<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1497" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1497?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:54:49+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1508">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/5112e0d35d5e947bd659ee9258e2d5ad.pdf</src>
      <authentication>ecc341fd04c993ab8619e72a3ba88a50</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="7849">
                  <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn.Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

Nummer ^5

24. Juli 1974

Inhalt
DOKUMENTATION:
MBFR-Erklärung des Westens vom 17. Juli 1974
-Wortlaut-

HI NTERGRUNDMATERIAL:

Neue Impulse für die Wirtschaft
Von Clayton Yeutter -' Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium
INFORMATION:
Earl Warren
WIRTSCHAFT:
Washington rechnet mit Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes
noch in diesem Jahr
Von John J. Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Was macht die Zelle krebsanfällig?
Von Gertrud Weiss

Strom vom Wechselbad

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

15/1974

MBFR-ERKLÄRUNG DES WESTENS VOM 17. JULI 1974
- Wortlaut -

WIEN — ( A D ) —

Der niederländische Botschafter B.E. Quarles van Ufford gab

anläßlich der Vertagung der MBFR-Verhandlungen in Wien zur Sommerpause am
17. Juli im Namen der westlichen Teilnehmer eine Erklärung in englischer
Sprache ab, die (in der inoffiziellen deutschen Übersetzung) folgenden Wortlaut hat:

Die Plenarsitzung heute vormittag war die letzte dieser Verhandlungsrun»
de. Wir gehen jetzt in die Sommerpause. Diese wird uns Zeit für Beratungen
mit unseren Regierungen und für die Vorbereitung der nächsten Verhandlungsrunde geben, die in der Woche vom 16. September beginnen wird. Ich treffe heute
mit Ihnen zusammen, um Sie auf dem Laufenden zu halten und um mit Ihnen den
gegenwärtigen Stand der Verhandlungen zu diskutieren.
Zunächst ist es wohl nützlich, Ihnen in großen Zügen die Positionen beider Seiten in der Substanz ins Gedächtnis zu rufen. Wie Sie wissen, wurde bei
den vorbereitenden Konsultationen im vergangenen Jahr das grundsätzliche Ziel

�Ziel der Verhandlungen festgelegt. Man war sich darüber einig, daß diese
Verhandlungen über die Verminderung von Streitkräften zu stabileren Beziehungen und zur Festigung von Frieden und Sicherheit in Europa beitragen soll=
ten.

Zur Erreichung dieses Zieles stabilerer Beziehungen sollten sich die
teilnehmenden Staaten nach westlicher Auffassung auf einen ungefähren Gleichstand der Landstreitkräfte beider Seiten in Mitteleuropa, und zwar auf niedrigerer Ebene, einigen. Dies würde die Beseitigung der gegenwärtigen Unausgewogenheit im Personalbestand der Landstreitkräfte bedeuten, bei dem der
Warschauer Pakt einen Vorsprung von 150 000 Mann besitzt, sowie eine Verminderung der Unausgewogenheit bei Panzern, bei denen der Warschauer Pakt
einen Vorsprung von 9 500 Panzern aufweist. Daher haben die westlichen Bündnispartner eine Einigung auf übereinstimmende Höchststärken des gesamten Personalbestandes der Landstreitkräfte auf beiden Seiten vorgeschlagen, die in
zwei Verhandlungsphasen herbeigeführt werden sollen. In der ersten Phase gäbe
es bedeutsame Verminderungen des Personalbestandes der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte und der sowjetische Panzer. In der zweiten Phase
würde bis zum Einstellen übereinstimmender Höchststärken weiter vermindert
werden. Der westliche Beitrag zu den Verminderungen dieser zweiten Phase würde sich auf die Streitkräfte anderer direkter Teilnehmer als der Vereinigten
Staaten konzentrieren.

Der Osten geht anders heran. Ausgangspunkt der östlichen Teilnehmer ist
die Maxime, daß das bestehende Ost-West-Verhältnis der Landstreitkräfte -

�Landstreitkräfte - das für sie natürlich höchst günstig ist - aufrechterhalten werden sollte. Sie haben daher vorgeschlagen, alle direkten Teilnehmer
sollten von Anfang an ihre Streitkräfte um die gleiche Anzahl oder den gleichen Prozentsatz vermindern. Alle Arten von Streitkräften, eingeschlossen
Luft-und nukleare Streitkräfte, würden vermindert.

Es sollte für jedermann einsichtig sein, daß dieses Herangehen, das
auf die Aufrechterhaltung des Status quo auf einem niedrigeren Streitkräfteniveau abzielt, nicht zur Festigung der Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa beitragen würde. Dadurch würde vielmehr das gegenwärtige Ungleichgewicht auf dem Gebiet der Landstreitkräfte in einem zwischenstaatlichen Abkommen zementiert. Nach unserer Auffassung würde sogar eine unzufriedenstellende Situation auf diesem Wege eher noch verschlechtert. Der bestehende Vorsprung des Ostens bei Landstreitkräften würde nicht nur aufrechterhalten,
sondern vergrößert, so daß dem Osten ein beträchtlicher einseitiger militärischer Vorteil entstünde.
Den Status quo auf einer niedrigeren Streitkräfteebene aufrechtzuerhalten, wäre dem Westen gegenüber unfair. Eine geringere Anzahl von Streitkräften der NATO wäre künftig weiter auseinandergezogen über ein und dasselbe
Gebiet zu verteilen. Sie stünden einem möglichen Gegner gegenüber, der den
bisherigen Grad an Überlegenheit behielte und sich diejenigen Punkte dieser
dünn verteidigten Linie heraussuchen könnte, an denen er sein Übergewicht an
Soldaten und Panzern ansetzen wollte. Abgesehen davon grenzt die Sowjetunion
als die stärkste Macht auf östlicher Seite unmittelbar an den Raum der Verminderungen an. Demgegenüber sind die Vereinigten Staaten als die größte

-3-

�?

