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Dokumentation

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Nummer

24. April 1975

Inhalt

INFORMATION:

"The Philadelphia Orchestra" unter Eugene Ormandy kommt im Mai nach
Deutschland
Fulbright-Stipendien zum Studium in den USA im Studienjahr 1976/77

US-Beteiligung auf Pariser Luftfahrtsalon aus der Sicht des "Blauen
Planeten"

DOKUMENTATION:

Kissinger unterstreicht weltpolitische Rolle der USA
-Rede des amerikanischen Außenministers vom 17. April 1975-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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9/1975

"The Philadelphia Orchestra" unter Eugene Ormandy kommt im Mai nach
Deutschland
-»(AD)-- Das weltberühmte Philadelphia Orchestra unter seinem Chefdirigenten
Eugene Ormandy wird in der Zeit vom 9. bis 2o. Mai eine Tournee durch die Bundesrepublik Deutschland veranstalten, in deren Verlauf das Orchester in 12 Tagen neun Konzerte in neun Städten geben wird. Der Besuch Ormandys und seiner
Musiker bildet den Auftakt der in Deutschland geplanten Veranstaltungen anläßlich der 200-Jahrfeier der Vereinigten Staaten von Amerika.
Das Orchester hat sich durch Konzertreisen in alle Welt, Rundfunk-und Fernsehauftritte und nahezu 4oo Langspielplatten einen internationalen Ruf erworben.
Sein musikalischer Leiter, Eugene Ormandy, hat es vermocht, diesem diszipliniertem Klangkörper einen eigenen "Sound" zu geben, der von Kritikern und Bewunderern
als "Millionen-Sound" bezeichnet wird.
Das Philadelphia Orchestra kann im November auf 75 Jahre seines Bestehens
zurückblicken. Gegründet wurde es 1900 von dem deutschen Dirigenten Fritz Scheel,
der 1892 zur Leitung mehrerer Konzerte auf der Weltausstellung in Chicago nach
den Vereinigten Staaten gekommen war und sich dann in Philadelphia niederließ.

Nach

�Nach seinem Tode berief man 1907 mit Carl Pohl ig wiederum einen deutschen
Dirigenten zu seinem Nachfolger. Von 1913 bis 1936 stand dem Orchester kein
Geringerer als Leopold Stokowski vor, nach dessen Abgang vor fast 40 Jahren
Eugene Ormandy die Stabführung übernahm.
Das über 100 Mann starke Philadelphia Orchestra wird auf seiner Frühjahrstournee 1975 durch die Bundesrepublik in folgenden Städten gastieren:
Düsseldorf (9. Mai), Essen (10.Mai), Wuppertal (11.Mai), Bonn (13.Mai),
Frankfurt (14.Mai), Hamburg (15.Mai), Stuttgart (16.Mai), Ulm (17.Mai) und
München (20.Mai).

XXX

-2-

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8/1975

FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR
1976/77

--(AD)-- Auch für das Studienjahr 1976/77 kann die deutsche Fulbright-Kommission wieder kombinierte Reise- und Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Bewerbungen müssen
bis zum 15. Juni 1975 eingereicht werden, und zwar von immatrikulierten Studenten bei den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen.

In Abänderung der Richtlinien werden Jungakademiker mit abgeschlossenem
Hochschulstudium nunmehr an den Deutschen Akademischen Austauschdienst verwiesen.
Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst.

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8/1975

US-BETEILIGUNG AUF PARISER LUFTFAHRTSALON AUS DER SICHT DES "BLAUEN PLANETEN"

--(AD)-- Der amerikanische Pavillon auf der Internationalen Fachausstellung
für Luft-und Raumfahrt in Paris, die dieses Jahr in der Zeit vom 30. Mai
bis 8. Juni stattfindet, ist in hohem Maße auf Erkenntnisse, Erfindungen
und Neuentwicklungen aus dem Bereich der Raumfahrt ausgerichtet,die geeignet
sind, das Leben des Menschen zu bereichern - das Leben auf dem "Blauen Planeten", als der sich die Erde aus der Sicht des Raumfahrers darstellt.
Kernstück der amerikanischen Schau, die vom Handelsministerium der USA
organisiert wird, bildet eine audio-visuelle Präsentation der wichtigsten
technischen Neuheiten, die ursprünglich für die Raumfahrt entwickelt, inzwischen jedoch als Gebrauchs-und Luxusgegenstände Eingang in den Alltag
oder als Rohstoffe oder Bauelemente in die Gebrauchstechnik gefunden haben.
Im Zuge der Vorbereitung und Durchführung von Weltraumflügen gewonnene Erkenntnisse und die für Zwecke der Raumfahrt neu entwickelten Materialien gestatten der Industrie heute die Herstellung zahlreicher bisher völlig unbekannter Produkte und lassen ahnen, welche Veränderungen uns die Zukunft noch
bringen wird.
Die

-1-

�Die 68 amerikanischen Firmen, die auf dem Pariser Luft-und Raumfahrtsalon
vertreten sind, stellen einen Querschnitt durch die Luft-und Raumfahrtindustrie
der Vereinigten Staaten dar. Sie zeigen in Paris ihre jüngsten Erzeugnisse
aus zahlreichen Teilbereichen der einschlägigen Industrien: Luftfahrzeuge und
Motoren, Wartungs-und Versorgungsgeräte, Flugelektronik-Ausrüstungen und Konstruktionselemente, Bauteile, Baustoffe und Zubehör für Flugzeuge und Raumflugkörper.

