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Dokumentation

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Nummer

25. März 1975

Inhalt

INFORMATION:

Frederick B. Dent
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

WIRTSCHAFT:
US-Finanzminister gegen massive Interventionen auf den Devisenmärkten
-Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council-

Erzeugerpreise - Faktor in der Strategie gegen den Hunger
- Studie des US-Landwirtschaftsministeriums -

HINTERGRUNDMATERIAL

Verstärkte Fürsorge für Arbeitslose in den USA
Von Sam Burks

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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6/1974
FREDERICK B. DENT
Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll-und Handelsverhandlungen

--(AD)-- Das Primat der internationalen Wirtschaft und des Welthandels in den
Beziehungen der Völker kann kaum deutlicher zum Ausdruck kommen als durch die
Ernennung des bisherigen Handelsministers der Vereinigten Staaten, Frederick B.
Dent, zum Sonderbeauftragten des Präsidenten für Zoll-und Handelsverhandlungen.

Als Nachfolger von Botschafter William D. Eberle wird Dent als Leiter
der amerikanischen Delegation bei den Verhandlungen in Genf und Tokio eine bedeutsame Rolle bei der künftigen Gestaltung des Weltwirtschafts-und Weltwährungssystems spielen. Dent, seit Februar 1973 Handelsminister der Vereinigten Staaten und am 19 .3. 1975 in seinem neuen Amt bestätigt, sieht die Verlagerung der
Prioritäten wie folgt: "Bis Anfang der siebziger Jahre wurden unsere Interessen
in Übersee von militärischen und politischen Fragen beherrscht. In neuerer Zeit
sind Handelsinteressen in den Vordergrund getreten. Die Vereinigten Staaten
mögen das als Nation vielleicht noch nicht voll erkannt haben, aber diese Verlagerung zwingt uns zu einer Änderung vieler unserer fundamentalen Auffassungen
und Vorstellungen von Weltpolitik."
Als

�Als einer der führenden Vertreter der amerikanischen Textilindustrie und
als Handelsminister der Vereinigten Staaten ist Dent viel gereist und kennt
die Probleme anderer Länder aus eigener Anschauung. Aber er ist, wie einer
seiner engen Mitarbeiter betont, auch der Meinung, daß die Vereinigten Staaten härter verhandeln müssen. Grundsätzlich tritt er für eine Erweiterung und
Liberalisierung des Welthandels ein, ohne den die Vereinigten Staaten und andere Länder nach seiner Auffassung nicht existieren können.

Frederick Baily Dent wurde am 17. August 1922 in Cape May im Staate
New Jersey geboren und schloß 1943 seine Studien an der Yale-Universität ab.
Von 1943 bis 1946 diente er in der Reserve der US-Marine. Anschließend ging
er in die Wirtschaft und spielte eine bedeutende Rolle in der Textilindustrie.»
Er war Direktor der Firma Joshua L. Baily &amp; Co. in New York und übernahm 1947
die Textilfirma Mayfair Mills in Arcadia im Staate South Carolina als Präsident.
Daneben hatte er Direktoren-und Aufsichtsratsposten in mehreren anderen großen
Unternehmen, darunter der National Bank von South Carolina, inne.

Dent gehört mehreren bedeutenden Textilindustrieverbänden in den USA an
und ist Treuhänder des Amerikanischen Instituts für Textiltechnik.

Er ist verheiratet und hat zwei Söhne und drei Töchter.

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6/1975

US-FINANZMINISTER GEGEN MASSIVE INTERVENTIONEN AUF DEN DEVISENMÄRKTEN
- Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council -