L
größte Macht auf westlicher Seite durch den Atlantik von ihm getrennt. Die
Nähe der Sowjetunion mit ihrem umfangreichen Potential an kampfbereiten
Truppen erleichtert sehr die Verstärkung östlicher Streitkräfte in diesem
Raum. Umsomehr Streitkräfte in ihm vermindert werden, umso ausschlaggebender
wird schließlich die Nähe der Sowjetunion dazu. Aus diesen Gründen hätten
gleiche Verminderungen der Landstreitkräfte von NATO und Warschauer Pakt
höchst ungleiche Auswirkungen.
Trotz dieser Unterschiede im Herangehen an das Problem haben die Verhandlungsteilnehmer während der letzten Runde versucht, Differenzen zu überbrücken und gewisse Gemeinsamkeiten herauszuarbeiten, auf deren Grundlage ein
beiderseitig annehmbares Herangehen an ein Übereinkommen über Verminderungen
entwickelt werden könnte. Die Teilnehmer haben sich dieser Aufgabe in konstruktivem und sachlichem Geist gewidmet. Die Verhandlungsatmosphäre ist weiterhin gut. Wir meinen, gewisse Fortschrittes durch eine genauere Definition
der zu lösenden Fragen gemacht zu haben.

Lsssen Sie mich dies etwas weiter ausführen. Neunzehn verschiedene Teilnehmer nehmen an diesen Verhandlungen teil; der Verhandlungsgegenstand ist
in höchstem Maße komplex und schwierig; Fragen der nationalen Sicherheit werden berührt; schließlich unterscheidet sich das allgemeine Herangehen beider
Seiten an Verminderungen beträchtlich.

Um Fortschritte zu machen müssen die Teilnehmer die einer baldigen Lösung zugänglichen Aspekte des Gesamtproblems identifizieren und Wege zur Lösung dieser Aspekte suchen. Hierbei ist es besonders angebracht, Schritt für

-4-

&gt;

�für Schritt vorzugehen, wobei Schlüsselfragen so definiert werden, daß sie
sich als handlicher erweisen und nacheinander behandelt werden.

In der Praxis ist dies die von den Teilnehmern während der letzten Verhandlungsrunde angewandte Methode. Eine von uns behandelte Frage war, wpssen
Streitkräfte zunächst vermindert werden sollten. In dieser Frage möchten wir
eine Verständigung im Prinzip herbeiführen. Wir glauben,daß die Vereinigten
Staaten und die Sowjetunion ihre Landstreitkräfte in einer ersten Phase vermindern und daß die Landstreitkräfte anderer direkter Teilnehmer in einer
zweiten Phase in Verminderungen eingeschlossen werden sollten.

Wir sind der Auffassung, daß dieses Herangehen des Westens vernünftig
ist. Es ist Tatsache, daß sich die zwei großen Mächte,die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion, wegen ihrer Größe und ihres Umfanges ihrer

nili-

tärischen Macht ganz offenbar in einer anderen Situation befinden als alle
übrigen direkten Teilnehmer

dieser Verhandlungen. Die übrigen direkten

Teilnehmer besitzen kein derartiges Potential. Verminderungen der Streitkräfte dieser übrigen westlichen direkten Teilnehmer hätten für sie bedeutend größere

Auswirkungen als der Rückzug eines Teiles der amerikanischen

und sowjetischen Streitkräfte für die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion hätte.

Nur vorausgehende Rückzüge eines Teiles der amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte könntendie notwendige Vertrauensgrundlage für Verminderungen der Streitkräfte anderer Staaten schaffen. Ein Abkommen über eine

-5-

�I
eine erste Phase,wie wir es vorgeschlagen haben,würde die Realisierbarkeit
des gesamten Verminderungsprozesses demonstrieren. Es würde Vertrauen darauf
schaffen, daß dieser Prozeß zu einem Ergebnis ungefährer Parität führte, das
von allen als gerecht und billig anerkannt würde. Es würde ferner die Stabilität festigen und zugleich die Sicherheit aller Beteiligten gewährleisten.

Ich hoffe, daß Sie es verstehen werden, wenn ich nicht über die Substanz
der einzelnen Vorschläge spreche, die wir vorgebracht haben. Es handelt sich
um Themen, über die aktiv verhandelt wird. Ihre öffentliche Diskussion wäre
nicht hilfreich. Ich habe soeben dargelegt - und es sind gute Gründe - weshalb andere westliche direkte Teilnehmer außer den Vereinigten Staaten nicht
dazu bereit sind, an Verminderungen einer ersten Phase teilzunehmen. Die Vertreter der NATO-Staaten haben jedoch beträchtliche Flexibilität in ihren Bemühungen gezeigt, ihre östlichen Kollegen der Ernsthaftigkei t und Durchführbarkeit des Zwei-Phasen-Programmes zu versichern. Mit anderen Worten, wir haben klargestellt, daß wir zu bestimmten Maßnahmen bereit sind, um sicherzustellen, daß eine zweite Phase alle Chancen des Erfolgs hätte.

Die östliche Seite zeigt ihrerseits weiterhin Interesse an der Lösung bestehender Differenzen. Wir meinen, daß während der zu Ende gehenden Runde bei
der Klärung von Vorstellungen und Sorgen beider Seiten gewisse Fortschritte
gemacht worden sind.

