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9 . A p r i l 1975

Inhalt
INFORMATION:
Staatliche amerikanische Investitionsförderung auf der Hannover-Messe

DOKUMENTATION:
Ford: USA halten an ihren Verpflichtungen fest
-Auszüge aus der Rede des Präsidenten in San Diego-

HINTERGRUNDMATERIAL:
Die öffentliche Meinung und die amerikanische Außenpolitik
Von Harry Brown

WIRTSCHAFT:
Enders unterstreicht Notwendigkeit niedrigerer Olpreise für alle Länder
Tokio-Runde nahm Agrarverhandlungen auf
-Keine unüberbrückbaren Gegensätze-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Laser, Radar und Schallwellen sondieren die Luft
Hohe Kunst der Werkstofftechnik
-Warmbehandlung und "Mikrolegieren" sparen teure Rohstoffe
KENAF - Rohstoff für Papierproduktion

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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STAATLICHE AMERIKANISCHE INVESTITIONSFÖRDERUNG AUF DER HANNOVER-MESSE

HANNOVER - Deutschen Firmen und Kapitalgebern die Möglichkeiten und Erfolgsaussichten von Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten aufzuzeigen,
ist Hauptanliegen von offiziellen Vertreter
vom 16. bis 24. April 1975.

der USA auf der Hannover-Messe

Mitarbeiter der amerikanischen Botschaft in Bonn,

des Generalkonsulats in Hamburg und der Investitionsförderungsbehörden von
acht Bundesstaaten halten sich auf dem Informationsstand der USA im Internationalen Treffpunkt auf dem Messegelände bereit, um interessierten Messebesuchern Auskünfte über alle erdenklichen Aspekte von Direktinvestitionen in
Amerika zu erteilen.

Ausländisches Kapital wird in den Vereinigten Staaten nicht als unerwünschte
Konkurrenz, sondern, wie Alexander Hamilton, Amerikas erster Finanzminister,
im Jahre 1791 erklärt hat,

"als äußerst wertvolle Hilfe angesehen, die geeignet

ist, mehr produktive Arbeitskräfte und einen größeren Anteil an nützlichen Unternehmen zu mobilisieren als andernfalls möglich."

An dieser Einstellung zu aus-

ländischem Kapital hat sich bis heute nichts geändert.

Maßnahmen zur Wirtschaftsförderung und Strukturverbesserung - und die Investitionsförderung gehört zweifellos zu diesen - sind in USA Sache der Einzelstaaten und Gemeinden.

Sämtliche 50 Bundesstaaten haben Investitionsförderungs-

behörden eingerichtet, 16 sogar Beratungsstellen in Europa. Jeder Einzelstaat
hat einen ganzen Katalog von Förderungsmaßnahmen finanzieller und administrativer
Art anzubieten, der sich allerdings von Staat zu Staat stark unterscheidet.
- 1 -

�I
Finanzanreize

Im Vordergrund der einzelstaatlichen Förderung der Wirtschaft, die ausländischen Kapitalgebern im gleichen Umfang wie heimischen Investitionswilligen
zugute kommt, steht die Gewährung von Steueranreizen in Form von Nachlässen,
Stundungen und erhöhten Abschreibungen. An zweite Stelle rangiert die Bereitstellung zinsgünstiger Investitionskredite für die Errichtung neuer Produktionsstätten.

Eine mehr indirekte Form der finanziellen Förderung ist die Einschal-

tung staatlicher oder örtlicher Entwicklungsgesellschaften, die Werksanlagen
nach den Erfordernissen und Wünschen der Investoren planen und erstellen.
Erheblich zu Buche schlagen kann auch die kostenlose oder begünstigte Überlassung von Bauland.

Administrative Investitionsförderung

Von kaum geringerer Bedeutung ist die administrative Investitionsförderung.
Sie erstreckt sich auf die Beratung bei der Standortwahl, die Mithilfe bei der
Erstellung von Markt- und sonstigen Analysen, den Arbeitskräftenachweis und
die kostenlose Schulung von Arbeitskräften.

In einigen Staaten wird investieren-

den Firmen auch das Recht zur kostenlosen oder verbilligten Benutzung der Forschungsstätten und Entwicklungseinrichtungen der staatlichen Universitäten und
Hochschulen zugestanden.

Ausländische Gesellschaften kommen zudem genau wie

heimische Firmen in den Genuß der bestehenden Exportförderungsprogramme, so
daß sich eine Zweigniederlassung in den USA von der europäischen Muttergesellschaft gut als Stützpunkt für ihren Export nach Drittländern verwenden läßt.

Gründe für Direktinvestitionen in USA

Wirtschaftswissenschaftler und Exportkaufleute wissen, daß die Aufnahme
der Produktion in einem Abnehmerland letztlich die beste Methode zur Sicherung
des betreffenden Exportmarktes darstellt.

Das gilt natürlich für den amerika-

nischen Markt - den größten aller Exportmärkte aus über 210 Millionen Verbrauchern
i^ehr noch als für andere.

�Ein ebenso stichhaltiges Argument, das für Direktinvestitionen in den
Vereinigten Staaten spricht, sind die zu erwartenden hohen Ertragsraten.
Sie ergeben sich aus der Tatsache, daß die Kosten für Energie, Rohstoffe und
Wasser in den USA generell niedriger liegen als in den westeuropäischen Industriestaaten.

Die hohe Arbeitsproduktivität ist ein weiterer Grund.

Daß

sich das Einsteigen in den amerikanischen Markt lohnt, läßt sich an den Investitionsstatistiken ablesen:

Von 1965 auf 1973 haben sich die westeuro-

päischen Direktinvestitionen von 6,1 auf 12,1 Milliarden Dollar nahezu verdoppelt.

Messebesucher, die mehr über Direktinvestitionen in den USA erfahren
möchten, sollten es nicht versäumen, im amerikanischen Informationsstand in
Raum 2 des Internationalen Treffpunktes vorzusprechen.

