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Dokumentation

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?3

1. Dezember 1976

Inhalt

INFORMATION
Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1977/78

HINTERGRUNDMATERIAL
Jody Powell - Der künftige Pressesekretär des Weißen Hauses
Die Präsidentschaftswahlen 1976: Eine Analyse
Von Dr. George Gal1up
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Blaualgen machen der I n d u s t r i e Konkurrenz
Stickstoffdünger und F u t t e r m i t t e l aus der Kläranlage

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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23/1976

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1977/76

Für das Studienjahr 1977/78 schreibt die Fulbright-Kommission eine beschränkte Zahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom 1.
Dezember 1976 bis 15. Januar 1977 angenommen.

Voraussetzungen sind u.a.,

daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1977)
mindestens 4 Hochschulsemester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben.

Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien

werden direkt bei der Fulbright-Kommission, Theaterplatz la, 5300 Bonn-Bad
Godesberg angefordert.

Vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungs-

frist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das Amerika-Studium noch nicht bekannt sind.

Vollstipendien zum Studium in den USA können

für 1977/78 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

+ +++ +

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23/1976

JODY POWELL - DER KÜNFTIGE PRESSESEKRETÄR DES WEISSEN HAUSES

WASHINGTON - (AD) - Zum künftigen Pressesekretär des Weißen Hauses hat
der neugewählte amerikanische Präsident Jimmy Carter den 33jährigen Jody
Powell, einen seiner langjährigen und bewährtesten politischen Mitarbeiter,
ernannt. Von Powell, den viele als das "zweite Ich" des künftigen Präsidenten ansehen, hat Carter einmal gesagt, daß ihn wohl niemand - mit Ausnahme
seiner Frau - besser kenne als er.
Die Parallelen zwischen beiden Männern sind weitreichend und ausgeprägt.
Beide wurden in dem gleichen südwestlichen Gebiet des Staates Georgia geboren
- Powell in Cordele, das rund 50 Kilometer östlich von Plains, dem Geburtsort
Carters,liegt. Beide wuchsen als Söhne von Farmern in engem Kontakt mit Land
und Leuten auf. Beide haben sich - wenn auch im altersmäßigen Abstand einer
Generation (Powell wurde im gleichen Jahr geboren, in dem Carter in die Marineakademie eintrat) - mit vollem Einsatz der politischen Praxis zugewandt,und
außer Hamilton Jordan - dem Wahlkampfmanager Carters - hat wohl niemand dem
künftigen amerikanischen Präsidenten länger und treuer gedient als Jody Powell.
Seit 1970, als er sich freiwillig für Carters Wahlkampagne um den Gouverneursposten in Georgia zur Verfügung stellte, war Powell der ständige und für
viele Monate der einzige politische Berater und enge Mitarbeiter Carters in
den Anfangsphasen sowohl des Wahlkampfes um den Posten des Gouverneurs &amp;]s_
- 1 -

I

�als auch bei der Präsidentschaftswahl.

In dieser Eigenschaft wurde er zugleich

zum Berater und Sprecher Carters, und diese Stellung gedenkt er auch nicht aufzugeben, wenn er ins Weiße Haus zieht.
Man darf wohl erwarten, daß er wegen dieses direkten Zugangs zum Präsidenten und seiner Beraterrolle dem Amt des Pressesekretärs des Präsidenten ein anderes Siegel aufprägen wird als seine Vorgänger.
Carter und Powell begegneten sich zum erstenmal im Jahre 1966, als Carter,
der sich damals zum erstenmal (erfolglos) um den Posten des Gouverneurs bewarb,
sich händeschüttelnd durch eine Menschenmenge in einem Geschäftsviertel einer
Stadtiim Süden von Georgia hindurcharbeitete und mit den Worten: "Hallo, ich
bin Jimmy Carter und bewerbe mich um das Amt des Gouverneurs!" auch die Hand
eines jungen Mannes ergriff.

Dieser Mann war Jody Powell.

Der damals 23jährige, der soeben sein Bakkalaureat für politische Wissenschaften an der Staatsuniversität Georgia erworben hatte und jungverheiratet
bei einer Versicherungsgesellschaft in Atlanta Geld verdiente, um zugleich an
seiner Doktorarbeit weiterarbeiten zu können, hatte nur wenig Zeit für die politische Praxis.
Vier Jahre später jedoch, als Carter 1970 erneut für den Gouverneursposten
kandidierte, schloß sich Powell der Wahlkampagne an und zwar als Chauffeur
Carters. Zusammen fuiren sie kreuz und quer über die großen und kleinen Straßen
des Landes.
Oft war Powell der einzige Pressesprecher, den Carter hatte, und als er
im November die Gouverneurswahl gewann, machte er ihn zu seinem Pressesekretär.
Diese Funktion hat Powell seither ständig ausgeübt,auch als es mit Beginn der
Präsidentschaftskampagne 1975 nach Beendigung der Amtszeit Carters als Gouverneur wieder hieß, die langen einsamen Zwei-Mann-Wahlreisen anzutreten.
Aber

�Aber nach den ersten Vorwahlsiegen kam der Wahl kämpf Carters mächtig
in Schwung,und Powell stand plötzlich im Rampenlicht der Nation.

