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Dokumentation

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Nummer 5

12. März 1975

Inhalt

WIRTSCHAFT
Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

HINTERGRUNDMATERIAL
Der Erfolg von Wladiwostok
Von Gerard C. Smith

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Ultraschallsonde für Herzdiagnostik

Neuartige Mikroskope

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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5/1975

NEUE MÖGLICHKEITEN FÜR DAS INTERNATIONALE WÄHRUNGSSYSTEM
Von Henry C. Wallich
Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System

FRANKFURT - (AD) - Der bekannte amerikanische Finanzfachmann und Mitglied
des Gouverneurrates des amerikanischen Federal Reserve Systems (US-Bundesbank),
Henry C. Wallich, hat am 6. März 1975 im Amerika Haus Frankfurt einen Vortrag
über "neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem" gehalten. Die
Ausführungen von Wallich haben folgenden Wortlaut:

Ich freue mich über diese Gelegenheit, im Amerika Haus Frankfurt über das
Internationale Währungssystem sprechen zu dürfen.

Durch die Nachrichten von

den Devisenmärkten wird uns fast täglich die Arbeitsweise dieses Systems vor
Augen geführt. Flexible Wechselkurse (floating rates) haben gute und weniger
gute Resultate gezeitigt.

Ein kurzer Rückblick erscheint angebracht, bevor wir

die Entwicklung des Weltwährungssystems in einem umfassenderen Rahmen untersuchen.

Flexible Wechselkurse

In einer Zeit ernster Zahlungsbilanzstörungen - durch die weltweite Inflation, die Öl-Situation, eigene spezifische Probleme der einzelnen Länder sowie
andere Faktoren hervorgerufen - waren flexible Wechselkurse wahrscheinlich der

�}

der einzige Weg, wie immer wieder auftretende Währungskrisen vermieden werden
konnten.

In dieser äußerst schwierigen Zeit haben der internationale Handel

und die internationalen Investitionen trotzdem prosperiert und vor allem der
Euro-Dollar-Markt hat beim Recycling der OPEC-Gelder Großes geleistet.

Flexible

Wechselkurse ließen ferner der Binnenwirtschaftspolitik einen weiteren Spielraum.

Aber es hat auch eine Anzahl schmerzlicher Nebenwirkungen, vor allem

einige sehr starke Schwankungen der Wechselkurse, gegeben.

Heute muß sich das System der flexiblen Wechselkurse einer neuen Bewährungsprobe unterziehen - es muß sich in einer weltweiten Hochkonjunktur und Inflation
bewähren.

Eine der bedeutsamen Erfahrungen aus der früheren Zeit war, daß

selbst Länder mit hohen Defiziten in ihren laufenden Konten die Flexibilität
der Wechselkurse nicht zu einer Senkung ihres eigenen Wechselkurses nutzten.
Die Besorgnis wegen der Inflation, die Erleichterung des Exports und ferner die
relative Leichtigkeit, mit der Zahlungsbilanzdefizite finanziert werden konnten,
ließen es ratsam erscheinen, den Wechselkurs hoch zu halten.

Erst die weiteren

Entwicklungen werden uns zeigen, wie die flexiblen Wechselkurse in einem neuen
i

Wirtschaftsklima funktionieren,

Wje werden sich die Defizite entwickeln?
I

Ein weiterer wichtiger Aspekt des internationalen Währungsbildes war das
Verhalten der Zahlungsbilanzen, vor allem ihrer laufenden Konten.

Für die Erd-

öl importierende Welt als Ganzes bildet der Überschuß der öl exportierenden
Länder einen Maßstab für das unabwendbare Gesamtdefizit in den laufenden Konten.
Es ist nicht länger angebracht, dies unter dem Gesichtspunkt eines Öl-Defizits
zu betrachten.

Das aus dem Ansteigen der Ölpreis,e resultierende ursprüngliche

Öl-Defizit ist modifiziert worden, und zwar nach unten durch eine Zunahme der
OPEC-Importe, durch die Einsparung von Erdöl sowie durch die Aussicht auf Produktionsstätten außerhalb des OPEC-Gebietes, und nach oben durch die wachsenden
Einkünfte aus den OPEC-Investitonen.

Aber es trifft immer noch zu, daß der

Überschuß der OPEC in den laufenden Konten das Defizit der öl importierenden
Länder in den laufenden Konten bestimmt.
Einzelne

�Einzelne Importländer können natürlich ihr Defizit in den laufenden Konten
verringern oder sogar einen Ausgleich oder einen Überschuß erzielen.

Von den

größeren Ländern haben Deutschland und Japan und in geringerem Maße auch die
Vereinigten Staaten es vermieden, in das Gesamtdefizit - im Falle der Vereinigten
Staaten sehr beträchtlich in das Gesamtdefizit - einbezogen zu werden, das 1974
wahrscheinlich eine Größenordnung von 60 Milliarden Dollar erreicht haben dürfte.
Dementsprechend hatten andere Länder einen sehr hohen Anteil.

Man kann unterschiedliche Kriterien dafür

festsetzen, was als optimale

Verteilung des unabwendbaren Gesamtdefizits gelten könnte. Die Wirtschaft lehrt
uns, daß das Kapital dahin geht, wo es am produktivsten arbeitet.

Daher sollten

solche Länder Defizite haben und diese durch Kapitalimporte finanzieren, die das
Geld am produktivsten einsetzen können.

Hiermit sagt uns die Wirtschaft nicht

viel.

Man kann dies einmal unter dem Gesichtspunkt betrachten, welche Länder
es sich - gemessen an ihrem Lebensstandard und anderen Bedingungen - am wenigsten leisten können, ihr öl mit Exporten zu bezahlen.

Daraus würde sich er-

geben, daß diesen Ländern eine Möglichkeit eingeräumt werden sollte, den tatsächlichen Transfer der Hilfsquellen durch Kreditaufnahmen hinauszuschieben.
Gemäß diesen Kriterien helfen die Länder, die Überschüsse oder nur geringe Defizite ausweisen, den anderen Ländern indem sie einen größeren Teil der Kosten
für die Beschaffung von OPEC-Öl auf sich nehmen.

Dies setzt natürlich voraus,

daß die Länder mit großen Defiziten eine Finanzierung - durch Recycling oder
durch die OPEC-Länder - finden können.

Aber die Finanzierung kann, zumindest für einige Länder, leicht zum Hauptproblem werden.

