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9. Juni 1976

Nummer 10

Inhalt
DOKUMENTATION:
Gemeinsame Erklärung Kissingers und Simons zu UNCTAD IV

WIRTSCHAFT:
Das internationale Gipfeltreffen in Puerto Rico
- Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses •

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Herausforderung des Westens unter veränderten strategischen
Bedingungen
Von General Alexander Haig, Jr.
Unternehmungsgeist, Know-How, Weltoffenheit
- Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung

U m Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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10/1976

GEMEINSAME ERKLÄRUNG KISSINGERS UND SIMONS ZU UNCTAD IV

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
und der amerikanische Finanzminister William Simon haben zum Abschluß der
Konferenz der Vereinten Nationen über Handel und Entwicklung - UNCTAD IV (Welthandelskonferen) in Nairobi am 31. Mai eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der sie die Ablehnung des Vorschlages der Vereinigten Staaten für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank bedauern. Im Namen
der amerikanischen Delegation werden Vorbehalte gegenüber der von den Entwicklungsländern verabschiedeten Schlußresolution geltend gemacht. Die USA,
so heißt es weiter, hätten jedoch zum Geiste der Harmonie beitragen wollen.
Umso bedauerlicher sei die Ablehnung der weiteren Prüfung der Möglichkeiten
für die Schaffung einer Internationalen Rohstoffbank gewesen. Die Vereinigten
Staaten würden jedoch ihren Vorschlag erneut vorbringen.
Die in Washington veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Die Vereinigten Staaten kamen in einem ernsthaften und kooperativen
Geiste zur UNCTAD IV nach Nairobi. In Vorbereitung der Konferenz haben wir
eine gründliche Überprüfung der internationalen Wirtschaftspolitik Amerikas
vorgenommen, an der alle Regierungsstellen beteiligt waren. Es gab eine
Übereinstimmung über eine Reihe von Vorschlägen von besonderer Bedeutung für

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für die Entwicklungsländer, die wir auf der UNCTAD vortrugen. Wir waren
mit der höchstrangigen Delegation in der Geschichte der UNCTAD-Konferenzen
vertreten, und der Standpunkt der Vereinigten Staaten wurde zum ersten Mal
in einer Eröffnungserklärung vom Außenminister selbst unterbreitet. In dieser Erklärung legten die Vereinigten Staaten ihre Vorschläge dar, wie man die
Probleme der Entwicklungswelt lösen könnte, einschließlich von Vorschlägen,
die sich direkt auf Rohstoffe bezogen, und gleichzeitig ließen sie erkennen,
daß bestimmte andere Vorschläge von uns nicht akzeptiert würden. Während der
ganzen vier Wochen der Konferenz haben die Vereinigten Staaten mit anderen
Ländern zusammengearbeitet, und in einer Reihe von Fragen wurde auf der Konferenz ein wichtiger Fortschritt erzielt.
In unserer Überprüfung internationaler Rohstoffpolitiken in Vorbereitung der Konferenz und auch sonst haben wir versucht, Mittel und Wege zu finden, um den Anliegen der Entwicklungsländer im Rahmen eines leistungsfähigen
internationalen Marktsystems gerecht zu werden. Wie wir auf der UN-Konferenz
dargelegt haben, sind wir bereit, an einer Prüfung der Vereinbarungen von
Fall zu Fall teilzunehmen, um das Funktionieren der internationalen Rohstoffmärkte durch einen weiten Bereich von Maßnahmen, wie sie für spezifische
Rohstoffe angebracht sind, zu verbessern. Wir haben jedoch Mechanismen zur
Festsetzung von Preisen oder einer Begrenzung der Erzeugung durch zwischenstaatliche Maßnahmen abgelehnt.
Einer der bedeutendsten amerikanischen Vorschläge sprach das Problem der
Erhöhung der Investitionen im Bergbau an. Zu diesem Zweck haben die Vereinigten Staaten in einer Anstrengung, den Interessen der Entwicklungsländer wie
auch der Weltwirtschaft insgesamt gerecht zu werden, eine Internationale Rohstoff bank vorgeschlagen, um den anhaltenden Fluß von Kapital, Management und
Technologie für die Entwicklung neuer Rohstoffquellen in den Entwicklungsländern zu erleichtern.

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L

Im Laufe der Konferenz hat eine interministerielle Gruppe leitender
Beamter in Washington alle der Konferenz vorgelegten Vorschläge in dem Sinne
geprüft, möglichst viele der von den Entwicklungsländern und anderen Ländern
unterbreiteten Vorschläge in Übereinstimmung mit unseren eigenen Grundprinzipien anzunehmen.
Auf der abschließenden Plenarsitzung wurde eine Resolution der Entwicklungsländer durch Konsens angenommen.Die interministerielle Gruppe sprach
sich für Vorbehalte bezüglich von Teilen dieser Resolution aus, und diese
Vorbehalte wurden auf der Konferenz verlesen. Wir schlössen uns jedoch dem
Konsensus an, weil wir auf den Schlußsitzungen der Konferenz zu dem Geist
der Harmonie beitragen wollten und weil die Resolution eine Anzahl von Elementen unserer eigenen umfassenden Vorstellungen enthielt, auf die wir uns in
seiner (des US-Außenministers) Rede vor drei Wochen geeinigt hatten. Wie unsere Vorbehalte erkennen lassen, waren wir nicht der Überzeugung, daß alle
Aspekte der Vorschläge der Entwicklungsländer praktisch durchführbar seien.
Wir verpflichteten uns jedoch zu einer Suche nach konkreten praktischen Lösungen für die Rohstoffprobleme, die im Interesse sowohl der Erzeuger als auch
der Verbraucher liegen.
Es ist daher umso bedauerlicher, daß die Resolution, in der eine weitere
Prüfung der Einrichtung einer Internationalen Rohstoffbank mit einer Mehrheit
von zwei Stimmen bei 31 Ja-Stimmen abgelehnt wurde; 90 Länder enthielten sich
in letzter Minute der Stimme oder verließen den Saal.
Ein wesentlicher Teil der 33 Gegenstimmen kam von sozialistischen Ländern,
deren Beitrag zur Entwicklung der ärmeren Länder der Welt geringfügig ist.
An dieser Bemühung wirkten 44 Länder mit, indem sie sich bei der Resolution über die Internationale Rohstoffbank der Stimme enthielten, und 46 Staaten
verließen den Saal - fast alles Entwicklungsländer. Das ist kein gutes Omen

- 3 -

�Omen für den künftigen Dialog über die weltweite Entwicklungsanstrengung.
Wenn die Vereinigten Staaten, deren Rolle so lebenswichtig ist, große Anstrengungen zur Zusammenarbeit unternehmen, dann dürfen sie erwarten, daß ihre
Vorschläge nicht Zufallsmehrheiten ausgesetzt werden.
Wenn der Dialog zwischen Entwicklungsländern und Industrienationen, dem
wir große Bedeutung beimessen, Erfolg haben soll, dann müssen von den Industrieländern vorgelegte Vorschläge - wie der Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank auf der UNCTAD - sachlich und ernsthaft geprüft und behandelt werden. Die Entwicklungsländer dürfen sich nicht durch jene Staaten, die
nichts zur Entwicklung der armen Länder der Welt beitragen, zu parlamentarischen Manipulationen verleiten lassen.
Wir werden auf späteren Konferenzen, einschließlich der in der Rohstoffresolutioi.