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7/1975
FORD: USA HALTEN AN IHREN VERPFLICHTUNGEN FEST
-Auszüge aus der Rede des Präsidenten in San Diego-

SAN DIEGO — ( A D ) — Präsident Ford hat am 3. April in einer Rede vor der
Konferenz über innenpolitische und wirtschaftliche Angelegenheiten in Kalifornien betont, daß die Vereinigten Staaten an ihren Verpflichtungen gegenüber ihren Verbündeten und Freunden "festhalten werden. Die wesentlichen
außenpolitischen Ausführungen des Präsidenten haben folgenden Wortlaut:
"Ich wäre nicht offen und ehrlich, wenn ich die schweren Rückschläge
ignorieren würde, die wir in den letzten Wochen in unserem Streben nach
Frieden im Nahen Osten und in noch jüngerer Zeit und auf noch dramatischere
Weise in Südostasien erlitten haben.
Zu dem Zeitpunkt, da ich hier spreche, werden die Dimensionen der
menschlichen Katastrophe in Südostasien immer größer. Ob Sie die Abendnachrichten im Fernsehen sehen oder die Schlagzeilen der Morgenzeitungen lesen
oder ob ich meine Geheimberichte studiere - es ist unmöglich, von den plötzlichen und tragischen Entwicklungen in Südvietnam nicht bewegt und erschüttert zu sein. Alle Amerikaner sind schockiert und betrübt und fragen sich,
was wir tun können.
Erstens,

�I

&gt;
Erstens: Wir unternehmen alle nur möglichen humanitären Maßnahmen, um den
unschuldigen zivilen Flüchtlingen in Südvietnam Hilfe zu bringen, deren Elend
an das Herz Amerikas rührt. Gleichzeitig sorgen wir für die Sicherheit all
der Amerikaner, die aus einem tiefen Pflichtgefühl heraus durch die raschen
Veränderungen der Kampfzone in Gefahr geraten könnten.
Zweitens: Sobald der Kongreß aus seiner Osterpause zurückgekehrt ist und
ich die Gelegenheit habe,vor ihm zu sprechen, werde ich die Mitglieder des
Kongresses um eine feste amerikanische Zusage für humanitäre Unterstützung
der hilflosen Opfer der nordvietnamesischen Aggression ersuchen, einer Aggression unter flagranter Verletzung der Pariser Abkommen, die dem Leiden
und dem Blutbad auf einer zivilisierten Basis ein Ende setzen sollten.
Und schließlich muß ich mit aller mir zur Verfügung stehenden Bestimmtheit sagen: Kein Gegner oder potentieller Feind der Vereinigten Staaten sollte sich einbilden, daß Amerika ohne Gefahr herausgefordert werden könnte, und
kein Verbündeter oder leidgeprüfter Freund der Vereinigten Staaten sollte
sich Sorgen machen oder Befürchtungen hegen, daß unsere Zusagen ihnen gegenüber wegen der gegenwärtigen Konfusion und der Veränderungen in Südostasien
nicht eingehalten würden. Wir sind bereit, uns selbst zu verteidigen und unsere Verbündeten zu unterstützen, so sicher wie wir dies immer getan haben.
Wie dies immer der Fall war, so schafft ein Mißgeschick ein neues Gefühl
der nationalen Einheit unter Amerikanern in diesen trüben und unruhigen Tagen.
Ich will mich nicht in Vorwürfen ergehen oder irgendjemandem die Schuld zuschieben, und das sollte niemand von uns. Noch sind nicht alle Tatsachen bekannt. Entscheidend ist jetzt, daß wir unsere Neren und unsere grundlegende

�grundlegende Einigkeit als mächtige, aber friedliebende Nation bewahren.
Als Präsident und Oberbefehlshaber ist es meine beschworene Pflicht, die
Friedensmacht, die die Vereinigten Staaten im eigenen Lande und im Ausland besitzen, aufrechtzuerhalten und zu stärken. Die militärische Stärke dieses
Landes hängt - wie dies immer der Fall gewesen ist - von seiner wirtschaftlichen Stärke und der Willenskraft und der Selbstdisziplin seiner Bevölkerung ab.
Die Glaubwürdigkeit der Vereinigten Staaten in der Welt, ob unter unseren Verbündeten oder unter unseren Gegnern, hängt davon ab, wie sie unsere
moralische, wirtschaftliche und militärische Stärke und unsere Ausdauer einschätzen. Alle drei dieser Elemente sind von entscheidender Bedeutung...
Das ist nicht der Augenblick für Verzweiflung oder für Fatalismus. Und
es ist auch ganz offensichtlich nicht der Zeitpunkt, unsere Verteidigungskapazitäten - einschließlich unserer Aufklärungskapazitäten - abzubauen.
Wir werden weiterhin den Menschen helfen,sich selbst zu helfen. Das steht
im Einklang nrit unserem religiösen Erbe, unserer Würde und unserem Eigeninteresse. Wir werden die Partnerschaft mit Völkern aufrechterhalten,die nach
Freiheit streben.
Ich lehne die Propheten des Untergangs ab, die nichts sehen als Depression im eigenen Lande und Verzweiflung draußen. Ich werde jeden Rat zurückweisen, unsere Flagge einzuholen und aus den Meeren der Welt zum sicheren
Ankerplatz der Bucht von San Diego zu segeln. Wenn wir dies täten, dann wäre
dieser Ankerplatz nicht länger sicher. Das wissen Sie, und das weiß ich.
Unter meiner Präsidentschaft werden wir niemals die Flagge streichen oder
die Hoffnung aufgeben. Wir werden Kontinuität und Glaubwürdigkeit in der

�I

der amerikanischen Politik, daheim und draußen, aufrechterhalten. Wir leben
in schwierigen und unruhigen Zeiten. Die Dinge entwickeln sich sehr rasch,
aber wir werden uns nicht in uns selbst zurückziehen oder uns durch den
Schock lähmen lassen.
Amerika ist auf die Probe gestellt. Es ist nicht nur eine Bewährungsprobe unserer moralischen Autorität in der Welt. Es ist eine Bewährungsprobe
unseres Willens, unseren Dollar zu erhalten, indem wir uns vor unwichtigen
Ausgaben mit derselben Vorsicht hüten, wie wir die Wachsamkeit und Stärke
unserer Streitkräfte aufrechterhalten.
Es ist eine Bewährungsprobe unseres Willens, für die wirtschaftliche
Sicherheit unserer Familien zu sorgen, während wir gleichzeitig die militärische Sicherheit unserer Nation gewährleisten. Wir können diese Bewährungsprobe nur besteben, wenn wir die Anfälligkeit für Schwächen in unserer Wirtschaft und Energieversorgung verringern. Das ist der Grund, warum ein ausreichendes Sicherheitsprogramm Hand in Hand mit einer gesunden Wirtschaftspolitik und einer raschen und wirksamen Energie-Gesetzgebung geht.
Amerika hat diesen Willen, Amerika hat die Mittel, Amerika hat das
Know-how, und Amerika hat den Glauben.

