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\Q

28. August 1974

Inhalt

INFORMATION:
Ford: Entschlossen für den Frieden eintreten
-Auszüge aus der Rede vom 19. August-

DOKUMENTATION:
Rede Kissingers auf dem Jahreskonvent der "American Legion"
-WortlautFulbright und Harriman umreißen amerikanische Entspannungspolitik

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Kernkraftwerke sind sicher
-Amerikanische Wissenschaftlerkommission veröffentlicht neuen BerichtMedizinische Geräte für Klinik und Labor
-Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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18/1974

FORD: ENTSCHLOSSEN FÜR DEN FRIEDEN EINTRETEN
- Auszüge aus der Rede vom 19.August -

CHICAGO—(AD)— Nach den Worten von Präsident Ford muß es eines der grundlegenden Ziele der amerikanischen Politik bleiben, Frieden durch Stärke und
echte Verhandlungen zu erreichen. Auf dem 75. Jahreskonvent amerikanischer
Kriegsveteranen betonte Ford am 19. August in Chicago, "die Vereinigten Staaten sind nicht der Polizist der Welt, aber sie müssen weiterhin das Rückgrat der kollektiven Verteidigung der freien Welt sein". Wörtlich sagte
der Präsident unter anderem:

"... Alle von uns, die in dem einen oder anderen Kriege gedient haben,
wissen nur zu gut, daß alle Kriege hohen Ruhm und tiefes Leid für die Jugend
bedeuten. Ich bin der Oberzeugung, diese jungen Amerikaner sollten eine
zweite Chance haben, ihren fairen Anteil zur Wiederherstellung des Friedens
unter uns und zwischen allen Völkern zu leisten.

Daher werde ich das ganze Gewicht meines Präsidentenamtes auf die Waage
der Justitia für die Sache der Milde einsetzen. Ich erwarte ihre verdiente

-1-

�\
verdiente Wiedereingliederung in eine neue Atmosphäre der Hoffnung, harter
Arbeit und beiderseitigen Vertrauens.
Ich werde schnell, fair und fest entschlossen in dem

gleichen Geiste

handeln, der einst Abraham Lincoln und Harry Truman beseelte. So wie ich eine
Amnestie ablehne, so lehne ich auch Vergeltung ab.

Für diese Administration steht die Unterstützung der Männer, die die
Hauptlast der Kämpfe zu tragen hatten, an allererster Stelle... Aber Ihrer
Regierung sind zwangslaeufig auch durch andere Erwägungen Grenzen gesetzt.
Wir alle sind Soldaten in einem Krieg gegen die brutale Inflation.

Amerika kämpft heute um sein wirtschaftliches Fortbestehen. Tatsache ist,
daß die unkontrollierte Inflation das Gebäude und die Grundlagen Amerikas
vernichten könnte, und ich werde nicht zögern, ein Veto gegen Gesetze einzulegen und zu versuchen, inflationistische Auswüchse unter Kontrolle zu bringen

Der Friede hängt von der Stärke und Schlagkraft unserer Verteidigung ab.
Und ich werde jede vernünftige Maßnahme unterstützen, um Moral und Einsatzbereitschaft unserer Streitkräfte zu stärken.

Die Vereinigten Staaten, unsere Verbündeten und unsere Freunde überall
auf der Welt müssen weiterhin Stärke und Entschlossenheit zeigen. Die potentiellen Gegner beobachten natürlich, wie groß unsere Einsatzbereitschaft

und

die Festigkeit unseres Willens ist. Wir werden hier keine Schwäche zeigen.

Amerika

-2-

�Amerika ist nicht der Polizist der Welt, aber wir werden weiterhin das
Rückgrat eines kollektiven Sicherheitssystems der freien Welt sein.

So wie Amerika seine nukleare Abschreckungsstärke beibehalten wird, so
werden wir doch niemals in den Verhandlungen nachlassen, diese Gefahr für die
Menschheit unter Kontrolle zu bringen - und hoffentlich auch zu verringern.
Eine große Nation zeigt sich nicht nur stark, sondern auch klug; sie hat
nicht nur ihre Grundsätze, sondern auch ihre Ziele. Ein grundlegendes Ziel
unseres Landes muß es sein, Frieden durch Stärke und echte Verhandlungen zu
erreichen.

Unser guter Wille darf niemals so ausgelegt werden, als fehle es uns an
Entschlossenheit. Und ich weiß, ich kann auf jeden von Ihnen und die Familien
eines jeden von Ihnen zählen, Frieden und Sicherheit erfordern Bereitschaft
und Opfer...".

+-H-

-3-

�» amerika dienst
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18/1974

REDE KISSINGERS AUF DEM JAHRESKONVENT DER "AMERICAN LEGION"
- Wortlaut -

MIAMI --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Henry Kissinger hat sich am
20. August erneut gegen jede einseitige Verringerung der amerikanischen Truppen in Europa ausgesprochen und unterstrichen, daß die Verteidigung Westeuropas weiterhin den Eckstein für die Sicherheit Amerikas bildet. Die Rede des
Außenministers vor dem amerikanischen Veteranenverband "American Legion" hat
folgenden Wortlaut:
"Ich darf Ihnen die Grüße von Präsident Ford übermitteln, der mich gebeten hat, Ihnen zu sagen, er hoffe, im nächsten Jahr auf Ihrem Jahreskonvent
bei Ihnen zu sein.

Ich bin stolz, die Ehre zu haben, heute abend unter Ihnen weilen zu dürfen. Das grundlegende Ziel dieser Organisation - die Erhaltung unserer nationalen Sicherheit - war auch das zentrale Anliegen meines Lebens in den über
20 Jahren, die ich als Lehrer und Schriftsteller wie auch im öffentlichen
Dienst tätig war. Ihre unerschütterliche Hingabe für dieses Ziel über ein

-1-

�ein halbes Jahrhundert lang, in guten wie in schlechten Zeiten, spiegelt
nicht nur das Streben einer einzelnen Organisation, sondern auch die Zielsetzungen einer ganzen Nation wider.

Die Größe einer Nation wird nicht nur an ihrem Mut in der Stunde der
Krise, sondern auch an ihrem Verhalten in langen, schweren Zeiten gemessen.
Aus einem Jahrzehnt nationaler Tragödien und Sorgen sind Amerika und das amerikanische Volk jetzt stark und geeint hervorgegangen.

Zwei Jahrzehnte lang haben wir nach dem zweiten Weltkrieg geglaubt, daß
wir alles vermöchten - später dann, in jüngster Zeit sprachen Einzelne von
einem Überengagement und begannen zu glauben, daß wir nichts vermochten. Aber
jetzt, da wir uns dem 200. Jahrestag des Bestehens der USA nähern, ist unser
Glaube an uns zurückgekehrt. Wir haben aus unseren Erfahrungen gelernt. Indem
wir die uns gesetzten Grenzen sehen lernten, haben wir auch unsere Möglichkeiten erkannt. Wir haben die Extreme eines Weltpolizisten und der Isolation verworfen, die allzulange unsere Debatten beherrschten. Dies hat uns in die Lage versetzt, zur Definition einer Außenpolitik zu gelangen, die das amerikanische Volk in den kommenden Jahrzehnten unterstützen und durchhalten kann.