v on

UNCTAD IV vorgesehenen Vorbereitungskonferenzen, auf die

Probleme der Finanzierung der Rohstoffentwicklung zurückkommen. Wir werden
den Vorschlag für eine Internationale Rohstoffbank erneut vorlegen, und wir
erwarten, daß er mit der gleichen Achtung und Sorgfalt behandelt werden wird,
mit der die Vereinigten Staaten die Vorschläge prüfen werden, die die Ent
wicklungsländer unterbreiten werden.
Die Vereinigten Staaten kamen mit einem weiten Bereich anderer Vorschläge nach Nairobi, die auf eine konstruktive und pragmatische Behandlung der
dringenden Probleme der Entwicklungswelt abzielten.
Wir sind befriedigt, daß die Konferenz eine Reihe dieser Vorschläge aufgegriffen hat, die sich mit dem Transfer von Mitteln und Technologie und der
Ausweitung des Handels befassen. Wir werden diese Vorschläge in den geeigneten
Gremien weiter ausarbeiten - wie auch den Vorschlag für die Errichtung einer
Rohstoffbank - denn sie sind für die Probleme, die wir behandeln, genau
richtig.
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10/1976

DAS INTERNATIONALE GIPFELTREFFEN IN PUERTO RICO
-Offizielle Verlautbarungen des Weißen Hauses-

WASHINGTON — ( A D ) — Das Weiße Haus hat am 3. Juni 1976 in einer offiziellen
Erklärung bekanntgegeben, daß die Staats- und Regierungschefs Frankreichs,
der Bundesrepublik Deutschland, Italiens, Japans, Großbritanniens und der
Vereinigten Staaten sowie Kanadas am 27. und 28, Juni in Puerto Rico zur
Erörterung wirtschaftlicher Fragen zusammentreffen werden.
In amtlichen Kreisen in Washington wird darauf hingewiesen, daß dieses
Treffen nicht das erste seiner Art sei und auch nicht das letzte sein dürfte.
Präsident Ford und seine Mitarbeiter seien überzeugt, daß die wachsende Interdependenz der Volkswirtschaften der Welt enge und häufige Konsultationen der
führenden Männer der wichtigen Industriestaaten erfordern. Ein Hauptthema in
Puerto Rico wird voraussichtlich das Tempo des wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern und dessen Auswirkungen auf die Probleme
der Entwicklungsländer sein.
Das erste dieser Gipfeltreffen hatte vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres in Rambouillet stattgefunden.
Die Verlautbarung des Weißen Hauses hat folgenden Wortlaut:
"Auf

- 1 -

�"Auf Einladung des Präsidenten der Vereinigten Staaten werden am 27.
und 28. Juni die Staats-und Regierungschefs von Frankreich, der Bundesrepublik
Deutschland Italien, Japan, des Vereinigten Königreichs von Großbritannien
und Nordirland und der Vereinigten Staaten von Amerika in Puerto Rico zusammenkommen. Darüber hinaus hat der Präsident der Vereinigten Staaten aufgrund der engen Bindungen und Zusammenarbeit zwischen den Vereinigten Staaten
und Kanada und aufgrund der Tatsache, daß die Konferenz in der westlichen
Hemisphäre stattfindet, Kanada zur Teilnahme eingeladen.
Die Teilnehmer werden Probleme von gemeinsamem Interesse erörtern
- unter anderem den Fortschritt ihres wirtschaftlichen Wiederaufschwungs und
die gegenwärtige Phase ihrer Bemühungen, ein anhaltendes wirtschaftliches
Wachstum zu erreichen, Finanz-und Währungsfragen, Handel, Energie und die
Beziehungen zu den Entwicklungsländern,
Angesichts des Beitrages, den das Gipfeltreffen in Rambouillet zu dem
bedeutsamen Fortschritt geleistet hat, der bei der Erreichung eines starker,
wirtschaftlichen Wiederaufschwungs in den Industrieländern, bei der Verbesserung des internationalen Währungssystems und der Währungszusammenarbeit, bei
der Gewährleistung einer offenen internationalen Handelsordnung, bei der
Stärkung der Zusammenarbeit der Industrieländer auf dem Energiesektor und beim
Aufbau eines konstruktiven Dialogs

mit der Entwicklungswelt erzielt worden

ist, sind die führenden Staatsmänner überzeugt, daß dieses Treffen weiteren
Fortschritt auf allen Gebieten gemeinsamen Interesses bringen kann."
Das Weiße Haus hat ferner am gleichen Tage eine Verlautbarung mit Hintergrundinformationen zu dem Gipfeltreffen herausgegeben, die folgenden Wortlaut
hat:
"Die Interdependenz, die zwischen den demokratischen Industrieländern
entstanden ist, und die Verzweigtheit der gemeinsamen Probleme, vor denen sie

�sie stehen, haben zu der Erkenntnis der Notwendigkeit einer intensiven Konsultation und Zusammenarbeit unter den führenden Staatsmännern in einem weiten Bereich von gegebenen Aufgaben und Möglichkeiten geführt. Dies muß laufend gesehen, um die Übereinstimmung für gemeinsames Handeln aufzubauen, um
Probleme zu erkennen und zu lösen und um zu verhindern, daß sie sich zu zerstörerischen Krisen auswachsen.
Das Gipfeltreffen von Rambouillet, das vom 15. bis 17. November vorigen
Jahres abgehalten wurde, diente dazu, die Bedeutung eines intensiven Meinungsaustauschs unter den Führern der großen demokratischen Industrieländer
über Entwicklungen der Weltwirtschaft und über gemeinsame Probleme ihrer jeweiligen Länder zu unterstreichen. Zu den in Rambouillet erörterten Themen
gehörten die Anstrengungen zur Erreichung eines anhaltenden wirtschaftlichen
Wiederaufschwungs, eine Reform des Währungssystems, eine Verbesserung der internationalen Zusammenarbeit in Währungs- und Finanzfragen, eine Beschleunigung des Fortschritts der multilateralen Handelsverhandlungen in Genf, eine
Förderung der ordnungsgemäßen und fruchtbaren Steigerung der wirtschaftlichen
Beziehungen zu den sozialistischen Ländern, eine Zusammenarbeit zur Verringerung der Abhängigkeit von importierter Energie und die Einrichtung eines konstruktiven Dialogs mit den Entwicklungsländern.
In den Monaten seit Rambouillet ist in der Weltwirtschaft ein bedeutsamer
Fortschritt erzielt worden. Das Übereinkommen von Rambouillet hat einen wichtigen Beitrag zu diesem Fortschritt geleistet.
- Es herrschte Übereinstimmung über die Notwendigkeit, ein anhaltendes
Wachstum ohne Inflation zu erreichen. Obwohl es urmöglich ist, genau auszurechnen, welchen Beitrag Rambouillet geleistet hat, liegt es auf der Hand,
daß es dazu diente, die Entschlossenheit der führenden Staatsmänner zu stärken, den Forderungen nach übertriebener Konjunkturförderung zi widerstehen
und die politisch schwierigen Entscheidungen zu treffen, die notwendig waren,

