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Dokumentation

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14

4. August 1976

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL
Jimmy Carter: Vom Erdnußfarmer zum Präsidentschaftskandidaten
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir
Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst

INFORMATION
Internationale Textilmaschinenmesse in USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Überraschungen vom Mars
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre
Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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14/1976

JIMMY CARTER: VOM ERDNUSSFARMER ZUM PRÄSIDENTSCHAFTSKANDIDATEN
- Person und Werdegang Von Hugh 0. Muir

WASHINGTON - (AD) - Am 13. Dezember 1974 kam Jimmy Carter - in den
letzten Wochen seiner vierjährigen Amtszeit als Gouverneur des Staates
Georgia - nach Washington, um eine Pressekonferenz abzuhalten. Vor einer
kleinen Gruppe von Freunden und Reportern gab er seinen Entschluß bekannt,
für das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten zu kandidieren. Ein
im politischen Leben - außer im tiefen Süden der USA - praktisch Unbekannter
sprach jene heute weltweit bekannten Worte: "Mein Name ist Jimmy Carter,
und ich bewerbe mich um das Amt des Präsidenten ... Ich bin Farmer, Ingenieur,
Geschäftsmann, Planer, Wissenschaftler, Gouverneur und Christ."
Carter selbst erklärte einmal in einem Interview, daß er niemals einem
amerikanischen Präsidenten persönlich begegnet sei, ehe er Gouverneur von
Georgia wurde. "Die einzige Ausnahme war Harry Truman," so sagte er, "den
ich 1952 bei der Kiellegung der USS-Nautilus, des ersten amerikanischen Atomunterseeboots, in New London sah. Ich war Leutnant, der für Admiral Rickover
arbeitete."
"Für mich war die Präsidentschaft stets ein ganz erhabenes und sehr verehrungswürdiges Amt.

Das ist es immer noch!

Aber nachdem ich Gouverneur

�Gouverneur geworden war, traf ich mit Leuten zusammen, die entweder Präsident waren oder es zu werden hofften - Richard Nixon, Agnew.McGovern, Wallace,
Reagan, Rockefell er, Muskie - und ich fühlte mich keinem von ihnen unterlegen.
Ich bin überzeugt, daß ich genau so geeignet bin zum Präsidenten wie einer
von ihnen."
Jimmy Carter hat sich zum ersten Mal im Jahre 1962, als 37jähriger, um
ein politisches Amt beworben, nachdem er als Sohn eines Erdnußfarmers in der
Nähe von Plains im Staate Georgia aufgewachsen war, als Offizier in der
amerikanischen Marine gedient hatte und anschließend den im Familienbesitz befindlichen Farmbetrieb geleitet hatte.

Er kandidierte für den Senat des

Staates Georgia und konzentrierte seinen Wahl kämpf vor allem auf den ländlichen Bezirk im Südosten Georgias, in dem seine Familie seit 200 Jahren ansässig war.

Sein Gegenkandidat, ein Vertreter des politischen Establishments

gewann die Wahl mit buchstäblich einer "Handvoll" Stimmen.

Carter schöpfte

Verdacht, weil in einem Bezirk, dessen Stimmenmehrheit gegen ihn entschied,
in der Wahlurne 422 abgegebene Stimmen gezählt wurden, obwohl nur 333 Stimmzettel ausgegeben worden waren.

Carter beauftragte damals einen bewährten

Anwalt aus Atlanta, Charles Kirbo, mit der Untersuchung des Falles.

Er ge-

wann, und eine Neuwahl wurde angesetzt, bei der er mit 1500 Stimmen Mehrheit
siegte.

Kirbo ist seither der engste politische Berater Jimmy Carters.

Nach zweijähriger Amtszeit im Senat von Georgia wurde der Posten des
Staatsgouverneurs auf Grund einer Erkrankung des damaligen Gouverneurs vakant,
und Carter bewarb sich um die Nominierung für diesen Posten bei seiner Partei.
Trotz intensiver Kampagne, die er und seine ganze Familie führten, verlor er
als ein selbst in Georgia praktisch Unbekannter gegen Lester Maddox, der zum
Gouverneur gewählt wurde,
"Diese ganze Erfahrung," so schrieb Carter später,"war für mich eine
tiefe Enttäuschung.
loren.

Ich hatte Riesenschulden und 20 Pfund an Gewicht ver-

Ich wartete etwa einen Monat und begann dann erneut, mich um den

Gouverneursposten zu bemühen ... Diesmal wollte ich nicht wieder verlieren."
Er

�f

Er nutzte die vier Jahre bis zur nächsten Wahl, um seinen Heimatstaat
nach allen Richtungen zu bereisen und sich eine politische Basis zu schaffen.
Dabei vernachlässigte er keineswegs das eigene Familienuntern^hmen.
ser Zeit entwickelte er auch starke religiöse Impulse.

