damit begonnen, eine normalere und ausgewogenere und
gleichberechtigte Beziehung aufzubauen.
Im Lichte dieser Veränderungen hätte eine einschichtige amerikanische
Politik gegenüber Lateinamerika wenig Sinn.

Wir müssen die Dinge heute in

einem größeren Zusammenhang sehen und eine flexiblere Haltung einnehmen, zu
der wir in enger Konsultation mit Ihnen gelangen.

Wir werden zusammen Poli-

tiken entwickeln, die der Eigenart und dem Potential einer jeden Nation besser
entsprechen.

Bei diesem Prozeß werde ich besonders darauf bedacht sein, daß

wir nicht versuchen, die Nationen Lateinamerikas untereinander zu spalten
oder Lateinamerika von der übrigen Welt zu isolieren.

Unser Ziel ist, die

Probleme in einer Weise anzupacken, die zu einer produktiven Lösung führt
- global, regional und bilateral.
Unsere
- 3 -

�Unsere neue Haltung wird auf drei Grundelementen beruhen:
Das erste dieser Elemente ist die hohe Achtung vor der Individualität
und Souveränität eines jeden Landes in Lateinamerika und in der Karibik.
Wir werden in anderen Ländern nichts unternehmen, was wir in unserem eigenen
Lande nicht dulden würden.
Das zweite ist unsere Achtung vor den Menschenrechten, eine Achtung,
die so sehr Teil Ihrer eigenen Tradition ist.

Unsere und Ihre Werte verlan-

gen von uns, daß wir gegen Verletzungen der Freiheit des Einzelnen, einschließlich jener, die aus politischer, sozialer und wirtschaftlicher Ungerechtigkeit
geschehen, kämpfen.
Daß diese Werte auch unser eigenes Anliegen sind, wird natürlich unsere
Beziehungen mit den Ländern der westlichen Hemisphäre beeinflussen, und Sie
werden unser Land, die Vereinigten Staaten von Amerika, in der ganzen Welt
bereitfinden, nachdrücklich neben jenen Nationen zu stehen, die die Menschenrechte achten und die demokratischen Ideale fördern.
Das dritte ist unser Wunsch, den großen Fragen zum Durchbruch zu verhelfen, die die Beziehungen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern berühren. Ihre wirtschaftlichen Probleme sind ebenfalls ihrer Natur
nach global und können nicht allein auf regionaler Basis gelöst werden. Einige unserer eigenen globalen Politiken sind von besonderem Interesse für andere amerikanische Staaten. Wenn auf diesen Gebieten wesentliche Entscheidungen getroffen werden, dann werden wir uns mit Ihnen konsultieren.
Die Vereinigten Staaten werden eine positive und offene Haltung zu Verhandlungen über Abkommen zur Stabilisiemng der Rohstoffpreise, einschließlich
der Einrichtung einer gemeinsamen Vereinbarung zur Finanzierung
von Ausgleichsvorräten (Buffer Stocks), einnehmen, wo diese Bestandteil eines
individuellen und ausgehandelten Abkommens sind.
Wir

�Wir nehmen aktiv an den multilateralen Handelsverhandlungen mit Ihren
Regierungen in Genf teil.

Wir haben uns verpflichtet, Handelsschranken auf

ein Minimum zu senken und die besonderen Handelsprobleme der Entwicklungsländer in Rechnung zu stellen sowie für eine besondere und günstigere Behandlung
zu sorgen, wo dies möglich und angebracht ist.

Wir sind der Überzeugung, daß

dies in unserem gegenseitigen Interesse liegt und wichtige neue Möglichkeiten
für den Lateinamerikahandel bietet.
Unsere eigene Wissenschaft und Technologie kann für viele Ihrer,Länder
von Nutzen sein. So sind wir beispielsweise bereit, Ihre Techniker auszubilden, damit sie mehr Informationen nutzen können, die von unseren Erdsatelliten gesammelt werden, und Sie damit in die Lage versetzt werden, bessere
Entscheidungen im Management ihrer Ressourcen und Ihrer Umwelt zu treffen.
Die Technologie des Weltraumfernmeldewesens kann ferner ein schöpferisches
Werkzeug sein, um Ihnen beim Aufbau Ihrer nationalen Fernsehsysteme zur Förderung der Bildungs- und Kulturaufgaben zu helfen.
Ich habe den Kongreß ersucht, unsere Zusagen für die Interamerikanische
Entwicklungsbank und die anderen multilateralen Kreditinstitute voll zu erfüllen, die einen großen Teil ihres Kapitals an die relativ fortschrittlichen
Entwicklungsländer in Lateinamerika ausleihen.
Und schließlich lenken wir mehr und mehr unserer bilateralen Wirtschaftshilfe in die ärmeren Länder. Wir sind ferner bereit, zusammen mit anderen
Ländern neue Mittel und Wege zu sondieren, wie wir in einem weiteren Bereich
institutioneller, menschlicher Entwicklung hilfreich sein können, sowie technologische Wege, die diese Länder in die Lage versetzen könnten, wirksamer mit
den Problemen der Bedürftigen fertig zu werden. Wir alle tragen eine besondere Verantwortung, den ärmsten Ländern der Welt zu helfen, ebenso wie den
ärmsten Menschen in jedem unserer Länder.
Ich möchte noch kurz etwas über Privatinvestitionen sagen.

Ihre Re-

gierungen sind begreiflicherweise daran interessiert, Regeln festzulegen, die
- 5 -

�die private Investoren dazu ermutigen, eine wichtige Rolle in Ihrer Entwicklung zu spielen.

Wir unterstützen Ihre Bemühungen und sind uns darüber im

klaren, daß es heute einer neuen Flexibilität und Anpassungsfähigkeit bedarf,
wenn ausländische Investitionen in der Kombination von Technologie, Kapitalmanagement und Markterfahrung bei Ihrem Entwicklungsbedarf den größten Nutzen
bringen sollen.

Wir werden auf diesem Gebiet das unsrige tun, um zwischen

Ihren Regierungen und der unsrigen Meinungsverschiedenheiten und Mißverständnisse zu vermeiden.
Einer der bedeutsamsten Trends unserer Zeit ist das Verhältnis zwischen
den Entwicklungsländern der Welt und den Industriestaaten.

Wir ziehen aus

Ihrem Rat und Beistand Nutzen, und wir zählen darauf, daß Sie Ihre konstruktive Führung einbringen und uns in diesem Nord-Süd-Dialog helfend zur Seite
stehen werden.
Wir hoffen ferner darauf, mit allen Nationen zusammenzuarbeiten, um der
Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernsprengstoff Einhalt zu gebieten.

