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und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

15. September 1976

17

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Auszüge aus dem Wahlprogramm der Demokratischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Auszüge aus dem Wahlprogramm der Republikanischen Partei
- Internationale Beziehungen und Verteidigung Keine Chance f ü r Splitterparteien
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Abgase von Überschallflugzeugen
- U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest Interferon gegen chronische Hepatitis

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER DEMOKRATISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Internationale Beziehungen
Die nächste demokratische Administration muß und wird eine neue amerikanische Außenpolitik einleiten.
Acht Jahre Nixon-Ford-Diplomatie haben unser Volk vom Ausland isoliert
und im Inland gespalten. Die Politik wurde mit der Zeit der geheim gehaltenen Bombardierung Kambodschas bis zu der kürzlichen verschleierten Hilfe
an Angola von dem zuständigen Ministerium in aller Heimlichkeit und willkürlich entwickelt und durchgeführt. Es handelte sich um eine Politik, die sich
auf einseitige ad-hoc-Maßnahmen und eine Diplomatie des Gleichgewichts der
Kräfte stützte, die besser in das vorige Jahrhundert als in das gegenwärtige
gepaßt hätte. Sie hat die traditionellen amerikanischen Prinzipien verächtlich gemacht, die sich einst die Achtung der anderen Völker erworben und unser eigenes Volk angespornt haben. Statt sich um die Förderung von Freiheit
und Gerechtigkeit auf der Welt zu bemühen, hat die republikanische Administration eine traurige Bilanz aufgestellt - an Mißachtung der Menschenrechte, an
manipulierter Einmischung in die inneren Angelegenheiten anderer Länder und,
immer wieder, an einem stärkeren Interesse für unsere Beziehungen zu den tota-

�totalitären Gegnern statt zu unseren demokratischen Verbündeten.

Und ihre

Bemühungen, den internationalen Status quo zu erhalten statt zu reformieren,
verrät einen Zweck-Pessimismus, der im Gegensatz zu dem traditionellen amerikanischen Bekenntnis zur Möglichkeit des Fortschritts der Menschheit steht.
Verteidigungspolitik und Ausgaben für die Streitkräfte müssen im Einklang mit der Erfüllung der realen Sicherheitserfordernisse des amerikanischen
Volkes stehen.

Wir sind uns bewußt, daß die Sicherheit unseres Landes in

erster Linie von der inneren Stärke der amerikanischen Gesellschaft abhängig
ist - der wirtschaftlichen, der sozialen und der politischen.

Wir sind uns

ebenso bewußt, daß ernste internationale Bedrohungen unserer Sicherheit nicht
ausschließlich militärischer Natur sind und daß ihnen nicht durch militärische
Gewalt oder durch Androhung von Gewalt begegnet werden kann.

Die republika-

nische Administration hat durch Mißwirtschaft und falsche Politik die Sicherheit unseres Landes untergraben, indem sie die menschlichen Erfordernisse im
eigenen Lande vernachlässigte und gleichzeitig, zum ersten Male in der Geschichte unseres Landes, nach einem Krieg die militärischen Ausgaben erhöhte.
Milliarden von Dollar wurden für verschwenderische, extravagante und - in einigen Fällen - einer Stabilisierung abträgliche
zweigt.

militärische

Programme abge-

Unser Land kann - und unter einer demokratischen Administration wird

es dies tun - nachdrücklich auf die Verwirklichung einer Politik der Vollbeschäftigung und des wirtschaftlichen Wachstums hinarbeiten, die uns in die Lage
versetzen wird, dem berechtigten Eigenbedarf unserer Bürger wie auch unseren
Erfordernissen für eine ausreichende nationale Verteidigung zu entsprechen.
Eine demokratische Administration wird auf die Entwicklung einer Außenpolitik hinarbeiten, die der Stärke und Würde des amerikanischen Volkes entspricht, indem sie sich an die folgenden grundlegenden Prinzipien und Prioritäten hält:
Wir werden nach der Prämisse handeln, daß beim politischen Handeln die
Offenheit mit all ihrer Verantwortung der Geheimniskrämerei vorzuziehen ist.
Der Kongreß wird in die wichtigen internationalen Entscheidungen unserer jte^

�Regierung eingeschaltet werden, und unsere Außenpolitik wird offen geführt
und dem amerikanischen Volk ständig erläutert werden.

Selbst wenn diploma-

tische Taktiken und nationale Sicherheitsinformationen manchmal geheim bleiben müssen, kann es keine Entschuldigung dafür geben, die grundlegende Politik
ohne Wissen und Unterstützung der Öffentlichkeit auszuarbeiten und durchzuführen.
Unsere Politik muß auf der Verpflichtung unseres Landes zu den Idealen
der Freiheit und Gerechtigkeit für den Einzelnen basieren. Die Erfahrung hat
uns gelehrt, daß wir uns nicht ausschließlich auf militärische Stärke und wirtschaftliche Macht verlassen dürfen, so notwendig diese auch sind, um unsere
internationalen Zielsetzungen zu verfolgen. Wir müssen uns auch auf die moralische Stärke unserer demokratischen Werte verlassen - die für unsere Freunde
größter Ansporn und für unsere Gegner das am meisten gefürchtete Attribut sind.
Wir werden sicherstellen, daß die Erfordernisse der Menschen nicht militärischen Aufgaben geopfert werden, gleichzeitig aber die Streitkräfte aufrechterhalten, die wir für unsere Sicherheit benötigen.
Wir werden unsere Bindungen zu den anderen großen Demokratien stärken
und mit ihnen zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen wirtschaftlichen und
sozialen Probleme zu lösen und unsere

Verteidigung stark zu erhalten.

Wir werden die demokratische Tradition der Freundschaft und Unterstützung
der Länder der Dritten Welt wiederherstellen.
Wir müssen ferner nach Gebieten für eine Kooperation mit unseren traditionellen Gegnern suchen. Es bleibt keine andere Wahl, denn es geht um das
überleben der Menschheit. Doch das Streben nach Entspannung setzt voraus,
daß wir eine starke militärische Abschreckung der USA unterhalten, unsere
eigenen Interessen nachdrücklich vertreten, das Anhalten des Wettstreits erkennen und der amerikanischen Öffentlichkeit die unmittelbaren Vorteile einer
solchen Politik nicht übertrieben positiv darstellen.
Wir

�Wir werden das grundlegende Bekenntnis der USA zu den Menschenrechten
überall auf der Welt erneut bekräftigen.

Amerika muß sich für die Freilas-

sung aller politischen Gefangenen in allen Ländern einsetzen - der Männer
und Frauen, die sich im Gefängnis befinden, nur weil sie friedlich gegen die
Politik ihrer Regierung angegangen sind oder weil sie anderen dabei geholfen
haben.

Amerika muß eine feste Haltung einnehmen und das bestehende US-Gesetz

unterstützen und durchführen, das die Liberalisierung der Auswanderungspolitik
in solchen Ländern bewirken soll, die die freie Auswanderung einschränke1" oder
verbieten.

Amerika muß festhalten an seiner Unterstützung des Rechts der Ar-

beiter, sich zu organisieren, und der Gewerkschaften, frei und unabhängig tätig
zu werden, wie auch an seiner Unterstützung der Pressefreiheit.

Amerika muß

weiterhin als Bollwerk für die Unterstützung der menschlichen Freiheit in allen
Ländern dastehen.

Eine Rückkehr zu dieser Grundsatzpolitik setzt eine erneute

Bekräftigung der menschlichen Freiheiten überall auf der Welt voraus.

Die Herausforderung der Interdependenz
Die Weltwirtschaft
Acht Jahre der Mißwirtschaft in der amerikanischen Wirtschaft haben zu
weltweiter Rezession und Inflation beigetragen.

Der wichtigste Beitrag, den

eine demokratische Administration zur Wiedergesundung der Weltwirtschaft leisten
kann, ist die Wiedergesundung der amerikanischen Wirtschaft mit all ihrem Einfluß auf Stabilität und Fortschritt der Weltwirtschaft.
Wir bekennen uns zu einer Handelspolitik, die einer Wirtschaft mit Vollbeschäftigung nützt - durch Schaffung neuer Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, Erschließung neuer Absatzmärkte für amerikanische Farmer und Unternehmen, Senkung der Preise und Ausweitung des Warenangebots für die amerikanischen
Verbraucher.

Ein stetiger Abbau der Handelsschranken sollte auf einer Basis

der Gegenseitigkeit ausgehandelt werden, so daß es anderen Ländern nicht mög-

�möglich ist, uns den Zugang zu ihren Märkten zu verwehren, während sie Zugang zu unserem Markt haben.

Diese Maßnahmen müßten von verbesserten Pro-

grammen begleitet sein, um die Folgen von Verzerrungen und die Härten für solche amerikanischen Arbeiter zu mildern, die von dem ausländischen Wettbewerb
betroffen werden.
Die Demokratische Partei wird ferner einen höheren Lebensstandard für
die Arbeiter in solchen Ländern zu fördern suchen, in denen die Produktivität
weit über den Löhnen liegt, so daß der amerikanische Arbeiter durch eine unfaire Ausbeutung ausländischer Arbeitskräfte geschädigt und amerikanisches Kapital ermutigt wird, die durch die Niedriglöhne sich bietenden Möglichkeiten
zu nutzen, die unserer eigenen Wirtschaft schaden und den Dollar schwächen.
Wir werden die Führung bei den internationalen Bemühungen um eine Stärkung des Weltwirtschaftssystems übernehmen. Die Auffassung der Ford-Administration, man solle sich auf die internationale "Marktwirtschaft" verlassen,
entspricht nicht mehr einer Welt, in der einige Regierungen und multinationale Gesellschaften aktiv Lenkung und Beeinflußung der Marktkräfte betreiben.
Wir verpflichten uns zu ständigen Bemühungen, um die Währungssysteme der
Welt funktionsfähig zu erhalten und so ein einigermaßen stabiles Wirtschaftsklima für die Unternehmen zu schaffen sowie einen Import von Inflation zu verhindern.

Wir werden die Reform des internationalen Währungssystems unter-

stützen, um so die institutionellen Mittel für eine Koordinierung der nationalen Wirtschaftspolitik, vor allem mit unseren europäischen und japanischen
Verbündeten, zu stärken und die Bemühungen unserer und anderer Regierungen
zur Vollbeschäftigung zu erleichtern.
Die Demokratische Partei hat sich zu einer starken und wettbewerbsfähigen, in den USA gebauten und mit amerikanischen Seeleuten bemannten Handelsflotte bekannt, die den internationalen Beziehungen sowie der nationalen Sicherheit dient.

Zur Neubelebung unserer Handelsflotte verpflichtet sich die

Partei zu einer stärkeren Koordinierung der Schiffahrtspolitik, zu einer er- 5 -

�erneuten Bekräftigung der Zielsetzungen der Handelsmarinegesetze von 1936
und 1970 und zur Ausarbeitung einer nationalen Frachtenpolitik, die der
amerikanischen Handelsflotte einen fairen Anteil am gesamten amerikanischen
Handel sichert.
Eine demokratische Administration wird nachdrücklich internationale
Verhandlungen betreiben, um sicherzustellen, daß die multinationalen Aktivitäten von Gesellschaften, amerikanischen wie ausländischen, gegenüber der
internationalen Völkergemeinschaft mehr Verantwortungsbewußtsein zeigen. Wir
werden unsere Aufmerksamkeit vorrangig der Schaffung eines internationalen
Verhaltenskodexes für multinationale Gesellschaften und Gastländer widmen.
Wir werden die multinationalen Gesellschaften ermutigen - vor Produktionsverlagerungen über internationale Grenzen hinweg -, im voraus ausreichende Vorkehrungen für solche Arbeiter zu treffen, deren Arbeitsplätze dadurch
betroffen werden.
Wir werden Bestechungen und andere korrupte Praktiken beseitigen.
Wir werden diese Gesellschaften daran hindern, sich in die politischen
Systeme der Länder einzumischen, in denen sie tätig sind.
Wenn ein Kodex nicht durch Verhandlungen erreicht werden oder sich als
undurchführbar erweisen sollte, dann sollte sich unser Land das Recht zu einseitigen Maßnahmen vorbehalten, die jedes dieser Probleme ansprechen und im
besonderen Bestechungen und andere unrechtmäßige Zahlungen an Regierungsbeamte
anderer Länder für ungesetzlich erklären.
Zur Verwirklichung offener und fairer internationaler Wirtschaftsbeziehungen werden wir nach Mechanismen, auch gesetzlicher Art, suchen, die sicherstellen, daß ausländische Regierungen in den Außenhandel der USA keinen Boykott
dritter Parteien und keine Diskriminierung aus rassischen oder religiösen
Gründen einführen.
Energie

�Energie
Die Vereinigten Staaten müssen bei der Förderung der Zusammenarbeit der
Industriestaaten in der Entwicklung alternativer Energiequellen und der Senkung des Energieverbrauchs die Führung übernehmen, um so unsere Abhängigkeit
von Importen aus dem Nahen Osten zu verringern und den hohen Energiepreisen
Einhalt zu gebieten.

