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                  <text>amerika dienst
United
53

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Bonn-Bad

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300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

25. September 1974

20

Inhalt

INFORMATION
Ansprache Kissingers vor den Vereinten Nationen
- Wortlaut -

DOKUMENTATION
•*
&gt;

Rede Präsident Fords vor der UN-Vo11Versammlung
- Wortlaut -

HINTERGRUNDMATERIAL
Nuklearabrüstung: Eine Überlebensfrage für die Menschheit
Von Fred C. Ikle
Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung
US-Delegationschef rechnet mit SALT-Übereinkunft im kommenden Jahr
- Interview mit Botschafter U. Alexis Johnson -

WIRTSCHAFT
Ford warnt vor verfehlter Energiepolitik
- Rede des US-Präsidenten auf der Weltenergiekonferenz in Detroit -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

20/1974

ANSPRACHE KISSINGERS VOR DEN VEREINTEN NATIONEN
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, New York --(AD)— Der amerikanische Außenminister, Dr.
Henry Kissinger, hat in einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen am 23. September eindringlich vor den Gefahren einer nuklearen Katastrophe,
aber auch vor einer weltweiten Depression gewarnt, wenn die Nationen weiterhin eigensüchtige nationale oder regionale Interessen verfolgten. Die mit
großem Ernst vorgetragene Rede Kissingers hat folgenden Wortlaut:

"Herr Präsident, Herr Generalsekretär, meine Herren Delegierten, meine
Damen und Herren,
in meiner ersten Rede als Außenminister habe ich im vorigen Jahr zu dieser Versammlung über die amerikanischen Zielsetzungen gesprochen. Ich erklärte, daß die Vereinigten Staaten einen umfassenden, institutionalisierten
Frieden suchten und nicht lediglich einen Waffenstillstand. Ich ersuchte andere Nationen, sich uns in dem Bemühen anzuschließen, die Welt von der Entspannung zur Zusammenarbeit, von der Koexistenz zur Gemeinschaft weiterzuentwickeln.
In

-1-

�In dem seither vergangenen Jahr ist einiger Fortschritt in der Beilegung
spezieller Krisen erreicht worden. Aber viele fundamentale Fragen sind noch
ungelöst und neue Probleme bedrohen die Struktur der Weltstabilität selbst.

Unser größtes Problem - das weit über die Punkte unserer Tagesordnung
hinausreicht - ist, ob unsere Weitsicht mit unseren Aufgaben und Herausforderungen Schritt halten kann. Wird die Geschichte sich an das 20. Jahrhundert
als eine Zeit zunehmenden globalen Konflikts oder als den Anfang einer Globalkonzeption erinnern? Wird unser Zeitalter der Interdependenz den gemeinsamen
Fortschritt vorantreiben oder die gemeinsame Katastrophe?

Die Antwort ist noch nicht eindeutig. Wir sind in einem heiklen Stadium.
Noch haben neue Realitäten die alten Muster des Denkens und Handels nicht
überwunden. Zu oft noch leiten traditionelle Vorstellungen - nationaler Souveränität, sozialen Kampfes und der Beziehung zwischen den alten und den neuen Nationen - unseren Kurs des Handelns. Und so haben wir gemanagt, aber
nichts weitergebracht. Wir haben ertragen,aber wir sind nicht aufgeblüht, und
wir haben uns weiterhin den Luxus des politischen Streites um Worte geleistet.
Dieser Zustand hat sich in der kurzen Zeitspanne seit der regulären
Sitzung im vorigen Herbst dramatisch zugespitzt. Der Nahe Osten und Zypern
wurden vom Kriege heimgesucht. Die Technologie der nuklearen Sprengkörper
hat ihre gefährliche Ausbreitung wieder fortgesetzt. Die Inflation - und die
Drohung des globalen Niedergangs - hängen über den Wirtschaften der reichen
und der armen Länder.
Wir

�Wir dürfen nicht zulassen, daß sich dieser Trend fortsetzt. Der Konflikt
zwischen Nationen hat einst Kontinente verwüstet. Der Kampf zwischen Blöcken
könnte die Menschheit vernichten. Ideologien und Lehren, deren Wurzeln aus dem
vorigen Jahrhundert stammen, werden den nie dagewesenen Problemen von heute
nicht gerecht, geschweige denn, daß sie sie lösen könnten. Als Ergebnis stellen
die Ereignisse die Gewohnheiten in Frage. Eine Kluft öffnet sich,zwischen Rhetorik und Realität.

Die Welt hat sich mit lokalen Konflikten befaßt, als ob sie auf ewig in
den Griff zu bekommen wären. Wir haben es zugelassen, daß zu vieli der zugrundeliegenden Ursachen unbeachtet weiter schweben,bis die Beteiligten zur Überzeugung gelangt sind, daß ihnen nichts anderes übrig bliebe als d&gt;r Krieg. Und
weil letztlich jede Krise eingedämmt worden ist, sind wir selbstgefällig geblieben. Aber die Toleranz des örtlichen Konfliktes fordert dit W^ltkatastrophe heraus. Wir haben keine Gewähr, daß die eine oder andere örtliche Krise
- vielleicht die nächste - nicht explodiert und außer Kontrolle gerät.

Die Welt hat sich mit den Nuklearwaffen befaßt, als ob die Zurückhaltung
automatisch wäre. Gerade ihre ungeheuerliche Wirksamkeit hat diese Waffen fast
drei Jahrzehnte lang angekettet. Ihre technische Kompliziertheit und ihre
Kosten haben dazu beigetragen, die Zahl der sie besitzenden Staaten ein Jahrzehnt lang konstant zu halten. Jetzt sind - wie das vorauszusehen war - die
politischen Zurückhaltungen in Gefahr, zusammenzubrechen. Die nukleare Katastrophe schwebt deutlicher über unseren Häuptern - ob mit Absicht oder durch
Fehlkalkulation, Zufall, Diebstahl oder Erpressung ausgelöst.
Die

-3-

�Die Welt hat sich mit der Wirtschaft befaßt, als ob ihr ständiger Fortschritt unaufhaltsam sei. Das Wachstum nach dem Kriege ist zwar ungleichmäßig
gewesen, und einige Teile der Welt sind hintangeblieben, aber unsere Aufmerksamkeit konzentrierte sich darauf, wie man die Beteiligung am allgemeinen Fortschritt erhöhen könne. Wir befassen uns weiterhin mit wirtschaftlichen Fragen
auf nationaler, regionaler oder Blockbasis,und zwar genau in dem Moment, da
sich unsere Interdependenz vervielfacht. Die Belastungen des Gewebes und der
Institutionen der Weltwirtschaft drohen uns alle in den Strudel einer allgemeinen Depression zu reißen.

Das zarte Gebäude der internationalen Zusammenarbeit,das während des
letzten Viertel Jahrhunderts so mühsam aufgebaut worden ist,kann kaum fortbestehen - und sicherlich nicht gestärkt werden - wenn es ständig den Druckwellen des politischen Konflikts, des Krieges und der wirtschaftlichen Krise ausgesetzt wird.

Es ist jetzt für die hier versammelten Nationen an der Zeit, aus der Erkenntnis heraus zu handeln, daß wir, wenn wir uns weiterhin auf alte Schlagworte und traditionelle Rivalitäten verlassen und stützen, zu folgendem getrieben
werden:

- Eine Welt, die noch mehr zerrissen ist zwischen Reichen und Armen, Ost
und West, Erzeugern und Verbrauchern;

•

- eine Welt,in der örtliche Krisen zur globalen Konfrontation zu, führen
drohen und in der die Ausbreitung des Atoms zur globalen Gefahr zu werden droht;
- eine

-4-

�- eine Welt steigender Kosten und schwindender Versorgung, wachsender Bevölkerung und rückläufiger Produktion.

Es gibt noch einen anderen Kurs. In der vorigen Woche hat Präsident Ford
vor dieser Versammlung unser Land auf einen kooperativen, offenen Weg verpflichtet, um eine sicherere und blühendere Welt zu schaffen. Die Vereinigten
Staaten werden die Verpflichtungen übernehmen, die uns unsere Werte und unsere Stärke auferlegen.

Der Aufbau einer kooperativen Welt reicht jedoch über das Vermögen einer
einzelnen Nation hinaus. Eine interdependente Welt erfordert nicht nur die
Mittel, sondern auch den Weitblick und die schöpferische Kraft von uns allen.
Nationen können nicht gleichzeitig in Konfrontation zueinander stehen und miteinander kooperieren. Wir können es uns nicht länger leisten, unsere nationalen oder regionalen oder blockgebundenen Selbstinteressen zu verfolgen, es sei
denn, in einem globalen Zusammenhang.

Wir müssen erkennen, daß das gemeinsame Interesse der einzig gültige Prüfstein des nationalen Interesses ist.
t

Es liegt im gemeinsamen Interesse und damit im Interesse einer jeden Nation:
- daß örtliche Konflikte mit anderen Mitteln als der Gewalt gelöst werden und ihre Ursachen und Wurzeln mit politischen Mitteln beseitigt werden;
- daß die Ausbreitung der Nukleartechnologie ohne die Ausbreitung der
Nuklearwaffen erreicht wird;
- daß

-5-

�- daß die wachsende wirtschaftliche Interdependenz alle Nationen gemeinsam hebt und nicht hinunterzieht.

Wir werde diese Probleme nicht in dieser Sitzungsperiode oder in irgendeiner Sitzungsperiode oder Vollversammlung lösen. Aber wir müssen zumindest
einen Anfang machen:

- Probleme zu lösen, statt sie lediglich zu managen;
- Ereignisse zu gestalten, statt sie lediglich zu erdulden;
- uns unseren Herausforderungen zu stellen, statt uns gegeneinander zu
stellen.

I. Die politische Dimension

Die dringende politische Verantwortung unserer Ära liegt in der Lösung
von Konflikten ohne Krieg. Die Geschichte ist voll von Beispielen der Tragödie, die Nationen heimsucht, wenn alte Feindseligkeiten und die Macht der Gewohnheit den Entscheidungsspielraum einfrieren. Und in gleicher Weise ist die
Geschichte von kurzen Augenblicken gekennzeichnet, in denen eine alte Ordnung
einem neuen und unerwarteten Muster weicht. Dies sind Zeiten potentieller Unordnung und Gefahr, aber auch der Chance der Neuschöpfung.

Heute stehen wir vor einem solchen Augenblick. Wollen wir gemeinsam seinen Realitäten ins Auge sehen:
Erstens, ein gewisser Schwung zum Frieden hin ist in Gang gesetzt worden
- in den Ost-West-Beziehungen und in bestimmten regionalen Konflikten. Dieser
Schwung muß aufrechterhalten werden. Aber wir stehen erst am Anfang des Pro-

-6-

�Prozesses. Wir haben Spannungen abgebaut, aber wir sind noch weit entfernt
von der Versöhnung. Wenn wir nicht weiterhin voranschreiten,werden wir zurückfallen.

Zweitens, Fortschritt in Verhandlungen über schwierige Fragen kommt nur
durch Geduld, Ausdauer und die Erkenntnis zustande, wie weit die andere Seite
zu gehen gewillt ist. Frieden ist ein Prozeß, kein Zustand. Er kann nur
schrittweise erreicht werden.

Drittens, das Versagen, das Erreichbare zu erkennen und zu ergreifen,wird
die Erreichung des Ideals verhindern. Versuche, alle Fragen auf einmal zu lösen, sind ein sicheres Rezept der Stagnation. Der Fortschritt zum Frieden kann
ebenso dadurch verhindert werden, daß man zuviel fordert als daß man zuwenig
fordert.

Viertens,die Weltgemeinschaft kann zur Lösung chronischer Konflikte beitragen, aber übertriebene Erwartungen werden die entscheidend wichtige Annäherung der Betroffenen selbst verhindern. Diese Versammlung kann den Verhandlungsprozeß unterstützen oder behindern. Sie kann einen Sündenbock oder eine
Lösung suchen. Sie kann den Beteiligten eine Ausrede anbieten, um der Realität zu entkommen, oder nachdrückliche Unterstützung bei der Suche nach einem
Kompromiß. Sie kann sich zur Propaganda entschließen oder zu realistischen Lösungen beitragen, die dem Sehnen des Menschen nach Frieden entgegenkommen.

Im Nahen Osten werden diese Überlegungen besonders deutlich. Im vorigen
Jahr haben wir sowohl den vierten arabisch-israelischen Krieg in einer Generation als auch den hoffnungsvollen Beginn eines politischen Prozesses in Rieh-

�Richtung auf einen dauerhaften und gerechten Frieden erlebt.

Wir haben die Atempause eines Waffenstillstandes und zweier Entflechtungsabkommen erreicht, aber der Schatten des Krieges bleibt. Das Erbe des Hasses
und des Leidens, des Gefühls der Unversöhnlichkeit hat - wenn auch noch so
zögernd - dem Prozeß der Verhandlungen nachzugeben begonnen..Aber wir haben
noch immer einen weiten Weg vor uns.

Eine Seite strebt die Wiedergewinnung von Territorium und Gerechtigkeit
für ein vertriebenes Volk an. Die andere Seite sucht Sicherheit und Anerkennung ihrer Legitimität als Nation durch ihre Nachbarn. Letztlich ist das gemeinsame Ziel des Friedens sicherlich breit genugsum alle diese Hoffnungen
und Wünsche einzuschließen.

Wollen wir doch realistisch sehen, was getan werden muß. Die Kunst der
Verhandlung besteht darin, Ziele zu setzen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt
erreicht werden können und sie mit Entschlossenheit zu verfolgen. Jeder Schritt
vorwärts verändert alte Vorstellungen und führt, eine neue Situation herbei9 die
die Chancen auf eine umfassende Lösung verbessert.
Da diese Prinzipien im Nahen Osten befolgt wurden, sind im vorigen Jahr
Abkommen erreicht worden, die viele für unmöglich hielten. Sie wurden vor allem aufgrund der Weisheit der Führer des Nahen Ostens erreicht, die zu der Erkenntnis kamen, daß es genug Stillstand und Krieg gegeben habes daß mehr gewonnen werden könnte, wenn man sich gegenseitig in Verhandlungen auf die Probe
stellt, als wenn man sich auf dem Schlachtfeld auf die Probe stellt.
Die
-8-

�Die Mitglieder dieser Körperschaft hier haben kollektiv und individuell
eine ernste Verantwortung,die Parteien im Nahen Osten auf ihrem gegenwärtigen
Kurs zu ermutigen und zu unterstützen. Wir haben ferner eine Verpf1ichtung,den
Friedensstreitkräften der Vereinten Nationen im Nahen Osten und sonstwo unsere Unterstützung zu leihen.Die Vereinigten Staaten begrüßen anerkennend die
unerläßliche Rolle dieser Streitkräfte ebenso wie den hervorragenden Beitrag
von Generalsekretär Waldheim zur Sache des Friedens.
Während des letzten Jahres hat mein Land eine große Anstrengung unternommen, um den Frieden im Nahen Osten zu fördern. Präsident Ford hat mich gebeten, heute erneut zu bekräftigen, daß wir entschlossen sind, diese Bemühungen
mit aller Macht fortzusetzen. Wir werden mit den Parteien eng zusammenarbeiten
und wir werden mit allen interessierten Ländern im Rahmen der Genfer Konferenz zusammenarbeiten.

