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29. Dezember 1976

Inhalt
DOKUMENTATION:
Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA
Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA
Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA
Robert Bergland: Derjieue Landwirtschaftsminister der USA
Juanita M. Kreps^ Die neue Handelsministerin der USA
F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA
Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialmini_s_ter der USA
Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA
Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten
Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter des Zentralamtes für Nachrichten
und Abwehr (CIA)
Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA
Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters
James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen

HINTERGRUNDMATERIAL:
Aktionsprogramm Energie
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der Vereinigten Staaten

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Mehr Geld für Grundlagenforschung
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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HAROLD BROWN: DER NEUE VERTEIDIGUNGSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat den Nuklearphysiker und früheren Luftwaffenminister Dr. Harold Brown
zum neuen Verteidigungsminister der USA ernannt.

Damit kehrt der bisherige

Präsident des California Institute of Technology ins Pentagon zurück, wo er
während der sechziger Jahre bereits in führenden Positionen tätig war.

Die Rückkehr ins Verteidigungsministerium stellt das jüngste Kapitel
in der brillanten Karriere Dr. Browns dar, der schon in seiner Jugend als
Wunderkind galt.

Er wurde am 19. September 1927 in New York geboren, besuch-

te eine höhere Schule für Begabte,die er schon mit 15 Jahren abschloß, und
studierte dann an der Columbia-Universität, an der er mit 21 Jahren promovierte.

Der junge Physiker war einer der neuen Männer, die Präsident John F.
Kennedy zu Beginn seiner Regierungszeit nach Washington holte.

Er war dem

Kennedy-Team als Direktor eines großen Waffenentwicklungs- und Forschungsprojekts in Kalifornien aufgefallen, das gemeinsam von der Amerikanischen
Atomenergiekommission (AEC) und dem Lawrence-Strahlungslaboratorium
ben wurde.

betrie-

Hier hatte es Brown innerhalb von zehn Jahren vom Leiter einer

Arbeitsgruppe bis zum Direktor gebracht.

Im Pentagon war Dr. Brown zunächst

von 1961 - 1965 Direktor der Forschungs- und Entwicklungsabteilung und wurde

- 1 -

�wurde dann von Präsident Lyndon B. Johnson zum Luftwaffenminister berufen
- einen Posten, den er von 1965 - 1969 innehatte.
Aber selbst nachdem Brown das Verteidigungsministerium verlassen hatte,
war er immer wieder für die amerikanische Regierung tätig.

So gehörte er der

US-Delegation bei den Verhandlungen über eine Begrenzung der Strategischen
Rüstungen - SALT - an und stand später bei der zweiten Runde dieser Gespräche
der amerikanischen Abrüstungsbehörde als Berater zur Verfügung.

Brown unter-

stützte nachdrücklich das 1972 unterzeichnete SALT I-Abkommen, das er als einen
"wesentlichen ersten Schritt" zur Förderung der Sicherheit beider Seiten und
der ganzen Welt bezeichnete. Allgemein wird erwartet, daß Brown - der zwar
als vorsichtiger Verfechter der Rüstungskontrolle gilt - auch auf ein baldiges
Abkommen mit der Sowjetunion in der gegenwärtigen SALT-Runde drängen wird.
Dr. Brown war im Pentagon tätig, als der damalige Verteidigungsminister
Robert McNamara das Verteidigungsministerium nach den Maßstäben eines Managers

•

reorganisierte. Mit ähnlichem dürfte jetzt zu rechnen sein, und hier befindet
er sich in voller Übereinstimmung mit Carter, der sich während seines Wahlfeld- "
zuges verpflichtet hat, unproduktive Ausgaben aus dem Pentagon-Budget herauszustreichen.
Anläßlich der Ankündigung seiner Ernennung sagte Brown: "... Eine Regierung hat keine größere Verpflichtung als die Wahrung des Friedens und der
Sicherheit ihres Volkes. Wir müssen über eine starke Verteidigung verfügen,
die es möglich macht, diese Funktion zu erfüllen und unseren lebenswichtigen
außenpolitischen Verpflichtungen voll nachzukommen. Dies muß von unserem eigenen Volk sowie von der übrigen Welt so verstanden werden."
Er ist seit 1953 mit Colene D. McDowell verheiratet; das Ehepaar hat
zwei Töchter.

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GRIFFIN BELL: DER NEUE JUSTIZMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Griffin Boyette Bell ist seit 111 Jahren der erste
SUdstaatler, der auf den Posten des amerikanischen Justizministers - Attorney
General - berufen wurde. Der 58jährige hat sich in 15 Jahren als Bundesrichter in seinem Heimatstaat Georgia einen Namen in der Verbrechensbekämpfung
gemacht und sich gleichzeitig für eine klare Anwendung und Verwirklichung der
Bürgerrechtsgesetze eingesetzt.
Bell wurde von Präsident Kennedy als Bundesrichter in Georgia eingesetzt und leitete auch die Kommission für Verbrechensbekämpfung und Strafvollzug in Atlanta.

Seine Ernennung zum Justizminister fand zwar nicht den unge-

teilten Beifall der Vereinigung zur Förderung Farbiger (NAACP), doch hat er
sich den Ruf erworben, keine Diskriminierungen am Arbeitsplatz zu dulden. Was
die Aufhebung der Rassentrennung an Schulen anbetrifft, so gilt er als gemässigt bis konservativ.
Bei der Nominierung des neuen Justizministers

auf der Pressekonferenz

am 20. Dezember betonte der designierte Präsident Carter, daß sich Bell auf
dem Gebiet des Bürgerrechts "ausgezeichnet" bewährt habe.

Bell versprach,

alles in seiner Macht stehende zu tun, um den Grundsatz zu verwirklichen, daß
vor dem Gesetz jeder gleich ist.
Griffin

�Griffin Boyette Bell wurde am 31. Oktober 1918 in Americus im Staate
Georgia, etwa 15 Kilometer von dem Heimatort Jimmy Carters entfernt, geboren.
Er studierte Jura am Southwestern College in Americus und an der Merger-Universität in Macon in Georgia.

Von 1941 bis 1946 diente er in der amerika-

nischen Armee und erwarb 1948 an der Merger-Universitat den akademischen Grad
eines Bachelor of Law.
Bereits 1947 wurde er zur Anwaltskammer des Staates Georgia zugelassen
und praktizierte zunächst in Savannah und Rome, Georgia, um dann 1953 in eine
bekannte Anwaltsfirma in Atlanta, der Hauptstadt Georgias, einzutreten.
Im Jahre 1959 wurde Bell Personalchef des damaligen Gouverneurs des
Staates, S. Ernest Vandiver, der 1960 vor dem Parlament von Georgia erklärte,
er werde sich der Aufhebung der Rassentrennung an den Schulen seines Staates
widersetzen.

Die Auswirkungen dieser Erklärung seines Gouverneurs blieben

zum Teil an Bell hängen.

Im Jahre 1960 beteiligte sich Bell führend am Prä-

sidentschaftswahlkampf Kennedys in Georgia und wurde im folgenden Jahr, nachdem Kennedy Präsident geworden war, von diesem als Richter am Appelationsgericht des Fünften Bezirks eingesetzt.

In den sechziger Jahren hat Bell dann

für die gerichtliche Durchsetzung der Aufhebung der Rassentrennung an zahlreichen Schulen in Georgia gesorgt.
Am 1. März 1976 hat Bell in seinem Schreiben an Präsident Ford seinen
Rücktritt eingereicht, da die Arbeit an den Bundesgerichten in einem Umfang
zugenommen habe, daß keine Zeit für die notwendige gründliche Behandlung eines
jeden einzelnen Falles mehr bleibe - eine Beschwerde, die von zahlreichen Bundesrichtern

geführt wird.

