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                  <text>Information
und
Dokumentation

3
I

United States Information Service

16.Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION

Carter fordert amerikanisch-sowjetische Maßnahmen zur nuklearen
Rüstungskontrolle
- Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 Admiral Stansfield Turner als Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA) nominiert

WIRTSCHAFT
Carter-Administration formuliert internationale Wirtschaftspolitik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Schnell-Information über den langen Draht
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

Um Übcr/cncJung von
Belegexemplaren wird
gebeten

Postfach 300,
D5300 Bonn-Bad Godesberg 1

Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Dokumentation

fü

Öl

United States Information Service

3/1977

CARTER FORDERT AMERIKANISCH-SOWJETISCHE MASSNAHMEN
ZUR NUKLEAREN ROSTUNGSKONTROLLE
Auszüge aus der Pressekonferenz vom 8. Februar 1977 -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 8. Februar 1977
auf seiner ersten Pressekonferenz seit seinem Amtsantritt vor allem mit Fragen der nuklearen Rüstungskontrolle befaßt. Außerdem nahm er zum Problem
der Menschenrechte sowie zu einigen innenpolitischen Themen Stellung.
Die Fragen und Antworten zur Rüstungskontrolle und zu den Menschenrechten haben folgenden Wortlaut:

Nukleare Rüstungskontrolle
FRAGE: Herr Präsident, Sie bezeichneten die Verminderung der Rüstungen
als Hauptgrundsatz, oder einen der Hauptgrundsätze, Ihrer Politik. Werden
Sie unter den gegebenen Umständen als ersten Schritt hierzu den Verkauf von
Concussion Bombs (Aerosol-Sprengbomben) an ein fremdes Land blockieren?
ANTWORT:

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�ANTWORT:

Der Verkauf von Concussion Bombs an ein fremdes Land ist eine

Frage, die mich sehr beschäftigt. In der kommenden Woche werde ich nach Abschluß der Überprüfung der Angelegenheit, die gegenwärtig im Gange ist, hierzu eine Erklärung abgeben. Die vorausgegangene Ankündigung, daß AerosolSprengbomben verkauft werden würden, war weder mit dem Außenministerium noch
mit dem Verteidigungsministerium abgesprochen.

Ich habe diese gebeten, die

politischen und militärischen Konsequenzen des Verkaufs zu analysieren. Ich
bin besorgt dieserhalb, aber ich habe noch keine Entscheidung über eine Verweigerung des Verkaufs getroffen.

FRAGE: Bedeutet dies, Herr Präsident, daß Sie eine Blockierung des Verkaufs in Erwägung ziehen?
ANTWORT: Das ist eine der Optionen, die ich habe. Die Entscheidung werde
ich nächste Woche treffen.

FRAGE: Herr Präsident, der von Ihnen als Direktor des Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung nominierte Paul Warnke schrieb vor etwa eineinhalb
Jahren, die Vereinigten Staaten "sollten versuchen, eine Politik der Mäßigung
zu betreiben, und gleichzeitig ebenso große Mäßigung seitens der Sowjetunion
fordern"; Mr. Warnke schien aber nicht zu meinen, daß dies im voraus in einer
Vereinbarung garantiert werden müsse. Ist das eine Auffassung, der Sie beipflichten, und können Sie darlegen, warum oder warum nicht?
ANTWORT: Ich kenne Mr. Warnke sehr gut. Ich bin mehrfach mit ihm zusammengetroffen, um seine Einstellung zur Frage der Abrüstung mit ihm zu erörtern. Ich setze volles Vertrauen in ihn. Die ersten beiden Male, als ich ihn
bat, diese Aufgabe zu übernehmen, hat er diese Bitte abgeschlagen. Wir versuchten .einen anderen Mann für diese Aufgabe zu finden, der ebenso qualifiziert wäre wie er, meine Auffassungen und jene Auffassungen zum Ausdruck zu
bringen, die meinem Land akzeptabel erscheinen. Es ist mir nicht gelungen,

�gelungen, einen Mann seines Kalibers zu finden. Schließlich erklärte er
sich auf mein ausdrückliches Beharren hierauf bereit, dieses Amt zu übernehmen - als einen Dienst an der Öffentlichkeit.
Ich glaube, ich habe seine Ansichten wohl bedacht. Ich akzeptiere sie.
Meiner Meinung nach wird Mr. Warnke, sofern der Senat in Erwägung zieht, für
was er eintritt, mit überwältigender Mehrheit bestätigt werden. Ich bin erklärtermaßen der Überzeugung, daß beide Seiten Initiativen ergreifen müssen
- sowohl die Sowjetunion als auch die Vereinigten Staaten. Die meisten unserer Erörterungen werden ihrem Wesen nach bilateral sein. Im Laufe der
Zeit hoffe ich dann, andere Länder mit einbeziehen zu können, um beispielsweise Fragen eines umfassenden Atomtestverbots und anderweitige Fragen zu
diskutieren: die europäischen Länder, die Nuklearmächte sind, und auch die
Chinesen. Das würde aber erst später der Fall sein.
Ich halte Mr. Warnkes Vorschläge für vernünftig. Bezüglich seiner Auffassungen habe ich keinerlei Bedenken.