Die geplagte Insel Zypern ist ein weiteres Gebiet, wo der Friede einen
Geist des Kompromisses, der Annäherung und der Gerechtigkeit erfordert. Die
Vereinigten Staaten sind der Überzeugung, daß die Souveränität sowie die politische und territoriale Integrität Zyperns aufrechterhalten werden müssen. Es
wird Sache der Beteiligten selbst sein, über die Regierungsform zu entscheiden,
die sie den besonderen Umständen Zyperns am besten angebracht halten. Sie müssen sich über die Gebiete einig werden, die von den griechischen Zyprioten und
den türkischen Zyprioten verwaltet werden sollen wie auch über die Bedingungen,
unter denen Flüchtlinge in ihre Heime zurückkehren und dort in Sicherheit leben können. Und schließlich wird kein dauerhafter Friede möglich sein, ohne
daß man sich über Bestimmungen einigt, die zur zeitgerechten und stufenweisen

�stufenweisen Verringerung der Streitkräfte und Rüstungen und anderen Kriegsrca- j
terials führen werden.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, eine noch aktivere Rolle als in der
Vergangenheit zu spielen, wenn es gilt, die Parteien dabei zu unterstützen,
eine Lösung für das jahrhundertealte Zypernproblem zu finden. Wir werden alles
in unserer Macht stehende tun; die entscheidende Anstrengung muß jedoch von
jenen kommen, die direkt betroffen sind. Man sollte Dritte nicht auffordern,
Wunderlösungen hervorzubringen, die nicht in der Realität verankert sind.
Drittländer können jene, die direkt verwickelt sind, ermutigen, ihre größeren
Interessen zu erkennen. Sie können bei der Suche nach Elementen eines Übereinkommens helfen, indem sie die Auffassungen und Motive jeder Seite der anderen
gegenüber interpretieren. Aber kein Vermittler kann Erfolg haben, wenn die Parteien seine Vermittlung nicht wirklich wünschen und bereit sind, die für eine
Lösung notwendigen schwierigen Entscheidungen zu treffen.

Die Vereinigten Staaten leisten bereits einen wesentlichen Beitrag, um das
menschliche Leiden der Bevölkerung von Zypern erleichtern zu helfen. Wir appellieren an die internationale Gemeinschaft, ihre humanitären Hilfsanstrengungen
fortzusetzen und, wenn möglich, zu verstärken.

Die Vereinigten Staaten stellen mit besonderer Befriedigung den anhaltenden Prozeß des Wandels in Afrika fest. Wir begrüßen die positive Demonstration
der Zusammenarbeit zwischen den altern Herrschern und den neu Freigewordenen.
Die Vereinigten Staaten sichern den Aspirationen der Afrikaner

, an den

Früchten der Freiheit und Menschenwürde teilzuhaben, ihre Unterstützung zu.

II.
-10-

�II. Die nukleare Dimension

Die zweite neue Dimension unserer Tagesordnung betrifft die Probleme
der nuklearen Proliferation.

Die Welt hat sich so sehr an die Existenz von Nuklearwaffen gewöhnt, daß
sie einfach davon ausgeht, daß s ^ e niemals eingesetzt würden. Heute jedoch erhöht die Technologie rasch die Zahl der Nuklearwaffen in den Händen der Großmächte

und droht, die Technologie nuklearer Sprengkörper einer wachsenden

Zahl anderer Staaten zugänglich zu machen.

In einer Welt,in der viele Nationen Nuklearwaffen besäßen, würden die
Gefahren immer größer. Es wäre unendlich schwieriger, wenn nicht gar unmöglich, unter einer großen Zahl von Nuklearmächten eine Stabilität aufrechtzuerhalten. Lokale Kriege

würden eine neue Dimension annehmen. Nuklearwaffen

würden in Regionen eingeführt, wo der politische Konflikt weiterhin intensiv
bleibt

und die Beteiligten der Auffassung sind, daß ihre Lebensinteressen

auf dem Spiele stehen. Und ebenso würde das Risiko einer direkten Verwicklung
der großen Nuklearmächte gewaltig erhöht.

Dieses Problem geht nicht nur ein Land, eine Region oder einen Block
alleine an. Keine Nation kann der Ausbreitung der Nukleartechnologie indifferent gegenüberstehen; dies berührt direkt die Sicherheit einer jeden Nation.
Die Aufgabe, vor die die Welt gestellt ist, besteht darin, den friedlichen Nutzen der Nukleartechnologie zu verwirklichen, ohne zum Anwachsen der
Nuklearwaffen oder

der Zahl der sie besitzenden Staaten beizutragen.
Als
-11-

�Als eine große Nuklearmacht erkennen die Vereinigten Staaten ihre besondere Verantwortung. Wir sind uns darüber im klaren, daß wir nicht von anderen
erwarten können, Zurückhaltung zu zeigen, wenn wir nicht selbst Zurückhaltung
üben. Zusammen mit der Sowjetunion streben wir danach, neue quantitative und
qualitative Begrenzungen der strategischen Rüstungen auszuhandeln. Vorige Woche sind unsere Delegationen in Genf wieder zusammengetreten, und wir haben
die Absicht, diese Verhandlungen mit der Ernsthaftigkeit der Zielsetzungen zu
führen,die sie verdienen. Für die Vereinigten Staaten gibt es keine höhere
Priorität

als die Kontrolle und Reduzierung des Standes der Nuklearwaffen.

Über das Verhältnis der nuklearen Mächte untereinander geht die Notwendigkeit hinaus, der Ausbreitung von nuklearem Sprengmaterial Einhalt zu gebieten. Wir müssen uns bewußt sein, daß Plutonium ein wesentlicher Bestandteil
nuklearer Explosivkörper ist, und daß sich in unmittelbarer Zukunft die Menge
an Plutonium, die durch friedliche Nuklearreaktoren erzeugt wird, vervielfachen
wird.
Bisher haben die Vereinigten Staaten und eine Reihe anderer Länder weitgestreut nuklearen Brennstoff und andere Nuklearmaterialien geliefert,um die
Nutzung der Kernenergie für friedliche Zwecke zu fördern. Diese Politik kann
nicht andauern, wenn sie zu der Ausbreitung von Nuklearexplosivstoffen führt.
Verkäufe dieser Materialien können nicht länger als ein rein kommerzielles
Wettbewerbsunternehmen behandelt werden.

Die Weltgemeinschaft muß daher dringend auf ein System wirksamer internationaler Sicherheitsbestimmungen gegen Abzweigung von Plutonium oder seiner Nebenprodukte für die Herstellung von Nuklearexplosivkörpern hinarbeiten. Die

-12-

�Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich mit anderen in einer umfassenden
Anstrengung zusammenzutun. Lassen Sie uns doch zusammen über die praktischen
Schritte einig werden, die ergriffen werden müssen, um die Segnungen der Nuklearenergie von ihrem Schrecken frei zu halten:
- Die Vereinigten Staaten werden in Kürze spezifische Vorschläge'unterbreiten, um die Sicherheitsbestimmungen für die anderen Hauptlieferländer zu
verbessern.
- Wir werden unsere Bemühungen intensivieren, um die weitestmögliche Annahme der Sicherheitsbestimmungen der Internationalen Atomenergiebehörde
(IAEA) zu gewinnen, um praktische Kontrollen für den Transfer von nuklearen
Materialien einzuführen

und die Wirksamkeit dieser Verfahren zu garantieren.
.

- Die Vereinigten Staaten werden die IAEA auffordern, eine internationale Konvention zur Erhöhung der physischen Sicherheit gegen Diebstahl oder Abzweigung von Nuklearmaterial auszuarbeiten. Eine solche Konvention sollte spezifische Normen und Techniken zum Schutze von Materialien in Benutzung, auf
Lager und auf dem Transport festlegen.
- Der Vertrag über die

Nichtweiterverbreitung von Kernwaffen (Atomwaf-

fensperrvertrag), hinter den sich diese Versammlung gestellt hat, verdient
weitere und volle Unterstützung. Der Vertrag enthält nicht nur eine allgemeine Verpflichtung, die Ausbreitung von nuklearen Sprengkörpern zu begrenzen,
sondern spezifische Verpflichtungen, die Sicherheitsbestimmungen der IAEA zu
akzeptieren und anzuwenden und den Transfer von nuklearen Materialien zu kontrollieren.
Herr

-13-

�Herr Präsident, welcher Fortschritt sich auch immer aus dem Erwerb nu-

I

klearer Explosivtechnologie zu ergeben scheint, er wird sich als ephemer erweisen. Wenn die Buche der Pandora geöffnet sein wird, dann wird kein Land
der Nutznießer und die ganze Menschheit verloren sein. Denn dann werden wir
in einer Welt leben, in der Stabilität der Geschichte angehören und Angst
die alles durchdringende Realität sein wird. Das muß nicht so kommen. Wenn
wir jetzt entschlossen handeln, können wir noch immer unsere Zukunft kontrollieren.

III. Die wirtschaftliche Dimension

Lord Keynes schrieb einmal: *Die Fähigkeit, sich mit ihrer Umgebung ab4

zufinden, ist ein hervorstechendes Merkmal der Menschheit. Nur wenige von
uns erkennen mit Überzeugung die außerordentlich ungewöhnliche, instabile,
komplizierte, unzuverlässige, temporäre Natur der wirtschaftlichen Organi sation*.
Die Wirtschaftsgeschichte der Nachkriegsperiode ist durch ein anhaltendes Wachstum gekennzeichnet gewesen - für Entwicklungsländer ebenso wie
für Industrienationen. Die universalen Erwartungen unserer Völker, die Gründung unserer politischen Institutionen und die der sich entwickelnden Struktur des Friedens zugrundeliegende Voraussetzung stützen sich alle auf die
Überzeugung, daß dieses Wachstum weitergehen wird.

Aber wird es weitergehen? Das zunehmend offenere und kooperative globale Wirtschaftssystem, das wir schon als selbstverständlich angesehen haben,
ist heute einem beispiellosen Angriff ausgesetzt. Die Welt steht am Rande

-14-

�Rande einer Rückkehr zu dem schrankenlosen wirtschaftlichen Nationalismus,
der den Zusammenbruch der wirtschaftlichen Ordnung in den dreißiger Jahren begleitete. Und sollte das eintreten, dann würden wir alle darunter leiden
- die Armen ebenso wie die Reichen, die Erzeuger ebenso wie die Verbraucher.

Schrecken wir also nicht länger davor zurück, die Öffentlichkeit mit den
Tatsachen zu konfrontieren, die uns heute in unseren privaten Gesprächen und
Besorgnissen beherrschen.

Die ersten warnenden Anzeichen einer großen wirtschaftlichen Krise sind
sichtbar geworden. Entwicklungsländer wie Industrienationen werden von Inflationsraten heimgesucht, wie sie im letzten Viertel Jahrhundert nie dagewesen waren. Die Finanzinstitutionen der Welt schwanken unter den massivsten
und raschesten Bewegungen von Reserven in der Geschichte. Und was die Deckung
des fundamentalsten Bedarfs des Menschen an Energie und Nahrung angeht, so
haben sich tiefgreifende Fragen ergeben.

Die gegenwärtige Situation bedroht zwar jeden einzelnen und jede Nation,
aber es sind doch die Armen,die am stärksten leiden. Während die wohlhabenderen ihren Lebensstandard anpassen, sehen die Armen die Hoffnung auf ein besseres Leben zusammenbrechen. Während andere den Gürtel enger schnallen,
sterben die Armen Hungers. Während andere auf eine bessere Zukunft hoffen
können, sieht der Arme Verzweiflung vor sich.

Kein Land und keine Ländergruppe kann ein Interesse daran haben, die Politik auf eine Bewährungsprobe der Stärke abzustellen, denn eine Politik
der Konfrontation würde mit der Katastrophe für alle enden.

-15-

Wenn wir den

�den Grundbedarf des Menschen an Energie und Nahrung decken und das wirtschaftliche Wachstum bei gleichzeitiger Beherrschung der Inflation garantieren wollen, dann bedarf dies der internationalen Zusammenarbeit in einem nie
dagewesenen Ausmaß.

Wollen wir diese Prinzipien zunächst einmal auf die Energiesituation anwenden:
- Ölproduzenten erstreben ein besseres Leben für ihre Bevölkerung und
einen gerechten Ertrag für ihre schwindenden Vorräte.

- Die von der Natur weniger bedachten Entwicklungsländer stehen vor dem
Zerfall der Ergebnisse jahrzehntelangen Strebens nach Entwicklung wegen einer
Preispolitik, die außerhalb ihrer Kontrolle liegt.

- Die Industriestaaten sehen die in Jahrhunderten aufgebaute industriel- *
le Zivilisation in Gefahr.

So haben also Erzeuger und Verbraucher legitime Ansprüche. Das Problem
ist, wie man sie zum gemeinsamen Wohle vereinbaren kann.
Die Vereinigten Staaten arbeiten eng mit mehreren Ölproduzenten zusammen, um deren Volkswirtschaften zu einer größeren Vielfalt zu verhelfen. Wir
haben Kommissionen eingesetzt, um den Transfer von Technologie zu erleichtern
und bei der Industrialisierung zu helfen. Wir sind bereit, in den Vereinigten
Staaten wesentliche Investitionen zu akzeptieren und wir begrüßen eine grössere Rolle der Ölproduzenten im Management internationaler Wirtschaftsinstitutionen.

Die Investition überschüssiger Öleinnahmen ist eine große und

schwierige Aufgabe. Die Länder, die diese Mittel am dringendsten brauchen
-16-

�brauchen würden, sind im allgemeinen die, die sie am wenigsten erhalten werden.Die Finanzinstitutionen der Welt sind mit der Situation fertig geworden,
aber es müssen Mittel und Wege gefunden werden, um die Hilfe für jene Länder
zu garantieren, die sie am dringendsten brauchen. Und der Hauptschwall der
Überschußeinnahmen wird erst noch kommen.

Trotz unserer besten Anstrengungen, den legitimen Forderungen der Ölproduzenten gerecht zu werden und ihre Mittel einer konstruktiven Verwendung
zuzuführen, kann die Welt jedoch s lbst das gegenwärtige Preisniveau nicht
länger

durchstehen, geschweige ständige weitere Erhöhungen. Die Preise ande-

rer Rohstoffe werden unausweichlich in einer endlosen Inflationsspirale steigen. Von einem solchen Rennen wird niemand Nutzen haben. Die Ölproduzenten
werden gezwungen sein, mehr für ihre eigenen Importe auszugeben. Viele Nationen werden nicht mehr in der Lage sein, das Tempo durchzuhalten und die
ärmeren könnten überrannt werden. Die komplizierte,zerbrechliche Struktur
der globalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit, die erforderlich ist, um das
Wachstum nationaler Volkswirtschaften zu erhalten, steht in Gefahr, in Trümmer zu gehen.

