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17. März 1976

Inhalt

DOKUMENTATION:

Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am
12. März 1976 Kissinger zieht außenpolitische Bilanz
- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976

HINTERGRUNDMATERIAL:

Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1976

PRÄSIDENT FORD ZUR AUSSENPOLITIK DER VEREINIGTEN STAATEN
- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -

CHICAGO - (AD) - Präsident Ford hat in einer vielbeachteten Rede vor dem
Chicago Council of Foreign Relations am 12. März 1976 die großen Linien der
amerikanischen Außenpolitik aufgezeigt. Die Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
Ich begrüße diese Gelegenheit, Ihre Fragen zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten zu beantworten.

Kurz nach dem Ersten Weltkrieg gegründet, hat

Ihre Organisation sehr viel früher als jeder andere Amerikaner die Bedeutung
der internationalen Rolle erkannt, die der Verlauf der Geschichte unserem Lande aufgebürdet hat.
Seit über einem halben Jahrhundert haben Sie wesentlich dazu beigetragen,
daß unsere Bürger die außenpolitischen Probleme der Vereinigten Staaten besser
verstanden haben. In den entscheidend wichtigen dreißiger Jahren kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges in Europa hat einer ihrer früheren Ratsvorsitzenden, der verstorbene Gouverneur Stevenson, Ihre Ziele klar dargelegt.
"Nur wenn wir uns die Probleme bewußt machen, vor denen unsere geplagte
Welt steht, können die Freiheit und die Privilegien, die wir heute schon als
selbstverständlich voraussetzen, für die künftigen Generationen der noch Unge- 1 -

�Ungeborenen gesichert werden".

Jahre später, als ich für General Eisenhower

einen heftigen Wahl kämpf gegen Gouverneur

Stevenson führte, hätte ich mir

nicht träumen lassen, daß ich sie beide heute hier in Chicago zitieren würde.
Aber ich kann das tun, weil die Annalen des öffentlichen Dienstes für
Amerika eindeutig ausweisen, daß sowohl Präsident Eisenhower als auch Gouverneur
Stevenson,

obwohl sie politische Rivalen waren, als es darauf ankam und die

nationalen Interessen der Vereinigten Staaten auf dem Spiele standen, nachhaltige und überzeugte Verfechter unserer überparteilichen Nachkriegspolitik des
Friedens durch Stärke waren.
Präsident Eisenhower hat unsere nationale Zielsetzung in klaren Worten
ausgesprochen:
"Wir streben nach dem Frieden, weil wir wissen, daß Frieden das Klima der
Freiheit ist.

Und wir streben heute, wie zu keiner anderen Zeit, nach ihm,

weil wir durch die Gewalt moderner Waffen gewarnt sind, daß Frieden das einzige
Klima überhaupt sein könnte, in dem menschliches Leben möglich ist ...
Wir sind aufgerufen, den Preis für diesen Frieden zu zahlen. Um der Drohung jener zu begegnen, die die Herrschaft durch Gewalt suchen, müssen wir die
Kosten für unsere eigene notwendige militärische Stärke aufbringen und anderen
beim Aufbau ihrer Sicherheit helfen." Unsere Politik des Friedens durch Stärke
ist nicht erst jetzt von mir erfunden worden. Sie ist bereits in unseren Geschichtsbüchern vorzufinden, wenn wir den weisen Ratschlag George Washingtons
lesen:
"Auf den Krieg vorbereitet zu sein, ist eines der wirksamsten Mittel
um den Frieden zu erhalten." Frieden durch Stärke war ein Thema in meinem
ersten politischen Wahl kämpf, als ich dem verstorbenen Senator Arthur Vandenberg,
meinem großen Freund und Mentor aus Grand Rapids, in der Unterstützung der
NATO, des Marshall-Plans und der Hilfe für Griechenland und die Türkei folgte.
Frieden durch Stärke war meine ständige Richtschnur in den 553 Abstimmungen über Fragen der Verteidigung und der Außenpolitik als Mitglied des Kongresses

�Kongresses der Vereinigten Staaten, als führendes republikanisches Mitglied
des Bewilligungsunterausschusses des Verteidigungsausschusses und als Fraktionsführer der Minderheit im Repräsentantenhaus.
mein ständiges Ziel als Präsident gewesen.

Frieden durch Stärke ist

Lassen Sie mich erklären, was

ich unter Frieden durch Stärke verstehe - nicht mit der Rhetorik eines Wahljahres, sondern anhand von Fakten.

Lassen Sie mich unsere nationale Sicher-

heitspolitik darlegen - nicht mit Worten, sondern mit dem, was wir tatsächlich für den Frieden in der Welt und die Aufrechterhaltung der Stärke im eigenen Land getan haben.
In meinen ersten Worten nach Ablegung des feierlichen Eides als Präsident habe ich mich zu einer ununterbrochenen und ernsthaften Suche nach Frieden verpflichtet. Ich sagte damals: "Amerika wird stark und einig bleiben,
aber seine Stärke wird der Sicherheit und der Würde der gesamten Menschheit,
wie auch unserer eigenen kostbaren Freiheit gewidmet bleiben."
Man braucht sich nur an Pearl Harbor zu erinnern um zu wissen, daß
Schwäche zum Krieg einlädt.
gend einer Front.

Aber heute kämpfen keine Amerikaner mehr an ir-

Es gibt viele ernsthafte - meiner Meinung nach jedoch kurz-

sichtige - Menschen, die glauben, daß die Milliarden für die Verteidigung für
andere Programme besser ausgegeben werden könnten.
Ich bin überzeugt, daß ausreichende Ausgaben für die nationale Verteidigung eine Versicherungspolitik sind - eine Versicherungspolitik für den
Frieden, auf die zu verzichten wir uns in der heutigen Welt nicht leisten können.

Wir brauchen diese Lebensversicherung, da wir einem mächtigen Gegner ge-

genüberstehen, der mit tödlichen Waffen gerüstet ist, und dessen Grundsätze
und Zielsetzungen sich von den unsrigen fundamental unterscheiden.

Wir werden

daran arbeiten, die Konfrontation abzubauen und eine nukleare Katastrophe zu
vermeiden.

Aber wir müssen auch bereit sein, Herausforderungen entgegenzu-

treten, wo immer und wann immer sie auftreten.
Es ist kein Geheimnis, daß die Vereinigten Staaten und die UdSSR in der
politischen und wirtschaftlichen Ideologie fundamental verschieden sind.

Wir

�Wir werden niemals aufhören, die Grundsätze zu verteidigen, für die wir eintreten - Freiheit, Rechte des Einzelnen, und unsere tiefe Überzeugung, daß
eine Regierung da ist, um ihren Bürgern zu dienen.
doppelte:

Unsere Aufgabe ist eine

die Ideale des amerikanischen Volkes zu verteidigen und zu fördern

und, wo immer möglich, die Spannungen und Konfrontationen abzubauen, die zur
nuklearen Katastrophe führen könnten.

Um das zu tun, müssen wir eine Position

der unbezweifelbaren Stärke aufrechterhalten.
Aus diesem Grunde habe ich einige Monate nachdem ich Präsident wurde,
dem Kongreß den höchsten Friedensverteidigungshaushalt in der Geschichte unseres Landes mit über 104 Milliarden Dollar vorgelegt.

Bedauerlicherweise

kürzte der Kongreß meinen Voranschlag um über 6 Milliarden Dollar.
In diesem Jahr habe ich dem Kongreß erneut einen Rekordverteidigungshaushalt von 112,7 Milliarden Dollar unterbreitet.
Der jetzt dem Kongreß vorliegende Haushaltsvoranschlag für die Verteidigung ist der Ausdruck meiner Entschlossenheit, die Verteidigung Amerikas - sowohl strategisch als auch konventionell - auf dem Stande aufrechtzuerhalten,
den unsere nationale Sicherheit erfordert. Dazu gehört eine Zunahme von 7,4
Milliarden Dollar in realer Kaufkraft zum Kauf neuer Waffensysteme, zur weiteren Verbesserung der Einsatzbereitschaft der vorhandenen Streitkräfte und zur
Verstärkung bestimmter Teile der Streitkräfte, während wir überall unnötiges
Fett abschneiden.
Der Voranschlag enthält Mittel für 16 neue Schiffe für unsere Marine und
die weitere Modernisierung der Flotte, einschließlich nukleargetriebener Unterseeboote und Lenkwaffenfregatten.

Ich werde mehr Mittel anfordern, wenn eine

derzeitige Studie zeigen sollte, daß die Marine noch rascher verstärkt werden
muß.
Die Arbeit am Trident-Unterseeboot, dem B-l Bomber, den Flugkörpern mit
Luftstrahltriebwerk

(Cruise Missiles) und ballistischen Raketen, einem neuen

Jagdbomber für die Marine und die Luftwaffe, modernen Panzern, Amphibien- 4 -

�Amphibienfahrzeugen und Infanteriefahrzeugen wird weitergeführt werden.
So wie wir unermüdlich an der Aufrechterhaltung der Elemente der Stärke
Amerikas gearbeitet haben, so habe ich geduldig nach dem Frieden durch diese
Stärke gestrebt.

