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Dokumentation

Telex:08-85432

Nummer

24

3. Dezember 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Enders ruft zur Zusammenarbeit der Erdöl Verbraucherländer auf
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November
in London-

HINTERGRUNDMATERIAL:

Wieviel Sorgen muß man sich Uni New York machen?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank
November 75)

INFORMATION:

Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1976/77

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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24/1975

ENDERS RUFT ZUR ZUSAMMENARBEIT DER ERDÖLVERBRAUCHERLÄNDER AUF
-Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November in London-

LONDON --(AD)-- Die Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) hat nach
Ansicht des Unterstaatssekretä'rs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen
Außenministerium, Thomas 0. Enders, bereits Kräfte in Gang gesetzt, die sie
der Möglichkeit berauben werden, die Erdölpreise einseitig festzusetzen.
Historisch gesehen, so meinte Enders, habe die OPEC bereits den Höhepunkt
ihrer Macht überschritten. Trotzdem werde die OPEC wahrscheinlich noch bis
Ende dieses Jahrzehnts maßgeblichen Einfluß auf die Festsetzung der Erdölpreise ausüben können, und dies mache eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die Enders am 21. November auf
einem Erdölseminar in London gehalten hat, haben folgenden Wortlaut:
Drei Phänomene bestimmen maßgeblich den Ausblick für die Erdöl politik:
Erstens, die Erdöl Produzenten werden wahrscheinlich auch während der
restlichen Jahre dieses Jahrzehnts über die Macht verfügen, die Erdölpreise
einseitig festzusetzen, obwohl ihre Position in den achtziger Jahren dann
weit weniger gefestigt sein wird.
Zweitens,

�Zweitens, der Prozeß der Zusammenarbeit der Verbraucher auf dem Energiesektor ist bei den endgültigen Verhandlungen über das langfristige Programm
der Internationalen Energieagentur unumgänglich geworden.
Drittens, angesichts des bevorstehenden Beginns des Nord-S'üd-Dialogs
müssen Verbraucher und Erzeuger jetzt weit gründlicher prüfen, wie sie ihre
beiderseitigen Interessen im Laufe der Zeit miteinander in Einklang bringen
können...
Die Rezession hat sich auf den Energiebedarf ausgewirkt und ihn weit
unter den Stand gesenkt, der dem historischen Wachstumstrend entsprechen würde... In den letzten zwei Jahren ist er zurückgegangen. Das Wiederaufleben
des Wirtschaftswachstums im OECD-Raum wird eine Steigerung der Wachstumsrate
des Energieverbrauchs bewirken... Nach unseren

Schätzungen wird die jährliche

Wachstumsrate des Energieverbrauchs in den Jahren von 1973 bis 1980 jeweils
zwischen 2,3 bis 2,5 Prozent liegen... Ich muß jedoch hinzufügen, daß diese
geringere Zunahme des Energiebedarfs zum Teil auf die niedrigere Rate des
Wirtschaftswachstums, die auch ohne das ölproblem zu erwarten gewesen wäre,
zurückzuführen ist.
In den Jahren von 1975 bis 1980 dürfte die eigene
OECD-Länder um jährlich rund 5 Prozent zunehmen... Der
gewachstums und die Zunahme der Eigenversorgung werden
den Bedarf der OECD-Länder an Importöl auswirken. Nach

Energieerzeugung der
Rückgang des Nachfrasich natürlich auf
unseren Vorausschätzun-

gen wird der Bedarf der OECD-Länder in den Jahren 1975 bis 1980 mit rund
27 Millionen Barrel pro Tag nahezu unverändert bleiben, d.h. um noch nicht
eine Million Barrel pro Tag oder jährlich etwa 1 Prozent zunehmen. Fast alle
unabhängigen Schätzungen des gesamten Weltbedarfs an OPEC-Öl sprechen von
einem etwas geringeren Wachstum in der Zeit von 1975 bis 1980. Die von mir erwähnte Schätzung ist vielleicht optimistischer als die meisten anderen, aber
die Ergebnisse lauten alle ähnlich.

�&gt;-

Aber dies löst weder die langfristigen noch die kurzfristigen Probleme.
Es verhindert lediglich, daß sie noch kritischer werden. Wir werden auch weiterhin noch große Mengen an OPEC-Öl importieren müssen. Aber unsere Anfälligkeit gegenüber Manipulationen des ölpreises und der ölbelieferung seitens
der OPEC wird abnehmen, doch wird sie für den größten Teil dieses Zeitraumes
oder sogar die gesamte Zeit noch über unserer Toleranzgrenze bleiben...