�1
4
waren, um ihre Länder auf den Weg zu einem stabilen wirtschaftlichen Wiederaufschwung zu bringen,
- Die Teilnehmer verpflichteten sich, protektionistischen Forderungen zu
widerstehen und weiterhin auf einen erfolgreichen Abschluß der multilateralen
Handelsverhandlungen in Genf zu drängen. Dementsprechend haben sie trotz
großer Schwierigkeiten im eigenen Lande die Stärke ihrer kollektiven Verpflichtungen auf beiden Gebieten demonstriert.
- Es wurde Obereinkunft über eine Basis der Reform des internationalen
Währungssystems erreicht. Dieses Übereinkommen bereitete den Boden für die
Januar-Tagung des Interimsausschusses des Internationalen Währungsfonds (IWF)
in Jamaica, wo eine umfassende Übereinkunft erzielt wurde, die langfristige
strukturelle Reformen mit Maßnahmen zur Behebung des unmittelbaren Finanzierungsbedarfs verschiedener Länder verband.
- Die Beteiligten kamen überein, auf rasche Verbesserungen der internationalen Vereinbarungen zur Stabilisierung der Exporterlöse der Entwickluncsländer
hinzuarbeiten. Dies wurde auf der Sitzung des Interimsausschusses in Jamaica
Wirklichkeit.
Seit Rambouillet haben sich auf verschiedenen Gebieten die Verhältnisse
geändert. Viele Volkswirtschaften beschleunigen ihre Tätigkeit in einem befriedigenden Tempo; manche wachsen sogar in einem rascheren Tempo als ursprünglich erwartet. Das kommende Gipfeltreffen wird die Möglichkeit bieten, über
die gegenwärtige Phase der Bemühungen der einzelnen Teilnehmer bei der Herbeiführung eines anhaltenden wirtschaftlichen Wachstums zu sprechen, und kann
sich daher als nützlich für die Identifizierung möglicher Probleme und die
Möglichkeit ihrer Vermeidung erweisen.
Die Zusammenkunft findet auch in einem wichtigen Augenblick des sich entwickelnden Verhältnisses zwischen den Industrieländern und den Entwicklungs-

- 4 -

�Entwicklungsländern statt. Die Teilnehmer werden die Möglichkeit haben, über
die Ergebnisse der kürzlich beendeten UNCTAD-Konferenz in Nairobi zu befinden.
Sie können über zusätzliche Schritte sprechen, die in den kommenden Monaten
auf der Konferenz über Internationale Wirtschaftliche Zusammenarbeit in Paris
im Hinblick auf allseits nützliche Vereinbarungen getan werden können.
Im übrigen dürften wahrscheinlich neben anderen Themen gemeinsamen Interesses auch die Zusammenarbeit der Verbraucher zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und verstärkte Bemühungen in den multilateralen
Handelsverhandlungen zu Erreichung einer offeneren und verbesserten Welthandel sordnung behandelt werden."

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10/1976
DIE HERAUSFORDERUNG DES WESTENS UNTER VERÄNDERTEN STRATEGISCHEN BEDINGUNGEN
Von General Alexander Haig, Jr.
Oberster Alliierter Befehlshaber Europa
(Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des nato-briefs)

--(AD)-- Seit im April 1951 das Oberste Hauptquartier der Allierten Mächte in
Europa und der Alliierte Befehlsbereich Europa in Paris ins Leben gerufen wurden, ist über ein Vierteljahrhundert vergangen. Hinter dem Schutzschild der
NATO und des Alliierten Militärkommandos ist nicht ein Quadratmeter Bündnisterritorium unter sowjetische Herrschaft gefallen. Die europäischen NATO-Staaten haben sich über 25 Jahre eines Friedens, eines Fortschritts und eines
Wohlstandes erfreut, wie es in der Geschichte Europas einmalig ist.
Obgleich Westeuropa nicht mehr, wie es General Eisenhower sagte, im gleichen Maße "den Impuls der Angst spürt", so sehen wir doch heute für das Bündnis als Ganzes eine Fülle von Problemen. Wir erleben eine sozialwirtschaftliche Krise; wir erleben das verwirrende Dilemma der Ost-West-Beziehungen; und
wir erleben eine Flut von Schwierigkeiten und Problemen an der südlichen
Flanke des Bündnisses, die tiefgreifend und gefährlich sind. Vor diesem Hintergrund erleben wir noch dazu ein unablässiges Anwachsen der militärischen

- 1 -

i

�militärischen Kapazität der Sowjets. Diese Probleme haben sich so gehäuft,
daß heute eine Atmosphäre herrscht, in der sich die Frage nach der Gesundheit
und der Lebenskraft unserer kollektiven Anstrengung stellt. Manche Leute gehen
sogar noch weiter und stellen die Grundgedanken, die Logik hinter unserer
traditionellen Einstellung zum atlantischen Sicherheitsrahmen in Frage.
Von denen, die sich den Zielen des Bündnisses verschrieben haben, werden
nur wenige diese Überzeugungen teilen, aber ihre Folgen sind schwerwiegend
genug, um eine grundlegende Untersuchung und Beurteilung der ihnen zugrundf3liegenden Prämissen zu rechtfertigen. In dem Prozeß dieser Selbstprüfung
muß man sich sorgfältig vor der gegenwärtigen Neigung zu überstürzten Analysen
und groben Verallgemeinerungen hinsichtlich unserer fundamentalen Lebensinteressen hüten. Solche Verallgemeinerungen sind meist falsch.

Veränderungen der strategischen Bedingungen
Ohne näher auf die historische Perspektive seit dem Zweiten Weltkrieg
einzugehen, kann man einige fundamentale Veränderungen der strategischen Bedingungen feststellen.
Der Erfolg der Vereinigten Staaten im Zweiten Weltkrieg und ihre geopolitische Vorherrschaft hatte zu einem überaktiven, paternalistischen Führungsstil geführt, aus dem sich ein Gefühl der Verantwortung für alles, was in der
ganzen Welt passierte oder auch nicht passierte, entwickelte. Diese Überaktivität und dieses globale Verantwortungsgefühl wurden jedoch entscheidend gedämpft, als sich die Vereinigten Staaten Mitte der sechziger Jahre durch ihre
Erfahrungen mit der Dritten Welt enttäuscht und entblößt sahen. Der entscheidende Wandel, den wir heute feststellen können, ist die klare Erkenntnis, daß
die Vereinigten Staaten ihren einzigartigen hegemonialen Status verloren haben, der die erste Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg kennzeichnete. Die einge-