Bell hat sich wiederholt für die Berufung von Schwarzen auf hohe Posten
im Justizministerium eingesetzt, da die USA ein Land mit vielen Rassen seien
und das Ministerium dies widerspiegeln müsse.
Er ist Mitglied verschiedener juristischer Verbände und Organisationen und
mit der geborenen Mary Foy Powell verheiratet; das Ehepaar hat einen Sohn.
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CECIL ANDRUS: DER NEUE INNENMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mit der Ernennung des Gouverneurs des Staates Idaho,
Cecil Andrus, hat der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, einen engen
Freund und dezidierten Verfechter des Umweltschutzes in sein Kabinett berufen.
Die beiden Männer sind seit Anfang der siebziger Jahre miteinander befreundet, und wenn Gouverneur Andrus zunächst auch die Bemühungen von Senator
Frank Church aus Idaho um die Nominierung als Präsidentschaftskandidat der
Demokraten förderte, so unterstützte er dann doch mit großem Nachdruck den
Wahl feidzug Carters, nachdem Senator Church das Rennen aufgegeben hatte. Carter
wiederum hatte zuvor Gouverneur Andrus unterstützt, als dieser sich 1974 um
eine zweite Amtszeit als Gouverneur bewarb.
In vieler Hinsicht denken beide Politiker in der gleichen Richtung, was
besonders während der Amtszeit Carters als Gouverneur von Georgia und der von
Andrus als Gouverneur von Idaho deutlich wurde. So reorganisierte Andrus die
Staatsbürokratie seines Bundesstaates und reduzierte die Anzahl der Behörden
von 268 auf 20. Ähnlich verfuhr Carter in Georgia. Beide gelten auch fiskalisch als konservative Politiker, die um einen Abbau der Regierungsdefizite
bemüht sind.
Einen
- 1 -

�Einen besonderen Namen hat sich Andrus jedoch als Verfechter des Umweltschutzes gemacht.

Er hat sich in seinem Staat gegen verschiedene Projekte ge-

wandt, die der Umwelt geschadet hätten.

So konnte auf seine Initiative hin ein

riesiges Waldgelände in Idaho erhalten werden, das jetzt der Bevölkerung für
Erholungszwecke zur Verfügung steht
Nationalparks einbezogen wurde.

und das in das System der amerikanischen

Bei all diesem Einsatz um die Erhaltung der

Umwelt muß Andrus dennoch als Pragmatiker angesehen werden, der immer bestrebt
ist, die Interessen der Umweltschützer mit denen der Industrie und Wirtschaft
in Einklang zu bringen.

So trat er beispielsweise für die Errichtung eines re-

gionalen Stromnetzes ein, das Atomstrom benutzt, um den Bedarf decken zu können.
Der fast zwei Meter große Gouverneur wurde am 25. August 1931 in Hood
River im Staate Oregon geboren.
ging jedoch - bevor er
Marine.

Er besuchte die Staatsuniversität von Oregon,

einen Abschlußgrad erworben hatte - zur amerikanischen

Unter anderem war er in Korea eingesetzt.

Nach seiner Entlassung aus der Marine zog Andrus in den Staat Idaho
und ging in die Politik.
von Idaho.

Mit 29 Jahren gewann er einen Sitz im Staatssenat

Im Jahre 1966 bewarb er sich dann zum erstenmal - erfolglos - um

das Amt des Gouverneurs.

Vier Jahre später gelang ihm dann der Sprung in

dieses höchste Amt des Staates, wobei er eine fast 25jährige Vorherrschaft
der Republikaner durchbrach.
Andrus ist mit Carol May verheiratet; das Paar hat drei Töchter.

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ROBERT BERGLAND: DER NEUE LANDWIRTSCHAFTSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der Kongreßabgeordnete Robert Bergland, den der
designierte Präsident der USA, Jimmy Carter, zu seinem Landwirtschaftsminister berufen hat, ist selbst Farmer und tritt mit Nachdruck für eine neue
Agrarpreispolitik ein, die er im Interesse sowohl der Farmer als auch der
Verbraucher liegend ansieht. Sollte seine Politik verwirklicht werden eine Entscheidung, die der Zustimmung des Kongresses bedarf - dann dürfte
dies nachhaltige Auswirkungen auf die Preise haben, die sowohl die einheimischen als auch die ausländischen Verbraucher für amerikanische Agrarerzeugnisse zu zahlen haben.
Obwohl Bergland seine Politik als grundsätzlich marktorientiert ansieht, ist er der Meinung, daß es einen völlig freien Markt für Agrarprodukte
nicht gibt. "Außerhalb unserer Grenzen gibt es keinen freien Markt", so erklärte er, "da alle anderen getreideexportierenden Länder ihre Getreidepreise regulieren".
Der aus dem Staate Minnesota stammende Abgeordnete hat schon vor seiner
Tätigkeit als Mitglied des Agrarausschusses des Repräsentantenhauses jahrelange Erfahrungen in der Landwirtschaftspolitik sammeln können.

Unter Land-

wirtschaftsminister Orvilie Freeman in den Administrationen der Präsidenten
Kennedy und Johnson war Bergland von 1963 - 1968 als Direktor des Stabili-

�Stabilisierungs- und Konservierungsamtes der Regierung für den Mittelwesten
tätig.
Bergland wurde am 22. Juli 1928 in Roseau im Staate Minnesota geboren.
Als Sohn norwegischer Einwanderer absolvierte er die Universität von Minnesota
und heiratete 1950 Helen Grahm, "ein Mädchen aus dem Heimatort". Sie erwarben
eine Farm von 113 Hektar und schufen sich praktisch aus dem Nichts eine Existenz.
Als sich die Eltern B^rglands 1960 aufs Altenteil zurückzogen, übernahm er
die 242 Hektar große Farm seines Vaters, auf der in erster Linie Weizen angebaut wird.

Sie wird jetzt von seiner Tochter - das Ehepaar hat sieben Kinder -

und deren Mann bewirtschaftet.
Nach seiner Tätigkeit für das Landwirtschaftsministerium in den sechziger
Jahren bewarb sich Bergland um einen Sitz im Repräsentantenhaus.

Sein erster

Anlauf im Jahre 1968 schlug fehl, aber in den darauffolgenden Jahren gewann er
die Wiederwahl stets mit großer Mehrheit.
Während des Wahlfeldzuges um die Präsidentschaft des Jahres 1976 war
Bergland als landwirtschaftlicher Berater von Senator Walter Mondale tätig,
der der designierte Vizepräsident der USA ist.

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JUANITA M. KREPS: DIE NEUE HANDELSMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Mrs. Juanita Morris Kreps, die der designierte
Präsident der USA, Jimmy Carter zur Handelsministerin ernannt hat, ist es
gewohnt, Ehren in Bereichen einzuheimsen, die bis vor kurzem als den Männern vorbehalten galten. Sie ist nicht nur das erste weibliche Mitglied
des Kabinetts Carter, sondern war auch die erste Frau, die an der Duke-Universität in Durham im Staate North Carolina einen Lehrstuhl für Wirtschaftswissenschaften erhielt und Vizepräsidentin dieser Hochschule wurde. Außerdem war sie die erste Direktorin der New Yorker Börse und der J.C. Penny
Company. Ganz zu schweigen davon, daß sie dem Vorstand von drei großen
amerikanischen Gesellschaften angehört: der Eastman Kodak, den R.J. Reynolds
Industries und der North Carolina National Bank.
Als Expertin für Fragen der Arbeitsmarktpolitik und für wirtschaftliche
Probleme der Alten sieht Carter in ihr eine Wissenschaftlerin, die die besten
Eigenschaften für ihr neues Amt mit sich bringt.
Auf der Pressekonferenz vom 20. Dezember, in deren Verlauf ihre Ernennung bekanntgegeben wurde, erklärte Mrs. Kreps im Hinblick auf ihren neuen
Aufgabenbereich: "Mir scheint, daß die amerikanische Wirtschaft heute weltweit auf die Probe gestellt wird. Ihre Antwort auf diese Herausforderung betrifft unser aller Leben sowie das Leben der Menschen in aller Welt. Die
- 1 -

�Die Hauptrolle des Handelsministeriums, wie ich sie sehe, besteht darin,
jene Aktivitäten nach besten Kräften zu unterstützen, die zur Verbesserung
des Loses der Menschheit beitragen.

Ich werde mit Nachdruck an diesem Be-

mühen teilhaben."
Mrs. Kreps wurde am 11. Januar 1921 in Lynch, Kentucky, geboren.

