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und
Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18

10. September 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Simon umreißt Haltung der USA zu Weltwirtschaftsproblemen
-Rede des US-Finanzirnnisters vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die Rolle des amerikanischen Kongresses i n der Außenpolitik
- I n t e r v i e w m i t Senator Humphrey-

Um Übersendung v o n Belegexemplaren w i r d gebeten.

�amerika dienst
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Wirtschaft

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T e I e x : 08 - 8 54 3 2

18/1975

SIMON UMREISST HALTUNG DER USA ZU WELTWIRTSCHAFTSPROBLEMEN
-Rede des US-Finanzministers vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank-

Der amerikanische Finanzminister William
E. Simon hat am 2. September 1975 in einer
Rede auf der Jahrestagung des internationalen Währungsfonds (IWF) und der Weltbankgruppe die Ansichten der Uf" zu wichtigen
internationalen Wirtschaftsproblemen dargelegt und Wege zu ihrer Lösung aufgezeigt.
Die Ausführungen des US-Finanzministers
haben folgenden Wortlaut:
Es ist für mich eine große Ehre, erneut vor diesem hohen Auditorium zu
sprechen und Ihnen die Ansichten der Vereinigten Staaten zu den wichtigen wirtschaftlichen Fragen zu erläutern, denen sich die Welt heute gegenübersieht.
Ganz allgemein sind die Aussichten für die Weltwirtschaft heute hoffnungsvoller, als dies noch Anfanr des Jahres der Fall war. Die meisten großen
Industriestaaten haben

eine stark expansive Politik eingeschlagen. In mehre-

ren Ländern, darunter den Vereinigten Staaten, hat der Wiedererholungsprozeß
eingesetzt. Trotz ernster Belastungen hat sich das Ausmaß der internationalen
Kooperation nicht vermindert. Nur wenige Länder haben zu einer Politik gegriffen, die binnenwirtschaftliche Erfolge auf Kosten ihrer Nachbarn verheißt. Und die wohlhabenderen Länder verstärken ihre Anstrengungen, um denen
zu helfen, die in einer weniger glücklichen Lage sind.

- 1 -

�Doch kann kein Zweifel darüber bestehen, daß die Art, wie sich der
Fortschritt vollzieht, äußerst unglücklich ist. In einer Reihe von Ländern
hält die nach unten gerichtete Wirtschaftsspirale noch an, sie zieht sich
immer m p*»r in die Länge und ist stärker, als ursprünglich erwarte* worden
war. Die durch eine Inflation von bisher noch nicht gekannter S ärke entstandenen Härten, der unerhört steile und nicht voraussehbare Anstieg der
Energiekcsten und eine einschneidende Rezession - dies alles bleibt in allzu
vielen Teilen der Welt eine schmerzliche, lebendige Realität. Daher ist es die
vordringliche Aufgabe

die

w iterhin vor uns liegt, bei der Wiedererlangung

eines von einer breiten Basis getragenen Auftriebs für die Weltwirtschaft zusammenzuarbeiten, der die Grundlagen für ein stetiges, nicht inflationistisches Wirtschaftswachstum in jedem Lande schaffen wird.
Wenn wir jetzt mit Nachdruck voranschreiten, ist es unbedingt erforderlich, daß wir unsere Richtung beibehalten:
- Wir müssen die Kräfte der Wiedererholung vorsichtig unterstützen und
fördern, ohne der Versuchung zu erliegen, zu übermäßig starken belebenden Maßnahmen zu greifen.
- Wir müssen in unseren Bemühungen fortfahren, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, ohne dabei den Prozeß der Wiedererholung zu stören. Eine
dauerhafte Wiedererholung wird nur möglich sein, wenn wir die Ursachen der
Inflation beseitigen.
- Wir müssen eine bessere Lösung für die ölprobleme erreichen, während
wir gleichzeitig fortfahren, die ölexportierenden Länder bei ihrem Streben
nach wirtschaftlichem Fortschritt zu unterstützen.
- Wir müssen die wirtschaftliche Entwicklung in den ärmeren Ländern fördern.
- Wir müssen sicherstellen, daß wir ein reibungslos funktionierendes
Währungssystem haben.
Lassen
- 2 -

�Lassen Sie mich jetzt zu einer detaillierteren Erörterung jeder einzelnen
dieser Fragen übergehen.

Die Aussichten für ein Wirtschaftswachstum

Die Vereinigten Staaten sind sich voll darüber irr ^ aren, daß sich ihre
eigene Wirtschaftspolitik nicht nur nachhaltig auf das .eben ihrer eigenen Bürger, sondern auch der Bevölkerung anderer Länder auswirkt. Obwohl unsere Wirtschaft nicht mehr die dominierende Stellung in der Weltwirtschaft wie einst
übernimmt, beläuft sich unser Bruttosozialprodukt immer noch auf über ein Viertel des gesamten Bruttosozialproduktes der Welt und sind wir immer noch der
größte Importmarkt der Welt. Daher besteht der wichtigste Beitrag, den wir zu
einer gesunden Weltwirtschaft leisten können, darin,

daß wir ein dauerhaftes,

nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum in unserem eigenen Lande erreichen.
Glücklicherweise gibt es reichlich Beweis dafür, daß die wirtschaftliche
Wiedererholung in den Vereinigten Staaten bereits im Gange ist. Meine Regierung ist entschlossen, diese Wiedererholung weiter zu unterstützen, während
wir gleichzeitig die Inflation unter Kontrolle bringen und die wirtschaftlichen Maßnahmen ergreifen,die für ein dauerhaftes Wirtschaftswachstum erforderlich sind. Wir dürfen nicht und sollten nicht zwischen diesen Zielen zu wählen
suchen. Wir haben aus harten Erfahrungen gelernt, daß alle unsere wirtschaftlichen Ziele gleichzeitig verfolgt werden müssen. Wir werden keine zu starken
Auftriebsspritzen geben, die nur den inflationistischen Druck verstärken und
das Kapital aufzehren würden, das zur Erhaltung des Wiederaufschwungs benötigt
wird, sowie das Risiko heraufbeschwören würde, einen erneuten gefährlichen
Zyklus von Inflation und Rezession in Gang zu setzen. Genau so werden wir es
nicht zulassen, daß unsere Sorge ob der Inflation uns davon abhält, die natürlichen Kräfte der Wiedererholung aktiv zu unterstützen oder zusätzliche expansive Maßnahmen zu ergreifen, falls dies erforderlich werden sollte. Wir
sind nicht bereit, uns der Stagnation oder der Inflation als Lebensform zu
beugen.
Einige
- 3 -

�Einige haben vorgeschlagen, daß die Vereinigten Staaten, um anderen aus
der Inflation herauszuhelfen, eine wesentlich stärker stimulierende fiskalische und monetäre Politik aufnehmen sollten. Zu viele unserer gegenwär^i"^binnenwirtschaftlichen Schwierigkeiten rühren aus solchen exzessiver. Maßnahmen
her. Seit 1965 waren das durchschnittliche Haushaltsdefizit der USA und die
durchschnittliche jährliche Zunahme der Geldmenge bei uns dreimal so groß
wie in dem vorangegangenen Jahrzehnt. Es ist kein Zufall, daß unser Land sich
in dem früheren Zeitraum e i ^ r angemessenen Preisstabilität erfreuen konnte,
während wir in den letzten Jahren wachsende Schwierigkeiten hatten, die Inflation einzudämmen. Und die inflationistischen Erwartungen sind in unserer heutigen Gesellschaft so tief verwurzelt, daß sie nicht schnell verschwinden werden. Die finanziellen Unterlassungssünden eines Jahrzehnts können nicht mit
einem Tag der Buße vergeben sein. Unsere Politik in den Vereinigten Staaten
muß darauf ausgerichtet sein, die Ursachen der Inflation und nicht ihre Ergebnisse anzugehen. Auf lange Sicht wird dies uns allen einen sehr dauerhaften
Gewinn bringen.
Während die Wiederbelebung der Wirtschaft in den Vereinigten Staaten dazu beitragen wird, die wirtschaftlichen Aussichten und das Vertrauen anderer
Nationen zu stärken, wäre es unrealistisch, zu erwarten, daß irgend ein einzelnes Land die übrige Welt aus der Rezession herausführen kann. Eine Ausweitung des Welthandels sollte nicht als Quelle, sondern als Produkt der Wiedererholung betrachtet werden. Ja, wir sollten uns darüber klar sein, daß der
Prozeß, unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu lösen, zu Hause beginnen
muß und jedes einzelne Land für sichallein handeln und die Karten Entscheidungen treffen muß, die für ein gesundes, dauerhaftes Wirtschaftswachstum notwendig sind. Wenn dieser Prozeß von einem Land auf das nächst* übergreift,
wird er sich gegenseitig verstärkend auswirken und alle Länder werden größere
Vorteile realisieren. Zusät 7l ich zu den von den Vereinigten Staaten Anfang
dieses Jahres ergriffenen expansiven Anstrengungen haben mehrere andere große
Industriestaaten jetzt eine stärker stimulierende Politik eingeschlagen. Zusammengenommen sollten diese Maßnahmen der Weltwirtschaft einen kräftigen Anstoß geben.Wenn unsere Politik der Expansion allmählich Wirkung zeigt, werden