Es wird im Zusammenhang mit den Kern»-

waffen immer wieder der Fall eintreten, daß das eine oder andere Land irgendwelche Initiativen ergreifen muß. Die Gesamtbilanz der gegenseitigen Zurückhaltung, die die Gesamtabhängigkeit von Kernwaffen vermindert, ist das, was
zählt.
Ich darf vielleicht noch einen weiteren Punkt hinzufügen. Mr. Warnkes
Stellung wird sorgfältig mit der meinen koordiniert werden - in enger Zusammenarbeit mit dem Außenministerium und mit Vertretern des Verteidigungsministeriums.
Unsere in Zusammenarbeit mit der Sowjetunion getroffenen Entscheidungen werden
der Öffentlichkeit mitgeteilt werden. Wir werden Konsultationen mit unseren
Verbündeten pflegen, wann immer dies möglich ist.
Die Ratifizierung einer Vereinbarung mit der Sowjetunion bedarf ganz
offensichtlich der Zustimmung der Senatoren.

Selbst wenn ich, Mr. Warnke oder

irgend eine andere Person bei den Verhandlungen einen Fehler machen sollte,
würde dieser Fehler zwangsläufig von der Öffentlichkeit eingehend geprüft wer- 3 -

�werden; doch ich habe volles Vertrauen in ihn.

FRAGE:

Herr Präsident, nur um diese Frage ... noch etwas weiter zu

verfolgen: Können Sie uns sagen, ob Ihrer Meinung nach eine ungefähre Parität

zwischen den Nuklearstreitkräften der Sowjetunion und der Vereinigten

Staaten bestehen sollte?

Glauben Sie, daß wir in den R'üstungsverhandlungen

eine überlegene Streitmacht anstreben sollten, oder meinen Sie, daß es, solange wir die Fähigkeit besitzen, der Gegenseite schreckliche Schäden zuzufügen, in Wirklichkeit nicht darauf ankommt, wer die meisten Bomben besitzt?
ANTWORT:

Im gegenwärtigen Augenblick geht mein Urteil dahin, daß wir

überlegene nukleare Kapazitäten besitzen.

Die Sowjetunion hat die größere

Nutzlastkapazität, die größeren Raketen, die größeren Sprengköpfe.

Wir ha-

ben mehr Raketen, eine weit höhere Zielgenauigkeit und drei verschiedene
Mechanismen, wovon jeder für sich allein ausreicht, Atomwaffen zum Einsatz
zu bringen:

Flugzeuge, Unterseeboote und interkontinentale Raketen. Wir sind

im großen und ganzen meines Erachtens gleichwertig - auch wenn wir meiner
Meinung nach überlegen sind - insofern gleichwertig, als die Sowjetunion oder
wir einen großen Teil des anderen Landes vernichten könnten, sollte es zu
einem Großangriff kommen, der Verluste in der Größenordnung von 50 bis 100
Millionen Menschen fordern würde, wenn ein großer Schlagabtausch stattfände.
Wir haben ebenso wie die Sowjets die Fähigkeit, den Start von Raketen
auf der Gegenseite festzustellen, und dann stünden ich, als Präsident, uhd
die Führer Rußlands vor der Frage, ein wie großer Vergeltungsschlag zu führen sei. Aber in einem Schlagabtausch würden Millionen und Abermillionen
Menschen getötet werden, und es ist die Bedrohung mit dieser Art von Katastrophe, die es wichtig macht, daß wir eine ausreichende Abschreckungskapazität beibehalten; und es ist auch von entscheidender Wichtigkeit für
uns alle, dessen eingedenk zu bleiben, wie notwendig es ist, eine einschneidende Verminderung in der Abhängigkeit von Atomwaffen zu erreichen.

- 4 -

�In fast jeder wichtigen Rede, die ich seit meinem Eintritt in die Bundespolitik hielt, habe ich mich ausdrücklich verpflichtet, erstens die Lage
zu stabilisieren, zweitens eine nachweisbare Verminderung der Abhängigkeit
von Atomwaffen zu erlangen und als verbindliches langfristiges Ziel auf die
vollkommene Beseitigung der Kernwaffen auf der ganzen Erde hinzuarbeiten.
Ich hatte erst heute morgen ein Zusammentreffen mit einem Vertreter der
Volksrepublik Chinas, der mir sehr freimütig erklärte, daß es das Ziel der
chinesischen Regierung sei, die Abhängigkeit von Kernwaffen bis auf Null zu
verringern.
Wenn wir und die Sowjetunion die Fähigkeit beweisen können, das derzeitige Rüstungswachstum zu stoppen und anschließend beträchtliche Verminderungen zu erreichen, dann können wir uns, meine ich, an die Franzosen,
die Engländer, die Chinesen und andere Länder wenden und ihnen sagen: "Sind
Sie bereit, es uns gleich zu tun und alle Tests einzustellen und die Abhängigkeit von Atomwaffen in eindeutig registrierbarer Weise zu vermindern?"

FRAGE: Um an diese Frage anzuschließen, Herr Präsident: Sie sagten,
wenn ich Sie richtig verstanden habe, kurz vorher, Sie wären der Auffassung,
die beiden Länder, die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, könnten gezwungen sein, irgendwelche Initiativen zu ergreifen. Ich möchte versuchen,
dies auf einige andere Probleme auszudehnen, mit denen wir uns konfrontiert
sehen. Sind die Vereinigten Staaten heute bereit, die Initiative insofern
zu ergreifen und die Entwicklung von Cruise Missiles (Flugkörper mit Luftstrahlantrieb) einzustellen, um die SALT-Gespräche wieder in Gang zu bringen?
ANTWORT:

Ich möchte keine Waffe im Entwicklungsstadium herausgreifen,

möchte Ihnen aber eine Reihe von Beispielen geben, die ihrem Wesen nach symbolisch sind - ohne dabei allzusehr in die Tiefe zu gehen.

Das eine ist,

daß ich der Sowjetunion vorschlug, sie sollten uns, und wir sie, wissen lassen, wenn wir irgend eine Art von interkontinentaler Rakete im Teststadium zu
- 5 -

�zu starten gedenken.
Force Base.

