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Information
und
Dokumentation

08-85432

16

7. August 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Nixon kündigt weitere Maßnahmen gegen die Inflation an
»Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974-

INFORMATION:
Alan Greenspan
-Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident NixonsGreenspan-Interview mit der Zeitschrift "Business Week"

USA FARNBOROUGH »74
-Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien-

DOKUMENTATION:
Die amerikanisch-spanische Grundsatzdeklaration
-Wortlaut«

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Manganquelle im Mittelatlantik?
-FAMOUS=.Expedition mit Tauchbooten am Meeresgrund-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Wirtschaft

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16/1974

NIXON KÜNDIGT WEITERE MASSNAHMEN GEGEN DIE INFLATION AN
- Rede des Präsidenten am 25. Juli 1974 -

LOS ANGELES — ( A D ) — Präsident Nixon hat in einer Rundfunk-und Fernsehansprache an das amerikanische Volk weitere Maßnahmen gegen die Inflation angekündigt, die er als das gegenwärtig wichtigste Problem der Vereinigten
Staaten bezeichnete. Die Rede des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

Ich möchte zu Ihnen über das wichtigste Problem sprechen, vor dem Amerika heute steht - nämlich die Inflation.

Ich möchte darlegen, wo wir im Kampf gegen die Inflation stehen, wie
wir dahin gekommen sind und was wir gegen die Inflation tun.

Lassen Sie mich damit beginnen, daß ich kurz auf die Art und die Ursachen der Inflation eingehe, die wir heute erleben. Im Grunde ist es so,
daß wir und die anderen Industrieländer eine Generation der Inflation erlebt haben, weil die Regierungen in der ganzen Welt über einen langen

-1-

�langen Zeitraum zugelassen - ja ermutigt haben -, daß die Nachfrage nach
Gütern und Dienstleistungen die Kapazität überstieg statt diese Nachfrage
durch eine steigende Produktion zu decken.

Immer wieder haben Regierungen ihre eigenen Ausgaben stärker erhöht als
die Besteuerung. Sie haben dadurch zu einer erhöhten Nachfrage beigetragen,
ohne eine entsprechende Einschränkung der privaten Ausgaben vorzunehmen. Sie
haben neues Geld geschöpft, um mehr Kredite und Investitionen zu finanzieren,
als die Menschen aus ihren Ersparnissen zu finanzieren bereit waren. All dies
hat zu dem Preisdruck nach oben beigetragen.

Die große.weltweite Woge der Inflation, die uns in den letzten anderthalb
Jahren überschwemmt hat, wurde durch drei außergewöhnliche Umstände ausgelöst, die gleichzeitig auftraten. Einmal war die Weltgetreideernte aufgrund
der ungünstigen Witterung in zahlreichen Anbaugebieten niedriger ausgefallen.
Zweitens hatte das Ölembargo zusammen mit den Maßnahmen der erdölexportierenden Länder plötzlich zu einer Steigerung der Erdölpreise auf das Vierfache
geführt. Und drittens hatte eine gleichzeitig in allen Industriestaaten auftretende Hochkonjunktur zu einer Steigerung der Nachfrage nach Gütern geführt,
die weit über die vorhandenen Produktionskapazitäten hinausging.

Glücklicherweise hat die Nahrungsmittelproduktion jetzt wieder zugenommen, obwohl der inflationistische Druck auf den anderen Gebieten weiter anhält. Die Erdölpreise haben nachgegeben. Der weltweite Wirtschaftsboom hat
sich abgeflacht.
Diese

�Diese besonderen inflationistischen Kräfte treiben die Inflationsspira.e
nicht länger mehr in dem gleichen Maße in die Höhe wie in der Vergangenheit.
Wir müssen uns allerdings darüber klar sein, daß das bei Erdöl und anderen
Rohstoffen erreichte höhere Preisniveau weiterhin einen starken Druck nach
oben ausüben wird,bis die Wirtschaft diese Preise verkraftet hat.

Wir bekommen jetzt ferner die Auswirkungen des Preisanstiegs des letzten
Jahres in Form eines starken Druckes nach wesentlichen Lohnerhöhungen zu
spüren, wenn die Arbeiter nachzuziehen suchen.

Angesichts einer nicht mehr tragbaren Inflationsrate einerseits und eines
vorübergehenden Rückgangs der Wirtschaftstätigkeit auf der anderen Seite haben
in letzter Zeit viele Stimmen schnelle und spektakuläre Maßnahmen gefordert.
Einige verlangen die Wiedereinführung der Lohn-und Preiskontrollen. Andere
empfehlen, die Wirtschaft durch höhere Steuern und eine stark restriktive Währungspolitik gesundzuschrumpfen. Ihnen stehen wieder andere gegenüber, die
Steuersenkungen verlangen, um auf diese Weise die Wirtschaft schneller in Gang
zu bringen. Wieder andere schlagen vor, daß wir einfach aufgeben sollen - daß
wir eine ausufernde Inflation als eine mysteriöse und unheilbare Krankheit
hinnehmen und uns darauf konzentrieren sollten, zu lernen, mit ihr zu leben.

Wir werden nichts von alledem tun. Ich werde Ihnen sagen, warum, und
ich werde Ihnen sagen, was wir stattdessen tun werden. Wenn die Erfahrung uns
etwas gelehrt hat, so ist es dies, daß eine ausschließlich auf kurzfristige
Erleichterungen ausgerichtete Wirtschaftspolitik langfristig nur zu oft zu
Schwierigkeiten führt.
Wir

-3

�r

Wir müssen lernen, weniger in Programmen und mehr in politischen Maßnahmen zu denken - in einer Politik, die die grundlegenden Gesetze und Kräfte
des Marktes respektiert und anerkennt, daß in ihnen der Schlüssel zu unserer
wirtschaftlichen Zukunft liegt.

Ich möchte Ihnen zunächst sagen, was wir nicht tun werden.

Wir werden nicht zu der zweifelhaften Patentmedizin der Lohn-und Preiskontrollen greifen. Eine Rückkehr zu Kontrollen jetzt, um eine vorübergehende Erleichterung zu erreichen, würde nur zu neuen Verzerrungen führen und
damit unsere langfristigen Schwierigkeiten noch vergrößern.

Wir werden auf die kurzfristige Wirtschaftsflaute nicht damit reagieren,
daß wir die Inflation durch ein erneutes Defizit-Spending, durch erneute
Krediterleichterungen oder durch Steuersenkungen anheizen, um so die Inflation noch schlimmer zu machen. Das wäre dasselbe, als wenn wir Benzin ins
Feuer gießen.

Genauso wenig werden wir eine Schocktherapie durchführen, indem wir die
Inflation plötzlich und drastisch "aushungern" unter Kosten einer hohen Arbeitslosigkeit, die nicht mehr tragbar sein würde.

