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                  <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

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TeIex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

Numn

3. März 1976

Inhalt
DOKUMENTATION
Kissinger-Rede in San Francisco am 3. Februar 1976
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Sonderbotschaft Präsident Fords zum US-Energieprogramm

WIRTSCHAFT
US-Wirtschaftsbeirat rechnet mit wachsendem Investitionsbedarf
Von Thomas Eichler

INFORMATION
Fachausstellung "Sicherheit flir Banken, Handel und Industrie"
im US-Handelszentrum Frankfurt

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Spalt-Uran von der Industrie
US-Regierung will Uran-Anreicherung privatisieren
Breite Entwicklungsbasis für den schnellen Brüter
USA wollen 1986 über kommerzielle Anwendung entscheiden

Um

Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

8 9 - 3 2 4 0

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

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Te Ie x :

Dokumentation

300

08-85432

4/1976

KISSINGER-REDE IN SAN FRANCISCO AM 3. FEBRUAR 1976
- Wortlaut -

SAN FRANCISCO - (AD) - Der amerikanische Außenminister Dr. Henry A.
Kissinger hat in einer vielbeachteten Rede vor dem Commonwealth Club in
San Francisco am 3. Februar 1976 zu aktuellen weltpolitischen Fragen, vor
allem zu dem Verhältnis zwischen den USA und der Sowjetunion Stellung genommen. Die Rede hat folgenden Wortlaut:
Amerika tritt in sein drittes Jahrhundert und in seine 48. Präsidentenwahlen ein mit unvergleichlicher physischer Stärke, einem gesunden außenpolitischen Konzept und doch von Selbstzweifeln gezeichnet. In den letzten
anderthalb Jahrzehnten haben wir erlebt, daß ein Präsident ermordet, ein
weiterer aus dem Amte getrieben und ein dritter zurückgetreten ist. Wir
haben die Agonie von Vietnam und Watergate durchlebt. Wir kämpfen immer
noch darum, die Bitterkeit und Spaltung in ihrem Gefolge zu überwinden. Es
gibt keine dringlichere Aufgabe für uns, als unsere nationale Einheit und
unsere nationale Entschlossenheit wiederherzustellen.
Wir können uns als die stärkste freie Nation den Luxus einfach nicht
leisten, uns zurückzuziehen und unsere Wunden zu lecken. Es hängt zu viel
von uns ab - Frieden oder Krieg, Prosperität oder Depression, Freiheit oder
Tyrannei. Für Amerika steht zu viel auf dem Spiel, als daß es sich selbst

�selbst lähmen und die Vergangenheit zerreißen, sensationelle Schlagzeilen
in der Gegenwart suchen oder Wunderheilmittel für die Zukunft anbieten
könnte. Denn schließlich wird unser eigenes Wohlergehen - werden amerikanisches Leben und amerikanische Arbeitsplätze - davon berührt, wenn wir es
zulassen, daß Uneinigkeit und Durcheinander im eigenen Lande uns gegenüber
unserem internationalen Verpflichtungen in die Knie zwingen.
Und daher ist es ein dringendes Gebot, daß die nationale Debatte in
diesem Wahljahr - der größten Demonstration, wie frei ein Volk sich selbst
regieren kann - unser Selbstvertrauen und unsere Fähigkeit zur Durchführung
einer wirkungsvollen nationalen Politik stärkt und nicht untergräbt. Es ist
von wesentlicher Bedeutung, daß wir unsere nationale Einheit und unser Gefühl dafür, daß wir an einer gemeinsamen Sache beteiligt sind, rasch wieder
herstellen.
In diesem Geiste möchte ich heute die Beziehungen Amerikas zur Sowjetunion, jener anderen Supermacht auf der Welt, erörtern. Diese Beziehung hat
- durchaus zu Recht - in den vergangenen Monaten einen wichtigen Platz in unserer nationalen Debatte eingenommen. Ich möchte hier die Ansichten dieser
Administration über die Bedingungen darlegen, die zu jener als "Entspannung"
bezeichneten Politik führten, über die Ziele, die wir verfolgen, und über
das Verhältnis, in dem unsere Politik gegenüber der Sowjetunion zu dem Gesamtkonzept unserer amerikanischen Diplomatie steht.
Die Vereinigten Staaten sehen sich heute einer Herausforderung gegenüber, wie es sie in ihrer Geschichte noch nie gegeben hat, und einer weiteren
Herausforderung, wie man sie in der Weltgeschichte bisher nicht gekannt hat.
Amerika findet sich jetzt zum ersten Mal dauernd und unwiderruflich in das
weltpolitische Geschehen verstrickt. Zur gleichen Zeit aber stehen wir auf
Grund der katastrophalen Natur eines Nuklearkriegs unter dem unausweichlichen
Zwang - der alle traditionellen Vorstellungen und Begriffe der Diplomatie und
des Kräftegleichgewichts übersteigt - eine Weltordnung zu schaffen, die ihre
Stabilität aus der Zurückhaltung und Selbstbeschränkung und schließlich der
Zusammenarbeit gewinnt.
o
Währeng1

�Während der ersten 150 Jahre unserer Geschichte sorgten die beiden
Ozeane, der Schutzschild der britischen Flotte und das Gleichgewicht unter
den europäischen Mächten für unseren Frieden und unsere Sicherheit.

Der Er-

folg unserer Demokratie im eigenen Lande und das Fehlen jeder direkten Bedrohung von außen erweckten in uns das Gefühl der Einmaligkeit und Besonderheit und nährten die Illusion, daß es Sache Amerikas sei, zu entscneiden, ob
und wann wir uns an weltpolitischen Angelegenheiten beteiligen wollten.
Seit Tocqueville ist es zu einem Klischee geworden, daß die Amerikaner
- als Volk - nur langsam in Erregung zu bringen seien, daß sie aber - sobald
einmal aufgerüttelt - eine ungeheure und nicht zu bezwingende Macht darstellten. Als wir uns dann schließlich auf außenpolitischem Gebiet weiter hervorwagten, identifizierten wir dieses unser Vorgehen immer noch als eine vorübergehende Störung und Unterbrechung unserer Ruhe.
Unsere Geschichte blieb mit Ausnahme des Bürgerkriegs frei von jenen
Tragödien und dem Gefühl für die praktisch gesetzten äußeren Grenzen, die die
Erfahrungen beinahe aller anderen Völker bestimmt haben.
Unsere Erfahrungen schienen uns zu lehren, daß sich jedes Problem durch
entschlossene Willensanstrengung lösen lasse - und zwar ein für allemal.
Wir sahen den Frieden als etwas natürliches, Stabilität als normal und ein
Engagement im Ausland nur solange als angemessen an, als es notwendig war,
um eine temporäre Bedrohung oder Unordnung zu beseitigen.
Wir traten in den Ersten Weltkrieg ein, als "den Krieg um allen Kriegen
ein Ende zu setzen" und "die Welt für die Demokratie sicherer zu machen".
Wir kämpften im Zweiten Weltkrieg bis zur "bedingungslosen Kapitulation" der
anderen Seite.
Selbst noch in den ersten 25 Jahren nach Ende des Zweiten Weltkrieges
- einer Ära großer schöpferischer Leistung und eines noch nie dagewesenen
außenpolitischen Engagements Amerikas - agierten wir, als ob die Sicherheit
und die wirtschaftliche Entwicklung der Welt ein für allemal durch den Einsatz
- 3 -

�t

Einsatz amerikanischer Hilfsquellen sowie unseres Know-hows und unserer
Willensanstrengung gewährleistet werden könnte. Zu einem solchen Handeln
wurden wir ermutigt - ja fast gezwungen - durch unsere einmalige Vorrangstellung in einer durch den Krieg und den Zusammenbruch der großen Kolonialreiche zerrütteten Welt. Wir glaubten, daß die Stationierung unserer Truppen
in Europa und anderen Teilen der Welt nur vorübergehender Natur sein würde.
Wir meinten, daß die Politik der Eindämmung die Sowjetunion umformen würde
und daß aus einer gewandelten sowjetischen Gesellschaftsform zwangsläufig
ein verträgliches und brauchbares Mitglied einer harmonischen internationalen
Völkergemeinschaft hervorgehen würde.
Auf der anderen Seite hat die zentrale Bedeutung moralischer Werte im
Leben Amerikas uns immer eine akute Empfindsamkeit für die Reinheit der
Mittel gegeben - und als wir über eine überwältigende Macht verfügten, besassen wir auch den Luxus einer großen Auswahlmöglichkeit.

Unsere moralische

Strenge machte uns den Kompromiß schwer und unser Übergewicht ließ einen solchen oft unnötig erscheinen.
Heute verfügen wir zwar noch immer über massive Stärke, aber wir erfreuen uns keiner echten nuklearen Vorherrschaft mehr. Wir bleiben weiterhin
das Land mit der produktivsten und erfinderischsten Wirtschaft, aber wir müssen heute diese Führung mit Westeuropa, Kanada und Japan teilen. Wir haben
es heute mit den neuen reichen und sich entwickelnden Ländern zu tun, und
wir müssen hinsichtlich unserer wirtschaftlichen Beziehungen zu den kommunistischen Ländern neue Wege suchen. Unsere demokratischen Prinzipien werden von den Millionen Menschen der Welt immer noch weit höher geschätzt als
wir glauben. Aber wir müssen auch mit neuen Ideologien konkurrieren, die
progressive Ziele proklamieren, aber sie mit Methoden der Unterdrückung verfolgen.
Heute stehen wir zum ersten Mal in unserer Geschichte vor der nackten
Tatsache, daß die Herausforderung zeitlich unbegrenzt ist; daß es keine
leichte und sicherlich keine endgültige Antwort gibt; daß es keine automa- 4 -

�automatischen Lösungen gibt. Wir müssen lernen, Außenpolitik zu betreiben,
wie andere Länder dies schon seit Jahrhunderten tun mußten - ohne Ausflucht
und ohne Atempause, in dem Wissen, daß das Erreichbare immer hinter dem Ideal
zurückbleibt, in dem Bewußtsein der Notwendigkeiten der Selbsterhaltung,1h
der Erkenntnis, daß die Reichweite unserer nationalen Zielsetzung ihre Grenzen
hat.

Das ist für Amerikaner eine neue Erfahrung.

Sie löst Heimweh nach einer

einfacheren Vergangenheit aus. Wie schon früher in unserer Geschichte führte
diese Erfahrung zu der Suche nach Prügelknaben, wobei man glaubt, eine bestimmte Politik für objektive Verhältnisse verantwortlich machen zu können.

Aber gerade weil wir nicht mehr über eine Vorherrschaft verfügen, sondern
einen Kurs auf lange Sicht einschlagen müssen, ist das heute ein Vorteil für
unsere Beständigkeit und Zielstrebigkeit.

Wir können es uns nicht leisten,

bedenkenlos zwischen Konfrontation und Verzicht hin und her zu schwanken.
Und ebensowenig können wir mit nostalgischen Hoffnungen harte Realitäten wegwünschen.

Wir können nicht länger so handeln, als ob wir uns in außenpoli-

tischen Angelegenheiten nur nach eigener Wahl einmischen könnten, oder nur um
irgendwelche spezifischen Probleme zu lösen, um dann unsere Prioritäten wieder
zurück auf unsere natürliche Beschäftigung mit uns selbst zu verlegen.

Die

Wirklichkeit ist, daß es ohne unsere Wachsamkeit keine Sicherheit geben kann
und ohne unseren Einsatz keinen Fortschritt.

Das ist der Zusammenhang, in dem die amerikanisch-sowjetischen Beziehungen gesehen werden müssen.

Die derzeitige Herausforderung der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen:
Die Frage, wie man sich zur Sowjetunion stellen sollte, ist drei Jahrzehnte lang ein zentrales Anliegen der amerikanischen Politik gewesen. Was
heute neu ist, ist die Kulmination von dreißig Jahren Nachkriegswachstums
der industriellen, technologischen und militärischen Macht der Sowjets. Das
ist keine Folge einer amerikanischen Politik und das hätte auch durch keine
amerikanische Politik verhindert werden können.

Aber amerikanische Politik

kann dafür sorgen, daß diese Macht nicht eingesetzt wird, um den sowjetischen
Einfluß zu unserem Nachteil auszuweiten.
- 5-

Wir besitzen die Fähigkeit, Verbün-

�Verbündete und Freunde in die Lage zu versetzen, in einem Gefühl der Sicherheit zu leben; wir besitzen die Mittel, um den Prozeß des Aufbaus einer internationalen Ordnung der Zusammenarbeit und des Fortschritts voranzutreiben.
Wir müssen dies jedoch unter bisher nie dagewesenen Bedingungen schaffen.
In früheren Zeiten hat die Rivalität zwischen Großmächten fast immer zum
Krieg geführt.

