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Dokumentation

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Nummer

4. Dezember 1974

25

Inhalt

INFORMATION:
Moderne Verkaufshilfen
-Ausstellung im US-Handelszentrum-

WIRTSCHAFT:
,

Präsident der US-Bundesbank fordert nachdrückliche Maßnahmen zur
Lösung des Ol-Problems
-Burns vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses-

Energie und internationale Zusammenarbeit
Von Stephen W. Bosworth
Leiter des Referates für Brennstoff und Energie im US-Außenministerium

DOKUMENTATION:
Das Gemeinsame amerikanisch-sowjetische Kommunique von Wladiwostok
-WortlautGemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu SALT
-Wortlaut-

WISSENSGHAFT UND TECHNIK:
Looping am Jupiter
-PIONIER 11 besucht zwei GroßplanetenVon Gertrud Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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25/1974

MODERNE VERKAUFSHILFEN
Ausstellung im US-Handelszentrum
--(AD)— Zwanzig amerikanische Firmen beteiligen sich an der Ausstellung "Moderne Verkaufshilfen", die vom 14. bis 17. Januar im Frankfurter US-Handelszentrum (Zürich-Haus am Opernplatz) stattfindet. Ein Teil der Aussteller ist
neu auf dem deutschen Markt und sucht hier in erster Linie Vertretungen, Lizenznehmer oder Partner für gemeinsame Projekte.
Die Amerikaner zeigen in Frankfurt unter anderem Maschinen zum Bedrucken
von Klebeetiketten, Anhängern und Heftetiketten, Geräte zum halbautomatischen
Anheften von Etiketten, Markier Stempel, ein Computer-System einschließlich Terminal, sowie tragbare Datenerfassungs-, Übertragungs-und Empfangsgeräte für
Lagerorganisation, Bestandsaufnahme, Auftrags-und Anfragenbearbeitung, BarCode-Leser und -Drucker sowie Drucker für lesbare Codes mit Eingabemöglichkeit
über Computer-Interface oder zur direkten Tastatureingabe, Klimaanlagen zur
Dachinstallation für Supermärkte etc., Aluminiumtüren für Kühl-und Lagerräume,
Kühl-und Isolieranlagen, Alarmanlagen und Diebstahlsicherungen, Verkaufsvitrinen, Ausweissysteme für Belegschaften, Reinigungsmaschinen und Wartungsgeräte
für Großläden.
Weitere Informationen und Programme durch US Trade Center,6000 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2-4, Tel.72 08 Ol, Telex: 416535

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PRÄSIDENT DER US- BUNDESBANK FORDERT NACHDRÜCKLICHE MASSNAHMEN
ZUR LÖSUNG DES ÖL-PROBLEMS
-Burns. vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des Kongresses-

WASHINGTON »-(AD)-- Der Präsident des amerikanischen Federal Reserve System
(Bundesbank), Arthur Burns, hat am 27. November vor dem Gemeinsamen Wirtschaftsausschuß des US-Kongresses nachhaltige Maßnahmen zur Lösung des Ölproblems, darunter verordnete Einsparungen, gefordert.
Wenn die Ölpreise auf der gegenwärtigen Höhe bleiben, wird nach Auffassung von Burns eine Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen
Macht in der Welt eintreten und einige Industriestaaten könnten einen wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch erleben. Alle Nationen müßten
Öl sparen und - ohne Handelsrestriktionen - eine verantwortungsbewußte Anpassung vornehmen. Die aussichtsreichste Methode, um das Ölkartell der
OPEC zu brechen, sei die Verringerung der Importe aus diesen Ländern.
Die USA und andere Importeure sollten alternative Energiequellen entwickeln und sofort verschärfte Maßnahmen zur Senkung des Ölverbrauchs ergreifen.
Im

�Im folgenden geben wir die Ausführungen des Präsidenten des Federal
Reserve System in wesentlichen Auszügen wieder:
Der Anstieg der Ölpreise hat zu einer spektakulären Steigerung des Einkommens der OPEC-Länder geführt. Allein die Vereinigten Staaten werden in
diesem Jahr für Brennstoffeinfuhren rund 27,5 Milliarden Dollar ausgeben im Gegensatz zu 8,8 Milliarden Dollar für das im wesentlichen gleiche Importvolumen im Jahre 1973. Die höheren Preise für Importöl stellen praktisch eine
schwere Besteuerung des amerikanischen Verbrauchers dar und haben auf schwächeren Binnenmärkten bereits ihre Opfer gefordert.
Während der ersten zehn Monate des Jahres 1974 haben die OPEC-Länder von
anderen Ländern rund 75 Milliarden Dollar für Ölverkäufe eingenommen, also
fast dreimal so viel wie während des ganzen Jahres 1973. Die Importe der OPECLänder sind prozentual zwar rasch angestiegen, aber sie sind weit hinter den
erhöhten Einnahmen zurückgeblieben. Als Ergebnis haben die ölerzeugenden Länder schätzungsweise einen Überschuß von 45 Milliarden Dollar an Gütern und
Dienstleistungen allein in den ersten zehn Monaten dieses Jahres erzielt. Der
größte Teil dieses Geldes ist in höchst flüssigen,kurzfristigen Papieren des
EURO-Währungsmarkt es und auf den britischen und amerikanischen Geldmärkten investiert worden.
Von den 45 Milliarden Dollar sind etwa 10,5 Milliarden Dollar in den
Vereinigten Staaten angelegt worden.
Der weit größte Anteil - etwa 16,5 Milliarden Dollar oder über ein Dritf

tel der Gesamtsumme - ist auf den EURO-Währungsmarkt gekommen. Fast alle diese Gelder sind in Form von EURO-Dollar-Einlagen angelegt, deren durchschnitt»

�durchschnittliche Laufzeit sehr kurz ist. Die Hauptempfänger dieser Einlagen
sind Banken in Großbritannien gewesen.
Während der ersten 10 Monate des Jahres 1974 stiegen die OPEC-Anlagen in
Pfund Sterling um den Gegenwert von etwa 6,5 Milliarden Dollar.
Die bisher spezifizierten OPEC-Anlagen - in den Vereinigten Staaten,
Großbritannien und auf den EURO-Währungsmärkten - belaufen sich in etwa auf
dreiviertel des Gesamtzuwachses der OPEC-Guthaben von 45 Milliarden Dollar.
Von dem restlichen Geld sind schätzungsweise 3,5 Milliarden Dollar an Regierungsinstitutionen auf dem westeuropäischen Festland und in Japan verliehen
worden.
Schuldverschreibungen, die von internationalen Finanzinstitutionen herausgegeben wurden oder Anleihen an den Internationalen Währungsfonds zur Verwendung im Rahmen der Ölfinanzierungseinrichtung

belaufen sich auf zwei

Milliarden Dollar. Weitere zwei Milliarden Dollar sind für Zuwendungen oder
Kredite an weniger entwickelte Länder entweder direkt oder durch Beiträge an
regionale Entwicklungsbanken bereitgestellt worden. Der größte Empfänger
solcher Hilfe ist wahrscheinlich Ägypten gewesen. Der verbleibende Zuwachs an
OPEC-Guthaben - auf vier Milliarden Dollar geschätzt - ist auf andere Anlagen,
einschließlich privater Papiere und Immobilien in Kontinental-Europa und in
Japan verteilt worden.
Bisher sind die gewaltigen Geldströme nach und von den OPEC-Ländern in
erster Linie - und einigermaßen gut - von Privatmärkten, vor allem Handelsbanken, aufgefangen worden. Aber es besteht kein Anlaß zur Selbstgefälligkeit
bezüglich der Zukunft.
Grob