Ich bin dreimal als Präsident nach Europa gereist, um un-

sere NATO-Verpflichtung mit unseren westlichen Verbündeten zu bekräftigen, unsere Wirtschafts- und Energiepolitiken mit den demokratischen Industrienationen
zu koordinieren, und unseren Handel und unsere Kontakte mit den Völkern Osteuropas zu verbessern und sie unserer Freundschaft zu versichern.
Ich ging nach Europa, um den Führern der Länder des Warschauer Pakts
- ja den Führern von 33 europäischen Nationen aus Ost und West - zu erklären,
daß die Nachkommen der Europäer in Amerika noch heute nach den Grundsätzen
leben, die hier vor 200 Jahren verkündet worden sind, daß alle Menschen - nicht
nur Amerikaner, sondern alle Männer und Frauen überall - von ihrem Schöpfer
mit unveräußerlichen Rechten auf Leben, Freiheit und Streben nach Glück ausgestattet worden sind.
Ich habe ihnen unumwunden erklärt, - und ich bin stolz, das heute erneut
zu erklären - daß wir Amerikaner noch immer an diese Grundsätze glauben - daß
sie die Richtschnur unserer nationalen Politik bleiben - und daß sie weiterhin
Millionen von Menschen, die sich in Europa und sonstwo in der Welt nach Freiheit sehnen, Hoffnung geben.
Ich bin zweimal als Präsident nach Asien gereist, um unsere lebenswichtige Partnerschaft mit dem Nachkriegsjapan und unseren anderen freien Verbündeten zu stärken und unsere Beziehungen zu China weiter zu verbessern.

All

dies ist entscheidend wichtig für den friedlichen Fortschritt im Rahmen meiner pazifischen Doktrin.

Ich traf ferner in Wladiwostok mit Generalsekretär

Breschnew zusammen, und wir haben dort ein vorläufiges Übereinkommen über die
Begrenzung des unkontrollierten strategischen Nuklearwettrüstens zwischen der
Sowjetunion und den Vereinigten Staaten erreicht.

Wie Sie wissen,

verhandeln

wir noch immer über die Details eines solchen Abkommens, und ich kann noch
nicht sagen, wann oder sogar ob diese Verhandlungen abgeschlossen werden.

Aber

�V

Aber ich kann sagen, daß seitdem die Russen im Jahre 1949 ihre erste Kernexplosion ausgelöst haben, jeder Präsident der Vereinigten Staaten versucht
hat, dieses tödliche Duell zu bremsen oder zu beenden, und wir sind dem heute
seither am nächsten gekommen.

Und ich will heute auch ohne Zögern sagen, daß

ich niemals irgend einem solchen Vertrag zustimmen oder ihn dem Senat der Vereinigten Staaten zur Ratifizierung vorlegen werde, wenn ich nicht absolut überzeugt bin, daß er im besten Interesse der Vereinigten Staaten und des Friedens
in der Welt liegt.
Wenn wir ein gutes SALT II-Abkommen erlangen, dann wird es für die
nächsten sieben bis zehn Jahre den strategischen Waffen eine Grenze nach oben
setzen.
stecken.

Es wird die Russen zwingen, in ihren gegenwärtigen Plänen zurückzuUm ein solches Abkommen wirklich verifizieren zu können, werden wir

die Nachrichtendienst-Kapazität der Vereinigten Staaten als die beste in der
Welt aufrechterhalten müssen.
Aus diesem Grunde habe ich eine grundlegende Reform zur Stärkung und
Verbesserung unserer nachrichtendienstlichen Tätigkeit im Ausland angeordnet
und gleichzeitig weiteren Mißbräuchen der Rechte von Amerikanern Einhalt geboten. Dies fällt beides in den Aufgabenbereich und die Verantwortung des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Aber ich werde nicht zulassen, daß irgendjemand unsere Kapazität der weltweiten nachrichtendienstlichen Tätigkeit zerstört.
Ich bin im übrigen der Meinung, daß es an der Zeit ist, damit aufzuhören,
Amerika und die Institutionen Amerikas herabzusetzen. Ich glaube an dieses
Land, an die Güte seiner Menschen und die Rechtschaffenheit seiner Zielsetzung.
Weil wir unsere große Stärke und unseren großen Einfluß benutzt haben, um anderen zu helfen, sind die Vereinigten Staaten in der Lage, eine positive Rolle
als Friedensstifter in der Welt zu spielen.
Das Sinai-Abkommen zwischen Israel und Ägypten vom September vorigen
Jahres funktioniert gut und ist ein Meilenstein auf dem Weg zu einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten. Wir stärken unsere alten und neuen Freund- 6 -

�Freundschaften mit den Nationen Lateinamerikas und Afrikas, und ich habe das
Kuba Castros und seine sowjetischen Schirmherren vor jedem weiteren bewaffneten Abenteurertum auf einem Kontinent dieser Erde gewarnt. Wir stehen in den
Vereinten Nationen für unsere Grundsätze ein, und wir werden das auch weiterhin
tun.

Wir fördern unseren Außenhandel und haben wieder eine positive Zahlungs-

bilanz hergestellt - zu einem guten Teil durch die Anstrengungen amerikanischer
Farmer, deren Produktivität eine unserer größten Faktoren unserer Stärke für
den Frieden ist.
Frieden und Stärke sind Teil einer einzigen Politik, die zwei Seiten
derselben Medaille. Außenminister Kissinger und unser Mitbürger aus Illinois,
Verteidigungsminister Rumsfeld, führen eine einzige amerikanische Politik aus.
Ein gutes Beispiel dafür erscheint diese Woche in der Ausgabe der Zeitschrift
"U.S. News and World Report", die ausführliche Interviews mit meinen beiden
Kabinettsmitgliedern enthält. Sie wurden getrennt gefragt, und keiner kannte
die Antworten des anderen. Aber die Politik,die sie darlegen, ist klar und
eindeutig übereinstimmend. Sie haben verschiedene Aufgaben, aber ein einziges
Ziel. Dieses Ziel - Frieden durch Stärke - ist in diesen schwierigen und gefährlichen Zeiten die richtige Politik für unser Land.
Lincoln rief die beunruhigten Amerikaner seinerzeit auf, daran zu glauben,
daß Recht Macht schafft.

Er hat die Stärke nicht vernachlässigt, die aus

materieller Macht entsteht. Auch wir können das nicht. Aber ebensowenig
dürfen wir die Rechtschaffenheit dessen vergessen, für das wir in der Welt eintreten.

Wir treten für die Freiheit ein - weil Freiheit Recht ist. Wir tre-

ten für den Frieden ein - weil Frieden Recht ist.
Wir treten für die Stärke ein - unsere nationale Stärke, die sowohl den
Frieden als auch die Freiheit sichert - für uns selbst und für andere - weil
diese Art der Stärke Recht ist und sicherlich die Oberhand behalten wird.

+ + + + +

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5/1976

KISSINGER ZIEHT AUSSENPOLITISCHE BILANZ
- Rede des amerikanischen Aussenministers in Boston am 11.März BOSTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am
11. März in einer Rede vor dem World Affairs Council in Boston in einer aussenpolitischen Bilanz seine Politik gegenüber den Kritikern im eigenen Lande
verteidigt und gleichzeitig die Sowjetunion gewarnt, daß verbesserte Beziehungen zwischen beiden Ländern "kein zweites Angola" vertrügen. Neben den amerikanisch-sowjetischen Beziehungen behandelte Kissinger unter anderem die NATO
und die Dritte Welt. Die Ansprache hat folgenden Wortlaut:
Botschafter Lodge, verehrte Gäste und Freunde!
Ich weiß die Ehre, die Sie mir heute zuteil werden lassen, besonders zu
schätzen, nicht nur, weil sie mir von alten Freunden in Massachusetts zugedacht
wird, sondern auch wegen des Namens, der damit verbunden ist. In seiner langen
Laufbahn als Parlamentarier, Gouverneur und Außenminister verkörperte
Christian Herter die Ideale des selbstlosen öffentlichen Dienstes und verantwortungsbewußten Patriotismus, die die großen Führer unserer Nation immer gekennzeichnet haben. Vor allem war Christian Herter ein Mann, der an sein Land
und an das Gute seines Landes glaubte. Er begriff die entscheidende Rolle, die
dieses Land um der Sicherheit, des Fortschritts und der Gerechtigkeit willen
in der Welt spielen muß.
In

- 1 -

�In diesem Wahljahr, zehn Jahre nach Christian Herters Tod, täten wir
alle gut daran, uns seiner Weisheit zu erinnern. Amerika ist auch heute noch
das große und gute Land, an das er geglaubt hat, und unsere Beteiligung an
der internationalen Szene ist noch genau so entscheidend, wenn wir in unserer
Zeit den Frieden und ein besseres Leben für die Menschheit erleben wollen.
Wir dürfen niemals vergessen. c M '•r'-^re
liegen hat, die über dieses Wahljahr

Nation bleibende Interessen und An-

.inaus bewahrt werden müssen.