In unserer Zeit, in der thermonukleare Waffen Verluste von

Hunderten von Millionen von Menschen androhen, ist eine solche Folge undenkbar.

Wir müssen ein fundamentales Aufeinanderprallen von Ideologien im Griff

behalten und die Rivalität der nuklearen Supermächte zunächst in die Koexistenz
zwingen und dann die Koexistenz in eine positivere und kooperative Zukunft
umformen.

Denn, wie Präsident Kennedy einmal gesagt hat,

"in der letzten

Erkenntnis ist unsere grundlegendste gemeinsame Bindung, daß wir alle diesen
kleinen Planeten bewohnen, daß wir alle die gleiche Luft atmen, daß wir uns
alle um die Zukunft unserer Kinder sorgen, und daß wir alle sterblich sind."
In der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg war das Schreckgespenst für uns,
daß die Sowjetunion nach der Konsolidierung ihrer Besetzung Osteuropas versuchen könnte, ihre Kontrolle über anliegende Gebiete in Europa und Asien auszudehnen. Unsere Politik war daher darauf ausgerichtet, Bündnisse und Positionen der militärischen Stärke aufzubauen, von denen aus wir die Sowjetunion
eindämmen una isolieren konnten. Auf diese Weise glaubte man, die Sowjetunion
schließlich zum Frieden zwingen zu können. Innerhalb der sowjetischen Gesellschaft könnten dann Veränderungen eintreten, die expansionistischen Tendenzen Einhalt gebieten würden und die UdSSR im Laufe der Zeit zu einem kooperativeren Mitglied des internationalen Systems machen könnten.
Diese Politik tat uns und unseren Verbündeten wohl.
Expansion wurde Einhalt geboten.

Der sowjetischen

Hinter unserem Sicherheitsschild und mit

unserer Unterstützung richteten unsere Freunde und Verbündeten in Westeuropa
ihre Volkswirtschaften wieder auf und schufen ihre demokratischen Institutionen
neu.
Die
- 6 -

�Die Hoffnung jedoch, daß diese Politik eine permanente Stabilität,
eine positive Entwicklung des sowjetischen Systems und eine stärkere Normalität herbeiführen würde, erfüllte sich nur teilweise.

In der unmittelbaren

Nachkriegsperiode verhüllte die Aggressivität der sowjetischen Ideologie der
Stalin-Ära einige der tatsächlichen Schwächen des sowjetischen Staates.

Da-

gegen erfreuten sich die Vereinigten Staaten noch im Jahre 1962 während der
Kuba-Krise einer Überlegenheit in strategischen Raketen von 5:1, in strategischen Bombern von 3:1, einer totalen Überlegenheit an Kriegsschiffen und
einer in etwa gleichen Stärke an Landstreitkräften in Europa.
Mit dem Erwerb nuklearer Technologie und den Veränderungen des interna
tionalen Systems durch die Entkolonialisierung begann die Sowjetunion Schritt
für Schritt als eine erstklassige Militärmacht hervorzutreten.
Was die strategische militärische Stärke anlangt, so hat die UdSSR eine
generelle Gleichwertigkeit mit den Vereinigten Staaten erreicht. Das mußte
bei einem großen Land, dessen Herrscher bereit waren, ihrer Bevölkerung große Opfer abzuverlangen und der militärischen Stärke die absolute Priorität bei der
Zuteiluny der Mittel zu geben, praktisch unausweichlich so kommen. Obwohl das
Bruttosozialprodukt der Sowjetunion nur halb so groß ist, wie das unsrige,
sind die militärischen Ausgaben der Sowjets höher als die der Vereinigten
Staaten.
Zum ersten Mal in der Geschichte kann die Sowjetunion fernliegende Orte
jenseits der eurasischen Landmasse bedrohen - einschließlich der Vereinigten
Staaten. Nachdem kein Teil der Welt mehr außerhalb der Reichweite ihrer Streitkräfte liegt, hat die UdSSR begonnen, ihre Interessen und Ziele in globalen
Begriffen zu definieren. Die sowjetische Diplomatie ist im Nahen Osten, in
Afrika und in Asien vorgedrungen. Diese Entwicklung ist heute in echter
Macht verwurzelt und keineswegs nur in der rhetorischen Manifestation einer
Universaldoktrin, die nebenbei bemerkt nur sehr wenig Gewicht oder Anziehungskraft hat.
Unser

- 7 -

�Unser zentrales Sicherheitsproblem in den letzten Jahren hat darin bestanden, mit den Auswirkungen dieser aufstrebenden Supermacht fertigzuwerden.
Diese Aufgabe wird nie verschwinden und sie wird wahrscheinlich niemals
löst"

werden.

"ge-

Jede Administration in absehbarer Zukunft wird sich dieser

Aufgabe stellen müssen.

Unsere Politik muß sich mit den Folgen befassen.

Der Aufstieg ehrgeiziger neuer Mächte in ein bestehendes internationales
System ist ein immer wiederkehrendes Phänomen.

In der Geschichte war die An-

passung einer bestehenden Ordnung an das Auftreten eines oder mehrerer neuer
Akteure fast immer von Krieg begleitet - um den Aufstieg zu verhindern, um
einige der bisher etablierten Akteure zu beseitigen oder ihre Zahl zu verringern, um das Gleichgewicht der Kräfte in einem revidierten System auf die Probe zu stellen.

Im Nuklearzeitalter jedoch, in dem die Verluste in einem all-

gemeinen Nuklearkrieg in wenigen Tagen in die Hunderte von Millionen gehen
würden, bedeutet die Anwendung von Gewalt nur die Katastrophe.

Es ist unsere

Aufgabe, die Sowjetmacht ohne globalen Krieg einzudämmen - sowohl den Verzicht,
als auch die unnötige Konfrontation zu vermeiden.
Das ist zu schaffen, aber es erfordert eine delikate und komplexe Politik.
Wir müssen nach einem Gleichgewicht der Macht streben, aber wir müssen darüber
hinausgehen, um gegenseitige Zurückhaltung, Koexistenz und letztlich Zusammenarbeit zur guten Gewohnheit zu machen.

Wir müssen eine neue internationale

Ordnung in einer außerordentlich gefährlichen Umwelt stabilisieren, aber unser
Endziel muß es sein, den ideologischen Konflikt in eine konstruktive Beteiligung am Aufbau einer besseren Welt zu verwandeln.
Das ist das, was wir unter dem Prozeß verstehen, der

"Detente"

genannt

wird - nicht der Hunger nach einem Abbau der Spannungen, nicht das Streben nach
Übereinkommen um jeden Preis, nicht das gedankenlose Suchen nach einer freundlichen Atmosphäre, wie es von einigen Kritikern als naive und gefährliche
Karikatur gezeigt wird.
Die von dieser Administration verfolgte Politik ist immer darauf ausgerichtet gewesen, eine sowjetische Expansion zu verhindern, aber auch ein System
- 8 -

�System von Beziehungen aufzubauen, in dem die Sowjetunion bei Aggression
immer mit Strafen rechnen muß und das ebenso zunehmende Anreize für eine
Zurückhaltung bietet.

Diese Ziele liegen durchaus innerhalb unserer Reich-

weite.
Die sowjetische Macht entwickelt sich ziemlich uneinheitlich. Die sowjetische Gesellschaft ist heute nicht mehr gänzlich von den Kontakten mit oder
den Einflüssen der Welt um sie herum abgeschlossen, noch hat sie nicht auch
ihren eigenen Bedarf an Beziehungen nach außen. Schließlich sind es die grossen demokratischen Industrienationen, nicht die Sowjetunion, die der Motor
der Weltwirtschaft und die vielversprechendsten Partner für die ärmeren Länder
sind.
Die demokratischen Industrienationen besitzen, wenn sie ihren Herausforderungen mit Zuversicht begegnen - wenn sie sich nicht selbst in die Illusion
einfacher Lösungen hypnotisieren - gewaltige Stärke, um die Sowjetmacht einzudämmen und diese Macht in konstruktive Richtungen zu lenken.
Unsere wesentliche Aufgabe besteht in der Erkenntnis der Notwendigkeit
einer zweigleisigen Politik, die gleichzeitig und mit gleichem Nachdruck expansionistischen Vorstößen widersteht und eine konstruktivere Beziehung zu
gestalten sucht. Wir müssen verhindern, daß sie Sowjetunion ihre wachsende
Stärke in globale oder regionale Vorherrschaft verwandelt. Aber wir müssen
das tun, ohne jede Krise in eine massive Konfrontation zu eskalieren. In den
letzten Jahren haben die Vereinigten Staaten nachdrücklich den Versuchen der
Sowjetunion widerstanden, einen Flottenstützpunkt in Kuba zu errichten, die Zugangswege nach Berlin zu behindern, die explosive Situation im Nahen Osten
auszuschlachten. Jüngst haben wir versucht, einer offenen Intervention in
Angola Einhalt zu gebieten - bis wir durch den Kongreß daran gehindert wurden.
Zur gleichen Zeit aber besteht für uns der Menschheit gegenüber die historische Pflicht, uns mit der Sowjetunion um Vereinbarungen zur Lösung konkreter Probleme zu bemühen und die düsteren Wolken einer nuklearen Katastrophe
zu vertreiben.

Zumindest aber müssen wir unserer Bevölkerung gegenüber zeigen,
- 9 -

�zeigen, daß ihre Regierung keine Chance ungenutzt ließ, um zu konstruktiven
Lösungen zu gelangen und daß die auftretenden Krisen unvermeidbar waren.
Denn wie immer man es auch wenden mag, die Amerikaner werden keine Konfrontation unterstützen, die sie als absichtlich herbeigeführt ansehen.

Das ist

der Grund, warum die Vereinigten Staaten Grundsätze für verantwortungsbewußte
Beziehungen im Nuklearzeitalter aufgestellt haben: Achtung der Interessen
aller, Zurückhaltung bei der Anwendung und dem Einsatz von Macht und Verzicht
auf alle Versuche, eine instabile Lage oder lokale Konflikte zum einseitigen
Vorteil auszubeuten.

Die Vereinigten Staaten haben versucht, diese Prinzi-

pien bei wichtigen Verhandlungen über Rüstungskontrolle, der Verhinderung eines
ungewollten Krieges und bei der Lösung politischer Streitfragen - wie Berlin mit Leben zu erfüllen.
Und wir haben damit begonnen, ein System kooperativer Abkommen in mehreren wichtigen Bereichen zu schaffen - in den Bereichen der Wirtschaft, der
Wissenschaft, der Medizin, des Umweltschutzes und vieler anderer - die einen
konkreten Nutzen verheißen, sofern die politischen Bedingungen ihre volle Verwirklichung und weitere Entwicklung gestatten.

Wir waren der Überzeugung, daß

sich - mit Geduld - ein gewisses Grundschema der Zurückhaltung und ein System
wohl fundierter Interessen entwickeln lasse, das der Koexistenz eine hoffnungsvollere Dimension geben wird und beiden Seiten zum Bewußtsein bringt, was sie
zu verlieren hätten, wenn sie wieder auf die Politik des Drucks, der Konfrontation und der Krise zurückgriffen.
Diese Politik spiegelt die tiefsten Hoffnungen und Wünsche des amerikanischen Volkes wider.
Anfang der siebziger Jahre, als die derzeitigen amerikanisch-sowjetischen
Beziehungen gestaltet wurden, hatte unsere Nation bereits eine Reihe traumatischer Ereignisse hinter sich und befand sich in einem quälenden und bedrükkenden Krieg.

Es kam zu wilden Demonstrationen und Protestaktionen auf den

Straßen und an den Universitäten, bei denen man einen raschen Fortschritt hin
zum Frieden forderte.
Jedes
- 10 -

�Jedes neue Verteidigungsprogramm wurde kritisiert und in Frage gestellt
- darunter auch das ABM-Raketenabwehrsystem, das nur mit einer Stimme Mehrheit gebilligt wurde, die Entwicklung von Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV), das
Trident-Unterseeboot und der B-1-Bomber.

Ein Kongreß nach dem anderen ver-

abschiedete Resolutionen, in denen die Regierung dringend ersucht wurde, in
einer Neufestsetzung unserer nationalen Prioritäten von dem Komplex der Verteidigung abzurücken.

Wir wurden ständig angegriffen, weil wir bei den SALT-

Verhandlungen keine Konzessionen machten.

Der Kongreß und viele Interessen-

gruppen drängten unausgesetzt auf eine Öffnung des Ost-West-Handels und agitierten gegen den von der Administration eingeschlagenen Weg, den Fortschritt
in den wirtschaftlichen Beziehungen mit einem zuvor erzielten Fortschritt in
den politischen Beziehungen zu koppeln.