- 4 -

�werden wir uns fragen: Haben wir genug getan? Sollten wir mehr tun, um die
Wirkung zu beschleunigen?
Insofern einige unserer Bürger glauben, wir würden bei der Schaffung von
Arbeitsplätzen und der Wiederherstellung unseres Lebensstandards nicht rasch
genug vorankommen, könnte dies zu einem entgegenwirkenden sozialen und politischen Druck führen. Doch ist ebenso klar, daß wir bei einer überhitzung unserer Wirtschaft das Feuer der Inflation wieder schüren und eine erneute Rezession herbeiführen würden mit noch ernsteren wirtschaftlichen und sozialen Folgen. Unsere oberste Aufgabe als Finanzminister, wenn ich dies mit allem Respekt sagen darf, besteht darin, eine gesunde, ausgewogene Politik zu verfolgen, die das Wirtschaftswachstum fördert, ohne zu einer erneuten Inflation zu
ermutigen. Da
erweist sich kurzfristig oft als politisch unpopulär, aber auf
"hnge Sicht wird es weit mehr zur Scha- fung von Arbeitsplätzen beitragen und
den besten Interessen unserer Bevölkerung dienen, als die uns so oft aufgedrängten Linderungsmittel dies vermöchten. Die Geschichte berichtet immer wieder von gescheiterten Regierungen, die sich geweigert haben, den verheerenden
Wirkungen der Inflation entgegenzutreten, und keir r von uns kann es sich
leisten, sei es aus Kurzsichtigkeit oder Entschlußlosigkeit, solchen Versuchungen nachzugeben.
Abgesehen von dem Problem, die fiskalische und monetäre Politik festzulegen, müssen die Länder auch mit den durch die hohen ölpreise entstandenen
Schwierigkeiten fertig werden.
Fast zwei Jahr

nach dem ersten ölpreisschock zeigt sich,daß wir jetzt

erst die vollen Auswirkungen sowie die Gefahr für unsere Zukunft zu begreifen
beginnen, die sich aus der Eskalation der ölpreise ergibt. Es ist jetzt offensichtlich, daß die eigentlich schwerwiegenden Folgen nicht finanzieller,
sondern politischer und wirtschaftlicher Natur sind. Wenn wir auch den Problemen einer Anpassung des Finanzssystems an die neuen Realitäten weiterhin besondere Beachtung schenken müssen und werden, so können wir doch zuversichtlich sein, daß wir in der Lage sind, solche Probleme zu meistern. Aber die

- 5 -

�*

die wirtschaftlichen Auswirkungen der öl poli ti k - die höheren Kosten, die
nicht nur bei Energie, sondern auch bei zahlreichen anderen lebenswichtigen
Rohstoffen wie Nahrungsmitteln zum Tragen komm°n, die notwendig gewordenen
strukturellen Anpassungen, der Verlust an Arbeitsplätzen &lt;^wie die Hindernisse
für ein Wirtschaftswachstum - lassen sich nicht so leicht bewältigen..
Nach unserer Auffassung läßt sich das gegenwärtige Preisniveau für internationales öl weder mit wirtschaftlichen noch mit finanziellen Gründen rechtfertigen. Die derzeitige Preispolitik der OPEC-Länder bed

tet, daß billige

Energie in der Erde bleibt und daß der Wohlstand aller Länder zurückgeht. Ausserdem sind die hohen ölnreise zu einem großen Teil mit Schuld an der jüngsten
Inflation auf der Welt und der auf diese folgende Rezession.
Jetzt aber zeichnet sich die Möglichkeit eim

weiteren Anstiegs der öl-

preise düster am Horizont ab. Es darf kein Mißverständnis über die Folgen ein^s erneuten starken Preisanstiegs geben: Er würde das Gleichgewicht, von Hern
die weltweite wirtschaftliche Wiedererholung jetzt abhängt, ernstlich gefährden.
Wir fordern die OPEC-Länder nachdrücklich auf, anzuerkennen, wie dies
andere in der Vergangenheit bereits getan haben, daß der Wohlstand jeden einzelnen Landes eng mit dem Wohlstand aller Länder verflochten ist.
Eine erneute Preiserhöhung erscheint besonders unangebracht angesichts
unserer Bemühungen, die legitimen Probleme anzupacken, vor denen die ölexpor
tierenden Länder wie auch die anderen Entwicklungsländer stehen. Wir haben bedeutsame Schritte unternommen, um ein Gespräch zwischen Erzeugern und Verbrauchern zustandezubringen. Wir haben die Einsetzung von Kommissionen vorgeschlagen, die sich mit entscheidend wichtigen Problemen auf den Gebieten der Energie, der Rohstoffe, der wirtschaftlichen Entwicklung und den damit zusammenhängenden Fragen be^ssen sollen. Besondere bilaterale Programme sind mit den ölexportierenden Ländern aufgestellt worden und es sind beträchtliche Fortschritte zu verzeichnen gewesen.
Alle

- 6 -

�Alle diese Maßnahmen spiegeln unseren aufrichtigen Wunsch wider, kooperati\ mit den ölexporteuren zu?, mmenzuarbeiten, wenn sie jetzt nach einem
höheren Lebensstandard und vielseitigeren Volkswirtschaften streben. Auf der
anderen Seite fordern wir, daß sie kooperativ mit uns und mit anderen Ländern
zusammenarbeiten, um die Aussichten für eine Wiedererholung der Weltwirtschaft
zu verbessern.
Lassen Sie mich hinzufügen, daß der beträchtliche Finanzierunqsbedarf
der Industriestaaten in dieser Zeit der OPEC-überschüsse es verlangt, daß wir
mit der Überprüfung fortfahren, ob die internationalen Finanzierungsvereinbarungen ausreichen. Ich bin zuversichtlich, daß die privaten Finanzierungsmechanismen auch künftig, so wie in den letzten zwei Jahren, eino dominierende
Rolle bei der Weiterleitung der OPF.C-Gelder an die verschiedenen Kreditnehmer
spielen werden. Gleichzeitig begrüßen wir die bevorstehende Bildung des finanzieller Stiitzungsfonds, die von den Mitgliedsstaaten der Organisation für
wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung vereinbart worden war. Dieser
Fonds wird die IWF-Mittel ergänzen und in einer Zeit der Ungewißheit die erforderliche Sicherheit geben. Besonders wichtig i.'nter den derzeitigen Umständen ist die damit gegebene Gewiihr, daß, falls notwendig, eine Finanzierung möglich sein wird, um die Verfolgung einer gesunden, expansiven Politik
durch die Industriestaaten zu erleichtern.
Die Probleme der Entwicklungsländer
Die am meisten unter den höheren öl preisen und der Verschlechterung der
Weltwirtschaftslage zu leiden gehabt haben, waren gerade diejenigen, die dies
am wenigstens verdient hatten und die am wenigsten in der Lage sind, sich
selbst zu schützen - die Armen und die Bedürftigen unter den Entwicklungsländern. In den Industriestaaten haben die Probleme der Inflation und der sich
daraus ergebenden Rezession oftmals zu Härten geführt, aber sie haben nicht
eine große Zahl von Menschen an den Rand der Verzweiflung gebracht.Lei der
kann das gleiche nicht von den weniger begünstigten Ländern der Welt gesagt
werden, wo Hunger und Krankheit die unmittelbaren Folgen der zurückgegangenen
- 7 -

