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DOKU mSritOtlOn

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26

1 8 . Dezember

1974

Inhalt
INFORMATION
Materialprüfung - Geräte und Instrumente
- Ausstellung im US-Handelszentrum Berichtigung zu: Fachausstellung
"Moderne V e r k a u f s h i l f e n " im
U S - H a n d e l s z e n t r u m F r a n k f u r t am Main

DOKUMENTATION
Das f r a n z ö s i s c h - a m e r i k a n i s c h e

Abschlußkommunique v o n M a r t i n i q u e

- Wortlaut \

WIRTSCHAFT
Präsident Ford ruft zu gemeinsamer Lösung der Welthandelsprobleme auf
- Wortlaut der Rede auf der "American Conference on Trade" in Washington
Ford; Inflationsbekämpfung bleibt wichtigste Aufgabe
- Rede des Präsidenten vor dem Business Council Die Depressionsaingst ist unbegründet
Von Senator William Proxmire

HINTERGRUNDMATERIAL
Entscheidungshilfen für "Project Independence"
Mehr als 500 Experten analysierten Energieversorgungslage der
USA bis 1985

WIR WÜNSCHEN ALLEN UNSEREN BEZIEHERN EINE
GESEGNETE WEIHNACHT UND EIN ERFOLGREICHES NEUES JAHR
UNSERE NÄCHSTE AUSGABE ERSCHEINT AM 15. JANUAR

19 75

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1974
MATERIALPRÜFUNG - GERÄTE UND INSTRUMENTE
- Ausstellung im US-Handelszentrum -

--(AD)-- Das Amerikanische Handelszentrum in Frankfurt/Main veranstaltet
vom 11.-14.Februar 1975 eine Ausstellung zum Thema "Materialprüfung" mit
angeschlossener Fachtagung.
Obwohl Deutschland der führende Hersteller von Materialprüfmaschinen
ist, mit einem sehr großen Exportanteil - besonders nach den USA - hat die
amerikanische Industrie neben der Lieferung von Spezialprüfeinrichtungen wie
elektrohydraulische und elektrodynamische Schwingprüfeinrichtungen eine besondere Bedeutung für den europäischen Markt auf dem Gebiet einiger zerstörungsfreier Prüfverfahren, speziell auf dem Sektor der elektronischen Meßtechnik erlangt. Dies gilt für Meßwertaufnehmer (Sensoren) für mechanische
Größen wie Kraft, Beschleunigung, Dehnung etc., und besonders für elektronische Systeme zur Signalauswertung, die bei dynamischen Prüfverfahren verwendet werden, wie beispielsweise Echtzeit-Frequenzanalysatoren, Korrelationsanalysatoren, Magnetbandaufzeichnungsgeräte, Digitalbausteine und Minicomputer.
Auf

�Auf der Ausstellung wird ein repräsentativer Querschnitt des amerikanischen Angebots auf den Sektoren dynamische Prüfung, zerstörungsfreie Prüfung,
Meßwertaufnehmer

und elektronische Signalauswertungstechnik gezeigt. Auf der

angeschlossenen Fachtagung referieren namhafte Experten über einschlägige
Themen.

.

•

.

j

Weitere Informationen und komplette Programme durch:
US-Handelszentrum, 6000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4,
Tel. (0611) 72 08 Ol, Telex? 41 $5 35

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BERICHTIGUNG ZU: FACHAUSSTELLUNG "MODERNE VERKAUFSHILFEN" IM
US-HANDELSZENTRUM FRANKFURT AM MAIN

Wir müssen Ihnen leider mitteilen, daß die in unserer Ausgabe Nr. 25
vom 4. Dezember für den Zeitpunkt 14.-17. Januar 1975 angekündigte
Fachausstellung zum Thema "Moderne Verkaufshilfen" durch das
Amerikanische Handelsministerium in Washington auf einen späteren
Zeitpunkt verschoben wurde, der Ihnen noch gesondert bekanntgegeben
wird.

Wir bitten um Ihr Verständnis für diese Änderung.

�* amerika dienst
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26/1974

DAS FRANZÖSISCH-AMERIKANISCHE ABSCHLUSSKOMMUNIQUE VON MARTINIQUE
- Wortlaut -

MARTINIQUE - (AD) - Das zum Abschluß des f r a n z ö s i s c h - a m e r i k a n i s c h e n

Gipfel-

t r e f f e n s auf M a r t i n i q u e v e r ö f f e n t l i c h t e gemeinsame Abschlußkommunique h a t f o l genden W o r t l a u t :
Der P r ä s i d e n t d e r V e r e i n i g t e n S t a a t e n , Gerald R. Ford, und d e r P r ä s i d e n t
der f r a n z ö s i s c h e n Republik»Valery Giscard d 1 E s t a i n g , s i n d vom 14. b i s 16. Dezember
1974 auf M a r t i n i q u e zusammengekommen, um a k t u e l l e Fragen von b e i d e r s e i t i g e m
I n t e r e s s e zu e r ö r t e r n .

An i h r e n Gesprächen nahmen d e r Außenminister und B e r a t e r

des P r ä s i d e n t e n f ü r Fragen d e r N a t i o n a l e n S i c h e r h e i t , Henry A. K i s s i n g e r , und
Außenminister J e a n Sauvagnargues sowie F i n a n z m i n i s t e r William Simon und F i n a n z m i n i s t e r J e a n - P i e r r e Fourcade t e i l .

Die M i n i s t e r f ü h r t e n f e r n e r u n t e r s i c h e r -

gänzende Gespräche.
Das Treffen fand i n e i n e r Atmosphäre d e r H e r z l i c h k e i t und d e s g e g e n s e i t i g e n
Vertrauens s t a t t .

P r ä s i d e n t Ford und P r ä s i d e n t Giscard d ' E s t a i n g b e g r ü ß t e n

d i e G e l e g e n h e i t , d e t a i l l i e r t e und s u b s t a n t i e l l e Gespräche über den gesamten Ber e i c h d e r Fragen von b e i d e r s e i t i g e m I n t e r e s s e führen zu können.

Als t r a d i t i o n e l l e

Freunde und Verbündete haben d i e beiden Nationen gemeinsame Werte und Z i e l s e t zungen, und d i e b e i d e n P r ä s i d e n t e n bekundeten i h r e E n t s c h l o s s e n h e i t , b e i den Bemühungen um e i n e Lösung d e r gemeinsamen Probleme auf d i e s e r B a s i s zusammenzuarbeiten.
Sie
- 1-

�Sie erörtern die internationale Lage auf wirtschaftlichem, finanziellem
und monetärem Gebiet.

Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß die Regierungen der
Vereinigten Staaten und der Europäischen Gemeinschaft, in deren Namen der
französische Präsident über dieses Thema sprach, eine konsequente Wirtschaftspolitik verfolgen müssen, mit deren Hilfe wirksam die Arbeitslosigkeit vermieden
wird, während sie die Inflation bekämpfen.

Im besonderen waren sie sich darüber

einig, daß es wichtig ist, Maßnahmen protektionistischer Natur zu vermeiden.
Und sie beschlossen, die Initiative zur Einberufung weiterer überstaatlicher
Konferenzen zu ergreifen, sollten sich diese zur Erreichung der angestrebten
Kontinuität der grundlegenden Wirtschaftspolitik der Industriestaaten als notwendig erweisen.

Angesichts der raschen Veränderungen, die sich bei den internationalen
finanziellen Positionen in der heutigen Welt vollziehen, stimmten die Präsidenten voll darin überein, daß es wünschenswert, sei,das Tempo der Gespräche
über eine engere finanzielle Zusammenarbeit, sowohl innerhalb des Internationalen Währungsfonds (IWF) als auch bei ergänzenden Maßnahmen,beizubehalten.

Als

eine spezifische Maßnahme zur Stärkung des bestehenden finanziellen Rahmens vereinbarten die Präsidenten, daß es angebracht wäre, wenn jede Regierung, die
dies wünscht, die gegenwärtigen Marktpreise als Grundlage für die Bewertung
ihrer Goldbestände nimmt.
Die beiden Präsidenten erörterten eingehend das Energieproblem und dessen
schwerwiegende und störende Auswirkungen auf die Weltwirtschaft.

Sie erkannten

die Bedeutung an, die für die USA, die EWG und die übrigen Industriestaaten die
Einleitung einer Politik zur Einsparung von Energie, zur Entwicklung bestehender
und alternativer Energiequellen sowie zur Schaffung neuer Mechanismen für eine
finanzielle Solidarität hat.

Sie unterstrichen die Wichtigkeit einer Solidarität

der ölimportländer in diesen Fragen.

Die beiden Präsidenten führten ferner einen Meinungsaustausch über die
Zweckmäßigkeit eines Gesprächs zwischen den Verbrauchern und den Erzeugern und

�und erörterten in diesem Zusammenhang den Vorschlag des Präsidenten der französischen Republik vom 24. Oktober für eine Konferenz der Ölexport- und Importländer.

Sie stimmten darin überein, daß es wünschenswert sei, eine solche

Konferenz zum frühest möglichen Zeitpunkt einzuberufen.

Sie betrachten es als

wichtig, daß alle betroffenen Parteien besser über ihre jeweiligen Interessen
und Sorgen informiert sind und daß harmonische Beziehungen zwischen ihnen geschaffen werden, um eine gesunde Entwicklung der Weltwirtschaft zu fördern.

Die beiden Präsidenten stellten fest, daß ihre Ansichten in diesen Fragen
sich ergänzen, und vereinbarten, daß folgende miteinander zusammenhängende
Schritte der Reihe nach getroffen werden sollten:

- Sie stimmten überein, daß im Rahmen der bestehenden Institutionen und
Abkommen, denen sie angehören, und in Konsultation mit anderen interessierten
Verbrauchern zur Stärkung ihrer Zusammenarbeit zusätzliche Schritte unternommen
werden sollten.

Eine solche Zusammenarbeit sollte Programme zur Energieein-

sparung, zur Entwicklung bestehender und alternativer Energiequellen und zur
finanziellen Solidarität einschließen.

