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4. Februar 1977

INHALT

DOKUMENTATION
Präsident Carter richtet Ansprache an die amerikanische Nation
- Auszüge aus seinem ersten "Kamingespräch" am 2. Februar HINTERGRUNDMATERIAL
Der Amtsantritt Carters: Zeremoniell und tiefere Bedeutung
von Hugh Sidey - Chef des Washingtoner Büros des Nachrichtenmagazins
"Time"
Erfolgreiche amerikanisch-sowjetische Zusammenarbeit auf dem Gebiet
des Umweltschutzes
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
VIKING-Geräte sondieren weiter
Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten - Programme bis Oktober 1977
Neues Bordkontroll System schafft Raum im Cockpit

Um Uber/endung von
Belegexemplaren wird
gebeten

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�Dokumentation

I 3

United States Information Service

2/1977

PRÄSIDENT CARTER RICHTET ANSPRACHE AN DIE AMERIKANISCHE NATION
Auszüge aus seinem ersten"Kamingespräch" am 2. Februar

Washington - (AD) - Präsident Jimmy Carter hat sich am 2. Februar in
einer Fernsehansprache an das amerikanische Volk gewandt und darin eine Reihe
vor allem innenpolitischer - Probleme behandelt. Fs war die erste Ansprache
in einer Serie von ihm geplanter zwangloser "Kamingespräche" aus dem Weißen
Haus. Der Präsident befaßte sich mit dem aufgrund der gegenwärtigen Kältewelle in den USA besonders dringlichen Energieproblem,mit seinem Wirtschaftsprogramm, der Straffung und Reorganisation der Bundesregierung sowie mit
sozialpolitischen Fragen. Kurz ging er auch auf die amerikanische Außenpolitik ein.
Energiepolitik
Zum Energieproblem führte der Präsident unter anderem folgendes aus:
"Eines unserer dringendsten Projekte ist die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik. Wie ich schon im Wahlkampf erklärte, sind die Vereinigten
Staaten die einzige wichtige Industrienation ohne eine langfristige Energiepolitik.

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�T

t

Das außerordentlich kalte Wetter in diesem Winter hat unsere Vorräte an
Erdgas und Heizöl in gefährlicher Weise schwinden lassen und Hunderttausende
von Arbeitern gezwungen, ihren Arbeitsplatz zu verlassen.

Ich beglückwünsche

den Kongreß zu seiner raschen Maßnahme hinsichtlich des Erdgas-Notstandgesetzes, das heute verabschiedet und am Abend unterzeichnet wurde.
Aber das wahre Problem - die Tatsache, daß wir nicht für die Zukunft
planten oder die Energieeinsparung nicht ernst nahmen - begann schon lange
vor diesem Winter, und um es zu lösen, wird eine längere Zeit notwendig
sein.

Ich bin mir darüber im klaren, daß viele von Ihnen nicht geglaubt

haben, daß wir wirklich ein Energieproblem haben.

Aber dieser Winter hat

uns allen klargemacht, daß wir handeln müssen.
Der Kongreß hat bereits zahlreiche Vorbereitungen für eine Energie-Gesetzgebung getroffen.

Der Energieberater des Präsidenten, Dr. James

Schlesinger, ist dabei, die Bemühungen um die Entwicklung einer nationalen
Energiepolitik zu leiten.

Das geht zahlreiche Gruppen von Amerikanern an.

Bis zum 20. April werden wir die Planung?" für unser Energieprogramm abgeschlossen haben und den Kongreß dann um seine Mithilfe bei der Verabschiedung
einer verantwortungsbewußten Gesetzgebung ersuchen.
Unser Programm wird den Nachdruck auf Einsparungen legen. Was jetzt an
Energie verschwendet wird und eingespart werden könnte, ist mehr als die
Gesamtenergiemenge, die wir jetzt aus dem Ausland einführen. Wir werden
ferner Nachdruck auf die Erschließung unserer reichhaltigen Kohlereserven legen - und zwar in umweltfreundlicher Weise -, die Forschung in bezug auf
die Sonnenenergie und andere sich nicht erschöpfende Energiequellen vorantreiben und strikte Sicherheitsbestimmungen für die notwendige Erzeugung von
Atomenergie aufrechterhalten.
Die Verantwortung für die Gestaltung der Energiepolitik ist derzeit unter
über 50 verschiedenen Behörden, Ministerien und Regierungsdienststellen aufgeteilt.