In die-

Er hatte schon seit

seinem 18. Lebensjahr an seiner Heimatkirche, einer Gemeinde der Southern
Baptists (Südliche Baptisten), wann immer er Zeit hatte, an der Sonntagsschule gelehrt.
Carter, dem vorgeworfen wurde, er habe seine Freunde unter den Ahängern
der Rassentrennung, versuchte 1964 die Rassentrennung in seiner Kirchengemeinde aufzuheben, die einzigen sechs Stimmen für die Aufhebung kamen jedoch
von seiner Familie. Die Southern Baptists Church praktiziert übrigens heute
noch die Rassentrennung. Carter nahm auch zweimal, 1968 und 1969,an Evangelisierungskampagnen seiner Kirche in Pennsylvania und Massachusetts teil:
"Mein kirchliches Leben gewann immer stärkere Bedeutung für mich' , so sagt er
heute. Er führte lange Gespräche mit seiner Schwester Ruth, die sich als
Evangelistin ganz in den Dienst ihrer Kirche gestellt hatte. Als sie ihn einmal fragte, ob er für seinen Glauben alles aufgeben würde, bejahte er zunächst,
räumte dann aber nach langem Nachdenken ein, daß er die Politik nicht aufgeben
würde.
Welche Intensität seine politische Betätigung erreichte, wird aus der
Tatsache deutlich, daß er in den vier Jahren bis zur Gouverneurswahl 1970 rund
1800 Reden hielt und mit seiner Frau Rosalynn - mit der er sich den Staat für
die Wahlkampagne aufgeteilt hatte.so diß sie meist getrennt auftraten - rund
600 000 Menschen die Hand schüttelten. Sein Gegner war ein populärer früherer
Gouverneur, Carl Sanders, der als liberal galt. Kritiker warfen Carter vor,
seine Anhängerschaft unter Konservativen und Anhängern der Rassentrennung zu
finden. Er hält dem entgegen, daß er sich stark um die schwarzen Wähler bemüht und zwar bei den Vorwahlen nicht sehr gut abgeschnitten,aber bei den Wahlen im Herbst (1970) die Mehrheit der Schwarzen für sich gewonnen habe.
Und dieses mal gewann er,und mit seiner Amtsantrittsrede ließ er nicht
nur die Einwohner des Staates Georgia aufhorchen, sondern verschaffte sich zum
- 3 -

�zum ersten Mal in ganz Amerika Gehör, als er erklärte:
unsere Bevölkerung so gut wie jeder andere.

"Ich glaube, ich kenne

Auf Grund dieser meiner Kennt-

nis ... sage ich Ihnen ganz offen, daß die Zeit der rassischen Diskriminierung
vorbei ist ... Kein armer, ländlicher, schwacher oder schwarzer Mensch sollte
jemals die zusätzliche Last tragen müssen, der Bildungschancen, eines Arbeitsplatzes oder der Gerechtigkeit schlechthin beraubt zu sein."
Die Presse machte Gouverneur Carter nach dieser Rede zu einem Vertreter
des "Neuen Südens",und er kam auf das Titelblatt eines großen Nachrichtenmagazins.

Er selbst bemerkte dazu:

solches Aufheben machen.

"Ich weiß nicht, warum die Leute darüber ein

All das habe ich schon den ganzen Sommer gesagt."

Während der vier Jahre seiner Amtszeit (die Verfassung des Staates Georgia
läßt nur eine Amtsperiode zu) legte er seinen besonderen Stolz in die Reorganisation der einzelstaatlichen Regierung.

Er faßte rund 300 Behörden in etwa

zwei Dutzend zusammen, führte eine Gefängnisreform durch, machte den Haushalt
übersichtlich und bot weitgehend Schwarzen Zugang zu den einzelstaatlichen Behörden,

Er prallte nicht selten mit der gesetzgebenden Körperschaft seines

Staates (Landesparlament) zusammen und erwarb sich den Ruf, daß er die Zügel
fest, wenn nicht gar zu fest, in der Hand hielte. Aber der Großteil seines
Programms wurde verabschiedet.
Während seiner Amtszeit als Gouverneur unternahm Carter auch zwei große
Auslandsreisen, die ersten, wenn man von seiner Zeit bei der Marine absieht.
An der Spitze einer Handelsmission seines Staates besuchte er im April 1972
Mexiko, Kolumbien, Brasilien und Costa Rica.

Im Mai nächsten Jahres folgte

eine Europareise, die ihn durch zahlreiche Städte führte, darunter London, Bonn,
Köln, Düsseldorf, Heidelberg, Berlin und Brüssel.

An diese Reise schloß sich

ein mehrtägiger Aufenthalt in Israel an.
Das Jahr 1972 brachte auch ein starkes Engagement in der amerikanischen
Innenpolitik.

Er nahm an Konferenzen der 50 Staatsgouverneure teil und wurde

von Aspiranten auf die Präsidentschaft, wie Hubert Humphrey, Edmund Muskie,
- 4 -

�r

Muskie, George McGovern und Henry Jackson umworben.

Auf dem demokratischen

Parteikor.vent 1972 wandte er sich gegen die Nominierung von McGovern und
setzte sich für Jackson ein.

"Ich begann das Amt des Präsidenten immer mensch-

licher und nicht unter historischen Aspekten zu sehen", so sagte er später.
Nach den Wahlen 1972 zog er sich an seinen Heimatort Plains zurück und
besuchte seine kranke Mutter.
du machen, wenn du
später erzählte:

Eines Abends fragte sie ihn:

nicht mehr Gouverneur bist?"

"Jimmy, was wirst

Seine Antwort war, wie sie

"Ich werde mich um das Amt des Präsidenten bewerben".

"Prä-

sident von was?", war ihre verblüffte Frage.
In den Jahren 1973 und 1974 schuf Carter die Grundlage für einen bundesweiten Wahlkampf.