Wir starten unsere Raketen von der Vandenberg Air

Wir starten sie nicht aus Standard-Raketensilos.

Die Sowjet-

union jedoch startet Raketen auch zu diesen Zwecken aus Standard-Abschußsilos.

Nach meinem Dafürhalten würde eine vorherige Ankündigung, daß ein

solcher Abschuß innerhalb von 24 oder 48 Stunden stattfinden werde, sehr
hilfreich sein.
Ich habe die Sowjetunion aufgefordert, mit uns ein

umfassendes Test-

verbot zu vereinbaren, um alle Nukleartests zumindestens über einen längeren
Zeitraum hinweg - zwei, drei oder vier Jahre - einzustellen.

Die Sowjets ,

sind daran interessiert, nukleare Sprengkörper zur Ableitung eines Flusses
in Nordrußland zu verwenden.
mehr nötig sind.

Ich glaube, daß weitere Versuche hierzu nicht

Wenn sie eine Bestimmung in ein Abkommen einzubauen wünschen,

daß sie die Vorbereitungen weiterführen und jenen Fluß umleiten dürfen, so
handelt es sich hierbei meines Erachtens um eine Angelegenheit, über die wir
verhandeln könnten, sofern man uns die Entsendung von Beobachtern zugesteht,
damit diese an Ort und Stelle von den Sowjets hören können und umgekehrt.
Nach meinem Dafürhalten ist jedenfalls die Ausarbeitung von Vorschlägen, die
für beide Seiten akzeptabel sind, sehr, sehr wichtig.
Wir haben zwei ungelöste Fragen, die sich aus der SALT II genannten Vereinbarung von Wladiwostok ergeben haben; ich meine die Frage der Cruise Missiles
und die des Backfire Bombers. Ich wäre bereit, mit der Sowjetunion voranzukommen, umgehend eine Vereinbarung zu schließen und dabei, sofern sie dies
für ratsam hält, die Frage des Backfire Bombers und der Cruise Missiles im
gegenwärtigen Stadium aus den Verhandlungen auszuklammern und diese beiden
Punkte anschließend .gegebenenfalls in den Verhandlungen von SALT III, zur
weiteren Diskussion wieder auf die Tagesordnung zu setzen.
Ich halte es jedoch, ohne irgendwelchen gegen mich gerichteten Druck, für
uns wichtig, nicht allzu rasch voranzuschreiten, sondern ehe. auf eine sehr
sorgfältige und methodische Art und Weise vor der Welt darzutun, daß wir es
ernst meinen.
FRAGE:

�FRAGE: Es tut mir leid, daß ich weiter auf diesem Thema beharre, möchte
es aber dennoch tun. Als Mr. Warnke jenen Satz schrieb, meinte er offensichtlich sowohl Waffensysteme als auch nukleare Sprengköpfe.

Er sprach damals

wohl von der Einschränkung der Entwicklung spezifischer Waffensysteme und
hoffte dabei auf Reziprozität seitens der Sowjets.
Meine Frage lautet: Wären Sie bereit, gegenüber den Sowjets zu erklären,
daß wir beispielsweise den Bomber des Typs B-l oder ein anderes Waffensystem
ein halbes Jahr lang nicht weiterentwickeln würden, dafür aber im Sinne der
Reziprozität etwas auch von ihrer Seite zu sehen wünschten?
ANTWORT: Lassen Sie mich auch hier die Bezugnahme auf irgend ein spezifisches Waffensystem auf unserer Seite vermeiden. Ich möchte vielmehr auf
ein Waffensystem auf ihrer Seite hinweisen. Die Sowjets haben eine Rakete
mit begrenzter Reichweite, die ihrem Wesen nach nicht interkontinental ist,
die sogenannte SS-20. Sie haben damit begonnen, diese Raketen auf mobilen
Abschußrampen zu dislozieren, mit deren Hilfe sie diese heimlich von einem
Teil des Landes in einen anderen Teil transportieren können. Das macht es
sehr schwer, ihren genauen Standort zu bestimmen.
Ich sähe
bilen Raketen
ten handelt.
Typs SS-16 zu

es qerne, wenn die Sowjets zu einem Entwicklungsstop der mobereit wären, auch wenn es sich nicht um InterkontinentalrakeEs ist sehr schwierig, sie von der Interkontinentalrakete des
unterscheiden.

Wenn sie der Einstellung des Einsatzes oder der Dislozierung jener Art
mobiler Raketen zustimmen könnten, die vor dem Start von einem Ort nach einem
anderen verbracht werden können, wäre dies für uns ein sehr wichtiges Argument,
was den Abschluß eines gegenseitigen Abkommens angeht.

Das würde bedeuten, daß

wir für diesen Fall wahrscheinlich jene großen Geldbeträge nicht aufwenden
müßten, die die Entwicklung einer mobilen Rakete erforderlich macht.

Wenn

sich die Sowjets jedoch zur Entwicklung von Raketen entschließen sollten, die
unentdeckt von einem Ort zu einem anderen transportiert werden können, würde
- 7 -

�würde uns dies stark unter Druck setzen, eine eigene mobile Rakete zu entwickeln.
Ich glaube, hier bedarf es einleitender Maßnahmen auf beiden Seiten.
Wenn man aber einzelne Waffensysteme einschränkt und diesbezügliche Initiativen nutzt, dann muß man auch die Gewähr schaffen, daß die Balance der Abschreckung insgesamt nicht gestört wird.