Der amerikanische Pavillon, repräsentative Schau und Verkaufsausstellung
zugleich, gibt der europäischen Fachwelt Gelegenheit, sich nicht nur über den
Stand und die letzten Neuheiten der amerikanischen Luft-und Raumfahrttechnik
zu informieren, sondern bietet auch zahlreiche Anknüpfungspunkte zu Fach-und
Verkaufsgesprächen mit den anwesenden Spitzenvertretern und -technikern der
Ausstellerfirmen. Im übrigen sind viele ausstellende

Firmen auf der Suche nach

europäischen Partnern in der Produktion, im Vertrieb und in der Versorgung
mit Dienstleistungen sowie bei der Errichtung von Gemeinschaftsfirmen in Europa.

Weitere Auskünfte erteilt die Sonderabteilung Luftfahrtausstellung bei
der amerikanischen Botschaft in Paris, die unter 1975 Paris Air Show, American
Embassy Paris, Tel. 265-6440, X-3493 zu erreichen ist.
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KISSINGER UNTERSTREICHT WELTPOLITISCHE ROLLE DER USA
Rede des amerikanischen Außenministers vom 17. April 1975

WASHINGTON - (AD) - Außenminister Dr. Henry A. Kissinger hat am 17. April
1975 in einer Rede vor der "American Society of Newspaper Editors" - einem Verband, dem die meisten einflußreichen Zeitungs- und Zeitschriftenredakteure angehören - mit allem Nachdruck die außenpolitische Rolle und Bedeutung der Vereinigten Staaten unterstrichen.

Die USA seien noch immer der größte Faktor

in der Weltpolitik, aber gleichzeitig, so warnte er, dürfe das amerikanische
Volk nicht in seiner Zielbewußtheit und Ausdauer nachlassen.

Die programmatische Rede des amerikanischen Außenministers hat folgenden
Wortlaut:

Herr Präsident Hayes, verehrte Gäste, meine Damen und Herren,

Ich stehe heute hier vor Ihnen, um einen Ton der Hoffnung und der Zuversicht über unsere Außenpolitik zum Erklingen zu bringen, trotz der Tatsache,
daß wir jetzt durch eine Periode der Not und des Mißgeschicks hindurchgehen.

Angesichts von

Rückschlägen kann eine Nation sich in Schärfe und Bitter-

keit verlieren und nach Sündenböcken Ausschau halten statt aus dem-Geschehenen
Lehren zu ziehen.
Sie

�Sie kann aber auch leidenschaftslos ihre Lage überprüfen, die geeigneten
Schlüsse ziehen und mit Realismus und Zuversicht ihren künftigen Kurs abstecken.

Präsident Ford hat diesen letzteren Kurs gewählt. Vor einer Woche forderte
er den Kongreß und das amerikanische Volk auf, diese Zeit der Schwierigkeiten
und Hindernisse zu einer Demonstration unseres hochgemuten Willens werden zu
lassen, erneut unsere Hingabefähigkeit und unseren Mut unter Beweis zu stellen
und diese für den Aufbau einer besseren Welt dienstbar zu machen.

Während der gesamten Nachkriegszeit waren unsere Stärke und unser Wille,
die Führung zu übernehmen, von entscheidender Bedeutung für die Erhaltung des
Friedens und die Stärkung des Fortschritts.

Sollten sie versagen, so würden

starke Veränderungen in der politischen Grundstruktur überall auf der Welt eintreten.

Das würde zu neuen Gefahren für die Sicherheit und das wirtschaftliche

Wohlergehen Amerikas führen. Der Nahostkrieg und das Ölembargo von 1973 haben
gezeigt, wie selbst weit entfernte Ereignisse den Frieden der Welt und die Prosperität des ganzen Planeten zugleich in Gefahr bringen können.

Eine Verringerung

der amerikanischen Einflüsse in entscheidend wichtigen Gebieten kann verheerende
Folgen haben.

Die Vorstellung, die wir bei anderen Nationen erwecken, ist damit eine
Angelegenheit von großer Tragweite. Täglich erhalte ich Berichte von unseren
Botschaften, in denen mir die von unseren Freunden geäußerten Besorgnisse und
Fragen übermittelt werden. Was bedeuten die Ereignisse in Indochina, an der
Südflanke der NATO und im Nahen Osten für die Kompetenz - die Beständigkeit die Glaubwürdigkeit - den Zusammenhalt Amerikas?
reagieren?

Wie werden die Amerikaner

Welche Folgen ergeben sich daraus für die künftige amerikanische

Politik?

Wir können gewiß sein, daß potentielle Gegner sich die gleichen Fragen
stellen - allerdings nicht aus Sympathie heraus, sondern um ihre eigenen Chancen
abzuwägen.

Es
- 2 -

�Es ist heute beinahe modisch zu behaupten, daß der Hinweis auf Gefahren
zu einer sich selbst bestätigenden Prophetie führe;
Folgen, diese zustande bringe.
so einfach.

daß die Voraussage von

Unglücklicherweise ist das Leben jedoch nicht

Wir können nicht durch bloße Rhetorik Glaubwürdigkeit erlangen;

wir können die Konsequenz des Handelns nicht durch Proklamation erzeugen und
wir können Fakten nicht verändern, indem wir einfach nicht über sie sprechen.

Wir können in bezug auf das Urteil, das die Welt über unsere früheren
Taten fällt, wenig tun - es steht aber in unserer Macht, für unsere Zukunft
zu sorgen;

Wenn die Vereinigten Staaten Mißgeschick mit Würde tragen, wenn wir der
Welt klar machen, daß wir weiterhin eine einheitliche und konsequente Vorstellung von einer konstruktiven internationalen Rolle haben und gewillt sind, sie
zu erfüllen, dann können wir die Tore zu einer neuen Ära schöpferischer Gestaltung und Leistung öffnen.