�zurückgegangenen Einkommen sind. Unter diesen Umständen sind die Vereinigten
Staaten und andere Industriestaaten entschlossen, besondere Anstrengungen zu
" r ^'-nehmen, um die Entwicklungsländer bei ihren Bemühungen zu unterstützen,
den Schwung ihres wirtschaftlichen und sozialen Fortschrittes beizubehalten.
Wir tun dies aus Mitgefühl und aus der Erkenntnis heraus, daß der Wohlstand der
unterentwickelten Welt der Stützung unseres eigenen weiteren Wohlstands
dient.
Die Weltbank und der Internationale Währungsfonds haben sich bereits als
äußerst effektive Instrumente bewährt, um in Zusammenarbeit mit den Entwicklungsländern die am meisten versprechenden Pläne für ein wirtschaftliches
Wachstum zu entwickeln. Unseres Erachtens muß jedoch im Rahmen dieser Institutionen jetzt mehr getan werden, als lediglich den Entwicklungsländern zu helfen. Gestern hat Außenminister Kissinger in einer in seinem"Namen vor den Vereinten Nationen verlesenen Rede eine Reihe von Vorschlägen vorgelegt, die er
und ich, nach den Anweisungen von Präsident Ford, gemeinsam ausgearbeitet haben. Drei dieser Vorschläge sind für den IWF und die Weltbank von besonderer Be- •
deutung.
Erstens schlagen die Vereinigten Staaten als eine Angelegenheit von hoher
Priorität die Schaffung einer Entwicklungssicherheitsfazilität im IWF vor, um
den Bedarf jener Entwicklungsländer zu decken, die unter den starken Fluktuationen der Exporterlöse zu leiden haben. Sie würde an die Stelle der bestehenden
kompensierenden Finanzierungsfazilität treten. Wir sind uns voll darüber im
klaren, daß zu starke Fluktuationen bei den Exporterlösen die Entwicklungsanstrengungen untergraben können und daß zahlreiche Erzeugerländer nicht über
genügend finanzielle Reserven verfügen, um starke Rückgänge ihrer Einkünfte
selbst auffangen zu können. Unseres Erachtens wären kompensierende Fazilitäten
zur Finanzierung von Defiziten bei den Exporteinnahmen effektiver und wirksamer, um solche Störungen zu reduzieren, als Abkommen über die Rohstoffpreise.
Umgehend nach Abschluß dieser Tagungen werden wir dem Direktorium des IWF detaillierte Vorschläge für die Schaffung der neuen Fazilitat vorlegen. Diese
Vorschläge werden ferner die Erweiterung der Zielsetzungen des vorgeschlagen
nen Treuhandfonds fordern, damit dieser den ärmsten Ländern, wenn sie Export- 8 -

�Exportdefizite aufweisen, nichtrückzahlbare Zuwendungen gewähren kann und
damit sc die Mittel des Treuhandfonds zur Ergänzung der vorgeschlagenen Fazilität eingesetzt werden können.
Zweitens sichern wir zu, daß wir eine wesentliche Vergrößerung der "
nationalen FinanzierungsgesellSchaft unterstützen werden, so daß dies- Organi
sation als ein wirksamerer Katalysator für das Wachstum der privaten Sektorer
in den Entwicklungsländern wirken kann. Wir stimmen mit Mr. McNamara überein,
dai' die Rolle der Internationaler. Finar.zierungsgesellschaft bei der Mobilisierung zusätzlicher privater Investitionen heute wichtiger denn je zuvor ist.
Es kann kaum Zweifel darüber bestehen, daß die Hebung des Lebensstandards in
den Entwicklungsländern von steigenden Produktionen auf privatem Sektor von
Gütern pnd Dienstleistungen getragen werden muß. In den nächsten Monaten rollten Vorkehrungen getroffen werden, um der Internationalen Finanzierungsgesellscha^t bessere Werkzeuge in die Hand zu geben, um die einheimischer, privaten
Wirtschaftssektoren zu unterstützen und die Internationale Finanzierungsgesell schaft zu einem vollen Fartner der Weltbankgruppe zu machen. Ferner sollte die Internationale Finanzierungsgesellschaft aktiv dabei mitwirken, ausländische und einheimische Investoren zusammenzubringen. Sie sollte energisch
handeln und die Finanzierung der Erzgewinnung in den Entwicklungsländern regeln, in denen sie als unparteiischer internationaler Partner zu reibungslosen
Beziehungen zwischen den internationalen Gesellschaften mit ihrer Technologie
ur.d ihren Märkten und den nationalen Behörden beitragen kann, die -verstand!icherweise das Beste für ihre Länder herausholen wollen. Die Internationale
Finanzierungsgesellschaft sollte ferner großzügige Finanzierungsabkcmrcen entwickeln, unter anderen auch eine neue Investitionstreuhandgesellschaft, so daß
Besitztitel der gemeinsamen Unternehmen schrittweise von Privatpersonen und
Firmen der Entwicklungsländer erworben werden können. Alle diese Tätigkeiten
werden die laufende Arbeit der Weltbank ergänzen, die die Finanzierung verwandter Infrastrukturmaßnahmen wie Häfen und Eisenbahnen fördern muß und die,
wie wir erwarten, dem äußerst wichtigen Aspekt, die Hindernisse für die private Ersparnisbildunc unc' für einheimische Privatinvestitionen in den Entwickiungsländern zu identifizieren, höhere Priorität einräumen wird.
Drittens
- 9 -

�Drittens fordern die Vereinigten Staaten erneut, daß umgehend Übereinstimmung über die Schaffung eines *'om IWF verwalteten Treuhandfonds erzielt wird,
der den ärmsten Entwicklungsländern eine sehr großzügige Zahlungsbilanzfinanzierung gewährt. Es ist fast ein Jahr verstrichen, seit meine Regierung erstmals einen Treuhandfonds vorgeschlagen und gefordert hat, daß ein Teil des
IWF-Goldes verkauft wird, um so diesen bedeutsamen Schritt mit finanzieren zu
helfen. Wir sind erfreut über die wachsende Zustimmung, daß die Konzeption eines
Treuhandfonds das wirksamste Mittel ist, um eine rasch auszahlbare Finanzhilfe
gewähren zu können. Dies ist ein Weg, auf dem wir sofort handeln und dem
ernsten Finanzierungsbedarf der Entwicklungsländer entspreche' können; wir können jetzt vereinbaren, daß ein Teil des IWF-Goldes, ohne auf zeitraubende
Statutenänderungen warten zu müssen, einer solchen Verwendung zugeführt wird.
Der Bedarf hierfür hat mit der von uns hinausgezögerten Schaffung dieses Fonds
zugenommen. Wir sollten uns entschließen, umgehend zu handeln.
Neben diesen wichtigen Initiativen sollten andere Schritte ergriffen werden, damit die Weltbank und der
IWF besser den heutigen Erfordernissen entsprechen können. Da die ülfazilität des IWF dieses Jahr ausläuft, sollten wir
durch Maßnahmen sicherstellen, daß alle vom IWF gehaltenen Währungen sofort
verfügbar sind. Wir müssen ferner das Augenmerk bald auf eine Überprüfung der
Tranchenpolitik des IWF lenken und darüber sprechen, ob Änderungen dieser Politik durchgeführt werden sollten, um vermehrt Zugang zu den regulären Ziehungsfazilitäten des Fonds zu gewähren. Dies würde den IWF in die Lage verse'zen,
die erweiterte und aktivere Rolle zu spielen, die von ihm in der heutigen Welt
gefordert wird.
Die Weltbank ist bei weitem das größte und einflußreichste Institut für
Entwicklungskredite und muß als solches eine wichtige Rolle übernehmen, um die
Entwicklungsländer bei der Erreichung ihrer Entwicklungsziele zu unterstützen.
Es ist von größter Wichtigkeit, daß die Qualität ihrer Arbeit erhalten und ihre
Finanzlage gesund bleibt. Da das gegenwärtig von der Bank durchgeführte Kreditprogramm hohe Anforderungen an ihre langfristigen Ausleihemöglichkeiten stellt,
ist eine Zusammenarbeit von Management und Exekutivdirektoren der Bank wichtig,

- 10 -

�wichtig, um vorsichtig die Rolle der Ban! abzustecken, die sie in dem Entwi

ungsprozeß während des nächsten Jahrzehnts spielen sollte, und zu prüfen,

we^

e Auswirkungen sich hieraus für das Kapital der Bank und die Art ihrer

Pr&lt; i ornme ergeben.
Nachdem das Kapital zu einer immer knapperen Hilfsquelle geworden ist,
das. von entscheidender Wichtigkeit für das Wachstum sowohl der Industriestaaten
wie

er Entwicklungsländer ist, ist es notwendig, daß wir eine klare Vorstel-

lung von den Prioritäten haben, die für die Ausleihungen einer Institution
mit ;inem jährlichen Kreditvolumen von annähernd 5 Milliarden Dollar maßgebend
sein müssen. Die Vereinigten Staaten werden, die Bank weiterhin nachdrücklich
unterstützen, und wir werden ihr dabei helfen, daß sie finanziell gesund
bleibt.
Wie ich im letzten Jahr sagte, unterstützen wir eine wesentliche Ausweitung der Zahl der Anteilseigner der Bank sowie des Stimmrechts auf solche Länder, die jetzt in der Lage sind, einen wesentlichen Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung über die Weltbankgruppe zu leisten. Eine solche Ausweitung
sollte auf einer Basis von Land zu Land beschlossen werden und die Aufstockung
des Kapitals sollte von entsprechenden Beiträgen an die Internationale Entwicklungsgesellschaft begleitet sein, um den ärmsten wie auch den mäßig begüterten Ländern zu helfen.
Ich unterstreiche die Bedeutung der IDA-Beiträge angesichts der zentralen Rolle, die dieser Gesellschaft bei der "'ckuna des Bedarfs der ärmsten
und am wenigsten entwickelten Ländern zukommt. Sie sind am wenigsten in der
Lage, mit den Auswirkungen der wirtschaftlichen Ereignisse auf ihre Entwicklung fertig zu werden, und nur gemeinsame Anstrengungen der gegenwärtigen Mitglieder sowie der Länder,die jetzt Beiträge leisten können, werden die IDA
in die Lage versetzen, diese Länder künftig ausreichend zu unterstützen.
Mr. McNamara hat bekannt gegeben, daß Verhandlungen über die nächste Auffüllung des IDA-Kapitals im November beginnen werden. Eine befriedigende Übereinkunft über die Aufstockung der IDA-Mittel wird nur bei voller Mitarbeit aller
der Länder möglich sein, die zu Beiträgen in der Lage sind.
Unabhängig
- 11 -