-3-

�Grob gesprochen werden sich die Einnahmen der OPEC-Länder in einer Grössenordnung von 100 Milliarden Dollar pro Jahr belaufen, wenn sie ihre gegenwärtigen Ölexporte und -preise aufrechterhalten. Das ist das Vierfache der
Summe des'Jahres 1973. Auf der Importseite haben einige der OPEC-Länder - wie
etwa Indonesien, der Iran, Nigerien und Venezuela - eine große Aufnahmefähigkeit. Ein beträchtlicher Teil der Einnahmen der anderen Ölexporteure - vor
allem Saudi-Arabien und die Staaten des Persischen Golfes - werden jedoch in
naher Zukunft nicht für zusätzliche Importe ausgegeben werden. Die beiden anderen entscheidenden Faktoren im Gesamtbild - der Strom von Investitionserträ«=
gen nach den OPEC-Ländern und der Transfer von Mitteln aus den OPEC-Ländern
nach weniger entwickelten Ländern - spielen bisher noch eine geringe Rolle im
Vergleich zu dem Strom der Öleinnahmen. Während der künftige Umfang der von
den OPEC-Ländern geleisteten Hilfe ungewiß ist, versprechen jedoch ihre Investitionserträge mit einer sehr raschen Rate anzuwachsen.
All dies deutet auf sehr große OPEC-Überschüsse hin, die im Jahre 1975
etwa in der Größenordnung von 55 bis 60 Milliarden Dollar liegen dürften, bei
50 Milliarden Dollar im Jahre 1976 und noch mindestens für fünf weitere Jahre
sehr groß sein dürften. Diesen Überschüssen würde praktisch die Anhäufung
eines gewaltigen Schuldenberges der öl importierenden Länder gegenüberstehen
- es sei denn, der Ölpreis geht herunter oder die Verbraucherländer unternehmen wesentliche Schritte, um ihre Abhängigkeit vom Importöl zu verringern...
Die Tatsache, daß die "Recycling"-Techniken in den Vordergrund des Interesses gerückt sind, hat die bedauerliche Nebenwirkung gehabt, die Aufmerk»
samkeit von der fundamentalen Notwendigkeit abzulenken, den Ölpreis herunterzubekommen. Wenn dies nicht geschieht, dann ist es äußerst fraglich, ob die

�die durch den gewaltigen Anstieg des Ölpreises hervorgerufenen finanziellen
Probleme überhaupt in den Griff zu bekommen sind. Praktisch gesehen bedeutet
"Recycling" nichts weiter, als daß die öl importierenden Länder immer tiefer
in Schulden geraten werden. Wenn man Schulden auf Schulden häuft - oder, realistischer gesprochen, fragwürdige Schulden auf gute Schulden häuft - dann
kann dies nicht unendlich weitergehen noch sollte es unendlich weitergehen.
Wenn der Ölpreis in etwa auf dem gegenwärtigen Stand bleibt - und es
gibt in OPEC-vLändern immer wieder Bemühungen, ihn noch höher zu setzen - dann
wird dies eine massive Umverteilung der wirtschaftlichen und politischen Macht
unter den Ländern der Welt bedeuten. Das allein schon birgt Gefahren für die
Zukunft unseres Landes.
Es liegt auf der Hand, daß in dem Maße, in dem die finanziellen Guthaben
in den Händen der OPEC-Länder wachsen, der Schuldendienst für diese Guthaben
wachsen wird. Die Last der künftigen Rückzahlung wird wachsen. Darüber hinaus
wird in dem Maße, in dem die Möglichkeit für die Verlagerung von Einlagen von
einer Bank zu einer anderen wächst, die Anfälligkeit der Finanzinstitutionen
hier und dort zunehmen. Das gleiche könnte für Devisenmärkte gelten, wenn
Mittel abrupt bewegt und in großem Ausmaß von einer Währung in eine andere
transferiert werden. Man kann diese Gefahren natürlich leicht übertreiben,
aber sie können nicht außer acht gelassen werden. Ebenso wenig dürfen wir die
Möglichkeit ignorieren, daß dies oder jenes andere Industrieland, das sich
bereits in einer geschwächten Position befindet, nicht mehr in der Lage wäre,
sich in ausreichendem Maße an den belastenden Ölpreis anzupassen und als Ergebnis einen wirtschaftlichen und politischen Zusammenbruch erleiden würde...
Die
-5-

�Die finanzielle Klugheit setzt der Bereitschaft der Banken Grenzen, sich
auf große,zinsbringende und potentiell sehr bewegliche Einlagen einer relativ kleinen Zahl von Kunden zu stützen. Banken müssen darauf aus sein, daß die
Laufzeitstruktur ihrer Guthaben und Verpflichtungen nicht ihre Liquidität ge~
fährdet. Sie müssen darauf aus sein, daß sie nicht in zu hohem Maße einem einzelnen Land ausgeliefert sind. Sie müssen darauf aus sein, daß das Verhältnis
ihres Kapitals zu ihren Verpflichtungen sich nicht negativ entwickelt. Die in
der Öffentlichkeit wohlbekannten Schwierigkeiten einiger Banken, die sich
stark in internationalen Finanzgeschäften engagiert haben, haben als Warnung
gedient, die die Bankiers nicht übersehen haben. Und auch ihre Aufsichtsbehörden haben nicht gänzlich geschwiegen.
Es liegt daher auf der Hand, daß die Klugheit gebietet, daß Banken die
Rolle des Zwischenträgers für die Ströme von Ölgeld nicht in dem Umfang fortsetzen können, wie dies in der jüngsten Vergangenheit geschehen ist. In dem
Maße, in dem Banken sich in den Grenzen einer verantwortungsbewußten Mittlerrolle bewegt haben, haben sie sogar begonnen, die Zinssätze zu senken, zu denen sie große neue Einlagen auf kurzfristiger Basis akzeptierten. In den
jüngsten Monaten haben die OPEC-Länder keinen so großen Anteil ihrer Guthaben
mehr in die EURO-Währungsmärkte eingebracht wie sie dies im ersten Halbjahr
1974 getan haben. Und es gibt gewisse Hinweise auf eine größere Streuung von
OPEC-Guthaben auf verschiedene Länder.
Es ist jedoch noch keine große Verlagerung auf langfristige Anlagen durch
die OPEC-Länder eingetreten. Wie bereits festgestellt, bestehen die meisten
ihrer Einlagen weiterhin in kurzfristigen Anlagen,,,., Als große und immer bedeutendere Kreditoren müssen sie ein zunehmendes Interesse an der internationalen Finanzstabilität haben und sie sollten dazu beitragen, indem sie sich

�sich rascher entschließen, langfristige Anlagen zu erwerben. Eine weitere Senkung der Zinssätze für große kurzfristige Einlagen dürfte eine solche Bewegung beschleunigen.
Aber selbst dann bietet die Lage der Länder, deren schwache Finanzposition es ihnen unmöglich macht, auf internationalen Geldmärkten zu leihen, weiterhin großen Anlaß zur Sorge. Wenn den Ländern in einer schwachen Finanzsituation keine Hilfe gewährt wird, dann könnten sie dazu getrieben werden, eine
Handelspolitik auf Kosten der Nachbarn einzuschlagen und damit würden die internationalen Handelsbeziehungen gestört. Sie könnten zu einer exzessiv knappen Binnenpolitik getrieben werden mit der Drohung einer anhaltenden Rezession
und Störung der politischen Ordnung. Und in ihrer verzweifelten Not könnten
sie versucht sein, sich dem politischen Willen ölexportierender Länder zu
beugen, um Kredite zu erhalten.
Es liegt daher im Interesse der Vereinigten Staaten und der gesamten Ge
meinschaft der Industrieländer, daß wir Institutionen entwickeln, um die finanziellen Belastungen zu erleichtern, die auf das eine oder andere dieser Länder
zukommen könnten. Wenn die schwächeren Länder

ungeschützt ihrer Ölrechnung

ausgesetzt werden, dann könnten sie zu Sonderabmachungen mit ölproduzierenden
Ländern gezwungen sein. Solche Abmachungen könnten die Verhandlungsposition
der ölverbrauchenden Länder unterlaufen und den Tag hinauszögern, an dem die
gegenwärtigen exorbitanten Ölpreise gesenkt werden...
Der amerikanische Vorschlag für einen neuen Finanzmechanismus, der zusammen mit der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) ausgearbeitet werden soll, würde den beteiligten Ländern, die - nachdem