Genau das liegt in unserer Absicht.

Ich weiß, daß es für ein Volk, das sich großen Schwierigkeiten im eigenen
Lande gegenübersieht, nicht leicht ist, sich auf neue internationale Anstrengungen einzustellen.

Aber unsere wirtschaftliche Zukunft ist mit der der üb-

rigen Welt aufs engste verknüpft - und mit den internationalen Entwicklungen
auf den Gebieten der Energie, des Handels und der Wirtschaftspolitik.

Die Ge-

sundheit unserer Wirtschaft hängt davon ab, daß wir die amerikanische Führungsrolle im Ausland aufrechterhalten.

Unserem Land bleibt keine andere Wahl.

Wir müssen um unseres eigenen

Heils willen eine bedeutende Rolle in der Weltpolitik spielen.. Wir haben starke
Trümpfe in der Hand - eine gesunde außenpolitische Konzeption, wesentliche
internationale Leistungen in den letzten Jahren und die gewaltigen Fähigkeiten
eines fleißigen und begabten Volkes. Wir haben die Hilfsmittel - und den Willen um aus Mißgeschick wieder einen positiven Ausblick zu machen.
Indochina
- 3-

�Indochina

Lassen Sie mich mit unserem tragischsten und unmittelbarsten Problem beginnen.

Ich habe dem Ersuchen des Präsidenten um militärischen und humani-

tären Beistand für das gepeinigte Volk von Südvietnam nichts hinzuzufügen.
Ich unterstütze diesen Appell und habe in den letzten Tagen dazu vor den Kongreßausschüssen ausführlich Stellung genommen.

Die Zeit wird kommen, da es klar sein wird, daß ein jeder Präsident zumindest Hilfe für diejenigen fordern mußte, die wir zur Verteidigung ihrer
Unabhängigkeit ermutigt und an deren Seite wir über ein Jahrzehnt lang gekämpft
haben.

Dann werden die Bürger Amerikas froh sein, daß sie einen Präsidenten

hatten, der sich weigerte, jene preiszugeben, die in der Stunde der Not verzweifelt um Hilfe baten.

Unser Land hat in Indochina fast 15 Jahre lang versucht, Großes zu verwirklichen.

Wir haben ein gewaltiges Prestige eingesetzt;

Zehntausende star-

ben, weitaus mehr wurden verwundet, gerieten in Gefangenschaft oder wurden vermißt;

unsere Ausgaben überstiegen 150 Milliarden Dollar und das innere Gefüge

unserer Nation wurde schwerer Belastung ausgesetzt.

Ob dieses Unternehmen gut geplant und durchdacht war oder nicht, das ändert jetzt nichts am Wesen unseres Problems. Wenn eine derartige Anstrengung
scheitert, dann ist das ein Ereignis von tiefer Bedeutung - für uns wie auch
für andere.
Ich jedenfalls halte es nicht für unedel, daß man versucht hat, die Unabhängigkeit eines kleinen und tapferen Volkes zu erhalten.

Nur eine sehr ide-

alistische Nation hätte angesichts so vieler Entmutigung durchgehalten.

Aber wo so viele glauben, daß der Krieg ein schrecklicher Irrtum war,
wo Tausende trauern, um die die sie liebten, und andere sich über die Schlappe
ihres Landes grämen - da ist des Kummers und Leids wahrlich für alle genug.
Die

�Die Vietnamdebatte hat nun ihren Verlauf genommen. Jetzt ist die Zeit
für Zurückhaltung und Mitgefühl gekommen.
punkt dargelegt.

Die Administration hat ihren Stand-

Jetzt wollen wir uns alle an das Verdikt des Kongresses

halten - ohne Groll und Ressentiment.

Die Konzeption

Lassen Sie uns daher den Blick auf die Zukunft richten. Als Ausgangspunkt
steht uns eine gesunde außenpolitische Struktur zur Verfügung.
Die Ära der Nachkriegsordnung der internationalen Beziehungen ging mit dem
vorigen Jahrzehnt zu Ende.

Zwar war der Ablauf dieser Periode nicht durch einen

plötzlichen Umbruch gekennzeichnet, aber die kumulative Veränderung zu Ende der
sechziger Jahre war doch sehr tiefgreifend.

Die starre bipolare Konfrontation

des Kalten Krieges war vorbei. An ihre Stelle war eine komplexere, fließendere
Welt getreten - mit vielen Zentren der Macht, mit subtileren Gefahren und neuen
verheißungsvollen Chancen.

Westeuropa und Japan waren stärker und selbstbewußter

geworden, unsere Bündnisse mußten daher einer gleichberechtigten Partnerschaft
angepaßt werden.

Die kommunistische Welt war aus Gründen der Doktrin und der

nationalen Interessen geborsten.

Es boten sich günstige Aussichten auf stabilere

Beziehungen auf der Grundlage von Zurückhaltung und Verhandlung.

Und viele unserer Freunde in anderen Teilen der Welt waren jetzt besser
gerüstet, die Verantwortung für die eigene Sicherheit und das eigene Wohlergehen
selbst zu übernehmen, aber sie brauchten während der Übergangsperiode unsere
Unterstützung.

Im eigenen Land waren das amerikanische Volk und der Kongreß nach zwei
Jahrzehnten globaler Kraftanstrengungen und Jahren innenpolitischer Wirren müde
geworden.