Wir können eine Zeit der nationalen Erneuerung erleben - in der Amerikaner frei ihren Gesellschaftsvertrag neu aushandeln. Wenn aber das Streben nach
kurzfristigen Vorteilen die Oberhand ü h T alle anderen Überlegungen behält,
dann kann ^s eine Periode irreführender Vereinfachungen, weiterer Spaltungen
und steriler gegenseitiger Beschuldigungen werden.
Diese Administration ist seit vielen Monaten bereit, ihre Politik, ihre
Prämissen und ihre Vorstellungen von der Zukunft dem amerikanischen Volk vorzulegen. Der Präsident hat oft über unsere Anliegen und Hoffnungen in der Welt
gesproch»
Ich habe allein während der letzten 14 Monate 17 große Reden gehalten, 20 große Pressekonferenzen abgehalten und zahllose Interviews gegeben,
und ich habe 39 mal vor Kongreßausschüssen Rede und Antwort gestanden.
"

•

Natürlich kann es unterschiedliche Meinungen hinsichtlich der Politik geben, die in einer komplexen und gefährlichen Welt zu verfolgen sei. Wer aber
die heutige Politik in Frage stellt, der hat die Verpflichtung, über Kritik,
Schlagworte und Beschimpfungen hinauszugehen und im Detail darzulegen, welche
Vorstellungen und Alternativen er hat, was das wohl kosten würde und wie die
Chancen und Risiken aussehen.
Amerika hat eine schwierige Zeit durchgemacht - da unsere Institutionen
angegriffen, unsere Zielsetzungen angezweifelt, und unser Wille in Frage gestellt wurde. Es ist jetzt an der Zeit, wie Adlai Stevenson sagte, "mit dem
amerikanischen Volk ein ernstes Wort zu reden".
Als

�Als Nation stehen wir vor neuen Gefahren und Chancen. Aber weder die Gefahren noch die Chancen werden auf unsere Entscheidungen im kommenden November
warten, und sie kennen beide zutiefst von dem beeinflußt werden, was wir in
der Zwischenzeit sagen und tun. Komplexe Realitäten können nicht durch nostalgische Vereinfachungen aus der Welt geschafft werden.
Durch die ganzen Wirren dieses Jahrzehnts hat unsere Außenpolitik unsere
fundamentalen Ziele mit Energie und Ausdauer verfolgt:
- Seit über einem Jahrzehnt leben wir zum ersten Mal in Frieden. Kein
Amerikaner braucht irgendwo auf der Welt zu kämpfen.
- Unsere Beziehungen zu unseren Freunden und Verbündeten in der atlantischen Gemeinschaft und mit Japan sind niemals stärker gewesen.
- Mit der Volksrepublik China ist eine neue und dauerhafte Beziehung angebahnt und gefördert worden.
- Die Konfrontation im Herzen Europas hat nachgelassen. Ein ViermächteAbkommen über Berlin hat anderthalb Jahrzehnte der Krise und Konfrontation
abgelöst.
- Wir haben ein Interims-Abkommen zur Begrenzung strategischer Rüstungen
mit der Sowjetunion ausgehandelt, das der zahlenmäßigen Ausweitung sowjetischer
strategischer Programme Einhalt geboten und gleichzeitig die Durchführung eigener notwendiger Programme erlaubt hat.
- Wir verhandeln gegenwärtig über ein langfristiges Abkommen, das, wenn
erfolgreich abgeschlossen, zum ersten Mal in der Geschichte der Gesamtzahl
strategischer Waffen eine obere Grenze setzen und de Sowjetunion zwingen wird,
einige ihrer bestehenden Systeme abzubauen.
- Hinsichtlich einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten ist ein bedeutsamer
Fortschritt erreicht worden. Es bleibt noch viel zu tun und es gibt noch viele
Gefahren, aber zum ersten Mal seit der Gründung des Staates Israel ist der
Friedensprozeß in Gang gekommen.
- In

- 3 -

�- In unseren Beziehungen zu Lateinamerika zeichnet sich eine neue Reife
und ein neuer Auftrieb ab, der die sich wandelnden Realitäten in der westlichen Hemisphäre und die wachsende Bedeutung dieser Länder auf der internationalen Bühne widerspiegelt.
- Die Vereinigten Staaten haben die globale Führungsrolle bei der Ausarbeitung einer umfassenden Agenda für eine neue und beiderseits nützliche Beziehung

zwischen den Entwicklungsländern und den Industriestaaten übernom-

men.
- Wir haben in allen internationalen Gremien wie auch in unseren bilateraler Beziehungen die Rechte und Würde des Menschen verteidigt.
Das ist eine ansehnliche Liste amerikanischer Leistungen, die über Parteigrenzen hinausgeht, denn das meiste ist unter Zusammenarbeit beider Parteien erreicht worden. Es entspricht den Idealen des amerikanischen Volkes,
es kündet für unsere Nation eine anhaltende Rolle moralischer und politischer
Führung an - wenn wir die Einsicht, den Willen und die Einheit an den Tag
legen, um die uns von der Geschichte gebotene Chance zu ergreifen.
Vor 30 Jahren begann dieses Land sich zum ersten Mal in Friedenszeiten
dauerhaft in außenpolitischen Angelegenheiten zu engagieren. Wir haben Großes
erreicht und wir können dies auch weiterhin tun, solange wir bereit sind, uns
der Tatsache zu stellen, daß wir in einer komplexeren Zeit leben:
- Die Sowjetunion ist heute eine Supermacht. Wir hätten nichts tun können, was diese Entwicklung verhindert hätte, nach dem Anstoß, den zwei Generationen industriellen und techpologisehen Fortschritts dem militärischen und
wirtschaftlichen Wachstum der Sowjetunion gegeben haben. Aber zusammen mit
anderen müssen wir sicherstellen, daß russische Macht und russischer Einfluß
nicht in eine Expansion sowjetischer Kontrolle und Herrschaft über die Grenzen
der UdSSR hinaus umgesetzt werden. Das ist eine Vorbedingung für eine konstruktivere Beziehung.
- Heute

- 4 -

�- Heute sind Dutzende neuer Nationen entstanden und haben neue Einflußzentren geschaffen. Diese Nationen stellen beharrliche Ansprüche an das globale System, sie bringen ihre neue wirtschaftliche Macht ins Spiel und sie
streben nach einer größeren Rolle und einem größeren Anteil an der Prosperität der Welt.
- Heute sind die Kräfte der Demokratie zu neuerlicher schöpferischer
Kraft und zu neuerlichem Weitblick aufgerufen. In einer Welt der Vielfältigkeit - in einer Welt des Gleichgewichts und der Koexistenz, des Wettbewerbs
und der Interdependenz - sind es unsere demokratischen Werte, die unserem
Opfer wahre Bedeutung und unseren Anstrengungen die Zielsetzung geben. So
hat der Zusammenhalt der demokratischen Industrienationen eine moralische
ebenso wie eine politische und wirtschaftliche Bedeutung.
Die Amerikaner sind ein realistisches Volk, das die Definition einer
Herausforderung niemals als eine Prophezeiung des Untergangs oder als ein
Zeichen des Pessimismus angesehen hat. Statt dessen haben wir es immer als
einen Aufruf zum Kampf betrachtet. Die Tapfersten, so sagt Thukydides, sind
sicherlich jene, die den klarsten Blick für das vor ihnen liegende haben, ob
Sieg oder Gefahr, und doch nicht zögern, den Dingen zu begegnen. Das ist seit
je die Bewährungsprobe der Demokratie gewesen - und es ist seit je die Stärke
des amerikanischen Volkes gewesen.
Lassen Sie mich jetzt auf die bleibenden Interessen Amerikas eingehen:
Frieden, Fortschritt und Gerechtigkeit.

Gleichgewicht und Frieden
Seit Anbruch des Atomzeitalters bildeten die Beziehungen zwischen -den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion gleichsam den Dreh- und Angelpunkt
für die Furcht der Welt vor einer Katastrophe oder für ihre Hoffnungen auf
Frieden.
In einer Zeit, in der zwei Länder über die Macht verfügen, die Welt innerhalb weniger Stunden in eine Trümmerwüste zu verwandeln, gibt es kein

- 5 -

�kein dringlicheres und höheres Gebot, als sicherzustellen, daß die Beziehungen
zwischen den Supermächten wirksam und vernünftig gestaltet werden. Dies ist
eine Aufgabe, wie es sie noch nie bisher gegeben hat. In der Geschichte haben
ideologischer Konflikt und geopolitische Interessen, wie sie für die gegenwärtige internationale Situation charakteristisch sind, nahezu unabänderlich
in einem Konflikt geendet. Aber in dem Zeitalter der thermonuklearen Waffen
und des strategischen Gleichgewichtes würde die Menschheit eine solche Wiederholung der Geschichte nicht überleben. Keine noch so harte Rhetorik kann an
diesen Realitäten etwas ändern. Die Zukunft unseres Landes und der Menschheit
hängt davon ab, wie gut es uns gelingt, eine Konfrontation ohne Preisgabe
unserer lebenswichtigen Interessen zu vermeiden, und wie gut es uns gelingt,
stabile, zu mehr Hoffnungen berechtigende Beziehungen ohne Preisgabe von Prinzipien zu errichten.
Wir stehen daher vor der Notwendigkeit, eine zweigleisige Politik zu verfolgen: Auf der einen Seite sind wir entschlossen, zu verhindern, daß die
sowjetische Militärmacht für eine politische Expansion eingesetzt wird; wir
werden eine solche abenteuerliche Politik entschlossen einzuschränken suchen
und ihr mit Entschiedenheit entgegentreten. Zugleich aber können wir nicht
jeden politischen Disput zu einer zentralen Krise aufbauschen, noch können wir
uns damit zufrieden geben, Außenpolitik mit Krisenmanagement gleichzusetzen.
Es ist unsere Pflicht, auf eine positivere Zukunft hinzuarbeiten. Wir müssen
Widerstand gegen Druck und unverantwortliches Verhalten mit echten Bemühungen
um den Aufbau einer kooperativen Welt verbinden.
Die Geschichte kann uns bei diesen Bemühungen leiten - oder auch fehlleiten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg standen Staatsmänner und Völker eine Generation lang unter dem Trauma der Erfahrungen von München; sie glaubten, daß die
Geschichte bewiesen habe, wie töricht es ist, einem Gegner zu gestatten, ein
Übergewicht an Macht zu erlangen. Dies war und bleibt eine entscheidend wichtige Lehre.
Eine