Unter einer demokratischen Administration werden die

Vereinigten Staaten ferner internationale Bemühungen zur Erschließung des
riesigen Energiepotentials der Entwicklungsländer unterstützen.
Wir werden uns ferner aktiv darum bemühen, die Gefahren zu begrenzen,
die sich aus der internationalen Entwicklung der Atomenergie sowie der Ausbreitung der Kernwaffen ergeben.
geräumt werden sollte, gehören:

Zu den Schritten, denen hohe Priorität einNeubelebung des Atomsperrvertrages; Auswei-

tung der Befugnisse der Internationalen Atomenergiebehörde und anderer internationaler Sicherheiten sowie die Kontrolle nationaler Anlagen; Zusammenarbeit bei internationalem Terror mit Kernwaffen; ein Abkommen der Erzeugerländer, keine Anreicherungs- oder Wiederaufbereitungsanlagen weiterzugeben; eine
internationale Garantie, nukleare Brennstoffe nur an solche Länder zu liefern,
die sich an die strikten Bestimmungen des Atomsperrvertrages halten; Subventionierung multinationaler Nuklearanlagen und allmähliche Unterstellung des
nicht für Waffenzwecke bestimmten spaltbaren Materials unter internationale
Kontrolle.

Die Entwicklungsländer
Wir haben während des nächsten Jahrzehnts eine historische Chance, Ausmaß und Qualität der Zusammenarbeit zwischen den reichen und den armen Ländern
zu verbessern.

Die potentiellen Vorteile einer Politik der konstruktiven Zu-

sammenarbeit mit den Entwicklungsländern wären für unser Land beträchtlich:
unbehinderter Zugang zu Rohmaterialien und Rohstoffen bei angemessenen Preisen
- 7 -

�Preisen; niedrigere Raten der weltweiten Inflation; besserer Absatz für unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten; und eine bessere Atmosphäre für internationale Verhandlungen ganz allgemein.

Vor allem die Aussichten auf Frieden

werden in einer Welt bedeutend höher sein, in der immer weniger Menschen unter
Angst vor Hunger und unter dem Joch wirtschaftlicher Unterdrückung zu leiden
haben.
Wir unterstützen die Bemühungen zur Stabilisierung und Steigerung der
Exporterlöse der Entwicklungsländer durch unsere Beteiligung an vernünftigen
Rohstoffabkommen.

Wir unterstützen die Stärkung der weltweiten Finanzierungs-

mechanismen und die Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels. Wir werden
die Förderung größerer Kapitalmärkte in den Entwicklungsländern unterstützen.
Da unser Land Lebensmittel und Textilfasern in die gesamte Welt liefert,
ist der amerikanische Farmer in hohem Maße abhängig von den Weltmärkten.

Die

Entwicklung auf diesen Märkten muß sich so vollziehen, daß ein ungestümes Hochschnellen der Lebensmittelpreise und periodische Verknappungen vermieden werden, wie sie unter der letzten republikanischen Administration allgemein üblich waren.

Wir verpflichten uns zu einer beträchtlichen finanziellen Unter-

stützung des Internationalen Fonds für die Entwicklung der Landwirtschaft; zu
einer wirksameren Lebensmittelhilfe durch Überprüfung des US-Lebensmittel-fürden-Frieden-Programms; zu beträchtlichen Beiträgen an ein multinationales System
für Lebensmittelreserven, das angemessene Sicherheiten für die amerikanischen
Farmer enthält; sowie zu ständigen Anstrengungen zur Förderung der amerikanischen
Lebensmi ttelexporte.
Die Ausbreitung der Rüstungen, sowohl der konventionellen als auch der
nuklearen, bildet eine wichtige potentielle Konfliktquelle in der unterentwickelten und in der industrialisierten Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

den Verkauf konventioneller Waffen wesentlich einschränken und die militärische
Hilfe an Entwicklungsländer abbauen.

Sie sollten den Transfer konventioneller

Waffen in die Rüstungskontroilagenda einbeziehen und bei dem Transfer amerikanischer Waffen bei jedem Land eine eingehende Begründung verlangen.
- 8 -

Solche

�Solche Verkäufe oder eine solche Hilfe müssen nach den außenpolitischen Vorteilen für die USA gerechtfertigt sein und nicht lediglich nach den wirtschaftlichen Vorteilen für die amerikanischen Waffenproduzenten.
Ein Hauptziel der amerikanischen Hilfe, der militärischen wie auch der
wirtschaftlichen, ist die Stärkung der Freiheit auf der Welt.

Die Vereinigten

Staaten sollten nirgendwo auf der Welt Hilfe an Regierungen gewähren, die sich
zur Durchsetzung ihrer Macht der Geheimpolizei, des Freiheitsentzugs ohne Anklage sowie der Folter bedienen.

Ausnahmen von dieser Politik sollten selten

sein, und die Hilfe sollte dann auf das absolut Notwendige beschränkt bleiben .

Vertei di gungspoli ti k
Umfang und Struktur unserer Streitkräfte müssen sorgfältig auf die Erfordernisse unserer Außenpolitik in der heutigen Zeit abgestimmt sein.

Sie

sollten auf einer sorgfältigen Bewertung dessen basieren, was langfristig notwendig ist, um unsere potentiellen Gegner abzuschrecken; um notfalls konventionelle Kriege in Gebieten führen zu können, in denen unsere nationale Sicherheit bedroht ist; und um unseren Verbündeten und Freunden - vor allem in Westeuropa, Japan und im Nahen Osten - Sicherheit zu geben.

Daher müssen unsere

strategischen Nuklearstreitkräfte eine starke und glaubwürdige Abschreckung
vor einem nuklearen Angriff und einer nuklearen Erpressung sein.

Unsere kon-

ventionellen Streitkräfte müssen stark genug sein, um vor einer Aggression
in Gebieten abzuschrecken, die für unsere eigene Sicherheit entscheidend wichtig sind.

So wie es mit diesen Zielen zu vereinbaren ist, sollten wir uns

um Abrüstungs- und Rüstungskontroi labkommen bemühen, die zu einer beiderseitigen Reduzierung sowohl der nuklearen als auch der konventionellen Rüstungen
beitragen.
Charakteristisch für die Verteidigungspolitik der Nixon-Ford-Administrationen waren jedoch Stagnation und Verwundbarkeit.
Durch

�Durch ihre Zögern, Veränderungen auf solchen Gebieten unserer Streitkräfte vorzunehmen, die einer Lösung von Problemen aus der Vergangenheit
dienten, hat die Administration nicht nur Verteidigungsgelder verschleudert,
sondern auch Verbesserungen vernachlässigt, die zur Erhöhung der Kampfkraft
und des Abschreckungspotentials unserer STreitkräfte bei einer künftigen
Aggression notwendig waren.
Wie die überaus starke Betonung des Gesamtumfangs des Verteidigungsbudgets als wichtigster Maßstab für unsere nationale Entschlossenheit und die
Schlagkraft unserer STreitkräfte zeigt, hat die Administration übersehen, daß
wir nicht danach trachten, mehr auszugeben als unsere potentiellen Gegner,
sondern daß wir vielmehr in der Lage sein wollen, abschreckend auf sie zu wirken und ihnen im Kampfe überlegen zu sein.

Wir müssen die Gelder ausgeben,

die legitim für die Verteidigung benötigt werden, doch sind Kürzungen bei
Überschneidungen und Verschwendung sowohl möglich als auch notwendig.

Sofern

es zu keiner wesentlichen Änderung der internationalen Lage kommt, sind wir
der Ansicht, daß wir bei richtiger Verwaltung, richtiger Verwendung der Verteidigungsgelder und richtiger Auswahl der militärischen Programme die gegenwärtigen Verteidigungsausgaben um 5 bis 7 Milliarden Dollar senken können.

Wir müs-

sen einen harten Maßstab bei der Entwicklung neuer Waffensysteme anlegen, die
nur von untergeordnetem militärischem Wert sind.

Die Höhe unseres Verteidi-

gungsbudgets sollte nicht durch bürokratische Gebote oder Erfordernisse der
Rüstungsindustrie, sondern durch unsere Bewertung der internationalen Realitäten bestimmt werden.

Um eine umfassende Überprüfung der B-1-Erprobung und

ihres Auswertungsprogramms zu ermöglichen, sollte vor Februar 1977 keine Entscheidung über eine Produktion der B-l getroffen werden.
Das Pentagon hat eine der am stärksten überzüchteten Bürokratien der
Bundesregierung. Das Verteidigungsministerium kann wirksamer und sparsamer
arbeiten, und sein Budget kann gekürzt werden, ohne daß unsere Verteidigungsposition dadurch irgendwie beeinträchtigt wird. Unsere Streitkräfte haben
heute mehr Admiräle und Generäle als während des Zweiten Weltkrieges, als unsere Streitkräfte weitaus größer waren als heute. Wir können das zahlenmäßige
- 10 -

�zahlenmäßige Verhältnis von Offizieren und Mannschaften und von Versorgungseinheiten und Kampftruppen verbessern ...
Es bedarf einer neuen Einstellung

zu den Dingen.

Unsere strategischen

Nuklearstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sichergestellt ist, daß
sie einen nuklearen Angriff überstehen können und daß somit eine Abschreckung
vor einem Atomkrieg gewährleistet ist.

Eine erfolgreiche nukleare Abschreckung

ist eine äußerst wichtige Aufgabe unserer Streitkräfte.

Wir sollten jedoch

vermeiden, uns auf Ausgaben einzulassen, die nur symbolischen oder Prestigewert haben oder die zu einer nuklearen Instabilität beitragen.
Die amerikanische Marine muß die stärkste Flotte der Welt bleiben.

Un-

sere Seestreitkräfte sollten verbessert werden, wobei der Nachdruck auf das
überleben gelegt werden sollte, und unsere moderne Technologie sollte mit
neuen Methoden für die Offenhaltung der wichtigen Seewege eingesetzt werden.
Konkret ausgedrückt, wir sollten mehr Nachdruck auf neuartige Sensoren und
Rüstungen legen und auf eine Marine, die aus einer größeren Zahl kleiner und weniger verwundbarer Schiffe besteht, Vorrang einräumen.
Unsere Landstreitkräfte sollten so gegliedert sein, daß sie bei der Unterstützung unserer politischen und militärischen Verpflichtungen wirksam kämpfen können. Hierfür sind moderne, gut ausgerüstete und äußerst mobile Landstreitkräfte wichtiger als eine große Zahl sparsam ausgerüsteter Infanteriedivisionen.
Unsere taktischen Luftstreitkräfte sollten so ausgerichtet sein, daß sie
im Falle von Feindseligkeiten rasch die Luftüberlegenheit erringen und unsere
Land- und Seestreitkräfte unterstützen können.
Wir können und werden wesentliche Einsparungen beim Oberkommando sowie
beim Nachschub unserer Streitkräfte vornehmen.
Das Beschaffungssystem für Verteidigungsausrüstung sollte reformiert wer- 11 -

�werden.

Es sollten, wo immer dies möglich und mit den Bemühungen um eine

volle Beteiligung kleinerer Unternehmen zu vereinbaren ist, Ausschreibungen
auf Wettbewerbsbasis und andere Verbesserungen im Beschaffungswesen vorgenommen werden, um einen uneingeschränkten und fairen Wettbewerb zwischen allen potentiellen Lieferfirmen zu fördern und die gegenwärtige Verschwendung
im militärischen Beschaffungswesen zu unterbinden.

Es sollte eine gerechtere

Formel für die Verteilung von Verteidigungsaufträgen und anderen Beschaffungsaufträgen der Bundesregierung auf einzelstaatlicher oder regionaler Basis erwogen werden.
Die Vereinigten Staaten und andere Länder haben ein gemeinsames Interesse an einer Verringerung der militärischen Ausgaben und einer Zuteilung der
eingesparten Mittel für Programme zur Hebung des Lebensstandards.

Um den

Weg für solche Änderungen zu ebnen, sollten Exekutive und Kongreß eine langfristige Planung der von Verteidigungsaufträgen abhängigen Gemeinden, der Leitung der Firmen der Rüstungsindustrie und der Gewerkschaften fördern.

Dieser

Prozeß sollte sich im Rahmen der Verpflichtung der Demokratischen Partei zu
einer geplanten Vollbeschäftigung vollziehen.
Unsere zivilen und militärischen Geheimdienste sollten so gegliedert
sein, daß sie rechtzeitig und genaue Informationen sowie Analysen außenpolitischer und militärischer Fragen beschaffen können.