- Sich auf die bedeutenden, auf den vorher erwähnten Gebieten erzielten
Fortschritte stützend; kamen die beiden Präsidenten überein, daß es wünschenswert wäre, eine vorbereitende Konferenz zwischen Verbrauchern und Erzeugern
vorzuschlagen, mit dem Ziel, eine Tagesordnung und Verfahren für eine Konferenz
der Verbraucher und Erzeuger festzulegen.

Der angestrebte Zeitpunkt für eine

solche vorbereitende Konferenz sollte der März 1975 sein.

- Auf die vorbereitenden Gespräche sollten eingehende Konsultationen zwischen den Verbraucherländern folgen, um eine Position für die Konferenz vorzubereiten.

Die beiden Präsidenten stimmten überein, daß die oben aufgezählten Maßnahmen schnellstmöglich und unter voller Berücksichtigung des gemeinsamen Interesses durchgeführt werden sollen, um dieser kritischen Situation zu begegnen,
in der sich die Vereinigten Staaten, Frankreich und alle übrigen Länder in
- 3-

�in gleicher Weise befinden.

Präsident Ford und Präsident Giscard d'Estaing erörterten die jüngsten
Entwicklungen auf dem Gebiet der Ost-West-Beziehungen.

Sie sprachen über ihre

jeweiligen Zusammenkünfte mit Generalsekretär Breschnjew, und Außenminister
Kissinger berichtete über seine Gespräche mit den Führern der Volksrepublik
China.

Sie führten einen Gedankenaustausch über den Verlauf der Ost-West-Ver-

handlungen, einschließlich der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit
in Europa.

Sie äußerten ihre Überzeugung, daß beim Abbau der Spannungen ein

Fortschritt erzielt worden sei.

Die beiden Präsidenten tauschten ihre Ansichten über die gegenwärtige
Situation im Nahen Osten aus.

Sie waren sich einig darüber, daß ein rascher

Fortschritt in Richtung auf einen gerechten und dauerhaften Frieden in diesem
Gebiet wichtig ist.

Präsident Giscard d'Istaing erläuterte die gegenwärtigen Bemühungen Frankreichs und anderer Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft, den Prozeß des
europäischen Zusammenschlusses zu fördern.

Präsident Ford bekräftigte erneut

die Unterstützung der Bemühungen um eine europäische Einigung durch die Vereinigten Staaten.

Die beiden Präsidenten erörterten die Situation in Indochina.

Sie stellten

fest, daß die Fortschritte in Laos in Richtung auf eine Aussöhnung und Wiedervereinigung ermutigend waren.

Die beiden Präsidenten waren sich über die Notwendigkeit einig, daß alle
Parteien die Pariser Friedensabkommen für Vietnam voll unterstützen.

Bezüglich

Kambodschas äußerten sie die Hoffnung, daß die sich bekämpfenden Parteien in
naher Zukunft in Verhandlungen eintreten werden, statt den militärischen Kampf
fortzusetzen.

Sie äußerten die Hoffnung, daß nach Laos nunmehr auch Kambodscha

und Vietnam ihren politischen Weg zu einem Frieden für die Völker finden werden.

Die

- 4-

�Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n e r n e u e r t e n d i e f e i e r l i c h e n Zusagen i h r e r b e i d e n Reg i e r u n g e n , d i e engen Beziehungen auf dem Gebiet d e r V e r t e i d i g u n g a l s M i t g l i e d e r
des A t l a n t i s c h e n Bündnisses f o r t z u s e t z e n .

Sie stimmten d a r i n ü b e r e i n , daß d i e

Zusammenarbeit zwischen F r a n k r e i c h und d e r NATO e i n w i c h t i g e r F a k t o r für d i e
S i c h e r h e i t Europas i s t .
Sie nahmen m i t Genugtuung z u r K e n n t n i s , daß d i e p o s i t i v e n S c h r i t t e b e i
den SALT-Verhandlungen, d i e auf dem s o w j e t i s c h - a m e r i k a n i s c h e n T r e f f e n
Wladiwostok e r g r i f f e n wurden, d i e Gefahr e i n e s n u k l e a r e n W e t t r ü s t e n s
haben.

in
vermindert

Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n p r ü f t e n , wie i h r e b e i d e n Länder a l s E x p o r t e u r e

von nuklearem M a t e r i a l und n u k l e a r e r Technologie i h r e Bemühungen k o o r d i n i e r e n
können, um b e s s e r e S i c h e r h e i t s g a r a n t i e n h i n s i c h t l i c h solchen M a t e r i a l s zu g e währleisten.
Der f r a n z ö s i s c h e P r ä s i d e n t d e u t e t e an, daß s e i n e Regierung b e r e i t s e i , zu
e i n e r f i n a n z i e l l e n Regelung d e r Kosten für d i e R e d i s l o z i e r u n g NATO-gebundener
a m e r i k a n i s c h e r S t r e i t k r ä f t e und S t ü t z p u n k t e zu g e l a n g e n , d i e im J a h r e 1967 von
F r a n k r e i c h i n andere Länder v e r l e g t worden s i n d .

Das f r a n z ö s i s c h e Angebot von

100 M i l l i o n e n D o l l a r a l s Gesamtregelung wurde von P r ä s i d e n t Ford f o r m e l l akzeptiert.

Die b e i d e n P r ä s i d e n t e n kamen zu dem S c h l u ß , daß der p e r s ö n l i c h e Kontakt
und das p e r s ö n l i c h e Gespräch auf diesem Treffen Übereinstimmung i n z a h l r e i c h e n
Fragen ergeben haben, und s i e bekundeten i h r e E n t s c h l o s s e n h e i t , engen Kontakt
zu h a l t e n , um e i n e b r e i t e Zusammenarbeit auf Gebieten von gemeinsamen I n t e r e s s e n
für d i e b e i d e n Länder zu e r m ö g l i c h e n .

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26/1974
PRÄSIDENT FORD RUFT ZU GEMEINSAMER LÖSUNG DER WELTHANDELSPROBLEME AUF
- Wortlaut der Rede auf der "American Conference on Trade" in Washington -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Ford hat alle Länder aufgerufen, die derzeitigen internationalen Handelsprobleme gemeinsam und konstruktiv zu lösen. Vor
der "American Conference on Trade" erklärte der amerikanische Präsident am
3. Dezember, "wir müssen mithelfen, eine Weltwirtschaft aufzubauen, die zur
Gesundheit und Prosperität der Volkswirtschaften aller Länder beiträgt".
Die Rede Präsident Fords hat folgenden Wortlaut:
"Vor kurzem bin ich um die halbe Welt gereist. Ich bin mit den führenden Staatsmännern Japans, Südkoreas und der Sowjetunion zusammengetroffen.
Heute bin ich hier, um Sie, meine amerikanischen Mitbürger, aufzurufen, sich
zusammen mit mir zu einer neuen, noch weiteren Reise aufzumachen - einer Reise,
die zu den wichtigsten in unserem Leben - dem Ihrigen und dem meinigen - zählen und sich in den kommenden Jahren auf ungezählte Amerikaner auswirken wird.
Es geht einfach darum, die Rolle der Vereinigten Staaten im Welthandel neu zu
definieren und neu zu gestalten.
Es ist eine neue Welt - dort draußen!
Wir erleben heute eine weltweite wirtschaftliche Revolution.
Neue
-1-

�Neue, akute wirtschaftliche Probleme und Anliegen sind mit überraschender Schnelligkeit auf der Szenerie des weltpolitischen Geschehens aufgetaucht.
Die Nationen - große wie kleine - definieren ihre nationalen Interessen neu.
Manche von ihnen bedienen sich dabei solcher Begriffe wie wirtschaftliche
Blockbildung, Vorteil durch Blockbildung oder Gebietszusammenschluß, und andere stehen vor der wachsenden Gefahr einer ganz simplen, harten Realität:
Überleben.
Die Vereinigten Staaten und die Mehrzahl der anderen Nationen sehen sich
vor die bedrohlichste wirtschaftliche Herausforderung der Nachkriegszeit gestellt. Die Probleme der Energie, der Ernährung, der Inflation und Rezession
stellen in allen Teilen der Welt Bedrohungen bisher unbekannten Ausmasses dar.
Sie gefährden die internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit und sie bedro=
hen die politischen Beziehungen und die Sicherheitssysteme, an deren Gestaltung die Vereinigten Staaten eine Generation lang mitgewirkt haben.
Wenn wir diesen Problemen nicht in konstruktiver und kooperativer Weise
zusammen mit unseren Haupthandelspartnern entgegentreten, dann könnten wir
und die Welt uns auf eine Krise sehr bedrohlichen Ausmasses hinbewegen.
Zeiten wie diese fordern eine positive und konstruktive amerikanische
Führungsrolle. Die Vereinigten Staaten können es sich nicht leisten, auf ein
Meer internationaler Unsicherheit zu einer Zeit hinausgetrieben zu werden,
da ihre höchsten wirtschaftlichen Interessen entschlossenes Handeln fordern.
Wir können keine Führungsrolle in der freien Welt beanspruchen, wenn wir nicht
- mit praktischen politischen Maßnahmen und realer Zielsetzung - auf eine
größere wirtschaftliche Zusammenarbeit hinzuwirken vermögen.
Wir

�Wir dürfen nicht der Illusion verfallen, wir könnten es im Alleingang
schaffen.
Das ist der Grund, warum Sie heute abend hier versammelt sind, und warum
ich bei Ihnen bin. Die Kunde muß heute abend von hier aus an das amerikanische
Volk, an die Völker der anderen Staaten und vor allem an unsere Freunde im
Kongreß gehen, daß Amerika seine Entscheidung getroffen hat: Wir müssen das
Handelsreformgesetz verabschieden - und zwar jetzt. Es ist von entscheidender
Bedeutung für die Zukunft der Handelspolitik der USA und auch für die der
Welt.
Es geht um die Gesundheit unserer Binnenwirtschaft und die Stärke - ja
die eigentliche Struktur - unserer internationalen Wirtschaftsbeziehungen.
Der Kongreß muß handeln - und ich sage dies mit äußerstem Ernst - oder aber
seine Untätigkeit wird meine Bemühungen, unsere Wirtschaft wieder hochzubringen, schwer beeinträchtigen. Sie würde meine Fähigkeit einschneidend beschränken, im Ausland auf eine internationale wirtschaftliche Zusammenarbeit hinzuwirken.
Sie wissen genau wie ich, daß dieser legislative Akt aller Wahrscheinlichkeit nach lang hinausgeschoben, ja möglicherweise für immer verhindert
wird, wenn er nicht in der jetzigen Sitzungsperiode des Kongresses zur Verabschiedung gelangt. Das aber bedeutet, daß ich für das nächste Jahr und die
weitere Zeit, wenn die wirtschaftliche Situation entschlossene Entscheidungen
verlangt, als Ihr Präsident meine Funktion ausüben muß, ohne die Macht zu haben, meine Verpflichtungen auf diesem für den Handel unserer Nation so entscheidend wichtigen Gebiet wirklich erfüllen zu können.
Diese

