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                  <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Telex:

300

Information
und
Dokumentation

08-85432

24. September 1975

19

Inhalt

DOKUMENTATION:
Neue Friedensinitiative der Vereinigten Staaten
-Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung-

INF0RMATI0N:
SYSTEMS' 75
-US-Gemeinschaftsschau in München-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Dokumentation

Service

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300

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

19/1975

NEUE FRIEDENSINITIATIVE DER VEREINIGTEN STAATEN
Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung

Außenminister Henry A. Kissinger hat in
einer Rede vor der 30. Sitzung der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 22.
September 1975 den weltpolitischen Standort der USA dargelegt und neue Vorschläge
für eine friedliche Beilegung der Probleme
im Nahen Osten und auf der koreanischen
Halbinsel unterbreitet. Die Ausführungen
des amerikanischen Außenministers haben
folgenden Wortlaut:
Herr Präsident, Herr Generalsekretär, verehrte Delegierte, meine Damen
und Herren:
Lassen Sie mich zu Beginn sagen, daß es mir eine besondere Freude ist,
daß unsere Tätigkeit hier in diesem Jahr unter der Präsidentschaft des hochverehrten Ministerpräsidenten von Luxemturg stattfindet. Sein Beitrag zur
europäischen Zusammenarbeit, seine diplomatischen Fähigkeiten, seine Hingabe
an die Demokratie geben uns das Vertrauen, daß diese 30. Sitzungsperiode von
einem konstruktiven und schöpferischen Geist geprägt sein wird.
Ich möchte auch dem hochverehrten Generalsekretär meine Anerkennung
zollen, dessen Fairness, Initiative und unermüdliche Anstrengung dem einen
Ziel dienen, diese Organisation in eine neue Ära der Zusammenarbeit für den
Weltfrieden weiterzuführen.
Dieses

�Dieses Jahrhundert hat in einem beispiellosen Ausmaß Krieg und Umsturz
gebracht. Wir haben den Zusammenbruch überkommener Ordnungssysteme und Praktiken im internationalen Verhalten erlebt. Wir haben weltweite wirtschaftliche
i

Depression und Folgen von Hungersnöten erlebt. Wir haben die Entstehung thermonuklearer Waffen und die Ausbreitung der Rüstung auf der ganzen Welt erlebt. Wir leben in einer Welt der ständigen Unruhe und ideologischen Spaltung.
Aber dieses Jahrhundert hat auch den Grundsatz der Selbstbestimmung und
der nationalen Unabhängigkeit gebracht. Es hat sich eine wahrhaft weltweite
Gemeinschaft zu entwickeln begonnen, was sich in einer Vielzahl von Institutionen der internationalen Zusammenarbeit widerspiegelte. Wir haben neue Methoden entwickelt für die friedliche Beilegung von Streitigkeiten, zur Begrenzung der Rüstungen und neue Institutionen zur Förderung der wirtschaftlichen
Entwicklung und zur weltweiten Bekämpfung des Hungers und der Krankheit. Und
die Tatsache unserer Anwesenheit hier unterstreicht die Hoffnung aller Völker,
daß Streitigkeiten und Konflikte durch kooperative Maßnahmen beigelegt werden *
können.
Wenn wir über die Zukunft sprechen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß
in dieser Organisation gerade ein Ereignis von potentiell gewaltiger Bedeutung
für künftige Zeiten Gestalt gewonnen hat: die einstimmige Übereinkunft der
Siebten Sondersitzung der Vollversammlung über Maßnahmen zur Verbesserung der
wirtschaftlichen Verhältnisse der Menschheit.
Trotz Unterschieden in der Ideologie und der Haltung gegenüber wirtschaftlicher Entwicklung haben die hier versammelten Nationen sich der Erkenntnis genähert, daß unsere Interdependenz entweder gemeinsamen Fortschritt oder
gemeinsamen Untergang bedeutet; daß in unserem Zeitalter keine Nation und keine Gruppe von Nationen ihre Ziele durch Druck oder Konfrontation erreichen
kann, und •'aß ein solcher Versuch nur jedem schaden würde. Sie kamen überein, sich

in der Suche nach einer kooperativen Zukunft über die festgefahre-

nen Auffassungen der Vergangenheit zu erheben. Die Sondersitzung hat ein Gefühl gemeinsamer Zielsetzung auf der Basis der Gleichheit und der Zusammen-

- 2 -

�Zusammenarbeit von Staaten hervorgerufen. Jetzt müssen wir uns daran machen,
diese Übereinstimmung in die Tat umzusetzen.
Wir müssen den Geist der Versöhnung jetzt in die Beratungen diese» regulären Sitzungsperiode hineintragen. Wir müssen uns den Fragen des Weltfriedens
- der Grundlage all dessen, was wir auf diesem Planeten tun - mit dem gleichen Bewußtsein dieses unseres gemeinsamen Schicksals zuwenden.
Es ist unsere gemeinsame Pflicht, uns leerer Schlagworte und endloser r
genseitiger Beschuldigungen zu enthalten. Wir müssen stattdessen das internationale Klima erhalten, stärken und erweitern, das wir und unsere Nachkommen für
die Aufrechterhaltung des Friedens und die Förderung des Fortschritts brauchen.
Nur in einen: Gefüge der Zusammenarbeit kennen Streitfälle beigelegt und
Zusammenstöße eingedämmt werden. Nur in einer Atmosphäre der Versöhnung kann
die Unsicherheit von Nationen, aus der so viele Konflikte entstehen, gemildert
werden und körnen die Gepflogenheiten des Kompromisses und der Annäherung gedeihen. Sczialer Fortschritt, Gerechtigkeit und Menschenrechte können nur in
einer Atmosphäre verringerter internationaler Spannungen erblühen.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich voll und ganz für die kooperativen Bemühungen um eine Harmonisierung der unterschiedlichen Perspektiven der
Weltgemeinschaft bei der Schaffung eines neuen Gefühls der Sicherheit und des
Wohlergehens einzusetzen. Wir tun dies nicht aus Angst, denn wir sind besser
in der Lage, uns in Situationen der Konfrontation zu behaupten als die meisten
anderen Länder. Noch tun wir dies aus einem Schuldgefühl heraus, denn wir glauben, daß wir im großen und ganzen unsere Macht für konstruktive Ziele eingesetzt haben.
Wir stehen zu dem gemeinsamen Schicksal aus der Erkenntnis der weltweiten
Interdependenz heraus und weil der Weltfrieden es erfordert. Es gibt einfach
keine realistische Alternative zu gemeinsamer Verantwortung, wenn es um die
internationale Tagesordnung von Frieden, Sicherheit, wirtschaftlichem Wohleroeher

und Gerechtigkeit geht.