Im Verlauf des Jahres 1970 und des

Jahres 1971 wurden wir in eine Reihe von Krisen mit der Sowjetunion verwickelt
und dabei oft einer provozierenden oder militanten Haltung beschuldigt.
So wirkte noch vor wenigen Jahren der ganze Druck in diesem Lande und
von Seiten unserer Verbündeten in überwältigender Weise darauf hin, rasch zu
besseren Beziehungen zu Moskau zu gelangen.

Wir widerstanden diesem Drängen

damals genauso, wie wir uns heute weigern, uns in die entgegengesetzte Richtung hineintreiben zu lassen.
Nach Ansicht der Administration braucht unser Land eine ausgewogene Politik, in der sich Festigkeit mit Entgegenkommen, starke Verteidigung mit
Rüstungskontrolle, politische Grundsätze und wirtschaftliche Anreize vereinen.
Und es muß eine Politik auf lange Sicht sein, die das amerikanische Volk tragen und unterstützen kann und die Aussicht auf eine konstruktive Zukunft bietet.
Es ist daher schon etwas wie Ironie, daß sich unsere nationale Debatte
in vieler Hinsicht heute einmal um sich selbst gedreht zu haben scheint.

Die

Umstände, aus denen die Idee der Entspannung entsprang, sind weitgehend vergessen.

Diejenigen, die einst auf Konzessionen und einseitige Zurückhaltung

in den Forderungen gegenüber Moskau drängten, beschuldigen heute die Regierung,
sie sei zu konziliant.

Jene aber, die darüber klagen, daß wir auf die Schritte
- 11 -

�Schritte der Sowjets nicht mit genügend Kraft und Energie reagieren, sind
oft genau dieselben, die unablässig bemüht sind, die Ansatzmöglichkeiten,
die unser Land hat, um Einfluß auszuüben und Aktionen zu treffen, zu beseitigen - sei es durch Restriktionen bei Handel und Kredit, sei es durch Schwächung unserer Nachrichtendienste oder dadurch, daß sie die Hilfe gegenüber
unseren Freunden verhindern, die der sowjetischen Aggression zu widerstehen
versuchen.
Die Handels- und Kreditrestriktionen sind dafür ein typisches Beispiel.
Die Frage der Menschenrechte ist ein tiefgreifendes und legitimes Anliegen
für alle Amerikaner.

Aber der Versuch des Kongresses, dieses ganz offen mit

Wirtschaftsbeziehungen zu koppeln - ohne Feingefühl oder Verständnis für die
sowjetische Politik - haben uns der wirtschaftlichen Hebel beraubt und zugleich
die Zahl der Emigranten aus der Sowjetunion einschneidend reduziert.

Andere

Industrieländer sind erschienen, um Kredite und Technologie zur Verfügung zu
stellen - weniger besorgt um die Ziele der Schaffung eines Klimas politischer
Zurückhaltung, die wir angestrebt hatten.
Wir müssen daher Verständnis gewinnen für Umfang und Grenzen einer realistischen Politik:
- Wir können das Anwachsen der sowjetischen Macht nicht verhindern, aber
wir können verhindern, daß sie zu einseitigem Vorteil und politischer Expansion verwandt wird.
- Wir können den Aufbau sowjetischer Streitkräfte nicht verhindern, aber
- zusammen mit unseren Verbündeten - besitzen wir die Fähigkeit, ein Gleichgewicht aufrechtzuerhalten., Wir können diese Aufgabe nicht vernachlässigen und
dann der Sowjetunion die Schuld geben, wenn sich das militärische Gleichgewicht
zu unseren Ungunsten verschiebt.
Wir besitzen die diplomatische, wirtschaftliche und militärische Fähigkeit, dem Expansionismus Widerstand zu leisten, aber wir dürfen uns nicht in
eine Rhetorik der Konfrontation hineinsteigern, während wir uns gleichzeitig
- 12 -

�gleichzeitig der Mittel zu einer Konfrontierung berauben.
- Wir müssen akzeptieren, daß souveräne Staaten - vor allem solche von
ungefähr gleicher Stärke - einander keine unannehmbaren Bedingungen auferlegen dürfen und müssen durch Kompromisse zu Fortschritten kommen.
- Wir müssen mit der Realität der nuklearen Bedrohung leben, aber es
steht in unserer Macht, eine neue Beziehung herzustellen, die die nukleare
Gefahr überwindet.
Wollen wir daher dem defaitistisehen Gerede ein Ende machen, wonach die
sowjetische Politik meisterhaft, zielstrebig und überwältigend sei, während
die amerikanische Politik taumelnd, unsicher und schwach sei. Wollen wir damit aufhören, so zu tun, als zeigten harte Reden und bewußte Konfrontationen
irgendwie ein Vertrauen in Amerika. Das Gegenteil ist wahr. Diejenigen die
erklären, daß das amerikanische Volk eine komplexe Politik der Stärke und des
Entgegenkommens unterstützen wird und daß diese Politik erfolgreich sein wird,
zeigen den wahren Glauben an unsere Fähigkeiten und unsere Zukunft. Wir verfügen über eine Konzeption und die materiellen Voraussetzungen, um gegen die
Sowjetunion bestehen zu können. Wir werden erfolgreich sein, wenn wir als geeintes Volk voranschreiten.
Vor diesem Hintergrund möchte ich zwei aktuelle Fragen erörtern, die zwei
Richtungen unserer Politik aufzeigen, die wir gleichzeitig verfolgen:
- Die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT),
durch die wir eine positivere Zukunft anstreben.
- Die Situation in Angola, wo wir den sowjetischen Expansionismus einzudämmen suchen.

Die
- 13 -

�Die Begrenzung der Strategischen Rüstungen:
Eine zentrale Tatsache, die unsere Epoche von allen früheren geschichtlichen Zeiträumen unterscheidet, ist die Existenz gigantischer Massenvernichtungswaffen, die in kürzester Zeit fast unbegrenzte Entfernungen überwinden können.

Kein Teil des Erdballs liegt außerhalb ihrer Reichweite.

Kein Teil des Erdballs würde von den Auswirkungen eines allgemeinen nuklearen
Schlagabtausches verschont bleiben.
Jahrhundertelang war es eine unumstößliche Tatsache, daß sich ein Zuwachs an militärischer Stärke praktisch sofort in einen politischen Vorteil
umsetzen ließ.

Heute steht jedoch fest, daß ein neuer Zuwachs des strate-

gischen Waffenarsenals nicht auch automaitsch zu politischen oder militärischen
Vorteilen führt.
Allerdings liegt es in der Natur der Sache, daß die andere Seite zwangsläufig nachzieht, wenn eine Seite ihr strategisches Waffenarsenal ausweitet.
Der Rüstungswettlauf wird zum Teil deswegen fortgesetzt, weil ein festgestelltes Ungleichgewicht von jeder Seite als politisch nicht akzeptabel betrachtet
wird, obwohl es heute schwierig geworden ist, genau zu definieren, welchen
rein militärischen Zwecken gedient wird.
Wir stehen damit vor einer paradoxen Situation: Bei dem derzeitigen
Stand und der vorhersehbaren Entwicklung der Nuklearwaffen wird es immer gefährlicher, sie einzusetzen. Seit 1962 waren in keiner Krise die strategischen
Waffen der beiden Seiten entscheidend für ihren Ausgang. Heute besteht der
Hauptzweck dieser Waffenarsenale immer mehr darin, mit den Streitkräften des
Gegners gleichzuziehen und auf sie abschreckend zu wirken. Denn unter praktisch keinen Umständen könnten die Vereinigten Staaten - oder die Sowjetunion es vermeiden, daß bei einem nuklearen Schlagabtausch 100 Millionen Menschen
sterben müßten. Trotzdem geht das Wettrüsten weiter, einfach weil es so schwer
ist, einen Weg zu finden, um aus der Tretmühle herauszukommen.
Natürlich
——————

- 14 -

�Natürlich gibt es in den Planungen theoretische Abläufe, wie eine
Seite ihre strategischen Streitkräfte einsetzen und unter gewissen angenommenen Umständen überleben könnte. Aber hier werden die Berechnungen des
Technikers mit dem verwechselt, was ein verantwortungsbewußter Staatsmann
entscheiden kann.

Hier wird immer wieder mit theoretischen Annahmen operiert,

wie etwa eine Seite würde die Zerstörung ihrer Raketensilos zulassen»ohne
vor dem Auftreffen der anderen Raketen die eigenen abzufeuern.

Auf diese An-

nahme würde sich kein Aggressor stützen, vor allem wenn Streitkräfte involviert sind-, w&gt;e sie die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion heute und in
den kommenden Jahren besitzen.
Diese Situation legt den Führern der beiden nuklearen Supermächte eine
einzigartige und schwere Verantwortung auf» Das anhaltende nukleare Wettrüsten erfordert die endlose Aufstellung theoretischer Abläufe unmittelbar
bevorstehender oder potentieller nuklearer Angriffe. Der Versuch, sich gegen
alle denkbaren Eventualfälle abzusichern, gleichgültig wie phantastisch sie
sein mögen, nährt die politischen Spannungen und könnte leicht zu einer sich
selbst erfüllenden Prophezeihung führen. Die Fixierung auf ein potentielles
strategisches Rüstungsg'.e-'chgew.cht, wie sie bei einem unbegrenzten Wettrüsten gegeben ist, nimmt Mittel für strategisch unproduktive Gebiete weg
- vor allem von den Streitkräften für die Örtliche Verteidigung, wo Unterlegenheit oder Ungleichgewichte sich rasch zu unserem Nachteil auswirken könnten.
Wenn es zu keiner Zurückhaltung kommt, dann könnte das Wettrüsten bei strategischen Waffen ernste Folgen für die Zukunft der internationalen Beziehungen
und in der Tat für die Zukunft der Zivilisation haben.
Die vereinigten Staaten haben daher seit 1963 eine Reihe von Rüstungskcntrcllabkommen angestrebt und erreicht, die zu einer gewissen Zurückhaltung
bei der nuklearen Rivalität geführt haben.

Im Jahre 1972 kam ein bedeutsamer

Durchbruch in der Begrenzung strategischer Waffen zustande.

Wenn das Überein-

kommen vor Wladiwostok zu einem neuen Abkommen führt, dann wird das einen noch
wesentlicheren Fortschritt bedeuten.
An
- 15 -

�An diesem kritischen Scheideweg ist das amerikanische Volk einer
Lawine von Behauptungen ausgesetzt, SALT bedeute eine Kapitulation amerikanischer Interessen.

Es wird behauptet, daß die Vereinigten Staaten bei dem

strategischen Wettrüsten zurückgefallen seien und daß SALT dazu beigetragen
habe.

Es gibt unbestätigte Behauptungen, die Sowjets hätten systematisch

die SALT-Abkommen verletzt.

Wie sieht es wirklich aus?
Zunächst einmal haben die politischen Entscheidungen Amerikas in den
sechziger Jahren die Stärke unserer strategischen Streitkräfte für die siebziger Jahre

festgelegt.

Wir hatten damals die Wahl zwischen einer weiteren

Dislozierung großer, schubkraftstarker Raketen wie die TITAN oder die ATLAS,
oder der Entwicklung und Dislozierung einer großen Zahl kleinerer, flexiblerer
Interkontinentalraketen oder einer Kombination beider Alternativen.
Die damals im Amt befindliche Amdinistration beschloß, sich zusammen
mit schweren Bombern auf ein Arsenal von 1000 kleinen, hochentwickelten und
äußerst treffsicheren Interkontinentalraketen und 656 unterseebootgestützten
Raketen auf 41 Booten zu verlassen. Wir haben sie rasch disloziert und dann
in den sechziger Jahren den Bau der Abschußeinrichtungen einseitig gestoppt,
als die Programme abgeschlossen waren. Nur 54 der schweren TITAN-Raketen
wurden beibehalten und sind immer noch operativ. Die Sowjets trafen die entgegengesetzte Entscheidung. Sie entschieden sich für schwerere Raketen; sie
setzten die Aufstellung ihrer Verbände in den sechziger und siebziger Jahren
fort; sie übertrafen unsere zahlenmäßige Stärke 1969/70 und erhöhten die Zahl
ihrer Raketen um 200 pro Jahr, bis dem durch das erste SALT-Abkommen Einhalt
geboten wurde.
Als Folge dieser Entscheidungen beider Seiten vor einem Jahrzehnt sind
die sowjetischen Raketen überlegen an Tragkraft, während die unsrigen an
Zuverlässigkeit, Treffsicherheit, Vielfalt und technischer Entwicklung über- 16 -

�überlegen sind, und im übrigen verfügen wir über mehr Gefechtsköpfe.