-3-

�Diese so wesentliche Gesetzesvorlage - das Handelsreformgesetz - liegt
dem Kongreß nun schon beinahe seit zwei Jahren vor. Faktisch hat kein Präsident der Vereinigten Staaten seit dieser Zeit die Vollmacht besessen, Angelegenheiten des internationalen Handels auszuhandeln. Seit der Verabschiedung
des historischen und fundamentalen amerikanischen Gesetzes über Handelsvereinbarungen vom Jahre 1934 sind vierzig Jahre vergangen.
Der Kernpunkt dieser Handelsreformgesetzgebung ist die enge Wechselbeziehung zwischen unserer Binnenwirtschaft und unseren internationalen Wirtschaftsbeziehungen. Lassen Sie uns einen Blick auf diese wichtige Wechselbeziehung
werfen.
Man muß einräumen, daß sich die amerikanische Wirtschaft derzeit in einer
Rezession befindet. Der inflationäre Druck ist stark. In unserem Volke wächst
die Angst vor der Arbeitslosigkeit.
Es wird in den kommenden Wochen und Monaten von höchster Priorität für
meine Administration sein - so wie es dies seit meiner Amtsübernahme vor vier
Monaten immer gewesen ist - diese wachsenden und sich wandelnden Wirtschaftsprobleme anzupacken. Und eine der wirksamsten Methoden, damit zu beginnen,ist
die Verabschiedung dieser Handelsreformvorlage - in unserem nationalen Selbstinteresse. Ich werde die volle Zusammenarbeit mit dem Kongreß brauchen. Ich
begrüße den jüngsten Appell von Senator Mansfield- dem Fraktionsführer der
Mehrheit im Senat - daß es zu einer Kooperation beider Parteien kommen möge.
Ich danke anerkennend dem Finanzausschuß des Senats und seinem Vorsitzenden
Russell Long für sein maßvolles Handeln und dafür, daß keine irrelevanten
Änderungen und Zusätze vorgenommen wurden.
Die

-4-

�Die Weltwirtschaft steht vor ähnlichen Schwierigkeiten.
Bei der Inflation handelt es sich um ein weltweites Problem. Die meisten
Volkswirtschaften in der industrialisierten Welt sind - zum Teil als Folge inflationistischer Verzerrungen - in einen Abwärtszyklus eingetreten.
Internationale Zusammenarbeit ist eine absolute Notwendigkeit, wenn die
Welt die beiden Seuchen - globale Rezession und globale Inflation - überwinden soll. Wir in den Vereinigten Staaten müssen eine koordinierte binnen-und
außenwirtschaftliche Initiative gegen die Inflation und die Rezession entwickeln. Bei diesem Programm kommt dem Handel eine entscheidende Bedeutung zu.
Der amerikanische Außenhandel - in beiden Richtungen - stellte sich in
den ersten zehn Monaten dieses Jahres auf wertmäßig 163 Milliarden Dollar.
Das sind unsere neuesten Zahlen. Damit verbleibt in unserer Handelsbilanz ein
Defizit von 2,3 Milliarden Dollar. Es ist in erster Linie auf den enormen
Kostenanstieg bei Importöl zurückzuführen. In den ersten zehn Monaten dieses
Jahres haben uns die Ölimporte 20,1 Milliarden Dollar gekostet gegenüber 7,8
Milliarden Dollar im ganzen Jahr 1973. Ohne diesen enormen Kostenanstieg bei
Öl hätten wi r dieses Jahr einen guten Handelsüberschuß aufzuweisen. Im letzten Jahr haben wir einen Handelsüberschuß von 1,3 Milliarden Dollar erzielt.
Aber wichtig ist: Unsere Exporte lagen in den ersten zehn Monaten dieses Jahres - auf Jahresbasis umgerechnet - um 36 Prozent höher als 1973.
Diese Exporte schaffen zahlreiche

Arbeitsplätze für Amerikaner in allen

Teilen des Landes und allen Bereichen unserer Gesellschaft. Rund drei Millionen amerikanische Arbeitnehmer verdienen ihren Lebensunterhalt durch den Export - angefangen bei Hafenarbeitern und Flugzeugmechanikern bis zu Büroange-

-5-

�Büroangestellten amerikanischer Großunternehmen, aber auch kleinerer Firmen
- drei von fünf erfolgreichen amerikanischen Exportfirmen haben weniger als
100 Angestellte. Über 20 Prozent der Einkünfte der amerikanischen Landwirtschaft stammen aus Auslandsgeschäften,

Handel ist für Arbeitnehmer und Fir-

men in den Gemeinden in allen Teilen des Landes eine Lebensfrage. Dies gilt
für die Landwirtschaft wie für die Geschäftswelt und die Industrie.
In all den Jahren beeinflußte der Handel unsere Volkswirtschaft äußerst
positiv. Importe wie auch Exporte nützen der amerikanischen Wirtschaft - den
Verbrauchern wie den Arbeitnehmern. Das erklärt sich wie folgt:
Unsere Gesamtimporte in den ersten 10 Monaten dieses Jahres stellten sich
wertmäßig auf rund 83 Milliarden Dollar. Davon entfallen 37 Milliarden Dollar
auf Dinge, die für die Produktion in den USA gebraucht werden - Metalle, Nahrungsmittel, Chemikalien und Mineralien einschließlich Öl.
Zahlreiche amerikanische Unternehmen sind in hohem Maße abhängig von den
importierten Mineralien. Lassen Sie mich Ihnen einige spezifische Beispiele
dafür nennen, wie die Importe uns als Industriestaat helfen. Wir sind bei so
entscheidend wichtigen Mineralien wie Chrom, Platin, Titan und Mangan fast
völlig vom Ausland abhängig. Über 85 Prozent unseres Aluminiums kommen aus dem
Ausland. Das gilt auch für den größten Teil unseres Bauxits.
Fassen wir die Dynamik dieser Importe und die Stärke unseres Exports zusammen, so läßt sich leicht ermessen, welche Bedeutung der Handel für eine gesunde Wirtschaft in den USA hat. Handel bedeutet für die amerikanischen Arbeitnehmer zusätzliches Einkommen und stärkt unsere wirtschaftliche Vorangstellung
in der Welt,
In

�In unserer Handelsbilanz wird es dieses Jahr angesichts der besorgniserregend hohen Kosten des Importöls keinen Überschuß geben. Sonst wären wir wieder weit im Plus.

Ich halte den Preis, den wir für das Öl zahlen, für viel

zu hoch. Er hat für unsere Binnenwirtschaft verheerende Folgen. Wenn Sie die
gestiegenen Kosten der Ölimporte herausnehmen, würden die USA in den ersten
sechs Monaten dieses Jahres eine positive Handelsbilanz von fast 8 Milliarden
Dollar aufweisen. Die Ölpreiserhöhungen bringen das gesamte internationale
Wirtschaftssystem durcheinander.
Die Anpassungen und die Lösungen müssen durch internationale Verhandlungen und internationale Zusammenarbeit erreicht werden, und dem räumt meine Administration höchste Priorität ein.
Die Auswirkungen unseres Handels in ihrer Gesamtheit sind äußerst positiv. Das Gesetz über die Reform des Handels enthält jedoch spezifische Bestimmungen für die Unterstützung derjenigen, die durch Importe Nachteile erleiden. Kein Bereich unserer Wirtschaft wird schwerwiegenden Schädigungen ausgesetzt sein. Das Gesetz besagt ganz klar - und ich werde dies nachdrücklich
unterstützen.-, daß wir den Arbeitnehmern, Firmen und Gemeinden helfen werden, die durch Importe Schaden erleiden.
In diesen schweren Zeiten mögen manche unter uns versucht sein, sich vom
Ausland abzukehren. Mächtige Kräfte im Lande denken nicht nur in dieser Richtung, sondern fordern tatsächlich einen nach innen orientierten gesetzgeberischen Kurs. Das würde die amerikanische Nachkriegspolitik in ihr Gegenteil verkehren und wäre äußerst schädlich für uns.
Wir

-7-

�Wir wollen jetzt einen Blick auf das komplexe Bild des Welthandels werfen. Unser Land lebt und handelt in der.internationalen Völkergemeinschaft
in einem höchst verwickelten Rahmen politischer, sicherheitspolit.ischer

und

wirtschaftlicher Beziehungen, die die Länder überall auf der Welt miteinander
verbinden. Da gibt es Länder auf der Welt, die glauben, daß einseitige und bi=
laterale Maßnahmen - zur Förderung ihrer eigenen Interessen - rascheste und
vielversprechendste Lösungen für ihre Probleme bieten. Wir sind der Ansicht,
daß eine solche Politik nur zum Konflikt führen kann - zu einer endlosen Kette
von Unruhen und Streitigkeiten in allen Teilen der Welt.
Vielmehr glauben die Vereinigten Staaten - und ich werde für diese Politik eintreten, wenn der Kongreß rasch handelt und mich verhandeln läßt -, daß
die einzige richtige Lösung die langfristige ist - nämlich die Zusammenarbeit
der Welt. Ich strebe für die gemeinsamen Probleme multilaterale Lösungen an,
die allen Ländern nützen. Aber ich brauche das Gesetz über die Handelsreform
- und zwar jetzt - wenn der Präsident der Vereinigten Staaten auf der internationalen Bühne mitreden soll.
Lassen Sie mich einige der Folgen aufzeigen, die eintreten, wenn ich dieses dringend benötigte Gesetz nicht bekomme:
-- Die bevorstehenden internationalen Handelsverhandlungen im Rahmen des
GATT - an denen 105 Mitgliedsstaaten beteiligt sind - bekämen einen lähmenden
Schlag..Ich würde nicht über die erforderlichen gesetzlichen Vollmachten verfügen, um zu Übereinkommen gelangen zu können. Daher wäre es praktisch unmöglich, irgendwelche wesentlichen Handelsabkommen zu erreichen.
Die