Die ihn

kennen, sagten, daß ihn dies ganz und gar nicht verändert habe.

Er blieb

sich gleich in seinem meist etwas zerknautschten Anzug und seinem freimütigen
und offenen Ausdruck - immer bestrebt, ein gutes Verhältnis zur Presse zu
unterhalten.

Im Gegensatz zu Carter, der nicht trinkt, nicht raucht und früh

zu Bett geht, liebt es sein Pressesprecher,kettenrauchend den Arbeitstag bei
einem Glas Bier oder Whisky im Gespräch mit Journalisten oder Freunden bis in
die späte Nacht oder frühen Morgenstunden auszudehnen.
Obwohl stets Realist - als im Juli die Woge des Erfolgs in der Präsidentschaftskampagne Carters ihren Höhepunkt erreicht hatte, sagte er: "Was auch
immer zwischen heute und September geschieht, unser Vorsprung wird wahrscheinlich zurückgehen,und wir werden im Oktober sicherlich einen wirklichen Kampf
zu kämpfen haben" - eine Vorhersage, die sich bewahrheitete - so hat Powell dennoch mit der Möglichkeit seiner jetzigen Stellung durchaus seit langem gerechnet. "Wenn ich jemals zum Pressesekretär des Weißen Hauses ernannt werden
sollte", so sagte er nach der Nominierung Carters auf dem Parteikonvent der Demokraten im Juli, "dann würde ich mich für eine offenere Regierung und mehr Zugang zum Präsidenten einsetzen, und ich würde niemals lügen."
Joseph Lester Powell Jr. (der wie sein Chef den formellen Namen nicht
liebt und für alle als "Jody" bekannt ist) wurde am 30. September 1943 geboren
und wuchs in dem kleinen Städtchen Vienna auf.

Seine Mutter, die als Lehrerin

für politische Wissenschaften an einer Oberschule unterrichtet, weckte in ihm
frühzeitig das Interesse an der Politik und die Liebe zur Literatur.
Im Jahre 1961 wurde Powell als Kadett in die amerikanische LuftwaffenAkademie aufgenommen. Drei Jahre später, als Fähnrich, wurde er entlassen,
weil er bei einem Examen in Geschichte gegen den Ehrenkodex verstoßen hatte.
"Während einer Pause las ich in einem Notizbuch nach," so berichtete er später
darüber. "Sie fragten mich, ob ich es getan hätte. Ich sagte, 'Ja'. Sie
schickten mich nach Hause".
Als

�Als er sich Carter anschloß, der selbst die Marineakademie absolviert
hatte, berichtete er ihm als erstes über diesen Vorfall.

"Er sagte zu mir,

das sei vorbei,und ich sollte es vergessen", so erinnerte sich Powell später.
Nach dem Vorfall auf der Akademie zog Powell nach Atlanta und widmete
sich ganz seinen Studien in politischer Wissenschaft, seiner Familie und der
Karriere Carters.
"Ich arbeite mit der Presse," so sagte Powell nach seiner Ernennung zum
künftigen Pressesprecher des Weißen Hauses, "aber ich werde für den Präsidenten
arbeiten und meine Loyalität gehört ihm - solange er sich so verhält, wie er
sich von der Zeit an verhalten hat, da ich seiner zum erstenmal gewahr wurde."

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23/1976

DIE PRÄSIDENTSCHAFTSWAHLEN 1976: EINE ANALYSE
Von Dr. George Gallup
Direktor des Amerikanischen Instituts für Meinungsforschung
(The Gallup Pol 1)

Der bekannte amerikanische Meinungsforscher
und Gründer des Gallup-Instituts, Dr. George
Gallup, hat in einem Exklusivartikel für
das amerikanische Informationsamt (USIA) die
Präsidentschaftswahlen 1976 analysiert. Der
nachfolgende Artikel gibt seine persönliche
Meinung wieder.

Die Präsidentschaftswahlen 1976 endeten mit einem der knappsten Siege in
diesem Jahrhundert. Aber es hätte auch ein Erdrutschsieg für Jimmy Carter werden können.
Bei jeder Präsidentschaftswahl kommt bei der Entscheidung der Wähler eine
Vielfalt von Einflüssen zum Tragen. Sucht man aber nach den Hauptgründen, die
den Sieg Carters erklären, so sind es vor allem zwei: die Wirtschaft sowie der
Stolz und das Selbstbewußtsein der Südstaaten.
Die Frage des Geldbeutels ist in der amerikanischen Politik immer ein sehr
empfindlicher Punkt gewesen.

Der Partei, die im Weißen Haus sitzt, werden alle
- 1 -

�T

alle wirtschaftlichen Mißstände angelastet - Inflation, Arbeitslosigkeit,
schlechte Geschäftslage - ohne Berücksichtigung der besonderen Umstände oder
ihrer Bemühungen um die Förderung der

Prosperität.