Sie

besuchte das Berea College und wechselte dann an die Duke-Universität über,
an der sie auch promovierte. Zehn Jahre lang lehrte sie dann an der
Dennison-Universität in Ohio und kehrte 1955 an die Duke-Universität zurück.
Sie ist Verfasserin mehrerer Bücher und hat eine große Anzahl von Artikeln
über wirtschaftliche Probleme der Frauen, der Jugendlichen und der Alten geschrieben.
Mrs. Kreps ist mit einem Wirtschaftsprofessor verheiratet, der an der
Universität von North Carolina lehrt.

Das Ehepaar hat drei Kinder.

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F. RAY MARSHALL: DER NEUE ARBEITSMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Dr. F. Ray Marshall, am 21. Dezember von dem designierten eiierikam'sehen Präsidenten Jimmy Carter zum Arbeitsminister berufen, ist der festen Überzeugung, daß es in den Vereinigten Staaten niemals eine dauerhafte Prosperität geben wird, solange nicht alle wichtigen
Bevölkerungsgruppen an dieser Prosperität teilhaben. Carter bezeichnete den
48jährigen Wirtschaftswissenschaftler aus Texas als "jung, tatkräftig, einen
guten Manager und sehr kompetent". Obwohl manche Gewerkschaftskreise vielleicht eine andere Wahl bevorzugt hätten, gilt er als akzeptabel, da er
seine ganze Tatkraft einsetzen wird, um neue Arbeitsplätze zu schaffen.
Dr. Marshall, zuletzt Professor für Volkswirtschaft und Direktor des
Instituts für Arbeitsmarktfragen an der Universität von Texas in Austin,
tritt vor allem für ein von der Regierung und der Privatwirtschaft finanziertes Ausbildungsprogramm für rassische Minderheiten ein, bei denen traditionell die größte Arbeitslosigkeit herrscht. Bei seiner Nominierung erklärte Dr. Marshall, er sei sich der "gewaltigen Aufgaben" bewußt, vor denen
er und die Carter-Administration stünden, wenn es gilt, die Arbeitslosigkeit
und die rassische Diskriminierung abzubauen und die Produktivität zu steigern,
ohne die Inflation anzuheizen. Diese Aufgaben seien von der Regierung allein
nicht zu lösen, sondern erforderten die Zusammenarbeit des öffentlichen und
des privaten Sektors.
Am
- 1 -

�Am 22. August 1928 in Oak Grove in Louisiana geboren, riß Marshall
mit 15 Jahren aus einem baptistischen Waisenhaus aus und trat - im Zweiten
Weltkrieg - in die amerikanische Marine ein.

Nach seiner Entlassung schloß

er seine Schulausbildung ab und studierte am Millspas-College in Jackson,
Mississippi,und dann an der Staatsuniversitä't von Louisiana in Baton Rouge
(der Hauptstadt dieses Staates), wo er den akademischen Grad eines Master
of Arts in Betriebswissenschaft erwarb.

Im Jahre 1955 promovierte er an

der Universität von Kalifornien in Berkeley zum Dr. rer.

pol.

Dr. Marshall setzte seine wissenschaftlichen Arbeiten in Finnland und
dann an der Harvard-Universität fort und nahm anschließend seine Lehrtätigkeit an der Universität von Mississippi, der Universität von Louisiana und
schließlich an der Universität von Texas auf.

Er hat zahlreiche Bücher und

Artikel über Arbeitsfragen vor allem im Zusammenhang mit Minderheiten veröffentlicht.
Dr. Marshall ist mit Patricia Williams verheiratet, das Ehepaar hat
fünf Kinder.

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JOSEPH A. CALIFANO: DER NEUE GESUNDHEITS-, ERZIEHUNGS- UND
SOZIALMINISTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Joseph A. Califano, der 45jährige Anwalt aus
Washington, den der designierte Präsident Jimmy Carter zum neuen Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister ernannt hat, hat sich bereits in
den sechziger Jahren einen Namen als Verfechter der sozialen Gerechtigkeit
gemacht. Als Sonderberater des Weißen Hauses von 1965 - 1968 war er hauptverantwortlich für Präsident Johnsons "Große Gesellschaft" - jenes Programm,
das auf eine Hebung des Lebensstandards der Armen in den USA abzielte.
Zu den wichtigsten Gesetzen, die Califano in jenen Jahren ausgearbeitet
hat, gehören das Gesetz für gleiche Beschäftigungsbedingungen, das Modellstädtegesetz sowie das Gesetz zur Verbesserung der Verkehrssicherheit in den
Großstädten. Maßgebend war er auch an der Konzipierung des Programms "Krieg
gegen die Armut" beteiligt. Bei all diesen Vorhaben war Califano immer bestrebt, eine größtmögliche Beteiligung der Wirtschaft und des freien Unternehmertums sicherzustellen.
Wenn die USA ihre sozialen Probleme bewältigen wollen, so hat Califano
wiederholt erklärt, müssen sie auf ihre innenpolitischen Erfordernisse ebensoviel

geistige und finanzielle Hilfsquellen in Friedenszeiten verwenden wie

auf die militärischen in Kriegszeiten.

Die nobelste Aufgabe einer modernen

�modernen Gesellschaft, so erklärte er anläßlich seiner Ernennung, sei es,
für die Gesundheit der Bevölkerung zu sorgen, der Jugend eine echte Ausbildung zu garantieren sowie die Alten und Armen mit Respekt zu behandeln.
Joseph Califano wurde am 15. Mai 1931 in Brooklyn, New York, als Sohn
eines italienisch-amerikanischen Vaters und einer Mutter irischer Abstammung

geboren.

Er besuchte das Holy Cross-College in Worchester, Massachusetts,

und studierte dann an der Harvard-Universität Rechtswissenschaften.

Nach

seiner Dienstzeit in der amerikanischen Marine - er war in der Militärgerichtsbarkeit in Washington eingesetzt - trat er in das bekannte New Yorker
Anwaltsbüro des früheren Gouverneurs Thomas E. Dewey ein.
Nachdem Califano einige Zeit in der Reformbewegung der Demokratischen
Partei New Yorks tätig gewesen war,ging er 1961 nach Washington, wo er Sonderberater des damaligen Leiters der Rechtsabteilung im US-Verteidigungsministerium, Cyrus Vance, wurde.

Als Vance 1962 den Posten des Armeeministers

übernahm, folgte ihm Califano und wurde Leiter der Rechtsabteilung der Armee.
Im Jahre 1964 ernannte ihn der damalige Verteidigungsminister Robert McNamara
zu seinem Sonderberater und Verbindungsmann zum Weißen Haus.
Nach der Wahl Präsident Johnsons im Jahre 1964 siedelte Califano ins
Weiße Haus über, wo er als Nachfolger des zum Sprecher des Weißen Hauses berufenen Bill Moyers Referent für Gesetzgebungsfragen und Hauptberater Johnsons
für diesen Aufgabenbereich wurde. Für die enge Zusammenarbeit zwischen dem
Präsidenten und ihm steht der Satz Johnsons: "Wenn Joe spricht, dann ist es
meine Stimme, die Sie hören."
Als Johnson sich 1968 nicht mehr um die Wiederwahl bewarb, schied
Califano aus dem Regierungsdienst aus und eröffnete ein eigenes Anwaltsbüro
in Washington.
Califano ist mit Gertrude Zawacki verheiratet; das Ehepaar hat drei
Kinder.
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PATRICIA HARRIS: DIE NEUE WOHNUNGSBAUMINISTERIN DER USA

WASHINGTON - (AD) - Der designierte Präsident der USA, Jimmy Carter,
hat die bekannte Washingtoner Anwältin und frühere erste schwarze Botschafterin Amerikas, Patricia Harris, zur neuen Ministerin für Wohnungsbau und
Städteplanung ernannt. Sie hat damit Gelegenheit, das in der Praxis zu beweisen, was sie ihre Studenten immer gelehrt hat: daß das Studium der Jurisprudenz viele Türen öffnet.
Mrs. Harris ist der Oberzeugung, daß eine Ausbildung als Jurist zur
Flexibilität und Anpassungsfähigkeit einer Person wesentlich beiträgt- Als
Ministerin für Wohnungsbau und Städteplanung wird sie diese Anpassungsfähigkeit nun auf einem Gebiet zu beweisen haben, von dem Carter während seines
Wahl feidzuges gesagt hat, daß ihm seine Administration besondere Aufmerksamkeit schenken werde. Die Notwendigkeit, Wohnungen für Familien zu schaffen,
sowie die Bedürfnisse der amerikanischen Städte, so sagte Carter, machten
besondere Anstrengungen des Bundes erforderlich.
Patricia Harris wurde am 3. Mai 1924 in Mattoon, Illinois, als Tochter
eines Speisewagenkellners geboren. Sie wuchs in Chicago auf und besuchte
dort eine höhere Schule. Beim Schulabgang wurden ihr fünf Universitätsstipendien angeboten; sie entschied sich für die Howard-Universität in
Washington, die vorwiegend von Schwarzen besucht wird. Nach Beendigung ihres
- 1 -

�ihres Studiums, das sie als Bachelor of Arts mit summa cum laude abschloß,
kehrte sie für zwei Jahre nach Illinois zurück, wo sie an der Universität von
Chicago tätig war.