Im

Jahre 1972, als das SALT-Abkommen unterzeichnet wurde, setzte die Sowjetunion
ihren Aufbau noch mit einer Rate von 90 landgestützten und 120 seegestützten
Abschußeinrichtungen pro Jahr fort, während wir auf Grund unserer eigenen,
wiederholt bekräftigten einseitigen Entscheidungen vor einem Jahrzehnt keine
weiteren Abschußeinrichtungen bauten.

Da neue amerikanische Programme zur

Wiederherstellung des Gleichgewichts erst kürzlich angeordnet wurden, besteht
keine Möglichkeit zur Verringerung des zahlenmäßigen Unterschieds vor Ende der
siebziger Jahre, wenn nach den Plänen mehr seegestützte Raketen und neue Bomber einsatzbereit sein werden.
Das Interimsabkommen über die Begrenzung von Offensivwaffen im Jahre 1972
hat die Gesamtzahl der Abschußeinrichtungen auf fünf Jahre eingefroren - und
damit den Auftrieb der sowjetischen Programme gedämpft, ohne unsere eigenen
Programme zu beeinflussen. Es hat der Zunahme der sowjetischen Abschußrampen für schwere Raketen Einhalt geboten. Es zwang die Sowjets, dem Abbau von
210 älteren landgestützten Raketen zuzustimmen, um die erlaubte Höchstzahl von
raketentragenden Unterseebooten erreichen zu können. Die vereinbarte Begrenzung der Zahl der Silos erlaubte uns, die Tragkraft unserer eigenen Raketen
zu erhöhen, wenn wir uns zu diesem Weg der Verbesserung unserer strategischen
Streitkräfte entschlossen. Wir haben bisher diesen Weg nicht eingeschlagen,
obwohl wir durch Forschung und Entwicklung diese Option offen halten. Auf
jeden Fall verhinderten die SALT-Abkommen, daß sich die zahlenmäßige Kluft
weiter ausdehnte, während sie uns unseren Vorteil in anderen Kategorien nicht
nahmen und das Problem der Wiederherstellung des Gleichgewichts mit einem Inkrafttreten neuer Programme erleichterten. Durch keinerlei Verhandlungen aber
ließen sich auf diplomatischem Wege Ergebnisse unserer eigenen vor langer Zeit
getroffenen Entscheidungen hinsichtlich der Art und der Dislozierung unserer
Waffen ins Gegenteil zu verkehren.

Darüber hinaus haben die SALT-Abkommen auf unbegrenzte Zeit einen gefährlichen und unsicheren Wettlauf in der Raketen-Abwehr-Verteidigung beendet
- einen Wettlauf, der keinen strategischen Vorteil versprach, sondern höchstens
- 17 -

�höchstens gefährliche Instabilität und die Ausgabe gewaltiger Summen Geldes.
Die ersten SALT-Abkommen lagen daher ohne Frage im nationalen Interesse
Amerikas.

Es war unsere Absaht, in der durch das Interimsabkommen von 1972

gewonnenen Atempause über einen langfristigen Vertrag über Offensivwaffen zu
verhandeln, der beide Seiten auf einen gleichen Stand festlegen würde, nachdem unsere neuen Programme einsatzbereit geworden sind.

Das ist genau das,

was Präsident Ford im November 1974 in Wladiwostok erreicht hat.
In dieser Grundsatzvereinbarung einigten sich beide Seiten auf eine
Höchstgrenze von 2400 strategischen Waffen - strategische Systeme und Bomber
einschließend - nicht gerechnet jedoch unsere vorgeschobenen Flugzeuge in Europa und die strategischen Waffen unserer Verbündeten, von denen viele sowjetischen Boden erreichen können.,
Die Höchstgrenze von 2400 liegt niedriger als der von der Sowjetunion;
bereits erreichte Stand; sie würde die Demontage vieler sowjetischer Waffen
erfordern, während der geplante Stand und die geplante Zusammensetzung unserer Streitkräfte nicht verringert oder verändert zu werden brauchten. Eine
ebensolche Höchstgrenze von 1320 wurde für die Zahl der strategischen Waffen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRV) festgelegt. Die Zahl der sowjetischen Abschußeinrichtungen für schwere Raketen wird eingefroren bleiben. Diese Begrenzungen würden dem zahlenmäßigen strategischen Wettlauf für einen Zeitraum
von zehn Jahren Einhalt gebieten, uns jedoch all jene Programme belassen, die
wir zur Gewährleistung der Abschreckung und des strategischen Sättigungsgrades
brauchen.
Es liegt auf der Hand, daß sich nicht alle Probleme mit einem einzigen
Abkommen regeln lassen. Das ist keine Frage von Schlupflöchern, sondern der
technologischen Entwicklung, und in dieser Hinsicht werden wir auf jeden Fall
wachsam bleiben. Wir werden sorgfältig verhandeln, um sicherzustellen, daß
unser nationales Interesse und unsere nationale Sicherheit geschützt bleiben.
Wenn es uns jedoch gelingt, das Übereinkommen von Wladiwostok in ein Zehn- 18 -

�Zehnjahresabkommen zu verwandeln, dann werden wir die Schwelle zwischen einem
totalen, ungehemmten Wettrüsten und dem schwierigen, jedoch vielversprechenden
Beginn eines langfristigen strategischen Gleichgewichts auf einem niedrigeren
Stand der Streitkräfte überschritten haben.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben bereits vereinbart,
sich bei der nächsten Phase der im Jahre 1977 beginnenden Verhandlungen mit
der Reduzierung der strategischen Streitkräfte zu befassen.
Man hätte meinen sollen, daß all dies bisher Erreichte für sich selbst
sprechen würde. Aber stattdessen hat es eine Flut von Anschuldigungen und
Vorwürfen ausgelöst, die das amerikanische Volk und unsere Freunde in die Irre
geführt hat, die bei unseren Gegnern einen falschen Eindruck der Unentschlossenheit bewirkte und die Aussichten für ein neues Abkommen, das von überragendem
Interesse für unsere Nation ist, kompliziert hat.
Keiner der Vorwürfe ist unverantwortlicher und potentiell gefährlicher
als die Behauptung, daß die Vereinigten Staaten wissentlich Verstöße gegen
die Abkommen von SALT-I tolerierten.
Wie sieht es wirklich aus? Mit dem Abkommen von 1972 wurde ein Ständiger
Beratender Ausschuß geschaffen, der ausdrücklich die Aufgabe erhielt, strittige
Fragen oder Unklarheiten und Zweifel bei der Durchführung der Abkommen zu erörtern. Es war nahezu sicher, daß sich solche Fälle bei einem ersten, noch
recht begrenzten Abkommen ergeben würden, das zwischen Mächten getroffen wurde,
die seit langer Zeit Gegner waren und die über Waffensysteme von größter Komplexität verfügten, deren Ausmaß sich nicht durch irgendeinen neutralen Überwachungsmechanismus, sondern nur durch die eigenen Nachrichtendienste beide*"
Seiten verifizieren lassen würde.
Jede zweifelhafte oder fragwürdige Aktivität, die sich ergab, ist von der
amerikanischen Regierung systematisch analysiert und vom Präsidenten und seinen
Beratern erwogen worden.

Sofern irgendeine Frage offen blieb, ist sie unver- 19 -

�unverzüglich mit der Sowjetunion zur Sprache gebracht worden.

Alle Instruk-

tionen an den amerikanischen Vertreter bei der Beratenden Kommission brachten
die einmütige Absicht sämtlicher zuständiger amerikanischer Behörden sowie
die Daten und von ihnen gemeinsam getroffenen Bewertungen zum Ausdruck.

Nie-

mand spürte dabei irgendeine Neigung, sich bei der Bewertung zugunsten der
Sowjets auszusprechen - ein an sich schon böswilliger Vorwurf.

Niemand hat

verhindert, daß alle fragwürdigen oder verdächtigen Aktivitäten bei den Sowjets
vorgebracht wurden.

Und durchaus nicht alle zu Fragen Anlaß gebenden Aktivi-

täten fanden auf der Seite der Sowjets statt.
Alle diese Fragen und Probleme sind und werden auch weiterhin durch ein
Verfahren,das sich als wirksam erwiesen hat, ernsthaft behandelt und geprüft
werden.

Doch auch weiterhin werden durch unverantwortliche Beschuldigungen

solche Vorfälle,die bereits ihre Erklärung gefunden haben oder zur Erörterung
stehen,mit wilden Anschuldigungen, die keinerlei Begründung haben, in einen
Topf geworfen.

Da werden dann manchmal unrichtige Zahlen und Daten vorgebracht,

die sich nur entkräften lassen, wenn man die heikelsten Geheimdienstinformationen preisgeben würde.
Doch in all diesem Wust von Anschuldigungen findet sich keine Empfehlung,
welche Gegenmaßnahmen wir dann treffen sollten oder welche Bedeutung wir einem
bestimmten vorgeblichen Verstoß gegen die Abmachungen zuerkennen sollten. Inwieweit betreffen die angeblichen Verstöße das strategische Gleichgewichtssystem? Inwieweit - wenn überhaupt - sind wir denn von vornherein gehindert,
uns selbst zu schützen? Würden all jene, die unrichtigerweise solche angeblichen Verstöße anführen, nun einfach alle Abkommen über Bord werfen, ohne
Rücksicht auf den Nutzen, den sie den Vereinigten Staaten bringen? Würden sie
die Verhandlungen über weitere Abkommen einstellen? Welchem Zweck dient es,
wenn man unser Volk und die Sowjetunion glauben macht - und zwar völlig zu Unrecht -,daß die Vereinigten Staaten gegen Verstöße blind seien oder daß die
amerikanische Regierung ihr Volk bewußt täuscht? Kann irgend jemand ernsthaft
glauben, daß diese Administration, die unbeirrt den kommunistischen Vorstößen
in allen Teilen der Welt Widerstand entgegengesetzt hat - und dafür oft scharf
- 20 -

�scharf kritisiert wurde - sowjetische Verstöße gegen ein formelles Abkommen
unbeachtet ließ?
Ich kann Ihnen versichern, daß diese Regierung keine solche Verstöße
dulden wird.

Sie wird auch weiterhin mit äußerster Sorgfalt die sowjetische

Vertragstreue überwachen.

Sie wird allen Zwei feisfallen oder Anzeichen von

Nichteinhaltung der Bestimmungen energisch nachgehen.

Aber sie wird sich

nicht durch Demagogie zu falschen oder übereilten Urteilen treiben lassen.
Kein Ministerium und keine Behörde, die Verantwortung für dieses Problem tragen, sind der Ansicht, daß es derartige Verstöße gegeben hat.
Wenn wir über SALT ein Urteil abgeben wollen, müssen wir uns schlicht
und einfach der einen Frage stellen: Welche Alternative gibt es zu dem Abkommen, das wir haben und um das wir uns bemühen? Wenn die SALT-Verhandlungen
fehlschlagen, dann müssen wir erwägen, welche neuen oder zusätzlichen strategischen Programme wir dann unternehmen sollten, was sie kosten würden und vor
allem welchem strategischen Zweck sie dienen würden. Ein beschleunigter strategischer Ausbau innerhalb der nächsten fünf Jahre könnte uns bis zu 20 Milliarden Dollar zusätzlich kosten. Kommt es zu keinem befriedigenden Abkommen,
dann wird dies sicher der Weg sein, den wir beschreiten müßten. Es wäre eine
in tragischer Weise verfehlte Chance. Denn im Verlauf eines solchen Aufbaus
und in dem Klima, das dadurch erzeugt würde, wäre es wohl für eine ganze Zeit
lang schwierig, wieder zu ernsthaften Verhandlungen zu gelangen. Aller Wahrscheinlichkeit würden die Spannungen zunehmen und eine neue höhere Ausgangsbasis würde sich ergeben, von der aus künftige Verhandlungen schließlich ihren
Ausgang zu nehmen hätten. Am Ende aber wird keine Seite einen strategischen
Vorteil erlangt haben. Zumindest aber werden sie ihre Mittel vergeuden - was
aber das Schlimmste ist, sie werden die Risiken eines Nuklearkrieges vergrößern.
Natürlich muß auch die Sowjetunion diese Alternativen gründlich erwägen.
Ihr Verantwortungsgefühl darf nicht hinter dem unsrigen zurückbleiben, wenn
es zu einem fairen, gerechten und dauerhaften Abkommen, das auf strikter Gegenseitigkeit beruht, kommen soll.