In gleicher Weise aber

erkennt man der Partei, die an der Macht ist, auch das Verdienst für "gute
Zeiten" zu - ob dies nun gerechtfertigt ist oder nicht.
Seit der großen Depression in den dreißiger Jahren verbindet sich in den
Vorstellungen vieler Wähler die Partei der Demokraten mit Prosperität, dagegen
die der Republikaner mit Rezession und Depression.
Obgleich Präsident Ford auf eine bemerkenswerte Aufwärtsentwicklung in der
Wirtschaft seit seinem Amtsantritt hinweisen konnte, war die in den letzten
Wochen des Wahlkampfs wieder deutlich hervortretende Abschwächungstendenz in
der Wirtschaft für viele Wähler Anlaß zur Besorgnis.

In der Zeit zwischen

Jahresbeginn und Oktober stieg die Prozentzahl der Erwachsenen, die hohe Lebenshaltungskosten oder Arbeitslosigkeit als die Probleme von höchster Priorität für die Nation bezeichneten, von 62 Prozent auf 78 Prozent, wie eine Wählerumfrage im Oktober zeigte.
Bei einem Drittel der Beschäftigten in den USA bestand die Furcht, sie
könnten ihren Arbeitsplatz verlieren, bei der nicht-weißen Bevölkerung lag
diese Zahl mit 50 Prozent sogar noch höher - woraus sich zweifellos die überwältigende Zahl der schwarzen Wählerstimmen für Carter erklären läßt.
In der bisherigen Geschichte waren die beiden Hauptthemen jeder Präsidentschaftswahl der Friede und die Prosperität. Es mag daher überraschen, daß
bei dieser Wahl zum erstenmal seit 1936 die Außenpolitik kein Hauptthema während der Wahlkampagne war. Bei jeder anderen Präsidentschaftswahl während dieser vierzigjährigen Periode waren die Vereinigten Staaten entweder in einen
Krieg verwickelt oder versuchten, einen Krieg zu beenden, oder waren in Sorge,
in einen Krieg hineingezogen zu werden.

S£
- 2 -

�So wie die Demokraten seit den dreißiger Jahren in der Frage der Prosperität einen - wenn auch fragwürdigen - Vorteil genossen, so zogen die Republikaner in der gleichen Weise Nutzen aus der Frage von Krieg und Frieden, hauptsächlich aufgrund des geschichtlichen Zufalls und der Tatsache, daß in diesem
Jahrhundert immer dann Kriege ausbrachen, wenn ein Demokrat im Weißen Haus regierte.

Selbstbewußtsein und Stolz des Südens
Die 13 Südstaaten, die von den Tagen des Bürgerkriegs an in der Mehrzahl
für demokratische Präsidentschaftskandidaten gestimmt hatten, begannen in den
Wahlen des Jahres 1952 diese historische Position zu verlassen und waren bei
den Präsidentschaftswahlen des Jahres 1972 bis an das andere Ende des politischen Spektrums gelangt. In jenem Jahr konnte der republikanische Präsidentschaftskandidat, Richard Nixon, 71 Prozent der Wählerstimmen dieser Region auf
sich vereinigen, während der Kandidat der Demokraten, George McGovern, nur 29
Prozent erhielt. Nachdem der Süden die demokratischste Region der USA gewesen
war, war er nun zur republikanischsten geworden. Oder vielleicht sollte man
richtiger sagen: zur konservativsten.
Das Selbstbewußtsein des Südens war ein wichtiger Faktor bei der Veränderung dieser Situation bei den letzten Wahlen. Die Bevölkerung der Südstaaten
überwand ihre traditionell konservative Einstellung und stimmte für Jimmy Carter,
den ersten Politiker aus dem Süden, der seit Zachary Taylor im Jahre 1848 ins
Weiße Haus einziehen wird. Nur zwei der 13 Südstaaten, nämlich Virginia und
Oklahoma, stimmten für Präsident Ford. Carters Heimatstaat - Georgia - entschied sich mit überwältigender Mehrheit für ihn - zwei Drittel aller Stimmen
entfielen auf den Mann aus Plains. Zur gleichen Zeit konnte Ford in seinem
Heimatstaat nur mit knappem Vorsprung gewinnen.
Eine
- 3 -

�Eine Analyse der Wahlergebnisse dieses Jahres zeigt, daß in keinem anderen
Teil des Landes die Verschiebungen zwischen 1972 und 1976 so groß waren.

Vor

vier Jahren konnte Nixon den Süden mit insgesamt 71 Prozent auf seine Seite
bringen, Präsident Ford erhielt in diesem Jahr lediglich 45 Prozent - eine Verschiebung um 26 Punkte.

In den übrigen Teilen des Landes ergab sich nur eine

Verschiebung um 10 Prozent - von 60 Prozent für den Kandidaten der Republikaner
im Jahre 1972 auf 50 Prozent bei den diesjährigen Wahlen.