�f

eingetretenen Kräfteverschiebungen erlauben es den Vereinigten Staaten nicht
mehr, den Ausgang globaler Ereignisse einseitig und nach Belieben zu bestimmen.
Was Westeuropa anbetrifft, so war der Wandel ebenfalls dramatisch. Wir
haben den Übergang von der Erschöpfung und der Zerstörung nach dem Kriege zum
wirtschaftlichen, sozialen, politischen und militärischen Wiederaufschwung
erlebt. Wenn darüber hinaus Westeuropa in seinem Kampf um den Wiederaufstieg
nach dem Kriege bequemerweise amerikanische Lösungen akzeptiert hat, so
besitzt es heute die Fähigkeit zur Konkurrenz. Man ist für Partnerschaft und
Zusammenarbeit mit dem atlantischen Partner, aber nicht für Bevormundung.
Eine Analyse der Dritten Welt läßt erkennen, daß in der Zeit unmittelbar
nach dem Kriege deren Führer nach wirtschaftlicher Unterstützung und politischen Lösungen suchten, sowohl um ihre eigene politische Macht zu konsolidieren als auch um ihre Gesellschaften zu einer höheren Entwicklungsstufe zu
führen. In dieser Hinsicht tendierten sie zu diktatorischen Lösungen von
rechts oder links. Auch heute noch suchen diese Länder nach vernünftigen Beziehungen zum Westen- aber im allgemeinen zu ihren Bedingungen. Für den
Westen geht es dabei darum: Erstens, die wahre Macht der Dritten Welt in bezug
auf Rohstoffe und Energie klar zu erkennen, und zweitens, diese Realität mit
Gerechtigkeit und Verantwortungsbewußtsein anzupacken. Die jüngsten Erfahrungen
haben eindeutig bestätigt, wie entscheidend wichtig es ist, daß sich die industrialisierten Verbraucherländer dieser Herausforderung gemeinsam stellen,
oder sie riskieren, einzeln ausgebeutet zu werden.

Die veränderte Bedrohung
Die Art der Bedrohung der westlichen Industrienationen hat sich grundlegend geändert. Was sich in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg als monolithisch
dargestellt hat, ist heute multipolar geworden. Es haben sich drei Zentren

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�*
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Zentren der marxistischen Macht entwickelt: Moskau, Peking und jene Gruppe
revolutionärer Entwicklungsländer, um deren Kontrolle Moskau und Peking
kämpfen. Und was das wichtigste ist, es liegt heute auf der Hand, daß in vielen strategischen Schlüssel fragen die Animosität zwischen Moskau und Peking
größer ist als zwischen dem einen oder dem anderen und der westlichen Welt.
Das bedeutet aber für den Westen, daß er nur dann Vorteile aus dieser Multipolarität ziehen kann, wenn er in jedem der Zentren der marxistischen Macht
als einig, zuverlässig und kompetent für den Ausgang globaler Entwicklungen
angesehen wird.
Bei einer Beurteilung der heutigen militärischen Bedrohung ist es zweckmäßig, sich mit den Lehren zu befassen, die die Sowjets aus der Kuba-Krise im
Jahre 1962 gezogen haben. Für die Sowjets lagen die Dinge auf der Hand. Ihr
Nachgeben mußte sich aus zwei Faktoren ergeben: Einmal durch ihre numerische
Unterlegenheit an strategischen Waffensystemen und zweitens durch ihre Unfähigkeit, konventionelle Macht nach der 10 000 Meilen von der Basis Rußland
entfernten Insel zu projizieren. Die Erfahrung in der kubanischen RaketenKrise führte zu einer unermüdlichen und anhaltenden Anstrengung, um die strategische Unterlegenheit zu beseitigen und, was vielleicht noch wichtiger war,
eine im echten Sinne globale konventionelle militärische Macht, sprich Flotte,
aufzubauen.
In den Jahren seither haben die Sowjets unvergleichlich große Mittel für
die Verteidigung bereitgestellt. Nach Angaben des früheren amerikanischen Verteidigungsministers Schlesinger haben die Sowjets im letzten Jahrzehnt ihre
Verteidigungsausgaben um jährlich brutto zwischen drei und fünf Prozent erhöht. Nach seinen Schätzungen hat die Sowjetunion die Supermacht USA im Jahre
1975 um etwa ein Drittel an militärischen Ausgaben übertroffen - bei Forschung und Entwicklung um 20 Prozent, bei der Beschaffung um 25 Prozent, bei
den Streitkräften um 20 Prozent und bei strategischen Systemen sogar um 60
Prozent, wobei das letztere besonders alarmierend ist.
Auf

- 4 -

�Auf strategischem Gebiet hat die UdSSR die frühere Unterlegenheit von 10
zu eins an strategischen Systemen im Jahre 1962 ganz eindeutig überwunden, und
heute kann man, wie es der amerikanische Verteidigungsminister Rumsfeld tat,
von einer "annä'herenden Gleichwertigkeit" an zentralen strategischen Systemen
sprechen. Der Trend ist jedoch dynamisch. Die UdSSR hat die Entwicklung von
vier neuen Raketensystemen abgeschlossen. Drei davon sind mit Mehrfachgefechts
köpfen erprobt worden, und alle haben eine wesentlich höhere Treffsicherheit *
gegen feste Ziele aufgewiesen. Darüber hinaus haben die Sowjets eine neue unterseebootgestützte Rakete entwickelt, die SS-N-8, die eine Reichweite von
4 200 Seemeilen hat. Mit dieser Rakete sind die Unterseeboote der Delta-Klasse und die neuen vergrößerten Boote der Super-Delta-Klasse ausgerüstet worden.
Beide dieser Bootstypen können im Beringmeer tauchen und von dort aus den gesamten nordamerikanischen Kontinent - bis zum Panamakanal - mit Raketen mit
Nukleargefechtsköpfen erreichen - und selbstverständlich das ganze Westeuropa
und große Teile des kommunistischen China.
Die Entwicklungen auf strategischem Gebiet hängen natürlich eng mit den
SALT-Verhandlungen zusammen.Eines ist jedoch heute schon mit Sicherheit zu sagen Wenn e' zu keinem akzeptablen SALT-Abkommen kommt, dann werden die Vereinigten Staaten vor großen Ausgaben stehen, um das gegenwärtige "annähernde
Gleichgewicht" in zentralen Systemen zu erhalten.
Was die nuklearen "Gefechtsfeldwaffen" anbetrifft so hat der Westen auch
heute noch eine qualitative und quantitative übprlegenheit, obwohl auch hier
der Trend äußerst dynamisch ist. Die Sowjets unternehmen große Anstrengungen,
um ihre Trägerwaffen zu verbessern, was vor a M e m bei der Raketenartillerie
und möglicherweise auch bei der Rohrartillerie mit Nuklearkapazität zu beobachten ist. Ferner haben sie eine neue Zwischenstreckenrakete (RBM) vom Typ
SS-X-20 entwickelt, die mobil ist und mit Mehrfachgefechtsköpfen bestückt
werden kann. Schließlich wird ein neues, modernes taktisches Flugzeug mit
Nuklearkapazität und größerem Aktionsradius und höherer Tragkraft eingeführt.