�Unabhängig von diesen Maßnahmen müssen die Industriestaaten auch die seit
langem geführten Entwicklungsanstrengungen der regionalen Entwicklungsbanken
und unsere bilateralen Hilfsprogramme unterstützen. Diese Programme haber. in
all den Jahren ihre Wirksamkeit bewiesen und verdienen eine nachhaltige Unterstützung. Es ist ferner wichtig, daß alle Länder ihre Kapitalmärkte für üeldaufnahmen der Bank und der Entwicklungsländer selbst öffnen.
Wenn ich heute diese Vorschläge vortrage und über die Tätigkeiten der
Weltbank und des Internationalen "'-"hrungsfonds spreche, wäre ich alles andere
als aufrichtig, wenn ich nicht hinzufügen würde, daß die von mir aufgezeigten
Maßnahmen für sich allein nicht ausreichen, um eine wirtschaftliche Entwicklung sicherzustellen.
•

Wir dürfen uns in dieser Angelegenheit nichts vormachen. Weit wichtiger
als die ihnen von den Industriestaaten gewährte Finanzhilfe ist für die Entwicklungsländer die Wiederherstellung eines stabilen, nicht-inflationistischen
Wirtschaftswachstums in der ganzen Welt. Und am entscheidendsten werden auf lange Sicht die von den Entwicklungsländern selbst verfolgte Politik und ihre
eigenen Anstrengungen sein. Die Geschichte hat gezeigt, daß, gleichgültig wie
großzügig andere sein mögen, denjenigen am besten geholfen ist, die sich selbst
geholfen haben.
Zwar müssen die Industriestaaten Finanzhilfe gewähren und ihre Märkte
öffnen. Die Wirksamkeit einer solchen Hilfe hängt jedoch in hohem Maße davon ab, ob die Entwicklungsländer selbst in der Lage sind, all diese Hilfsquellen, die einheimischen wie die ausländischen, bestmöglich zu nutzen. Die
Entwicklungshilfe sollte nicht als ein internationales Wohlfahrtsproqramm zur
Umverteilung der Reichtümer der Welt betrachtet werden, sonder:. 1s ein wichtiges Element eines internationalen Investitionsprogramms, um die wirtschaftliche Wachstumsrate in den Entwicklungsländern zu steigern und der Bevölkerung
jedes einzelnen Landes einen höheren Lebensstandard zu geben. Die Wirksamkeit
internationaler Investitionen, privater und staatlicher, hängt grundlegend von
der Politik und den Anstrengungen jedes Entwicklungslandes ab.
Ich

- 12 -

�Ich bin besonders beeindruckt von den beachtlichen wirtschaftlichen und
sozialen Fortschritten der Länder, die sich voll auf dem Weltmarkt betätigen,
die sich von den Kräften des Marktes erwarten, daß sie einen Anreiz für eine
wirksame Nutzung der Hilfsquellen bieten, und die ein günstiges Klima für
ausländische und einheimische Privatinvestitionen aufrechterhalten.
Kurz gesagt, der Prozeß der wirtschaftlichen Entwicklung erfordert die
Zusammenarbeit und die uneingeschränkten Anstrengungen jedes Einzelnen von uns
bei der Verfolgung einer Wirtschaftspolitik, die auf ein Ma; imum an Produktion, Einkommen und Handel für alle Länder abzielt.

Internationale Währungsabkommen
Ich möchte mich jetzt der Erörterung internationaler Währungsfragen zuwenden. Wir haben auf den Konferenzen dieser Woche einen bedeutsamen Durchbruch
bei der Lösung der meisten uns vorliegenden schwierigen internationalen Währungsfragen sowie bei der Öffnung des Weges zu einem endgültigen Abkommen im
Januar erzielt. Das technisch schwierige - und politisch delikate - Problem,
eine wesentliche Erhöhung der Quoten zu erreichen und die nationalen Anteile
zuzuweisen, ist im wesentlichen gelöst.
Es ist uns ferner gelungen, die schwierigen Fragen im Zusammenhang mit
der Herauslösung des Goldes aus dem internationalen Währungssystem zu regeln.
Bei diesen beiden Vereinbarungen waren Konzessionen von vielen Seiten notwendig, aber das Ergebnis zeigt eindeutig, daß der Geist der Zusammenarbeit und
des guten Willens, in dem diese Institutionen gegründet wurden, weiterlebt.
Erneut haben wir bewiesen, daß es durch geduldiges Verhandeln möglich ist,
zu einem Ausgleich zwischen gegensätzlichen Ansichten zu gelangen, der für jeden von uns akzeptabel und für uns alle von Vorteil ist.
Wir

- 13 -

�.

Wir wollen jetzt zu dem letzten Punkt unserer Verhandlungen kommen - einem
Abkommen über eine Änderung der Wechselkursbestimmungen der Statuten - das es
uns ermöglichen würde, die diese Woche erzielte Übereinstimmung in die Praxis
umzusetzen. Eine Änderung der Bestimmungen ist notwendig, um den Realitäten der
heutigen Welt rechtlich Rechnung zu tragen und der Entwicklung des Systems zu
entsprechen, die sich in den letzten Jahren vollzogen hat. Vor zweieinhalb Jahren machte das Paritätensystem einem freiwilligen System von Wechselkurspraktiken Platz, unter dem einige Länder unabhängig floaten, einige gemeinsam
floaten und einige stufenweise fixierte Kurse anwenden. Wir sind froh, daß
dieses System bereits eingeführt war, bevor die Ölkrise uns traf, und seine
Flexibilität hat uns unter den schwierigen Bedingungen gute Dienste geleistet.
Diejenigen, die Stabilität über Paritäten zu erreichen suchen, sollten
sich an das Chaos und die Unordnung erinnern, die in den letzten Jahren des
Bretton-Wood-Systems herrschten. Denken Sie sich an die Tage zurück, da die
Börsen geschlossen waren, was zu Störungen im Handel und Warenfluß führte. Bedenken Sie, daß die einzigen sicheren Gewinner die Spekulanten waren, die
sicher sein konnten, daß sie im Laufe der Zeit und mit Hartnäckigkeit zwangsläufig den Sieg davon tragen würden. Denken Sie auch an die übereilt einberufenen internationalen Konferenzen, die irgendeine Lösung zusammenzuflicken
suchten, damit die Börsen wieder geöffnet werden konnten. Denken Sie zurück
an die Dauer und die Schwierigkeit der Verhandlungen im Smithsonian Institute
und die im Zusammenhang mit diesen Verhandlungen aufgetretenen Spannungen. Das
waren die Tage, in denen unser politischer Zusammenhalt durch monetäre Schwierigkeiten bedroht war.
Die dem Paritätensystem zugrundeliegende Logik setzt eine Welt voraus,
die es gegenwärtig nicht gibt - eine Welt, in der die Preise relativ stabil
sind und in der die Bilanzen der laufenden Konten sich den sich verhältnismäßig
langsam verändernden Kapitalflüssen anpassen. Aber die Welt hat sich geändert
und wir brauchen ein System, das anpassungsfähig ist und sich für die Welt,
so wie sie heute ist, eignet - nicht für eine Welt, die einmal war, oder wie
wir sie uns wünschen.
Heute
- 14 -

�Heute haben wir ein System, das flexibel und elas isch ist. Es ermöglichte, daß die Devisenbörsen offen und funktionsfähig blieben trotz des
Druckes, der sie früher erstickt hätte. Selbst massive Kapitalanhäufungen durch
die OPEC-Länder und gelegentliche beträchtliche Schwankungen bei bestimmten Wechselkursen kor te) das System nicht aus den Angeln heben. Es war möglich, zahlreiche der umfassenden Beschränkungen der Kapitalbewegungen zu lockern oaer aufzuheben und funktionsfähige Alternativen zu restriktiven Maßnahmen hei den laufenden Konten zu finden.
Die heute auftretenden großen Zahlungsbilanzdefizite habe

zu weniger Im-

portbeschränkungen der großen Länder geführt als dies bei der verhältnismäßig
geringeren Zahlungsbilanzschwierigkeiten früherer Jahre der Fall war. Obwohl
sich die Inflationsraten sehr unterschiedlich entwickelten, zwischen 6 Prozent
in einigen Ländern und 25 Prozent in anderen, ließ die Flexibilität unseres
Systems eine Entwicklung der Wechselkurse in einer Form zu, die diese Unterschiede in Kosten und Preisen wiederspiegelte. Versuche, unter diesen Umständen feste Wechselkurse beizubehalten, wären unter der Belastung rasch und unvermeidlich zusammengebrochen.
Manche Leute behaupten, die Aufgabe der Paritäten sei einer der Gri'ide für
die Flutwelle der Inflation, die über die Welt hinweggezogen ist, und daß das
freiwillige System nicht die Disziplin erreichen könne, die erforderlich wäre,
um Länder zur Eindämmung ihre- Inflation zu veranlassen. Ich kann dem nicht beipflichten. Es war die Inflation, die das Floaten notwendig machte. Natürlich
verhindert das Floaten nicht eine hausgemachte Inflation und es scMrmt kein
Land gegen drastische reale Veränderungen vcm Ausland her ab wie zum Beispiel
gegen den plötzlichen Anstieg der ölpreise.
Es kann jedoch ein Land gegen eine importierte Inflation abschirmen, die die
Folge einer zu expansiven fiskalischen und monetären Politik im Auslanc ist.
W's das Floaten als Instrument der Disziplin anbetrifft, so glaube ich, wenn
ein abgewerteter Wechselkurs auf einem freien Markt direkt zu einer Steigerung
der Kosten für importierte Güter führt, dann hat dies für die allgemeine Öffentlichkeit und die politischen Führer eine größere Bedeutung als der Stand der Reserven einer Zentralbank oder der öffentlichen Kreditaufnahme.
Die
- 15 -