Unsere Beständigkeit ist die Hoffnung der Welt. So erklärte Präsident
Ford in seiner ersten Rede vor dem Kongreß letzte Woche: 'Solange die Völker
der Welt Vertrauen in unsere Ziele haben und unserem Wort glauben, wird die
jahrhundertealte Vision vom Frieden auf Erden immer klarer werden*.

-Amerikas

�»

i
- Amerikas Stärke -

Es gibt kein Ziel, dem jeder Präsident mehr Zeit, mehr Gedanken und mehr
Raum in seinen Gebeten widmet als das, Amerika und der Welt Frieden zu bringen.
Jede Generation hat nach Frieden gestrebt - doch ganz unvermeidlich kam
es immer wieder zu Kriegen,, sei es gewollt oder aufgrund von Fehlkalkulationen. Keine Generation in diesem Jahrhundert konnte dem entgehen. In dieser
Generation muß es anders sein. Zum ersten Mal in der Geschichte verfügt der
Mensch über das Potential, die Menschheit buchstäblich zu vernichten. In
unserem Zeitalter könnte eine Fehlkalkulation allem Leben ein Ende setzen.

Keine Gruppe von Menschen versteht besser die Bedeutung des Friedens
als die, die persönlich die Schrecken des Krieges kennengelernt hat.

Die größten militärischen Führer

Amerikas standen stets in der vorder-

sten Front derer, die sich darum bemüht haben, aus der menschlichen Geschichte ständiger Kriege eine neue, internationale Ordnung der Gerechtigkeit, der
Zusammenarbeit und des Friedens zu entwickeln.
So hat z.B. der Beitrag, den George Marshall nach dem zweiten Weltkrieg
für die Menschheit leistete, sogar noch seinen historischen Beitrag während
des Krieges übertroffen. Er half mit, die nationale Überzeugung zu begründen,
daß die Sicherheit Amerikas untrennbar von der Sicherheit der Welt ist, und
daß die großen Fragen der nationalen Verteidigung über die Zielsetzungen der
Parteien und der Gruppen hinausreichen. Diese Tradition hat uns unter fünf

3-

�fünf Administrationen gute Dienste geleistet.

Dwight D. Eisenhower hat dem eine weitere Dimension hinzugefügt. Er
lenkte die Aufmerksamkeit auf die Notwendigkeit einer starken, ständigen Verteidigung. Er sagte: »Die Schwachen können des Friedens nicht sicher sein;
sie können die Zukunft nur hinnehmen, ohne sie zu beeinflussen.» Aber er war
sich ebenso darüber im klaren, daß im nuklearen Zeitalter Stärke allein
nicht die ultima ratio sein kann. Er verkündete, was kein Präsident seitdem
jemals vergessen hat: »Es gibt nicht länger mehr irgendeine Alternative zum
Frieden».

Daher beginnt unsere Suche nach Frieden mit der Stärke Amerikas. Damit
andere Nationen auf unsere Ziele bauen und unserem Wort glauben können, muß
Amerika weiterhin die stärkste militärische Macht bleiben. Wie ich aus Erfahrung bezeugen kann, bildet in Zeiten einer Krise und am Konferenztisch die
militärische Macht Amerikas die Grundlage für unsere diplomatische Stärke.
Wir haben in den letzten Jahren Fortschritte in Richtung auf den Frieden gemacht, weil wir flexibel waren - aber auch, weil wir entschlossen waren. Wir
dürfen niemals vergessen, daß Entgegenkommen nur bei jenen eine Tugend ist,
von denen man glaubt, daß sie die Wahl haben.

-- Eine starke Verteidigung ist die unerläßliche Abschreckung für eine
Aggression. Indem sie demonstriert, daß es keine Alternative zu Verhandlungen gibt, bildet sie die Voraussetzung für unsere Politik, die Spannungen im Verhältnis zu unseren Gegnern abzubauen.

•-Eine

-4-

�-- Eine starke Verteidigung ist das Band, das unsere Bündnisse zusammenhält, und bestärkt den Willen unserer Partner, sich an der gemeinsamen Verteidigung zu beteiligen. Sie bildet die Basis des gegenseitigen
Vertrauens und damit unserer Zusammenarbeit auf dem ganzen weiten Bereich unserer gemeinsamen Interessen.

Seit dem zweiten Weltkrieg hat jede Administration, gleichgültig welcher
Partei sie angehörte, die Aufrechterhaltung unserer militärischen Stärke
unterstützt. Und in jeder wichtigen Frage der nationalen Verteidigung hat
der Kongreß während der letzten 25 Jahre den Präsidenten unterstützt. Dies
ist ein stolzes Ergebnis, das wir fortsetzen müssen und werden.
Aber wir leben in einer Zeit, in der Verteidigungsfragen eine noch nie
dagewesene Komplexität annehmen. Im nuklearen Zeitalter müssen wir:
-- die Hilfsquellen zwischen strategischen und taktischen Streitkräften aufteilen;
-- die militärische Stärke auf die außenpolitischen Zielsetzungen abstellen;
-- unsere Sicherheit aufrechterhalten, während wir das Wettrüsten beenden und schließlich in die Gegenrichtung wenden.

In einer Zeit eines ungefähren strategischen Gleichgewichts verliert
die Drohung mit einem totalen nuklearen Krieg immer mehr an Glaubwürdigkeit,
und es wird daher immer unwahrscheinlicher, daß sie auf den gesamten Bereich
potentieller Konflikte abschreckend wirken kann. So nimmt die

-5-

�die politische und militärische Bedeutung taktischer Streitkräfte entsprechend
immer mehr zu.

Unsere konventionellen Streitkräfte müssen daher stark sein. Sie halten
die nukleare Schwelle hoch, indem sie mithelfen, Feindseligkeiten einzudämmen,
vor ihrem Risiko abzuschrecken oder sie überhaupt zu verhindern. Sie bilden das
unerläßliche Werkzeug unserer Diplomatie in Zeiten einer Krise. In keiner der
letzten Krisen kam es soweit, daß wir dicht an einem Einsatz unserer strategischen Streitkräfte standen - aber bei zahlreichen Anlässen wurden unsere
taktischen Streitkräfte in Alarmzustand versetzt oder in Bereitschaft gebracht,
um vor aggressiven Schritten abzuschrecken oder die Interessen Amerikas und
seiner Verbündeten zu schützen. Etwa ein Drittel unserer konventionellen
Streitkräfte ist im Ausland stationiert. Sie stehen dort aufgrund dieser Zielsetzungen. Sie sind nicht anderen Ländern zu Gefallen im Ausland stationiert
- sie stehen im Ausland als Teil unserer eigenen Verteidigung.

