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Nummer

4. Februar 1976

Inhalt

DOKUMENTATION
Auszüge aus do.i J&lt; hresbericht des US-Verteidigungsmilisten ums
- Rumsfeld f o r d e r t

löhere Verttidigungsausgaben -

WIRTSCHAFT
Der W i r t s c h a f t s j e r i c h t Präsident Fords
- Wortlaut Die Weltwirtschaft 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

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2/1976

AUSZÜGE AUS DEM JAHRESBERICHT DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERIUMS
- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Verteidigungsminister Donald H.
Rumsfeld hat dem Kongreß der Vereinigten Staaten am 27. Januar den Jahresbericht seines Ministeriums für das Haushaltsjahr 1976/77 vorgelegt. Auf Grund
eines im vorigen Jahr verabschiedeten Gesetzes muß der Verteidigungsminister
in Konsultation mit dem Außenminister einen schriftlichen Bericht "über die
Außenpolitik und die Struktur der Streitkräfte der Vereinigten Staaten für
das kommende Haushaltsjahr" unterbreiten, in dem der Zusammenhang zwischen
beiden dargelegt und ihre jeweilige Notwendigkeit begründet wird.
Bei der Vorlage seines - allgemein unter der Bezeichnung
Posture Statement"

"Military

bekannten - Berichtes im Militärausschuß des Repräsen-

tantenhauses bezeichnete Rumsfeld den gegenwärtigen Stand der amerikanischen
Streitkräfte als ausreichend, forderte jedoch in den nächsten Jahren Verbesserungen, um die jüngsten Rüstungsanstrengungen der Sowjets auszugleichen.
Mit der Forderung von 100,1 Milliarden Dollar für die Verteidigung im Haushaltsvoranschlag 1976/77 müsse der fallenden Tendenz der Verteidigungsausgaben während der letzten 15 Jahre Einhalt geboten werden.

Rumsfeld bezeich-

nete Westeuropa als die "entscheidend wichtige zentrale Region"

für die

Sicherheit der USA und des Westens.
Während

�Während bei früheren Berichten mehr die allgemeine Weltlage in Zusammenhang mit der Verteidigungsposition der Vereinigten Staaten gebracht wurde,
wird in diesem Jahr die Beziehung zwischen Verteidigungsstärke und Außenpolitik stärker herausgestellt.
internationale Lage"

Aus dem Kapitel

"Nationale Verteidigung und

geben wir hier wesentliche Auszüge wieder.

Außenpolitik und Verteidigung
Es muß von vornherein unterstrichen werden, daß die physische Macht der
Vereinigten Staaten einer der grundlegenden bestimmenden Faktoren der amerikanischen Außenpolitik ist ...
Man sollte auch nicht vergessen, daß das Machtpotential der Vereinigten
Staaten gewaltig und beispiellos ist. Wenn wir heute denselben Prozentsatz
des Bruttosozialprodukts für die Verteidigung aufwenden würden, wie wir das
noch 1964 getan haben, dann würden wir über 130 Milliarden Dollar oder etwa
ein Drittel mehr ausgeben, als wir für das Haushaltsjahr 1977 angesetzt haben.
Wenn wir gar mit dem gleichziehen wollten, was nach unserer Vermutung der gegenwärtige Prozentsatz der sowjetischen Verteidigungsausgaben am Bruttosozialprodukt ist, dann würde sich unser Antrag auf beinahe 200 Milliarden Dollar
belaufen. An dem einen wie dem anderen dieser willkürlichen Maßstäbe gemessen,
schlagen wir keineswegs einen übertriebenen Betrag für die Verteidigung vor.
Und ebensowenig treten wir in einen allgemeinen Wettstreit mit jenen Nationen
ein, die sich selbst zu unseren Rivalen erklärt haben. Stattdessen versuchen
wir eine klug angelegte Basis für eine Politik zu schaffen, die der Regierung
ebenso wie die wirtschaftlichen und diplomatischen Mittel immer zur Verfügung
stehen muß ...

Die

�Die amerikanische Rolle in der Welt

Die Vereinigten Staaten könnten zugegebenermaßen versuchen, sich von
der Weltpolitik zu isolieren und hätten dabei eine bessere Überlebenschance
als die meisten anderen Länder.
standard würden darunter leiden.

Aber unsere Wirtschaft und unser LebensWir würden uns auch dann fragen müssen, wo

die Linie gegen einen Eingriff von außen zu ziehen wäre.

Wir müßten einen

Verteidigungswall bauen - ohne Freunde, aber nicht notwendigerweise ohne Gegner - und wir würden uns ohne Frage in einer Situation befinden, in der wir
mehr für die Verteidigung ausgeben müßten als heute.

Ob unsere traditionellen

Freiheiten in einem solchen Garnisonsstaat überleben könnten ist fraglich ...

Eine aktive Rolle ist an und für sich noch nicht gleichbedeutend mit
der Notwendigkeit militärischer Macht oder einer bestimmten Größe und Zusammensetzung der Streitkräfte.

Noch im 19. Jahrhundert führten die Vereinigten

Staaten Verhandlungen, traten für fernab liegende Dinge ein und stritten sich
verbal mit anderen Nationen, obwohl sie nur über ein minimales militärisches
Potential verfügten.

Aber sie konnten sich diesen Luxus nur leisten, weil die

Großmächte Europas über große eigene Militärpotentiale verfügten und sich
gegenseitig derart in Schach hielten, daß sich die Vereinigten Staaten relativ
ohne große Gefahr auf verbale Kraftakte und gute Werke einlassen konnten.

Wenn ein großer Konflikt auftrat, dann konnten darüber hinaus unsere
Freunde die Fronten lange genug halten, bis die Vereinigten Staaten ihre
Stärke mobilisieren und in Obersee zum Tragen bringen konnten.

Die Vereinig-

ten Staaten profitierten also praktisch von der militärischen Macht anderer.
Diese Zeiten sind vorbei ...

Regionale Herausforderungen und Ziele

Sowjetunion:
Wohlstand und Machtpotential haben sich um die Schwerpunkte der zwei
großen kontinentalen Mächte kristallisiert:
- 3 -

USA und UdSSR.

Bei nur zwei

�zwei Mächten allererster Ordnung und solange Gewalt und Gewaltandrohung
weiterhin als Grundinstrument der Weltpolitik gelten, haben die Vereinigten
Staaten für die absehbare Zukunft keine andere Wahl, denn als Hauptgegengewicht gegen die UdSSR zu dienen,

über diese Tatsache darf es keinen Zweifel

geben.
Inwieweit das Gegengewicht militärischer Natur sein muß, hängt nicht
einfach von der Existenz einer zweiten Supermacht ab.

Worauf es hier an-

kommt, ist die Frage, ob die andere Supermacht Ambitionen hegt, die den
unsrigen zuwiderlaufen, und ob sie Gewalt und Gewaltandrohung als wesentliches
Mittel zur Lösung von Streitfragen ansieht.

Es wäre beruhigend, wenn man im

Falle der Vereinigten Staaten und der UdSSR berichten könnte, daß es keine
zuwiderlaufenden Ambitionen gäbe, und daß Gewalt in ihren Ambitionen keine
Rolle spielen würde.

Die Tatsachen sprechen deutlich für das Gegenteil.

Seit dem Zweiten Weltkrieg standen die sowjetischen Ambitionen größten Teils
im Gegensatz zu unseren eigenen.

Seit dem Zweiten Weltkrieg haben die Sowjets

eine militärische Macht aufrechterhalten, um ihre eigenen Interessen zu
schützen und die unsrigen zu bedrohen...
Von der Sowjetunion geht weiterhin die hauptsächliche politische und militärische Herausforderung der amerikanischen Interessen in der ganzen Welt aus.
Es liegt in unserem eigenen Interesse, nach Mitteln und Wegen zu suchen, um
Konfrontationen zu vermeiden. Es besteht jedoch kein Zweifel, daß zumindestens
für die absehbare Zukunft der Konvergenz unserer Politiken Grenzen gesetzt
sein werden ...
Auf amerikanischer Seite ist die Politik auf einen Abbau der militärischen
Spannungen und des Konfliktrisikos mit der UdSSR ausgerichtet, um eine allgemeine internationale Stabilität zu schaffen und unsere Sicherheit und die
unserer Verbündeten zu stärken. Wir können bereits mehrere Schritte auf
dieses Ziel hin verzeichnen, und die Vereinigten Staaten hoffen weiterhin, daß
das Übereinkommen von Wladiwostok von 1974 in einen annehmbaren Vertrag umgewandelt wird, und daß die Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene
Truppenreduzierung (MBFR) in Mitteleuropa zu Fortschritten führen werden ...

�Die Entspannung muß als das begriffen werden, was sie ist: Eine Bezeichnung für die Einstellung, mit der wir in unseren Beziehungen an andere
Nationen herangehen, die nicht unsere Freunde sind;

deren Grundsätze nicht

die unsrigen sind; bei denen wir nicht sicher sind, ob wir ihnen vertrauen
können; und die über große militärische Macht verfügen und eine Neigung gezeigt haben, sich ihrer zu bedienen.