Wir halten ein SALT-Abkommen für wichtig,

aber wir werden unsere nationale Sicherheit keiner Gefahr aussetzen.
Lassen
- 21 -

�Lassen Sie mich zusammenfassen:
- Wir werden uns niemals mit einem Verstoß gegen einen feierlichen
Vertrag oder ein Abkommen abfinden und wir werden wachsam bleiben.
- Wir werden niemals eine Verlagerung im strategischen Gleichgewicht
zu unseren Ungunsten dulden - sei es daß diese durch Verletzungen von Abkommen durch unbefriedigende Übereinkommen oder durch Vernachlässigung unserer
eigenen Programme bewirkt wird - wir werden das, was an Mitteln notwendig ist,
ausgeben, um eine strategische Suffizienz aufrechtzuerhalten.
- Der Präsident ist entschlossen, die Bemühungen um die Aushandlung
eines gesünderen strategischen Gleichgewichts zu fairen und gerechten Bindungen fortzusetzen, weil dies in unserem Interesse liegt und weil wir eine Verpflichtung gegenüber unserem eigenen Volk und dem Weltfrieden haben.

Die Sowjetunion und Angola
Die Vereinigten Staaten können in ihrem Streben nach einer hoffnungsvolleren Welt niemals außer Acht lassen, daß globale Stabilität und Sicherheit auf einem Gleichgewicht zwischen den Großmächten beruhen. Wenn es der
Sowjetunion gestattet wird, mit militärischen Mitteln Chancen auszubeuten,
die sich aus örtlichen Konflikten ergeben, dann werden unsere Hoffnungen auf
eine friedlichere internationale Lösung letztlich unterminiert werden.
Aus diesem Grunde muß die massive und beispiellose Intervention der
Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten Afrikas mit fast 200 Millionen
Dollar an militärischer Ausrüstung, ihren Beratern und ihrer Luftbrücke für
die große Expeditionsstreitmacht von 11 000 kubanischen Soldaten tiefe Besorgnis erwecken.
Angola ist der erste Fall, in dem die Sowjets militärisch über eine weite
Entfernung vorgestoßen sind, um einem Land ein Regime ihrer Wahl aufzuzwingen.
- 22 -

�aufzuzwingen.

Es ist das erste Mal, daß die Vereinigten Staaten militärischen

Bewegungen der Sowjets außerhalb des unmittelbaren sowjetischen Machtbereichs
nicht entgegengetreten sind.

Und es ist das erste Mal, daß der Kongreß ein

rationales Handeln inmitten einer Krise unterbunden hat.

Wenn eine Großmacht in einem örtlichen Konflikt das Kräfteverhältnis
durch ihre militärische Intervention entscheidend verändert - ohne dabei auf
Widerstand zu stoßen - dann ist ein gefährlicher Präzedenzfall gesetzt, der
ernste Folgen haben muß, selbst wenn die Intervention in einem scheinbar fernabl iegenden Gebiet erfolgt.

Ein solcher Präzedenzfall kann nicht geduldet wer-

den, wenn ein dauerhafter Abbau der Spannungen erreicht werden soll.

Und

wenn wir jetzt nicht den Anfängen wehren, dann wird es in Zukunft für uns nur
noch schwerer und kostspieliger werden.

Die Vereinigten Staaten streben in Angola keine einseitigen Ziele an:
Wir haben einen Waffenstillstand vorgeschlagen, den Abzug aller fremden
Truppen - der sowjetischen, kubanischen und südafrikanischen;

die Einstellung

jedes militärischen Engagements von außen, einschließlich der Lieferung von
Ausrüstung;

sowie Verhandlungen zwischen allen drei angolanischen Gruppen.

Dieser Weg wird von der Hälfte der afrikanischen Nationen unterstützt.

Im Sommer und Herbst vorigen Jahres haben die Vereinigten Staaten, um
eine sich gefährlich eskalierende Situation zu bremsen, durch afrikanische
Freunde jene in Angola finanziell unterstützt - die große Mehrheit -, die
einer sowjetischen und kubanischen Herrschaft Widerstand entgegensetzten.
Dies als Hebel benutzend, leiteten wir eine aktive Diplomatie ein, um eine
afrikanische Lösung für ein afrikanisches Problem zu fördern.

Wir taten dies

in aller Stille, um keine große Krise zu provozieren und keine Prestigegesichts
punkte ins Spiel zu bringen.

Zunächst wurde befürchtet, daß die sowjetisch unterstützte Gruppe auf
Grund der massiven sowjetischen Hilfe und der kubanischen Söldner am Unabhängigkeitstag, am 11. November, das Land total beherrschen würde.
Unterstützung hat das verhindert.

Unsere

Die afrikanische Entschlossenheit, sich
- 23 -

�sich der sowjetischen und kubanischen Intervention zu widersetzen, trat
immer deutlicher zutage.

Am 9. Dezember warnte der Präsident Moskau vor

den Folgen einer weiteren Einmischung und bot die Zusammenarbeit zur Herbeiführung einer friedlichen Lösung an, die ausländischen Einfluß beseitigen
würde.

Die Sowjetunion schien sich die Sache noch einmal zu überlegen.

Sie

stellte ihre Luftbrücke vom 9. Dezember bis zum 24. Dezember ein.
An diesem Punkt verschüttete die Auswirkung unserer Debatte im eigenen
Lande die Möglichkeiten der Diplomatie.

Es wurde die Forderung aufgestellt,

daß wir in aller Öffentlichkeit erklärten, warum unsere Anstrengung so wichtig sei - und dann wurde unsere Anstrengung abgeschnitten.

Nach dem die Ab-

stimmung im Senat weitere Hilfe für Angola blockierte, verdoppelte Kuba seine
Expeditionsstreitkräfte und die sowjetische Militärhilfe wurde in großem Umfange wieder aufgenommen.
Kooperation ließ nach.

Die Bereitschaft der sowjetischen Diplomatie zur

Und seither hat sich die Situation immer weiter ver-

schlechtert.
Wenn heute die Diskussionen in der Öffentlichkeit weitergehen, dann muß
man sich über bestimmte Fakten im klaren sein. Die Analogie mit Vietnam ist
absolut falsch. Die amerikanische Nation muß so reif sein, elementare Unterschiede zu erkennen.Der Präsident hat sich verpflichtet, daß keine amerikanischen
Soldaten oder Berater nach Angola entsandt würden, und wir waren bereit, legislative Beschränkungen in dieser Hinsicht über das bereits bestehende Kriegsvollmachtengesetz hinaus zu akzeptieren. Um was es ging, war eine bescheidene
Hilfe zur Stabilisierung des örtlichen Kräfteverhältnisses und zur Erleichterung einer raschen politischen Lösung in Zusammenarbeit mit anderen afrikanischen Ländern.
Es wurde die Beschuldigung erhoben, die Administration handele insgeheim ohne öffentlichen Auftrag. Das ist richtig, denn unser Ziel war die
Vermeidung einer verschärften Konfrontation, die es den Sowjets schwerer gemacht hätte, nachzugeben, und einer afrikanischen Lösung die größtmögliche
Chance einzuräumen. Angola war ein Fall, bei dem Diplomatie ohne einen He- 24 -

�Hebel wohl kaum viel zustande bringen konnte, und eine direkte militärische
Konfrontation unnötige Risiken mit sich gebracht hätte.

Das ist genau eine

jener grauen Zonen, wo Methoden,über die nicht gesprochen wird, uns in die
Lage versetzen, den Gang der Dinge zu beeinflussen,ohne einen direkten Konflikt herbeizuführen.
Und wir haben uns dabei absolut an die neuen Normen des Kongresses für
die Konsultation zwischen Exekutive und Legislative über geheime Tätigkeiten
gehalten. Von Juli vorigen Jahres an bis Dezember haben wir die Situation
in Angola,und was wir dort taten,mit über zwei Dutzend Senatoren, 150 Kongreßabgeordneten und über 100 Mitarbeitern beider Häuser erörtert. An 24 verschiedenen Gelegenheiten wurden acht Kongreßausschüsse unterrichtet. Wir
suchten bei diesen Unterrichtungen die Wünsche des Kongresses herauszufinden,
und es gab damals nur ganz geringe Anzeichen einer aktiven Opposition gegenüber
unseren sorgfältig begrenzten Operationen.
Es gibt Leute, die sagen, daß die Russen im Laufe der Zeit ganz sicher
von den Afrikanern selbst herausgedrängt würden. Das mag sein, das mag aber
auch nicht sein. Aber ein solches Argument besagt, wenn man es bis zum Ende
durchdenkt, nichts anderes, als daß wir die Welt den Interventionsstreitkräften
überlassen und nur das beste hoffen könnten. Im übrigen ist der Verweis auf
die spätere Geschichte für diejenigen, die angegriffen werden und deren Zukunft jetzt entschieden wird, nur ein geringer Trost. Das Ausmaß der sowjetischen und kubanischen Intervention ist ohne Beispiel. Sie hat das Ergebnis
entscheidend beeinflußt. Und es gibt keine Beweise, die dafür sprechen, daß
Sowjets und Kubaner rasch herausgedrängt oder daß nicht andere Nationen
Schlüsse ziehen könnten, die für unsere langfristigen Interessen gefährlich
sind.
Es wird gefordert, daß wir der sowjetischen Bedrohung in Angola durch
verschärfte Methoden des Drucks begegnen sollten, wie etwa durch eine Änderung
unserer Position bei SALT oder den Getreidelieferungen. Aber diese Abmachungen
wiederum nützen uns ebenso wie der Sowjetunion und sind Teil einer langfristigen
Strategie in unserem Verhältnis zur Sowjetunion.
Die
- 2E -

�Die Geschichte hat immer wieder gezeigt, daß der Expansion nur Einhalt
geboten werden kann, wenn am Ort selbst ein Gleichgewicht der Kräfte besteht.
Indirekte Mittel können nur Erfolg haben, wenn ein rascher Sieg am Ort ausgeschlossen werden kann.

Wie der Präsident dargelegt hat, die Sowjetunion hat

fast 60 Jahre lang ohne amerikanisches Getreide überlebt, und sie könnte
auch jetzt überleben.

Wenn wir die Getreidelieferungen einstellten, wäre

Angola trotzdem verloren.

Wir würden noch einmal die gleiche Erfahrung machen,

wie mit dem Handelsgesetz, das die Handelsbeziehungen zur UdSSR unterbrach,
um die Emigration

(von Juden aus der Sowjetunion)

sicherzustellen - wir ha-

ben keines der beiden Ziele erreicht.
Wollen wir uns doch selbst nicht mit billigen Schlagworten, wir dürften
nicht zum Polizisten der Welt werden, etwas vormachen.

Wir haben nicht den

Wunsch, eine solche Rolle zu spielen, aber es kann niemals in unserem Interesse liegen, wenn wir die Sowjetunion den Polizisten der Welt spielen lassen.
Es gibt viele Krisen auf der Welt, bei denen die Vereinigten Staaten nicht
intervenieren können und sollen.

Aber hier stehen wir vor einer eklatanten

sowjetischen und kubanischen Herausforderung, mit der wir hätten fertig
werden können, wenn es uns erlaubt worden wäre, in einem frühen Stadium klug
und mit begrenzten Mitteln zu handeln.

Indem man uns auf die offene Szene

gezwungen hat, haben unsere Meinungsverschiedenheiten gleichzeitig die Bedeutung der Krise erhöht und unsere Ohnmacht besiegelt.
Die Behauptung, Angola sei kein wichtiges Land, oder die Vereinigten
Staaten hätten dort keine wesentlichen Interessen, geht an dem eigentlichen
Problem vorbei. Wenn man erlebt, daß die Vereinigten Staaten angesichts
einer massiven sowjetischen und kubanischen Intervention nachgeben, welche
Vorstellungen werden sich dann die führenden Persönlichkeiten auf der ganzen
Welt machen, wenn sie ihre Entscheidungen bezüglich ihrer eigenen künftigen
Sicherheit treffen? Und zu welchen Schlüssen wird eine auf keinen Widerstand stoßende Supermacht gelangen, wenn sich die nächste Chance für eine
Intervention bietet?

Wo
- 26 -

�Wo stehen wir heute?

Die Regierung hat die Pflicht, der Sowjetunion

und Kuba klar zu machen, daß Angola kein Präzedenzfall ist und daß ein solches
Handeln nicht wieder geduldet werden wird.

Sie muß den anliegenden Ländern

erneut versichern, daß sie keinem Angriff oder keinem Druck von dem neuen
sowjetisch-kubanischen Stützpunkt aus überlassen werden.

Der Kongreß und

die Exekutive müssen sich auf diese Auffassung einigen - im nationalen Interesse und im Interesse des Weltfriedens.
Die Administration wird weiterhin zu ihrer Sache stehen, so unpopulär
das zeitweilig auch sein mag. Keine Nation soll glauben, daß Amerikaner gegenüber der Entsendung von Expeditionsstreitkräften und gewaltigen Waffenlieferungen zur Aufzwingung einer Minderheitsregierung lange indifferent bleiben werden - vor allem, wenn diese Expeditionsstreitmacht aus einem Land der
Westlichen Hemisphäre kommt.