Aber selbst wenn die OPEC-Importe schnell wachsen würden, so wird der
gemeinsame Nettoüberschuß in den laufenden Konten im nächsten Jahr noch zunehmen, bevor er dann allmählich zurückgeht.
Im Jahre 1980 wird die OPEC als ganzes einen großen Überschuß in den
laufenden Konten haben, auch wenn er dann niedriger als 1974 und 1975 sein
dürfte, und er wird weitgehend auf die arabischsprechenden Erzeugerländer
am Golf beschränkt bleiben. Die meisten OPEC-Länder werden im Defizit sein,
das durch dei Abzug
on Geld aus den angehäuften Guthaben und den Krediten
finanziert wird. Etwa von 1980 an wird sich das Bild dann ändern, was entscheidend von den Erträgen aus den Grenzgebieten der Vereinigten Staaten, dem
neuen Gebiet im Nordteil Alaskas und dem Äußeren Kontinentalsockel wie auch
den kumulativen Auswirkungen der Sparprogramme der Verbraucherländer abhängen wird. Das Ausmaß der erfolgreichen Ausweitung der Atomenergiegewinnung
wird ebenfalls von Bedeutung, aber nicht so fühlbar sein. Sollten die Erträge
aus dem neuen Gebiet im Norden Alaskas und aus dem Äußeren Kontinentalsockel
die erwarteten 3 bis 4 Millionen Barrel pro Tag erbringen, dann bestehen gute
Aussichten, daß die Nachfrage nach OPEC-Öl soweit gesenkt werden kann, daß
das Kartell nicht mehr lebensfähig ist, es sei denn, die Kernenergiegewinnung
bleibt noch weit hinter den pessimistischsten Voraussagen zurück.
Sollten die neuen amerikanischen Grenzgebiete sich nicht auszahlen - und
wir werden das erst in einigen Jahren wissen -, dann würde der OPEC-Markt abhängig sein von dem Erfolg oder dem Fehl schlag der Einsparungsbemühungen innerhalb der Verbraucherländer. Sind diese Bemühungen nicht nachdrücklich genug,
dann ist damit zu rechnen, daß der Markt sich weiterhin auf dem derzeitigen
- 3 -

�derzeitigen Stand hält, wobei allerdings die meisten der Erdölförderlander
dann Zahlungsbilanzdefizite aufweisen und sich einem wachsenden, aber viel leicht doch nicht entscheidenden Druck von innen ausgesetzt sehen werden.

Sind die Einsparungsbemühungen jedoch stark genug, dann können sie das
Kartell in den achtziger Jahren aushöhlen. Wenn wir sowohl hohe Erträge aus
den amerikanischen Grenzgebieten und nachdrückliche Einsparungsbemühungen
haben, dann wird es unmöglich sein, das Kartell weiter aufrechtzuerhalten.
Diese Aussicht, daß die Erdöl Produzenten wenigstens noch weitere fünf
Jahre, möglicherweise aber auch noch viel länger, eine beherrschende Rolle
auf dem Erdölmarkt spielen werden, macht eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer unumgänglich. Die wohl nachhaltigste Reaktion der Verbraucherländer
auf ihre Abhängigkeit wird durch die hohen Energiepreise und deren Einfluß
auf Verbrauch und Investitionen ausgelöst. In jedem der Verbraucherländer
haben der hohe Preis für Elektrizität und Gas den Energieverbrauch in den
Haushaltungen zurückgehen lassen.
-

Einsparungen von 10 Prozent und sogar noch mehr sind in der Industrie
ohne neue Investitionen normal. Obwohl der Benzinverbrauch, trotz starker
Preiserhöhungen, so hoch ist wie zuvor, hat sich bei der Nachfrage nach
neuen Kraftfahrzeugen - in den Vereinigten Staaten und in geringerem Maße
auch in anderen Ländern - eine Wende hin zu sparsameren Wagen bemerkbar gemacht. Oberall dort, wo der Marktpreis dies zuläßt, werden erhebliche neue
Investitionen auf dem Energiesektor vorgenommen.
Aber eine notwendige und wichtige Voraussetzung für eine geringere Abhängigkeit ist auch eine Binnenwirtschaftspolitik zur Stützung des Marktes
oder seiner Funktionsfähigkeit. Das vom Vermittlungsausschuß des Repräsentantenhauses und des Senats verabschiedete Energiegesetz enthält Bestimmungen
bezüglich des Erdölpreises in den nächsten 40 Monaten, die für die Regierung enttäuschend sind. Obwohl jedoch die in dem Gesetz gegebenen Anreize

- 4 -

�Anreize zur Förderung sowie zur Senkung des Verbrauchs in dieser Zeit wenig
wirksam sind, so würden sie sich künftig nachhaltig auf die Energieposition
der USA in den achtziger Jahrer auswirken. Aufgrund seiner Pestimmungen würde
sich seine Wirkung auf die Abhängigkeit als Folge der vollen Herausnahme des
Erdöls aus den Kontrollen und der Einführung von Wirtschaftlichkeitsnormen
für Kraftfahrzeuge und Geräte auf über 4 Millionen Barrel pro Tag bis 1985
erhöhen. Vergleichbare aber nachhaltigere Programme sind bereits in Großbritannien, Frankreich, der Bundesrepublik Deutschland und einigen anderen
Industriestaaten in Kraft.
Schließlich fällt