Wir wollen Konfrontationen abbauen, Gefahren verringern, die Beziehungen
auf eine etwas solidere Basis stellen und herausfinden, ob sich nicht doch
manche gemeinsamen Interessen ergeben.

Wo

es jedoch um Ost und West geht, dürfen wir nicht vergessen, daß in

vielen der grundsätzlichsten Dinge, einschließlich des Rechts auf individuelle
Freiheit, wir uns diametral gegenüberstehen.

Entspannung beginnt, kurz ge-

sagt, mit der Erkenntnis grundsätzlicher politischer Unterschiede, Gefahren
und Spannungen ...
In einer Zeit, in der sich erst herausstellen muß, ob ein Nachlassen der
Spannung durchgehalten werden kann, entwickelt sich das gegenseitige Vertrauen
zwangsläufig langsam.
den.

Vertrauen muß sich auf Handeln, nicht auf Hoffen grün-

Wenn wir beim Abbau der Spannungen echte Fortschritte erzielen wollen,

dann müssen wir weiterhin sicherstellen, daß es den Sowjets verwehrt bleibt,
ihr militärisches Gewicht zur Erreichung politischer Gewinne, ideologischer
Durchdringung oder von Vorteilen im Falle einer Krise in die Waagschale zu
werfen.

In dieser Frage darf es keine Mißverständnisse geben.

Die US-Ver-

teidigungsstrategie und - position muß auf die großen Veränderungen in der
internationalen Umwelt reagieren können und muß vor allem fundamentale Veränderungen in unseren Beziehungen zu anderen Großmächten sehr genau beachten.
Wir dürfen uns jedoch nicht zu der Überzeugung verführen lassen, daß diese
Änderungen leicht oder rasch einträten.

Selbst in unserer heutigen schnell-

lebigen Zeit wäre es falsch zu glauben, daß nach unseren Erfahrungen der
letzten dreißig Jahre die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen plötzlich
entspannt und freundschaftlich werden könnten.

Wir hoffen, daß wir die

schlimmsten Krisen des Kalten Krieges hinter uns gelassen

- 5 -

�gelassen haben und in eine Periode relativ ziviler Umgangsformen, vorsichtiger Verhandlungen und bewaffneter Stabilität eingetreten sind.

Unsere Be-

ziehungen zur UdSSR sind jedoch nicht so herzlich und vertrauensvoll geworden,
daß wir der Zukunft mit Gleichmut entgegensehen oder uns auf gesteigerte einseitige Rüstungsbeschränkungen einlassen könnten ...

Westeuropa:
Obwohl die sowjetische Herausforderung globale Ausmaße angenommen hat,
dürfen wir die Tatsache nicht außer acht lassen, daß ihre stärksten Elemente
auf Westeuropa konzentriert sind, die Region mit der die Vereinigten Staaten
die engsten Beziehungen haben ... Die Aufrechterhaltung eines stabilen, sicheren
und zuversichtlichen Westeuropa ist für die amerikanische Sicherheit lebenswichtig ...
Nicht weniger als in der Vergangenheit muß unsere militärische Strategie
und damit die Struktur unserer Streitkräfte heute weiterhin auf die Unterstützung des NATO-Bündnisses ausgerichtet sein. Alles andere würde von Freund und
Feind als ein Schritt zum Rückzug in jene veraltete Konzeption der Isolation
betrachtet werden. Es würde gerade die Stärke und das Vertrauen untergraben,
die wir in Westeuropa besitzen, und gleichzeitig die Sowjetunion und ihre Verbündeten im Warschauer Pakt ermutigen, jede Schwäche der Spaltung unter unseren
europäischen Verbündeten auszunutzen.
Unsere unerschütterliche Unterstützung Westeuropas ist im Hinblick auf die
politischen und wirtschaftlichen Entwicklungen in Europa in diesem Jahr um so
lebenswichtiger. Es ist entscheidend wichtig, daß wir unsere gegenwärtigen
Anstrengungen zur Verbesserung der Verteidigungsstärke fortsetzen, die Westeuropa schützt. Durch Programme zur stärkeren Standardisierung und Rationalisierung der Verteidigungsanstrengungen im Rahmen der NATO und durch die Steigerung der Kampfkraft unserer Streitkräfte in der NATO (ohne eine Erhöhung der
Gesamtzahl) können die Vereinigten Staaten eindeutig ihre andauernde Verpflich- 6 -

�Verpflichtung demonstrieren.

Das NATO-Bündnis ist eine Manifestation der

Interdependenz der amerikanischen und der westeuropäischen Sicherheit.

Wir

dürfen die Tatsache nicht aus den Augen verlieren, daß die NATO die Vereinigten Staaten ebenso schlitzt wie Westeuropa.

Asien:
Manche Leute vertreten die Auffassung, daß die wachsende militärische
Macht der Sowjetunion durch die anhaltenden Differenzen zwischen Moskau und
Peking beeinflußt werde. Das mag bis zu einem gewissen Grad der Fall sein,
wenngleich die Vereinigten Staaten diese Differenzen nicht vertiefen oder ausnutzen wollen ...
Wie erinnerlich, führte unsere Anpassung der amerikanischen strategischen
Konzeption für die allgemeinen Streitkräfte im Jahre 1970 zu einer Aufteilung
der Kriegsstrategie von 2,5 zu 1,5 - und stellte damit die Spaltung zwischen
der UdSSR und der Volksrepublik China in Rechnung.

In den folgenden Jahren

verringerten wir unsere aktiven Land-, See- und taktischen Luftstreitkräfte
der ersten Linie entsprechend der Veränderung des strategischen Konzepts.
Was auch immer die ursprüngliche Basis für die Änderung der Strategie
gewesen sein mag, so haben wir auf jeden Fall bereits den Maximal betrag an
vertretbaren Einsparungen aus der sino-sowjetischen Zwietracht herausgeholt,
und wir sollten jetzt sicherstellen, daß unsere Streitkräfte ausreichend sind,
um unsere Ziele in Asien zu verfolgen.

Es wäre ein Fehler, anzunehmen, daß

wir in bezug auf die Größe unseres Verteidigungspotentials auf diese gefährliche Rivalität noch mehr reagieren sollte, als dies bisher der Fall war ...
Japan, unser Hauptverbündeter in Asien spielt eine lebenswichtige Rolle
bei der Aufrechterhaltung der regionalen Stabilität. Die Fähigkeit Japans,
ohne große Streitkräfte als eine politische Führungsmacht zu agieren, ergibt
sich direkt aus dem Schutzschirm, der Japan durch seinen Sicherheitsvertrag

�Sicherheitsvertrag mit den Vereinigten Staaten geboten wird.

Sein Sicher-

heitsgefühl steht in einem direkten Verhältnis zu seinem Vertrauen in die
Stärke und Zuverlässigkeit der amerikanischen Sicherheitsgarantie.
Alle großen Mächte Asiens haben Interessen an der koreanischen Halbinsel,
wo die Vereinigten Staaten seit über 20 Jahren ihre Verpflichtung gegenüber
Südkorea eingehalten und zur Erhaltung des Friedens auf der Halbinsel beigetragen haben.

Die Präsenz unserer Landstreitkräfte ist ein greifbarer Beweis

für unsere Unterstützung der Republik Korea sowie eine beachtliche Abschreckung vor einem nordkoreanischen Angriff und ein Faktor, der dazu beiträgt, sowohl die Volksrepublik China oder auch die UdSSR davon abzuhalten,
einen solchen Angriff zu dulden oder zu unterstützen.

Da die Japaner die

Sicherheit Südkoreas in einem engen Zusammenhang mit ihrer eigenen Sicherheit
sehen, ist die amerikanische Unterstützung Südkoreas von entscheidender Bedeutung für die Stabilität in Nordostasien ...

Naher Osten:
Der Nahe Osten ist ein Gebiet von überragender Bedeutung für die Vereinigten Staaten. Ein Wiederaufleben der arabisch-israelischen Feindseligkeiten könnte eine direkte Bedrohung der amerikanischen Sicherheit darstellen,
vor allem, wenn es zu einer militärischen Konfrontation der Großmächte oder
einem neuerlichen ölembargo für den Westen kommen sollte. Politische und
militärische Instabilität im Golfgebiet selbst wäre, wenn sie zu einer Unterbrechung der Ölversorgung führen würde, den Interessen der Vereinigten
Staaten und deren Verbündeten schädlich.
Unser Ziel besteht deshalb darin, eine gerechte politische Lösung des
arabisch-israelischen Konflikts zu fördern, die Ölversorgung aus diesem Gebiet zu gewährleisten, die amerikanischen Beziehungen zu den wichtigen
Nationen dieses Gebietes zu verbessern und den sowjetischen Einfluß in
diesem Gebiet zu begrenzen. Die gegenwärtige Programme der Sicherheitshilfe
sind darauf
- 8 -

�darauf angelegt, die wichtigen Staaten in dem Gebiet mit der militärischen
Stärke auszustatten, um vor einer Aggression abschrecken zu können.
Unsere bescheidenen Seestreitkräfte im Persischen Golf reichen zusammen
mit der Sechsten Flotte im Mittelmeer aus, um unsere derzeitigen Ziele zu
unterstützen.
Wir stützen uns auf Diplomatie und Hilfsprogramme, um die Nationen des
Gebietes zu ermutigen, für eine Politik einzutreten, die in unserem beiderseitigen Interesse liegt. Wir sind jedoch auf unvorhergesehene Entwicklungen
vorbereitet. Die gegenwärtige militärische Planung für das Gebiet legt Wert
auf Flexibilität und die Aufrechterhaitur.g einer militärischen Kapazität, die
ausreicht, um mit einem weiten Bereich von Ernstfällen fertig zu werden, und
reicht von symbolischer Unterstützung der diplomatischen Bemühungen der Vereinigten Staaten bis zum großen Konflikt.