-7-

�nachdem sie ihrerseits alle denkbaren Anstrengungen zur Bewältigung ihrer
Ölimport-und Zahlungsbilanprobleme unternommen haben, in Schwierigkeiten geraten, einen finanziellen Beistand bieten. Der Vorschlag zielt darauf ab, die
Zusammenarbeit unter ölimportierenden Ländern zu fördern und den vernünftigen
Dialog mit den ölexportierenden Ländern zu erleichtern. Er soll nicht dazu dienen, den privaten Markt und andere offizielle Kanäle wie etwa den Internationalen Währungsfonds zu ersetzen, sondern diese Einrichtungen ergänzen.
Im Hinblick auf diese Sicherheit sollten die beteiligten Länder kooperative Anstrengungen unternehmen, um die Abhängigkeit von Ölimporten zu verringern. Sie sollten sich ferner verpflichten, eine verantwortungsbewußte Anpassungspolitik zu verfolgen, und zwar unter Vermeidung von Handelsrestriktionen.
Die Einrichtung könnte durch direkte Beiträge der beteiligten Regierungen oder
durch Kreditgarantien finanziert werden, wobei das Kreditrisiko aufgeteilt würde. Für eine Beteiligung der Vereinigten Staaten wird auf jeden Fall die Erteilung einer Vollmacht durch den Kongreß notwendig sein.
Das von der Administration vorgeschlagene Programm hat also zum Ziel ,die
wichtigen ölverbrauchenden Länder zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammenzubringen. Es hat zwei Hauptaspekte: Zusammenarbeit zur Verringerung der Abhängigkeit von Importöl und finanzielle Zusammenarbeit.

Finanzielle Zusammenar-

beit allein reicht nicht. Selbst bei einer ordnungsgemäßen Finanzierung der
Defizite bleibt doch weiterhin die gewaltige Last des Schuldendienstes und
der schließlichen Rückzahlung. Die finanzielle Zusammenarbeit mag den Übergang
erleichtern, aber sie bietet keine Antwort auf die höchst beunruhigende Frage
"Übergang zu was?".
Das

-8-

�Das fundamentale Problem ist die gewaltige Ölrechnung der importierenden
Länder und eine fundamentale Lösung erfordert eine Senkung des Ölpreises. Das
OPEC-Kartell wird nicht ewig bestehen und der vielversprechendste Weg, es zu
brechen oder zu schwächen, besteht darin, Veränderungen im Verhältnis von
Nachfrage und Angebot auf dem Ölmarkt herbeizuführen. Einige Veränderungen in
diesem Verhältnis finden bereits statt. Die 'Jberschußkapazität der Ölerzeuger
ist heute bereits sehr viel größer als im vorigen Jahr. In Bolivien, China,
Malaysia und Mexiko, um nur einige Länder zu nennen, sind neue Ölvorkommen
entdeckt worden. Die bestätigten Ölvorkommen in der Nordsee haben sich im
letzten Jahr verdoppelt. In den Vereinigten Staaten ist das Potential der Ölfelder im Küstenvorfeld gewaltig. Der hohe Preis regt also zur Suche nach neuen Ölfeldern an und auch zur Entwicklung von Kohle-und Nuklearenergie sowie
zur Entwicklung von alternativen Energiequellen.
Während die Auswirkungen dieser Anpassungen auf die Versorgungsseite
nicht sofort sichtbar werden, finden bereits unmittelbare Anpassungen auf der
Nachfrageseite statt. Der Ölverbrauch in den Importländern wird dieses Jahr
etwa drei Prozent unter dem des Vorjahres liegen. Eine Reihe von Ländern hat
in jüngster Zeit die Maßnahmen zur Einsparung von Öl intensiviert. Frankreich
hat eine Grenze für die Ausgaben für Ölimporte gesetzt. Im neuen britischen
Haushalt wird die Benzinsteuer erneut erhöht, und als Folge davon werden die
britischen Autofahrer jetzt etwa 1,20 Dollar für die Gallone bezahlen müssen.
Die Vereinigten Staaten verbrauchen rund 30 Prozent der Weltölerzeugung.
Zum Teil aus diesem Grund und zum Teil wegen unserer strategischen Rolle in
der

Welt erwarten andere Länder von uns Führung. Die Administration hat

-9-

�hat andere Industriestaaten eingeladen, zusammen mit uns eine nachhaltige
Anstrengung zu unternehmen, um mit dem ersten Ölproblem fertig zu werden. Wir
sollten jetzt das unsrige tun, indem wir entschlossener handeln, um Energie
zu sparen,indem wir gezielter handeln, um im eigenen Lande Alternativen zum
Importöl zu entwickeln, und indem wir unsere Anfälligkeit gegenüber der Drohung eines Embargos durch die Erhöhung unserer Lagerkapazität verringern.
Im Oktober dieses Jahres hat der Präsident eine Reihe von Vorschlägen
unterbreitet,um Energie zu sparen und alternative Quellen im eigenen Lande zu
entwickeln....
Das Sofortziel des Programms war die Erreichung einer Senkung des Ölverbrauchs um eine Million Barrel pro Tag bis 1975. Die Vorschläge des Präsidenten verdienen die nachhaltige Unterstützung durch den Kongreß und die Öffentlichkeit.
Obwohl das Programm des Präsidenten den Nachdruck auf freiwilliges Handeln legt, sollte nicht vergessen werden, daß er angedeutet hat, daß in Zukunft einschneidende Maßnahmen zur Verringerung der Abhängigkeit vom Importöl notwendig werden könnten. Im Hinblick auf den Ernst der internationalen
Energiesituation bin ich der Auffassung, daß sofort mit der Vorausplanung für
schärfere Maßnahmen zur Verringerung des Verbrauchs im eigenen Lande begonnen
werden sollte. Zu diesen Maßnahmen könnte eine fühlbare Besteuerung von Benzin
oder Importöl oder von Automobilen nach Gewicht und PS-Zahl gehören...

Die

-10-

�Die Politik, für die ich heute hier eingetreten bin,ist eine Politik
der Sparsamkeit. Ich bin mir darüber im klaren, daß sie klug und vorsichtig
durchgeführt werden muß - wenn möglich ohne Verschärfung der Rezessionstendenzen, die sich in unserer Wirtschaft bereits zeigen. Wenn wir die Dinge
treiben lassen, dann, so fürchte ich, könnte dies zu einem stetigen Abstieg
der wirtschaftlichen und politischen Macht unseres Landes in einer äußerst
unruhigen Welt führen.