Washington lockte jedoch wieder; 1949 ging sie an die

dortige American University.

Gleichzeitig hatte sie den Posten eines stell-

vertretenden Direktors des Amerikanischen Rates für die Menschenrechte inne.
Von 1953 - 1959 war Mrs. Harris als Exekutivsekretär einer NegerstudentinnenVerbindung tätig.

Im Jahre 1955 heiratete sie einen Washingtoner Juristen,

William Beasley Harris, der damals zum Lehrkörper der Howard-Universität gehörte.
Zum Teil auf Drängen ihres Ehemannes und zum Teil aufgrund ihres wachsenden Interesses an der Jurisprudenz schrieb sie sich an der juristischen
Fakultät der George Washington-Universität ein. Im Jahre 1960 schloß sie
ihr Jurastudium als Beste in einer Klasse von 94 ab.
Nach einjähriger Tätigkeit als Staatsanwältin im amerikanischen Justizministerium schloß sie sich dem Lehrkörper der Howard-Universität an und erhielt eine Professur für Rechtswissenschaften.
Unter den Administrationen Kennedy und Johnson gehörte Mrs. Harris
verschiedenen Kommissionen an, die für die Förderung der Frauenrechte eintraten. Im Jahre 1965 ernannte sie Präsident Johnson dann zur amerikanischen
Botschafterin im Großherzogtum Luxemburg; damit wurde Mrs. Harris die erste
schwarze Botschafterin der USA. Nach zwei erfolgreichen Jahren in Luxemburg,
wo auch ihr Ehemann als Rechtsberater des State Department tätig war, kehrte
das Paar nach Washington zurück. Mrs. Harris nahm ihre Lehrtätigkeit an der
Howard-Universität wieder auf, die allerdings nach kurzer Zeit schon wieder
unterbrochen wurde, als Präsident Johnson sie zum Mitglied der amerikanischen
Delegation bei den Vereinten Nationen ernannte.
An die Howard-Universität zurückgekehrt, wurde sie 1969 Dekan der
juristischen Fakultät, trat von diesem Posten jedoch schon nach einem Monat

- 2 -

�Monat wieder zurück, weil sie sich den Forderungen schwarzer Studenten
nach einer größeren Mitspracherolle nicht beugen wollte.
Mrs. Harris war Mitglied der Washingtoner Anwaltsfirma Fried, Frank,
Harris, Shriver und Kampelmann.

Sie ist Inhaberin von 30 Auszeichnungen.

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CHARLES SCHULTZE: VORSITZENDER DES WIRTSCHAFTSBEIRATES DES PRÄSIDENTEN

WASHINGTON - (AD) - Charles Schultze, der Mann, den sich Carter als Vorsitzender seines Wirtschaftsbeirates ausgesucht hat,nannte als erste Priorität, "die Wirtschaft wieder auf den Kurs eines soliden anhaltenden Aufschwungs
zu bringen." Schultze gilt als Liberaler, aber auch als Verfechter einer vorsichtigen Ausgabenpolitik. Sein Hauptkampf hat immer der Inflation gegolten,
die er als Hauptiibel der Wirtschaft bezeichnet, das alle anderen Übel - vor
allem die Arbeitslosigkeit - nach sich zieht.
Der 52jährige liberale Demokrat hatte Posten bei demokratischen und republikanischen Administrationen inne. So gehörte er dem Wirtschaftsbeirat
von Präsident Eisenhower an und war später bei Präsident Johnson Direktor
des Budget-Amtes. Als führendes Mitglied der renommierten BrooKings Insitution
war er auch als Berater führender demokratischer Politiker tätig.
Seine Hauptsorge gilt der Erhöhung des ülpreises durch die OPEC, wobei
er bei der vorigen großen Preiserhöhung dafür eintrat, die Profite der ülgesellschaften durch eine sogenannte Windfall Tax - eine Steuer gegen Spekulationsgewinne - abzuschöpfen. Er gilt als hervorragender Fachmann für Wirtschaftsfragen.
Charles Schultze wurde am 12. Dezember 1924 in Alexandria im Staate
Virginia, nicht weit von der amerikanischen Bundeshauptstadt, geboren. Im
- 1 -

�Im Zweiten Weltkrieg kämpfte er in der amerikanischen Armee in Europa und
erhielt hohe Tapferkeitsauszeichnungen.
Mit dem Amtsantritt Nixons schied Schultze aus dem Regierungsdienst aus,
und seine wirtschaftspolitischen Auffassungen standen meist im Gegensatz zu
denen Nixons und Fords und deren Berater.

Er warf den Republikanern vor, daß

sie nach Beendigung des Vietnam-Krieges ihre Verteidigungsausgaben nicht senkten, und er warnte vor der Einführung neuer Programme ohne eine gründliche
Analyse ihrer Wirtschaftlichkeit.
Politiker.

Er kritisierte jedoch auch demokratische

So widersetzte er sich dem von Senator Hubert Humphrey einge-

brachten Vollbeschä'ftigungsgesetz im Juli 1976. Wenn die Arbeitslosigkeit
zu rasch und zu stark gesenkt würde, dann führe das zu einer Beschleunigung
der Inflation, solange keine wesentlichen neuen Instrumente zu ihrer Kontrolle
vorhanden seien.
Schultze hat sich wiederholt für gezielte Maßnahmen zum Abbau der
Jugendarbeitslosigkeit und der strukturell bedingten Arbeitslosigkeit eingesetzt. In erster Linie muß nach seiner Auffassung jedoch der Kampf gegen
die Inflation geführt werden, und zwar gerade solange die Arbeitslosigkeit
hoch sei. Er warnte vor allgemeinen Versprechungen von Kürzungen und Regierungsausgaben und tritt für eine Belebung der Konjunktur durch Steuererleichterungen ein.

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25/1976

THEODORE C. SORENSEN: DER NEUE LEITER DES ZENTRALAMTES FÜR
NACHRICHTEN UND ABWEHR (CIA)

WASHINGTON - (AD) - Die Benennung Theodore C. Sorensens als künftiger
Leiter des Zentralamtes für Nächrichten und Abwehr (Central Intelligence Agency
- CIA) durch den designierten Präsidenten Jimmy Carter bringt einen der
engsten Berater des ermordeten Präsidenten John F. Kennedy in den Staatsdienst zurück.

Sorensen, 48 Jahre alt, war ein persönlicher Freund Kennedys und hat
viele seiner Reden verfaßt.

Schon zu der Zeit, als Kennedy noch dem Senat

angehörte und an dem Buch "Profile in Courage" (deutsche Ausgabe: Zivilcourage) arbeitete, war ihm Sorensen bei der Material Sammlung behilflich.
In dem Präsidentschaftswahlfeldzug 1960 half er Kennedy bei der Abfassung
zahlreicher Wahlreden und Stellungnahmen zu Einzelthemen.

Nach dem Wahlsieg

holte dieser ihn als persönlichen Berater in das Weiße Haus.

Anläßlich der Bekanntgabe seiner Nominierung zum Chef des CIA durch
Carter erklärte Sorensen, er sei sich der "schweren Verantwortung" bewußt,
die die Stellung eines Leiters des Nachrichten- und Abwehrdienstes der USA
mit sich bringe,und habe sich nicht um die Übernahme dieser Verantwortung
bemüht.