Die Delegationen werden jetzt Wien zu Konsultationen mit ihren Regierungen verlassen. Sie werden die Entwicklungen sorgfältig prüfen wollen, die in
der soeben beendeten Runde eingetreten sind.
Wir

-6-

�Wir hoffen, daß es im September, wenn wir alle wieder zusammenkommen,
möglich sein wird, zu einer Lösung der in dieser Runde diskutierten Hauptthemen zu kommen, um anschließend zur Prüfung anderer Schlüsselfragen überzugehen.

Eine derartige ausstehende Frage ist es, welche Truppen in einer ersten
Phase vermindert werden sollten. Hierzu sind die Positionen beider Seiten
natürlich noch weit voneinander entfernt. Weitere wichtige Themen, die im
einzelnen noch erörtert werden müssen, sind die Frage der Gewährleistung der
unverminderten Sicherheit der Teilnehmer mit besonderem Status im Zusammenhang mit Verminderungen sowie die Frage von "associated measures" - nämlich
mit Verminderungen zusammenhängende Maßnahmen - über die wir uns im Zusammenhang mit Verminderungen einigen müssen.
Von so komplexen Verhandlungen wie diesen erwartet man besonnene Gangart. Die Teilnehmer werden auch künftig Geduld und Beharrlichkeit aufbringen
müssen. Die Verhandlungen brauchen Zeit. Wir sind jedoch hinsichtlich der wei
teren Aussichten nicht pessimistisch, weil wir nach wie vor davon überzeugt
sind, daß alle Teilnehmer ein Abkommen wünschen.

+++

-7-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Hintergrundmaterial

300

Telex:08-85432

15/1974

NEUE IMPULSE FÜR DIE WIRTSCHAFT
Mehr Produktivität durch Abbau der Handelsschranken
Von Clayton Yeutter
Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium

Im folgenden bringen wir eine gekürzte
Fassung der Ansprache, die Clayton Yeutter
am 20. Juni 1974 in Washington vor einer
Gruppe deutscher Journalisten gehalten
hat.

--(AD)— Die deutsche und die amerikanische Wirtschaft weisen viele Gemeinsamkeiten auf - einmal ganz abgesehen davon, daß die beiden Länder eine
Menge von Handelsgütern austauschen. Beide zählen zu den führenden Wirtschaftsländern der Welt, die einen ständig steigenden Lebensstandard aufweisen. Beide verdanken dem Prinzip des relativen Marktvorteils, das ich
als das wirksamste Prinzip der wirtschaftlichen Organisation betrachte, sehr

�sehr viel. Es besagt ganz einfach, daß wir jeder Einheit innerhalb der Wirtschaft freie Hand lassen sollten, das zu produzieren, was sie auf der Basis
von Kosten und Erträgen am besten produzieren kann - und daß wir miteinander
Handel treiben, um unsere Angebotslisten abrunden zu können. Leistungsfähigkeit wird durch Spezialisierung gesteigert und davon profitiert jeder. Im
Alltag nennen wir dies den freien Markt.

Die Wirtschaft der Vereinigten Staaten war von Anfang an marktorientiert,
wenn wir auch zeitweise von den Normen des freien Marktes abgewichen sind.
Unsere jüngste Abweichung bestand, wie Sie wissen, in Lohn-und Preiskontrollen, die uns in den letzten zwei Jahren helfen sollten, der ständig steigenden Inflation Einhalt zu gebieten. Bekanntlich funktionierten die Kontrollen
nicht so gut wie der Markt.

Deutschland war im Zuge des bemerkenswerten Wiederaufbaus seiner Wirtschaft seit dem Ende des zweiten Weltkrieges in hohem Maße auf den freien
Markt und den Wettbewerb angewiesen. Es wurde so in die Lage versetzt, wieder leistungsfähige Industrien zu schaffen... Und sowohl Deutschland als auch
die USA wissen heute, welche Vorteile große Handelsräume bieten - Deutschland seit seiner Beteiligung an der Europäischen Gemeinschaft, Amerika schon
allein aufgrund seiner räumlichen Ausdehnung und seiner Bevölkerungszahl.
Natürlich ergeben sich aus großen Wirtschaftsräumen mehr Möglichkeiten für
den Wettbewerb und für die allgemeine Leistungsfähigkeit der Wirtschaft.

Nationale

&lt;w JLVO

�r
i

- Nationale Industrien Wie wichtig dabei auch der Außenhandel ist, haben beide Länder mit der
Ausweitung bestimmter Industrien immer stärker erfahren. Als Beispiele seien
hier nur der japanische Schiffbau, die deutsche Auto-und Stahlindustrie, und
der Computerbau in den Vereinigten Staaten erwähnt. Auch die amerikanische
Landwirtschaft gehört dazu. Sie basiert noch immer auf dem Familienbetrieb
- aber der Familienbetrieb wächst nahezu Jahr um Jahr und wird ständig weiter modernisiert. Unsere Farmer haben eine gute Ausbildung, und sie verfügen
über erhebliches Kapital und die modernsten Techniken,, Traktoren mit 100 PS
gehören zur Standardausrüstung. Und interessanterweise ist im Traktorenbau
die höchste Zuwachsrate bei Maschinen mit mehr als 150 PS zu verzeichnen. F.in
Getreidefarmer in Iowa kann durchaus in eigener Regie, nur mit der Hilfe
seiner Frau und vielleicht ein oder zwei heranwachsenden Söhnen,einen 320
Hektar großen Betrieb bewirtschaften. Große Rinderfarmen umfassen Zehntausende von Hektar Land und mästen bis zu 50 000 Tiere gleichzeitig heran.