Als

�Als wichtigstes Machtpotential unter den gegenwärtigen Umständen

haben

die Sowjets in ganz bewußter Entscheidung ihren Flottenaufbau von der Küstenverteidigung auf weltweite Kapazität umgestellt. Gleichzeitig haben sie ihre
Streitkräfte während der letzten zehn Jahre um rund eine Million Mann verstärkt, davon allein um 100 000 in Mitteleuropa. Was uns bei der Verstärkung
der Landstreitkräfte am meisten beunruhigt, ist die Einführung von Artillerie,
•Panzern und Personal auf der Ebene der Armee, der Division und noch darunter.
Was die Flugzeuge angeht, so hat die NATO noch immer einen qualitativen
Vorsprung, der Warschauer Pakt jedoch eine zahlenmäßige Überlegenheit von
zwei zu eins. Eine dritte Generation sowjetischer Flugzeuge, die derzeit in
den Truppendienst gelangen, läßt erkennen, daß auch hier die Entwicklung dynamisch ist.
Aus dieser allgemeinen unbeschönigten Beurteilung der militärischen Bedrohung muß man zu dem Schluß kommen,daß die Sowjetunion zweifellos eine
Supermacht geworden ist und über die militärischen Mittel und Fähigkeiten verfügt, eine globale, imperialistische Phase ihrer Außenpolitik einzuleiten.
Angola ist in diesem Zusammenhang ein besonders wichtiges Beispiel. Eine zweite klare Erkenntnis, zu der der Westen kommen muß, ist die Tatsache, daß wir
mit dieser neuen globalen Kapazität der Sowjets nur fertig werden können, wenn
die militärischen Mittel und Fähigkeiten der atlantischen Gemeinschaft gemeinsam abgestimmt und eingesetzt werden. Einzel stehende oder gar miteinander konkurrierende Säulen der atlantischen Verteidigung sind heute sowohl militärisch
als auch psychologisch unzureichend.

Die sozial-wirtschaftliche Krise
Mit der sogenannten sozial-wirtschaftlichen Krise ist noch eine weitere
Veränderung der strategischen Bedingungen eingetreten, die für uns im Westen
von noch größerer Bedeutung ist. Manche Leute behaupten, bei dieser Krise handele es sich lediglich um ein zyklisches, fiskalisches Phänomen, und wenn die
Staaten nur ausharrten und ihre Last trügen, dann würden sie sich bald wieder
auf dem aufsteigenden Ast befinden.

F.

�T

Es gibt jedoch vier Aspekte dieser Krise, die sie fundamental anders
und tiefgreifender erscheinen lassen als früher. Erstens einmal ist schon
der fiskalische Aspekt ein anderer, da hier zum ersten Mal westlich" Marktwirtschaften - ohne Rücksicht auf die politischen Systeme - gle chzeitig die
gleiche "Stagflation" erlebt haben. Die traditionelle Flexibilität

daß sich

die Länder der westlichen Welt gegenseitig helfen konnten, indem ein Land
auf dem aufsteigenden Ast ein im Abschwung befindliches unterstützen konnte,
besteht nicht mehr. Zweitens, zum ersten Mal in der Geschichte der modernen
Industriegesellschaften mußte der Westen erkennen, daß es hinsichtlich der
Rohstoffe definitive Grenzen gibt, und daß sich damit die reale und die eingebildete Macht der Dritten Welt explosionsartig vermehrte. Drittens gibt es
die Herausforderung der egalitären Wirtschaft, wie man es oft zu nennen
pflegt, die ein Produkt des Erfolgs der westlichen Industriegesellschaft
ist. Diese Herausforderung stellt unsere Regierungen vor die große Aufgabe,
die Früchte unseres Systems so gerecht und verantwortungsbewußt wie möglich
zu verteilen. Und schließlich hat sich auf dem Gebiet des elektronischen Fernmeldewesens, vor allem im Fernsehen, eine Revolution

abgespielt, was tief-

greifende Auswirkungen auf das politische Denken in jeder Gesellschaft hat.
Diese sozial-wirtschaftliche Krise stellt eine Herausforderung an das
System selbst dar - an den Kern und den Inhalt der industrialisierten Struktur
des Westens - wie die Regierungsform in jedem einzelnen Land auch immer aussehen mag. Man spürt jedoch auch ein wachsendes Bewußtsein der fundamentalen
Aspekte dieser Krise und eine wachsende Einsicht, daß gerade, weil die Krise
allen westlichen Gemeinschaften gemeinsam ist, auch eine gemeinsame Lesung
gefunden werden muß. Ebenso wie die vorhin angeführte militärische Bedrohung
verlangt auch diese sozial-wirtschaftliche Bedrohung kollektive politische
und wirtschaftliche Anstrengungen.
In jeder kollektiven Anstrengung zur Lösung dieses Problems liegt jedoch
ein innerer Widerspruch. Auf der einen Seite sind sich die führenden Politiker
im Westen über die Tatsache im klaren, daß auf den Gebieten des Handels, der
Energi

und damit zusammenhängender Fragen kollektive sozial-wirtschaftliche

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�•
i

wirtschaftliche Anstrengungen notwendig sind. Auf der anderen Seite sind
viele von ihnen zu der Auffassung gelangt, daß dies nur auf Kosten der bekannten Sicherheitserfordernisse erreicht werden könne. Daraus resultiert
eine Tendenz, bei der Zuteilung knapper Mittel genau das Fundament zu zerstören, auf dem alle erfolgreichen kollektiven Maßnahmen aufgebaut sein
müssen. Jeder führende Politiker im Westen, der glaubt, er könne das sozialwirtschaftliche Problem lösen und gleichzeitig das Fundament für alle erfolgreichen Kollektivmaßnahmen angreifen, wird herausfinden, daß er sich auf ein
totgeborenes Unterfangen eingelassen hat. Das anhaltende Vertrauen in unsere
Sicherheitseinrichtungen ist absolute Voraussetzung für einen erfolgreichen
sozial-wirtschaftlichen Fortschritt.

Bündnis und Abschreckung
Wenn wir heute das Bündnis betrachten, dann sehen wir, daß große Anstrengungen im Gange sind, um eine wirksamere und kosteneffektivere Verteidigung
zu erreichen. Es steht außer Frage, daß die Militärs unbedingt die Pflicht
haben, die Wirksamkeit unserer Verteidigung zu verbessern, damit unsere Länder von einer Basis des Vertrauens in unsere Sicherheitseinrichtungen operieren können.
Daher ist es in Zeiten knapper Mittel ein zwingendes Gebot für die Militärexperten, die militärische^ Kapazitäten zu analysieren, um die kosteneffektiven Strukturen zu finden. Die Gefahr einer Überbetonung rein kosteneffektiver Lösungen liegt jedoch darin, daß lediglich auf Wirksamkeit ausgerichtete Analysen sich leicht nur auf die Kapazitäten für die Führung eines
Krieges konzentrieren und dabei die Hauptaufgabe der NATO übersehen, nämlich den Ausbruch eines Krieges zu verhindern. Das geschieht in erster Linie durch die"Abschreckung". Diese kaum quantifizierbare, aber entscheidend
wichtige Aufgabe entzieht sich weitgehend dem Maßstab quantifizierbarer
Wirksamkeit. Ein zentraler Aspekt der Abschreckung ist vor allem, wie der

