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26. Mai 1976

Inhalt

INFORMATION:
Kein Pardon für Rauschgifthä'ndler
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und
seine Bekämpfung"

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Internationales Abkommen zur Beobachtung der Ozonschicht
-USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

Keimfreie Blutkonserven

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1976

KEIN PARDON FÜR RAUSCHGIFTHÄNDLER
-Neue Botschaft Präsident Fords zum Problem "Drogenmißbrauch und seine
Bekämpfung"-

--(AD)-- Mehr als 5 000 Menschenleben, Hunderttausende zerstörter Existenzen,
Überfälle, Diebstahl, Erpressung und Betrug - das ist derzeit der traurige
Jahrestribut für die neue Rauschgiftwelle in den Vereinigten Staaten. Der Verlust für die Volkswirtschaft wird auf 17 Milliarden Dollar im Jahr geschätzt.
Als sich Ende der sechziger Jahre erstmals die Öffentlichkeit des Problems bewußt wurde, handelte die amerikanische Bundesregierung rasch und energisch. Es wurden Sonderorganisationen wie das US-Bundesamt für Drogenüberwachung (Drug Enforcement Administration - DEA) und das Nationale Institut zur
Bekämpfung von Drogenmißbrauch (National Institute on Drug Abuse) geschaffen,
über die diplomatischen Kanäle wurde versucht, weltweit den Rauschgifthandel
wirksam zu bekämpfen und zu unterbinden. Angesichts der Erfolge hatte es
Mitte 1973 den Anschein, als wäre der Wendepunkt erreicht. In heutiger Sicht
aber waren nur einzelne Schlachten gewonnen - der Krieg ging weiter. Anfang
1975 zeigte sich erneut ein Anstieg des Drogenkonsums. Bereits gewonnenes
Territorium ging wieder verloren.
In

- 1 -

�In der Botschaft zum Problem "Drogenmißbrauch und seine Bekämpfung", die
Präsident Ford Ende April 1976 dem US-Kongreß unterbreitete, kündigt der Präsident neue und aggressive Maßnahmen an, um den gegenwärtigen Trend wachsenden
Drogenkonsums in den Vereinigten Staaten zu brechen und ins Gegenteil zu
verkehren.
Die im "Weißbuch über Drogenmißbrauch" vom Jahre 1975 von der Drogenkommission gegebenen Empfehlungen bilden die Grundlage für eine weitere Intensivierung und Ausweitung der von der US-Regierung vorgesehenen Maßnahmen. Vor
allem den Rauschgifthändlern und Schmuggel ringen soll das verbrecherische
Handwerk gelegt werden. Es genüge nicht, wie Präsident Ford erklärte, diese
Leute dingfest zu machen, wenn sie anschließend von den Justizbehörden mit
Glacehandschuhen angefaßt würden.

Selbst notorische Händler würden nach der

Verhaftung gegen Kaution, deren Beschaffung ihnen nicht schwer falle, wieder
auf freien Fuß gesetzt. Eine Erhebung des US-Justizministeriums zeige, daß
jeder vierte des Heroinhandels überführte Verbrecher überhaupt keine Haftstrafe erhalte. Und wenn eine Verurteilung erfolge, betrage die Haftstrafe
bei jedem dritten weniger als drei Jahre. Selbst zu längerer Haft Verurteilte
könnten, wenn sie ein Drittel der Zeit abgesessen hätten, auf Bewährung entlassen werden.
Dieses Vorgehen, so erklärte Präsident Ford, sei gegenüber Kriminellen
nicht angebracht, die aus der Not der Menschen ihre Profite ziehen. Es sei
auch falsch gegenüber den Opfern des Rauschgifts, und es sei falsch vom
Standpunkt des amerikanischen Rechtswesens aus gesehen. Deshalb habe die Regierung dem US-Kongreß Gesetzesvorlagen unterbreitet, denen zufolge Personen,
die des Handels mit Heroin und ähnlichen Suchtstoffen überführt sind, zu
Haftstrafen verurteilt werden müssen. Für Ersttäter soll die Haftdauer mindestens drei Jahre, für Wiederholungstäter oder solche, die Rauschgift an
Jugendliche verkaufen, mindestens sechs Jahre betragen.
Präsident