Die ständig wachsende Mechanisierung hat den Arbeitskräftebedarf enorm
verringert: So waren im Jahre 1910 für die Produktion von 100 Bushel Mais
135 Arbeitsstunden erforderlich - heute sind es weniger als sechs. Nicht einmal fünf Prozent der amerikanischen Bevölkerung leben heute auf Farmen.
- dennoch ist die Produktivität der Agrarwirtschaft so groß, daß sie nicht nur
die Ernährung für die USA sicherstellt, sondern daß Amerika

auch der größte

Exporteur landwirtschaftlicher Erzeugnisse ist. Eine gut ausgebaute industrielle Infrastruktur - Landwirtschaftsmaschinen, Chemikalien und Düngemittel,
Transportwesen, Vorratslager, Weiterverarbeitung, Exportzentren -3-

dies

�dies alles macht es möglich, die Wettbewerbsposition maximal zu nutzenv
Dennoch wird es, wie Sie aus eigener Erfahrung wissen, immer schwieriger, den ständig wachsenden Verbraucherwünschen gerecht zu werden, die Produktivität immer weiter zu steigern, Regierungsausgaben zu begrenzen, der
Arbeitslosigkeit und der Inflation gleichzeitig zu steuern, Gegenwärtig
kämpfen wir, wie Sie ja auch, gegen die Auswirkungen der plötzlich in die
Höhe geschnellten Ölpreise und gegen die hohen Energiekosten an. Von den neuen Handelsbeschränkungen, die Italien verhängte, sind die EG=Partner ebenso
betroffen wie Drittländer, zu denen z.B. wir gehören. Dazu kommt, daß mit dem
Schwund der Kaufkraft des Geldes die Nachfrage nach Verbrauchsgütern zurückgeht.

Eine Möglichkeit für die Lösung unserer Probleme sehe ich in der Steigerung unserer produktiven Leistung. Sie könnte beispielsweise durch einen Abbau der internationalen Handelsschranken erreicht werden. Und dafür bieten
die multilateralen Handelsverhandlungen, in die wir bereits eingetreten sind,
eine großartige Gelegenheit - gerade jetzt zu diesem kritischen Zeitpunkt.

Eine nicht effiziente Produktion dient letzten Endes niemandem. Wir alle
wissen das. Auf die Dauer gehen durch höhere Produktionskosten die kurzfristigen politischen Vorteile von Protektions-und Subventionsmaßnahmen verloren
- dabei ist es gleichgültig, ob sie z.B. dem Obstbau, dem Schiffsbau oder
der chemischen Produktion gelten.
Die

-4-

�Die Vereinigten Staaten haben selbst ihren Anteil an solchen protektionistischen Maßnahmen gehabt. Aber wir sind fest entschlossen, den ganzen
Komplex auf den bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen zu erörtern - in der Überzeugung, daß freierer Handel auch größere Vorteile bringt.
Wir wissen, daß sich letzten Endes die Marktkräfte immer durchsetzen. Und
deshalb werden wir auch mehr gewinnen, wenn wir einen die Kosten-und Ertragssituation berücksichtigenden allmählichen Strukturwandel zulassen, anstatt
zu versuchen, Veränderungen mittels staatlicher Hilfe und Billigung zu verhindern.

Deutschland verfügt auf vielen Produktionsgebieten über Wettbewerbsvorteile. Die besondere. Stärke der Vereinigten Staaten liegt auf verschiedenen
Gebieten hochwertiger Technik, z.B. Computer- und Flugzeugbau - und nicht
zuletzt auf dem Gebiet der Agrarprodukte. Wir hoffen, daß wir bei einem weitergehenden Abbau der Handelsschranken den westeuropäischen Verbrauchern rationell erzeugtes Getreide und Ölfrüchte als billige Rohstoffe für die Viehzucht liefern können, die in Europa ständig weiter ausgeweitet wird.

Ich kenne den Vorwurf mancher Europäer, daß wir nur dann mit dem Wettbewerbsvorteil argumentierten, wenn es in unserem eigenen Interesse liege. Meine
Antwort darauf: Wettbewerbsvorteil liegt stets

in unserem - und in Ihrem

Interesse. Wenn dieses Prinzip nicht funktioniert, hat das ganze Konzept vom
Gemeinsamen Markt keinen Sinn. Wenn aber das Wettbewerbsprinzip und der Gemeinsame Markt funktionieren, macht es sogar sehr viel Sinn, die Idee des
freien Marktes auch über die Grenzen der EG hinaus wirken zu lassen.
Ich

-5-

�Ich glaube, daß unser aller Erfahrungen mit den OPEC-Ländern - und
nicht zuletzt die wachsende Unruhe der weniger entwickelten Länder - darauf
hindeuten, daß die Welt künftig immer weniger Geduld mit engstirnigem Nationalismus oder kurzsichtiger Wirtschaftspolitik haben wird. Und mit Sicherheit werden mit Floating der Wechselkurse Fehler in der Handelspolitik jeder
Nation durch absinkende Kurse geahndet.

Da letzten Endes der Markt immer der Stärkere ist - warum also sollte
man nicht mit ihm statt gegen ihn arbeiten?

Offener Wettbewerb ist ein ge-

strenger Meister - aber er bietet auch mehr als jeder andere. Marktvorteile
und der freie Markt geben uns die beste Gelegenheit, die Erwartungen unserer
Bevölkerung auf eine echte Steigerung des Lebensstandards zu erfüllen. Ein
Abbau der Handelsschranken kann uns helfen, zu der dafür notwendigen höheren
Leistungsfähigkeit zu gelangen. Vielleicht ist dies überhaupt das einzige,
was die Regierungen noch tun können. Die Alternative wären mehr staatliche
Tricks, mehr Anleihen auf die Zukunft, mehr Inflation für morgen.