Menschenrechte
FRAGE: Herr Präsident, es hat eine Reihe von Maßnahmen gegeben, die
die Sowjetunion kürzlich ergriffen hat, darunter die Ausweisung amerikanischer
Journalisten sowie die Verhaftung von Alexander Ginsburg - Maßnahmen, mit
denen wir uns in der einen oder anderen Form auseinandergesetzt haben. Wie
besorgt sind Sie, daß wir durch unsere Offenheit und Freimütigkeit in Fragen
der Menschenrechte möglicherweise unsere Beziehungen zur Sowjetunion in anderen Fragen gefährden könnten?
ANTWORT: Dies bringt jene Frage auf, die gemeinhin Verkettung (linkage)
genannt wird. Ich glaube, wir verfahren besser gegenüber der Sowjetunion,
wenn ich beständig und nachdrücklich für die Förderung der Menschenrechte eintrete - nicht nur im Hinblick auf die Sowjetunion, sondern auch im Hinblick
auf alle anderen Länder. Ich denke, dies kann durchaus getrennt werden von
unserer Neigung, mit der Sowjetunion zusammenzuarbeiten, beispielsweise bei
der Reduzierung der Abhängigkeit von atomaren Waffen und auch bei dem Bemühen
um eine beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierung in Europa.
Ich möchte nicht, daß zwischen beiden Dingen ein Zusammenhang hergestellt wird. Ich glaube, die vorhergehende Regierung - unter Außenminister
Kissinger - war der Meinung, daß es eine solche Verkettung gäbe. Falls man
von Menschenrechten spräche oder Mr. Solschenizyn ins Weiße Haus einlade, dann

�dann könnte der Fortschritt der SALT-Gespräche gefährdet werden.
Ich bin nicht dieser Meinung. Ich glaube vielmehr, es sollte klar
sein - und ich habe dies in den Kommunikationen mit Mr. Breschnew und in
meiner Unterredung mit Botschafter Dobrynin direkt klargestellt - daß ich
mir das Recht vorbehalte, mit großem Nachdruck immer dann zu sprechen, wenn
die Menschenrechte in Gefahr sind - vielleicht nicht in jedem Falle, aber
dann, wenn ich dies für angebracht halte. Dies ist nicht als ein öffentlicher Angriff auf die Sowjetunion gedacht, und ich hoffe doch, daß die
sowjetischen Führer sich darüber im klaren sind, daß die Menschenrechte ein
echtes Anliegen des amerikanischen Volkes sind.
Ich glaube, daß in zahlreichen Ländern der Welt Fortschritte erzielt
worden sind. So hat sich beispielsweise die Zahl der Juden, denen die Auswanderung aus der Sowjetunion gestattet worde ist, in den letzten Monaten
erhöht.
Sollte diese Tendenz anhalten, so würde mich das ermutigen. Aber
ich muß mir vorbehalten, eine unabhängige Position in meinen öffentlichen
Erklärungen einzunehmen. Ich habe noch eine Menge zu lernen ... Aber wir
müssen fest bleiben und mit Nachdruck auftreten. Allerdings möchte ich
nicht alles in einem Paket zusammenschnüren, sodaß man dann zaghaft beim
Eintreten für die Menschenrechte ist.

FRAGE: Legen Sie dies in irgendeiner Weise als Test für Sie seitens
der Sowjetunion aus?
ANTWORT: Nein, das ist nicht der Fall. Ich interpretiere dies nicht
als einen Test. Ich bedauere die Tatsache, daß die Sowjetunion es für angebracht hielt, einen Reporter auszuweisen. Ich bedauere zutiefst die Tatsache, daß die Sowjetunion jetzt Mr. Ginsburg eingekerkert hat, der in der
Darstellung des Falles der Dissidenten in der Sowjetunion einer der führenden
Männer gewesen ist. Aber ich kann ja nicht mit Truppen einmarschieren, um
den inneren Mechanismus der sowjetischen Regierung zu ändern zu suchen.
Aber

�Aber ich glaube nicht, daß dies darauf abzielt, meine Lage zu erschweren
oder mich oder den Willen unseres Landes auf die Probe zu stellen. Mein Eintreten für die Menschenrechte ist klar. Ich werde diese Klarheit bis zum
größtmöglichen Ausmaß aufrechterhalten.
Ich möchte das amerikanische Volk im Hinblick auf
über der Sowjetunion und den anderen nicht irreführen,
keinen Erfolg erwarten. Es ist ein langwieriger, hart
fältig bedachter Fortschritt erforderlich. Ich rechne
ten, aber meine Entschlossenheit ist sehr tiefgehend.

- 10 -

unser Verhalten gegenüber Nacht können wir
erarbeiteter und sorgnicht mit Wunderantwor-

�ELm

1 W»
\ \

•^

Dokumcnlcilion
United States Information Service

3/1977

ADMIRAL STANSFIELD TURNER ALS LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR NACHRICHTEN
UND ABWEHR (CIA) NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Carter hat Admiral Stansfield Turner als
neuen Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) nominiert,
nachdem der ursprünglich für diesen Posten vorgesehene Theodore C. Sorensen
verzichtet hatte.
Turner ist nach Ansicht Präsident Carters auf Grund seiner langjährigen
militärischen Erfahrungen und seines Wirkens als Militärwissenschaftler in
hervorragender Weise für den Posten des Leiters des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA) geeignet. Er war seit August 1975 Oberbefehlshaber der
Alliierten Streitkräfte Südeuropa in Neapel, befehligte zuvor die zweite Amerikanische Flotte und die NATO-Einsatzflotte im Atlantik, studierte aber auch
als Rhodes-Stipendiat in Oxford und leitete mehrere Jahre das Naval War
College in Newport, Rhode Island.
Als Carter den Admiral am 7. Februar in einer Kabinettssitzung für diesen wichtigen Posten berief, würdigte er ihn als eine Persönlichkeit, die sehr
wohl einmal zum "George Marshall der Zukunft" werden könne. Marshall war

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D5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�war während des Zweiten Weltkrieges Stabschef der US-Armee und später unter
Präsident Truman Außenminister der USA.