Geheime Aktionen dürfen

nur in ganz wichtigen Fällen erfolgen, wenn dies entscheidend wichtig für
die Sicherheit der USA ist; Mordaufträge müssen verboten

sein.

Es sollte

eine umfassende und genaue Kontrolle unserer Geheimdienste durch den Kongreß
geben.

Die verfassungsmäßigen Rechte der amerikanischen Bürger können und müs-

sen voll geschützt sein, und Mißbräuche des Geheimdienstes sollten korrigiert
werden, ohne daß die Vertraulichkeit des zurecht als geheim eingestuften Geheimdienstmaterials gefährdet oder die grundlegende Aufgabe des Geheimdienstes
aufs Spiel gesetzt wird.
Die

- 12 -

�Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion sind die einzigen Mächte, die
durch Rivalität oder durch Fehleinschätzung unsere Zivilisation in einen allgemeinen Atomkrieg stürzen könnten.

Ein Hauptziel muß der weitere Abbau der

Spannungen mit der Sowjetunion sein.

Dies kann jedoch nur durch Festhalten an

unseren Prinzipien und Interessen und durch rein sachliche Verhandlungen über
spezifische Fragen erreicht werden, nicht durch schlechte Verträge, dramatisches
Auftreten

und Betonung allgemeiner Deklarationen, wie sie für die Entspannungs-

politik der Nixon-Ford-Administration charakteristisch waren.
Sowjetische Schritte führen weiterhin zu ernsten Bedrohungen des Friedens
und der Stabilität in zahlreichen Teilen der Welt und unterlaufen die westliche Unterstützung fruchtbringender Verhandlungen über allen zum Nutzen gereichende Abkommen.

Die Sowjetunion hat während der letzten Jahre bei ihrer

Marine, ihren strategischen Streitkräften sowie ihren in Osteuropa und Asien
stationierten Landstreitkräften eine bedeutende militärische Aufrüstung vorgenommen.

Sie hat in den Verhandlungen einseitige Vorteile angestrebt und hat

politischen und militärischen Druck in Gebieten wie dem Nahen Osten und Afrika
ausgeübt sowie ohne Zögern nach Angola eigene Berater sowie Expeditionsstreitkräfte ihrer Satelliten entsandt.
Die andauernde militärische Vorherrschaft der Sowjetunion in zahlreichen
osteuropäischen Ländern bleibt eine Quelle der Unterdrückung für die Völker
dieser Länder - eine Unterdrückung, die wir nicht akzeptieren und die wir aus
moralischen Gründen ablehnen.

Jeder Versuch seitens der Sowjetunion, in ähn-

licher Weise andere Teile Europas - wie zum Beispiel Jugoslawien - zu beherrschen, würde eine ernste Bedrohung für den Frieden darstellen.

Osteuropa kann

kein Gebiet echter Stabilität sein, solange diese Länder nicht ihre Unabhängigkeit wiedererlangt haben und Teil eines großen europäischen Systems geworden
sind.
Unsere Aufgabe ist es, die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf eine
- 13 -

�eine stabile Basis zu stellen und dabei jedes Übermaß an Hoffnung oder Angst
zu vermeiden.

Geduld, ein klarer Sinn für unsere eigenen Prioritäten und

eine Bereitschaft zu Verhandlungen über spezifische bindende Abkommen auf Gebieten von gemeinsamem Interesse können die Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion wieder ins Gleichgewicht bringen.
Auf dem Gebiet der nuklearen Abrüstung und der Rüstungskontrolle sollten
wir hinarbeiten:
auf eine Begrenzung der internationalen Ausbreitung von spaltbarem Material
und Nuklearwaffen;
auf spezifische Abkommen zur Begrenzung der strategischen Rüstungen, die
die Stabilität des strategischen Gleichgewichts erhöhen und das Risiko eines
Atomkrieges verringern und die beiderseitige Reduzierungen und Begrenzungen
für künftige Waffendislozierungen nachdrücklich betonen, welche das strategische
Gleichgewicht am meisten gefährden, weil ihre Charakteristika auf eine Anwendung bei einem potentiellen Erstschlag hindeuten;
auf ein umfassendes Verbot von Kernversuchen;
auf einen beiderseitigen Abbau - mit der Sowjetunion und anderen - unserer nuklearen Arsenale unter sicheren Garantien, der schließlich zur völligen Beseitigung solcher Arsenale führt;
auf beiderseitige Beschränkungen - mit der Sowjetunion und anderen - des
Verkaufs und Transfers von Waffen an Entwicklungsländer; und
auf Abkommen über konventionelle Rüstungen und beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Europa.
Auf dem Gebiet der Begrenzung der strategischen Rüstungen sollten die Vereinigten Staaten jedoch nur solche Abkommen akzeptieren, die die Gesamtstärke
- 14 -

�1

Gesamtstärke ihrer interkontinentalen strategischen Streitkräfte nicht so
stark begrenzen, daß sie unter den für die Sowjetunion vorgesehenen Begrenzungen liegt.
Auf lange Sicht sollte die Weiterentwicklung noch umfassenderer wirtschaftlicher Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion beiden
Ländern wesentliche Vorteile bringen.

Die Sowjetunion hat jedoch versucht,

durch unfaire Handelspraktiken solche strategisch wichtigen Gebiete wie die
Handelsschiffahrt zu beherrschen.

Statt diesen Versuchen wirksam entgegenzu-

treten, hat die Nixon-Ford-Administration solchen Schritten wie der Subventionierung des amerikanisch-sowjetischen Handels durch Gewährung von Vorzugskrediten an die Sowjetunion aufgeschlossen gegenübergestanden.

Sie hat eine Aus-

weitung des Handels auf Grund einer kurzsichtigen Hoffnung gefördert, den Handel zur Modifizierung des politischen Verhaltens benutzen zu können, und sogar
wichtige amerikanische Energieinvestitionnen zum Faustpfand der sowjetischen
Politik gemacht. Wo bilaterale Handelsabkommen mit der Sowjetunion zu unserem
wirtschaftlichen Vorteil sind, sollten wir sie verfolgen, aber die Parole für
uns sollte sein: hartes Verhandeln und konkrete wirtschaftliche, politische
oder sonstige Vorteile für die USA.

Wir sollten die Sowjetunion ferner dazu

drängen, einen größeren Anteil der Verantwortung bei multilateralen Lösungen
für solche Probleme wie die Anlage ausreichender internationaler Getreidereserven zu übernehmen.
Unsere Haltung in der Frage der Menschenrechte und der politischen Freiheiten in der Sowjetunion ist wichtig für die Selbstachtung der Amerikaner und
unsere moralische Stellung in der Welt. Wir sollten die Sowjetunion ständig
- durch

Worte und durch unser Verhalten - daran erinnern, d?ß sie sich in

Helsinki der Freizügigkeit von Menschen und Ideen verpflichtet hat, und wie
beleidigend wir und andere freie Völker ihre Verletzungen der Menschenrechtsdeklaration der Vereinten Nationen empfinden.

Im Rahmen unserer Austausch-

programme der Regierung, der Technik, des Handels und der Kultur sowie sonstiger Austauschprojekte sollten wir die sowjetischen Führer drängen, ihre Gesellschaft einem echten Austausch von Menschen und Ideen zu öffnen.
Wir
- 15 -

�«

Wir dürfen nicht von der Annahme ausgehen, daß die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in ihrer Gesamtheit größer seien als die Summe ihrer
Teile; daß ein Abkommen besser sei als überhaupt nichts, oder daß wir als
Bittsteller wirksam verhandeln könnten. Wir müssen uns darüber klar sein,
daß unsere Festigkeit dazu beitragen kann, uns Achtung zu verschaffen und die
langfristigen Möglichkeiten für allen zum Vorteil gereichende, konkrete Abkommen zu verbessern.

Wir müssen uns vor der Ansicht hüten, daß die sowjetisch-

amerikanischen Beziehungen ein nahtloses Netz seien, in dem Konzessionen auf
einem Gebiet uns Vorteile auf anderen bringen werden.

Ferner müssen wir mit

unseren Mitteln haushalten, und uns auf das für uns Wichtigste konzentrieren.
Eine Entspannung muß militärisch wie auch politisch sein.
Was noch wichtiger ist, wir müssen uns darüber klar sein, daß der allgemeine Charakter unserer Außenpolitik nicht durch unsere direkten Beziehungen
zur Sowjetunion bestimmt wird und auch nicht werden darf.
und Freunde müssen zuerst kommen.

Unsere Verbündeten

Genausowenig darf die Verfolgung unserer

Interessen irgendwo auf der Welt durch die Sorge um die Ansichten der Sowjets
bestimmt werden.

Zum Beispiel sollte die amerikanische Politik gegenüber

China weiterhin auf dem Wunsch nach einer stetigen Verbesserung und Erweiterung basieren, gleichgültig welchen Verlauf und welche Richtung die chinesisch-sowjetischen Beziehungen einschlagen.
Vor allem aber müssen wir uns selbst und unseren Verbündeten gegenüber
offen, ehrlich, besonnen und geduldig handeln.

Wir müssen uns darüber im

Klaren sein, daß langfristig eine wirksame Politik gegenüber der Sowjetunion
nur auf ehrlichen Gesprächen und bis zu einem gewissen Maße auch auf internationaler Übereinstimmung basieren kann.

Unsere eigenen Institutionen, vor

allem der Kongreß, müssen konsultiert werden und zur Formulierung unserer
Politik beitragen.

Die Regierungen unserer Verbündeten und Freunde müssen zu

Partnern unserer Initiativen gemacht werden.

Übereilung und geheime bilate-

rale Regierungsvereinbarungen bei unseren Verhandlungen mit der Sowjetunion
können nur ein Klima der Unsicherheit und des Argwohns fördern, das die öffent
liehe Unterstützung untergräbt, die für wirksame und stabile internationale Be
Ziehungen notwendig ist.

Amerika
- 16 -

�Amerika in der Weltgemeinschaft
Zahlreiche der entscheidend wichtigen außenpolitischen Fragen, vor denen
wir stehen, erfordern globale Initiativen.

Aber wenn die Vereinigten Staaten

eine wirksame internationale Rolle spielen sollen, sc bedingt dies auch ein
wirksames Zusammenarbeiten mit den besonderen Interessen bestimmter anderer
Länder und Gebiete.

Der Prüfstein für unsere Politik müssen unsere eigenen

Interessen sein, was wiederum bedeutet, daß wir nicht versuchen und auch nicht
erwarten sollten, Ereignisse irgendwo auf der Welt zu kontrollieren.

Vielmehr

setzt eine kluge Verfolgung unserer Interessen voraus, daß wir uns darüber
klar sind, daß wir auch dort, wo unser Interesse groß und unser Engagement notwendig ist, nicht alleine handeln können, sondern nur in einem internationalen
Rahmen, wo andere ebenfalls Interessen und Zielsetzungen haben.
Wir können unseren nationalen Werten nur Ausdruck verleihen, wenn wir auch
weiterhin bei der Arbeit der Vereinten Nationen und deren Sonderorganisationen
eine starke Rolle spielen.
vertreten.

Dabei müssen wir unsere Standpunkte fest und positiv

Wir sollten eine große Anstrengung zur Reform und Neugestaltung

der Vereinten Nationen unternehmen.

Das Ausmaß der in gegenseitiger Beziehung

zueinander stehenden Probleme nimmt rasch zu, und die Fragen von Krieg und
Frieden werden immer mehr die Form wirtschaftlicher und sozialer Probleme und
nicht von militärischen Sicherheitsproblemen annehmen, die in den internationalen Bezeihungen seit 1945 dominieren.
Die heißen Debatten in der Vollversammlung sollten nicht den Wert unserer
Unterstützung von Initiativen der Vereinten Nationen zur Wahrung des Friedens
oder von Initiativen bei den immer komplexeren technischen und sozialen Problemen - wie Luftverschmutzung, Gesundheitswesen, wirtschaftliche Entwicklung
und Bevölkerungswachstum - verdunkeln, vor die sich die Völkergeireinschaft der
Welt gestellt sieht.

Aber wir müssen die Welt wissen lassen, daß antiamerika-

nische Polemik kein Ersatz für eine gesunde Politik ist und daß die Vereinten
Nationen durch lautstarke Worte oder blasphemische Resolutionen wie die, die
Zionismus und Rassismus gleichsetzt, geschwächt werden.
Eine
- 17 -

�Eine demokratische Administration sollte einen fairen und umfassenden Seerechtsvertrag anstreben, der ausgewogen den Interessen der Industriestaaten
und der Entwicklungsländer dient.