+-H-

�t amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Information

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

15/1974

EARL WARREN

--(AD)-- Der frühere Oberste Bundesrichter Earl Warren starb am Abend des
9. Juli im Krankenhaus der Georgetown Universität an einem Herzversagen.
Er war 83 Jahre alt. Im folgenden eine kurze Darstellung seiner Laufbahn:
Earl Warren wurde am 19. März 1891 in Los Angeles in Kalifornien geboren und erwarb das Bakkalaureat

der Rechte sowie den Doktor beider Rech-

te an der Universität von Kalifornien. Im Jahre 1925 heiratete er die
frühere Nina Meyers, mit der er 6 Kinder hatte.

Nach dreijähriger Anwaltspraxis in San Francisco und Oakland trat
Warren im Jahre 1917 als Infanterieoffizier in die Armee ein. Nach dem
Kriege begann seine öffentliche Laufbahn im Justizdienst des Staates Kalifornien und seine politische Stufenleiter führte ihn vom Stellvertretenden
Staatswanwalt in Oakland über den Stellvertretenden Distriktsanwalt in
Alameda und den Distriktsanwalt bis zum Generalstaatsanwalt des Staates
Kalifornien. Im Jahre 1943 wurde er zum Gouverneur von Kalifornien gewählt,
ein Amt, das er bis zu seiner Ernennung zum Obersten Bundesrichter des

-1-

�des Obersten Bundesgerichtshofes im Jahre 1953 innehatte. In der Zeitspanne
bis zu seiner Berufung nach Washington beherrschte er die politische Szene
in Kalifornien und wurde zu einer der mächtigsten politischen Persönlichkeiten der Nation. Im Jahre 1948 war er - ohne Erfolg - Vizepräsidentschaftskandidat der Republikanischen Partei.

In den 16 Jahren, in denen Chief Justice Warren dem höchsten Gericht
Amerikas vorstand, wurde er als Aktivist bekannt. Die Gerichtsentscheidungen
auf dem Gebiet der Bürgerrechte und der Rechte des einzelnen während seiner
Amtszeit waren oft umstritten, haben jedoch unbestreitbar den Kurs der amerikanischen

Geschichte beeinflußt.

Bürgerrechte, die Rechte des Angeklagten und das Recht auf gleiche Vertretung in der Regierung gehören zu den verfassungsmäßigen Freiheiten, die
durch die Entscheidungen während der Amtszeit Warrens wesentlich gestärkt
wurden.

Als Earl Warren im Jahre 1953 von Präsident Eisenhower zum Obersten Bundesrichter ernannt wurde, waren zahlreiche Bürgerrechtsfälle vor Gericht anhängig. Im Jahre 1954 entschied der Gerichtshof im Falle "Brown Versus The
Board of Education" einstimmig, daß Rassentrennung an öffentlichen Schulen
in den Vereinigten Staaten eine Verletzung der Verfassung sei. In den folgenden Jahren hat der Gerichtshof die Rassenschranken beim Stimmrecht niedergelegt und auf allen möglichen Gebieten des täglichen Lebens öffentliche und
private Diskriminierung geächtet. Im Jahre 1963 hat der Gerichtshof ein

�ein System als verfassungswidrig erklärt, das eine ungleiche Vertretung in
der Regierung ermöglichte und den Grundsatz "Ein Mann Eine Stimme" unterstrichen. Das Gericht hat unter Warren auch in zahlreichen Straffällen zugunsten einer Stärkung der Rechte des Angeklagten entschieden.
Der frühere Bundesrichter ist ferner der breiten Öffentlichkeit bekanntgeworden, weil er die Kommission leitete, die damals eine umfassende Untersuchung der Ermordung von Präsident J. F. Kennedy durchführte.

Als Earl Warren im Jahre 1969 als Oberster Bundesrichter in den Ruhestand trat, sagte Präsident Nixon über ihn: "Wir alle sind heute dankbar
für sein Beispiel der Würde, Integrität und Fairness. Er hat dazu beigetragen, Amerika in der Kontinuität und in dem Wandel zu halten, die so entscheidend für unseren Fortschritt sind."

~T~W*

-3-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 0 8 - 8 54 32

15/1974

WASHINGTON RECHNET MIT VERABSCHIEDUNG DES NEUEN HANDELSGESETZES NOCH
IN DIESEM JAHR
Von John J. Harter

WASHINGTON —

(AD) —

Maßgebende politische Kreise in der amerikanischen

Hauptstadt rechnen fest damit, daß das neue amerikanische Handelsgesetz
noch in diesem Jahr vom Kongreß verabschiedet werden wird. Wie der neue
Unterstaatssekretär für Wirtschaft im US-Außenministerium, Thomas 0. Enders,
betont, wird das Gesetz über die Reform des Handels Präsident Nixon die
erforderlichen Vollmachten für eine erfolgreiche Teilnahme der USA an der
im September 1973 offiziell eröffneten Tokio-Runde von Handelsverhandlungen geben.

Die Vorlage war bereits im Dezember 1973 vom amerikanischen Repräsentantenhaus mit 272 gegen 140 Stimmen gebilligt worden und liegt seit Monaten dem Finanzausschuß des Senats vor. Dieser hatte zunächst eingehende
öffentliche Anhörungen durchgeführt und dann im Juni mit der Ausarbeitung
einer eigenen Fassung des Gesetzes begonnen. Allgemein wird auf dem Capitol

�7
s

i
Capitol damit gerechnet, daß der Ausschuß diese Arbeiten Ende Juli wieder
aufnehmen wird.