Die Staaten Lateinamerikas haben vor zehn Jahren die Initiative er-

griffen, als Sie die erste kernwaffenfreie Zone in irgendeinem

bewohnten Ge-

biet der Erde schufen.
Der Vertrag von Tlatelolco ist ein Modell, das unserer Bewunderung würdig ist. Die Vereinigten Staaten werden ihrerseits unterzeichnen, und ich
werde den Senat ersuchen, das Protokoll Nr. 1 des Vertrages zu ratifizieren,
das die Stationierung von Kernwaffen in Lateinamerika verbietet.
Das Verbot der Ausbreitung von nuklearen Brennstoffen erfordert jedoch
keine Aufgabe der Vorteile der friedlichen Nukleartechnologie. Wir wollen
mit Ihnen allen bei der Entwicklung neuer Technologien für die Nutzung des
Atoms für friedliche Zwecke eng zusammenarbeiten.
Um den kostspieligen Aufbau konventioneller Waffen zu bremsen, streben
wir eine weltweite Politik der Zurückhaltung an.
- 6 -

Wir legen in unserer eigenen

�eigenen Politik in der ganzen Welt Zurückhaltung an den Tag, und wr

werden

mit Liefernationen und in Frage kommenden Käufern über Mittel und *agt sprechen, um eine gemeinsame Lösung auszuarbeiten.

Wir sind ferner der Aurfassuriy,

daß regionale Abkommen zwischen Produzenten und Käufern ebenfalls einer solchen weltweiten Anstrengung dienen können.
Ich habe den größten Teil des heutigen Vormittags damit zugebracht, an
einer neuen amerikanischen Politik zur Verringerung der Verkäufe von konventionellen Waffen in der ganzen Welt zu arbeiten.
teinamerika die Führung übernommen.

Auch hier haben Sie in La-

Die Verpflichtung von acht südamerika-

nischen Staaten, den Erwerb von Offensivwaffen in ihrer Region zu begrenzen,
ist ein eindrucksvolles Beispiel. Wenn diese acht Länder ihre Verpflichtung
verwirklichen können, dann werden nicht nur ihre eigenen Völker davon profitieren.

Sie werden eine Norm für andere in der ganzen Welt aufgestellt haben

Das sind unsere Herausforderungen für die Zukunft. Es gibt auch Probleme
aus der Vergangenheit, die uns plagen, und wir müssen zusammenarbeiten, um
sie zu lösen.
Ein Problem, das sich uns stellt, ist der Panama-Kanal.

In den ersten

Tagen meiner eigenen Administration, erst vor ein paar Wochen, habe ich Anweisung gegeben, mit einem neuen Geist an unsere Verhandlungen mit Panama über
einen neuen Kanal vertrag heranzugehen.

Im Lichte der Veränderungen, von denen

ich vorhin gesprochen habe, ist der Vertrag aus dem Jahre 1903, der unser Verhältnis mit Panama bezüglich des Kanals regelt, nicht mehr angemessen oder
sachgerecht.
Ich habe mich fest verpflichtet, so unverzüglich wie möglich einen neuen
Vertrag auszuhandeln, der die legitimen Ansprüche Panamas als souveräner Staatund unsere und Ihre Interessen an einem leistungsfähigen Betrieb des neut^ait-Kanals in Rechnung stellt, der ohne jede Diskriminierung allen Benutzern offen
steht.
Ein
- 7 -

�Ein weiteres Problem, das wir irgendwie gemeinsam anpacken müssen, ist
die Kuba-Frage. Wir sind der Meinung, daß ein normales Verhalten in den internationalen Beziehungen und insbesondere die Beilegung von Differenzen eine
Kommunikation mit allen Ländern der Welt erfordert.

Dieses Ziel vor Augen,

bemühen wir uns festzustellen, ob die Beziehungen zu Kuba auf einer ausgewogenen und beiderseitigen Grundlage verbessert werden können.
Ich trete für Freizügigkeit zwischen den einzelnen Ländern ein.

Ich

habe die Beschränkungen für amerikanische Staatsbürger aufgehoben, die ins
Ausland zu reisen wünschen.
Beschränkungen mehr.

Heute gibt es keine von unserem Lande auferlegte

Heute habe ich ebenfalls ähnliche Reisebeschränkungen

für in den USA ansässige Ausländer aufgehoben.
Wir wollen den internationalen Reiseverkehr fördern, und wir müssen in
diesem Zusammenhang die über die nationalen Grenzen hinausreichenden Probleme
stärker berücksichtigen.

Drogen und internationales Verbrechen, einschließ-

lich des Terrorismus, stellen die traditionellen Konzeptionen der Diplomatie
vor neue Aufgaben.
zusammenarbeiten.

Zum Nutzen unserer Völker müssen wir bei diesen Fragen
Mit jedem weiteren Jahr nehmen diese Probleme einen zentra-

leren Platz in unseren Überlegungen ein.
Seit langem habe ich ein Interesse an der Organisation Amerikanischer
Staaten (OAS) gezeigt, und mir liegt sehr daran, daß sie eine immer konstruktivere Rolle spielt.
Die Vollversammlung der OAS ist immer ein wichtiges Forum für den direkten
Meinungsaustausch zwischen unseren Regierungen gewesen. Solche ministeriellen
Konsultationen sind außerordentlich nützlich. Sie setzen uns in den Stand, unsere kollektive Stärke auf politische und wirtschaftliche Probleme zu konzentrieren.
Die Interamerikanische Kommission für Menschenrechte hat wertvolle Dienste
geleistet.

Sie verdient verstärkte Unterstützung für die Wahrung und Förderung
- 8 -

�Förderung der Menschenrechte, und die Vereinigten Staaten werden koordinier
und multilaterale Maßnahmen auf diesem Gebiet anstreben.

Die Vereinigten

Staaten werden die Amerikanische Konvention für Menschenrechte unterzeichnen,
die vor einigen Jahren in Costa Rica ausgehandelt worden ist. und den Senat,
um Billigung ersuchen.

Und wir werden in Zusammenarbeit mit internationalen

Behörden erweiterte Programme zur Unterstützung politischer Flüchtlinge fordern.

Ich fordere diese Organisation und all ihre Mitgliedstaaten nachdrück-

lich auf, eine aktivere Rolle bei der Versorgung, dem Schutz und der Wiederansiedlung politischer Flüchtlinge zu spielen.
Die friedenserhaltende Funktion der OAS ist fest in ihre Charta eingebettet. Ich möchte den Generalsekretär der OAS ermutigen, auch in Zukunft
eine aktive und effektive Rolle in dem Bemühen um friedliche Lösungen verschiedener schon langanhaltender Streitfragen in der westlichen Hemisphäre
zu spielen. Die Vereinigten Staaten werden seine Bemühungen und Initiativen
unterstützen.
Die OAS ist natürlich nicht das einzige Instrument der Zusamnr^arbeit
zwischen den Nationen des amerikanischen Kontinentes. Die Interamerikanische
Entwicklungsbank gehört zu den wichtigsten multilateralen Institutionen für
die Förderung der Entwicklung in der Welt von heute» Dadurch, daß wir Länder
von außerhalb mit einbeziehen, legt die Interamerikanische Entwicklungsbank
Zeugnis für das wachsende Engagement Lateinamerikas gegenüber der übrigen Welt
ab.
Innerhalb der westlichen Hemisphäre arbeiten viele von Ihnen bei der regionalen Integration von Anstrengungen mit - einschließlich der Bemühungen
im karibischen Raum, beim Mittelamerikanischen Gemeinsamen Markt und im AndenPakt.

Wir befürworten solche Anstrengungen.