In diesem Falle wäre der bessere Weg für die Aufteilung des Ge-

samtdefizits, wenn die Länder, die nur schwer eine Finanzierung finden können,
Maßnahmen zur Verringerung des Defizits treffen würden.

Eine Anpassung in der

entgegengesetzten Richtung wäre für solche Länder angebracht, die eine Finanzierung übernehmen können oder über Reserven verfügen.

Sollte sich gar heraus-

stellen, daß in diese letzteren Länder ebenfalls in bedeutendem Ausmaß OPECInvestitionsgelder einfließen, so würde ihnen die möglicherweise schwierige Wahl
- 3-

�1

I
Wahl zwischen einem Recycling dieser Gelder und einem Ansteigen ihrer Wechselkurse leichter fallen.

Management der Zahlungsbilanzen

Das Management der Zahlungsbilanzen kann sich auf zahlreiche Techniken
stützen, mit denen die Industriestaaten einige der wenige? wünschenswerten Techniken, wie Handelskontrollen, verhältnismäßig erfolgreich vermieden haben.

In zahlreichen Ländern bestehen weiterhin Kapitalkontrollen und sie sind
hier und da noch verstärkt worden, manchmal mit dem Ziel, Geldzuflüsse zu begrenzen.

Die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr die Kapitalabflußkontrollen

aufgehoben, die Anfang der sechziger Jahre zum Schutz des Dollar eingeführt worden
waren.

•

Ein Management der Zahlungsbilanzen durch Wechselkursanpassungen, die markt-,
orientierte Alternative zu direkten Kontrollen, ist seltsamerweise ebenfalls
weitgehend ausgeblieben.

Aus Gründen, die ich bereits untersucht habe, haben

es Länder mit schwerwiegenden Ungleichgewichten in ihren laufenden Konten vorgezogen, ihre Wechselkurse nicht frei auspendeln zu lassen.

In einigen Fällen

hat dies massive staatliche Interventionen oder entsprechende Maßnahmen auf den
Devisenmärkten notwendig gemacht.

Die Richtlinien für eine Intervention bilden einen wichtigen Bestandteil
der "Interimsmaßnahmen" für eine Reform des internationalen Währungssystems, die
vom Zwanzigerausschuß ausgearbeitet und von den Exekutivdirektoren des internationalen Währungsfonds (IWF) empfohlen worden sind.

Die Beziehungen zwischen

den "IWF-Richtlinien für ein Floaten" und der gegenwärtigen Interventionstätigkeit auf den Devisenmärkten verdienen es daher, untersucht zu werden.

Die "Richtlinien für ein Floaten" fordern, daß die Mitgliedstaaten durch
tägliche und wöchentliche Interventionen einen geordneten Markt aufrechterhalten.
Sie gestatten den Ländern ferner Zielzonen für die Wechselkurse und die Reserven
- 4 -

�Reserven festzulegen.

Die einzelnen Länder haben ein beträchtliches Maß an

Aktivität, was die erste Art anbetrifft, entwickelt, um geordnete Märkte aufrechtzuerhalten.

Die Regeln haben sich in dieser Beziehung seit den Tagen

starrer Wechselkurse etwas geändert und tägliche Wechselkursveränderungen von
einem Prozent sind keine große Seltenheit mehr.

Die Märkte haben jedoch weiter-

hin Transaktionen durchgeführt und unter diesem System im allgemeinen gut
funktioniert.

Zonen für Wechselkurse oder für Reserven, die in Konsultationen mit dem
IWF festgelegt werden müßten, sind bisher noch von keinem Land vorgeschlagen
worden.

Einige Länder haben jedoch auf dem Devisenmarkt in einer Weise

operiert, die sich nicht mehr allzu sehr von dem unterscheidet, was als Operieren unter einem Zonenverfahren gelten könnte.
Staatliche Kreditaufnahmen, auf dem Euro-Dollar-Markt, beim IWF, bei der
OPEC und bei anderen Stellen, bildeten eines der Mittel, um eine solche Interventionspolitik zu ermöglichen.

Angesichts der Größenordnung der heutigen

internationalen Kapitalflüsse müßten Interventionen, so lange keine Beschränkungen für die internationalen Kapitalflüsse bestanden, in einem sehr großen
Umfang erfolgen.

Die für wirksame Interventionen erforderlichen Beträge dürften

ferner je nach dem Zustand des Marktes ebenfalls sehr unterschiedlich sein.
Wenn an der Auffassung über Wechselkurse festgehalten wird, dann können die
auf Grund solcher Ansichten in Bewegung gesetzten Geldmengen sehr groß sein
und kleine Interventionen werden wahrscheinlich einfach untergehen. Wenn der
Markt in seinen Ansichten unsicher ist, kann ein Zeichen der intervenierenden
Stelle bereits genügen, um eine sich selbst tragende Bewegung in der von der
betreffenden Behörde gewünschten Richtung in Gang zu setzen.

Es ist ganz klar,

daß Interventionen, sollen sie Aussicht auf Erfolg bieten, nicht gegen allgemein
bekannte Trends erfolgen sollten und können. Langfristig sind es gerade diese
grundlegenden Aspekte, heute vor allem die Inflationsrate, die die Oberhand
behalten dürfte.

Die "Richtlinien für ein Floaten" müssen unter diesen Ge-

sichtspunkten gelesen werden.

Irgendwo
- 5-

�»

Irgendwo zwischen den täglichen Schwankungen und den fundamentalen Trends
gibt es bei den Wechselkursen Bewegungen, die temporäre Faktoren reflektieren.
Es könnte dies ein Unterschied in der Intensität oder, wie dies häufig schon
der Fall war, ein Unterschied in der Phase des internationalen Wirtschaftszyklus sein.

Nach der Auffassung des alten Bretton Woods Systems hätten sol-

che zyklischen Ungleichgewichte eine Änderung des Wechselkurses nicht gerechtfertigt, solange mit einer Umkehr dieser Bewegung gerechnet werden konnte. Von
den Ländern wurde erwartet, daß sie ihre Währungsreserven einschließlich der
IWF-Ziehungsrechte einsetzen und notfalls binnenwirtschaftliche Instrumente der
Wahrungs- und Haushaltspolitik mobilisieren, um eine solche Zeit zu überbrücken.