.

�Lassen Sie mich die Auffassungen der Vereinigten Staaten zu der Arbeit
darlegen, die wir auf jedem dieser Gebiete leisten müssen.

Der Aufbau des Friedens
Unser erstes und alles überragende Anliegen ist der Frieden in der Welt.
Frieden ist niemals etwas Automatisches.
Frieden ist mehr als nur kein Krieg.
Und Frieden ist untrennbar mit Sicherheit verbunden.
Eine Welt, in der das überleben von Völkern von der Gnade einiger weniger
abhängt, würde zwangsläufig Unterdrückung, Ungerechtigkeit und Angst mit sich
bringen. Ohne ein Gleichgewicht kann es keine Sicherheit geben, und ohne Zurückhaltung keine Gefahrlosigkeit.
Nur wenn die Rechte der Völker respektiert werden und die Anpassung an die
Stell" der Gewalt tritt, können die Kräfte des Menschen für die Verwirklichung
seiner tiefsten Wünsche und Hoffnungen eingesetzt werden.
Die Vereinigten Staaten werden der Sache des Friedens mit Geduld und einer
Haltung der Versöhnung auf vielen Gebieten

dienen.

- Wir werden die Bande der Zusammenarbeit mit unseren Freunden und Verbündeten festigen und vertiefen.
- Wir werden eine Verbesserung der Beziehungen zu Ländern mit unterschiedlicher Ideologie oder politischer Überzeugung anstreben.
- Wir werden immer bereit sein, bei der Beilegung von regionalen Streitigkeiten mitzuhelfen.
- Wir werden unsere Anstrengungen verstärken, um der Spirale der nuklearen
Rüstung Einhalt zu gebieten.
- Wir werden uns um eine Verbesserung der wirtschaftlichen und sozialen
Verhältnisse des Menschen und um eine Verstärkung der Zusammenarbeit zwischen

�zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern bemühen.
- Wir werden um die Verwirklichung der grundlegenden Menschenrechte
kämpfen.

Die Beziehungen zu Freunden und Verbündeten
Die engen Bindungen Amerikas mit den industriellen Demokratien Nordamerikas, Westeuropas und mit Japan sind drei Jahrzehnte lang der Eckpfeiler der
Stabilität und des Friedens in der Welt gewesen. Heute arbeiten wir über die
unmittelbaren Anliegen von Sicherheit und Verteidigung hinaus in einem weiten
Bereich neuer Fragen zusammen. Durch unsere Konsultationen haben wir gemeinsame
Anstrengungen zum Abbau der internationalen Spannungen eingeleitet. Wir haben
begonnen, unsere nationalen Politiken für den wirtschaftlichen Wiederaufschwung
zu koordinieren, gemeinsame Herausforderungen wie Energie und Umweltschutz
gemeinsam zu meistern und die großen Fragen anzupacken, die die Entwicklungsländer betreffen.
Diese Anstrengungen dienen weltweiten Zielen. Sie richten sich nicht gegen irgendein ' "^d oder eine Gruppe von Ländern. Sie sollen Bausteine einer
weitergefaßter

internationalen Gemeinschaft sein.

Im gleichen Geiste haben die Vereinigten Staaten einen neuen Dialog mit
ihren Nachbarn in Mittel-und Lateinamerika begonnen. Wir haben wichtige Schritte zur Lösung großer politischer Probleme getan. Wir haben enge Konsultationen
für eine Zusammenarbeit in der Förderung der wirtschaftlichen und sozialen Entwicklung eingeleitet. Die Bündnisbeziehungen der westlichen Hemisphäre haben
eine lange Geschichte und sind vielversprechend für die Zukunft. Mit Einfallsreichtum und Hingabe können wir die interamerikanische Zusammenarbeit bei den
Aufgaben der Entwicklung zu einem Beispiel für die Weltgemeinschaft und zu
einem ihrer Tragpfeiler machen.
Ost-West-Bezi ehungen

�Ost-West-Beziehunqen
Wenn der Friede sicher sein soll, dann muß eine dauerhaftere und zuver"läsr'gere Basis der Beziehungen zwischen Nationen geschaffen werden, die die
Mittel besitzen, unseren Planeten zu zerstören.
In den letzten Jahren ist die bipolare Konfrontation der vorigen Generation dem Beginn eines Diaions und einer Entspannung des direkten Konfliktes
gewichen. Vor allem in diesen. Gremium nier weiß man sicherlich die globale
Bedeutung verringerter Spannunyen zw1sehen den nuklearen Supermächten zu
schätzen. Der Erfolg dieser Entspannungen geht alle Nationen an. In einer Zeit,
da Massenvernichtungswaffen in Minuten Kontinente überfliegen können, bedroht
ein nuklearer Konflikt den Fortbestand der ganzen Menschheit.
Kir sind uns darüber im klaren, daß der Argwohn und die Rivalität einer
ganzen Generation nicht durch ein Konferenzdokument weggewischt werden kann.
Es existieren echte ideologische und politische Unterschiede. Wir werden unsere Lebensinteressen und die unserer Freunde mit Festigkeit verteidigen. Aber
wir werden niemals die Tatsache aus dem Auge verlieren, daß in unserem Zeitalter Frieden ebenso eine praktische Notwendigkeit wie eine moralische Unabdingbarkeit ist.
Wir werden den Entspannungsprozeß auf der Basis strikter Wechselseitigkeit verfolgen. Wir kennen den Unterschied zwischen bloßer Geste und Politik.
Wir werden die Auffassung nicht ermutigen, daß jeder mal von künstlichen Spannungen profitieren könne. Wir sind uns zutiefst darüber im klaren, daß wir
es künftigen Generationen schuldig sind, uns nicht durch momentane Leidenschaften leiten zu lassen.
.