Die Handelsverhandlungen im Rahmen der Tokio-Runde waren mehrere Monate
lang praktisch zum Erliegen gekommen, da die Verabschiedung des amerikanischen
Handelsgesetzes noch immer ausstand. Allerdings hat jetzt der von den Ministern seinerzeit in der japanischen Hauptstadt eingesetzte GATT-Ausschuß für
Handelsverhandlungen letzte Woche in Genf den Stand der Vorarbeiten überprüft
und weitere Schritte erörtert, wie die Verhandlungen in den nächsten Monaten
vorangetrieben werden können. Die Vereinigten Staaten werden sich in die kommenden Verhandlungen über einen Austausch von Konzessionen mit anderen Regierungen erst voll einschalten können, wenn der Kongreß die in dem neuen Handelsgesetz enthaltenen Vollmachten gebilligt hat. Doch geht es, wie Enders
betont, bei den Erörterungen im Finanzausschuß keineswegs um besonders kontroverse Fragen, so daß mit einer baldigen Empfehlung an das Plenum des Senats gerechnet werden kann.

Die große Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den bevorstehenden Verhandlungen beimessen, faßt Enders mit folgenden Worten zusammen:

"Obwohl die in den meisten Industriestaaten heute gültigen Zollsätze nach
mehr als dreißigjährigen Verhandlungen über einen Zollabbau jetzt relativ
niedrig sind, ist es trotzdem notwendig, weiter mit Nachdruck auf einen noch
freieren Handel hinzuarbeiten. Es liegt angesichts des großen Öldefizits gerade jetzt im Interesse aller Länder, mehr Waren zu niedrigeren Preisen bereitzustellen, und es ist besonders wichtig, daß die Bemühungen um einen

-2-

�einen freieren Handel fortgesetzt werden. Das klassische Argument für einen
freieren Handel war stets, wer nicht vorwärts schreitet, riskiert einen Rückfall in den Protektionismus mit all seinen wirtschaftlichen und politischen
Begleiterscheinungen. Dieses Argument hat niemals mehr Gültigkeit besessen
als heute. In den letzten 20 Jahren hat der Welthandel die bei weitem größte Zunahme zu verzeichnen gehabt und die Expansion der einzelnen Binnenwirtschaften Jahr um Jahr ständig übertroffen. Wir hoffen, daß dies auch weiterhin der Fall sein wird."
Der Ausgang der neuen Runde von Handelsverhandlungen wird nach Ansicht
von Enders wichtige Auswirkungen auf die politischen Beziehungen zwischen den
Vereinigten Staaten, der Europäischen Gemeinschaft, Japan und anderen Ländern
haben.Auch die wirtschaftlichen Beziehungen zu den Entwicklungsländern könnten durch diese Verhandlungen enger und erfolgreicher gestaltet werden. Die
USA erwarteten von diesen Verhandlungen, daß nicht nur der wachsenden Interdependenz der einzelnen Volkswirtschaften Rechnung getragen, sondern auch
eine solche Ausweitung des gemeinsamen Handels erreicht wird, daß die politischen Bindungen zwangsläufig ebenfalls immer enger werden.

Für den kommenden Herbst rechnet Enders mit einer Phase aktiver Verhandlungen. So würden bereits Ende September oder Anfang Oktober in Genf erste
Gespräche aufgenommen werden.

In gleicher Weise hat auch der Vorsitzende des Finanzausschusses, Senator
Russell Long, dieser

Tage seiner festen Zuversicht Ausdruck gegeben, daß

-3-

�daß das Gesetz über die Reform des Handels endgültig 1974 verabschiedet wird.
Es bleibe noch genügend Zeit für die Beratungen, sofern die Sitzungsperiode
des Kongresses, was anzunehmen sei, so lange wie in den letzten Jahren dauern werde.

-4-

�.' amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

300

Wissenschi
und
Technik

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

15/1974
WAS MACHT DIE ZELLE KREBSANFÄLLIG?

Amerikanische Wissenschaftler erforschen die biochemischen Mechanismen zur
Entstehung und Bekämpfung von Krebs
Von Gertrud Weiss

»

--(AD)-- Noch haben die Ergebnisse, zu denen Prof. Melvin Calvin vom Department für Molekularbiologie der Universität Berkeley (Staatsuniversität
von Kalifornien) mit einer Gruppe von Mitarbeitern bei Experimenten mit
krebserzeugenden Chemikalien und Viren gelangt ist, als vorläufig zu gelten.
Aber sie sind gut belegt und scheinen für die Erforschung des ungeheuer komplizierten und vielschichtigen Problems Krebs einen wichtigen Weg zu weisen
- den Weg zur Identifizierung jener Moleküle, Zwischenverbindungen und Reaktionsmechanismen, die letztlich zur Erkrankung führen.

Die Versuche laufen seit vier Jahren und werden auf vier verschiedenen
Ebenen durchgeführt - mit Enzymen zum Studium von deren Aktivität unter der
Beteiligung der verschiedensten Chemikalien sowie unter der Einwirkung von
ultraviolettem Licht, ferner mit Zellen, mit Gewebekulturen und mit Tieren.

�Tieren. Die Forscher erkannten bald, daß es nicht genügt, sich auf die chemische Karzinogenese, d.h. auf Untersuchungen mit chemischen Verbindungen,
die vielleicht oder nachgewiesenermaßen Krebs erzeugen, zu konzentrieren. Die
Arbeiten mußten vielmehr auf die biologische Karzinogenese ausgedehnt werden, bei der vor allem Viren eine Rolle spielen. Ionisierende Strahlung, deren Effekte im Zusammenhang mit Krebs schon seit Jahren untersucht werden,
kommt als physikalischer Umweltfaktor noch hinzu.