�Eine spätere Generation wurde durch die Vietnamerfahrungen geläutert;
es steht fest, daß Amerika sich niemals wieder zu stark expon^ren oder sich
übernehmen wird, indem es sich in weit entfernte Kriege ohne klaren strategischen Sinn einläßt. Auch dies ist eine Lehre von entscheidender Bedeutung.
Gleich wichtig jedoch und zu oft unbeherzigt ist die Lehre, die eine frühere Generation erfahren mußte. Vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges gab es ein
tatsächliches Mächtegleichgewicht. Krise nach Krise führte die Länder zur Konfrontation und dann zum Rückzug auf den Kompromiß. Stabilität wurde als
Selbstverständlichkeit betrachtet, bis - ohne irgend einen erkennbaren Entschluß zum Sturz des internationalen Systems - eine Krise, die wie jede andere
begann, außer Kontrolle geriet. Ein Land nach dem anderen schlitterte in einen
Krieg hinein, dessen Ursachen sie nicht verstanden,aber aus dem sie sich auch
nicht heraushalten konnten. Die Folgen waren der Tod von vielen Millionen Menschen, die Zerstörung der weltweiten Ordnung und innenpolitische Umstürze, unter deren Auswirkungen die Menschheit immer noch zu leiden hat.
Wenn wir aus der Geschichte lernen wollen, so dürfen wir nicht nur die
Lehren herausgreifen und annehmen, die uns zur Inspiration dienen. Die Geschichte dieses Jahrhunderts zeigt uns:
- daß ein Ungleichgewicht der Macht zur Aggression ermutigt;
- daß die Übernahme zu großer Verpflichtungen innenpolitisch nicht tragbar ist;
- und daß ein Gleichgewicht, das auf einer ständigen Konfrontation basiert, letztlich in einer Katastrophe enden wird.
Aber in den Lehren der Geschichte liegt keine Automatik; jede Generation
muß sie auf ganz konkrete Fälle anwenden.
Es steht außer Zweifel, daß Frieden in erster Linie auf der Erhaltung
eines Gleichgewichts globaler Stabilität beruht. Wenn man sich letztlich nicht
auf Stärke stützen kann, wird aus Ausgleich bald Kapitulation. Mäßigung ist
nur bei denen eine Tugend, von denen man glaubt, daß sie auch anders könnten.

- 7 -

�könnten.
Diejenigen, die ein übertriebenes Bild von der sowjetischen Stärke und
der amerikanischen Schwäche malen, leisten unserem Land damit keinen Dienst,
genausowenig wie die, die zögern, Widerstand zu leisten, wenn wir herausgefordert werden, oder die, die nicht die Chancen sehen, die sich uns bieten, um
die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen durch eigenes selbstsicheres Handeln
zu gestalten. Die sowjetische Stärke ist ungleich; die Schwächen und Enttäuschungen im sowjetischen System sind offenkundig und eindeutig dokumentiert
worden. Trotz des zwangsläufigen Zuwachses an Stärke bleibt die Sowjetunion
bei einer Gesamtbewertung der militärischen, wirtschaftlichen und technologischen Stärke weit hinter uns und unseren Verbündeten zurück; es wäre äußerst
unbesonnen, wollte die Sowjetunion die großen demokratischen Industriestaaten
herausfordern. Und auch die sowjetische Gesellschaft ist nicht länger mehr abgeschirmt gegen die Einflüsse und die Anziehungskraft der Welt außerhalb ihrer
Grenzen oder unberührt von der Notwendigkeit, Kontakte zu der übrigen Welt zu
unterhalten.
Die großen demokratischen Industrienationen verfügen über die Mittel, um
der sowjetischen Expansion Einhalt zu gebieten und das sowjetische Verhalten
zu mäßigen. Wir dürfen auf diese Verantwortung nicht verzichten, indem wir
uns selbst entweder dadurch schwächen, daß wir unsere Verteidigung nicht genügend unterstützen oder uns weigern, unsere Macht zur Verteidigung unserer
Interessen einzusetzen. Wir müssen zusammen mit unseren Verbündeten immer das
tun, was zur Aufrechterhaltung unserer Sicherheit notwendig ist.
Es ist richtig, daß wir nicht der Polizist der Welt sein können. Nicht
alle lokalen Kriege und regionalen Konflikte wirken sich auf die globale Stabilität oder das nationale Interesse Amerikas aus. Aber wenn eine der Supermächte diese Konflikte systematisch zu ihrem eigenen Vorteil ausnützt, und
durch ihre Intervention die Waagschalen entscheidend nach der einen oder anderen Seite beeinflußt, dann wird mit der Zeit das Gesamtgleichgewicht berührt
werden. Wenn man zuläßt, daß in lokalen Krisen das Abenteurertum Erfolg hat,

�hat, dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall mit größeren Konsequenzen geschaffen. Andere Nationen werden ihre Politik nach ihrer Vorstellung des
herrschenden Trends einrichten. Unsere Fähigkeit, künftige Krisen zu kontrollieren, wird geringer werden. Und wenn dieser Entwicklung nicht Einhalt geboten wird, dann wird Amerika letztlich vor schwereren Entscheidungen, höheren
Kosten und ernsteren Krisen stehen.
Unsere Verpflichtung geht jedoch über die Erhaltung des Gleichgewichts
der Kräfte hinaus. Ein bloßes Gleichgewicht ist eine zu brüchige Grundlage
für unsere Zukunft auf lange Sicht. Ein Gleichgewicht des Terrors, das ständig
auf die Probe gestellt wird, bringt keine Ruhe. Wir müssen der doppelten Versuchung der Provokation und des die Hände in den Schoß-legens widerstehen.
Unser Kurs muß gerade sein und darf nicht dem folgen, was gerade in Mode ist.
Wir müssen eine Politik verfolgen, die unsere Gegner respektieren, die unsere
Verbündeten unterstützen und an die unser Volk glaubt und die es trägt.
Darum haben wir versucht, mit der Sowjetunion die Schatten einer nuklearen Katastrophe zu vertreiben - indem wir konkrete Probleme wie Berlin zu
lösen - und die Konfrontation abzubauen suchten, und indem wir über die Begrenzung strategischer Rüstungen verhandelten, um das Wettrüsten zu verlangsamen. Und wir haben die Aussicht auf kooperative Beziehungen auf wirtschaftlichem und anderen Gebieten angeboten, wenn die politischen Verhältnisse ihre
Verwirklichung und Weiterentwicklung erlauben.
Es steht außer Frage, daß dieser Prozeß nur auf der Basis der Gegenseitigkeit vor sich gehen kann. Er kann nicht den ständigen Versuch überleben,
einseitige Vorteile anzustreben. Er kann vor allen Dingen kein weiteres Angola überleben. Wenn die Sowjetunion bereit ist, sich einer echten Koexistenz
zu stellen, dann sind wir bereit, jede nur mögliche Anstrengung zu unternehmen, um ein System der Zurückhaltung und des beiderseitigen Interesses zu
gestalten, das der Koexistenz einen zuverlässigeren und positiveren Charakter
geben und beiden Seiten bewul. machen wird, was durch eine Konfrontation verloren ginge und was durch Kooperation gewonnen werden kann. Wenn eine nachhaltige Reaktion auf einen sowjetischen Übergriff erforderlich werden sollte,
- 9 -

�sollte, dann, dessen sind wir gewiß, wird der Präsident die Unterstützung des
amerikanischen Volkes - und unserer Verbündeten - in dem Maße besitzen, in
dem er demonstrieren kann, daß uns die Krise aufgezwunger, wurde und daß sie
nicht daraus resultierte, daß wir Chancen für eine Verbesserung der Aussichten für den Frieden verpaßt haben.
Es gibt keine Politik, die in Bälde, wenn überhaupt, den Wettstreit und
die nicht zu vereinbarenden ideologischen Unterschiede zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion aus der Welt schaffen wird. Ebensowenig
werden alle Interessen miteinander vereinbar sein. Wir befinden uns in einem
sich hinausziehenden Prozeß eines unvermeidbaren Auf und Ab. Aber es gibt
keine Alternative für die Politik der Bestrafung des Abenteurertums und der
Anreize für die Zurückhaltung. Was schlagen jene, die so leichtfertig von
Einbahnstraßen oder Konzessionen ohne Gegenleistungen sprechen, konkret vor,
was dieses Land tun sollte? Was ist denn eigentlich genau aufgegeben worden?
Welche Risiken würden sie eingehen? Welche Veränderungen unserer Verteidigungsposition, welchen Stand an Ausgaben über welchen Zeitraum würden sie genau vorschlagen? Wie würden ihre Vorschläge für die Handhabung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen in einer Ära strategischer Gleichwertigkeit
konkret aussehen?
Es wäre an der Zeit, daß wir eine Antwort auf alle diese Fragen bekämen.
Wir müssen - und wir werden - kurz gesagt, die beiden großen Linien
unserer Politik gegenüber der Sowjetunion weiter verfolgen: Festigkeit angesichts von Druck und Weitblick in der Arbeit für eine bessere Zukunft. Dazu
sind wir durchaus fähig. Das schulden wir unserem Volk, unserer Zukunft, unse
ren Verbündeten und der übrigen Menschheit.
Die