�Die internationalen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Verpflichtungen der Vereinigten Staaten würden untergraben werden. Dies würde
meines Erachtens Unruhe und Instabilität auf der Welt fördern. Und lassen Sie
es mich noch präziser ausdrücken:
-- Auf dem Energiesektor arbeiten Außenminister Kissinger und Finanzminister Simon geduldig auf eine internationale Zusammenarbeit hin. Aber eine
solche Zusammenarbeit kann nicht in einer Welt erreicht werden, die in wachsendem Maß in Handelsstreitigkeiten verwickelt ist.
-- Das internationale Währungssystem bedarf einer wesentlichen Verbesserung. Wenn wir zurückfallen in Handelskriege, dann untergraben wir unsere Bemühungen, das internationale Währungssystem funktionsfähig und wirksam zu erhalten. Ein freundschaftlicher Handel ist ein Muß, wenn wir die Ungleichgewichte auf dem Markt abbauen wollen.
-- Handel ist notwendig, damit die Entwicklungsländer die in verschiedenen
Formen erfolgte Auslandshilfe zurückzahlen können. Einige dieser Entwicklungsländer spielen eine direkte Rolle in unserem eigenen Wachstum. Sie besitzen
- gegenwärtig knappe - Rohstoffe und andere Ausgangsprodukte, die wir für unsere eigene wirtschaftliche Entwicklung brauchen.
Das Gesetz über die Reform des Handels gibt mir ausreichende Verhandlungsvollmachten, um weltweit einen wesentlichen Abbau des Zollniveaus zu erreichen. Es gibt mir die Möglichkeit, auf einen verstärkten Zugang für amerikanische Erzeugnisse auf den Auslandsmärkten hinzuarbeiten.
Das bedeutet mehr Arbeitsplätze für Amerikaner. Es bedeutet eine gesündere Wirtschaft. Es bedeutet, daß der Kongreß dieses Gesetz jetzt verabschieden
muß.
Ich
-9-

�Ich möchte auch auf eine andere Tatsache hinweisen - die Russen sind
keineswegs untätig. Sie wollen nicht nur Zuschauer sein. Sie wollen ebenfalls
handeln. Die Russen sind zum Handel bereit - politisch und wirtschaftlich -,
aber das braucht Zeit. Wir werden - manchmal auch hart - verhandeln müssen.
Wir haben in politischer Hinsicht einen guten Anfang gemacht - wir haben einen
Durchbruch bei der Kontrolle der neuesten Generation von Nuklearwaffen erzielt, einen Durchbruch für den Frieden. Lassen Sie uns auch beim Handel einen
Durchbruch erzielen - der für die Entspannung unbedingt notwendig ist.
Im Jahre 1973 haben die Vereinigten Staaten im Handel mit der Sowjetunion
einen Handelsüberschuß von über einer Milliarde Dollar erzielt. Einen weiteren Handelsüberschuß von 900 000 Dollar brachte der Handel mit den anderen
sozialistischen Ländern. Der Handel mit diesen Ländern war daher ein entscheidender Faktor für unseren Handelsüberschuß im Jahre 1973 von insgesamt 1,7
Milliarden Dollar.
Die Sowjets werden nicht mit sich reden lassen, wenn wir keine beiden
Seiten zum Vorteil gereichende Handelspolitik betreiben - und dies schließt
die Beseitigung der Diskriminierung gegen ihren Handel ein

- und wenn wir

nicht bereit sind, innerhalb des vom Kongreß gesetzten Rahmens angemessene
Kreditlinien zu gewähren,
Lassen Sie es mich ganz klar sagen: Unsere mit uns konkurrierenden Handelspartner in Westeuropa und Japan gewähren den sozialistischen Ländern, mit
denen sie jetzt Handel treiben, Kredite. Die Kreditwürdigkeit

der Sowjets

ist gut. Die von uns gewährten Kredite sind verglichen mit den Krediten unserer westlichen Handelspartner klein.
Die

•10-

�Die Welt blickt heute auf die Vereinigten Staaten und erwartet von ihnen,
daß sie die Führung übernehmen. Ich würde es - genauso wie zahlreiche Mitglieder des Kongresses und viele Amerikaner - als unentschuldbar empfinden, wenn
dieses Gesetz als Folge von Verzögerungen untergehen sollte.
Der Kongreß und die Exekutive haben bei dieser Vorlage enger und länger
zusammengearbeitet als bei irgendeinem anderen Gesetz in den letzten sechs
Jahren.
Ich würde es auch als unentschuldbar betrachten, wenn dieses Gesetz mit
irrelevanten und sachfremden Änderungen und Zusätzen belastet würde. Diese
sachfremden Änderungen sind - eben weil sie nicht zur Sache gehören - nicht in
den zuständigen Kongreßausschüssen behandelt worden. Aber die Zeiten sind
heute zu ernst für derartige legislativen Praktiken. Die Vereinigten Staaten
können sich genauso wenig wie die übrige Welt den Luxus solcher Spielereien
leisten. Ich hoffe, der Senat wird sich an die Regel der unbedingten Sachzugehörigkeit halten.
Ich meine, eine Gesellschaft ist dann groß, wenn das Volk groß denkt und
groß handelt. Jetzt ist ein Augenblick gekommen, der Größe verlangt.
Die Reise, die wir heute abend angetreten haben, hat kein Ende. Denn das
Werk, das wir beginnen, wird niemals vollendet sein: am Aufbau einer Weltwirtschaft mitzuwirken, die zur Gesundheit und Prosperität aller Völker beiträgt.
Jedes Land muß seinen Anteil an der Last auf sich nehmen, um sich und
andere nach oben zu tragen.
Jedes Land muß anderen Ländern die Hand reichen - zur Zusammenarbeit, zur
Beteiligung an Schweiß und Opfern -, getragen von dem Wissen, daß keiner es
alleine durchzustehen braucht. Das könnte wahrhaftig eine der größten Stunden
der Welt sein. Wollen wir sie dazu machen. Ich danke Ihnen.

+++

-11-

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26/1974

FORD: INFLATIONSBEKAMPFUNG BLEIBT WICHTIGSTE AUFGABE
- Rede des Präsidenten vor dem Business Council -

WASHINGTON — ( A D ) — Präsident Ford hat in einer Rede vor dem Business Council
in Washington am 11. Dezember betont, daß die Bekämpfung der Inflation die
vorrangige Aufgabe bleibe. Er kündigte an, daß er dem neuen Kongreß im Januar
konjunktur-politäsche Vorschläge unterbreiten werde. Die Rede des Präsidenten
hat folgenden Wortlaut:
Ich begrüße die Gelegenheit,mit Ihnen, den führenden Männern aus Handel
und Industrie zusammenzutreffen, um über einige der ernsten wirtschaftlichen
Probleme zu sprechen, vor denen wir alle stehen.
Wie beidseitig unsere Probleme sind, ist noch nie vorher so klar zum
Ausdruck gebracht worden wie kürzlich, als ich auf einer Wirtschaftskonferenz
vorgestellt wurde. Der Veranstalter

erklärte, •Die Größe Amerikas liegt da-

rin, daß jeder Präsident einer Autofirma, Präsident einer Fluggesellschaft,
Präsident eines öffentlichen Dienstleistungsbetriebes oder Präsident der
Vereinigten Staaten werden kann1. Er machte dann eine lange Pause und fügte
hinzu, »das muß man eben in Kauf nehmen*.
Vor

-1-

�;

Vor vier Monaten habe ich in meinen ersten Äußerungen als Präsident
meinen Mitbürgern versprochen, von Zeit zu Zeit ein offenes Wort unter Freunden mit ihnen zu sprechen. Ich hoffe, daß ich heute unter Freunden bin - denn
wir dienen alle der gleichen Aufgabe, dieses Land politisch und wirtschaftlich
stabil und stark zu erhalten und durch den Genius unseres amerikanischen
Systems immer mehr Menschen ein besseres Leben zu bringen.
Die Geschäftsleute sind nicht die einzigen Amerikaner, die auf dieses
Ziel hinarbeiten, aber es steht fest, daß dieses Ziel ohne sie nicht erreicht,
werden kann.
Und jetzt zu dem offenen Wort:
Die Wirtschaft ist in schwierigen Gewässern. Wir befinden uns in einer
Rezession. Die Produktion geht zurück und die Arbeitslosigkeit nimmt zu.
Ferner stehen wir vor anhaltend hohen Inflationsraten - Inflationsratens
die größer sind, als über einen längeren Zeitraum tragbar ist. Es gibt einiges
Gutes aus der Wirtschaft zu berichten, aber auch viel Schlechtes.
Trotzdem muß man sagen, daß sich unser Land nicht in einer Wirtschaftskrise befindet. Eine Krise - im Sinne einer nationalen Krise - ist etwas,was
sofortiges und drastisches Handeln verlangt. Ein nationales Problem ist etwas5
was überall begriffen werden muß und sorgfältig überlegte Lösungen erfordert
- Kuren also, die nicht schlimmer sind als die Krankheit selbst.
In den 25 Jahren, die ich in der Hauptstadt unseres Landes verbrachte,
hat unsere Wirtschaft mindestens fünf Rezessionen durchgemacht. Und wir haben
sie alle überstanden. Wir werden auch diese überstehen. Die Frage ist nicht
nur, wann, sondern auch wie. Ihre Frage an mich als Präsident ist, was ich
tue.