Die Vereinigten Staaten werden mit anderen Verbraucherländern an Mitteln
zur Verbrauchererhaltung arbeiten und nach Wegen suchen, um die Auswirkung
massiver Investitionen aus dem Ausland zu dämpfen. Das vorläufige Abkommen
über ein Programm der Solidarität und Zusammenarbeit, das vor einigen Tagen
in Brüssel von den wichtigen Verbraucherländern unterzeichnet wurde, ist ein
ermutigender erster Schritt.
Die

-17-

�Die langfristige Lösung erfordert jedoch ein neues Verständnis zwischen
Verbraucher und Erzeuger. Im Gegensatz zu den Nahrungsmittelpreisen sind die
hohen Kosten des Öls nicht das Ergebnis wirtschaftlicher Faktoren, einer tatsächlichen Kapazitätsverknappung oder des freien Spiels von Angebot und Nachfrage. Der hohe Preis ist vielmehr durch willkürliche Entscheidung verursacht, die Produktion einzuschränken und ein künstliches Preisniveau aufrechtzuerhalten. Wir sehen ein, daß die Produzenten einen fairen Anteil haben sollen. Es bleibt jedoch eine Tatsache, daß die gegenwärtigen Preise das wirtschaftliche Wohlergehen der Produzenten selbst bedrohen. Letztlich hängen sie
für die Sicherheit ihrer Märkte und ihrer Investitionen von der Lebenskraft
der Weltwirtschaft ab. Und keine Nation kann ein Interesse daran haben, die
Verzweiflung der am wenigsten entwickelten Länder zu vervielfachen, die in
einmaliger Weise durch exorbitante Preise verwundbar sind und denen nichts anderes übrig bleibt als zu bezahlen.
Was durch politische Entscheidung heraufgesetzt worden ist, kann durch
politische Entscheidung herabgesetzt werden.

In der vorigen Woche rief Präsident Ford die Ölproduzenten auf, sich mit
den Verbrauchern bei der Ausarbeitung einer Strategie zusammenzusetzen, die
den langfristigen Bedarf der Welt sowohl an Energie als auch an Nahrungsmitteln bei vernünftigen Preisen decken wird. Er hat die Grundsätze aufgezeigt,
die eine solche Politik lenken sollten. Und er hat hier vor dieser Versanmlung
die Entschlossenheit Amerikas bekanntgegeben, unserer Verantwortung bei der
Behebung einer bitteren Realität gerecht zu werden - dem Hunger in der Welt.

In
-18-

�In einer Zeit, da Gerechtigkeit ein universales Anliegen ist, und in
einer Zeit moderner Technologie ist es untragbar, daß Millionen hungern und
Hunderte von Millionen unterernährt sind.

Der gewaltige Umfang dieses langfristigen Problems ist klar ersichtlich.
Bei den gegenwärtigen Wachstumsraten der Bevölkerung muß sich die Weltnahruvigsproduktion bis Ende dieses Jahrhunderts verdoppeln, um selbst den gegenwärtigen unzureichenden Ernährungsstand aufrechtzuerhalten. Und eine ausreichende
Ernährung für alle würde erfordern, daß wir die Weltproduktion verdreifachen.
Wenn wir unseren Prinzipien treu bleiben, dann sind wir verpflichtet, für eine
ausreichende Nahrungsmittelversorgung für jeden Mann, jede Frau und jedes Kind
auf der Welt zu sorgen. Das ist technisch möglich, politisch notwendig und
moralisch zwingend.

Die Vereinigten Staaten sind bereit, sich mit allen Nationen auf der
Welternährungskonferenz in Rom zusammenzutun, um die wahrhaft massive Anstrengung einzuleiten, die notwendig ist. Wir werden eine Reihe spezifischer Vorschläge unterbreiten:
- Um den Entwicklungsländern zu helfen. Sie haben die geringsten Erträge
und die größten Gebiete ungenutzten Landes und Wassers; ihr Potential an Nahrungsmittelproduktion muß ihrem wachsenden Bedarf angepaßt werden.
- Um die globale Düngemittelproduktion wesentlich zu erhöhen. Wir müssen
ein für allemal den chronischen Mangel an Düngemitteln auf der Welt beheben.
- Um die internationalen, regionalen und nationalen Forschungsprogramme
auszuweiten. Jetzt müssen wissenschaftliche und technische Mittel aufgeboten

-19-

�1

aufgeboten werden, um den Erfordernissen des Jahres 2000 und darüber hinaus
gerecht zu werden.
- Um die Nahrungsreserven der Welt neu aufzubauen. Unsere Fähigkeit,mit
Hungersnöten fertig zu werden, muß von den Unsicherheiten des Wetters unabhängig gemacht werden.
- Um ein beträchtliches Maß an Lebensmittelhilfe sicherzustellen. Wir
müssen verhindern, daß die ärmsten Länder überwältigt werden und sie in die
Lage versetzen, die soziale und wirtschaftliche Grundlage für ihre Selbstversorgung zu schaffen.

Die Vereinigten Staaten werden im kommenden Jahr den Wert ihrer eigenen
i

Lebensmittelhilfe für in Not befindliche Länder erhöhen. Wir gehen diese Verpflichtung trotz eines wachsenden Drucksauf unsere Wirtschaft und zu einer
i

Zeit ein, da wir darauf aus sind, unsere eigenen Regierungsausgaben zu kürzen,
eben weil wir das Ausmaß der Tragödie erkennen, vor der wir stehen. Wir alle
hier haben ein gemeinsames Problem, den ärmsten Ländern zu helfen.
Die Hoffnungen einer jeden Nation auf ein Leben in Frieden und Wohlergehen beruhen auf einer wirksamen internationalen Bewältigung der Krisen der Inflation,der Energie und der Lebensmittel. Wir müssen jetzt handeln und wir
müssen zusammen handeln.

IV. Die menschliche Dimension

Herr Präsident, wollen wir niemals vergessen, daß all unsere politischen
Bemühungen letztlich nach einem Maßstab gemessen werden - wie wir unsere Hand-

-20-

�Handlungen in menschliche Anliegen übersetzen.

Die" Vereinigten Staaten werden sich niemals mit einer Welt zufrieden geben, in der die Ängste des Menschen seine Hoffnungen überschatten. Wir unterstützen die Anstrengungen der Vereinten Nationen auf den Gebieten des internationalen Rechts und der Menschenrechte. Wir billigen die Aktivitäten'der Vereinten Nationen auf sozialem, humanitärem und wirtschaftlichem Gebiet überall auf der Welt. Die Vereinigten Staaten betrachten die Weltbevölkerungskonferenz des vorigen Monats, die Welternährungskonferenz in einem Monat und die
andauernde Seerechtskonferenz der Vereinten Nationen als fundamental wichtig
für unsere gemeinsame Zukunft.

In den kommenden Monaten werden die Vereinigten Staaten spezifische Vorschläge unterbreiten, die die Vereinten Nationen einleiten sollen:

Eine große internationale Anstrengung, um im internationalen Recht die
Folter zu verbieten. Einen konzertierten Feldzug, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen, die über 200 Millionen Menschen in 70 Ländern befällt und
arbeitsunfähig macht - die Schistosomiasis (Bilharziose), und eine wesentliche Verstärkung der Fähigkeit der Welt, mit Naturkatastrophen fertig zu werden, vor allen Dingen die Verbesserung der Katastrophenhilfsorganisation der
Vereinten Nationen.

" V.

-21-

�i

V. Zusammenfassung

Herr Präsident, wir haben lange in einer Welt gelebt , in der die Folgen
unseres Versagens in den Griff zu bekommen waren -einer Welt, in der örtliche
Konflikte eingedämmt wurden, in der Kernwaffen in erster Linie jene bedrohten,
die sie besaßen, und in der der Zyklus von Wirtschaftswachstum und Rückgang
grundsätzlich ein nationales Anliegen zu sein schien.

Dies ist jedoch nicht länger so. Wir stehen heute vor einer grundlegend
veränderten Situation. Die Vorstellung, daß Konflikte, Waffen und Rezession
sich nicht ausbreiten werden, läßt sich nicht länger aufrechterhalten.

Wir müssen uns heute entscheiden. Die Probleme, vor denen wir heute stehen, werden uns während des größten Teils dieses Jahrhunderts begleiten. Die
Frage ist, ob sie uns als Aufgabe und Herausforderung begleiten, die wir überwinden müssen, oder als Gegner, die uns überwunden haben.

Es ist leicht, sich auf einen neuen Katalog von Grundsätzen oder über
Maßnahmen zu einigen, die andere Nationen ergreifen sollten. Den Forderungen
der Armen wird man nicht durch Schlagworte beikommen; die Anforderungen einer
expandierenden Weltwirtschaft werden nicht durch neue Restriktionen erfüllt;
die Suche nach Frieden kann nicht auf der Basis der Konfrontation durchgeführt
werden. So muß sich also jede Nation fragen, was sie tun kann, welchen Beitrag sie am Ende bereit ist, zum gemeinsamen Wohl zu leisten.
Herr

-22-

�Herr Präsident, über den Frieden und die Prosperität hinaus reichen die
tiefsten Hoffnungen der Menschen auf ein Leben in Würde und Gerechtigkeit.
Und über unseren Stolz, über unsere Sorge um die nationale Zielsetzung hinaus sind wir aufgerufen,zu dienen. Wir müssen die Verbesserung der menschlichen Bedingungen zu unserem Anliegen machen. Und wenn wir auch in der kurzen
Zeitspanne, die jedem von uns zugestanden ist, nicht all die angesammelten
Probleme der Jahrhunderte lösen können, so dürfen wir doch keinesfalls weniger tun, als den Versuch, zu wagen. So wollen wir denn nun an unsere Aufgabe
gehen.

Wollen wir im Geiste des Thukydides handeln, daß die Tapfersten sicherlich jene sind, die den klarsten Blick für das haben, was vor ihnen liegt,
Ruhm ebenso wie Gefahr, die aber dennoch hinausgehen, um sich zu stellen.

Es besteht heute Hoffnung, weil die Notwendigkeit für uns so zwingend
ist, wenn wir sie nur erkennen."

-23-

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20;i97&lt;*

REDE PRÄSIDENT FORDS VOR DER UN-VOLLVERSAMMLUNG
- Wortlaut -

VEREINTE NATIONEN, New York --(AD)— Präsident Ford hat am 18. September in
einer Rede vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen eine "globale Strategie" zur Sicherung der Ernährung und der Energieversorgung aller Länder ,.
fordert und die Erhöhung des amerikanischen Beitrages für die Lebensmittelversorgung der Welt zugesichert. Die erste Rede des amerikanischen Präsidenten
vor der Weltorganisation hat folgenden Wortlaut:

"Im Jahre 1946 begrüßte Präsident Harry Truman die Repräsentanten von
55 Nationen auf der ersten Vollversammlung der Vereinten Nationen. Seither hat
jeder amerikanische Präsident die große Ehre gehabt, eine Ansprache an die
Versammlung zu richten. Heute ist es an mir, Sie, die hohen Vertreter von
138 Nationen hier voller Freude und in aller Bescheidenheit zu begrüßen.

Als ich mein Amt übernahm sagte ich zum amerikanischen Volk, daß meine
Ausführungen 'nichts anderes als ein kurzes offenes Gespräch mit Freunden'
sein würden. Ein aufrechtes, offenes Gespräch ist es, was ich heute hier in
meiner ersten Ansprache an die Vertreter der Welt bieten möchte.
In

-1-

�In der kommenden Woche wird Außenminister Henry Kissinger im einzelnen
die Prinzipien insgesamt darlegen, die ich in meinen Ausführungen heute umreißen will. Es sollte vor.allem auch nicht der geringste Zweifel bestehen,
daß der Außenminister meine volle Unterstützung hat und das amerikanische
Volk unbedingt hinter ihm steht. Als Parteiführer im Kongreß der Vereinigten Staaten, al s Vizepräsident und jetzt als Präsident der Vereinigten Staaten habe ich mit Außenminister Kissinger in engstem Arbeitsverhältnis gestanden. Ich habe seine vielen Bemühungen als Außenminister und als Chef
des Systems unseres nationalen Sicherheitsrates um den Aufbau einer Welt
des Friedens unterstützt und werde auch weiterhin dafür eintreten.

Seit der Gründung der Vereinten Nationen hat die Welt Konflikte und Bedrohungen des Friedens erlebt. Aber wir haben der größten Gefahr - einem
weiteren Weltkrieg - entgehen können. Heute habe wir die Chance, die restli&lt;=
chen Jahrzehnte dieses Jahrhunderts zu einer Ära des Friedens und der Zusammenarbeit sowie des wirtschaftlichen Wohlergehens zu machen.

Die schroffe Feindseligkeit, die einst die Großmächte in starrem Griff
hielt, hat nunmehr begonnen sich zu mildern. Viele der Krisen, die frühere
Vollversammlungen beherrschten,liegen glücklicherweise hinter uns. Der Fortschritt der Technik bietet die Hoffnung, daß eines Tages alle Menschen ein
befriedigendes Leben werden führen können.

Allzuoft haben Nationen keine andere Wahl als entweder Hammer oder Amboß zu sein: zu schlagen oder geschlagen zu werden. Nun aber haben wir eine
neue Möglichkeit: im Verein mit anderen ein System internationaler Zusammen-

-2-

�Zusammenarbeit zu schmieden. Das ist der Kurs, den die Vereinigten Sta.
für sich selbst erwählt haben.
Im Namen des amerikanischen Volkes erneuere ich heute vor Ihnen die
folgenden grundsätzlichen Verpflichtungen:

- Wir bekennen uns dazu, auf eine Welt hinzustreben, die friedlicher,
stabiler und kooperativer ist. Während wir entschlossen sind, bei einem T&lt;
der Stärke niemals übertroffen zu werden, werden wir unsere Stärke für
einsetzen, was das Beste ist. Im nuklearen Zeitalter gibt es keine vernünf

-

ge Alternative zu Abkommen über beiderseitige Zurückhaltung zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion, zwei Nationen, die die Macht haben, di&lt;
Welt zu zerstören.

- Wir werden unsere Partnerschaft mit traditionellen Freunden und Verbündeten in Europa, Asien und Lateinamerika verstärken, um den neuen Herausforderungen in einer sich rasch ändernden Welt begegnen zu können. Die Aufrechterhaltung solcher Beziehungen unterstützt die Suche nach Frieden und steht ihr
keineswegs entgegen.

- Wir werden unsere Beziehungen zu alten Gegnern knüpfen und ausweiten.
So dient beispielsweise unser neuer Kontakt mit der Volksrepublik China den
besten Interessen beider Nationen und den Interessen der ganzen Welt.
- Wir werden uns bemühen, alte Wunden zu heilen, die in den jüngsten Konflikten auf Zypern,im Nahen Osten und in Indochina wieder aufgebrochen sind.
Der Frieden kann nicht von außen aufgezwungen werden, aber wir werden alles

-3-

�alles in unseren Kräften stehende tun, um zu seiner Herbeiführung beizutragen.