Ich werde noch in diesem Monat den Kongreß um seine Unterstützung

�Unterstützung ersuchen, um diese Dienststellen in einem neuen Energieministerium zusammenzufassen, um Ordnung in dieses Chaos zu bringen.
Führende Vertreter des Kongresses arbeiten schon eine ganze Zeit daran

"

Wirtschaftspolitik
über seine wirtschaftspolitischen Pläne sagte Präsident Carter wörtlich:
"Ich habe im Wahlkampf auch erklärt, daß unsere Administration alles in
ihren Kräften stehende tun würde, um wieder eine gesunde amerikanische
Wirtschaft herzustellen.
Unsere Nation ist auf dem Grundsatz der Arbeit, nicht der Wohlfahrt, der
Produktivität, nicht der Stagnation aufgebaut. Ich übernahm mein Amt jedoch
in der Mitte der schlimmsten Rezession in den letzten 40 Jahren, über 7,5
Millionen Menschen suchen Arbeit und können keine finden. Wegen der hohen
Arbeitslosigkeit und stilliegender Fabriken hat die amerikanische Durchschnittsfamilie im Jahr 1800 Dollar an Einkommen verloren, und das Steueraufkommen des Bundes liegt um 40 Milliarden Dollar niedriger als in einer
blühenden Wirtschaft.
Auch die Inflation trifft uns alle, überall im Lande müssen wir, ob wir
einen Arbeitsplatz haben oder einen suchen, uns beeilen, um mit dem
ständigen Preisanstieg Schritt zu halten.
Die Inflation trifft uns nicht bei den Luxusgütern am härtesten, sondern
beim Grundbedarf: Lebensmittel, Energie, Gesundheit, Wohnung. Sie merken es
jedesmal, wenn Sie einkaufen gehen. Ich bin mir darüber im klaren, daß
Arbeitslosigkeit und Inflation etwas ganz Reales sind und vielen amerikanischen Familien wehtun.
Nichts macht es schwerer, unserer Bevölkerung eine vernünftige Gesundheitsfürsorge, vernünftige Wohnungen und eine vernünftige Ausbildung zu
garantieren, unsere Umwelt zu schützen oder unser 7iel eines ausgewogenen
- 3 -

�r
i

ausgewogenen Haushalts zu erreichen, als eine stagnierende Wirtschaft.
Sofort nach meiner Wahl begannen die führenden Vertreter des Kongresses
und meine eigenen Berater mit mir zusammen einen Vorschlag für einen
wirtschaftlichen Wiederaufschwung auszuarbeiten.

Wir waren von dem Grundsatz

geleitet, daß jeder, der arbeiten kann, auch arbeiten soll; daß unsere
wirtschaftliche Stärke in einem gesunden, produktiven privatwirtschaftlichen
Sektor liegt; daß wir denjenigen die größte Hilfe zukommen lassen müssen,
die ihrer am meisten bedürfen; und daß es ein vorhersehbares und stetiges
Wachstum unserer Wirtschaft geben muß.
Vor zwei Tagen habe ich diesen Plan dem Kongreß unterbreitet.

Es ist ein

ausgewogener Plan mit vielen Elementen, um den vielen Ursachen unserer
wirtschaftlichen Probleme zu Leibe zu rücken.
Ein Element ist die Senkung der Steuern, r : einmalige Steuersenkung,
die für eine vierköpfige Durchschnittsfamilie mit einem Einkommen von
10 OOOüollar jährlich 200 Dollar beträgt, stellt eine 30prozentige Senkung
der diesjährigen Steuern dar.
Mein oberstes Anliegen sind Arbeitsplätze, und diese Steuererleichterungen
sind der einzige rasche und effektive Weg, Geld in die Wirtschaft zu pumpen
und diese Arbeitsplätze zu schaffen.
Gleichzeitig senken wir die Steuern auf lange Sicht, indem wir die
normale Abschreibung erhöhen, die die meisten Steuerzahler in Anspruch nehmen
können. Eine vierköpfige Familie mit einem Einkommen von 10 000 Dollar wird
bei den Steuern in den nächsten Jahren 133 Dollar - rund 20 Prozent - sparen.
Das wird ein weiterer Schritt zur Vereinfachung der Steuer sein und es
75 Prozent aller Steuerzahler ermöglichen, den normalen Frei betrag in
Anspruch zu nehmen und eine ganz einfache Steuererklärung abzugeben.

Wir

�Wir werden auch den Unternehmen Steueranreize gewähren, um sie zur
Bekämpfung der Inflation durch Ausweitung der Produktion und die Einstellung
von Arbeitssuchenden zu ermutigen.