Ich

�Icl kann und will Ihnen keine plötzliche Änderung zum Besseren versprechen.
Soweit ich sehe, besteht keine Aussicht auf eine sofortige Besserung in der
Wirtschaft. Ohne daß ich die heutigen Schwierigkeiten im einzelnen aufzählen
will, wissen Sie und ich, daß

diese aus politischen Entwicklungen vergangener

Jahre herrühren. Die Wirkung von heute ergriffenen politischen Maßnahmen wird
erst in Monaten spürbar werden.
Kurzfristige Kuren können keinen Erfolg auf lange Sicht bringen. Es
scheint In diesen Tagen eine Tendenz zu bestehen, sich nur auf die unmittelbaren Auswirkungen einer vorgeschlagenen wirtschaftlichen Heilmethode zu konzentrieren und die langfristigen Auswirkungen außer acht zu lassen. Darauf lasse
ich mich nicht ein.
Und ebensowenig glaube ich, daß das Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft durch schöne Worte wiederhergestellt werden kann - seien sie von mir
oder von anderen politischen Mitspielern oder gar Zuschauern. Ich glaube auch
nicht, daß das Vertrauen allein durch das Handeln der Bundesregierung wiederhergestellt werden kann. Ich glaube allerdings, daß es durch wirkungsvolle Teamarbeit urd wohlerwogenes Selbstinteresse aller Elemente unseres freien Wirtschaftssystems und unseres repräsentativen freien politischen Systems in
Amerika wiederhergestellt werden kann.
Nicht nur der Präsident, nicht nur der Kongreß, nicht nur Unternehmer
oder Arbeitnehmer oder Verbraucher, sondern wir alle müssen handeln, um unsere
Wirtschaft und den Glauben eines jeden an sie wieder zu erneuern und mit neuem
Leben zu erfüllen. Hoffentlich werden wir hauptsächlich richtige Dinge und nur
wenig falsche Dinge tun, denn nur überhaupt etwas tun - so viel einem dies auch
an öffentlicher Sympathie einbringen mag - könnte sich als das Allerschlimmste
erweisen.

ner

�Der Mensch überlebt durch seinen Instinkt, Fortschritte aber macht er
durch seinen Geist. Vielleicht könnten wir überleben, indem wir einfach unseren Instinkten folgen, was heute heißen würde: eine sofortige Rückkehr zu Lohnund Preiskontrollen, wie dies manche Leute fordern, zur sofortigen Benzinrationierung, für die andere eintreten, oder zur Einführung anderer Reglementierungen, die die Symptome behandeln, aber den Heilungsprozeß verzögern.
Ich habe mir lange genug besorgte Menschen angehört und bin lange genug
im Wahlkampf gestanden, um ein Mitgefühl mit jenen zu haben, die solche Patentlösungen verfechten. Aber ich bin auch alt genug, um zu wissen, daß sie
niemals funktionieren.
Ich bin der Meinung, daß die Instinkte vom Geist beherrscht werden müssen
und daß die Tagespolitik sich dem Grundsätzlichen beugen muß, wenn wir einen
vernünftigen wirtschaftlichen Fortschritt erreichen wollen, den wir auch auf.
rechterhalten können. Und das ist genau mein Ziel.
Ich bin heute mit den führenden Vertretern beider Parteien im Repräsentantenhaus und im Senat im Weißen Haus zusammengekommen. Der Wahlkampf ist vorbei, der Wähler hat gesprochen, und der alte Kongreß beginnt sich zu vertagen.
Die verantwortlichen Männer der Demokraten, die verantwortlichen Männer der
Republikaner, die sich als Repräsentanten bei mir in meinem Raum versammelten,
legten einen Geist der Besorgnis für unser Land an den Tag, den zu beschreiben
ich die Eloquenz zu haben wünschte.
Sie werden es nicht glauben, wie gut wir gelegentlich miteinander auskommen, wenn die Türen geschlossen sind.
Und so habe ich meine früheren Kollegen gefragt - und ich glaube, die
meisten von ihnen haben völlig zugestimmt _, ob wir nicht eine Art informelles

'

�informelles Moratorium für parteipolitische Wirtschaftspolitik einführen könnten - zumindest, bis der neue Kongreß im Januar zusammengetreten ist. Könnten
wir uns nicht sozusagen auf die Zunge beißen, wenn wir versucht sind, Dinge zu
sagen, die das Vertrauen in die Wirtschaft noch mehr schwächen und die Konfusion in den Köpfen vieler Amerikaner über ihre Zukunft noch verstärken könnten.
Lassen Sie mich Ihnen dazu zunächst einmal folgendes sagen: glauben Sie
nicht,ich nätte irgendwelche wirtschaftlichen Entscheidungen getroffen, bevor
Sie es nie it von mir selbst hören. Ich habe die Absicht, meine Experten über
die Feiert.ige arbeiten zu lassen und eine Reihe neuer oder alternativer Maßnahmen zur Vervollständigung und Modernisierung des Wirtschaftspaketes,das ich
dem Kongreß vor zwei Monaten vorgelegt habe, in detaillierte Maßnahmen zu übersetze; . Wir werden den sich verändernden Prioritäten,den gegenwärtigen und den
künftigen, gerecht werden.
Meine neuen Vorschläge werden den neuen Mitgliedern des Kongresses, wenn
sie Mitte Januar zusammentreten, auf den Tischen liegen - vielleicht sogar früher. In den wenigen Tagen, die noch für diese Sitzungsperiode bleiben, werde
ich, wie ich den führenden Vertretern zugesichert habe, zu ihnen bis an die
äußerste Grenze meiner Grundsätze Verbindung halten, mich nachgiebig zeigen,
Kompromisse schließen und zusammenarbeiten, um rasche Verabschiedung der
dringendsten Wirtschaftsvorlagen sicherzustellen.
Dazu gehören das bislang hinausgeschobene Handelsreformgesetz ebenso wie
Gesetze, die sicherstellen, daß Arbeitslose temporäre Unterstützung erhalten;
dies schließt auch Arbeitsplätze im öffentlichen Dienst und Fortzahlung der
Arbeitslosenunterstützung zum Schutze ihrer Existenz ein. Wenn diese Gesetze

-5-

�Gesetze sich einigermaßen an die Kriterien halten, die ich vor zwei Monaten
aufgestellt habe, dann werde ich ausreichende Dollarbeträge zur Verfügung stellen, wie sie angesichts der Verschlechterung der Beschäftigungslage, vor allem
in einigen Industrien, erforderlich sind.
Morgen will ich mit führenden Vertretern der Automobilindustrie zusammenkommen - Roy Chapin von American Motors, Lee Iacocca von Ford, Thomas Murphy
von General Motors, Lynn Townsend von Chrysler - und mit Leonard Woodcock von
der Automobilarbeiter-Gewerkschaft zusammentreffen (UAW). Dies wird ein direktes Gespräch über die besonderen Probleme dieses Industriezweiges werden. Meine
Tür ist und bleibt offen für jeden verantwortlichen Sprecher eines jeden Sektors unserer Wirtschaft, der durch unsere wirtschaftlichen Schwierigkeiten
übermäßig geschädigt worden ist.
Ich werde weiterhin auf Gesetze und Verordnungen drängen, die einen verstärkten Anreiz zur und eine Förderung der Modernisierung, Erneuerung und Ausweitung der Industrie bieten, um heutigen und künftigen Generationen eine gesunde industrielle Grundlage zu schaffen und als Nahziel die Einrichtung neuer
Arbeitsplätze zu erreichen. Erhöhte Produktivität ist ein Kernstück des Systems
des freien Unternehmertums, das Amerika zu dem gemacht hat, was es heute ist,
und an das ich mein ganzes Leben lang geglaubt habe. Ich werde diese meine
Überzeugung als Präsident der Vereinigten Staaten nicht ändern.
Ich will damit sagen, daß, soweit ich es verhindern kann, die fundamentalen Regeln des wirtschaftlichen Spiels nicht ein über den anderen Monat oder
ein über das andere Jahr, weder auf kurze noch auf lange Sicht, geändert werden. Aber ich will damit auch sagen, daß, soweit ich es erreichen kann, die
Programme und politischen Maßnahmen der Bundesregierung auf veränderte Umstände

�*

Umstände und unsere besten verfügbaren wirtschaftlichen Voraussagen reagieren
werden.
Einige Faktoren - vor allem Brennstoff und Nahrungsmittel - tragen, wie
Sie alle wissen, wesentlich zu unseren gegenwärtigen Wirtschaftsproblemen bei.
Wenn ich an diesem Wochenende mit dem französischen Staatspräsidenten zusammenkomme,werde ich unsere Schwierigkeiten im eigenen Lande keineswegs hintenanstellen, wenn ich das Klima der Zusammenarbeit unter den ölverbrauchenden Industriestaaten durch eine gemeinsame Anstrengung verbessere, um eine ausreichende Brennstoff-und Lebensmittelversorgung zu annehmbaren Preisen sicherzustellen.
So wie alle Ihre Unternehmen von einer ausreichenden Energieversorgung
abhängen, so hängen sie auch von einer genügenden Zahl von Kunden ab. Kunde
ist in Ihren Ohren ein wohl tönendes Wort. Und Verbraucher klingt wie organisierte Interessenvertretung. In Wirklichkeit sind diese Worte austauschbar.
Und die Verbraucher in Amerika machen sich ebenso Sorgen über die Wirtschaft
wie Angestellte und Aktionäre - denn es sind ja die gleichen Menschen.
Diese Administration hat sich verpflichtet, die Kaufkraft des Verbrauchers - die Kundenkaufkraft - zu schützen, da dies ein wesentliches Element
für die Aufrechterhaltung und Stärkung des freien Unternehmersystems ist.
Hier kommt der freiwillige Teil meines Wirtschaftsprogramms ins Spiel - vor
allem, wenn es um die zielbewußte Entschlossenheit eines jeden Einzelnen geht
der lei :htfertigen Verschwendung zu steuern und sein Geld vernünftig auszugeben.
Die