Sie waren zur Konfrontation nicht bereit, solange nicht alle möglichen

Wege zum Frieden erkundet und sondiert waren.

Für unsere Außenpolitik stellte

sich die Aufgabe, den Vereinigten Staaten eine effektive aber ausgewogenere Rolle
in der Welt zuzuweisen und dabei übertriebene Verpflichtungen und Bindungen ab"
- 5-

�abzubauen, ohne in einem überstürzten und gefährlichen Rückzug zu verfallen. '•'
Wir haben einen weiten Weg zurückgelegt.

Unsere Hauptverbündeten in der atlantischen Welt und Japan sind in politischer und wirtschaftlicher Hinsicht erstarkt.

Unsere Bündnisse bilden feste

Anker für die Sicherheit und Prosperität der Welt.

Sie sind die Basis für

enge Zusammenarbeit in einem ganzen Bereich neuer, bisher unbekannter Probleme
- von der Entspannung bis zur Energie.

Wir haben einen hoffnungsträchtigen neuen Dialog mit Lateinamerika eingeleitet.

Wir rechnen in unseren Beziehungen zu Afrika mit einer neuen Ära.

Wir haben historische Schritte unternommen, um unseren Beziehungen zu unseren Hauptgegnern zu stabilisieren und zu verbessern.

Wir haben Spannungen

abgebaut, den Dialog vertieft und eine Reihe wichtiger Abkommen geschlossen.

Wir haben mit dem Prozeß begonnen, die rivalisierenden strategischen
Rüstungsprogramme zu kontrollieren, die, wenn sie uneingeschränkt weitergehen,
die Sicherheit der ganzen Welt bedrohen. Wenn das Abkommen von Wladiwostok
zum Abschluß gekommen ist, dann wird zum ersten Mal eine Höchstgrenze für den
Stand der strategischen Arsenale der Supermächte festgelegt.

Wir haben dazu beigetragen, alte politische Konflikte in so empfindlichen
Gebieten wie Berlin und dem Nahen Osten zu mildern.

Und wir haben die großen Initiativen unternommen, um die internationale
Reaktion auf neue globale Herausforderungen, wie Energie, Ernährung, Umweltschutz und Seerecht zu mobilisieren.

Auf all diesen Gebieten ist die Rolle Amerikas immer wieder entscheidend
gewesen.

Die Konzeption ist weiterhin gültig, unsere Verantwortlichkeiten bleiben
- 6 -

�bleiben bestehen.

Die Aussicht auf große Fortschritte ist sehr gut.

Es be-

steht aller Grund zur Zuversicht.

Die innenpolitische Dimension

Wenn das stimmt, wo liegt dann die Ursache für unser
diese Rückschläge?

Problem?

Warum

Warum diese Zeichen eines völligen Stillstands zwischen der

Exekutive und dem Kongreß?

Was müssen wir tun, um uns wirklich aufzuraffen?

In einer Welt, die keine Nation allein dominieren oder kontrollieren kann,
muß es zwangsläufig zu Rückschlägen kommen.

Der besondere Aspekt vieler un-

serer Probleme besteht darin, daß wir sie uns selbst geschaffen haben.

Die

Spaltung im eigenen Lande hat die Schwierigkeiten entweder erhöht oder verursacht, angefangen von der Südflanke der NATO bis zum Pazifik, vom östlichen
Mittelmeer bis zu den Beziehungen zwischen den Supermächten.

Paradoxerweise ist das ein Anlaß zum Optimismus, denn in dem Maße, in dem
der Grund für unsere Schwierigkeiten in uns selbst liegt, so sind auch die Mittel
zu ihrer Behebung in uns selbst zu finden.

Das amerikanische Volk erwartet eine effektive Außenpolitik, die den Frieden erhält und unsere nationalen Interessen fördert.

Es verlangt von seinen

Führern, daß sie die Zukunft gestalten und nicht einfach die Gegenwart verwalten.

Das erfordert Kühnheit, Zielstrebigkeit, Feinfühligkeit und vor allem Ver-

trauen zwischen Öffentlichkeit und Regierung und zwischen Exekutive und Legislative.

Aber gerade dieses gegenseitige Vertrauen ist im Laufe des letzten

Jahrzehnts ausgehöhlt worden.

Es gibt viele Ursachen für diesen Zustand.

Manche sind allen Demokratien

gemein, manche liegen aber auch in einzigartiger Weise in der Tradition und
der jüngsten Geschichte Amerikas begründet.

Moderne

�Moderne Demokratien werden heute von sozialen, wirtschaftlichen und politischen Herausforderungen bedrängt, die nicht vor Landesgrenzen haltmachen und
die am äußersten Bereich der Fähigkeit der Regierung liegen, sie unter Kontrolle
zu bekommen.

Die Energie der führenden Männer wird zu oft durch das Management

der Bürokratie aufgebraucht, die die Fragen der öffentlichen Zielsetzung in
Probleme des institutionellen Kuhhandels verwandelt.

Das Tempo der Ereignisse

und die Höhe der Erwartungen werden von der unmittelbaren Kommunikation bestimmt.
Die Überzeugung anderer - die wesentliche Methode der Demokratie - wird außerordentlich schwierig in einer Zeit, da die Fragenkomplex und die Ergebnisse ungewiß sind. Am besten lohnt sich die Vereinfachung - und das ist eine Einladung an die Demagogen.

All dies hat das komplexe Problem der Beziehungen zwischen Exekutive und
Legislative noch mehr kompliziert.