er Zusammenarbeit zwischen den Verbrauchern noch eine

wichtige Rolle zu.
Erstens, jedes der Verbraucherländer steht vor der schwierigen Aufgabe,
das zur Verringerung seiner Abhängigkeit von importierter Energie erforderliche Kapital so gering wie möglich zu halten. Die neue Energieinvestitionsbehörde mit ihren vorgeschlagenen 100 Milliarden Dollar Kapital soll die Vereinigten Staaten bei dieser Aufgabe unterstüt7en. Aber die Verbraucherländer
können sich gegenseitig helfen, indem sie es Ländern mit viel Kapital, aber
geringen Energiequellen ermöglichen, Investitionen in Großproiekten anderer
Verbraucherländer vorzunehmen. Um attraktiv zu sein, müssen solche Projekte
ausländischen Investoren Zugang zu einem Teil des Gewinns bieten. Das langfristige Programm der Internationalen Energieagentur (IEA) setzt einen Rahmen,
in dem Abzugsgarantien ausgehandelt werden können. Die Vereinigten Staaten
werden, wo immer möglich, solche Garantien für gemeinsame Großprojekte geben,
die die Energieversorgung über das sonst verfügbare Maß hinaus steigern.

Auf manchen Gebieten setzen Umweltschutzerwägungen und andere Einwände
derartigen Projekten gewisse Grenzen, aber auf anderen, wie beispielsweise
der Kohleförderung, bieten sich gute Aussichten.
Zweitens, die Verbraucherländer können gemeinsam handeln, um dafür
sorgen, daß verfügbare Chancen der Energieerschließung auch tatsächlich

- 5 -

zu

�tatsächlich genutzt werden. Dabei müssen derartige Projekte gegen das Risiko einer Preismanipulation durch die OPEC-Länder oder einer Rückkehr zur
freien Konkurrenz auf dem internationalen ölmarkt abgesichert werden. Das
Langzeitprogramm der IEA sieht vor, daß jedes Mitgliedsland dafür sorgt, daß
Importöl innerhalb der eigenen Volkswirtschaft nicht unter einem bestimmten
Mindestpreis verkauft wird. Die IEA-Mitglieder werden diesen Mindestpreis
wahrscheinlich einige Dollar unter dem derzeitigen Marktpreis, jedoch wesentlich über dem "historischen" Preisniveau festlegen.
Drittens, die Verbraucherländer können ihre Energieentwicklung beschleunigen, indem sie sicherstellen, daß jede neue Technologie auf diesem Gebiet
sofort in der ganzen industrialisierten Welt eingeführt wird. Das ist der
Zweck der beispielhaften Richtlinien, die die IEA für geistigen Besitz auf
dem Gebiet der Energie vorgeschlagen hat. Nach diesen Richtlinien hätte jedes
IEA-Mitgliedsland das Recht, nach vereinbarten, fairen Bedingungen neue Energietechnologie, die aus kooperativen Projekten oder Programmen von IEA-Mitgliedern entstanden ist, unter Lizenz zu verwerten, selbst wenn das Land
nicht an dem Projekt oder Programm beteiligt war. Dieses Konzept muß jetzt
auf alle neuei Energietechnologien ausgedehnt werden, die im IEA-Gebiet entwickelt werden.

Viertens, die Verbraucherländer können ihre Bestrebungen nach Unverwundbarkeit auf dem Energiesektor durch Zusammenarbeit in Forschung und Entwicklung verstärken. Das Langzeitprogramm der IEA sieht dabei vier Ebenen der Zusammenarbeit vor:
-- Informationsaustausch auf allen wichtigen Gebieten der Forschung und
Entwicklung (10 Sektoren sind bereits vorgesehen und gegenwärtig werden sechs
weitere hinzugefügt), um sicherzustellen, daß allen IEA-Ländern die technologischen Grundkonzeptionen zur Verfügung stehen;
— gegen- 6 -

�-- gegenseitige Unterstützung in der Entwicklung'nationaler Forschungsund Entwicklungsstrategien, um jedem Land die optimale Nutzung seiner natürlichen Hilfsquellen zu ermöglichen;
-- schrittweise Entwicklung einer gemeinsamen IEA-Forschungs-und Entwicklungsstrategie, um Überschneidungen zu vermeiden und alle Möglichkeiten
auszuschöpfen;
&gt; ••
• '
-- Entwicklung großangelegter kooperativer Projekte, vor allem bei
Technologien mit langer Entwicklungszeit, die sich kein IEA-Mitglied allein
leisten könnte.
Zusammengenommen stellen diese Elemente des IEA-Langzeitprogramms den
ersten Schritt zu einem einheitlichen Energiemarkt dar. Sie sind keineswegs
mit der gemeinsamen Politik unvereinbar, die die Europäische Gemeinschaft
entwickelt hat, sondern würden diese sogar unterstützen. Die gegenwärtige
Frist für die Annahme des Langzeitprogrammes ist der 1. Dezember . Ich bin
sicher, daß die IEA-Mitglieder das ganze Programm annehmen,werden, wenn
vielleicht auch nicht zu dem gesetzten Datum, so doch bis Ende des Jahres.
Mit der Einführung des Langzeitprogrammes wird die Zusammenarbeit der
Verbraucher unwiderruflich. Es wird nicht nur der gegenseitige Austausch
von Investitionen, Handel und Technologien auf dem Energiesektor unter den
IEA-Mitgliedern wesentlich zunehmen, sondern sie werden auch herausfinden,
daß die objektiven Verhältnisse ihrer gemeinsamen Verwundbarkeit durch die
ölexportierenden Länder sie zu engerer politischer Zusammenarbeit bewegen.
Wenn die Verbraucherländer jedes Jahr vor eirveitigen Erhöhungen der Ölpresse stehen - ob mit der Begründung der Konsolidierung früherer OPEC-Gewinne
gegen Inflation oder als Mittel zur Erreichung neuer Gewinne -, dann werden
sie einfach gezwungen sein, eine gemeinsame politische Haltung gegenüber den
Erzeugerländern zu entwickeln. In dieser Hinsicht ist die von den sechs
Staats-und Regierungschefs in Rambouillet an den Tag gelegte Haltung von
Bedeutung. Sie bekräftigten alle, daß es in ihrem gemeinsamen Interesse