Ich meine, es ist sinnvoller, wenn die

Regierung dazu beiträgt, daß Arbeiter ihren Arbeitsplatz behalten, als sie
zu Empfängern von Arbeitslosenunterstützung zu machen.

Ein großes

öffentliches Arbeitsprogramm wird den Bau ausgewühlter Projekte ermöglichen, d
am dringendsten nötig sind.
Dabei wird es sich nicht um Arbeitsbeschaffungsprogramme handeln.

Sie

werden von besonderem Wert für Gemeinden sein, in d°nen Haushaitskürzunqen
zu einem Abbau der öffentlichen Dienstleistungen geführt haben, und sie
werden eine Erhöhung der Gemeindesteuern abwehren helfen.
Da die Arbeitslosigkeit bei bestimmten Gruppen unseres Volkes am
schlimmsten ist - bei Jugendlichen, Behinderten und Minderheiten - werden
wir unser Ausbildungsprogramm auf diese konzentrieren.
Die höchste Dringlichkeitsstufe in unseren Berufsbildungsprogrammen
werden die jungen Teilnehmer des Vietnamkrieges erhalten. Die Arbeitslosigkeit ist unter Kriegsteilnehmern wesentlich höher als unter den anderen
Angehörigen dieser Altersgruppe, die nicht in Vietnam gedient haben. Ich
hoffe, daß die Rückführung Tausender von Veteranen in den Arbeitsprozess
ein weiterer Schritt sein wird, um die Wunden der Kriegsjahre zu heilen
und jenen zu helfen, die in den vergangenen Jahren unserem Lande geholfen
haben.
Ich bin mir darüber im klaren, daß nur ganz wenige Menschen diesen
Gesamtwirtschaftsplan für perfekt halten. Viele Gruppen würden lieber mehr
Hilfe der einen und weniger der anderen Art sehen. Ich bin jedoch überzeugt, daß es der ausgewogenste Plan ist, den wir für die wirtschaftliche
Gesundung unseres Landes insgesamt aufstellen können.

Er
- 5 -.

�Er wird ein stetiges, ausgewogenes und anhaltendes Wachstum hervorrufen.
Er läßt bei der Lösung des Arbeitslosenproblems die Inflation nicht außer
acht- und umgekehrt.

Er verlangt nicht von einer Gruppe, daß sie allein

für die anderen Opfer bringt.

Er fordert uns alle auf, mitzumachen und

unseren Anteil zu leisten, um unser Land wieder auf den Weg zur Vollbeschäftigung zu bringen.
Er ist eine ausgezeichnete Investition in die Zukunft."
Außenpolitik
In dem außenpolitischen Teil seiner Ansprache erklärte Carter:
"Ich habe außerdem Versprechungen hinsichtlich der Außenpolitik gemacht.
Als Oberbefehlshaber bin ich entschlossen, eine starke, gestraffte und
wirksame Streitmacht zu erhalten.

Unsere Politik sollte auf einer engen

Zusammenarbeit mi:. unseren Verbündeten sowie auf der weltweiten
Respektierung der Menschenrechte beruhen, und sie muß immer unsere eigenen
moralischen Werte widerspiegeln.

Ich möchte, daß Sie auf die Maßnahmen

unserer Nation stolz sein können.
Gestern ist Vizepräsident Mondale von seinem zehntägigen Besuch bei
führenden Staatsmännern Westeuropas und Japans zurückgekehrt. Ich hatte ihn
gebeten, diese Reise zu unternehmen, um unsere Absicht zu dokumentieren,
unsere traditionellen Verbündeten in allen wichtigen Fragen zu konsultieren,
Ich war über seinen Bericht erfreut. Der Vizepräsident wird mein ständiger
und enger Berater sein.
In einem Geiste der internationalen Freundschaft werden wir hier in
Kürze die führenden Staatsmänner verschiedener Länder begrüßen; den Anfang
werden unsere Nachbarn, Kanada und Mexiko, machen.
In diesem Monat wird Außenminister Cyrus Vance nach dem Nahen Osten
reisen, um nach Mitteln und Wegen für die Schaffung eines echten Friedens

�Friedens zwischen Israel und seinen arabischen Nachbarn zu suchen.
Unser Botschafter bei den Vereinten Nationen, Andrew Young, ist gestern
zu einem Besuch Afrikas abgereist, um den afrikanischen Völkern unsere
Freundschaft zu demonstrieren sowie unser Eintreten für friedliche Veränderungen auf dem Wege zur Mehrheitsregierung im südlichen Afrika.
Ich werde mich ebenfalls darum bemühen, unsere Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China zu verbessern; dabei spll unsere Sicherheit gewahr"-, bleiben, während gleichzeitig versucht wird, die Risiken eines
Konflikte:, zu vermindern.
Wir werden auch weiterhin unsere Besorgnisse über die Verletzung von
Menschenrechten zum Ausdruck bringen,- wie wir dies in der vergangenen Woche
getan haben -, ohne dadurch unsere Bemühungen um freundliche Beziehungen
zu anderen Ländern zu stören.