- 10 -

�Die Weltgemeinschaft
Die politischen Umwälzungen dieses Jahrhunderts haben eine weitere Aufgabe hervorgebracht - die fundamentale Notwendigkeit der Neugestaltung der
Struktur internationaler Beziehungen. Zum ersten Mal in der Geschichte ist
das internationale System im echten Sinne global. Die Entkolonialisierung und
die Ausweitung der Weltwirtschaft haben zur Geburt von Dutzenden neuer Nationen und neuer Zentren der Macht und Initiative geführt. Unsere heutige Welt,
in der es beinahe 150 Nationen gibt, kann zur Brutstätte zunehmender Wirtschaftskriege, politischer Instabilität und ideologischer Konfrontation werden
oder sie kann zu einer Gemeinschaft werden, die von einer beispiellosen
internationalen Zusammenarbeit gekennzeichnet ist. Die Interdependenz der
Nationen - die Unteilbarkeit unserer Sicherheit und unserer Prosperität kann unseren gemeinsamen Fortschritt beschleunigen oder unseren gemeinsamen
Niedergang..
Daher müssen wir über ein Gleichgewicht der Macht in den Ost-West-Beziehungen hinausstreben, daher müssen wir über das Messen der Kräfte in den
Nord-Süd-Beziehungen hinauskommen und eine echte Weltgemeinschaft aufbauen.
Wir müssen das in unserem eigenen Interesse tun, denn das heutige Geflecht wirtschaftlicher Beziehungen verknüpft das Schicksal der ganzen Menschheit. Der Preis und das Angebot von Energie, die Handelsbedingungen, die Ausweitung der Lebensmittelproduktion der Welt, die technologischen Grundlagen
der wirtschaftlichen Entwicklung, der Schutz der Umwelt, die Rechtsnormen, die
für die Ozeane der Welt und den Weltraum gelten - all dies sind Anliegen, die
alle Nationen angehen und die nur im Rahmen einer internationalen Zusammenarbeit befriedigend bewältigt werden können.
Auch hier müssen wir den langen Atem einer vielfältigen Politik haben.
Wir müssen Taktiken der Konfrontation widerstehen, aber unser größeres Ziel
muß es sein, neue internationale Beziehungen zu gestalten, die kommende Jahrzehnte überdauern werden. Wir werden uns durch Druck oder Drohungen nicht in
Panik bringen lassen. Aber es liegt in unserem eigenen Interesse, ein inter-

- 11 -

�internationales Wirtschaftssystem zu schaffen, das alle Nationen als legitim
ansehen werden, weil sie selbst ein Interesse daran haben, und weil sie selbst
es als gerecht betrachten.
Als stärkste Macht der Welt könnten die Vereinigten Staaten eine Ära des
Wirtschaftskrieges überleben. Aber selbst wir würden davon getroffen werden,
und kein Amerikaner, der an das humane Erbe seines Landes glaubt, könnte eine
Befriedigung in der Welt finden, die im Gefolge der Konfrontation entstünde.
Die Vorteile einer gemeinsamen Anstrengung liegen so sehr auf der Hand, und die
Aussichten eines Wirtschaftskrieges wären so schädlich, daß es keine moralische oder praktische Alternative zu einer Welt der erweiterten Zusammenarbeit
gibt.
Daher haben die Vereinigten Staaten auf der Welternährungskonferenz im
Jahre 1974, in der Sondersitzung der UN-Vollversammlung im September vorigen
Jahres und auf der gegenwärtigen Konferenz über internationale wirtschaftliche
Zusammenarbeit in Paris im Angebot von Programmen der praktischen Zusammenarbeit die Führung übernommen. Wir haben eine Vielzahl von Vorschlägen vorgelegt, um die Exporterlöse zu sichern, um das Wachstum von Industrie und Landwirtschaft zu beschleunigen, um bessere Bedingungen für den Handel mit und
für Investitionen bei den wichtigsten Rohstoffen zu schaffen und um das Los
der ärmsten Länder zu erleichtern - und sind energisch bestrebt, sie durchzusetzen. Auf jedem wichtigen Gebiet haben wir Formen der Zusammenarbeit zwischen
allen Ländern vorgeschlagen - dies schließt die anderen Industriestaaten, die
jetzt reich gewordenen ölproduzenten und auch die Entwicklungsländer selbst
ein.
Der Westen - und in einem sehr großen Maße unser Land - verfügt über die
Hilfsquellen, die Technologien, das Wissen, die Organisationsfähigkeit und den
guten Willen, die Anreiz und Einladung für eine Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern sind. In dem weltweiten Dialog zwischen den Industriestaaten
und den Entwicklungsländern fallen die kommunistischen Länder durch ihr Fehlen
und in der Tat durch ihre Interesselosigkeit auf.
Doci

- 12 -

�Doch gerade in dem Augenblick, in dem die großen demokratischen Industriestaaten den Bestrebungen der Entwicklungsländer zu entsprechen beginnen, suchen viele von ihnen durch Gewalt das zu erpressen, was ihnen in Wirklichkeit bereits freiwillig angeboten worden ist.
Die Vereinten Nationen und andere internationale Gremien werden nur zu
oft durch unsachliche Abstimmungen, undurchführbare Resolutionen und willkürliche Verfahren beherrscht. Länder, die ursprünglich die Blockfreiheit gewählt
haben, um sich gegen den Druck globaler Koalitionen zu wehren, haben jetzt
selbst einen starren ideologischen, in Konfrontation stehenden eigenen Block
gebildet. Einer der herausragendsten Blöcke in der Welt ist heute ironischerweise der fast automatische Zusammenschluß der Blockfreien.
Die Vereinigten Staaten sind weiterhin bereit, verantwortungsbewußt und
positiv auf die Ansprüche von Ländern zu reagieren, die ernsthaft nach Gerechtigkeit und einem ausgewogenen Weltwirtschaftssystem streben. Der Fortschritt hängt jedoch von einem Geist der gegenseitigen Achtung, des Realismus
und der praktischen Zusammenarbeit ab. Es soll sich niemand täuschen: Erpressung wird nicht funktionieren und wird sicherlich nicht akzeptiert werden. Es
geht um zu viel, als daß man mit selbstgerechten großen Worten oder einem Imponiergehabe weiterkommen würde.
Es geht nicht einfach nur um die wirtschaftlichen Vereinbarungen für das
nächste Vierteljahrhundert, sondern um die Legitimität der internationalen
Ordnung.
Die Technologie und die Realitäten der Interdependenz bieten unserer Generation die Chance, die Beziehungen zwischen den Industrienationen und den
Entwicklungsländern für das nächste Vierteljahrhundert zu bestimmen. Es wird
an der Qualität des staatsmännischen Denkens liegen, um zu erkennen, daß unsere Notwendigkeiten, unsere praktischen Hoffnungen und unsere moralischen Zielsetzungen miteinander verknüpft sind. Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich
dieser Aufgabe zu stellen.
Die

- 13 -

�Die moralische Einheit der großen Demokratien
Wenn wir uns anstrengen, Frieden und Fortschritt aufzubauen, so spiegelt
dies unseren tiefverwurzelten Glauben an die Freiheit und an die Hoffnung auf
eine bessere Zuku.ift für die ganze Menschheit wider. Das sind Werte, die wir
mit unseren engsten Verbündeten, den großen demokratischen Industrienationen,
gemeinsam haben. Die Widerstandsfähigkeit unserer Länder, sich aus wirtschaftlichen Schwierigkeiten wieder zu erholen und ihre Zusammenarbeit zu festigen,
hat eine Bedeutung, die weit über unser unmittelbares Wohlergehen hinausgeht. Denn so wie Außenpolitik ohne ein Element des Pragmatismus undenkbar ist,
so ist der Pragmatismus ohne zugrundeliegende moralische Zielsetzung wie ein
steuerloses Schiff.
Zusammen mit ihren Verbündeten haben die Vereinigten Staaten über 30 Jahre
lang den Frieden auf der Erde gewährleistet und die Weltwirtschaft getragen.
Der Geist der Erneuerung und des Fortschritts unserer Gesellschaften sucht
seinesgleichen und findet sicherlich nichts Ebenbürtiges in jenen Gesellschaften, die sich als "revolutionär" bezeichnen. Selten in der Geschichte haben
Bündnisse wie das unsrige unter sich so stark verändernden globalen und geopolitischen Verhältnissen überlebt oder gar sich positiv entwickelt. Die
Ideale der demokratischen Industrienationen bieten die Motivation für unsere
Anstrengungen zur Verbesserung der Beziehungen zum Osten, zum Dialog mit der
Dritten Welt und zu vielen anderen Sphären gemeinsamer Anstrengungen.
Unsere Bindungen mit den großen demokratischen Industrienationen sind daher keine Bündnisse in dem üblichen Sinne, sondern eine Union im Grundsatz
der Verteidigung von Werten und einer Lebensform.
Genau in diesem Zusammenhang müssen wir über die Möglichkeit besorgt sein,
daß kommunistische Parteien in Regierungen von NATO-Ländern an die Macht kommen, oder mit an die Macht kommen. Letztlich muß diese Entscheidung natürlich
von den Wählern der jeweiligen Länder selbst getroffen werden. Aber niemand
sollte glauben, daß diese Fragen unserer Regierung keine Sorge bereiten.
Ob

�Ob einige der kommunistischen Parteien in Westeuropa tatsächlich von
Moskau unabhängig sind, kann nicht mit Sicherheit gesagt werden, solange ihre
Wahlinteressen so weitgehend mit ihren Ansprüchen zusammenfallen. Ihre innerparteilichen Verfahren - ihre leninistischen Grundsätze und Dogmen - sind und
bleiben die Antithese der demokratischen Parteien. Und sollten sie an die
Macht kommen, dann träte dies ein, nachdem sie Jahrzehnte lang Programme und
Werte vertreten haben, die unseren traditionellen Bindungen zuwiderlaufen.
Schon aus dieser Vergangenheit heraus würden sie ohne Frage der Sicherheit und
den westlichen Verteidigungsanstrengungen, die nicht nur für die Freiheit Europas, sondern auch für die Aufrechterhaltung des Gleichgewichts der Macht in der
Welt so entscheidend wichtig sind, nur eine niedrige Priorität einräumen. Sie
wären versucht, ihre Wirtschaft sehr viel stärker nach dem Osten auszurichten.
Wir müßten damit rechnen, daß westeuropäische Regierungen, in denen die Kommunisten eine beherrschende Rolle spielen, günstigstenfalls die Politik ihrer
Länder auf eine Position der Blockfreien hinsteuern würden. Die politische
Solidarität und die kollektive Verteidigung des Westens,und damit die NATO,
würden unvermeidlich geschwächt, wenn nicht untergraben.
Und in unrerem Lande würde die Verpflichtung des amerikanischen Volkes,
das Gleichgewicht der Kräfte in Europa aufrechtzuerhalten, so gerechtfertigt
es auch aus pragmatischen, geopolitischen Gründet wäre,