Europa
Die Länder Westeuropas sind zusammen mit Japan unsere engsten Verbündeten.
Abgesehen von unseren nächsten Nachbarn in dieser Hemisphäre sind dies die Gebiete, in denen unsere Interessen am stärksten mit denen anderer Länder verflochten sind.

Gleichzeitig lassen die wachsende wirtschaftliche und politische

Stärke Europas und Japans aber auch Gebiete des Konflikts und der Spannung in
den Beziehungen aufkommen, die beide Seiten eng und gesund halten müssen.
Bei den großen wirtschaftlichen Fragen - Handel, Energie, Beschäftigung,
internationale Finanzen, Ressourcen - müssen wir mit den Europäern und Japanern
sowie anderen Ländern im Hinblick auf unser langfristiges beiderseitiges Interesse an Stabilität und Wachstum sowie der wirtschaftlichen Entwicklung der ärmeren Länder zusammenarbeiten.
Die militärische Sicherheit Europas ist von grundlegender Bedeutung für
unsere eigene Sicherheit.

Aus diesem Grunde bleibt die NATO auch weiterhin

eine lebenswichtige Verpflichtung.

'-Mr sollten in Europa weiterhin einen

amerikanischen Beitrag zu den NATO-Streitkräften leisten, so daß diese ausreichen, um vor einem Angriff abzuschrecken oder einen solchen abzuschlagen,
ohne daß vorzeitig zu nuklearen Waffen gegriffen werden müßte.

Dies schließt

keineswegs mäßige Reduzierungen der Truppenstärken aus, soweit solche durch
eine größeren Schlagkraft möglich gemacht werden, und es erfordert unbedingt
eine grundlegende Reform und Überprüfung der Streitkräfte, Planungen und Dislozierungen der NATO.

Wir ermutigen unsere europäischen Verbündeten, ihren Anteil

an den Beiträgen zur NATO-Verteidigung zu erhöhen, sowohl an Truppen als auch
an Ausrüstungsmaterial.

Durch beiderseitige Abkommen oder durch Modernisie- 18 -

�Modernisierung ließen sich die vielen Tausend taktischen Nuklearwaffen in
Europa reduzieren, so daß Geld und Truppen eingespart und unsere eigene wie
auch die internationale Sicherheit erhöht werden.
Europa sieht sich gleich der übrigen Welt einer beträchtlichen politischen Herausforderung gegenüber. Wir können diesen Prozeß nicht kontrollieren. Wir können jedoch öffentlich bekanntgeben, daß wir Entwicklungen
den Vorzug geben, die im Einklang mit unseren Interessen und Prinzipien stehen. Im besonderen sollten wir die schnellstmögliche Ausweitung stabiler
demokratischer Institutionen in Spanien und ein Fortschreiten auf dem Wege
zur Demokratie in Portugal und Griechenland fördern, die sich einer autoritären Machtübernahme von links oder von rechts widersetzen. Wir können unsere Auffassung zu den Risiken und Gefahren einer Beteiligung der Kommunisten
an westeuropäischen Regierungen klarmachen, und gleichzeitig klarstellen, daß
wir auf einem weiten Gebiet nichtmilitärischer Fragen mit jeder legal konstituierten Regierung zusammenarbeiten werden, die bereit ist, uns gegenüber genauso zu handeln. Wir müssen ferner unsere Unterstützung einer ständigen Ausweitung und eines weiteren Zusammenschlusses der Institutionen der Europäischen
Gemeinschaft erneut bekräftigen.
Die Stimme der Vereinigten Staaten sollte in Nordirland gehört werden.
Sie richtet sich gegen Gewalt und Terror und gegen die Diskriminierung, Unterdrückung und Enteignung, die zu diesem Bürgerkrieg geführt haben, und sie tritt
für die Bemühungen der Parteien um eine friedliche Lösung für die Zukunft Nordirlands ein. Einschlägige Bündnisse wie die NATO und internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen müssen über das Interesse der Vereinigten
Staaten an der Position Irlands in der internationalen Völkergemeinschaft
klar und deutlich unterrichtet sein.
Wir müssen alles in unseren Kräften stehende tun, um im Einklang mit unserem Interesse an einer starken NATO in Südeuropa und der Stabilität im östlichen Mittelmeer eine faire Lösung des Zypernproblems zu fördern, das weiterhin Menschenleben fordert.
Naher
- 19 -

�Naher Osten
Wir werden uns weiterhin um einen gerechten und dauerhaften Frieden im
Nahen Osten bemühen.

Der Grundstein unserer Politik ist ein festes Bekennt-

nis zur Unabhängigkeit und Sicherheit des Staates Israel.

Diese besondere

Beziehung präjudiziert keineswegs bessere Beziehungen zu den übrigen Nationen
dieses Gebietes.

Ein wirklicher Friede im Nahen Osten wird es Israel und

seinen arabischen Nachbarn gestatten, ihre ganze Kraft der inneren Entwicklung
zuzuwenden, und wird die Gefahr eines weltweiten Konflikts beseitigen, der sich
aus den Spannungen dort entzündet.
Der Nahostkonflikt ist kompliziert, und ein realistisches, pragmatisches
Vorgehen ist notwendig ...

Asien
Wir bleiben eine pazifische Macht mit wichtigen Interessen und Zielen
in diesem Gebiet.

Aber der Vietnam-Krieg hat uns gezeigt, wie töricht es

ist, sich auf ein militärisches Engagement dort einzulassen, wo es nicht um
unsere lebenswichtigen Interessen geht.
Freundschaft und Zusammenarbeit bilden den Eckstein unserer Interessen
und Politik in bezug auf Asien.

Unser Eintreten für die Sicherheit Japans

ist entscheidend für unsere eigene Sicherheit und eine wichtige Voraussetzung
dafür, daß dieses Land eine konstruktive und friedliche Rolle in dem künftigen
Asien spielen kann ...
Wir bekräftigen erneut unsere Verpflichtung für die Sicherheit der Republik Korea - sowohl an sich als auch als Schlüssel für die Sicherheit Japans.
Wir können jedoch auf vorsichtiger und sorgfältig geplanter Basis die amerikanischen Landstreitkräfte redislozieren und allmählich zurücknehmen und können
- 20 -

�können die jetzt in Korea stationierten Kernwaffen abziehen, ohne diese Unterstützung zu gefährden, solange unsere taktischen Luft- und Seestreitkräfte
in diesem Gebiet stark bleiben.

Unsere anhaltende Entschlossenheit in diesem

Raum sollte nicht mißverstanden werden.

Wir bedauern jedoch die Verweigerung

der Menschenrechte in der Republik Korea, genauso wie wir die brutalen und
aggressiven Handlungen des Regimes in Nordkorea bedauern ...
Die Verbesserung der Beziehungen zu China in jüngster Zeit, die die Unterstützung beider großen politischen Parteien erhalten hatte, entspringt der erfreulichen Erkenntnis, daß es nur wenige Gebiete gibt, auf denen unsere Interessen mit denen Chinas aufeinanderprallen. Unsere Beziehungen zu China sollten
auf friedlichem Wege weiterentwickelt werden; dies schließt auch baldige
Schritte in Richtung auf eine Normalisierung der diplomatischen Beziehungen
im Zusammenhang mit einer friedlichen Lösung für die Zukunft Formosas ein ...

Lateinamerika
Wir sind uns der fundamentalen Bedeutung enger Beziehungen und der Verminderung der wirtschaftlichen Spannungen mit unseren kanadischen und mexikanischen Nachbarn bewußt.
In den letzten acht Jahren haben sich unsere Beziehungen zu Lateinamerika
verschlechtert, wobei man auf hoher Ebene indifferent blieb, die dominierende
Stellung der Militärs in den lateinamerikanischen Regierungen zunahm und die
starke amerikanische Einmischung in die Innenpolitik Chiles und anderer Länder
sichtbar wurde. Die Prinzipien einer Politik der guten Nachbarschaft und die
Allianz für den Fortschritt, in der wir uns zur Zusammenarbeit mit den Ländern der beiden Amerikas als Gleichberechtigte verpflichtet haben, sind auch
heute noch gültig, scheinen jedoch von der gegenwärtigen Regierung vergessen
worden zu sein.
Die
- 21 -

�&lt;

Die USA sollten auf den Gebieten des Handels, der Hilfe und der Investitionen eine Politik einschlagen, die auch Rohstoffabkommen und ein geeignetes
System von Handelspräferenzen einschließt...

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- 22

�a m e r i k a dienst
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17/1976

AUSZÜGE AUS DEM WAHLPROGRAMM DER REPUBLIKANISCHEN PARTEI
- Internationale Beziehungen und Verteidigung -

Allgemeines
Die Außenpolitik der Vereinigten Staaten definiert die Beziehungen, die
wir zur ganzen Welt, zu Freunden und Gegnern, anstreben. Unsere Politik muß
fest im Grundsatz verwurzelt sein und muß unsere Ziele klar zum Ausdruck
bringen. Unsere Grundsätze dürfen nicht nach vergänglichen Regungen ausgerichtet sein, sondern sie müssen wahr, stark,,folgerichtig und dauerhaft sein.
Wir treten für eine realistische und grundsatztreue Außenpolitik ein,
die auf die Erfordernisse der Nation für die kommenden Jahre ausgerichtet ist.
Die Politik, die wir verfolgen, bedarf eines informierten Konsensus; die Grundlage dieses Konsensus wird das amerikanische Volk sein, dessen höchster Wunsch
ist, in Freiheit und Frieden und sicher vor Krieg oder Kriegsdrohung zu leben.
Die Vereinigten Staaten sind eine Weltmacht mit weltweiten Interessen
und Verantwortlichkeiten. Wir treten für die Fortsetzung der Bemühungen um
eine Neubelebung unserer traditionellen Bündnisse und die Aufrechterhaltung
enger Konsultationen mit unseren Freunden ein. Internationale Zusammenarbeit
und Kollaboration sind notwendig, denn wir können weder unsere wichtigsten
Ziele noch unsere eigene Sicherheit in jener Art von "splendid Isolation" erreichen, die von so vielen lauten Stimmen gefordert wird.
Das
- 1-

�Das bedauerliche Auftreten des Neoisolationismus, wie er im Kongreß und
anderswo zum Ausdruck kommt, ist nach unserer Überzeugung einer gesunden
Außenpolitik abträglich.
Die Zweige der Regierung können und müssen zusammenarbeiten.
die notwendige Voraussetzung für eine gesunde Außenpolitik.

Das ist

Wir bedauern das

unbesonnene Eindringen eines Zweiges in die klaren verfassungsmäßigen Vorrechte eines anderen.

Mit so vielen Herausforderungen und Krisen konfrontiert,

müssen die Vereinigten Staaten wieder mit einer Stimme sprechen, vereint im
Geist und im Handeln.

Wir lehnen parteipolitische und ideologische Streitig-

keiten zwischen den Parteien ab und fordern die Demokratische Partei auf, mit
uns zusammen die Grundlagen für einen echten überparteilichen Geist zu schaffen.
Wollen wir doch mit einer Stimme für dieses Land sprechen, damit unsere Politik
von unseren Verbündeten und unseren potentiellen Gegnern nicht mißverstanden
wird.
Eine wirksame Politik muß auf Zusagen beruhen, die verstanden und befürwortet werden, und sie muß nach Prioritäten definiert werden.

So wie sich

die Welt in dynamischer Weise verändert hat, so haben sich auch unsere Prioritäten und Ziele geändert und unsere Methoden der Diskussion dieser Ziele.

Als

wir vor acht Jahren die Exekutive übernahmen, fanden wir den Apparat der nationalen Sicherheit und der Außenpolitik in Scherben.

Die Praxis bei Krisen war

eine Reaktion in letzter Minute.
Der Nationale Sicherheitsrat, unter Präsident Eisenhower so wirksam,
wurde praktisch nicht mehr benutzt.

Als erster wichtiger Schritt wurde der

Apparat des Nationalen Sicherheitsrats gestrafft, um mit den Problemen des
Augenblicks und der langfristigen Planung fertig werden zu können.

Die Wieder-

herstellung dieses Prozesses erlaubt wieder eine ausführliche Erörterung aller
Optionen, unter denen ein Präsident wählen muß.

Ganz anders als bei der Unter-

drückung der internen Debatte und der anderen Meinung, wie dies in der Vergangenheit praktiziert wurde, lädt die republikanische Führung heute zur Beurteillung komplexer Fragen in einem geordneten Entscheidungsprozeß ein und fördert
- 2 -

�fördert diesen Prozeß.
Die republikanische Führung hat auch Schritte unternommen, um umfassend
über ihre Außenpolitik und die Ziele der nationalen Sicherheit zu berichten.
Eine jährliche "Botschaft über die Lage der Welt" zur Stärkung der Kommunikation mit dem Volk und dem Kongreß ist zu einer ständigen Praxis des Präsidenten geworden.
Ein starkes und wirksames Programm weltweiter öffentlicher Diplomatie
ist eine lebenswichtige Komponente der amerikanischen Außenpolitik.