- Wir verschreiben uns erneut der Suche nach Gerechtigkeit, Gleichheit
und Freiheit. Jüngste Entwicklungen in Afrika signalisieren das willlkommene
Ende des Kolonialismus. An die Stelle eines Verhaltens, das der Ära der Abhängigkeit - der Dependenz - angemessen war, muß ein neues Verantwortungsbewußtsein der Ära der gegenseitigen Abhängigkeit - der Interdependanz - treten.

Nicht eine Nation, nicht eine Nationengruppe und nicht eine Organisation
können allein all die Aufgaben bewältigen, vor der die Gemeinschaft der Völker steht. Wir müssen in Übereinstimmung handeln. Der Fortschritt zu einer
besseren Welt muß durch kooperative Anstrengungen im ganzen Bereich der bilateralen und multilateralen Beziehungen kommen.

Die revolutionäre Geb urt Amerikas und Jahrhunderte der Erfahrung in der
Anpassung einer demokratischen Regierung an sich ändernde Verhältnisse haben
die Amerikaner zu praktischen wie auch idealistischen Menschen gemacht. Als
Idealisten sind wir stolz auf unsere Rolle bei der Gründung der Vereinten Nationen und unseren Beitrag zu vielen ihrer Leistungen. Als praktische Menschen
sind wir manchmal ungeduldig, wenn wir ihre Mängel sehen.

In meinen 25 Jahren als Mitglied des amerikanischen Kongresses habe ich
zwei grundlegende praktische Lehren erfahren:
Erstens, Menschen unterschiedlicher politischer Überzeugungen können
einen gemeinsamen Boden für die Zusammenarbeit finden. Wir brauchen uns nicht
über alle Fragen einig zu sein, um über die meisten Übereinstimmung zu finu;n.

-4-

,

�finden. Natürlich werden prinzipielle Unterschiede, Unterschiede der Zielsetzung und der Anschauung nicht verschwinden. Aber ebensowenig werden unsere gemeinsamen Probleme verschwinden, wenn wir nicht gemeinsam nützliche Lösungen finden.

Zweitens, eine Mehrheit darf die legitimen Interessen einer Minderheit
nicht außer acht lassen, wenn die Entscheidungen der Mehrheit akzeptiert werden sollen. Wir, die wir an die Herrschaft der Mehrheit glauben und mit ihr
leben, müssen uns immer der Gefahren einer 'Tyrannei der Mehrheit* bewußt
sein. Die Herrschaft der Mehrheit gedeiht nur auf der Basis der Anpassung,
der Mäßigung und der Beachtung der Interessen anderer.
Die Handlungen Amerikas sind jahrzehntelang durch die harte Realität gemäßigt worden - und müssen jetzt die Handlungen aller Länder mäßigen. Die Verhütung eines großen Krieges ist im Nuklearzeitalter die Verantwortung eines
jeden geworden. Die regionalen Konflikte von heute dürfen nicht die Katastrophe der Welt von morgen werden. Wir müssen mit allen uns zur Verfügung
stehenden Mitteln sicherstellen, daß lokale Krisen rasch eingedämmt und beigelegt werden.

Was die Vereinten Nationen zu tun haben, ist ganz klar. Diese Organisation kann das Gewicht der Weltgemeinschaft in die Waagschale des Friedens legen. Und diese Organisation kann unparteiische Streitkräfte stellen, um den
Frieden aufrechtzuerhalten..Und an dieser Stelle möchte ich im Namen des amerikanischen Volkes den 37 Mitgliedern der Friedensstreitmacht der Vereinten
Nationen in Ehren gedenken, die in den letzten 10 Monaten im Nahen Osten und

-5-

�und auf Zypern ihr Leben gegeben haben, und ich möchte ihren Angehörigen unser tiefes Mitgefühl aussprechen.

Sorgen wir dafür, daß die Qualität unserer Gegenmaßnahme dem gewaltigen
umfang der Herausforderung entspricht. Ich versichere Ihnen, daß die Vereinigten Staaten der Arbeit dieser großen Körperschaft konstruktiv, einfallsreich
und aufgeschlossen gegenüberstehen werden.

Die Nationen in dieser Halle sind durch ein tiefes Anliegen, die Sorge um
den Frieden, vereint. Und wir sind ebenso durch unseren Wunsch vereint, ein
besseres Leben für alle Völker zu sichern.

Heute steht die Weltwirtschaft unter einer noch nie dagewesenen Belastung.
Wir brauchen neue Wege der internationalen Zusammenarbeit, um die vor uns liegenden Probleme wirksam anpacken zu können. Entwicklungsländer und Industriestaaten, Marktwirtschaft und Nichtmarktwirtschaften - wir sind alle Teil eines
interdependenten Wirtschaftssystems.

Die Ernährungs-und Ölkrisen zeigen augenfällig das Ausmaß unserer Interdependenz. Viele Entwicklungsländer brauchen den Nahrungsmittelüberschuß einiger weniger Industrieländer. Und viele Industrieländer brauchen das Erdöl
einiger weniger Entwicklungsländer.

Um Nahrungsmittel zu produzieren braucht man Energie, und um Energie zu
produzieren braucht man Nahrungsmittel - und beides, um für j eden ein anständiges Leben zu sichern. Die Probleme der Ernährung und der Energie können auf
der Basis der Kooperation gelöst werden - oder sie sind, wie ich sagen möchte,

-6-

�möchte, auf der Basis der Konfrontation nicht in den Griff zu bekommen. Die
davonlaufende Inflation,von Preisanstiegen bei Nahrungsmitteln und Ol beflügelt, ist ein erstes Warnsignal.
Wollen wir uns doch nichts vormachen: Wenn es uns nicht gelingt, bei den
Fragen von Öl und Ernährung und Inflation zusammenzuarbeiten, dann könnte dies
für jede hier in diesem Saal vertretene Nation die Katastrophe bedeuten. Dio
Vereinten Nationen können und dürfen nicht zulassen, daß dies eintritt. Es
bedarf unbedingt einer globalen Strategie auf dem Gebiet der Ernährung und der
Energie.

Nach Auffassung der Vereinigten Staaten sollten wir uns von vier Grundsätzen leiten lassen, wenn wir die Dinge global in Angriff nehmen:

- Erstens, alle Nationen müssen die Produktion beträchtlich erhöhen. Um
den gegenwärtigen Lebensstandard auch nur halten zu können, muß die Welt ihre
Produktion an Nahrungsmitteln und Energie fast verdoppeln, um der zu erwartenden Zunahme der Weltbevölkerung bis Ende dieses Jahrhunderts Rechnung zu tragen. Um die Hoffnungen auf ein besseres Leben erfüllen zu können, muß die Produktion wesentlich rascher gesteigert werden als die Weltbevölkerung zunimmt.

- Zweitens, alle Nationen müssen danach streben, ein Niveau der Preise
zu erreichen, das nicht nur einen Anreiz für die Erzeuger bietet, sondern
auch für die Verbraucher erschwinglich ist. Es dürfte heute klar geworden
sein, daß die Industrienationen nicht die einzigen Länder sind, die einen angemessenen Preis für ihre Güter verlangen und erhalten. Aber es dürfte ebenso klar geworden sein, daß die Erzeuger, wenn sie den Verbraucher mit

-7-

�mit Produktionsbeschränkungen, künstlichen Preisen und der Aussicht auf
schließlichen Bankrott konfrontieren, am Ende die Opfer ihres eigenen Handelns
werden.

- Drittens, alle Nationen müssen den Mißbrauch des fundamentalen Bedarfs
der Menschen zum Zwecke enger nationaler oder blockgebundener Vorteile vermeiden. Der Versuch eines Landes, eine Ware für politische Zwecke einzusetzen,
wird unausweichlich andere Länder dazu verleiten, ihre Waren für ihre °igenen
Zwecke einzusetzen.

- Viertens, die Nationen der Welt müssen sicherstellen, daß die Ärmsten
unter uns nicht von den steigenden Preisen für die Importe überwältigt werden,
die für ihr Überleben notwendig sind. Die Länder, die traditionell Hilfe gewährt haben, und die zunehmend reicher werdenden Ölländer müssen sich in diesen Bemühungen zusammentun.

Die Vereinigten Staaten sind sich der besonderen Verantwortung bewußt,
die sie als der größte Nahrungsmittelerzeuger der Welt tragen. Darum hat Aussenminister Kissinger im vorigen Jahr von diesem Podium aus eine Welternährungskonferenz vorgeschlagen, um eine globale Ernährungspolitik auszuarbeiten.
Und das ist einer der Gründe, warum wir Binnenrestriktionen für die Nahrungsmittelerzeugung in den Vereinigten Staaten aufgehoben haben. Wir haben nicht
die Politik verfolgt, Nahrungsmittel als politische Waffe einzusetzen - trotz
des Ölembargos und der kürzlichen Preis-und Produktionsentscheidungen bei Öl.
Es wäre verlockend für die Vereinigten Staaten - die von Inflation und
sprunghaft steigenden Energiepreisen heimgesucht sind - den Appellen von außen

-8-

�außen nach Lebensmittelhilfe taube Ohren zu leihen oder mit Appellen nach Exportkontrollen im eigenen Lande zu reagieren. Aber so schwierig unsere eig
wirtschaftliche Lage auch sein mag, so sind wir uns doch darüber im klaren,
daß die Not anderer noch schlimmer ist.

Die Amerikaner haben auf menschliche Notfälle in der Vergangenheit immer
reagiert, und wir reagieren auch heute darauf.
In Beantwortung des Appells von Generalsekretär Waldheim und um zur Lösung der langfristigen Probleme der Nahrungsmittelversorgung beizutragen, erkläre ich hier erneut:
Um Entwicklungsländern bei der Verwirklichung ihrer Hoffnungen, mehr eigene Nahrungsmittel zu erzeugen, zu helfen, werden die Vereinigten Staaten
ihre Unterstützung für landwirtschaftliche Produktionsprogramme in anderen Ländern erhöhen.

Um sicherzustellen, daß das Überleben von Millionen unserer Mitmenschen
nicht von den Launen des Wetters abhängt, sind die Vereinigten Staaten bereit,
über ein internationales System von Nahrungsmittelreserven zu verhandeln, es
mit einzurichten und aufrechtzuerhalten. Dieses System wird am besten funktionieren, wenn jede Nation für die Verwaltung der Reserven verantwortlich gemacht
wird, die es zur Verfügung haben wird.

Und schließlich werden die Vereinigten Staaten, um sicherzugehen, daß der
unmittelbarere Nahrungsmittelbedarf in diesem Jahr gedeckt wird, nicht nur den
Betrag, den sie für Nahrungsmittellieferungen an in Not befindliche Länder

-9-

�Länder ausgeben, in gleicher Höhe

aufrechterhalten, sondern ihn in diesem

Jahr noch erhöhen.

Auf diese Weise streben die Vereinigten Staaten danach, an der Festlegung
einer kooperativen globalen Politik mitzuwirken und einen Beitrag zu dieser
Politik zu leisten, damit der unmittelbare und der langfristige Bedarf der
Menschen an Nahrungsmitteln gedeckt werden kann. Wir werden unsere umfassenden
Vorschläge auf der Welternährungskonferenz im November vorlegen.

Es ist jetzt an der Zeit, daß die Ölproduzenten ihre Vorstellungen von
einer globalen Energiepolitik vorlegen, um den wachsenden Bedarf zu decken
- und dies tun, ohne dem internationalen Währungs-und Handelssystem untragbare
Bürden aufzuerlegen.

Eine Welt der wirtschaftlichen Konfrontation kann keine Welt der,politischen Kooperation sein. Wenn es uns nicht gelingt, den fundamentalen Bedarf
des Menschen an Energie und Nahrungsmitteln zu decken, dann stehen wir vor
einer Bedrohung nicht nur unserer Hoffnungen auf ein besseres Leben für all
unsere Völker, sondern auch unserer Hoffnungen auf eine stabilere und friedlichere Welt. Wenn wir zusammenarbeiten, um unsere gemeinsamen Probleme zu überwinden, dann kann die Menschheit von der Angst weg zur Hoffnung gelangen.

Seit der Zeit der Gründung der Vereinten Nationen ist Amerika freiwillig
eingetreten, um Ländern in Not zu helfen - oft als der Hauptgeber. Wir sind
in der Lage, das zu tun. Wir tun es gerne. Aber wenn jetzt neue wirtschaftliche Kräfte die heutige komplexe Welt verändern und umgestalten, dann kann man
von keiner Nation erwarten, alle hungrigen Menschen der Welt zu ernähren.

-10-

�ernähren. Glücklicherweise sind viele Nationen in zunehmendem Maße in der
Lage, zu helfen. Ich appelliere an sie, sich uns als wahrhaft vereinte Nationen in dem Kampf anzuschließen, um den Hungrigen mehr Nahrungsmittel zu niedrigeren Preisen zur Verfügung zu stellen, und, ganz allgemein, in dem Kampf
um ein besseres Leben für alle Bedürftigen in dieser Welt.

Amerika wird weiterhin mehr als nur seinen Pflichtbeitrag leisten. Aber
auch für unsere Fähigkeiten gibt es realistische Grenzen. Keine Grenzen sind
jedoch unserer Entschlossenheit gesetzt, in Einklang mit anderen Nationen zu
handeln, um die Vision der Charta der Vereinten Nationen zu verwirklichen:
»künftige Generationen vor der Geißel des Krieges zu retten», und »sozialen
Fortschritt und einen besseren Lebensstandard in größerer Freiheit zu fördern»."

-11-

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20/1974

NUKLEAR-ABRÜSTUNG: EINE ÜBERLEBENSFRAGE FÜR DIE MENSCHHEIT

Von Fred C. Ikle
Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung

Der Direktor des amerikanischen Amtes für
Rüstungskontrolle und Abrüstung, Fred C.
Ikle, hat in eindringlicher Weise vor den
unvorstellbaren Gefahren der Kernwaffen
gewarnt und die Abrüstung auf diesem Gebiet als Frage des Überlebens der Menschheit bezeichnet. In einem Vortrag vor dem
privaten Rat für Auswärtige Beziehungen
in Chicago am 5. September wandte sich
Ikle gegen die "Lethargie" der Öffentlichkeit, die sich an die drohenden Schrecken
eines Atomkrieges mehr oder weniger gewöhnt
habe. Er wies an Hand von Beispielen darauf hin, daß die Folgen des Einsatzes
von Nuklearwaffen selbst von Wissenschaftlern nicht vorausgesagt werden könnten
und die Frage der nuklearen Abrüstung in
aller Offenheit behandelt werden muß.

Wie können wir im Nuklearzeitalter das Überleben unseres Landes mit all
seinen Freiheiten garantieren? Wir brauchen vor allem Mut und Offenheit, um
mit dieser schmerzlichsten aller Fragen fertig werden zu können.

Wir alle spüren die ungewisse Gefahr eines Atomkrieges, aber wir haben
unsere innere Stimme zum Schweigen gebracht. Wir haben einfach aufgehört, uns
die Fragen zu stellen,die uns aus unserer unterdrückten Ängstlichkeit auf-

�aufrütteln könnten: Welches sind die Auswirkungen der Nuklearwaffen auf dan
Menschen? Was können sie Menschen, einem Lande, antun? Das Potential an Soi,_e
und Leid, das in den Nukleararsenalen verborgen liegt, hat längst unsera Fähigkeit zur Empfindung von Angst weit überstiegen.