Und jetzt möchte ich Ihnen sagen, was wir tun werden.
Unser Ziel ist es, die Inflation unter Kontrolle zu bringen, gleichzeitig
aber mehr zu produzieren, so daß die Bevölkerung besser leben kann. Der
Schlüssel hierzu liegt in einer Politik, die das Augenmerk auf das Langfristi-

-4-

�wir
Langfristige legt - und zwar auch in der Zeit, in der/ uns aktiv um die Bewältigung unserer kurzfristigen Schwierigkeiten kümmern. Er liegt in einer
Politik, die sich für einen vernünftigen, realistischen Kurs entscheidet
und an diesem festhält, gleichgültig, welcher Druck auf sie ausgeübt wird.
Und dies ist genau das, was wir tun werden.
Wir werden weiterhin jeden einzelnen Wirtschaftssektor beobachten. Wir
werden alle erforderlichen Maßnahmen ergreifen, um unnötige Härten zu vermeiden. Aber wir werden nicht auf allgemeine oder spezifische Härten mit Flickwerk oder Gefühlsduselei reagieren und wir werden beständig auf unserem grundlegenden antiinflationistischen Kurs fortfahren.
Eine Politik zur Eindämmung der Inflation ist im Grunde genommen nichts
anderes als eine Politik, die die Zunahme der Nachfrage in einer Relation zur
Zunahme des Angebots hält. Kurzfristig muß das Augenmerk darauf konzentriert
werden, ein Ansteigen der Nachfrage zu unterbinden, da die Steigerung des Warenangebots eine gewisse Zeit benötigt.

Allerdings gibt es Ausnahmen, in denen eine Änderung der Politik der Regierung zu einer schnellen Ausweitung des Güterangebots führen kann. Beispiele für von uns bereits ergriffene Maßnahmen sind die erneute Bestellung von
Millionen Hektar brachliegendem Ackerland, das in der Vergangenheit aus der
Bestellung genommen worden war, sowie der Verkauf bestimmter Rohstoffe aus
überschüssigen Regierungsbeständen.

Langfristig können wir uns mehr auf eine Steigerung der Wachstumsrate
der Gütererzeugung konzentrieren - auf eine erhöhte Produktion und nicht auf

�auf eine Eindämmung der Nachfrage. Unsere Politik muß somit zwei Elemente aufweisen - kurzfristig in erster Linie eine Eindämmung der Nachfrage und langfristig eine Ausweitung des Warenangebots.

Das Nächstliegende, was die Bundesregierung zur Eindämmung der Nachfrage
tun kann, ist eine Kürzung ihrer eigenen Ausgaben. Der Ausgabenvoranschlag in
dem von mir im Februar für das laufende Finanzjahr unterbreiteten Haushalt beträgt 305 Milliarden Dollar. Zahlreiche Faktoren, vor allem im Kongreß anstehende Gesetze, die über diesen Voranschlag hinausgehen würden, drohen den
Haushalt auf 312 Milliarden Dollar zu erhöhen.
gabenvorschläge in den nächsten

Zweifellos werden weitere Aus-

Monaten im Kongreß eingebracht werden.

*
Ich werde eine solche Haushaltsinflationierung nicht akzeptieren. Im Gegenteil bin ich entschlossen, diese 305 Milliarden Dollar zu kürzen, wobei
i

das Ziel 300 Milliarden Dollar sind. Ich beabsichtige ein Veto gegen Beschlüsse des Kongresses einzulegen, die die Gesamtausgaben über den Haushaltsvoranschlag hinaus erhöhen würden. Darüber hinaus habe ich die Leiter aller Ministerien und Bundesbehörden - ohne jede Ausnahme - angewiesen, die bereits programmierten Bundesausgaben in Richtung auf dieses angestrebte Ziel von 300
Milliarden Dollar zusammenzustreichen.
Ich habe ferner angeordnet, daß die Zahl der in dem Haushalt für das laufende Finanzjahr vorgesehenen Bundesbediensteten um 40 000 gekürzt wird.
Allein hierdurch werden 300 Millionen Dollar eingespart werden.
Für

�Für das Finanzjahr 1975/76, das in elf Monaten beginnt, werde ich einen
Haushalt vorlegen, der nicht nur ausgeglichen sein wird, sondern der auch
die Wachstumsrate der Bundesausgaben tatsächlich senken wird - so daß die
Zunahme zwischen dem Finanzjahr 1974/75 und dem Finanzjahr 1975/76 geringer - und nicht größer - als die zwischen dem Finanzjahr 1973/74 und dem
Finanzjahr 1974/75 sein wird. Notfalls werde ich vorschlagen, gültige Gesetze aufzuheben, die bindende Ausgaben verursachen.

Vor zwei Wochen habe ich das Budget-und Einsparungskontrollgeeetz 1974
des Kongresses unterzeichnet. Zum ersten Male in der Geschichte der Vereinigten Staaten gibt dieses Gesetz dem Kongreß die Möglichkeit, den Gesamthaushalt und nicht nur seine Teile eingehend zu prüfen. Es wird notwendig sein,
daß hiervon wirksam Gebrauch gemacht wird mit dem klaren und ständigen Ziel,
Ausgaben zu kürzen oder zu streichen, die zwar einigen helfen, aber für die
Gesamtbevölkerung höhere Kosten bringen würden.

Der Präsident allein kann die Regierungskosten nicht senken. Dieses
neue Gesetz ist ein Mittel, mit dem der Kongreß und der Präsident gemeinsam
auf die Verwirklichung dieses Zieles hinarbeiten können.

Ich bin zuversichtlich, daß die Mehrheit der Mitglieder des Kongresses
die Bemühungen des Präsidenten um einen Ausgleich des Bundeshaushalts unterstützen wird, so daß Millionen Amerikaner ebenfalls ihr eigenes Familienbudget ausgleichen können.

Die andere wichtige Waffe in dem Arsenal der Regierung zur Kontrolle
der Inflation ist die Währungspolitik - die Kontrolle der Geld-und Kredit-

�Kreditausweitung.

Es ist Aufgabe des Federal Reserve Systems, für eine ausreichende Geldund Kreditversorgung zu sorgen, aber zu verhindern, daß dieses Angebot zu
schnell steigt. Die

Federal Reserve Bank tut dies. Die Begrenzung der Geld-

und Kreditmenge angesichts einer schnellen Inflation führt zu hohen Zinsen,
was niemand gerne sieht. Würde jedoch eine noch schnellere monetäre Expansion zugelassen, so würde dies zu einer noch schnelleren Inflation und zu
noch höheren Zinsen führen. Daher ist der von der Federal Reserve Bank eingeschlagene Weg der notwendige, um die Inflation einzudämmen und die Zinsen zu
senken.

Wie bei jedem anderen Teil des Anti-Inflationsprogrammes kann auch die
monetäre Zurückhaltung übertrieben werden. Das ist bisher nicht geschehen und
wird auch nicht geschehen. Wir werden die erforderliche Geld-und Kreditaus- *
weitung zulassen, um ein gemäßigtes Wirtschaftswachstum zu vernünftigen Preisen zu unterstützen. Der Vorsitzende (des Federal Reserve Board) Burns hat
mir versichert, daß die Federal Reserve Bank extreme Restriktionen vermeiden
wird, wenn sie jetzt eine wirksame anti-inflationistische Währungspolitik
verfolgt - eine Politik, die jeder Amerikaner unterstützen sollte. Es wird
nicht zu einer so starken Kreditverknappung kommen, daß für die notwendigen
Wirtschaftsaktivitäten kein Geld mehr da ist.

Was die Bundesregierung anbetrifft, so werden wir die Zuwachsrate der
Bundesausgaben senken. Wir werden die Zunahme der Geld-und Kreditmenge niedrig halten, um die Privatausgaben einzudämmen. Und ich werde die Regierungen

�Regierungen der Bundesstaaten sowie die Kommunalverwaltungen,die Wirtschaft
und die Verbraucher aufrufen, als ihren Beitrag im Kampf gegen höhere Preise
ihre eigenen Ausgaben einzuschränken und ihre Sparrücklagen zu erhöhen.