Die amerikanischen Streitkräfte in Europa sind ein lebendiges Beispiel
dieser Prinzipien. Eine einseitige Reduzierung unserer Truppen dort würde das
Risiko einer ernsten militärischen und politischen Instabilität im Zentrum
Europas in sich bergen, den politischen Einfluß der Sowjets durch Versäumnis
stärken und - ironischerweise - die Notwendigkeit vergrößern, daß wir uns auf
Nuklearwaffen verlassen müssen. Sie würde die vielversprechenden Verhandlungen
über eine beiderseitige Truppenreduzierung unterminieren. Die Verteidigung
Westeuropas bleibt weiterhin - so wie dies während der gesamten Nachkriegszeit
der Fall war - der Eckstein unserer eigenen Sicherheit.
So

-6-

�So wie wir ein Gleichgewicht der konventionellen Streitkräfte gewährleisten müssen, so müssen wir auch ein nukleares Gleichgewicht sicherstellen.
Wir sind entschlossen, niemals bei den Nuklearwaffen zurückzufallen. Wir werden niemals das strategische Übergewicht einer anderen Macht akzeptieren. Wir
werden unser strategisches Waffenprogramm auf jeder Ebene fortführen, die
hierzu erforderlich ist.

Die Definition der Begriffe angemessen, ausreichend oder gleichgewichtig
ist jedoch nicht einfach. In der Geschichte bestand die wesentliche Aufgabe,
die nationale Sicherheit zu wahren, stets darin, militärische Macht zu akkumulieren. Es wäre noch vor einer Generation unvorstellbar erschienen, daß eine
solche einmal erreichte Stärke nicht direkt in einen außenpolitischen Vorteil
umgemünzt werden könnte.

Heute müssen wir wie auch die Sowjetunion von der Prämisse ausgehen, daß
im nuklearen Zeitalter ein Zuwachs in bestimmten

Kategorien militärischer

Stärke nicht unbedingt auch eine vermehrte nutzbare politische Stärke bedeutet. Wenn zwei Nationen bereits das Potential besitzen, sich gegenseitig zu
vernichten, dann gibt es eine Obergrenze, über der zusätzliche Waffen ihre
politische Bedeutung verlieren. Die ungeheure Vernichtungskraft der Nuklearwaffen macht es schwer, ihre Anwendung mit spezifischen politischen Zielsetzungen in Verbindung zu bringen, und schafft in der Tat neue politische Probleme.

Eine ständige Expansion der strategischen Streitkräfte auf beiden Seiten
wird nicht zu größerer Sicherheit führen. Sie wird nur zu neuen Gleichgewichten auf höheren Ebenen der Komplexität und der Risiken und zu riesigen Kosten

-7-

�Kosten führen. Sie wird eine Atmosphäre der Feindseligkeit und des Argwohns
schaffen, die politische Konflikte wahrscheinlicher werden läßt und die im
Laufe der Zeit das Streben nach einer ruhigeren und sichereren Welt zunichtemachen wird.

Aus diesem Grunde hat Präsident Ford, ein glühender Verfechter der nationalen Verteidigung,als einen seiner ersten Schritte als Präsident die sowjetischen Führer eingeladen, sich gemeinsam mit uns an verstärkten Bemühungen
zu beteiligen, eine wirksame und gerechte Begrenzung der strategischen Rüstungen auszuhandeln.

Wir werden uns von zwei grundlegenden Prinzipien leiten lassen:

— Erstens, bis weitere Rüstungsbegrenzungen ausgehandelt sind, werden
wir die strategische Stärke Amerikas, gleichgültig unter welchen Kosten,
aufrechterhalten. Unsere Stärke wird nicht durch mangelnde Entschlossenheit oder mangelnde Opferbereitschaft beeinträchtigt werden.

-- Zweitens, wir werden die Gespräche über eine Begrenzung der strategischen Rüstungen mit einer Energie und Überzeugung fortführen, die der
vor uns liegenden Aufgabe entspricht. Wir sind entschlossen, die Herren
unserer eigenen Technologie, nicht ihr Sklave zu werden.

Der Präsident hat mich beauftragt, zu betonen, daß seiner Ansicht nach
die Entscheidung klar ist. Wir werden das nukleare Gleichgewicht durch einseitige Maßnahmen, wenn wir dies müssen, aufrechterhalten, und durch Verhandlungen, wenn das irgend möglich ist. Ich kann Ihnen versichern, daß diese Verhand-

-8-

�Verhandlungen nicht fehlschlagen werden, weil es auf unserer Seite an gutem
Willen oder der Bereitschaft fehlt, neue Lösungen zu finden.

- Amerikas Zeitplan für die Zukunft -

Winston Churchill sagte einst zum amerikanischen Volk: • Das Schicksal
der Menschheit wird nicht durch materielle Berechnungen entschieden. Wenn
große Dinge im Kommen sind ... lernen wir, daß etwas in Raum und Zeit vor
sich geht - und über das Räumliche und Zeitliche hinaus, das - ob wir das
gerne sehen oder nicht - zur Pflicht ruft.'
Amerika hat jetzt eine Möglichkeit - und damit eine Pflicht - wie sie
sich selten einer Nation bietet, nämlich, dazu beizutragen, eine neue, friedliche internationale Ordnung zu gestalten. Diese Herausforderung besteht
für uns als Volk, nicht als Parteigänger irgendeiner Sache. Dies ist der
Grund, warum diese Bemühungen - selbst in Zeiten großer innenpolitischer
Spannungen - die Unterstützung beider politischer Parteien hatten. Die Führer beider Parteien im Kongreß verdienen den Dank der Nation, weil sie unsere Außen- und unsere Sicherheitspolitik aus unseren jüngsten innenpolitischen Schwierigkeiten herausgehalten haben.

Das Erbe Präsident Nixons, das er Präsident Ford hinterließ, ist eine
Welt, die sicherer ist als die von ihm vorgefundene. Präsident Ford hat sich
selbst zu der Aufgabe bekannt, seinem Nachfolger eine Welt in Frieden zu
hinterlassen, die sich dieses Friedens bewußt ist.
Viele

�Viele Konflikte der letzten drei Jahrzehnte sind gelöst worden. Wir

t

haben die ständigen Krisen um Berlin zum Verstummen gebracht; zum ersten Male
ist es möglich, von einer dauerhaften Lösung im Nahen Osten zu sprechen;
unser Kampfengagement im Vietnam-Krieg ist ehrenvoll beendet und das Ausmaß
der Kämpfe verringert worden. Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion
haben nach Jahrzehnten tiefen Argwohns ein gemeinsames Interesse entwickelt,
eine nukleare Katastrophe zu vermeiden und ein weitgespanntes Netz konstruktiver Beziehungen zu schaffen. Und nach zwei Jahrzehnten der Entfremdung zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China ist es jetzt zu
einem konstruktiven Dialog und einem produktiven Austausch gekommen.

