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Nummer

24. A p r i l 1974

Inhalt
INFORMATION
Maschinen und Zubehör für Druck und Graphik
Neuheiten aus USA in Frankfurt
Sonderausstellungen in Wien und Mailand werben für den US-Export
Fulbright-Stipendien zum Studi um in den USA im Studienjahr 1975/76

DOKUMENTATION
Erklärung des US-Atlantikrates zur Solidarität im Bündnis
- Wortlaut E r k l ä r u n g d e s NATO-Sprechers z u d e n MBFR-Verhandlungen i n Wien
vom 1 0 . A p r i l 1974

WIRTSCHAFT

William E. Simon zum neuen Finanzminister der USA nominiert

WISSENSCHAFT UND TECHNIK

WESTAR - erster kommerzieller Nachrichtensatellit in USA
Fernmeldegesellschaft "Western Union" dehnt ihr Leitungsnetz auf den
Weltraum aus

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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MASCHINEN UND ZUBEHÖR FÜR DRUCK UND GRAPHIK
Neuheiten aus USA in Frankfurt

Mehr als zwanzig amerikanische Hersteller zeigen ihre neuesten Produkte
und Entwicklungen in der Ausstellung "Maschinen und Zubehör für Druck und
Graphik", die vom 14. bis 17. Mai im Frankfurter US-Handelszentrum stattfindet.
Ein Teil der Firmen ist neu auf dem deutschen bzw. europäischen Markt und
sucht hier in erster Linie Vertretungen, Lizenznehmer und Partner für gemeinsame Projekte.
Das Ausstellungsprogramm umfaßt u.a. eine große Auswahl an Fotosatzsystemen
und Zubehör, darunter eine Videosetter-Kathodenstrahlfotosetzmaschine für
800 000 Zeichen pro Stunde und optische Belegleser zur direkten Ansteuerung
von Fotosetzmaschinen oder Erstellung von Lochbändern direkt vom Manuskript;
Reprokameras, Kopierbelichtungsmesser, Offsetkopiergeräte, elektronische Belichtungsrechner, Densitometer und Belichtungsmesser an Filmen während des
Entwicklungsprozesses in der Dunkelkammer; ein Datensystem für die Farbformulierung durch Ferndatenverarbeitung über normale Fernsprechleitungen zu
einem Datencenter; flexographische Etikettendruckmaschinen, Vorlagen und
Farbauszüge für den Druck von Kalendern, Gruß- und Glückwunschkarten, Raster,
Muster und Schriften auf Folien, Blattschneide-, Stanz-, Binde-, Laminierund Folienkaschiermaschinen, Zähl- und Stapeleinrichtungen für Zeitungen,
Walzen- und Gummituchwaschmittel, Regenerierungsmittel, Zusammentrag-, Adressier- und Postbearbeitungsmaschinen, neuartige mikroverkapselte Druckbe-

�Druckbestäubungsspender und Papierbahnbefeuchter für Rollenoffset.

Weitere Informationen durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Tel.: 720801, Telex: 416535.

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SONDERAUSSTELLUNGEN IN WIEN UND MAILAND WERBEN FÜR DEN US-EXPORT

Zwei Sonderausstellungen der amerikanischen Handelszentren in Wien und
in Mailand werden im Mai für den amerikanischen Export werben und den beteiligten
Firmen bei der Erschließung neuer Märkte helfen.

In Wien werden vom 15. bis 17. Mai in einer Gemeinschaftsausstellung
des amerikanischen Ost-West-HandelsZentrums sieben Firmen Geräte und Ausrüstungen für die Erdöl- und Erdgasgewinnung zeigen, wie sie während der gesamten Betriebsdauer einer Quelle benötigt werden. Die Ausstellung ist speziell auf den Bedarf und die Gegebenheiten des osteuropäischen Marktes ausgerichtet. Bei den ausstellenden Firmen, für die der osteuropäische Markt
Neuland ist, handelt es sich um die "Core Laboratories Inc." aus Dallas, die
Houston Engineers Inc.", die "Halliburton Company" aus Dallas, die "Geolograph
Company" aus Oklahoma City, die "Perry Equipment Corp." aus Mineral Wells,
Texas, die "Byron Jackson Inc." aus Houston sowie die "Max Daggett Export
Management Company" aus North Ridge, Kalifornien.