Ich weiß, daß einige Amerikaner ihre Ausgaben nicht einschränken können, ohne daß dies zu wirklichen Härten führen würde. Einige Ausgaben der
Wirtschaft können nicht gesenkt werden, ohne daß dies zu einer Kürzung der
Produktion jetzt oder künftig führen würde.

Aber die meisten Familien könnten einige Ausgaben einschränken oder
hinausschieben - und stattdessen ihre Sparrücklagen erhöhen -, ohne daß dies
zu Härten führt. Jedes Unternehmen hat noch Fettpolster, so wie dies bei allen Bundesbehörden der Fall ist. Und die Regierungen der Bundesstaaten sowie
die Kommunalverwaltungen, deren Ausgaben in der Vergangenheit schnell gestiegen waren, sollten dem Beispiel der Bundesregierung folgen und unnötige Ausgaben abbauen.

Es gibt Zyniker,die sagen werden, daß ein Appell an den Gemeinsinn des
amerikanischen Volkes nutzlos ist. Ich glaube dies nicht. Wir haben erlebt,
welche Sparleistungen das amerikanische Volk während des zweiten Weltkrieges
erbrachte. Gerade erst im letzten Winter haben wir erlebt, wie es Benzin und
Heizöl einsparte. Auf meinen letzten Konferenzen zur Erörterung der Wirtschaftslage wie auch in meiner täglichen Post habe ich immer wieder Zeichen
der Bereitschaft von Seiten des amerikanischen Volkes gefunden, nicht nur
mitzuarbeiten, sondern sich auch aktiv an dem Kampf gegen die Inflation zu
beteiligen.
Weniger
-9-

�Weniger Ausgaben bedeutet weniger Druck auf die Preise heute. Mehr Ersparnisse bedeutet mehr Investitionen in neue Wohnungen und neue Produktion
- und damit niedrigere Preise morgen. Der Verbraucher gewinnt in beiden Fällen.

Ich habe zuvor auf die Bedeutung verwiesen, die eine Differenz im Bundes
haushält von 12 Milliarden Dollar haben würde. Eine Einschränkung bei den
persönlichen Verbraucherausgaben um nur 1 1/2 Prozent - wenn bei Ausgaben von
jeweils 1,10 Dollar immer 15 Cent beiseite gelegt würden - könnte zu einer
ähnlichen Differenz im Kampf gegen die Inflation führen.

Wie schnell uns eine Eindämmung der Inflation gelingt, wird ebenso von
der Wirtschaft oder den Arbeitnehmern abhängen. Wenn sie weiterhin Preise und
Löhne schnell in die Höhe treiben, so wird der inflationistische Druck fortdauern. Aber die Umsätze werden leiden, da die Verbraucher sich weigern werden, die höheren Preise zu zahlen, und der Beschäftigungsstand wird ebenfalls
darunter leiden. Niemandem wird damit gedient sein.

Daher ist es im Interesse aller wie auch im Interesse des Landes erforderlich, daß Wirtschaft und Arbeitnehmer sich bei ihren Preis-und Lohnforderungen verantwortungsbewußt verhalten. Wir werden nicht zu Preis-und Lohnkontrollen zurückkehren. Aber ich werde meinen ganzen Einfluß als Präsident
nutzen, um eine positive freiwillige Zurückhaltung seitens der Wirtschaft wie
auch der Arbeitnehmer zu erreichen.

Kurzfristig

-10-

�Kurzfristig müssen wir, wie ich bereits sagte, uns auf Maßnahmen zur
Eindämmung der Nachfrage konzentrieren. Um jedoch langfristig Prosperität ohne
Inflation zu erreichen, müssen wir uns vor allem auf eine Ausweitung der Produktion konzentrieren, damit uns ohne Preisanstieg mehr Güter und Dienstleistungen zur Verfügung stehen.

Um langfristig eine dynamische Ausweitung des Angebots zu erreichen,sind
eine Reihe entscheidend wichtiger Maßnahmen erforderlich.
Ein gutes Beispiel ist die Landwirtschaft, wo heute weniger als fünf Prozent unserer Bevölkerung ganz Amerika ernährt und noch zur Ernährung der übrigen Welt beiträgt. Wir müssen unsere Agrarprogramme auf eine Politik des Überflusses abstellen, wie dies jetzt der Fall ist, und nicht auf eine Politik der
Verknappung.

Wir haben deutlich gesehen, wie wichtig Energieversorgung und Energiepreise für die amerikanische Wirtschaft sind. Wir müssen alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um für uns eine zuverlässige Versorgung zu den geringstmöglichen Kosten sicherzustellen. Darum geht es bei dem Projekt Unabhängigkeit, bei dem wir ständig Fortschritte machen. Wir werden alle erforderlichen
Maßnahmen ergreifen, um sicherzustellen, daß die Vereinigten Staaten niemals
wieder von einem anderen Land durch Abschneiden der entscheidend wichtigen
Energieversorgung erpreßt werden können.

Wir müssen eine ausreichende Versorgung mit langfristigem Kapital für Investitionen sicherstellen. Im Mai habe ich den Vorsitzenden des Wirtschafts-

-11-

�Wirtschaftsbeirates angewiesen, eine besondere Studie über unseren Bedarf an
langfristigem Kapital durchzuführen, damit das stetige Wachstum unserer Wirtschaft gewährleistet ist, sowie darüber, wie dieser Kapitalbedarf gedeckt
werden kann.

Zu oft werden heute die schöpferischen Kräfte in unserem Wirtschaftssystem durch eine lästige Reglementierung abgewürgt, die noch auf einer Politik basiert, die in einer vergangenen Ära entwickelt wurde. Zum Beispiel müssen Lkw's oftmals aufgrund staatlicher Bestimmungen Leerfahrten machen, wodurch Brennstoff vergeudet wird und sich die Frachtkosten für den Verbraucher
erhöhen. Ich habe eine schnelle Überprüfung dieser Maßnahmen mit dem Ziel angeordnet, daß die erforderlichen Empfehlungen ausgearbeitet werden, um diese
Bestimmungen in Einklang mit den Erfordernissen einer neuen Zeit zu bringen,
in der die Steigerung der Produktivität das wichtigste Mittel zur Verwirklichung unseres Hauptzieles ist: Prosperität ohne Inflation.

Einige der wichtigsten Bestimmungen in dieser Hinsicht wurdennicht von
der Bundesregierung, sondern von den Einzelstaaten oder von den Kommunen erlassen, wie zum Beispiel veraltete Baunormen. Daher wird diese Überprüfung
die auf allen Ebenen erforderlichen Reformen einschließen. Gleichzeitig ersuche ich erneut den Kongreß nachdrücklich, die von mir bereits vorgeschlagenen Änderungen zu verabschieden - zum Beispiel auf dem Transportsektor und im
Finanzwesen -, damit unser Wirtschaftssystem produktiver und weniger inflationistisch wird.
Wir

-12-

�Wir müssen erneut die Beziehungen zwischen einer Steigerung der Gütererzeugung und bestimmten anderen Zielen untersuchen, zum Beispiel Verbesserung der Umwelt und Erhöhung der Sicherheit. Das alles ist wichtig, aber wir
sind nur zu oft geneigt, bestimmte soziale Ziele so schnell und so weit
voranzutreiben, daß andere wichtige wirtschaftliche Ziele unnötig auf der
Strecke bleiben.