Der Stand der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen heute und noch vor
einem Jahrzehnt läßt einen dramatischen Unterschied erkennen. Die Welt wird
nicht mehr ständig durch chronische und bittere Konfrontationen erschüttert.
Periodische Konsultationen - einschließlich der Gipfeltreffen - fördern Zurückhaltung und vergrößern die Gebiete gemeinsamen Interesses. Das kommende

�kommende Treffen zwischen Präsident Ford und Parteichef Breschnew dürfte diesen Prozeß stärken.
Auf verschiedenen Gipfeltreffen wurden Grundsätze

der beiderseitiger

Zurückhaltung verkündet. Sie wurden durch die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa vor zwei Monaten bekräftigt.
Diese Grundsätze schaffen eine Verhaltensnorm, die zum Maßstab unserer
Handlungen werden wird. Wenn diese Normen eingehalten werden - wie wir das
wollen - und wenn keine Seite einseitige Vorteile sucht, dann wird der Alptraum eines allgemeinen Krieges nicht nur von unserem eigenen Volke, sondern
von allen Nationen genommen werden. Es gibt keine wichtigere Aufgabe für uns.
In gleicher Weise haben wir konstruktivere und nützlichere Beziehungen
zu den Ländern Osteuropas angestrebt. Die Vereinigten Staaten verbinden vi&gt;1e
traditionelle und tiefverwurzelte Bande der Freundschaft mit den stolzen Völkern dieser Region. Wir sehen wachsende Möglichkeiten der praktischen Zusammenarbeit in dem Maße, in dem die Barrieren zwischen Ost und West in Europa abgebaut werden.
Es gibt kein Verhältnis, dem die Vereinigten Staaten größere Bedeutung
beimessen, als ihrei neuen Bindungen mit der Volksrepublik China. Wir sind der
Überzeugung, daß das Wohlergehen u«"1 der Fortschritt eines Viertels der Menschheit ein wichtiges Element der globalen Stabilität sind. An die Stelle der
jahrzehntelangen Feindseligkeit zwischen unseren beiden Ländern ist ein Verhältnis der gegenseitigen Achtung getreten, das heute ein dauerhaftes Charakteristikum der internationalen Szene darstellt.
Dieses Verhältnis dient nicht nur den Interessen unserer beiden Länder,
sonder: auch den größeren Interessen von Frieden und Stabilität in Asien und
in der ganzen Welt. Präsident Ford plant,noch in diesem Jahr die Volksrepublik
China

zu

besuchen, um die Lebenskraft unseres Verhältnisses zu stärken und die

./.iiu . gen zwischen uns auf der Grundlage der strikten Verwirklichung des
Kommuniques von Schanghai zu festigen. Wir nehmen den Prozeß der Normalisierung
unseres Verhältnisses ernst. Wir sind entschlossen, ihn weiter zu verfolgen.
Eindämmung
- 7 -

�Eindämmung regionaler Konflikte
Die Weltgemeinschaft muß einen Weg finden, um regionale Konflikte einzudämmen oder beizulegen, bevor sie sich zu einer globalen Konfrontation auswachsen. Nirgends ist diese Gefahr größer als im Nahen Osten. Nirgends ist die
Notwendigkeit beharrlicher und einfallsreicher Verhandlungen zwischen argwöhnischen Rivalen dringender. Nirgends ist die Aussicht, von der ewigen Krise zum
Frieden zu gelangen, größer. Nirgends hat der Sicherheitsrat der Vereinten Nationen einen klareren Rahmen von Prinzipien geschaffen als in seinen Resolutionen 242 und 338. Der "eg zu einem dauerhaften Frieden, der vor uns liegt, ist
lang und schwierig. Der Nahe Osten hat mehr als genug an gescheiterten Hoffnungen und Enttäuschungen erlebt. Aber der Abschluß des jüngsten Sinai-Abkommens stellt einen großen Schritt nach vorn dar. Es ist das erste Abkommen in
der langen und tragischen Geschichte des arabisch-israelischen Konfliktes, das
nicht die unmittelbare Folge von Feindseligkeiten ist. Es könnte einen Wendepunkt darstellen. Das Abkommen verdient die Unterstützung all der hier versammelten Länder, denn jede Nation muß ein Interesse am Fortschritt zum Frieden
im Nahen Osten haben. Es ist ein weiterer Schritt in dem durch die Sicherheits/
ratsresolution 338 in Gang gesetzten Prozeß. Die Alternative wäre eine anhaltende Pattsituation, die im Laufe der Zeit zu einem neuen Krieg führen könnte
und damit zu einer ernsten Bedrohung des Weltfriedens und der Möglichkeit einer
weitgehenden globalen wirtschaftlichen Störung.
Weder Angst vor der Zukunft noch Stolz sollten die Tatsache verdunkeln,daß
heute eine ungewöhnliche Chance für weiteren Fortschritt in allen Fragen besteht. Aber Chancen müssen genutzt werden, oder sie verschwinden. Ich möchte
unterstreichen, daß die Vereinigten Staaten nicht mitgeholfen haben, dieses
Abkommen auszuhandeln, um dem Prozeß des Friedens ein Ende zu setzen, sondern
um ihm einen neuen Auftrieb zu geben.
Präsident Ford hat erklärt, daß wir eine Pattsituation und Stagnation im
Nahen Osten nicht akzeptieren werden. Das galt, bevor das Sinai-Abkommen unterzeichnet wurde, und das gilt auch heute. Das Ziel unserer Politik besteht
nicht darin, lediglich einen neuen temporären Waffenstillstand herbeizuführen.

�herbeizuführen, sondern den Schwung der Verhandlungen aufrechtzuerhalten. Die
Vereinigten Staaten sind entschlossen, jeden durchführbaren Schritt zu tun, um
zu einem weiteren praktischen Fortschritt in Richtung auf einen endgültigen
Frieden beizutragen.
Als ersten Schritt ist es entscheidend wichtig, daß das Sinai-Abkommen im
Rahmen der Bedingungen und des dafür vorgesehenen zeitlichen Rahmens ganz genau
eingehalten wird.
In der dam't geschaffenen verbesserten Atmosphäre sind die Vereinigten Staaten bereit, sich ar jeder erfolgversprechenden Initiative für den Frieden auf
Ersuchen der unmittelbaren Parteien zu beteiligen.
Wir haben klar gemacht, daß wir zu einer ernsthaften Anstrengung bereit
sind, um Verhandlungen zwischen Syrien und Israel zu fördern.
Wir haben auch die Absicht, uns in den kommenden Wochen mit allen Beteiligten bezüglich der Wiedereröffnung der Genfer Konferenz zu konsultieren, die in
einer ersten entscheidenden Phase zusammentrat. Als Ko-Vorsitzender der Genfer
Konferenz zusammen mit der Sowjetunion tragen unsere beiden Länder in dieser
Hinsicht eine besondere Verantwortung.
Wir sind ferner bereit, die Möglichkeiten für ein vielleicht informelleres
multilaterales Treffen zu sondieren, um über Bedingungen zu sprechen und die
Zukunft zu erörtern.
Die Vereinigten Staaten streben für sich selbst keinen besonderen Vorteil
an. Wir machen nicht den Versuch, irgend ein Land auszuschließen. Wir werden mit
jeder Nation zusammenarbeiten, die bereit ist, einen Beitrag zu leisten. Wir bevorzugen kein bestimmtes Verfahren. Wir werden jeden Prozeß unterstützen, der
besonders vielversprechend erscheint. Unsere Haltung wird weiterhin flexibel und
entschlossen sein.
Die Suche nach einem endgültigen Frieden muß auf einer breiten Basis erfolgen. Wir sind in ständigem Kontakt mit Regierungen im Nahem Osten. Wir haben bereits Gespräche mit der Sowjetunion im Hinblick auf eine Prüfung und Bewertung
der gegenwärtigen Lage im Nahen Osten und eine Abwägung möglicher diplomatischer
- 9 -