- 8 -

�r
der Gegner den kollektiven Willen, die Solidarität und die Entschlossenheit
des Westens sieht, die Kapazität zur Führung eines Krieges anzuwenden, die
der Steuerzahler bereitstellt. Der fundamentale Maßstab, der daher an jede
Initiative zur Verbesserung der Wirksamkeit angelegt werden muß, ist ihre Auswirkung auf das gegenseitige Vertrauen und die Einigkeit im Bündnis. Jede
kosteneffektive Initiative, die diesen fundamentalen Test nicht besteht, muß
ohne Rücksicht auf etwaige Einsparungen zumindest neu überdacht werden.
Hinsichtlich der Gefahr, sich zu sehr auf die Fähigkeiten zur Führung
eines Krieges zu konzentrieren, muß noch ein weiterer Punkt hervorgehoben werden. Eine solche Befangenheit könnte sich leicht ausschließlich auf den Bereich
Mitte konzentrieren, der den Zugang zum Herzen Europas schützt und dem im
Falle eines allgemeinen Konflikts die Hauptsorge gilt. Aber muß es in einer
Zeit des nuklearen Gleichgewichtes bei einer Abwägung der militärischen Bedrohung nicht wahrscheinlicher erscheinen, daß wir es mit jenen gleichen zwiespältigen,
.inchmal berechneten, manchmal zufälligen Zwischenfällen
an den Flanken zu tun haben werden, die die strategische Umwelt während des
letzten Jahrzehnts gekennzeichnet haben?
Diese Zwischenfälle sind aus der Unruhe in der Dritten Welt in Gebieten
entstanden - und werden weiterhin entstehen - in denen bewußt oder unbewußt
die Interessen der Großmächte immer stärker mit auf dem Spiele stehen. Wie in
der Vergangenheit wird es dem Westen schwerfallen, eine Übereinstimmung über
die Wichtigkeit der anstehenden Probleme und über die notwendigen Maßnahmen
zu erzielen. Wenn wir also angesichts dieser zu erwartenden Herausforderungen
die Verteidigung des Bündnisses betrachten, dann müssen wir sie als ein Ganzes
sehen und dürfen uns nicht ausschließlich auf Mitteleuropa konzentrieren.
Interdependenz

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Interdependenz

Die Analyse der politischen, wirtschaftlichen und militärischen Überlegungen bestätigt insgesamt die wachsende gegenseitige Abhängigkeit, die Interdependenz, der westlichen Welt. Unter diesen sich wandelnden strategischen
Bedingungen kann man angesichts der erwähnten relativen Machtverschiebungen
von den Vereinigten Staaten nicht länger erwarten, daß sie den Ausgang globaler Ereignisse rein durch das Gewicht ihres einzigartigen hegemonialen Status
beeinflussen. Und ebensowenig kann sich Europa länger den Luxus leisten, als
Beobachter am Spielfeldrand zu stehen, wenn die Vereinigten Staaten versuchen,
für sich allein den Ausgang globaler Krisen zu bestimmen. Angesichts der globalen sowjetischen Kapazitäten dürften sich exklusive oder konkurrierende
Verteidigungsrahmen für die atlantische Sicherheit als unzulänglich erweisen.
Wenn im übrigen auf beiden Seiten des Atlantik die jeweils andere Seite unter
Begriffen wie Unzuverlässigkeit, Unerheblichkeit, Verschlafenheit oder Kurzsichtigkeit betrachtet wird, dann kann das nur die Hoffnung auf trügerische
Alternativen nähren.
Ähnliche Schlüsse lassen sich aus einer Analyse der aufgespaltenen multipolaren Bedrohung des Westens heute ziehen. Das Ausmaß, in dem diese Multipolarität dem Westen einen größeren diplomatischen Spielraum und geopolitische
Vorteile verschafft, hängt davon ab, in welchem Maße der Westen global gesehen
als zuverlässig oder gewichtig betrachtet wird.
Und was schließlich den rein militärischen Gesichtspunkt angeht, so liegt
die Herausforderung auf der Hand. Unter den heutigen veränderten strategischen Bedingungen muß der Westen in einem stärkeren Maße denn je seine gesamten kollektiven Mittel zusammenfassen, um mit der globalen sowjetischen Militärmacht fertig werden zu können. Wenn wir in einer Zeit annähernder strategischer Gleichgewichtigkeit an die Bewältigung dieser Aufgabe gehen, dann bekommt die Aufrechterhaltung regionaler Gleichgewichte eine besondere Bedeutung.

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�Bedeutung. Wenn es darum geht, die Fähigkeit zur Beeinflussung von Ereignissen zu besitzen und über die Mittel zu verfügen, eine Eskalation der zwiespältigen, ungewissen Situation zu verhindern, die sich aus der Unruhe in
der Dritten Welt ergeben, dann muß °ine brauchbare konventionelle Macht eine
vorrangige Rolle als Stütze und Basis der westlichen Diplomatie spielen.

Die Aufgabe für den Westen ist groß, aber er verfügt auch mit der doppelt
so großen industriellen Basis und anderthalbmal mehr Menschen eindeutig über
die Fähigkeit, mit dieser Herausforderung fertig zu werden. Die entscheidende
Frage unter den heutigen stratecn- •VIP« Bedingungen ist die, ob der Westen die
neue Ära der atlantischen Interdependenz begreifen und die notwendigen Prioritäten setzen wird, um den so wesentlichen gemeinsamen und abgestimmten Einsatz
von Anstrengungen und Mittel zu erreichen.

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53

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10/1976
UNTERNEHMUNGSGEIST, KNOW-HOW, WELTOFFENHEIT
-Schlüssel zum amerikanischen Erfolg in Wissenschaft und Forschung-

--(AD)-- Dem Zeitgenossen der 200-Oahrfeier der Vereinigten Staaten von
Amerika wird kaum mehr bewußt, welch atemberaubende Entwicklung die politische, wirtschaftliche und technische Weltmacht Amerika seit ihrer Staatsgründung im Jahre 1776 durchgemacht hat. Er setzt voraus, daß die USA z.B. auch
in der Wissenschaft an der Spitze stehen, obgleich der internationale Konkurrenzkampf auf diesem Gebiet an Schärfe erheblich zugenommen hat.
Im Jubiläumsjahr werden die Vereinigten Staaten rund 38,1 Milliarden
Dollar (2,2 Prozent des Bruttosozialproduktes gegenüber dem Höchststand von
3 Prozent im Jahre 1964) für Forschung und Entwicklung aufwenden. Davon kommen
20,1 Milliarden Dollar aus dem Staatssäckel, der Rest wird von der Wirtschaft und von privater Seite aufgebracht. Im letzten Jahrzehnt ist der amerikanische Kongreß mit der Bewilligung von Wissenschaftsgeldern sparsamer geworden. Die Rangfolge der Schwerpunktprogramme lautet derzeit: Verteidigung
(10,6 Milliarden Dollar), Raumfahrt (3,4 Milliarden Dollar), Energieforschung und Entwicklung (2,38 Milliarden Dollar), Gesundheits-, Bildungs- und
Sozialwesen (2,32 Milliarden Dollar).
Wer denkt heute noch daran, daß in den Vereinigten Staaten zur Zeit der
ersten Volkszählung im Jahre 1790 weite Teile unbekannte Wildnis waren, daß
sich große Gebiete im Besitz Frankreichs und Spaniens befanden? Dje_