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7/1975

DIE ÖFFENTLICHE MEINUNG UND DIE AMERIKANISCHE AUSSENPOLITIK
Von Barry Brown

--(AD)-- Die Erfahrung in Vietnam hat den Vereinigten Staaten Schaden zugefügt, und einer der nicht ungefährlichsten Schäden ist vielleicht die Verwirrung, die hinsichtlich der Rolle Amerikas in der Weltpolitik entstanden
ist. In den USA selbst kam diese Verwirrung durch eine Meinungsbefragung zum
Ausdruck, die im Ausland große Bestürzung hervorgerufen hat.
Im Dezember vorigen Jahres hat der "Chicago Council of Foreign Relations",
eine private Organisation, die sich mit Fragen der Außenpolitik befaßt, durch
das "Harris"-Institut eine Umfrage durchführen lassen, um festzustellen, wie
weit isolationistische Tendenzen in den USA gediehen seien. Die jetzt veröffentlichten Ergebnisse haben, z.T. sensationell aufgemacht, ein starkes
Echo in der Presse gefunden und den Eindruck erweckt, für die Amerikaner sei
die Welt in Kanada zu Ende. Eine nähere Analyse zeigt jedoch, daß die Situation in der amerikanischen Außenpolitik, so wie sie sich in der Öffentlichkeit
darstellt, vielleicht etwas konfus und gar zwiespältig ist, aber keineswegs
eire entschiedene Wendung zum Isolationismus hin signalisiert.
Zunächst

�Zunächst einmal ist festzustellen, daß die Antworten (etwa: 41 Prozent
gegen eine Truppenentsendung nach Westeuropa im Falle einer Invasion und 39
Prozent dafür und der Rest unentschlossen), die die größte Unruhe im Ausland,
vor allem in Berlin und in der Bundesrepublik,ausgelöst haben, im Zusammenhang
mit anderen Feststellungen gesehen werden müssen: Dieselben Befragten sprachen
sich mit 2 gegen 1 für eine Fortsetzung der aktiven Rolle der Vereinigten
Staaten in der Weltpolitik aus. An dieser Haltung des amerikanischen Volkes
hat sich in den letzten 2o Jahren praktisch kaum etwas geändert.
Zum zweiten bleibt zu bedenken, wie hoch Antworten auf rein abstrakte
und hypothetische Fragen wirklich zu bewerten sind und inwieweit sie das
praktische Handeln der Vereinigten Staaten bestimmen könnten.
Der ehemalige amerikanische Vizepräsident, Senator Hubert H. Humphrey,
hat auf einer Pressekonferenz in Berlin am 1. April betont, daß die Politik
der amerikanischen Regierung nicht von Meinungsumfragen beherrscht werde. Auf
die Meinungsumfrage angesprochen bekräftigte er die NATO-und Berlin-Verpflichtung der Vereinigten Staaten. Es wäre ein sehr schwerer Fehler, so fügte er
hinzu, wenn sich jemand hier falsche Vorstellungen hinsichtlich der amerikanischen Position machen würde.
Auch der ihn begleitende einflußreiche Senator Hugh Scott (Fraktionsführer der republikanischen Minderheit) wies darauf hin, daß Meinungsumfragen
meist in einem Vakuum vorgenommen werden. Wenn beispielsweise die Schlagzeilen
in den Zeitungen von einer Gefährdung Berlins sprächen,

dann würden sich

wahrscheinlich 70 bis 80 Prozent der Amerikaner für eine Unterstützung der
Stadt aussprechen.
Natürlich

�Natürlich kann eine Demokratie auf die Dauer keine Außenpolitik gegen
die öffentliche Meinung machen. Und es ist wirklich fraglich, ob die Öffentlichkeit je wieder ein Abenteuer wie in Vietnam unterstützen würde. Das bedeutet aber keineswegs, daß die amerikanische Regierung nicht in anderen Situationen, in denen das nationale Interesse berührt wird, reagieren, ja selbst
mit militärischer Intervention reagieren könnte.
So mag zwar eine - nebenbei geringe - Mehrheit in einer Meinungsumfrage
erklären, daß sie bei einer Invasion Westeuropas nicht für die Entsendung
amerikanischer Truppen sei. Welches Gewicht eine solche amorphe Meinungsäußerung jedoch auf die Entscheidungen der Verantwortlichen haben würde, wenn
die Garnison von Berlin oder die amerikanischen NATO-Streitkräfte tatsächlich
angegriffen würden, ist eine ganz andere Sache.
Diese Streitkräfte sind gerade deswegen dort stationiert worden, wo sie
sind, um zu demonstrieren, daß die Vereinigten Staaten ein strategisches Interesse an der Verteidigung Westeuropas und an der Erhaltung des Kräftegleichgewichts in der Welt haben.
Man muß hier zwischen zwei Begriffen unterscheiden, die für die Außenpolitik von Gewicht sind: Zustimmung im politischen Sinne (consent) und Übereinstimmung im Prinzipiellen (consensus). Hans Morgenthau hat in der Zeitschrift
"Foreign Policy" diesen Gedanken wie folgt dargelegt:
"Die Konzeption der Regierung mit Zustimmung der Regierten ist - oft
bewußt - mit dem Begriff der Übereinstimmung im Prinzipiellen, der fundamentalen Übereinstimmung, verwechselt worden, wobei die letztere eine Art "contract sociale" zwischen der Regierung und dem Volke ist über die Art, die
Grundsätze und die Zielsetzungen des Staates. Während die Abweichung von der