�Präsident Ford hebt hervor, daß die neuen Vorschläge nicht au

Rachege-

lüsten geboren seien. Ihnen liege vielmehr das Bestreben und die Pflicht der
Regierung zugrunde, die Allgemeinheit vor solchen Schmarotzern zu schützen
und abschreckende Maßnahmen zu ergreifen. Diese sehen unter anderem vor,
keine Freilassung von Rauschgifthändlern mehr zu gewähren, wenn der Festgenommene bereits einschlägig vorbestraft ist, wenn eine Haftstrafe zur Bewährung ausgesetzt wurde, wenn er Ausländer ist, wenn bei ihm bei der Festnahme
ein falscher Paß gefunden wurde, wenn er aus Poliezigewahrsam oder dem Gefängnis flüchtet oder bereits früher wegen Flucht verurteilt wurde.
Die Bestimmungen über Leibesvisitationen und die Beschlagnahme von
Kraftfahrzeugen, Booten und Flugzeuoen, die zum Schmuggein von Suchtstoften
und Geldgewinnen von Rauschgifthändlern benutzt werden, durch den amerikanischen Zoll werden erheblich verschärft. Außerdem werden Meldefristen beim
Zoll für private Eigner kleiner Küstenboote drastisch verkürzt und Geldbußen
erhöht.

Synthetische Suchtstoffe
Als vordringlich bezeichnet Präsident Ford die Ratifizierung der Internationalen Konvention über nsychotrope Substanzen durch den US-Kongreß. Sie
wurde bereits 1971 zur Überwachung des internationalen Handels mit synthetischen,suchtgefährdenden Substanzen geschlossen - vor allem zur Überwachung von
Barbituraten, Amphetaminen und Tranquillantien. Durch den Mißbrauch von Präparaten auf der Basis dieser Substanzen entstand in den Vereinigten Staaten
bereits ein ähnlich schwerwiegendes Problem wie durch Heroin.

Straffung

- 3 -

�Straffung des Regierungsprogramms

Die Tätigkeit der zuständigen Abteilungen in sieben Bundesministerien
und 17 anderen Behörden, die in das Regierungsprogramm zur Bekämpfung des
Drogenmißbrauchs eingeschaltet sind, soll besser koordiniert werden. Präsident
Ford setzte zu diesem Zweck zwei neue Kabinettsausschüsse ein: Der eine befaßt sich mit den Fragen des Rechtsvollzugs im Zusammenhang mit der Rauschgiftbekämpfung, der andere mit vorbeugenden Maßnahmen sowie der Therapie und
Rehabilitation bei Opfern des Drogenmißbrauchs.
Der letztgenannte Ausschuß, der unter dem Vorsitz des Bundesministers
für das r esundheits-, Erziehungs- und Sozialwesen steht, wird sich besonders
darauf konzentrieren, mehr Möglichkeiten zur Wiedereingliederung Süchtiger
in das Berufs- und Arbeitsleben zu schaffen. Denn Behandlung allein ist erfahrungsgemäß nicht genug.