Als Vorsitzender des Wahlkampfausschusses der Demokratischen

Partei für die Kongrefiwahlen 1974 (die sogenannten Zwischenwahlen zwischen den
Präsidentschaftswahlen) bereiste er das ganze Land, um seine Partei zu stärken
und zu reorganisieren.

Vor allen Dingen ging es ihm darum, die Scharte des

zweimaligen Verlustes des Präsidentenantes an die Pxepublikaner auszuwetzen.
Im Dezember 1S74 gab er dann, wie eingangs berichtet, seine Absicht bekannt,
sich um die Präsidentschaft zu bewerben.
Carter nutzte das Jahr 1975, um die Vereinigten Staaten intensiv zu bereisen und sich eine politische Organisation aufzubauen.

Unterstützt wurde

er von einem jungen Mann, Jody Powell, öer zum Pressesekretär avancierte.
Im Mai 1975 stattete er auch Japan einen Besuch ab.
Als im Januar 1976 der Prozeß der Nominierung der Delegierten für den
Parteikonvent begann - mit Vorwahlen und Nominierungsversammlungen in den einzelnen Staaten - war Carter bereit.
James Earl Carter Jr. wurde am 1. Oktober 1924 in Plains im Staate Georgia
als ältester von zwei Söhnen und zwei Töchtern des James Earl Carter sr. geboren.

Seinen amtlichen Vornamen benutzte weder er noch sonst jemand; er war

"Earl" oder "Jimmy" und das ist bis auf den heutigen Tag so geblieben und wird
- 5 -

�wird voraussichtlich auch so bleiben.

Auch als Gouverneur unterzeichnete

er mit "Jimmy Carter",und daran will er auch als Präsident festhalten, wenn
er gewählt wird.
Er wuchs in einer kleinen Gemeinde drei Meilen östlich von Plains auf,
die Archery heißt und aus etwa 30 verstreuten Familien besteht, davon bis
auf zwei alles Schwarze.
der Familie aufwuchs.

Jimmy war die fünfte Generation, die auf der Farm

Bäuerliches Leben hieß morgens um vier Uhr aufstehen,

die Maultiere einspannen, bei der Ernte helfen, zu Fuß in die Schule gehen
- und spielen in der freien Natur - seine Spielgefährten waren alle Schwarze.
"Wir jagten, fischten, gingen auf Entdeckung, arbeiteten, bauten Baumhäuser, sammelten wilden Honig, ritten und spielten Karten", so erinnert er
sich.

"Wir haben Zuckerrohr gemahlen, Syrup gekocht, mit Maultieren gepflügt,

Melonen eingemacht, Gänse gerupft, Schafe geschert, Baumwolle gepflückt, Kühe
gemolken, Zäune geflickt, Hühner gefüttert, Haferflocken gepreßt und Baumwollbau en geschnürt".

All das spielte sich auf dem staubigen roten Lehmbo-

den an den beiden Flüßchen Choctawatchee und Kinchatoonee ab.

"Aber wenn es

zur Kirche oder zur Schule ging", so berichtete Carter erst kürzlich, "dann
trennten sich unsere Wege, und wir verstanden eigentlich nicht warum.

Unser

Leben wurde von unausgesprochenen, ungeschriebenen aber mächtigen Gesetzen
beherrscht, die praktisch nie in Frage gestellt wurden."
Eine Person, die diese Gesetze in Frage stellte, war seine Mutter, modern, liberal und unabhängig, die als ausgebildete Krankenschwester allen
half,ob schwarz oder weiß. "Miss Lillian", wie sie von Freunden und Bekannten
heute noch genannt wird, meldete sich mit 67 Jahren zum amerikanischen Friedenskorps und arbeitete zwei Jahre als Krankenschwester in Indien.
Jimmy Carter war der erste der Familie, der eine College-Ausbildung erstrebte.

Beeinflußt durch einen Onkel, der bei der Marine gewesen war, durch

seinen Vater, der eine Schwäche für das Militär hatte und im Ersten Weltkrieg
Leutnant gewesen war, und nicht zuletzt im Hinblick auf die hohen Ausbildungs-

�Ausbildungskosten auf einem privaten College bewarb er sich bei der Marineakademie in Annapolis.

1942 nahm er sein vorbereitetes Studium an der Tech-

nischen Hochschule von Georgia auf und wurde 1943 zur Marineakademie zugelassen.

Die Marine war für die nächsten zehn Jahre sein Leben.
Neben der sehr umfangreichen und harten Ausbildung leistete sich Kadett

Carter als einzigen Luxus Spanisch als Fremdsprache - die er heute noch beherrscht.

Er spielte in der Football-Mannschaft und war ein guter Langläufer.

Sein Jahrgang erhielt auf einem alten Schlachtschiff in der Karibischen
See 1945 die praktische Ausbildung.

An Bord wurden sie über den Einsatz der

ersten Atombombe durch Präsident Truman und dann einige Tage später über das
Kriegsende unterrichtet.

Ein Jahr später wurde er zum Leutnant z. See beför-

dert.
Es folgten zwei Jahre Routinedienst,und 1948 meldete er sich zu den UBooten, wo er vier Jahre Dienst tat.

Ein entscheidender Abschnitt seines

Lebens war 1952 die Bewerbung zu dem neuen - umstrittenen - AtomunterseebootProgramm unter der Leitung von Admiral Hyman Rickover.

Das Gespräch mit Rickover,

bei dem er sich meldete, hat einen tiefen Eindruck bei Carter hinterlassen und
wird heute noch zitiert.