Der Kongreß sollte das Gesetz über die Reform des Handels verabschieden,
so daß die Verhandlungen über einen Abbau der Handelsschranken beginnen können. Der ausländische Wettbewerb kann als gewichtige Kraft zur Steigerung der
Produktivität in den Vereinigten Staaten beitragen, mehr Arbeitsplätze schaffen, dem amerikanischen Verbraucher ein größeres Warenangebot verfügbar machen und die Preise niedrig halten.
Schließlich, und das ist am wichtigsten, müssen wir uns wieder darüber
klar werden, daß wir nur mehr haben können, wenn wir mehr produzieren. Das
i

trifft für die Länder zu und das trifft auch für den Einzelnen zu. Zu viele
Länder befinden sich in größten Schwierigkeiten, weil ihre Bevölkerung glaubt,
sie könne mehr haben, wenn ihre Regierung mehr ausgibt, obwohl nicht mehr produziert wird.

Es ist oft gesagt worden, daß wir eine weltweite Inflation haben, weil
die Menschen größere Ansprüche stellen. Dies ist nur die halbe Wahrheit. Wir
haben eine weltweite Inflation, weil der Forderung der Menschen nach mehr Waren nicht die Bereitschaft und die Fähigkeit gegenübersteht, mehr zu produ-

-13-

�i

produzieren. Nachfrage wird nur zu oft als Werben, um Stimmen betrachtet,
nicht als Angebot von Arbeit, Sparkapital, Initiative und Neuerungen.

In Amerika ist die Macht der Regierung die Macht des Volkes. Daher
liegt die äußerst wichtige Aufgabe jedes Amerikaners bei der Bekämpfung der
Inflation in Ihrem Verantwortungsbewußtsein als Bürger. Ich kann Ihnen versichern, daß Ihre Regierung entschlossene Maßnahmen ergreifen wird - Maßnahmen, die bei vielen besonderen Interessengruppen unpopulär sein werden. Die
Stimme des Volkes, das eine gesunde, anti-inflationistische Politik unterstützt, muß in Washington mehr Gehör finden, als die Stimmen spezieller Interessengruppen.

Praktisch brauchen wir in unserem eigenen Lande die eine Lobby, die wir
nicht haben, nämlich eine anti-inflationistische Lobby. Dies sollte keine
Lobby mit Luxusbüros in Washington und hochbezahlten Angestellten sein. Diese
Lobby sollte in jedem Heim in Amerika zu Hause sein und jeder Bürger sollte
ihr angehören. Wenn jeder im Öffentlichen Dienst - sei es in der Exekutive,
im Kongreß, in den Regierungen der Einzelstaaten oder den KommunalVerwaltungen - weiß, daß diese Lobby anti-inflationistische Maßnahmen belohnt und inflationistische Maßnahmen bestraft, dann wird der Kampf gegen die Inflation
gewonnen werden.

Trotz ihrer Schwierigkeiten wird die amerikanische Wirtschaft heute von
der übrigen Welt beneidet.

So schmerzlich unsere eigene Inflation für uns ist, so ist sie doch geringer als die in Frankreich, in Italien, in Großbritannien oder in Japan •=

-14-

�Japan - sie liegt niedriger als in den meisten Industriestaaten der Welt.

Praktisch stelle ich immer wieder fest, daß die Staatsmänner der anderen
Länder die große wirtschaftliche Stärke Amerikas bewundern - und daß sie
wünahteij, sie könnten ihre wirtschaftlichen Schwierigkeiten gegen die unsrigen
eintauschen.

Wenn wir auf die Schwierigkeiten in unserer Wirtschaft heute blicken, so
dürfen wir ihre Stärken dabei nicht übersehen. Wir haben heute in Amerika
mehr Arbeitsplätze als jemals zuvor, und es werden höhere Löhne als in jedem
anderen Land gezahlt. Die jungen Amerikaner finden Arbeit und unterliegen
nicht mehr der Wehrpflicht.

Wir können dankbar sein, daß es sich bei unseren heutigen Problemen um
Probleme des Friedens handelt und nicht um Probleme eines Krieges.

Wir werden den Kampf gegen die Inflation gewinnen, nicht durch einmalige
dramatische Maßnahmen, sondern durch die kumulative Wirkung von Maßnahmen, di
in sich selbst oft ganz undramatisch sind - Maßnahmen, die keine Schlagzeilen
in den Morgenzeitungen abgeben, aber die richtig sind.

In der Wirtschaftspolitik ist Ungeduld der größte Feind jeder gesunden
Politik. Wenn Sie auf den Verlauf der Inflation in Amerika zurückblicken,
dann kann das meiste der Ungeduld zugeschrieben werden: Ungeduld, Geld auszugeben, das noch nicht verdient ist, oder Steuern auszugeben, die noch nicht
eingegangen sind; Ungeduld, alle unsere sozialen Wünsche auf einmal zu erfüllen, ohne Rücksicht auf die Tatsache, daß wir uns nicht alles auf einmal

-15-

�f
einmal leisten können; Ungeduld bei kurzfristigen Dislozierungen, die oftmals
Teil langfristiger Anpassungen sind, wie sie zur Aufrechterhaltung eines gesunden - und nicht eines ungesunden - Wachstums erforderlich sind.

Der entscheidende Punkt im Kampf gegen die Inflation ist daher Beharrlichkeit: Beharrlichkeit, die die Notwendigkeit harter Entscheidungen, gelegentliche unerfreuliche Statistiken und kurzfristig selbst ein gewisses Maß
an Opfern akzeptiert, um langfristig ein stabiles Wachstum sicherzustellen;
Beharrlichkeit, die gegenüber der Forderung fest bleibt, dramatische Maßnahmen
nur um den Schein eines Fortschrittes zu ergreifen; die Art von Beharrlichkeit,
die Flickwerk ablehnt und den gewaltigen schöpferischen Kräften des Marktes
eine Möglichkeit zur Entfaltung gibt.

Wir befinden uns auf dem rechten Wege in Richtung auf unser Ziel: Prosperität für alle ohne Krieg und ohne Inflation. Wir werden auf diesem Wege bleiben. Wir werden standhaft bleiben, die Bundesausgaben niedrig zu halten, und
die Ausweitung des Haushalts verlangsamen.

Wir werden schöpferisch mit anderen Nationen zusammenarbeiten, um der Inflation in ihren weltweiten Dimensionen entgegenzutreten.

Wir werden neue Maßnahmen ergreifen, um die Produktivität zu fördern und
das Angebot an knappen Hilfsquellen zu vergrößeren. Im besonderen werden wir
mit Nachdruck auf eine Steigerung der Energie-und Lebensmittelversorgung hinwirken - die die wesentlichen Komponenten der jüngsten Inflationswelle sind.

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16/1974

ALAN GREENSPAN

Neuer Vorsitzender des Wirtschaftsbeirates Präsident Nixons

WASHINGTON --(AD)-- Mit

-lan Greenspan hat Präsident Nixon einen professio-

nelen Wirtschaftsberater als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufen.
Greenspan, der am 1. September die Nachfolge von Herbert Stein antreten soll,
ist 48 Jahre alt und ein nachdrücklicher Verfechter der freien Marktwirtschaft,
In Übereinstimmung mit Finanzminister William Simon tritt Greenspan für eine
restriktive Haushalts-und Geldpolitik ein, um die Inflation zu bekämpfen.