�Die Politik der USA ist es, unseren eigenen Wechselkurs im wesentlichen
durch die Marktkräfte bestimmen zu lassen, und nicht durch n'lüürliche staatliche Maßnahmen. Wir schlagen

nicht vor, Einwände zu erheben, wenn andere

Länder sich für die Festsetzung starrer Wechselkurse untereinander entscheiden - das Wesen eines freiwilligen System s ist es, daß es die freie Wahl gestattet -, so lange unser eigener Wunsch, dem Wechselkurs des Dollar die erforderliche Freiheit zu belassen, respektiert wird. Wir sind bereit, wann immer notwendig, zu intervenieren, um geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten aufrechtzuerhalten. Größere Bewegungen der Wechselkurse während eines Zeitraumes von mehreren Monaten sind jedoch nicht unbedingt Anzeichen eine c unqereaelten Marktes - und die Tatsache, daß solche Bewegungen sich manchmal in
ihr Gegenteil umkehren, beweist nicht, daß es den Regierungen möglich gewesen
wäre, die anfängliche Bewegung in Raten zu verhindern oder daß ein solcher Versuch wünschenswert gewesen wäre.
Wenn der Druck der Inflation nachläßt und die Volkswirtschaften sich erholen, wenn die Perioden der Ruhe zwischen unerwarteten Erschütterungen länger
werden, dann

werden sich auchdie Wechselkurse stabiler halten. Die größere

Wechselkursstabilität, die wir alle herbeiwünschen, kann nur durch eine gesunde Wirtschaftspolitik erreicht werden, die zu einer größeren binnenwirtschaftlichen Stabilität in allen unseren Volkswirtschaften führt.
Wir sind der festen Auffassung, daß den Ländern die Wahl ihres eigenen
Wechselkurssystems freistehen muß und daß alle Länder, gleichgültig, welche
Wahl sie treffen, den gleichen vereinbarten Prinzipien eines internationalen
Verhaltens unterliegen müssen. Das Recht, zu floaten, muß klar und uneingeschränkt sein. Angesichts der großen Vielfalt der Systeme, der institutionellen
Vereinbarungen, der Größe der nationalen Volkswirtschaften und der Art der Abhängigkeit von Außenhandel und ausländischen Investitionen verlangt unsere
heutige Welt Aufgeschlossenheit hinsichtlich der Zukunft.
Ich behaupte nicht, daß wir die Klugheit und den klaren

Blick besitzen,

um genau die Wechselkursvereinbarungen vorhersagen zu können, die die Welt sich
wünscht oder die in ferner Zukunft erforderlich werden. Die Erfahrungen mit den

�den gegenwärtigen Statuten zeigen eindeutig, wie schwer es ist,ein Wechsel kurssystem in fest fixierten Deta-'ls festzulegen, das für immer Bestand haben
soll. Wir müssen uns mit der Welt befassen, so "ie sie heute ist, und das erfordert jetzt ein Wechselkurssystem, daß dem raschen Wandel leicht angepaßt
werden kann. Ich weiß, dies kann erreicht werden. Unsere Vereinbarungen in
dieser Woche über Gold und Quoten zeigen, daß wir Lösungen für schwierige
Probleme finden können - und daß ein allseits akzeptabler Ausgleich bei den
Wechselkursen erzielt werden kann. Die Vereinigten Staaten werden die Suche
nach einer Lösung für dieses Problem mit schöpferischer Kraft und mit Verständnis für die Ansichten der anderen aufnehmen.

Zusammenfassung
Meine Damen und Herren, es liegt auf der Hand, daß die Aufgaben für die
Zukunft gewaltig sind:
- um ein dauerhaftes, nicht-inflationistisches Wirtschaftswachstum zu erreichen;
- um einen Ausgleich auf dem Energiese;tor zu erzielen;
- um die wirtschaftliche Entwicklung zu fördern; und
- um ein Währungssystem aufrechtzuerhalten, daß den heutigen Erfordernissen entspricht.
Jeder dieser Punkte verlangt unsere volle Aufmerksamkeit. Die diese Woche
erzielten Vereinbarungen zeigen, daß wir durch Zusammenarbeit und Beharrlichkeit Erfolg haben können. In diesem Geiste müssen wir weiter vorangehen. Ich
versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten auf diesem Weg ein zuverlässiger Partner bleiben werden. Ich danke Ihnen.
XXX

- 17 -

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53

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18/1975

DIE ROLLE DES AMERIKANISCHEN KONGRESSES IN DER AUSSENPOLITIK
Interview mit Senator Humphrey

Der einflußreiche Senator Hubert H. Humphrey - ehemaliger Vizepräsident der USA und führendes Mitglied
der Demokratischen Partei - tritt für eine engere Zusammenarbeit der Legislative und Exekutive ein. In
einem Exklusivinterview mit dem USIA-Korrespondenten
Wendy Ross legt Humphrey seine Auffassungen über die
Rolle der Vereinigten Staaten in der Welt, die künftige amerikanische Auslandshilfe, das NATO-Bündnis,
die Beziehungen der USA zur Sowjetunion und andere lebenswichtige Fragen dar.
Hubert H. Humphrey wurde am 27. 5. 1911 in Wallace,
South Dakota, geboren und 1948 zum ersten Mal in den
Senat gewählt, dem er bis 1965 angehörte, als er unter
Präsident Lyndon B. Johnson Vizepräsident wurde. Im
Jahre 1968 war er Präsidentschaftskandidat seiner Partei und wurde 1970 wieder in den Senat gewählt, in dem
er den Staat Minnesota vertritt.

Frage: Ein leitender Redakteur der "Sunday Times" in London hat kürzlich geschrieben, daß "für die Europäer und die anderen Verbündeten der
Vereinigten Staaten der größte Anlaß zur Besorgnis für die Zukunft nicht

�nicht in der Furcht vor einem amerikanischen Isolationismus, mangelndem

+

V ertrauen oder übertriebenem Eigennutz liegt, sondern vielmehr vor der völligen Konfusion und dem Element der Unvorhersehbarkeit, die heute in der Formulierung der amerikanischen Außenpolitik vorherrschen". Würden Sie zu dieser
Beurteilung der Dinge etwas sagen?
Antwort: Das ist leider eine sehr faire Beurteilung.
Man muß verstehen, was hier in Amerika vor sich gegangen ist. Wir haben einen Präsidenten und einen Vizepräsidenten, zwei ausgezeichnete Männer, von den Mitgliedern des Kongresses hoch angesehen. Aber keiner von
ihnen ist vom amerikanischen Volk in sein Amt gewählt worden. Es ist das
erste Mal in unserer Geschichte, daß wir einen Präsidenten haben, der
nicht als Präsidentschaftskandidat zur Wahl stand. Sie besitzen also, wie
wir sagen, kein "Mandat des Wählers". Das ist das erste.
•

Zweitens, sie gehören der Republikanischen Partei an. Im Gegensatz dazu
wird der Kongreß der Vereinigten Staaten von einer überwältigenden demokratischen Mehrheit beherrscht - wobei ich allerdings der Auffassung bin, daß
sich die Demokraten nicht recht als Mehrheit zu geben wissen. Ein Grund dafür ist, daß viele Mitglieder des Kongresses noch neu sind. Sie kommen aus
einem sozialen Klima, in dem als überragende Richtschnur gilt, "nach eigenem
Kopf zu handeln", in dem die Unabhängigkeit glorifiziert wird. Sie kamen
zur Regierung in einem Zeitpunkt, in dem Führung mit einer Art Mißbrauch
öffentlicher Macht gleichgesetzt wurde. Das gute, gesunde Wort "Führung"
hatte seine Achtung verloren. Man mußte davor auf der Hut sein, denn wir hatten in dem Komplex, den wir "Watergate" nennen, und in den Entwicklungen
zuvor einen Mißbrauch oder eine übersteigerte Anwendung der Macht der Exekutive erlebt - geheime Abmachungen, Verwicklung in einen sehr unpopulären