Unter einem System flexibler Wechselkurse ist dieses Problem keineswegs
entfallen, wie wir dies heute sehen können. Wir sind jedoch unter anderem gerade deshalb zu flexiblen Wechselkursen übergegangen, weil man erkannt hat, daß
die binnenwirtschaftliche Wahrungs- und Haushaltspolitik einen größeren Spiel- ,
räum braucht, als dies beim Bretton Woods System unter den Bedingungen möglich
war, wie sie Ende der sechziger und Anfang der siebziger Jahre bestanden. Somit wäre der Einsatz von Währungsreserven für Interventionen das Hauptmittel,
um zyklische Wechselkursschwankungen zu vermeiden, es sei denn, daß die betroffenen Länder es als in ihrem Interesse erachten, starke Wechselkursbewegungen durch eine entsprechende Währungspolitik zu verhindern.

Unter dem alten System der starren Wechselkurse, als noch Vertrauen in
diese Wechselkurse bestand, würden die privaten Marktteilnehmer den Behörden
bei den Bemühungen geholfen haben, die Spekulation zu stabilisieren.

Heute be-

steht die gleiche Möglichkeit, aus der Stärke oder Schwäche einer Währung, die
für temporär erachtet wird, Nutzen zu ziehen. Aber Ansichten dieser Art sind
heute weniger fest und die Unsicherheiten sind größer, als dies früher der Fall
war.

Eine Stabilisierung der Spekulation dürfte daher nicht mehr so wirksam

durchzuführen sein, wie früher.
lichen Reserven.

Damit erhöht sich die Bedeutung der staat-

Aber dies gibt uns keinen Hinweis dafür, inwieweit diese

Reserven eingesetzt werden, um Wechselkursschwankungen auszugleichen, die ihrer
Art nach für zyklisch gehalten werden.

Das Dollar-Problem heute ist meines Er-

�Erachtens in erster Linie von solcher zyklischer Natur.

Die Position des Dollar

Bisher ist der Dollar weiterhin die Hauptreserve- und Interventionswährung.
Der Dollar wird von ausländischen Zentralbanken entsprechend ihrer eigenen
Wechselkursziele gekauft, verkauft und gehalten.

Für die Vereinigten Staaten ruft

dies eine Situation hervor, die nicht gänzlich verschieden ist von der, wie sie
vor Beginn des Floating existierte.

Andere Länder bestimmen weitgehend den Wechsel

kurs des Dollar in dem Maße, in dem dieser Kurs durch Intervention beeinflußt
wird.

Eines der amerikanischen Ziele in der internationalen Währungsreform
besteht darin, ein größeres Maß an Einfluß auf den Wechselkurs des Dollar zu
gewinnen.

Ein Weg, um einen solchen Einfluß auszuüben, ist die Intervention

in einem System der flexiblen Wechselkurse.

Die weltweite Verwendung des Dollar

zur Intervention durch andere Währungsbehörden, um den Wert ihrer eigenen Währungen zu beeinflussen, tendiert jedoch dahin, die Wirkung der Intervention im
Sinne der Beeinflussung des Dollarwertes weitgehend aufzuheben.

Darüber hinaus

kann die Intervention heute ganz neue Formen annehmen, Regierungen oder politische Untergruppierungen oder amtliche Einheiten können auf dem Euro-DollarMarkt Geld aufnehmen, mit dem letztlichen Ziel, die Wechselkurse zu beeinflussen.
Es ist nicht notwendig, daß die so aufgebrachten Mittel an die Zentralbank gehen.
Wenn die aufnehmende Institution sie direkt auf dem Markt verkauft, so ist die
Wirkung mehr oder weniger die gleiche wie die eines Verkaufes durch die Zentralbank.

Damit wird die Geldaufnahme zu einem der Hauptaspekte der Währungspolitik.

Als mittelfristige oder langfristige Kapitalimporte betrachtet, werden diese
Geldaufnahmen ein Teil der Gesamtzahlungsbilanz-Eingänge und gleichen damit
laufende Kontodefizite aus.
importen.

Ihr Hauptzweck ist heute die Finanzierung von öl-

Aber diese Bewegungen stellen gleichzeitig eindeutig eine Komponente

der Währungs- und Interventionspolitik dar und sind damit zu einem wichtigen
neuen Charakteristikum des neuen Währungssystems geworden.
Das
- 7-

�i

Das Ziel derartiger Dollarinterventionen durch Drittländer braucht nicht
darin zu bestehen, den Kurs zwischen dem Dollar und der fraglichen Währung zu
beeinflussen.

Die Intervention kann in erster Linie darauf abzielen, den Kurs

zwischen dieser Währung und dritten Währungen zu beeinflussen, wie beispielsweise
jener der Schlange oder anderer Währungen der Europäischen Gemeinschaft. Wenn
man jedoch

Dollar auf den Markt bringt - oder sie aus dem Markt zieht - dann

muß dies den Kurs des Dollar im Verhältnis zu allen Währungen verändern. Wenn
Dollar verkauft werden, dann wird das Angebot an Dollar-Aktiva in der Welt erhöht und, wenn Dollar gekauft werden, dann wird es verringert.

Das hat die

üblichen Folgen, die sich aus jeder Veränderung im Verhältnis von Angebot und
Nachfrage ergeben.

Der Umfang der Aktiva auf den Geldmärkten der Welt ist sehr groß und man
müßte daher eigentlich annehmen können, daß die Verwendung von Dollar zu Interventionszwecken das weltweite Verhältnis von Angebot und Nachfrage an Dollar
nicht sehr stark verändern würde.

Das ist in der Tat so, wie sich aus den

relativ mäßigen Schwankungen des Dollar an seinem handelsgewichteten Effektivkurs gegenüber den Währungen der großen Industrieländer ablesen läßt.

Im Jahre 1974 schwankte der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar - an
einem gewichteten Durchschnitt des Dollarpreises im Verhältnis zu zehn großen
Ländern gemessen - von einem Hoch von 11,5 Prozent Abwertung im Januar gegenüber Wechselkursen im Mai 1970 und einem Tief im Mai von 18,3 Prozent Abwertung,
was eine Schwankung von etwa 8 Prozent im handelsgewichteten Wechselkurs des
Dollar gemessen an diesem besonders gewichteten Durchschnittsmaßstab ausmacht.
Im Jahre 1975 ist der handelsgewichtete Wechselkurs des Dollar bisher um etwa
3,5 Prozent zurückgegangen.

Die Veränderungen des Dollarwertes gegenüber be-

stimmten europäischen Währungen sind jedoch in der letzten Zeit sehr viel größer
gewesen.