CLEVELAND -- AD -- Massive Interventionen auf den Devisenmärkten würden im
Augenblick eher zu Störungen als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse führen.
Diese Auffassung hat der amerikanische Finanzminister William Simon in
einer Rede vor dem World Affairs Council von Cleveland am 21. März vertreten.
Simon

wandte sich ferner gegen gewisse. Auslegungen der soeben veröffentlich-

ten Zahlen über die amerikanische Zahlungsbilanz für 1974 und betonte, daß
bei diesen Zahlen der größte Teil der Investitionen nicht berücksichtigt worden sei, die von den arabischen Ölländern in den Vereinigten Staaten vorgenommen wurden. Wären diese Investitionen, so sagte Simon, gegen die amerikanischen Zahlungen an andere Länder aufgerechnet worden, so würde die amerikanische Zahlungsbilanz 1974 weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen haben.
Wörtlich führte der amerikanische Finanzminister hierzu aus:
"Eine weitere Aufgabe

ist es, bei unserer Suche nach gemeinsamen Lösun-

gen realistisch zu bleiben. Ich erwähne dies, weil die Besorgnis hinsichtlich

-1-

�hinsichtlich des Kurswertes des Dollar auf den Devisenmärkten in jüngster Zeit zu
Vermutungen geführt hat, die großen Länder suchten die Wechselkurse ihrer Währungen durch massive Interventionen auf den Devisenmärkten zu stabilisieren.

Ich gebe zu, daß es sehr schwierig ist, sich mit diesem Thema zu befassen,
ohne den Anschein zu erwecken, als wolle man das Ganze verharmlosen. Trotzdem,
so glaube ich, sollten verschiedene Punkte erwähnt werden, die uns ein besseres
Verständnis für die richtige Perspektive vermitteln:

-- Insgesamt waren die Kursschwankungen des Dollar gegenüber den übrigen Währungen weit geringer,als viele meinen. Der Grund dafür ist, daß sich die Aufmerksamkeit gewöhnlich nur auf den Dollar-Kurs zum Schweizer Franken und zur DM konzentriert. Nimmt man jedoch den gewogenen Handelskurs des Dollar zu allen wichtigen
Währungen der freien Welt, dann liegt der Dollar sehr dicht an seinem Kurswert von
1973, als die gegenwärtige Periode des weitverbreiteten Floatens einsetzte. In
dieser ganzen Zeit zählte der Dollar zu den stabilsten großen Währungen.

-- Zweitens stimmen die Finanzexperten fast aller Länder darin überein, daß
es unter den gegenwärtigen Umständen weder praktisch durchführbar noch wünschenswert ist, den Versuch zu unternehmen, mehr zu tun, als lediglich geordnete Bedingungen auf den Devisenmärkten zu erhalten. Die Vereinigten Staaten haben diese
letztere Verpflichtung akzeptiert und hierzu interveniert. Einige wenige Wechselkurse haben vielleicht größere Schwankungen aufgewiesen, als es manchem erwünscht
war, doch behielten wir offene Märkte und es gibt keinerlei Anzeichen dafür, daß
der Handel irgendwie wesentlich behindert wurde. Massive Interventionen zur
Stützung der Wechselkurse würden an diesem entscheidenden Punkt eher zu Störungen
auf den Devisenmärkten als zu einer größeren Stabilität der Wechselkurse geführt
haben.
—
-2-

Drittens

�-- Drittens waren die Senkung der amerikanischen Zinssätze und die Tatsache, daß wir die Zinssenkungsbewegung anführten, die Hauptgründe für den
Rückgang des Dollarkurses in der letzten Zeit. Würden wir unsere Zinssätze
künstlich in die Höhe treiben, nur um den Dollarkurs zu stützen, so würde dies
unserem Ziel zuwiderlaufen, die Wiedererholung der amerikanischen Wirtschaft
zu fördern.