Seine Karriere begann Alan Greenspan nicht als Wirtschaftler sondern
als Berufsmusiker. Nach dem Besuch der George Washington Highschool in New
York besuchte er die Juilliard School of Music und spielte in einer Tanzkapelle Klarinette und Saxophon. Nach diesem etwas ungewöhnlichen Anfang studierte
er an der Universität von New York und erwarb dort 1948 den akademischen Grad
eines Bachelor of Science und anschließend an der Columbia-Universität im
Jahre 1950 den Grad eines Masters in Nationalökonomie, um dann unter Arthur
Burns, dem heutigen Präsidenten des Federal Reserve Board (Bundesbank), seine

�1

seine Doktorarbeit zu schreiben.

Greenspan ist seit langem als Berater des Präsidenten tätig gewesen und
hat den Posten des Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates mehrfach angeboten
bekommen. Er zog es jedoch vor, an der Spitze seiner im Jahre 1953 gegründeten Industrieberaterfirma in New York zu bleiben. Seit 1968 war er als offizieller Berater des Wirtschaftsbeirates des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board tätig. Er gilt allgemein als unabhängiger Fachmann für Fragen
des wirtschaftlichen Wachstums, des Außenhandels, der Finanzwirtschaft und
der Börse und verfügt über Beziehungen zu allen Wirtschaftskreisen.

Greenspan selbst hat betont, daß das Problem der Inflationsbekämpfung
nicht einfach ist, daß er jedoch mit aller Offenheit an diese Aufgabe herangehen wolle. Er ist der Überzeugung, daß die Vorstellungen über das politisch
Machbare sich ändern werden und eine normalerweise unpopuläre Politik der
Ausgabenrestriktion und des knappen Geldes allgemeine Zustimmung finden wird.
Seine Auffassung gibt vielleicht am deutlichsten ein Schreiben an einen Kunden im vorigen Jahr wider, in dem es heißt: "Wir betrachten die Inflation im
wesentlichen als ein politisches und nicht als

ein wirtschaftliches

Problem. Angesichts der wachsenden Politisierung der Wirtschaftspolitik glauben wir kaum an eine baldige Umkehr der Trends, die sich seit dem letzten
Jahrzehnt und länger entwickelt haben."

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16/1974

GREENSPAN-INTERVIEW MIT DER ZEITSCHRIFT "BUSINESS WEEK"

Der von Präsident Nixon zum neuen Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates berufene
Wirtschaftsexperte Alan Greenspan hat sich
in einem Interview mit der Zeitschrift
"Business Week" zu den vordringlichen Gegenwartsproblemen geäußert. Der im Folgenden mit Genehmigung des Verlages wiedergegebene Wortlaut ist nur zur Information,
nicht zum Abdruck bestimmt.
U

1974 McGraw Hill Inc.)

Nachdem die Administration sich jetzt die "altbewährte Theorie" wieder
zu eigen gemacht hat, die Inflation durch einen Ausgleich des Haushalts und
eine Eindämmung der Regierungsausgaben zu bekämpfen, ist die Entscheidung
Präsident Nixons, Herbert Stein als Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates im
September durch Alan Greenspan zu ersetzen, nur natürlich. Unter den konservativen Volkswirtschaftlern genießt Greenspan hohes Ansehen und Sparsamkeit
ist sein Credo.

Greenspan, ein erfahrener Geschäftsmann und Leiter der New Yorker Beraterfirma Townsend-Greenspan und Co., war seit Ende der sechziger Jahre privater

-1-

�i
privater Berater Präsident Nixons und seiner Wirtschaftspolitiker. Seine Berufung zum Vorsitzenden des Wirtschaftsbeirates wurde von Wirtschaftsexperten
aller Richtungen, von den Liberalen wie Walter W. Heller bis zu den Konservativen wie Murray L. Weidenbaum, begrüßt. In einem Interview mit der Zeitschrift "Business Week" hat Greenspan jetzt zu zahlreichen Wirtschaftsfragen
Stellung genommen.

Frage: Was kann Ihres Erachtens im Kampf gegen die Inflation getan werden?
Antwort: Ich stehe voll zu der Richtung der gegenwärtigen Politik. Es
hat lange gedauert, zu einer Politik der Einschränkung zu gelangen, aber ich
begrüße das, was jetzt geschieht. Es steht so viel auf dem Spiel, daß man
meiner Ansicht nach einen solchen Versuch einfach machen muß. Es geht letztlich
um die grundlegenden wirtschaftlichen und politischen Freiheiten, auf denen
unser Land basiert.
Aufgrund des wachsenden inflationistischen Druckes ist es zu einer beträchtlichen Instabilität der Volkswirtschaften auf der Welt gekommen. Wir haben noch nie etwas derartiges in Friedenszeiten erlebt. Infolgedessen

sind

alle unsere Wirtschaftstheorien völlig unzulänglich. Alles, was wir an neuen
Techniken, Erkenntnissen und Analogien aufzuweisen haben, um die relevanten
Entwicklungen zu beeinflussen, kann zur Formulierung unserer Wirtschaftspolitik beitragen. Dies ist die grundlegende Aufgabe, die ich für den Wirtschaftsbeirat sehe.
Frage:

-2-

�Frage: Was könnte am ehesten wieder zu einem wirtschaftlichen Gleichgewicht

auf der Welt führen?

Antwort: Zwei Dinge, ein ausgeglichener Haushalt der USA und ein Rückgang der internationalen Rohölpreise.

Frage: Würden Sie eine restriktivere Steuerpolitik empfehlen?
Antwort: Nicht unbedingt. Wir könnten jetzt bei der Inflationsrate einen
beachtlichen Einbruch erzielen, doch glaube ich, daß kurzfristig nicht sehr
viel getan werden kann. Natürlich würde ich es gerne sehen,daß eine solche
Haushaltskürzung bald erfolgt, doch möchte ich das nicht zu sehr betonen. Ich
möchte mich in erster Linie auf solche Dinge konzentrieren, die sich im Finanzjahr 1975/76 auswirken, in dem ich einen ausgeglichenen Haushalt oder
einen Haushaltsüberschuß erzielen möchte. Damit will ich nicht sagen, daß wir
das Kurzfristige ignorieren sollten, doch oft verfolgen wir nur eine Politik,
um Zeit zu gewinnen. Das Entscheidende ist, in einem oder in zwei Jahren einen
stabilen und vernünftigen Ausgleich des Wirtschaftssystems zu erreichen.

Frage: Wie betrachten Sie die Aussichten für einen ausgeglichenen Haushalt im Finanzjahr 1975/76?
Antwort: Gelinde gesagt mit einer gewissen Unruhe. Ich bin nicht so
naiv,anzunehmen, daß die derzeitigen Programme rein zufällig in den Bundeshaushalt aufgenommen wurden. Es gibt sehr gewichtige Gründe und sehr wichtige
fiskalische Erwägungen, die jedem dieser Programme zu Grunde liegen.
Frage:

-3

�I

Frage: Sind Sie mit den Plänen der Administration einverstanden, die sogenannten nicht-gebundenen Ausgaben zu kürzen?