Im Jahre 1974 lag der Höchstkurs des Schweizer Franken gegenüber dem

Dollar etwa 29 Prozent über seinem Tiefstkurs und der höchste Dollarpreis für
die Deutsche Mark lag in jenem Jahr fast 15 Prozent über dem Tiefstkurs.

Dieses

Jahr haben die Schweizer Franken und die Deutsche Mark bisher gegen den Dollar
um etwa jeweils 5 Prozent und 4 Prozent gewonnen.
Das

�Das Auftreten von sehr viel größeren Schwankungen als jenen des handelsgewichteten Kurses oder jener des Dollar gemessen an den Sonderziehungsrechten
wird durch die Tatsache verstärkt, daß einer der Hauptdevisenmärkte für die
Dollarintervention der Markt für Deutsche Mark ist.

Es wird ferner durch die

Art und Weise intensiviert, in der Wechselkurse in der öffentlichen Diskussion
und vor allem in der Presse behandelt werden.

Es liegt vielleicht in der Natur

der Sache, daß jedes Land eine Einstellung einnimmt, die man vielleicht als
ptolemäische Schau seiner Währung im Verhältnis zu den übrigen Währungen bezeichnen kann.

Die eigene Währung wird als feststehend betrachtet und die

anderen Währungen einschließlich des Dollar werden in Auf- und Abbewegungen gesehen.

So kommen die bekannten Schlagzeilen zustande, daß der Dollar heute

um x-Prozent gefallen - oder gestiegen - sei. Eine kopernikanische Schau der
Devisenmärkte würde davon ausgehen, daß die eigene Währung als sich auf- und
abbewegend angesehen wird - nicht so sehr gegenüber dem Dollar allein, sondern
gegenüber der Gesamtheit der anderen Währungen, das heißt, gemessen an ihrem
handelsgewichteten Kurs oder gegenüber den Sonderziehungsrechten.

Die koperni-

kanische Schau scheint jedoch hauptsächlich nur in der amerikanischen Presse
vertreten zu sein, wenn die Korrespondenten ihre Berichte über die Devisenmärkte
im Ausland mit solchen Schlagzeilen versehen wie:

Dollar fällt - oder steigt -

in Zürich.

Während also die übliche Form der Registrierung von Kursbewegungen auf
den Devisenmärkten das Auftreten von Schwankungen in einem stärkeren Licht erscheinen läßt, so ist es doch ohne Frage richtig, daß die Schwankungen des
Dollar ein ernstes Problem darstellen.

Es ist einfach nicht möglich, wie dies

manche wissenschaftliche Verfechter der flexiblen Kurse fordern, die Kursbewegung zu ignorieren und die amerikanische Regierung hat dies auch niemals getan.
Unter den gegenwärtigen Umständen wird die Notwendigkeit einer bewußteren Politik seitens der Vereinigten Staaten hinsichtlich des Dollar immer deutlicher.
Eine solche Politik müßte natürlich auf ein Gleichgewicht ausgerichtet sein und
nicht auf zwecklose Versuche, die fundamentalen Trends zu bekämpfen.
sich um eine Politik der Kooperation handeln.

Es müßte

Vor allem in einer Zeit, in der

die umfangreiche Verwendung des Dollar zu Interventionszwecken den Dollarkurs
in einer Weise verzerren könnte, die niemand wünscht, müßte eine solche Politik
- 9 -

�Politik zur Erreichung eines besseren Gleichgewichts für alle Länder beitragen.

Die Dollarpolitik

Eine solche Politik muß mit grundsätzlichen Dingen anfangen.

Die Ver-

einigten Staaten unternehmen gegenwärtig eine gleichlaufende Anstrengung, um
eine Rezession zu überwinden, die im vorigen Jahr begann, und einer Inflation
ein Ende zu setzen, deren Ursprung schon ein Jahrzehnt zurückliegt.

Die Welt

kann schwerlich gedeihen, wenn nicht die Vereinigten Staaten ihre Prosperität
zurückgewinnen.

Auf den Devisenmärkten der Welt kann schwerlich wieder Ver-

trauen und Stabilität einziehen, solange die Aussichten für die Vereinigten
Staaten als ungewiß angesehen werden.

Aber ebensowenig werden diese Märkte

zu solide begründeten Wechselkursen zurückkehren können, solange die Inflation
nicht besiegt ist.

Die Vereinigten Staaten haben eine große Anstrengung unter- .

nommen, um ihre Inflation zu überwinden, und große Opfer an Produktion und Beschäftigung gebracht.

Die Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß diese

Opfer durch einen höheren Stand der Wirtschaftstätigkeit und des Wachstums in
einer inflationsfreien Wirtschaft wiedergutgemacht werden.

Gegenwärtig wird

die Hauptanstrengung zur Überwindung der Rezession an der Fiskalfront gemacht,
wo die geringste Gefahr besteht, einen negativen Druck auf die Zahlungsbilanz
zu erzeugen.

Die Schwere der Rezession hat die amerikanische Zahlungsbilanz in eine
negative Richtung gelenkt, wie dies bei den meisten anderen Rezessionen der
Fall war.

Während in der bisherigen Geschichte die laufenden Konten in einer

Rezession einen besseren Stand erreichten, haben die Kapitalabflüsse wegen der
niedrigen Zinssätze diese Wirkung oft aufgewogen und die Gesamtzahlungsbilanz
in das Defizit gedrängt. Bei der gegenwärtigen Rezession haben die steigenden
Kosten der Ölimporte und die scharf rückläufigen Auslandsprofite der ölgesellschaften trotz der bremsenden Wirkung auf Importe durch die Rezession ein steigendes Defizit der laufenden Konten hervorgerufen.

Die auf ein gemäßigtes

Wachstum der Geldaggregate ausgerichtete Politik der amerikanischen Bundesbank
hat in der Zwischenzeit zu einer Abwärtsbewegung der Zinssätze geführt, da das
- 10 -

�das Geldangebot in dem Maße stagnierte, wie die Wirtschaft ihre Nachfrage nach
Transaktionen verringerte.

Diese im wesentlichen zyklischen Entwicklungen haben

zur Schwäche des Dollar beigetragen.

Während der letzten Monate verlangsamte sich die Inflation deutlich.

Der

Verbraucherpeis bewegte sich in den letzten Monaten mit einer nachlassenden
Jahresrate, die im Januar 8 Prozent erreichte.

Der Großhandelspreisindex ist

seit zwei Monaten praktisch stabil. Dies sind wichtige Meilensteine auf dem
Wege zu einem besseren Preisverhalten.