-3-

�der Zustimmung der Regierten - also der Dissent - nicht nur legitim ist,
sondern das eigentliche Wesen einer dynamischen Demokratie ausmacht, ist die
Abweichung von der nationalen Übereinstimmung im Prinzipiellen ... bestenfalls eine Verirrung, schlimmstenfalls Subversion oder Verrat. Während die
Zustimmung (consent) der Regierten den gleichen Männern und der gleichen Politik in bestimmten Zeitabständen gewährt oder entzogen wird, bleibt die
Übereinstimmung im Prinzipiellen (consensus) über relativ lange Abschnitte
der Geschichte konstant....
Die Regierung kann versuchen, sowohl den Erfordernissen einer gesunden
Außenpolitik als auch den Wünschen der öffentlichen Meinung gerecht zu werden,
indem sie den existentiellen Charakter des dazwischen bestehenden Konflikts
erkennt und anerkennt. Dieser Konflikt kann bestensfalls gemildert werden,
aber er wird niemals völlig zugunsten einer gesunden Außenpolitik beigelegt
werden können. Die Regierung kann den Konflikt mildern ...,indem sie die öffentliche Meinung zur Unterstützung ihrer Außenpolitik bewegt...".
Das ist die Aufgabe einer politischen Führung, und die Warnungen Präsident Fords an die Isolationisten lassen erkennen, daß er diese Aufgabe anpacken will. Er muß dem amerikanischen Volk klarmachen, daß die Welt nicht
länger ein Tummelplatz der USA ist, daß es aber ebenso begreifen muß, daß die
Welt noch immer eine interdependente Welt ist, in der Amerika weiterhin eine
verantwortungsvolle Rolle zu spielen hat.
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7/1975

ENDERS UNTERSTREICHT NOTWENDIGKEIT NIEDRIGERER ÖLPREISE FÜR ALLE LÄNDER

WASHINGTON —(AD)-- Nach Auffassung des Unterstaatssekretärs für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, Thomas 0. Enders, haben ölexportierende wie ölverbrauchende Länder "ein Interesse an niedrigeren Ölpreisen".
Enders leitet die Delegation der Vereinigten Staaten auf der am 7. April in
Paris eröffneten Vorbereitungskonferenz von Vertretern aus zehn Ölerzeuger-,
Ölverbraucher- und Entwicklungsländern.
Vor seinem Abflug nach Paris betonte der Unterstaatssekretär in einem
Interview mit einem Korrespondenten des US-Informationsamtes (USIA), daß die
OPEC-Staaten deshalb ein Interesse an einem Rückgang der Erdölpreise hätten,
weil die Importländer sonst hohe Investitionen in alternative Energiequellen
vornehmen würden, um deren Kapazität stark auszubauen und auf diese Weise
die Erdölländer schließlich von einem Markt zu verdrängen, der ihnen gegenwärtig für den Absatz ihres Erdöls offen stehe. Die Erdölimportländer auf
der anderen Seite seien keineswegs daran interessiert, die wirtschaftlichen
Belastungen so riesiger Investitionen auf sich zu nehmen, die zwangsläufig
nur das künftige Tempo ihres Wirtschaftswachstums verlangsamen würden.
Bei

-1-

�Bei den Gesprächen in Paris sollen die Voraussetzungen für eine später
in diesem Jahr stattfindende gemeinsame Konferenz der Ölerzeuger- und der
Ölverbraucherländer geschaffen werden.
Die Erdölimportländer, so erklärte Enders, möchten die jetzt aufgenommenen Gespräche dazu benutzen, den Erzeugerländern deutlich zu machen, "daß
wir ein gemeinsames Interesse an nicht so niedrigen Erdölpreisen wie in der
Vergangenheit - die weder in ihrem noch in unserem Interesse lagen -, sondern
an einem in der Mitte liegenden Preisniveau haben."
Zum anderen, so führte Enders aus, hätten die Importländer ein Interesse "an neuen ausgewogenen Beziehungen zu den Erzeugerländern, bei denen
diese zwar nicht über die gleiche starke Machtposition wie jetzt verfügten,
die die Erzeugerländer aber auch nicht der Gnade der Verbraucherländer auslieferten, wie dies in der Vergangenheit der Fall war."
Die Industriestaaten unternähmen gegenwärtig über die Internationale
Energiebehörde gemeinsame Anstrengungen, um den Erdölverbrauch zu senken, und
die Vereinigten Staaten hätten sich verpflichtet, im Rahmen dieser Bemühungen
ihre Erdölimporte bis Ende 1975 um eine Million Barrel pro Tag zu reduzieren.
In gewisser Weise, so sagte Enders, sei dieses Ziel sogar bereits erreicht
worden, "allerdings auf einem Weg, den keiner von uns gewollt hat, nämlich
durch die Rezession."
Auf die Frage, ob der amerikanische Kongreß das von der Regierung gesetzte Ziel für eine Senkung der Ölimporte unterstützen werde, meinte Enders,
Exekutive und Legislative verträten in dieser Frage gleichlaufende Ansichten. Präsident Fords Plan sehe bis Ende 1975 die Einsparung von einer Million
Barrel Erdöl pro Tag und bis Ende 1977 von zwei Millionen Barrel pro Tag vor,