In jedem Land scheint die Autorität des mo-

dernen Staates beängstigend unpersönlich oder weit weg von jenen zu sein, deren
Leben in zunehmendem Maße von ihm abhängen, und in fast allen Demokratien wird
die Autorität der Exekutive von den Mitglie dern der Legislative in Frage gestellt, die es selbst schwierig finden, die Politik zu beeinflussen, es sei denn
fragmentarisch

oder negativ.

Die Fragen werden so technisch, daß es den Ge-

setzgebern immer schwerer fällt, die Übersicht zu behalten - und dabei werden
die Fragen in immer stärkerem Maße lebenswichtig.

Das eigentliche Wesen der

Problemlösung bei innenpolitischen Fragen - Anpassung und Angleichung von Sonderinteressen - beraubt die Außenpolitik der Folgerichtigkeit und des Brennpunktes, wenn man die genannte Methode auf unseren Umgang mit anderen Nationen
anwendet.

Staatsmänner müssen handeln, selbst wenn nicht alle Prämissen gegeben sind.
Sie müssen entscheiden, selbst wenn unfaßbare Dinge das Ergebnis bestimmen
werden.

Es ist eben unmöglich, Voraussagen zu beweisen.

zen werden niemals evident.

Vermiedene Konsequen-

Damit machen Skepsis und Argwohn sich' überall

breit und vergiften die Atmosphäre der Debatte zwischen Exekutive und Legislative.

Vernünftige Argumente werden durch eine Serie von Konfrontationen über

marginale Fragen überdeckt.
Amerika
- 8-

�Amerika steht ferner vor dem Problem einer neuen Generation.

Die Kluft

zwischen deren historischer Erfahrung und der unsrigen ist gewaltig.
war für sie ein Trauma wie für uns München.

Vietnam

Ihr Alptraum ist die außenpolitische

Verpflichtung, wie der unsrige die Abkehr von internationaler Verantwortung gewesen ist.

Es ist

lernt haben.

möglich,, daß beide Generationen ihre Lektion zu gut ge-

Die Jungen nehmen die großen Nachkriegsleistungen des Wiederauf-

baus Europas, des Aufbaus von Bündnissen in Friedenszeiten und die Aufrechterhaltung der weltweiten Prosperität als selbstverständlich.

Eine unpersönliche

technologische und bürokratisierte Welt bietet ihnen zu wenig Anreize für Hingabe und Idealismus.

Wollen wir nicht vergessen, daß Amerikas Zusage zum internationalen Engagement immer ambivalent gewesen ist - selbst wenn unsere Zweifel zeitweilig
durch die Anstrengungen des zweiten Weltkrieges und der Nachkriegsära unterdrückt wurden.

Die Wurzeln des Isolationismus, die sich aus Geographie und Ge-

schichte nähren, reichen tief in die amerikanische Tradition hinein.

Die Scheu,

in fremde Konflikte verwickelt zu werden; die Überzeugung, daß wir uns irgendwie selbst besudeln, wenn wir
die Waagschale legen;

"Machtpolitik"

betreiben und unsere Macht in

das Gefühl, daß Außenpolitik eine Form des alten Welt-

imperialismus sei; die Vorstellung, daß Waffen die Ursache des Konfliktes
seien;

der Glaube, daß humanitäre Hilfe und die Mitwirkung an der wirtschaft-

lichen Ordnung ein ausreichender Ersatz für politisches Engagement seien - all
das waren vertraute Kennzeichen des amerikanischen Isolationismus der zwanziger
und dreißiger Jahre.

Nach dem zweiten Weltkrieg führte ein breites Spektrum führender Persönlich
keiten des öffentlichen Lebens, ständischer Gruppen, des Erziehungswesens, der
Geschäftswelt, des Klerus, der Medien sowie führende Vertreter beider Parteien
im Kongreß und im Lande die öffentliche Meinung in Amerika zu einer neuen internationalistischen Übereinstimmung.

Aus den Lehren dieser Persönlichkeiten und aus den Erfahrungen des Krieges
heraus begriff die Nation, daß der beste Weg zur Sicherung der Ruhe im Innern
und unserer Prosperität in einer einsichtigen Beteiligung und Führungsrolle in
- 9 -

�in der Weltpolitik bestand.

Unterstützung von Freunden und Verbündeten war

kein zu entrichtender Preis, sondern ein zu leistender Dienst an der internationalen Stabilität und damit am Eigeninteresse.

Im letzten Jahrzehnt sind jedoch als Folge von Indochina und anderer
Frustrationen des globalen Engagements wieder einige unserer früheren Impulse
in den Vordergrund getreten.

Die führende Meinung hat sich in einem alarmie-

renden Ausmaß scharf gegen viele der internationalistischen Prämissen der Nachkriegsperiode gewandt.

Wir hören heute, wie schon seit einigen Jahren, daß das Leiden durch das
amerikanische Engagement verlängert würde, daß die Ungerechtigkeit durch
amerikanische Tatenlosigkeit verewigt würde, daß Verteidigungsausgaben bestenfalls Verschwendung und schlimmstenfalls Ursache des Konflikts seien, daß
nachrichtendienstliche Tätigkeiten Amerikas unmoralisch seien, daß die notwendige Vertraulichkeit in der Diplomatie eine Verschwörung zur Täuschung
der Öffentlichkeit sei, daß Flexibilität zynisch und amoralisch sei - und daß
Ruhe oder Beruhigung irgendwie durch eine abstrakte Reinheit der Motive herbeigeführt werden müsse, für die es kein geschichtliches Beispiel gibt.