"Da dieses Amt aber von zentraler Bedeutung für die Aufrechterhal-

tung des Weltfriedens ist, konnte ich es meiner Auffassung nach nicht ab- 1 -

�ablehnen," fügte er hinzu.
Theodore Chaikin Sorensen wurde am 8. Mai 1928 in Lincoln, Nebraska,
geboren. Sein Vater war ein Liberal-Republikaner dänischer Herkunft und
zeitweilig Chef der Justizverwaltung des Staates Nebraska. Seine Mutter,
eine fanatische Frauenrechtlerin und Pazifistin, war russisch-jüdischer Abkunft. Die Mittelinitiale "C" aller fünf Sorensen-Geschwister erinnert an
ihren Mädchennamen.
Vater Sorensen nahm seinen Sohn Ted wiederholt auf politische Versammlungen mit und veranlaßte ihn nicht selten, vom Rednerpult herab selbst "ein
paar Worte" an das jeweilige Publikum zu richten.

Das Haus der Sorensen, in

dem liberale Zeitschriften und Bücher jederzeit zur freien Benutzung herumlagen, war ein Treffpunkt liberaler Kreise, die hier oft lebhafte Debatten
über aktuelle politische Probleme führten.

Das alles blieb - ebenso wie das

Bekenntnis der Familie zu den Lehren der unitarischen Kirche - nicht ohne
Einfluß auf den Heranwachsenden.
Nach Abschluß der Oberschule in Lincoln im Jahre 1945 konnte Sorensen
auf Grund eines Stipendiums die Universität von Nebraska beziehen, an der er
1949 das erste Abschlußexamen ablegte, um anschließend an der juristischen
Fakultät der gleichen Universität, wiederum mit einem Stipendium ausgezeichnet, sein Fachstudium zu betreiben. Im Jahre 1951 promovierte er dort als
Jahrgangsbester zum Bachelor of Laws. Die erste Stat; . seines Berufslebens war die Stellung des Rechtsberaters einer damals kleinen Bundesbehörde,
die später im Zuge einer Umorganisierung zum Ministerium für Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialfragen erweitert werden sollte. Diese Stelle gab er
jedoch bald wieder auf, um sich einem Forschungsstab eines Kongreßausschusses
als wissenschaftlicher Mitarbeiter anzuschließen. Als der Forschungsstab
seine Tätigkeit 1953 einstellte, zeigte sich der inzwischen verstorbene Senator Paul Douglas aus Illinois von den Leistungen Sorensens so sehr beeindruckt, daß er ihn dem neugewählten Senator John F. Kennedy aus Massachusetts
als Referenten empfahl.
Von

�Von der gemeinsamen Liebe zu Büchern und zur Politik beflügelt, arbeiteten die beiden Männer äußerct harmonisch und auch erfolgreich zusammen.
Dank seiner bemerkenswerten analytischen Fähigkeiten entwickelte Sorensen
eine besondere Vorliebe für die Bearbeitung von Gesetzesvorlagen, die Abfassung von kritischen Studienberichten und die Beschaffung von Material für
die Ausarbeitung von Reden und Zeitschriftenartikeln.
Nach der Ermordung Präsident Kennedys im November 1963 blieb Sorensen
nur noch kurze Zeit auf seinem Posten als Präsidentenberater im Weißen Haus.
Er trat im Januar 1964 zurück, um fortan als Rechtsanwalt zu fungieren - ohne
sich allerdings auf diesen Beruf allein zu beschränken. Im Jahre 1965 veröffentlichte er eine Biographie des ermordeten Präsidenten unter dem Titel
"Kennedy" (deutsch 1966: Kennedy), auf die er 1969 "The Kennedy Lenacy"
(deutsch 1969: Das Vermächtnis der Kennedys) folgen ließ. Im Wahljahr 1968
beteiligte er sich an dem infolge seiner Ermordung nur kurzen Wahlkampf von
Senator Robert F. Kennedy, einem Bruder des Präsidenten John F. Kennedy und
ehemals Justizminister unter diesem.
Im Jahre 1970 bewarb sich Sorensen vergeblich um den einstigen Senatssitz von Robert F. Kennedy im Staat New York. Er kehrte deshalb an seinen
Schreibtisch - als Rechtsanwalt wie als politischer Schriftsteller - zurück.
Sein jüngstes Buch "Watchmen in the Night" Presidential Accountability after
Watergate" (Wachleute in der Nacht: Die Pflicht des Präsidenten zur Rechenschaftslegung in der Zeit nach Watergate).
Sorensen ist mit Gillian Martin verheiratet; das Ehepaar hat vier Kinder.

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25/1976

ANDREW YOUNG: DER NEUE UN-BOTSCHAFTER DER USA

WASHINGTON - (AD) - Zum neuen Chefdelegierten der Vereinigten Staaten
bei den Vereinten Nationen hat der designierte Präsident Jimmy Carter den
44jährigen Schwarzen Andrew Young berufen. Young hat sich als Mitarbeiter
von Martin Luther King in den sechziger Jahren einen Namen in der amerikanischen Bürgerrechtsbewegung gemacht. Er war der erste und einzige Schwarze
aus dem Staate Georgia seit 1871, der einen Sitz im Repräsentantenhaus errungen hat. Seinen Posten bei der Weltorganisation bezeichnete er als "glänzende Chance und Selbstmordjob".
Auf der Pressekonferenz am 16. Dezember, als Carter die Nominierung von
Young bekanntgab, erklärte dieser, sein Entschluß, als Botschafter zu den Vereinten Nationen zu gehen, sei vor allem auf seine Oberzeugung zurückzuführen,
daß die Vereinigten Staaten eine wichtige Rolle in Afrika zu spielen hätten.
Young, der als attraktiv und freimütig angesehen wird, hat durch seinen
Einsatz für den Präsidentschaftskandidaten Carter diesem sicherlich Stimmen
der schwarzen Bevölkerung gebracht. Auf den Posten bei den Vereinten Nationen
angesprochen, zeigte er zunächst eine Neigung, auf seinem gewählten Posten
im Kongreß zu bleiben. Eine Reise durch mehrere Länder Afrikas mit einer
Kongreß-Delegation überzeugte ihn jedoch, daß er bei den Vereinten Nationen
eine nützliche Rolle spielen könne - nicht zuletzt, um auf eine Mehrheitsregierung in Südafrika hinzuwirken.
Andrew
- 1-

�1
Andrew Jackson Young wurde am 12. März 1932 in New Orleans im Staate
Louisiana als Sohn eines Zahnarztes und einer Lehrerin geboren und wuchs
in einer vorwiegend weißen Nachbarschaft auf.

Als "reicher Leute Kind" be-

trachtet, zog es ihn zu dem Beruf des Geistlichen, da er in diesem Beruf die
größte unabhängige Wirkungsmöglichkeit bei seinen schwarzen Mitbürgern sah.
Er studierte an der hauptsächlich von Schwarzen besuchten Howard-Universität
in Washington und am Theologischen Seminar in Hartford, Connecticut.
Als junger Geistlicher wirkte er in kleinen Gemeinden in Südgeorgia
und kam mit der Arbeit von Dr. Martin Luther King in Berührung.

Der 29-

jährige Geistliche der Vereinten Kirche Christi trat 1961 dem BürgerrechtsAusbildungsprogramm bei, wo er mit seiner damaligen Verlobten und heutigen
Frau Jean schwarze Mitbürger auf die Prüfungen zur Erlangung des Wahlrechtes
vorbereitete.
King.

Bald wurde er zu einem der wichtigsten Mitarbeiter von Dr.