Nationale Stärke und die Debatte im eigenen Lande
Wir leben in einer Welt, in der es keine einfachen Lösungen gibt. Wir
schätzen unsere Werte zu hoch ein, als daß wir darauf verzichten könnten, sie
zu verteidigen. Wir schätzen das menschliche Leben zu hoch ein, um die Suche
nach einem sicheren Frieden aufgeben zu können. Die erste Voraussetzung für
die Stabilität ist die Aufrechterhaltung unserer Verteidigung und des Gleichgewichts der Kräfte. Aber das höchste Ziel der Politik im Nuklearzeitalter
muß es sein, aus dem sterilen Gleichgewicht der Kräfte eine positivere Beziehung des Friedens zu entwickeln.
Amerika verfügt über die materiellen Mittel zur Lösung dieser Aufgabe.
Unsere militärische Macht sucht ihresgleichen. Unsere wirtschaftliche und
technologische Stärke läßt alles andere weit hinter sich. Um unser demokratisches Erbe beneiden uns viele Hundert Millionen Menschen auf der ganzen
Welt.
Unsere
- 27 -

�Unsere Probleme haben wir uns also selbst geschaffen - Selbstzweifel,
Spaltung, Unentschlossenheit. Wir müssen wieder ein vertrauensvolles, geeintes und entschlossenes Volk werden.
Andere Länder müssen in der Lage sein, mit Amerika als einer geschlossenen
Einheit in Verbindung zu treten, nicht als einem Komplex zerstrittener Institutionen.

Wenn unsere Spaltungen unsere internationalen Anstrengungen lähmen,

dann wird Amerika als Ganzes darunter leiden.

Es gibt für uns keine dring-

lichere Aufgabe, als die Wiederherstellung der Partnerschaft zwischen dem
amerikanischen Volk, dem Kongreß und der Exekutive.

Eine neue Partnerschaft

kann den Präsidenten der Vereinigten Staaten in seiner verfassungsmäßig festgelegten Rolle in die Lage versetzen, sich mit der zentralen Autorität des
Sprechers eines geeinten und zielbewußten Amerika in die Welt zu wenden.
Debatte ist das Wesen der Demokratie. Aber Zurückhaltung ist das Bindemittel des nationalen Zusammenhalts. Es ist an der Zeit, mit der Selbstzerfleischung und unserer Schuldbesessenheit aufzuhören, die uns schon zu viele
Jahre lang zu lähmen drohte. Es ist an der Zeit mit der Demontage unserer nationalen Institutionen und der Untergrabung unseres nationalen Selbstvertrauens
aufzuhören.
Wir müssen - selbst in einem Wahljahr - die Selbstdisziplin lernen,
unsere innenpolitischen Debatten zu einem positiven»nicht zu einem zerstörerischen Prozeß zu gestalten.
Eine der vergessenen Wahrheiten unserer Geschichte ist die, daß unsere
Gründerväter Männer großer geistiger Geschliffenheit in auswärtigen Angelegenheiten waren. Sie wußten ,was das Gleichgewicht der Kräfte bedeutete. Sie
nutzten die Spaltungen Europas zum Vorteil unserer eigenen Revolution. Sie begriffen die Notwendigkeit einer starken Exekutive zur Durchführung der Diplomatie des Landes. Sie begriffen, daß Amerika wirtschaftliche, politische und
moralische Bindungen mit anderen Nationen brauchte. Sie erkannten, daß unsere
Ideale weltweit waren, und sie begriffen und begrüßten die Auswirkung des
- 28 -

�des amerikanischen Experiments auf das Schicksal der ganzen Menschheit.
In unserer Zeit, deren Herausforderungen ohne Beispiel sind, brauchen
wir erneut die Weisheit unserer Gründerväter.

Unsere Ideen müssen uns Stärke

verleihen - und dürfen nicht als eine Entschuldigung für den Verzicht dienen.
Das amerikanische Volk verlangt eine wirksame Außenpolitik.

Es will, daß

Amerika weiterhin an der Gestaltung der internationalen Ordnung der kommenden Generation nach unseren Idealen mitwirkt.
Großes geleistet.

Wir haben als geeintes Volk

Es liegt in unserer Macht, daß dritte Jahrhundert unseres

Bestehens zu einer Zeit der lebendigen Stärke und Hoffnung und Größe zu machen.

- 29 -

�' amerika dienst
*

United

States

53 B o n n - B a d
Tel:

Information

Godesbergl,

89-3240

Service

HintergrundmateHal

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 54 32

4/1976

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT FORDS ZUM US-ENERGIEPROGRAMM

--(AD)-- Mit einer dem US-iCcn reß am 26. Februar 1976 zugeleiteten Sonderbotschaft über Energiefragen bcriüht sich Präsident Ford um die Unterstützung des
Parlaments für eine Reihe neuer Vorschläge zur amerikanischen Energiepolitik.
Sie sollen, im Verein mit bereits gebilligten Initiativen, dazu beitragen, die
Abhängigkeit der USA von Importcl zu verringern. So könnten durch sie, wie
Experten schätzen, bis 1985 die andernfalls erforderlichen Importe zu zwei
Dritteln abgebaut werden.
Als ganz wesentlichen Punkt bewertet der Präsident die Aufhebung der
Preiskontrolle für Erdgas aus neu erschlossenen Feldern. Würde sie beibehalten,
sei bis 1985 mit einem Rückgang der Gasförderung um insgesamt mehr als 500
Milliarden cbm zu rechnen. Dagegen ließe sich durch die vom Kongreß zu beschließende Abschaffung der Preiskontrolle im gleichen Zeitraum die Produktion
um 25 Prozent steigern.
Als nicht minder wichtig erachtet Präsident Ford die Entscheidung über
Trassenführung und Bau eies Transportsystems für Erdgas aus Alaska zu den USBundesstaaten auf dem Kontinent. Ein entsprechender Gesetzesvorschlag, der dem
Kongreß in Kürze zugeht, soll den Weg dafür ebnen, daß schon Anfang der achtziger Jahre 28,3 Milliarden cbm Erdgas pro Jahr mehr gefördert werden könnten.
Für

- 1 -

�M

A

Für verflüssigtes Import-Erdgas ist bis 1985 eine Quote von ca. 28,3
Milliarden cbm vorgesehen. Die Beschränkung des Kontingents auf diese Menge dürfte sicherstellen, daß einerseits der amerikanische Bedarf gedeckt und andererseits eine zu starke Abhängigkeit bei bestimmten Primärenergieträgern von ausländischen Quellen vermieden wird.
Im Rahmen des im Dezember 1975 verabschiedeten Gesetzes über Energiepolitik und Energieeinsparung sind bereits wichtige Abschnitte aus Präsident
Fords Energieprogramm realisierbar geworden: Bevorratung von öl, Normen für den
Kraftstoffverbrauch der Kraftfahrzeuge, Angabe des Stromverbrauchs bei elektrischen Geräten, verbesserte Wärmedämmung bei Wohnungs-und Bürobauten, Ermächtigung des Präsidenten, in Krisensituationen Sparmaßnahmen einschließlich der
Rationierung vo i Benzin zu verfügen, und Vollmachten für die Beteiligung der
Vereinigten Staaten an internationalen Programmen zur Zusammenarbeit auf dem
Energie-Sektor.
Aus weiteren Vorschlägen Präsident Fords, über die der Kongreß so rasch
wie möglich befinden soll, seien hier erwähnt:
- Kurzfristige Erteilung von Vollmachten für die Regierung, den in den
nächsten paar Jahren erwarteten Mangel Situationen in der Erdgasversorgung mit
geeigneten Maßnahmen zu begegnen.
- Ergänzung bezw. Änderung des Genehmigungsverfahrens für den Bau von Kernkraftwerken, um frühzeitig Standortfragen zu klären und Baugenehmigungen rascher
zu erteilen. (Gegenwärtig liefern 57 amerikanische Kernkraftwerke mehr als
9 Prozent des in den USA erzeugten elektrischen Stromes, 179 weitere sind geplant oder im Bau. Durch Atomkraftwerke werden bereits mehr als 140 000 Tonnen
Heizöl pro Tag eingespart).
- Förderung von Urananreicherung durch die Privatwirtschaft, um die ausreichende Versorgung mit Kernbrennstoff sicherzustellen.
- Genehmigung zur Öffnung der Erdölfelder der US-Marine für die kommerzielle Ausbeutung. In zwei bis drei Jahren könnten aus diesen Vorkommen täg-

- 2-

�täglich fast 43 000 Tonnen Erdöl gewonnen werden.
- Modifizierung der bestehenden Abgasbestimmungen für Kraftfahrzeuge und
Industrie, um ein vernünftiges Gleichgewicht zwischen He&gt;n Erfordernissen zur
Luftreinhaltung und Erfordernissen der Energiepolitik herzustellen.
- Billigung von Kreditgarantien für die kommerzielle Produktion synthetischer Brennstoffe, damit bis 1985 zusätzlich ca. 50 000 Tonnen öl pro Tag
erzeugt werden können.
- Festsetzung von Mindestwerten für die Wärmedämmung bei allen Neubauten.
- Schaffung einer Finanzierungsbehörde für Energieprojekte, die die Privatwirtschaft unterstützt, neue Anlagen zur Erschließung von Substitutionsenergie zu schaffen, für die eine Finanzierung über den Kapitalmarkt nicht zu
erwarten ist.
- Steueranreize für Investitionen in neuen amerikanischen Kraftwerksanlagen, insbesondere in Kohle- und Kernkraftwerken.
- Förderung der Energieforschung und Entwicklung, vor allem auf den Gebiet;.. Nuklearenergie, synthetische Brennstoffe, Sonnen- und geothermische
Energie, welche weit über das Jahr 1985 hinaus die Basis für die Energieversorgung darstellen werden. Im US-Haushalt für 1977 wurden für den Bereich Energieforschung und Entwicklung 2,9 Milliarden Dollar angesetzt, d.h. 700 Millionen
mehr als 1976.
XXX

- 3 -

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

4/1976

US-WIRTSCHAFTSBEIRAT RECHNET MIT WACHSENDEM INVESTITIONSBEDARF
Von Thomas Eichler
WASHINGTON --(AD)-- Nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates Präsident Fords
wird sich die für die zweite Hälfte 1976 erwartete Zunahme der Wirtschaftsinvestitionen als ein wichtiger Faktor für den weiteren Konjunkturaufschwung
in den USA erweisen.
Burton Malkiel, einer der drei Wirtschaftsberater des Präsidenten, hat
dieser Tage zwei wichtige Gründe für eine solche Belebung der Investitionstätigkeit genannt. Einmal, so sagte er, hat der Preisauftrieb der letzten
Jahre zu starken Veränderungen der relativen Preise geführt, so daß ein
großer Teil der industriellen Ausrüstungen aufgrund neuer Entwicklungen ausgemustert und durch moderne Anlagen ersetzt werden muß. Beispielsweise hat der
unerhört stärkt Anstieg der relativen Preise auf dem Energiesektor zur Ausmusterung von Anlagen geführt, die aufgrund der Annahme angeschafft worden
waren, daß die Vereinigten Staaten stets über reichliche und billige Energiequellen verfügen würden. Hier besteht also ein starker Modernisierungsbedarf.
Der zweite Grund, warum der Wirtschaftsbeirat für 1976 mit einem Ansteigen der Investitionstätigkeit rechnet, ist die für dieses Jahr vorausgesagte beträchtliche Zunahme der Gesellschaftsgewinne, die nach den Voraussagen des Beirats um 23 Prozent höher als 1975 liegen werden. Lies wird das
Vertrauen in die Wirtschaft stärken und bei den Firmen zu einer Verbesserung
des Cash-Flow führen, so daß ihnen die Finanzierung höherer Investitionen
leichte^ fallen dürfte.
Der