Lateinamerika:
In der Westlichen Hemisphäre streben wir eine reife Partnerschaft in
gemeinsamen diplomatischen und militärischen Anstrengungen mit unseren Nachbarn an. Der Verteidigungsaspekt dieser Partnerschaft liegt in der Verhinderung der Errichtung von Militärstützpunkten in der Hemisphäre, die unseren
gemeinsamen Interessen feindlich wären, und in der Verhinderung der Bedrohung
der regionalen Kommunikationswege. Das weiter gesteckte Ziel ist die Ausweitung der multilateralen politischen und wirtschaftlichen Zusammenarbeit
unter allen Ländern der Hemisphäre.
Die Bereitstellung amerikanischer Mittel für die Sicherheitshilfe hat
materiell geholfen unsere bilateralen und multilateralen Ziele in der Westlichen Hemisphäre zu erreichen und wird das auch in Zukunft tun.
Afrika:

�Da einander zuwiderlaufende Großmachtinteressen im Spiele sind, da
die Möglichkeit der Instabilität besteht, und wegen der Naturschätze sowie
der Verbindungslinien, die das Gebiet durchqueren, ist Afrika zu einem Gebiet amerikanischen Interesses geworden.

Aus der Sicht der nationalen Sicher-

heit sind wir in erster Linie über den wachsenden sowjetischen Einfluß dort
besorgt, der die Sicherheit der NATO, vor allem im Mittelmeer berühren oder
sich auf die amerikanischen Interessen im Nahen Osten auswirken könnte. Gegenwärtig stellt das sowjetische Engagement nur in zwei Gebieten über den
Küstenbereich des Mittelmeers hinaus eine wesentliche Herausforderung der
amerikanischen Interessen dar:
- Die verstärkte militärische Tätigkeit der Sowjets in Somalia, vor
allem der Ausbau ihres Stützpunktes in Berbera, wird die Flexibilität der
militärischen Operationen der Sowjets im Indischen Ozean und im Persischen
Golf erhöhen.
- Das wachsende politische und militärische Engagement der Sowjets in
Angola hat zur anhaltenden Instabilität dieser neuen Nation beigetragen.
Trotz unseres Interesses an dieser Region planen wir keinen Einsatz
militärischer Macht zur Unterstützung unserer Politik. Wie in Lateinamerika
kann eine minimale und selektive amerikanische Sicherheitshilfe zur Stabilität in dem Gebiet beitragen ...

Das amerikanische Verteidigungsprogramm
Strategisehe Nuklearstreitkräfte:
Die strategischen Nuklearstreitkräfte nehmen einen einzigartigen Platz
im Planungsprozeß ein. Auf Grund des Wirkungsgrades von Kernwaffen, des hohen
technologischen Standes der modernen Trägersysteme und der Notwendigkeit, die
Möglichkeit eines verheerenden Überraschungsangriffs über interkontinentale
- 10 -

�interkontinentale Entfernungen hinweg auszuschließen, müssen die strategischen Nuklearstreitkräfte sehr viel mehr nach den spezifischen Kapazitäten
anderer Nationen und nach unseren Abschreckungszielen ausgerichtet sein, als
nach den wechselnden Strömungen der internationalen Politik und den Taktiken
der amerikanischen Außenpolitik.
Die Tatsachen hinsichtlich der Entwicklung der sowjetischen strategischen
Streitkräfte dürften weitgehend bekannt sein. Die wachsende technische Verfeinerung der sowjetischen Waffen - mit hochwirksamen Mehrfachgefechtsköpfen
(MIRV) und rasch zunehmender Treffsicherheit - läßt ein beträchtliches
Interesse an einer ständigen Verbesserung der Streitkräfte und ihrer Flexibilität erkennen. Es ist darüber hinaus wahrscheinlich, daß die Sowjets
selbst innerhalb der Grenzen, wie sie sich durch das Übereinkommen von
Wladiwostok abzeichnen, die Modernisierung ihrer strategischen Streitkräfte
in dem gegenwärtigen raschen Tempo fortsetzen und damit die Kapazität ihrer
Streitkräfte gegenüber einem weiten Bereich von Zielen verbessern werden ...
Unter den gegenwärtigen Umständen ... sind wir der Überzeugung, daß wir
über eine ausreichende strategische Offensivstreitmacht verfügen. Selbst
nach einem gut koordinierten Überraschungsangriff könnten die Vereinigten
Staaten (wenn notwendig) mit ausreichender Macht zurückschlagen, um ihren
Gegner als moderne, funktionsfähige Gesellschaft zu vernichten. ...
Gleichzeitig erhalten ausgewählte Teile unserer Offensivstreitkräfte
die notwendige Flexibilität, um auf unterschiedlichere Angriffe reagieren
zu können. Es wächst nicht nur unser Inventar an vorgeplanten Optionen,
sondern wir sorgen auch für die Fähigkeiten der Zielumdisponierung und der
Befehlseinrichtungen, um rasch auf unvorhergesehene Ereignisse reagieren zu
können. Keine feindliche und verantwortungslose Macht kann davon ausgehen,
daß unsere Hände gebunden wären, weil wir etwa nur die Wahl hätten, auf
einen begrenzten Nuklearangriff mit Tatenlosigkeit oder dem Inferno zu
reagieren
Dieses
- 11 -

�Dieses Maß an Flexibilität, das die Abschreckung stärkt und ausweitet,
schließt notwendigerweise die Option und die Fähigkeit ein, einen genauen
Schlag gegen militärische Ziele, einschließlich einiger befestigter Anlagen,
zu führen.

Es erlaubt jedoch keine entwaffnende Erstschlagkapazität gegen

die UdSSR.

Ein solches Ziel wäre gegenwärtig ohnehin nicht zu erreichen, da

die Sowjets selbst eine Triade von Offensivstreitkräften aufrechterhalten -*
zusammen mit massiven aktiven strategischen Verteidigungsstreitkräften die die Möglichkeit eines erfolgreichen gleichzeitigen Angriffs auf alle
drei Streitkräfte ausschließt.
Wir können eine solche Politik nicht nur deshalb verfolgen, weil
jederman in der Welt weiß, daß wir keine agressiven Absichten hegen,
sondern auch weil unsere Primärkapazität für einen Zweitschlag gegen
wirtschaftliche und andere Ziele gegenwärtig garantiert ist.

Genau aus

diesen Gründen sind unsere strategischen Nuklearstreitkräfte in etwa
gleichwertig mit denen der UdSSR
Ob diese grundlegende Gleichwertigkeit während des nächsten Jahrzehnts
anhalten wird, ist eine der schwerwiegendsten Fragen, vor der wir in unseren
Entscheidungen über unsere strategischen Nukleärprogramme stehen. Wir
müssen jetzt die Modernisierungsprogramme der Streitkräfte vorantreiben, die
die Aufrechterhaltung eines strategischen Gleichgewichts für die Zukunft
gewährleisten und damit unsere Ziele bei den SALT-Verhandlungen unterstützen. Die Schwierigkeiten, die wir in diesem Zusammenhang erwarten, sind
von besonderer Bedeutung.
Die erste Schwierigkeit besteht darin, daß unsere Streitmacht an
schweren Bombern und nukleargetriebenen Raketen-Unterseebooten veraltet.
Die Programme für die B-l und die Trident bieten uns eine gesunde Grundlage
für die Modernisierung dieser beiden wesentlichen Bestandteile unserer
strategischen Triade.
Die zweite Schwierigkeit ist schwerwiegender.

- 12 -

Die gegenwärtig im Gang

�Gang befindliche Modernisierung der sowjetischen InterkontinentalraketenStreitmacht erhöht die Verwundbarkeit unserer Interkontinentalraketen vom
Typ Minuteman.

Wir würden es vorziehen, jede Gefährdung beider Interkon-

tinentalraketen-Streitkräfte durch gegenseitiges Übereinkommen auszuschalten.

Wenn uns das jedoch nicht gelingt, dann müssen wir uns ent-

scheiden, was wir hinsichtlich der Minuteman-Raketen tun werden.

Eine

der auf den ersten Blick verlockendsten Optionen wäre, festeingebaute, harte
Interkontinentalraketen ohne Ersatz außer Dienst zu stellen.