Er erlebte die Ermordung des bekannten amerikanischen Bürgerrechtlers

und Geistlichen am 4. April 1968 persönlich mit und führte die Arbeit Dr.
Kings zwei Jahre weiter.
Im Jahre 1970 kam er zu der Überzeugung, daß er das Vermächtnis seines
großen Vorbildes am besten erfüllen könnte, wenn er sich der Politik zuwandte.
Bei den Wahlen 1970 kandidierte er in Georgia für einen Sitz im Repräsentantenhaus in Washington in einem Wahlbezirk, in dem 60 Prozent Weiße leben. Ironischerweise verlor er wegen der schwachen Wahlbeteiligung der Schwarzen. Bei
den gleichen Wahlen gewann Jimmy Carter im zweiten Anlauf den Posten des Gouverneurs von Georgia. Young ließ sich nicht entmutigen und arbeitete bis zur
nächsten Wahl intensiv in Bürgerrechtsfragen und gewann die Wahl 1972 mit
52,9 Prozent. Seine Wiederwahl 1974 und 1976 brachte ihm überwältigende
Mehrheiten.
Seine Oberzeugungen schöpft Young nicht zuletzt aus den Schriften
Ghandis.

Das alte Motto "Auge um Auge, Zahn um Zahn", so erklärt Young, läßt

uns am Ende blind und ohne Zähne.

Er tritt vielmehr für eine Politik der

Versöhnung auf der Basis der Menschenrechte für alle ein.
Mit

�*

Mit seiner Frau Jean, die ebenfalls in der Bürgerrechtsbewegung außerordentlich aktiv ist, hat er vier Kinder.

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25/1976

ZBIGNIEW BRZEZINSKI: DER NEUE SICHERHEITSBERATER CARTERS

WASHINGTON - (AD) - Als sich Jimmy Carter im Oktober auf die wichtige
Fernsehdebatte mit Präsident Ford über die Außenpolitik und die nationale Verteidigung vorbereitete, rief er einen bekannten amerikanischen Sowjetologen,
Professor Zbiqniew Brzezinski von der New Yorker Columbia-Universität, zu
sich nach San Francisco, um sich umfassend über weltpolitische Fragen unterrichten zu lassen. Jetzt hat der designierte Präsident diesen Mann mit dem
schwer aussprechbaren Namen, Sohn eines früheren polnischen Diplomaten und
schon während des Wahlfeldzuges einer der einflußreichsten Berater Carters,
mit dem überaus wichtigen Posten des Beraters für Fragen der Nationalen Sicherheit betraut. Dieses Amt hatte während der Nixon-Administration Außenminister
Kissinger inne.
Bei der Ankündigung dieser Berufung anläßlich einer Pressekonferenz
Carters am 16. Dezember meinte Brzezinski, er sei zutiefst überzeugt, daß
sich die USA als Nation zwei fundamentalen Alternativen gegenübersähen: dem
Gebot verstärkter internationaler Zusammenarbeit oder der Gefahr verstärkter
weltweiter Unruhe.

Er sähe seine Hauptverantwortung darin, den Entscheidungs-

prozeß in der Außenpolitik zu fördern.

Dieser Prozeß, so fügte Brzezinski

hinzu, betreffe natürlich in erster Linie den Präsidenten aber auch vor allem
dessen außenpolitischen Hauptberater, den Außenminister der USA, sowie den
Verteidigungs- und Finanzminister und andere Kabinettsmitglieder.
Diese
- 1 -

�J
Diese Bereitschaft, seinen eigenen Beitrag herunterzuspielen, ist
charakteristisch für die Bescheidenheit des neuen Sicherheitsberaters. Einem
Reporter, der ihn nach seiner Vertrautheit mit Carter während dessen Wahlfeldzug befragte, sagte er, seiner Meinung nach sei seine Rolle durch die Medien erheblich übertrieben dargestellt worden.

Tatsache sei vielmehr, daß

andere einen weitaus größeren Einfluß gehabt hätten als er.
Das Interesse Brzezinskis am Kommunismus und an osteuropäischen Fragen
ist nicht zuletzt mit seiner Herkunft zu erklären.

Er wurde am 28. März 1928

als Sohn eines polnischen Diplomaten in Warschau geboren.

Den größten Teil

seiner frühen Kindheit verlebte er mit seinem Eltern in Frankreich und Deutschland, wo er Privatschulen besuchte.

Brzezinski begleitete seine Eltern 1938

nach Kanada, wo sein Vater am polnischen Konsulat in Montreal tätig war.

Als

in Polen die Kommunisten die Macht übernahmen, blieb die Familie in Kanada.
Weitere schulische Stationen Brzezinskis waren katholische Ausbildungsinstitute in Kanada, die McGill-Universität in Montreal sowie die Harvard-Universität in den USA an der er 1953 promovierte und einen Lehr- und Forschungsauftrag erhielt.

Er gehörte dem Lehrkörper dieser renommierten Hochschule bis

1960 an und ging dann an die New Yorker Columbia-Universität. Im Jahre 1961
übernahm er die Leitung des neugegründeten Instituts für Fragen des Kommunismus an dieser Universität und erwarb sich in den darauffolgenden Jahren den
Ruf eines Experten für osteuropäische Angelegenheiten.

Im Jahre 1961 war er

einer der wichtigsten außenpolitischen Berater des neugewählten Präsidenten
John F. Kennedy, und von 1966 bis 1968 gehörte er dem politischen Planungsstab des State Department an.

In dieser Eigenschaft unterstützte er nach-

drücklich die Präsenz der USA in Vietnam.
Im Jahre 1973 vertrat Brzezinski in einem Artikel, der in der bekannten
Zeitschrift "Foreign Affairs" erschien, die Ansicht, daß die Auseinandersetzung mit der kommunistischen Welt ein Hauptproblem der USA bleibe, führte
jedoch gleichzeitig die Fragen der Entwicklungsländer sowie die Aufrechterhaltung der Beziehungen zu den Industrienationen als zwei weitere wichtige
Gebiete an.

Um sich mit diesen Problemen effektiver auseinandersetzen zu_
- 2 -

�zu können, schlug Brzezinski eine engere Zusammenarbeit zwischen Nordamerika,
Westeuropa und Japan vor.

Er war Mitbegründer der "Trilateralen Kommission",

einer privaten Gruppe zur Förderung dieses Zieles, der auch Jimmy Carter als
Mitglied angehörte, und hier begann bereits die enge Zusammenarbeit beider
Männer.
Brzezinski hat sich häufig über die Bemühungen der USA ausgesprochen,
die Beziehungen zur Sowjetunion zu verbessern; in einem Interview mit der
"New York Times" kurz vor den Wahlen unterstrich er jedoch, daß er die Entspannung nicht ablehne. Man müsse allerdings zu einer umfassenderen Entspannung gelangen, so meinte er, und man dürfe nicht eine Detente akzeptieren,
in der die Sowjets die Spielregeln festlegten und die Prioritäten setzten.
In einer Rede vor dem Nationalen Demokratischen Frauenclub, ebenfalls
kurz vor der Wahl »forderte Brzezinski Vorverhandlungen über ein Abkommen zur
Begrenzung strategischer Waffen zwischen den USA und der Sowjetunion, das die
Anzahl der strategischen Bomber, der nuklearen Sprengköpfe sowie der Raketen
auf beiden Seiten reduziere.
Seit Jjni 1955 ist Brzezinski mit Emilie Benes, einer Großnichte des
ehemaligen tschechoslowakischen Präsidenten Eduard Benes, verheiratet. Sie
haben drei Kinder.

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25/1976

JAMES SCHLESINGER: DER NEUE BERATER CARTERS FÜR ENERGIEFRAGEN

WASHINGTON - (AD) - James R. Schlesinger, der Mann, den der designierte Präsident der USA zu seinem Hauptberater für Energiepolitik ernannt
hat, verfügt über einen größeren Bereich an Erfahrungen im Regierungsdienst
als jeder andere, der in die neue Administration berufen worden ist. Die
Ernennung Schlesingers gilt als sicheres Anzeichen dafür, daß Carter einen
größeren Nachdruck auf den Energiebedarf der Nation und die damit zusammenhängenden Probleme legen wird, als dies bisher der Fall war.
Nahezu sieben Jahre,von 1969 - 1975,war Schlesinger - übrigens die
einzige Persönlichkeit aus der Nixon- und Fordära, die Carter in seine Administration berufen hat - in einer Reihe von hohen Regierungspositionen
tätig, und auf jedem dieser Posten wurde seine Arbeit als brillant und effektiv gelobt. Zunächst war er Stellvertretender Direktor der alten BudgetAbteilung, dann siedelte er in die US-Atomenergie-Kommission über, wurde
dann Leiter des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA), um schließlich das Verteidigungsministerium zu übernehmen.
Im Jahre 1975 wurde Schlesinger von Präsident Ford aus dem Amt des
Verteidigungsministers im Zuge einer umfassenden Regierungs-Reorganisation
entlassen.