Rickover, so berichtet Carter, überließ ihm die Wahl

der Themen, die er behandeln wolle, und er wählte Dinge, von denen er glaubte,
sie seien ihm vertraut - nur um herauszufinden, daß Rickover weit besser Bescheid wußte.

Und als Carter schließlich voller Stolz erklärte, daß er auf

der Akademie unter 820 Kadetten immerhin als 59. abgeschnitten habe, fragte
Rickover:

"Haben Sie immer Ihr Bestes geaeben?", und Carter mußte nach langem

Nachdenken bekennen:

"No, Sir!"

Und die einzige Antwort Rickovers war:

"Warum nicht?"
"Warum nicht das Beste?" wurde so zum geflügelten Wort in der Wahlkampagne Carters und zum Titel seiner Autobiographie "Why not the Best?".
Carter besuchte Sender!ohrgänge für Reaktortechnik und Kernphysik und
- 7 -

�t

und war als Technischer Offizier für das zweite Atom-U-Boot der USA, die
Seawolf, vorgesehen.

Doch nach einem Jahr trat ein Ereignis ein, das seinen

Lebensweg völlig änderte.

Sein Vater erkrankte an Krebs und starb.

Nach reiflicher Überlegung - und "den ersten ernsthaften Auseinandersetzungen in meiner Ehe" - gab er sein Offizierspatent zruück und zog mit seiner
Frau und seinen drei kleinen Söhnen nach Plains, um zuhause den Familienbetrieb zu übernehmen.
In dem Jahrzehnt zwischen seiner Rückkehr nach Plains und seinem ersten
politischen Amt als Senator in Georgia modernisierte Carter die Farm und das
Erdnußgeschäft, er betätigte sich im kommunalen Bereich, etwa im Schulausschuß,
aber er trat eigentlich nicht hervor.

Als im Jahre 1954 die Rassentrennung

an öffentlichen Schulen durch das Oberste Bundesgericht als verfassungswidrig
verboten wurde, kam es als Reaktion im Süden der USA zur Gründung zahlreicher
"Weißer Bürgerräte" für die Einrichtung von Privatschulen.
zu den wenigen, die sich weigerten, beizutreten.

Carter gehörte

Ein daraufhin seinem Unter-

nehmen angedrohter Boykott schlug jedoch fehl, und das Schulproblem begann
mit der Zeit an Bedeutung zu verlieren.
Im Jahre 1962 übernahm Carters elf Jahre jüngerer Bruder, Billy, die
Leitung des Farmbetriebs und Jimmy Carter konnte sich ganz auf seine politische Karriere konzentrieren.
In den Jahren seiner politischen Tätigkeit wuchs seine Familie heran
- seine drei Söhne - John William, 29 Jahre, James Earl III (genannt "Chip"),
26 Jahre, und Jeffrey, 24 Jahre, sind alle verheiratet; in der Familie des
ältesten Sohnes wurde der erste Enkel geboren, der heute einjährige Jason.
Als später Nachkömmling in der Familie sorgt die heute achtjährige Tochter
Amy, ein strohblonder kleiner Wildfang und bekannt als Besitzerin eines vielbesuchten Limonadenstandes in Plains, für Leben und Frohsinn in der Carterfamilie. Die Carters feierten 1976 ihren 30jährigen Hochzeitstag - Rosalynn,
seine Frau, die selbst in der fünften Generation in Georgia ansässig ist, war
- 8 -

�war Jimmy Carter in Plains während ,ei .er Ausbildung an der Marineakademie
von Annapolis begegnet und ein Jahr darauf wurde geheiratet.
Als Carter im Januar 1976 sich offiziell um die Stimmen der Delegierten
für den Parteikonvent der Demokraten bewarb, galt er als einer der sechs
stärksten Kandidaten für die Nominierung seiner Partei.

Politische Beobachter

allerdings sahen in ihm eher den wahrscheinlichsten Kandidaten für eine Nominierung als Vizepräsident, da sein Status als Gemäßigter des "tiefen Südens"
eine hervorragende Kombination ergeben würde.

Von Anfang an aber erwies er

sich als weitaus mehr als nur ein regionaler Kandidat, nachdem er in der ersten
Nominierungsversammlung im Staate Iowa die Mehrheit gewann und auch bei den
ersten Vorwahlen im Staate New Hampshire sich als überlegen erwies. Als er
in Florida seinen ebenfalls aus dem Süden kommenden Konkurrenten, George
Wallace, schlug, wurde ganz Amerika auf ihn aufmerksam und er erreichte einen
Vorsprung in der Zahl der Delegiertenstimmen, den er immer weiter ausbauen
konnte.

Sein Hauptrivale der liberalen Seite, Morris Udall, konnte sich gegen

ihn nicht behaupten und sein anderer größter Rivale der konservativen Seite,
Henry Jackson, wurde von ihm in Pennsylvania entscheidend geschlagen.