(U.S.Information Service,
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ENERGIE UND INTERNATIONALE ZUSAMMENARBEIT
Von Stephen W. Bosworth
Leiter des Referates für Brennstoff und Energie im US-Außenministerium

Die wechselseitige Abhängigkeit, d.h. die Interdependenz in der
Weltwirtschaft ist im letzten Jahr auf schmerzliche Weise sichtbar geworden. Das jüngste Olembargo hat eine Reihe von Entwicklungen ausgelöst,
die direkte Auswirkungen auf Industriestaaten wie Entwicklungsländer hatten.
Im Dezember 1973, auf dem Höhepunkt des Embargos, lag die Olförderung der arabischen Länder um 24 Prozent unter dem Stand vor Beginn der
Einschränkungen. Obwohl der Rückgang, auf die gesamte Olförderung der Welt
bezogen, noch keine 8 Prozent ausmachte, bekamen alle Industriestaaten
- auch die Vereinigten Staaten - die Auswirkungen in Form von rückläufiger
Gütererzeugung und steigender Arbeitslosigkeit zu spüren.
Gleichzeitig begann die Veränderung des Verhältnisses zwischen Angebot und Nachfrage auf den internationalen Ölmärkten - die bereits Ende
der sechziger Jahre eingesetzt hatte - aufgrund von Marktstörungen und
hieraus resultierenden Unstimmigkeiten zwischen den Ölimporteuren immer

�4

i

immer größere Ausmaße anzunehmen. Die Ölerzeuger machten sich diese Uneinigkeit der Verbraucher zunutze und nahmen über die Organisation der Erdöl exportierenden Länder (OPEC) eine Reihe massiver Preiserhöhungen vor. Im Januar 1974 lagen die Ölpreise um rund 400 Prozent über dem Stand vom Januar
1973, und sie sind seitdem das ganze Jahr hindurch weiter gestiegen.
Diese massiven und plötzlichen Preiserhöhungen haben für die Weltwirtschaft eine Reihe ernster Probleme geschaffen:
-«• die bereits zu hohe Inflationsrate zog noch weiter an;
-- praktisch alle Industriestaaten und Entwicklungsländer wiesen hohe
Zahlungsbilanzdefizite auf;
-- die privaten Finanzmärkte wurden starken Belastungen ausgesetzt;
-- und, was vielleicht am schwersten wog, im internationalen Wirtschaftsklima machte sich eine große Unsicherheit bemerkbar.
Die starke Abhängigkeit vom Importöl bedeutete eine wirtschaftliche und
politische Anfälligkeit, die einfach nicht mehr tragbar-war. Die amerikanische
Reg ierung hat daher ein

Reihe binnenwirtschaftlicher und internationaler

Initiativen ergriffen mit dem Ziel, diese Anfälligkeit zunächst einmal einzugrenzen und dann zu verringern.
Die Vereinigten Staaten stehen gegenwärtig im Begriff, ein nationales
Energieprogramm auszuarbeiten, das die Abhängigkeit vom Importöl in den kommenden Jahrzehnten ganz wesentlich verringern wird. Das kurzfristige Ziel ist
die Verringerung der Ölimporte um 1 Million Barrel pro Tag bis Ende 1975.
Langfristig wollen die Vereinigten Staaten bis zum Jahre 1985 die Ölimporte
sogar auf 1 Millium Barrel pro Tag senken - gegenüber gegenwärtig über
6 Millionen Barrel pro Tag. Um dieses Ziel zu erreichen, müssen die Vereinig-

2-

�Vereinigten Staaten ihre großen einheimischen Ol-, Kohle- und sonstigen Energiequellen mobilisieren. Gleichzeitig muß die Wachstumsrate des Energieverbrauchs der gesamtwirtschaftlichen Wachstumsrate angepaßt werden.
Anfang 1975 wird der Präsident auf eine Reihe umfassender politischer
Empfehlungen zurückgreifen können, die bis dahin aus dem Entwurf für das
"Projekt Unabhängigkeit" erarbeitet sein werden. Hohe Prioritäte in der im
Januar beginnenden neuen Sitzungsperiode des Kongresses wird der Verabschiedung von Gesetzen zukommen, die die Energiepolitik der USA in den kommenden
Jahrzehnten bestimmen werden.
Im Verlauf der letzten 12 Monate war klar geworden, daß wohl kaum ein
Land über eine ausreichende Machtposition auf den internationalen Olmärkten
verfügt, um einseitig eine Lösung der Ölkrise zu erreichen. Nur durch umfassende internationale Zusammenarbeit - zunächst zwischen den Verbraucherländern und dann zwischen Verbrauchern und Erzeugern - kann eine ausreichende
Energieversorgung zu vernünftigen Preisen sichergestellt werden.
Als direktes Ergebnis der Washingtoner Energiekonferenz vom Februar
dieses Jahres haben die Vereinigten Staaten und 15 weitere große Ölverbraucherländer ein Abkommen über die Schaffung eines Internationalen Energieprogrammes (IEP) unterzeichnet. Dieses Programm, das von der als autonome Institution innerhalb der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und
Entwicklung (OECD) geschaffenen neuen Internationalen Energiebehörde verwaltet wird, stellt einen bedeutenden Schritt in Richtung auf eine wirksame Zusammenarbeit der Verbraucherländer in Energiefragen dar.
Das

-3-

�Das Programm besteht aus zwei wichtigen Teilen, die sich beide mit dem
Problem der Abhängigkeit vom Importöl befassen: Einmal geht es kurzfristig
um eine Krisenvereinbarung und zum anderen langfristig um ein gemeinsames
Vorgehen.
Die sich an dem Programm beteiligenden Länder haben ein integriertes
Krisenprogramm vereinbart, um, falls es dazu kommen sollte, auf jede künftige Unterbrechung der Ölversorgung vorbereitet zu sein und dann handeln zu
können. Dieses Krisenprogramm enthält drei Zusagen der beteiligten Länder,
die in einem engen Zusammenhang zueinander stehen:
»- Erstens, diese Länder werden einen gemeinsamen Grad der Selbstversorgung in Krisenfällen festlegen, der sich

jeweils nach ihrem Potential rich-

tet, ohne Importe auskommen zu können. Sie werden dieser Zusage im allgemeinen durch Anlegen von Ölvorräten entsprechen.
-- Zweitens, diese Länder haben vereinbart, Programme zur Einschränkung der
Nachfrage zu entwickeln, so daß sie im Falle einer Unterbrechung der Versorgung unverzüglich den Ölverbrauch um eine gemeinsame Rate senken können.,
-- Und drittens, diese Länder haben beschlossen, das verfügbare Öl
- d.h. die einheimische Förderung und die weiterlaufenden Importe - im Falle
einer Krise der Gruppe zur Verfügung zu stellen, um die Ausfälle proportional
auf die Mitglieder aufzuteilen. Dieses System wird im Falle eines allgemeinen
Embargos wie auch eines selektiven, nur gegen ein oder zwei Mitglieder der
Gruppe gerichteten Embargos angewandt werden.
Damit besitzen wir jetzt einen Rahmen für eine Solidarität der Verbraucher, so daß wir uns bei einer erneuten Unterbrechung der Versorgung in einer
weitaus besseren Position befinden werden. Wir müßten dadurch eine Aushöhlung

�Aushöhlung unserer politischen und wirtschaftlichen Beziehungen, wie dies bei
dem kürzlichen Embargo der Fall war, vermeiden können.
Bei dem Krisenprogramm, so nötig dies auch ist, handelt es sich jedoch
im Grunde nur um eine kurzfristige Politik, die Sicherheit geben soll. Daher
haben sich die Mitgliedsstaaten der neuen Energiebehörde ferner verpflichtet,
gemeinsame langfristige Anstrengungen zu unternehmen, um ihre Abhängigkeit
vom Importöl für immer zu verringern.
Den nationalen Programmen, wie zum Beispiel dem amerikanischen"Projekt
Unabhängigkeit" muß dabei die Hauptaufgabe zufallen. Doch ist es notwendig,
daß solche Programme im Rahmen einer multilateralen Zusammenarbeit erfolgen.
Von einem Land auf dem Energiesektor durchgeführte Programme wirken sich ganz
zwangsläufig auch auf andere Länder aus. Daher hat die Internationale Energiebehörde ein umfassendes Programm für eine langfristige Zusammenarbeit bei der
Energieeinsparung, der Erschließung neuer Energiequellen, der Energieforschung und -entwicklung sowie der Urananreicherung aufgenommen.
Zwar liegt der Schwerpunkt bei der Schaffung eines Rahmens für eine Zusammenarbeit der Verbraucherländer, doch haben die Vereinigten Staaten gleichzeitig auch ihren Dialog mit den Erzeugerländern zu verstärken gesucht. Es wurden bilaterale Kommissionen mit bestimmten Energieexportländern, vor allem im
Nahen Osten, gebildet. Diese Kommissionen haben neue Beziehungen auf Gebieten
wie Investitionen, Handel, Technologie, Wissenschaft und Kultur angebahnt.
7AP\

dieser Kommissionen war es, den Bestrebungen dieser Länder durch Entgegen-

kommen auf anderen Bereichen zu entsprechen. Die Vereinbarungen selbst gereichen beiden Seiten zum Vorteil und sollen die Beziehungen auf anderen Handelsgebieten fördern.