Ford hat niemals im einzelnen seine Gründe dafür dargelegt,

außer daß er seinen eigenen Mann, Donald Rumsfeld, auf diesem Posten haben
- 1 -

�haben wollte. Allerdings hatte Ford, als er noch Vizepräsident war, einmal erklärt, er würde Schlesinger wegen dessen schlechten Beziehungen zum
Kongreß entlassen.
James Rodney Schlesinger wurde am 15. Februar 1929 in New York City geboren.

Er schrieb sich 1946 an der Harvard-Universität ein, studierte Wirt-

schaftswissenschaften und schloß sein erstes Examen 1950 summa cum laude ab.
Sechs Jahre später erwarb er den Doktortitel in Wirtschaftswissenschaften an
der Harvard Universität.
Bis 1963 lehrte er dieses Fach an der Universität von Virginia und
übernahm dann eine Tätigkeit bei der Rand Corporation, der renommierten "DenkFabrik" für nationale Sicherheit, wobei er sich vor allem mit der nuklearen
Waffentechnik und mit strategischen Analysen befaßte.

Auf diesem Gebiet hatte

er sich bereits vorher durch Vorträge sowie durch sein 1960 veröffentlichtes
Buch "The Political Economy of National Security" (Die politische Ökonomie
der Nationalen Sicherheit) einen Namen gemacht.
:

Sein umfassendes Wissen auf den Gebieten der Wirtschaft, der Kernenergie,
der nationalen Sicherheit und der Verteidigung gab ihm das erforderliche Rüstzeug für seine erfolgreiche Arbeit auf den hohen Regierungsposten in der
Budget-Abteilung, der Atomenergie-Kommission,dem CIA und dem Verteidigungsministerium, auf die er von Präsident Nixon während dessen Administration berufen wurde.
Nach seiner Entlassung als Verteidigungsminister unter Präsident Ford
arbeitete Schlesinger am "Center for International Studies" der Johns HopkinsUniversität und trat während der Präsidentschaftswahlen 1976 als Berater
Carters in Erscheinung.
In seiner Ernennung zum Berater für Energiefragen des neuen Präsidenten
sieht Schlesinger eine "herausfordernde Aufgabe".

Er werde sich bemühen, den

"Enthusiasmus und die Energie des amerikanischen Volkes" für die Lösung der
2 -

�der auf diesem Gebiet sich stellenden Probleme zu mobilisieren.

Es gelte,

den Anstieg des Gesamtenergieverbrauchs und vor allem das Anwachsen der Rohölimporte zu begrenzen, um die Gefahr allzugroßer Abhängigkeit der Vereinigten Staaten von ausländischen Energiequellen zu verringern.

In diesem Sinne

werde er daher auch bestrebt sein, die Entwicklung von Automobilen mit geringerem Benzinverbrauch in den Vereinigten Staaten zu fördern.
In der amerikanischen Öffentlichkeit gilt Schlesinger als pfeifenrauchender Intellektueller, der eigentlich mehr im Hörsaal der Universität
als im bürokratischen Gewirr der Verwaltungsorganisationen zu Hause ist und
auf politischem Parkett leicht die Geduld verliert. Dieses Bild geht auf
Vorfälle im Jahre 1975 zurück, als Schlesinger weitere Kürzungen seines bereits vom Weißen Haus gestutzten Verteidigungshaushalts durch das Repräsentantenhaus mit scharfen öffentlichen Attacken gegen diese Maßnahmen der Legislative beantwortete. Die sich daraus entwickelnde Kontroverse zog ihm
den Zorn vieler Kongreßmitglieder zu, sicherte ihm aber auch auf vielen Seiten den Respekt wegen seiner unerschrockenen und klaren Haltung, die die
"Dinge in die richtige Perspektive" setze.
Wie der designierte amerikanischen Präsident Carter ist auch Schlesinger
ein starker und intensiver Bücherleser. Er ist mit Rachel Mellinger verheiratet. Das Ehepaar hat acht Kinder.

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25/1976

AKTIONSPROGRAMM ENERGIE
Appell an den US-Kongreß und die neue Regierung der
Vereinigten Staaten

- (AD) - Zum Schutz der amerikanischen Wirtschaft gegen die Auswirkungen weiterer Ülpreis-Erhöhungen und möglicher künftiger Störungen in der
Versorgung mit Import-Energierohstoffen sei ein "Aktionsprogramm Energie"
eine der vordringlichen Aufgaben der Regierung Carter. Diese Ansicht vertraten der US-Handelsminister Elliot Richardson und der Leiter der US-Energiebehörde Dr. Frank Zarb bei Anhörungen vor dem Unterausschuß für Energie
und Strom des US-Kongresses in ihrer Funktion als Vorsitzender bzw. Leitender
Direktor des Präsidialrates für Energierohstoffe (ERC). In einem inzwischen
auch der Öffentlichkeit übergebenen Situationsbericht ("Perspektiven der
Energiepolitik") sind die wichtigsten Aufgaben zusammengefaßt, die nach Ansicht von Richardson und Zarb sofort in Angriff genommen werden sollten:
1) Steigerung der amerikanischen Kohleproduktion von ihrem gegenwärtigen Stand von ca. 608 Millionen Tonnen pro Jahr auf mehr als 900 Millionen
Tonnen bis Mitte der achtziger Jahre.

Um dieses Ziel zu erreichen, müssen

bereits bewilligte Programme zur Kohlenutzung voll durchgeführt werden. Außerdem sei eine engere Zusammenarbeit von Bundesregierung, den Regierungen der
einzelnen Bundesstaaten, kommunaler Verwaltungen und den Vertretern von
Bürgerinitiativen erforderlich.

Aueinandersetzungen über Umweltfragen müßten
- 1-

�müßten beigelegt werden.

Auch seien größere Anstrengungen zu unternehmen»

um synthetische Brennstoffe aus Kohle zu gewinnen.
2) Ausweitung der einheimischen ölförderung in den neuen Feldern
Alaskas und der äußeren Schelfgebiete sowie intensivere Nutzung erschlossener Vorkommen.

Dies erfordere allerdings beschleunigte Verfahren zur Auf-

hebung der öl Preiskontrollen unabhängig von der Frage, ob ein "Mischpreis"
auf nationaler Ebene einzuführen sei.

Unnötiges Reglement seitens des Staa-

tes müsse abgeschafft werden, bessere Beziehungen zwischen lokalen Verwaltungen und der Erdölindustrie seien zu fördern.
3) Steigerung der amerikanischen Erdgasproduktion.

Diese sei nur in

Verbindung mit Maßnahmen des US-Kongresses zur Aufhebung der Preiskontrolle
bei neuen Erdgasquellen und rascher Lösung des Problems des Gastransports
von Alaska nach den übrigen 48 kontinentalen Bundesstaaten möglich.
4) Steigerung der Anwendung regenerationsfähiger Energiequellen wie
Sonnen- und Windenergie sowie Erdwärme.

Auf diesen Gebieten sollten For-

schung und Entwicklung Teil des Gesamtenergieplanes sein.
5) Aufbau einer strategischen ölreserve im Umfang von mindestens 500
Millionen Faß. Zu den bisher erzielten Fortschritten zählt u.a. die Bewilligung von Mitteln durch den US-Kongreß zur Anlage eines Grundstocks an ölreserven von 40 Millionen Faß. Nach Meinung von hohen Beamten der Regierung
Ford müsse jedoch zum Schutz gegen mögliche Unterbrechungen der Belieferung
mit öl das Programm rasch zu Ende geführt werden.
6) Verringerung der Wachstumsrate für den Energiebedarf von bisher
3,5 Prozent im Jahr auf 2,5 Prozent.

Da die technischen Möglichke*ten zur

Einsparung von Energie zum großen Teil bereits ausgeschöpft werden, dürfte
es jedoch schwierig sein, dies ohne Preiserhöhungen oder restriktive Maßnahmen wie verordnete Verbrauchseinschränkungen zu erreichen.