Das

späte Eingreifen der beiden Liberalen Frank Church und Edmund Brown in die
Nominierungskampagne konnten seinen Siegeszug zwar etwas aufhalten.aber dank
seiner starken Organisation nicht mehr entscheidend beeinflussen.
Mit dem Sieg in Ohio am letzten Tag der Vorwahlen stieg die Zahl seiner
Delegiertenstimmen auf 1091, vierhundert weniger als für die Nominierung erforderlich. Sein Rivale, Morris Udall, der auf dem zweiten Platz lag, hatte
nur 313 Stimmen und innerhalb von 48 Stunden wurden unter der Führung von
Illinois so viele bisher noch nicht festgelegte Stimmen für Carter abgegeben,
daß seine Nominierung gesichert war.
Der Höhepunkt für den 51jährigen ehemaligen Gouverneur und Erdnußfarmer
war erreicht, als er am 15. Juli in New York das Podium des Demokratischen
Parteikonvents betrat und unter dem jubelnden Applaus der 20 000 in der Halle
Versammelten die traditionelle Ansprache zur Annahme der Nominierung hielt.
Er
- 9 -

�Er begann sie mit den gleichen Worten, die er vor 580 Tagen, am Anfang
seines Wahlkampfes, gesprochen hatte: "Mein Name ist Jimmy Carter und ich
bewerbe mich um das Amt des Präsidenten."

- 10 -

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14/1976

DIE KONTINUITÄT IM ÖFFENTLICHEN DIENST DER USA
- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel Von J. Douglas Hoff
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- (AD) - Ein Regierungswechsel in den Vereinigten Staaten, den die Neuwahl eines Präsidenten häufig mit sich bringt, hat keineswegs Massenentlassungen im Staatsdienst zur Folge, wie dies vielfach unter Hinweis auf das
amerikanische Patronage-System - das Recht der in den Wahlen siegreichen Partei, gewisse Ämter neu zu besetzen - angenommen wird.

Was geschieht tatsäch-

lich, wenn der neue Präsident der anderen als der bisherigen Regierungspartei
angehört?
Nach den Wahlen von 1968, in denen das amerikanische Volk nach acht
Jahren demokratischer Administration einen Republikaner in das Weiße Haus
wählte, schieden noch nicht einmal 5000 hohe Regierungsbeamte - weniger als
0,2 Prozent der Gesamtzahl von 2,8 Millionen Bundesbediensteten - auf Grund
des Wahlausgangs aus dem Amt. Dabei handelte es sich ausschließlich um sogenannte "politische Beamte" - Minister und Leiter der Selbständigen Bundesbehörden sowie deren engste Mitarbeiter. Hierzu gehören die Stellvertreter dieser Amtsstellenleiter, Staatssekretäre, Unterstaatssekretäre, politische Berater und persönliche Assistenten und Referenten sowie die Botschafter, die
als persönliche Repräsentanten des Präsidenten einem neuen Präsidenten ihren
- 1 -

�1

I
ihren Rücktritt anzubieten pflegen.
Die Ämterpatronage hat im amerikanischen Regierungssystem einen festen
Platz.

Die Berufung von politischen Beamten - im Gegensatz zu Karrierebeamten -

in die höchsten Staatsämter bietet die Gewähr, daß sich die Männer und Frauen
in den Spitzenpositionen persönlich für ihre politischen Entscheidungen sowie
deren Durchführung durch die ihnen nachgeordneten Karrierebeamten verantwortlich fühlen - und hierfür auch verantwortlich gemacht werden können.
Die politischen Beamten gehören nicht zum Stammpersonal der Regierung,
das seine Dienstobliegenheiten unabhängig davon ausübt, wer jeweils als politischer Beamter die Richtlinienseiner Tätigkeit festlegt.

Den Karrierebeamten

obliegt mithin die Durchführung der Entscheidungen, die die politischen Beamten getroffen haben.

Sie sind es, die für die kontinuierliche Durchführung der

Regierungsprogramme Sorge tragen.
Sollte am 20. Januar 1977 ein neuer Präsident in das Weiße Haus einziehen,
brauchen die Bundesbediensteten insgesamt nicht zu befürchten, daß ihnen der
Regierungswechsel die Kündigung ins Haus bringen könnte - auch dann nicht, wenn
sie eine andere politische Meinung vertreten als der neue Präsident. Ihre Anstellungsbedingungen regeln sich nach zwei Gesetzen, die ihnen Schutz vor Entlassungen aus politischen Gründen gewähren: das Gesetz über den Bundesdienst
von 1883 und das Gesetz zur Regelung der politischen Betätigung der Bundesbediensteten aus dem Jahre 1939. Diesen Gesetzen zufolge haben Bundesbedienstete
das Recht auf Ausübung ihrer politischen Rechte, d.h. des Rechts, einer politischen Partei anzugehören, des Wahlrechts und des Rechts der freien Meinungsäußerung. Sie sind lediglich gehalten, sich nicht aktiv an der Parteiarbeit
zu beteiligen.
Das Verbot einer aktiven politischen Betätigung der Bundesbediensteten
ist Teil des "merit System", der in der Tradition und im Gesetz von 1883 verankerten Verpflichtung aller Bundesbehörden, Stellenbewerber auf Grund ihrer
persönlichen Qualifikationen und Eignung, nicht aber auf Grund ihrer Parteizu- 2 -

�Parteizugehörigkeit zu bewerten.