Diese Administration ist keineswegs dafür, etwas einfach zu beschönigen.
Wir sollten uns jedoch darüber klar sein, daß die beste Verteidigung des Dollar
eine starke, gegen die Inflation abgeschirmte Wirtschaft ist. Statt uns ausschließlich auf den Kurs des Dollar gegenüber den anderen Währungen zu konzentrieren, sollten wir seine Kaufkraft - seinen Kurswert ganz allgemein an Gütern
und Dienstleistungen - in den Vordergrund stellen. Wir müssen unsere Inflation
unter Kontrolle bringen und die Aushöhlung der Kaufkraft des Dollar beseitigen,
die die Inflation zwangsläufig mit sich bringt. Die Aussicht auf eine Stärkung
des Dollarkurses hängt letztlich davon ab, ob es uns gelingt, die Inflation unter
Kontrolle zu bringen und die Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse auf
den Weltmärkten zu verbessern, und nicht von Interventionen auf den Devisenmärkten.
Daher bezweifele ich es,ob eine Politik klug und erfolgreich ist, die Leitpunkte oder Bandbreiten für den Wechselkurs des Dollar festzulegen sucht. Eine
solche Politik richtet ihre Aufmerksamkeit auf die Symptome der Stärke oder
Schwäche einer Volkswirtschaft, statt die Ursachen dafür an der Wurzel anzupacken. Wir sollten bedenken, daß die Welt zu frei schwankenden Wechselkursen
überging, weil sie in einer Zeit der Unsicherheit größere Flexibilität brauchte
und die Marktkräfte zum Tragen kommen mußten. Diese Notwendigkeit besteht weiter-

�weiterhin, und wir sollten nicht danach streben, jetzt zu dem krisenanfälligen
System der Vergangenheit zurückzukehren.

Diesem Aufruf zu mehr Realismus in internationalen Währungsfragen möchte ich
ferner die dringende Bitte hinzufügen, bei der Interpretation von Zahlungsbilanz zahlen vorsichtiger zu sein. Gerade in dieser Woche erregte eine Presseverlautbarung der Regierung großes Aufsehen, wonach das Defizit in unserer Bilanz der laufenden und der langfristigen Kapitaltransaktionen 1974 auf 10,6 Milliarden Dollar
gestiegen sei gegenüber einem Defizit von 1 Milliarde Dollar 1973.

Dies war eine sehr irreführende Interpretation unserer Zahlungsbilanzsituation.
Gerade diese Bilanz (der laufenden und der langfristigen-Kapitaltransaktionen)
wird so errechnet, daß der größte Teil der feststellbaren Investitionen von erdölexportierenden Ländern in den USA - Investitionen, die sich 1974 auf insgesamt
rund 11 Milliarden Dollar stellten - unberücksichtigt bleibt. Hätte man eine Bilanz gewählt, die diese Investitionen einschloß,so hätte diese weder einen größeren Überschuß noch ein größeres Defizit ausgewiesen. Ein Interpretieren wirtschaftlicher Statistiken ist auf alle Fälle schwierig, aber in der heutigen Welt, die so
komplex ist und so feinfühlig reagiert, ist es besonders wichtig, daß wir Ansichten über Trends in außenpolitischen Dingen nur gut informiert äußern."

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6/1975

ERZEUGERPREISE - FAKTOR IN DER STRATEGIE GEGEN DEN HUNGER
Studie des US-Landwirtschaftsministeriums

- (AD) - Zwischen den Preisen und der Produktion von Nahrungsmitteln besteht offenbar ein enger Zusammenhang.

Die Verfasser einer Ende 1974 vom US-

Landwirtschaftsministerium nach zweijährigen Untersuchungen veröffentlichte
Studie versuchten den Ursachen nachzugehen:

In Ländern wie den USA, West-

europas oder Japan, wo die Agrarpreise hoch sind, werden Überschüsse produziert bzw. ist die Versorgung aus eigener Kraft gewährleistet.

Wo aber, wie

in der Sowjetunion oder in den meisten Entwicklungsländern, die Erzeugerpreise
niedrig liegen, kann die Produktion mit dem Bedarf immer weniger Schritt halten.
In steigendem Maße werden dort Importe erforderlich.

Die Stabilität und das Niveau

"internationaler"

Getreidepreise haben

keinerlei Einfluß auf die Preise, denen sich Verbraucher und Erzeuger in einzelnen Ländern gegenübersehen.

Vielfach seien dort, wie der Bericht ausführt,

die Inlandspreise durch Subventionen, Steuern, agrar- und handelspolitische
Maßnahmen von den Welthandelspreisen weitgehend isoliert.