- 7-

�Interesse liege, zur Verringerung der Abhängigkeit von importiertem öl und
zur Schaffung ausgewogenerer Bedingungen auf dem Weltenergiemarkt zusammenzuarbeiten.
1

Wie auf allen Märkten so laufen sich bei den ölpreisen die Interessen von
Erzeugern und Verbrauchern zuwider; sie ergänzen sich jedoch in fast allen anderen Phasen des Erdölaustausches.
Um ihren neuerworbenen Reichtum realisieren zu können, müssen die ölerzeuger ihre Wirtschaftssysteme so schnell wie möglich mit denen der Verbraucher
integrieren:
-- Um ihre Bargeldmittel in Waren und Gütern anlegen zu können, sind die
OPEC-Länder auf die OECD angewiesen; heute schon stellen die OPEC-Länder den
am raschesten wachsenden Markt für die OECD-Exporte dar.
— Um hiermit eine neue, nicht auf der Basis des Öls arbeitende Industrie
aufzubauen, brauchen die OPEC-Länder das technische und unternehmerische Können der Verbraucherländer; dieses besondere technische Können wird von den ölexporteuren in weitestem Umfange erworben und dies kommt wiederum den Verbraucherländern zugute.
— Um den Bestand und die Zukunft ihrer neuen, nicht auf der ölbasis arbeitenden Industrien zu sichern, werden die OPEC-Länder neue Märkte brauchen;
dies aber wird neue stabile Handelssysteme und den Abschluß kommerzieller Vereinbarungen erfordern, wie sie bisher noch nicht bestehen.
-- Um einen kontinuierlichen Absatz in einem statischen globalen ölmarkt
zu gewährleisten, wird jeder öl Produzent an bilateralen Lieferabkommen mit
seinen Hauptabnehmern interessiert sein; auch die Verbraucherländer werden daran interessiert sein, um auf diese Weise die Anfälligkeit ihrer Bedarfsdeckung zu verringern.
— Um

- 8 -

�-- Um günstige Investitionsmöglichkeiten für ihre Überschußmittel zu
haben, werden die ölexporteure einen Zugang zu den Kapitalmärkten der Verbraucherländer benötigen; dies wird ebenfalls den Interessen der OECD entgegenkommen.

Das Hauptanliegen des Energie-Dialogs muß es sein, herauszufinden, wie
sich diese gemeinsamen Interessen im einzelnen realisieren lassen. Aber der
Dialog wird ohne Erfolg bleiben, wenn er nicht zugleich das Preisproblem anpackt.
Die Produzenten werden ihrerseits bestrebt sein, mit den Verbrauchern
zu einem übereinkommen zu gelangen, das ihner zumindest

;ewähr gibt, daß

ihr derzeitiges Realeinkommen nicht ausgehöhlt wird. Die Idee einer ölpreisindexierung ist als eine mögliche Basis für Verbraucher-Erzeugerverhandlungen bereits in diesem Zusammenhang zur Sprache gebracht worden.

Viele Verbraucher sehen in diesem Indexierungs-Vorschlag eine an sie
gerichtete Aufforderung, das derzeitige Preisniveau legitim zu machen und
dem Kartell zu helfen, es durchzusetzen. Viele fürchten auch, daß sich diese Konzeption der Indexierung - sobald sie einmal auf dem Markt für ein
Grunderzeugnis eingeführt ist - weiter ausbreiten werde.
Die Verbraucher ihrerseits sind an einer Senkung und einem Einfrieren
der Preise sowie an einer Wiederherstellung des Marktes interessiert oder
aber an anderen Mitteln und Wegen, wie sie an der Preisfestsetzung mitwirken
können. Dies - so glauben jedoch die Erzeuger - würde sie ihrer historisch
rechtmäßigen Gewinne berauben.

Es ist oft gesagt worden, daß Verhandlungen

zwischen Erzeugern und Verbrauchern über den Preis eine Unmöglichkeit sind,
denn:
-- in den ersten Jahren verfügen die Erzeuger über die gesamte Macht
auf den Märkten und wünschen diese einseitig auszuüben, während die Verbraucher befürchten, langfristige Abkommen einzugehen zu einer Zeit, da sie

- 9 -

�sie sich in einer schwachen Verhandlungsposition befinden;
-- in späteren Jahren aber nimmt die Stärke der Verhandlungsposition
bei den Erzeugern in dem Maße ab, wie ihre Importe steigen und ihre ölexporte stagnieren oder zurückgehen; hierauf warten die Verbraucher

um ihre

wieder wachsende Stärke auf den Märkten ins Spiel zu bringen;
-- es wird immer ungewiß bleiben, wann die Marktkräfte sich verschieben
und inwieweit sie beide Seiten abhalten werden, sich festzulegen.