-7-

�Die»WIN»-Kampagne, eine überparteiliche freiwillige Bürgerinitiative,hat
sich als ein nicht abzusehender Erfolg herausgestellt. Diese Kampagne hat
meine volle Unterstützung und verdient auch die Ihrige. Ich darf Ihnen sagen,
daß ich über 200 000 Schreiben in Unterstützung des »WIN»,-Programmes erhalten
habe - bei weitem die größte positive Reaktion der Öffent]lichkeit auf irgendetwas, was ich seit meiner Amtsübernahme getan habe.
Mir persönlich ist es egal, ob die Buchstaben WIN alls Abkürzung für
»Whip Inflation Now» (Besiege die Inflation jetzt) oder für »Work Is Needed9
(Es geht um Arbeit) stehen. Amerika braucht den Geist des Sieges, um seine gegenwärtigen wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu überwinden. Wo immer sie
herausgefordert werden, wollen Amerikaner siegen.
Wenn es unter Ihnen hier jemanden geben sollte, der von mir eine Wendung
um 180 Grad von der Bekämpfung der Inflation zu einem Anheizen der Konjunktur
erwartet, dann wird er enttäuscht sein. In Wahrheit ist Qs so, daß ich über
alle drei Übel in unserem Lande - Inflation, Rezession und Energie - zutiefst,
besorgt bin. Alle drei sind Teil der gleichen wirtschaftlichen Plage, die heute alle Industrienationen heimsucht. Ich werde diese allgemeine wirtschaftliche Erkrankung auch weiterhin mit einem ausgewogenen Programm bekämpfen. Wir
haben uns nicht und dürfen uns nicht und werden uns nicht ausschließlich auf
einen einzigen Aspekt unserer komplexen Wirtschaft konzentrieren. Wir müssen
uns auf das Gesamtbild konzentrieren.
Bisher habe ich die Verzerrungen hervorgehoben,die die Inflation hervorruft, denn der Preisauftrieb muß gedämpft werden, ehe wir realistischerweise
erwarten können, wieder zu einer Zunahme der Beschäftigung und der Kapitalinvestition zu gelangen.
Es
.8-

�Es gibt jetzt erste Signale, daß der Preisdruck nachzulassen beginnt. Ich
rechne damit, daß sich die Inflation stetig nach unten und aus dem Bereich der
untragbaren zweistelligen Zahlen herausbewegen wird.
D:.e Situation ändert sich rasch.
Nur durch verantwortungsbewußtes Handeln können wir das Vertrauen stärken
und zu einem Wiederaufschwung gelangen, ohne den angesammelten antiinflationären Schwung zu vernichten, der sich spürbar zu machen beginnt.
Ich weiß, daß der Business Council diesen Aufgaben gewachsen ist und
ich sage Ihnen auch warum: Ich erinnere mich an Ihre Geschichte. Sie und Ihre
Vorgänger sind ein Schlüsselfaktor gewesen, wenn es darum ging, die Regierung
bei der Mobilisierung der Wirtschaft im Zweiten Weltkrieg zu unterstützen.
Welch unglaubliche Leistungen haben Sie vollbracht, in Spitzenpositionen und
in der Regierung, in der Industrie und beim Militär.
Meine Herren,Sie müssen wieder mobilisieren. Diese Administration wird
ihren Teil tun, ich werde meinen Teil tun. Was das Land braucht, ist Ihre volle
Mitarbeit und Unterstützung.
Was wir brauchen ist das Zusammengehen unserer gesamten Führungsspitze in
Amerika. Wir dürfen uns nicht bei dieser Anstrengung durch selbstzerstörerischen Pessimismus aufspalten lassen.
Einer der aufrichtigsten Beobachter in Washington schrieb kürzlich in
einem Leitartikel unter der Überschrift: Die Unkenrufer: 'Die Lage ist jetzt
bedenklich und in der Automobilindustrie ist sie alarmierend, aber die Unkenrufer tragen nur zur Depressionspsychose bei und machen die Dinge noch schlimmer als sie sind.
So

-9-

�So scheinen z.B. jetzt zahlreiche Firmen aus Angst vor dem, was 1975 geschehen könnte, notwendige Anschaffungen zurückzustellen. Bei Preisen und
Löhnen besteht ein starker,nach oben gerichteter Druck, weil man glaubt, daß
der Präsident letztlich gezwungen sein wird, zu Lohn-und Preiskontrollen zu
greifen. Kurz gesagt, viele Menschen beginnen aus Angst heraus zu handeln,die
schlimmer ist als die Wirklichkeit.
Washington ist auch etwas nervös geworden. Da jeder, der Kummer hat, früher oder später hierherkommt, um zu klagen, ist man in der Hauptstadt geneigt
zu glauben, alle Leute hätten Kummer.
Es herrscht also ein gewisses Durcheinanderund jeder hält nach schmerzlosen Lösungen Ausschau und hofft, daß wir wieder dahin zurückkommen, wo wir
waren - mit billigem Benzin und 96 neuen Automodellen zur Auswahl. Aber das
ist vorbei, Leute. Diese Welt gibt es nicht mehr. Wir werden uns eine Weile
drehen und wenden müssen, aber wir sind ein sehr starkes Land und werden es
schaffen, wenn wir uns nicht in eine Katastrophenstimmung hineinreden',
Das ist das Ende dieses Zitats.
Mr. Reston hat zum Schluß mit Recht gesagt, dies sei ein sehr starkes
Land. Es begann schwach und uneinig, aber zwei Jahrhunderte später sind sowohl
unser freies Wirtschaftssystem als auch unser freies politisches System die
stärksten und beständigsten auf der Welt geworden. So lange ich Präsident bin,
werde ich dafür sorgen, daß sie es bleiben. Ich danke Ihnen".
-I- -i

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26/1974

DIE DEPRESSIONSANGST IST UNBEGRÜNDET
Von Senator William Proxmire

Als Vorsitzender des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses des amerikanischen Kongresses
ist Senator William Proxmire ein anerkannter
Fachmann für Konjunkturfragen. Der Demokrat
aus dem Staate Wisconsin, der seit 17 Jahren
dem Senat angehört, warnt vor dem Depressionsgerede und legt in dem folgenden Artikel die
grundlegenden Unterschiede zwischen der Situation in den dreißiger Jahren und den
heutigen Verhältnissen dar.

Im Kongreß wie auch in der Presse wird immer wieder von der Möglichkeit
gesprochen, daß es zu einer Depression im Stile der dreißiger Jahre kommen könne
Meinungsumfragen zeigen, daß eine sehr große Zahl von Amerikanern, die in die
Millionen geht, meint, mit einer solchen Depression rechnen zu müssen.

Alle diese Beurteilungen der Wirtschaftslage sind falsch.

Erstens ist die Möglichkeit, daß es erneut zu eirer solchen Depression
kommen könnte, außerordentlich gering. Natürlich ist nichts unmöglich.

Aber be-

trachten wir einmal die Unterschiede zwischen der Situation heute und der Situation zu Beginn der dreißiger Jahre.
Zwischer

�Zwischen 1929 und 1933 ging die Gesamtbeschäftigtenzahl in den USA um
18 Prozent zurück und in der Wirtschaft allein - ohne Landwirtschaft - betrug
der Rückgang sogar 23 Prozent.

Die Arbeitslosenquote stieg von 3,2 auf 24,9

Prozent an und jeder vierte Arbeitswillige war ohne Arbeit.

Demgegenüber ist die Arbeitslosenquote in den USA Ende 1974 von 4,5 auf
rund 6 Prozent gestiegen und sie wird sich vielleicht noch weiter auf 7,5 oder
8 Prozent erhöhen. Die Gesamtbeschäftigtenzahl ist jedoch nicht zurückgegangen,
sondern hat sogar noch zugenommen.

Im Oktober hielt sie sich weiter auf dem im

Vormonat erreichten Rekordstand; allerdings muß vielleicht im neuen Jahr mit
einem leichten Rückgang um ein oder zwei Prozent gerechnet werden.

Unsere heutige wirtschaftliche Stärke basiert auf einem stabilen Beschäftigtenstand, was bedeutet, daß die in Arbeit stehenden Männer und Frauen weiter Güter
kaufen können - und dies auch tun - und so unser Wirtschaftssystem stärken.

Das

ist die vorderste Verteidigungslinie unserer wirtschaftlichen Stabilität, aber
keineswegs die letzte.

Neben den über 86 Millionen heute in Arbeit stehenden Amerikanern erhalten
weitere 30 Millionen Zuwendungen aus der Sozialversicherung - und ihre Zahl
nimmt weiter zu. Diese Amerikaner verfügen also über feste, indexgebundene Einkünfte, die durch den Kaufkraftschwund nicht ausgehölt werden können.

Demgegenüber gab es zu Beginn der dreißiger Jahre praktisch keine Sozialversicherungsempfänger in den USA - erst gegen 1940 erhielten einige hunderttausend' Amerikaner Zuwendungen aus der Sozialversicherung,
Heute erhalten die meisten Arbeitnehmer beim Verlust ihres Arbeitsplatzes
Arbeitslosenunterstützung, die die Hälfte oder mehr ihres früheren Einkommens
ausmacht. Allerdings sind manche von ihnen so lange ohne Arbeit, daß sie
schließlich ihren Anspruch auf Unterstützung verlieren, doch beträgt die Zahl
dieser Ausgesteuerten noch keine fünf Prozent aller Arbeitslosen.

Auf der

anderen Seite kommen Arbeitslose in einzelnen Industriezweigen auf fast 95 Prozent ihrer früheren Bezüge und sie erhalten diese Zuwendungen bis zu einem Jahr
lang.

Die

�Die Depression der dreißiger Jahre nahm damals so große Ausmaße an, weil
unser gesamtes Kreditsystem lahm gelegt wurde.

Es kam zu zahlreichen Banken-

zusammenbrüchen und die Kunden fürchteten um ihre Ersparnisse

Die Einlagen

wurden abgezogen, ja der Sturm auf die Banken nahm fast panikartige Ausmaße
an.

Die Banken wiederum taktierten äußerst vorsichtig, zogen ihre Außenstände

ein und kündigten selbst ganz sichere Kredite fast über Nacht,

Dadurch wurde

die Wirtschaftstätigkeit noch mehr eingeengt.