Sie sind die ersten Schritte

auf dem Wege zur Verwirklichung der Vision Bolivars von einer vereinigten
Hemisphäre.
Lassen

�Lassen Sie mich zum Abschluß eine Sache anschneiden, die mir auf Grund
meines langjährigen Interesses an interamerikanischen Angelegenheiten besonders am Herzen liegt.

Meine Frau und ich haben Mexiko und Brasilien be-

reist, die beiden größten und sich am raschesten verändernden Länder in Lateinam*&gt;rika, und dort viele Freunde gewonnen.

Und wir haben auch andere Län-

der in Mittel- und Südamerika besucht und auch dort zahlreiche Freunde gewonnen.

Meine Frau lernt gegenwärtig Spanisch, zusammen mit der Gattin des Außen-

ministers, und ich selbst habe versucht, meine Spanischkenntnisse, die ich
auf der Schule erworben habe, nicht einrosten zu lassen.

Ich habe mit aller

Deutlichkeit erkannt, wieviel Gutes und welche Bereicherung mein Land durch
die Völker und Kulturen der Karibik und Lateinamerikas erfahren haben.

Wir

sind miteinander verbunden - das sehe ich ganz klar - durch die Kultur, die
Geschichte und durch gemeinsame Zielsetzungen und Ideale.
In den Vereinigten Staaten lebt praktisch die viertgrößte Spanisch sprechende Bevölkerung der Erde.

Ich habe mich bemüht, während meines Wahlfeld-

zuges in den letzten zwei Jahren mit vielen dieser Menschen zusammenzutreffen.
Sie gaben mir ihre Unterstützung, ihre Ermutigung und ihren Rat.

Die Bücher,

die wir lesen, die Musik, die wir hören, der Sport, den wir treiben - dies
alles spiegelt wider, daß wir einander immer mehr bewußt werden.
Dieser Austausch auf geistigem, sozialem, kulturellem und pädagogische'"
Gebiet wird weitergehen - sei es mit oder ohne Regierungshilfe. Es gibt jedoch Maßnahmen, die die Regierungen treffen können, um diesen Prozeß zu beschleunigen und zu intensivieren. Wir planen daher,in den kommenden Monaten
zusammen mit Ihren Regierungen - auf individueller Basis oder hier in der OAS Möglichkeiten für neue "people-to-people" (Volk zu Volk)-Programme, für einen
verstärkten Austausch von Wissenschaftlern und Experten und für andere Wege
zu sondieren, durch die die zwischen uns bereits bestehenden Bande noch verstärkt werden können.
Wir stehen vor der Aufgabe, unsere Institutionen einer sich wandelnden
Welt gegenüber wach und aufgeschlossen zu halten.
- 10 -

Wir müssen unsere Aufmerk-

�-

T

-

Aufmerksamkeit auf die Probleme, denen sich unsere Länder gegenübersehen,
konzentrieren und jede Lösung den einzelnen Problemen anpassen.
Wie Sie wissen, bin ich neu im Amt des Präsidenten.
Menge zu lernen.
amerika.

Ich habe noch eine

Mein Herz und mein Interesse gehören in hohem Maße Latein-

Ich begrüße jede Gelegenheit, um die Bande der Freundschaft und das

Gefühl einer gemeinsamen Zielsetzung und enger Konsultation mit den Staaten
und den Völkern der Karibik und Lateinamerika zu stärken.
Viele von Ihnen hier sind Führer und Repräsentanten

Ihrer Regierung» Ich

bitte Sie um Ihren Rat und um Ihre Unterstützung, wenn wir in der Zukunft gemeinsam Problemen gegenüberstehen werden.

Für unser Land und auch für uns be-

deutet es sehr viel, enge, bilaterale und direkte Beziehungen zu Ihnen zu unterhalten.
Wir sehen in der OAS, die dankenswerter Weise hier in Washington ihr
Hauptquartier hat, eine Verbindungsstelle, über die wir mehr lernen und Ratschläge erhalten und Pläne für die Zukunft machen können.
Simon Bolivar war überzeugt, daß wir unsere Ziele nur erreichen könnten,
wenn unsere Völker frei sind und unsere Regierungen harmonisch zusammenarbeiten,
Ich hoffe, daß die von mir heute umrissenen Maßnahmen und gegebenen Zusicherungen uns zu diesen Zielen des Friedens und der Freiheit hinführen werden.
Ich danke Ihnen!"

+ + + + +

- 11 -

�Wift/chaft
United States Information Service

9/1977

DAS ANTI-INFLATIONSPROGRAMM CARTERS
Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 15. April

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat am 15. April 1977 ein umfassendes Programm zur Bekämpfung der Inflation in den Vereinigten Staaten
bekanntgegeben. Das Programm enthält 19 Punkte und soll dazu dienen,
die Inflation in den USA bis Ende 1979 um zwei Prozentpunkte zu senken.
Wie Carter auf einer Pressekonferenz am gleichen Tage versicherte, ist
nicht an Lohn- oder Preiskontrollen gedacht, sondern der Präsident erwartet, daß sich Unternehmer und Arbeitnehmer freiwillige Zurückhaltung
auferlegen werden. Daneben ist eine Reihe von Maßnahmen der Regierung
vorgesehen, um unter anderem eine Zurückhaltung in der Ausgabenpolitik,
eine Senkung des Verwaltungsaufwandes und eine Stabilisierung der Rohstoffpreise zu erreichen.
Carter wies auf seiner Pressekonferenz darauf hin, daß das am 20. April
erwartete Energieprogramm der Regierung eine gewisse inflationäre Wirkung
haben könne und daher gegengesteuert werden müsse. Trotzdem werde das
Konjunkturprogramm fortgesetzt. Die am 14. April getroffene Entscheidung,
die Steuerrückzahlung von 50 Dollar pro Person - die zur Belebung der Verbrauchernachfrage gedacht war - nicht durchzuführen, hänge nicht direkt mit

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�mit dem Anti-Inflationsprogramm zusammen, erklärte der Präsident, jedoch
sei die Nachfrage stärker gestiegen als erwartet.

Daher habe man auf

diesen weiteren Anreiz verzichtet.
Wesentlicher Teil des Anti-Inflationsprogramms ist ein Konsultationsmechanismus von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und Regierung
konzertierter

- eine Art

Aktion.

Die vom Weißen Haus herausgegebene Erklärung Carters hat in wesentlichen Auszügen folgenden Wortlaut:
Ich gebe heute eine Reihe von Maßnahmen bekannt, die darauf abzielen,
die Inflation unter Kontrolle zu bringen und zu senken.