- 1 -

�r
Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hatte sich gerade in seinem diesjährigen Jahresbericht eingehend mit der Frage der Bildung von langfristigem
Kapital in den Vereinigten Staaten befaßt. Nach Ansicht von Malkiel sehen
sich die USA hier angesichts ihrer nationalen Ziele und der zu ihrer Verwirklichung benötigten hohen Kapital betrage einem ernsten Problem gegenüber. Der
Jahresbericht hatte die Notwendigkeit unterstrichen, daß die Investitionsrate
in den USA in der zweiten Hälfte der siebziger Jahre 12 Prozent des Bruttosozi aöproduktes erreichen muß, gegenüber 10,4 Prozent im Durchschnitt der
letzten zehn Jahre.
Was sind nun die Ziele, die eine solche Zunahme der Investitionen notwendig machen? Malkiel hat drei genannts die Vorrang haben: Vollbeschäftigung,
die bis zum Jahre ^980, wenn nicht schon früher, erreicht werden soll; die
in den neuen Bundesgesetzen für den Schutz der Umwelt gesetzten Normen und
eine gesicherte Energieversorgung.
Auf dem Energiesektor darf nach Ansicht von Mal kiel der Anteil des Importöls am Gesamtölverbrauch der USA nicht über den der Jahre 1973 und 1974
ansteigen, in denen 36 Prozent des öl bedarf's eingeführt worden waren. Gleichzeitig wandte sich Malkiel gegen die Auffassung, daß die USA sich von allen
ausländischen Energiequellen unabhängig machen wollten und könnten. Dies sei
nicht das Zie! der Regierung. Vielmehr halte man innerhalb der Administration
heute einen Import von 36 Prozent der benötigten Energie für realistisch.
Sollten die Vereinigten Staaten ihre Investitionsrate nicht auf den
vom Wirtschaftsbeirat für notwendig erachteten Stand erhöhen, dann werden die
USA nach Ansicht von Malkiel die Ziele, die sie sich gesetzt haben, nicht erreichen. Bei einer ungenügenden Kapitalbildung werde es schwer sein, zu einer
Vollbeschäftigung zu gelangen und auch die auf den Gebieten der Umwelt und der
Energie gesetzten Ziele würden sich nicht verwirklichen lassen.
Der
- 2 -

�7

Der Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates schlägt zur Lösung dieses
Problems vor, daß die Regierung durch Gewährung von Anreizen die Investitionsund Spartätigkeit fördert. Auf keinen Fall dürften jedoch bei den drei großen
Zielen Abstriche hingenommen werden. Neben diesen spezifischen Anreizen müsse
sich die Regierung in ihrer Haushalts- und Währungspolitik größter Zurückhaltung befleißigen, damit eine gemäßigte und stetige Wiedererholung der Wirtschaft nach der schweren Rezession gewährleistet bleibt. Eine solche Politik
wird nach Ansicht des Wirtschaftsbeirates ein weitaus besseres wirtschaftliches Klima für Investitionen schaffen als der Weg einer zu schnellen Expansion, auf den nur ein erneuter Zyklus von Inflation und Rezession folgen wür^
de. Daher rät der Wirtschaftsbeirat auch zu einer Politik, die den Nachdruck
nicht auf eine konsumorientierte Haushaltspolitik, sondern auf monetäre Anreize legt, die weit eher zu einer Belebung der privaten Investitionstätigkeit
führen werden. Gleichzeitig wiederholt der Wirtschaftsbeirat die Warnung
der Regierung, daß zu hohe Haushaltsdefizite bei fortschreitender Wiedererholunc der Wirtschaft die privaten Kreditnehmer vom Kapitalmarkt verdrängen und
somit di' künftige Investitionstätigkeit einengen würden.

XXX

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4/1976

FACHAUSSTELLUNG "SICHERHEIT FÜR BANKEN, HANDEL UND INDUSTRIE"
im US-Handelszentrum Frankfurt
--(AD)-- Vom 6. bis 9. Apr^'l 1976 veranstaltet das US-Handelszentrum in
Frankfurt am Main eine Ausstellung, auf der über 50 amerikanische Hersteller
von Sicherheits- und Alarmanlagen ihre Produkte dem deutschen Fachpublikum
vorstellen.
über 80 Prozent der Aussteller sind neu auf dem deutschen Markt und
suchen in erster Linie Kontakte zu Vertriebsfirmen, Lizenznehmern oder Partnern
für gemeinsame Projekte.
Der erschreckende Zuwachs an Eigentumsdelikten stellt erhöhte Anforderungen an Quantität und Qualität von Eigentums-Schutzeinrichtungen und Alarmsystemen aller Art. Das außerordentlich vielseitige Angebot der Amerikaner mit
dem Schwerpunkt auf elektronischen Alarmsystemen und Sicherungseinrichtungen
basiert auf der großen Erfahrung der Hersteller aus USA in bezug auf Konstruktion und Betrieb der hier zu sehenden defensiven Geräte. Die Palette der Exponate reicht von Einbruchsschutzeinrichtungen für Private über Diebstahlsicherungsanlagen für Handel und Industrie bis zu umfangreichen Sicherungssystemen mit modernsten elektronischen Finessen für Banken, Polizei und
Sicherheitsorgane.
Folgende

�Folgende Hauplgruppen werden während der Ausstellung in Funktion demonstriert:
Einbruchmelder mit verschiedenartigen Sensoren, darunter Ultraschall-,
fotoelektrische-, Infrarot-, Mikrowellen-, seismische- und kapazitive,
sowohl drahtgebunden als auch drahtlos; Zaunsicherungen, Multiplex-Alarmmelder für Zentralen und Polizeidienststellen, tragbare Notrufgerate, RaubÜberfall beobarh*''nciskameras, Automobildiebstahlsicherungen, Zeitraffer-Videogeräte f;

Kaufhäuser

ind dergleichen; Ionisations-und Rauchfeuermelder;

Türsicherungssysteme mit elektronischer Kodierung und Spezialschlösser für
Notausgänge, Hotelzimmer und dergleichen; elektronische Abwehrgeräte u.a.
zum Auffinden von Abhörmikrophonen; Metallspürgeräte, Briefbombendetektoren;
Mikrowellensensoren zur Entlarvung von Ladendieben, mobile Personenrufanlagen; Spezialnachrichtengeräte einschließlich Datenterminels für Polizei und
Feuerwehr, Nachtsichtgeräte; Infra^tmikroskope zur Echtheitsprüfung von
Dokumenten; kugelsichere Westen, Lichtbildausweissysteme, Kreditkarten mit
Magnetkodierung und vieles mehr.
Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum
Bockenheimer Landstraße 2-4
6000 Frankfurt am Main
Tel.: (0611) 72 08 01, Telex: 4-16536

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4/1976

SPALT-URAN VON DER INDUSTRIE
US-Regierung will Uran-Anreicherung privatisieren

j

- (AD) - Eine Anzahl amerikanischer Firmen verhandelt gegenwärtig mit
der Energie-Forschungs- und Entwicklungsbehörde ERDA über die Planung, den
Bau und den Betrieb kommerzieller Anlagen zur Uran-Anreicherung. Es sind
dies das Konsortium "Uranium Enrichment Associates" (UEA) und die Firmengruppen CENTAR Associates, TRENCOR sowie EXXON Nuclear Company, Inc.
UEA plant den Bau einer großen Gasdiffusionsanlage, die 1981/82 die Produktion aufnehmen und 1983/84 die volle Jahresleistung von 9 Millionen SWU
(SWU ist die Abkürzung für "Separative Work Unit", Meßeinheit für die sog.
Uran-Trennarbeit - UTA) erbringen soll. Das Anreicherungswerk, das Investitionen in Höhe von 3,5 Milliarden Dollar erfordert, könnte in den achtziger
Jahren 90 Reaktorstationen mit Kernbrennstoff versorgen.
Das Verfahren ist das gleiche, das in den drei bundeseigenen Anreicherungsanlagen der Vereinigten Staaten seit rund 30 Jahren angewandt wird. Die
USA sind gegenwärtig dabei, die Betriebe von Oak Ridge (Tennessee), Portsmouth
(Ohio) und Paducha (Kentucky) mit einem Kostenaufwand von ca. 1 Milliarde
Dollar zu erweitern und ihre Leistungskapazität um 60 Prozent zu erhöhen. Das
reicht aber nicht annähernd aus, um dem tatsächlichen Bedarf in den nächsten
25 Jahren gerecht zu werden.
Zur
-1 -

�Zur Anreicherung von Reaktor-Kernbrennstoff mit Uran 235, schlagen die
anderen Firmengruppen das neuere Gaszentrifugenverfahren vor.

Das Material

muß mindestens drei Prozent dieses spaltbaren Uranisotops enthalten, wenn ein
Reaktor für die Kraftstromerzeugung wirtschaftlich arbeiten soll.

Da Natur-

uran aber zu 99,3 Prozent aus Uran-238 und nur zu 0,7 Prozent aus Uran-235 besteht, muß das spaltbare, geringfügig leichtere Isotop der ursprünglichen Mischung entzogen und dem Brennstoffmaterial zugefügt werden.
nennt man

Diesen Prozeß

"Anreichern".

Das Gaszentrifugenverfahren befindet sich im letzten Stadium der Entwicklung.

In Europa haben sich die Bundesrepublik, wo schon seit 1960 daran gear-

beitet wird, die Niederlande und Großbritannien zusammengetan, um die Entwicklung gemeinsam weiterzuführen.

Die Wirtschaftlichkeit des Verfahrens ist zwar

kommerziell noch nicht erprobt.

Aber vieles spricht dafür, daß es mit dem Gas

diffusionsverfahren konkurrieren kann, sich möglicherweise sogar als vorteilhaft erweist.

Beispielsweise liegt der Stromverbrauch, der bei der Gasdif-

fusion einen enormen Kostenfaktor darstellt, beim Zentrifugenverfahren um fast
90 Prozent niedriger.

Fachleute der amerikanischen Regierungsbehörde ERDA

sind der Ansicht, daß unter den acht bis zehn neuen Großanlagen zur Uran-Anreicherung nur noch eine einzige mit Gasdiffusion arbeiten wird.
Bis 1983 wollen die Firmengruppen TRENCOR und CENTAR zunächst kleine Demonstrationsanlagen von 300 000 SWU Jahreskapazität, ECCON eine Zentrifugenanlage mit 1 Million SWU Jahresleistung erstellen. Mit standardisierten Baueinheiten sollen diese Betriebe anschließend stufenweise erweitert werden und
1986/87 die volle Kapazität von je 3 Millionen SWU erreichen.

Ende eines Staatsmonopols
Die rechtliche Voraussetzung zur Durchbrechung des bisherigen Staatsmonopols und für die Einschaltung der amerikanischen Privatwirtschaft in das
Anreicherungsgeschäft böte das

"Gesetz zur Sicherung der Kernbrennstoff-Ver-

�Kernbrennstoff-Versorgung"

("Nuclear Fuel Assurance Act").

unterbreitete die Vorlage Mitte 1975 dem US-Kongreß.

Präsident Ford

Die Anhörungen, die der

Kongreßausschuß für Atomenergie im Zusammenhang damit zur Klärung sicherheitspolitischer, technischer, wirtschafts- und finanzpolitischer Fragen durchführt,
sind noch nicht abgeschlossen.
ERDA-Chef Dr. Robert Seamans befürwortet ebenso wie Außenminister Henry
A. Kissinger dringend die Beteiligung der Industrie.

Denn in den nächsten

Jahrzehnten wird der Bedarf an Kernbrennstoff stark ansteigen.

Die drei staat-

lichen Anreicherungswerke sind jedoch wegen langfristiger Lieferverträge mit
In- und ausländischen Abnehmern bei ständiger voller Auslastung schon seit
Mitte 1974 nicht mehr in der Lage, neue Verpflichtungen zu übernehmen.
Die Werke, die zwischen 1943 und 1958 entstanden sind, arbeiten heute
in erster Linie für den Bedarf ziviler Atomkraftwerke. Bis Mitte des nächsten
Jahrzehnts müssen jedoch zusätzliche Anreicherungskapazitäten verfügbar sein,
wenn die Kernkraft entsprechend den mittel- und langfristigen Energieprogrammen
genutzt werden soll. Allein zur Deckung des Inlandsbedarfs der USA seien, so
Dr. Seamans, Ende der achtziger und in den neunziger Jahren drei bis fünf neue
Großbetriebe zur Urananreicherung erforderlich. Weitere fünf bis sieben Anlagen werden in der gleichen Zeitspanne für die Erfüllung ausländischer Anforderungen gebraucht.

Zuverlässige Quelle für Reaktorbrennstoff
Aus wirtschaftspolitischen wie außenpolitischen Gründen treten Seamans
und Kissinger dafür ein, daß die Vereinigten Staaten
für Reaktorbrennstoff

bleiben".

"eine zuverlässige Quelle

Denn nur dann sei es auch möglich, Einfluß

auf die Sicherung und ordnungsgemäße Verwendung nuklearer Materialien zu nehmen.
Die Vergangenheit habe gezeigt, wie das amerikanische Beispiel andere Nationen,
die heute zu den führenden Lieferländern für nukleare Ausrüstungen und Materialien zählen, veranlaßte, ihre Exporte auf dem Gebiet der Atomtechnik eben-

�ebenso wie die USA durch entsprechende Auflagen für die ausschließlich friedliche Nutzung abzusichern.