Das würde

jedoch die Verwundbarkeit unserer anderen Streitkräfte erhöhen und uns der
exakten Leitfunktionen, Zielumdisponierung und Treffsicherheit berauben, die
so wichtige Eigenschaften der Minuteman sind.

Wir würden damit die Mittel

und Möglichkeiten der Reaktion auf begrenztere Nuklearangriffe, die wir
einkalkulieren müssen, verringern, und unser Abschreckungsschirm wäre
weniger vollständig

Allgemeine Streitkräfte:
Unsere allgemeinen Mehrzweckstreitkräfte brauchen nicht so eng nach
ihrem Gegenstück in der UdSSR ausgerichtet zu sein, wie unsere strategischen
Nuklearstreitkräfte. Das liegt zum Teil daran, daß unsere Verbündeten
große nichtnukleare Beiträge leisten. Es liegt aber auch daran, daß die
Sowjets gegenwärtig einen beträchtlichen Teil ihrer Mehrzweckstreitkräfte
auf die Volksrepublik China hin orientieren, Wir konzentrieren uns daher
auf die Aufrechterhaltung zweier starker Hauntdislozierungspunkte außerhalb
der westlichen Hemisphäre - in Mitteleuropa und in Nordostasien - und auf
unsere Fähigkeit, im Zusammenwirken mit Verbündeten eine vorgeschobene
Verteidigungslinie gegen einen großen Angriff auf dem einen oder anderen
Kriegsschauplatz zu halten
Wir sind der Auffassung, daß einem konventionellen Angriff mit
konventionellen Mitteln entgegengetreten werden sollte, daß wir jedoch auch
eine nukleare Gefechtsfeldkapazität zur Unterstützung aufrechterhalten
sollten - nicht als Ersatz für nichtnukleare Streitkräfte

sondern als

Abschreckung vor dem Einsatz von Kernwaffen und als ein Schutzwall gegen
- 13 -

�gegen ein Versagen unserer konventionellen Verteidigung ...
Es ist wesentlich, daß wir sowohl in Europa als auch in Nordostasien
Positionen der Stärke aufrechterhalten»

Da die beiden großen Schauplätze

von fundamentaler Bedeutung für die Sicherheit der Vereinigten Staaten sind,
müssen wir starke Mehrzweckstreitkräfte zur Verfügung haben, um einen
größerei Ernstfall zusammen mit anderen auf zumindest einem dieser Schauplätze begegnen zu können, während wir zur Aufrechterhaltung einer VorneVerteidigung auf dem anderen beitragen.

Da wir jedoch den Einsatz von

Mehrzweckstreitkräften auf anderen Schauplätzen und für andere Zwecke nicht
ausschließen können, muß das Grundziel unserer Planung darin bestehen, die
Streitmacht zur Abschreckung vor einem großen nichtnuklearen Konflikt zu
stellen, und im Rahmen dieses Prozesses die Flexibilität zu gewinnen, mit
Ernstfällen geringeren Ausmaßes fertig werden zu können....
Obwohl unsere See- und Landungsstreitkräfte uns mit einer gewaltigen
Reichweite und Flexibilität ausstatten, müssen wir in erster Linie im
Zusammenhang mit einem Ernstfall in Europa bemessen, inwieweit sie ausreichen,, Es muß auch unterstrichen werden, daß ein Krieg in Europa sich
auf andere Gebiete ausdehnen könnte, und daß wir, selbst wenn die tatsächlichen Kampfhandlungen enger begrenzt wären, uns auch um den Schutz
der Seewege nach Nordostasien kümmern und gegen die sowjetische Pazifikflotte
Wache halten und den Zugang zum Persischen Golf gewährleisten müßten.
Diese Aufgaben verlangen viel von uns, wir sind jedoch der Überzeugung,
daß die kombinierten amerikanischen jnd alliierten Seestreitkräfte sie
gegenwärtig erfüllen könnten. Nach unserer Beurteilung dürften unsere
Streitkräfte ihren Gegenspielern in der Sowjetunion und im gesamten
Warschauer Pakt zumindest gleichwertig bleiben. Die sowjetische Marine
unterhält mit Überwasserschiffen, Unterseebooten und Langstreckenflugzeugen
weiterhin eine starke Verteidigung des russischen Territoriums und der
anlegenden Gewässer gegen seegestützte taktische Luft- und Landungsstreitkräfte, Sie baut weiterhin ihr Potential aus, die amerikanische und

- 14 -

�und alliierte Schiffahrt zu unterbinden.
Auch wenn die NATO wahrscheinlich bei einem Seekrieg qroße Verluste
hinnehmen müßte, so wären diese Verluste - soweit wir das sagen können doch nicht prohibitiv, und die Auswirkung auf unsere eigene Kampfkraft wäre
zwar ernst, jedoch nicht lähmend. Die vorhandenen amerikanischen und
alliierten Seestreitkräfte dürften in der Lage sein, den Unterseebooten und
Überwasserschiffen des Gegners schwere Verluste zuzufügen und innerhalb
eines annehmbaren Zeitraums die volle Kontrolle der Seewege im Atlantik
und im Pazifik wiederzugewinnen.

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2/1976

DER WIRTSCHAFTSBERICHT PRÄSIDENT FORDS
- Wortlaut -

Präsident Ford hat dem amerikanischen Kongreß
am 26. Januar seinen Wirtschaftsbericht vorgelegt, der einen Rückblick auf die wirtschaftlichen Entwicklungen des letzten Jahres und
einen Ausblick auf die Wirtschaftspolitik der
USA im neuen Jahr gibt. Den Ausführungen des
Präsidenten ist der Bericht des Wirtschaftsbeirates beigefügt, der an Hand von zahlreichen Tabellen und Statistiken ein umfassendes Bild von der gegenwärtigen Lage der amerikanischen Wirtschaft gibt. Der Bericht des
Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Zu Beginn des Jahres 1976 sieht sich die amerikanische Bevölkerung
immer noch mit ihren beiden größten persönlichen Sorgen konfrontiert: Inflation und Arbeitslosigkeit. So berechtigt diese Besorgnis auch ist, so dürfen
wir es doch nicht zulassen, daß sie den im letzten Jahr erzielten echten Fortschritt überschattet. Die grundlegende Tatsache in unserer Wirtschaft ist, daß
sie ganz stetig immer mehr gesundet. Meine Politik für 1976 ist darauf abgestellt, daß wir uns auf diesem Weg nach oben weiter voranbewegen.
Vor einem Jahr stand die Wirtschaft mitten in einer ernsten Rezession,
und es war kein baldiges Ende in Sicht.

Ganz ungewöhnlich starke inflatio-

�inflationistische Kräfte begannen gerade erst nachzulassen und die Aussichten,
der Arbeitslosigkeit Einhalt zu gebieten, waren nicht gerade gut.
Es ist heute klar, daß wir einen beachtlichen Fortschritt erzielt haben.
Die schwerste Rezession seit Ende des Zweiten Weltkrieges hat die Talsohle im
Frühjahr des letzten Jahres durchschritten und eine wesentliche Wiedererholung
ist jetzt im Gange.

Im Dezember standen 85,4 Millionen Amerikaner in Arbeit,

1,3 Millionen mehr als im März 1975.

Obwohl die Arbeitslosenrate noch immer

viel zu hoch ist, beginnt sie sich langsam in der richtigen Richtung zu bewegen.

Wir haben ebenfalls bedeutende Fortschritte bei der Verringerung der In-

flationsrate gemacht.

Die Zunahme des Indexes der Verbraucherpreise von De-

zember 1974 bis Dezember 1975 betrug 7 Prozent - ein Rückgang gegenüber einer
Rate von über 12 Prozent in den vorangegangenen 12 Monaten.
Bei einem Blick zurück auf 1975 sollte man auch an die große Zahl potentiell ernster Wirtschaftsprobleme denken, die sich nicht materialisiert
haben. Die von einigen vorausgesagte Finanzkrise trat nicht ein. Die Rezession wettete sich nicht zu einer kumulierenden Depression aus. Es gab keinen
Zusammenbruch des internationalen Handels und der internationalen Investitionen. Der Brotpreis ist niemals auf einen Dollar angestiegen, genausowenig
wie der Benzinpreis. Wir haben keinerlei störende soziale Unruhen als Folge
unserer wirtschaftlichen Schwierigkeiten erlebt. Wenn wir auch die Entwicklungen des Jahres 1975, gleichgültig nach welchem Maßstab wir sie messen,
nicht als voll befriedigend betrachten, so sollten wir es doch beruhigend finden, daß unser Wirtschaftssystem ernsten Belastungen standgehalten und in
diesem Jahr eine innere Stärke gezeigt hat. Ich bin zuversichtlich, daß wir
für die Zukunft mit einer verantwortungsbewußten und richtigen Politik einen
stetigen wirtschaftlichen Fortschritt erreichen können.
Leider gibt es keine einfache Formel - und auch keine Einzelmaßnahme -,
die schnell eine volle wirtschaftliche Gesundung herbeiführen kann. Es dauerte
mehrere Jahre, um durch starke überhitzung zusammen mit Schocks von außen,
wie die Verfünffachung des internationalen ölpreises, die wirtschaftlichen

�wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Jahre 1974 und 1975 heraufzubeschwören,
und es wird mehrere Jahre dauern, bis eine gesunde Politik ein stetiges
nicht-inflationistisches Wachstum wieder erreichen kann. Wir müssen die
Stärke der amerikanischen Wirtschaft so rasch, wie wir dies können, wieder
herstellen; aber dabei dürfen wir nicht die Gefahren einer Wiederbelebung
der inflationistischen Kräfte ignorieren, denn eine ungezügelte Inflation
schließt stetiges Wachstum und Vollbeschäftigung aus. Die Ereignisse der
letzten Jahre haben erneut überzeugend demonstriert, daß eine galoppierende
Inflation zu Instabilität und Zerrüttung führt, Arbeitslosigkeit mit sich
bringt und schließlich jeden echten Wohlstand unmöglich macht.
Es ist oftmals gesagt worden, daß wir uns zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit entscheiden müßten, und daß der einzige Weg zu einem Abbau der Arbeitslosigkeit darin besteht, eine chronische Inflation oder starre Kontrollen
zu akzeptieren. Ich weise diese Ansichten zurück. Inflation und Arbeitslosigkeit sind keine Gegensätze, sondern verwandte Symptome einer ungesunden
Volkswirtschaft. Die letzten Monate des Jahres 1974 zeigen, welche Beziehungen zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit bestehen. Scharf anziehende
Preise schufen eine Atmosphäre der Unsicherheit und waren zum Teil die Ursache dafür, daß die Kaufkraft der auf Sparkonten oder in Investmentanteilen
angelegten Gelder der Verbraucher so stark zurückging. Dies wiederum führte
dazu, daß die Verbraucher ihre Ausgaben einschränkten. Und die Folge davon
war, daß die durch spekulative Kaufe aufgeblähten Lagerbestände den Markt
blockierten. In den ersten Monaten des Jahres 197E führte dies zu scharfen
Einschränkungen bei Produktion und Beschäftigtenstand. So hat die Inflation
wesentlich zu einem Rückgang der Beschäftigung beigetragen, und sollte es
zu einer neuen Inflationsrunde kommen, so dürfte diese noch mehr Arbeitslosigkeit bringen. Eine chronisch hohe Arbeitslosigkeit ist eine Vergeudung menschlicher Hilfsquellen, die nicht hingenommen werden darf, und führt zu einem
Rückgang der Gütererzeugung, der nicht mehr tragbar ist. Es ist ganz klar,
wir müssen gegen Inflation und Arbeitslosigkeit gleichzeitig vorgehen; unsere
Politik muß ausgewogen sein. Mein Wirtschaftsprocramm für 1976 hat drei
Teile: 1.) Fortsetzung der langfristigen Bemühungen um eine Wiederbelebung

- 3 -

�Wiederbelebung der amerikanischen Wirtschaft;

2.) Durchführung der zahl-

reichen Programme, die notwendig sind, um für die Arbeitslosen während des
Übergangs zu einer gesunden Wirtschaft Erleichterung zu schaffen; und 3.)
Ausschaltung aller Regierungsmaßnahmen und -institutionen, die einer Flexibilität der Preise und einem dynamischen Wettbewerb im Wege stehen.
I. Mein wirtschaftliches Hauptziel ist die Schaffung einer Atmosphäre
für die Wirtschaft, in der ein stetiges nicht-inflationäres Wachstum erreicht
werden kann.
Solange die privaten Ausgaben niedrig sind, kann die Regierung durchaus
die privaten Spargelder absorbieren, und der Wirtschaft einen fiskalischen
Anreiz geben. Auf lange Sicht jedoch ist eine kräftige und stetige Steigerung
des Wohlstandes nur möglich, wenn wir einen dynamischen privaten Sektor haben.
Meine Politik soll das langfristige Wachstum der Wirtschaft dadurch stärken,
daß sie eine Atmosphäre schafft, in der der private Sektor aufblühen kann.
Um unsere langfristigen Ziele - Vollbeschäftigung und nicht-inflationistisches
Wachstum - zu erreichen, ist eine verstärkte Kapitalbildung notwendig. Obwohl
es bei den industriellen Kapazitäten im Augenblick keinerlei Engpaß gibt, erfordern zahlreiche unserer derzeitigen Prioritäten - um auf dem Energiesektor
unabhängig zu werden, um die Umwelt zu verbessern, um mehr Arbeitsplätze zu
schaffen und um unseren Lebensstandard zu erhöhen - vermehrte Investitionen.
Dies bedeutet, daß der Anteil der Wirtschaftsinvestitionen in Anlagen und
Ausrüstungen am Bruttosozialprodukt steigen muß. Wir müssen ferner das Anwachsen der Bundesausgaben in den unmittelbar vor uns liegenden Jahren verlangsamen, damit nicht die zunehmende Beanspruchung unserer wirtschaftlichen
Hilfsquellen durch die Bundesregierung einen ausreichenden Fluß von Spargeldern
in die Kapitalinvestitionen verhindert.

Daher empfehle ich, daß die Einsparungen im Haushalt über Steuersenkungen
an die amerikanischen Steuerzahler weitergegeben werden.

Ich habe eine jähr-

liche Steuersenkung von 28 Milliarden Dollar gemessen am Stand von 1974 mit
Wirkung vom 1. Juli 1976 vorgeschlagen.

Wenn wir uns in den kommenden Jahren

�Jahren weiterhin der Zurückhaltung bei den Haushaltsausgaben befleißigen,
wie ich sie vorschlage, wird eine erneute große Steuersenkung 1979 möglich
sein.

Ich bin der Überzeugung, daß der einzelne Arbeitnehmer ein Recht hat,

sein Geld für die Güter und Dienstleistungen auszugeben, die er haben möchte,
und nicht dafür, daß die Regierung über die Verfügung seines Einkommens noch
stärkere Kontrolle gewinnt.
II. Leider braucht e^ne vclle Wiedererholung der Wirtschaft Zeit. Ein
zu rasches Wachstum könnte zu einen; erneuten Aufleben der Inflation führen,
sodaß es schließlich in sich selbst zusammenbrechen würde. In der Zwischenzeit müssen wir an die denken, die ihre Arbeitsplätze verloren haben oder
die einer. Verlust ihrer gegenwärtigen Arbeitsplätze befürchten. Zwar kann
das Problem der Arbeitslosigkeit nur durch Wiederherstellung der grundlegenden
Stärke der Volkswirtschaft gelöst werden, die Härten einer Arbeitslosigkeit
uro eines unsicheren Arbeitsplatzes erfordern jedoch sofortiges Handeln. Im
Dezember 1974 und in ;iärz 1975 habe ich zwei wichtige Gesetze unterzeichnet,
durch die die Dauer der Arbeitslosenversicherung und der Kreis der Begünstigten erweitert werden. Diese Änderungen haben die finanzielle Eelastung für
die 3,6 Millionen Amerikaner gemildert, die einen Teil des letzten Jahres arbeitslos waren. Die Programne in meinem Haushalt für das Finanzjahr 1977
werden 3,6 Millionen Amerikanern Möglichkeiten für eine Ausbildung und eine
Beschäftigung bieten.
Diese Hilfen für die Arbeitslosen sollten nur als vorübergehende Lösung
betrachtet werden.

Sie sind kein Ersatz für einen produktiven Arbeitsplatz

in der Privatwirtschaft.

Der einzige Weg zur Schaffung solcher Arbeitsplätze

ist die Wiederherstellung der Lebensfähigkeit der privaten Industrie, die heute
fünf von sechs amerikanischen Arbeitnehmern beschäftigt.
III. Ein Erfolg bei der Förderung eines gesunden Wirtschaftswachstums und
einer dynamischen Privatwirtschaft hängt weitgehend davon ab, daß Regierung
und staatliche Institutionen alles unterlassen, was den Wettbewerb beeinträchtigt.

Das amerikanische System hat sich bei der Organisation der Produktion
- 5 -

�Produktion sowie der Förderung des wirtschaftlichen Fortschritts schon immer
des Wettbewerbs bedient. Die Regierung hat jedoch durch Kontrolle von Preisen
und Qualität der Dienstleistungen Unzulänglichkeiten beim Wettbewerb zu korrigieren versucht.

Dieser Versuch war alles andere als ein voller Erfolg.

Sol-

che Kontrollen waren nützlich, um dem Preisgebaren bestimmter Monopole Grenzen
zu setzen und das Wachstum neuer Industrien zu fördern, wie die Flugzeugindustrie in den vierziger und fünfziger Jahren. Sie haben ebenfalls dazu beigetragen, sicherzustellen, daß solchen öffentlich verkündeten sozialen Zielen
wie reine Luft und sichere Arbeitsbedingungen entsprochen wird.