Preisunterschiede

zwischen den einzelnen Ländern erklären zum großen Teil einen schleppenden
Produktionsanstieg seit 1968, den Anteil des für Futterzwecke genutzten Getreides und den Umfang der Getreideimporte.
Wenn

�Wenn man den Hunger in der Welt wirksam bekämpfen wolle, müsse das permanente und sich immer mehr verstärkende Ungleichgewicht in der Nahrungsmittelproduktion zwischen und innerhalb der drei Gruppen - Industrieländer, Entwicklungsländer und Länder mit Planwirtschaft - abgebaut werden, Auch eine welt*weite Neuordnung der Preise sei erforderlich.

Der damit verbundenen großen

Schwierigkeiten sei man sich durchaus bewußt.

In den Entwicklungsländern werde

es ohne einen leichten Anstieg der Preise für Grundnahrungsmittel, die in den
meisten Fällen künstlich niedrig gehalten werden, nicht abgehen. Aber die
Preise würden doch wesentlich unter jenen von heute liegen. Da in diesen Ländern
mehr als die Hälfte der Bevölkerung Bauern sind, würden von den durch Preisneuordnungen erzielten Einkommensverbesserungen weite Teile der Bevölkerung profitieren.

Die Situation in einzelnen Ländern bzw. Regionen wird wie folgt charakterisiert:
USA

Mitte der sechziger Jahre waren die Vereinigten Staaten dazu übergegangen,
Farmpreise nicht mehr zu subventionieren, sondern direkte Zahlungen an die
Farmer zu leisten.

Deshalb wurde 1964 der Subventionspreis bei Weizen von

2 Dollar auf 1,25 Dollar/bushel reduziert, was dem Weltmarktpreis näher kam.
Den Farmern wurde die Differenz zwischen diesem Preis und dem bis dahin erzielten Preis vergütet, so daß sie mit einem ziemlich konstanten Erlös von
2 Dollar/bushel rechnen konnten.

Die Konsumenten dagegen, Viehzüchter einge-

schlossen, orientieren sich ebenso wie die Importeure amerikanischen Getreides
an wesentlich niedrigeren Preisen.
•

Japan und Europa

In Japan lagen ähnlich wie in den EG-Ländern die Agrarpreise weit über
den Weltmarktpreisen.

Selbst nach dem enormen Preisanstieg für Reis Ende 1973/

Anfang 1974 auf dem Weltmarkt war der Inlandspreis noch immer merklich höher

- 2 -

�höher - er stieg ir. zwei Jahren, von 1971 bis Ende 1973, von 390 auf 636 Dollar/
Tonne.

In den Ländern der Europäischen Gemeinschaft hatte die Verdoppelung der
amerikanischen Exportweizenpreise von 1971 auf 1972 keinen Einfluß auf die
Agrar- oder Verbraucherpreise.

Dabei spielten allerdings die Dollarabwertungen

von 1971 und 1973 sowie das innerhalb der EG wirksame Importabgabesystem eine
wichtige Rolle. Als dann Ende 1973 und Anfang 1974 die internationalen Weizenpreise weiter stiegen, wurden Weizenausfuhren aus dem EG-Raum durch Exportsteuern und Genehmigungsverfahren begrenzt.

Die Getreidepreise in den EG-Ländern

(Italien allerdings ausgenommen) erhöhten sich zwischen 1971 und 1974 nur um
ca. 10 Prozent, während sich der Weltmarktpreis verdreifachte.

Sowjetunion
Seit 1970 wurden in der UdSSR die an die staatlichen und kommunalen Kolchosen gezahlten Preise nicht erhöht.

Die Abgabepreise für Fleisch und Brot

in den staatlichen Geschäften waren sogar seit 1962 stabil geblieben. Rindfleisch und Brot sind billiger, viele andere Lebensmittel dagegen teurer als
in Europa oder Nordamerika.

Brot soll für alle Verbraucher billig sein.

Bei

Fleisch und Molkereiprodukten fing der Staat bisher ein hohes Defizit auf, um
die Verbraucherpreise stabil zu halten.
duktion zu steigern.

Gleichzeitig wird versucht, die Pro-

Von 1969 bis 1974 stiegen die Subventionen von 6,5 auf

12,6 Milliarden Rubel.