�vor, und zwar unabhängig von Einsparungen, die durch die Rezession oder den
Widerstand der Verbraucher gegen die hohen Preise erzielt werden. Der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, AI Ullraan, der
für Energiefragen maßgebend ist, habe einen Plan vorgeschlagen, der zwar bis
Ende 1975 etwas weniger als eine Million Barrel Erdöl pro Tag einsparen, aber
bis Ende 1977 ebenfalls Einsparungen von zwei Millionen Barrel Erdöl pro Tag
bewirken solle. Er persönlich, so sagte Enders, rechne mit einem Kompromißplan, der bis 1977 vielleicht geringfügige Zeitverschiebungen bringen, aber
praktisch die gleichen Einsparungen erreichen werde, wie sie Präsident Ford
vorschwebten.
Enders unterstrich, daß die Einsparungsanstrengungen der Erdölverbraucherländer bereits erste Erfolge zu zeitigen begännen. Zu Beginn des Ölembargos im Oktober 1973 hätten die OPEC-Länder 32,5 Millionen Barrel Erdöl pro
Tag gefördert, heute seien es nur noch 26 Millionen Barrel pro Tag. Damit sei
bereits ein beträchtlicher Rückgang der Förderung eingetreten, der zwar zu
einem Teil auf die raltiv milden Winter der letzten beiden Jahre, zu einem
großen Teil aber auch auf den Widerstand der Verbraucher gegen die sehr hohen
Erdölpreise zurückzuführen sei. Und schließlich sei dieser Förderrückgang
durch die stetig wachsenden Einsparungsanstrengungen der Verbraucherländer
bewirkt worden - Anstrengungen, die sich in Zukunft noch verstärken würden.
Als langfristige Lösung für die Energiekrise nannte Enders die Entwicklung alternativer Energiequellen in den Verbraucherländern selbst, die allen
von ihnen zur Verfügung stehen müßten. Enders betonte in diesem Zusammenhang,
daß die Förderung von Erdöl im äußeren Festlandsockel der USA sich auf

-3-

�auf 5 bis 7 Dollar pro Barrel, in Alaska auf 7 Dollar pro Barrel und mehr,
in der Nordsee auf 5 Dollar pro Barrel und mehr stellen und somit über den
ursprünglichen Kostenschätzungen liegen werde. Aber auch die Kostenschätzungen
für die Erzeugung von Kernenergie hätten nach oben hin revidiert werden müssen und entsprächen jetzt einem Equivalent von 6 bis 7 Dollar pro Barrel Erdöl.

Das bedeute, daß die einzelnen Länder ihren alternativen Energiequellen

ausreichenden Schutz gewähren müßten, damit die Investoren ihr Geld auch wirklieh in solchen Projekten anlegten.
Die Erdölimportländer, so erklärte Enders, würden jedoch aus eigenem Interesse Geld in die teuren alternativen Energiequellen investieren, da die
hohen Preise des Erdölkartells nur dann gebrochen werden könnten, wenn die
Energiegewinnung in den Verbraucherländern selbst gesteigert und so der wachsenden Nachfrage nach importierter Energie entgegengewirkt werden könne.

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7/1975

TOKIO-RUNDE NAHM AGRARVERHANDLUNGEN AUF
-Keine unüberbrückbaren GegensätzeExklusivinterview mit dem Landwirtschaftsattache der US-Mission in Genf und Agrarberater der amerikanischen GATT-Delegation,
Ernest Koenig.

GENF --(AD)-- Die Arbeitsgruppe Landwirtschaft - eine der sechs Arbeitsgruppen, die im Rahmen der Tokio-Runde zur weiteren Liberalisierung des
Welthandels eingesetzt worden sind - hat Ende vorigen Monats in Genf ihre
Beratungen aufgenommen. Die vom 24.bis 27. März geführten Verhandlungen hatten in erster Linie Verfahrensfragen zum Gegenstand. Eine Einigung darüber,
wie weiter vorgegangen werden soll, konnte jedoch noch nicht erzielt werden. Die Arbeitsgruppe wird erneut am 15. April in Genf zusammentreten.
Teilnehmer an den Beratungen der Arbeitsgruppe erklärten, die größten
noch nicht beigelegten Meinungsverschiedenheiten seien zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft aufgetreten,doch seien diese keineswegs "unüberbrückbar". Gäbe es keinerlei Meinungsverschiedenheiten, so betonten diese Kreise, dann bestehe keine Notwendigkeit für Verhandlungen.
In

-l-

�In einem Interview mit dem USIS-Korrespondenten Michael O'Mara hat der
Landwirtschaftsattache der US-Mission in Genf und Agrarberater der amerikanischen GATT-Delegation, Ernest Koenig,zu diesen Fragen Stellung genommen:

Frage: Wie wir wissen, bestehen seit langem Meinungsverschiedenheiten zwischen den Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft darüber, wie
die Landwirtschaft in der Tokio-Runde behandelt werden soll. Dauerten diese
Meinungsverschiedenheiten auf der Sitzung der Arbeitsgruppe an?

Antwort: Ja, es wäre eine Überraschung gewesen, wenn diese Meinungsverschiedenheiten noch vor Beginn der Verhandlungen hätten beigelegt werden können.
Gäbe es keinerlei Meinungsverschiedenheiten, dann brauchte nicht verhandelt
zu werden - man könnte einfach einen Computer nehmen.
So traten also diese Meinungsverschiedenheiten erneut auf. Es war nicht
der einzige Streitpunkt innerhalb der Arbeitsgruppe, aber der bedeutsamste
angesichts der Tatsache, daß die Vereinigten Staaten der größte Exporteur von
Agrarerzeugnissen sind und die Europäische Gemeinschaft der größte Importeur.

Frage: Wenn Sie im April erneut zusammentreten, sehen Sie dann eine Möglichkeit für einen Kompromiß zwischen den Auffassungen der USA und denen der EG?

Antwort: Bestimmt gibt es solche Möglichkeiten. Es liegt gerade in der Natur
von Verhandlungen, daß unterschiedliche Auffassungen bestehen und wir befinden uns erst am Beginn dieser Verhandlungen. Wir haben auf unserer Seite eine
sehr große Flexibilität gezeigt und werden dies auch weiterhin tun, in der
Hoffnung, daß die Basis für einen Kompromiß gefunden werden kann.

Frage:

�Frage: Manche Leute behaupten, daß die Vereinigten Staaten nicht ernsthaft an
den Verhandlungen über die Liberalisierung des Handels mit Agrarerzeugnissen
interessiert sind. Wie stellen Sie sich dazu?