Zwei Wahlfeldzüge um die Präsidentschaft
Die meisten Wähler schätzen die Tatsache nicht allzu sehr, daß die Präsidentschaftskandidaten zwei völlig unterschiedliche Wahlfeldzüge durchführen
müssen, um ins Weiße Haus einzuziehen. Zunächst geht es einmal um die Nominierung durch die Partei, die üblicherweise nur erreicht werden kann, wenn der
Kandidat nach harten Monaten voller Reden und Reisen durch das ganze Land bekannt genug geworden ist, um die Vorwahlen zu gewinnen. Im Januar 1976 gaben
übrigens nur ganze vier Prozent der "üblichen"Demokraten Jimmy Carter den Vorzug.
Der zweite eigentliche Wahlfeldzug beginnt nach den jeweiligen Parteikonventen. Die Wählerschaft bei diesen beiden Wahlfeldzügen ist außerordentlich
unterschiedlich. Bei den Vorwahlen geben nur relativ wenige Personen ihre
Stimme ab, in einigen Staaten weniger als zehn Prozent aller Stimmberechtigten.
Diejenigen, die sich dieser Mühe unterziehen, sind meistens ältere, konservativere und mehr parteiorientierte Bürger.
Während der Zeit der Vorwahlen erschien Jimmy Carter als ein Kandidat, der
gegen Washington auftrat: bereit, gegen die ständig wachsende Bürokratie und
die dortigen Affairen etwas zu unternehmen.

Inmitten einer Menge von müden

Politikern, die auf altbekannte Mittel und Wege sowie auf Lösungen eingeschworen
waren, die unsere Probleme nicht beseitigen konnten, tauchte plötzlich ein neues
- 4 -

�neues Gesicht auf.

Carter war offen, aggressiv und religiös.

erster Linie die Konservativen an.

Er sprach in

Dabei hatte er solchen Erfolg, daß seine

Gegner, die unter einem liberalen Banner fochten, dieses Wort nicht mehr gebrauchen wollten und euphemistisch davon sprachen» "progressiv" zu sein.
Der zweite Wahlkampf beginnt nach dem Sieg auf dem Parteikonvent.
Demokrat muß dann eine neue Strategie einschlagen.

Ein

Um gegen einen Konserva-

tiver, gewinnen zu können, muß der demokratische Kandidat die Koalition zusammenhalten, die Franklin D. Roosevelt Anfang der dreißiger Jahre geschaffen hat.
Diese Koalition setzt sich aus Intellektuellen, Gewerkschaften, Schwarzen und
verschiedenen ethnischen Gruppen - und im allgemeinen aus den "Mittellosen" zusammen.

Wenn es gelingt, die Stimmen des Südens mit den Stimmen des in-

dustriellen Nordens zusammenzubringen, wo diese Gruppen am stärksten vertreten
sind, dann ist damit eine unschlagbare Kombination zustande gekommen.
Nachdem Carter die Nominierung erreicht hatte, war es sein Hauptproblem,
starken Anklang bei der politischen Linken zu finden, und mehr noch, die Leute
auf der Linken anzuspornen, am Wahltag auch an die Wahlurnen zu gehen.
Es war diese ideologische Wendung Carters zwischen den Frühjahr und dem
Herbst, - diktiert durch die Notwendigkeiten des Wahlkampfes - die viele Wähler
verwirrte. Immer wieder beklagten sich Leute, die wir interviewten, daß sie
nicht wüßten, "wo Carter wirklich steht" oder was für ein Präsident er eigentlich werden würde.
Vom Gesichtspunkt der politischen Strategie her sollte der ideologische
Standort eines Kandidaten mit dem der wahlberechtigten Bevölkerung einigermaßen identisch sein.

Vor den Parteikonventen stimmte der angenommene poli-

tische Standort Carters einigermaßen mit den eigenen politischen Standortvorstellungen der Öffentlichkeit überein.

Gegen Ende des Wahlkampfes machte sich

eine wesentliche Veränderung der Vorstellungen von den Auffassungen Carters bemerkbar, wie die folgenden Zahlen zeigen.
Der
- 5 -

�«

Der politische Standort in den Augen der Wähler:

Frühjahr

Oktober

"Links"

46 Prozent

60 Prozent

"Mitte"

8 Prozent

8 Prozent

"Rechts"

46 Prozent

32 Prozent

Die befragten Wähler ordneten sich selbst wie folgt ein:
Links 37 Prozent,

Mitte 12 Prozent,

Rechts 51 Prozent

Die Republikaner hatten ebenfalls ihr ideologisches Problem:

Ronald

Reagan übte eine Anziehungskraft auf die weit rechts stehenden Wähler aus,
Präsident Ford mehr auf die gemäßigten Rechten.

Während jedoch in der Einord-

nung Fords durch die Öffentlichkeit im ganzen Wahl kämpf kaum Veränderungen zu
verzeichnen waren, ergaben sich bei der Position Carters, wie oben gezeigt, wesentliche Veränderungen.

Der Wahl kämpf
Vor dem Parteikonvent der Republikaner führte Carter mit 33 Prozent gegen
Ford - ein Vorsprung, wie er in der Geschichte der Meinungsumfragen in den USA
noch nie registriert worden war.