Entwicklungsländer

Das Niveau von Lebensmittel- und Agrarpreisen ist in vielen Entwicklungsländern nur schwer zu ermitteln;

Statistiken sind rar.

In manchen Ländern wird

ein großer Teil der Nahrungsmittel von der bäuerlichen Bevölkerung produziert
und auch konsumiert.

Einen direkten Kontakt anderer Märkte mit diesen meist

weit abgelegenen Gebieten gibt es praktisch nicht.

Die Preise in den Städten

werden von der Regierung meist künstlich niedrig gehalten.

Sie hat außerdem

mehr oder weniger großen Einfluß darauf, welche Mengen von Nahrungsmitteln in
- 3-

�in diesen Ländern überhaupt produziert werden, wieviel im Lande verbraucht
und was bzw. wieviel exportiert wird,

Wo Agrarprodukte oder Nahrungsmittel wichtige Exportgüter sind oder zu
den Hauptquellen der Regierungseinkünfte zählen, werden zum Teil die Exporte
besteuert oder die Inlandspreise so manipuliert, daß die Bauern weniger erlösen, als es ohne Besteuerung der Fall wäre. An diese Praxis hält sich z.B.
Thailand bei Reis, Ägypten bei Reis und Baumwolle, Argentinien bei Getreide
und Fleisch, und afrikanische Länder tun dies bei Erdnüssen und gewissen anderen Erntefruchten.

Auch handelspolitische und monetäre Maßnahmen drücken in einer Reihe von
Entwicklungsländern die Erlöse der Bauern.

So werden in Brasilien mit einem

überhöhten Wechselkurs die Preise für Agrarexporte und Lebensmittelimporte
künstlich niedrig gehalten.

Aufuhrverbote und Kontingentierung

sollen helfen,

Agrarerzeugnisse auf die Inlandsmärkte zu schleusen und so die Inlandspreise
zu drücken.

Dies sind einige der Maßnahmen, mit denen Brasilien die Industria-

lisierung zu forcieren sucht.

Außerdem erachten viele Entwicklungsländer wie Thailand, Ägypten,
Indonesien und Sri Lanka einen niedrigen und stabilen Einzelhandelspreis für
Grundnahrungsmittel (meist Getreideprodukte) als wichtiges Ziel der Regierungspolitik - schon allein deshalb, weil Nahrungsmittelpreise Bestandteil der Löhne
sind.

Man fürchtet, durch einen Preisanstieg oder starke Preisfluktuation

Lohnbewegungen auszulösen, die der Wirtschaftsentwicklung im Ganzen schaden.

Solche Überlegungen und politischen Ziele sind verständlich.

Dennoch

sollte man die Auswirkungen der Maßnahmen auf die Kapazität der Nahrungsmittelproduktion im Lande und auf die Einfuhren sorgfältig analysieren.

In asiatischen

Entwicklungsländern besteht z.B. ein enger Zusammenhang zwischen geringen
Reisernten, niedrigen Reispreisen und, in Relation dazu, hohen Preisen für
Düngemittel.

Während

�Während der letzten zehn Jahre hat der Reisexport Thailands und Burmas
stagniert. Die Preise, die dort den Reisbauern gezahlt werden, zählen zu den
niedrigsten der Welt.
Indonesien.

Ähnlich niedrige Erlöse haben die Reisbauern in

Jedes dieser Länder reguliert, wenn auch auf verschiedenen Wegen,

den Erzeugerpreis - Thailand und Burma durch Exportkontrolle und -steuern,
Indonesien durch zusätzliche Importe. Alle drei verfügen über ein beträchtliches Potential zur Steigerung der eigenen Reisproduktion.

Dafür aber sind

die niedrigen Erzeugerpreise ein großes Hindernis.

Die reisexportierenden Entwicklungsländer wiederum haben unter normalen
Verhältnissen nur einen begrenzten Markt, z.T. deshalb, weil Japan durch hohe
Erzeugerpreise die Autarkie aufrechterhält, die EG-Länder die eigene Reisproduktion durch hohe Inlandspreise, Einfuhrbarrieren und Exportsubventionen
schützen,und die USA Reis unter Anwendung einer Kombination von Preisstützung
und Ausfuhrsubventionen exportieren.