Turner, sei ein Mann, so sagte

Carter, der seine Mitarbeiter mitreiße
und organisatorisches Können verfüge.

und über großes verwaltungstechnisches
Der Präsident wies in diesem Zusammen-

hang insbesondere auf die Reorganisation des Naval War College hin, die Turner
als dessen Leiter in den Jahren 1972 - 1974 vornahm.

Damals wurden an dieses

College auch Gegner des Vietnam-Krieges zu Vorträgen eingeladen, um kontroverse
Fragen von allen Seiten zu behandeln.

Auch Jimmy Carter, zu jener Zeit Gou-

verneur des Staates Georgia, sprach zu den Lehrgangsteilnehmern,

übrigens be-

suchten Carter und Turner gleichzeitig (im Jahre 1947) die amerikanische Marineakademie in Annapolis, doch kannten sie einander nur flüchtig.
Turner wurde am 1. Dezember 1923 in Highland Park im Staate Illinois geboren.

Nach einem zweijährigen Studium am Amherst College trat er in die Ma-

rineakademie ein, die er absolvierte, um dann als Rhodes-Stipendiat nach
Oxford (England) zu gehen.

Seinem Einsatz als Kommandant eines Minensuchers

und einer Lenkwarfenfregatte, die er in den Gewässern um Vietnam befehligte,
folgte Mehrjähriger Dienst auf verschiedenen Posten im Pentagon.

Im Jahre

1970 wurde Turner zum Konteradmiral befördert und übernahm an Bord des Flugzeugträgers "USS Independence" das Kommando einer Einsatzgruppe der Sechsten
Amerikanischen Flotte im Mittelmeer.

Leiter des Naval War College (1972-1974),

Kommandant der Zweiten Amerikanischen Flotte (1974/1975) und Oberbefehlshaber
der Alliierten Streitkräfte Südeuropa mit Sitz in Neapel (ab August 1975),
waren die nächsten Stationen in der Karriere Turners.
Der Admiral ist ein starker Befürworter eines neuen amerikanischen Schiffbauprogramms, um die Seekontrolle gegenüber der neuen verstärkten sowjetischen
Marine zu wahren.
Admiral Turner ist mit Patricia Busby Whitney verheiratetl das Ehepaar
hat zwei Kinder.

+ + + + +

- 2 -

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United States Information Service

3/1977

CARTER-ADMINISTRATION FORMULIERT INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK

WASHINGTON - (AD) - Bei der Gestaltung der künftigen Weltwirtschaftspolitik unter der neuen Carter-Administration wird - wie sich jetzt schon deutlich abzeichnet - eine engere Zusammenarbeit zwischen den wichtigsten Industriestaaten eines der Hauptanliegen sein.
Diese enge Zusammenarbeit ist, wie ein Vertreter der neuen Administration betonte, nicht nur von entscheidender Bedeutung für die wirtschaftliche
Gesundheit der Industriestaaten selbst, sondern genau so lebenswichtig für
die Entwicklungsländer, die durch Fehlentwicklungen der Volkswirtschaften der
großen Industriestaaten empfindlich getroffen werden können.
Die Carter-Administration hebt vier Problembereiche in der Weltwirtschaft heraus, auf denen eine engere Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten
Staaten und anderen großen Wirtschaftsmächten unbedingt erforderlich ist: den
Bereich, den man in etwa als "internationales Wirtschaftsmanagement" bezeichnen kann; den Nord-Süd-Dialog zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern; die laufenden multilateralen Handelsverhandlungen und den Energie-

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Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�Energiebereich. Die amerikanische Einstellung zu diesen Sachgebieten wurde
von Vizepräsident Walter Mondale während seiner jüngsten Europa- und Japanreise in den Grundzügen umrissen.

Sie dürften Diskussionsgegenstand auf dem

geplanten Gipfeltreffen der führenden Vertreter der großen Industrienationen
sein, das für Mitte dieses Jahres vorgesehen ist.
Ein enges Ineinandergreifen und die Koordination der Wirtschaftsstrategien
der wirtschaftlich stärksten Staaten gewinnt nach Auffassung eines Vertreters
der Carter-Administration deshalb eine immer größere Bedeutung, weil die Frage, ob es diesen Staaten gelingt, ihre eigenen Volkswirtschaften in Ordnung
zu halten und gut zu führen, in immer stärkerem Maße davon abhängt, inwieweit
sie das gesamte Weltwirtschaftssystem in eine befriedigende Form zu bringen
vermögen.
Eine solche Gestaltung der Weltwirtschaft heißt keinesfalls Auferlegung
von Handelsrestriktionen oder die Einführung anderer Maßnahmen mit dem Ziel,
den Industriestaaten auf Kosten der übrigen Welt wirtschaftliche Vorteile zu
sichern, so wird in Washington betont. Spezifisch heißt das vielmehr in der
gegenwärtigen Situation, daß die Vereinigten Staaten, die Bundesrepublik Deutschland und Japan - als die Industriestaaten, die gegenwärtig die wirtschaftlich
stärkste Position einnehmen - die besondere Pflicht haben, einen ausreichenden
wirtschaftlichen Anreiz zu schaffen, um den schwächeren Industriestaaten und
den Entwicklungsländern dabei zu helfen, die Nachwehen der Weltrezession zu
überwinden und ihre Bilanzdefizite auszugleichen.
Nach Ansicht der Carter-Administration ist es für die Weltwirtschaft von
größter Bedeutung, daß die wirtschaftlich Stärkeren nicht hinter ihre angekündigten Wachstumsziele zurückfallen und daß sie bei einem solchen Zurückfallen unverzüglich stärkere Anreize und Impulse setzen.
Ein vom Export getragenes Wachstum für jedes Land ist eine Unmöglichkeit,
irgendjemand muß die gesteigerten Importe aufnehmen. Die Vereinigten Staaten
glauben, daß sie zur Erfüllung ihrer Aufgaben und Verantwortlichkeiten beige- 2 -

�beigetragen haben, indem sie mit relativer Ruhe ein Defizit in ihre1" e"'§enen
derzeitigen Bilanz hinnehmen, das sich im Jahre 1976 auf 6 Milliarde
belief.