Im Zeit-

alter der unmittelbaren Unterrichtungsmöglichkeiten ist die Welt unendlich und
endgültig kleiner geworden, und wir müssen über die Fähigkeit verfügen, uns der
Welt mitzuteilen - zu informieren, zu erläutern und uns vor ungewollten oder
gewollten Verzerrungen der amerikanischen Politik zu schützen.
Die Interdependenz ist zu einem Faktum des internationalen Lebens geworden und stellt unsere Maßnahmen und unsere Politik in einen Zusammenhang mit
den Maßnahmen und der Politik der ganzen Welt.

Die Vereinigten Staaten sollten

anderen Nationen die Hand reichen, um diese Interdependenz zu bereichern.

Die

republikanische Führung hat demonstriert, daß die Anerkennung der Bindungen an
unsere Freunde in schöpferischer Weise unseren beiderseitigen Interessen dient
und die Chancen des Weltfriedens fördert.

Moral in der Außenpolitik
Das Ziel der republikanischen Außenpolitik ist die Erreichung von Freiheit unter dem Recht sowie ein gerechter und dauerhafter Frieden in der Welt.
Die Grundsätze, die uns leiten, um den Frieden zu erreichen und die Interessen
der Vereinigten Staaten zu schützen, müssen Ausdruck des wiederhergestellten
Vertrauens unseres Volkes sein.
Wir

�Wir begrüßen und würdigen jenes leuchtende Beispiel menschlichen Mutes
und menschlicher Moral, Alexander Solschenizyn, wegen seiner überzeugenden
Botschaft, daß wir die Welt ohne Illusionen hinsichtlich der Natur der Tyrannei sehen müssen.

Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die sich dies

ständig vor Augen hält.
Wir werden eine Außenpolitik verfolgen, die der Tatsache Rechnung trägt,
daß wir bei internationalen Verhandlungen keine unangebrachten Konzessionen
machen;

daß wir bei dem Streben nach Entspannung keine einseitigen Vorteile

nur in der Hoffnung gewähren, dafür zukünftige Vorteile zu erlangen.
Abkommen, die ausgehandelt werden - wie das in Helsinki unterzeichnete dürfen nicht denen, die keine Freiheit haben, die Hoffnung nehmen, diese eines
Tages zu gewinnen.
Und schließlich sind wir fest einer Außenpolitik verpflichtet, in der
geheime Abkommen, die unserem Volk vorenthalten werden, keinen Platz haben.
Ehrlich, offen und mit fester Oberzeugung werden wir als geeintes Volk
unseren Weg gehen, um einen dauerhaften Frieden in der Welt zu schaffen, der
sich auf unseren tiefen Glauben an die Menschenrechte, auf die Herrschaft
des Rechts sowie auf die lenkende Hand Gottes stützt.

Nationale Verteidigung
Eine erstklassige nationale Verteidigung ist die fundamentale Voraussetzung für ein sicheres Amerika sowie für Frieden und Freiheit in der Welt.
Militärische Stärke bietet den Weg zum Frieden.

Eine gesunde Außenpolitik muß

auf einer erstklassigen Verteidigungskapazität fußen, und beide müssen als
eine Abschreckung vor Aggression und als Mittel zur Unterstützung unserer nationalen Interessen angesehen werden.
Das

�Das amerikanische Volk erwartet, daß seine Führer eine nationale Verteidigungsposition garantieren, die keiner anderen unterlegen ist.

Es weiß,

daß die Pläne für unsere nationale Sicherheit ein gemeinsames Unterfangen
des Präsidenten und des Kongresses sein müssen.
des Parteienstreits sein.

Dies kann nicht Gegenstand

Und dies sollte auch nicht zum Spielball innenpo-

litischen und parteipolitischen Abenteurertums gemacht werden.
Eine Minimalgarantie zur Wahrung der Freiheit und zum Schutz vor Erpressung und Drohung erfordert - angesichts einer wachsenden sowjetischen
Militärmacht - eine Periode des anhaltenden Wachstums in unseren Verteidigungsanstrengungen. In konstanten Dollar ausgedrückt wird das gegenwärtige Verteidigungsbudget nur dem Verteidigungshaushalt von 1964 entsprechen - ein
Jahr, bevor eine demokratische Administration Amerika so tief in den Vietnamkrieg verwickelte. Im Jahre 1975 überstiegen die sowjetischen Verteidigungsprogramme die unsrigen an Investitionen um 85 Prozent, an Operationskosten um
25 Prozent und an Forschung und Entwicklung um 66 Prozent. Worum es geht, ist,
ob unsere Streitkräfte den zukünftigen Herausforderungen gewachsen sein werden.
Wir sagen, sie müssen es sein.
Für jeden für die Verteidigung ausgegebenen Dollar müssen wir ein Maximum
an Wert herausholen.

Zusammen mit der Aufhebung der Wehrpflicht und der

Schaffung einer Berufsstreitmacht aus Freiwilligen - unter einem republikanischen Präsidenten - haben wir den Personalbestand bei Versorgungseinheiten
reduziert, ohne daß dadurch unsere Grundposition beeinträchtigt wurde.
sind heute weniger Amerikaner in Uniform als im Herbst 1950.

Es

Wesentliche Ein-

sparungen wurden bei der Waffenbeschaffung gemacht, und wir werden weiterhin
im Hinblick auf unsere Verteidigungsgelder vorsichtig verfahren.
Unsere nationalen Verteidigungsanstrengungen werden weiterhin die Fortsetzung unseres wichtigen Modernisierungsprogramms für unsere strategischen
Raketen- und Bomberstreitkräfte, die Entwicklung einer neuen ballistischen
Interkontinentalrakete sowie einer neuen mit Raketen ausgerüsteten Unterseebootstreitmacht und eines modernen Bombers - B-l - einschließen, der in der

�der Lage ist, auch die modernste Luftverteidigung der achtziger Jahre zu
durchdringen.

Diese Elemente werden eine Abschreckung allererster Ordnung

darstellen.
Wir werden unsere Armee auf 16 Divisionen erhöhen, unsere Programme
für die Produktion neuer Panzer und anderer gepanzerter Fahrzeuge verstärken
und die Entwicklung neuer höchst zielgenauer Präzisionswaffen unterstützen.
Unsere Marine, der Garant der Freiheit der Meere, muß sich auf ein wesentliches Schiffsbauprogramm stützen können, wobei ein angemessenes Gleichgewicht
zwischen nuklearen und nicht-nuklearen Schiffen bestehen muß.

Die Zusammen-

setzung der Flotte muß auf einer realistischen Bewertung der Drohung beruhen,
der wir uns gegenübersehen, und muß sicherstellen, daß kein

Gegner die Über-

legenheit zur See gewinnt.
Ein wichtiges Modernisierungsprogramm für unsere taktischen Luftstreitkräfte ist in Angriff genommen worden.

Wir werden neue Jagd- und Auffang-

flugzeuge für die Luftstreitkräfte, die Marine und die Marineinfanterie benötigen.

Als notwendige Komponente unserer langfristigen Strategie werden

wir in zeitlich angemessener Weise den B-1-Bomber produzieren und dislozieren, was uns in den Stand setzt, die Überlegenheit in der Luft zu behalten.
Unsere Investitionen in die militärische Forschung und Entwicklung sind
von großer Bedeutung für unsere zukünftige Verteidigungskapazität.
nicht die entscheidende Schwungkraft einbüßen.

Wir dürfen

Bei der zunehmenden Kompliziertheit der Waffen betragen die Anlaufzeiten
für Waffensysteme oft ein Jahrzehnt, was sorgfältige Planung und kluge finanzielle Entscheidungen erforderlich macht.

Ein herausragendes Beispiel dieses

Prozesses ist die Entwicklung und Dislozierung der Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (Cruise Missile), die auf Grund modernster Leitsysteme eine hundertprozentige Präzision bieten und außerdem als Waffe überaus wirtschaftlich herzustellen ist.
Programme

�Programme zur Unterstützung der Sicherheit unserer Verbündeten sind für
diese wichtig, und wir werden auch in Zukunft deren Anstrengungen zur Selbstverteidigung fördern.

Die Verbesserung ihrer Fähigkeiten und Kapazität kann

dazu beitragen, daß das Gleichgewicht in der Welt sich nicht zu unseren Ungunsten verändert, und kann außerdem dazu dienen, daß die Möglichkeiten für
eine direkte Verwicklung der USA in fernliegende Konflikte verringert werden.
Als entscheidend wichtige Komponente unserer gesamten nationalen Sicherheitsposition müssen die Vereinigten Staaten über das beste Geheimdienstsystem
in der Welt verfügen. Die Effektivität unseres Geheimdienstsystems muß in
Übereinstimmung mit den von Präsident Ford eingeführten Reformen wiederhergestellt werden. Wir befürworten die Einführung einer unabhängigen Überwachungsfunktion seitens des Kongresses und werden uns allen parteipolitischen Bemühungen widersetzen, irgendeinen Teil unseres Geheimdienstsystems zu einem politischen Zankapfel zu machen. Wir werden jede Vorsichtsmaßnahme ergreifen,
um den Zusammenbruch der Sicherheitskontrollen bei sensitiven Geheimdienstinformationen zu verhindern, wodurch das Leben amerikanischer Regierungsvertreter im Ausland gefährdet oder die Fähigkeit des Präsidenten beeinträchtigt
werden könnte, unverzüglich zu handeln, wenn immer legitime außenpolitische
oder verteidigungspolitische Erfordernisse dies notwendig machen.

Die NATO und Europa
Die Grundlage einer stabilen und sicheren Welt ist die Aufrechterhaltung
unserer Bündnisse.

Die Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO), die

fast dreißig Jahre besteht, ist weiterhin gesund und lebensfähig.
Die Bedrohung unserer gemeinsamen Sicherheit durch eine totalitäre
Macht, die auf Expansion ausgerichtet ist, hat 15 Nationen zusammengebracht.
Der Ausdruck unseres kollektiven Widerstandswillens führte zur Schaffung und
Aufrechterhaltung einer militärischen Abschreckung, die trotz aller gelegent•

- 7 -

�gelegentlichen Belastungen unseren lebenswichtigen Interessen sehr gut gedient hat.

Die Bedrohung dauert heute weiter an.

Es ist uns gelungen, unsere Zusammenarbeit in der NATO auszuweiten, und
wir haben kühne neue Schritte in der wirtschaftlichen Zusammenarbeit mit unseren Partnern unternommen.

Angesichts einer ernsten Krise nach dem uns auf-

erlegten ölboykott haben wir bewiesen, daß es möglich ist, unser gemeinsames
Handeln mit anderen NATO-Partnern zu koordinieren.
Die wirtschaftliche Stärke Westeuropas ist bis zu dem Punkt gewachsen,
an dem unsere NATO-Partner jetzt einen größeren Anteil an der gemeinsamen Verteidigung übernehmen können.

Auf unser Drängen hin demonstrieren unsere Ver-

bündeten eine größere Bereitschaft, entsprechend zu handeln.

Es ist nicht an

der Zeit, eine einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa
zu empfehlen; wir werden jedoch eine ausgewogene Verringerung der Streitkräfte
in West- und in Osteuropa weiterhin anstreben; und zwar auf der Basis von Abkommen, die die Sicherheit des Bündnisses nicht in Frage stellen.
Zusammen mit unseren Bündnispartnern treten wir nachdrücklich für eine
starke NATO-Verteidigung auf der Basis der amerikanischen militärischen Präsenz ein, die lebenswichtig ist für die Verteidigung Westeuropas.
Einige unserer NATO-Verbündeten haben rasche und dynamische Veränderungen
erlebt.

Wir sind durch die Entwicklung auf der Iberischen Halbinsel ermutigt,

wo Portugal und Spanien heute mit einer vielversprechenden Zukunft rechnen
dürfen.

Wir sollten bald die Aufnahme Spaniens in die NATO überlegen.

Auf der anderen Seite würden wir mit Besorgnis jede politische Entwicklung
anderswo in Europa betrachten, die die Interessen der NATO aus dem Gleichgewicht
bringen würden.