4

er moralischen

Grundlage entbehren, auf der sie 30 Jahre lang beruhte.
Wir betrachten die Einheit der großen demokratischen Industrienationen
als von entscheidender Bedeutung für alles, was wir in der Welt tun. Aus diesem Grunde waren wir bestrebt, unsere Zusammenarbeit auf Gebiete über unsere
gemeinsame Verteidigung hinaus auszuweiten - auf eine verbesserte politische
Konsultation, auf die Koordinierung unserer Haltung bei Verhandlungen mit dem
Osten, auf die Unterstützung unserer jeweiligen Wirtschaftspolitiken, auf die
Entwicklung einer gemeinsamen Energitpolitik und auf die Erarbeitung gemeinsamer Standpunkte bei dem immer wichtiger werdenden Dialog mit den Entwicklungsländern. Wir haben auf all diesen Gebieten bemerkenswerte Fortschritte
erzielt. Und wir sind entschlossen, hier weiterzumachen. Es gibt keine höhere
Priorität für unsere Außenpolitik.
Die

�Die Debatte im eigenen Lande
So sieht also unsere Außenpolitik in großen Zügen aus:
- Wir besitzen mit unseren Verbündeten zusammen die militärische und
wirtschaftliche Macht, um eine Aggression zu verhüten.
- Wir besitzen das Selbstvertrauen und den Weitblick, über die Konfrontation hinaus zu einem Abbau der Spannungen und letztlich einer kooperativen
Welt zu gelangen.
- Wir verfügen über die Mittel, die Technologie und das organisatorische
Genie, um ein neues Verhältnis mit den Entwicklungsländern aufzubauen.
- Wir haben den moralischen Mut, zusammen mit unseren Verbündeten in
einer turbulenten und sich rasch verändernden Welt das Banner der Freiheit
hochzuhalten.
Die vor uns liegenden Aufgaben sind gewaltig. Aber nicht jede Generation
erhält die Chance,eine neue internationale Ordnung zu gestalten. Wenn wir die
Chance verpassen, dann werden wir in einer Welt des Chaos und der Gefahr leben.
Wenn sie verwirklicht wird, dann werden wir in eine Ära des Friedens und des
Fortschritts und der Gerechtigkeit eintreten.
Aber wir können unsere Hoffnungen nur als geeintes Volk verwirklichen.
Unsere Aufgabe - und ihre Lösung - liegen in uns selbst. Das größte Problem
unserer Außtenpolitik ist unsere Spaltung im Innern. Das dringendste Erfordernis unserer Außenpolitik ist nationaler Zusammenhalt und eine Rückkehr zu dem
Bewußtsein, daß wir in der Außenpolitik alle in einem gemeinsamen nationalen
Unterfangen engagiert sind.
Die Welt beobachtet mit Verwunderung - unsere Gegner mit hämischer Freude
und unsere Freunde mit wachsender Sorge -,wie Amerika in einer Orgie der
Selbstzerfleischung es darauf anzulegen scheint, seinen Einfluß zu untergraben
und seine Leistungen in der Weltpolitik zu zerstören.
Sie

�Sie erlebte, wie unsere Politik in Afrika, im östlichen Mittelmeer, in
Lateinamerika, in den Ost-West-Beziehungen durch willkürliche Maßnahmen des
Kongresses unterminiert wird, deren Wirkung rückgängig zu machen Jahrzehnte
dauern kann.
Sie erlebte, wie unsere Nachrichtendienste durch fortwährende wahllose
Angriffe schwer geschädigt werden.
Sie erlebte, daß ein Land praktisch nicht mehr in der Lage ist, sich
mit der Diskretion zu verhalten, die in der Diplomatie unerläßlich ist.
Sie erlebte, wie Enthüllungen von unrechtmäßigen Handlungen im Ausland
seitens amerikanischer Firmen den politischen Strukturen befreundeter Nationen
schweren Schaden zufügen. Was auch immer an unrechten Dingen geschehen sein
mag - und so verdammenswert sie auch sein mögen - so sollte man sie doch in
einer Art und Weise behandeln, die im Einklang mit unseren eigenen juristischen Verfahren und mit der Würde verbündeter Nationen steht.
Sie erlebte, wie manche Kritiker plötzlich so tun , als ob die Sowjets
alle Riesen seien, und als ob Amerika, trotz aller Beweise des Gegenteils,
eine zweitklassige Nation würde. Diese Kritiker wissen, daß diese falschen
und verantwortungslosen Behauptungen gefährlich sind, da sie, wenn sie weitergehen, unsere Verbündeten und unsere Gegner überzeugen könnten, daß wir
schwach seien, was die einen zur Anpassung, die anderen zum Abenteurertum
veranlassen könnte.
Sie erlebt, daß diese Administration - die von den einen Kritikern für
nachhaltige Reaktionen auf den Ex^nsionismus in Südost-Asien, im Nahen Osten
und in Afrika gescholten worder ist

gleichzeitig

von einer anderen

Gruppe von Gegnern beschuldigt wird, sie ließe einseitige Gewinne der
Sowjets zu.
Sie erlebt, daß diese Administration, deren Verteidigungshaushalte in
den letzten sieben Jahren vom Kongreß um rund 39 Milliarden Dollar gekürzt
worden sind, gleichzeitig beschuldigt wird, die Verteidigung Amerikas zu

- 17 -

�zu vernachlässigen.
Auch das amerikanische Volk erlebt das alles mit und es fragt sich, wie
das enden soll. Es weiß, daß wir weder unseren Verantwortungen noch den geopolitischen Realitäten der Welt um uns herum entkommen können.

Ein großes

Volk, das die Ereignisse nicht bewältigt, wird bald von ihnen überwältigt
werden.
Wenn eine Gruppe von Kritikern die RüstungskontrollVerhandlungen untergräbt und die Aussicht auf konstruktivere Bindungen mit der Sowjetunion ausschließt, während eine andere Gruppe an unseren Verteidigungshaushalten und
Nachrichtendiensten nagt und den amerikanischen Widerstand gegen sowjetisches
Abenteurertum schwächt, dann werden beide zusammen, ob sie es wollen oder
nicht, damit enden, daß sie die Fähigkeit des Landes zerstören, eine starke,
schöpferische, gemäßigte und kluge Außenpolitik zu führen. Das Ergebnis wird
die Lähmung sein, wer auch immer im November gewinnen mag. Und wenn Amerika
nicht fähig ist, zu handeln, dann werden es andere tun, und wir und alle anderen freien Völker der Erde werden den Preis dafür zu zahlen haben.
Unser Problem ist also gleichzeitig komplex und auch einfacher als in
früheren Zeiten. Die Herausforderungen sind beispiellos, aber die Lösungen
liegen in unserer Hand. Diese Administration hat Vertrauen in die Stärke, die
Widerstandskraft und die Lebensfähigkeit Amerikas. Wenn wir den Geist Amerikas
zusammennehmen und unsere Einheit wiederherstellen, werden wir eine entscheidende und positive Wirkung auf eine Welt ausüben, die mehr denn je sich auf unser
Leben auswirkt und nach unserer Führung schreit.
Jene, die an Amerika glauben.werden dem amerikanischen Volk die Wahrheit
sagen:
- Daß wir stark sind und in Frieden leben,
- daß es keine leichten oder endgültigen Antworten auf unsere Probleme
gibt,
- daß wir eine langfristige und verantwortungsbewußte Außenpolitik ohne

�ohne Ausweichen und ohne Pausen führen müssen,
- daß das im Augenblick Erreichbare unweigerlich hinter dem Idealen
zurückbleiben wird,
- daß unserer Macht und unseren Zielen Grenzen gesetzt sind,
- daß wir trotzdem über die Stärke und Entschlossenheit verfügen, unsere
Interessen und die Überzeugung zur Bewahrung unserer Werte zu verteidigen,
- und daß wir schließlich die Chance haben, unseren Kindern eine kooperativere; gerechtere und friedlichere Welt zu hinterlassen, als wir sie vorgefunden haben.
Wenn wir das 200. Jahr unseres Bestehens begehen, dann feiern wir Ideale,
die vor bald 350 Jahren an den Küsten von Massachusetts Form und Gestalt angenommen haben. Wir haben als geeintes Volk Großes erreicht. Es bleibt noch
viel zu tun. Das Werk dieses Landes in der Welt ist keine Last, sondern ein
Triumph - und der Maßstab kommender Größe.
Amerikaner haben immer Geschichte gemacht und sich nie von der Geschichte
treiben lassen. Wir, die gegenwärtige Generation von Amerikanern, werden
nicht dahinter zurückstehen. So möge dieses Jahr das Ende unserer Spaltung
bringen. Möge es der Beginn einer Ära nationaler Versöhnung und der neuen
Hingabe aller Amerikaner an ihr gemeinsames Schicksal sein. Wollen wir doch
klar erkennen, was vor uns liegt - Sieg und Gefahr - und gemeinsam vorwärts
schreiten, um die Zukunft zu meistern.

XXX

- 19 -

�• amerika dienst
^ U n i t e d
53

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5/1976

ATOMWAFFENSPERRE BLEIBT ZIEL DER US-POLITIK
Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuß für
Regierungstätigkeit

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A. Kissinger
nahm am 9. März 1976 vor dem Sehatsausschuß für Regierungstätigkeit zur Politik der Vereinigten Staaten in der Frage der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen Stellung.