Heute dagegen garantiert die bundesweite Einlagenversicherung allen Bankkunden die Sicherheit ihrer Bankeinlagen bis zu einer Höhe von 40 000 Dollar;
praktisch werden von diesem System 99 Prozent aller Bankeinlagen erfaßt- Ähnliche Einlagenversicherungen gibt es auch für andere Finanzierungsinstitute.
Darüber hinaus hat die Bundesbank (Federal Reserve System) dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses zugesagt, daß sie jeder solventen Bank als letzte
Hilfe mit Krediten unter die Arme greifen werde. Auf Grund all dieser Sicherheiten konnten die Geschäftsbanken in den USA ihre Kredittätigkeit ganz erheblich ausweiten.

Und sollte sich diese Kreditausweitung in den kommenden Jahren

etwas langsamer vollziehen, so ist doch klar, daß es auf Grund der Unterstützung
durch die Bundesbank zu keiner solchen Paniksituation wie in den dreißiger
Jahren und zu keiner wesentlichen Kontraktion im Kreditgeschäft kommen wird.

Eine weitere wichtige Verteidigungslinie ist das starke Engagement der
öffentlichen Hand in der Wirtschaft. Während 1930 lediglich 10 Prozent der
Wirtschaftstätigkeit auf die Öffentliche Hand entfielen, sind es heute fast
40 Prozent. Und der Prozentsatz der Arbeitnehmer - gemessen an der Gesamtbeschäftigtenzahl - die in irgend einer Form für die öffentliche Hand arbeiten,
liegt über dreimal so hoch wie 1930. Ihre Zahl wird auch in einer Rezession
im großen ganzen konstant bleiben und somit auf den Arbeitsmarkt stabilisierend
wi rken.

Aber es gibt auch andere Gründe, warum es nach einer angemessenen Zeitspanne wieder zu einem Wirtschaftsaufschwung kommen wird.

Seit dem zweiten

Weltkrieg hatten die Vereinigten Staaten fünf Rezessionen, die im Durchschnitt
jeweils neun Monate - die längste von ihnen etwas über 12 Monate - dauerten,, Die
- 3-

�Die gegenwärtige Rezession dauert bereits neun Monate an. Das bedeutet nun
nicht unbedingt, daß sie in den nächsten Monaten zu Ende sein muß; sie könnte
auch noch wesentlich länger anhalten.

Ja, sie könnte sich noch verstärken,

aber dies erscheint nach allen Erfahrungen der Vergangenheit unwahrscheinlich.
Schon verhältnismäßig begrenzte Regierungsmaßnahmen zur Förderung des Wohnungsbaus oder zur Beschleunigung dringend notwendiger Umweltprogramme könnten Millionen zusätzlicher Arbeitsplätze

schaffen und der Wirtschaft den Auftrieb

geben, den sie offensichtlich braucht.

Was nun Kontrollen - der Löhne, Preise, Zinsen oder Gewinne - anbetrifft,
so sind solche Maßnahmen unangebracht.
pulär.

Natürlich wären solche Kontrollen po-

Inflation ist ein schmerzlicher, grausamer und unsozialer Prozeß. Wir

haben Gesetze, wonach Diebstahl, Mord, Geschwindigkeitsüberschreitunggn, falsches Parken bestraft werden. Warum sollte es nicht Gesetze gegen die Inflation
und gegen Preistreiber geben?

Die Antwort ist einfach. Wir haben das versucht.

Solche Kontrollen wirken eine begrenzte Zeit - besonders in Kriegszeiten, wenn
sie durch Patriotismus untermauert werden und niemand mit einer langen Dauer
des Krieges rechnet. Aber in Friedenszeiten haben sie produktivitätsschädliche
Auswi rkungen.

Es bleibt immer die Frage, wann man sie beenden soll.

Es gibt keinen

"günstigen" Zeitpunkt dafür. Baut man die Kontrollen ab, kommt es zu einer Preisexplosion.

Sollte man also die Kontrollen auf unbegrenzte Zeit beibehalten?

Das würde bedeuten, daß politische Gesichtspunkte und nicht der Markt darüber
entscheiden, wieviel die Arbeitnehmer, Banken, Firmen, Großgrundbesitzer und Aktionäre verdienen.

Die Politiker würden die Preise für alle Güter und Dienst-

leistungen bestimmen und die Wirtschaft befände sich in einer ständigen Zwangsjacke, aus der es für unser Land auf absehbare Zeit hinaus kein Entkommen geben
würde.

Das bedeutet aber nicht, daß wir gar nichts tun sollen.

Es gibt Maßnahmen,

die der Kongreß jetzt beschließen kann und sollte. Und es gibt Maßnahmen, die
der Präsident jetzt ergreifen kann und sollte. Unbedingt notwendig ist allerdings, daß wir unsere Augen offen halten, damit unsere Wirtschaft nicht auf
ewig unter staatliche Bevormundung gerät.
+ + + + +

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26/1974

ENTSCHEIDUNGSHILFEN FÜR "PROJECT INDEPENDENCE"
Mehr als 500 Experten analysierten Energieversorgungslage der
USA bis 1985

- (AD) - "Das Ziel des Projekts 'Independence1 (Unabhängigkeit) besteht
nicht darin, die USA von der übrigen Welt zu lösen", erklärte Präsident Ford.
Es solle vielmehr die Vereinigten Staaten in die Lage versetzen, auf wirksame
Weise ihr Teil zu den weltweiten Anstrengungen beizutragen, mehr Energie zu
erzeugen.

Wenn die Weltwirtschaft nicht ruiniert werden soll, muß Energie zu

tragbaren Preisen verfügbar sein.

So könnte dieses umfassende amerikanische

Projekt zur Verwirklichung und Durchsetzung einer nationalen Energiepolitik
in den kommenden 10 bis 15 Jahren auch eine wichtige Funktion in neuen internationalen Aktionsprogrammen haben.

Die US-Energiebehörde FEA (sie wurde kürzlich erweitert und in "Bundesbehörde für Energieforschung und Entwicklung" umbenannt) nahm Anfang 1974 eine
umfangreiche Analyse der Situation und der möglichen Wege zur Überwindung der
Schwierigkeiten in der Energieversorgung in Angriff.

Im November 1974 erschien

der mehr als 300 Seiten starke Bericht, an dem über 500 Fachleute mitarbeiteten.
Er empfiehlt keine spezifischen energiepolitischen Maßnahmen. Aber er untersucht sorgfältig die Auswirkungen von vier "Hauptstrategien", die prinzipiell
als Möglichkeiten der Wahl in Frage kommen, um die Anfälligkeit der Volkswirtschaft gegen Störungen der Energieversorgung durch Importe auf ein erträgliches

- 1 -

�erträgliches Maß zu reduzieren.

Der Legislative, der Wirtschaft und der Ad-

ministration wird damit eine Arbeitsbasis für künftige Entscheidungen über Maßnahmen an die Hand gegeben, die den Energieverbrauch verringern, die Versorgung
aus einheimischen Quellen steigern, wirksame Notstandsprogramme im Falle eines
Embargos ermöglichen und - last not least - die internationalen Beziehungen
verbessern sollen.

Finanzierung

Neben der Technologie zur wirtschaftlicheren Nutzung von Energie und zur
Erschließung alternativer Energiequellen spielt natürlich die Finanzierung eine
Schlüsselrolle.

Der FEA-Bericht beziffert angesichts der Tatsache, daß seit

1950 die energiebezogenen Investitionen bei Kohle, Öl und Gas in den USA durchschnittlich 23 Prozent der Wirtschaftsinvestitionen ausmachten, das zwischen
1975 und 1985 verfügbare Kapital (in Dollars von 1973) auf 379 - 474 Milliarden
Dollar.

Jedoch schätzt Robert Holland, Mitglied des"Federal Reserve Board"

(Zentralbankenrat), daß bis zum Stichjähr 1985 zur Deckung des Energiebedarfs
in den USA 700 Milliarden Dollar investiert werden müßten.

Und da auch auf ,

anderen Gebieten steigende Investitionen erforderlich sind, wird bei der EnergieEntwicklung die Frage der Prioritäten zwangsläufig eine wichtige Rolle spielen.
Es ist anzunehmen, daß die künftige Energiepolitik in Anbetracht so mannigfaltiger Faktoren wie lokaler und regionaler Wirtschaftsstrukturen und geographischer
Gegebenheiten oder des notwendigen und wirtschaftlich vertretbaren Schutzes der
Umwelt, eher in einer Kombination der verschiedenen möglichen Hauptstrategien
denn in der Ausrichtung auf eine einzige Strategie bestehen wird.

Neue Energiequellen

Es fällt auf, daß in dem FEA-Bericht neue Energiequellen wie Ölschiefer,
Synthesegas und synthetische Treibstoffe, Sonnenenergie und geothemische Energie
nicht eingehend behandelt werden.

Der Grund ist darin zu suchen, daß erst

nach 1985 die Technologie ausreichend vervollkommnet sein wird.

Deshalb sind

�sind vorher keine nennenswerten kommerziellen Kapazitäten für die Prouktion
zu erwarten.

Eine Ausnahme bildet die Gasgewinnung aus Kohle. Der "Federal Power
Commission"

(Bundesbehörde für Elektrizitätswirtschaft) liegen mehrere An-

wendungsanträge zur Genehmigung vor, die die Einbeziehung von Synthesegas aus
Kohle in die Brennstoffwirtschaft zu wettbewerbsfähigen Preisen noch vor 1985
erlauben.

Da Kohle 95 Prozent der amerikanischen Energiereserven ausmacht,

wird jetzt mit Nachdruck an der Modifizierung der im Labor entwickelten Synthesegas-Verfahren für ihre Anwendung in Demonstrationsanlagen gearbeitet.

Im

Bundesstaat Illinois allein sind acht solcher Werke (zwei davon bereits in Betrieb)

für die Kohleumwandlung vorgesehen.

Bei synthetischen Flüssigbrennstoffen muß wahrscheinlich die Entwicklung
von "Verfahren der zweiten Generation" abgewartet werden.

Vorher erscheint

die Aufnahme einer Produktion im großtechnischen Umfang nicht gerechtfertigt.
Soweit sich dies heute übersehen läßt, dürfte diese Phase im Jahr 1985 erreicht
werden, so daß ab 1990 mit einem wesentlichen Beitrag von dieser Seite zur
Energieversorgung gerechnet-werden kann.

Die Erschließung der riesigen Ölschieferlager im amerikanischen Westen
für die Gas- und Ölgewinnung bereitet allerdings noch Schwierigkeiten.