Ägypten nimmt mit dem von der Regierung kontrollierten Erzeugerpreis eine
Mittelstellung ein.

Einer der Gründe, weshalb bisher der relativ niedrige

Preis (der aber höher als in Burma, Thailand und Indonesien liegt) gehalten
werden konnte, sind die wachsenden Importe an Weizen - 1960 ca. 1 Million,
1973 bereits mehr als 3 Millionen Tonnen.

Sie nehmen weiter zu.

Preisangleichung

Das Phänomen, daß in den Industrieländern die Erzeugerpreise für Lebensmittel weit über den Weltmarktpreisen, in vielen Entwicklungsländern aber darunter
liegen,kann nicht getrennt von den Problemen der Überschußprodukticn bei den
erstgenannten und Hunger oder wachsendem Lebensmittelmangel bei der zweiten
Gruppe und teilweise auch in den Ländern mit Planwirtschaft gesehen werden.

Dies

ist ein Schlüsselproblem, für das eine Lösung gefunden werden muß, wenn sich
die Welternährungssituation verbessern soll.

Während in den Industrieländern

die Preisstützungspolitik sich aus langen Anpassungsprozessen zwischen den
Interessen der Landwirtschaft und der Verbraucher entwickelt hat, ist die Preis-

- 5-

�Preispolitik der sozialistischen Länder ein zentraler Teil ihrer Entwicklungsprogramme.
pliziert.

Bei den Entwicklungsländern aber ist dieses Problem besonders komDenn ohne gewisse Preissteigerungen für Grundnahrungsmittel wären

Lösungen kaum denkbar.

Einkommensverbesserungen bei den Bauern kämen aber,

da diese meist mehr als die Hälfte der Gesamtbevölkerung ausmachen, einem
großen Kreis von Menschen zugute.

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6/1975

VERSTÄRKTE FÜRSORGE FÜR ARBEITSLOSE IN DEN USA
Von Sam Burks

WASHINGTON --AD— Die wachsende Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten ist ein vordringliches Anliegen sowohl der Ford-Administration als auch
des amerikanischen Kongresses. Dabei wird von den Wirtschaftspolitikern die
Bekämpfung der Inflation keineswegs hintan gestellt, obwohl die jüngsten Indexzahlen der Großhandelspreise ein Nachlassen des inflationistischen Drucks
erkennen lassen. Aus diesem Grunde ist man in Washington sich weitgehend darüber einig, daß bei der Behebung der Arbeitslosigkeit durch eine Anregung der
Wirtschaft mit einer gewissen Vorsicht vorgegangen werden muß.

Der Nachdruck wird daher auf Programme gelegt, die jenen helfen sollen,
die durch die Wirkung von Inflation und Rezession in den Vereinigten Staaten
- und in der ganzen Welt - in den letzten Jahren ihren Arbeitsplatz verloren
haben.
Seit August 1974, als die rapide Zunahme der Arbeitslosigkeit in den USA
einsetzte, ist die Zahl der beschäftigungslosen Amerikaner um 2,6 Millionen
auf 7,5 Millionen Ende Februar 1975 angestiegen. Diese Gesamtzahl stellt

-1-

�l
stellt - nach amerikanischen statistischen Methoden gerechnet - 8,2 Prozent
der zivilen Arbeitskräfte dar. Der höchste Anstieg der Arbeitslosigkeit war
- wie auch in anderen Ländern - bei Frauen und Jugendlichen zu verzeichnen
- zwei Bevölkerungsgruppen, bei denen die Fluktuation schon immer am stärksten
gewesen ist. Die Arbeitslosigkeit unter männlichen Erwachsenen und Haushaltsvorständen stieg ebenfalls, blieb jedoch unter den Spitzenwerten, die während
vergleichbarer Rezessionen in den Jahren 1949 und 1958 zu verzeichnen waren.
Wie in den früheren Monaten war der stärkste Verlust von Arbeitsplätzen
in Herstellungsbetrieben - vor allem in der Autoindustrie und den Zubringerindustrien - und im Baugewerbe festzustellen. Allein auf diesen beiden Sektoren verloren zusammen über 625 000 Beschäftigte im Februar ihren Arbeitsplatz.