Antwort: Jeder, der einen Blick auf unsere Handelsstatistiken wirft, sieht,
daß der Agrarhandel für uns von entscheidender Bedeutung ist. Ein Viertel des
in den Vereinigten Staaten bestellten Ackerlandes dient dem Export. Bei Weizen
entfallen über die Hafte unserer gesamten Verkäufe auf den Export. Im Kalenderjahr 1974 zum Beispiel stellten sich unsere gesamten Agrarexporte auf rund
22 Milliarden Dollar. Die Agrarimporte beliefen sich auf insgesamt 10 Milliarden Dollar.
Wenn die Agrarexporte fast ein Viertel der Gesamtausfuhr ausmachen,dann
ist man natürlich an ihnen interessiert - entscheidend interessiert.

Frage: Wie stehen die USA zu der gemeinsamen Agrarpolitik der EG, soweit diese die multilateralen Verhandlungen hier betrifft?

Antwort: Das ist eine in hohem Grade protektionistische Politik. Jeder weiß
das, und wir sind nicht die Einzigen,die das sagen. Viele in der Gemeinschaft
sagen das ebenfalls und haben sie stark kritisiert.
Was jedoch den multilateralen Handel betrifft, so ist dies eine interne
Angelegenheit der Gemeinschaft. Worüber wir in Genf sprechen, sind Maßnahmen
an den Grenzen. Wir suchen die Grenzabfertigung zu verbessern und wenden uns
nicht gegen interne Abmachungen irgendeiner Seite. Wenn es zu einer Verbesserung der Maßnahmen an den Grenzen kommt, dann kann man auch mit entsprechenden
internen Anpassungen rechnen. Aber solche Anpassungen sind, genau genommen,
nicht Gegenstand der Verhandlungen.
Frage:
-3-

�Frage: Einige Entwicklungsländer sprechen häufig von der Notwendigkeit
einer größeren Stabilität der Rohstoffmärkte. Sehen Sie auf der Welt eine
wachsende Tendenz in Richtung auf Rohstoffabkommen?

Antwort: Manche wünschen Rohstoffabkommen. Die Frage ist nur, was für Rohstof fabkommen. Was die Stabilität anbetrifft, so möchten manche Leute Rohstof fabkommen mit eingebauten Preisklauseln. Würden sich solche Abkommen aber
bewähren?
Es gibt jedoch auch eine andere Art von Rohstoffabkommen.
Wir sind bereit, uns alle Vorschläge anzuhören. Die Verhandlungen sollten zu einer ständig wachsenden Ausweitung des Handels führen. Um den Handel
ausweiten zu können muß man die Handelshindernisse beseitigen. Das ist unser
Ziel. Die Mittel und Wege hierzu müssen ausgehandelt werden.

Frage: Es gibt Amerikaner,die erklärt haben, bei einer Liberalisierung des
Agrarhandels verfüge ihr Land selbst nicht mehr über die benötigten Agrarerzeugnisse und die Agrarpreise würden zwangsläufig steigen. Andere Länder bezweifeln gelegentlich die Zuverlässigkeit der Vereinigten Staaten als Lieferant von Agrarerzeugnissen, weil sie verschiedentlich Exporte zurückgehalten
haben. Wie stellen Sie sich dazu?

Antwort: In den letzten Jahren hat sich die Nachfrage der Welt nach Agrarerzeugnissen auf die Vereinigten Staaten konzentriert und es kam fast schon
zu einer Überbeanspruchung unserer Hilfsquellen. Tatsächlich aber sind die
Vereinigten Staaten ein zuverlässiger Lieferant. Wenn Sie auf die Vergangenheit zurückblicken, werden Sie feststellen, daß die so oft angeführten

-4-

�angeführten Exportbeschränkungen für Sojabohnen lediglich fünf Tage dauerten.
Dann wurden sie bereits gemildert und nach zwei Monaten wurden sie gänzlich
aufgehoben.
Trotz dieser Restriktionen haben wir tatsächlich schon vorher exportiert.

Frage: Wie verhält es sich mit der Zuverlässigkeit der USA als Abnehmer?
Könnten die Vereinigten Staaten ganz plötzlich ihren Markt für Agrarimporte
schließen?

Antwort: Sie müssen hier wieder bedenken,daß wir einer der größten Importeure von Agrarerzeugnissen sind. Außerdem steht ein großer Teil unserer Importe in direktem Wettbewerb mit einheimischen Erzeugnissen.
Wir haben bestimmte Beschränkungen, das ist richtig, aber ganz allgemein ist unsere Importpolitik für Agrarerzeugnisse die liberalste von allen
großen Industriestaaten.

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LASER, RADAR UND SCHALLWELLEN SONDIEREN DIE LUFT

- (AD) - Wetterbeobachtung mit Radar, insbesondere zum Orten von Wolken
und Regenfronten oder auch von unvermutet auftretenden Turbulenzen ist seit
Jahren üblich und wird ständig weiter verbessert.

Nach fast 10 Jahren des Ex-

perimentierens stehen nunmehr zum Sondieren der Atmosphäre auch LASER-Ausrüstungen zur Verfügung.

Diese arbeiten mit sehr viel kürzeren elektromagnetischen

Wellen (im Spektralbereich des Lichtes) und sind dadurch z.B. in der Lage, Staub
und andere in der Luft schwebende Moleküle, sog. Aerosole, aufzuspüren, die
sehr viel kleiner sind als Wassertröpfchen.

Mit einem solchen "Lichtradarsystem" kurz LIDAR genannt, ist es auch möglich, jene besonderen meteorologischen Bedingungen schon in der Vorstufe zu erfassen, die die Entstehung von Smog begünstigen.

Es sind Schichtbildungen

meist in der unteren Atmosphäre, bei denen eine kältere Luftzone von einer
warmen Schicht überlagert und der vertikale Luftaustausch verhindert wird. In
Industriezentren und besonders verkehrsreichen Gebieten sind die Menschen gezwungen, unter einer die Gesundheit gefährdenden Dunstglocke zu leben. Verschiedene Regionen Kaliforniens, vor allem der Raum Los Angeles, sind berüchtigt
dafür.