Dieses Programm

umfaßt folgende Elemente:
•

- Fiskalische Disziplin, um bis zum Hauhaltsjähr 1981 mit einer Rückkehr zu einer normalen Wirtschaft ein ausgeglichenes Budget zu erreichen.
- Ein Abkommen zwischen führenden Unternehmern und Gewerkschaftern, um
den Rahmen für Konsultationen mit der Regierung zu schaffen, wie wir unsere
Ziele der Arbeitsplatzbeschaffung, Inflationskontrolle und anderer wirtschaftlicher Prioritäten erreichen können.
- Bemühungen des Rates für Lohn- und Preisstabilität, Analysen anzustellen und Informationen über die inflationären Verhältnisse auf einzelnen
Märkten und in einzelnen Industriezweigen zu liefern.
- Ein Frühwarnsystem im Rahmen des Rates für Lohn- und Preisstabilität,
das Verknappungen und Engpässe voraussagt und verhütet.
- Wirksame Anreize für die Unternehmer, im Rahmen einer umfassenden
Steuerreform die Investitionen in neue Produktionskapazität zu erhöhen.
- Ein
- 2 -

�- Ein neues Programm, um den Anstieg der Krankenhauskosten zu dämpfen.
- Eine Beschäftigungspolitik, die Nachdruck legt auf fachliche Ausbildung, gezieltere Arbeitsplatzvermittlung und verbesserte Vermittlungsdienste, um offene Stellen mit verfügbaren Arbeitskräften zu besetzen.
- Förderung erhöhter Produktivität in Unternehmen und Landwirtschaft.
- Initiativen, um die starken Schwankungen in der Rohstoffversorgung
abzuschwächen, die die Inflation in den letzten Jahren angeheizt haben.
Das soll durch folgende Maßnahmen geschehen: Lebensmittelreserven beim
Farmer, um die Verbraucherpreise und das Einkommen der Farmer stabilisieren zu helfen... Verhandlungen zur Verringerung der Schwankungen im
Weltmarktpreis von Zucker und Getreide und eine offene Betrachtung der
Möglichkeiten von Preisabkommen für andere Rohstoffe... Zusammenarbeit mit
dem Kongreß, um zu gewährleisten, daß Rohstoffe aus den strategischen Vorräten Amerikas zur Verfügung gestellt werden, wenn es in Friedenszeiten zu
Versorgungsschwierigkeiten kommen sollte.
- Regelmäßige monatliche Zusammenkünfte des Vorsitzenden des Zentralbankenrates, meiner selbst und meiner Hauptwirtschaftsberater, um eine
bessere Koordinierung der Währungs- und der Haushaltspolitik zu erreichen.
- Volle Überprüfung der wirtschaftlichen Kosten wichtiger Regierungsverordnungen durch eine wirksamere Analyse ihrer wirtschaftlichen Auswirkung.
-Größerer Nachdruck darauf, die Einhaltung von Verordnungen durch Anreize
und Verhaltensnormen zu erreichen statt durch detaillierte Festlegung von
Durchführungsbestimmungen, größerer Nachdruck auf Anstrengungen zur Erhöhung der Effektivität und zum Abbau der Bürokratie und der zeitlichen
Verschleppung.
- Reform

�- Reform der Preisbindung, um eine verstärkte Konkurrenz innerhalb
preisgebundener Industrien zu erreichen, einschließlich einer großen
Anstrengung, die Fluggesellschaften und andere Industriezweige, in denen
die Preisbindung den Wettbewerb unnötig hemmt, aus der Preisbindung herauszunehmen.
- Zusammenarbeit mit anderen Ländern, einschließlich einer Unterstützung des Internationalen Währungsfonds, um die weltweite Inflationstendenz zu verringern.
- Benutzung der internationalen Handelspolitik, um Wettbewerbspreise
für den Verbraucher sicherstellen zu helfen, während glächzeitig die
legitimen Forderungen bestimmter amerikanischer Industriezweige und
Arbeiter in Rechnung gestellt werden.
- Ausarbeitung von Verfahren, um kostspielige und unnötige Verzögerungen bei der Erteilung von Baugenehmigungen durch Regierungsbehörden
zu vermeiden.
- Strikte Anwendung der KarteiIgesetze, einschließlich einer Verhinderung von Preisabsprachen und monopolistischen Praktiken.
- Reorganisation der Bundesregierung, um die Regierungstätigkeit zu
straffen, ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen und sie zu einem wirksameren
Instrument zur Erreichung unserer nationalen Ziele im Rahmen der Haushaltsgrenzen zu machen.
- Eine wirksamere Beschaffungspolitik des Bundes, einschließlich noch
stärkerer wettbewerbsorientierter Ausschreibungen und eines stärkeren und
wachsameren Neuverhandlungsausschusses.
Im vorigen Jahr betrug die Inflationsrate im Durchschnitt sechs Prozent.
Wenn wir diese Inflationsrate senken wollen, dann bedarf dies einer ver-

�vereinten natione&gt;n Anstrengung.
übernehmen.

Die Bundesregierung wird die Führung

Ich habe bereits Haushaltsentscheidungen getroffen, um das

Defizit im Bundeshaushalt zu senken und die Kosten für öffentliche
Programme im Rahmen zu halten, und ich habe überhöhte Zölle und Quoten
für die Einfuhr von Schuhen und Pilzen abgelehnt.

Diese Entscheidungen

waren schwer, aber für das große Ziel der Verringerung der Inflation notwendig.
Niemand sollte von der Regierung leichte Antworten erwarten, denn es
gibt keine. Und die Regierung kann die Aufgabe nicht allein schaffen.
Wir stehen auf dem Gebiet der Energie und auf anderen Gebieten von
nationaler Wichtigkeit vor schweren Entscheidungen.

Ich bin jedoch über-

zeugt, daß Regierung, Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsam, sozusagen
als Zwischenziel, vernünftigerweise eine Verringerung der Inflationsrate
um zwei Prozentpunkte bis Ende 1979 anstreben können, ohne dabei unsere
Verpflichtung zur Vollbeschäftigung aufgeben zu müssen.
Wenn wir die Inflation in den Griff bekommen wollen, dann müssen alle
Teile der amerikanischen Volkswirtschaft zusammenarbeiten. Auf lange Sicht
ist der einzige Weg, der zu mehr Arbeitsplätzen führt, stabile Preise und
ein höheres Realeinkommen für unsere ganze Bevölkerung...
Das Anti-Inflationsprogramm... ist auf die Natur des Problems zugeschnitten, vor dem wir stehen.
Es besteht aus drei Hauptteilen:
Wirtschafts- und haushaltspolitische Maßnahmen, die das Wachstum
fördern und gleichzeitig jede übermäßige Stimulierung vermeiden; spezifische staatliche Maßnahmen zur Bekämpfung der Inflation; und freiwillige
Anstrengungen seitens der Arbeitgeber, der Arbeitnehmer und der Regieruna,
das uns allen gemeinsame Ziel der Bereitstellung von neuen Arbeitsplätzen,
der Förderung eines stetigen Wachstums und der Eindämmung der Inflation TM_
- 5 -

�zu erreichen...
Die Wirtschaft bietet bei Zugrundelegung wirklich objektiver Maßstäbe
hinreichenden Spielraum für eine weitere Expansion, ohne einen NachfrageÜberhang zu produzieren.

Viele Kreise fürchten jedoch, daß die der-

zeitige staatliche Haushaltspolitik einen erneuten inflatorisehen Druck
zur Folge haben wird.

Ich möchte mich diesen Befürchtungen direkt zuwenden.

Unzureichende Steuereinnahmen als Folge einer Stagnation der Wirtschaft nicht aber legitime Ausgabenvorhaben des Bundes - sind die Hauptursache von
Defiziten.