Aber in ver-

schiedenen Industrien wurden solche Kontrollen auch dazu benutzt, das Wachstum
etablierter Firmen zu schützen und zu unterstützen, statt den Wettbewerb zu
fördern.
Im Laufe der Jahre hatten die von der Regierung erlassenen Kontrollen
zahlreiche weitere unerwünschte Nebenwirkungen. Es wurde nicht nur in vielen
Fällen der Wettbewerb eingeschränkt, sondern den betroffenen Firmen wurden
auch große Belastungen auferlegt, die zu einem Anstieg der Produktionskosten
und der Verbraucherpreise führten.
Der immer schärfere Wettbewerb auf den Weltmärkten und die Notwendigkeit
einer Aufrechterhaltung und Anhebung des Lebensstandards einer wachsenden Bevölkerung erfordern eine ständige Verbesserung des amerikanischen Vermarktungssystems. Aus diesem Grunde habe ich den Kongreß um Verabschiedung grundlegender Änderungen in unseren Gesetzen für die Eisenbahnen, die Luftfahrtgesellschaften und das Transportgewerbe ersucht. Auf Grund dieser Änderungen werden
diese Gesellschaften künftig flexibler den Gegebenheiten des Marktes entsprechen können. Ich habe ferner die Freigabe der Preise für Erdgas gefordert
und für die Erdölindustrie und die Energieversorgungsunternehmen die erforderliche größere Flexibilität bei der Preisgestaltung angestrebt. Wir werden
die erforderlichen Schutzmaßnahmen auf dem Gebiet des öffentlichen Gesundheitswesens und der Sicherheit weiter verbessern, gleichzeitig aber jede unnötige
Kostenerhöhung für die Öffentlichkeit zu vermeiden suchen. Mein Ziel ist es,
eine bessere Kombination von Wettbewerb auf dem Markt und verantwortungsbewußter Kontrolle seitens der Regierung zu erreichen. Das von mir in der. letzten
- 6 -

�letzten Monaten vorgelegte Programm hat ein solches Gleichgewicht zum Ziel
und ich werde 1976 auf diesem Weg weiter fortfahren.
Die Verwirklichung eines solchen neuen regulierenden Gleichgewichts
wird voraussichtlich während einer Übergangszeit gewisse wirtschaftliche
und soziale Kosten mit sich bringen, und die Änderungen müssen daher sorgfältig abgestuft werden.

Auf lange Sicht jedoch wird ein dynamisches Ver-

marktungssystem für die Bevölkerung wesentliche Vorteile, unter anderem auch
niedrigere Preise, bringen.
Obwohl unsere Politik sich in erster Linie auf die amerikanische Wirtschaft konzentriert, sind wir uns jedoch auch klar darüber, daß unsere Interessenbereiche nicht an unseren Küsten ender,. Die anderen großen Länder der
Welt erleben gegenwärtig ebenfalls eine Wiedererholung von der schwersten Rezession, die sie seit den dreißiger Jahren erlitter; haben. Für sie - wie
für uns - ist auf wirtschaftlichem Gebiet oberste Priorität, ihre Wirtschaft
wieder auf einen sich selbst tragenden, nicht-inflationistischer VJachstumskurs
zurückzuführen. Ein Erfolg bei diesen Bemühungen wird mehr als alles andere
den Industriestaaten wie auch den Entwicklungsländern helfen, einer, höheren
Lebensstandard zu erreichen.
In den letzten Jahren hatten die Volkswirtschaften der meisten Länder
unter ungewöhnlich hohen Inflationsraten zu leiden, die zu einem großen Teil
auf die Verfünffachung des internationalen Erdölpreises zurückzuführen waren;
und dann glitten sie in eine schwere Rezession. Die Gleichzeitigkeit dieses
Vorganges zeigt erneut die starke Interdenenc'enz der Volkswirtschaften der
Welt. Die einzelnen Länder sind immer stärker voneinander abhängig geworden,
je v.ehr ein freierer Fluß von Güterr,s Dienstleistungen und Kapital zu größerem
Wohlstand überall auf der Welt geführt hat. Auf Grund dieser wachsenden Interdependenz lassen sich jedoch die innenpolitischen Ziele nicht wirksam erreichen 3 es sei denn, wir tragen auch den wirtschaftlichen Veränderungen und
cien politischen Zielsetzungen in anderen Ländern Rechnung.
Ancesichts
- 7 -

�Angesichts unserer wachsenden Interdependenz habe ich mich eingehend
mit den Chefs der anderen Regierungen, einzeln und mit allen zusammen, beraten.

Auf dem Wirtschaftsgipfel in Rambouillet im November letzten Jahres

bin ich mit den Regierungschefs von fünf anderen großen Industriestaaten zusammengetroffen.

Dort haben wir die Grundlagen für eine engere Abstimmung

und engere Konsultationen auf wirtschaftspolitischem Gebiet gelegt.

Im

Jahre 1975 haben wir ferner Gespräche über eine internationale Zusammenarbeit
sowohl mit den Industriestaaten als auch mit den Entwicklungsländern aufgenommen.

Dieser Dialog wird zu einem besseren gegenseitigen Verständnis un-

serer Probleme und unserer Bestrebungen führen.

Schließlich habe ich mit

meinen ausländischen Kollegen vereinbart, daß wir zur Schaffung der richtigen
Voraussetzungen für ein dauerhaftes und stabiles Wachstum wichtige kooperative
Schritte auf den Gebieten der Währungen, des Handels und der Energie unternehmen müssen.

Wir haben unsere maßgebenden, für Handelsfragen zuständigen

Beamten angewiesen, auf einen baldigen Abschluß der gegenwärtig andauernden
Verhandlungen über eine Liberalisierung des Handels hinzuarbeiten.

In diesem

Monat haben wir auf Jamaica bedeutsame Abkommen über eine Stärkung des internationalen Währungssystems sowie über die Gewährung vermehrter Hilfe an die
Entwicklungsländer erreicht.

Wir haben ferner eine engere Zusammenarbeit

mit den erdölverbrauchenden Ländern aufgenommen, um weniger abhängig von importierter Energie zu werden.

Ich beabsichtige, diesen Prozeß 1976 zu kon-

solidieren und auf ihm aufzubauen.
Von zentralem Interesse hier und im Ausland ist die amerikanische Energiepolitik. Ohne eine dynamische und wachsende Industrie zur Bereitstellung von
Energie im Inland wird ein großer Teil unserer industriellen Entwicklung in
den nächsten zehn Jahren nicht gesichert sein. Und sofern wir unsere Abhängigkeit vom Nahostöl nicht verringern können, werden wir über keine gesunde Basis für eine internationale Zusammenarbeit bei der Erschließung neuer
fossiler Brennstoffe und anderer Energiequellen verfügen.
Als einen ersten Schritt in Richtung auf eine stärkere Selbstversorgung
habe ich im Dezember 1975 das Gesetz über Energiepolitik und Energieeinsparung
unterzeichnet.

Ich sagte, daß dieses Gesetz, obwohl auf einigen Gebieten un_2
- 8 -

�unzulänglich, uns ein Werkzeug in die Hand gab, um uns unseren energiepolitischen Zielen näher zu bringen.

Nach diesem Schema darf der Erdölpreis

steigen, wenn dadurch die Versorgung aus inneramerikam'sehen Queller, gefördert und der Verbrauch eingeschränkt wird.

In vierzig Monaten kann ich dann

auf Grund des Gesetzes die Preiskontrollen alle aufheben, und ich werde die
Bestimmungen des Gesetzes so rasch wie möglich und im Einklang mit unseren
umfassenderen wirtschaftlichen Zielen nutzen, um zu einem freien Erdölmarkt
zurückzukehren.

Das Gesetz gibt eine gewisse Flexibilität, von der ich be-

reits Gebrauch gemacht habe, um Preiskontrollen und Zuteilungsvereinbarungen
auf solchen Brennstoffmärkten abzubauen, auf denen keinerlei Verknappungen
bestehen.

Das Gesetz schafft ferner eine nationale strategische Erdölreserve,

die unsere Energieversorgung sicherer machen und den Anreiz für andere Länder
verringern wird, ein Erdölembargo gegen uns zu verhängen.
Für unsere künftige Energieversorgung sind jedoch noch entscheidend
wichtige Maßnahmen zu verabschieden. Die Beseitigung der Kontrollen bei
Erdgas ist gegenwärtig die dringendste Energievorlage im Kongreß. Die Verknappungen nehmen von Jahr zu Jahr zu, während das Land auf weitere Anhörungen über Versorgung und Bedarf oder auf äußerst kostspielige, neue synthetische Gaswerke wartet, die die durch Preiskontrollen abgewürgte Erdgasgewinr.ung ersetzen sollen. Ich fordere den Kongreß dringend auf, die Beseitigung
der Kontrollen bei neuem Erdgas zu einer seiner ersten Aufgaben im Jahre 1976
zu machen. Das von mir vorgeschlagene Gesetz, das eine ausreichende Brennstoffversorgung für Kernkraftwerke sicherstellen soll, ist ebenfalls von entscheidender Wichtigkeit. Wenn wir unsere Energiesituation verbessern wollen,
sind diese Maßnahmen notwendig. Sie werden ebenfalls unsere Bemühungen verstärken, jede unnötige und schädliche staatliche Einmischung in die Wirtschaft
dort zu beseitigen, wo der Verbraucher durch die Marktkräfte ausreichend geschützt ist.