Um die Auswirkungen der großen Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten zu mildern werden im wesentlichen zwei Methoden angewandt: Programme zur
Erhaltung des Einkommens - wie Arbeitslosenunterstützung, Umschulungshilfe und
Sozialunterstützung - und Bereitstellung neuer Arbeitsplätze in Form öffentlicher Arbeitsbeschaffung.

Die Arbeitslosenversicherung (Unemployment Insurance), die im Jahre 1935
im Rahmen der amerikanischen Sozialgesetzgebung eingeführt wurde, wird allgemein als die erste Verteidigungslinie für den typischen amerikanischen Arbeiter angesehen, der vorübergehend seinen Arbeitsplatz verliert. Sie wird nach
Bundesrichtlinien durch einzelstaatliche und kommunale Behörden verwaltet. Im
Rahmen dieses Programmes sind fast 80 Millionen zivile Arbeitnehmer in den
Vereinigten Staaten - d.h. sieben von acht gegen Lohn oder Gehalt Beschäftigtigte - im Falle der Arbeitslosigkeit zum Bezug einer temporären Unter-2-

�Unterstützung berechtigt, die im Durchschnitt 36 Prozent ihres normalen Einkommens ausmacht. Wenn zusätzliche Unterstützungen hinzukommen, wie sie bei
Mitgliedern mancher Gewerkschaften - wie etwa bei der Gewerkschaft der Automobilarbeiter - auf privater Basis zur Verfügung stehen, dann kann sich das
Einkommen des vorübergehend Arbeitslosen auf bis zu 95 Prozent des normalen
Einkommens erhöhen.
Normalerweise erhalten Arbeitslose, die im Rahmen des oben genannten Programmes versichert sind, ihre Unterstützung bis zu 26 Wochen. Sie wird um zusätzliche 13 Wochen verlängert, wenn einzelstaatliche oder nationale Arbeitslosenziffern bei versicherten Arbeitern über einen längeren Zeitraum hinweg
außergewöhnlich hoch bleiben. Im Rahmen eines Sondergesetzes (Emergency Job
and Unemployment Assistance Act of 1974), das Präsident Ford am 31. Dezember
1974 unterzeichnet hat, kann die Unterstützung im Jahre 1975 auf weitere 13
Wochen ausgedehnt werden, so daß sie insgesamt bis zu einem vollen Jahr bezahlt werden kann.

Die Zahlung wird während der ersten 26 Wochen der regulären Unterstützung aus dem Lohnsteueraufkommen finanziert. Die Unterstützung während
der ersten zusätzlichen 13 Wochen wird zur Hälfte vom Arbeitgeber und zur
Hälfte von der Bundesregierung getragen, während die Zuwendungen für die zweite Verlängerungsperiode von 13 Wochen voll aus Bundesmitteln aufgebracht werden.
Eine weitere von Präsident Ford im Dezember vorigen Jahres unterzeichnete Sondermaßnahme (Emergency Unemployment Compensation Act of 1974) ermöglicht für das Jahr 1975 die Unterstützung von etwa 12 Millionen Arbeitnehmern,

�Arbeitnehmern, die bisher nicht unter die regulären Programme fielen - vor
allem Bedienstete einzelstaatlicher und kommunaler Behörden, Hausangestellte
und landwirtschaftliche Arbeiter - für einen Zeitraum bis zu 26 Wochen aus Bundesmitteln, wenn die Arbeitslosenrate in Amerika drei aufeinanderfolgende Monate lang über der sechs-Prozent-Marke bleibt.