Antwort: Selbstverständlich. Sofern wir unsere Ansichten bezüglich dieser nicht-gebundenen Ausgaben nicht ändern, bleibt die Inflation ein absolut
unlösbares Problem. Es ist entscheidend wichtig, daß der Kongreß zahlreiche
seiner in der Vergangenheit verabschiedeten Programme überprüft.

Frage: Würden Sie eine Verlangsamung des Wachstums auf dem öffentlichen
Sektor empfehlen?

Antwort: Von der Idee her würde ich dies gerne sehen, aber das ist mehr,
als meines Erachtens realistisch wäre. Wenn sich die Wachstumsrate der Bundesausgaben drastisch verringern würde, dann würde ich sagen, wir sind auf dem
richtigen Wege.

Woran ich im Grunde genommen interessiert bin, ist, in welchem Maße die
Regierung die Kapitalmärkte in Anspruch nimmt. Sie müssen den Haushalt, die
nicht in den Haushalt einbezogenen Dienststellen und die halbamtlichen Kreditinstitute in ihrer Gesamtheit sehen. Die de facto-Kreditgarantien, ihre Auswirkung auf die Kapitalmärkte und die Absorption privater Spargelder läßt
sich von den direkten Kreditaufnahmen des Schatzamtes nicht trennen.

Frage: Wenn sich die Ausgaben nicht unter Kontrolle bringen lassen, sollten wir dann die Steuern erhöhen?
Antwort:

-4-

�1
Antwort: Letztlich ist eine Steuererhöhung nur eine kurzfristige Lösung. Der Zeitpunkt, da man die wachsenden Ausgaben in den Griff bekommt,
wird damit nur hinausgeschoben.

Frage: Sind Sie für irgendeine Form von Lohn-, Preis-oder Kreditrichtlinien?
Antwort: Eine solche Medizin wäre äußerst unerfreulich. Die von uns
bisher auf diesem Sektor gemachten Erfahrungen zeigen, daß derartige Programme schließlich nur die Probleme der Inflation vergrößern.
Frage: Bedeutet dies, daß das Land eine Zeit eines gemäßigten Wachstums durchstehen muß?
&lt;

Antwort: Dies ist nicht unbedingt eine Voraussetzung, um aus der Inflation herauszukommen, aber ein wahrscheinliches Erfordernis. Es ist möglich,
daß sehr große Fortschritte auf fiskalischem Gebiet dazu führen könnten,
daß die Inflationsgewinne zusammenbrechen, die Preiserwartungen auf das Normale zurückgeschraubt werden und der Verbrauchermarkt gestärkt wird - aber
diese Entwicklung ist nicht wahrscheinlich.
Frage: Wird dies den Kapitalinvestitionen schaden?
Antwort: Dies ist eine ungewöhnliche Zeit, in der es durchaus möglich
ist, daß sich die Verbraucherausgaben deutlich verlangsamen, während die Kapitalanlagen dennoch einen starken Zuwachs erfahren. Der Nachholbedarf an
geplanten Ausgaben für Kapazitätserweiterungen und für die Produktion gewinnbringender Anlagen, die Energie ersetzen, gibt auf Jahre hinaus starke Expansiontanreize.
Frage:

-5-

�l
Frage: Könnten das verlangsamte Wirtschaftswachstum und die Inflation
sich zu einer Rezession ausufern?

Antwort: Dafür besteht nur geringe Wahrscheinlichkeit, doch muß man darauf achten.
Frage: Aber gehen wir nicht auch ohne Rezession einer höheren Arbeitslosigkeit entgegen?
Antwort: Ich mag die Konzeption eines starren Zieles nicht. Meines Erachtens sollte sich die Wirtschaftspolitik darauf konzentrieren, längerfristig den höchstmöglichen Beschäftigtenstand und die niedrigstmögliche
Arbeitslosigkeit zu erreichen. Aber wir haben uns zu oft darauf konzentriert,
kurzfristig die Arbeitslosigkeit zu senken, was zu einem verheerenden Wechsel
zwischen Arbeitslosigkeit und Inflation geführt hat. Die ideale Arbeitslosigkeit ist meines Erachtens die niedrigstmögliche, die sich auf lange Zeit
durchhalten läßt, doch kann ich nicht genau sagen, ob dies nun 4 oder 4,5
oder 5 Prozent sein werden.
Es ist geradezu eine Tragödie, daß wir es zugelassen haben, daß dieses
Problem solche Ausmaße angenommen hat. Viele werden dadurch geschädigt. Wir
zahlen jetzt den Preis für eine kurzfristige ad hoc-Politik, die uns in diese Situation gebracht hat, und ich hoffe, wir werden die Kosten in Grenzen
halten können.

+++

.6.

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USA FARNBOROUGH ' 74
Große amerikanische Beteiligung an der diesjährigen Luftfahrtschau
in Großbritannien
Mit einem Beitrag in bisher nicht dagewesenem Umfang werden
die Vereinigten Staaten auf der diesjährigen Luftfahrtgeräteschau von
Farnborough (Großbritannien) vertreten sein.

Die Ausstellung, die vom 2. -

8. September 1974 stattfindet, hat ausgesprochen internationalen Charakter.
Das Ausstellungsgelände mit den traditionellen Zeltständen wurde um eine
große feste Halle erweitert, in der allein für die vom US-Handelsministerium
arrangierten Gemeinschaftsschau der amerikanischen Luft- und Raumfahrtindustrie
sowie des US-Bundesamtes für die zivile Luftfahrt (FAA - Federal Aviation
Agency) mehr als 7CO gm Fläche reserviert sind.

"Flugsicherheit" ist das zentrale Thema der amerikanischen Ausstellung,
auf der u.a. die neuesten Verfahren, Instrumente und Ausrüstungen auf diesem
Spezialgebiet zur Anwendung am Boden und in der Luft gezeigt werden. Außerdem nehmen amerikanische Flugzeuge, Helikopter und Segler der verschiedensten
Typen an den Flugvorführungen teil.
Auf der Gemeinschaftsschau der USA (Stand Nr. 49 in der "North Exhibition
Hall") sind fast 70 Industrie- und Dienstleistungsunternehmen vertreten. Die
Besucher passieren zunächst die FAA-Informationsschau, die,in Themengruppen
unterteilt, an Fernsehmonitoren die wichtigsten Bereiche der Organisation und
Abwicklung des Flugverkehrs und der Flugsicherung demonstriert.

Die Präsen-

tation , die jeweils drei Minuten dauert, gibt u.a. einen Überblick über "Flug-

- 1 -

�"Flugsicherung im Flughafenbereich", "Navigation und Kommunikation", "Kontrolle und Sicherung auf der Route", "Flugplätze, Befeuerung und Beleuchtung",
"Künftige Entwicklungen".

Dies alles ist Teil des "National Airspace System",

des Nutzungs- und Kontrollsystems für den amerikanischen Luftraum, das einen
Investitionskomplex von vielen Milliarden Dollar darstellt.

Spezialisten, die

selbst an seinem Aufbau mitgewirkt haben oder aktiv auf diesem Gebiet tätig
sind, halten sich während der Dauer der Ausstellung bereit, Interessenten zu
beraten und ihnen mit zusätzlichen Informationen zur Verfügung zu stehen.