Das könnte durchaus zutreffen. Aber wenn es so ist, dann besteht eindeutig die Gefahr, daß beide Seiten am Ende verlieren:
-- Die Erzeuger könnten den Preis für Rohöl so hoch treiben, daß dadurch der Wille geweckt wird, Investitionen zur Erschließung anderer Energiequellen in einem Ausmaß vorzunehmen, das weit über das für eine Wiederherstellung der ölmarktkonditionen Erforderliche hinausgeht - meiner Ansicht
nach hat der derzeitige öl preis eine solche Höhe bereits erreicht.
-- Massive Investitionen in den Verbraucherländern werden, sobald sie
sich in den kommenden Jahren auszuwirken heqinnen, zu einer erheblichen Verengung des Marktes für die OPEC-Länd- führen unc| höchstwahrscheinlich
auch zu einem niedrigeren Preis - und sie werden die Industrieländer an eine
teure Energie binden. Erfolg oder Mißerfolg des Energiedialogs sind nicht
nur für die Interessen der Industrie-oder ölerzeugerlander so außerordentlich bedeutsam, sondern auch für den Dialog als Ganzes. Die Wachstumsaussichten der nicht-ölerzeugenden Entwicklungsländer im Verlauf der nächsten fünf
Jahre hängen ganz entscheidend von der Entwicklung der ölpreise ab. Und bei
einem Prozeß, bei dem jeder Sektor mit jedem anderen in Verbindung steht,
muß die Energie nahezu zwangsläufig zu der treibenden Kraft in dem Gesamtdialog werden.
Die

�Die OPEC-Länder haben im letzten Jahr eine beachtliche Stärke gezeigt,
indem sie die Rivalitäten unter ihrer Führungsspitze zum Schweigen brachten,
die Talsohle der Rezession ohne nennenswerte Preiseinbrüche durchschritten
und eine beachtliche Preiserhöhung durch Angleichung der unterschiedlichen Interessen ihrer Mitglieder aushandelten.
Historisch gesehen hat die OPEC wahrscheinlich den Höhepunkt ihrer Macht
überschritten. Ein weiter Rahmen für die Anwendung der ölwaffe bleibt. Aber
der unerbittliche Anstieg der Importe der OPEC-Länder schränkt ihn ein; die
politischen Verhandlungen im Nahen Osten nehmen ihm Schritt um Schritt seine
logische Grundlage; das IEA-Abkommen über einen ülausgleich und die öleinlagerung seitens der Verbraucher schafft einen Schutzwall gegen diese Waffe.
Die OPEC wird sich wahrscheinlich für den Rest dieses Jahrzehnts und
vielleicht noch darüber hinaus ihre dominierende Stellung bei der Gestaltung
der ölpreise erhalten können. Aber sie hat bereits Kettenreaktionen in Gang
gesetzt, die ihr im Laufe der Zeit dieses Monopol zwangsläufig nehmen werden.
Die meisten Einsparungsprogramme, und bestimmt die vom amerikanischen Kongreß
beschlossenen, sind schwanzlastig, d.h., sie werden ihre stärkste Wirkung
ziemlich spät und nicht zu Beginn haben, aber diese Wirkung wird in den
achtziger Jahren recht nachhaltig sein.
Die Wirkung alternativer Energiequellen setzt ebenfalls nur langsam ein,
aber sie wird gewaltig sein. Und schließlich war die politische Zusammenarbeit
der Verbraucher anfangs nur zögernd; aber sie hat mit jeder erneuten Zurschaustellung der Macht der Erzeuger zugenommen. Das IEA-Programm gibt uns
bereits eine Basis für einen einheitlichen Energiemarkt der Verbraucher. Wenn
wir jetzt in eine Zeit potentieller Verhandlungen eintreten, dürfte der Verhandlungsprozeß diese

Basis weiter stärken. Die Stärke oder die Schwäche

unseres Willens, Geschick oder Ungeschicklichkeit unserer politischen Führung
können diese Entwicklung beschleunigen oder verzögern; sie können ihre Richtung wahrscheinlich kaum wesentlich ändern.
Zu

- 11 -

�Zu irgendeinem Zeitpunkt werden die beiden Kurven sich wahrscheinlich
treffen, nämlich dort, wo beide Parteien wichtige Fortschritte erzielen müssen. Es ist nicht klar, ob wir bereits an diesem Punkt angelangt sind. Aber
Zweck und erste Aufgabe des Dialogs sollte es sein, eingehend zu untersuchen,
wo sich für die Verhandlungen günstige Bedingungen feststellen lassen. Auf
diese Weise können Erzeuger und Verbraucher mit der Festsetzung von Zielen
beginnen, entsprechend der Beurteilung ihrer jeweiligen Stärke.