�diplomatischer Wege aufgenommen, um in Übereinstimmung mit den Resolutionen
242 und 338 des Sicherheitsrates einen gerechten und dauerhaften Frieden herbeizuführen. Obwohl wir wichtige Meinungsverschiedenheiten mit der Sowjetunion hatten, sind unsere beiden Länder der parallelen Auffassung, daß die Lage
im Nahen Osten schwere Gefahren birgt und daß partielle Schritte Teil einer umfassenden Lösung sein und zum Fortschritt auf eine solche Lösung hin beitragen
müssen.
Die Weltorganisation spielt weiterhin eine wesentliche Rolle. Wenn diese
Organisation auch nichts weiter aufzuweisen hätte als ihre wirksame, friedenserhaltende Rolle in diesem unruhigen Gebiet, dann hätte sie darrit ihre Existenz
gerechtfertigt. Diese Soldaten des Friedens mit dem blauen Helm der Vereinten
Nationen sind als Mitglieder der UNTSO, UNEF, UNDOF für die Aufrechterhaltung
der beiden Stillhalte-Abkommen von 1974 wie auch des Sinai-Abkommens unerläßlich geworden. Ich möchte hier die Gelegenheit benutzen, um Generalsekretär
Waldheim und seinen Stab, und General Siilasvou, den Chefkoordinator der UNFriedensmission im Nahen Osten und all die Männer und Frauen aus vielen Ländern zu beglückwünschen, die in diesen Streitkräften ohne Gegner gedient haben.
I

Die Beratungen in dieser Versammlung bezüglich '*? Nahen Ostens spielen
ebenfalls eine zentrale Rolle. Sie können de,* Fortschritt fördern oder Spannungen verschärfen. Verfahrensmäßige Entscheidungen können auf der Erkenntnis
basieren, daß ein Dialog die Universalität der Mitgliedschaft erfordert oder sie
können einen nutzlosen, selbstzerstörerischen Impuls anheizen - in Verletzung
der Char a - einen Mitgliedsstaat zu diskriminieren, dessen Teilnahme für eine
Lösung von entscheidender Bedeutung ist.
Der Nahe Osten wird weiterhin r in Gebiet der Unsicherheit, der Unruhe und
der Gefahr sein, solange kein gerechter und dauerhafter Friede erreicht ist.
Ein solcher Frieden muß den Grundanliegen und Interessen aller in diesem Gebiet gerecht werden. Dazu gehört die territoriale Integrität, das Recht, in
Frieden und Sicherheit zu leben,und das legitime Interesse der Palästinenser.

�Im Nahen Osten besteht heute ein Verlangen nach Frieden, das alles seit
drei Jahrzehnten bekannte übertrifft. Wir dürfen diese Region nicht zu einer
weiteren Generation nutzlosen Kampfes verurteilen. Stattdessen muß die Weltgemeinschaft ihre historische Chance ergreifen. Die Leiden und die Tapferkeit
all der Völker des Nahen Ostens verlangen dies gebieterisch. Die Hoffnungen
und 'nteressen der Völker aller Welt fordern es. Die Vereinigten Staaten versprechen ihren vollen Einsatz zur Förderung des Fortschritts zum Frieden.
Der Beitrag der Vereinten Nationen zum Fortschritt des Friedens ist auch
in Zypern wesentlich. Dem Generalsekretär obliegt die Verantwortung für die
Organisation der Friedensstreitkrä'fte auf der Insel und die Unterstützung der
Gespräche zwischen den Führern der griechischen und türkischen Gemeinschaft.
Die strikte Einhaltung der Waffenruhe ist dringend notwendig. In dieser
Hinsicht erwarten wir von den Beteiligten Zurückhaltung und von den UN-Friedensstreitkräften wirksamen Einsatz.
Wir wissen, daß die Weltgemeinschaft unser Gefühl der Dringlichkeit teilt,
daß der Verhandlungsprozeß wieder aufgenommen werden muß, und daß die Beteiligten

Flexibilität und staatsmännisches Denken zeigen müssen. Der Status quo

auf der Insel darf nicht verewigt werden. Notwendig ist eine rasche und gerechte Lösung. Der Generalsekretär hat unter schwierigsten Umständen unermüdlich
and einfallsreich daran gearbeitet, die Meinungsverschiedenheiten einzuengen.
Er verdient die volle Unterstützung der Beteiligten und der hier vertretenen
Nationen. Die Entscheidung über die Einzelheiten einer Zypern-Regelung liegt
bei den beiden Gemeinschaften selbst. In Übereinstimmung mit den Resolutionen
der Vereinten Nationen, die die Vereinigten Staaten voll unterstützt haben, sind
jedoch folgende Grundsätze von entscheidender Bedeutung:
toria

Eine jede Regelung muß an der Unabhängigkeit,
1

Souveränität und terri-

i Integrität Zyperns festhalten.
Sie muß gewährleisten, daß sowohl die griechisch-zypriotischen wie

auch L.e türkisch-zypriotischen Gemeinschaften in Freiheit leben können und

- 11 -

�und eine wesentliche Stimme in ihren eigenen Angelegenheiten haben.
- Die gegenwärtigen Trennungslinien können nicht von Dauer sein. Es müssen
vereinbarte territoriale Abmachungen getroffen werden, die den wirtschaftlichen
Erfordernissen der griechisch-zypriotischen Gemeinschaft gerecht werden und
ihre Selbstachtung in Rechnung stellen.
- Es muß -cür den Abzug ausländischer Streitkräfte, außer jenen, die gemäß
international Abkommen dort stationiert sind, gesorgt werden.
- Die Sicherheit aller Zyprioten muß gewährleistet sein; den Bedürfnissen
und Wünschen der Flüchtlinge, die die Hauptopfer sind und deren tragische!
Schicksa'. uns alle rührt, muß rasch und mit Mitgefühl entsprochen werden.
Diese Ziele entsprechen den Hoffnungen und Wünschen der überwältigenden
Mehrheit des zypriotischen Volkes wie auch d( n Interessen aller benachbarter
Staaten.
•