Jene unter uns, die alt genug sind, sich an das Jahr 1945 zu erinnern,
haben noch immer ein lebendiges Bild vor Augen. Wir erinnern uns an Hiroschima
und Nagasaki - an Quadratkilometer von Städten, die in eine Einöde verbogenen
Eisens und zerschmetterten Betons verwandelt wurden. Wir erinnern uns an die
Augenzeugenberichte, die Fotos, die eingehenden medizinischen Berichte und
an die wissenschaftlichen Auswertungen. Wir dachten, wir würden das verbrannte Fleisch, die zerfetzten Kinder, die furchtbare Strahlenkrankheit nie vergessen.
Um das Ausmaß der Zerstörungskraft der Atombombe ausdrücken zu können,
griffen wir auf die Sprengstoffe zurück, die im zweiten Weltkrieg für die
strategische Bombardierung von Städten benutzt wurden. Damals, als wir das
schreckliche Bild jener zerstörten Städte noch vor Augen hatten, hatte die
Vorstellung von Tonnen des Sprengstoffs TNT für uns ihre Bedeutung. Der
"Blockbuster" (Luftmine), die größte Bombe vor Erfindung der Atombombe, die
einen ganzen Häuserblock (ein Quadrat) zerstören konnte, enthielt zehn Tonnen
TNT. Die Atombombe, die Hiroschima zerstörte, hatte die Sprengkraft von 15 000
Tonnen TNT.

Wir waren also darauf aus, den Bedrohungen eines dritten Weltkrieges
einen menschlichen Maßstab zu setzen, nach dem Kilotonnen-»Bomben gegen Dutzende von Zielen eingesetzt würden. Ich sage ausdrücklich "Dutzende", denn das

�das war die Zahl der Atombomben, die Ende der vierziger Jahre zur Verfügung
standen.

Dann brachte Anfang der fünfziger Jahre ein qualitativer Sprung die Megatonne. Jetzt konnte unsere Vorstellungskraft nicht mehr mit der Realität mithalten. Wir konnten uns in menschlichen Begriffen eine mit 100 000 multiplizierte Luftmine einfach nicht mehr vorstellen. Aber wir dachten, wir könnten
es immer noch wissenschaftlich fassen. Eine "Megatonne" ist ein Begriff der
wissenschaftlichen Sprache ohne einen entsprechenden gefühlsmäßigen Inhalt,so
wie etwa der Begriff der Lichtjahre bei der Entfernung zwischen Sternen.

Die fundamentale Wahrheit hinsichtlich der Megatonnen liegt jedoch darin,
daß sie nicht irgendwo weit draußen im Weltraum liegen; Megatonnen sind heute
auf Menschen gerichtet, auf Sie und auf mich, die Menschen in den Vereinigten
Staaten und in Rußland, auf Männer, Frauen und Kinder in vielen Städten in
vielen Ländern.

Das Wesentliche der Kernwaffen liegt also in ihrer Bedeutung für den
Menschen - eine Bedeutung, die der wissenschaftliche Jargon gerade nicht vermitteln kann.

Wir haben damit vor über zwanzig Jahren - gefühlsmäßig und menschlich einfach den Begriff für die Realität der Nuklearwaffen

verloren. Und dabei

ging die Realität noch viel weiter über den Horizont unseres Begriffsvermögens hinaus. Denn nach diesem qualitativen Sprung von Kilotonnen zu Megatonnen
erhöhte sich in den folgenden Jahrzehnten auch noch die Quantität der Waffen
um ein tausendfaches. Statt der Dutzende von Atombomben, die uns Ende der

�t
k

der vierziger Jahre so sehr in Schrecken versetzten, haben wir es heute mit
vielen Tausenden von Nuklearwaffen zu tun.
Ich bin sicher, daß Sie alle diese Geschichte kennen. Aber all Jenen, die
diesen makabren Zweig der Wissenschaft nicht so genau verfolgt haben, kann
ich wichtige Neuigkeiten mitteilen: Wir sind nicht nur nicht in der Lage, die
menschliche Bedeutung eines Nuklearkrieges auszudrücken - die einzige Bedeutung, auf die es ankommt - sondern wir sind ebensowenig in der Lage, die physikalischen Auswirkungen nuklearer Kriegführung in ihrer ganzen Reichweite zum
Ausdruck zu bringen - geschweige denn, diese Auswirkungen zu berechnen.
Warum ist dies so? Weil der Schaden durch nukleare Explosionen im Grundgefüge der Natur und in der Sphäre des Lebendigen kaskadenartig von einem
Effekt auf einen anderen überspringt, und zwar in einer so komplizierten Weise, •
daß sie sich von unseren Wissenschaftlern nicht voraussagen läßt. Es ist schon
so, daß, je mehr wir wissen, wir auch umso mehr erkennen, wie wenig wir in
Wahrheit wissen. Einige Unglücksfälle und Zufallsentdeckungen gaben uns im Verlauf der letzten zwanzig Jahre die Möglichkeit, ein wenig tiefer in dieses Inferno zu blicken. Mindestens ein halbes Dutzend der dabei gemachten Entdeckungen sollten nicht so leicht vergessen werden.

Die erste dieser Entdeckungen erinnert uns daran, daß man über die
strahlungsaktiven Rückstände nach nuklearen Explosionen - den sogenannten
"fall-out" - keine sicheren Voraussagen machen kann.
Im

�Im Jahre 1954 brachten die Vereinigten Staaten einen "experimentellen
thermonuklearen Sprengsatz" auf einem Korallenriff im Gebiet der MarshallInseln zur Detonation. Er sollte eine Stärke von rund acht Millionen Tonnen
TNT haben. Tatsächlich aber wurde durch die Explosion eine fast doppelt so
große Sprengkraft wie vorausberechnet erzeugt - nämlich entsprechend 15 Millionen Tonnen Trinitrotoluol. Auch der "fall-out" der Explosion war wesentlich höher als erwartet. Durch ihn wurde eine Fläche von über 7 000 Quadratmeilen gefährlich verseucht. Radioaktive Explosionsrückstände regneten auf
ein japanisches Fischerboot herab, das sich über 40 Meilen außerhalb der
vorher angekündigten Sperrzone für den Test befand. Etwa 100 Meilen in Windrichtung von der Explosionsstelle entfernt ging völlig unerwartet ein gefährlicher fall-out Niederschlag auf das Rongelap-Atoll herab, so daß dessen Bewohner evakuiert werden mußten. Auf einem Teil des Atolls erreichte die
fall-out-Verseuchung das sechsfache der tödlichen Dosis. Die amerikanische
Regierung reagierte darauf unverzüglich mit der Bekanntmachung, daß die Gefahrenzone auf 400 000 Quadratmeilen erweitert werde - das heißt, auf das
achtfache der ursprünglich als eigentliche Gefahrenzone abgegrenzten Region.
Hier erteilte die praktische Erfahrung eine dramatische Lektion, wie schwierig jede sichere Voraussage über das Verhalten der radioaktiven Explosionsrückstände ist.

Die zweite Entdeckung.
Derselbe thermonukleare Test machte uns eindringlich etwas von der
dem
menschlichen Bedeutung klar, die sich mit/Begriff "fall-out" verbindet,einem
Wort, das zur damaligen Zeit für die meisten Menschen in der Welt kaum mehr
war als eine leere Abstraktion.
-5-

�Bald nach der Explosion fiel ein sandiger Aschenregen auf die Besatzung
jenes von mir vorhin erwähnten japanischen Fischerbootes, setzte sich in ihr
Haar und auf ihre Haut. Die Besatzung, die keine Ahnung von der wahren Natu*
dieser vom Himmel fallenden seltsamen Substanz hatte, ließ sich nicht störer
und arbeitete weiter. Aber nach kurzer Zeit begannen sich die ersten furchtbaren Symptome der Strahlenkrankheit zu zeigen.

Auf dem Rongelap-Atoll vergingen zwei Tage, ehe die Inselbewohner evakuiert wurden. Zu diesem Zeitpunkt hatten sie etwa ein Viertel der tödlichen
Strahlungsdosis aufgenommen. Glücklicherweise waren sie nicht auf der Nordspitze der Insel gewesen, wo sie durch den "fall-out" einen raschen Tod gefunden hätten. Es stellte sich jedoch später heraus, daß Kinder ernsthafte
Dauerschäden an der Schilddrüse davongetragen hatten, durch die ihr Wachstum
verzögert wird. Erst kürzlich wurde ein junger Mann, der damals nach dem
thermonuklearen Test als Fötus im Leib seiner Mutter der "fall-outu-Strahlung
ausgesetzt war, im Cleveland Metropolitan General Hospital operiert, um tumorartige Gewächse aus seiner Schilddrüse zu entfernen. Damit stieg die Zahl der
Bewohner von Rongelap, die wegen ähnlicher Erkrankungen operiert werden mußten, auf 28.

Die dritte unerwartete Entdeckung ließ uns erkennen, daß Nuklearexplosionen massive Störungen und Unterbrechungen des weltweiten Fernmeldenetzes
herbeiführen können. Diese Art der Unterbrechung hätte die Fähigkeit von Regierungen und militärischen Befehlshabern ernsthaft gefährden können, Angriff swarnungen zu empfangen und die Verbindung aufrechtzuerhalten. Im Jahre
1958 brachten die Vereinigten Staaten hoch über der Johnson-Insel im Pazifik

-6-

�Pazifik zwei nukleare Sprengsätze zur Detonation. Funkverbindungen, die in
etwa 600 Meilen (900 km) Entfernung vom Detonationspunkt am Himmel verliefen,
setzten völlig unerwartet aus. Einige der Unterbrechungen dauerten Minuten,
andere viele Stunden. Diese Störungen entstanden aus komplizierten Wechselwirkungen der durch die Explosion hervorgerufenen Auswirkungen: die Störung der
Ionosphäre, die normalerweise die Funkwellen zur Erde reflektiert, die Druckwelle, Strahlung der Trümmerpartikel und Ionisierung der Atmosphäre. Die Ursachen für die unerwarteten Unterbrechungen wurden geklärt - aber erst lange
nach dem Ereignis.

Die vierte zufällige Entdeckung lenkte die Aufmerksamkeit unserer Experten auf die Schäden, die über weite Entfernungen hinweg durch nuklearp
Detonationen an elektronischem Gerät und Computern auftreten können. Natürlich
haben unsere Ingenieure - glücklicherweise - noch keinen Nuklearkrieg erlobt,
und sie haben sich daher in erster Linie über die Schäden durch Hitze und
Druck, die ihnen von Hiroschima und Nagasaki und späteren Waffenversuchen her
bekannt waren, Gedanken gemacht. Aber mittlerweile hatten die Briten herausgefunden, daß der durch eine nukleare Explosion hervorgerufene elektromagnetische Impuls über das Ausmaß an Explosionsschäden

hinaus entscheidend wichti-

ge Befehls-und Kontrollverbindungen und Computeraufzeichnungen zerstören könnte. Die Briten,die ein sehr viel kleineres Versuchsprogramm haben,als wir,
nahmen an, daß wir von dieser Anfälligkeit wüßten. Wir wußten es nicht. Das
Wissen um diesen Effekt ist unseren Experten nur durch Zufall zu Ohren gekommen.
Die

-7-

�Die fünfte Entdeckung verändert unsere Beurteilung der Verwundbarkeit
von Raketen, die durch unterirdische Silos geschützt sind, wie unsere Minuteman. Wie Sie wissen, macht man sich ständig Gedanken, daß unsere Streitmacht
an Minuteman-Raketen verwundbar für einen Überraschungsangriff werden und damit ihren Abschreckungswert verlieren könnte. Jahrelang sind einfache Berechnungen angestellt worden - Berechnungen, wie sie ein Lehrer auf der Hälfte
einer Schultafel aufschreiben könnte- um zu zeigen, daß genau gezielte Mehrfachgefechtsköpfe - sogenannte MIRVS - diese Verwundbarkeit unweigerlich
steigern würden. Und dann wurde die vielfache Verschlungenheit der wirklichen Welt wiederentdeckt. Man fand heraus, daß durch ein Phänomen unter der
Bezeichnung "Fratrizid" (Brudermord) einige dieser Gefechtsköpfe sich gegenseitig zerstören oder ablenken könnten, ehe sie das ins Auge gefaßte Ziel zerstören können. In diesem Falle könnte man sagen, daß die Entdeckung etwas Ermutigendes enthält: Unsere einfachen Berechnungen könnten die Verwundbarkeit
unserer Raketen übertrieben haben.

Das sechste und letzte Beispiel betrifft eine neue Ungewißheit darüber,
was ein Nuklearkrieg dem Menschen und eben der Umwelt antun könnte, von der
das Leben überhaupt abhängt - eine Ungewißtheit, die man 25 Jahre lang nicht
gewahr wurde. Es geht nämlich um die Möglichkeit, daß eine große Zahl von
Nuklearexplosionen die Vernichtung oder die teilweise Vernichtung der Ozonschicht in der Stratosphäre hervorrufen könnte, die zum Schutz alles Lebenden
vor der ultravioletten Strahlung beiträgt.

Ich möchte auf die Zufälligkeit dieser Entdeckung hinweisen. Nicht etwa
Studien über einen thermonuklearen Krieg, sondern damit in keiner Weise zu-

-8-

�zusammenhänge Untersuchungen über das Überschall-Transportflugzeug brachten
das Ozon-rProblem zutage.

Vor einigen Jahren führte die öffentliche Kontroverse um das Überschallflugzeug zu Untersuchungen über die möglichen Auswirkungen solcher Flugzeuge
auf die Stratosphäre. Dies wiederum führte zu einer erneuten Überprüfung der
Meßdaten, die Anfang der sechziger Jahre nach einer Reihe von Nuklearversuchen in der Atmosphäre aufgezeichnet worden waren. Aufgrund dieser Unterlagen nahm die Veröffentlichung einiger Artikel in wissenschaftlichen Zeitschriften ihren Anfang, aus denen sich die Geschichte herauszuschälen begann.

Wir wissen, daß Kernexplosionen in der Erdatmosphäre gewaltige Mengen
an Stickstoffoxyden und anderen Verschmutzungsstoffen hervorbringen, die den
Ozonvorrat, der die Erde umgibt, erschöpfen könnten. Aber wir wissen nicht,
wie stark diese Ozonvorräte bei einer großen Zahl von Nuklearexplosionen abgebaut werden könnten - es könnte in einem kaum feststellbaren umfang, aber
es könnte auch beinahe total sein. Wir wissen nicht, wie lange ein solcher Zustand der Erschöpfung dauern würde — weniger als ein Jahr oder länger als
zehn Jahre? Und vor allem wissen wir nicht, was dieser Erschöpfungszustand für
Pflanzen, Tiere und Menschen bedeuten würde. Vielleicht wäre nur die Gefahr
größer, einen Sonnenbrand zu bekommen. Oder vielleicht würden entscheidend
wichtige Glieder in der komplizierten Nahrungskette von Pflanzen und Tieren
zerstört und damit die ökologische Struktur umgestoßen, die es dem Menschen
ermöglicht, auf diesem Planeten am Leben zu bleiben. Alles, was wir wissen,
ist, daß wir es nicht wissen.
Um

-9-

�1

Um mehr Erkenntnisse über diese neue potentielle Gefahr eines Nuklearkrieges zu gewinnen, hat sich meine Behörde,das Amt für Rüstungskontrolle und
Abrüstung (ACDA), im Rahmen der statutenmäßigen Aufgabe, wissenschaftliche
Informationen zu liefern, auf die sich die Rüstungskontrollpolitik stützen
muß, der Unterstützung der Nationalen Akademie der Wissenschaften versichert.