Vielmehr müssen die Lebensbedingungen, die das

Drogenopfer zur Flucht ins Rauschgift veranlaßten, grundlegend geändert werden. Andernfalls ist immer wieder mit einem Rückfall zu rechnen. Um den Bemühungen zum Erfolg zu verhelfen, ist nach Ansicht des Präsidenten auch eine
bessere Koordinierung der Maßnahmen solcher Stellen, die sich mit Vorbeugung
und Rehabilitation befassen, und jenen der Justiz erforderlich.
Auf internationaler Ebene werden die Anstrengungen zur Zusammenarbeit mit
anderen Regierungen auf der Basis der bisherigen Erfahrungen weiter verstärkt.
Die USA geben Beistand über die in einer Anzahl von Ländern stationierten
amerikanischen Fahndungsbeamten, die gemeinsam mit den einheimischen Behörden
gegen Händler-und Schmugglerringe vorgehen. Jedoch müsse der Auf - und Ausbau
von Institutionen und eines wirksamen Systems internationaler Verträge, die
den juristischen Rahmen für internationale Gegenschläge gegen die Rauschgiftkriminalität abgeben, beharrlich vorangetrieben und verbessert werden.

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INTERNATIONALES ABKOMMEN ZUR BEOBACHTUNG DER OZONSCHICHT
- USA, England und Frankreich beginnen Fünf-Jahres-Studie-

— ( A D ) — Die Sorge wegen möglicher schädlicher Auswirkungen von Flugzeugabgasen und anderen chemischen Stoffen auf die Stratosphäre veranlaßte die
Vereinigten Staaten, England und Frankreich, ein Fünf-Jahres-Abkommen zur
Beobachtung dieses Bereiches der irdischen Lufthülle, insbesondere der stratosphärischen Ozonschicht, abzuschließen. Es wurde Anfang Mai 1976 von Regierungsvertretern der drei Länder in Paris unterzeichnet.
Amerika, England und Frankreich wollen künftig alle einschlägigen Forschungsprojekte koordinieren und mit den für dieses Spezialgebiet zuständigen
internationalen Organisationen abstimmen. Denn der Verdacht ist begründet, daß
bestimmte chemische Verbindungen, die mit Verbrennungsprodukten und durch
andere Prozesse in die Atmosphäre gelangen, diese so stark zusätzlich belasten, daß die wegen ihrer Schutzwirkung unbedingt lebenswichtige Ozonschicht massiv angegriffen und "verdünnt" wird. Gegenüber aggressiven natürlichen Verbindungen hat sich im Laufe von Jahrmilliarden unter Mitwirkung
der Sonnenenergie eine Art Gleichgewicht für die atmosphärische Ozonkonzentration eingestellt. Die Ozonschicht wurde bisher ausreichend regeneriert.
Durch Abgase aller Art, durch die in aller Welt in großen Mengen verwendeten

-l -

�verwendeten Fluorkohlenwasserstoffe und den immer dichter werdenden Flugverkehr in immer größeren Höhen erwächst jedoch die Gefahr einer zu geringen Neubildung von Ozon. Häufung von Hautkrebs und Augenkrankheiten beim Menschen,
schwere Beeinträchtigung biologischer Prozesse bis hin zur Plantonproduktion
sowie Klimaveränderungen zählten aller Wahrscheinlichkeit nach zu den Folgen.
•