Die amerikanische Gemeinschaftsschau zeigt u.a. die modernsten Entwicklungen für die Kontrolle des Flugverkehrs, Navigationshilfen und Nachrichtensysteme für Bodenausrüstungen und fliegendes Gerät, Motoren, elektronische
Komponenten und Instrumente, TreibstoffSysteme und Zubehörausrüstungen, Bordbeleuchtungsanlagen, Hydraulik-Ausrüstungen, Ausrüstungen für Sicherheitskontrollen in Flughäfen und Beförderung von

Frachtgut und Gepäck, Werkstoffe für

die Luft- und Raumfahrtindustrie, Werkzeuge und zahlreiches Gerät,das den
Stand der Technologie auf den verschiedensten Gebieten des Sektors Flugtechnik
demonstriert.

Die ersten drei Tage der Luftfahrtschau von Farnborough sind ausschließlich für die Vertreter von Industrie und Wertschaft bzw. Gäste mit besonderer
Einladung reserviert. Ab 5. September wird auch die Öffentlichkeit zugelassen.

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des Friedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf. . .

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.

5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.

6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

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16/1974

DIE AMERIKANISCH-SPANISCHE GRUNDSATZERKLÄRUNG
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die von Präsident Nixon am 19. Juli in San demente unterzeichnete amerikanisch-spanische Grundsatzerklärung

hat folgenden Wort-

laut:
1.

Die Regierungen Spaniens und der Vereinigten Staaten erklären, daß ihre

Zusammenarbeit seit 1953 für die Sicherheit beider Länder nutzbringend gewesen ist, daß sie die Verteidigung des Westens gestärkt hat und daß sie zur
Erhaltung des Weltfriedens beigetragen hat, wobei Spanien in dieser Hinsicht
eine wichtige Rolle in den Atlantik-und Mittelmeerzonen zukommt.

2.

Sie bekunden ihre Entschlossenheit, ihre Bemühungen zur Konsolidierung

des 'riedens sowie zur Entspannung fortzusetzen und nehmen zu diesem Zweck
an der Konferenz für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa und an wichtigen
internationalen Verhandlungen teil, wobei sie erneut ihren Glauben an die
Zielsetzungen und Prinzipien der Vereinten Nationen und ihre Unterstützung
der von diesen geförderten Tätigkeiten bekräftigen. Solange jedoch eine

-1-

�1
eine allgemeine, vollständige und kontrollierte Abrüstung die Ausschaltung
des Risikos einer Aggression noch nicht zuläßt, glauben sie, daß die gemeinsamen defensiven Bindungen beibehalten werden müssen, weil ihre Sicherheit
nicht vernachlässigt werden darf.

3.

Sie bekräftigen daher erneut ihre Absicht, die bestehende - auf einer

festen Freundschaft basierende - Zusammenarbeit durch gegenseitige Unterstützung ihrer Verteidigungsanstrengungen fortzusetzen, um ihre eigene Sicherheit und damit die Sicherheit des Westens zu stärken.

4.

Sie bestätigen, daß ihre Zusammenarbeit über 20 Jahre lang den Westen

praktisch gestärkt und dadurch mitgeholfen hat, die Werte, Ideale und Hoffnungen zu erhalten, die auf der Würde und Freiheit des Einzelnen beruhen.
»
5.

Sie bekräftigen, daß souveräne Gleichheit, territoriale Unversehrtheit,

politische Unabhängigkeit sowie das Recht auf freie Regierungsbildung und auf
die Erlangung von Wohlstand Fundamentalprinzipien sind, die beide Länder gewissenhaft respektieren werden.
6.

Sie glauben, daß ihre gemeinsamen Verteidigungsanstrengungen eine Ergän-

zung zu den bestehenden Sicherheitsabmachungen im atlantischen Rahmen bilden
und daß allen Ländern dieses Gebietes die gleiche Behandlung zuteil werden
sollte. Dementsprechend liegt es in ihrer Absicht, daß ihre Verteidigungszusammenarbeit unter Förderung geeigneter Beziehungen zu diesen Abmachungen koordiniert wird, da sie überzeugt sind, daß die gegenseitige Sicherheit und
Integrität wesentlich für die Erhaltung des Friedens sind und daß die Sicher-

-2-

�Sicherheit des Atlantik-und Mittelmeerraumes die Anstrengung aller Betrot''
erfordert.
7.

Die beiden Regierungen sind sich bewußt, daß Sicherheit und Unversehrt-

heit beider - der Vereinigten Staaten und Spaniens - unerläßlich für die gemeinsame Sicherheit sind. Sie bekräftigen daher erneut, daß eine Bedrohung
oder ein Angriff gegen eines der beiden Länder für beide ein Anlaß zu ernster
Besorgnis sein würde und daß jedes Land Maßnahmen ergreifen würde, wie es
sie im Rahmen seiner verfassungsmäßigen Verfahren für angemessen erachten
mag. In diesem Sinne werden sie auch weiterhin durch enge und häufige Konsultationen ihre Verteidigungszusammenarbeit konsolidieren, um die Wirksamkeit
ihrer Bemühungen zu gewährleisten.
8.

Da sie sich dessen bewußt sind, daß eine Zusammenarbeit sich auf allen

Gebieten niederschlagen sollte, glauben sie, daß harmonische politische und
wirtschaftliche Beziehungen eine wertvolle Unterstützung für die Sicherheit
darstellen, weil sie es jedem Land ermöglichen, aus dem Fortschritt des an
ren Nutzen zu ziehen..Zu diesem Zweck werden beide Regierungen bestrebt sein,
Konflikte in ihrer Wirtschaftspolitik zu vermeiden und alle Hindernisse zu
beseitigen, die bei ihrer Zusammenarbeit auftreten könnten. Sie werden ihre
wirtschaftliche, technische und technologische Zusammenarbeit auf jede Weise
fördern. Genau so werden sie sich weiterhin - geleitet durch ihre andauernde
Freundschaft und um der Erreichung gemeinsamer Ziele willen - häufig auf
allen dazu geeigneten Ebenen über alle Fragen gemeinsamen Interesses konsultieren.
9.

-3-

�9.

Sie sind sich der Bedeutung bewußt, die Fortschritt und Wohlstand für

4

alle Nationen, besonders aber für die Entwicklungsländer, bei der Erhaltung
des Weltfriedens haben, und sie bringen erneut ihren Willen zum Ausdruck, entscheidend zur Förderung dieser Ideale der sozialen Gerechtigkeit für alle
Völker und der universalen Achtung der Menschenrechte beizutragen.

10.

Schließlich erklären sie, daß die freundschaftlichen Beziehungen zwischen

Spanien und den Vereinigten Staaten nicht gegen irgendein Land gerichtet
sind, sondern ihr Ziel darin besteht, Unabhängigkeit und Wohl ihrer Völker
zu fördern, in dem Wunsche, daß ihre gemeinsamen Anstrengungen auch weiterhin zum Weltfrieden und zum Fortschritt der Menschheit beitragen werden.

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16/1974

MANGANQUELLE IM MITTELATLANTIK?
FAMOUSoExpedition mit Tauchbooten am Meeresgrund

»&lt;=(AD)-~ Wohl kaum ein anderes Gebiet auf hoher See ist bisher so gründlich
sondiert und inspiziert worden wie der Operationsraum für das Projekt FAMOUS
im Atlantik. Die französisch«=amerikanische Gemeinschaftsexpedition FAMOUS
("French-American Mid-Ocean Undersea jJtudy") befaßt sich seit drei Jahren
ca. 300 km südwestlich der Azoren unter allen nur erdenklichen Aspekten der
ozeanegraphischen und geologischen Forschung mit den dortigen Gegebenheiten
- von der Oberfläche bis zum Meeresgrund. Flugzeuge, Forschungsschiffe und
jetzt vor allem Spezialtauchboote werden dafür eingesetzt.