Zu einem späteren Zeitpunkt werde ich Ihnen

einen umfassenden Bericht über außenpolitische Fragen geben."

+ + + + +

- 7

T

�2/1977

ERFOLGREICHE AMERIKANISCH-SOWJETISCHE

ZUSAMMENARBEIT

AUF DEM GEBIET DES UMWELTSCHUTZES

Washington - (AD) - Das Abkommen über die Zusammenarbeit beim Umweltschutz, das zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion im Mai 1972
geschlossen wurde, hat sich als wirksames Instrument für die Inangriffnahme
und Durchführung von Projekten erwiesen, die nicht nur für die beiden Länder,
sondern für die ganze Welt von Bedeutung sind.

Bisher wurden 40 Projekte

auf 11 verschiedenen Gebieten in Angriff genommen; Hauptpunkte in dem Ende
vorigen Jahres von den obersten Gremien beider Länder verabschiedeten fünften
Jahresbericht sind u. a.
- Eine gemeinsame Analyse amerikanischer und sowjetischer Wissenschaftler
der seismischen Aktivität, die durch die Füllung des Nurek-Stausees hinter dem
größten Erddamm der Welt und den dazugehörigen Wasserkraftwerken in der
tadschikischen Sowjetrepublik verursacht wird. Die Untersuchung zeigte, daß
in drei Gebieten Bebenherde existieren, einer davon direkt unter dem Stausee,
das bereits bis zur 200 m-Marke gefüllt ist: Die Analyse ist für die Standortwahl und den Bau von Stauanlagen in seismisch aktiven Gebieten rund um
die Erde von Bedeutung.

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�t

- Amerikanische und sowjetische Forscher analysierten die Anomalien
der Radon-Emission als Verboten von Erdbeben. (Radon ist das schwerste
Edelgas; es rntsteht als Zwischenprodukt beim Zerfall von Uran,Thorium
und Actinium.) Die Anomalien wurden im Mai 1976 beobachtet, als sich
ein Erdbeben im Raum Gazli in der Sowjetunion ereignete.
- Gemeinsame Experimente in Menlo Park (Kalifornien) zur Frage der
Bedeutung von Hohlräumen bzw. Rissen im Bereich einer geologischen Verwerfung für Gleitvorgänge zeigte, daß erste Rißbildungen vor dem eigentlichen Beben in bestimmten "Mustern" auftreten. Diese Erkenntnis macht
es eher möglich, geringfügige Bodenveränderungen als Vorboten von größeren
Erdbeben zu deuten.
- Im Juli 1976 unternahmen amerikanische und sowjetische Experten den
zweiten gemeinsamen Ballonversuch in Laramie (US-Bundesstaat Wyoming) zur
Messung von Aerosolen in der Stratosphäre. Zweck der Versuche ist die
Untersuchung von Veränderungen der Strahlungseigenschaft der Stratosphäre,
die durch Schmutz- und Schadstoffe in der Atmosphäre hervorgerufen werden.
Außerdem will man die Auswirkung solcher Veränderungen auf das Klima
ermitteln.
- Amerikanische und sowjetische Ingenieure erprobten gemeinsam ein
elektrostatisches System amerikanischer Bauart zur Entstaubung und Rauchnasreinigung bei Heizkraftwerken sowie eine sowjetische Anlage, die im
Naßverfahren arbeitet.
- Die Sowjetunion schickte insgesamt 26,5 Tonnen von gelöschtem Koks und
von der als Ausgangsmaterial benutzten Kohle als Proben in die Vereinigten
Staaten, wo von Mitgliedfirmen des Industrieverbandes für Eisen und Stahl
Tests mit dem Ziel durchgeführt werden, für die Koks- und Stahlproduktion
umweltfreundlichere Verfahren zu entwickeln.