Das alles hat eine tiefgreifende

- und unausweichliche - Auswirkung

auf die nationale Stimmung und auf die nationale Übereinstimmung hinsichtlich
der Außenpolitik.

In dem Lande mit dem höchsten Lebensstandard und einer der

reichsten Kulturen der Welt, in einem Lande, das den Idealen der bürgerlichen
Freiheit und der pluralistischen Demokratie am nächsten gekommen ist, finden
wir einen tiefen und chronischen Selbstzweifel - vor allem in den großen städtischen

Ballungsgebieten und unter den mutmaßlich führenden Persönlichkeiten.

Wird das amerikanische Volk unter diesen Bedingungen eine verantwortungsbewußte und aktive amerikanische Außenpolitik unterstützen?

Ich bin zutiefst

überzeugt, daß es das tun wird - wenn seine Führer, in der Regierung und außer-

halb, ihm das Gefühl geben, daß es etwas gibt, worauf es stolz sein kann, und daß es
etwas Wichtiges zu vollbringen hat.
Wenn
- 10 -

�Wenn man sich von Washington in das Herz Amerikas aufmacht, dann ist man
erstaunt über das Vertrauen, die Lebenskraft und das Nichtvorhandensein eines
zersetzenden Zynismus. Wir, die wir an einem Ort sitzen, den mein Freund Stuart
Alsop - ein großer Journalist - einmal

"die Zentrale"

genannt hat, neigen

dazu, uns zu sehr mit unseren Problemen zu beschäftigen.

Wir sezieren unsere

Schwierigkeiten und unsere Auseinandersetzungen bis Tina übertrieben feinste Detail.

Ich finde es bemerkenswert, daß zwei Drittel der im Dezember vorigen Jahres
in einer landesweiten Umfrage interviewten Amerikaner in einer Zeit schwerer
Rezession noch immer der Auffassung waren, daß eine aktive Rolle in der Welt
den Interessen ihres Landes besser diene als eine Abkehr.

Auch wenn andere Nationen die Art und Weise, wie wir in Washington agieren,
scharf beobachten, so glaube ich doch, daß sie im Grunde die Widerstandsfähigkeit
unseres Volkes und unserer Institutionen bewundern.

In Amerika besteht noch immer ein großes Reservoir an Vertrauen.

Wir be-

sitzen die Werte, die Mittel und Wege, und wir tragen die Verantwortung, um
nach einer sichereren und besseren Welt zu streben.

Und auf unserem ganzen

Erdball ist ein großes Reservoir an Vertrauen in die Werte und die Stärke dieses
Landes vorhanden.

Was werden wir jetzt tun?

Wollen wir zunächst einmal aus den heutigen Prüfungen die richtigen Lehren
ziehen. Wir werden den Preis für unsere Rückschläge in Indochina zahlen müssen,
indem wir mehr von uns fordern. In der Ära der amerikanischen Vorherrschaft,
der Vorzugsstellung Amerikas, hatten wir den großen Schwung. Wir konnten unsere
Probleme mit unseren Mitteln überwinden.

Wir brauchten kaum auf den Stil von

Nationen zurückzugreifen, die ihre Außenpolitik mit begrenzten Mitteln führen
müssen - Geduld, Fingerspitzengefühl und Flexibilität.

Heute fordern Verwir-

rung, Abkehr von der Verantwortung oder Kurzsichtigkeit einen Preis, der sich
als unsere Mittel übersteigend erweisen könnte.
Wir
- 11 -

�Wir sind noch immer der größte Einzelfaktor in der Weltpolitik - aber wir
sind eine Nation unter vielen.

Das Gewicht unseres Einflusses hängt heute ent-

scheidend von unserem Zielbewußtsein, unserer Ausdauer, unserer schöpferischen
Kraft, unserer Macht und von unserer erkennbaren Zuverlässigkeit ab. Wir werden
schwerer arbeiten müssen, um den inneren Zusammenhang und die Kontinuität unserer Politik zu verwirklichen - und wir werden es.

Wir müssen die Illusion aufgeben, daß Außenpolitik zwischen Moral und Pragmatismus wählen könnte. Amerika kann sich nicht selbst treu bleiben, wenn es
nicht menschliche Werte und die Würde des Einzelnen hochhält. Aber ebensowenig
kann es seine Werte verwirklichen, -wenn es nicht sicher ist. Keine Nation hat
ein Monopol auf Gerechtigkeit oder Tugend, und keine Nation hat das Vermögen,
ihre eigenen Konzeptionen weltweit durchzusetzen.

Im Nuklearzeitalter ganz be-

sonders ist es so, daß zur Diplomatie - wie zur Demokratie - oft der Kompromiß
zwischen widerstrebenden Prinzipien gehört.

Ich brauche Sie nicht daran zu erinnern, daß es heute auf der Welt rund
140 Nationen gibt, von denen sich kaum eine Handvoll unseren Werten verschrieben hat.

Wir müssen auch die Art unserer Verpflichtungen begreifen.

Wir haben eine

Verpflichtung zur Standhaftigkeit einfach aus unserer Position als eine Großmacht heraus, von der viele andere abhängen.

Damit schließen unser Handeln und

unsere Politik im Zuge der Zeit deren eigene Verpflichtung ein - ob dies in
juristischen Dokumenten festgelegt sein mag oder nicht. Ja, unser Handeln und
dessen Sicht aus der Perspektive anderer Länder mag unsere wichtigste Verpflichtung darstellen.