Ein anderes Gebiet, auf dem diese Organisation zu einer verantwortungsbewußten Aktion aufgerufen werden wird, ist die Halbinsel Korea. Dies erfordert
aber - vor allem - die Aufrechterhaltung des Waffenstillstandsabkommens - jedenfalls, bis es zu einer Übereinkunft zwischen allen Parteien, die am direktesten betroffen sind, kommt, um dieses Abkommen durch ein neues zu ersetzen.
Das bestehende Waffenstillstandsabkommen ist das einzige rechtliche Instrument,
das die Parteien zu Aufrechterhaltung des Friedens verpflichtet. Es ist ein
mit aller Sorgfalt abgewogenes Instrument, um die militärische Demarkationslinie zu überwachen und zu schützen.
Der UN-Oberkommandierende is' Mitunterzeichner dieses Abkommens. Die
W?ffensti11 Standsüberwachungsmaschinerie ist täglich in Funktion. Keiner der
Unterzeichner hat sich dageger aufgelehnt

jnd er könnte dies auch nicht tun,

ohne ernsthafte Gefahren für dtii Weltfrieden heraufzubeschwören.
Seit 1972 haben Süd-und Nordkorea sich feierlich verpflichtet, einen
Dialog aufzunehmen und eine Vereinigung zu erstreben, ohne zu den Waffen £u_

- 12 -

�zu greifen. Diese Versammlung hat diesen Prozeß in den Jahren 1973 und 1S74
ermutigt - zuerst in einer übereinstimmenden Resolution, die Gespräche zwischen
den beiden Seitr~ 'mtorstützt, und dann in einer Resolution, die auf eine Beendigung der TätigkeitP" ' s UN-Kommandos abzielt. Auch die Vereinigten Staaten sind der Meinung,daß es zwanzig Jahre nach Beendigung des Koreakrieges
nunmehr an der Zeit wäre, das UN-Kommando abzuberufen. Wir haben daher auch
eine Resolution zu diesem Zweck, die jetzt vor ihnen liegt, mit eingebracht.
Es wäre jedoch sehr unbesonnen, wollte man das UN-Kommando aufheben, ohne neue
Abmachungen zu haben, die die Integrität des Waffenstillstandsabkommens sichern.
Im Interesse des Friedens können

ie Vereinigten Staaten keine Lösung akzep-

tieren, die nicht die Gewähr dafür bietet, daß das Waffenstillstandsabkommen
auch weiterhin seine Gültigkeit behält.
Die Republik Korea und die Vereinigten Staaten haben ihre ae"erelle Bereitschaft erklärt, mit Vertretern der anderen Seite und mit anderen Mitgliedern des Sicherhei'-~ates zusammenzukommen, um über die Aufhebung des UN-Kommandos bei gleichzeitiger Gewährlei'^'ing des Waffenstillstandsabkommens zu
sprechen. Ich kann mich heute dazu spezifischer äußern. Die Vereinigten Staaten
und die Republik Korea - auf den Zeitpunkt wartend, an dem eine dauerhafte
Lösung des Koreaproblems erzielt werden kann - schlagen hiermit den Parteien
des Waffenstillstandsabkommens die Einberufung einer Konferenz vor, um Mittel
und Wege zu erörtern, wie das Waffensti11 Standsabkommen erhalten werden kann.
Auf einer solchen Konferenz wären wir außerdem bereit, andere Maßnahmen für fr!*«
Verminderung der Spannungen auf der koreanischen Halbinsel zu sondieren, einschließlich der Möglichkeit einer umfassenderen Konferenz zur Aushandlung eines
grundsätzlicheren Abkommens.
Es wäre im Geiste dieses Dialogs, wenn diese Versammlung den beiden koreanischen Regierungen die Türen zu einer vollen Mitgliedschaft öffnete. Die Vereinigten Staaten unterstützen die Aufnahme sowohl Süd- wie Nordkoreas in die
Vereinten Nationen, ohne damit ihre schließliche Wiedervereinigung irgendwie
zu präjudizieren. Wenn Nordkorea und seine Verbündeten darangehen würden, ihre
Beziehungen zu der Republik Korea zu verbessern, dann wären wir unsererseits
bereit, gleiche Maßnahmen auf der Basis der Gegenseitigkeit zu ergreifen.
Es
- 13 -

�Es versteht sich von selbst, daß die Vereinigten Staaten keinen Vorschlag
über Sicherheitsmaßnahmen auf der koreanischen Halbinsel akzeptieren können,
der versucht, die Republik Korea von den Erörterungen auszuschließen.
Die Vereinten Nationen können ganz wesentlich dazu beitragen, indem sie
ein verantwortungsbewußtes Vorgehen unterstützen.
Die Vereinigten Staaten haben während der letzten Jahre die Bemühungen um
friedliche Regelungen im südlichen Afrika sehr sorgfältig und mit großer Sympathie verfolgt. Wir begrüßen die staatsmännischen Bemühungen, sowohl schwarzer
als auch weißer Führer in Afrika, die Gewalt und Blutvergießen zu vermeiden
suchen und eine Regelung auf dem Verhandlungswege in Rhodesien anstreben. Die
Meinungsverschiedenheiten zwischen den beiden Gemeinschaften in diesem Lande
sind zwar beträchtlich, sie sind jedoch im Laufe des letzten Jahrzehnts wesentlich eingeengt worden. Beide Seiten in Rhodesien und die schwarzen und weißen
Nachbarländer Rhodesiens haben ein Interesse an der Vermeidung des Bürgerkrieges. Wir werden alle Anstrengungen zur Herbeiführung einer friedlichen Regelung unterstützen.
Wenn ich unser Ziel einer friedlichen Veränderung für das südliche Afrika
hervorhebe, dann möchte ich die Wichtigkeit einer baldigen Regelung in Namibia
unterstreichen. Die Ablehnung der weiteren Besetzung Namibias durch Südafrika
seitens meiner Regierung und unsere Ablehnung des Apartheid-Systems in Südafrika
sind allgemein bekannt. Die Vereinigten Staaten haben ihren Standpunkt zu diesem
Thema Südafrika gegenüber immer deutlich gemacht, und wir werden dies auch weiterhin tun.
Wi&gt; sind der Überzeugung, daß die Bevölkerung vor Namibia innerhalb kurzer
Zeit die Chance erhalten sollte, ihre Auffassungen über die politische Zukunft
und den verfassungsmäßigen Aufbau ihres Landes frei und unter Überwachung durch
die Vereinten Nationen zum Ausdruck zu bringen.
Aufbau