- 2-

�\ -

•

•»

- Beide Länder tauschten Mikrobenkulturen und Kulturen bestimmter
anderer Organismen aus, die unschädlich sind und in der Landwirtschaft zur
biologischen Schädlingsbekämpfung eingesetzt werden könnten.
- Ein amerikanischer Wissenschaftler nahm an einer Fahrt des sowjetischen
Forschungsschiffes MUSSON im MitteUtlantik teil, auf der u. a. Verfahren
zur internationalen Standardisierung chemischer Analysenmethoden 'ür die
Bestimmung von öl und Mineral öl Produkten in Meerwasser getestet wurden.
- Die beiden Länder tauschten zum ersten Mal Expertendelegationen aus,
die Planung und Bau von Rohrleitungen in Dauerfrostgebieten wie Alaska und
Sibirien unter dem Gesichtspunkt untersuchen, Umweltschäden im Ökosystem
des hohen Nordens so gering wie möglich zu halten.

+ + + +

- 3 -

+

�I

Wi//en/chaft
imö Technik
United States Information Service

2/1977

VIKING-GERÄTE SOI-iJIEREN WEITER

Zweite Beobachtungsphase mit neuen Projekten
Programme bis Oktober 1977

- (AD) - Ein "höchst ungewöhnliches Ereignis" registrierte das Seismometer von VIKIH 2 am 7. November H
gegen 1900 Uhr. Unter normalen
Umständen könnten die über ca. 30 Minuten aufgezeichneten Meßdaten als
Marsbeben der Stärke 6 nach der Richterskala interpretiert werden, dessen
Epizentrum in etwa 7000 km Entfernung vom Standort der Sonde lag. Das
Kurvenbild ähnelt auffallend den Meßdaten von seismischer Aktivität auf dem
Mond. Dr. Don L. Anderson, Chef des seismologisehen Instituts der
Technischen Universität Kalifornien in Pasadena und Leiter des SeismologieProjekts im VIKING-Programm, warnt jodoch vor voreiligen Schlüssen. Die
Aufzeichnung war die erste dieser Aru, die auf dem Mars gemacht wurde. Im
Januar 1977 wurde erneut eine schwache Erschütterung registriert. Die
Bestätigung durch eine zweite Station gibt es noch nicht, weil nur das VIKING 2
Seismometer arbeitet. Man hofft allerdings, das seit der Landung im Juli
1976 festgeklemmte Gerät von VIKING 1 in den nächsten Wochen doch noch
lösen und betriebsbereit machen zu kennen.

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�Das "Ereignis", über das Dr. Anderson im Januar 1977 berichtete,
fiel bereits in die insgesamt fünfwöchige Nachrichtenpause von November/
Dezember 1976, während der die Sonne die Sicht von der Erde zum Mars verdeckte.

Deshalb erfuhren die Wissenschaftler im Jet Propulsion

Laboratory (JPL), der VIKING-Flugleitzentrale, erst nach der Wiederaufnahme der Funkverbindungen zu den beiden Orbiter- und VIKING-Landegeräten
in der zweiten Dezemberhälfte davon, als sie die in der Zwischenzeit von
den VIKING-Sonden gespeicherten Meßdaten und Fotos abriefen.
Angesichts der riesigen Vulkane und der oft Hunderte von Kilometern
weiten Felder erstarrter Lava auf dem Mars, die durch die Fotos der
VIKING-Orbiter immer besser bekannt werden, wäre die Erfassung tektonischer
Vorgänge für die Wissenschaft von größtem Interesse. Seismische Aktivität
gibt Anhaltspunkte für den Aufbau eines Planetenkörpers und die Temperaturbereiche im Innern. Sie könnte die Frage beantworten helfen, ob der Mars
im geologischen Sinne noch aktiv oder ein bereits "ausgebrannter",
sterbender Planet ist. Wie "lebendig" z.B. unsere Erde noch immer ist,
zeigen die Erdbeben und Vulkanausbrüche an der Oberfläche, auf festem
Land und unter den Meeren. Druckkräfte auf Grund der Vorgänge im heißen
Erdinnern waren und sind noch immer die Ursache für das Aufbrechen und Auseinanderdriften der Kontinente, für das Werden und Vergehen großer Meere.
Der Wind bläst nach der Uhr
Meßdaten des VIKING 2-Seismometers verraten außerdem, wie stark die
täglichen Luftbewegungen den Roboter in der Utopia-Ebene vibrieren lassen.
Der Wind setzt um die Mittagszeit ein, verstärkt sich gegen 14 Uhr und
flaut gegen 17 Uhr ab, um eine Stunde später fast ganz zu erlöschen. Man
könnte, so Dr. Anderson, "die Uhr danach stellen". In Abständen von ca.
45 Minuten wird der Wind für etwa eine Viertelstunde stark böig. Die
größte Windstärke, die VIKING 2 bisher gemessen hat, sind 46 km pro Stunde.
Weder Wind noch mögliche Erschütterungen durch den Betrieb anderer Bordinstrumente vermögen nach den bisherigen Erfahrungen die Meßgenauigkeit des
Seismometers zu beeinträchtigen.
Die
- 2 -