Auf der anderen Seite muß unsererDiplomatie ein Maß an Vertraulichkeit
zugestanden werden, oder ein wirklich ernsthafter Austausch mit anderen Regierungen wird zerstört.

Die nationale Debatte zwei Jahre lang auf sogenannte

Geheimabkommen zu konzentrieren, die kein Beteiligter jemals zu verwirklichen
gesucht hat, und deren angeblicher Inhalt durch Gesetze verboten ist, heißt
nichts anderes als sich auf etwas einzulassen, was Menschen als
- 12 -

"nationalen

�"nationalen Appetit auf schwindelhafte Enthüllungen"

bezeichnet hat.

Es be-

darf keines Wortes, daß eine Verpflichtung, bei der es um nationales Handeln
geht, dem Kongreß bekannt sein muß,oder sie wäre bedeutungslos.

Eine Lehre, die wir sicherlich aus Vietnam ziehen müssen, ist die, daß
neue Verpflichtungen der Ehre und des Prestiges unserer Nation sorgfältig
abgewogen werden müssen.

Wie Walter Lippman bemerkte,

"in auswärtigen Be-

ziehungen, wie in allen anderen Beziehungen, hat sich erst dann eine Politik
gebildet, wenn Verpflichtung und Macht in ein Gleichgewicht gebracht worden
sind."

Aber nach unseren jüngsten Erfahrungen haben wir eine besondere Ver-

pflichtung, sicherzustellen, daß eingegangene Zusagen rigoros gehalten werden
- und daß sich alle Beteiligten dessen bewußt sind.
unserer Standhaftigkeit zweifeln.

Möge kein Verbündeter an

Möge keine Nation je wieder glauben, daß

sie ungestraft ein mit den Vereinigten Staaten abgeschlossenes feierliches Abkommen zerreißen könnte.

Wir müssen unsere Politik des Abbaus der Spannungen fortsetzen, aber wir
werden darauf bestehen, daß der Abbau der Spannungen nicht nur hier und dort
vollzogen werden kann. Wir werden nicht vergessen, wer die Waffen geliefert
hat, die Nordvietnam benutzt, um eine Farce aus seiner Unterzeichnung der
Pariser Abkommen zu machen.

Ebensowenig können wir die traurige Tatsache übersehen, daß keiner der
anderen Signatarstaaten der Pariser Abkommen auf unser wiederholtes Ersuchen
reagiert hat, daß sie die flagranten Verletzungen dieser Abkommen durch Nordvietnam zumindest zur Sprache bringen sollten.

Ein solches Schweigen kann

nur jede bedeutungsvolle Norm der internationalen Verantwortlichkeit unterminieren.

Hier im eigenen Lande liegt auf uns allen in Washington eine große Verantwortung .

Ein gutes Einvernehmen zwischen der Exekutive und der Legislative ist die
einzig mögliche Basis für nationales Handeln.
- 13 -

Der jahrzehntelange Streit in

�in diesem Lande um das Übergewicht der Exekutive in der Außenpolitik ist vorbei.

Die beherrschende Tatsache der nationalen Politik ist heute die Erkennt-

nis, daß der Kongreß ein gleichwertiger Zweig der Regierung ist.

Die Exekutive sieht ein, daß der Kongreß sowohl das Gefühl als auch die
Realität seiner Beteiligung haben muß. Die Außenpolitik muß ein gemeinsames
Unterfangen sein.

Die Frage ist, ob der Kongreß über die Festlegung von Richt-

linienfür das taktische Vorgehen hinausgehen wird;

ob er die Exekutive der

Entscheidungsfreiheit und der Autorität im diplomatischen Vorgehen berauben
wird, während er auf der anderen Seite weiterhin institutionell unfähig bleibt/
eine eigene klare nationale Politik zu formulieren oder durchzuführen.

Das wirksame Funktionieren unseres verfassungsmäßigen Systems hat immer
auf der Zurückhaltenden Ausübung der Macht und der Rechte beruht, die durch
es übertragen werden.

In diesem Augenblick unserer Geschichte besteht ein

ernstes nationales Gebot zu einem Geist der Zusammenarbeit und der Demut zwischen den beiden Zweigen unserer Regierung zu gelangen.

Wenn andere Länder auf die Vereinigten Staaten blicken, dann sehen sie
eine Nation.

Wenn sie auf Washington blicken, dann sehen sie eine Regierung.

Sie betrachten uns als eine Einheit - nicht als eine Reihe in sich nicht zusammenhängender oder unkoordinierter Institutionen.

Wenn wir uns unter uns

selbst nicht einig werden können, dann besteht wenig Hoffnung, daß wir mit jenen draußen sinnvoll verhandeln können.

Eine der wichtigsten Lehren, die wir also aus den jüngsten Ereignissen
ziehen müssen, ist die Notwendigkeit, die zivilen Umgangsformen unserer Auseinandersetzung im eigenen Lande wiederherzustellen.

Im Laufe der Jahre der

Vietnam-Debatte ist der vernünftige Dialog der Emotion gewichen, die weit über
die eigentlichen Fragen hinausgeht.

Es sind nicht nur die Entscheidungen, son-

dern auch die Motive in Frage gestellt worden.
sondern auch den Charakter angegriffen.

Man hat nicht nur die Politik,

Was als Übereinstimmung begann, ist

immer mehr zu einem giftigen Streit entartet.
Die

�Die Verantwortlichen in der Regierung müssen das ihrige dazu tun.

Die Ad-

ministration wird,dem Beispiel des Präsidenten folgend, im nationalen Dialog
nach Mäßigung und gegenseitiger Achtung streben.