Wir geben im folgenden die Äußerungen Außenminister Kissingers

in wesentlichen Auszügen im Wortlaut wieder:
"Die Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen ist bereits in der sechsten
Administration ein primäres außenpolitisches Ziel der Regierung der Vereinigten
Staaten, wobei auf Grund amerikanischer Initiativen, die die Ernsthaftigkeit
dieser Politik demonstrierten, wesentliches erreicht worden ist.
Ich erwähne hier z.B. die Annahme bilateraler Sicherungsmaßnahmen und
Kontrollen in unseren mit anderen Regierungen einzeln abgeschlossenen Verträgen
über Zusammenarbeit, die Schaffung der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) in Wien und das Inkrafttreten des Atomwaffensperrvertrages. Als
ein Ergebnis dieser Schritte ist die Zahl der Staaten mit Kernwaffen stark begrenzt ...
Lassen

�Lassen Sie mich betonen, daß die Verfolgung einer energisch betriebenen
Sperrpolitik für Nuklearwaffen ein elementares Prinzip der Außenpolitik dieser
Regierung darstellt.
- Wir sehen in der Notwendigkeit, die Gefahr eines Nuklearkrieges zu verringern, das Kernstück unserer Politik.

Wenn weitere Staaten in den Besitz von

Kernwaffen gelangten, würde die Stabilität weltweit gefährdet, und regionale
Konflikte liefen Gefahr, zum Nuklearkrieg zu führen mit möglichen katastrophalen
Folgen nicht nur für die unmittelbar beteiligten Länder, sondern auch für alle
Großmächte.
- Wir sehen in der friedlichen Beilegung regionaler Konflikte und in
einer stabileren Weltordnung fundamentale Ziele der Vereinigten Staaten.

Aber

in einer Welt mit vielen Atommächten würden sich erhöhte politische Spannungen
und verstärkte Instabilität auf Grund der Befürchtungen ergeben, daß - ob von
vornherein gewollt oder infolge Fehleinschätzung einer Situation - Atomwaffen
eingesetzt werden könnten.
- Wir unterstützen das weltweite Ziel, Quellen für Substitutionsenergie
zu finden, um die Abhängigkeit vom öl zu verringern.
•

Dennoch könnte eine weitere Proliferation dem beständigen Wachstum friedlicher Nuklearenergie im Dienste des Bedarfs der Menschheit entgegenstehen oder
sie gar völlig abwürgen, wenn sowohl Exporteure als auch Importeure das Vertrauen in die Fähigkeit des internationalen Systems verlieren, wirksame Verfahren
für die Realisierung der Vorzüge friedlicher nuklearer Energie und gleichzeitig
zur Ausschaltung des ihr nun einmal innewohnenden Sicherheitsrisikos zu finden .. .
Ich brauche diesem Ausschuß nicht zu sagen, wie schwierig es ist, eine
Strategie zu entwickeln, die erfolgreich garantieren kann, daß das Anwachsen
der Anzahl von Ländern mit Atomwaffen in den nächsten Jahrzehnten verhindert
wird. Aber ich kann gar nicht stark genug unsere Überzeugung betonen, daß die
Anstrengung zur Eindämmung der nuklearen Proliferation unternommen werden kann

�kann und muß, selbst wenn wir nicht sicher sein können, daß eine weitere
nukleare Proliferation völlig und wirksam blockiert wird.
In dem hier beschriebenen Rahmen haben wir in den letzten zwei Jahren
erhebliche Anstrengungen unternommen, um das weltweite Schema der Proliferationssperre zu stärken.

Diese Strategie enthielt zwei verstärkende Elemente:

- Multilaterale Aktionen, um gemeinsam mit anderen Staaten der Aufgabe
der weltweiten Proliferationssperre gerecht zu werden; und
- eine nationale Exportpolitik auf nuklearem Gebiet, die sicherstellt,
daß die Vereinigten Staaten weiterhin eine führende Rolle bei der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen spielen ...

Multilaterale Strategie
Beschränkungen auf amerikanischer Seite allein werden wenig bewirken,
wenn sich andere nukleare Lieferländer weigern, die gleichen Beschränkungen
zu praktizieren.

In Erkenntnis dieses Sachverhalts verfolgen wir eine Politik

der Konsultation mit anderen nuklearen Exportländern in dem Bemühen, gemeinsame Normen für Sicherheitsmaßnahmen und andere einschlägige Kontrollen im
Zusammenhang mit Nuklearexporten für friedliche Zwecke zu formulieren.

Ich bin

überzeugt, daß diese Anstrengungen in beachtlichem Umfang erfolgreich waren.
Auf Grund dieser Konsultationen haben sich die Vereinigten Staaten entschlossen, als Teil der nationalen Politik ihre künftigen Nuklearexporte gewissen Grundsätzen unterzuordnen. Wir wurden davon unterrichtet, daß eine Anzahl anderer Länder dies ebenfalls zu tun beabsichtigt.
Wie bereits von anderen Regierungsvertretern in den letzten Wochen in
ihren Aussagen vor einem anderen Senatsausschuß erwähnt wurde, zählen zu diesen Grundsätzen:
- Vorkehrungen

�- Vorkehrungen für die Anwendung von IAEO-Sicherheitsbestimmungen bei
Exporten von Material, Ausrüstungen und Technologien;
- Verbote der Inanspruchnahme von Unterstützung zur Zündung nuklearer
Sprengsätze jeglicher Art, einschließlich jener für

"friedliche Zwecke";

- Erfordernisse für sicherheitstechnische Maßnahmen bei nuklearen Ausrüstungen und Materialien;
- Anwendung einschränkender Maßnahmen in bezug auf den Transfer sensitiver Technologien (z.B. Anreicherung und Wiederaufarbeitung);
- Befürwortung multinationaler regionaler Anlagen für Wiederaufarbeitung
und Anreicherung; und
- Sonderbedingungen zur Regelung des Gebrauchs oder Rücktransfers von
sensitiven Materialien, Ausrüstungen und Technologien.
Dies sind signifikante Grundsätze, die das Niveau und den Umfang internationaler Kontrollen für die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen erheblich
über den Stand von vor wenigen Jahren weiterentwickelt haben.
Aber es ist wichtig, zu erkennen, daß künftige Anstrengungen zur Verbesserung und Ausweitung dieser Prinzipien notwendig und daß unsere eigenen Anstrengungen Teil eines progressiven und sich noch entwickelnden Prozesses sind;
wir werden sie in enger Konsultation mit anderen üeferländern fortsetzen.
Ein zweites wichtiges Element unserer internationalen Proliferationssperrstrategie sind unsere Anstrengungen, die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags auf breitestmöglicher Basis sicherzustellen. Die Einhaltung des Atomwaffensperrvertrags ist ein Schlüsselelement dafür, die nukleare Proliferation
zu verhindern, denn damit ist eine umfassende Verpflichtung von Staaten ohne
eigene Atomwaffen verbunden, keine nuklearen Sprengsätze zu entwickeln - eine
Verpflichtung, die durch IAEO-Sicherheitsmaßnahmen in allen, friedlichen

�friedlichen Zwecken dienenden Nuklearanlagen des betreffenden Landes überprüft wird.

Ein Schlüsselelement auch deshalb, weil sie Sicherungsmaßnahmen

bei nuklearen Exporten erfordert ...
Ein weiteres wesentliches Merkmal unserer internationalen Strategie
- und in der Tat ein Merkmal, das den von uns erzielten Fortschritt in Konsultationen mit anderen Lieferländern noch unterstreicht und ein Grundelement
des Atomwaffensperrvertrags selbst darstellt - ist das umfassende Sicherheitssystem der Internationalen Atomenergie-Organisation

(IAEO).

Selbst wenn Empfängerländer nicht Partner des Atomwaffensperrvertrags
sind, sieht das IAEO-System international anerkannte Sicherungsmaßnahmen vor,
um zu gewährleisten, das nukleare Exporte für friedliche Zwecke verwendet
werden ...
Zwar kann ein Sicherungssystem keine absolute Garantie verschaffen, daß
alle nur erdenklichen Arten von Abzweigungen, und seien sie noch so geringfügig, erfaßt werden;

das braucht es auch nicht.

Was es aber bewirken muß

- und was die IAEO zuverlässig erreicht - ist ein außerordentlich großes Risiko, entdeckt zu werden, für denjenigen, der eine mißbräuchliche Verwendung
beabsichtigt.
Wir wissen, daß manche die Eignung und Qualität der im Laufe der Jahre
entwickelten internationalen Kontrollen für nukleare Materialien und Anlagen
in Frage stellen. Jedoch existierten in dem einen Fall, in dem ein nuklearer
Sprengsatz unter Verwendung vom Ausland bezogener Ausrüstungen gezündet wurde,
weder Sicherungsvorkehrungen an der betreffenden Anlage noch hinsichtlich der
damit hergestellten Produkte. Folglich war in diesem Fall auch die Frage angemessener Sicherungsvorkehrungen einfach nicht gegeben. Tatsächlich wurde uns
seit der Einführung von Sicherungsmaßnahmen kein einziges Lande bekannt, das
durch irgendwelche Abzweigung von nuklearem Material, welches entweder bilateralen oder IAEO-Sicherheitsmaßnahmen unterliegt, zu Atomwaffen gekommen
wäre ...

Ein

�Ein weiteres Element in unserer internationalen Strategie ist dazu bestimmt, dem wohl

heikelsten Problem der Atomwaffensperre, dem wir uns gegen-

übersehen - zu begegnen - nämlich dem Problem der sogenannten sensitiven Technologien wie Wiederaufbereitung, Anreicherung und Produktion von Schwerem
Wasser.
cher

Das Problem wurde immer stärker akut, je mehr Länder am Erwerb sol-

"sensitiven"

Anlagen Interesse zeigten.

Im Sinne der Risiken für die

Ausweitung des Kreises von Atommächten ergibt sich durch Plutonium-Aufarbeitungsanlagen im Ausland das größte unmittelbare Problem.