Im Rahmen all dieser Programme erhielten beispielsweise in der zweiten
Februarwoche 1975 über 6 Millionen Arbeitslose eine reguläre oder zusätzliche Unterstützung.
Das erste umfassende Programm zur Schaffung von Arbeitsplätzen in den
Vereinigten Staaten seit der großen Depression der Dreißiger Jahre wurde im
Jahre 1971 mit der Verabschiedung des Emergency Employment Act ins Leben gerufen. Im Rahmen des Programms soll

in erster Linie für neue oder Dauerar-

beitslose eine vorübergehende Beschäftigung im Öffentlichen Dienst gefunden wer--,
den, um diese Arbeitskräfte dann in den regulären öffentlichen oder privaten
Arbeitsprozeß überzuführen. Das Programm wird im Rahmen des Finanzausgleichs
des Bundes von den einzelstaatlichen und kommunalen Behörden verwaltet. Eine
vorübergehende Beschäftigung im öffentlichen Dienst wurde auch durch das umfassende Arbeits-und Ausbildungsgesetz des Jahres 1973 ermöglicht, wobei hier
mit den im Dezember 1974 von Präsident Ford unterzeichneten Änderungsbestimmungen der Nachdruck auf die Schaffung zeitweiliger Arbeitsplätze für Fachkräfte gelegt wird, die in Zeiten hoher Arbeitslosigkeit ihren Arbeitsplatz
verloren haben.
•

Die Sondergesetzgebung aus dem Jahre 1974 erlaubt die Bereitstellung von
2,5 Milliarden Dollar bis zum 31. Dezember 1975 für die Schaffung von rund

�rund 310 000 Arbeitsplätzen im Öffentlichen Dienst, die je nach Bedarf auf die
verschiedenen Regionen der Vereinigten Staaten verteilt werden. Den Vorzug haben Fachkräfte, die ihre gesamte Arbeitslosenunterstützung ausgeschöpft haben
oder denen keine solche zusteht, und Fachkräfte, die 15 Wochen oder länger
ohne Arbeit sind. Das Gesetz bewilligt ferner 500 Millionen Dollar für das
Jahr 1975 für öffentliche Arbeitsprojekte, die auf die Senkung der Arbeitslosigkeit in besonders hart betroffenen ländlichen und städtischen Gebieten
abzielen. Im Rahmen dieses Sektors der Sondergesetzgebung erhalten arbeitsintensive Projekte, die innerhalb von 12 Monaten abgeschlossen werden können,
den Vorzug.

Für das Kalenderjahr 1975 sind insgesamt fast 17 Milliarden Dollar bereitgestellt worden, um eine Vielfalt von Programmen der Arbeitsplatzbeschaffung
und der Einkommenserhaltung - ausschließlich der öffentlichen Wohlfahrt - zu
finanzieren.

Präsident Ford hat den Kongreß um weitere 2 Milliarden Dollar - einschließlich von 1,6 Milliarden Dollar, die bereits bewilligt, aber noch nicht
angewiesen worden sind - ersucht, um das Sonderarbeitsbeschaffungsprogramm im
Öffentlichen Dienst um weitere 6 Monate zu verlängern und 760 000 Sommerarbeitsplätze für Jugendliche zu schaffen. In beiden Häusern des Kongresses werden gegenwärtig weitere Maßnahmen zur Eindämmung der steigenden Arbeitslosigkeit geprüft, darunter ein Vorschlag der Demokratischen Fraktionsführung im
Repräsentantenhaus,der 5,9 Milliarden Dollar für die Schaffung zusätzlicher

-5-

�zusätzlicher Arbeitsplätze im Öffentlichen Dienst während des kommenden Jahres, weitere Sommerbeschäftigungen für Jugendliche und den Ankauf von etwa
121 000 Fahrzeugen für die Regierung vorsieht, um der amerikanischen Autoindustrie zu helfen.

XXX

�</text>
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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 25.03.1975</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Frederick B. Dent&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Sonderbeauftragter Präsident Fords für Zoll- und Handelsverhandlungen&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister gegen massive Interventionen auf den Devisenmärkten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Rede Simons vor dem World Affairs Council -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erzeugerpreise - Faktor in der Strategie gegen den Hunger&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Studie des US-Landwirtschaftsministeriums -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Verstärkte Fürsorge für Arbeitslose in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;</text>
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