Der Demokratie und der Freiheit wird am besten gedient, indem

wir sicherstellen, daß jene fundamentalen Rechte gewahrt bleiben und auf künftige Generationen ausgedehnt werden, die sich für die Freiheit entscheiden.
Das

�Das schwierige Zypern-Problem, das unsere Freunde Griechenland und die
Türkei trennt, sollte angepackt und von diesen beiden Ländern gelöst werden.
Die Ostflanke der NATO erfordert die Wiederherstellung der Zusammenarbeit
dort und schließlich wieder freundschaftliche Beziehungen zwischen diesen
beiden Ländern.
Die republikanische Führung hat die guten Beziehungen dieses Landes zu
der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft in einer Zeit wachsender Konkurrenz
und möglicher Störungen gestärkt. Wir werden die ausgezeichneten Beziehungen
zur EWG aufrechterhalten und weiter ausbauen.
Letztlich wird das NATO-Bündnis so wirksam sein wie der Wille und die
Entschlossenheit der USA wie auch der Verbündeten, es zu unterstützen. Die
Funktion der kollektiven Sicherheit ist die Abschreckung vor einem Krieg und,
wenn notwendig, die Kriege zu führen und zu gewinnen, die nicht verhütet werden konnten. Unsere Wachsamkeit ist besonders in Perioden des Nachlassens
der Spannungen mit unseren Gegnern erforderlich, weil wir es uns nicht erlauben können, Worte und Versprechungen für Taten zu nehmen. Wir sind entschlossen, daß das NATO-Bündnis nicht in ein falsches Gefühl der Sicherheit gewiegt
werden darf. Es kann und muß entschlossen handeln, wenn es gefordert wird ...

Die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen
Die amerikanische Außenpolitik muß auf einer realistischen Bewertung der
kommunistischen Bedrohung in der Welt fußen.

Es liegt auf der Hand, daß der

Bereich der Freiheit überall auf der Welt angesichts der kommunistischen Bedrohung auch weiterhin schrumpfen wird.

Seit 1917 arbeitete der totalitäre

Kommunismus mit dem Mittel der rohen Gewalt - nicht mit dem Mittel freier
Wahlen -, um einen ständig wachsenden wesentlichen Teil der Landmasse und der
Völker der Welt unter seine Herrschaft zu bringen.

So sind beispielsweise

erst kürzlich Südvietnam, Kambodscha und Laos unter die Kontrolle kommuni- 9 -

�kommunistischer Diktaturen gefallen, und in jenem Teil der Welt verstärkt
sich der kommunistische Druck gegen Thailand, die Republik China und die Republik Korea.

In Afrika haben kommunistische kubanische Truppen, ganz offen

unterstützt durch die Sowjetunion, erst kürzlich dem Volk von Angola eine
kommunistische Diktatur aufgezwungen.

Andere Länder in Afrika und in der

ganzen Welt erwartet ein ähnliches Schicksal - das sind die Realitäten der
Macht in der Welt in unserer Zeit.

Wenn die Außenpolitik der Vereinigten

Staaten von diesen Realitäten ausgeht, dann ist das ganz und gar gerechtfertigt.
Vor 30 Jahren befanden sich die Beziehungen zwischen den Vereinigten
Staaten und der Sowjetunion in einer Phase großer Schwierigkeiten, was zu
den Spannungen der Zeit des Kalten Krieges führte.

Obwohl es Veränderungen

in dieser entscheidend wichtigen Beziehung der Großmächte gegeben hat, bestehen weiterhin fundamentale und tiefgehende Differenzen zwischen uns.
Republikanische Präsidenten haben bei aller Erkenntnis der Tiefe der
Kluft, die unsere freie Gesellschaft von der sowjetischen Gesellschaft trennt,
methodisch versucht, die Gebiete unserer Beziehungen herauszufinden und zu
entwickeln, die dazu beitragen könnten, die Spannungen zu mildern und die Möglichkeiten eines unerwünschten Konfliktes zu verringern.
In einer Welt, die bedrängt wird durch unzählige Möglichkeiten für Unstimmigkeiten und bewaffnete Konflikte, ist die Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion von entscheidender Bedeutung;
ruhen die Hoffnungen der Welt auf Frieden.

auf ihr

Wir bieten eine Politik an, die

unsere fundamentale Stärke wahrt und unsere feste Entschlossenheit demonstriert, einen aggressiven Einsatz der sowjetischen Macht zu verhindern.
Die Rolle eines verantwortungsbewußten, mitarbeitenden Kongresses bei
der Wahrung dieser diplomatischen und militärischen Position ist entscheidend
wichtig für den Erfolg.

Die Vereinigten Staaten müssen ein loyaler und ver-

läßlicher Verbündeter bleiben und sie müssen bereit sein, den Willen zum Han- 10 -

�Handeln zu zeigen und zu beweisen.

Es kann nicht angehen, daß der Wider-

stand gegen eine offene Aggression wie im Falle der von sowjetischer Seite
unterstützten Intervention Kubas in Angola zum Gegenstand parteipolitischer
Debatten wird, und es kann auch nicht angehen, daß so etwas zu einem unwidersprochenen und etablierten Muster internationalen Verhaltens wird, wenn unsere Glaubwürdigkeit und unsere Abschreckungsstärke nicht entscheidend vermindert werden sollen.
Die sowjetische Militärmacht ist in den letzten Jahren rapide gewachsen;
und wenn wir auch ein militärisches Ungleichgewicht oder eine plötzliche Verschiebung des globalen Machtgleichgewichts verhindern werden, so werden wir
jedoch auch sorgfältig mit der Sowjetunion neue Wege sondieren, um die Spannungen abzubauen und zu beiderseitig nützlichen und durchsetzbaren Abkommen
auf allen Gebieten der internationalen Aktivität zu gelangen. Wichtige Schritte
sind bereits ergriffen worden, um die strategische Nuklearrüstung zu begrenzen.
Das übereinkommen von Wladiwostok vom November 1974 legte eine Begrenzung der
strategischen Streitkräfte sowohl der Vereinigten Staaten als auch der Sowjetunion fest.
Weitere Rüstungskontroll Verhandlungen dauern an.
den Preis werden wir nicht zustimmen.

Einem Abkommen um je-

Im Gegenteil, wir werden sicherstellen,

daß jedes Abkommen auch fundamentalen Nutzen für unsere nationale Sicherheit
mit sich bringt.
Ein Beispiel für unser hartes Verhandeln ist unser Erfolg beim Abschluß
von Abkommen zur Begrenzung der Stärke von unterirdischen Nuklearversuchen, der
wird es den Vereinigten Staaten zum ersten Male gestatten wird,Inspektionen in der
Sowjetunion an Ort und Stelle durchzuführen.
nach praktischen Maßstäben bewertet werden.

Dieser wichtige Schritt kann nun
Alle derartigen Abkommen müssen

die Bewährungsprobe der Verifizierung bestehen.

Ein Abkommen, daß diese Si-

cherung nicht bietet, ist schlechter als überhaupt kein Abkommen.
Wir
- 11 -

�Wir unterstützen die Konsolidierung gemeinsamer Anstrengungen mit unseren Verbündeten, die sicherstellen sollen, daß unsere Politiken hinsichtlich der Weitergabe von Technologie an die Sowjetunion und ihre Verbündeten
in Einklang miteinander stehen und daß Konsultationen geführt werden, um den
Verkauf solcher Technologie-intensiver Produkte an die Sowjetunion seitens
der Vereinigten Staaten und unserer Verbündeten zu verhindern, die direkt oder
indirekt unsere nationale Sicherheit gefährden.

Unser Handel auf nichtstrate-

gischen Gebieten schafft Arbeitsplätze hier in den USA, verbessert wesentlich
unsere Zahlungsbilanz-Position und kann zu einer Verbesserung des politischen
Klimas in der Welt beitragen.

Der Verkauf unserer Agrarprodukte nach Übersee

nützt den amerikanischen Farmern und Verbrauchern.

Zum Schutz vor jeder plötz-

lichen Änderung des einheimischen Preisgefüges als Folge unangekündigter Käufe
haben wir strikte Meldeverfahren sowie andere vertragliche Sicherungen geschaffen.

Wir werden keine Gefälligkeitsverkäufe landwirtschaftlicher Erzeugnisse

an die Sowjetunion zulassen, wie wir auch nicht zulassen werden, daß die
Sowjetunion oder andere durch irreguläre oder nicht voraussehbare Verkäufe
Einfluß auf unsere Agrarexporte nehmen.

Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion stehen weiterhin in einem ideologischen Wettstreit.

Wir schrecken vor einer solchen Herausforderung nicht

zurück; im Gegenteil, wir begrüßen die Möglichkeit,zu demonstrieren, daß unsere Lebensform von ihrer Natur her einer Reglementierung und einer von Regierungsseite aufgezwungenen Orthodoxie vorzuziehen ist.

Wir erwarten von der

Sowjetunion, daß sie die Menschenrechts-Deklaration der Vereinten Nationen sowie die Abkommen von Helsinki verwirklicht, die die Bedingungen für den freien
Austausch von Informationen und das Recht auf Auswanderung garantieren, wobei
die Auswanderung sowjetischer Juden, Christen, Moslems und anderer, die zu nahen Verwandten im Ausland reisen wollen, eingeschlossen ist.
In diesem Geist erwarten wir die Beendigung aller Formen von Behinderung,
einschließlich der Inhaftierung oder der Einberufung zum Militärdienst, die
darauf abzielen, eine Auswanderung zu verhindern.

Amerika muß eine feste Hal-

tung einnehmen, um eine Liberalisierung der Auswanderungspolitik in Ländern zu
- 12 -

�7

zu erreichen, die eine freie Auswanderung beschränken oder verhindern.

Re-

gierungen, die sich des Vertrauens ihrer Bevölkerung erfreuen, brauchen keine
Angst vor kultureller, intellektueller oder Pressefreiheit zu haben.
Unsere Unterstützung für die Völker Mittel- und Osteuropas, Selbstbestimmung zu erreichen, wird auch in Zukunft anhalten.

Ihre Fähigkeit, über

ihre Zukunft selbst zu entscheiden, ist von großer Bedeutung für den Frieden
und die Stabilität.

Wir befürworten wachsende Kontakte zwischen Ost- und

Westeuropa und unterstützen die wachsenden wirtschaftlichen Bindungen aller
europäischen Länder.

Wir unterstützen mit Nachdruck die Fortsetzung der Sen-

dungen der Stimme Amerikas, von Radio Free Europe und Radio Liberty mit angemessenen Mitteln.

Unsere Beziehungen zur Sowjetunion müssen von dem Grundsatz

strikter Gegenseitigkeit beherrscht werden.

Wir bringen unsere Besorgnis um

die Sicherheit unserer diplomatischen Vertreter in der Sowjetunion zum Ausdruck,
und wir bestehen darauf, daß Praktiken wie die gegen die amerikanische Botschaft
gerichtete Mikrowellenbestrahlung unverzüglich eingestellt werden.
Unsere Beziehungen zur Sowjetunion werden also von festen Prinzipien geleitet werden.

Wir werden unsere strategischen und konventionellen Streitkräfte

aufrechterhalten; wir werden uns gegen die Dislozierung sowjetischer Macht zu
einseitigen Vorteilen oder zu politischer und territorialer Expansion wenden;
wir werden niemals eine Verschiebung des strategischen Gleichgewichts

zu un-

serem Nachteil dulden; und wir werden gegenüber jedem Druck fest bleiben, während wir gleichzeitig unsere Bereitschaft zum Ausdruck bringen, auf der Basis
strikter Gegenseitigkeit auf neue Abkommen hinzuwirken, die zur Erreichung von
Frieden und Stabilität beitragen.

Die amerikanisch-chinesischen Beziehungen
Eine für die Zukunft Asiens und für die Welt bedeutsame Entwicklung trug
im Jahre 1972 ihre Früchte, als unsere Verbindungen mit der Volksrepublik China
- 13 -

�I

.-

China wiederhergestellt wurden.

Dieses Ereignis hat uns in den Stand gesetzt,

einen Dialog mit den Führern eines Viertels der Weltbevölkerung einzuleiten,
und es wurden Handelskanäle mit der Volksrepublik eröffnet, die für beide Seiten vorteilhaft sind.
Die Volksrepublik China kann und wird in weltpolitischen Fragen eine immer bedeutendere Rolle spielen.

Wir werden uns darum bemühen, daß sich die

Volksrepublik China an einem ständig weiter werdenden Netz von Kontakten und
Handelsbeziehungen beteiligt.

Ein solcher Prozeß kann sich realistischerweise

nicht in einem forcierten oder unvorsichtigen Tempo vollziehen; maßvolle, aber
ständige Weiterentwicklung unserer Beziehungen dient unseren Interessen am
besten.