�Aufbau der internationalen Sicherheit
Der Frieden in der Welt wird zerbrechlich sein und auf schwachen Füssen
stehen, wenn wir dem Wettrüsten nicht Einhalt gebieten und schließlich ein
Ende setzen. Darum haben die Vereinigten Staaten die schwierigen und komplexen Verhandlungen über eine Begrenzung strategischer Waffen mit der Sowjetunion
aufgenommen. Unser Ziel besteht darin, einen unbegrenzten und der Stabilität
entgegenwirkenden Wettstreit in der strategischen Rüstung zu verhindern, die
Wahrscheinlichkeit überstürzter Entscheidungen in Krisenzeiten weiter zu verringern und die wirtschaftliche Last des nuklearen Wettrüstens zu erleichtern.
Die Übereinkunft von Wladiwostok vom Herbst vorigen Jahres bedeutete einen
wichtigen Schritt zur Erreichung dieser Ziele. Wenn diese grundsätzliche Übereinkunft in einen Vertrag umgesetzt ist, dann werden für ?inen Zeitraum von
zehn Jahren vereinbarte Höchstgr°nzen für den Stand strategischer Streitkräfte festgelegt. Dieser beispiellose Schritt wird das Tempo neuer Rüstungsprogramme verlangsamen, vor allem jener, die der Angst vor großen Dislozierungen
der anderen Seite entspringen. Und dieser Schritt wird ferner die Aussichten
auf internationale Stabilität und politische Anpassung auf anderen Gebieten erhöhen.
Die Vereinigten Staaten sind auch aktiv an anderen RüstungskontrollVerhandlungen beteiligt. Zusammen mit der Sowjetunion haben wir einen Fortschritt in
der Schaffung von Richtlinien für friedliche Nuklearexplosionen erzielt. Und
wir sind übereingekommen, eine Schwelle für die unterirdische Erprobung von
Nuklearwaffen zu setzen. Dies sind bedeutsame Schritte zu einem umfassenden,
verifizierbaren Versuchsverbot.
Darüber hinaus haben die Vereinigten Staaten und die UdSSR der Konferenz
des Abrüstungsausschusses Texte für eine Konvention über das Verbot militärischer oder sonstwie feindlicher Nutzung von Techniken zur Veränderung der
Umwelt vorgelegt. Diese Techniken sind zwar noch in einem ersten Entwicklungsstadium, aber die Beherrschung der Kräfte der Umwelt durch den Menschen

�Menschen schreitet fort. Der Mißbrauch dieser Kenntnisse könnte neue Wege des
militärischen Wettstreits öffnen und der gesamten Menschheit unvorstellbare
und nie wieder gutzumachende Schäden zufügen. Wir appellieren an die Konferenz,
die Erörterung dieser Vorschläge rasch abzuschließen.
Eine weitere dringende Aufgabe ist die wesentliche Verringerung des hohen
Standes der Streitkräfte, die sich in verschiedenen Teilen der Welt heute gegenüberstehen. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Zeit gekommen ist, um den Verhandelnden über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen in Mitteleuropa einen neuen Anstoß zu geben. Die Bedeutung der
Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa hängt wesentlich davon
ab, ob wir auf diesem Gebiet Fortschritte erzielen können. Ein Abkommen, das
die beiderseitige Sicherheit in Mitteleuropa stärkt, ist machbar und von wesentlicher Bedeutung. Wir werden auf dieses Ziel hinarbeiten.
Bezüglich der Ausbreitung der Nuklearenergie steht die Welt vor einem
Paradoxon. Der Mensch hat aus dem Atom Kaffen hergestellt, die die Zivilisation von Jahrhunderten in Minuten auslöschen kann. Gleichzeitig wird das Atom
immer rascher zu einer immer wesentlicheren Energiequelle. Es liegt auf der
Hand, daß die Kosten und später einmal die Knappheit von öl und anderen fossilen Brennstoffen die Ausbreitung der Nuklearenergie in den vor uns liegenden
Jahrzehnten in der ganzen Welt beschleunigen werden.
Diese Ausbreitung der Nuklearenergie bringt jedoch auch die große Gefahr
einer weiteren Ausbreitung der Fähigkeit zur Herstellung von Kernwaffen mit
sich - sowie die damit zusammenhängenden Risiken des Diebstahls nuklearen Materials, der Erpressung durch Terroristen oder der Fälle des Einsatzes der
nuklearen Drohung in regionalen politischen Konflikten. Jetzt ist die Zeit zu
handeln. Wenn es uns nicht gelingt, die nukleare Proliferation einzudämmen,
dann werden künftige Generationen auf einem Planeten leben müssen, der von der
nuklearen Katastrophe überschattet wird.
Während des letzten Jahres haben die Vereinigten Staaten wiederholt neue
Bemühungen der Lieferstaaten gefordert, um die Sicherungen und Kontrollen beim
Export von nuklearem Material zu verstärken und einheitlich zu gestalten. Wi_r

- 16 -

�Wir dürfen nicht zulassen, daß diese Sicherungen durch kommerziellen Wettbewerb ausgehöhlt werden. Wir müssen die allgemeine Verfügbarkeit von Nuklearenergie für friedliche Zwecke unter sicheren, wirtschaftlichen und zuverlässigen Bedingungen gewährleisten.
Die Vereinigten Staaten haben ihre Anstrengungen innerhalb der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) und zusammen mit anderen Nationen verstärkt, um
die internationalen Normen und Sicherungen auszuweiten und zu verstärken, und
sie haben eine internationale Konvention über Normen zum Schutze der physischen Sicherheit von nuklearem Material im Gebrauch, im Lager oder auf dem
Transport, vorgeschlagen.
Die Vereinigten Staaten fordern weiterhin die weitest mögliche Einhaltung
des Atomwaffensperrvertrages und der damit zusammenhängenden Sicherheitsbestimmungen der IAEA.
Der größte Gefahrenpunkt schrankenloser nuklearer Proliferation liegt in
der Ausbreitung von Aufbereitungsanlagen für Atommaterial in Kernkraftwerken
unter nationaler Kontrolle. Die Vereinigten Staaten schlagen daher als einen
wichtigen Schritt zur Verstärkung aller anderen Maßnahmen die Errichtung von
multinationalen, regionalen Kernbrennstoffaufbereitungszentren vor. Diese Zentren würden dem Energiebedarf auf einer kommerziell gesunden Basis dienen und
die regionale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Energie fördern. Ihr Bestehen
würde den Anreiz zur Errichtung kleiner und unwirtschaftlich arbeitender Aufbereitungsanlagen verringern, die Möglichkeit der Abzweigung friedlichen Nuklearmaterials für nationale militärische Verwendungszwecke einzuschränken
und einen besseren Rahmen für die Anwendung wirksamer internationaler Sicherungsbestimmungen schaffen.
Wir appellieren an Ländergruppen, diese Konzeption zu prüfen, und an alle
Staaten, die Arbeit der IAEA zu unterstützen.
Aufbau