Wir haben heute hohe Haushaltdefizite, weil die schlimmste

Rezession der letzten 40 Jahre noch immer nicht abgeschlossen ist.
In diesem Maße, in dem die Rezession zurückgeht, müssen auch die
Defizite schrumpfen und schließlich gänzlich aufhören.

Wir dürfen es nicht

zulassen, daß die Drivate und die staatliche Nachfrage zusammengenommen
die Produktionskapazität der heimischen Wirtschaft übersteigen, weil dies
mit Sicherheit den inflatorisehen Druck verstärken würde.

Ich habe die

bindende Zusage gemacht, bis zum Haushallsjahr 1981 in einer normalisierten
Volkswirtschaft zu einem ausgeglichenen Haushalt zu gelangen, und ich werde
alles tun, was ich zu tun vermag, um dieses Versprechen zu halten.
Zwei Schritte sind für einen ausgeglichenen Staatshaushalt von entscheidender Bedeutung. Der erste ist eine anhaltende Ausweitung der
privaten Wirtschaft, die eine stetige Zunahme der Zahl der Arbeitsplätze,
der Einkommen und der Steuereinnahmen des Bundes auslösen wird. Meine
Vorschläge bezüglich der unmittelbaren Schaffung neuer Arbeitsplätze
und der ständigen Verminderung der Steuersätze für die Bezieher niedriger
und mittlerer Einkommen werden uns auf diesem Weg ein Stück voranbringen,
und ich ersuche deshalb den Kongreß dringend, die diesbezüglichen
gesetzgeberischen Maßnahmen unverzüglich zu verabschieden.
Der

- 6 -

�Der zweite Schritt besteht darin, die Zunahme der öffentlichen Ausgaben
in den vor uns liegenden Jahren in engen Grenzen zu halten.

Die Haushalts-

voranschläge, die ich einzubringen gedenke, werden deshalb vertretbare
Ausgaben-Obergrenzen vorsehen, und ich werde unablässig mit allen Regierungsstellen und auch dem Kongreß zusammenarbeiten,um sicherzustellen, daß diese
auch tatsächlich eingehalten werden.
Die Haushaltsvoranschläge, die meine Zustimmung erhalten, werden auf einen
Plus-Minus Null-Ausgleich aller Programme der Bundesregierung gerichtet sein.
Der Kongreß hat in Durchführung der im Haushalt-Reformgesetz niedergelegten
Verfahren seine Sorge um eine verantwortungsbewußte Haushaltspolitik zum
Ausdruck gebracht. Nach meinem Dafürhalten können wir in Zusammenarbeit
sowohl den Erfordernissen unseres Landes nachkommen als auch gleichzeitig
innerhalb vertretbarer Grenzen der Steuerpolitik bleiben.
Ich habe die Reorganisation der Regierung und die Steigerung ihrer
Effektivität zu einer Schlüsselfrage meines Präsidentschaftswahl kämpfes
gemacht.

Ich beabsichtige, die mir inzwischen vom Kongreß erteilten neuen

Reformvollmachten dazu zu benutzen, die Arbeitsweise der Bundesregierung
zu straffen.
Um eine engere wirtschaftliche Konsultation innerhalb des gesamten
Regierungsapparates sicherzustellen, werden wir regelmäßig monatliche
Zusammenkünfte zwischen mir, dem Vorsitzenden des Zentralbankenrates und
einigen meiner Wirtschaftsberater abhalten.
Ein Kurs in der Steuer- und Geldpolitik, wie ich ihn hier umrissen
habe, sollte es dem Zentralbankenrat gestatten, eine Ausweitung der Geldmenge und des Kreditvolumens zuzulassen, die mit mäßigen Zinssätzen und
einem stetigen und nicht-inflationären Wachstum der Beschäftigung und der
Produktion vereinbar ist... Zusätzlich zu einer wohlüberlegten Steuerpolitik
kann die Regierung eine Reihe spezifischer Maßnahmen ergreifen, um unsere
Verletzlichkeit durch neue inflatorische Pressionen zu vermindern und die

- 7 -

�die derzeitigen Inflationsraten zu senken.

Ich schlage Maßnahmen auf

insgesamt elf Gebieten vor
1.

Der Rat für Lohn- und Preisstabilität: Wir werden in unserer Strategie

im Kampf gegen die Inflation den Schwerpunkt auf die Bemühungen legen,
spezifische inflationäre Probleme schon bei ihrem Auftauchen zu erkennen
und sogleich wirksame Gegenmaßnahmen zu treffen.

Um dieses Ziel zu erreichen,

- wird der Rat für Lohn- und Preisstabilität seine Tätigkeit auf die
Erstellung bis in Einzelheiten gehender und zeitbezogener Analysen der
Wirtschaftslage in jenen Industriezweigen und auf jenen Märkten ausrichten,
die für die Stabilisierung der Preise wichtig sind...
- wird der Rat die bereits bestehende Praxis fortführen, sachliche
Informationen in bezug auf Löhne, Preise, Kapazitäten und andere Entwicklungen in besonderen Industriezweigen zu veröffentlichen.

Er wird

ferner künftig gelegentlich im Zusammenhang mit wichtigeren inflatorisehen
Entwicklungen öffentliche Anhörungen vornehmen...
- wird der Rat für die jeweils zuständigen Behörden Analysen spezifischer staatlicher Verordnungen und gesetzgeberischer Maßnahmen auf deren
inflatorische Auswirkungen hin erstellen.
Die gesetzliche Vollmacht zur Tätigkeit des Rates erlischt am
30. September 1977. Ich ersuche den Kongreß, dieselbe um weitere zwei
Jahre zu verlängern. Ich beantrage ferner eine bescheidene Erhöhung
der Haushaitsbewi11igungen für den Rat...
2.

Ein Frühwarnsystem: Ich werde den Rat für Lohn- und Preisstabilität

anweisen, in Einzelheiten gehende Branchen-Studien im Bereich der Industrie
zum Zwecke der frühzeitigen Erkennung sich herausbildender Engpässe,
Kapazitätsknappheiten und anderer Probleme zu erstellen, die, sofern man
nichts gegen sie unternimmt, erhebliche Preissteigerungen zur Folge haben
könnten.

Der Rat wird seine besondere Aufmerksamkeit auf die Grundstoff-

industrien, auf Märkte mit künftig möglichen Verknappungen, auf Märkte von
größerer wirtschaftlicher Bedeutung und auf Märkte richten, auf denen die
- 8 -

�die staatliche Politik beträchtliche Auswirkungen auf die Nachfragesituation
im Inneren zu zeitigen vermag.
3.

Rohstoffvorrats!ager:

Wenn die Preise für Rohstoffe und Nahrungs-

mittel bei steigender Tendenz schwanken, werden davon meist alle Wirtschaftszweige berührt, kommt es doch zu generellen Preis- und Lohnerhöhungen;
ein Nachgeben der Rohstoffpreise hat jedoch keine vergleichbaren Rückwirkungen auf Preise und Löhne.