Von Bord der französischen Tauchboote ARCHIMEDE und CYANA und des ame»
rikanischen Tauchbootes ALVIN, das sogar noch in 3 700 m Tiefe dem gewaltigen
Wasserdruck widersteht, werden gegenwärtig die Schluchten, Berge und Talsohlen des atlantischen Unterwassergebirges in einem Gebiet zwischen dem 33. und
36. Längengrad West und dem 35. und 37. Breitengrad Nord untersucht. Wo immer
es möglich ist, wird fotografiert, gemessen und in Augenschein genommen, und

»i-

�und neben Wasserproben werden auch Boden-und Gesteinsproben für die Untersuchung im Laboratorium geborgen.

Die Berge, die aus Tausenden von Metern Tiefe bis etwa 2 000 m unter
der Wasseroberfläche aufsteigen, sind Teil des Mittelatlantikrückens, der
sich als ein bis zu 1 500 km breites Gebirge von der Arktis durch den ganzen
Atlantik und um die Südspitze Afrikas in den Indischen Ozean zieht. Bei dem
Projekt FAMOUS geht es in erster Linie um geologische Untersuchungen in der
Umgebung und an der Sohle des zentralen Kammtales, das in Längsrichtung des
Gebirgsmassivs verläuft und eine mittlere Tiefe von etwa 3 600 m hat. Auch
einige der Quertäler, die bis zu 16 km weit und 3 200 m tief sind, werden
durch Fernmessung und Erforschung an Ort und Stelle sondiert.

Mit Spezialwerkzeugen und Greifarmen klopfen die Wissenschaftler aus
ihrem Tauchboot die Talwände ab. Sorgfältig werden das Gestein und die
stellenweise kissenartig erstarrte Lava untersucht. Die Wassertemparatur
wird laufend registriert. Sie kann Auskunft darüber geben, wo sich möglicherweise Stellen befinden, an denen heißes Material aus der Tiefe nach oben
dringt - ein Vorgang, der nun schon seit Jahrmillionen andauert und die
Kontinente zu beiden Seiten des Atlantik immer weiter auseinandertreibt.
Herauszufinden, wie dieses Material beschaffen ist und in welchen Prozessen
es möglicherweise zum Aufbau von Erzvorkommen beiträgt, ist ein Hauptziel des
Unternehmens.

Wie Ende Juli die New York Times meldete, haben französische Teilnehmer
der Expedition bei einem Tauchversuch in dem zentralen Längsspalt des Mittel-

�Mittelatlantikrückens tatsächlich eine Art Geysir entdeckt, der vermutlich
fast reines Mangan in Mineralform an die Oberfläche transportiert. Sie
haben Erzproben, die von einem kegelförmigen Gebilde stammen, mit ihren
Greifinstrumenten geborgen. Die Aufregung unter den Expeditionsmitgliedern
ist groß, denn es handelt sich um den gleichen Erztyp, der vor einiger Zeit
bei Dredge-Versuchen an die Oberfläche geholt wurde. Mit den durch biochemische Prozesse entstandenen Manganknollen, die in riesigen Feldern vor allem
im Pazifik entdeckt worden sind, ist dieses Erz jedoch nicht verwandt. Die
Mineralogen und Chemiker sind sich noch nicht klar darüber, wie es entstanden
sein könnte - vor allem deshalb, weil es Einschlüsse enthält, die bei der Entstehung aus einer sogenannten hydrothermalen Lösung nicht zu erwarten sind.
Das amerikanische Tauchboot ALVIN soll nun versuchen, durch detaillierte
Messungen und weitere Untersuchungen die Bestätigung dafür zu finden, daß es
sich tatsächlich um ein aktives Zentrum handelt.

Aufgrund anderweitig gemachter Beobachtungen hatte man vermutet, daß
Eruptionen aus dem Boden dieses Längstales Metalle tief aus dem Erdinnern nach
oben bringen. Beim Durchströmen der mit diesem Prozeß ausgeworfenen Lava löst
heißes Wasser die Metalle heraus, die dann entweder als Erzadern in Gesteinsrissen angereichert oder durch heiße Quellen und Geysire über den Tiefseeboden
verteilt und später von Sedimenten zugedeckt werden. Es wird angenommen, daß
solche Vorgänge der Entstehung von besonders reichen Erzvorkommen, wie man sie
heute auf dem Festland findet, zugrundeliegen.

- Erz

-3-

�- Erz aus der Tiefsee -

Die Manganknollenfelder im Pazifik sollen in nicht allzu ferner Zukunft
- vielleicht schon in den achtziger Jahren • industriell abgebaut werden und
Rohstoffe liefern, die auf dem Festland immer knapper werden. Aber noch weiß
man zu wenig darüber, wie die mit solcher Aktivität verbundenen Eingriffe in
die naturgegebenen Bedingungen das ökologische Gleichgewicht verändern und
der Umwelt schaden könnten. Das US»Bundesamt für Meeres=&gt;und Atmosphärenforschung (NOAA) bemüht sich gegenwärtig unter Einsatz von Expeditionen in verschiedenen Gebieten des Pazifik, Fragen dieser Art zu klären. Der Forschungs«
fahrt der MOANA WAVE, die im Frühjahr 1974 auf einer mehrwöchigen Kreuzfahrt
in einem 26 000 qkm großen Gebiet südöstlich von Hawai zahlreiche biologische, chemische, geologische und physikalische Daten sammelte, sollen jetzt
weitere Expeditionen folgen. Sie gelten Gebieten, wo die in Tausenden von
Metern Tiefe liegenden Felder von Manganknollen, die überdies noch reich an
Kupfer, Nickel und Kobalt sind, die Industrie locken. Diese hat bereits zwei
Grundverfahren - Erzförderung mit Kettenbagger oder auf hydraulichem Wege entwickelt, um die Erzgewinnung in großtechnischem Umfang vorzubereiten.

Durch solche Aktivitäten könnte aber die natürliche "Ordnung" erheblich
gestört werden.

Eine mögliche Folge wäre z.B.,daß Bodenwasser nach oben gelangt, Oberflächenwasser mit Nährstoffen anreichert

und die Vermehrung von Phyto-

plankton erheblich steigern würde. Die Auswirkungen einer solchen Veränderung

=&gt;4-

�Veränderung der natürlichen Bedingungen sind noch nicht abzuschätzen. Ein
weiterer Punkt der Untersuchungen ist, herauszufinden, ob sich nach Beendigung der Erzförderung das früher vorhandene Gleichgewicht wieder einstellt,
und, wenn ja, wie lange der Normalisierungsprozeß dauert. Derzeit werden genaue Analysen von lebenden Organismen, Sedimenten, der Zusammensetzung des
Wassers vom Boden bis zur Oberfläche, der Temperaturen, Nährstoffkonzentrationen, des Säurewertes und Sauerstoffgehaltes sowie biologisch aktiver Spurenmetalle wie Blei, Zink, Quecksilber und Silizium gemacht, die man in Manganknollen gefunden hat. In den oberen Wasserschichten wird außerdem die
Lichtintensität bis in bestimmte Tiefen und die Konzentration an Chlorophyll
gemessen.

+-H-

-5-

�</text>
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