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24/1975
WIEVIEL SORGEN MUSS MAN SICH UM NEW YORK MACHEN?
(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank November 75)
(c) Copyright 1975 by First National City Bank

Die Möglichkeit eines Konkurses der Stadt New York hat Warnungen vor einer
wirtschaftlichen und finanziellen Katastrophe ausgelöst, die ohne Zweifel übertrieben sind.

Wenn auch niemand mit Sicherheit voraussagen kann, was tatsäch-

lich geschehen wird, so lehrt doch die Geschichte, daß schwere wirtschaftliche
und finanzielle Katastrophen selten - wenn überhaupt je - durch umsichgreifende Gerüchte und Diskussionen in der Öffentlichkeit angekündigt werden. Im Gegenteil, solche unbestimmten, allgemeinen Voraussagen unmittelbar bevorstehender Katastrophen haben sich in der Vergangenheit selten bewahrheitet...
Die Erfahrung spricht gegen diese Domino-Theorie:
-- So wuchs durch den Zusammenbruch der Herstatt-Bank in der Bundesrepublik Deutschland und der Franklin National Bank in den Vereinigten Staaten im
Jahre 1974 die Furcht vor massiven Konkursen der Banken. Doch es gelang, die
Probleme in den Griff zu bekommen...
-- Beim Bankrott der Penn Central im Jahre 1970 - mitten in einer wirtschaftlichen Rezession - ertönte lautes Angstgeschrei, daß der Wertpapiermarkt unmittelbar vor seinem Zusammenbruch stehe. Diese Gefahr wurde durch
Zusicherungen der amerikanischen Bundesbank ausgeschaltet, daß die Banken

- 1 -

�Banken und das Finanzsystem unterstützt werden würden...
Für gewöhnlich arbeitet jede Volkswirtschaft mit einem umfassenden System
von Stabilisierungselementen und "Stoßdämpfern", das die meisten Erschütterungen und Belastungen abfängt. Doch kann ein Wirtschaftssystem gelegentlich auch
so entnervt werden - und zwar vor allem durch eine perverse und die Stabilität schwer erschütternde Geld-und Finanzpolitik - daß seine normale Immunität
weitgehend verloren geht. In einem solchen Falle wird die Wirtschaft anfällig
für einen progressiven, von sich aus sich selbst fortzeugenden Zusammenbruch.
Solche Verhältnisse gab es in den dreißiger Jahren. Jedoch kann man die heutige wirtschaftliche und finanzielle Situation wohl kaum mit der vor vierzig
Jahren vergleichen.
Während der vergangenen zwei Jahrhunderte haben die freien Märkte in
Europa und Nordamerika durch Anpassung von Angebot und Nachfrage als Hauptstoßdämpfer gedient. In den letzten Jahrzehnten jedoch - vor allem seit der
großen Depression - sind die das Gleichgewicht herstellenden Kräfte auf dem
Markt durch staatliche Stabilisierungselemente verstärkt worden. Dazu zählen
die sogenannten automatischen fiskalischen Stabilisierungskräfte - beispielsweise der steile Abfall bei den Einkommenssteuereinnahmen während einer Rezession und dem damit zusammenhängenden Anstieg der Zahlungen für Arbeitslosenunterstützung.
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind die Regierungen und Zentralbanken weitaus
klüger und umsichtiger in bezug auf die Geldpolitik geworden als in den dreißiger Jahren. Niemand kann garantieren, daß eine Insolvenz nicht große, kumulative Störungen hervorrufen könnte. Aber die Wahrscheinlichkeit einer Kettenreaktion, die zu einem Zusammenbruch führt, erscheint doch gering und bestimmt
weitaus geringer als im Sommer 1974, als die Finanzmärkte übermäßig angespannt waren und die Rezession um sich zu greifen begann.
Niemand bestreitet, daß es eine Vielzahl örtlich begrenzter Störungen gab.
Die meisten dürften jedoch vorübergehender Natur gewesen sein. Und die meisten

�'

meisten der schmerzlichen, örtlich begrenzten Folgen sind unvermeidlich
- sei es bei einer Zahlungseinstellung oder auch bei den sehr harten Bedingungen bei einem Kredit oder einer Bürgschaft des Staates.
Viele Leute sind beunruhigt, daß ein Konkurs der Stadt New York ein
Austrocknen der Mittel für andere Städte zur Folge haben könnte. Da der Markt
gegenwärtig eine Reihe von Bundesstaaten und Kommunal Verwaltungen einer
skeptischen Oberprüfung unterzieht und einige von ihnen im Augenblick praktisch vom Handel ausgeschlossen bleiben, erbringen Kommunal Schuldverschreibungen im Schnitt nicht so hohe Erträge wie andere Schuldscheine...
Im allgemeinen wird heute vergessen, daß es über eineinviertel Jahrhundert lang immer wieder Wellen von Insolvenzen bei Einzel Staaten und KommunalVerwaltungen gegeben hat - grob gesehen eine in jeder Generation. Die letzte
derartige Welle war in den dreißiger Jahren zu verzeichnen. Auf die zahlungsunfähig gewordenen Kommunal Verwaltungen entfielen damals sogar 10 bis 20 Prozent der insgesamt im ganzen Land anstehenden kommunalen Verschuldung. Der
Schaden blieb weitgehend auf die Städte beschränkt, die sich bereits in finanziellen Schwierigkeiten befanden. Gesunde Verwaltungen waren im allgemeinen
weiter solvent.
Es steht außer Zweifel, daß ein Konkurs der Stadt New York für die Inhaber von Schuldverschreibungen zu einem Ausfall ihrer Zinseinnahmen und zu
einer Besitzminderung führen würde. Für zahlreiche städtische Bedienstete würde ein solcher Konkurs schwere wirtschaftliche Härten zur Folge haben und die
Vertragsfirmen der Stadt müßten auf ihr Geld warten.
Einige Volkswirtschaftler haben verallgemeinert, daß die örtlichen Auswirkungen einen Ausgaben-und Beschäftigtenrückgang im gesamten Land zur Folge
haben würden. Aber derartige Voraussagen, selbst wenn sie das Ergebnis sorgfältiger Computer-Berechnungen sind, bleiben nichts weiter als Vermutungen.
Da man von den Erfahrungen der letzten 30 Jahre ausgehen mußte - einer Zeit,
in der es keine Insolvenzen großer Kommunen gab - mußten die Modelle manipu-