Darüber

�i
Darüber hinaus haben sich die Vereinigten Staaten verpflichtet,mit den
anderen Verbraucherländern in der Internationalen Energiebehörde zusammenzuarbeiten, um die Beziehungen zu den Erzeugerländern zu verbessern. Die Erzeugerländer müssen sich jedoch mehr als bisher darüber klar sein, welche schwerwiegenden Auswirkungen die hohen Olpreise und die Unterbrechung der Versorgung
auf die Weltwirtschaft haben. Sie müssen ferner begreifen, daß alle Länder
-Ölexporteure wie Ölimporteure - ein entscheidendes Interesse an Stabilität
und Prosperität der Weltwirtschaft haben müssen.
Nach Ansicht der Vereinigten Staaten schließt die wachsende Zusammenarbeit der Verbraucherländer im Rahmen des internationalen Energieprogramms in
keiner Weise eine Zusammenarbeit mit den weniger entwickelten Verbraucherländern oder den Ölerzeugern selbst aus. Das Krisenprogramm ist defensiver und
nicht offensiver Natur.
Die Vereinigten Staaten und die übrigen Mitgliedsstaaten des Internationalen Energieprogramms wollen genau das erreichen, was verschiedene Erzeugerländer ihnen nahegelegt haben, nämlich Energie sparen und gleichzeitig die
Entwicklung alternativer Energiequellen beschleunigen.

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25/1974

DAS GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE KOMMUNIQUE VON WLADIWOSTOK
- Wortlaut -

WLADIWOSTOK —(AD)-- Im Anschluß an das Treffen zwischen dem amerikanischen
Präsidenten Gerald R. Ford und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der
KPdSU, Leonid I. Breschnew, am 23. und 24. November in der Nähe von Wladiwostok wurde am 24. November folgendes gemeinsame amerikanisch-sowjetische
Kommunique veröffentlicht:
In Übereinstimmung mit dem früher bekanntgegebenen Übereinkommen fand
am 23. und 24. November 1974 in der Nähe von Wladiwostok ein Arbeitstreffen
zwischen dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika, Gerald R. Ford
und dem Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L.I.Breschnew, statt.
An den Gesprächen nahmen teil der Außenminister der Vereinigten Staaten von
Amerika und Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit,
Henry A. Kissinger, und das Mitglied des Politbüros des Zentralkomitees der
KPdSU und Außenminister der UdSSR, A.A. Gromyko.
Sie erörterten einen weiten Bereich von Fragen bezüglich der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen und der gegenwärtigen internationalen Lage.
An

�An den Gesprächen nahmen ferner teil:
auf amerikanischer Seite: Walter J. Stoessel, Botschafter der USA in der
UdSSR; Helmut Sonnenfeldt, Leiter der Rechtsabteilung des amerikanischen Aussenministeriums; Arthur A. Hartman, Unterstaatssekretär für Europäische Angelegenheiten; Generalleutnant Brent Scowcroft, Stellvertretender Berater des
Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit; und William Hyland, Leitender Bediensteter des amerikanischen Außenministeriums;
auf sowjetischer S-ite: A. Dobrynin, Botschafter der UdSSR in den USA;
A.M. Alexandrow, Berater des Generalsekretärs des Zentralkomitees der KPdSU;
und G.M. Kornijenko, Mitglied des Kollegiums des Außenministeriums der UdSSR.

I.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Sowjetunion bekräftigen ihre
Entschlossenheit, ihre Beziehungen in der Richtung weiter zu entwickeln, wie
sie in den fundamentalen gemeinsamen Entschließungen und Grundverträgen sowie
Abkommen zwischen den beiden Staaten in den letzten Jahren festgelegt worden
sind.
Sie sind überzeugt, daß der Kurs der amerikanisch-sowjetischen Beziehungen, der auf die Stärkung des Weltfriedens, die Vertiefung des Abbaus der internationalen Spannungen und die Ausweitung einer beiderseits vorteilhaften
Zusammenarbeit von Staaten unterschiedlicher Gesellschaftssysteme ausgerichtet
ist, den Lebensinteressen der Bevölkerung beider Staaten und anderer Völker
entspricht.
Beide Seiten sind der Ansicht, daß auf der Grundlage der zwischen ihnen
erreichten Abkommen bei der fundamentalen Neugestaltung der amerikanisch-2-

�ft
amerikanisch-sowjetischen Beziehungen auf der Basis der friedlichen Koexistenz
und der gleichen Sicherheit wichtige Ergebnisse erzielt worden sind. Diese Ergebnisse bilden eine feste Grundlage für Fortschritte in der Neugestaltung
der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen.
Dementsprechend haben sie die Absicht, ohne in der Schwungkraft nachzulassen die Ausweitung des Ausmaßes und der Intensität ihrer kooperativen Anstrengungen auf allen Gebieten fortzusetzen, wie dies in den Abkommen niedergelegt ist, die sie unterzeichnet haben, damit der Prozeß der Verbesserung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR ohne Unterbrechung
andauern und nicht mehr umkehrbar sein wird.
Es wurde beiderseits die Entschlossenheit zum Ausdruck gebracht, die gegenseitigen Verpflichtungen strikt und voll einzuhalten, die von den Vereinigten Staaten und der UdSSR in Übereinstimmung mit den zwischen ihnen abgeschlossenen Abkommen und Verträgen eingegangen worden sind.

II.
Besondere Aufmerksamkeit wurde im Verlaufe der Gespräche einem Angelpunkt der sowjetisch-amerikanischen Beziehungen geschenkt: Maßnahmen zur Beseitigung der Drohung eines Krieges und zur Beendigung des Wettrüstens.
Beide Seiten bekräftigen, daß die zwischen den Vereinigten Staaten und
der UdSSR erreichten Abkommen über die Verhütung eines Nuklearkrieges und die
Begrenzung der Strategischen Rüstungen ein guter Anfang in dem Prozeß sind,
Garantien gegen den Ausbruch eines nuklearen Konfliktes und eines Krieges
allgemein zu schaffen. Sie brachten ihre tiefe Überzeugung zum Ausdruck, daß
es notwendig ist, diesen Prozeß voranzutreiben, und äußerten die Hoffnung,

-3-

�»

I
Hoffnung, daß andere Staaten ebenfalls dazu beitragen werden. Die Vereinigten
Staaten und die UdSSR ihrerseits werden weiterhin nachhaltige Anstrengungen
unternehmen, um diese historische Aufgabe zu erfüllen.
Eine gemeinsame Erklärung zur Frage der Begrenzung strategischer Offensivwaffen wird getrennt herausgegeben.
Beide Seiten unterstrichen erneut die Bedeutung und Notwendigkeit einer
ernsthaften Anstrengung zur Verhütung der Gefahren, die mit der Ausbreitung
von Nuklearwaffen in der Welt verbunden sind. In diesem Zusammenhang unterstrichen sie die Bedeutung einer Erhöhung der Wirksamkeit des Vertrages über
die Nichtweiterverbreitung von Nuklearwaffen.
Es wurde festgestellt, daß in Übereinstimmung mit früheren Abkommen erste
Kontakte zwischen Vertretern der Vereinigten Staaten und der "dSSR über Fragen hergestellt worden sind, die mit unterirdischen Nuklearexplosionen für
friedliche Zwecke, Maßnahmen zur Überwindung der Gefahren einer Anwendung von
Techniken zur Veränderung der Umwelt für militärische Zwecke sowie Maßnahmen
zu tun haben, die sich mit den gefährlichsten tödlichen Mitteln der chemischen
Kriegführung befassen. Es wurde vereinbart, die aktive Suche nach beiderseits
akzeptablen Lösungen dieser Fragen fortzusetzen.