-17-

�Aufbau des wirtschaftlichen Wohlstandes
1

•

-

•

•

•

In den letzten zwei Jahren ist die Weltgemeinschaft in augenfälliger Weise
daran erinnert worden, in welchem Ausmaß die wirtschaftlichen Beziehungen eine
entscheidend wichtige Grundlage der internationalen Ordnung sind. Die wirtschaftlichen Verhältnisse sind nicht nur die Voraussetzung für die Fähigkeit
jeder Gesellschaft, ihre nationalen Ziele zu erreichen, sondern alle Volkswirtschaften werden auch von dem Weltwirtschaftssystem getragen. Wie wir unsere
wirtschaftlichen Angelegenheiten regeln, wird daher in einem außerordentlichen Ausmaß darüber entscheiden, ob unsere politischen Beziehungen auf Zusammenarbeit oder auf Konflikt basieren werden.
Es wäre eine der tragischsten Ironien der Weltgeschichte,wenn wir in
einer Zeit, in der wir die Spannungen des Kalten Krieges hinter uns lassen,
in eine neue Periode des Konflikts zwischen Nord und Süd, Reich und Arm, eintreten würden.
Auf der gerade abgeschlossenen Sondersitzung der Vereinten Nationen haben
die Vereinigten Staaten die Beendigung der sterilen Konfrontation der Vergargeiiheit gefordert. Wenn der alte Traum der Menschheit - eine Welt ohne Armut in den Bereich des Möglichen gerückt ist , so haben wir erklärt, dann mac.cn
es unsere moralischen Überzeugungen zur Pflicht, dieses Ziel zu erreichen,
und wir haben unterstrichen, daß dieses Ziel nur durch Zusammenarbeit, und
nicht durch Erpressung erreicht werden kann.
•

Die Sondersitzung hat uns Anlaß zu der Hoffnung gegeben, daß - zumindest
für die unmittelbare Zukunft - eine Entscheidung gefallen ist, sich von der
Konfrontation abzuwenden und sich der Zusammenarbeit zuzuwenden. Die Vereinigten Staaten unterstützen mit Stolz das Schlußdokument, welches das Ergebnis
der großen Bemühungen und der Hingabe so vieler hier vertretener Delegierten
i st.
Die Vereinigten Staaten betrachten die Ergebnisse der Sondersitzung als
einen Anfang, nicht als ein Ende. Wie in dem Schlußbericht empföhle: wird,
müssen wir jetzt in den verfügbaren Gremien weiter arbeiten, um den Zielen,

�Zielen, auf die wir uns geeinigt haben, Wirklichkeit und Inhalt zu verleihen.
Meine Regierung wird sich an den vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen
mit aller Energie und in einem kooperativen und versöhnlichen Geiste beteiligen.

Aufbau der Gerechtigkeit

Jenseits von Frieden, Sicherheit und Prosperität liegt eine tiefere
weltweite Hoffnung auf Würde und Gleichheit der Chancen. Der Menschheit werden
niemals all die Tragödien erspart bleiben, die in dem Kreislauf von Leben und
Tod begründet liegen. Aber es liegt in unserer Macht, die last der sozialen
Tragödie, der organisierten Ungerechtigkeit, zu beseitigen oder zu erleichtern.
Die Vereinigten Staaten sind daher aus ihrer Tradition heraus ein Verfechter der Ausweitung des Geltungsbereichs des internationalen Rechts in internationalen Angelegenheiten gewesen.Wir haben den Opfern von Krankheit und Naturkatastrophen immer unsere Hilfe angeboten. Wir sind ein Verfechter der Freiheit und ein Hoffnungsstrahl für die Unterdrückten. Heute besteht kein Zweifel
mehr, daß die internationalen Menschenrechte auf der Tagesordnung der internationalen Diplomatie stehen.
Der Geltungsbereich des internationalen Rechts muß bis in die letzten Bereiche unseres Planeten, nämlich die Ozeane, ausgedehnt werden. Diese sind das
gemeinsame Erbe der Menschheit, aber sie können sich in Schauplätze des Konfliktes verwandeln, wenn keine rechtlichen Regelungen erfolgen. Sie enthalten
unberührte Quellen an Energie, Mineralien und Eiweiß. Der Schutz ihrer Umwelt
ist von entscheidender Bedeutung für unser überleben.
Die Vereinigten Staaten begrüßen das Mandat der Vereinten Nationen für
einen umfassenden Vertrag zur Regelung der Nutzung der Weltmeere und ihrer
natürlichen Hilfsquellen. Im vorigen Monat habe ich in Montreal unsere Haltung
zu diesen Verhandlungen dargelegt und darauf gedrängt, daß die Sitzung der
Seerechtskonferenz im nächsten Jahr die Dinge zu einem raschen und erfolgrei-

- 19 -

�erfolgreichen Abs*"' luß bringt. I'eine internationalen Verhandlungen sind von
entscheidenderer Bedeutung für die langfristige politische und wirtschaftliche
Stabilität und die Prosperität unseres Erdballs.
Das Völkerrecht muß auch den internationalen Terrorismus in den Griff bekommen. Als Folge des Fehlens international anerkannter Normen, vor allem zur
Verhinderung ungesetzlicher und gefährlicher Eingriffe in die Zivilluftfahrt,
haben unzählige unschuldige Menschen ihr Leben verloren. Die Entführung von
Flugzeugen, die Entführung und Ermordung unschuldiger ziviler Opfer für angeblich politische Ziele sind und bleiben eine Pest der zivilisierten Menschheit.
Hier liegen noch immer die unterentwickelten Gebiete des internationalen Rechts,
die die besonders dringliche Aufmerksamkeit dieser Organisation hier verdienen.
Mitgefühl mit unseren Mitmenschen erfordert,

iafl wir internationale Hilfs-

mittel mobilisieren, um Jahrhunderte alte Geißeln der Menschheit - Krankheit,
Hunger und Naturkatastrophen - zu bekämpfen. Wir freuen uns, daß die Weltgesundheitsorganisation und interessierte Regierungen auf unsere Initiative
in der letzten Vollversammlung hin eine konzertierte Anstrengung unternommen
haben, um die Bilharziose unter Kontrolle zu bekommen, eine Krankheit, die über
200 Millionen Menschen in 70 Ländern befällt und arbeitsunfähig macht, und uns
große menschliche und wirtschaftliche Kosten auferlegt.
Die großen Menschenrechte müssen anerkannt, respektiert und in den Angelegenheiten der Nationen in die Realität umgesetzt werden. Die ersten Deklarationen der Vereinten Nationen und die jüngste Konferenz in Helsinki lassen keinen Zweifel daran, daß es sich hier um ein internationales Anliegen handelt. Die
Vereinigten Staaten werden diese Prinzipien unterstützen. Verletzung?" der
Menschenrechte muß in der ganzen Welt, auf allen Kontinenten, entgegengetreten
werden, ob sie nun von einer Rasse gegen eine andere oder unter Mitgliedern der
gleichen Rasse begangen werden. Die Menschenrechte müssen ohne Rücksicht auf
Rasse, Geschlecht oder Religion eingehalten werden. Hier darf es keine doppelte
Moral geben.
Die
- 20 -