Dieses Gesetz soll sicherstellen, daß

erstens offene Stellen mit dem jeweils bestqualifizierten Bewerber besetzt
werden, daß zweitens alle Bewerber gleicher Qualifikation und Eignung die
gleiche Chance haben und daß drittens die Kontinuität im Staatsdienst auch
in Zeiten eines Administrationswechsels voll erhalten bleibt.
Unabhängig davon, ob die nächste Regierung also von einem Republikaner
oder einem Demokraten gebildet werden wird, dürften höchstens 6000 politische
Beamte ausgewechselt werden. Massenentlassungen in irgend einem Ministerium
oder in einer oberen Bundesbehörde wird es nicht geben. Der Präsident genießt natürlich das Vorrecht, Männer seines Vertrauens in die höchsten Regierungsstellen zu berufen - das sind schätzungsweise 1500 Männer und Frauen,
die der Präsident nach der Verfassung oder nach gesetzlichen Vorschriften nominiert und mit Zustimmung des Senats ernennt sowie deren engste Mitarbeiter,
die diese sich auswählen dürfen.

- 3 -

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INTERNATIONALE TEXTILMASCHINENMESSE IN USA
Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)

- (AD) - Die amerikanische Textilmaschinenindustrie rüstet sich für die
nächste, im Zweijahres-Turnus abgehaltene internationale Ausstellung, die
vom 21. - 29. Oktober 1976 wieder in Greenville im Bundesstaat South Carolina
stattfindet. Mehr als 200 Firmen aus den Vereinigten Staaten und Dutzende
weiterer führender Herstellerfirmen aus 31 anderen Ländern präsentieren die
neuesten Versionen von Textilmaschinen und Zubehörausrüstungen, die der Markt
zu bieten hat.
Ein herausragendes Merkmal des amerikanischen Angebots ist u.a. eine
große technische Flexibilität, die es ermöglicht, ein- und dieselbe Maschine
zur Herstellung der verschiedensten Gewebearten zu verwenden. Nie zuvor wurden
in den USA so viele und verschiedenartige Webmaschinen neben Strick-, Färbund Druckmaschinen gezeigt. Darüber hinaus werden auf der bevorstehenden
Messe die neuesten Finish-Verfahren für Webmaterialien und Gewebe demonstriert.
Die amerikanische Textilmaschinenindustrie hat sich in ihren Entwicklungsprojekten auf energiesparende Maschinen konzentriert, um so die rapide steigenden
Kosten für Betriebsstoffe und Strom abzufangen. Aber auch die Reduzierung des
Wasserverbrauchs beim Fabrikationsprozeß, der Schadstoffe in Abwässern und
des Lärms in Textilfabriken waren Ziele, die mit den neuen Ausrüstungen er- 1 -

�erreicht werden sollten.
Das US-Handelsministerium richtete bereits Sonderbüros zur Betreuung
der ausländischen Aussteller und Besucher ein.

Die ersten drei Ausstellungs-

tage sind führenden Vertretern von Industrie, Geschäftswelt und Fachmedien
aus dem Ausland sowie Vertretern des diplomatischen Corps reserviert.

Der

Gouverneur des Bundesstaates South Carolina, James B. Edwards, wird bei dem
Empfang am 22. Oktober, mit dem die Sonderausstellung im County Museum von
Greenville über die"Textilmanufaktur als erste große Industrie Amerikas" eröffnet wird, persönlich die Repräsentanten der auf der Messe vertretenen Firmen des In- und Auslandes als Ehrengäste begrüßen.

Vor zwei Jahren beherberg-

te die Stadt Greenville Messebesucher aus 68 Ländern.

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14/1976

ÜBERRASCHUNGEN VOM MARS
Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre

- (AD) - Die Szenerie ist inzwischen vertraut: Eine Landschaft mit
orangerotem Boden, darauf verstreut lebhaft gefärbte Steinbrocken. Ein
Plateau am fernen Horizont. In der Nähe der Landesonde VIKING 1 eine Kette
von Hügeln, zwei davon übersät mit Felsen, die vielleicht aus unsichtbaren
Kratern jenseits der Hügelkette ausgeworfen wurden. Eine nahe Sanddüne,
gekrönt von einem schwarzen Felsen, erscheint unwirklich, wie in das Bild
hineingezeichnet.
•

Am späten Nachmittag beginnt der Wind von Osten zu wehen. Aber es ist
eher eine Brise, 20 km/st werden kaum überschritten. Gegen Mitternacht wird
es windstill. Später gerät die Luft wieder in Bewegung. Jetzt kommt der
Wind von Süden und Südwesten. Gelegentlich auftretende Böen erreichen
60 km/st - aber kein Vergleich in dieser Sommerszeit zu den schweren Stürmen
im Frühjahr und Herbst mit Windgeschwindigkeiten von Hunderten von Kilometern pro Stunde.
Nachts wechselt der Wind öfter die Richtung - dann nämlich, wenn sich
die Luft infolge der Kälte verdichtet und an den Abhängen zur Talsohle gleitet.

Denn in der Nacht wird es bitterkalt, mit Temperaturen um minus 85 Grad

Celsius.

Bis zum Nachmittag steigen die Werte wieder an, derzeit bis minus

�minus 29 Grad Celsius an der VIKING-Wetterstation 1,6 m über dem Boden.
Ganz unten ist es ein bißchen wärmer.
Den schwarzen Himmel färbt die Sonne am Morgen für ganz kurze Zeit
blaugrau, wie er auch uns Erdenbewohnern in der Morgendämmerung vertraut
ist.

Dann nimmt aber rasch die rosa-lachsrote Färbung überhand, an die man

sich in Pasadena inzwischen gewöhnt hat.

"Wir hätten es uns eigentlich den-

ken können", räumte Prof. Carl Sagan (Cornell-Universität) nach der Panne
mit der ersten Farbbildauswertung ein, in der von einem "blauen Marshimmel"
die Rede war.