Eine ähnliche Führung hatte nur Präsident

Lyndon B. Johnson gegenüber seinem Konkurrenten Barry Goldwater im Jahre 1974
- und Johnson konnte einen Erdrutschsieg für sich verbuchen.
Der Parteikonvent der Republikaner und die Rede, mit der Ford die Nominierung seiner Partei annahm, bewogen offensichtlich viele Anhänger von Reagan,
in den Schoß der Republikaner zurückzukehren.
alle wieder im heimatlichen Lager.

Am Wahltag waren sie praktisch

Am 2. November hatten nur 11 Prozent der
- 6 -

�V

der Republikaner der Partei den Rücken gekehrt, während 19 Prozent der Demokraten sich von Carter abgewandt hatten.
Als Carter mit dem Flugzeug von Stadt zu Stadt eilte und sich Interessengruppen zuwandte, geriet er zunehmend in die Fallstricke eines typischen Politikers - er war nicht mehr der Anti-Washington- und "New York"-Kandidat der
Frühlingsmonate.

Die von ihm zum Ausdruck gebrachten Ansichten wurden weiter

links angesiedelt als sein Standpunkt zu Beginn, und dementsprechend begann er
an Boden zu verlieren.

Der Abstand zwischen ihm und Ford wurde immer kleiner.

Dann kamen die großen Fernsehdebatten.
Die erste dieser Debatten hat nach unseren Umfragen Ford "gewonnen".
Carter schien nervös zu sein, und seine Antworten waren zu verschwommen. In
den folgenden Tagen - bis zur zweiten Debatte - gewann der Wahl kämpf Fords
immer stärkere Konturen. Unsere Umfrage zur Mitte des Wahlkampfes zeigte
Carter nur noch mit zwei Prozent Vorsprung.
Die zweite Debatte brachte das Ende des Aufwärtstrends für Präsident Ford.
Diese zweite Debatte wurde in den Augen der Öffentlichkeit von Carter gewonnen,
vor allem wegen des unerklärlichen Lapsus, den Ford hinsichtlich Polens machte,
das, wie er sagte, frei von sowjetischer Kontrolle sei. Unsere Umfrage in der
folgenden Woche zeigte zum erstenmal wieder eine Aufwärtsentwicklung bei Carter
- er führte mit sechs Prozent. Diese Führung ging zwar in den letzten Tagen
des Wahlkampfes wieder zurück auf rund zwei Prozent, aber es gelang Carter,
diesen Vorsprung am Wahltag zu halten.
Dies entspricht in etwa der Erfahrungen aus dem Jahre 1960, als John F.
Kennedy auch von hinten aufkam und nach der ersten Debatte einen Vorsprung erzielte, den er bis zum Wahltag halten konnte.
Carter selbst hat erklärt, daß es die Debatten gewesen seien, die seinem
Wahlkampf den letzten Aufschwung gegeben und es ihm ermöglicht hätten, die
- 7 -

�1

die Wahl zu gewinnen.

Ironischerweise war es gerade die Debatte über die

Außenpolitik, von der man dachte, daß sie Fords stärkstes Gebiet sei, die
den Abwärtstrend bei Carter stoppte und dem Wahl kämpf Fords Wind aus den
Segeln nahm.

Die Wahlergebnisse
Wie knapp das Ergebnis ist, geht aus den - noch immer nicht offiziellen folgenden Zahlen hervor:
Wählerstimmen

Wahlmännerstimmen

Carter

50,4 Prozent

297

Ford

48,3 Prozent

241

McCarthy

0,8 Prozent

Sonstige (Schätzung)

0,5 Prozent

Das Rennen um die Präsidentschaft steht so sehr im Mittelpunkt des Interesses der Massenmedien, daß andere, ebenso wichtige Wahlergebnisse zu wenig
Beachtung finden.
Die Ergebnisse zeigen eine ungebrochene Stärke der Demokratischen Partei.
Das neue Repräsentantenhaus setzt sich aus 291 Demokraten und 142 Republikanern
zusammen - eine Mehrheit wie 1974 nach dem Watergate-Skandal. Im Senat sitzen
62 Demokraten und 38 Republikaner. Die demokratischen Gouverneure lassen mit
37 gegen 12 ihre republikanischen Kollegen weit hinter sich.
Die Vorherrschaft der Demokratischen Partei im politischen Leben Amerikas
wird am besten aus folgenden Zahlen deutlich:

Die Republikaner hatten während

der letzten 44 Jahre - jetzt 46 Jahre - nur vier Jahre lang eine Mehrheit im
Repräsentantenhaus, d.h. bei einer parlamentarischen Regierungsform hätten die
Republikaner nur in vier Jahren die Führung gehabt.
Die
- 8 -

�Die McCarthy-Stimmen
Eine Katastrophe für Carter hätten die für den früheren Senator Eugene
McCarthy abgegebenen Stimmen werden können, wenn die Stärke McCarthys mit
dem Herannahen des Wahltages nicht mehr und mehr zusammengeschrumpft wäre.
Mehr Staaten als in irgend einer Präsidentschaftswahl in diesem Jahrhundert
wurden in einem Abstand von 53 gegen 47 Prozent gewonnen, bzw. verloren.