Aber wenn auch diese Welt besser ist als wir befürchtet hatten,so bleibt
sie doch immer noch weit hinter unseren Hoffnungen zurück. Wir haben zahlreiche Krisen beigelegt; wir haben ihre Wurzeln jedoch noch nicht beseitigt.
Unsere Leistungen, so solide sie sind, haben noch nicht die Gefahren und Spal- •
tungen der Nachkriegsära beseitigt. Wir haben den Weg von der Konfrontation
zur Kooperation, von der Koexistenz zur Gemeinschaft begonnen, aber noch
nicht beendet. Wir sind entschlossen, diesen Weg zu beenden.

Bei der Verfolgung dieses Kurses werden wir auf zahlreiche Hindernisse
stoßen. In vielen Teilen der Welt wird es zu Unruhen kommen wie zum Beispiel
jetzt auf Zypern. Wir werden den Standpunkt einnehmen, daß wir nicht der Weltpolizist sein können, daß wir jedoch stets unseren Einfluß für Frieden und
Aussöhnung geltend machen werden. Wir werden keinem Druck irgendwelcher
Gruppe nachgeben, aber wir werden stets auf die Vernunft hören. Wir werden
in der Außenpolitik als Treuhänder der Zukunft handeln in dem Bewußtsein, daß

-10-

�daß man uns danach beurteilen wird, wie gut wir einen dauerhaften Frieden aufgebaut haben, und nicht danach, wie oft wir uns emotionellen Forderungen des
Augenblicks beugten.

Amerika ist immer noch die Hoffnung der Welt, nicht nur aufgrund unserer
physischen Hilfsquellen und unserer militärischen Stärke, sondern aufgrund
der schöpferischen Fähigkeiten unseres Volkes, der Dynamik unserer Institutionen und der Ideale unserer Nation.
Zu einer Zeit, da einige in diesem Land an unserer Fähigkeit zweifelten,
die Aufgaben der Zukunft meistern zu können, war der größte Teil der Welt der
Auffassung, daß Amerika stärker hervorging als zu irgendeinem Zeitpunkt in
den letzten zehn Jahren. Unsere Bündnisse sind stark. Ein Land, das einst
ganz von Vietnam beansprucht war, wendet sich nunmehr seinen größeren Zielen
zu. Ein Land, das einst von der einen großen kommunistischen Macht isoliert
war und in Konfrontation zu der anderen stand, hat einen konstruktiven Dialog
mit beiden aufgenommen. Und ein Land, das sich den Krisen einer wirtschaftlich interdependent gewordenen Welt gegenübersieht, hat - so unbefriedigend
sie auch ist - eine der niedrigsten Inflationsraten der Welt und ist weit weniger abhängig von ausländischen Energiequellen als irgend eine andere Industrienation.

Damit verfügen wir über eine feste Basis, auf der wir aufbauen können.
-- Wir müssen sicherstellen, daß das Kernstück der amerikanischen
Außenpolitik - unsere Bündnisse mit der atlantischen Gemeinschaft und mit

-11-

�n
mit Japan - den Aufgaben der nächsten Generation entsprechen kann. Die

t

wichtigsten Bündnisse Amerikas haben eine Zeit der Belastungen überdauert, die durch die zwangsläufige Anpassung an die neuen Gegebenheiten
ausgelöst wurden. Jetzt bietet sich uns eine Chance für eine neue Epoche
schöpferischer Tätigkeit, um in gemeinsamen Anstrengungen den Problemen
und Möglichkeiten einer immer mehr voneinander abhängigen Welt gerecht
zu werden. Eines der Hauptziele der Außenpolitik Präsident Ford*s wird
es sein, die Dynamik unserer Bündnisse zu erhalten und ihren gemeinsamen
Anstrengungen noch stärkere Impulse zu verleihen.

-- Wir müssen sicherstellen, daß jene Zeit, in der kurze Augenblicke
besserer sowjetisch-amerikanischer Beziehungen mit langen Perioden der
Konfrontation wechselten, durch eine unwiderrufliche Verpflichtung zur
Wahrung des Friedens abgelöst wird. Wir werden keine Mühe scheuen, um
die Realität des Wettstreits mit dem unbedingten Gebot zur Zusammenarbeit
in Einklang zu bringen. Im nuklearen Zeitalter gibt es keine andere rationale Alternative.

-- Wir müssen den Prozeß einer wachsenden Verständigung und Respektierung
fortsetzen, den wir gegenüber der Volksrepublik China in Gang gesetzt
haben. Tiefgehende ideologische und politische Meinungsverschiedenheiten
bleiben bestehen. Aber wir glauben, daß die neuen Beziehungen grundlegenden nationalen Zielen beider Länder dienen, daß sie durch Hingabe und
Sorgfalt gestärkt werden können und daß sie Bestand haben werden.

—Wir
-12-

�-- Wir müssen im

Nahen Osten einen dauerhaften Frieden,nicht lediglich

eine weitere Waffenruhe schaffen. Meine Reisen durch dies auf so tragische Weise zerrissene Gebiet haben mich vor allem von der einen grundsätzlichen Tatsache überzeugt: Die Bevölkerung des Nahen Ostens, ob
Araber oder Juden, hat genug vom Blutvergießen, sie verlangt nach Frieden. Und Frieden kann sie haben, wenn sie und wir den Willen und die
Geduld besitzen, ihn zu erreichen. Für die Araber kann es keinen Frieden geben ohne Rückgabe von Gebieten und ohne Entschädigung für das
Leid der Vertriebenen. Für Israel setzt Frieden sowohl Sicherheit als
auch Anerkennung seiner legitimen Rechte als Nation durch seine Nachbarn
voraus. Unsere arabischen und israelischen Freunde haben mit unserer
Hilfe in den letzten sechs Monaten die ersten schwierigen Schritte auf
dem Wege zur Verwirklichung dieser Wünsche getan. Wir haben noch einen
weiten Weg zurückzulegen, aber mit Geduld und harter Arbeit werden wir
ihn beenden. Die Bevölkerung des Nahen Ostens verdient es, der Friede
auf der Welt erfordert es.

-- Wir müssen mit unseren Freunden in Afrika und mit den blockfreien
Ländern zusammenarbeiten, um sie in ihrer nationalen Unabhängigkeit,
ihrem wirtschaftlichen Wachstum und ihrem sozialen Fortschritt zu unterstützen.

-- Wir müssen auf der westlichen Hemisphäre ein neues Verhältnis von
Gleichheit und Partnerschaft finden. Dabei wird uns die Überzeugung
leiten, daß Gemeinsamkeit in der Geschichte eine Chance bietet und
gemeinsame Hoffnungen und Zielsetzungen die Grundlage für neue Wege und

-13-

�und Methoden schaffen. Das Verhältnis zwischen Industrie-und Entwicklungsländern kann nirgendwo anders als auf dieser Hemisphäre zu einer
schöpferischen Lösung gebracht werden.