Die sechs von mir erwähnten Beispiele zeigen, wie die durch Zufälle gemachten wissenschaftlichen Entdeckungen bruchstückweise unser Wissen um nukleare Kriegführung erweitern. Jede dieser Entdeckungen riß ein Loch in den
Schleier gängiger und bequemer Vorstellungen, der die eigentliche Realität
des Atomkrieges verhüllt. Jede Entdeckung gab spontan einen neuen kurzen Einblick in den Hexenkessel des Grauens frei. Welches wird die nächste unerwartete Entdeckung sein? Wie wird die Überraschung Nummer 7 - wie die Nummer 8
aussehen?
Unglücklicherweise nimmt der Mensch, wenn er sich seinen Ängsten nicht
mutig stellen und die Wirklichkeit nicht mehr begreifen kann, seine Zuflucht
zum Aberglauben und schafft sich als Ersatz für die unbegreifliche Wirklichkeit eine imaginäre Ordnung. So zählen wir denn die Megatonnen und die Raketen und die MIRVs; wir klassifizieren die Waffen als "taktische" und "strategische"; wir benutzen elektronische Großrechenanlagen, um den "nicht-akzeptablen Schaden" zu berechnen. Wir entwicklen scharfsinnige Theorien über den
"Erstschlag", den "Zweitschlag" und die "gegenseitige Abschreckung". All diese Besorgnisse sind wichtig. Aber wir dürfen nicht in den Irrtum verfallen,
daß wir unsichere Vorstellungen und Begriffe für ein auf solider Erfahrung begründetes Wissen halten.
Dieser

-10-

�Dieser Mangel an realem Wissen betrifft nicht nur die Auswirkungen der
Nuklearwaffen, sondern die gesamte Rüstung überhaupt. Was hier an Stahl, Aluminium und Beton verwandt wird, erscheint eigentlich solide genug. Wir sollten jedoch, um nicht ein zu großes Vertrauen in diese sogenannten "Waffensysteme" zu setzen, folgendes bedenken: Alle diese komplexen "Systeme" mußten in einer Welt der Theorie geplant und entwickelt werden. Sie konnten niemals in der eigentlichen Weltkatastrophe erprobt werden, in der sie ja dann
funktionieren sollen, wenn sie überhaupt in Funktion zu treten haben. Die
modernen nuklearen Waffensysteme sind das Produkt einer langen Folge von Forschungsprojekten und technischer Entwicklung, glücklicherweise ohne je in
vollem Ausmaß getestet worden zu sein - eines Entwicklungsprozesses also, wie
er in der Geschichte der Technologie einzigartig dasteht.

Es ist, als hätten wir seit den Tagen der Gebrüder Wright Flugzeuge immer modernerer und technisch weiterentwickelter Bauart hergestellt, ohne auch
nur je ein einziges davon geflogen zu haben, wobei wir uns begnügen, immer
nur die einzelnen Bauteile zu testen, uns bei der Konstruktion des gesamten
Flugzeugs aber völlig auf die Theorie verlassen. Würden Sie sich dann wohl
trauen, Ihre Familie in dem technisch fortgeschrittensten Modell eines auf
solche

Weise entwickelten Flugzeugs fliegen zu lassen?

Tatsache jedenfalls ist, daß seit dem zweiten Weltkrieg nukleare Waffensysteme immer weiter aufgebaut und angesammelt wurden - gestützt auf theoretische Berechnungen, Laboratoriumsexperimente und Teilversuche. Wir kennen
die vollen Implikationen nicht, die sich ergeben würden, wenn dieses gesamte
Waffensystem jemals zum Einsatz kommen sollte - und wir wollen sie auch nie

-11-

�nie und nimmer kennenlernen. Aber wir, genau so wie die anderen Staaten, stokken dieses Waffenarsenal ständig um neue Schichten auf, in der Hoffnung, daß
diese Waffen uns vor einem feindlichen Überfall schützen werden.

Glücklicherweise bewahren in unserem Land die Tradition der offenen Gesellschaftsform und die vom Kongreß und der Presse ausgeübte Kontrollfunktion
einen gesunden Sinn der Besorgnis und der Skepsis. Neue Waffensysteme unterliegen scharfer Kontrolle und Prüfung. In geschlossenen Gesellschaftssystemen
aber, in denen die Praxis der Geheimhaltung so tief verwurzelt ist, kann das
Militär mit seinen Technikern in völliger Abgeschlossenheit an ihren unerprobten "Systemen" und ihren nicht-verifizierten Hypothesen, wie sie einen Nuklearkrieg führen würden, verbissen weiterarbeiten, ohne sich der Katastrophe bewußt zu werden, die man vorbereitet. In einer offenen Gesellschaft stoßen Dummheit und Falschheit am Ende schließlich doch auf Gegenwehr kluger und aufrechter Menschen.

Ich habe Sie an den Unglücksfall vor 20 Jahren erinnert, der unsere Techniker zwang, die Auswirkungen des nuklearen "fall-out" anzuerkennen. Eine kurze Zeit lang hat der bürokratische Instinkt einige unserer amtlichen Vertreter
veranlaßt, die Dinge zu verheimlichen. Einige Tage nach der Explosion auf den
Marshall-Inseln ließ sich aus den verfügbaren Informationen herauslesen, daß
das japanische Fischerboot die Grenzen der Sicherheitszone überschritten haben
könnte, daß die Fischer nicht ernsthaft verletzt worden seien, daß irgendwie
die Natur mit an der Sache schuld sei: "Der Wind wehte nicht wie vorausgesagt
..." wurde als Entschuldigung angeführt. Aber unsere freie Presse und der
Kongreß wollten die Fakten wissen.
Wie
-12-

�Wie Sie wissen bilden die Leidenschaft des amerikanischen Volkes, die
Energie unserer freien Presse und der verfassungsmäßige Aufbau unserer Regierung keine sehr günstige Umwelt für Geheimniskrämerei. Darin liegt eine echte
Stärke - und eine echte Hoffnung. Wir haben Zugang zu den Fakten, die bekannt
sind, und, was ebenso wichtig ist, zu der größeren Wahrheit, daß vieles unbekannt bleibt. Natürlich genügt es nicht, daß die Tatsachen dem Bürger zugänglich sind; der Bürger muß auch auf die Tatsachen reagieren.

Die Welt scheint sich an Nuklearwaffen gewöhnt zu haben. Bernard Baruch
hat uns schon vor fast 30 Jahren davor gewarnt, daß dies eintreten könnte, als
er die Vereinigten Staaten in Fragen der Kontrolle von Nuklearwaffen bei den
Vereinten Nationen vertrat. Im Dezember 1946, also acht Monate nach Unterbreitung des berühmten, nach ihm benannten Planes erklärte Baruch: "Zeit ist etwas
zweischneidiges; sie bringt uns nicht nur unerbittlich unserem Untergang näher,
wenn wir uns nicht selbst retten, sondern, was noch horrender ist, sie läßt
uns auch uns an bestehende Verhältnisse gewöhnen,die, weil sie uns vertraut
werden, immer weniger bedrohlich erscheinen."

Was können wir tun, um gegen die Gewöhnung, diese fatalistische Lethargie
anzugehen? Die Antwort liegt teilweise in unserer Fähigkeit als Amerikaner,mit
anderen Regierungen und Völkern in Kommunikation zu treten. Ich meine das nicht
als Gerede, sondern ich meine das im wahrsten Sinn des Wortes. Es wäre der
größte Fehler, wollte man die geistige und moralische Wirkung unterschätzen,
die wir auf das Weltgeschehen ausüben können.
Seit

-13-

�Seit Beginn des Nuklearzeitalters stammen die geistigen Grundlagen der
Bemühungen um Rüstungskontrolle und Abrüstung weitgehend aus amerikanischen
Beiträgen, die unsere Gelehrten und Diplomaten, unsere Militärs und unsere
Wissenschaftler geleistet haben. Schon allein die Tatsache, daß die amerikanische Regierung als erste eine Behörde schuf, die sich mit Rüstungskontrolle
und Abrüstung befaßte, spiegelt zutiefst eine amerikanische Eigenschaft
wider - einen praktischen Optimismus, daß man die Angelegenheiten der Menschen
in den Griff bekommen könne.

Da die Vereinigten Staaten einmal eine offene Gesellschaft sind und zum
anderen die Nuklearnation an der Spitze, sind wir die einzigen, die der Welt
draußen diese Realitäten vermitteln können. Es ist heute das Schicksal eines
jeden Landes, in einer Welt eingeschlossen zu sein, die durch moderne Instrumente der Zerstörung immer kleiner und schrecklich zerbrechlich geworden ist.
Wenn wir uns selbst über die Auswirkungen eines Nuklearkrieges und die Notwendigkeit der Abrüstung klar werden, dann werden wir in der Lage sein^ uns an
die Bürger aller Länder zu wenden.

Wir werden wohl stark auf die Probe gestellt werden. Wir dürfen keine
Charakterschwäche zeigen,indem wir uns nur auf die Stärke unserer Rüstungen
verlassen, sondern wir müssen die Enttäuschungen von Verhandlungen über beiderseitige Verringerung der Rüstungen auf uns nehmen. Und wir dürfen keine
Schwäche zeigen, indem wir von unseren Normen für gesunde Rüstungskontrollmaßnahmen abgehen. Ich bin überzeugt, daß wir die Probe bestehen werden, so wie
Präsident Ford es ausgedrückt hat: "So wie Amerika die Stärke seiner nuklea-

-14-

�nuklearen Abschreckung aufrechterhalten wird, so werden wir niemals in den
Verhandlungen nachlassen, um die Bedrohung der Menschheit zu kontrollieren
- und wie wir hoffen, zu verringern."

Für die Vereinigten Staaten sind, wie für jedes Land, Eigeninteresse
und menschliches Interesse identisch: die Erde, unsere einzige Quelle des
Lebens, zu schützen. Dem Anwachsen und der Ausbreitung der nuklearen Rüstungen Einhalt zu gebieten, kann damit zum gemeinsamen Anliegen der internationalen Gemeinschaft werden. Wir müssen große Anstrengungen unternehmen, um zu
gewährleisten, daß die Offenheit, das Vertrauen und die Energie Amerikas bei
dem Streben nach einer Kontrolle der Nuklearwaffen auf eine entsprechende
Reaktion der führenden Männer und der Bürger in der ganzen Welt stoßen werden.

-15-

�*} a m e r i k a dienst
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20/1974

US-DELEGATIONSCHEF RECHNET MIT SALT-ÜBEREINKUNFT IM KOMMENDEN JAHR

- Interview mit Botschafter U.Alexis Johnson-

Der Chef der amerikanischen Delegation bei
den am 18. September in Genf wieder aufgenommenen SALT II-Verhandlungen, Botschafter
U. Alexis Johnson, hat in einem Interview
mit dem Korrespondenten des US-Informationsamtes (USIA), Peter Karegeannes, die Hoffnung ausgesprochen, daß es im kommenden Jahr
möglich sein wird, mit der Sowjetunion zu
einem Abkommen zu gelangen. Die USA, so erklärte er, strebten ein möglichst "umfassendes" Abkommen für einen Zeitraum von zehn
Jahren an, da dieses Ziel realistischer sei
als ein "ständiges Abkommen". Johnson betonte, daß eine solche Übereinkunft durch spätere weitere Verhandlungen verlängert oder
durch ein neues ersetzt werden könne Verhandlungen, die nach seiner Ansicht in
irgendeiner Form bis in die ferne Zukunft
fortgesetzt würden.
Das Interview hat folgenden Wortlaut:
Frage: Herr Botschafter, in den letzten Wochen hat es mit dem Herannahen der
Wiederaufnahme der SALT-Verhandlungen - und mit einem neuen Präsidenten im
Weißen Haus - in der amerikanischen Presse viele Spekulationen gegeben, ob
die amerikanische Regierung rechtzeitig für die neue Runde eine Verhandlungsposition fertiggestellt habe. Gibt es eine solche Verhandlungsposition?
Antwort:

�Antwort: Jawohl, ich habe Instruktionen, die sich auf den ganzen Bereich der
Verhandlungen erstrecken, wenn wir jetzt in Genf wieder zusammenkommen.

Frage: Für die meisten Leute stellt sich wahrscheinlich als die dringendste
Notwendigkeit, zu irgendeiner Form der Kontrolle der Mehrfach-Gefechtsköpfe
(MIRV) zu gelangen. Planen Sie, als ersten Schritt auf ein MIRV-Abkommen in
irgendeiner Form abzuzielen und von da aus dann weiterzugehen?

Antwort: Unser Ziel bei diesen Verhandlungen besteht darin,zu einem umfassenden Abkommen zu gelangen, das sich auf den Zeitraum bis 1985 erstrecken wird.
Während wir also die Möglichkeit eines Abkommens auf einem begrenzteren Gebiet, wie MIRV, nicht ausschließen wollen, wird unser Ziel doch darin bestehen, ein umfassenderes Abkommen - in der Hoffnung, daß es MIRV einschließen
•

wird - zustandezubringen.
Frage: SALT I hat bereits landgestützten und unterseeboot-gestützten Raketenabschußrampen Grenzen auferlegt. Wenn Sie also jetzt von einem umfassenden
Abkommen sprechen, welche zusätzlichen Systeme würde dies einschließen? Wären
beide Seiten beispielsweise bereit, die Zahl der strategischen Bomber zu begrenzen?
Antwort: Das wird sich noch erweisen müssen, aber offensichtlich sind Interkontinental-Bomber eines der Systeme, die sich natürlicherweise für den Ein«
Schluß in ein umfassendes Abkommen anbieten würden. Dann taucht

die Frage mög-

licher künftiger Systeme auf - Systeme, die noch nicht disloziert worden sind,
so wie aus der Luft gestartete Langstrecken-Raketen, sogenannte Cruise-

�Cruise-Missiles. Es gibt noch einen ganzen Bereich anderer Waffenarten, die
eingeschlossen werden könnten.

Frage: Glauben Sie, daß beide Seiten bereit wären, strategische Bomber in ein
Abkommen aufzunehmen?
Antwort: Ich glaube, man ist sich einig, daß sie einbezogen werden sollten.
Die Frage ist nur, wie? So ist beispielsweise die Frage, wie man Bomber und
Raketen gleichsetzen könnte, außerordentlich kompliziert.