Die Färbung wird durch rötlichen Staub in der überaus dünnen

Atmosphäre erzeugt; der Staub absorbiert blaues Licht und streut rotes Licht
von der Sonne.
Sechs verschiedene Gesteinsarten werden bereits in der Umgebung des
Landegeräts im Chryse-Becken unterschieden. Und der Boden ist tatsächlich
rot - ein tiefes rostiges Rot, wie man es auf der Erde findet, wo Wasser,
Luft und Mineralien zusammengewirkt haben. Die Farbe des Bodens läßt vermuten, daß der Mars einst ein ganz anderes Klima hatte - und viel fließendes
Wasser dazu. Heute befindet er sich nach Meinung von Dr. Tobias Owen
(Staatsuniversität New York) in einer Eiszeit. Der Planet ist kalt. Die
Oberflächentemepraturen sind viel zu niedrig, als daß sich nennenswerte
Mengen von flüssigem Wasser halten könnten. Große Mengen scheinen verdampft
und entwichen, weitere im Dauerfrostboden unter der Oberfläche gebunden zu
sein.
Die riesigen Strombetten, die durch Fluten ausgewaschen wurden, könnten,
so Dr. Harold Masursky, gut eine Milliarde Jahre alt sein. Aber kleinere
Flußbetten und "Zuflüsse" sind möglicherweise erst durch Regenfälle in den
letzten 100 Millionen Jahren entstanden. Auffällig die glatten Ränder des
sauber gezogenen ersten Grabens, den der Arbeitsarm des Roboters produziert
hat. Der Graben ist 17 cm lang, 6,3 cm breit und 5 cm tief. Das Ganze "sieht
aus wie nasser Sand", sagte Dr. Robert Hargraves (Princeton-Universität).
"Wir wissen natürlich, daß es kein nasser Sand sein kann. Dafür ist es viel
- 2 -

�viel zu kalt.

Aber irgendetwas hält die Sandkörnchen zusammen."

zugrundeliegt, muß erst noch herausgefunden werden.

Was dem

Die ersten 7 ccm, etwa

einen Teelöffel voll, erhielt das Biolabor, wo die Probe auf drei Experimente
verteilt wurde.

"Das Material ist jetzt am Kochen", verkündete Leonard Clark,

der die Probennahme überwacht, erleichtert.

Unter "Kochen" sind die chemischen

und Temperaturbehandlungen in fünf bis 11 Tagen zu verstehen, die bei den biologischen Untersuchungen für den ersten Durchgang gebraucht werden.

Ergeb-

nisse sind kaum vor dem 10. August zu erwarten.
Nur ein Kubikzentimeter Bodenmaterial ist für die molekulare Analyse mit
dem Gaschromatographen und Massenspektrometer (GCMS) erforderlich, bei der
nach organischen und anorganischen Verbindungen in der Oberflächenschicht geforscht wird. Das Gerät wird außerdem dazu benutzt, die Zusammensetzung der
Marsluft in Oberflächennähe zu bestimmen und mögliche Veränderungen im Verlauf
der Jahreszeiten aufzuspüren.
Zur großen Überraschung der Wissenschaftler weist die Atmosphäre in Bodennähe fast 3 Prozent Stickstoff auf, außerdem etwa 2 Prozent Argon neben
95 Prozent Kohlendioxid. Stickstoff und Argon sind Produkte aus dem Planeteninnern, die durch Ausgasung in die Atmosphäre gelangten. Angesichts der geringeren Gravitationskraft und des überaus schwachen Magnetfeldes des Planeten
Mars dürften diese Gase nach Ansicht von Dr. Michael McElroy (Harvard-Universität) zu einem großen Teil in den Weltraum entwichen sein. "Ich war von dem
hohen Stickstoffanteil überrascht", erklärte er. Die Ergebnisse der VIKINGMessungen von Isotopen der Elemente Stickstoff und Sauerstoff will Dr. McElroy
benutzen, um zu berechnen, wieviel Gas aus dem Planeteninnern kam - und entwichen ist.
Die Anwesenheit von Stickstoff erhärtet die Vermutung, daß der Mars in
vieler Hinsicht Bedingungen aufweist, die jenen auf der Erde ähnlich sind oder
zumindest ähnlich waren - im Hinblick auf das bei wahrscheinlich günstigerem
Klima und dichterer Atmosphäre ehedem vorhandene Wasser könnten diese Bedingungen auch für die Entwicklung von Leben günstig gewesen sein.
Einen

�Einen überraschend hohen Sauerstoffgehalt weist eine der inzwischen
untersuchten Bodenproben auf, Jedoch wollen die Wissenschaftler gerade dieses
Ergebnis noch "sehr sorgfältig prüfen".

Eisen, Silizium, Aluminium, Calzium,

Rubidium, Strontium und Zirkon wurden mit dem Röntgen-Fluoreszenzspektrometer
bereits'identifiziert,, Aber die Untersuchungen mit diesem Gerät, die der anorganischen Chemie unter Marsbedingungen gelten, sind gerade erst angelaufen.
Um schlüssige Aussagen machen zu können, sind noch viele Analysen erforderlich,
Die Kameras des Landeroboters überwachen jede einzelne Probenentnahme, so daß
die Wissenschaftler in Pasadena genau wissen, wo im Umkreis von mehr als 3 m
die jeweils analysierte Mars-"Erde" gelegen hat„
.