— Wir müssen die Völker Indochinas in der Fähigkeit stärken, über ihr
eigenes Schicksal zu bestimmen. Nach dem zweiten Weltkrieg haben wir
viele hundert Milliarden ausgegeben, um ehemaligen Verbündeten wie ehemaligen Gegnern zu helfen, die Verwüstungen der sechs Kriegsjahre wieder
zu beseitigen. Nach dem Koreakrieg gaben wir Milliarden aus, um beim
Wiederaufbau Südkoreas mitzuhelfen. Heute jedoch, nach zehn Jahren Krieg
und dem Verlust von 50 000 amerikanischen Gefallenen, zögern einige, Südvietnam - für das der Krieg noch nicht beendet ist - die Hilfe zu gewähren, die es so verzweifelt braucht, um sich selbst als unabhängige Nation zu behaupten. Es wäre tragisch - ja es wäre ein Treuebruch an all
den Amerikanern, die dort gekämpft haben und gestorben sind - wenn wir
es jetzt unterlassen, die relativ bescheidene Anstrengung zu machen, die
die Administration dem Kongreß vorgeschlagen hat, um Südvietnam ein Überleben zu ermöglichen.

Es gibt noch einen unerledigten Punkt in bezug auf Indochina, der, wie
ich weiß, für dieses Auditorium ein besonderes Anliegen ist - die Nachforschung nach dem Verbleib unserer Männer, die im Einsatz vermißt sind - und
darunter auch die Toten, deren Leichnam niemals gefunden wurde. Ich bin mit
den Familien der Vermißten immer wieder im Verlauf der letzten fünf Jahre zusammengekommen und ich weiß, wie schwer für sie ein Leben ohne Wissen um das
Schicksal ihrer Lieben ist. Mehr als 18 Monate sind vergangen, seitdem das
-14-

�das Pariser Abkommen unterzeichnet wurde, das ausdrücklich eine Zusammenarbeit
in bezug auf dieses humanitäre Problem vorsieht. Korrekte Angaben und Nachweise über die Vermißten und die Rückgabe der sterblichen Überreste der Toten
bringen bestimmt keinen politischen oder militärischen Vorteil. Wir werden
unsere Bemühungen fortsetzen, bis wir die genauestmöglichen Angaben erhalten
haben, wie dies in den feierlich beschlossenen Abkommen festgelegt wird.

Friede ist jedoch mehr als das bloße Nichtbestehen eines bewaffneten Konflikts. Es ist etwas, was tiefer reicht als die Schaffung von Stabilität. Um
die Unterstützung der Menschheit für sich zu gewinnen, muß er die ewigen Hoffnungen des Menschen auf eine humane und blühende Welt widerspiegeln.
Die Begeisterung schöpferischen Tuns, des Vorstoßes in Neuland war charakteristisch für jede bedeutende Periode der amerikanischen Geschichte. Heute
stehen wir vor einer neuen, noch nie dagewesenen Aufgabe und Herausforderung.
Die von dem technischen Genie des Menschen geschaffenen Produkte - Waffen von unvorstellbarer Stärke, ein globales Wirtschaftssystem, eine Technologie, die die begrenzten Hilfsquellen in wachsendem Maße aufzehrt - haben
diesen Planeten zusammengedrängt und unser gegenseitiges Aufeinanderangewiesensein vervielfacht. In einem Zeitalter der unmittelbaren Kommunikation ist
der Kampf um Gerechtigkeit und Menschenwürde universal geworden. Das nationale
Interesse läßt sich nicht länger isoliert vom globalen Interesse verfolgen
- wie das die Probleme der Energie, der Nahrungsmittel und der Inflation erst
vor kurzem klargemacht haben.
Der

-15-

�Der Mensch hat seine Welt interdependent gemacht. Nun besteht die Aufgabe darin, sie zu einem Ganzen zu machen.

Unser eigenes nationales Selbstinteresse erfordert starke amerikanische
Initiativen für eine offene und kooperative Welt. Ohne Globallösungen wird
unsere eigene Wirtschaft stagnieren. Ohne einen amerikanischen Beitrag aber
kann es keine globale Lösung geben. In industrieller Hinsicht sind wir die
am weitesten fortgeshrittene Nation der Welt. Auf Grenzgebieten der bedeutendsten Umwälzungen des letzten Drittels des 20. Jahrhunderts wie Technologie, Nachrichtenübermittlung, Landwirtschaft und Gesundheitswesen aber stehen wir als Nation noch im Pionierzeitalter.

Mit Ihrer Unterstützung und der Unterstützung des amerikanischen Volkes
werden wir beitragen:

—

zu kooperativen Anstrengungen,um eine expandierende Energieversor-

gung sowie eine Versorgung mit anderen notwendigen Materialien zu gerechten Preisen sicherzustellen;

-- zur Überwindung der überhandnehmenden weltweiten Inflation durch Zusammenarbeit beim Aufbau eines Handels-, Währungs-und Investitionssystems, das ein globales Wirtschaftswachstum fördert;

-- Zur Entwicklung einer langfristigen Politik,um

die chronischen, weit

weiten Lebensmittelverknappungen zu überwinden und einen Ausgleich zwischen Nahrungsmittelprodukten und Bevölkerungswachstum zu schaffen;

-- zur
-16-

�—

zur Unterstützung des Drittels der Menschheit, das von Unterernährung

und ständiger Unterentwicklung bedroht ist, um ihm eine bessere Zukunft
zu schaffen.

Wir in den Vereinigten Staaten können nicht alleine sicherstellen, daß
die überragende Notwendigkeit zur Zusammenarbeit die historische Eigennützigkeit der Nationalstaaten überwindet. Aber es ist genau so klar, daß die Menschheit nicht ihren Erfordernissen ohne den Glauben, die Dynamik und die schöpferische Kraft unseres Landes gerecht werden kann.

- Schlußbemerkungen Schon immer haben wir in unserem Land übereilt aufgerüstet, wenn uns der
Krieg überfiel, und mit noch größerer Eile abgerüstet, wenn der Krieg vorbei
war; wir neigen dazu, unsere Beziehungen zu anderen Ländern absolut zu betrachten - Freund oder Feind, Verbündeter oder Gegner, unbegrenzter Krieg oder
dauerhafter Friede. Wir bewegten uns in Zyklen von Überengagement und Rückzug, von Enthusiasmus und Zynismus.
Wir können uns das nicht länger mehr leisten. Wir müssen uns auf lange
Sicht festlegen. Die Suche nach Frieden braucht unsere ganze Kraft.

Wir müssen lernen, auf Nuancen zu achten - bei dem Streben nach dem Guten
nie zu vergessen, was am besten ist. Das Schicksal hat uns eine noch nie dagewesene Chance gegeben, unsere echöpferische Kraft bei der Suche nach Frieden

�f
i

Frieden zu entfalten.

Wir dürfen auf den Taten

.

&lt;..,

der letzten Jahre nicht ausruhen, sondern

wir müssen neue Hoffnungen und neuen Glauben an uns selbst finden, um weiter
voranzuschreiten.