Da ist

zunächst der hohe Wasserbedarf beim Aufschluß des Rohmaterials, das in Gebieten
liegt, wo es wenig Wasser gibt.

Die Mineralölfirmen, die in den Rocky Mountains

vier große Parzellen pachteten, werden sich zunächst noch auf Sondierungs- und
Entwicklungsprojekte konzentrieren.

Nach dem gegenwärtigen Stand der Dinge könnte bei günstigem Investitionsklima die Ausbeute um 1985 ca. 35 700 Tonnen Öl pro Tag betragen.

Jedoch dürfte

bei forcierter Entwicklung um 1985 die Tagesmenge bis um das Vierfache größer
sein.

Dabei wäre aber zu bedenken, daß die Ausweitung der Landverpachtung für

diesen Zweck auch zu einer erhöhten Salzbelastung des Colorado River führt,
was wiederum der Agrarwirtschaft in den stromabwärts gelegenen Regionen und
dem pflanzlichen und tierischen Leben im Fluß schadet.
- 3-

Die Erzeugung der not-

�notwendigen Prozeßwärme verschlechtert die Luftqualität.

Der Abbau von Öl-

schiefer in großem Umfang könnte neben der Zerstörung der Landschaft die Vegetation verändern.

Und die Bevölkerungszahl in einem heute kaum bewohnten Ge-

biet würde rapide zunehmen.

Mit einer Nutzbarmachung der Sonnenenergie zur zentralen Stromerzeugung
in Kraftwerken ist vor 1985 kaum zu rechnen.

Die amerikanische Bundesregierung

hat jedoch im Rahmen ihres Energieforschungs- und Entwicklungsprogramms (es
ist vorläufig auf 5 Jahre befristet und mit 10 Milliarden Dollar ausgestattet)
den Anteil für die Entwicklung von solaren Heiz- und Kühlanlagen für Gebäude
wesentlich erhöht.

Im Jahr 1975 erhält die Forschung 50 Millionen Dollar, 1976

werden es 75 Millionen sein.

Weitere 60 Millionen sind zur Weiterentwicklung

in den darauffolgenden Jahren reserviert, jedoch wird die entgültige Entscheidung von der dann bestehenden Situation abhängig gemacht.

Heißdampf aus der Erde

wird in Kalifornien und an einigen Plätzen im Aus-

land bereits zur Stromerzeugung genutzt. Gegenwärtig erkunden amerikanische
Ingenieurgruppen im Auftrag der Regierung und der Privatwirtschaft in anderen
Gebieten der USA die Möglichkeiten, ob bzw. die wie Erdwärme oder andere "freie
Energiequellen", z.B. Gezeiten und Wind, eingesetzt werden könnten.

Für geo-

thermäle Projekte wurden in den USA bisher 18 Parzellen auf Bundesland verpachtet.

Auch die Kernenergie zählt zu den neuen Energiequellen.

Während die kontrol-

lierte Kernfusion bestenfalls in ein paar Jahren zur Verfügung stehen könnte,
trägt in den USA die Produktion auf der Basis der Kernspaltung ca. 5 Prozent
zur Stromerzeugung bei.
um 15 Prozent steigen.

Dem FEA-Bericht zufolge soll dieser Anteil bis 1985
(Fachleute erwarten, daß im Jahr 2000 mehr als 50 Pro-

zent des Strombedarfs aus Kernkraftwerken gedeckt werden.)

Gegenwärtig sind

48 Reaktorstationen in Betrieb, 71 in Bau, 118 weitere sind für die kommenden
Jahre geplant.

Das zeitraubende Genehmigungsverfahren blockiert in vielen

Fällen die zügige Durchführung solcher Projekte.

Der
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�Der Bericht verweist darauf, daß eine forcierte Nutzbarmachung der Kernenergie möglicherweise die Qualität (infolge zu starker Erwürmung) und die
Verfügbarkeit von Wasser beeinträchtigt.

Auch aus der Standortbestimmung

könnten sich Probleme ergeben, weil die Befürchtungen wegen des Aussickerns
radioaktiver Stoffe nicht völlig ausgeräumt seien.

Das größte Umweltproblem

bei stärker Ausweitung des Atomkraftpotentials sei jedoch die langfristige Lagerung fester radioaktiver Abfälle.

Konventionelle Energiequellen

Neben der sekundären und tertiären Ausbeutung bereits erschlossener
Erdöl- und Erdgasquellen tritt die Prospektierung und Entwicklung neuer Reserven - vor allem im äußeren Schelfgebiet - immer mehr in den Vordergrund.
Da die Vereinigten Staaten gegenwärtig etwa 2,428 Millionen Tonnen öl pro Tag
verbrauchen, aber nur 1,571 Millionen Tonnen/Tag selbst produzieren, ist dies
von größter wirtschaftlicher Bedeutung.

Im Jahr 19 74 entsprach die US-Bundesregierung Pachtanträgen von Mineralölfirmen zur Erschließung von insgesamt 1,38 Millionen Hektar Fläche im Schelfgebiet; 1975 dürften weitere 5 Millionen Hektar vor den Küsten der USA freigegeben werden.

Bis 1985 ließe sich die amerikanische Tagesproduktion an Erd-

öl verdoppeln, wenn u.a.
1) die Vorkommen in Nordalaska mit einer möglichen Tagesausbeute bis zu
357 OOO Tonnen und in den militärischen Sperrgebieten mit 285 OOO Tonnen
in Anspruch genommen werden,

2) die Förderleistung vor der kalifornischen Küste auf 186 OOO Tonnen pro
Tag gesteigert und

3) vor der Atlantikküste die Förderung aufgenommen würde, wo zunächst
eine Ausbeute von 71 500 Tonnen pro Tag zu erzielen wäre.

Bevor

�Bevor jedoch Bohrungen in den äußeren Schelfgebieten niedergebracht werden,
will die US-Regierung gemeinsam mit den Anlieger-Bundesstaaten in umfassenden
Studien die möglichen Auswirkungen solcher Maßnahmen auf die gesamte Umwelt der
betreffenden Regionen untersuchen lassen.

Jede Mineralölfirma, die in Pacht-

verträge eintritt, muß sich verpflichten, das Ausquellen von Öl und die Folgeschäden mit allen erdenklichen Vorsichtsmaßnahmen zu verhindern.

Wenn dennoch

Schaden entsteht, muß Schadenersatz geleistet oder für die Säuberung gesorgt
werden.

Angesichts der riesigen Kohlevorkommen in den USA wäre eine rasche Ausweitung der Produktion - im Rahmen der versorgungs- und bergbautechnischen Möglichkeiten - ohne signifikante Kostensteigerung zu bewältigen.

Da sich aber

nicht jede Kohle für die mannigfachen Verwendungszwecke eignet und vor allem
Kohle mit hohem Schwefelgehalt besondere Probleme aufwirft, dürfte sie vorläufig
nur in relativ bescheidenem Umfang zur Steigerung der einheimischen Energieproduktion beitragen.

Unter Zugrundelegung von 11 Dollar Weltmarktpreis pro Barrel

Rohöl (159 Liter) dürfte die Förderleistung von 650 Millionen Tonnen Kohle im
Jahr 1974 auf 1085 Millionen Tonnen im Jahr 1985 erhöht werden.

(Bei einem

niedrigeren Weltmarktpreis für Öl etwa im Bereich von 7 Dollar/Barrel, wären
für 1985 ca. nur 945 Millionen Tonnen geförderte Kohle anzusetzen, da in diesem
Fall die Kraftwerke und die Industrie mehr Öl verbrauchen.)
sind auch die Kohleexporte berücksichtigt:

In diesen Zahlen

Sie lagen im Jahr 1974 bei 70 Mil-

lionen Tonnen und dürften bis 1985 auf 85 Millionen Tonnen steigen.

Die im Jahr 1970 erheblich verschärften Umweltschutzbestimmungen zur Reinhaltung der Luft verbieten in einer Reihe von Bundesstaaten praktisch die Verwendung von fast zwei Dritteln der Kohlemengen, die Heizkraftwerke verbrauchen
(1975 ca. 360 Millionen Tonnen).

Die Installierung von "scrubbers", wie in Kurz-

form Anlagen zur Rauchgasreinigung von Staub und Schwefeldioxid genannt werden,
könnte einen - vorläufig allerdings noch kostspieligen - Ausweg aus diesem
Dilemma bieten.

Bis 1977 sollen 93 solcher Anlagen in amerikanischen Kraftwerken

betriebsbereit sein.
zurück.

Sie halten 85 bis 90 Prozent der Schwefeldioxid-Emission

Allerdings muß ihr kontinuierlicher Betrieb gewährleistet sein, was

bisher noch gewisse Schwierigkeiten bereitet.
Einsparung
- 6 -

�Einsparung von Energie

Während des Ölembargos im vergangenen Winter wurden in den USA nach
Schätzungen der Bundesenergiebehörde infolge von Sparmaßnahmen 1 5 - 2 0 Prozent
weniger Kraft- und Brennstoffe verbraucht.

Wenn künftig systematisch nach Mög-

lichkeiten zur Einsparung von Energie gesucht und entsprechende Programme konsequent durchgeführt werden, dürften bis 1980 täglich Mengen im Energiewert
von 1 Million Tonnen öl, 1985 von 1,8 Millionen Tonnen öl anderweitig verwendbar werden.

Auf Initiative Präsident Fords wurden bereits Programme zur Zusammenarbeit
mit den Vertretern der verschiedenen Sektoren der Wirtschaft in die Wege geleitet.

Die Autoindustrie ist z.B. gehalten, sich in den kommenden Jahren um

eine Erhöhung der Treibstoffökonomie bei Kraftfahrzeugen zu bemühen.

In jüngster

Zeit ließ sich Bundesinnenminister Rogers C.B. Morton von Vertretern der chemischen
Industrie, der Aluminium- und Stahlindustrie, der Mineralölindustrie, der Zement-,
Papier- und Papierindustrie darüber informieren, was sie als besonders energieintensive Branchen zu unternehmen gedenken, um den Energieverbrauch rationeller
zu gestalten.

- 7-

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