�unpopulären Krieg, den Einsatz einiger unserer Regierungsinstrumente, wie
CIA, FBI und Steuerbehörde, für sehr billige und schändliche politische
Tätigkeiten. All das hat bei den Mitgliedern des Kongresses und einem grossen Teil der Öffentlichkeit das Vertrauen in eine "starke Präsidentschaft",
wie wir es nennen, eine starke Führung der Exekutive, ja selbst eine starke
Führung im Kongreß zerstört.
Was wir heute also erleben ist ein Nachspiel, ein Rückstau all dieser
Erfahrungen, und wir müssen uns erst wieder unseren Weg suchen, um wieder
zu einer gewissen geistigen Obereinkunft zu gelangen - zu einem neuen Verständnis der Rolle des Kongresses in der Außenpolitik auf der einen Seite
und der Verantwortlichkeiten der Exekutive auf der anderen Seite. Oder
um es noch einfacher auszudrücken: Wie können wir besser zusammenarbeiten und
koordinieren; wie können wir dies tun, bevor politische Entscheidungen getroffen werden, statt nachher.
Immer wieder haben wir erfahren müssen, daß durch die Exekutive Entscheidungen getroffen und Verhandlungen abgeschlossen worden sind, von denen
der Kongreß nichts wußte oder über die wir keine ausreichenden Informationen
besaßen. Als Ergebnis begannen die Kräfte der Unabhängigkeit im Kongreß,
die Leute im Kongreß, die etwas gegen exekutive Macht haben, an diesen

Ver-

handlungen und an den erreichten Regelungen oder Abmachungen zu sägen.

Kein

Wander, daß das bei unseren Freunden draußen Verwirrung hervorruft.
Frage: Senator Humphrey, welches ist die dem Kongreß angemessene Rolle
in außenpolitischen Angelegenheiten?
Antwort: Ich glaube,diese Frage muß in eine bessere Relation gebracht
werden, nämlich: Welches ist das angemessene, richtige Verhältnis zwischen

- 3 -

�•

zwischen Exekutive und Kongreß in Sachen Außenpolitik? Die Exekutive muß
nämlich jetzt verstehen - zumindest für die voraussehbare Zukunft - daß,
bevor Initiativen vom Präsidenten und dem Außenminister oder dem Verteidigungsminister ergriffen werden - im wesentlichen sind dies unter unserem
System alles Präsidialinitiativen - daß also, ehe diese Initiativen ergriffen werden, vorbereitende Beratungen mit den entsprechenden Institutionen
des Kongresses stattfinden müssen.
Nun kann man natürlich nicht jedes Mitglied konsultieren. Wenn es sich
aber beispielsweise um eine Sache handelt, die mit der Rüstangskontrolle in
Zusammenhang steht, dann sollten zumindest zwei Gremien des Kongresses konsultiert werden

- der Außenpolitische Ausschuß des Hauses und des Senats

oder die Militärausschüsse. Die Zahl der Mitglieder dieser Ausschüsse ist
wirklich nicht sehr groß, und daher gibt es auch keine ernsthafte Erschwerung für gute Konsultationen. Der Präsident und seine Mitarbeiter brauchen
dabei ja nicht bis in letzte Einzelheiten zu gehen, aber sie müssen den Kongreß darüber informieren, daß bestimmte Dinge im Gang sind.
So ist es nunmehr Aufgabe der Exekutive, einzusehen, daß die Nach-Vietnam-Ära es erfordert, erst Konsultationen abzuhalten und dann zu starten.
So wie der verstorbene Senator Arthur Vandenberg zu sagen pflegte: "Ich
will bei den Starts genau so dabei sein wie bei den Bruchlandungen".
Im allgemeinen kommt der Kongreß erst bei den "Bruchlandungen" ins
Spiel oder aber, wenn wir"mitten im Flug"sind, wo es keine Möglichkeit zur
Umkehr gibt - dem

Punkt, von dem es kein Zurück mehr gibt. Das kann so»

- 4 -

« .

�*

so nicht weitergehen, und ich glaube, unsere Nachbarn in der Welt müssen
einfach begreifen, daß wir für eine bestimmte Zeit dies hier bei uns auszufechten haben.
Das bedeutet aber nicht, daß die von den Vereinigten Staaten gegenüber
der NATO eingegangenen bindenden Verpflichtungen irgendwie geringer würden.
Der Kongreß steht zur NATO. Wir bewilligen für die Verteidigung 100 Milliarden
Dollar. Wir haben nach wie vor ein Auslandshilfeprogramm, Wir verschenken oder
verleihen Milliarden von Dollar. Und so verfügen die Vereinigten Staaten,
trotz all der Zweifel und Kritik in den Leitartikeln, über eine funktionierende Regierung.
Aber wir sind eiBe Demokratie und wir werden niemandem erlauben, uns zu
sagen, was wir zu tun haben. Wir werden damit fertig werden, genau so wie
wir nach dem Zweiten Weltkrieg damit fertig geworden sind. Wir leben jedoch
in einer anderen Zeitepoche. Es ist nicht 1947 - es ist 1975. Es ist nicht
die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, es ist vielmehr die Zeit nach der unglaublichen Erfahrung, die wir in Vietnam machten, nachdem die Sowjets eine Supermacht geworden sind, nach dem arabischen ölembargo und nach drei Kriegen im
Nahen Osten, die alle für uns eine außerordentliche Gefahr bedeuteten. Und
der Kongreß wird zu diesen Dingen einiges zu sagen haben.
Frage: Zu einem anderen Thema: Sie standen vor kurzem an der Spitze
einer Gruppe von 13 Senatoren, die die Sowjetunion besuchten. Eine Zeitung
in Washington schrieb kürzlich in einem Artikel, daß Sie aufgrund Ihrer mit
dem führenden Mann der Sowjetunion, Breschnew, geführten Gespräche, Präsident Ford dringend geraten hätten, vorsichtig zu sein, ehe sie irgendwelche

- 5 -

�irgendwelche Abkommen der SALT II-Verhandlungen unterzeichneten. In dem
Artikel wird berichtet, daß Sie Präsident Ford gegenüber erklärt hätten,
der Kreml brauche nach Ihrem Gefühl sehr viel dringender ein Abkommen mit
den Vereinigten Staaten als die Vereinigten Staaten eines mit der Sowjetunion,
und daß die Vereinigten Staaten
klaren Vorteil

daher in ihrer Verhandlungsposition einen

hätten. Ist das wahr?

Antwort: Nun ja, nach meinem Urteil sollten wir keinerlei Hast noch
Eile bei Fragen aufkommen lassen, die so delikat oder so empfindlich und komplex sind, wie die der SALT II-Verhandlungen - d.h. bei den Gesprächen über
die Begrenzung Strategischer Rüstunqen &gt; c'1'e

mit

Offensivwaffen in Zusammen-

hang stehen. Das Schlimmste was wir tun könnten wäre, die Dinge im Ungewissen
zu lassen. Eine der Schwächen des Interimsabkommens über die ABM-Systeme und
andere Nuklearwaffen bestand ja in den vielen Gebieten, über die Zweideutigkeit und Unklarheit herrscht, Gebiete, bei denen wir einseitige Erklärungen
über das haben, was es nach unserer Auffassung bedeutet.
Nun sind die Sowjets weiter gegangen und haben gemäß diesem Interimsabkommen, nach den Abmachungen von SALT I, einige Veränderungen in Ihrem
Waffensystem vorgenommen. Sie haben ihre Raketensilos geändert, sie haben
ihre Raketen verbessert, sie haben die Einsatzmittel-Last ihrer Raketen gesteigert, sie haben begonnen, ihre Raketen mit MIRVs zu armieren. Viele
Amerikaner sagen nun, "Oho! Die Sowjets verletzen das Abkommen"'- aber sie
verletzen es nicht! Die Sowjets verletzen den Buchstaben des Abkommens
tatsächlich nicht. Wogegen sie verstoßen, das ist das einseitige Verständnis, das wir hatten. Aber die Russen haben ja nicht das unterzeichnet, was