Außerdem verringere, wie Außenminister Kissinger

am 6. Februar 1976 vor dem Atomenergie-Kongreßausschuß betonte, die internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Kernenergie den Druck einer wachsenden Abhängigkeit der Vereinigten Staaten und ihrer Partnerländer von Importöl.
Wegen der sieben- bis achtjährigen Anlaufzeit bis zur Inbetriebnahme eines
neuen Anreicherungswerkes und der hohen Investitionskosten dringt Dr. Seamans
auf eine baldige Entscheidung im Sinne der Vorschläge des Präsidenten.

Würde

dagegen in den USA am Staatsmonopol festgehalten, seien bis zum Jahr 2000 für
die Errichtung neuer Anreicherungswerke etwa 30 bis 50 Milliarden Dollar an
Steuergeldern erforderlich.

Dies bedeutete selbst dann eine ganz enorme Budget-

belastung, wenn ca. 20 Jahre nach Baubeginn die Investitionskosten für eine Anreicherungsanlage wieder hereinkämen.
Die von der Industrie unterbreiteten Vorschläge zeigen, so Dr. Seamans,
daß die Wirtschaft ernsthaft daran interessiert sei, Anreicherungswerke zu
bauen, zu finanzieren, zu besitzen und zu betreiben. Ihre Pläne seien, da das
Kernbrennstoff-Sicherungsgesetz auch eine enge Zusammenarbeit von Industrie
und ERDA vorsehe, realisierbar, wenn die Regierung während einer Übergangszeit,
d.h. bis zur Sicherstellung des Betriebs der Anlage, technische Unterstützung
und gewisse Absicherungen gewähre. Letztere seien erforderlich, weil die Privatwirtschaft mit dem Einstieg in die Urananreicherung zweifellos ein enormes
Geschäftsrisiko eingehe.

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4/1976

BREITE ENTWICKLUNGSBASIS FÜR DEN SCHNELLEN BRÜTER
-USA wollen 1986 über kommerzielle Anwendung entscheiden-

— ( A D ) - - Die in jüngster Zeit vorgenommene Reorganisation der nuklearen Programme der amerikanischen Regierung, die zur Unabhängigkeit in der Energieversorgung beitragen soll, machte die Entwicklung des "schnellen Brüters"
zu einem eigenen Schwerpunktprogramm. Die neugeschaffene Abteilung "Division
of Reactor Development and Demonstration" innerhalb der Energieforschungsund Entwicklungsbehördt ERDA (Energy Research and Development Agency) wird
sich ausschließlich mit dem LMFBR-System befassen (LMFBR ist die Abkürzung
für "liquid metal fast breeder reactor" - schneller Brüter mit Flüssigmetallkühlung, d.h. Natriumkühlung). Auch die Erprobung von Werkstoffen und Komponenten für den nicht-nuklearen Bereich fällt unter ihre Zuständigkeit.
Forschung und Entwicklung bei allen übrigen fortgeschrittenen Reaktorsystemen,
u.a. beim gasgekühlten Hochtemperaturreaktor und bei nuklearen Raumfahrtgeneratoren, werden der ebenfalls neugeschaffenen Abteilung "Division of Nuclear
Research and Application" übertragen. Zur Erzielung einer besseren Effektivität sind außerdem noch Veränderungen in der Abteilung "Kernbrennstoffzyklen und Produktion" zu erwarten.
Die

- 1 -

�I
1

Die Umorganisation läßt erkennen, welche Bedeutung ERDA dem SchneiIbrutreaktor als möglicher "erneuerungsfähiger" Energiequelle beimißt. Sie zeigt
ferner die Entschlossenheit der amerikanischen Regierung, das LMFBR-Programm
mit den gebotenen Vorkehrungen für Sicherheit und Umweltschutz durchzuführen.
Die siebenbändige Dokumentation der früheren AEC (US-Atomenergie-Kommission), die im Januar 1975 erschien, ergänzte ERDA-Chef Dr. Robert Seamans
im Verlauf des letzten Jahres durch drei weitere Bände zu einem "Final Environmental Statement". Dieses gilt als offizielle abschließende Stellungnahme zu den Umweltproblemen im Zusammenhang mit der LMFBR-Entwicklung aufgrund
der heute vorliegenden Erkenntnisse. Wie Dr. Seamans anläßlich der Veröffentlichung der nokumentation am 31. Dezember 1975 erklärte, zeige diese die wesentlichen Geriete auf, wo noch Unklarheiten bestehen. Durch aggressive Forschungs-, Entwicklungs-und Demonstrationsprogramme müsse dafür gesorgt werden,
für die noch bestehenden Probleme vor einer kommerziellen Anwendung der neuen
Technologie Lösungen zu finden.

Letzte Entscheidung bei der Industrie
Dr. Seamans rechnet damit, daß die ERDA erst 1986 sagen kann, ob der
natriumgekühlte schnelle Brüter für eine kommerzielle Anwendung akzeptabel
ist oder nicht. Aber auch bei einem positiven Ergebnis der nunmehr auf breitester Basis durchgeführten Entwicklungs- und Demonstrationsprogramme sei es
dann Sache der Industrie und der Öffentlichkeit, endgültig zu entscheiden,
ob und in welchem Umfang schnelle Brüter in kommerziellen Atomkraftwerken eingesetzt werden sollen.
Der Natriumbrüter ist das am weitesten gediehene Projekt unter einer ganzen Anzahl von Konzeptionen für fortgeschrittene Reaktorsysteme. Seit acht
Jahren wird es von Regierungsseite intensiv gefördert. Allerdings begann

�begann EBR-1, die erste Experimentieranlage, bereits Anfang der fünfziger
Jahre zu arbeiten, Sie wurde 1963 stillgelegt.
Auf seiner gegenwärtigen Entwicklungsstufe ist ein LMFBR-Reaktor nur
in der ersten Betriebsphase auf das teure Uran-235 als Kernbrennstoff angewiesen. Dann begnügt er sich mit Uran-238, jenem Isotop, aus dem Natururan zu
99,3 Prozent besteht. Uran-238 wird in der Spaltzone durch Neutroneneinfang
in das Element Plutonium umgewandelt. Somit "erbrütet" der natriumgekühlte
Reaktor neuen Kernbrennstoff. Denn wie Uran-235 ist auch Plutonium spaltbar.
Es kann nach entsprechender Aufbereitung Brennstoff für andere Reaktoren abgeben. Und im Laufe der Zeit produzieren schnelle Brüter mehr spaltbares Material, als sie selbst verbrauchen.
Bei den heute üblichen Reaktoren kommerzieller Atomkraftwerke, in denen
Wasser als Kühlmedium und Wärmeüberträger dient, werden nur 1-2 Prozent des
Uran-Energiegehalts für r'-'e Stromgewinnung genutzt,, obgleich ihr Kernbrennstoff in einem sehr kostspieligen Verfahren mit Uran-235 von ursprünglich
0,7 auf mehr als 3 Prozent angereichert wurde. Die Vereinigten Staaten haben
z.Zt. 55 solcher Atomkraftwerke (Gesamtkapazität: 36 672 400 KW) in Betrieb,
63 weitere sind im Bau. Immerhin liefert ein modernes Kernkraftwerk soviel
Strom wie mit über 1,4 Millionen Tonnen öl in Heizkraftwerken erzeugt würde.
Für die USA bedeutet dies die Einsparung von 12o Millionen Dollar für öl Importe (zum gegenwärtigen Preis).

Wesentlich höherer Nutzeffekt
Der Nutzeffekt bei der Produktion von Strom aus Uran oder aus einer
Uran-Plutonium-Mischung wäre schon beim gasgekühlten Hochtemperaturreaktor
achtmal, beim schnellen Brüter dagegen 30-60mal größer. Würden Atomkraftwerke
- und allein die Vereinigten Staaten wollen bis zum Jahre 2000 das Netz auf
830 kommerzielle Stationen ausbauen - nur mit den sogenannten Leichtwasserreaktoren betrieben, so wäre schon in den neunziger Jahren mit einer starken

- 3 -

�starken Verknappung des Kernbrennstoffs Uran zu rech nen. Bei Anwendung des
SchneiIbrütersystems dagegen könnte die Energiewirtschaft die Vorräte über
lange Zeit strecken und sich auch nach und nach von den Kosten für die
Erschließung und Verwertung natürlicher Uranvorkommen frei machen.
Die heute bekannten Uranvorräte der Welt in hochwertigen Erzen liegen
bei ca. 3,5 Millionen Tonnen. Die bisher bekannten Vorkommen der Vereinigten
Staaten enthalten ca. 600 000 Tonnen Uranoxid (UoOg). Gegenwärtig sind ERDAWissenschaftler in einem intensiven Explorationsprogramm dabei, eine Bestandsaufnahme des tatsächlichen Uranreichtums vorzunehmen.
Als besonderer Vorteil des LMFBR-Systems ist die Tatsache zu werten,
daß es im Prinzip den gleichen Uran-Plutonium-Brennstoffzyklus hat wie die
modernen Leichtwasserreaktoren. Allerdings produzieren schnelle Brüter
Plutonium in unvergleichlich größerer Menge und können es außerdem als Brennstoff verwerten. Die Ähnlichkeit der Brennstoffzyklen vereinfacht die Entwicklungsaufgaben - beispielsweise bei Projekten, die sich mit der Aufarbeitung der Spaltprodukte sowie mit der Beseitigung und Endlagerung radioaktiver
Abfälle befassen.

Starkes Engagement der Industrie
Unter Beteiligung von mehr als 700 amerikanischen Industrieunternehmen,
die ca. 254 Millionen Dollar beisteuern, wird mit 1,736 Milliarden Dollar
Gesamtaufwand der Prototyp eines schnellen Brüters für die kommerzielle Anwendung in der Nähe von Oak Ridge (Tennessee) erstellt. Anfang der achtziger
Jahre soll diese CRBR-Station (CRBR - Clinch River Breeder Reactor) den Betrieb aufnehmen. Mindestens fünf Jahre lang werden dort Wissenschaftler und
Ingenieure der ERDA und der Privatwirtschaft Erfahrungen sammeln.

Im

�1
Im Gesamtprogramm wird man sich besonders gründlich mit den Spezialgebieten Reaktorbetrieb, Brennstoffzyklus, Reaktorsicherung, Sicherungsmaßnahmen, gesundheitliche Auswirkungen, radioaktive Abfallstoffe und Verfügbarkeit
von Uran befassen. Die vorliegende Dokumentation, die detaillierte Stellungnahmen zu wirtschaftlichen, technologischen und sozialen Aspekten enthält
und den riesigen Komplex "Umwelt" behandelt, analysiert außerdem acht Verfahrenswege, die zur Lösung der noch offenen Probleme beschritten werden
könnten.
Kein Monopol der Atomkraft

&gt;

Es wäre verfehlt, anzunehmen, die Vereinigten Staaten konzentrierten
sich anqesichts der Engpässe in der Energieversorgung auf die Atomkraft. Sie
gilt, ebenso wie Kohle, als einer der Faktoren. &lt;jer um Aufbau einer ausgewogenen Energiewirtschaft beitragen kann. Neben dem schnellen Brüter haben auch
Sonnenenergie und Kernfusion Priorität; Wind, Erdwärme, Meeresströmungen sind
als mögliche neue Energiequellen in die Forschung und Entwicklung einbezogen.
Abhängigkeiten von primären Energiequellen wie Erdöl und Erdgas, auf
welche die USA heute zu 75 Prozent angewiesen sind, sollen und müssen abgebaut
werden. Die riesigen amerikanischen Kohlevorkommen, die gegenwärtig nur 20 Prozent zur Deckung des Energiebedarfs im Lande beitragen, will man künftig in
unvergleichlich größerem Umfang nutzen. Die amerikanische Regierung erwartet
ab Mitte der achtziger Jahre die großtechnische Erzeugung von synthetischem
Gas und flüssigen Brennstoffen aus Kohle, und von synthetischem öl aus Ölschiefer. Schon 1985 wird mit einer Tagesproduktion von 48 000 Tonnen synthetischer Brennstoffe gerechnet.
In

- 5 -

�In seiner Haushaltsbotschaft vom 21. Januar 197f schlug Präsident
Ford u.a. vor, im nächsten Etatjahr 2 Milliarden Dollar Kreditgarantien für
die Fabrikation solcher Produkte zu gewähren - 2 von insgesamt 10,4 Milliarden Dollar, mit denen 1976/77 amerikanische Energieprogramme finanziert werden sollen. Für die Behörde ERDA sind 2,6 Milliarden Dollar vorgesehen. Das
entspricht knapp einem Zehntel der insgesamt 24,7 Milliarden Dollar, die die
US-Regierung im neuen Haushaltsjahr für Wissenschaft und Technik aufzuwenden
gedenkt.

\

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