+ + + + +

.

�* amerika dienst
United
53

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14/1976

VORSTUFE ZUM MODULIERBAREN HOCHLEISTUNGSLASER
Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität

1

- (AD) - Eine Physikergruppe der Stanford-Universität konnte experimentell die These von Prof. John M.J. Madey bestätigen, daß es möglich sein müsse,
Lichtstrahlen mit Energie von einem Elektronenstrahl in einem Magnetfeld zu
verstärken. Darüber hinaus wiesen die Wissenschaftler nach, daß durch Variieren der Energie des Elektronenstrahls die Frequenz der Lichtwelle verändert
und so moduliert werden kann, daß eine Abstimmung auf die Schwingungen angeregter Atome in allen Arten von Materie möglich wird.
Ein nach diesen Prinzipien arbeitender Laser würde die Isotopentrennung
außerordentlich vereinfachen und die industrielle Anwendung photochemischer
Reaktionen in der Verfahrenstechnik erlauben.

So wäre es denkbar, durch die

Abstimmung des Laserstrahls auf die Frequenzen verschiedener Elemente in einer
Verbindung chemische

Reaktionen in Gang zu setzen, durch die völlig neuartige

Materialien erzeugt werden können.

Mit den heute angewandten Methoden sind sol-

che Reaktionen nicht durchzuführen.
Die Experimente demonstrierten die Möglichkeit zur Herstellung einer
neuen Klasse von Lasern.

Sie wurden mit dem neuen Elektronenbeschleuniger

des Instituts für Hochenergiephysik der Stanford-Universität durchgeführt,
der als erstes Gerät dieser Art in der Welt die Supraleitfähigkeit bei der
Magnetfelderzeugung nutzt.

Zur Lichtverstärkung schicken die Wissenschaftler

�Wissenschaftler den Lichtstrahl zusammen mit einem Elektronenstrahl durch
ein 5,16 m langes Kupferrohr, das mit einer supraleitfähigen Spule umwickelt
ist.

Auf dem Weg durch das im Hochvakuum gehaltene Rohr wurde die Energie

des Lichtstrahls um 7 Prozent gesteigert.
Die Forschergruppe, der u.a. die Professoren William M. Fairbank und
H. Alan Schwettman sowie Dr. Luis R. Elias und Dr. Todd I. Smith als Assistenten angehören, plant nunmehr die Installierung eines Wechsel feidmagneten
innerhalb eines "Speicherrings" mit Spiegeln an beiden Magnetenden.

Wie bei

herkömmlichen Lasern würde das zwischen den zwei Spiegeln reflektierte Licht
jedesmal beim Durchgang durch das Magnetfeld mit dem Elektronenstrahl verstärkt.
Speicherringe werden seit langem in der Hochenergiephysik für Elektronen aus
einem Beschleuniger benutzt.

Die Teilchen bewegen sich nahezu mit Lichtge-

schwindigkeit in einem Hochvakuumrohr, wobei sie durch Magnetkraft "auf Kurs"
gehalten werden.
Prof. Madey schätzt, daß ein Speicherring mit einem Elektronenstrahl von
1 Ampere und 240 Millionen Volt einen Laserstrahl von 100 000 Watt erzeugen
könnte.

Zwar gibt es bereits Laser noch höherer Energie (sie wurden mit ho-

hem Kostenaufwand gebaut); sie können jedoch nicht moduliert werden.

Zur Ver-

stärkung von Laserstrahlen wurden bisher Feststoffe, Flüssigkeiten oder Gase,
d.h. Moleküle und Atome, benutzt.
Den Wissenschaftlern der Stanford-Universität gelang als ersten die
Lichtverstärkung mit Elektronen im Höchstvakuum. Mit Hilfe des Elektronenstrahls kann nach Ansicht der Wissenschaftler Strahlung bei jeder Wellenlänge verstärkt werden - Strahlung der Frequenz von 10 Micron (zehntausendstel
Millimeter) im Infrarotteil des Spektrums bis über den Bereich des sichtbaren
Lichts hinaus. Bereits existierende modulierbare Laser erreichen nicht annähernd die hohe Leistung, die für photochemische Verfahren im großtechnischen Stil oder andere Aufgaben in Verbindung mit dem Einsatz von Speicherring-Lasern notwendig ist.
Jedoch

�Jedoch seien, so Prof. Madey, noch wichtige Probleme zu lösen, bis
diese neuartigen Laser anwendungsreif sind.

Vor allem müsse sichergestellt

werden, daß beim Betrieb der Elektronenstrahl erhalten bleibt, und die speziell entwickelten optischen Elemente - Linsen, Fenster und Spiegel - den
hohen Belastungen gewachsen sind.

+ + + + +

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Jimmy Carter: Vom Erdnussfarmer zum Präsidentschaftskandidaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Person und Werdegang -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Hugh O. Muir&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Kontinuität im öffentlichen Dienst der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Geringe Auswirkungen bei Regierungswechsel -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von J. Douglas Hoff&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Bundesamt für den zivilen Regierungsdienst&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Internationale Textilmaschinenmesse in USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vom 21. - 29. Oktober 1976 in Greenville (South Carolina)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Überraschungen vom Mars&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Viel Sauerstoff im Boden, Stickstoff in der Atmosphäre&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Vorstufe zum modulierbaren Hochleistungslaser&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Erfolgreiche Versuche an der Stanford-Universität&lt;/em&gt;</text>
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