Wenn wir uns selber treu bleiben, kann Amerika sowohl stark als auch
zielbewußt sein, zu seinen Prinzipien stehen und trotzdem realistisch bleiben, sich gleichermaßen für die Abschreckung vor einem Kriege wie auch für
die Verwirklichung der größten Hoffnungen der Menschheit einsetzen. Vor
drei Jahrzehnten hat Präsident Roosevelt von seiner Generation gesagt, sie
habe ein Rendezvous mit dem Schicksal. Von unserer Generation soll man einst
sagen können, sie hatte ein Rendezvous mit dem Frieden - und wurde ihm gerecht."

-18-

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FULBRIGHT UND HARRIMAN UMREISSEN AMERIKANISCHE ENTSPANNUNGSPOLITIK

- Auszüge -

WASHINGTON —(AD)-" Zu den Zielen der amerikanischen Entspannungspolitik
gegenüber der Sowjetunion und den Beziehungen der Vereinigten Staaten zu den
kommunistischen Ländern haben der Vorsitzende des Außenpolitischen Senatsausschusses J. W. Fulbright und Botschafter W. Averall Harriman im Rahmen der
von dem Ausschuß durchgeführten öffentlichen Anhörungen am 15. August Stellung genommen.

Senator Fulbright führte unter anderem aus:
"... Der eigentliche Sinn und Schwerpunkt der Entspannungspolitik - und
damit das meiner Ansicht nach zentrale Anliegen unserer Außenpolitik - liegt
in der Verringerung der Gefahr eines nuklearen Krieges. Angesichts eines so
grundlegenden und wesentlichen Zieles gibt es für uns kaum die Möglichkeit,
in der Frage der Rüstungskontrolle oder des Handels aufzugeben, so entmutigend
die Aussichten bisher auch immer scheinen mögen. Wir dürfen die Entspannung

-1-

�1
'-1
Entspannung nicht zu Grabe tragen und zwar aus dem einfachen Grunde, weil
es keine vernünftige Alternative gibt. Die Alternative zu SALT-Abkommen besteht im Wettrüsten; die Alternative zum Handel wäre der Wirtschaftsboykott
in der einen oder anderen Form; die Alternative zu normalen Beziehungen ist
der kalte Krieg mit der stets präsenten Gefahr eines heißen Krieges. Wenn wir
im Jahre 1974 zu keinem SALT-Abkommen gelangen können, dann gebietet die Vernunft, herauszufinden, warum wir dazu nicht imstande waren, und erneut zu
versuchen, ein Abkommen im Jahre 1975 zu erreichen.
Worauf es ankommt ist, daß wir nicht aufgeben, sondern beharrlich auf
das hinarbeiten, was erreichbar ist, anstatt das Unmögliche zu

fordern.

So wie die Dinge jetzt liegen, wäre ein Abkommen, das die Dislozierung von
Interkontinentalraketen mit Mehrfachsprengköpfen begrenzt, vielleicht möglich, sofern die politische Führung auf beiden Seiten ihren militärischen
Apparat eindämmen kann. Auch ein bescheidenes aber lohnendes Handels-und
Investitionsprogramm ist möglich, wenn wir nicht zu fordernd hinsichtlich
größerer Veränderungen in der inneren Struktur des sowjetischen Gesellschaftssystems sind. Wenn wir aber über den Bereich des Möglichen und Durchführbaren
- hinausgehen und eine schwer zu definierende strategische Überlegenheit im
Namen einer sogenannten 'Äquivalenz* fordern - oder was man einmal eine Ent. Spannung im Bereich der freien Menschenrechte genannt hat -, dann gelangen
wir effektiv überhaupt nicht zu einer Entspannung,weil nämlich die Sowjetunion - eine stolze und starke Nation - keine Konzessionen machen wird, die
,wir selbst auch um den Preis eines SALT-Abkommens nicht machen würden. Und
so wird sie auch nicht daran denken, als Preis für mehr Handel sich selbst

-2-

�selbst nach dem Vorbild einer westlichen Demokratie umzugestalten. Kernwaffen,
daran muß man sich erinnern, stehen beiden Seiten in einer Menge und Vielfalt
zur Verfügung, die die Begriffe 'Überlegenheit' und 'Unterlegenheit' sinnlos
machen..."

Auf den Unterschied zwischen dem Möglichen und dem Wahrscheinlichen bei
der Formulierung nationaler Ziele hinweisend, erklärte Senator Fulbright weiter:
"Zwischen Möglichkeit und Wahrscheinlichkeit genau zu unterscheiden
ist deshalb so außerordentlich wichtig, weil wir unser beiderseitiges Verhalten durch Einschätzung der Absichten des anderen beeinflussen. In dem Maße,
wie die eine Seite annimmt, die andere Seite bereite sich darauf vor, ihr
durch einen Überfall zuvorzukommen oder strebe nach der Erstschlagkapazität,
und sich entsprechend verhält, verwandeln sich diese Möglichkeiten mehr und
mehr zu Wahrscheinlichkeiten. Wenn wir annehmen, die Russen seien auf einen
Erstschlag aus, dann werden wir das auch tun, und dann werden sie sofort nachziehen, ob sie dies nun vorher wirklich wollten oder nicht. Kurzum,

die Pro-

phezeiung erfüllt sich aus sich selbst. So kommt es, daß die kalten Krieger
in ihren Behauptungen über die Absichten der anderen Seite in gewisser Weise
das Richtige treffen. Was sie dabei jedoch nicht sehen, ist, daß sie selbst
diese Absichten gestalten halfen.

Am schlimmsten aber ist, daß eine solche Basierung unserer Politik auf
theoretischen Möglichkeiten statt auf vernünftigen Wahrscheinlichkeiten einen
Weg hinabführt, der schließlich - wenn nicht in nuklearer Zerstörung - so
doch in einer amerikanischen Gesellschaftsform endet, die völlig verschieden

-3-

�verschieden von dem ist, was uns aus der Vergangenheit bekannt ist oder auf
was wir in der Zukunft hoffen - ein Gesellschaftssystem, in dem ein immer
größerer Anteil unserer Hilfsquellen, Energien und Talente in die Technologie
der Zerstörung investiert wird zum Schaden der Qualität des Lebens. Und so
werden wir die Vereinigten Staaten ruiniert haben bei dem Versuch, sie zu
retten.
Umgekehrt können bestehende positive Tendenzen auf beiden Seiten durch
entsprechende positive Reaktionen verstärkt werden. Wenn wir von der Möglichkeit ausgehen, daß Chruschtschow die Wahrheit sprach, als er sagte, er
wünschte, er könnte einen Teil des für Waffen ausgegebenen Geldes für die
Lebensmittelproduktion verwenden oder daß Breschnew dies auch meinte, als er
im vergangenen Jahr in Washington sagte: *Wir sind hergekommen, um die guten
Dinge zu konsolidieren, nicht aber um zu streiten», dann könnten wir möglicherweise in der Lage sein, solche Neigungen auf sowjetischer Seite zu bestärken. Das aber - auf eine einfache Formel gebracht - ist es, worum es bei
der Entspannung überhaupt geht: so wenig oder so viel wie nötig- wann und wo
immer und mit allen nur möglichen Mitteln zu tun, damit diese beiden großen
und gefährlichen Natinen in Frieden miteinander leben,'.1 (Ende der Auszüge
Senator Fulbrights).