Vor einem Jahr habe ich erklärt: "1975 muß das Jahr werden, in dem wir
unseren wirtschaftlichen Problemen ins Auge sehen und den Weg zu echten Lö-

- 9 -

�Lösungen beginnen".

Ich bin mit dem von uns gemachten Anfang zufrieden.

Der

Weg ist lang, aber die Vorteile, die er für alle Amerikaner verheißt, sind
es wert, ihn zu beschreiten.

1976 muß ein Jahr werden, in dem wir unseren

Fortschritt in Richtung auf ein besseres Leben für alle Amerikaner fortsetzen.
•

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2/1976

DIE WELTWIRTSCHAFT 1976
- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -

Der Jahresbericht des Wirtschaftsbeirates
Präsident Fords befaßt sich in dem Kapitel
"Die Weltwirtschaft 1975" eingehend mit
den außenwirtschaftlichen Entwicklungen
des letzten Jahres. Wir bringen Ihnen im
folgenden aus diesem Kapitel die wesentlichen Teile zum Thema internationale
Währungsfragen:

Internationale Währungsfragen
Im Rahmen der umfassenderen internationalen Währungsverhandlungen haben
die Vereinigten Staaten und Frankreich während des Wirtschaftsgipfels Einvernehmen über einen gemeinsamen Standpunkt bezüglich einer Änderung der das
Wechselkurssystem betreffenden Statuten des Internationalen Währungsfonds
(IWF) erzielt. Dies hat im Januar 1976 eine Übereinstimmung im IWF-Interimsausschuß über das gesamte Änderungspaket für die IWF-Statuten erleichtert ...
Die Hauptpunkte dieses Paketes sind - neben der Änderung des die Wechselkurse
betreffenden IWF-Artikels - eine Erhöhung der Bestände des IWF an Sonderziehungsrechten um 33,6 Prozent auf 39 Milliarden, wie sie bei der sechsten
Quotenüberprüfung beschlossen worden war; die zurückgehende Bedeutung des
Goldes bei IWF-Transaktionen und bei sonstigen, auf Gold lautenden Absprachen

�Absprachen sowie die Errichtung eines Treuhandfonds zugunsten der ärmeren
IWF-Mi tgliedstaaten.
Die Übereinstimmung bei den wichtigen, im IWF bisher strittigen Fragen
trägt wesentlich dazu bei, sicherzustellen, daß die internationalen Finanzierungsvereinbarungen angesichts der anhaltenden großen Zahlungsbilanzüberschüsse der erdölexportierenden Länder ausreichen.

Wenn jetzt die wirt-

schaftliche Wiedererholung an Boden gewinnt, werden die laufenden Konten der
erdölimportierenden Länder als Gruppe stärker ins Defizit geraten.
Diese Entwicklung wird für einige Länder immer stärkere finanzielle Belastungen bringen und könnte zu einer Politik führen, die eventuell die Wieder
erholung zum Stillstand bringt oder in anderer Weise allen zum Schaden gereicht.

Es ist daher wichtig, für Sicherheiten zu sorgen, um zu verhindern,

daß unabwendbare finanzielle Schwierigkeiten durch eine international unangebrachte Politik noch vergrößert werden.

Daher kommt der kooperativen inter-

nationalen Haltung, die den im Januar 1976 erreichten Vereinbarungen zugrundeliegt, ganz besondere Bedeutung zu.
Die Übereinkunft über die Änderung der Weltwechselkursbestimmungen der
IWF-Statuten, die zuerst von den Vereinigten Staaten und Frankreich ausgearbeitet und später vom IWF-Interimausschuß angenommen worden war, erkennt an,
daß die jeweils bestehende wirtschaftliche und finanzielle Situation das Ausmaß der Wechsel kursstabilitat bestimmt, das möglich ist. Die teilnehmenden
Mitgliedstaaten erklären sich darin zu Bemühungen bereit, ihre Wirtschaftsund Finanzpolitik auf die Erreichung eines stetigen Wirtschaftswachstums bei
angemessener Preisstabilität abzustellen; sie erkennen an, daß normale wirtschaftliche und finanzielle Verhältnisse Voraussetzung für die Stabilität
sind; sie sind bereit, keine Manipulationen der Wechselkurse oder des internationalen Währungssystems vorzunehmen, um dadurch wirksame Zahlungsbilanzanpassungen zu verhindern oder sich einen unfairen Wettbewerbsvorteil zu verschaffen, und sie sind gewillt, eine Wechsel kurspolitik zu verfolgen, die mit
diesen Forderungen in Einklang steht ...
Die
- 2 -

�Die Revision der Statuten würde den IWF ermächtigen, bei Billigung durch
eine Mehrheit von 85 Prozent ein System von Wechselkursvereinbarungen zu
schaffen, das auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basiert, sobald die
internationalen wirtschaftlichen Bedingungen dies zulassen.

Praktisch könnte

ein solches System ohne die Zustimmung der Vereinigten Staaten nicht errichtet
werden, auf die nach den vorgeschlagenen neuen Quoten rund 20 Prozent der
Stimmen entfallen.

Was die Vereinigten Staaten anbetrifft, so wird es in

überschaubarer Zukunft für unwahrscheinlich gehalten, daß geeignete Bedingungen
für die Schaffung eines Paritätensystems oder die Festsetzung von Paritäten
und Bandbreiten gegeben sind, in denen sich der Dollarkurs bewegen müßte.

Die

Politik zielt darauf ab, stabile wirtschaftliche Bedingungen zu erreichen. Der
Fortschritt bei der Annäherung der unterschiedlichen Inflationsraten in den
verschiedenen Ländern ist langsam, und es läßt sich auch nicht sicherstellen,
daß der einmal erzielte Fortschritt von Dauer sein wird.

Schockwirkungen von

außen, denen die einzelnen Volkswirtschaften weiterhin ausgesetzt sind, fordern
ebenfalls ein beträchtliches Maß an Flexibilität des Währungssystems.

Die Interventionen der Zentralbanken werden sich auf das beschränken,
was notwendig ist, um unmäßigen Bedingungen oder ungewöhnlichen Fluktuationen
zu begegnen.

Jedes Land wird selbst darüber befinden, was eine ungewöhnliche

Fluktuation seines Wechselkurses ist.
Um das Erreichen eines international kooperativen Verhaltens auf dem Devisenmärkten zu erleichtern, n'st von französischer und von amerikanischer
Seite eine Verstärkung der Konsultationsvereinbarungen zwischen den Regierungen
und den Zentralbanken der großen Länder vorgeschlagen worden.

Mitglieder der

Zentralbanken werden täglich Informationen über die Devisenmärkte und über ihre
Interventionstätigkeit austauschen.

Vertreter der Finanzminister und der

Zentralbanken werden in kürzeren Zeitabständen die Wechselkursveränderungen
und die Interventionstätigkeiten überprüfen, und sowohl die zugrundeliegenden
wirtschaftlichen und finanztechnischen Bedingungen als auch die Auswirkungen
der Politik auf diese Bedingungen erörtern.

Auf Grund ihrer Vereinbarungen

wird es vielleicht zu häufigeren Interventionen als in der Vergangenheit kommen.
- 3 -

Wichtig
*

�Wichtig ist jedoch vor allem, daß Entscheidungen über Interventionen
auf den Devisenmärkten künftig auf besseren Informationen beruhen werden,
und daß sich auch ein wachsendes Verständnis dafür entwickeln wird, daß
ein Beeinflussen der Wechselkurse, nicht aber der Wirtschaft, zur Entwicklung eines Ungleichgewichts und damit zur Fehlleitung der Hilfsquellen führen
könnte ...
Die Goldvereinbarungen zeigen, daß das vereinbarte Ziel, die Rolle des
Goldes im internationalen Währungssystem abzubauen, allgemein akzeptiert
worden ist.