Allein

in 27 Staaten führte der Sieger mit diesem Abstand.
Wenn McCarthy vier bis fünf Prozent der Gesamtstimmen für sich hätte
verbuchen können, dann hätte sicherlich Präsident Ford den Wahlsieg geschafft,
da ein großer Teil der McCarthy-Stimmen zu Lasten Carters gingen. Ein Staat
allein hätte eine Wende bringen können - New York. In diesem Staat wurde der
Name McCarthys in letzter Minute durch Gerichtsbeschluß von den Stimmzetteln
verbannt.

Gruppenverhalten
Eine Analyse des Wahlverhaltens der verschiedenen Bevölkerungsgruppen
zeigt einige interessante Verschiebungen.
mäßiger verteilt als üblich.

Katholiken haben ihre Stimmen gleich-

Im Jahre 1972 gaben sie dem demokratischen Kan-

didaten, McGovern, 18 Prozent mehr Stimmen als die Protestanten.

In diesem

Jahr gaben sie Carter 54 Prozent und Ford 46 Prozent ihrer Stimmen.

Ford er-

hielt 53 Prozent der protestantischen Stimmen, Carter 47 Prozent.
Zwischen Männern und Frauen war kein Unterschied im Wählerverhalten festzustellen.

Anfang des Jahres neigten noch wesentlich mehr Frauen zu Ford als

zu Carter.
Das Bildungsniveau wirkte sich wie folgt aus: Wähler mit Hochschulbildung gaben Ford eine klare Mehrheit - 58 Prozent gegen 42 Prozent; Wähler mit
- 9 -

�1

mit höherer Schulbildung stimmten für Carter - 55 Prozent gegen 45 Prozent;
und Wähler mit Grundschulbildung neigten mit 62 Prozent gegen 38 Prozent zu
Carter.
Die Jungwähler favorisierten relativ stärker als 1972 den republikanischen
Kandidaten.

Trotzdem gaben die 18- bis 29-Jährigen Carter 56 Prozent ihrer

Stimmen, verglichen mit 52 Prozent der 30- bis 49-Jährigen und 48 Prozent der
über 50-Jährigen.
Die weißen Wähler zogen Ford mit 53 gegen 47 Prozent vor; Schwarze und
andere Farbige gaben Carter 87 Prozent ihrer Stimmen gegenüber 13 Prozent für
Ford.

Arbeiter stimmten - traditionsgemäß - für den demokratischen Kandidaten -

bei dieser Wahl mit 63 Prozent gegen 37 Prozent.

Wahlbeteiligung
Normalerweise wirkt sich eine geringe Wahlbeteiligung bei einer Präsidentschaftswahl zugunsten der Republikaner aus. Das geringste Interesse an der
Ausübung des Wahlrechts findet man bei den unteren Einkommens- und Bildungsschichten und bei den Jungwählern. Diese Gruppen favorisieren normalerweise
demokratische Kandidaten im Verhältnis zwei zu eins.
Die Wahlbeteiligung am 2. November dieses Jahres war nicht ganz so groß
wie vor vier Jahren - 54 Prozent gegenüber 56 Prozent - die Zahl der tatsächlich abgegebenen Stimmen lag jedoch höher. Durch den Bevölkerungszuwachs waren
in diesem Jahr 150 Millionen Amerikaner wahlberechtigt, gegenüber 140 Millionen
im Jahre 1972.
Die Wahlbeteiligung war zwar nicht so niedrig wie vorausgesagt, aber es
besteht trotzdem kein Anlaß für Amerika, stolz darauf zu sein.

- 10 -

Nur etwas mehr

�mehr als die Hälfte aller Amerikaner über 18 Jahre ging zur Wahlurne.
Einen großen Einfluß auf das Ergebnis hatte die Wahlbeteiligung nicht,
denn Carter gewann selbst mit der relativ geringen Beteiligung.

- 11 -

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23/1976

BLAUALGEN MACHEN DER INDUSTRIE KONKURRENZ
Stickstoffdünger und Futtermittel aus der Kläranlage

- (AD) - Mit dem Drei-Stufen-Verfahren im Klärwerk will Dr. W. J. Oswahl,
Professor für öffentliches Gesundheitswesen und Hygienetechnik an der Universität Berkeley (Kalifornien), aus Abwässern billigen Stickstoffdünger, eiweißreiche Futtermittel und "Rohstoff" für die Methan-Produktion gewinnen.

Ober

Einzelheiten des Systems, an dessen Entwicklung er schon seit einigen Jahren
arbeitet, berichtete Dr. Oswald kürzlich auf einem RANN-Symposium in Washington.
RANN ist die Abkürzung für "Research Applied to National Needs", ein Programm
der Nationalen Wissenschaftsstiftung (NSF) der USA, mit dem die Forschung auf
bestimmten Gebieten im Interesse wirtschaftswichtiger Neuentwicklungen gefördert wird.
Kulturen von Grünalgen und Blaualgen sowie Pflanzenkolonien der Wasserhyazinthe sollen nach den Plänen Dr. Oswalds als Medien für die Zersetzung von
Belastungsstoffen in den Abwässern, zur Reinigung des Wassers und gleichzeitig
für den Aufbau nutzbarer Produkte eingesetzt werden. Der besondere Vorteil dieses biologischen Klärsystems läge darin, daß der Prozeß selbst kaum Energie benötigt, gleichzeitig aber bei umfassender Anwendung helfen könnte, Primärenergie in der Form von Erdöl oder Erdgas als Wasserstoffquelle für die Ammoniaksynthese zu sparen und billig Stickstoffdünger zu produzieren.
Der
- 1 -

�Der Weltbedarf an Düngerstickstoff, der im Jahr 1974 etwa 40 Millionen
Tonnen betrug, wird sich bis zum Jahr 2000 vervierfachen.
kosten sind mit den Erdölpreisen enorm angestiegen.