- 1 -

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I

#

Die "Westfront" für die Siedler jener Zeit waren die Berge der Appalachen.
Im Jahre 1806, drei Jahre nach dem Ankauf des Louisiana-Territoriums westlich
des Mississippi, entsandte Präsident Jefferson eine erste kleine Expedition
von St. Louis aus in den heutigen Nordwesten, um diesen geographisch, geologisch und nach Klima-und Lebensbedingungen erkunden zu lassen. Durch Kauf
und Verträge war schließlich bis Mitte des 19. Jahrhunderts auch der "Ferne
Westen" Hoheitsgebiet der Vereinigten Staaten geworden. Jedoch waren damals
viele Menschen überzeugt, daß mindestens noch ein halbes Jahrtausend vergehen
werde,

bis das weite Land mit seiner Vielfalt geographischer und klimati-

scher Regionen erschlossen und besiedelt sei.
Entgegen den Voraussagen ist dies längst vollzogen, geschehen in

der

Zeitspanne eines Menschenlebens. Mit Mut, Beharrlichkeit und Energie wurden
die Aufgaben angepackt, die nun einmal bewältigt werden mußten.

Initiative

und tatkräftiges Handeln des einzelnen wie der Gemeinschaft sind noch immer
typisch für die Haltung und die Bereitschaft "der Amerikaner" ungeachtet ihrer
ethnischen Herkunft, Rasse und Religion, sich einer Herausforderung zu stellen. Die Mannigfaltigkeit an individuellen Meinungen, Ideen, Zielen und an
Möglichkeiten, Beiträge zu leisten, schmälert offenbar auch unter erschwerten
Bedingungen nicht die Widerstandskraft der Nation. Ja, sie scheint sogar eine
der wesentlichen Kraftquellen Amerikas zu sein.

Praxisbezogene Wissenschaft
Von Anfang an war die Wissenschaft in das Werk des Aufbaus einer neuen
Zivilisation auf dem amerikanischen Kontinent einbezogen - allerdings in einem
sehr pragmatischen Sinne. In der im Jahre 1789 offiziell angenommenen Verfassung der Vereinigten Staaten wird dem Kongreß aufgetragen, "den Fortschritt
der Wissenschaft und der nützlichen Künste"zu fördern. Die führenden Männer
jener Zeit - Politiker, Militärs, Staatsmänner, Diplomaten - waren wissenschaftlich interessiert und, wie Benjamin Franklin, Thomas Jefferson, John
Adams, Robert Livingston, auch mehr oder weniger stark engagiert. Und obgleich

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�obgleich sie den Naturwissenschaften oder schönen Künsten nur aus Liebhaberei
huldigten, hatten manche von ihnen bahnbrechende Leistungen oder Entdeckungen
aufzuweisen - zum Teil Leistungen, durch die sie in Europa schon vor der Wahrnehmung ihrer politischen Funktionen bekannt geworden waren.
Die Zahl der Universitäten und Hochschulen,zur Zeit der Staatsgründung
nur ein gutes Dutzend, nahm rasch zu in dem jungen Bundesstaat. Dennoch blieben
für Amerika die Gelehrten und die wissenschaftlichen Institutionen des alten
Europa das bewunderte Vorbild. Erst um die Mitte des 19. Jahrhunderts, deutlich erkennbar nach dem Ende des Bürgerkrieges in einer durch die industrielle Revolution von Grund auf veränderten Welt, waren Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten eigenständig etabliert und wurden ihrerseits in zunehmendem Maße richtungweisend für andere Nationen.

Harter Kampf ums Dasein
In dem noch dünn besiedelten Land hatte der Kampf ums Dasein zunächst einmal handwerkliche Fertigkeiten und Erfindergeist herausgefordert. Da gab es
zum Beispiel auf den Baumwollplantagen des Südens Textilrohstoff in Hülle und
Fülle - aber das Entkernen und Enthülsen der reifen Kapseln von Hand brachte
nicht einmal ein Pfund Fasern pro Mann und Tag. Mit diesem Problem sah sich
Eli Whitney,Absolvent der Yale-Universität in Connecticut, auf einer Reise
durch die Südstaaten in Georgia konfrontiert. Er konstruierte 1793 eine Maschine, mit der die Tagesleistung eines Plantagenarberiers auf 100 kg gereinigte Baumwollfasern erhöht werden konnte. Den TextilmanufaKturen war dadurch ein
nahezu unbegrenzter Zufluß von Rohmaterial garantiert.
Sechs Jahre später führte
Serienproduktion ein, d.h. die
teile eines Produkts und deren
typ des sachkundigen, cleveren

Whitney als einer der ersten Unternehmer die
Herstellung exakt zueinander passender EinzelMontage in großer Stückzahl. Er war der Protound gleichzeitig risikofreudigen Geschäfts-

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�Geschäftsmannes, der sein Unternehmen durch Massenproduktion und "Know-how1'
zum Erfolg führt und konkurrenzfähig erhält.
Die Weite des Landes und der Mangel an Arbeitskräften hatten in Amerika
zwangsläufig zur Folge, daß man früher als anderswo die Dampfkraft zum Heben,
Bewegen, Ziehen, Sägen, Zerkleinern und für andere Schwerarbeit nutzte. Und
während Erfinder in Frankreich und England noch mit dem Dampfantrieb für
Schiffe experimentierten, baute Robert Fulton in Amerika schon das erste
kommerzielle Dampfschiff.

Am 17. August 1807 nahm die

CLERMONT auf dem

Hudson-Fluß den Liniendienst zwischen New York und Albany auf - "nicht etwa,
weil wir die besseren Techniker oder einen höheren Stand der Technik als die
Europäer gehabt hätten", erklärt heute Dr. Brooke Hindle', Direktor des Na- •
tionalmuseums für Geschichte und Technik der Smithsonian Institution in
Washington. "Aber wir hatten nur wenige und noch dazu miserable Straßen. Also
waren wir auf die Flüsse als Transportwege angewiesen".
Starken Aufschwung für Handel, Wirtschaft und Verkehr brachte nach 183o
die Eisenbahn. Das Streckennetz war 186o auf fast 50 000 km ausgebaut. Neun
Jahre später, am 10. Mai 1869, wurde die erste Verbindung quer durch den Kontinent hergestellt. Und heute ergänzt das Flugzeug den Verkehr auf Wasserwegen, Schiene und Straße. Die jährlich zurückgelegten Tonnenkilometer für
Luftfracht betragen fast 10 Milliarden, die Passagierkilometer liegen nur wenig unter der 250-Milliarden-Marke.