Darüber hinaus dürfte das Gold - im Zusammenhang mit dem vorge-

sehenen Verkauf eines Teils der IWF-Goldbestände zur Finanzierung des Treuhandfonds - ganz allmählich aus dem Währungssystem in private Hände übergehen.
Einige Beobachter haben behauptet, daß diese neuen Vereinbarungen zu
einer Neubewertung der offiziellen Goldbestände, etwa auf einen marktgerechten Preis, führen oder eine häufigere Verwendung von Gold für einen Ausgleich
zwischen den Zentralbanken fördern würde.
Es ist weiter gesagt worden, daß dies - zusammen mit dem Transfer von
IWF-Gold an die Mitgliedstaaten - dazu führen wird, daß die großen Länder
über höhere Goldbestände verfügen und damit auch über eine höhere Liquidität,
und daß dies möglicherweise dann den weltweiten inflationistischen Druck erhöhen und so die Möglichkeit verringern würde, daß weitere Zuteilungen von
IWF-Sonderziehungsrechten gebilligt werden.
Die Zentralbanken haben jedoch seit einiger Zeit die Möglichkeit gehabt,
ihre Goldbestände auf dem freien Markt zu verkaufen, oder diese Bestände zu
marktgerechten Preisen zu bewerten. Nur eine ausländische Zentralbank hat
tatsächlich ihre Goldbestände aufgewertet, und es liegt kein Hinweis dafür
vor, daß andere Zentralbanken dies ebenfalls zu tun beabsichtigen. Darüber
hinaus besteht auch kein Grund zu der Annahme, daß die Vereinbarungen zu beträchtlichen Goldtransaktionen zwischen den Währungsbehörden führen werden.
Tatsächlich sollten diese Vereinbarungen durch Aufhebung des offiziellen Gold-

�Goldpreises für den IWF, durch Verstärkung der Aussicht auf künftige Verkäufe
staatlicher Goldbestände auf dem freien Markt und durch die Festlegung vorübergehender Bestimmungen gegen eine Preisstützung vor einer weit verbreiteten
Neubewertung der offiziellen Goldbestände entmutigen und die mit Transaktionen
zwischen den Währungsbehörden verbundenen Risiken erhöhen.
Wenn die Bedeutung des Goldes für die internationalen staatlichen Transaktionen jetzt zurückgeht, so verringert sich auch die Gefahr, daß einige
Währungsbehörden den Goldpreis zu stabilisieren versuchen könnten. Außerdem
würden Währungsbehörden, die den Goldpreis - trotz der entgegengesetzten Vereinbarung zwischen den großen Ländern - zu stützen versuchen, feststellen, daß
sich ein solcher Versuch als außerordentlich kostspielig erweisen könnte, was
die für derartige Operationen erforderlichen Devisenguthaben anbetrifft. Die
Kosten würden umso höher sein, je kleiner die Zahl der Beteiligten ist.
Schließlich hat die Kreditausweitung auf der Welt während der letzten
Jahre es unwahrscheinlich werden lassen, daß neue IWF-Sonderziehungsrechte in
naher Zukunft ausgegeben werden.

Daher ist auch die Restitutionsbestimmung

von einigen Entwicklungsländern begrüßt worden, die 28 Prozent (ihr Quotenanteil) des zur Verteilung gelangenden Betrages erhalten werden.

Weiter ermög-

lichen die Goldvereinbarungen die Errichtung eines Treuhandfonds, der von entscheidender Bedeutung für die ärmsten Entwicklungsländer ist - vor allem
jetzt, wo die ölfazilität des IWF ausläuft.
Ferner wird eine große Zahl von Entwicklungsländern keinen nominellen
Beitrag zu dem Treuhandfonds leisten, dagegen jedoch den Gewinnanteil an den
IWF-Goldverkäufen direkt erhalten, der ihrem Quotenanteil im Treuhandfonds entspricht. Somit werden von den 25 Millionen Unzen IWF-Gold, die zum Verkauf
gelangen, die Gewinne, die auf etwa sechs bis sieben Millionen Unzen entfallen,
direkt an die Entwicklungsländer gehen und die Gewinne bei den restlichen 18
bis 19 Millionen Unzen werden dem Treuhandfonds zukommen ...
r

&gt;ie

- 5 -

�Die gegenwärtige finanzielle Lage der Entwicklungsländer, die über kein
Erdöl verfügen
Die Schwierigkeiten, die sich für die Entwicklungsländer bei der Anpassung an die höheren ölpreise ergeben, sind noch durch das Ausmaß der Rezession
vergrößert worden, zu der die Erhöhung der ülpreise selbst beigetragen hat.
Bisher konnte die Finanzierung der großen Zahlungsbilanzdefizite seit 1973
in den Entwicklungsländern, die über kein Erdöl verfügen, mit wesentlich geringeren Anspannungen bewerkstelligt werden, als ursprünglich befürchtet worden war ...

Das Gesamtdefizit bei Gütern und Dienstleistungen wird für diese

Entwicklungsländer für 1975 auf etwa 35 Milliarden Dollar veranschlagt.

Der

Gesamtfinanzierungsbedarf würde sich jedoch in einer Größenordnung zwischen 40
und 45 Milliarden Dollar bewegen, da noch die planmäßige Schuldentilgung hinzukommt.
Dieser Finanzierungsbedarf wurde zum Teil über staatliche Hilfe wie auch
über Finanzierungsmöglichkeiten gedeckt, die die IWF-Ölfazilitat bot. Bis
Mitte 1975 konnten die meisten Entwicklungsländer den Restbedarf ohne größere
Rückgriffe auf ihre Haupthilfsquellen abdecken. Die Reserven, die in den
Jahren 1972 bis 1973 durch die Rohstoffinflation wesentlich gestiegen waren,
und die normalen IWF-Ressourcen wurden nicht in erheblichem Maße angegriffen.
Neben der staatlichen Hilfe waren Bank- und Handelskredite die Hauptfinanzierungsquellen - ein Zeichen dafür, daß ein großer Teil dieser Länder nach
Ansicht privater Geldgeber weiter kreditwürdig war. Zahlreiche Entwicklungslänger bevorzugten Bankkredite, weil ein Rückgang ihrer eigenen Reserven oder
ihrer Reserven beim IWF ihre Kreditwürdigkeit hätte beeinträchtigen können.
1976 könnte sich die Gesamtposition der Entwicklungsländer, die über
kein eigenes Erdöl verfügen, erstmals verbessern.

Die Rezession hat dazu ge-

führt, daß die Außenbilanzen der Industriestaaten 1975 nach hohen Defiziten
wieder Überschüsse aufwiesen.

Und entsprechend diesen Veränderungen ver-

schlechterten sich die ZahlungsbilanzDositionen der Entwicklungsländer.

1976

sollte sich diese Entwicklung, wenn die Wiedererholung weiter voranschreitet,
zu einem Teil wieder ändern ...
Die

�Die Importe

(der nicht ölexportierenden Entwicklungsländer)

1976 wenig, wenn überhaupt irgendein, Wachstum zeigen.

dürften

Daher dürfte der Fi-

nanzierungsbedarf für dieses Jahr bei Güter- und Dienstleistungen eine Größenordnung von 30 bis 33 Milliarden Dollar, und bei Berücksichtigung der Schuldentilgung eine Größenordnung von 35 bis 40 Milliarden Dollar erreichen.

Private Stellen scheinen bereit zu sein, ihre Kredite an eine Reihe dieser Länder auszuweiten.

Obwohl ihre Schuldenlast seit 1973 nominell beträcht-

lich gestiegen ist, hat die Inflation eine Reduzierung ihrer realen Schuldenposition bewirkt.

Daher dürfte die Schuldenlast real nicht mehr zu weit ent-

fernt von dem Stand des Jahres 1972 liegen

Die Tatsache, daß Finanz-Katastrophen oder drastische Reduzierungen der
Entwicklungspläne und des Wirtschaftswachstums bei dem größeren Teil der Entwicklungsländer, die über kein Erdöl verfügen, bisher vermieden werden konnten,
bedeutet nicht, daß ihre Situation mit Gleichmut betrachtet werden kann.
finanzielle Position einiger Länder ist tatsächlich prekär.

Die

Es werden beträcht-

liche Mengen an staatlicher Hilfe benötigt, vor allem, weil ihre Probleme im
Laufe der Zeit noch schwieriger werden dürften.

Aber eine solche Hilfe sollte von der Annahme einer geeigneten Politik
abhängig gemacht werden, die es ermöglicht, das vorhandene Wachstumspotential
voll zum Tragen kommen zu lassen.

Für die anderen Länder sind die Aussichten

ermutigender, zum Teil auf Grund ihrer Natur- und Bodenschätze, zum Teil auf
Grund eines wirksameren Managements in der Binnenwirtschaft, oder auch aus anderen Gründen.

Für diese Länder dürfte die bereits eingeleitete Erhöhung der

staatlichen Finanzierungsmittel neben ihrem Zugang zu privaten Finanzierungsquellen ausreichen.

Es ist jedoch klar, daß gewährleistet sein muß, daß diese

Finanzierungsmöglichkeiten auch umgehend verfügbar sind.

Die erweiterte Fazilität des IWF besteht bereits.

Diese Fazilität bietet

im Zusammenhang mit Programmen, die auf größere strukturelle Änderungen abzielen, wesentlich liberalere Finanzierungsmöglichkeiten, als dies bei den regu- 7 -

�regulären IWF-Ressourcen der Fall ist - sowohl in bezug auf die verfügbaren
Kreditbeträge wie auch auf deren Fälligkeit.

Außerdem wird der Treuhandfonds

bereits Anfang dieses Jahres seine Tätigkeit aufnehmen;

das gleiche gilt

auch für die Liberalisierung der ausgleichenden Finanzierungs- und Lagerhaitungsfazilitäten des IWF ...
Diese Fazilitäten und der erweiterte Zugang zu den regulären Ressourcen
des IWF stellen eine wichtige Sicherheit in bezug auf Finanzierungsprobleme
dar, die sich 1976 ergeben könnten.

+ + + + +

�</text>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 04.02.1976</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Verteidigungsministeriums&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rumsfeld fordert höhere Verteidigungsausgaben -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Wirtschaftsbericht Präsident Fords&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Weltwirtschaft 1976&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Jahresbericht des US-Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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