Eine Verminderung der Ausschläge bei den

Rohstoffpreisen trägt somit zur Eindämmung der Inflation bei. Um ausreichende Rohstoffvorratslager anlegen zu können, müssen mehrere Maßnahmen
getroffen werden:
- Der Landwirtschaftsminister hat, gestützt auf bereits bestehende
gesetzliche Handhaben, ein Programm entwickelt, das eine geregelte, farmseitige Anlage von Futtergetreidereserven in Perioden günstiger Erträge
und niedriger Preise gestattet. Diese Vorräte können unter gewissen Bedingunger, zur Gewährleistung einer stabileren Versorgung mit landwirtschaftlichen Produkten freigegeben werden. Sie können ferner mithelfen,
den Absatz amerikanischer Agrarprodukte im Ausland zu beleben, indem wir
mit ihrer Hilfe den Beweis erbringen, daß wir Lieferverpflichtungen auch
in Zeiten nachkommen können, in denen wir selber schlechte Ernten zu verzeichnen haben.
- Meine Regierung wird in Verhandlungen zum Abschluß internationaler
Getreide- und Zuckerabkommen eintreten, um Preisschwankungen zu vermindern.
Wir werden auch mit Offenheit andere Produkteabkommen in Erwägung ziehen,
die auf eine Verminderung der Preisausschläge abzielen.
- Wir werden mit dem Kongreß zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß
Rohstoffe aus unseren strategischen Vorratslagern dazu benutzt werden,
um Versorgungsschwierigkeiten in Friedenszeiten zu beheben. Um der Industrie
die Beurteilung der künftigen Marktverhältnisse zu erleichtern, sollten alle
diesbezüglichen Anstrengungen jedoch die Verwendung strategischer Vorräte
für Zwecke der allgemeinen Preisstabilisierung ausschließen.
4. Anreize

�4.

anreize für Neuinvestitionen und Kapazitätserweiterung: Das Tempo

der Erweiterung der Produktionskapazitäten muß erhöht werden, um mögliche
Verknappungen zu vermeiden... Wirksame Investitionsanreize werden eine
Schlüssel rolle in der umfassenden Steuerreform dieser Administration
spielen...
5.

Staatliche regulierte Expansionsraten: In der Vergangenheit haben

staatliche Lenkungsmaßnahmen häufig eher dazu beigetragen, die hiervon
begünstigten Industrien zu schützen, statt ihre Leistungsfähigkeit zu
steigern und ihre Kosten zu senken.
eine Tendenzwende einzuleiten.

Wir haben viele Möglichkeiten, hier

Die Neufassung beziehungsweise gänzliche

Beseitigung von Bestimmungen, die nicht länger den nationalen Erfordernissen gerecht werden, kann die Verbraucherpreise senken helfen.
Diese Administration hat bereits zu verstehen gegeben, daß sie für eine
Reform der Bestimmungen zur Regulierung der Luftfahrt eintritt. Wir werden
auch die Möglichkeiten für eine Steigerung des Wettbewerbs in anderen
staatlich reglementierten Wirtschaftszweigen im Auge behalten.
Eine Behörde für Verbraucherberatung, die zu errichten ich den Kongreß
bereits ersucht habe, könnte für den Verbraucher, der ja letztlich doch
die Rechnung zu bezahlen hat, auch insofern eine nützliche Rolle spielen,
als sie schon bei der Abfassung von regulativen Bestimmungen mitwirken
kann.
6.

Andere Bestimmungen:

Es sind Schritte möglich, die Umwelt zu ver-

bessern und die Verbraucher und Arbeiter vor Gefahren für ihre Gesundheit
und Sicherheit ohne übermäßige Kosten und ohne viel Bürokratie zu schützen.
- Ich habe zu Anstrengungen angeregt, unnötige staatliche Bestimmungen
aufzuheben und neu erforderliche staatliche Bestimmungen zu vereinfachen
und mit geringerem zeitlichen Verzug inkraftzusetzen.

Es muß ein Über-

prüfungsverfahren entwickelt werden, um alle zum Erlaß von derartigen
Bestimmungen ermächtigten Stellen zu ermutigen, den wirtschaftlichen Aus- 10 -

�Auswirkungen der Verfügung, die sie treffen, gebührendes Gewicht beizumessen. ..
7.

Beschäftigungs- und Arbeitsmarktprogramme: Wir können sowohl unsere

Arbeitslosigkeit als auch die Inflation durch Maßnahmen reduzieren, die
die fachliche Ausbildung verbessern, die Effizienz des Arbeitsmarktes
fördern und Arbeitsmöglichkeiten für solche Gruppen einplanen, die unter
sehr hohen Arbeitslosenraten leiden.

Die staatlichen Arbeitsbeschaffungs-

programme, die in meinen Vorschlägen zur Förderung der Wirtschaft enthalten
sind, zielen auf Gruppen und Gebiete mit hoher Arbeitslosigkeit ab...
8. Internationale Handelspolitik: Eine Zusammenarbeit mit den
Regierungen anderer Industrieländer ist von entscheidender Bedeutung für
einen Abbau der weltweiten Inflation.
Meine Administration wird die sich für den Verbrauc1 n.r aus dem Welthandel ergebenden Vorteile in Übereinstimmung bringen mit der Notwendigkeit, störende Einflüsse auf die amerikanischen Arbeiter und Firmen zu
mildern. Der Handel kann eine wichtige Rolle im Kampf gegen die Inflation
spielen. Er ist ein wirksames Mittel, um die Effizienz zu verbessern und
um einen Wettbewerb innerhalb der amerikanischen Industrie zu wahren.
Wir können in den Genuß der Vorteile niedrigerer Preise und größerer
Produktivität gelangen, wenn wir unsere Produktion bei denjenigen
Industriezweigen erweitern, bei denen wir im Vergleich zu anderen Ländern
einen Wettbewerbsvorteil haben, während wir solche Güter einführen, die
wir bei uns zu teureren Preisen produzieren müßten.
Zoll- und Quotenrestriktionen können manchmal Vergeltungsmaßnahmen des
Auslandes gegenüber unseren eigenen Erzeugnissen auslösen.

Sie haben

Verkaufsverluste und Beschäftigungseinbußen für unsere Exportindustrie zur
Folge und führen dazu, daß die Verbraucher höhere Preise zahlen müssen.
Wir
- 11 -

�Wir werden die Vorteile eines freieren Handelssystems bei den internationalen Verhandlungen unterstreichen.

Insbesondere werden die Ver-

einigten Staaten auf einen erfolgreichen Abschluß der Tokio-Runde von
Handelsverhandlungen drängen.
Gleichzeitig ist es wichtig, daß wir Mittel und Wege finden, um zu
verhindern, daß die Einfuhrkonkurrenz einzelne einheimische Industrien
ernsthaft schädigt, und um dafür zu sorgen, daß die Effizienz und die
Wettbewerbsposition der betroffenen Industrien verbessert werden...
Diese Kombination umsichtiger wirtschaftlicher und fiskalischer Maßnahmen, die ich vorgeschlagen habe, wird gegen die Gefahr eines erneuten Anstiegs der Inflation schützen sowie sicherstellen, daß die Regierung selbst
nicht eine Hauptkraft bei der Aufrechterhaltung der Inflation darstellt.
Um jedoch dabei erfolgreich zu sein, die gegenwärtige Inflationsrate abzubauen und Fortschritte auf dem Wege zur Preisstabilisierung zu erzielen,
muß der private Sektor ebenfalls eine wichtige Rolle spielen...
Um Fortschritte ben" der Behandlung dieses Problems zu erzielen, muß
diese Aufgabe langfristia angegangen werden.
nachdrückliche und geduldige Anstrengungen.