Dollar

Wie man in Washington erklärt, wäre die Weltwirtschaft onne das ge-

genwärtige Defizit der Vereinigten Staaten im Augenblick einer sehr $w$thaf*
ten Belastung ausgesetzt.

Deutschland aber und Japan - die beiden änderen

wirtschaftlich starken Mächte - scheinen weniger bereit zu sein, zur Zeit e m
Defizit in ihrer Handelsbilanz als Beitrag zu einer weltweiten wirtschaftlichen
Gesundung hinzunehmen.
Man ist in Kreisen der neuen amerikanischen Administration davon überzeugt, daß die Notwendigkeit einer engen Zusammenarbeit auch nicht nach eine»*
völligen Überwindung der Rezession enden wird. Vielmehr glaubt man, Ca2 die
Industriestaaten auf kontinuierlicher Basis werden zusammenarbeiten müssen,
um die Wachstums- und Inflationsraten zu bestimmen, die Zahlungsauswirkungen
zu überprüfen und die Wirtschaftstätigkeit der einzelnen Länder zu beobachten.
Eine Erörterung des Verhaltens der einzelnen Länder auf internationaler Ebene,
so wird erklärt, könne dazu beitragen, denen zu helfen, die innerhalb der jeweiligen Länder für gesunde Wirtschaftsprogramme eintreten. Dies gelte sowohl für die USA als auch für andere Länder.
Die Entwicklungsländer könnten nach Washingtoner Ansicht wohl mehr als
irgend jemand sonst gewinnen, wenn eine bessere wirtschaftliche Zusammenarbeit
zwischen den Industriestaaten es ihnen gestattet, Phasen der Inflation, die
sich mit Phasen der Rezession abwechseln, zu vermeiden. Schließlich seien es
häufig die Entwicklungsländer, die am meisten unter den weltweiten Auswirkungen
einer Wirtschaftspolitik von "Gasgeben und Bremsen" seitens der Industrienationen litten.
Im Hinblick auf einen anderen bedeutsamen Bereich der Weltwirtschaft
- den Bereich des Handels - ist die Carter-Administration der Ansicht, daß
von den gegenwärtig in Genf stattfindenden multilateralen Handelsverhandlungen
nicht die erforderlichen lebenswichtigen Impulse ausgehen; sie möchte diese
Verhandlungen daher mit neuem Leben erfüllen. Im ersten Quartal 1977 wird so- 3 -

�I
sowohl die neue Administration in Washington als auch die neue Führung im
EG-Hauptquartier in Brüssel damit beschäftigt sein, die jeweiligen Positionen
neu zu bewerten.

Die Vereinigten Staaten würden es jedoch begrüßen, wenn

die Handelsverhandlungen noch in diesem Jahr ein schnelleres Tempo annähmen,
als dies bisher der Fall war.

Die Teilnehmer, so wird in der amerikanischen

• Hauptstadt betont, müßten im Jahre 1977 bemüht sein, so umfassende Fortschritte
wie nur möglich zu machen.
Die Landwirtschaft bleibt weiterhin der schwierigste Bereich der Handelsverhandlungen, aber nach Ansicht eines Vertreters der Carter-Administration
ist die Möglichkeit gegeben, daß sowohl die Vereinigten Staaten als auch die
Europäische Gemeinschaft in Zukunft eine größere Flexibilität auf diesem wie
auch auf anderen Gebieten des Handels an den Tag legen.
'-

• Was den Bereich des Nord-Süd-Dialoges angeht, so haben Vizepräsident
Mondale und seine Begleitung auf ihrer Reise die Frage erörtert, welche Position die Industriestaaten auf den bevorstehenden Sitzungen der Konferenz
über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit (CIEC) einnehmen sollten,
auf der sowohl erdölexportierende als auch nicht -erdölexportierende Entwicklungsländer vertreten sind. Die Regierung Carter ist der Ansicht, daß eine
große Menge an Vorbereitungsarbeit seitens der Industrieländer zu leisten
ist - und zwar in enger Zusammenarbeit miteinander - wenn die abschließende
Ministerratssitzung dieser Konferenz von Erfolg gekrönt sein soll. Diese Sitzung dürfte aller Voraussicht nach im Frühjahr stattfinden.
Wenn auch noch nicht feststeht, welche neuen Ideen seitens der USA am
Konferenztisch vorgebracht werden, so warnt man in Washington doch davor,
dramatische Änderungen in der amerikanischen Haltung zu erwarten. Die amerikanische Opposition in der Vergangenheit gegenüber einigen Vorschlägen, die
die Entwicklungsländer vorbrachten, ging auf die Frage zurück, wie diese wirtschaftlich verwirklicht werden könnten, und dies, so wird betont, bleibe auch
unter der neuen Administration in Washington ein ernstes Anliegen - genauso
wie in den Hauptstädten anderer Industrieländer. Es könne durchaus einige Mo- 4 -