Die

�/

i
Die Frage der Energiepolitik erfordert dem ERC-Bericht zufolge 1977
und 1978 Maßnahmen seitens der Regierung.
der Energiefinanzierung sei zu klären.

Auch die Rolle der Regierung in

Zum Abbau der Abhängigkeit von Im-

portöl sei außerdem internationale Zusammenarbeit unerläßlich.

Handelsminister Richardson schlägt vor, daß alle Regierungsressorts
gemeinsam Management-Pläne für den Fall eines neuen ölembargos ausarbeiten.
Dabei müsse auch die optimale Nutzung der strategischen ölreserven im Hinblick auf das Programm der Internationalen Energiebehörde und auf mögliche
Maßnahmen zur Verbrauchseinschränkung analysiert werden.

Präsident Carter

sollte vom Kongreß ermächtigt werden, im Fall einer Unterbrechung der Versorgung mit Energierohstoffen oder bei starken Preiserhöhungen Notstandssteuern oder Gebühren auf Erdölprodukte zu erheben und diese Produkte für
bestimmte Verbrauchergruppen zu rationieren.

Der Rat für Energierohstoffe habe, wie Richardson erklärte, zahlreiche
Wege zur Organisation des Energiesektors sondiert.

Jedoch sei die Organi-

sation allein kein Ersatz für die Prozesse, die eine verantwortungsbewußte
und substantielle Entwicklung der Energiepolitik gewährleisten.

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25/1976

MEHR GELD FÜR GRUNDLAGENFORSCHUNG
Schwerpunkte: Landwirtschaft, Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung

- (AD) - Eine Anhebung der Etats für Grundlagenforschung auf Schwerpunktgebieten um drei Prozent zusätzlich zum Inflationsausgleich schlägt Präsident Ford für den Haushalt 1978 vor.

Besonders berücksichtigt werden sol-

len neben der Energieforschung bestimmte Projekte der Weltraumforschung samt
Erderkundung aus dem Weltraum,

Erdbebenvorhersage und Agrarforschung.

Auf dem letztgenannten Gebiet sind Projekte interessant, die neue Wege
zur Stickstofffassimilierung eröffnen könnten und das Ziel haben, Eigenschaften von Hülsenfruchtpflanzen eines Tages auch auf wichtige Getreidesorten
wie Mais und Weizen zu übertragen.

Wenn es gelänge, deren Erbstruktur so zu

verändern, daß auch sie, beispielsweise in Verbindung mit Bodenbakterien,
Luftstickstoff in Ammoniak umwandeln, würde der Weltbedarf an Kunstdünger
rapide sinken.

Dr. Guyford Stever, Vorsitzender des Präsidialbeirats für

Wissenschaft und Technologie und Direktor der Nationalen Wissenschaftsstiftung der USA, hält angesichts der überragenden Leistungen der amerikanischen
Agrarforschung in der Vergangenheit Erfolge in dieser Richtung für durchaus
denkbar.

Ein Sonderfonds von 20 - 25 Millionen Dollar soll künftig eine Mög-

lichkeit schaffen, daß sich Wissenschaftler nicht nur im Rahmen des konventionellen Bewilligungssystems, sondern auch direkt an höchster Stelle um
- 1-

�um Forschungsgelder bemühen können. Dadurch würden mit höherer Wahrscheinlichkeit die besten Ideen unbürokratisch gefördert.
Die Forschungsmittel für die Erdbebenvorhersage (bisher ca. 20 Millionen Dollar) sollen mindestens verdoppelt werden, wobei der Steigerungsbetrag in erster Linie für die Entwicklung neuer Instrumente, Verfahren und
Ideen zur Erkennung und Auswertung bestimmter Phänomene, die Erdbeben ankündigen, verwendet würde.

Einschlägige Studien in Japan, China, der UdSSR und

den USA haben bereits gezeigt, daß es vor einem Erdbeben zu mancherlei Veränderungen kommt. Jetzt gilt es, sie rechtzeitig zu erfassen und richtig zu
interpretieren, um, ähnlich wie in der Wettervorhersage, eine Erdbeben-"Vorwarnung" geben zu können.
Beispielsweise wurde in einem 7200 qkm großen Gebiet im Räume Los
Angeles in Kalifornien seit den sechziger Jahren ein "Anschwellen" der Oberfläche um ca. 25 cm beobachtet. Geologen sind der Auffassung, daß eine solche Bodenhebung Spannungen im Erdinnern anzeigt, die sich vor einem Erdbeben
aufbauen. In Japan gingen 1964, in Kalifornien 1972 derartige Erscheinungen
einem Erdbeben voraus.
Zu den neuen Programmen, die für die Raumfahrt empfohlen werden, gehört
ein 2,4 m-Hochleistungsteleskop, das mit dem Raumtransporter auf eine Erdumlaufbahn gebracht werden soll. Es würde Anstronomen in allen Ländern zum
Studium von Himmelsobjekten,die von der Erdoberfläche aus überhaupt nicht zu
beobachten sind, zur Verfügung stehen.
Nunmehr soll auch für die Erforschung des Planeten Jupiter, wie zuvor
schon bei Mond und Mars, ein Orbiter eingesetzt werden.

Der Start zu dem

zwei Jahre dauernden Anflug zum größten Planeten unseres Sonnensystems ist
Ende 1981 geplant.

Nach dem Einschwenken des Roboters in eine Jupiter-Um-

laufbahn würde sein Orbit von Zeit zu Zeit geändert, damit die Sonde nach
und nach die 13 Jupitermonde möglichst nahe passiert.

Vor allem interessieren

die vier großen, von Galilei entdeckten Monde, die ungefähr so groß sind wie

�•

wie der Planet Merkur.

Der Orbiter soll außerdem eine Sonde absetzen, mit

der die dichte und turbulente Atmosphäre untersucht und die ersten direkten
Messungen von Temperaturen und Zusammensetzung der unterschiedlich gefärbten
Wolkenbänder vorgenommen werden sollen.
Mit einem verbesserten Satelliten zur Erdfernerkundung wird das Projekt
LANDSAT ausgeweitet, an dem schon heute mehr als 50 Länder teilnehmen. In
den USA haben die LANDSAT-Meßdaten zur Vorhersagen der Getreideernte, insbesondere der Weizenernte, eine mehr als 90prozentige Übereinstimmung mit dem
tatsächlichen Ernteertrag gezeigt. Die Meßdaten aus der Beobachtung der
sowjetischen Weizenernte, die amerikanische LANDSAT-Wissenschaftler auf Ersuchen der UdSSR sammelten, stimmten mit den in der UdSSR angestellten Vorausberechnungen ebenfalls gut überein. Solche Studien erleichtern gerade angesichts der Bedeutung der beiden Länder für den Weltgetreidemarkt eine ausgewogene Disposition. Der Einsatz von Fernerkundungssatelliter für Aufgaben
der Land- und Forstwirtschaft, Wasserwirtschaft, des Umweltschutzes und der
Rohstoffsuche entwickelt sich gegenwärtig zu einem der wichtigsten Anwendungsgebiete der Raumfahrttechnologie.

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      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 29.12.1976</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Harold Brown: Der neue Verteidigungsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Griffin Bell: Der neue Justizminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Cecil Andrus: Der neue Innenminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Robert Bergland: Der neue Landwirtschaftsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Juanita M. Kreps: Die neue Handelsministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;F. Ray Marshall: Der neue Arbeitsminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Joseph A. Califano: Der neue Gesundheits-, Erziehungs- und Sozialminister der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Patricia Harris: Die neue Wohnungsbauministerin der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Charles Schultze: Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Theodore C. Sorensen: Der neue Leiter &amp;nbsp;des Zentralamtes für Nachrichten und Abwehr (CIA)&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Andrew Young: Der neue UN-Botschafter der USA&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zbigniew Brzezinski: Der neue Sicherheitsberater Carters&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;James Schlesinger: Der neue Berater Carters für Energiefragen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktionsprogramm Energie&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Appell an den US-Kongress und die neue Regierung der Vereinigten Staaten&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Mehr Geld für Grundlagenforschung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Schwerpunkte: Landwirtschaft Erdbebenvorhersage, Weltraumforschung&lt;/em&gt;</text>
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