Wir ignorieren keineswegs die profunden Unterschiede in unseren jewei-

ligen Auffassungen, Regierungseinrichtungen, Politiken und Ansichten über die
Freiheit des Einzelnen, und wir hoffen, daß die grundlegenden Menschenrechte
auf das chinesische Volk angewendet werden. Wirklich von Bedeutung ist, daß
wir reguläre Arbeitskanäle mit der Volksrepublik China eingerichtet haben und
daß dieser Vorgang einen wichtigen Beitrag zum Weltfrieden leisten kann.
Unsere freundlichen Beziehungen zu einer großen Macht sollten flicht als
Herausforderung irgendeiner anderen Nation ausgelegt werden, sei sie nun groß
oder klein. Die Regierung der Vereinigten Staaten, die sich um eine Normalisierung der Beziehungen zu China bemüht hat, wird auch weiterhin die Freiheit
und Unabhängigkeit unseres Freundes und Verbündenten, der Republik China und
ihrer 16 Millionen Menschen, unterstützen. Die Vereinigten Staaten werden ihre
Verpflichtungen gegenüber der Republik China, wie den gegenseitigen Verteidigungsvertrag, erfüllen und einhalten.

Die Länder Amerikas
Die Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den Ländern Amerikas sind von
lebenswichtiger und unmittelbarer Bedeutung.
- 14 -

Die Frage, wie wir unsere Ange-

�Angelegenheiten mit unseren Nachbarn im Norden und Süden regeln, wird auch
weiterhin vorrangig sein.
In den letzten Jahren wurde unsere Aufmerksamkeit gelegentlich auf entfernter gelegene Teile der Welt gelenkt.

Es gibt keine vernünftige Alterna-

tive für enge Beziehungen und Verständigung unter den Nationen dieser Hemisphäre.
Es ist an der Zeit, daß wir eine Reihe neuer Initiativen in unseren Beziehungen zu Kanada ergreifen.
wie auch umgekehrt.

Kanada ist unser wichtigster Handelspartner

Wir als Amerikaner empfinden ein tiefes Gefühl der Ver-

wandtschaft für unsere kanadischen Freunde, und wir haben ein großes Interesse an der Entwicklung engerer Beziehungen, die auf gegenseitigem Verständnis
und völliger Gleichheit basieren ...
Der gegenwärtige Vertrag über den Panama-Kanal bestimmt, daß die Vereinigten Staaten in der Kanalzone Jurisdiktionsrechte haben, als "seien sie der
Souverän." Die Vereinigten Staaten strebten immer danach, daß der PanamaKanal als internationaler Wasserweg für die Schiffe aller Nationen erhalten
bleibt. Der sichere Zugang wird durch Beziehungen gefördert, die die Respektierung von Amerikanern und Panamesen verlangen und den Menschen beider Länder
zugute kommen. In den Gesprächen mit Panama sollen die amerikanischen Unterhändler jedoch in keiner Weise irgendwelche Rechte, Machtbefugnisse, Autorität,
Jurisdiktionsterritorien oder Eigentum abtreten, schwächen, aufgeben, vertraglich einschränken oder transferieren, die zum Schutz und zur Sicherheit der Vereinigten Staaten und der gesamten westlichen Hemisphäre notwendig sind.
Wir bekräftigen unser Vertrauen in die Fähigkeit der Organisation Amerikanischer Staaten (OAS), die weiterhin ein wertvolles Instrument der inter-amerikanischen Konsultation bleibt.

Internationale
- 15 -

�I
Internationale Zusammenarbeit
Jahrzehntelang ist eine starke Unterstützung der internationalen Zusammenarbeit ein Kennzeichen der internationalen Politik der Vereinigten Staaten
gewesen.

Zwei republikanische Administrationen haben die Einrichtungen der

internationalen Zusammenarbeit nicht nur aus humanitärer Sorge für andere
unterstützt, sondern auch weil es den Interessen der Vereinigten Staaten dient,
ein gewissenhaftes Mitglied der Weltgemeinschaft zu sein.
Der politische Charakter der Vereinten Nationen ist kompliziert geworden.
Bei 144 souveränen Mitgliedern müssen sich die Vereinten Nationen mit Problemen
auseinandersetzen, die eine"so großen, manchmal schwerfälligen und nicht homogenen Körperschaft anhaften.

Wir sind bemüht, uns diesen Veränderungen im

Geiste freundlicher Anteilnahme anzupassen; wenn sich jedoch die Vereinten Nationen aus ideologischen oder anderen enggefaßten Gründen gegen die lebenswichtigen Interessen irgendeines ihrer Mitgliedstaaten stellen, dann sind die eigentlichen Grundsätze dieser Organisation gefährdet.

Die Vereinigten Staaten

wollen den Vereinten Nationen nichts diktieren, sie haben jedoch jedes Recht
zu erwarten und darauf zu bestehen, daß die Rechte aller Mitglieder auf das
sorgfältigste beachtet werden ...
Vor acht Jahren haben wir uns verpflichtet, Überschneidungen zu beseitigen
und die Auslandshilfeprogramme der Vereinigten Staaten auf einer mehr geschäftsmäßigen Basis durchzuführen.

Wir haben uns bemüht, diese Verpflichtungen zu

erfüllen.
Unsere Programme der wirtschaftlichen Unterstützung für das Ausland werden
jetzt in wirksamer Weise durchgeführt, wobei der Nachdruck darauf liegt, andern dabei zu helfen, sich selbst zu helfen: bei der Lebensmittel Produktion
und der landwirtschaftlichen Entwicklung, bei Gesundheitsprogrammen, einer gesunden Familienplanung und bei der Entwicklung menschlicher Ressourcen.
Wir
- 16 -

�Wir haben uns bemüht, andere - einschließlich der öl produzierenden Länder zu ermutigen, einen größeren Teil der Unterstützungslasten zu übernehmen.

Wir werden auch weiterhin bemüht sein, adäquate Finanzquellen für

wirtschaftliche Projekte in aufstrebenden Ländern sicherzustellen ...
Mit allem Nachdruck verurteilen wir illegale Zahlungen von Gesellschaften hier in den USA wie auch im Ausland.

Um illegale Zahlungen seitens

amerikanischer Gesellschaften zu Amtspersonen im Ausland auszuschließen,
unterstützen wir die Verabschiedung der von Präsident Ford vorgeschlagenen
Gesetzgebung und die OECD-Deklaration über Investitionen, die vernünftige
Leitlinien über das Verhalten der Wirtschaft beinhalten.
Die Ausweitung der zivilen Nukleartechnologie und die steigende Nachfrage
nach Kernenergie als Alternative zu den zunehmend kostspieliger werdenden
fossilen Brennstoffen machen es beide nötig, daß wir uns über die potentiellen
Gefahren klar werden, die mit solchen Entwicklungen verbunden sind.

Alle Na-

tionen müssen zusammenarbeiten, um sicherzustellen, daß Abkommen und Verträge,
die sich mit der nuklearen Technologie und mit nuklearen Exporten befassen,
sorgfältig überwacht werden.

Wir werden neue multilaterale, den Export der

sensitiven Nukleartechnologie betreffende Richtlinien ausarbeiten.
Die sich überstürzenden Ereignisse der letzten Jahre in der Weltwirtschaft stellten enorme Anforderungen an unsere Kreativität und unsere Fähigkeit, der Führungsrolle nachzukommen.

Wir sind aus dieser schwierigen Pe-

riode mit einer neuen Position in der Welt hervorgegangen, und wir haben einen gesunden Wiederaufschwung eingeleitet und zustandegebracht.
Um die Beständigkeit unserer Prosperität sicherzustellen, müssen wir mit
anderen zusammenarbeiten und dabei unsere Führungsrolle sowie die Lebenskraft
unserer Wirtschaft unter Beweis stellen.

Zusammen mit den demokratischen In-

dustrienationen müssen wir ein beständiges, nichtinflationäres Wachstum sichern,
das auf einer sich erweiternden internationalen Zusammenarbeit basiert.

Die
- 17 -

�I

•&gt;

Die republikanische Administration wird in vollem Umfange mitwirken,
um das internationale Handels- und Währungssystem zu stärken, das die Grundlage bildet für unsere Prosperität und die aller Nationen.
Wir werden hart verhandeln, um die Schranken, die ein offenes Wirtschaftssystem behindern, zu beseitigen, und wir werden uns neuen Handeisrestriktionen
widersetzen.

Wir werden auch weiterhin bei den in Genf stattfindenden Handels-

gesprächen mit Nachdruck die wirtschaftlichen Interessen unserer Nation vertreten, vor Protektionismus auf der Hut sein und darauf bestehen, daß die Prinzipien eines fairen Handels sorgfältig beachtet werden.

Wenn Industrien und Ar-

beitsplätze durch ausländische Konkurrenz nachteilig betroffen sind, wird im
Rahmen des Handelsgesetzes von 1974 Anpassungsunterstützung gewährt.

Dieses

Gesetz muß ständig überprüft werden, um sicherzustellen, daß es den sich ändernden Verhältnissen gerecht wird.
Die Republikanische Partei ist der Überzeugung, daß eine Zusammenarbeit
auf dem Gebiete der Energie unerläßlich ist für die internationale Stabilität.
Die meisten demokratischen Industrieländer und Entwicklungsländer sind in zunehmendem Maße von importiertem öl abhängig, was sie politisch, wirtschaftlich
und strategisch verwundbar macht.

Durch die Schaffung der Internationalen

Energieagentur sind Schritte zur Ausweitung der Zusammenarbeit der Verbraucher
ergriffen worden.

Wir werden auch den Dialog mit den ölförderländern fort-

setzen.
Wir werden weiterhin eng mit den Entwicklungsländern zusammenarbeiten,
um ihr wirtschaftliches Wachstum zu fördern. Diese Länder werden ermutigt
werden, in beiderseits nützliche Handelsbeziehungen mit uns einzutreten, die
zum Weltfrieden beitragen. Um dies zu erreichen, müssen wir das Vertrauen der
wichtigen Industrienationen bei Gesprächen mit den Entwicklungsländern stärken.
Es gibt keinen Grund für ein defensives Verhalten unsererseits; unsere gemeinsamen Aktiva können im Rahmen einer koordinierten Strategie eingesetzt werden,
um unseren Einfluß zur Geltung zu machen. Wir werden gegenüber Drohungen
oder einer Konfrontationspolitik nicht nachgeben.
Wenn
- 18 -

�\

Wenn wir auch verstärkte weltweite Investitionen in natürliche Hilfsquellen aller Art unterstützen, so werden wir doch die Ablösung des Mechanismus des freien Marktes durch Kartelle, Preisabsprachen oder Rohstoffabkommen
ablehnen.

Wir werden weiterhin eine Politik verfolgen, die den Verbrauchern

in freien Marktwirtschaften im Ausland garantiert, daß die Vereinigten Staaten
auch in Zukunft ein verläßlicher Lieferant landwirtschaftlicher Produkte bleiben.

Zusammenfassung
Das amerikanische Volk kann stolz sein auf die außenpolitischen Leistungen
unserer Nation während der vergangenen acht Jahre.
sind stark.

Wir leben in Frieden.

Wir

Wir bekräftigen die Bedeutung unserer Bindungen zu den Nationen

des amerikanischen Kontinents.

Unsere Beziehungen zu den Verbündeten in der

Atlantischen Gemeinschaft und zu Japan waren niemals zuvor enger.

Auf dem Wege

zu einer gerechten und dauerhaften Lösung im Nahen Osten sind bedeutsame Fortschritte erzielt worden.

Wir haben Verhandlungen und keine Konfrontation mit

unseren Gegnern angestrebt, während wir gleichzeitig unsere strategische Abschreckungsstärke gewahrt haben.

Der Aufschwung der Weltwirtschaft, angeführt

durch die Vereinigten Staaten, ermöglicht die Rückkehr zu wirtschaftlichem
Wachstum.
In diesem Jahr, da unsere Nation ihr 200jähriges Bestehen feiert, hat
das amerikanische Volk Vertrauen zu sich selbst und ist optimistisch hinsichtlich der Zukunft.

Wir, die Republikanische Partei, legen Ihnen mit Stolz un-

sere Bilanz und unser Wahlprogramm vor.

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17/1976

KEINE CHANCE FÜR SPLITTERPARTEIEN

- (AD) - Fast bei jeder Wahl in den Vereinigten Staaten haben neben der
Demokratischen Partei und der Republikanischen Partei auch andere, kleinere
Parteien Präsidentschaftskandidaten aufgestellt.

Seit 1860 brachten es diese

Parteien jedoch nur mit vier Ausnahmen auf zusammen mehr als zehn Prozent
der insgesamt abgegebenen Stimmen.

Generell kann man daher von einem Zwei-

parteiensystem sprechen.
Die Minderheitsparteien, oder sogenannten "Dritten Parteien",lassen sich
in zwei Kategorien einteilen.

Einmal gibt es die ideologisch gebundenen Par-

teien, die, offensichtlich mit geringem Erfolg, versuchen,die Öffentlichkeit
für ihre jeweilige Doktrin zu gewinnen.