�Modifizierungen in der amerikanischen Haltung geben, doch werde sich die
Carter-Administration jedem Druck widersetzen, wirtschaftlich ungesunde und
unvernünftige Vorschläge nur aus der Hoffnung heraus anzunehmen, dadurch vorübergehende politische Gewinne zu erzielen.
Vor allem aber darf man erwarten, daß die neue Administration mit einer
durchaus undoktrinären Einstellung an diese Aufgabe herangehen wird. Diese
Einstellung dürfte sich auch auf die Prüfung aller Möglichkeiten für neue
Abkommen über Handelsgüter erstrecken, obwohl es hier keine Garantie geben
kann, daß durch diese unvoreingenommene neue Einstellung sich weitere wirtschaftlich gesunde Möglichkeiten für Abkommen über Handelsgüter auffinden
lassen werden, die nicht auch schon von der vorigen Administration ins Auge
gefaßt wurden.
Was als ein "Erfolg" der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche
Zusammenarbeit anzusehen ist, dürfte von Land zu Land verschieden bewertet
werden. Nach amerikanischer Auffassung ist jedoch der springende Punkt, daß
diese Konferenz nicht als das Ende, sondern lediglich als ein weiterer Schritt
des Dialogs zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten angesehen werden sollte.
Was den vierten Bereich, den der Energie, anbetrifft, so haben die amerikanischen Partner bei Vizepräsident Mondale und seiner Delegation während der
jüngsten Besuchsreise darauf gedrängt, daß die Vereinigten Staaten die Energiesparmaßnahmen verstärken und ihre Entwicklungsprogramme intensivieren sollten.
Von Seiten der Delegation wurde dazu erklärt, daß die Carter-Administration
zur Zeit ein neues nationales Energieprogramm aufstellt - das im April bekanntgegeben werden soll - und daß in ihm die Fragen der Einsparung und der
Neuproduktion einen besonderen Nachdruck erhalten würden.
Die Notwendigkeit einer engen internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit besteht nach Ansicht der Carter-Administration nicht nur für die Industriestaaten.
Es
- 5 -

�Es bleiben weiterhin schwerwiegende Probleme als Folge der großen Zahlungsbilanzdefizite der öl importierenden Länder und des entsprechenden Geldüberschusses bei einigen öl exportierenden Ländern bestehen.

In Washington

ist man der Auffassung, die ölexportierenden Länder könnten dadurch, daß sie
Anleihen an die wirtschaftlich schwachen Länder direkt vergeben oder einen
größeren Teil «ihrer finanziellen Überschüsse den offiziellen internationalen
Finanzierungsinstituten zufließen lassen einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung und Verbesserung des Weltwirtschaftsgefüges leisten.

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�Wi//en/chaft
und Technik

I

United States Information Service

3/1977

SCHNELL-INFORMATION ÜBER DEN LANGEN DRAHT
Weltweiter US-Computerdienst für wissenschaftlich-technische Daten

- (AD) - "Project Info/Speed" heißt ein Demonstrationsprojekt, das
Interessenten in anderen Ländern Gelegenheit gibt, wissenschaftliche und
technische Informationen über gewöhnliche Telefonleitungen aus einer der
größten amerikanischen Datenbanken zu beziehen.

Das Programm steht unter

der Schirmherrschaft des US-Informationsamtes (United States Information
Agency - USIA) in Washington und wird mit Unterstützung von Experten des
Nationalen Technischen Informationsdienstes

National Technical Information

Service - NTIS) des US-Handelsministeriums sowie der USIA-Vertretungen
im Ausland (US-Informationsdienst - USIS) durchgeführt.
Ende Februar beginnen die jeweils ein- bis dreitägigen Demonstrationen
in Ländern des Nahen Ostens; in Südostasien, Afrika und Lateinamerika werden
sie anschließend bis Ende August 1977 fortgesetzt.

Sie sind vor allem für

hohe Regierungsbeamte, Vertreter von Universitäten, Wirtschaft und Industrie,
ferner für Wissenschaftler, Ingenieure und andere Personen in Schlüsselpositionen gedacht.

Die Themenbereiche, über die innerhalb von Minuten In-

formationen zu den neuesten wissenschaftlichen und technischen Erkenntnissen

Postfach 300,
D 5300 Bonn-Bad Godesberg 1
Tel: 02221-893240 Telex:08-85432

�9

fr
Erkenntnissen eingeholt werden können, umfassen ein weites Spektrum - von
der Landwirtschaft über die Medizin und Biologie bis zu den Ingenieur-, Gesellschafts- und Wirtschaftswissenschaften, vom industriellen Management
über Umweltschutz, Naturschutz und Bodenmelioration bis zum Patentwesen und
zu einer Vielzahl anderer Sachgebiete.
Für Entwicklungsländer ist dieses Projekt besonders interessant, denn
es vermittelt in gewisser Weise den direkten Zugang zu einer riesigen Fachbibliothek, die täglich ergänzt und auf den neuesten Stand gebracht wird.
Im Routinebetrieb würden gegen relativ niedrige Gebühr die bestmöglichen Informationen vermittelt - z.B. an Ingenieure, die Straßen und Brücken bauen,
an Ärzte, die über Reaktionen auf spezielle Behandlungsverfahren

bei Krank-

heiten Bescheid wissen müssen, an Verwaltungsbeamte, die zur Überwindung der
verschiedensten Probleme nach geeigneten Maßnahmen suchen.

Das Info/Speed-

System gibt ihnen umgehend Auskunft darüber, welche Untersuchungen in bezug
auf die einzelnen Fragen bereits durchgeführt wurden und wie andere, die
sich ähnlichen Situationen gegenübersahen, in der Praxis dann vorgegangen
sind.