Frage: Wenn die amerikanische Regierung bereits eine Verhandlungsposition für
die Wiederaufnahme der Gespräche hat, wie fügt sich dann der vorgesehene Besuch von Außenminister Kissinger im nächsten Monat in das Bild ein? Rechnen
Sie damit, daß er vor allem versuchen wird, die Dinge auf einem festen Gleis
weiter zu bewegen, oder vielleicht versuchen wird, die Gespräche in eine neue
Richtung zu lenken?

Antwort: Wenn Sie davon sprechen, Verhandlungspositionen festzulegen, dann
dürfen sie nicht vergessen, daß diese Gespräche ein Prozeß und nicht nur ein
einziger Schritt sind. Man legt nicht einfach etwas auf den Tisch und geht
davon aus, daß es damit erledigt ist. Es liegt auf der Hand, daß zu Verhandlungen geben und nehmen gehört. Ich werde in Genf bestimmte Positionen darlegen und werde natürlich bestimmte Reaktionen seitens der Sowjets bekommen.
Und natürlich werden wir diese Reaktionen in Betracht ziehen. Diese Verhandlungen sind in ihrem historischen Verlauf - verständlicherweise - auf verschiedenen Ebenen geführt worden. Die Verhandlungen zwischen Minister Semjonow
und mir in Genf stellen eine Ebene dar.Die Gespräche zwischen dem Außen-

�Außenminister der Vereinigten Staaten und dem Außenminister der Sowjetunion
bilden eine weitere Ebene. Und auf höchster Ebene haben sie natürlich den
Präsidenten und den Generalsekretär. Man muß also meiner Meinung nach den
vorgesehenen Besuch von Außenminister Kissinger als in diesen Rahmen gehörend
betrachten, so wie die Verhandlungen sich entwickeln und auf der angemessenen
Ebene weitergeführt werden.
Frage: Auf dem letzten Gipfeltreffen im Juni in Moskau haben beide Seiten erklärt, sie würden auf ein Zehnjahres-Abkommen über Offensiv-Systeme abzielen,
statt auf ein ständiges Abkommen, wie ursprünglich geplant. Warum hatten beide Seiten das Gefühl, daß sie ihre Projektionen in dieser Weise zurücknehmen
müßten?

Antwort: Der Begriff, ständiges Abkommen vermittelte den Eindruck, daß man versuchen würde, zu etwas zu gelangen, das völlig umfassend wäre und jeden nur
möglichen Fall einschließen und unbegrenzt in die Zukunft andauern würde. Es
wäre für beide Regierungen schwierig, ein Abkommen auf einem Gebiet wie diesem, das sich so rasch fortentwickelt, zu entwerfen und auszuarbeiten, das
wirklich als permanent angesehen werden könnte. Man kam daher zu der Auffassung, daß die Vorstellung eines sich auf die Zeitspanne bis 1985 erstreckenden Abkommens den Realitäten dessen, was zum gegenwärtigen Zeitpunkt ausgearbeitet werden könnte, näher käme. Das bedeutet selbstverständlich nicht, daß
beide Seiten erwarten, daß sie, wenn wir das Jahr 1985 erreichen, notwendigerweise ohne eine anhaltende Übereinkunft dastehen würden. Während der Laufzeit
dieses Abkommens stünde es selbstverständlich beiden Seiten frei, über eine
Verlängerung dieses Abkommens oder ein neues Abkommen an seiner Statt zu

�zu verhandeln. Wir betrachten dies als einen kontinuierlichen Prozeß. Kurz
gesagt, die Zehnjahresperiode gibt uns eine Vorstellung von etwas, was besser
in den Griff zu bekommen ist als ein ständiges Abkommen.

Frage: Ein Hauptziel von SALT ist, das strategische Wettrüsten zwischen den
Vereinigten Staaten und der Sowjetunion abzubauen. Wie stehen nach Ihrer Auffassung die Chancen, daß dies wirklich erreicht werden kann?

Antwort: Ich glaube, wir haben ein Recht, einigermaßen optimistisch zu sein.
Es ist wert, daran zu erinnern, daß wir während der wenigen Jahre dieser SALTVerhandlungen bereits fünf Abkommen erreicht haben - die Verbesserung des
heißen Drahtes, das Abkommen zur Vermeidung nuklearer Zwischenfälle, den ABMVertrag und das Interimsabkommen von 1972, sowie das ABM-Protokoll von 1974
zur Abänderung des ABM-Vertrages. Wir können also schon einige Erfolge aufweisen. Diese von mir erwähnten Abkommen haben auch Präzedenzfälle geschaffen,
die uns die Ausarbeitung künftiger Abkommen erleichtern. Man sollte auch nicht
vergessen, daß Präsident Ford dem Zustandekommen von Abkommen auf diesem Gebiet ganz offensichtlich eine sehr hohe Priorität eingeräumt hat. Sie werden
sich erinnern, daß eine seiner ersten Handlungen als Präsident darin bestand,
die Führer der Sowjetunion einzuladen, sich uns in einem verstärkten Bemühen
anzuschließen, ein wirksames und gerechtes Abkommen auszuhandeln. Ohne die
Schwierigkeiten verkleinern zu wollen, möchte ich daher sagen, daß wir durchaus einen vernünftigen Optimismus an den Tag legen dürfen.

Frage: Wann glauben Sie, daß Sie ein SALT II-Abkommen erreichen können?

Antwort:

-5-

�Antwort: Wie Sie wissen wurde auf dem Gipfeltreffen im Juli beschlossen, daß
wir versuchen wollen, ein Abkommen zu einem möglichst frühen Zeitpunkt abzuschließen und ich bin sicherlich der Hoffnung, daß wir in der Lage sein wer»
den, dies innerhalb des kommenden Jahres zu erreichen.

Frage: Rechnen Sie damit, daß SALT in der einen oder anderen Form unbegrenzt
weitergehen wird?

Antwort: Ich bin der Auffassung, daß diese Gespräche wahrscheinlich in irgendeiner Form unbegrenzt in die Zukunft weitergehen werden - nicht notwendigerweise in der Form, daß wöchentlich oder monatlich Konferenzen stattfinden,
aber angesichts der sich verändernden und weiterentwickelnden Situation, vor
der wir stehen, und im Lichte der technologischen Entwicklungen auf dem Gebiet
der strategischen Waffen glaube ich, daß wir und die Sowjets ein anhaltendes
Interesse daran haben werden, einen Kommunikationskanal miteinander auf diesem
Gebiet offen zu halten. Ich glaube, es ist sehr wichtig, daß wir in der Lage
sein werden, einen Kanal zur ständigen Kommunikation auf diesem lebenswichtigen Gebiet aufrechtzuerhalten, bei dem es für unsere beiden Länder ebenso wie
für die übrige Welt um Leben und Tod geht.

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20/1974

FORD WARNT VOR VERFEHLTER ENERGIEPOLITIK
- Rede des US-Präsidenten auf der Weltenergiekonferenz in Detroit -

DETROIT - (AD) - Präsident Ford hat in einer Rede zur Eröffnung der dreitägigen Weltenergiekonferenz in Detroit vor künstlichen Verzerrungen der Weltrohstoffmärkte gewarnt und einschneidende Maßnahmen zum Schutze der amerikanischen Wirtschaft angekündigt. Vor 4000 Fachleuten aus der Wirtschaft, dem
öffentlichen Leben und aus der Regierung warnte Ford am 23. September 1974
jedoch auch gleichzeitig davor, die Energielage verzweifelt zu betrachten. Die
Gefahren der Konfrontation seien ebenso sichtbar wie die Vorteile der Kooperation.

Die Rede des amerikanischen Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Im Namen des amerikanischen Volkes,meines Heimatstaates Michigan und
der Stadt Detroit heiße ich Sie hier in dieser Stadt willkommen, die manche
Kreise für die Energiekrise verantwortlich

machen.

Detroit ist aber auch die

Stadt, auf die wir im Verein mit den anderen großen Industriestaaten der Erde
in der Hoffnung blicken, daß sie uns jene bedeutsamen Lösungen bescheren wird,
die, wie ich weiß, möglich sind.

Hier in Detroit wurde ausgehend vom Verbrennungsmotor

einst Spielzeug

der Reichen, das grundlegende Verkehrsmittel entwickelt, auf das heute Menschen
überall auf der Erde angewiesen sind.

Unsere gesamte Gesellschaftsstruktur ba-

siert auf der Erwartung, daß stets ausreichende Energie zu vernünftigen Preisen
- 1 -

�Preisen zur Verfügung steht - für Städte und Vorstädte, für Farmen und Fabriken, für Einkaufszentren und Bürogebäude, für Schulen und Kirchen und für
die Straßen, die sie miteinander verbinden.

Die Erwartung einer gesicherten Energieversorgung wurde nunmehr in Frage
gestellt.

Die Auswirkungen dieses Sachverhaltes sind überall auf der Welt

spürbar.

Es herrscht allenthalben Unsicherheit und Besorgnis. Heute, bei

Eröffnung dieser Konferenz, bezeugen wir unsere Entschlossenheit, einer Welt,
die sich in einer Krise befindet, eine neue Richtung zu weisen.

Viele Menschen wurden sich im Oktober vergangenen Jahres anläßlich des
Öl-Embargos zum ersten Mal der Tatsache bewußt, daß es überhaupt ein Energieproblem gibt.

Diejenigen aber, die voll über die Energiesituation informiert

waren, wußten bereits seit geraumer Zeit, daß eine solche Krise bevorstand.
Sie wußten angesichts der sprunghaft steigenden Nachfrage, daß wir nicht auf
unbegrenzte Zeit mit einer stetigen Versorgung mit billigen Brenn- und Treibstoffen rechnen konnten. Das Öl-Embargo spitzte lediglich eine Situation zu,
von der die Fachleute seit Jahren wußten - daß es notwendig sei, neue Energiequellen zu erschließen und die Verschwendung von Energie zu beenden, wollen
wir den Erfordernissen einer wachsenden und in einem Prozeß der Modernisierung
befindlichen Zeit Rechnung tragen •

Jedermann kann heute den pulverisierenden Effekt der Energiepreissteigerungen auf alle Bereiche der Weltwirtschaft sehen. Das Nahrungsmittelproblem, das
Problem der Inflation, das Währungsproblem und andere wichtige Probleme - sie
sind sämtliche mit dem allumfassenden Energieproblern verknüpft.

Die amerikanische Reaktion auf das Öl-Embargo und die jüngsten Entscheidungen bezüglich des Preises und der Förderung des Erdöls haben die Form eines
Aktionsprogrammes angenommen, das unter der allgemeinen Bezeichnung "Projekt
Unabhängigkeit" läuft.

Dieses integrierte heimische Energieprogramm verfolgt

die Absicht, den amerikanischen Verbrauch auf vielen Gebieten zu senken und
die Energiegewinnung zu steigern.

Vertreter

�Vertreter meiner Regierung werden vor dieser Konferenz unse~e E ltschloss* iheit, die Unabhängigkeit auf dem Energiesektor zu erlangen, bi^ in Einzelheit, in
darlegen. Wir werden scharfe Maßnahmen ergreifen, um jenen Grad 'er Selbstgenügsamkeit zu erlangen, der für die Vermeidung von Störungen unserer Wirt
schaft notwendig ist. Wir werden die Gewähr schaffen, daß unsere Wohnräume beheizt werden können und daß genug Energie für die Menschen vorhanden ist
in unseren Fabriken arbeiten.

lie

Das bedeutet nicht, daß wir die Einfuhr von

Energiestoffen einstellen.

Wir werden in der unmittelbaren Zukunft unsere Bemühungen noch verstärken,
den Wirkungsgrad der Energienutzung zu steigern.
hängigkeit von ausländischem Erdöl vermindern.

Dies wird die wachsende Ab-

Projekt Unabhängigkeit macht aNer

auch erforderlich, die Energieerzeugung aus vorhandenen heimischen Energiequellen zu steigern.

Wenn wir unsere Kräfte zur Erreichung langfristiger Ziele mobilisieren,
stützen wir uns auf eine der reichsten Ressourcen unserer Nation: die amerikanische Technologie.

Das ist die Richtung, in der wir uns bewegen.

Im vergangenen Jahr gab die amerikanische Regierung für Forschung und
Entwi'-

!. j auf dem Energiesektor etwa eineinviertel Milliarden Dollar aus.

Die:. - Jahr werden wir über zweieinviertel Milliarden Dollar für diesen Zweck
aufwenden.

Diese Geldmittel im Verein mit dem Forschungsaufwand der privaten

Wirtschaft werden unsere zunehmenden nationalen Anstrengungen auf diesem Gebiet
beschleunigen.

Was die gemeinsamen privaten und staatlichen Ressourcen angeht,

bedeutet dies eine Verpflichtung, die über jene erfolgreiche Verpflichtung
noch hinausgeht, die Präsident John F. Kennedy einst einging, als er versicherte,
daß Amerika noch vor Ablauf eines Jahrzehnts einen Menschen auf dem Mond landen
werde.

Wir sind dabei, die amerikanische Regierung organisatorisch auf die Durchführung unserer Energieprogramme auszurichten.

Ein entscheidender Schritt,

der gegenwärtig der Beschlußfassung durch den Kongreß harrt, betrifft die Schaffung einer Energieforschungs- und Entwicklungsbehörde, die die Zusammenarbeit
- 3 -

�»
Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft bei der Entwicklung der zur Gewährleistung unserer langfristigen Energieversorgung notwendigen Technologie
koordinieren und lenken soll.

KJ

Ich erwähnte die äußerst erfolgreiche Landung auf dem Mond, um die Größe
der Aufgabe zu unterstreichen, die sich uns auf dem Energiesekt^r stellt. Wir
müssen uns ihr mit großer Hingabe widmen, und sie macht die Mobilisierung
der Aufmerksamkeit und der Talente der ganzen Nation erforderlich.

Auch wenn es zu keinen politischen Eingriffen in Förderung und Absatz von
Erdöl gekommen wäre, stünden die Länder der Erde vor dem Problem, ausreichende
Energiestoffe zu vernünftigen Preisen zu finden, um die Modernisierung in aller
Welt weiterführen zu können.

Heute wie einst nimmt unser Bedarf an Energie

weit rascher zu, als unsere Fähigkeit, Energie zu gewinnen. Nunmehr bekamen
die meisten Länder auch noch die Auswirkungen eines Öl-Embargos direkt zu
spüren, das das Problem noch erheblich verschärfte.

Von den Preiserhöhungen

wurden sogar sämtliche Nationen betroffen.

Wenn Länder ihre Ressourcen als politische Waffe gegen andere benutzen,
haben viele Menschen darunter zu leiden. Das legt die Frage na^ie, um wieviel
besser die Menschheit daran wäre, hätte die Natur die lebenswichtigen Ressourcen
gleichmäßiger über die Erde verteilt und auf diese Weise alle Länder autark
gemacht.

Vielleicht aber war die Natur doch klüger.