III.
Im Verlauf des Treffens fand ein Meinungsaustausch über eine Reihe von
internationalen Fragen statt: besondere Aufmerksamkeit wurde den bereits in
Gang befindlichen Verhandlungen geschenkt, an denen beide Seiten beteiligt
sind und die dazu dienen sollen, bestehende Ursachen der Spannungen zu besei-

-4-

�beseitigen und die

Stärkung der internationalen Sicherheit und des Weltfrie-

dens herbeizuführen.
Nach einer Erörterung der Situation auf der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa kamen beide Seiten zu dem Schluß, daß die Möglichkeit für einen baldigen erfolgreichen Abschluß dieser Konferenz besteht.
Sie gehen von der Annahme aus, daß die im Laufe der Konferenz erzielten Ergebnisse ihren Abschluß auf höchster Ebene erlauben werden, und damit ihrer Bedeutung für die Sicherung der friedlichen Zukunft Europas entsprechen werden.
Die Vereinigten Staaten von Amerika und die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken messen ebenso den Verhandlungen über eine beiderseitige Verringerung von Streitkräften und Rüstungen sowie damit zusammenhängenden Maßnahmen in Mitteleuropa große Bedeutung bei. Sie stimmen darin überein, aktiv
zur Suche nach beiderseits akzeptablen Lösungen auf der Basis des Grundsatzes
unverminderter Sicherheit für jeden der Beteiligten und der Verhinderung von
einseitigen militärischen Vorteilen beizutragen.
Nach Erörterung der gegenwärtigen Lage im östlichen Mittelmeer erklären
beide Seiten ihre feste Unterstützung der Unabhängigkeit, Souveränität und
territorialen Integrität von Zypern und werden jede Anstrengung in dieser Richtung unternehmen. Sie sind der Auffassung, daß eine gerechte Lösung der Zypernfrage auf der strikten Durchführung der Resolutionen beruhen muß, die vom
Sicherheitsrat und der Vollversammlung der Vereinten Nationen bezüglich Zyperns
gefaßt worden sind.
Im Verlaufe ihres Meinungsaustauschs über den Nahen Osten brachten beide
Seiten ihre Besorgnis über die gefährliche Lage in dieser Region zum Ausdruck.

-5-

�Ausdruck. Sie bekräftigten ihre Absicht, alle Anstrengungen zu unternehmen,
um eine Lösung der Schlüsselfragen eines gerechten und dauerhaften Friedens
in diesem Gebiet auf der Grundlage der Resolution Nr. 338 der Vereinten Nationen zu fördern, wobei die legitimen Interessen aller Völker des Gebietes einschließlich des palästinensischen Volkes, und die Achtung des Rechtes auf unabhängige Existenz für alle Staaten in dem Gebiet berücksichtigt werden sollen.
Beide Seiten sind der Überzeugung, daß die Genfer Konferenz eine wichtige
Rolle bei der Herstellung eines gerechten und dauerhaften Friedens im Nahen
Osten spielen und ihre Arbeit so bald wie möglich wieder aufnehmen sollte.

IV.
Der Stand der Beziehungen wurde auf dem Felde der kommerziellen, wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und technischen Bindungen zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken überprüft. Beide Seiten bestätigten die große Bedeutung, die ein weiterer
Fortschritt auf diesen Gebieten für die sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
haben würde, und brachten ihre feste Absicht zum Ausdruck, die Ausweitung und
Vertiefung der beiderseits vorteilhaften Kooperation fortzusetzen.
Beide Seiten unterstrichen die besondere Bedeutung, die sie der Entwicklung einer langfristigen Basis für die kommerzielle und wirtschaftliche Zusammenarbeit beimessen, einschließlich beiderseits nützlicher Großprojekte.
Sie sind der Überzeugung, daß eine derartige kommerzielle und wirtschaftliche
Kooperation der Sache einer Stärkung der Stabilität der sowjetisch-amerikani-

-6-

�amerikanischen Beziehungen dienen wird.
Beide Seiten stellten mit Befriedigung den Fortschritt in der Durchführung
von Abkommen und bei der Entwicklung der Bindungen und der Kooperation zwischen
den Vereinigten Staaten und der UdSSR auf den Gebieten der Wissenschaft, Technologie und Kultur fest. Sie sind überzeugt, daß die weitere Expansion einer
derartigen Zusammenarbeit den Völkern beider Länder zugutekommen und ein wichtiger Beitrag zur Lösung weltweiter wissenschaftlicher und technischer Probleme sein wird.
Die Gespräche wurden in einer Atmosphäre der Offenheit und des gegenseitigen Verständnisses geführt, die den konstruktiven Wunsch beider Seiten erkennen lassen, das friedliche kooperative Verhältnis zwischen den Vereinigten
Staaten

von Amerika und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken zu

stärken und weiter auszubauen und den Fortschritt in der Lösung offener internationaler Probleme im Interesse der Erhaltung und Stärkung des Friedens zu
sichern. Die Ergebnisse der Besprechungen stellten eine überzeugende Demonstration des praktischen Wertes sowjetisch-amerikanischer Gipfeltreffen und
ihrer außergewöhnlichen Bedeutung für die Gestaltung eines neuen Verhältnisses
zwischen den Vereinigten Staaten von Amerika und der Sowjetunion dar.
Präsident Ford erneuerte die Einladung an L.I.Breschnew,den Vereinigten
Staaten im Jahre 1975 einen offiziellen Besuch abzustatten. Das genaue Datum
des Besuches wird später vereinbart werden.

Für die Vereinigten Staaten von Amerika
gez. Gerald R. Ford
Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika
24. November 1974
-H-i-7-

Für die Union der Sozialistischen
Sowjetrepubliken
gez. L. I. Breschnew
Generalsekretär des Zentralkomitees
der KPdSU

�« a m e r i k a dienst
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24/1974

GEMEINSAME AMERIKANISCH-SOWJETISCHE ERKLÄRUNG ZU SALT
- Wortlaut WASHINGTON --(AD)— Die am 24. November in Wladiwostok herausgegebene gemeinsame amerikanisch-sowjetische Erklärung zu den SALT~Verhandlungen, auf die
im gemeinsamen Kommunique verwiesen wird, hat folgenden Wortlaut:
Der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika, Gerald R. Ford, und
der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU, L.I. Breschnew, erörterten während ihres Arbeitstreffens in der Nähe von Wladiwostok am 23. und
24. November 1974 im einzelnen die Frage weiterer Begrenzungen der strategischen Offensivwaffen.
Sie bekräftigten erneut die große Bedeutung, die beide, die Vereinigten
Staaten und die UdSSR, der Begrenzung der strategischen Offensivwaffen beimessen. Sie sind überzeugt, daß ein langfristiges Abkommen über diese Frage
ein bedeutsamer Beitrag zur Verbesserung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken sowie
zur Verringerung der Kriegsgefahr und der Förderung des Weltfriedens sein würde. Unter Hinweis auf den Wert früherer Abkommen über diese Frage, darunter
das Interimsabkommen vom 26. Mai 1972, bekräftigten sie ihre Absicht, ein