- 6 -

�r

was es nach dem Verständnis der Vereinigten Staaten bedeuten sollte.
Ich meine daher jetzt ganz einfach, daß wir, um in diesen sehr delikaten Beziehungen zwischen zwei Supermächten alles Mißverständliche soweit
wie möglich zu verringern oder zu vermeiden, versuchen sollten, durch eine
ganz spezifische, genaue Sprache ein Maß an Genauigkeit - und nicht Doppeldeutigkeit - festzulegen über das, was wir meinen, wenn wir von bestimmten
Waffensystemen sprechen, und über das, was wir tun können und nicht tun
können. So können wir uns beispielsweise keinerlei Doppeldeutigkeiten darüber
erlauben, ob Flugkörper mit Luftstrahltriebwerk (cruise missiles) unter die
Bestimmungen der Abmachungen von Wladiwostok fallen oder nicht. Wir können
uns auch keine Unklarheiten darüber leisten, ob der russische Bomber des
Typs "Backfire" unter die Bestimmungen des Wladiwostok-Abkommens fallen soll
oder nicht. Alles, was ich sage, ist: Keine Übereilung, nur um einen politischen Vorteil zu erlangen.
Das Problem ist gewesen, daß die früheren Abkommen kurz vor den Wahlen
des Jahres 1972 zustandekamen. Mr. Nixon wollte Übereinkünfte und Abkommen
haben. Das kann ich begreifen. Meine Kritik richtet sich nicht so sehr dagegen, daß der Präsident in der Lage sein wollte, zu zeigen, daß er wesentliche Fortschritte in der Außenpolitik erzielt hatte. Er hat •_ sie ja erzielt. Er hat wesentliche Fortschritte erzielt. Ich glaube, das ist das Verdienst Mr. Nixons, sowohl in Rußland als in China. Jetzt kommt aber ein
neues Wahljahr auf uns zu, und dann entsteht immer ein gewisser Druck in der
Administration

wie auch im Kongreß, Dinge zum Abschluß zu bringen, selbst
- 7 -

�4

selbst wenn sie nicht so gut sind, wie man wünschen möchte.
Ich meine, wir sollten vorsichtig vorgehen, aber wir sollten voranschreiten. Wir sollten, wenn es menschenmöglich ist, einen beständigen Fortschritt erzielen. Aber man darf nicht leichtfertig über etwas hinweggehen,
was einem Schwierigkeiten machen könnte. Und man darf nicht versuchen, es
zu verharmlosen, weil dies nur zu noch größeren Schwierigkeiten zu einem
späteren Zeitpunkt führen würde.
Frage: Aber wenn wir nun eine größere Spezifizierung verlangen, glauben
Sie, daß wir dann nochzu einem Abkommen gelangen können?
Antwort: Oh,ja! Wir sollten nicht vergessen, daß es vieles gibt, was
die Sowjets von uns haben wollen. So glaube ich, daß es für sie

dringend

notwendig ist, die ungeheuren Kosten des Wettrüstens zu verringern, da sie
ja auch noch andere Probleme haben. Sie haben Probleme mit China, und sie
haben Probleme mit ihrer Wirtschaft, einschließlich des gewaltigen Ernährungsproblems. Ich möchte eines klarstellen: Ich schlage nicht vor, daß wir diese
Probleme ausschlachten sollten. Das möchte ich nicht, und das würde auch
nicht funktionieren. Nur solche Abkommen, die für beide Seiten nützlich
sind, können funktionieren. Aber ich möchte auch nicht, daß irgendetwas
überpinselt wird, nur weil es schwierig ist.
Frage: Eine andere Frage im Zusammenhang mit dem amerikanisch-sowjetischen Verhältnis ist das gesamte Problem der Verknüpfung von Handel und
sowjetischer Auswanderungspolitik. Haben Sie aufgrund Ihres Besuches (in
der UdSSR) Ihre positive Haltung zum Jackson-Vanik-Amendment (Gesetzeszusatz, durch den die Gewährung der Meistbegünstigungsklausel von einer Liberalisierung der Auswanderungspolitik abhängig gemacht wurde) zum Handels-

- 8 -

�*

Handelsgesetz von 1974 irgendwie geändert?
Antwort: Grundsätzlich nicht. Wenn ich sage, grundsätzlich nicht, dann
meine ich, daß wir ein Recht haben,die Sowjets zu drängen, eine größere Freizügigkeit zuzulassen. Die Formulierung dieser Bestimmung im Handelsgesetz,
wie sie gegenwärtig besteht, ist vielleicht etwas zu scharf. Aber die größten Schwierigkeiten mit dem Jackson-Vanik-Zusatz hat es nicht wegen der
tatsächlichen Formulierungen im Gesetz gegeben, sondern wegen der Publizität,
die dieser Zusatz gefunden

hat. Man hat versacht, der amerikanischen Öffent-

lichkeit den Eindruck zu vermitteln, wir hätten "ihnen gesagt: Entweder, oder".
Wir sollten nicht von "Quoten" der jüdischen Auswanderung sprechen, und
wir sollten das nicht anderen Leuten unter die Nase reiben,obwohl wir natürlich, wie ich meine, eine Verpflichtung auf dem Gebiet der

Menschenrechte

haben. Unsere Delegation hat den Sowjets das erklärt.
Wir haben den Sowjets gesagt, daß wir das Gesetz

abändern können, daß

wir auch das Export-Import-Gesetz abändern können, dag wir ihnen größere Kredite geben können, daß wir ihnen die Meistbegünstigungsklausel einräumen
können - aber daß sie eben einfach im Sinne der jüdischen Auswanderung etwas
tun müssen. Wenn sie nicht bereit sind, irgend etwas zu tun, dann sieht es
schlecht aus.
Frage: Senator Humphrey, ganz allgemein von dieser Frage der Menschenrechte gesprochen: In welchem Umfang können die Vereinigten Staaten nach Ihrer
Auffassung das innenpolitische Verhalten anderer Länder beeinflussen?
Antwort: Sie werden verstehen, daß es sehr schwferig ist, anderen
Ländern zu sagen, was sie zu tun haben. Mar, kann ihnen sagen, was sie tun

- 9 -

�sollten, aber eine andere Frage ist, ob man sie veranlassen kann, es zu
tun. Ich bin jedoch der Überzeugung, daß wir niemals einen Zweifel darüber
aufkommen lassen dürfen, wo wir hinsichtlich der Frage der Menschenrechte
stehen. Beispielsweise in Korea. Ich bin der Auffassung, daß wir gegenüber
Südkorea eine starke Verpflichtung haben . Ich halte sehr viel vom koreanischen Volk. Wir hatten in den Jahren nach dem Kriege ein ausgezeichnetes
Verhältnis zu diesem Volk. Und ich meine, die Welt sollte sich darüber im
klaren sein, daß wir einen Vertrag haben und daß wir diesen Vertrag erfüllen werden. Das bedeutet jedoch keinesfalls, daß wir alles gutheißen müssen,
was das Regime von Präsident Park tut. Ich bin der Ansicht, wir sollten ihm
klar machen, daß er durch autoritäre Maßnahmen den Enthusiasmus,

die Ent-

schlossenheit unserer Unterstützung untergräbt.
Wenn Regierungen die Presse unterdrücken, wenn sie religiöse Gruppen
unterdrücken, wie das in einigen Ländern geschieht, dann dürfen die Vereinig
ten Staaten nicht einfach die Augen verschließen und so tun, als sei nichts
passiert. Wir müssen etwas tun. Und unser Außenminister muß klar machen,daß
das amerikanischeVolk sich abgestoßen fühlt; daß dadurch die Fähigkeit unserer Regierung, die benötigte Unterstützung zu gewähren, eingeschränkt wird.
Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das an die in seiner Verfassung
niedergelegten Menschenrechte glaubt. Die Sowjetunion sagt, sie glaube an
Marx und Lenin . Ich habe nichts dagegen. Das ist ihre Sache. Ich stehe jedoch für die Unabhängigkeitserklärung und die Verfassung der Vereinigten
Staaten, für die Bill of Rights, ein. Ich glaube an den Grundsatz: 'Was
Du nicht willst, das man Dir tu , das füg auch keinem anderen zu.
Man

�Man kann natürlich aufgrund der harten Tatsachen des Lebens gezwungen
sein, manche Dinge eben zu dulden. Das heißt aber noch lange nicht, daß wir
die Dinge, weil wir sie hinnehmen, auch als Norm akzeptieren. Wir müssen
dann die Leute wissen lassen, daß unser Verhalten durch die Notwendigkeit
bestimmt ist, aber wir lassen sie dann auch wissen, daß wir ihre Maßnahmen
deswegen keineswegs billigen.
Frage: Sie sind Vorsitzender des Unterausschusses für Auslandshilfe
des Außenpolitischen Ausschusses, eines neuen und sehr wichtigen Unterausschusses. Wie sehen Sie die Zukunft der amerikanischen Auslandshilfeprogramme
in der Ära nach Vietnam?
Antwort: Schwierig, sehr schwierig! Aber ich glaube, wir können sie
fortsetzen. Wir werden diese Programme in Zukunft sehr viel sorgfältiger prüfen. Wir werden einen größeren Teil unserer Auslandshilfe über die multinationalen oder multilateralen Organisationen, die Sonderoorganisationen der
Vereinten Nationen und andere, abwickeln. Wir werden den Nachdruck, vor allem
in der Nahrungsmittelerzeugung, im Gesundheitswesen und im Bildungswesen auf
die ärmsten Länder legen. Ich meine, das sind die richtigen Schwerpunkte.
Die Bevölkerung darf erwarten, daß wir mit der Zuteilung unserer Mittel für
die Auslandshilfe sorgsamer umgehen. Das heißt jedoch nicht, daß wir kein
sehr gesundes und beträchtliches Auslandshilfeprogramm haben werden. Es
wird besser verwaltet und vom Kongreß besser überwacht werden, Und ich glaube,
es wird auch wirksamer werden.
Frage:
- 11 -

�Frage: Ihr Unterausschuß hat auch die legislative Aufsicht über Waffenverkäufe und Sie haben Anhörungen über diesen Fragenkomplex abgehalten.
Wie steht der Kongreß zu Waffenverkäufen?
Antwort: Wir sind sicherlich besorgt darüber, aber wir haben noch keine
wirkliche Antwort gefunden. Wie Sie wissen

sind die Vereinigten Staaten zum

größten Waffenhändler der Welt geworden. Ich glaube, unsere Waffenverkäufe
im vorigen Jahr beliefen sich auf rund acht Milliarden Dollar und werden in
diesem Jahr vielleicht noch höher liegen.