Prof. Calvin, der auf der 24. Nobelpreisträgertagung Anfang Juli 1974
in Lindau über seine gegenwärtigen Arbeiten berichtete, hofft, daß die Wissenschaft dahin gelangt, die Beziehungen zwischen diesen drei Umweltfaktoren
zu verstehen. Er hält es für denkbar, daß sie nicht in unterschiedlichen, sondern eher in ähnlichen, vielleicht sogar identischen Mechanismen wirksam
sind,wenn aus gesunden Zellen Tumorzellen hervorgebracht werden. Herauszufinden, auf welche Weise dies geschieht, ist jetzt die vordringliche Aufgabe.

Die Untersuchungen in Verbindung mit einer der vielen,bisher bekannten
krebserzeugenden Verbindungen, nämlich Acetylaminofluoren und seinen Derivaten, verdienen besondere Beachtung. Es zeigte sich, daß das Vorhandensein
ganz bestimmter Atome an bestimmten Positionen im Molekülverband darüber entscheidet, ob die Verbindung karzinogen ist oder nicht. War die betreffende
Position z. B. mit einem Wasserstoffatom oder einem Fluoratom besetzt, erwies sie sich als karzinogen. Saß aber ein Jodatom darauf, blieb die krebserzeugende Wirkung aus. Weshalb? Physikalisch-chemische Messungen brachten
die Antwort: Die Verbindungen mit Wasserstoff-und Fluoratomen vermochten es,

-2-

�es, sich zwischen die Basengruppen der fadenförmigen, zur Doppelspirale gewundenen Riesenmoleküle von natürlicher wie künstlicher DNS oder RNS zu
drängen. Es sind dies jene hochmolekularen Nukleinsäuren, die man als Träger
der Erbinformationen ausgemacht hat. Waren aber Jodatome beteiligt, kam es
dazu nicht. Die Jod-Kombination ist zu groß, um zwischen die organischen
Basenpaare zu schlüpfen, deren Abstand voneinander genau ermittelt werden
konnte.

Dieser Umstand scheint also einer der Faktoren zu sein, die dafür ausschlaggebend sind, ob eine chemische Verbindung in der Zelle

bzw. im Zell-

kern die Ordnung im genetischen "Schlüsselmolekül" so zu stören und die
Spiralstruktur so zu verändern vermag, daß sich für den Aufbau des DNS-oder
RNS-Moleküls der Tochterzelle Fehlinformationen ergeben.

Aber es spielen noch zahlreiche weitere Faktoren mit. Auch den reaktionsfreudigen "elektrophilen" Zwischenprodukten, die direkt von der karzinogenen Substanz oder einer ihrer Stoffwechselprodukte stammen, kommt in dem
Prozeß der Veränderung des genetischen Codes große Bedeutung zu. Als elektronensuchendes Agens greifen sie nukleophile Verbindungen an. Zu den letzteren zählen z.B. viele Substrate in der Zelle. Ihr Hauptangriffsziel scheinen
jedoch die Nukleinsäuren DNS (Desoxyribonukleinsäure) oder RNS (Ribonukleinsäure) zu sein. Deren Basen haben alle zusätzliche Elektronen, so daß sie dem
Angriff der elektrophilen Gruppen des Karzinogens leicht zum Opfer fallen.

Dennoch braucht dieser nicht zwangsläufig zu massiven und bleibenden
Veränderungen der Erbsubstanz und, in späteren Phasen, zur Entwicklung von

-3-

�1
I

von Krebs zu führen. Kleine "punktuelle" Veränderungen können durchaus wieder korrigiert werden, wie sich bei Experimenten mit Hamster-Gewebekulturen
zeigte. Selbst eine

Einwirkung sehr starker Karzinogene muß

nicht

automatisch die Entwicklung von Krebszellen und ausgedehnten Tumoren im Gefolge haben.

Sind jedoch gleichzeitig onkogene (krebserzeugende) Viren in der Zelle
vorhanden, wirken offenbar beide Komponenten zusammen, um ausgedehnte Wucherungen hervorzubringen. Jedenfalls ist dann die Zahl der entstehenden Krebsherde auffallend hoch. Wie Calvin berichtete, demonstrierte dies Prof. Stitch
(British Columbia) eindrucksvoll an Hamster-Gewebekulturen. Deren Behandlung
mit einer krebserzeugenden chemischen Verbindung allein vermochte keine Trans-J
formation auszulösen. Infizierte man die Kultur unter Weglassung der krebserzeugenden chemischen Komponente mit Adeno-Viren, kam es zur Bildung von
durchschnittlich 17 Herden in 2 Millionen Zellen. Wurden jedoch das chemische Gift und die Viren gleichzeitig eingebracht, so entwickelten sich 435
Herde. Der Zeitpunkt, an dem beide Komponenten in der Zelle zusammenkommen,
scheint für die Tumorbildung erhebliche Bedeutung zu haben.

Es ist aber andererseits auch möglich, diese Entwicklung bezw. die
Transformation von DNS-und RNS-Molekülen mit bestimmten chemischen Verbindungen zu blockieren oder, wenn der Prozeß bereits in Gang gekommen ist, das
Weiterwachsen des Tumors zu stoppen. Bei Zellkultur-und Tierversuchen, die
noch nicht abgeschlossen sind, stellten Calvin und Mitarbeiter fest, daß bei
einer bestimmten Dosierung die Krebszellen in der Vermehrung gehemmt und

-4-

�t
f
i

und sogar zerstört werden, die benachbarten gesunden Zellen dagegen keine Beeinträchtigung erfahren. Als wirksame Hemmsubstanzen erwiesen sich Verbindungen und Abkömmlinge des halbsynthetischen Antibiotikums Rifamyzin.