Zu dieser Gruppe gehören unter an-

derem die Kommunistische Partei, die Sozialistische Partei (Socialist Party
(USA)), die beiden Sozialistischen Arbeiterparteien (Socialist Workers Party
und Socialist Labor Party) und die Liberale Partei (Libertarian Party).
Zur zweiten Kategorie gehören dip Parteien, die aus diesen oder jenen
Gründen von den beiden großen Parteien abgesplittert sind oder sich aus einem
regionalen oder nationalen Protest gegen sie gebildet haben.

Eine solche Partei

ist die Amerikanische Unabhängige Partei (American Independent Party), die
1968 von George Wallace gegründet wurde, der für die Rechte der Einzelstaaten
kämpfte, sowie die Amerikanische Arbeiterpartei (U.S. Labor Party), die mit

�mit großer Heftigkeit gegen sozialistische Gruppen kämpft.

Letztlich wäre

hier auch noch der nicht parteigebundene Wahl kämpf des früheren demokratischen
Senators und erfolglosen Bewerbers um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten im Jahre 1968, Eugene McCarthy»einzuordnen.
Man kann sagen, daß all diese Parteien und Kandidaten an der Peripherie
des politischen Lebens in den Vereinigten Staaten liegen, und die Chancen für
einen solchen "Außenseiter", in das Weiße Haus gewählt zu werden, sind verschwindend gering.
Der Kandidat der Sozialistischen Partei (USA), Norman Thomas, der sich
zwischen 1928 und 1948 sechs Mal zur Wahl stellte, erklärte den Mißerfolg so:
"Die Republikaner und die Demokraten haben mein Wahlprogramm gestohlen".
Dabei muß immer wieder darauf hingewiesen werden, daß die Wahlgesetze
von den Einzel Staaten erlassen werden

und die Voraussetzungen für die Zulas-

sung eines Kandidaten oder einer Partei von Staat zu Staat variieren.
Einheitlich geregelt ist dagegen die Sendezeit in Rundfunk und Fernsehen.
Eine Verordnung der Bundesfernmeldekommission bestimmt, daß Rundfunk- und Fernsehsender, die freie Sendezeit für Wahlsendungen zur Verfügung stellen, allen
Kandidaten - ob von einer großen oder einer kleinen Partei - die gleiche Sendezeit gewähren müssen.

Damit ist hier die Gleichheit der Chancen gewährt.

Auch

hinsichtlich der Finanzierung mit öffentlichen Mitteln haben alle Parteien die
gleiche Chance, wenn sie bei der
Gesamtstimmenzahl erreicht haben,

vorangegangenen Wahl mindestens 5 Prozent der
üa allerdings bei der Wahl 1972 keine der

Minderheitsparteien die Fünfprozentklausel erfüllte, erhalten bei den Wahlen
1976 nur die Demokratische Partei und die Republikanische Partei Zuschüsse aus
Bundesmitteln.

Falls jedoch eine der "Dritten Parteien" die Hürde der 5 Pro-

zent nehmen sollte, kann sie einen Antrag auf Rückerstattung von Wahl kampfkosten entsprechend ihres Stimmenanteils stellen.
Am Rande sei vermerkt, daß die älteste und am längsten bestehende "Dritte

�"Dritte Partei" die Prohibition Party ist.

Die Prohibitionisten formierten

sich im September 1869 in Chicago, als 500 Delegierte aus 20 Bundesstaaten
zusammenkamen.

Dabei hatten zum ersten Mal in der amerikanischen Politik

weibliche Delegierte die gleichen Rechte wie die männlichen.

Die Delegierten

beschlossen die Gründung einer Partei, die dann 1872 an den Wahlen teilnahm.
Zu dem Wahlprogramm gehörte schon damals die Forderung nach dem Frauenwahlrecht.

Während es zwar den Alkoholgegnern vor allem über Frauenorganisationen

gelang, ein Verbot der Herstellung und des Verkaufs alkoholischer Getränke in
zahlreichen Einzelstaaten durchzudrücken - und 1919 mit dem 18. Verfassungszusatz für die ganzen USA (was 14 Jahre später mit dem 21. Verfassungszusatz
wieder aufgehoben wurde) - so konnten die Prohibitionisten als Partei doch
nie über 2,2 Prozent der Wählerstimmen erringen.

Seit 1924 liegt der Durch-

schnitt sogar nur bei 0,2 Prozent.
Die "Dritten Parteien" werden im allgemeinen von bestimmten programmatischen Aussagen geprägt, wobei ihre Kandidaten selten über ihre engere
Umgebung hinaus bekannt werden. Aber gerade diese Möglichkeit, bestimmte
Anliegen vorzutragen und öffentlich für sie einzutreten, machen die Minderheitsparteien zu einer Bereicherung des politischen Lebens in den Vereinigten
Staaten, auch wenn sie, was die politische Macht anbetrifft, nur Randerscheinungen sind.

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17/1976

ABGASE VON OBERSCHALLFLUGZEUGEN
U.S. Behörde setzt Höchstwerte fest -

- (AD) - Für zivile Überschallflugzeuge (SST) hat die amerikanische
Umweltschutzbehörde EPA Abgashöchstwerte festgesetzt. Sie treten für
umgerüstete Triebwerke der CONCORDE und Motoren entsprechender Flugzeugtypen ab 1980 in Kraft. Sie gelten außerdem für Weiterentwicklungen von
Triebwerken für Überschallflugzeuge der "nächsten Generation", die ab
1984 zugelassen werden.
Im erstgenannten Fall müssen die Emissionen an Kohlenmonoxid um 58 Prozent
und an Kohlenwasserstoffen um 77 Prozent verringert werden,
während die Werte für Stickstoffoxide etwa gleich bleiben können. Die
zulässigen Höchstwerte für Rauchgase werden geringfügig reduziert. Bei
Motoren, die ab 1984 entwickelt und zugelassen werden, ist eine Verringerung der Emission an Kohlenmonoxid um mindestens 88 Prozent, an
Kohlenwasserstoffen um 94 Prozent und an Stickstoffoxiden um 44 Prozent
gegenüber den Emissionen erforderlich, die bei den gegenwärtigen C0NC0RDETriebwerken auftreten.
Die neuen Normwerte gelten in erster Linie für den Start- und Landebetrieb.

Sie sollen die Luftqualität im Bereich von Großflughäfen ver-

bessern helfen.

Die Untersuchungen der EPA zur Luftbelastung durch Trieb-

werksemissionen in der höheren Atmosphäre beim Langstreckenflug sind dagegen noch nicht abgeschlossen.

Die Behörde beabsichtigt, notfalls
zusätzliche

�zusätzliche Vorschriften zur Emissionskontrolle sowohl für Oberschallals auch für Unterschallflugzeuge einzuführen, falls sich dies zum
Schutz der Ozonschicht als notwendig erweisen sollte.

Zur Klärung dieser

Fragen führt die EPA gegenwärtig mit dem Bundesluftfahrtamt der USA (FAA)
ein gemeinsames Forschungsprogramm durch.
Nach dem "Gesetz zur Reinhaltung der Luft" sind hinsichtlich der
Inkraftsetzung und des Umfangs von höchstzulässigen Belastungsmengen der
Stand der gegenwärtigen und voraussehbaren künftigen Technik sowie die
Kosten für eine Umstellung innerhalb einer gewissen Entwicklungszeit zu
berücksichtigen.

Den jetzigen Berechnungen zufolge werden umgerüstete

SST-Triebwerke, die ab 1980 eingesetzt werden, noch immer die vierfache
Menge dessen an Abgasen emittieren, was von vergleichbarer. UnterschallTriebwerken zu erwarten ist, die bis zum Ende dieses Jahrzehnts den EPAVorschriften entsprechend modifiziert werden.

Deshalb empfiehlt die EPA,

"so früh wie möglich nach Aufnahme des kommerziellen SST-Liniendienstes
in den USA" die Abfertigung der Flugzeuge auf den Flughäfen zu ändern. •
Dazu gehöre beispielsweise, daß das Flugzeug nicht mit eigener Kraft vom
Flugsteig zur Startbahn rollt, sondern zun, Startplatz jeschleppt wird
und von dort aus ohne weitere Verzögerung starten könne.
Die Entwicklungskosten für die Industrie zum Umrüsten der Triebwerke
bis zum Jahr 1980 schätzt die EPA auf 10 Millionen Dollar. Infolge des
höheren Aufwandes für Wartung dürften auch die Betriebskosten geringfügig
steigen, nämlich um 5 Dollar pro Triebwerk und Stunde. Bis zum Inkrafttreten entsprechender Abgasvorschriften seitens der Internationalen
Organisation für den zivilen Flugverkehr gelten die amerikanischen Vorschriften auch für Flugzeuge, die im Ausland registriert sind und innerhalb der USA operieren.

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17/1976

INTERFERON GEGEN CHRONISCHE HEPATITIS

- (AD) - In den Kliniken der Stanford-Universität (Stanford, Kalifornien)

konnten bei Patienten mit chronischer Hepatitis, welche durch

den Erreger vom Typ B verursacht war, Erfolge durch eine Behandlung mit
Interferon erzielt werden. Interferon ist ein Protein, das vom Abwehrsystem des Organismus produziert wird, um die Ausbreitung von Virusinfektionen einzudämmen.

Die Gewinnung von Interferon ist jedoch noch sehr

schwierig und kostspielig.

Die einzige Quelle, die bisher zur Verfügung

steht, sind weiße menschliche Blutzellen; allerdings beginnt jetzt die
pharmazeutische Industrie damit, die Substanz in menschlichen Zellen zu
produzieren, die im Laboratorium gezüchtet werden.

Die Stanford-Wissenschaftler, deren Versuche mit Zuschüssen des Nationalen Institutes für Allergie- und Infektionskrankheiten (NIAID in
Bethesda, Maryland) durchgeführt wurden, verweisen darauf, daß das erzielte
günstige Ergebnis vorläufigen Charakter habe und die Erprobung von Interferon fortgesetzt werden müsse.

Der Forschergruppe gehören u. a. Prof.

C. Merigan, Prof. William S. Robinson, Dr. Harry Greenberg und Dr. Peter
Gregory an.

Es wurden vier Patienten mit verschiedenen Infektionsgraden

(Hepatitis-Virus Typ B) für die Behandlung ausgewählt.

Vor Beginn war

nachgewiesen, daß das Blut jedes Patienten sog. Dane-Partikel enthielt, die
nach den heutigen Erkenntnissen das komplette Hepatitis-B-Virus enthalten.
Dr. Robinson hatte einen Test entwickelt, mit dem ihre Anwesenheit im Blut
gemessen
- 1 -

�gemessen werden kann.
Es zeigte sich- daß bei kurzzeitiger Interferongabe (über eine Woche)
der Anteil der Dane-Partikel zwar merklich absank, nach Absetzen der
Therapie aber wieder auf den früheren Stand anstieg.

Bei länger-

fristiger Behandlung dagegen (einen Monat oder länger) blieb ihr Spiegel
auch später niedrig oder die Partikel waren überhaupt nicht mehr nachzuweisen.

Nach Meinung der Wissenschaftler scheint Interferon die

Produktion von Dane-Partikeln zu unterdrücken. Jedoch sei der Nachweis
noch nicht erbracht, daß die beobachteten Effekte bedeuteten, die vom
Patienten ausgehende Ansteckungsgefahr wirlich eindämmen oder eine
chronische Infektion endgültig beseitigen zu können.

Zunächst wird

das Serum der Patienten, bei denen keine Dane-Partikel mehr nachzuweisen
sind, immer wieder daraufhin geprüft, ob es dennoch Hepatitis auslösen
kann.
Hepatitis-Viren verursachen Leberentzündung. Während das Virus vom
Typ A mit dem epidemischen Auftreten von Gelbsucht in Zusammenhang gebracht
wird, ist eine Hepatitis nach einer Bluttransfusion oder einer Injektion bei
Verwendung nicht ausreichend sterilisierter Nadeln meist vom Virustyp B
verursacht. In den USA sind gegenwärtig mehr als eine Million Menschen
von dieser Infektion betroffen. Etwa 10 Prozent der Infizierten tragen
ihr Leben lang die Erreger in Leber und Blut. Dennoch fühlen sich viele
keineswegs krank. Sie wissen oft gar nicht, daß sie infiziert sind und
können andere Personen anstecken. Bei diesen brauchen nicht in jedem Fall
Krankheitssymptome aufzutreten - ein Umstand, der die Virus-Hepatitis B so
gefährlich macht und die Medizin veranlaßt, neue Wege für eine wirksame
Behandlung zu suchen.
Das Interferon für die an der Stanford-Universität durchgeführte Studie
wurde von dem oben genannten Institut (NIAID) zur Verfügung gestellt.

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�</text>
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