Die Ausstellung gibt einen Überblick über den neuesten Stand der Bohrtechniken wie auch auf dem Gebiet der Sicherheits- und Überwachungseinrichtungen.
Neben neuem Gerät für Bohrkernanalysen und Flüssigr.aterial-Analysen werden unter
anderem auch für tiefste Bohrlöcher geeignete Prüf- und Meßgeräte, neuartige
Kontroll- und Warneinrichtungen, wie sie bei Bohrungen benutzt werden, Zweistufenfilter für Verdichter, ein neuartiger Rohrschutz für Tiefbohrungen so-

- 1 -

�sowie Druck-Transducer mit austauschbaren Membranen gezeigt. Vertreter der
ausstellenden Firmen werden auf der Ausstellung zur Beantwortung von Fragen
zur Verfügung stehen.

In Mailand zeigen rund 50 Firmen vom 14. bis 18. Mai ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der Datenverarbeitung und Übermittlung. So werden
Computer - vom Groß- bis zum Mini-Computer - samt allen Komponenten, Computer
CRT-Terminale und Display-Systeme, Datenübertragungs- und Dateneingabesysteme,
Datenkonvertiergeräte, programmierbare und nicht-programmierbare Terminals,
Video-Terminals, Dateneingabeterminals, Schnelldrucker, Teledrucker, Miltiplexer, Optical Scanner, Klarschriftleser, Computerfilmausgabegeräte, Microfiche Vervielfältiger und Betrachter, Plotter, Magnetbandsysteme, Digitalkassetten, Fernschreibtest- und Prüfgeräte, Modems, Interface Adaptorgeräte,
Breitbandleitungen, Tonsignalgeräte, Schnelldatengeräte, Dekodiergeräte, Seitendrucker, programmierbare Tischrechner sowie Software-Produkte zu sehen sein.
Die Ausstellung bietet den europäischen Besuchern eine einmalige Gelegenheit,
sich über die fortgeschrittenen Technologien dieser "Industrie von morgen"
zu unterrichten.

Unter den ausstellenden Firmen sind so bekannte Namen zu finden wie
"Eastman Kodak", "Singer Business Machines", "Codex Inc." und "Tektronix",
aber auch Neulinge auf dem europäischen Markt wie "International Data Systems",
"National Computer Rentals" und "Prime Computer", die besonders an einer Anbahnung von Geschäftsverbindungen in der Bundesrepublik interessiert sind. Viele
dieser Firmen suchen Vertreter, Lizenznehmer sowie Partner für gemeinsame Projekte. Während der Ausstellung werden in Vorträgen und Diskussionen von den
beteiligten Firmen die wichtigsten Aspekte ihrer neuen Entwicklungen erläutert
sowie Einzelheiten dieser alle

Bereiche unseres Lebens revolutionierenden

Technologie aufgezeigt.

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FULBRIGHT-STIPENDIEN ZUM STUDIUM IN DEN USA IM STUDIENJAHR 1975/76

Auch für das Studienjahr 1975/76 kann die deutsche Fulbright-Kommission
wieder kombinierte Reise- und Aufenthaltsstipendien zum Studium an amerikanischen Hochschulen an deutsche Studenten vergeben. Bewerbungen müssen bis
zum 15. Juni 1974 eingereicht werden, und zwar von immatrikulierten Studenten
bei den Akademischen Auslandsämtern der Hochschulen.

In Abänderung der Richtlinien werden Jungakademiker mit abgeschlossenem
Hochschulstudium nunmehr an den Deutschen Akademischen Austauschdienst verwiesen.

Weitere Auskünfte erteilen die Akademischen Auslandsämter der deutschen
Hochschulen sowie die Fulbright-Kommission selbst: 5 300 Bonn-Bad Godesberg 1
Theaterplatz 1 A, Postfach 208