Dies ist ein un-

glücklicher Umstand, da für die meisten Länder - für jene ohne besonders umfangreiche Atomkraftwerksprogramme - die wirtschaftlichen Vorteile der Aufarbeitung verbrauchter Kernbrennstoffe auch künftig zweifelhaft sind.
Als ein Ergebnis wachsenden Erkennens der direkten Gefahr einer Proliferation wenden offenbar Liefer- als auch Empfängerländer für sogenannte
sensitive Technologien Beschränkungen an und treffen rigorose Sicherheitsvereinbarungen.

Was dies betrifft, so begrüßen wir außerordentlich den Ent-

schluß (Süd)-Koreas, keine eigene nationale Aufbereitungsanlage zu errichten;
wir hoffen, daß auf diese Weise multilaterale Bemühungen um die Entwicklung
von Alternativen zu nationalen Kapazitäten gefördert werden.
Ein Vorgehen, durch das eventuell die künftigen Erfordernisse gewisser
Länder hinsichtlich Wiederaufarbeitung auf möglichst wirtschaftliche Weise
erfüllt und gleichzeitig einige unserer Besorgnisse wegen der durch solche
Anlagen gegebenen Proliferationsgefahr entfallen, wäre die Schaffung eines
multinationalen Regional Zentrums für den Brennstoffzyklus. Vor der UN-Vollversammlung habe ich mich im vergangenen Jahr persönlich für diese Konzeption
eingesetzt.
Solche Anlagen - für Management, Betrieb und wohl auch Eigentumsrechte
wäre mehr als nur ein Land zuständig - würden den Anreiz zur Errichtung
kleiner und unwirtschaftlicher nationaler Anlagen verringern und zusätzlich
nützliche Sicherheiten gegen eine einseitige Abschaffung von Proliferationssperrmaßnahmen gewährleisten, insbesondere dort, wo gleichzeitig andere Einrichtungen für den Brennstoffzyklus wie z.B. zur Fabrikation und Lagerung nuk-

�nuklearer Materialien vorhanden sind.

Sie würden auch die Anwendung inter-

nationaler Sicherheitsmaßnahmen erleichtern.

Die IAEO untersucht gegenwärtig

das multinationale Konzept in einer Studie.

Das letzte Schlüsselelement unserer internationalen Strategie der Proliferationssperre betrifft die Frage der technischen Sicherungsmaßnahmen für
nukleare Anlagen und Materialien, im besonderen aber die Sorge, daß eine
Minderheiten-

oder Terroristengruppe sich nuklearer Materialien bemächtigen

könnte.

In unseren Konsultationen mit anderen Ländern, bei denen es darum ging,
die Anwendung angemessener technischer Sicherheitsmaßnahmen zu gewährleisten,
haben wir ausgezeichnete Mitarbeit gefunden.

Hauptlieferländer bauen heute

in ihre Abkommen über nukleare Zusammenarbeit Bestimmungen ein, die von den
Empfängerländern spezielle technische Sicherungsmaßnahmen zum Schutz nuklearer
Materialien und Ausrüstungen in angemessenem Umfang verlangen ...

Wir verfolgen auch unseren Vorschlag für eine internationale Konvention
weiter, die Normen für den technischen Schutz nuklearer Materialien setzt,
damit die internationale Zusammenarbeit erleichtert wird und Verfahrensweisen
auf diesem Gebiet vereinheitlicht werden ...

US-Politik auf nationaler Ebene

Auf nationaler Ebene lassen Politik und Praktiken der US-Regierung gerade auf diesem Gebiet unsere besonders intensive Beschäftigung mit dem Problem der Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen erkennen.

Unsere Politik ist

in mancher Hinsicht strenger als die anderer Lieferländer.

Die grundlegende Prämisse der Beteiligung der USA an nuklearen Programmen
seit mehr als 20 Jahren war und ist die weltweite Zusammenarbeit in der friedlichen Nutzung der Atomenergie unter wirksamen Kontrollen.
Wir
- 7 -

�Wir gingen davon aus, langfristige Garantien für die Versorgung mit
angereichertem Uran in Verbindung mit der besonders wirtschaftlichen amerikanischen Reaktortechnologie anzubieten und als Gegenleistung die Zustimmung
zu wirksamen Sicherungsvereinbarungen zu erhalten ...
Wie ich bereits früher ausführte, steht unsere nukleare Exportpolitik
voll im Einklang mit den Grundsätzen, die auf Grund von Konsultationen unter
der Lieferländer akzeptiert wurden, und geht auf einigen Gebieten sogar noch
ein Stück weiter.

So zielte unsere Grundhaltung z.B. bei Aufarbeitung, An-

reicherung und Schwerwasserproduktion darauf ab, den Export solcher sensitiven
Technologien zu vermeiden.

Zur Gewährleistung angemessener Kontrollen erließ

die Exekutive im Jahr 1972 Sonderregelungen für alle auf diesen Gebieten vorgeschlagenen Transaktionen ...
Was das allgemeine Problem der Aufarbeitung betrifft, so geben die Vereinigten Staaten der IAEO technische und finanzielle Unterstützung bei deren
Studie über nukleare Regional Zentren für den Brennstoffzyklus. Wir dringen
außerdem darauf, daß mit dem Problem befaßte Staatengruppen untereinander die
Möglichkeiten dieser Konzeption erörtern ...
In Verfolg der technischen Sicherheitsmaßnahmen haben wir es als Ergebnis von Konsultationen unter Lieferländern so gehalten, daß die Exportgenehmigung für größere Mengen sensitiven nuklearen Materials nur dann erteilt
wird, wenn gev/ährleistet ist, daß im Empfängerland angemessene technische
Schutzmaßnahmen angewandt werden; amerikanische Expertengruppen für Sicherheitstechnik haben im Zusammenhang damit zahlreiche Länder besucht, um sich
über deren Schutzsysteme zu informieren und ihre Wirksamkeit zu beobachten.
Vor dem Hintergrund der von uns auf internationaler Ebene verfolgten
Strategie und im Interesse der nationalen Politik halte ich es für angemessen,
hier einigen Kritikern unserer nuklearen Exportpolitik zu antworten - Kritikern, die meines Erachtens zu strikte Einschränkungen fordern, welche für unsere Bemühungen um eine Proliferationssperre einen ernsten Rückschlag, nicht

�nicht aber einen Fortschritt bedeuten.

Diese Vorschläge reichen von einem

totalen Moratorium für unsere nuklearen Exporte und einem Embargo für nukleare Transferaktionen in Länder, die keine Partner des Atomwaffensperrvertrages sind, bis zu Vorschlägen, nuklearen Exporten in Nicht-Mitgliedstaaten
nur dann zuzustimmen, wenn diese genehmigte IAEO-Sicherungsmaßnahmen für alle
ihre friedlichen Atomprogramme akzeptiert haben.
Alles in allem sind wir der Meinung, daß durch die Annahme auch nur
eines dieser Vorschläge z.B.:
- eine Anzahl internationaler Vereinbarungen über Zusammenarbeit bei
friedlichen Atomprogrammen dem Geiste, ja womöglich auch dem Buchstaben nach
verletzt würden; auch Artikel Vier des Atomwaffensperrvertrags zählt dazu;
- unseren politischen Beziehungen zu einer großen Zahl von Ländern, die
mit uns langfristige Abkommen geschlossen haben, weit über den nuklearen Bereich hinaus Schaden erwachsen würde;
- weitere Zweifel an der Zuverlässigkeit amerikanischer Lieferverpflichtungen und an der Beständigkeit unserer Politik ausgerechnet in einem Augenblick auftauchen würden, in dem wir uns solche Zweifel am wenigsten leisten
können;
- der Einfluß geschmälert würde, der jetzt im Sinne unserer Ziele in
bezug auf die Nichtweiterverbreitung von Atomwaffen zum Tragen käme, da es
unwahrscheinlich ist, daß derartige Vorschläge von allen wichtigen Lieferländern befürwortet werden; und
- als Folge davon die Zusammenarbeit der Lieferländer leicht auseinanderbrechen und es erneut zu einem relativ unkontrollierten Wettbewerb unter anderen Lieferländern kommen könnte ...
Die Probleme der Proliferation sind kompliziert und ebensowenig raschen
- 9 -

�raschen wie einfachen Lösungen zugänglich.

Will man die künftige Ausweitung

von Möglichkeiten zum Bau von Kernwaffen blockieren, ist es erforderlich,
komplexe politische und technische Maßnahmen beharrlich zu verfolgen, welche
die Bestrebungen zur Proliferation abschwächen und gleichzeitig wirksame
Kontrollen dagegen errichten.

Diese Regierung ist diesem Ziel strikt verpflich-

tet, und ich weiß, daß wir auf den US-Kongreß zählen können, mit uns zusammenzuarbeiten, damit die Erreichung dieses lebenswichtigen Zieles gewährleistet
wi rd ...
Um in unseren Bemühungen um den Proliferationsstop erfolgreich zu sein,
müssen wir die inzwischen geschaffenen multilateralen und nationalen politischen Grundlagen bewahren und auf ihnen weiterbauen.

Wie ich bereits sagte,

erfordert dies die ständige Bereitschaft zur Konsultation mit den Empfängerländern und die konstruktive Unterstützung internationaler Mechanismen, die unserer Proliferations-Sperrpolitik Beständigkeit geben können."

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Präsident Ford zur Außenpolitik der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede vor dem Rat für Auswärtige Beziehungen in Chicago am 12. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger zieht außenpolitische Bilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des amerikanischen Außenministers in Boston am 11. März 1976 -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Atomwaffensperre bleibt Ziel der US-Politik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Außenminister Dr. Henry A. Kissinger vor dem Senatsausschuss für Regierungstätigkeit&lt;/em&gt;</text>
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