In den Vereinigten Staaten und im Ausland sind Besorgnisse laut geworden,
daß die fiskalische Expansion exzessiv werden und daß dies zu erneuter Inflation und Schwächung des Dollar führen werde. All jene, die an diesem pessimistischen Bild festhalten, sollten jedoch nicht vergessen, daß die unmittelbare Auswirkung exzessiver Regierungsdefizite darin bestehen würde, die Zinssätze hoch zu treiben, was wiederum die Gefahr brächte, den Wiederaufschwung
abzuwürgen. Während neuerliche Inflation dazu führen könnte, den Dollar zu
drücken, wäre dies bei höheren Zinssätzen und einem gedämpften Wiederaufschwung
nicht der Fall.

Ich halte jedoch einen Verlauf der Dinge für sehr viel wahr-

scheinlicher, der die Vereinigten Staaten mit einer ständig sinkenden Inflationsrate zur Prosperität zurückführt.

In dieser Situation wäre der Dollar in

einer Position, seine fundamentale Stärke zu demonstrieren.

In der Zwischenzeit schreitet die Entwicklung des internationalen Währungssystems zu neuen Strukturen und Institutionen fort.

Es ist ein Fonds zur finan-

ziellen Unterstützung geschaffen worden, um den dringenden Bedarf von Ländern
zu decken, die keinen Zugang zu Krediten haben oder diese nur zu unannehmbaren
Bedingungen bekommen könnten.

Es ist Übereinstimmung darüber erzielt worden,

den Umfang des Internationalen Währungsfonds zu vergrößern.

Es ist einiger Fort-

schritt in Richtung auf eine bessere Definition der Verpflichtungen jener Länder
erzielt worden, deren Währungen floaten, sowie ihrer Rechte, eine solche Regelung

zu wählen - eine Definition gemäß den IWF-Richtlinien für ein Floaten -

die die Vereinigten Staaten angesichts der weltweiten Benutzung des Dollar,
über die der IWF keine Kontrolle ausüben kann, als entscheidend wichtig be- 11 -

�betrachten. Eine bessere Einigung über die Mittel und Wege zur Verringerung
der Rolle des Goldes, wie im Zwanziger-Ausschuß vereinbart, ist ebenfalls im
Gange.

All dies zusammengenommen läuft nach meiner Überzeugung auf einen Be-

richt des Fortschritts hinaus.

+ + + + +

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5/1975

DER ERFOLG VON WLADIWOSTOK
Von Gerard C. Smith

Gerard C. Smith, der heute als Anwalt in
Washington tätig ist, war von Anfang 1969
bis Anfang 1973 Direktor des amerikanischen
Amtes für Abrüstung und Rüstungskontrolle
(ACDA) und leitete in dieser Zeit auch die
Delegation der Vereinigten Staaten bei den
Gesprächen über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen (SALT) mit der Sowjetunion.
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung des
"Wall Street Journal"
Copyright 1975 Dow Jones and Company, Inc.

Es gibt Leute, die das Übereinkommen von Waldiwostok über strategische
Rüstungen kritisiert haben, weil es in seinen Begrenzungen der Zahl der Abschußeinrichtungen für ICBM (Interkontinentalraketen zu Lande), SLBM (unterseebootgestützte Raketen) und schwere Bomber nicht weitgehend genug sei, weil
es nur teilweise verifizierbar sei und weil es solche qualitativen Begrenzungen
wie die Nutzlast (throw-weight) nicht einschließe.

Worauf es in Wladiwostok vor allem ankam, war, die Sowjets dazu zu bringen,
daß sie auf die von ihnen gestellte Bedingung verzichteten, - nämlich daß ihnen
- 1 -

�«

^

ihnen mehr strategische Abschußeinrichtungen zugestanden werden müßten als den
Vereinigten Staaten, weil die USA in Europa und im Fernen Osten bestimmte Nuklearsysteme in vorgeschobener Position disloziert hätten ("forward based
Systems") - und einer gleichen Zahl von strategischen Abschußeinrichtungen für
beide Seiten zuzustimmen.

Die Sowjets gingen dabei wahrscheinlich von der

Überlegung aus, daß bei der relativ hohen Gesamtzahl (2400) der zugestandenen
Abschußeinrichtungen die große Anzahl der in Europa und im Fernen Osten dislozierten taktischen Nuklearwaffen der USA keine besondere strategische Bedeutung
hätte.

Vielleicht haben sie sich aber auch überlegt, daß es für sie in psy-

chologischer Hinsicht weniger schmerzhaft wäre, bei der auf 2400 Abschußeinrichtungen festgesetzten Höchstzahl zu verbleiben, indem sie veraltete Abschußeinrichtungen nach und nach durch moderne ersetzten, sobald diese einsatzbereit wären, als für die Vereinigten Staaten, die diese Höchstgrenze durch neue
Konstruktionen erreichen müssen.

Die Sowjets beurteilen allem Anschein nach die Aussichten günstig, daß
die Vereinigten Staaten während der verhältnismäßig kurzen achtjährigen Dauer
des Vertrages den Ausbau der Abschußeinrichtungen nicht bis zu der festgesetzten Höchstgrenze bringen würden und damit der zahlenmäßige Vorteil der
Sowjets erhalten bleibt. Diese Vermutungen würden sich bestätigen, wenn die
Sowjets künftig jegliche weiteren Reduzierungen mit erneuten Ausgleichsforderungen
an die vorgeschobenen amerikanischen Nuklearsysteme koppeln würden.

Welche Mo-

tive die Sowjets auch immer bewogen haben mögen, so ist doch die Tatsache, daß
sie das Prinzip der Gleichwertigkeit für die strategischen Abschußeinrichtungen
akzeptiert haben, sehr bemerkenswert.

Was die festgesetzte Höchstgrenze für die Abschußeinrichtungen anbetrifft,
so ist vielleicht bemerkenswert, daß die Zahl 2400 etwa der Größenordnung der
amerikanischen strategischen Streitkräfte vor rund zehn Jahren entspricht.
Diese Zahl kommt der von den Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen
vorgeschlagenen ziemlich nahe, so daß man vermuten darf, sie wäre, wenn die
Sowjets sie bei jenen Verhandlungen zum Vorschlag gebracht hätten, akzeptabel
gewesen.

Sie würde Reduzierungen von seiten der Sowjetunion von den im SALT

I-Interimsabkommen vereinbarten Höchstwerten erfordern - und dies wären damit

�*

damit die ersten Reduzierungen, die man mit der Sowjetunion jemals ausgehandelt
hat.