Die Produktions-

In den Vereinigten Staaten

werden derzeit zwei Prozent des heimischen Erdgases für die Düngemittelerzeugung verbraucht.

Und 87 Prozent der Primärenergie, die für die Kunstdüngerfa-

brikation benötigt wird, entfallen allein auf die Synthese von Ammoniak (NH 3 )
als der wichtigsten Verbindung für Stickstoffdünger.

Diesen brauchen z.B. die

Pflanzen, um mehr Eiweiß zu bilden, das wiederum für den tierischen Organismus
lebenswichtig ist und nach der Nahrungsaufnahme in das Gewebe eingebaut wird.
Industriell hergestellter Mineraldünger ist teuer:
100 Dollar und mehr.

Eine Tonne kostet

Auf 10 Dollar pro Tonne hofft Dr. Oswald den Preis sen-

ken zu können, wenn Stickstoffdünger auf biologischem Wege nach dem von ihm
entwickelten Verfahren erzeugt wird.

Während mancherorts Algen bereits zur

Abwasserreinigung oder zur Düngung (beispielsweise auf Reisfeldern) genutzt
werden - allerdings mit recht unterschiedlichem Erfolg -, handelt es sich hier
um den ersten Versuch, beides zu kombinieren, den Nutzeffekt um ein Vielfaches
zu erhöhen und Kosten zu senken.
"Gegenwärtig sieht es so aus", meinte Dr. Oswald, "daß pro Hektar Klärfläche 10 000 Dollar investiert werden müssen und jährliche Betriebskosten
von ca. 1000 Dollar anfallen." In etwa zwei Jahren dürften die noch bestehenden Probleme geklärt sein: Für einzelne Algenarten müssen noch die günstigsten
Kulturbedingungen ausfindig gemacht werden. Auch dürfen die für Futtermittel
gezüchteten Algen keinerlei toxische Stoffe enthalten. Das Team experimentiert
z. Zt. mit verschiedenen Algenarten, mit offenen und geschlossenen Becken und
unterschiedlicher Wasserverteilung. Angestrebt wird, pro Tag auf 1 qm Fläche
ein Gramm assimilierten Stickstoff zu produzieren.
Der Drei-Stufen-Prozeß funktioniert nach folgendem Prinzip:
Becken werden 30 cm hoch mit Abwasser gefüllt.

Drei

Schaufelräder halten das

Wasser ständig in Bewegung, um einer Schlick- und Schichtbildung entgegenzuwirken.

Im ersten Becken werden Grünalgen (z.B. Spirogyra) gezüchtet, die
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die beim Wachsen und Vermehren die Belastungsstoffe des Abwassers zersetzen.

Diese Algen ergeben Tierfutter oder organischen Dünger.

Auch Fer-

mentationsprodukte für die Gewinnung von Methangas fallen aus diesem Becken
an.
Das so vorgereinigte Wasser wird einem zweiten Becken zugeführt, wo
restlicher Ammoniak und Nitrate durch Pflanzen wie Wasserhyazinthen entzogen werden. (Diese sind als Gewächse in Gräben und Kanälen gefürchtet,
weil sie in kurzer Zeit den Wasserlauf blockieren.) Jetzt erst ist das Wasser für das mit Blaualgen besetzte Becken Nr. 3 geeignet. Denn Blaualgen
gedeihen nur in einem Medium, das selbst arm an Stickstoffverbindungen ist.
Sie haben jedoch, ebenso wie Wurzelbakterien bestimmter Pflanzenarten, z.B.
Leguminosen, die Fähigkeit, Luftstickstoff zu binden und mit der Assimilation in eine Form zu bringen, in der Stickstoff von lebendem Gewebe verwertet werden kann.
•

Die Blaualgen werden mit rotierenden Trichterfiltern geerntet, getrocknet
und als Dünger aufs Feld gebreitet.