«

Der "National Technical Information Service" hat von Amts wegen die
Aufgabe, Forschungsergebnisse aus regierungseigenen Laboratorien und vielen
privaten wissenschaftlichen Instituten zu sammeln und an Personen und Organisationen in den USA und in anderen Ländern zu vermitteln, die sie für
eigene Arbeiten benötigen. Zu den "Lieferanten" zählen beispielsweise die
US-Weltraumbehörde NASA, die Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA,
die Umweltschutzbehörde EPA und das US-Handelsministerium mit den ihm angeschlossenen Laboratorien.
Darüber hinaus sichten Arbeitsstäbe von Spezialisten ständig Tausende
von wissenschaftlichen und technischen Publikationen aus aller Welt. Von
allen wichtigen Artikeln und Referaten werden Zusammenfassungen oder Kurzberichte angefertigt und auf Magnetband in Computern gespeichert. Die NTISDatenbanken sind auf Computer von drei großen amerikanischen Privatunternehmen
- 2 -

�Privatunternehmen verteilt - bei der

System Development Corporation (SDC)

in Santa Monica (Kalifornien), der "Lockheed Information Systems Corporation"
in Palo Alto (Kalifornien) und den "Bibliographie Retrieval Services"(BRS)
in Schenectady (New York). Jedoch wird bei dem bevorstehenden "Info/Speed"Demonstrationsprogramm nur der SDC-Computer-Suchdienst in Anspruch genommen.
Dies geschieht folgendermaßen: Ein in einem Koffer verstautes TerminalGerät, nach Größe und Gewicht etwa einer Kofferschreibmaschine vergleichbar,
wird durch Auflegen des Hörers auf die dafür vorgesehene Gabel an der Terminal-Tastatur an das Telefon angeschlossen. Der Benutzer wählt die Nummer
des Computers in Santa Monica, der so programmiert ist, daß er automatisch
das für ihn bestimmte "Gespräch" annimmt.
Ist der Kontakt hergestellt, gibt der Benutzer seine Anfrage mit Hilfe
der Terminal-Tastatur ein. Sie wird am Gerät auf Papier ausgedruckt, kann
aber auch auf einem Bildschirm erscheinen, wenn zusätzlich der FernsehMonitor angeschlossen ist. Gleichzeitig wird die "Botschaft" in eine Serie
akustischer Signale umgesetzt, wobei jeder Ton einem Buchstaben des Alphabets
oder einer Zahl entspricht. Diese Signale sind es, die per Telefon über Kabel- oder Satelliten-Leitungen zum Computer übertragen werden.
Am anderen Ende der Leitung erfolgt die Rückumsetzung der Töne in die
ihnen zugeordneten Drucklettern bzw. Zahlen, und der Computer beginnt nun,
die Datenbank nach der gewünschten Information abzufragen. Als Antwort kommt
normalerweise eine Liste von Buchtiteln, Zeitschriftenartikeln, wissenschaftlichen Abhandlungen, Broschüren und anderen Unterlagen zu dem betreffenden
Thema. Zu jedem Titel gehören meist zusätzliche Informationen in der Form
kurzer Zusammenfassungen, die manchmal zur Beantwortung der Anfrage schon
genügen. Ist dies nicht der Fall, kann der Benutzer von jedem auf der Liste
aufgeführten Dokument eine vollständige Textkopie anfordern. Auch diese Order wird über das Terminal-Gerät an den Computer durchgegeben, der sie sofort an das Bibliothekspersonal weiterleitet. Dieses sorgt dafür, daß dem
Anfragenden - in der Regel innerhalb von 24 Stunden - die Kopie des Dokuments

�Dokuments per Luftpost zugeschickt wird.
Die Kosten für die Inanspruchnahme des Info/Speed-Dienstes auf kommerzieller Basis hängen davon ab, welches Terminal-Gerät angeschafft oder gemietet wird, wielange das Telefongespräch und die Suche durch den Computer
dauern und welche Gebührensätze mit den Besitzern der Computer in der Datenbank vereinbart wurden. Eine kurze Fragenliste des Benutzers ist meist schon
in wenigen Minuten beantwortet, da die Computer innerhalb von Sekunden Millionen von eingegebenen Daten prüfen können.
Die ersten Info/Speed-Demonstrationen führen J. Frank Post (NTIS-Koordinator für internationale Programme) und Donald V, Black (Projektdirektor
für den SDC-Suchdienst) persönlich durch.

Bei den Vorführungen werden Geräte

vom Typ Miniterm 1023 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Printer, 30 Zeichen
pro Sekunde) und Digilog 33/11 (Terminal-Gerät mit Tastatur und Bildmonitor
zum Ablesen aller ausgehenden und ankommenden Meldungen) benutzt. Im Gegensatz ,
zu Digilog 33/11 druckt Miniterm 1203 alle Meldungen (ähnlich wie eine Schreibmaschine) auf Papier; gleichzeitig können diese auch von einem Bildschirm abge - '
lesen werden, wenn ein TV-Monitor angeschlossen ist.
Die Erfahrung hat gezeigt, daß für das Tempo der wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes Informationen vielfach noch wichtiger sind als Maschinen.
Ideen und Lehren aus der Praxis können den sozialen Gegebenheiten in anderen
Ländern oft besser Rechnung tragen und entsprechend modifiziert angewandt werden, was zu mehr Erfolg führt als ein schematischer Transfer von Technologie.
(Stationen im Projekt Info/Speed: Jidda/ Saudi-Arabien, Madras/Indien,
Kairo/Ägypten, Lagos/Nigeria, Nairobi/Kenia, Djakarta/Indonesien, Hongkong;
später Panama, Lima/Peru, Buenos Aires/Argentinien und Brasilia/Brasilien.)

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. 4.

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