-1-

�ein neues Abkommen über die Begrenzung der strategischen Offensivwaffen zu
schließen, das bis Ablauf des Jahres 1985 gelten soll.
Als Folge des Gedankenaustausches über die Substanz eines solchen neuen
Abkommens kamen der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika und der Generalsekretär des Zentralkomitees der KPdSU zu dem Schluß, daß günstige Aussichten für einen Abschluß der Arbeiten an diesem Abkommen im Jahre 1975 bestehen.
Es wurde Übereinkunft darüber erzielt, daß weitere Verhandlungen auf der
Grundlage folgender Bestimmungen geführt werden:
1. In das neue Abkommen werden die relevanten Bestimmungen des Interimsabkommens vom 26. Mai 1972 mit aufgenommen werden, die bis Oktober 1977 in
Kraft bleiben werden.
2. Das neue Abkommen wird sich über den Zeitraum von Oktober 1977 bis zum
31. Dezember 1985 erstrecken.
3. Gestützt auf den Grundsatz der Gleichheit und gleichen Sicherheit
wird das neue Abkommen die folgenden Begrenzungen einschließen:
a) Beide Seiten werden berechtigt sein, eine bestimmte vereinbarte
Gesamtzahl von strategischen Trägerwaffen zu besitzen.
b) Beide Seiten werden berechtigt sein, eine bestimmte vereinbarte Gesamtzahl von ICBMs (Interkontinentalraketen) und SLBMs (unterseebootgestützte
Raketen) mit Mehrfachgefechtsköpfen (MIRVS)

zu besitzen.

4. Das neue Abkommen wird eine Bestimmung über weitere nicht später als
1980-81 beginnende Verhandlungen über die Frage einer weiteren Begrenzung und
möglichen Reduzierung der strategischen Waffen im Zeitraum nach 1985 enthalten.
5.

�5. Verhandlungen zwischen den Delegationen der Vereinigten Staaten und
der UdSSR mit dem Ziel der Ausarbeitung eines neuen, die vorgenannten Punkte
umfassenden Abkommens werden im Januar 1975 in Genf aufgenommen werden.

+++

-3-

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25/1974

LOOPING AM JUPITER
PIONIER 11 besucht zwei Großplaneten

Von Gertrud Weiss

- (AD) - Zum zweiten Mal bekam Jupiter, der riesige Ball aus Wasserstoff
und Helium, Besuch von der Erde. Für die amerikanische Forschungssonde PIONIER 11,
die am 5. April 1973 vom Kennedy-Raumfahrtzentrum in Florida die ca. 1 Milliarde
km weite Reise zum größten Planeten unseres Sonnensystems antrat, begann in der
Nacht zum 3. Dezember 1974 der wohl kritischste Teil der ganzen Mission. Sie
hatte, von Süden her kommend, in 136 000 km Abstand vom Jupiter die inneren
Strahlungsgürtel zu passieren, wo das Bombardement von Elektronen und Protonen
fast 40 OOO mal intensiver ist als in den Strahlungsgürtel.der Erde.

Die Schwestersonde PIONIER 10, die als Pfadfinder zu den Großplaneten vor
einem Jahr den Jupiter und dessen Umgebung zum ersten Mal sondiert hatte, war
in Äquatorhöhe schräg in diese Zone eingeflogen und deshalb relativ lange dem
Partikelbombardement ausgesetzt. Als Folge davon fielen einige Instrumente eine
Zeitlang aus oder arbeiteten mit verminderter Leistung.

Um dieses Risiko bei

PIONIER 11 möglichst klein zu halten, galt es, die Sonde auf schnellstem Wege
und senkrecht durch den Bereich stärkster Strahlung zu bringen.
Zweck vorgenommene

Die zu diesem

Kurskorrektur bewirkte u.a., daß sich PIONIER 11 dem Planeten

Jupiter bis auf 41 000 km (PIONIER 10: ca. 130 OOO km) näherte, wcbei der Roboter auf 172 000 km pro Stunde bzw. 48 000 m/sec (PIONIER 10: 132 000 km pro

- I -

�pro Stunde bzw. 36 650 m/sec) beschleunigt wurde. Vermutlich absorbierte
PIONIER 11 nur ein Viertel der Strahlungsdosis, die der Vorgänger abbekam.

Ballspiel nach den Gesetzen der Himmelsmechanik

Die enorme Beschleunigung im Schwerefeld des Giganten, der mehr als
140 000 km Äquatordurchmesser, das 317fache der Erdmasse und das 1347fache
des Erdvolumens aufweist, führte außerdem zu einer krassen Veränderung der
Flugbahn der Sonde. In Gegenrichtung zur Jupiter-Rotation - der Planet dreht
sich in der kurzen Zeit von nur 9 Stunden und 55 Minuten einmal um die eigene
Achse - raste PIONIER 11 über den Nordpol wieder davon, zurück in den inneren
Bereich der Heliosphäre.

Die geheimnisvollen Kräfte der Gravitation hatten

eine Bahnänderung erzwungen, die einem halben Looping um die Jupiter-Pole vergleichbar ist. Der Kurs führt in einem weiten Bogen über Erdbahn und Sonne
hinweg bis zur Umlaufbahn des Planeten Saturn.

Fünf Jahre, genau bis zum September 1979, wird PIONIER 11 brauchen, um
die ca. 3,2 Milliarden km bis zur Saturn-Bahn zurückzulegen.

Dabei passiert

er noch nie erforschte Räume, denn die neue Flugbahn verläuft bis zu 15 Grad
(oder mehr als 160 Millionen km) über der Ebene der Ekliptik, d.h. der Bahnebene der Erde relativ zum Himmelsäquator.
selbst "sieht"

Die inneren Planeten und die Sonne

PIONIER 11 also eine Zeitlang aus einer Art Vogelperspektive.

Eine Kurskorrektur einige Wochen nach dem Rendezvous mit Jupiter soll dafür
sorgen, daß der absteigende Bogen auf der dem Looping-Punkt gegenüberliegenden
Seite, jenseits der Sonne, die Bahn des Planeten Saturn an einem bestimmten
Punkt schneidet.

PIONIER 11 wird diesen Punkt im September 1979 just zu der

Zeit erreichen, in der auch der Saturn auf seinem Lauf um die Sonne sich dort
befindet.

�»
Ist der Ringplanet dem Jupiter ähnlich?

Dieser Planet mit 10 bisher bekannten Monden und einem System flacher,
leuchtender Ringe um den Äquator umkreist die Sonne in einem mittleren Abstand
von 1,438 Milliarden km.

Er braucht für einen Umlauf 29,46 Erdenjahre. Fern-

rohrbeobachtungen vermitteln den Eindruck, als ob auch die Saturn-Oberfläche
eine

Streifenstruktur aufweist, wie man sie vom Jupiter kennt und dank der

PIONIER-Sonden aus der Nähe studieren konnte. Allerdings scheint dieser zweitgrößte Planet im Sonnensystem eine geringere mittlere Dichte als Jupiter und
im Gegensatz zu diesem kein Magnetfeld zu haben.

Jedenfalls war das Magnetfeld,

falls es doch existieren sollte, bisher nicht festzustellen.

Wenn die Bordinstrumente von PIONIER 11 das Strahlenbombardement am Jupiter
- der nach den bisherigen Erkenntnissen der Astrophysik vielleicht sogar als
"Halbbruder"

der Sonne betrachtet werden kann - und den weiten Weg durch die

Heliosphäre ohne nennenswerte Schäden überstehen, hätte die Wissenschaft in
knapp fünf Jahren zum ersten Mal die Möglichkeit, auch den fernen Saturn zum
ersten Mal aus der Nähe zu sondieren.

Eine der fünf zur Wahl stehenden Passagen

am Saturn würde zwischen dem Zentralkörper und dem inneren Ring hindurchführen.
In diesem Fall würde PIONIER 11 den Planeten von der rechten Seite her anfliegen
und danach, wie PIONIER 10, das Sonnensystem schließlich verlassen.

Die Projekt-

leiter am Arnes-Forschungsinstitut der NASA in Kalifornien können sich jedoch
noch Zeit lassen mit der Entscheidung, welcher "Fein"-Kurs zum Ziel Nr. 2 genommen werden soll.