Am "National Environmental Research Center" der amerikanischen Umweltschutzbehörde EPA in Las Vegas (Nevada) wurde eine LIDAR-Apparatur entwickelt,
mit der rasch und exakt die Intensität von Smog, aber auch die Grenzschichten

�Grenzschichten von Inversionen bereits im Frühstadium gemessen werden können.
Dies gibt den zuständigen amtlichen Stellen die Möglichkeit, rechtzeitig Warnungen z.B. an Krankenhäuser auszugeben oder Industriebetrieben und Autofahrern
gewisse Auflagen zu machen, damit während solcher Perioden die Ansammlung von
bestimmten Aerosolen verringert wird.

Die außerordentlich komplizierten und mannigfaltigen Prozesse, die im Smog
unter der Einwirkung des Sonnenlichts vor sich gehen, sind erst teilweise geklärt.

Zahlreiche Wissenschaftlergruppen in den Vereinigten Staaten arbeiten

daran, den verschiedenartigen Reaktionen, die von so vielen Faktoren - u.a.
Sonnenstand, Wind, Feuchtigkeitsgehalt, Temperatur, Art, Größe und sogar Herkunft der Aerosole - beeinflußt werden, durch Modellstudien auf die Spur zu
kommen.

Bei einem der wichtigen photochemischen Smog-Prozesse spalten z.B. die

Moleküle von Stickstoffdioxid unter Sonnenlichteinwirkung Sauerstoffatome ab.
Diese reagieren ihrerseits mit Sauerstoffmolekülen der Luft und bilden Ozon,
der in höherer Konzentration der menschlichen Gesundheit abträglich ist.

Städte und Industrielandschaften, über denen Dunstglocken aus Staub und
Abgasen liegen, erhalten viel weniger Sonnenschein als das freie Land.

Dabei

ist auch der an sich schon sehr geringe ultraviolette Bestandteil des Sonnenlichts (der auch bei den photochemischen Reaktionen in der Atmosphäre eine
Rolle spielt) um weitere 25 bis 35 % reduziert.

Dieser Anteil fehlt dann je-

doch bei bestimmten, biologisch wichtigen Prozessen wie der Bildung von Vitamin D
im menschlichen Körper.

Mit dem LIDAR-System wird nicht nur die Existenz und Konzentration von
Aerosolen, sondern auf Grund der Laufzeit und der Lichtmenge des an den Schwebeteilchen reflektierten LASER-Strahls auch die Entfernung von der Meßquelle bestimmt.

Da sich Aerosole mit Vorliebe an der Grenzzone zwischen warmer und

kalter Luft ansammeln, markieren sie, für das Auge oft unsichtbar, die Höhe
bzw. die Höhen von Inversionen.

Denn wie Untersuchungen mit dem LIDAR-Gerät

im Raum St. Louis (Missouri) zeigten, können auch mehrere solcher Luftschichten
unterschiedlicher Temperatur übereinanderliegen.
Schichten von

Dabei können sogar mehrere

Wolken vorhanden sein, obgleich der Himmel völlig klar erscheint.

�erscheint.

W i s s e n s c h a f t l e r e i n e s NOAA-Instituts (NOAA - Bundesamt für Meeres-

und Atmosphärenforschung)

i n Boulder i s t es ü b e r d i e s mit e i n e r n e u a r t i g e n

Schallsonde gelungen, I n v e r s i o n e n und i h r e Veränderungen k o n t i n u i e r l i c h b i s
i n 1000 m Höhe über d i e Meßquelle zu beobachten.
Auf e i n e r NASA-Entwicklung b a s i e r t e i n Verfahren, um die genaue Konzent r a t i o n von Schwefeldioxid in Kraftwerksabgasen m i t t e l s LIDAR zu messen.

Es

n u t z t den Umstand, daß d i e Moleküle des Schwefeldioxids mit LASER-Licht e i n e r
bestimmten Wellenlänge r e a g i e r e n und es i n l e i c h t v e r ä n d e r t e r Frequenz

reflek-

t i e r e n - e i n p h y s i k a l i s c h e s Phänomen, das a l s "Raman-Streuung" b e z e i c h n e t w i r d .
Ein v ö l l i g anderes C h a r a k t e r i s t i k u m , nämlich die Absorption von L i c h t b e s t i m m t e r
Wellenlänge, i s t d i e Grundlage e i n e s LIDAR-Verfahrens, mit dem s i c h Schwefeld i o x i d und e i n i g e andere S c h a d s t o f f - A e r o s o l e i d e n t i f i z i e r e n und q u a n t i t a t i v
bestimmen l a s s e n .

Es wurde am M a s s a c h u s e t t s I n s t i t u t e of Technology (MIT) e n t -

wickelt.

-

3

-

�amerika dienst
U n i t e d
53

States

Bonn-Bad

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Wissenschaft
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7/1975

HOHE KUNST DER WERKSTOFFTECHNIK
Warmbehandlung und "Mikrolegieren" sparen teure Rohstoffe

- (AD) - Kohlenstoffstähle großer Härte und Festigkeit, gleichzeitig aber
auch hoher Elastizität entwickelte eine Wissenschaftlergruppe der StanfordUniversität in Kalifornien unter der Leitung von Prof. Oleg D. Sherby vom
Department für Materialforschung und '-Technik.

Fünf "Rezepte", die in spe-

zieller Wärmebehandlung mit. Walz- und Schmiedeverfahren bei Temperaturen
zwischen 540 und 815 Grad Celsius sowie genau kontrollierter Abkühlung bestehen, hat die Gruppe inzwischen zum Patent angemeldet.

Bei einem Kohlenstoffgehalt von 1,3 Prozent und mehr, wo normaler Kohlenstoff-Stahl ohne Legierungszusätze wie Chrom, Nickel oder Molybdän außerordentlich spröde ist, erreichen die neuentwickelten Sorten sogar die Qualität des
berühmten Damaszenerstahls.

Während dieses Werkstoffwunder aus dem Orient,

das durch die Kreuzzüge in Europa bekannt, aber erst im 19. Jahrhundert teilweise enträtselt wurde, 1,5 bis 2 Prozent Kohlenstoff enthält, will die Gruppe
Sherby sogar bis auf 2,3 Prozent Kohlenstoff gehen.