Gerade weil die lebens-

wichtigen Ressourcen ungleichmäßig verteilt sind, müssen die Völker zwischen
Konflikt und Zusammenarbeit wählen.
Die gesamte Geschichte hindurch haben sich Völker wegen natürlicher
Vorteile wie Wasser, Nahrungsmittel und bequeme Land- oder Seewege bekriegt.
Im nuklearen Zeitalter aber, in dem sich jeder örtliche Konflikt zu einer
globalen Katastrophe ausweiten kann, birgt jeder Krieg unannehmbare Risiken
für die gesamte Menschheit.

Heute müssen die Nationen mehr als zu jedem anderen Zeitpunkt in der Geschichte der Menschheit von der Tatsache ausgehen,und friedfertig mit ihr
- 4 -

,

�ihr leben, daß sie aufeinander angewiesen sind.

Die Völker müssen sich zur

internationalen Zusammenarbeit als der besten Methode zur Überwindung der
ungleichmäßigen Verteilung der Ressourcen durchringen.

Die amerikanische Außenpolitik beruht auf zwei offenkundigen Fakten
unserer Zeit:

- Erstens, es gibt im Nuklearzeitalter keine vernünftige Alterantive zur
internationalen Zusammenarbeit; und

- zweitens werden umso mehr Nationen in gegenseitige

Abhängigkeit geraten,

je weiter die Welt und die Modernisierung fortschreitet.

Wie Sie wissen, lautet ein Motiv der Außenpolitik dieser Regierung:
nationale Zusammenarbeit in einer Welt wechselseitiger Abhängigkeit.

Inter-

Angesichts

der Betonung der wechselseitigen Abhängigkeit kann man sich fragen, warum
trägt unser heimisches Energieprogramm eigentlich die Bezeichnung "Projekt Unabhängigkeit".

Nach meinem Dafürhalten sind nationale Autarkie und internationale

wechselseitige Abhängigkeit gerade auf dem Energiesektor durchaus miteinander
vereinbar, ergänzen sie sich doch gegenseitig.

Kein Land kann Teil der modernen Welt sein und allein für sich leben
wollen.

Kein Land hat innerhalb seiner Grenzen alles das, was.für ein erfülltes

und reiches Leben seiner Bevölkerung notwendig ist - heute nicht und auch nicht
morgen.

Unabhängigkeit kann also nicht Isolation bedeuten.

Ziel von Projekt Unabhängigkeit ist es nicht, die Vereinigten Staaten von
der übrigen Welt zu isolieren, sondern sie in die Lage zu versetzen, einen umso
wirksameren Beitrag zu der weltweiten Anstrengung zur Beschaffung größerer
Energiemengen zu leisten. Projekt Unabhängigkeit ist darauf gerichtet, neue
Wege zur Verminderung des Verbrauchs und zur Steigerung der Produktion von
Energiestoffen zu finden. Gelingt uns das, wird dies der Welt zugute kommen,
weil dann umso mehr Energie für andere verfügbar sein wird.
Wenn

�Wenn Amerika die vorhandenen Energiequellen ausweitet und neue entwickelt, wird dies auch anderen Nationen zum Segen gereichen. Wir sind vor
anderen bereit, uns mit anderen Ländern in unsere Erfahrungen und unsere Technologie zu teilen, wenn es darum geht, auch deren Energiequellen auszuweiten.
Wir sind uns dessen bewußt, daß uns andere Länder in mancher Hinsicht voraus
sind.

Wir sind willens, von ihnen zu lernen.

Souveräne Staaten sind bestrebt, die Abhängigkeit von anderen Staaten zu
vermeiden, die ihre eigenen Ressourcen zum Schaden anderer ausbeuten. Souveräne
Staaten können sich ihre Politik nicht von Manipulationen und künstlichen Verzerrungen der Weltrohstoffmarkte diktieren lassen und sie können auch nicht
zulassen, daß diese ihr Schicksal bestimmen. Niemand kann das Ausmaß des
Schadens oder die verhängnisvollen Folgen absehen, die sich ergeben werden,
wenn sich die Nationen weigern, die Schätze der Natur zum Segen der ganzen
Menschheit mit anderen zu teilen.

Ich habe in der vergangenen Woche vor der

Vollversammlung der Vereinten Nationen versichert, daß "der Versuch eines
Landes, seine Rohstoffe zu politischen Zwecken zu gebrauchen, zwangsläufig
andere Länder in Versuchung führen wird, auch ihre Rohstoffe zu eigenen Zwecken
zu benutzen".

Es gibt drei Erfordernisse, diese Gefahr zu bannen. Erstens muß sich
jedes Land dazu entschließen, seine Ressourcen nicht zu mißbrauchen.
muß jedes Land vorhandene Energiequellen voll und ganz nutzen.

Zweitens

Und drittens

muß jedes Land sich mit anderen zu kooperativen Bemühungen zusammenfinden, um
seinen Grad der Verletzlichkeit im Energiebereich zu vermindern.

Es sei hier

mit Nachdruck betont, daß sich unsere diesbezüglichen Aktionen nicht gegen
andere Länder richten, sondern nur dem Zweck dienen, die internationale Ordnung aufrechtzuerhalten und die internationale Wohlfahrt zu fördern.

Die Suche nach neuen Energiequellen braucht nicht notwendigerweise zu
Spaltungen und Unstimmigkeiten führen, sie kann vielmehr den Horizont der Weltbevölkerung weiten.

Ich sehe Fortschritte in

Richtung auf eine einigende

Zusammenarbeit zum Zwecke der Gewährleistung eines menschenwürdigen Daseins
aller voraus.
Ich

�leih begrüße die vergangenen Freitag in Brüssel beschlossene Entwicklung
eines neuen internationalen Energieprogramms durch die Energie-Koordinierungsgruppe der Washingtoner Energiekonferenz.
trag geleistet.

Wir haben hierzu gerne unseren Bei-

Die zwölf beteiligten Länder erzielten eine Vereinbarung ad

referendum bezüglich eines weitreichenden Operationsplanes, der sie in die
Lage versetzen soll, Notstandssituationen wie Liefersperren durch die g-emein.:-. same Nutzung .der verfügbaren Ölquellen, die Einschränkung des Verbrauchs und
die -Rationierung der vorhandenen Vorräte zu überwinden.

Auch wenn wir für

die Konservierung vorhandener Ressourcen eintreten, werden wir im Verein mit
anderen Ländern auf eine Ausweitung der Gewinnung sowohl konventioneller als
auch bisher ungebräuchlicher Energiestoffe drängen.

Die Teilnehmerstaaten

sind dabei, eine internationale Energiebehörde zu schaffen, die diese Programme verwirklichen soll.
Die Vereinigten Staaten halten von dieser Demonstration internationaler
Aktivität mehr als von allen Worten.
So wie sich die Amerikaner durch das Projekt Unabhängigkeit herausgefordert fühlen, sieht sich die Welt der vergleichbaren Herausforderung gegenüber, eine Art "Projekt wechselseitiger Abhängigkeit" zu entwickeln.
Land vermag die Energieprobleme auf sich allein gestellt zu lösen.

Kein

Als Prä-

sident der Vereinigten Staaten biete ich allen anderen Nationen, die zu gemeinsamen Anstrengungen im Geiste der Washingtoner Energiekonferenz bereit
sind, Amerikas Partnerschaft an. Ein erster Anfang wurde inzwischen in Brüssel
gemacht.

Das dort entwickelte Kraftmoment muß erhalten bleiben, wollen wir

eine echte wechselseitige Abhängigkeit erreichen.

Die Weltwirtschaft steht vor Problemen ohnegleichen.
erweisen sich bei neuen Problemen als unzulänglich.

Die alten Abhilfen

Es müssen deshalb unver-

züglich neue und angemessene Lösungen gefunden werden.

Ich bin überzeugt, daß

man sie finden wird.

Ich bin ferner überzeugt, daß der Verzicht auf selbstsüchtiges Handeln
im Eigeninteresse jeder Nation liegt. Wir alle hängen auf so vielfältige

�vielfaältige Weise voneinander ab, daß heute kein Volk der Erde mehr die Möglichkeit hat, auf Kosten anderer zu leben - es sei denn, auf ganz kurze Zeit
und unter sehr großen Risiken.

Ohne unser Zutun sind wir in die merkwürdige Situation geraten, in der
sich selbst ein noch so selbstsüchtiger Mensch unschwer ausmalen kann, daß es
sich lohnt, gemäß dem zu leben, was wir die "goldene Regel" nennen. Wir können
uns nur insoweit selbst helfen, als wir rücksichtsvoll und hilfsbereit gegenüber
anderen sind.

Die Energiekrise ist das deutlichste Beispiel für die wechselseitige Abhängigkeit der Welt. Die industrialisierten Staaten brauchen das öl, das von
einigen wenigen Entwicklungsländern gefördert wird.

Und alle Entwicklungsländer

benötigen die Technologie, die Dienstleistungen und die Erzeugnisse, die die
Industriestaaten hervorbringen.

Die Chance für einen großen Fortschritt der

gesamten Welt tritt schmerzlich zu Tage. Das gleiche gilt aber auch für die
Gefahr, daß wir diese seltene Chance vertun.

Der einzige Weg, die Hoffnungen der Menschheit zu verwirklichen, besteht
darin, eine globale Energiestrategie zu entwickeln und in der Praxis zu verwirklichen.

Ich möchte deshalb diese Weltenergiekonferenz und andere internationale
Organisationen auffordern, die Herausforderung anzunehmen und ein Projekt
wechselseitige

Abhängigkeit als umfassendes Energieprogramm für c(ie Welt zu

formulieren, um unsere Ressourcen auszuweiten - nicht zum Nutzen einiger
weniger, sondern zum Segen der gesamten Menschheit.

Diese Aufgabe ist sicherlich von gewaltiger Größe.

Die Vereinigten

Staaten aber glauben, daß ihre Lösung nötig und wesentlich ist. Um Ihnen
Hilfestellung bei den ersten Schritten zu leisten, möchte ich Ihnen einige
Grundsätze vorschlagen, die mir geeignet scheinen, uns in unseren weltweiten
Bemühungen zu leiten.
Erstens,

�Erstens, müssen alle Länder bestrebt sein, die Produktion zu erhöhen jedes gemäß seinen eigenen Ressourcen und dem Grad seiner Technisierung.
Manche könnten bekannte und verfügbare Rohstoff- und Energiequellen weiter
entwickeln, andere die Methoden des Abbaus verbessern oder die Lagerstättenforschung intensivieren, und wieder andere neue Energiequellen entwickeln,
die ihren eigenen Bedürfnissen angemessen sind.

Alle Länder aber könnten eine

Rolle in der Erweiterung und Diversifikation nutzbarer Energieformen spielen.
Die Diversifikation scheint geeignet, die Völker davon abzuhalten, ihre Zuflucht zu monopolistischen Praktiken zu nehmen.

Zweitens gilt es, die Zuwachsrate des Energieverbrauchs zu senken und
jede Verschwendung von Energie zu vermeiden.
Teil tun.

Die Amerikaner werden ihren

Aber alle Nationen können zur Entdeckung neuer Methoden beitragen,

den Energieverbrauch einzudämmen - zum Teil durch Gebrauch ihres gesunden
Menschenverstandes, zum Teil auch durch Selbstdisziplin und durch neue technische Verbesserungen.

Alle Methoden zur Einsparung von Energie sollten,wo

immer sie gefunden werden, raschestens an alle anderen Länder weitergegeben
werden.

Die Einsparung von Energie ist kurzfristig gesehen ebenso vielver-

sprechend wie die Steigerung der Produktion.

Drittens müssen wir uns um des Erfolges eines weltweiten Energieprogramms
willen eines kooperativen Geistes und Verhaltens befleißigen.

Nichts wäre

abträglicher als eine Politik, die sich gegen andere Nationen richtet. Wenn
wir uns auf eine Konfrontation zwischen Export- und Verbraucherstaaten oder
eine verabscheuungswürdige Rangelei unter den Verbraucherstaaten einlassen,
bei der der eine gegen den anderen ausgespielt werden kann, machen wir alle
Hoffnungen auf eine weltweite Lösung zunichte.

Viertens müssen wir der Lage der ärmsten Nationen besonderes Aufmerksamkeit schenken.

Sie werden am schwersten zu leiden haben, wenn es nicht ge-

lingt, das Energieproblem in den Griff zu bekommen.

Sie sind heute schon die

hauptsächlichsten Opfer der unkontrollierten Inflation, die die Weltmarktpreise
für alle Waren und Dienstleistungen, die sie einführen müssen, um überhaupt
leben zu können, in für sie unerschwingliche Höhen treibt.
Schließlich
- 9 -

�Schließlich muß eine weltweite Strategie darauf aus sein, Brennstoffpreise zu gewährleisten, die den Erzeugerstaaten einen starken Produktionsanreiz bieten und die Volkswirtschaften der Verbraucherländer nicht ernsthaft
gefährden. Wir verstehen den Wunsch der Erzeugerstaaten, einen angemessenen
Preis für ihr öl als ein Mittel zur Entwicklung ihrer eigenen Volkswirtschaften
zu bekommen.

Überhöhte Preise aber sind nur geeignet, die Weltwirtschaft in

Schwierigkeiten zu bringen, das Risiko einer weltweiten Depression heraufzubeschwören und den Zusammenbruch der Ordnung und Sicherheit der Welt herbeizuführen.

Es fällt schwer, die Energiefrage zu diskutieren, ohne in den schlimmsten
Pessimismus zu verfallen.

Die Gefahr ist deutlich, und sie ist ernst. Den-

noch bin ich optimistisch, sind doch die Vorteile der Zusammenarbeit ebenso
deutlich erkennbar, wie die Gefahren der Konfrontation.

Das erfüllt mich mit

Hoffnung und gibt mir Grund zum Optimismus.

Gute Absichten allein aber reichen nicht aus. Kenntnisreiche Menschen
sie Sie hier auf dieser Konferenz werden gebraucht, wenn es um Verständnis,
Analysen, technische Kompetenz und Lösungen geht, die den Völkern und ihren
führenden Politikern als Richtschnur

dienen können.

Ich fordere Sie auf, diese Herausforderung aufzugreifen und der Welt
Ihre Vorschläge für eine globale Energiestrategie zu unterbreiten.
diesbzüglichen Anstrengungen nun Projekt wechselseitige

Ob sie die

Abhängigkeit oder ir-

gendwie anders nennen wollen, ist nicht das Entscheidende.

Entscheidend ist

vielmehr, daß diese Herausforderung aufgegriffen und die damit verbundene
Aufgabe rasch und gut gelöst wird.

+ + + + +

- 10 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ansprache Kissingers vor den Vereinten Nationen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede Präsident Fords vor der UN-Vollversammlung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nuklearabrüstung: Eine Überlebensfrage für Menschheit&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Fred C. Ikle&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Direktor des US-Amtes für Rüstungskontrolle und Abrüstung&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Delegationschef rechnet mit SALT-Übereinkunft im kommenden Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Interview mit Botschafter U. Alexis Johnson -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Ford warnt vor verfehlter Energiepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rede des US-Präsidenten auf der Weltenergiekonferenz in Detroit -&lt;/em&gt;</text>
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