Schließlich liegt diese Zahl, wie berichtet wird, wesentlich unter den

nach Angaben des amerikanischen Nachrichtendienstes für die Streitkräfte der
UdSSR für das Jahr 1985 in Aussicht genommenen Werten, wobei sich diese Angaben noch nicht einmal auf den "ungünstigsten Fall" beziehen.

Der Hauptvorteil dieses Abkommens besteht nach meiner Überzeugung darin,
daß es den Vereinigten Staaten eine ziemlich sichere Gewähr für die Höchstzahl
sowjetischer Abschußeinrichtungen für die nächsten zehn Jahre gibt.

Damit wird

es möglich sein,bei der Verteidigungsprogrammierung der Vereinigten Staaten
nicht ganz und gar von den Fällen ausgehen zu müssen, in denen "die Gefahren
größer wären als erwartet".

Und dies dürfte einen stabilisierenden Faktor in

das amerikanisch-sowjetische strategische Verhältnis einbringen.
Was die festgesetzte Höchstzahl (1320) für Abschußeinrichtungen für Raketen
mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVs) angeht, so sollte man sich erinnern, daß
die Vereinigten Staaten bei den SALT I-Verhandlungen ein umfassendes und zeitlich unbegrenztes Abkommen über Offensivsysteme vorgeschlagen hatten, in dem es
hinsichtlich der MIRVs gar keine Begrenzung gab.

Wenn auch der zahlenmäßige Stand der MIRV-Abschußeinrichtungen das Problem
der ICBM-Anfälligkeit seiner Lösung nicht näher bringt, so ist man doch heute
in amtlichen Kreisen Amerikas der Auffassung, daß dieses Problem nicht ganz so
dringend sei, als man geglaubt hatte. Natürlich werden die Besorgnisse in
dieser Richtung nicht verschwinden, und die Lösung des Problems der ICBM-Anfalligkeit sollte ein vordringliches Anliegen von SALT-III sein.

Bis dahin

scheint die amerikanische Politik, wie sie Verteidigungsminister Schlesinger
in seinem kürzlichen Lagebericht dargelegt hat, darauf hinauszulaufen, den
Sowjets eine stillschweigende Vereinbarung anzubieten:

Wenn die Sowjets Zurück-

haltung üben, indpm sie nicht so viele große, mit MIRV bestückte ICBMs dislozieren, wie ihnen nach der Formel von Wladiwostok zustünden, dann werden die
Vereinigten Staaten davon Abstand nehmen, eine neue Generation von ICBMs zu
dislozieren.
Eine
- 3-

�Eine Frage, die sich ganz allgemein im Zusammenhang mit der SALT-Abkommen
stellt, ist di- :
halten?"

"Darf man darauf vertrauen, daß die Sowjets ihre Zusagen

Diese Abkommen sollten nicht einfach nur auf Vertrauen beruhen, son-

dern ständig verifiziert werden können, um zu beweisen, daß Zusagen eingehalten
werden.

Nachdem die Verpflichtungen im Rahmen von SALT immer weitreichender

werden, wird diese Frage der Verifizierung große Beachtung verdienen.

Das erforderliche Maß an Genauigkeit bei der Verifizierung variiert je
nach den vereinbarten Begrenzungen.

Ein Ungenauigkeitsgrad von lOO Einheiten

mag bei einer Höchstgrenze von 2400 Einheiten durchaus tragbar sein, bei einer
Höchstgrenze von 5Ö0 Einheiten sicherlich nicht.

Natürlich gibt es auch Fälle,

in denen eine nicht verifizierbare Zusage besser ist als überhaupt kein Abkommen.

Das gilt beispielsweise für das kürzlich ausgehandelte Abkommen über

das Verbot biologischer Kriegführung.

Obwohl hier einige der Zusagen nicht

genau nachprüfbar sind, wurde argumentiert, daß einer Aggression mit biologischen
Kampfmitteln ohnehin r.ü t Abschreckung oder Abwehr durch Kernwaffen begegnet
würde, sodaß ein kleines Risiko der nur einseitigen Einhaltung der Verpflichtungen tragbar wäre.

Um das Rahmenabkommen von Wladiwostok mit Materie auszufüllen, wird es
vielleicht neuer Verifizierungsüberlegungen bedürfen.

Wenn beispielsweise unter-

seebootgestützte Abschußeinrichtungen für Flugkörper mit Luftstrahlantrieb,
wie sie die Vereinigten Staaten zur Zeit entwickeln, einer Begrenzung unterliegen
sollen, wie stellt man dann die Zahl der tatsächlich dislozierten Einrichtungen
fest?

Wenn Abschußeinrichtungen für ballistische Raketen auf Überwasserschiffen

verboten werden, wie läßt sich dann dies Verbot erzwingen?

Wenn landgestützte,

mobile ICBMs erlaubt, aber in ihrer Zahl begrenzt werden sollen, wie kann man
diese Zahl verifizieren?

Letztlich dürfte dieses ganze Problem wohl doch auf

die Frage hinauslaufen, ob der Sicherheit der Vereinigten Staaten besser mit
einer Begrenzung irgendeiner Art, auch wenn diese keine sehr genaue Verifizierung erlaubt, gedient ist als mit einem Verzicht auf jede Begrenzung.

Was die Frage der Verifizierung anbetrifft, so besteht hier eine beträchtliche Asymmetrie zugunsten der UdSSR.

Da die Vereinigten Staaten eine offene

�offene Gesellschaft sind, in der die Waffensysteme in der Phase ihrer Erforschung und technischen Entwicklung bis zu ihrer schließlichen tatsächlichen
Dislozierung einer ständigen genauen Beobachtung durch die Öffentlichkeit
unterliegen, kann die Sowjetunion in hohem Maße darauf vertrauen, daß die USA
den Begrenzungsbestimmungen der Abkommen nachkommen werden.

Infolgedessen

tragen die Vereinigten Staaten bei Verhandlungen die ganze Last, immer wieder
auf ein Abkommen über Verifizierungsmaßnahmen drängen zu müssen.

Das aber gibt den Sowjets wiederum mehr Spielraum bei anderen Aspekten
des Abkommens, die für sie von besonderem Interesse sind.