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ERKLÄRUNG DES US-ATLANTIKRATES ZUR SOLIDARITÄT IM BÜNDNIS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Der Atlantikrat der Vereinigten Staaten hat am
15. April in einer Erklärung nachdrückliche Anstrengungen von amtlicher und
privater Seite gefordert, um die Meinungsverschiedenheiten im Nordatlantischen
Bündnis beizulegen und die Solidarität zu stärken. Der Vorstand der privaten
Gesellschaft, die der Vereinigung der Atlantischen Gesellschaften (ATA) angehört, hat in seiner Erklärung vor der Gefahr isolationistischer Impulse gewarnt. Die Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"1. Der kürzliche Ausbruch der öffentlichen Kontroverse unter den nordatlantischen Verbündeten manifestiert seit langem bestehende Meinungsverschiedenheiten, die in den letzten Jahren und vor allem in den letzten Monaten akut geworden sind. Die durch diese Episode zutage getretenen Schwierigkeiten müssen
durch nachdrückliche amtliche und private Anstrengungen überwunden werden, um
die Solidarität des Bündnisses wiederherzustellen, das die Grundlage für die
Sicherheit und die Prosperität eines jeden verbündeten Landes bildet. Wenn es
nicht gelingt, diese Meinungsverschiedenheiten jetzt beizulegen, dann könnte
dies in gefährlicher Weise separatistische und isolationistische Impulse in
Europa, den Vereinigten Staaten und Kanada stärken.

2. Die

�2. Die jüngsten Meinungsverschiedenheiten unter den Verbündeten, so ernst
sie auch sein mögen, geben ein irreführendes Bild von dem Zustand des Bündnisses. Über Sicherheitsprobleme und auch über einige politische und wirtschaftliche Fragen haben die atlantischen Verbündeten auf einer Reihe wichtiger Gebiete Übereinstimmung erzielt. Die Verbündeten waren sich, das ist richtig,
hinsichtlich der Politik während des Oktober-Krieges im Nahen Osten und danach
nicht einig. Es wäre sehr viel besser gewesen, wenn sie in Nahost-Fragen eine
konzertierte Politik verfolgt hätten, wie das im Jahre 1967 praktisch der Fall
war. Wir hoffen jedoch, daß sich jetzt eine konzertierte Nahost-Politik des
Bündnisses herausbildet, um die entscheidenden Friedensverhandlungen zu unterstützen, die 1974 stattfinden dürften.

Wir begrüßen den Erfolg der jüngsten Washingtoner Energiekonferenz als
einen sehr wichtigen Sieg des Prinzips der Solidarität der Verbündeten. Und
wir begrüßen das Ergebnis der deutsch-amerikanischen Offset-Verhandlungen.
Beide Regierungen haben weitblickende und konstruktive Standpunkte eingenommen,
die die Zahlungsbilanzkosten der Vereinigten Staaten für die Aufrechterhaltung
ihrer Streitkräfte in Deutschland aufheben dürften. Wir hoffen und wünschen,
daß der Erfolg dieser schwierigen deutsch-amerikanischen Verhandlungen wiederum zu einer Lösung des Problemes des Ausgleichs der Zahlungsbilanzfolgen der
Sicherheitsdispositionen des Bündnisses im größeren Bündnisrahmen führen wird,
zu einer Lösung also, durch die eine gerechte Verteilung dieser Kosten erreicht würde.

Vor allem möchten wir die Aufmerksamkeit auf den außerordentlichen Erfolg
des Europäischen Verteidigungsverbesserungsprogramms (EDIP) wenden, das zu
wesentlichen Steigerungen der Verteidigungsausgaben der europäischen Verbündeten seit 1970 geführt hat. Der Stellvertretende Außenminister Rush hat dazu
am 10. Juli 1973 erklärt: 'Der amerikanische Beitrag ist zwar höchst bedeutsam - vor allem wegen der Qualität unserer Streitkräfte - aber unsere Verbündeten tragen in der NATO fast 90 Prozent der Landstreitkräfte bei, 80 Prozent
der Seestreitkräfte und 75 Prozent der Luftwaffe. In Mitteleuropa stellen die
Verbündeten - einschließlich Frankreichs - 25 der 29

1/3 einsatzbereiten Di-

visionen'. Minister Rush wies darauf hin, daß die gegenwärtigen Ausgaben der

�der europäischen Verbündeten für die Verteidigung Europas fast doppelt so
hoch sind wie im Jahre 1965. Ihre Ausgaben für die Verteidigung von NATOEuropa sind im Verhältnis zum Nationaleinkommen höher als die unsrigen.