Das ist sehr viel. Aber die Fran-

zosen sind auch in diesem Geschäft, ebenso wie die Briten und die Sowjets.
Die Hauptsorge des Kongresses ist das Ausmaß, in dem die Vereinigten
Staaten hochentwickelte Waffen liefern. Wir wollen wissen, an wen sie geliefert werden und unter welchen Bedingungen. Ich meine, wir sollten derartige
Tätigkeiten sehr sorgsam überwachen. Nun ist natürlich in letzter Zeit eine
große Menge Waffen an die Länder des Nahen Ostens und des Persischen Golfs
verkauft worden. Der Schah von Persien hat große Einkäufe getätigt, und wir
im Kongreß haben uns nicht geweigert, diese Verkäufe gutzuheißen. Wir haben
die Vollmacht, uns, wenn es notwendig ist, diesen Verkäufen- zu widersetzen,
aber wir sehen einen Grund für diese Investition. Er muß seine Grenzen verteidigen können. Er lebt in einem sehr gefährlichen Teil der Welt. Aber wir
halten es auf jeden Fall für wichtig, ein Auge auf solche Waffenverkäufe zu
haben, und so überprüfen wir ständig die Abwicklung der militärischen Lieferungen und die Gesetzgebung für

solche Lieferungen im Lichte der neuesten

Ereignisse. Es geht dabei nicht darum, irgendjemandem Ärger zu bereiten,
sondern den Kongreß

auf dem Laufenden zu halten.
Frage:

- 12 -

�Frage: Vielleicht noch eine wesentliche Frage: Welche Rolle sollten
nach Ihrer Auffassung die Vereinigten Staaten in den nächsten Jahren in der
Weltpolitik spielen? Ihr Ausschuß hält ebenso wie der korrespondierende Ausschuß des Repräsentantenhauses Anhörungenüber die künftige Rolle der amerikanischen Außenpolitik ab.
Antwort: Wir wollen zunächst einmal die Gefahren der kommenden Jahre
betrachten. Die erste und größte Gefahr ist das Wettrüsten, denn man ist
fälschlicherweise der Meinung, daß man durch das Aufstocken der Rüstung
mehr Sicherheit bekomme. In Wirklichkeit ist es natürlich so, daß die andere
Seite ebenfalls aufstockt. Damit wird nur die Schwelle der Gefahr angehoben und man verbraucht gewaltige Mittel,die man dringend für einen höheren
Lebensstandard und für viele andere Aufgaben in den jeweiligen Ländern
brauchen würde. Ich meine daher, daß im Vordergrund der Außenpolitik im
nächsten Jahrzehnt eine weltweite, entschlossene Anstrengung, vor allem zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, stehen muß, um dem Wettrüsten eine Grenze zu setzen. Man muß ihm Einhalt gebieten und es dann
hoffentlich zurückschrauben.
Ich möchte auch hoffen, daß uns das in gleicher Weise im Nahen Osten
gelingt. Der Nahe Osten sollte auf jeden Fall eine kernwaffenfreie Zone
sein. Die Vereinigten Staaten sollten sich im Nahen Osten rüstungsmäßig
ebenso zurückhalten wie die Sowjetunion. Das wird eine beiderseitige Angelegenheit sein müssen, und wir werden einen Großteil unserer Aufmerksamkeit
auf dieses Gebiet als einem Gefahrenpunkt konzentrieren müssen.
Unser NATO-Bündnis ist sehr wichtig. Es ist der Eckpfeiler unseres
ganzen Sicherheitssystems. Sie ist das Kernstück, und wir brauchen dort ein
gut funktionierendes Verhältnis und eine starke Verteidigung. Und wir haben
auch unsere Verantwortlichkeiten in Japan.
- 13 -

..

�Unsere neuen außenpolitischen Initiativen werden sich jedoch weitgehend
auf den wirtschaftlichen Bereich erstrecken. Als große Industrienation brauchen wir den Zugang zu den Versorgungsquellen - zu einer möglichst durch langfristige Abkommen über Grundstoffpreise gesicherten Versorgung - nicht mit
fixierten, sondern mit flexiblen Preisen. Wenn die Entwicklungsländer ihre
Güter zu einem fairen Preis an uns verkaufen können, dann brauchen sie weniger Auslandshilfe. Ich meine, es ist besser für sie, wenn sie ihren Unterhalt
mit einem fairen Preis für das, was sie uns verkaufen wollen, selbst verdienen, als daß wir sie mit Niedrigpreisen ausbeuten und dann wieder in einem
großen Geist der Nächstenliebe an sie herantreten und sagen, daß wir
ihnen aus der Klemme helfen müssen.
Die Menschen verdienen ihren Unterhalt lieber selbst.
Aus dem ländlichen Staat Minnesota kommend habe ich durchaus Verständnis für das, was den Rohstofferzeugern passiert ist. Sie bekommen immer weniger für ihre Mühen als die meisten anderen Leute. Sie sind niemals ganz fair
behandelt worden. Ich möchte daher sichergehen, daß wir gelernt haben, daß
von jetzt an unsere wirtschaftliche Zusammenarbeit entscheidend wichtig
ist - nicht nur unter den Industrieländern, sondern auch zwischen Industrieländern und Entwicklungsländern.
Ich hoffe, wir werden begreifen, daß es hier einer kontinuierlichen
Auslandshilfe für die wirtschaftliche Entwicklung bedarf. Der Nachdruck muß
auf die Nahrungsmittel Versorgung der Welt gelegt werden, '.und

es muß für

den Notfall vorgesorgt werden - durch Nahrungsmittellager für den Notfall,
um für ernste und nicht vorhersehbare Fälle gerüstet zu sein. Das sind,
neben vielen anderen, die Probleme, auf die wir unser Augenmerk konzentrieren sollten.

Die
14

i

�Die militärischen Aspekte der Außenpolitik werden nicht länger unsere
einzige Sorge und Last sein. Die wirtschaftlichen und menschlichen Aspekte
sind ebenso wichtig. Da ist der Umweltschutz; da ist das Seerecht; da ist
das Wissen um die Interdependenz und die Erkenntnis, daß die Vereinigten
Staaten, die zwar eine große Weltmacht sind, nicht mehr dominieren oder
herrschen. Die Vereinigten Staaten haben einen gewaltigen Einfluß, und wir
sollten das niemals unterschätzen, aber wir müssen ein brauchbarer Partner
im Rahmen unserer Bündnisse auf der einen und Weltgemeinschaft auf der anderen Seite sein. Und wir müssen den Standpunkt des anderen berücksichtigen
und sehen, was er braucht.
Frage: Sie sind optimistisch,

daß diese Interdependenz eintreten

wird?
Antwort: Aber sicher, weil sie notwendig ist. Es wird eine sehr große
Herausforderung an uns sein, und es wird uns manchmal zu Tode erschrecken.
Aber wir werden lernen müssen, mit der Gefahr zu leben. Es gibt heute so
viele Menschen, die alles gerne leicht und bequem hätten. Ich glaube, wir
haben heute eine ganze Generation solcher Leute, die glauben, wenn

etwas

schief geht, dann geht gleichalles in die Brüche. So ist es nicht. Wissen
Sie, es ist dann besser, zu erkennen, daß es schwierig werden wird, und daß
man, wenn man sich den Schwierigkeiten nicht stellen will, ihnen am besten
gleich aus dem Weg geht. Die Welt ist nicht für weiche Menschen .geschaffen.
Die Welt ist geschaffen für Menschen, die sich der Herausforderung stellen,
die Mut und Abenteuergeist haben - die moralische, physische und geistige
Stärke besitzen.
XXX

- 15 -

�</text>
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              <text>Amerikadienst 10.09.1975</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Simon umreißt Haltung der USA zu Weltwirtschaftsproblemen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Finanzministers vor der Jahrestagung des IWF und der Weltbank -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Rolle des amerikanischen Kongresses in der Außenpolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Senator Humphrey -&lt;/em&gt;</text>
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