- 3 -

�manipuliert werden, um zu der Annahme einer Lähmung des Marktes für Schuldverschreibungen und eines scharfen Rückgangs der kommunalen und staatlichen Ausgaben zu gelangen - ein Verfahren also, das die Voraussage gleich von vorneherein festlegt.
Der These, daß ein Konkurs eine Kettenreaktion auf den Finanzmärkten
auslösen würde, liegt die Befürchtung zugrunde, daß es zu einem allgemeinen
Abzug von Geldern von solchen Banken kommen würde, die hohe Beträge an
Schuldverschreibungen des Staates New York, der Stadt New York sowie anderer
großer Städte und Verwaltungen in diesem Staate halten.

Diese Möglichkeit

dürfte jedoch äußerst abwegig sein, zumal die Bundesbank erst kürzlich Zusicherungen angeboten hat, de" sie die Einleger schützen und die Bankenliquidität aufrechterhalten würde.
Darüber hinaus haben drei

Bundesaufsichtsbehörden für Banken die An-

fälligkeit des Bankensystems einer genauen Prüfung unterzogen. Der Comptroller of the Currency and Supervisor of Federally Chartered Banks (entspricht
etwa dem Präsidenten des Bundesaufsichtsamtes für Banken), James E. Smith,
erklärte am 18. Oktober

bei einer Anhörung vor dem Senatsausschuß für das

Bankwesen: "Es liegt auf der Hand, daß niemand etwas endgültiges über die
Auswir! ungen eines Bankrotts der Stadt New York sagen kann. Wenn die Wertminderung über kurze Fristen hinaus im wesentlichen auf die Obligationen der
Stadt New York begrenzt werden kann, dann dürfte die Auswirkung auf das nationale Bankensystem zwar lästig und unangenehm, aber ohne ernste Erschütterungen des Bankensystems zu bewältigen sein".
Der Vizepräsident der amerikanischen Bundesbank, George W. Mitchell,
berichtete, daß eine Untersuchung der Bundesbank ergab, daß nur wenige Banken
im Falle eines Konkurses der Stadt New York mit größeren Kapitalverlusten
zu rechnen hätten, und daß es sich bei den meisten von ihnen nur um kleinere
Finanzinstitute handele. "Es scheint daher nicht so, daß sehr viel Kapital
in Gefahr ist", so erklärte er, "zumindest nicht bei den Landesbanken".
Mitchell

�Mitchell wies noch auf einen weiteren wesentlichen Punkt hin, der meist
übersehen worden ist: Die Einzelstaaten und die Gemeinden, die vor allem
während der großen Depression zum Bankrott gezwungen wurden, haben niemals
die Anerkennung ihrer Schulden verweigert.
"Diese Tatsache läßt sich einwandfrei durch die Erfahrung während der
Depression der dreißiger Jahre belegen, als annähernd 4 800 einzelstaatliche
und kommunale Stellen - von über 150 000 insgesamt - ihre Zahlungsunfähigkeit
erklären mußten, darunter 48 Städte mit einer Bevölkerung von 25 000 und darüber... Und doch konnten bis 1938 alle 48 Städte aus dem Konkurs herauskommen
und bis 1945 hatten praktisch alle der genannten Stellen, soweit sie von
einiger Bedeutung waren, eine Regelung ihrer Schuldenprobleme gefunden. Der
Verlust an Kapital und Zinsen aus angemeldeten Konkursen während der großen
Depression wird in einer Studie des Nationalen Büros für Wirtschaftsforschung
auf insgesamt nur 100 Millionen Dollar geschätzt, d.h. auf ein halbes Prozent
der durchschnittlichen Verschuldung von Einzelstaaten und Kommunen in diesem
Zeitraum".
Der Aufsichtsratsvorsitzende der Bundesversicherungsanstalt für Depositen (Federal Deposit Insurance Corporation), Frank Wille, faßte das Ergebnis der Erhebungen seiner Behörde über die potentiellen Auswirkungen eines
Bankrotts der Stadt New York auf die 8 889 amerikanischen Banken, die nicht
Mitglieder des Bundesbankensystems sind, wie folgt zusammen:
"... Nach Ansicht der FDIC würden, falls es zu einem Bankrott der Stadt
New York kommt und falls der Kursverlust bei den ausstehenden Schuldverschreibungen nicht übet 50 Prozent des Nennwertes hinausgeht, wesentlich weniger
als 30 Nichtmitgliedsbanken Anlaß zu ernster Besorgnis für die Überwachung
geben. Die Zahl dieser Banken, die in ernste Schwierigkeiten geraten könnten,
falls der Bankrott auch den Staat New York und die von ihm ausgegebenen Schuldverschreibungen in Mitleidenschaft ziehen würde und falls der Kursverlust ihrer ausgegebenen Schuldverschreibungen 75 Prozent des Nennwertes erreichen
sollte, würde jedoch die Zahl 30 wahrscheinlich nicht übersteigen".
Für
- 5 -