- -.

Botschafter Harriman führte unter anderem aus:
"... Was den Handel mit der Sowjetunion betrifft, so ist es Unsinn, davon auszugehen, daß dies eine Einbahnstraße sei - eine Form von Auslandshilfe.
'

' • • • • • '

•

W e n n

�Wenn man mit gesundem Menschenverstand an ihn herangeht, so kann dieser
Handel sowohl für die Vereinigten Staaten als auch für Rußland von beträchtlichem Wert sein. Es gibt hier zwei grundsätzliche Fragen: Gewährung der
Meistbegünstigung für die Sowjetunion und Bereitstellung landfristiger Kredite und technologischen Wissens. Die zweite Frage ist bei weitem die wichtigste und auch die komplizierteste.
Die wirtschaftliche Bedeutung der Meistbegünstigung ist stark übertrieben
worden, sie ist jedoch psychologisch außerordentlich bedeutsam. Die Verweigerung der Meistbegünstigung ist im sowjetischen Denken gleichbedeutend mit einer
von den Vereinigten Staaten eingenommenen feindseligen Position geworden. Nach
meiner Überzeugung ist für uns in unseren Beziehungen zur Sowjetunion politisch mehr zu gewinnen, wenn wir sie einräumen als wenn wir sie auch weiterhin
vorenthalten. Außerdem stellt sie jetzt ein Handicap für gewisse Verhandlungen
über einen potentiell wünschenswerten Handel dar. Die Frage der Meistbegünstigungsklausel ist seit vielen Jahren ein Dorn in unseren Beziehungen zur Sowjetunion

gewesen. Im Jahre 1963, als wir über den begrenzten Atomstoppver-

trag verhandelten, warf Chruschtschow die Frage auf und erklärte in seiner
unverblümten Art: 'Die den Frieden wollen unterstützen auch den Handel*.

Wenn es irgendeine Koppelung zwischen Handel und irgendeinem anderen Thema gibt, dann sollte diese meiner Ansicht nach die sowjetische Haltung gegenüber der Rüstungsbegrenzung betreffen. Der sowjetischen Führung sollte klargemacht werden, daß wir ihre wirtschaftliche Entwicklung nicht finanzieren können, wenn dies dazu führt, daß sie sich zu einer Steigerung ihrer militärischen Ausgaben ermutigt fühlt. Diese Koppelung entspricht dem gesunden Men-

-5-

�Menschenverstand. Unsere Verhandlungen über Rüstungskontrollen müssen jedoch
strikt auf den Gegenstand selbst beschränkt bleiben. Sie

werden ihre Sicher-

heit nicht gerade aus kommerziellen Erwägungen eintauschen,

genausowenig wie

wir das tun würden.
Die Frage der Kredite bedarf einer sehr sorgfältigen Analyse und Behandlung. Die Export-Importbank sollte zur Gewährung von Krediten ermächtigt werden, und zwar mit Billigung des Außenministeriums und nach Konsultation anderer Behörden, wie dem Handelsministerium, dem Federal Reserve Board und dem
Verteidigungsministerium in solchen Fällen,in denen die nationale Sicherheit
mit betroffen ist.

Ich möchte einige wenige

Beispiele von Transaktionen anführen, bei de-

nen es, nach meiner Meinung, für uns vorteilhaft wäre, wenn wir sie billigten.

1.

Von amerikanischen Gesellschaften vorgeschlagene Projekte, die - wenn

wir sie ablehnen.- von westeuropäischer oder japanischer Seite übernommen werden könnten und wahrscheinlich auch übernommen würden...

2.

Projekte, die in Beziehung zur Steigerung der Leistung der sowjetischen

Landwirtschaft stehen wie die Erweiterung der Düngemittelproduktion. Für die
Welternährungslage zeichnet sich ein düsteres Zukunftsbild mit drohenden Hungersnöten in einzelnen Gebieten ab...
Im Interesse stabiler Verhältnisse auf der Welt wäre ein Rückgang der
sowjetischen Getreidekäufe auf dem Weltmarkt von Nutzen.

�3.

Projekte, die zu bestimmten Gebrauchsgütern in Beziehung stehen,

wie Polyvinylchlorid und andere synthetische Stoffe, zu deren Erzeugung
Erdgas erforderlich ist, besonders, wenn wir dafür Produkte erhalten, die
bei uns knapp sind...

Jede einzelne Transaktion sollte in allen ihren Aspekten geprüft werden, um den Schutz der amerikanischen Interessen zu gewährleisten.

Es sollten Verfahren geschaffen werden, die bei Anfragen seitens der
amerikanischen Industrie rasche Entscheidungen ermöglichen. Ja, ich glaube,
daß unsere Industrie - wenn möglich - im voraus unterrichtet werden sollte,
sobald ein Projekt ernsthaft in Betracht gezogen wird. Die Schwerfälligkeit
der Bürokratie in Washington ist für die amerikanischen Firmen im Konkurrenzkampf mit ausländischen Konzernen ein Handicap.

Herr Vorsitzender, Sie haben um Stellungnahme zur sowjetischen Auswanderungspolitik und anderen bürgerrechtlichen Problemen innerhalb der sowjetischen Gesellschaft gebeten. Dies ist ein äußerst schwieriges Thema, um es
in Kürze zu erörtern. Ich glaube jedoch, daß, ohne das System zu verändern,
der Kreml auf einer pragmatischen Basis Ausnahmen machen könnte, wie es
bei der den Juden erteilten Erlaubnis, nach Israel zu gehen, der Fall war...
Prinzipiell bin ich durchaus dafür, daß wir auch weiterhin allen wirksamen
Einfluß,den wir haben,nutzen, um die jüdische Auswanderung fortzusetzen und
die den Wissenschaftlern gemachten Scherereien zu vermindern... Wenn jedoch
das Jackson-Amendment Gesetz werden sollte, dann könnte es sehr wohl negative Auswirkungen haben und sogar zu äußerst unglücklichen Resultaten führen.

Die
-7-

�1
&gt;

Die Erörterungen sollten privat und öffentlich weitergeführt iwerden. Es
sollte mit aller Deutlichkeit darauf hingewiesen werden, daß die öffentliche
Meinung Amerikas auf zahlreiche Entspannungsprobleme einen ungünstigen Einfluß
ausüben würde, wenn den Juden, die auszuwandern wünschen, das verweigert
wird.