�Die Bewährungsprobe im Staubsturm steht allerdings noch aus. Von
früheren Fernbeobachtungen weiß man, daß Staubstürme mit enormer Energie
über die Marsoberfläche dahingegen. Die ersten werden Anfang April erwartet; wie die Kameras und der Greifarm mit seinem empfindlichen
Mechanismus auf Staubbombardements reagieren werden, bleibt abzuwarten.
Änderungen im Wettergeschehen kündigten sich schon Ende Oktober an. Am
Standort von VIKING 1 in der Chryse-Region ging der Luftdruck von 7,7
Millibar (z.Zt. der Landung am 20. Juli 1976) auf 6,5 Millibar zurück, an
dem ca. 7000 km entfernten und 1400 km näher zum Nordpol gelegenen Standort
von VIKING 2 (auf der anderen Seite der Nordhalbkugel) sank er von 7,74 auf
7,4 Millibar. Eine durchziehende "Wetterfront" verursachte in der UtopiaRegion fünf Tage lang einen weiteren Luftdruckabfall. Der bis dahin mit der
Tageszeit umlaufende leichte Wind verstärkte sich um 18 - 35 km/st und blies
nun stetig aus Nordost. Nach Ansicht von Prof. Seymour Hess (Universität
Florida), der das VIKING-Meteorologieprogramm leitet, sind auf dem Mars bis
April noch "dramatische Veränderungen" im Wettergeschehen zu erwarten.
Kohlendioxideis am "Winterpol"
Als Ursache für die in der Zwischenzeit eingetretene Stabilisierung des
Luftdrucks vermuten die Wissenschaftler das Ende einer Periode der
Kondensation von atmosphärischem Wasserdampf, vor allem aber von Kohledioxid in dem in tiefem Winter liegenden Südpolgebiet. Daß demgegenüber
die noch vorhandenen Reste der Eisdecke am Nordpol, w,o der Sommer allmächlich
zur Neige geht, hauptsächlich aus Wassereis bestehen, wurde mit Hilfe der
Meßgeräte des VIKING 2-0rbiters bereits nachgewiesen. Um die Polregionen
künftig noch besser unter die Lupe nehmen zu können, hat man die Umlaufbahn
von Orbiter 2 so geändert, daß sich die Sonde im unteren Bahnbereich dem
Mars auf 800 km anstatt, wie bisher, nur auf 1500 km nähert.
"Das Radiometer", erklärter. Gerald Soffen (VIKING-Projektleiter
während der ersten Beobachtungsphase. Ende Dezember 1976 für die "erweiterte" Phase durch Dr. Calvin Broome abgelöst.),"hat uns die Augen für
Kondensationsprozesse an den Polen geöffnet, an die zuvor überhaupt niemand

�niemand dachte."

Offenbar wird Kohlendioxid (CO2) nur am jeweiligen

"Winterpol" als Eis deponiert.

Dieses Reservoir löst sich wieder auf,

sobald die Eiskappe im Sommer abzuschmelzen
Teil des Wassereises zurückbleibt.

beginnt, während der größte

Durch besondere sorgfältige Messungen

der Druck- und Temperaturwerte im Verlauf des Jahres 1977 hofft man,
Anhaltspunkte für die Menge des am Winterpol abgelagerten KohlendioxidEises zu bekommen.
Die beiden Orbiter sollen außerdem den Veränderungen der Wasserdampfkonzentration in der gesamten Marsatmosphäre auf der Spur bleiben.

Denn

es zeigte sich, daß diese je nach Breitengrad, Tages- oder Jahreszeit stark
variiert: Während der Sommermonate lag auf der Nordhalbkugel die Konzentration in der Nordpolregion um etwa das Tausendfache höher als in Südpolnähe.
"Wir haben Dunst, wolkenähnliche Schwaden und Nebel gesehen, wo später
Sanddünen zum Vorschein kamen", sagt Dr. Soffen.