Um Art und Größenordnung künstlich ausgelöster Veränderungen in der Lufthülle der Erde und die daraus erwachsenden Gefahren erkennen zu können, haben
bereits verschiedene Länder Forschungsprojekte in Angriff genommen. Das Dreierabkommen soll helfen, bereits laufende Untersuchungen, auch solche unter der
Regie der Vereinten Nationen sowie nationaler und internationaler regionaler
Wissenschaftsorganisationen, zu beschleunigen und zu unterstützen. Es fordert
vor allem die enge Zusammenarbeit mit der UN-Organisation für Meteorologie
(WMO)» dem UN-Umweltgremieum (UNEP) und der.Internationalen Organisation
für die Zivile.Luftfahrt. Man will mehr Möglichkeiten für die kontinuierliche
Beobachtung der Ozonschicht schaffen, die.Forschung in bezug auf biologische
und klimatische Auswirkungen einer Veränderung der Verhältnisse in der Stratosphäre intensivieren und die Frage klären, ob und in welcher Form internationale Richtlinien hinsichtlich höchstzulässiger Mengen und Bestandteile von
Flugzeugabgasen für die Zivilluftfahrt eingeführt werden müssen.
Die Regierungen der USA, Englands und Frankreichs werden darauf hinarbeiten, daß bessere Mittel und Wege gefunden werden, um mehr Meßdaten über die
stratosphärische Ozonschicht zu sammeln, die Auswertung von Meßprogrammen zu
beschleunigen und Analysenergebnisse so rasch wie möglich auszutauschen. Die
Vertragsparteien unterrichten einander über bereits laufende oder geplante
Forschungs- und Analysenprogramme und nutzen alle Chancen zur Durchführung
neuer, qemeinsamer Forschungsprojekte. Aufgrund von Erkenntnissen zu möglichen
Veränderungen der Ozonkonzentration in der Stratosphäre will man gemeinsam
Empfehlungen über die künftige Verbesserung des Meßstellennetzes ausarbeiten.
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�In den Vereinigten Staaten sind die Bundesluftfahrtbehörde (FAA - Federsl
Aviation Administration), die US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung
(NOAA - National Oceanic and Atmospheric Administration), die Weltraunbehörde
(NASA - National Aeronautic and Space Administration), das Verteidigungsministerium und die Umweltschutzbehörde EPA in die Fünf-Jahres-Studie eingeschaltet. Sie wurde auf Anregung des amerikanischen Verkehrsministers William
Coleman in Angriff genommen, als dieser im Februar 1976 entschied, das britisch-französische Überschau-Passagierflugzeug CONCORDE versuchsweise für
die Dauer von 16 Monaten zur Aufnahme eines begrenzten Liniendienstes nach
New York und Washington zuzulassen.

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KEIMFREIE BLUTKONSERVEN

--(AD)-- Raumflugkörper wie die amerikanischen VIKING-Sonden, die im Verlauf dieses Sommers auf dem Mars landen sollen, müssen zuvor aufs sorgfältigste keimfrei gemacht worden sein. Andernfalls besteht die Gefahr, daß sie
die Umgebung des Landeplatzes mit irdischen Organismen verseuchen. Mitarbeiter der US-Weltraumbehörde NASA entwickelten besondere Sterilisierverfahren,
die die Gewähr geben, daß einerseits vorhandene Keime abgetötet werden,
andererseits aber durch die dabei angewandten hohen Temperaturen keinerlei
Schäden an den empfindlichen Instrumenten entstehen können.
Auf dem im Jet Propulsion Laboratory (JPL-Institut für Strahlantriebe)
der Universität Kalifornien in Pasadena ständig weiter verbesserten Verfahren
beruht eine neue Methode, um Behälter und Verbindungsschläuche für das Aufbewahren und Umfüllen von Blutkonserven, die dazu wieder aufgetaut werden
müssen, absolut keimfrei zu machen. Die Schläuche bildeten bisher das
schwächste Glied in der Sterilisierkette. Das neue Verfahren erlaubt es jedoch, auch die Schläuche so stark zu erhitzen, daß eventuell bei der Montage
eingesickerte Keime mit Sicherheit abgetötet werden.
Die doppelwandigen Schläuche werden unter Hitzeeinwirkung verschweißt
und gleichzeitig sterilisiert. Ihr äußerer Teil und die flachen Anschlußstücke
bestehen aus einem gewöhnlichen Kunststoff, nämlich Plyvinylchlorid. Die

- l -

�Die Innenwandung, die direkt mit dem Blut in Berührung kommt, ist mit einer
speziellen, hitzebeständigen Auflage beschichtet., Sobald die Schläuche zusammengefügt sind, wird bei den Anschlußstücken mit der Wärmebehandlung (200
Grad C) begonnen. Durch das sofort einsetzende Verschweißen wird die Ausbreitung von Keimen verhindert. In den Schläuchen vorhandene Keime werden abgetötet, Das ganze Verfahren nimmt weniger als eine Minute in Anspruch.

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