Ich glaube nicht, daß es eine wirksame Koppelung zwischen ideologischen
Fragen und anderen Problemen geben kann. Aber der Einfluß der öffentlichen
Meinung im Westen hat in der Vergangenheit eine Rolle gespielt und wird dies
auch künftig tun. Das amerikanische Volk sollte sich auch weiterhin über die
verschiedenen Organisationen gegen die Unterdrückung in jeder Form in der
Sowjetunion und in anderen kommunistischen Staaten aussprechen. Sie zögern ja
auch nicht, uns als imperialistische Aggressoren und kapitalistische Ausbeuter
zu kritisieren. Der eigentliche Kampf jedoch um die bürgerlichen Freiheiten
muß innerhalb der Sowjetunion selbst beginnen. Es hat hier seit den Zeiten
Stalins erhebliche Verbesserungen gegeben, aber sie sind noch weit entfernt
von dem, was wir gewünscht haben. Ich glaube, daß im Verlauf der Jahre weitere
Fortschritte erfolgen werde. Der Drang nach Freiheit von rund 250 Millionen
kraftvoller russischer Menschen wird, so meine ich, auf die Dauer den Sieg davontragen.

Nach meinem Dafürhalten werden die Sowjets jedoch ihre Ideologie nicht
für materielle Güter hingeben. Mehr als durch Drohung läßt sich durch Vernunft
und die Weltmeinung erreichen."

-8-

�' amerika dienst
K

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18/1974

KERNKRAFTWERKE SIND SICHER
Amerikanische Wissenschaftlerkommission veröffentlicht neuen Bericht

--(AD)-- Die Ergebnisse einer zweijährigen Studie über die Risiken von Unfällen in Kernkraftwerken für die Öffentlichkeit und über mögliche Konsequenzen eines solchen Unfalls wurden Ende August 1974 in Washington veröffentlicht. Die Untersuchungen, über die ein 14-bändiger Bericht vorliegt,
hatte eine Kommission von 60 Wissenschaftlern unter der Leitung von Prof.
Norman C. Rasmussen (Department für Kerntechnik des "Massachusetts Institute
of TechnologyV» Boston) durchgeführt. Zur Klärung von Einzelfragen waren zusätzlich Spezialisten der verschiedensten Fachgebiete herangezogen worden.
Den Anlaß zu der Studie gaben die Pläne der amerikanischen Privatwirtschaft,
bis zum Jahre 1980 die Anzahl der Kernkraftwerke zu verdoppeln und zu Beginn
des neuen Jahrzehnts etwa 100 Stationen in Betrieb zu haben.

Die Wissenschaftler kommen u.a. zu dem Schluß, daß für die Allgemeinheit
eine Gefährdung durch alltägliche

Unfallursachen zehntausendmal größer sei

als durch Kernkraftwerke. Ein Unfall im Zusammenhang mit einer der 100 Sta-

-l-

�1

Stationen, der einen hohen Tribut an Menschenleben fordern könnte, sei ebenso wenig wahrscheinlich wie z.B. der Sturz eines Riesenmeteoriten auf eine
große Stadt. Da es weder zum einen noch zum anderen Fall Erfahrungswerte
gibt, errechneten die Wissenschaftler die Wahrscheinlichkeit mit mathematischen Methoden. Demnach betrüge die Zeitspanne, in der eine solche Katastrophe auftreten und 1 000 Menschen den Tod bringen könnte, etwa 1 Million
Jahre. Im Vergleich dazu verursachen Erdbeben Katastrophen dieser Größenordnung einmal in etwa 50 Jahren, Tornados in 25 Jahren.

Im Jahre 1980 dürften in den Vereinigten Staaten ungefähr 15 Millionen
Menschen im Nahbereich von Kernkraftwerken, d.h. in einem Umkreis bis zu
32 km wohnen. Der Statistik zufolge entfallen auf eine Bevölkerungsgruppe
dieser Größe in einem Jahr 4 200 tödliche Autounfälle, 560 tödliche Unfälle
durch Brände und 8 durch Blitzschlag - aber höchstens 0,3 durch Kernreaktoren.

Wie Prof. Rasmussen erläuterte, käme als Ursache für Todesfälle oder körperliche Schäden durch Kernkraftwerke das Ausdringen radioaktiver Substanzen
in Frage. Automatische Sicherheitsvorrichtungen machten jedoch das Auftreten
von Lecks im Radioaktivitätsbereich nahezu unmöglich.

Und selbst wenn es zu

einer Störung käme, die zur Leckbildung führen kann, würden mehrere Stunden
verstreichen, bis die radioaktive Wolke die nächstgelegenen menschlihen An- Siedlungen erreicht. In dieser Zeit könnte die bedrohte Bevölkerung in Sicherheit gebracht werden. Explosionen von der Art einer Kernexplosion seien bei
einem Kernkraftwerk ausgeschlossen.
Die

�V

Die US-Atomenergie-Kommission, auf deren Initiative die Studie in
Angriff genommen wurde, ersuchte jetzt die Öffentlichkeit um Stellungnahmen
zu den veröffentlichten Ergebnissen; sie sollen bei der Endfassung des Berichtes berücksichtigt werden.

3-

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18/1974
MEDIZINISCHE GERÄTE FÜR KLINIK UND LABOR
- Fachausstellung und Tagung im US-Handelszentrum -

-- (AD) — Vom 30. September bis 3. Oktober 1974 veranstaltet das Amerikanische Handelszentrum in Frankfurt/Main eine Ausstellung und Fachtagung zum
Thema "Medizinische Geräte für Klinik und Labor", auf der rund 30 US-Hersteller ihre neuesten Erzeugnisse und Entwicklungen dem deutschen und europäischen Publikum vorstellen werden.

Die Ausstellung ist sowohl für den medizinischen Fachhandel als auch
für den Krankenhausarzt und den Laborarzt und Biochemiker von großem Interesse, da eine Anzahl von Firmen ihre Erzeugnisse erstmalig in Deutschland
zeigen. Sie gibt einen umfassenden Überblick über den Stand der medizinischen Technik in den USA mit ihrem besonderen Schwerpunkt auf Elektronik und
Systemkonzepten.

Einige Beispiele aus dem angebotenen Programm sind:
mehrkanalige

�mehrkanalige Schreiboszillographen mit extremer Linearität, FlüssigkeitsSzintillationszählsysteme einschließlich Reagenzien, Testsysteme für Blutuntersuchungen mit vorgefertigten Sätzen, Mehrfachoszilloskop für 8 verschiedene physiologische Wellenformen und digitaler Darstellungsmöglichkeit für
4 Patientenparameter mit Einschubelektronik, Ultrazentrifugen mit großer Auswahl an Zonen-und Abscheiderrotoren, tragbare Blutdruckmonitoren mit Drucktransducer, Untersuchungstische mit Motorantrieb für alle diagnostischen Lagen, und vieles mehr.
An allen vier Ausstellungstagen wird gleichzeitig eine Fachtagung abgehalten, auf der amerikanische und deutsche Spezialisten zu den einschlägigen
Fragen und Problemen Stellung nehmen.

Weitere Informationen und Programme durch: US-Handelszentrum, 6 000 Frank,
fürt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4; Telefon (0611) 72 08 Ol;
Telex: 416535

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