Mit der jetzt auch am Jupiter praktizierten

"Swing-by"-Technik

wird die

Gravitationskraft eines anderen Himmelskörpers dazu benutzt, ein von Menschenhand geschaffenes Fluggerät weit draußen im Weltraum auf eine andere Bahn zu
katapultieren.

Zum ersten Mal wurde dieses Verfahren Anfang 1974 bei der Sonde

MARINER lO mit großem Erfolg erprobt, die unter dem Einfluß der Gravitationskraft des Planeten Venus eine Bahnveränderung um ca. 90 Grad erfuhr, so daß
sie ein paar Wochen später den Planeten Merkur aus wenigen Hundert Kilometern
Abstand fotografieren konnte.
Um

- 3-

�Um die Flugbahn einer "Swing-by"-Sonde
lose Fremdfaktoren, d.h. Daten

berechnen zu können, müssen zahl-

anderer Himmelskörper, berücksichtigt werden.

Aber dadurch wird es möglich, ohne technische Neuentwicklungen, z.B. neuartige
Antriebssysteme, Forschungsgeräte sowohl zu den erdnächsten Planeten und zur
Sonne als auch in die äußeren Bereiche unseres Sonnensystems zu dirigieren.

Energieentladungen - "Kurzschluß" im Jupiter-Magnetfeld?

Die Projektgruppe für das Experiment

PIONIER 11 hofft, aus den Meßdaten

der Bordinstrumente Hinweise auf den Mechanismus der ungeheuren Energieentladungen am Jupiter zu bekommen.

Für Beobachter auf der Erde ist neben der Sonne

der Planet Jupiter eine der "lautesten"

Quellen von Radiostrahlung.

Nach den

gegenwärtigen Erkenntnissen scheint der Jupitermond Jo, der den Planeten in
ca. 350 OOO km Abstand umkreist, die starken elektrischen Entladungen auszulösen - vielleicht in der Weise, daß er magnetische Kraftlinien im Jupiterfeld
verbindet.

Die Messungen an dem viele Millionen Kilometer in den Raum hinaus-

reichenden, stark pulsierenden Magnetfeld sowie in den Strahlengürteln des
Jupiter zählen zu den wichtigsten Aufgaben von PIONIER 11. Auf Grund ihrer
Flugbahn vermag die Sonde die Veränderungen während einer kompletten Rotation
zu registrieren.

Schon im November begann PIONIER 11 mit den Farbaufnahmen, von denen etwa
500 erwartet werden.

In Ergänzung zu den Bildern, die PIONIER lO von den

horizontalen Wolkenbändern samt ihrer Feinstruktur und dem

"Roten Fleck" über-

mittelte, sieht PIONIER 11 beim Überfliegen der Polarzonen die Wolkenbänder
als konzentrische Ringe. Vielleicht ist es über den Polen, wo die Atmosphäre
dünner sein muß als im Äquatorgebiet, sogar möglich, mehr Informationen über
tieferliegende Regionen zu bekommen.

Mehr als neun Monate waren die am PIONIER-Projekt beteiligten Wissenschaftler
mit der Auswertung der PIONIER 10-Ergebnisse beschäftigt, um eine vorläufige
Bilanz zu ziehen.

Sie ergab u.a., daß der größte Planet ein rotierender Ball

von flüssigem Wasserstoff sein muß, Falls er überhaupt einen Gesteinskern be- 4 -

�besitzt, so wäre dieser außerordentlich klein und verflüssigt.

Konzentrationen

von festen Massen, wie sie etwa einer Kruste entsprechen, waren nicht zu finden.

Die obere Atmosphäre besteht zu 82 Prozent aus Wasserstoff, zu 17 Prozent
aus Helium und zu einem Prozent aus anderen Elementen.

Infrarot-Beobachtungen

ergaben außerdem das Vorhandensein von Äthan und Azethylen in der Atmosphäre
- von Molekülen also, die für die Entwicklung von Leben erforderlich sind.
Das heißt jedoch nicht, daß Leben auf dem Jupiter vermutet wird.

Die Existenz

dieser Moleküle hat jedoch insofern Bedeutung, als sie die chemische Evolution
des Planeten deuten hilft.

Unter der ca. 240 km dicken Wolkendecke dürfte sich im unteren Teil der
Atmosphäre eine ca. 1000 km tiefe Übergangszone befinden, in der Wasserstoff
aus dem gasförmigen in den flüssigen Zustand übergeht.

Eine weitere Übergangs-

zone mit flüssigem und metallischem Wasserstoff liegt etwa 25 OOO km tief.
o
Dort erreichen die Temperaturen bis zu 11 000 C und der Druck dürfte drei
Millionen Mal höher sein als auf der Erde.

Falls im Zentrum (66 740 km unterhalb der Außenzone) ein Kern existiert,
wäre dort mit Temperaturen um fast 30 000

C zu rechnen.

PIONIER 10 bestätigte

auch die Anfang der sechziger Jahre geäußerte Vermutung, daß der Jupiter mehr
Energie abgibt als er von der Sonne aufnimmt. Auf Grund der Sonden-Messungen
strahlt er zwei- bis dreimal mehr Wärme ab. . Die Wissenschaftler nehmen heute
an, daß der Jupiter sich verdichtet, an Volumen verliert und abkühlt.

Die

dabei abgegebene Wärme wäre dann Restenergie aus der Zeit seiner Entstehung.

Das "Wetter" auf dem Jupiter hat mit dem auf der Erde keine Ähnlichkeit.
Nach Prof. Andrew Ingersoll (Technische Universität Kalifornien) sind die grauweißen Bänder Wolkengipfel aufsteigender Atmosphäre.
die orangefarbenen und bräunlichen Gürtel

"Wolkentäler"

die etwa 20 km tiefer liegen als die weißen Wolken.
bekannten

"Roten Fleck"

Im Gegensatz dazu sind
absinkender Atmosphäre,

Bei dem seit 300 Jahren

dürfte es sich um einen riesigen Wirbel handeln, in

dem, ähnlich wie bei einem Hurrikan auf der Erde,Materie nach oben gesogen wird.
Seine Zusammensetzung ist jedoch noch immer ungeklärt.
Auch
- 5 -

�Auch die atmosphärische Zirkulation ist von der auf der Erde völlig verschieden.

Die Wolken sind so weit auseinandergezogen, daß sie sich wie Bänder

um den Planeten legen.

Dies dürfte nicht nur eine Folge der gewaltigen Rota-

tionsgeschwindigkeit sein (sie liegt bei 35 200 km pro Stunde), sondern auch
der Wärmestrahlung aus dem Planeteninneren.

Die Dichte von vier Jupitermonden wurde: mit Hilfe von PIONIER 10 ziemlich
genau bestimmt.

Jo, der innerste der großen Monde, hat etwa die gleiche Dichte

wie der Erdmond.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, daß die Dichte dieser

vier Monde ihrem Abstand vom Jupiter direkt proportional ist.

Die Monde Jo

und Europa weisen die größte Dichte auf, so daß anzunehmen ist, daß sie aus
Gestein bestehen.

Ganymed und Callisto dagegen sind weniger dicht und dürften

aus einem Gemenge von Wassereis und Gestein aufgebaut sein.

Im Gegensatz zum Erdmond haben wahrscheinlich alle Monde des Jupiter - der
13. wurde erst im September 1974 entdeckt - eine Atmosphäre.

Sie ist sehr dünn,

so daß es PIONIER 10 sogar gelang, optische Eindrücke von der Oberfläche der
zwei größten Jupiter-Satelliten zu übermitteln. Auf dem Mond Ganymed scheint
es hoch- und tiefliegende Gebiete zu geben, dem Hochland und den "Meeren" auf
dem Erdenmond vergleichbar.

+ + + + +

- 6 -

�</text>
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