Der "superplastische Kohlenstoffstahl", wie ihn die Erfinder in Stanford
bezeichnen, ist außerordentlich feinkörnig, was ihn besonders zäh macht. Stahlstäbe mit 1,3 Prozent Kohlenstoff wiesen, obgleich sie bei Rotglut auf mehr als
das Vierfache ihrer ursprünglichen Länge gezogen wurden, bei Raumtemperatur
ungewöhnlich günstige Werte für Elastizität und Zugfestigkeit auf.
Das

�Das Verfahren eröffnet der Verwendung unlegierter Kohlenstoffstähle,
die ja unvergleichlich billiger als legierte Stähle sind, einen großen Anwendungsbereich - u.a. auf dem Sektor "Werkzeugstahl" - der ihnen wegen ihrer
Sprödigkeit bisher verschlossen war.

Es könnten leichtere und festere Auto-

bauteile, kompliziert geformte Gegenstände, die normalerweise viel Bearbeitung
erfordern, und sogar komplette Karosserien in einem einzigen Arbeitsgang daraus
gefertigt werden.

Getrieberäder und Teile ließen sich in gewöhnlichen Matritzen

formen, die ihrerseits länger hielten, weil für die Formgebung weniger Kraft
aufgewendet werden müßte.

Durch "Mikrolegieren", d.h. die Zugabe winziger Mengen bestimmter Elemente
zu hochwertigen Werkstoffen wie Nickel für Teile, die sehr hohen Arbeitstemperaturen ausgesetzt sind, erreichte eine Wissenschaftlergruppe der Universität
Connecticut eine erhebliche Steigerung der Lebensdauer solcher Maschinenteile.
Die sog. Kriechfestigkeit wird um das Dreifache und mehr erhöht.

Das bedeutet,

daß die unter dem Einfluß hoher Arbeitstemperaturen einsetzende und sich dann
immer weiter verstärkende Formänderung von Maschinenbauteilen (z.B. in Düsentriebwerken oder Kraftwerksturbinen) erst nach sehr viel längerer Betriebsdauer
beginnt, das Teil also erst wesentlich später als bisher ausgewechselt werden
muß.

Wie Dr. Peter R. Strutt vom Department für Metallurgie der Universität
Connecticut berichtet, kann bereits der Zusatz von 20 Teilen eines bestimmten
Elements zu 1 Million Teile reinen Nickels die Kriechfestigkeit dieses Metalls
steigern.

Sie wird sogar um das Dreieinhalbfache größer, wenn nicht nur ein

Spurenelement, sondern wenn Spuren von Bor und von Zirkon in einem bestimmten
Verhältnis zugesetzt werden.
Bei Werkstoffen auf Nickelbasis ist die Technik des Mikrolegierens besonders wichtig.

Sie bildet die Grundlage für die Entwicklung einer ganz

neuen Generation hochwertiger Materialien, die bei noch höheren Arbeitstemperaturen, als die heute üblichen Speziallegierungen dies zulassen, beansprucht
werden.

Bei Stahltriebwerken bedeutete beispielsweise eine höhere Betriebs-

temperatur die Möglichkeit, beträchtliche Mengen von Treibstoff einzusparen.
Elektronenmikro skopi s che

�Elektronenmikroskopische Untersuchungen an mikrolegierten Werkstoffen
bei starker Vergrößerung deuten darauf hin, daß die Spurenelemente offenbar
in sehr kleinen Atombündeln bevorzugt Positionen besetzen, wo Atome des Grundmaterials bei Wärmebeanspruchung leicht in Bewegung geraten oder abwandern
und so die Deformierung herbeiführen.

Die Spurenelemente stabilisieren so-

mit die Struktur.

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KENAF - ROHSTOFF FÜR PAPIERPRODUKTION

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(AD) - Kenaf, e i n b i s z u 3 m h o h e r S t r a u c h a u s d e r g r o ß e n F a m i l i e d e r

Hibiskus-Pflanzen,
von F a s e r r o h s t o f f e n

k ö n n t e i n d e n USA e i n e s T a g e s F i c h t e n b ä u m e a l s H a u p t q u e l l e
für d i e Papierherstellung verdrängen.

Kenaf e r g i b t

l i c h p r o H e k t a r A n p f l a n z u n g b i s z u S i e b e n m a l mehr A u s g a n g s s t o f f e
pierherstellung
als ausgereift

a l s Fichtenholz.

näm-

für d i e Pa-

Und s c h o n i n 4 Monaten g i l t e i n K e n a f - S t r a u c h

- e i n F i c h t e n b a u m d a g e g e n b r a u c h t 50 Mal mehr Z e i t b i s e r g e -

s c h l a g e n werden kann.

Nach A n s i c h t v o n J o s e p h A t c h i n s o n

(New Y o r k ) , d e r a l s B e r a t e r d e r P a p i e r -

i n d u s t r i e t ä t i g i s t , werden k ü n f t i g sowieso S t r ä u c h e r ,
pflanzliches Material a l s Grundstoffe
R o l l e s p i e l e n , w e i l Holz e i n f a c h
wandern.

Stroh und a n d e r e s

zur Papierfabrikation

e i n e immer g r ö ß e r e

z u w e r t v o l l i s t , um i n d i e P a p i e r m ü h l e n z u

B e r e i t s im J a h r 1960 h a b e n W i s s e n s c h a f t l e r

m i n i s t e r i u m s n a c h d e r P r ü f u n g von 3500 P f l a n z e n

des US-Landwirtschafts-

auf den K e n a f - S t r a u c h

als faser-

r e i c h s t e n Rohstoff hingewiesen.

Obgleich e i n Problem b e i d e r Anlage

Kenaf-Kulturen,ihre Anfälligkeit

gegen e i n e n d a s Wurzelwerk b e f a l l e n d e n

parasiten,

n o c h n i c h t z u f r i e d e n s t e l l e n d g e l ö s t i s t , nehmen F a c h l e u t e

an, daß schon i n a b s e h b a r e r Z e i t d e r K e n a f - S t r a u c h

großer
Wurm-

heute

für die Papierproduktion

ä h n l i c h e Bedeutung e r l a n g e n wird, wie v o r einem h a l b e n J a h r h u n d e r t d i e F i c h t e n kulturen.

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