Messungen zur vertikalen

Verteilung von Wasser haben gezeigt, daß die stärkste Konzentration am
Boden zu finden ist.

Jetzt geht es u. a. darum, genauer festzustellen, wo

sich die Dauerfrostgebiete auf dem Planeten befinden und wieweit sie
reichen.

Vielleicht ergeben sich sogar Hinweise darauf, wie es - bei

höheren Temperaturen und wesentlich dichterer Atmosphäre, die im übrigen
Bestandteile wie die Erdatmosphäre aufweist - zu den Stromsystemen und zu
den massiven Überschwemmungen kam, die den Mars einst heimgesucht haben
müssen.
Auf einem Nordpolfoto des Orbiter 2 von En^e Oktober 1976 sind am
Rande von Gletschern mit verhältnismäßig dünnem Eis steile, ca. 500 m
tiefe Abhänge zu erkennen. Sie sind terrassenförmig gegliedert, einzelne
"Stufen" könnten bis zu 50 m hoch sein. Die Regelmäßigkeit der Schichten
läßt Zusammenhänge mit periodischen Veränderungen der Rotationsachse und der
Marsumlaufbahn um die Sonne vermuten, etwa von einer Kreis- zu einer
Ellipsenbahn und umgekehrt. Sie dürften auch die Frequenz und Intensität
von Staubstürmen und somit die Mengen von Material beeinflussen, aus denen

- 4 -

�denen Sedimentschichten im Terrain entstehen.

Auch dieErde ist solchen

periodischen Veränderungen ausgesetzt, die möglicherweise auch den Rhythmus
von Eiszeiten und Warmperioden mitbestimmen.

Nach den neuesten

Erkenntnissen der Forschung scheint dabei die Massenanziehung des Jupiter,
des "Königs der Planeten" in unserem Sonnensystem, eine wichtige Rolle zu
spielen.

Es sieht ganz so aus, als verdankten wir auf der Nordhalbkugel

der Erde die wärmeren Perioden nach einer Eiszeit der Einwirkung des
Jupiter.
Die Foto-Aufklärung der Nordpolregion des Mars ist gegenwärtig stark
beeinträchtigt, weil über dem Gebiet eine "Haube" aus Wasserdunst liegt.
"Das haben wir jetzt am Nordpo' erwartet", meint Dr. Michael Carr vom
Geologischen Bundesamt der USA. "Völlia überrascht wurden wir jedoch von
der Ausbildung einer ähnlichen Nebelhaube über dem Südpo"." Die Beobachtung
des Wassertransports innerhalb der Marsatmosphäre schält sich immer mehr als
eine Aufgabe von größter Bedeutung heraus, wenn sie auch nie soviel öffentliche Beachtung finden wird wie etwa die Frage nach der Existenz von Leben
auf dem Mars.
Mikroben im Kälteschlaf?
Für die Apparaturen der biologischen Labors an Bord der beiden VIKINGLander wurden angesichts der verblüffenden und teilweise unerklärlichen
Ergebnisse der ersten dreieinhalb Forschungsmonate einige Arbeitsprogramme
geändert. Die Frage, ob es Leben auf dem Mars gibt oder jemals gegeben
haben könnte, läßt sich vorläufig weder mit "Ja" noch mit "Nein" beantworten.
Die Wissenschaftler haben bei einem der Experimente die Inkubationszeit für
Bodenproben, in der vielleicht doch vorhandene Organismen aus einem Kälteschlaf geweckt werden könnten, von 90 auf 200 Tage verlängert. Das Modell
dazu lieferten Reaktionen, die man in Bodenproben aus der Antarktis und
Arktis beobachten konnte: Die darin enthaltenen Mikroben machten sich erst
nach mehr als sechs Monaten bemerkbar.
Dr. Harold Klein,
—

- 5 -

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I.

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-

-

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�Dr. Harold Klein, Chefbiologe des VIKING-Programms, berichtet, daß
bei einem der recht komplizierten Inkubationsexperimente unter Zusatz
einer Nährlösung und mit anschließendem chemischen Aufbrechen des Produkts
durch Erhitzen eine "zwar sehr geringe, aber doch bemerkenswerte Menge von
organischem Material" gefunden worden sei.

Das Ergebnis habe gezeigt, daß

"bei diesem Experiment etwas vor sich gegangen ist".

Aber die Synthese der

winzigen Menge von organischem Material im Licht und von einer noch kleineren
Menge in Dunkelheit wurde durch eine geringe Menge Wasser sofort zum Stillstand gebracht.