Sie erfordert kontinuierliche,
Fs muß eine ganz Serie von

anti-inflationistischen Maßnahmen ergriffen werden, die Arbeitsplätze
schaffen, die Preise stabilisieren und die allgemeine Wirtschaftsentwicklung unter Berücksichtigung des Prinzips der Fairness und der Gerechtigkeit fördern werden.
Wenn dieser Kampf gegen die Inflation Erfolg haben soll, dann bin ich
vor allem davon überzeugt, daß eine enge Zusammenarbeit zwischen den
Arbeitgebern, Arbeitnehmern und der Regierung erforderlich ist. Diese
kollektive Anstrengung sollte darin bestehen, daß man der Regierung mit
Rat und Tat zur Seite steht hinsichtlich der Zielsetzungen für unsere
Wirtschaft, hinsichtlich der Schaffung von Arbeitsplätzen und der Reduzierung der Inflation sowie hinsichtlich der Wege, die beschritten werden
- 12 -

�werden sollten, um diese Ziele zu erreichen und die Ergebnisse auf einer
kontinuierlichen Basis zu überprüfen.

Und was am wichtigsten ist, diese

gemeinsamen Anstrengungen müssen freiwillig und auf kooperativer Basis
erfolgen und dürfen sich nicht auf zwangsweise oder unnütze Kontrollen
gründen.
Ich habe dieses Problem mit Vertretern der Gewerkschaften und der
Wirtschaft erörtert und habe deren Zusage erhalten, daß sie bei der
Entwicklung einer gemeinsamen anti-inflationistischen Anstrengung voll
und ganz mit uns zusammenarbeiten werden.
Demgemäß habe ich den Präsidenten der AFL-CIO und den Vorsitzenden der
General Electric Company gebeten, bei der Koordinierung dieser neuen
Zusammenarbeit zwischen Gewerkschaften, Managerent und der Regierung
mitzuwirken. Innerhalb der Regierung habe ich den Vorsitzenden der
wirtschaftlichen Beratergruppe ersucht, im Zusammenwirken mit meinen
anderen wirtschaftlichen Beratern mit diesen Herren sowie mit anderen
Vertretern der Wirtschaft und der Gewerkschaften zusammenzuarbeiten,
um detailliertere Vorkehrungen für die Durchführung dieses Teils meines
Anti-Inflationsprogramms zu formulieren.
Ich rechne damit, daß diese Arbeiten unverzüglich beginnen. Während
diese konzertierte Aktion auf einer permanenten Basis erfolgen sollte,
hoffe ich doch, daß einige konkrete Mittel und Wege für eine Kooperation
hinsichtlich der Verminderung der Inflation auf privatwirtschaftlichem
Sektor innerhalb der nächsten Monate gefunden werden können. Ich werde
persönlich laufend informiert werden und von Zeit zu Zeit - so wie dies
notwendig wird - mit Vertretern der Gewerkschaften und der Wirtschaft
zusammentreffen...
+ + +

- 13 -

�9/1977

KERNSTOFF PLUTONIUM - GEMEINRISIKO FÜR DIE SICHERHEIT
Präsident Carter begründet neue US-Nuklearpolitik und Stopp
für kommerzielle Wiederaufbereitungsanlagen

- (AD) - Mehr als zehn Jahre lang war der mit flüssigem Natrium gekühlte
"Schnelle Brüter" (LMFBR) die zentrale Entwicklungsaufgabe im langfristigen
amerikanischen Atomprogramm.

Ende 1983 sollte die erste große Demonstrations-

anlage für eine kommerzielle Anwendung des Verfahrens kritisch werden - die
Station "Clinch River Breeder Reactor Plant" (CRBRP) im US-Bundesstaat Tennessee.

Die Kosten, ursprünglich mit einigen Hundert Millionen Dollar angesetzt,

erhöhten sich von Jahr zu Jahr und wurden zuletzt auf 1,950 Milliarden Dollar
veranschlagt.

Wachsende und ständig weiter vertiefte Informationen und Er-

fahrungen hatten zu erheblichen Änderungen der Schwerpunkte, Methodik und Organisation des LMFBR-Programms geführt.

Seine Befürworter argumentierten je-

doch stets damit, daß ohne diesen Typ eines Schnellbrutreaktors die voraussehbare Verknappung an Uran die tatsächlichen Kosten der Stromerzeugung in
den nächsten fünf Jahrzehnten in die Höhe treiben werde.

Mit dem schnellen

Brüter sei es dagegen möglich, den effektiven Kernbrennstoffvorrat beträchtlich zu erweitern und somit Stromkostensteigerungen als Folge einer begrenzten Uran-Verfügbarkeit weit in die Zukunft zu verlegen.

D-

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Die beim Schnellbrutreaktor mit Flüssigmetallkühlung angewandte Technologie stellt einen der Wege dar, mit der Kernspaltung nicht nur Strom,
sondern gleichzeitig neuen und noch dazu mehr Kernbrennstoff zu erzeugen,
als für den Prozeß selbst verbraucht wird.

Im LMFBR-Reaktor wird Plutonium

"erbrütet" - ein Material, aus dem auch Atombomben hergestellt werden können.
In den Vereinigten Staaten wurden angesichts dieser Sachlage von politischer Seite und aus Wissenschaftlerkreisen immer mehr Stimmen laut, die
vor einer Forcierung und allgemeinen Anwendung der Schneilbrutreaktortechnologie nach dem LMFBR-System ebenso wie vor einer Ausbreitung der "sensitiven
Technologien" warnten.

Darunter sind kerntechnische Verfahren zu verstehen,

die - beispielsweise über die kommerzielle Wiederaufbereitung abgebrannter
Kernbrennstoffelemente - direkten Zugang zu Plutonium, hoch angereichertem
Uran oder anderen, für die Atomwaffenproduktion geeigneten Materialien ermöglichen.

Die Gefahr einer Weiterverbreitung von Kernwaffen, die schon durch

die wachsende Zahl "konventioneller" Atomkraftwerke in aller Welt größer geworden sei, werde durch solche Entwicklungen in untragbarer Weise verstärkt.
Denn auch die Abbrandelemente der Leichtwasserreaktoren, mit denen heute die
meisten Atomkraftwerke ausgerüstet sind, enthalten Plutonium - wenn auch in
wesentlich geringerer Menge,als mit dem LMFBR-Reaktor erbrütet würde.
In der kommerziellen Produktion und der Anwendung von Plutonium als
Kernbrennstoff sei nunmehr, wie Sprecher der US-Regierung erklärten, ein
"Gemeinrisiko für die Sicherheit aller Nationen" zu sehen.

Die Konsequen-

zen, die eine weitere Verbreitung von Kernwaffen oder die Ausweitung der Kapazitäten zur Herstellung von nuklearem Sprengmaterial für die Welt haben
würde, veranlaßten Präsident Carter zu einer Neuformulierung des amerikanischen Atomprogramms.