�Die Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen hat die ersten
Schritte gegen grobe Verletzungen der Menschenrechte unternommen, wenn von
Einzelpersonen ernsthafte und belegbare Beschuldigungen erhoben wurden. Wir
unterstützen diese Entwicklung. Wenn sich die Weltgemein^chaft organisiert mit
diesen Dingen befaßt, dann kann dies eine mächtige Waffe in dem Krieg gegen
die Herabsetzung menschlicher Werte sein.
Eines der am häufigsten auftretenden und schwersten Probleme ist die Folter, eine Praxis, die alle Nationen verabscheuen sollten.
Es ist eine absolute Entwürdigung der Funktior P: er Regierung, wenn ihre
überwältigende Macht nicht für das Wohlergehen de. Menschen
nutzt wird, sondern als ein Instrument, um ihnen Leid zuzufügen. -ie Vereinigten Staaten
appellieren an diese v°rsammlung, sich die Erklärung des kürzlich stattgefundenen Weltkongresses über diese Frage in Genf zu eigen zu machen. Darüber
hinaus schlagen wir vor, daß diese Vollversammlung eine vom Generalsekretär zu
ernennende Expertengruppe einsetzt, um Art und Ausmaß der Folter in der heutigen Welt zu untersuchen und der nächsten Vollversammlung darüber zu berichten.
Herr Präsident, diese Organisation wurde in dem Glauben geschaffen, daß die
Universalität der menschlichen Rasse ihren Ausdruck in der Abwicklung internationaler Angelegenheiten finden könne. Diese Versammlung hier symbolisiert die
Hoffnung, die die Menschheit in die Kraft von Nationen setzt, die im gemeinsamen Interesse, mit Vernunft, Verantwortungsgefühl und gegenseitiger Achtung zusammenarbeiten.
Die vor uns liegenden Probleme sind kompliziert und voller Gefahren. Die
sterilen Schlagworte von gestern, die Lösungen der Vergangenheit und die Pflege
alter Ressentiments können die Klüfte zwischen uns nur erweitern und dazu führen, daß die Gefahren

für den Frieden und das Wohlergehen unserer Völker wei-

ter schwelen und wachsen.
Es liegt in unserer Macht, kommenden Generationen zu beweisen, daß das
letzte Quartal des 20. Jahrhunderts keine Ära der Gewalt und des Konfliktes,
sondern eine schöpferische Epoche der Weltgeschichte gewesen ist.
Die
- 21 -

�.

Die Geschichte meines Landes, Herr Präsident, lehrt uns, daß es möglich
ist, Einigkeit in ripr Vielfalt zu erreichen, daß trotz der Vielfalt von Rassen,
Interessen

unri

Überzeugungen, wie wir sie hier in diesem Hause sehen, ge

meinsames Handeln möglich ist. Fortschritt, Frieden und Gerechtigkeit sind erreichbar.
So rufen wir alle Völker und Regierungen auf: Laßt uns gemeinsam eine neue
Weltordnung schaffen. Laßt uns dafür sorgen, daß sie gerecht ist. Laßt uns die
neuen Nationen an ihrer Gestaltung beteiligen und ihnen das Gefühl geben, daß
sie die ihrige ist. Laßt die alten Nationen ihre Stärke und ihre Fähigkeiten
zum Wohle der ganzen Menschheit einsetzen. Laßt uns alle zusammenarbeiten, um
den Geist zu bereichern und die Menschheit zum Höheren zu führen.

XXX

22 -

v

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

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G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

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Postfach

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300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

19/1975

SYSTEMS' 75
US-Gemeinschaftsschau in München

--(AD)-- Die Produktpalette der 80 Hersteller aus den USA, die ihre Erzeugnisse im Rahmen einer Gemeinschaftsschau vom 27.-31. Oktober 1975 vorführen, repräsentiert die traditionelle Stärke der amerikanischen Industrie
auf diesem Marktsektor. Für das mittlerweile harte Computergeschäft bieten
die Amerikaner SpezialSysteme, die hard-und software-mäßig auf die vielfältigen Anwendungen in Industrie, Handel und Banken, in der öffentlichen Verwaltung sowie in der Medizir zugeschritten sind. Es ist daher nicht verwunderlich, daß die bereits in Europa etablierten amerikanischen Aussteller der
Veranstaltung mit berechtigtem Optimismus entgegensehen. Interessant wird diese
europäische Kongreßmesse auf dem Computersektor für die stattliche Anzahl von
30 Herstellerfirmen, die mit ihren Erzeugnissen dem deutschen Markt neu gegenüberstehen.
Das Produktspektrum umfaßt unter anderem: Minicomputer, Magnetbandeinheiten, Plattenspeicher, Floppy Disks, Kernspeicher, Add-On Memories, Zeilendrucker, Lochstreifen-und Lochkartengeräte, druckende Terminals und Bildschirmgeräte, optische Zeichenerkennungsgeräte, DatensammelSysteme und mobile
Terminals,Kassen- und Bankenterminals, Datenübertragungshardware, umfangreiche
Softwareangebote und Anwendungs-Softwarepakete einschließlich Simulations-

�Simulationssprachen, Leasing-Angebote sowie sämtliche gebräuchlichen Datenträger.
Als Besonderheit - auf dieser Messe erstmals vorgef'üht - gilt ein System
mit einer Durchsatzrate von 26,67 Millionen Byte pro Sekunde. Die gesamte
Peripherie dieses neuen Rechnersystems wird über programmierbaren Ein/Ausgabenrechner gesteuert.

X X X

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4,
Telefon: (0611) 72 08 01; Telex: 4-16535

- 2 -

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Friedensinitiative der Vereinigten Staaten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede Kissingers vor der UN-Vollversammlung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;SYSTEMS' 75&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Gemeinschaftsschau in München -&lt;/em&gt;</text>
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