Raumfahrt - die neue Herausforderung
Fast genau 100 Jahre nach der Vollendung einer durchgehenden Schienenstrecke von der Atlantik-zur Pazifikküste, am 21. Juli 1969, betrat der Amerikaner Neil Armstrong als erster Mensch den Mond. Das amerikanische Raumfahrtprogramm, das im Januar 1958 mit dem Start des ersten EXPLORER-Satelliten begonnen hatte, erreichte mit der Verwirklichung des APOLLO-Projektes
1969-1972 einen spektakulären Höhepunkt. Bei sechs Expeditionen landeten

�landeten insgesamt 12 amerikanische Astronauten auf dem Erdtrabanten, brachten Gesteins-und Bodenproben zurück und installierten von den Ebenen bis
hinaif ins Hochland wissenschaftliche Instrumente, die nach wie vor wertvolle
Meßdaten zur Erde funken. Das Material vom Mond ist gesichtet und sortiert.
Es wurde vorläufig in mehr als 2 000 Proben unterteilt und wird nach und nach
in zahlreichen Instituten analysiert. Allein aus dem Ausland gehen bei der
amerikanischen Raumfahrtbehörde NASA monatlich 50-60 Anforderungen für die
Durchführung spezieller Untersuchungen ein.
Hunderte von unbemannten Satelliten hat die NASA in 18 Jahren auf Erdumlaufbahnen gebracht oder zur Erkundung des interplanetaren Raumes, der
Sonne und ihrer Planeten und noch weiter entfernter kosmischer Bereiche auf
den Weg geschickt. Sie brachten Kunde - und übermittelten zahlreiche Nahaufnahmen - von Venus und Merkur, passierten den Asteroidengürtel und sondierten bereits Mars und Jupiter samt einiger Monde. Nach ihrem Vorbeiflug am
Planeten Jupiter im Dezember 1973 und 1974 dringen nunmehr die Robotersonden
PIONIER 10 und 11 zu den Umlaufbahnen der äußeren Planeten unseres Sonnensystems vor. Sie werden es Anfang der achtziger Jahre verlassen.
Manche wissenschaftlichen Theorien wurden durch die bisher ermittelten
Beobachtungsergebnisse umgestoßen, neue Einsichten taten sich auf. Die vergleichende Planetenforschung hat gezeigt, daß jeder Planet eine eigene und
besondere Entwicklung durchgemacht hat, und daß sich die Planeten gegenwärtig in unterschiedlichen Stadien befinden. Beim Merkur, der am meisten dem
Mond ähnlich ist, scheint eine Art Stillstand eingetreten zu sein. Er ist
weniger stark verändert, d.h. primitiver als der Mars, und dieser wiederum
scheint weniger

Veränderungen als die Erde durchgemacht zu haben. An Hand

der Planetenforschung können die Wissenschaftler Prozesse untersuchen, die
die Erde in ihrer Frühgeschichte durchgemacht haben mag, deren Spuren inzwischen aber verwischt wurden. Es ist z.B. durchaus möglich, daß die Erde in
den ersten 600 Millionen Jahren genauso von Riesenmeteoriten bombardiert
wurde wie Mond und Merkur - die Krater auf deren Oberfläche zeugen noch heute
davon.
Mars

�Mars wieder im Visier

Das heutige Erscheinungsbild der Marsoberfläche,wie es sich nach 11 Monaten Beobachtung durch MARINER IX (1971-72) gegenwärtig darstellt, könnte
dem der Erde vor Millionen Jahren ähnlich sein. Neue Aufschlüsse über das
gegenwärtige Entwicklungsstadium sollen die Landeroboter der beiden amerikanischen VIKING-Sonden, aber auch die in einer Marsumlaufbahn verbleibenden
sogenannten ORBITER bringen.
Vielleicht geben die Meßdaten einiger Instrumente der Landegeräte sogar
Hinweise darauf, ob Leben auf dem Mars existiert oder einst existiert hat,
wenn auch nur in primitiver Form. Die Lander sind praktisch vollautomatische
geologische, geophysikalische und biologische Laboratorien - die kompliziertesten Geräte, die je gestartet wurden. Sie sollen Elemente und Moleküle am
und im Boden sowie in der Atmosphäre des Mars entziffern, Bewegungen im
Marsinnern registrieren, das Wetter beobachten und den Sand nach Anzeichen
für die Existenz von Organismen sondieren.
Zur Feier des 200. Geburtstages der Vereinigten Staaten hat die Weltraumbehörde NASA den Flug der im August

und September 1975 gestarteten Sonden so

programmiert, daß VIKING I am 4. Juli 1976 (21.41 amerikanischer Zeit, d.h.
am 5. Juli 1976 um 2.41 Uhr MEZ) in dem zuvor sorgfältig ausgesuchten Landegebiet auf dem Mars aufsetzen und anschließend mit den Messungen beginnen
könnte.

Erdforschung durch die Raumfahrt intensiviert
Wettersatelliten schicken regelmäßig Meßdaten und Wolkenfeidbilder zur
Erde. Mit Hilfe der Infrarottechnik können sie auch bei Nacht Aufnahmen von
Land-und Seegebieten machen. Sie tragen viel dazu bei, daß jetzt die Treffsicherheit der Wettervorhersage für die nächsten 36 Stunden bei 82 Prozent

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Prozent liegt. Noch vor 10 Jahren war dies nur für Vorhersagen bis zu 12
Stunden möglich.
über Fernmeldesatelliten sind heute mehr als 90 Länder rund um den Erdball miteinander verbunden. Allein 72 Mitgliedsstaaten des amerikanischeFernmeldesatellitennetzes betreiben eigene Empfangs- und Sendestationen. Und
während "EARLY BIRD" (gestartet 1965 als INTELSAT I) über 240 Kanäle für Telefongespräche verfügte, kann der neueste Typ, INTELSAT IV-A, 6500 Gespräche
gleichzeitig bewältigen und als Relaisstation für Fernsehsendungen mit mehr
als 6000 Sendestunden pro Jahr dienen.
Erst die Raumfahrt und Erdaufnahmen aus dem Weltraum haben demonstriert,
daß Beobachtungen unmittelbar an der Oberfläche mit den Nachteilen und Fehlerquellen der Nahblindheit behaftet sind. Mit speziellen optischen Instrumenten
und Sonden ausgerüstete Satelliten z^iqen neue Wege auf, um landwirtschaftliche Anbaugebiete und ausgedehnte Wälder,'lasser, Eis, Schnee, Stadt- und Landregionen zu überwachen, schädliche Entwicklungen zu erkennen und neue Rohstoff vorkommen zu finden. Geologie, Geochemie und Geophysik, Atmosphärenforschung und Biologie, ja selbst die Medizin haben enorm von der Raumfahrt profitiert - und die Möglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft.
Die Erde ist der einzige bisher bekannte Planet, auf dessen Oberfläche
Wasser, Kontinente und vielfältige Formen von Leben existieren. Die Aufnahmen
aus dem Weltraum haben uns zum ersten Mal die ganze Schönheit, Geschlossenheit, aber auch die Verletzlichkeit dieses Systems "Erde" vor Augen geführt.
Sie als die Heimstatt der Menschen funktionsfähig zu erhalten, muß eine der
vordringlichen Zukunftsaufgaben sein.
XXX
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�</text>
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