"Sollte es sich um biologische Vorgänge gehandelt haben", so

Dr. Klein, "wäre es eine höchst eigenartige Biologie, wenn Wasser sie
auslöschen kann."
Die Entdeckung durch die VIKING-Landegeräte, daß die kohlendioxidreiche
Marsatmosphäre auch molekularen Stickstoff (dazu Stickstoffoxid) und Sauerstoff enthält, nährt erneut den Verdacht auf die Entwicklung von Leben auf
dem Mars. Eine weitere Überraschung war der ungewöhnlich hohe Anteil von
Sauerstoff im Bodenmaterial. Am Standort von VIKING 1 wie von VIKING 2 ist
die Konzentration 20 Mal größer als erwartet. Die Bodenproben wirken wie
Oxydantien, wenn sie mit den Nährlösungen im Biolabor zusammengebracht
werden - es kommt zu Reaktionen, die sowohl chemischer als auch biologischer
Natur sein könnten. Die Auffindung des eisenreichen Tonminerals Montmorillorit, das häufigste aller Mineralien überhaupt, führte außerdem die
Forscher auf eine neue Spur: Montmorillorit wäre z. B. ein ausgezeichneter
Katalysator, um Aminosäuren zu Proteinen zu verbinden. Dies hatte der
Chemiker Aram Katchalski vom Weizmann-Institut in Israel mit seinen
Forschungen bereits nachgewiesen. Sie zeigen einen der Wege auf, den
die biologische Evolution unter Verwendung toter Materie gegangen sein
könnte.

+ + + + +

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�I

Wi//cn/chaft
und Technik
United States Information Service

2/1977

NEUES BORDKONTROLLSYSTEM SCHAFFT RAUM IM COCKPIT

- (AD) - Nach zweijähriger Erprobung in einem Flugsimulator wird im
Laufe dieses Jahres zum ersten Mal an Bord einer Boeing 737 ein neuartiges
elektronisches Sicherungssystem für Passagier- und Frachtflugzeuge getestet,
das den Piloten und den Fluginqenieur ohne jede Verzögerung mit Informationen über den jeweiligen Zustand der Bordsysteme versorgt. Wie H.W.
Withington, Technischer Direktor der Boeing-Flugzeugwerke, auf einer
Tagung des "American Institute for Astronautics and Aeronautics" (AIAA) in
Washington berichtete, genügt für die Cockpitbesatzung der Blick auf einen
Bildschirm, um sofort die Störquelle zu erkennen und Korrekturmaßnahmen zu
treffen.
Das Herz des Systems ist ein Digitalcomputer, der Informationen von
zahlreichen Sensoren im Flugzeug in eine Form umsetzt, die das Ablesen der
Ergebnisse vom Signal schirm zweier Kathodenröhren ermöglicht. Ober eine
Tastatur unterhalb der Schirme kann der Pilot auch einzelne Informationsgruppen, etwa die Checklisten vor Start und Landung, die Druckwerte in den
hydraulichen Systemen, die Treibstoff-Förderung, Abgastemperaturen und
andere wichtige Daten abrufen.

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�%

Das neue System würde zahlreiche Meßuhren, Anzeigegeräte und Bedienungsknöpfe überflüssig machen, mit denen ^as Cockpit eines modernen Flugzeuges
vollgestopft ist.

Die Folge: Viel bessere Übersicht für Piloten und Flug-

ingenieur bei geringerer Beanspruchung, mehr Raum im Cockpit, Einsparung von
Gewicht und, alles in allem, mehr Sicherheit.

Bei Störungen in einem der

Bordsysteme leuchtet sofort das Alarmsignal auf; gleichzeitig wird die
Fehlerquelle angegeben.

Daraufhin wählt der Pilot die entsprechende Prüf-

liste an, die ihm auch Instruktionen zur bestmöglichen Beseitigung der
Störung erteilt.

Auch Störungen innerhalb des Überwachungssystems werden

sofort signalisiert.
Militärflugzeuge wie die F-14 sind bereits mit solchen Anzeigesystemen
ausgerüstet.

Die kommerzielle Luftfahrt sieht sich allerdings erst jetzt

in der Lage, sie zu übernehmen, da nunmehr Größe und Preis der Dicjitalcomputer soweit reduziert sind, daß der Einbau der für ein Großflugzeug
erforderlichen Systeme auch vom wirtschaftlichen Standpunkt aus tragbar
erscheint.

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