Bisher vermag aber noch niemand zu sagen, ob nach dem gleichen Prinzip
auch Krebs beim Menschen zu beeinflussen wäre. Und bis zu einer möglichen Therapie auf dieser Basis ist noch ein weiter Weg.

+++

-5-

�i amerika dienst
United, States
53

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Te I e x:

300

Wissenschaff
und
Technik

08-85432

15/1974
STROM VOM WECHSELBAD
- Die "Banks engine"arbeitet mit minimalen Temperaturunterschieden --(AD)-- Eine Veränderung der Eigenschaften einer besonderen Metall-Legierung
durch geringe Temperaturunterschiede reicht aus, um mit der so gewonnenen
mechanischen Energie einen kleinen Generator zu betreiben. Ein Arbeitsmodell
der neuen "Maschine" führte Prof, Edwin M, McMillan (Universität Kalifornien
in Berkeley) unter großem Beifall des Auditoriums auf der 24. Nobelpreisträgertagung (1,-5.Juli 1974) in Lindau vor.

Die Maschine ist die Erfindung von Ridgway Banks, einem jungen Wissenschaftler aus der Gruppe der Mitarbeiter von Prof. McMillan. Die bisher erzielte Leistung von einigen Watt dürfte durch weitere Verbesserungen in den
Kilowatt-Bereich gesteigert werden können. Die "National Science Foundation"
(US-Nationalstiftung für die Wissenschaften) gewährte bereits einen Zuschuß
von mehreren tausend Dollar für die Weiterentwicklung. Das neue System gilt
als vielversprechend, um beispielsweise erwärmte Abwässer für die Energiegewinnung zu nutzen.

Die Banks-Maschine erzeugt Strom nach dem Dynamo-Prinzip, Die Energie,
die erforderlich ist, um die beweglichen Teile in Gang zu halten, ergibt sich

�I
sich aus der Formänderung von Metallstreifen, wenn diese abwechselnd in
heißes und kaltes Wasser eintauchen. Die eigentliche Quelle dieser Energie
liegt jedoch im atomaren Bereich. Sie basiert auf der Lageveränderung bestimmter Metallatome im Kristallgitter der Bimetall-Legierung, welche durch den
Wechsel von der höheren zur niedrigeren Temperatur und umgekehrt ausgelöst
wird.
Das "Arbeitsmaterial" ist die Legierung NITINOL. Sie wurde am Navy
Ordnance Laboratory entwickelt und besteht aus Nickel, und Titan zu etwa gleichen Teilen. Die Kristalle des Materials machen im festen Zustand bei der
verhältnismäßig niedrigen Temperatur von 30 bis 50 Grad Celsius eine Umwandlung durch, die bewirkt, daß unterhalb 30° C das Material weich und biegsam,
aber oberhalb 50°C starr und ziemlich hart ist.

.

Wenn eine schlaff herabhängende Schlaufe aus NITINOL in heißes Wasser
i

eintaucht, streckt sie sich fast schlagartig. Sobald sie aber in kaltes Wasser gelangt, fällt sie in die schlaffe Schlaufenform zurück. Sie scheint sich
in heißem Wasser an den Formzustand zu "erinnern", der ihr mit der Wärmebehandlung bei 500 C gegeben wurde. Neben Schlaufen werden auch Spiralen in
einer Art endlosem Band als aktive Elemente benutzt. Nach Prof. McMillan könnte die von der Wassertemperatur beeinflußte Verhaltensänderung der Legierung,
die man schon länger kennt, aber nicht nutzte, durch reversible Lageveränderungen bestimmter Nickel- und Titanatome im Kristallgitter hervorgerufen werden. Die Atome laufen wie ein Kolben hin und her - sie werden vom Temperaturwechsel zwischen heißem und kaltem Wasser in Gang gehalten. Dabei wird zwar
eine Gefügeumwandlung eingeleitet, aber sie kommt niemals zum

Abschluß .
Deshalb

-2-

�Deshalb bleiben die Kristalle in ihrer ursprünglichen Anordnung und Größe
erhalten.

Das Demonstrationsmodell besteht aus einem trommeiförmigen Wasserbehälter
von ca. 40 cm Durchmesser und 10 cm Höhe mit je einem Teil für warmes und
kaltes Wasser sowie einem Einsatz, der die NITINOL-Schlaufen trägt. Sie hängen
an sternförmig angeordneten Stäben, die in einem Außenring gehalten werden.
Durch die exzentrische Lagerung des Speichenrades für die Übertragung der mit
der Banks-Maschine erzeugten Energie wird zusätzlicher Schwung für die Drehbewegung erzielt. Diese setzt ein, sobald sich die Schlaufen bei der Berührung
mit heißem Wasser schlagartig straffen. Eine "Ladung" mit heißem und kaltem
Wasser aus dem Wasserhahn genügt, um die Maschine bei hoher Drehgeschwindigkeit für ca. 50 Minuten in Gang zu halten. Gegenwärtig laufen in Berkeley
Versuche mit Banks-Maschinen verschiedener Konfiguration.

+4+

-3-

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7846">
              <text>24.07.1974</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7847">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7848">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14354">
              <text>Amerikadienst 24.07.1974</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14355">
              <text>&lt;p&gt;&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;MBFR-Erklärung des Westens vom 17. Juli 1974&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Impulse für die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Clayton Yeutter Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Earl Warren&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Was macht die Zelle krebsanfällig?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gertrud Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Strom vom Wechselbad&lt;/p&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