Wie er im Zusammenhang mit den damit veröffentlichten

Erklärungen erläuterte, werden die Vereinigten Staaten ihre nuklearen Forschungs- und Entwicklungsprojekte so umdirigieren, daß künftig die Arbeit
an alternativen Brennstoffzyklen, d.h. Zyklen unter Umgehung der Erzeugung
von Plutonium oder anderem potentiellem Atombombenmaterial, beschleunigt
wird.
Außerdem
- 2 -

�Außerdem wollen die USA ihre Produktionskapazität für andere, weniger
gefahrenträchtige Kernbrennstoffe vergrößern, "um ausreichend und rechtzeitig Kernbrennstoffe für den Bedarf des In- und Auslandes bereitzustellen".
Für die erforderlichen gesetzlichen Maßnahmen, die Anqebote auf Kernbrennstoff-Lieferverträge und Liefergarantieen an andere Länder ermöglichten, würden entsprechende Vorschläge ausgearbeitet.

Gleichzeitig wollen sich die

Vereinigten Staaten gemeinsam mit allen anderen Ländern darum bemühen, bessere Lösungen für die Probleme und Risiken der nuklearen Proliferaticn zu
finden.

Zwei wichtige Projekte des bisherigen amerikanischen Atomproqramms sind
von der neuen Nuklearpolitik der US-Regierung direkt betroffen: 1) die kommerzielle Wiederaufarbeitung von Abbrandelementen und die Rückführung des
daraus zu gewinnenden Plutoniums in den Kernbrennstoffzykliis, und 2) der
"Schnelle Brüter" LMFBR.

Auf die kommerzielle Aufbereitung von Abbrand. wie

sie in der industriellen Großanlage von Barnwell (South Carolina) mit der geplanten Jahreskapazität von ca. 1500 Tonnen vorgesehen war, wird völlig verzichtet.

Von Regierungsseite sind zu dem 500-Mil lionen-Dollarprojek1; künf-

tig weder Zuschüsse noch die erforderlichen Betriebsgenehmigungen zu erwarten.

Und das Brüterprogramm wird so umstrukturiert, daß z.B. die ursprüng-

lich als Schneilbrüter-Prototyp geplante Station "Clinch River" in erster
Linie Experimentierzwecken dienen und künftig nur noch wesentlich niedrigere
Zuwendungen aus dem Bundesetat als bisher erhalten wird.

Präsident Carter hob hervor, daß er nicht beabsichtige, alle Arbeiten
am Clinch-River-Projekt einstellen zu lassen, wie dies in der Ende März 1977
veröffentlichten Studie, die 21 namhafte Wissenschaftler und Wirtschaftler
im Auftrag der Ford-Stiftung durchgeführt hatten, empfohlen worden war. Aber
die Weiterentwicklung der Schnellbrutreaktor-Technologie brauche zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht forciert zu werden, weil sowohl genügend Uran als
auch Anreicherungskapazität vorhanden sei, um die jetzige Generation von
Leichtwasser-Reaktoren mit Kernbrennstoff zu versorgen.

Diese dürften bis

zum Ende dieses Jahrhunderts ihren Zweck als Stromlieferanten erfüllen.
Bei
- 3 -

�Bei der Erörterung von Alternativen zur Verwendung von Plutonium in
der nächsten Generation von Brutreaktoren, die im nächsten Jahrhundert die
Leichtwasser-Reaktoren ablösen sollen, verwies der amerikanische Präsident
u.s. auf die Möglichkeiten zur Verwendung von Thorium.

Dieses Element ist

zwar von Natur aus nicht spaltbar, kann aber unter Neutronenbeschuß durch
Neutroneneinfang in spaltbares Uran-233 umgewandelt werden.
sich als Kernbrennstoff für Reaktoren.

Dieses eignet

In Versuchsprojekten verschiedener

Länder, darunter der Bundesrepublik Deutschland, wird an dieser Entwicklung
z.T. schon seit Jahren gearbeitet.

In den USA ging der Prototyp für ein

kommerzielles Atomkraftwerk, das Thorium verwendet, im vergangenen Jahr in
Betrieb.

Jedoch sind nach Ansicht amerikanischer Experten noch weitere mög-

liche Kernbrennstoffe oder Brennstoff-Kombinationen für den Einsatz in Brutreaktoren denkbar, die unter dem Gesichtspunkt der Nichtweiterverbreitung
von Kernwaffen sicherer und damit attraktiver wären als Plutonium.

Ein

Gremium der US-Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde (ERDA) ist gegenwärtig dabei, das gesamte Feld der Brutreaktorentwicklung zu prüfen, mögliche
neue Entwicklungen aufzuzeigen und Empfehlungen auszuarbeiten.

Zu den neueren Entwicklungen zählt beispielsweise der Typ des gasgekühlten Hochtemperaturreaktors. Im Februar 1977 wurde zwischen den USA
und der Bundesrepublik ein Abkommen über die Zusammenarbeit in Forschung
und Entwicklung bei diesem Leistungsreaktortyp geschlossen. Es gilt zunächst für zehn Jahre, kann aber auf beiderseitigen Wunsch verlängert werden. Die Vereinbarung hat zum Ziel, Lösungen und Probleme von Konstruktion,
Entwicklung, Bau und Betrieb von Atomkraftwerken mit gasgekühlten Hochtemperaturreaktoren und schnellen Brütern zu finden und wissenschaftlich-technische wie wirtschaftliche Informationen auszutauschen, die sich dabei ergeben. Eine enge Zusammenarbeit der mit den einschlägigen Aufgaben befaßten
Wissenschaftlern, Ingenieuren und anderen Spezialisten ist vorgesehen.
Die Verfasser der von der Ford-Stiftung finanzierten Studie zur NuklearPolitik (sie trägt den Titel "Nuclear Power: Issues and Choices") hatten
empfohlen, anstelle

einer mit besonderem Nachdruck betriebenen Schnell- 4 -

�Schnellbrüter-Entwicklung auf der Basis des Plutonium-Brennstoffzyklus eine
größere Flexibilität in der gesamten Reaktortechnologie anzustreben.

Zum

gegenwärtigen Zeitpunkt bestehe für die Industrieländer kein zwingender
Grund, Plutonium als Kernbrennstoff einzuführen - nicht zuletzt deshalb,
weil die bisherigen Schätzungen der Uranvorräte zu niedrig

angesetzt seien.

Dennoch sollten die Brüterprogramme nicht aufgegeben, sondern unter Berücksichtigung von mehr Aspekten als bisher weitergeführt werden, damit im nächsten Jahrhundert größere Möglichkeiten zum Abfangen zu hoher Energie-Kosten
gegeben sind.
(Zu den Autoren der Studie zählen u.a. der ehemalige Präsident des
"California Institute of Technology" und jetzige US-Verteidigungsminister,
Harold Brown, der ehemalige Leiter der US-Energiebehörde FEA und jetzige Präsident der Universität New York, John C. Sawhill, der Direktor des Linearbeschleuniger-Zentrums der Stanford-Universität, Wolfgang Panofsky, der
Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften Kennetz Arrow, und der Vizepräsident der Internationalen Bank für Aufbau und Entwicklung, Hollis B.
Chenery.)

+ + + + +

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