Wichtig ist der Zeitpunkt der Ernte, wie

das Beispiel der mit Blaualgen gedüngten Reisfelder in Südostasien zeigt:
Weil sich dort Schlickschichten ungehindert bilden können, wird der assimilierte Stickstoff gerade dann an die Atmosphäre zurückgegeben, wenn ihn die
Reispflanzen am dringendsten benötigten.
Das Aufbrechen der engen Bindung zwischen den zwei Atomen des atmosphärischen Stickstoffmoleküls besorgen Blaualgen oder Knöllchenbakterien an den
Wurzeln von Hülsenfrüchten. Mit Wasserstoff aus den Wirtspflanzen bilden
dann die Stickstoffbakterien Ammoniak. Dagegen hat die Industrie bei der
Ammoniak-Synthese, die ohnehin nur bei hoher Temperatur, unter hohem Druck
und mit Katalysatoren möglich ist, einen enorm großen Aufwand an Energie.
Außerdem wird der Preis für Stickstoff-Kunstdünger noch durch die Kosten beeinflußt, die die Reinigung der Abwässer von unerwünschten StickstoffVerbindungen verursacht. Die modernen Abwasser-Behandlungsmethoden erfordern, so
Dr. Oswald, einen Kapital- und Arbeitsaufwand, der pro Jahr und Kopf der Be- 3 -

�Bevölkerung 25 Dollar erreicht.

Im Gegensatz dazu würde beim Oswald-Verfahren Stickstoff ohne energiekonsumierende Zwischenstufen in Dünger verwandelt - der Kreislauf wäre "kurzgeschlossen".

Versuche, der Natur nachzuhelfen
Da viele Nutzpflanzen das tatsächliche Stickstoffangebot nur unzureichend nutzen (Getreide wie Mais und Weizen nur zu 50 Prozent, Reis zu 30 40 Prozent), bemühen sich vor allem Mikrobiologen gegenwärtig intensiv um
eine Verbesserung der Stickstoffbilanz.

Die US-Wissenschaftsstiftung (NSF)

finanziert Forschungsarbeiten, die z.B. das Ziel verfolgen, die Fähigkeit
der Knöllchenbakterien zur Stickstoff-Assimilation bestimmten anderen Bakterienarten durch Gen-Transplantation "aufzupfropfen",

über diese und andere

Versuche wurde auf dem Symposium "Biologische Umwandlung der Sonnenenergie"
im November 1976 in Washington berichtet:
Vor fünf Jahren identifizierten Dr. Raymond C. Valentine (Universität
Kalifornien in Davis) und seine Mitarbeiter ein Gen im DNS-Molekül von Bakterien, das die Umwandlung von Stickstoff in Ammoniak steuert. Daraufhin
wurde es auch möglich, dieses Gen auf andere Organismen zu übertragen. Normalerweise beenden Bakterien die Ammoniakproduktion, sobald ihre Umgebung
mit assimiliertem Stickstoff oder Ammoniak gesättigt ist. Inzwischen gelang
es der Arbeitsgruppe Dr. Valentines, in einer Bakterienart bestimmte Gene so
zu verändern, daß sie auch in einem ammoniakreichen Medium weiterhin NHU produzieren.
Jetzt wird dies auch bei jenen Blaualgen versucht, die in Azolla-Pflanzen (Schwimmfarn) leben.
käme die nächste Hürde:

In 2 - 3 Jahren hofft man,am Ziel zu sein.

Dann

Die Azolla-Pflanze muß für die Reisfeld-Kultur mit

Verteidigungswaffen ausgestattet werden, um neben nichtveränderten Spezies
bestehen zu können. Würde dies (vielleicht nach weiteren 3 - 5 Jahren) er-

�erreicht, so könnte Azolla mit ihren Stickstofflieferanten als "natürliche
Düngemittelfabrik" benutzt und zusammen mit Nutzpflanzen oder in landwirtschaftlichen Bewässerungssystemen kultiviert werden.
Ein weiteres Forschungsprojekt ist die Verbesserung der natürlichen Fähigkeit von Leguminosen, Stickstoff mit Hilfe ihrer Wurzelbakterien zu assimilieren.
niak.

Die Bakterien leben von Zuckern der Pflanze und liefern ihr Ammo-

Die Forscher wollen erreichen, daß mehr Zucker zu den Wurzelknollen

transportiert wird

und daß die Bakterien diesen Zucker für die Ammoniakpro-

duktion besser nutzen.

Das Ergebnis wären höhere Ernteerträge.

Schließlich

existieren bereits Pläne, die Fähigkeit der Leguminosen, Stickstoff zu assimilieren, auf Getreidepflanzen wie z.B. Weizen, Mais und Roggen zu übertragen.
Wie Dr. Valentine erklärt, habe man gerade in letzter Zeit hinsichtlich
der Arbeitsweise der Wurzelknöllchen vieles hinzugelernt:

So ließe sich

z.B. der Energieverbrauch der Bakterien und der daraus resultierende Wirkungsgrad berechnen.

Die bisherigen Erfahrungen aus Modellversuchen mit künst-

lichen Wurzelknöllchen und Bakterien zeigen allerdings, daß diese Art der
Ammoniakproduktion, in industrielle Größenordnungen übertragen, unwirtschaftlich wäre.

Die Natur arbeitet mit Sonnenlicht und Pflanzen viel rationeller.

Letztes großes Forschungsgebiet sind gegenwärtig Bakterien, die Ammoniak
und daneben Wasserstoff produzieren.

Je mehr Wasserstoff sie erzeugen, desto

weniger Ammoniak liefern sie. Wenn man das Enzym fände, das die Wasserstoffproduktion steuert, könnte es möglicherweise so verändert werden, daß mehr
Ammoniak anfällt.

+ + + + +

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