Wegen dieses Unter-

schieds zwischen dem amerikanischen und dem sowjetischen Gesellschaftssystem
sollten die Vereinigten Staaten künftig doch wohl besser von der in Wladiwostok
befolgten Technik Abstand nehmen, daß man - wie es die Briten nennen würden zuerst einmal einen allgemeinen

"Vorvertrag"

schließt, der die führenden

Männer der USA dann weitgehend verpflichtet, auch zu dem sich daraus ergebenden
Abschlußabkommen zu gelangen.

Bei solcherart geführten Verhandlungen könnte

auf amerikanischer Seite die Tendenz vorhanden sein, weniger fest auf jenen
Punkten der Verifizierung zu beharren, die nicht von so zentraler Bedeutung zu
sein scheinen.

Anders gesagt, könnten sich die Sowjets vielleicht eher geneigt

zeigen, gemeinsame Techniken der Verifizierung auszuarbeiten, wenn diese nötig
wären, um zu einem abschließenden Abkommen, was seine Begrenzung betrifft, zu
gelangen als in dem Falle, in dem dieses Abkommen in bezug auf seine Grenzen,
bereits im Grundsatz erreicht worden ist.

Von Zeit zu Zeit haben

sich die Vereinigten Staaten in diesem Zeitalter

der Nuklearwaffen besorgt gezeigt, sie könnten im strategischen Rüstungswettlauf zurückfallen - man denke an die Bomber- und Raketenlücken.

Eine solche

Besorgnis ist verständlich, da es schließlich um nichts geringeres als die
Sicherheit der Nation geht.

Aber eine öffentliche Debatte über solche angeb-

lichen Lücken und Mängel im strategischen Arsenal der USA, weckt bei unseren
Freunden wie bei unseren Rivalen im Ausland Vorstellungen und Ideen, die sich
auf die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung auswirken.

Und so kommt es

zu dem seltsamen Resultat, daß der Redeschwall der Amerikaner manchmal dahin
tendiert, den Wert der eigenen strategischen Streitkräfte herabzusetzen.

- 5-

Ganz

�Ganz allgemein gesprochen könnte sich dieses Verhalten nachteilig auf unser
Vertrauen auswirken, daß die Vereinigten Staaten nicht in eine Krise hineingezwungen werden können und daß wir nicht vorzeitig und übereilt zu Nuklearwaffen
greifen müssen.

Manche Leute haben sich wegen der "Nutzlast-Lücke" besorgt geäußert und
das Abkommen von Wladiwostok kritisiert, weil es diese Lücke weder verkleinert
noch beseitigt hat. Wenn auch die Gesamtnutzlast, die von den drei Komponenten
der amerikanischen strategischen Streitkräfte - ICBMs, SLBMs und schweren
Bombern - bewältigt werden kann, der der sowjetischen Streitkräfte zumindest
gleichkommt, so besitzt die sowjetische Raketenstreitmacht doch eine weitaus
größere Nutzlast als die Raketenstreitkräfte der USA.

Diese Tatsache resultiert

nicht aus einem Fehler in der amerikanischen Programmierung, sondern aus einer
vor 15 Jahren bewußt getroffenen Entscheidung, keine weiteren großkalibrigen
Raketen, wie die Atlas und Titan, die zur ersten Generation unserer ICBMs gehören, zu dislozieren.

Stattdessen

entschied man sich, Raketen zu dislozieren,

die» Weil sie aus verkleinerten Komponenten bestanden,

ein weniger massiges

Volumen zu haben brauchten.

Besorgnisse hinsichtlich der Nutzlast drehen sich weniger um Überlegungen,
daß aus militärischen Gründen eine größere Nutzlast der Raketen gebraucht werde,
sondern vielmehr darum, daß sich im Ausland falsche Vorstellungen dahingehend
entwickeln könnten, daß die Vereinigten Staaten hier der UdSSR etwas unterlegen
seien.

Und was vielleicht noch wichtiger ist, es besteht die Befürchtung, daß

im Falle einer Krise eine künftige amerikanische Regierung

"kneifen" könnte,

weil sie wegen eines Rückstandes in der Nutzlast das Vertrauen verloren hätte.
Solche Besorgnisse sollten nicht leichtfertig abgetan werden, schon weil sie
sich erfüllen könnten.

Die unmittelbare Lösung sollte auf eine große Anstrengung auf dem Gebiet
der Information hinauslaufen, um allen Interessierten zu demonstrieren, daß die
militärische und psychologische Macht der strategischen Streitkräfte der Vereinigten Staaten mehr als ausreichend ist und entsprechend aufrechterhalten wird.
Wenn in den kommenden Jahren ein Nutzlast-Minderwertigkeitskomplex auftreten
- 6 -

�auftreten und gefährlich werden sollte, dann kann die Nutzlast der amerikanischen Raketen innerhalb der Grenzen des Übereinkommens von Wladiwostok stark
erhöht werden.

Abschließend zu sagen stellt das Übereinkommen von Wladiwostok offensichtlich einen Fortschritt in dem langen Prozeß der Kontrolle der strategischen
Rüstungen dar. Es kommt, was seine "Griffigkeit" der Begrenzungen und seine
Geltungsdauer anbetrifft, dem ABN-Vertrag nicht gleich.

Es sieht mehr wie ein

neues "Interims"-Abkommen aus, das das "Einfrieren" von 1972 verlängert.
Aber es mag sich sehr wohl als Grundlage für weitere Verhandlungen über qualitative Begrenzungen und Verringerungen erweisen.
Erfolg.

- 7-

Und das ist kein kleiner

�amerika dienst
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5/1975

ULTRASCHALLSONDE FÜR HERZDIAGNOSTIK

- (AD) - Die Methoden, mit denen heute Ausmaß und Schwere eines Herzinfarkts oder mögliche Ursachen einer erheblichen Dekompensation des Herzens
bestimmt werden können, sind noch wenig präzise.
sprechend unzureichenden

Um das Risiko einer dement-

Behandlung oder auch einer unnötigen Operation zu

verringern, entwickelte Dr. Padmakar P. Lele, Professor für experimentelle
Medizin am MIT-Department für Apparatebau (Technische Universität Massachusetts
in Boston, USA) eine Sonde, die es erlaubt, funktionsfähiges Gewebe von absterbenden bzw. infolge der Unterbrechung der Blut- und Sauerstoffzufuhr abgestorbenem Gewebe zu unterscheiden.

Die Sonde arbeitet mit Ultraschall.

Dem System liegt die schon fast vier

Jahre zurückliegende Entdeckung von Prof. Lele und dem jungen Elektronikingenieur
Jerry Namery zugrunde, daß lebendes und abgestorbenes Gewebe am Herzen unterschiedliche Mengen von Ultraschallenergie bei verschiedenen Frequenzen absorbieren.