�Für die Erörterung der Frage eines Konkurses oder einer Stützaktion
wirkt das Argument einer wirtschaftlichen und finanziellen Dominowirkung nur
verwirrend. Es ist falsch, sich deshalb Sorge zu machen.
Die Stadt New York hat einen riesigen Schuldenberg angehäuft und ihre
Ausgaben, einschließlich des Schuldendienstes, scheinen ihre Einnahmen jetzt
bei weitem zu übersteigen.

Dieses Problem muß aus der Welt geschafft werden,

bevor die Stadt erneut den Kapitalmarkt in Anspruch nehmen kann. Die Frage,
die gegenwärtig erörtert wird, lautet: wie kann dies am besten geschehen,
wenn die Stadt bei ihren Schulden in Verzug geraten ist oder wenn ein Konkurs
durch irgendeine Stützaktion abgewendet wird?...
Die Argumente gegen eine Bundeshilfe begrünHen sich auf der Auffassung,
daß durch eine solche Aktion ein Präzedenzfall geschaffen würde, der in der
Zukunft zu einer finanziellen Laschheit der Einzelstaaten und der Kommunalverwaltungen geradezu einladen könnte. Beispielsweise haben die vielfachen
Konkurse bei Einzel Staaten und Kommunal Verwaltungen in den vierziger, fünfziger, siebziger und neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts und in den dreissiger Jahren dieses Jahrhunderts zahlreiche andere Einzelstaaten und Städte
veranlaßt,

strenge fiskalische Zurückhaltung zu üben. Das ist weitgehend der

Grund, warum die Probleme der Stadt Nev York heute nicht stärker überzeugen
können.
Manche Leute sind besorgt, daß die dem bundesstaatlichen Regierungssystem zugrundeliegende Gewaltentrennung möglicherweise zusammenbrechen könnte. Nach allem, was geschehen ist, dürfte jedoch klar sein, daß die Stadt
und der Einzel Staat, falls sie eine Bundeshilfe in Anspruch nehmen, auch eine
Kontrolle und Überwachung durch den Bund hinnehmen müßten.

Das

�Das stärkste Argument für eine Bundeshilfe ist nicht die illusorische
Angst vor einer nationalen und internationalen Kettenreaktion, sondern die
Tatsache, daß ernste örtliche probleme vermieden werden, die sich im Falle
eines Konkurses ergeben könnten, ohne daß aber für den Rest des Landes
gleichzeitig irgendwelche Vorteile entstehen. Es bleibt ferner die Frage,
ob ein Konkurs nicht zu einem schnelleren fiskalischen Säuberungsprozeß
in der Stadt New York führen würde...

XXX

- 7 -

�amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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24/1975

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR
1976/77
--(AD)-- Für das Studienjahr 1976/77 schreibt die Fulbright-Kommission eine
beschränkte Anzahl von Reisestipendien aus; Anträge werden in der Zeit vom
1. Dezember 1975 bis 15. Januar 1976 angenommen. Voraussetzungen sind u.a.,
daß die Bewerber einen Studienaufenthalt von einem akademischen Jahr als
ordentliche Studierende planen, daß die Aufenthaltsfinanzierung anderweitig
geplant ist und daß die Bewerber zum Zeitpunkt der Abreise (September 1976)
mindestens 4 Hochschul Semester, davon mindestens 2 an einer deutschen Hochschule studiert haben. Bewerbungsformulare für Fulbright-Reisestipendien
werden direkt bei der Fulbright-Kommission, 53 Bonn-Bad Godesberg, Theaterplatz la, angefordert. vorläufige Anträge sollten innerhalb der Bewerbungsfrist auch dann eingereicht werden, wenn Einzelheiten über das AmerikaStudium noch nicht bekannt sind. Vollstipendien zum Studium in den USA können für 1976/77 nicht mehr beantragt werden.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

XXX

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Enders ruft zur Zusammenarbeit der Erdölverbraucherländer auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede des US-Unterstaatssekretärs am 21. November in London -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Wieviel Sorgen muss man sich um New York machen?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(Aus dem monatlichen Wirtschaftsbrief der First National City Bank November 75)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studeinjahr 1976/77</text>
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