Wir wissen, daß wir, wenn

wir um das Vertrauen der Öffentlichkeit bitten, das Vertrauen des Volkes rechtfertigen müssen.

Das amerikanische Volk sehnt sich nach einem Ende all der Bitterkeit und
des Zwiespalts des letzten Jahrzehnts.
erfordert das;

Die Stabilität in unserem eigenen Lande

unsere internationalen Verantwortlichkeiten gebieten es. Sie,

meine Zuhörer, sind heute in einer einzigartigen Lage, zu dem Heilungsprozeß
der Nation beizutragen.

Die künftigen Aufgaben
Ralph Waldo Emerson hat einmal gesagt:
über einen Mangel an Gelegenheit beklagt".

"Kein großer Mann hat sich jemals
Das gilt ebenso für eine große

Nation.

Unsere Hilfsmittel sind gewaltig, unsere Führung ist unerläßlich, unsere
Chancen sind beispiellos und drängen sich geradezu auf.
- Wir müssen die Lebenskraft der großen demokratischen Bündnisse aufrechterhalten.

Sie können den Anker für gemeinsame Werte und Zielsetzungen bieten,

wenn wir einen radikal neuen Aufgabenbereich in Angriff nehmen.
- Wir müssen die gegenwärtige Wirtschafts- und Energiekrise überwinden.
Ein amerikanisches Energieprogramm hat daher eine hohe nationale Priorität.
Für die Zukunft stellen wir uns ein fundamental reformiertes internationales
Wirtschaftssystem vor - ein Bretton Woods für die achtziger Jahre und darüber
hinaus.

- Wir müssen in internationalen Foren, einschließlich der Vereinten Nationen,
für das einstehen, an das wir glauben, und der Politik des Ressentiments, der

- 15 -

�I

der Konfrontation und der schalen Ideologie widerstehen.

Die internationale

'

Zusammenarbeit spielt heute eine lebenswichtigere Rolle als je zuvor, aber
das gilt ebenso für die gegenseitige Achtung unter Nationen.

- Wir müssen unserer weiteren ständigen Verantwortung für den Frieden
in vielen Regionen der Welt gerecht werden, vor allem, wo wir in einzigartiger
Weise das Vertrauen beider Seiten besitzen und wo ein Fehlschlag die Katastrophe
über die Grenzen der Region hinaus ausbreiten würde, wie im Nahen Osten. Wir
werden uns nicht durch Kriegsdrohungen oder wirtschaftlichen Druck dazu drängen
lassen, Lebensinteressen aufzugeben.
der Präsident gesagt hat,

Aber in gleicher Weise werden wir, wie

"eine Stagnation oder ein Patt mit all den damit

verbundenen Gefahren für Frieden und Wohlergehen nicht akzeptieren".

- Wir müssen der Spirale- und der Ausbreitung - von Kernwaffen Einhalt
gebieten.

Dann können wir zu einer anspruchsvolleren Tagesordnung übergehen

- zu beiderseitigen Verringerungen der strategischen Rüstungen, der Kontrolle
anderer Waffen und zur militärischen Zurückhaltung in anderen Zusammenhängen.

- Wir müssen zwei Geißeln der Menschheit überwinden:

Hunger und die Launei?

der Natur. Wir stehen zu dem Nahrungsmittelprogramm, das im November vorigen
Jahres auf der Welternährungskonferenz verkündet wurde.

Unsere fundamentale

Aufgabe besteht darin, anderen zu helfen, sich selbst zu ernähren, damit im
Jahre 2000 kein Kind mehr hungrig zu Bett zu gehen braucht.
- Wir müssen weiterhin den Konflikt und die Spannungen mit unseren Gegnern
abbauen. Wir hoffen, daß im Laufe der Zeit Wachsamkeit und Versöhnlichkeit
zu positiveren Beziehungen und letztlich zu einer echten Weltgemeinschaft
führen werden.
- Wir müssen sicherstellen, daß die Ozeane und der Weltraum Gebiete der
Zusammenarbeit statt des Konfliktes werden.

Dann können wir künftigen Genera-

tionen gewaltige wirtschaftliche und technologische Hilfsquellen zur Bereicherung
des Lebens auf dieser Erde überlassen.
Unsere
- 16 -

�Unsere Nation ist in einzigartiger Weise dazu ausgestattet, in der neuen
Ordnung, die um uns herum Form annimmt, eine schöpferische und entscheidende
Rolle zu spielen.

In einer Zeit der Unruhe, der Unsicherheit und des Konflikts

erwartet die Welt noch immer von uns eine schützende Hand, einen vermittelnden
Einfluß, einen Weg in die Zukunft.

So wie Amerika für Generationen die Er-

oberung der Natur durch den Menschen symbolisiert hat, so hat Amerika die Beherrschung seiner eigenen Zukunft durch den Menschen symbolisiert.

Zwei Jahrhunderte lang sind unsere Vorväter, Bürger eines kleinen und
relativ schwachen Landes, dem Mißgeschick mit Mut und Einfallsreichtum entgegengetreten.

Im Laufe ihres Kampfes haben sie die freieste, reichste und mäch-

tigste Nation aufgebaut, die die Welt je gesehen hat. Wenn jetzt wir, ihre
Erben, Amerika in sein drittes Jahrhundert führen, wenn wir jetzt die beispiellosen Aufgaben der modernen Welt anpacken, dann sind wir entschlossen, Perioden
unserer Geschichte wiederzuentdecken.

Wir sind erwachsen geworden, und wir werden unsere Pflicht tun.

- 17 -

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