Diesen Effekt glaubt Prof. Lele so erklären zu können, daß die Eiweiß-

moleküle im Gewebe bei Unterversorgung oder der Unterbrechung der Versorgung mit
Sauerstoff ihre Gestalt verändern.

Gegenwärtig wird die Erprobung der Apparatur in Experimenten an Hunden vorbereitet.

Gleichzeitig wollen Prof. Lele und seine Mitarbeiter die Computer-

programme verbessern, mit denen die Meßdaten analysiert werden.

- I -

Ziel des Pro-

�Projekts, das das "Nationale Institut für Herz- und Lungenforschung" der amerikanischen "National Institutes of Health" in Bethesda (Maryland) finanziert, ist
die Entwicklung einer Ultraschall-Sonde, die innerhalb von 15 Minuten eine komplette Übersicht über die Schädigung der Vorderwand und Hinterwand des Herzens
gibt und einfach zu bedienen ist.

Für eine Reihe technischer Probleme, u.a. Meßstörungen wegen der ständigen
Veränderung des Auftreffwinkels für die Ultraschallimpulse durch die Bewegung
des schlagenden Herzens, wurden inzwischen zufriedenstellende Lösungen gefunden.
Aber nach Meinung der Beteiligten dürften die Entwicklungen erst in ca. 1 Jahr
abgeschlossen sein.

Die Arbeitsgruppe von Prof. Lele würde es begrüßen, wenn

sich qualifizierte graduierte Studenten beteiligten, die - in einer seltenen
Kombination - sowohl an speziellen biomedizinischen Problemen als auch an
Computertechnik und Instrumentenbau interessiert sind.

+ + + + +

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NEUARTIGE MIKROSKOPE

- (AD) - Ein Ultraschallmikroskop, mit dem buchstäblich in lebende Zellen
hineingesehen werden kann, wird jetzt auf Grund einer von der Stanford-Universität an die Firma American Opticas, Co., in Buffalo (New York) vergebenen Lizenz für kommerzielle Zwecke gebaut.

Das "akustische Rastermikroskop", wie

seine beiden Erfinder, Prof. Calvin F. Quate und Dr. Ross Lemons (Department
für Physik und elektronische Apparate der Stanford-Universität) dieses Instrument nennen, erzeugt Ultraschallwellen mit Frequenzen zwischen 500 und 100 Megahertz (500 Millionen - 1 Milliarde Schwingungen pro Sekunde).

Das Auflösungs-

vermögen liegt bei ca. 1 Mikron, d.h. im Bild sind noch Objekte von 1/1000 mm
Durchmesser auszumachen.
Die zu untersuchende Probe wird auf einen dünnen Plastikfilm aufgebracht
und in Wasser zwischen zwei Saphirkristallstäben placiert.
schickt die Schallwellen aus, der andere nimmt sie auf.
sind konkav geschliffen.

Einer der Stäbe

Die Enden der Stäbe

In Verbindung mit dem in der Vertiefung gehaltenen

Wassertropfen wird es auf diese Weise möglich, den Schallwellenstrahl an der
Eintrittsstelle in die Probe auf einen winzigen Punkt zu zentrieren. Der
Kristallstabempfänger, der die Impulse nach deren Durchgang durch das zu untersuchende Objekt aufnimmt, leitet sie zu einem Transducer, wo die je nach der
Absorptionsfähigkeit der geprüften Materie veränderten Uberschallwellen in
elektrische Signale zur Sichtbarmachung auf einem Bildschirm umgesetzt werden.
Die Probe wird horizontal und vertikal abgetastet.
Das
- 1 -

�Das Auflösungsvermögen bei diesem Verfahren reicht aus, um z.B. menschliche Zellen im Detail zu studieren.

Da auf dem Schallbild Merkmale in Er-

scheinung treten, die bei einer Untersuchung mit dem optischen Mikroskop niemals sichtbar werden, können Vergleiche zwischen Aufnahmen nach beiden Verfahren dem Diagnostiker helfen, sich mehr Einsichten in Zellfunktionen und
deren Störungen zu verschaffen.

An der Stanford-Universität bemüht sich jetzt ein Wissenschaftlergruppe
darum, dem akustischen Rastermikroskop ein noch größeres Auflösungsvermögen
zu geben und einen Weg zu finden, es mit einem Lichtmikroskop zu kombinieren.
Das neue Verfahren hat sich übrigens auch für die Materialprüfung bei mikrominiaturisierten Schaltkreisen außerordentlich bewährt.

Diese winzigen elek-

tronischen Bauelemente werden vor allem für Herzschrittmacher, Hörgeräte und
Minicomputer verwendet.

Ein Zwei-Stufen-Mikroskop für 500millionenfache Vergrößerungen haben
Dr. Lawrence S. Bartell, Prof. der Chemie an der Universität von Michigan,
und Charles L. Ritz, einer seiner Doktoranden, konstruiert.

Die Mittel für

diese neuartige Entwicklung stellte die "National Science Foundation" (NSF Amerikanische Nationale Wissenschaftsstiftung) zur Verfügung.

Das Gerät ist eine Kombination von Elektronen- und Lichtmikroskop, wobei jedoch nicht gewöhnliches "Mischlicht" verschiedenster Frequenzen, sondern
einfarbiges und in einem Wellenzug schwingendes Laserlicht verwendet wird. In
der ersten Stufe wird durch einen extrem kurzwelligen Elektronenstrahl ein
Hologramm erzeugt.

In der zweiten Stufe kann eine stark vergrößerte Abbildung

des Objekts rekonstruiert werden, indem man einen Laserstrahl durch das Hologramm schickt.

Die beiden Chemiker weisen jedoch darauf hin, daß ihr In-

strument in seiner gegenwärtigen Ausführung nur bestimmte Arten von Atomen und
Molekülen sichtbar machen könne.

Dabei sei aber das Auflösungsvermögen zehn-

mal größer als jenes von Spezialmikroskopen, die noch Objekte bis zu 1 Angström
(l/lO 000 000 mm) Durchmesser erfassen.

+ + + + +
- 2 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Möglichkeiten für das Internationale Währungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Henry C. Wallich&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Mitglied des Gouverneurrates des US-Federal Reserve System&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Der Erfolg von Wladiwostok&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gerard C. Smith&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ultraschallsonde für Herzdiagnostik&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Neuartige Mikroskope</text>
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