3. Es läßt sich jedoch nicht bestreiten, daß die atlantischen Verbündeten
in einer Reihe entscheidender politischer und wirtschaftlicher Fragen noch
immer gefährlich zerstritten sind. Angesichts der Probleme der nuklearen Abschreckung und der sowjetischen Außenpolitik stimmen alle Verbündeten überein,
daß ihre Sicherheitsinteressen unteilbar sind und bleiben. Nationen mit einem
gemeinsamen Schicksal, wie die atlantischen Verbündeten, können sich nicht
über wichtige politische und wirtschaftliche Fragen in den Haaren liegen, ohne
den Zusammenhalt in

Sicherheitsfragen und anderen Fragen gemeinsamen Interesses

zu opfern. Ihre gemeinsamen Interessen überwiegen bei weitem die einzelnen nationalen Interessen eines jeden von ihnen. In solchen Fragen sollten sie sich
zumindest regelmäßig konsultieren, um ihre Differenzen so klein wie möglich
zu halten. Günstigstenfalls sollte ihre Politik harmonisiert und konzertiert
sein. Das ist die Empfehlung der 'Drei Weisen' im Jahre 1956, des Harmel-Berichtes, der im Jahre 1967 vom Nordatlantikrat gebilligt worden ist, und des
Neuner-Ausschusses im Jahre 1973.

Der Apparat für die Harmonisierung und Konzertierung alliierter Politik
in politischen und Sicherheitsfragen existiert im Nordatlantikrat und in wirtschaftlichen Fragen in der OECD und anderen Gremien. An was es bisher gefehlt
hat, war der politische Wille, diese Verfahren auf regelmäßiger und anhaltender
Basis zu benutzen. Es ist jetzt an der Zeit, daß die Verbündeten die Suche
nach einer gemeinsamen oder harmonisierten Politik intensivieren. Die Welt
hat sich seit der Zeit Präsident Trumans, als die NATO geschaffen wurde, unwiderruflich geändert. Europa, die Vereinigten Staaten und Kanada sind heute
mehr voneinander abhängig (interdependent) als damals. Das ist eine Tatsache,
an der keine Nation rütteln kann. Und es ist eine Tatsache mit weitreichenden
politischen Folgen.

4. Die öffentliche Meinung in Amerika muß die Tatsache akzeptieren, daß
in einer nuklearen Welt die Dislozierung starker amerikanischer konventioneller

�-*

konventioneller Streitkräfte in der Vorne-Verteidigung in Europa auf unbestimmte Dauer beibehalten werden muß, um sicher zu gehen, daß man in Krisenfällen mit konventionellen Kräften auskommen kann. Niemand möchte sich erneut der Illusion zuwenden, daß 'massive Vergeltung' eine Politik darstellt,
die man nur im äußersten Notfall anwenden kann. Wir begrüßen daher die Zusicherungen, die. Präsident Nixon jüngst in Houston gab, daß er sich auch
weiterhin einem einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa widersetzen werde.

5. Auf der anderen Seite muß man aber auch in Europa genau so die Tatsache akzeptieren, daß politische und wirtschaftliche Fragen nicht hermetisch
von Sicherheitsfragen getrennt werden können. Die eigentlichen wichtigen politischen und wirtschaftlichen Fragen umfassen auch Elemente, die von hoher Bedeutung für die Sicherheit sind. Man muß an alles im vollen Bewußtsein um die
Beziehungen herangehen.
*

6. Zwischen dem Festhalten am Prinzip der atlantischen Solidarität und
dem Eintreten für die volle Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft besteht
kein Widerspruch. Wir sollten die Entwicklung der Europäischen Gemeinschaft
als eines konstruktiven und verantwortungsbewußten Partners der Vereinigten
Staaten bei allen Werken des Friedens begrüßen.

7. Es ist verständlich, daß man sich in Europa wegen der relativen Größe
der Vereinigten Staaten Sorgen über die Möglichkeit macht, daß Amerika eine
'dominierende' Rolle spielen könnte. Wie falsch diese Befürchtung ist, wird
durch die seit Jahren von Amerika unternommenen Anstrengungen deutlich, Europas
Stärke und Einheit sowie Verfahren für eine atlantische politische und wirtschaftliche Zusammenarbeit zu entwickeln. Die Gefahr liegt nicht in der Vorherrschaft,
sondern in der Isolation.

8. Es gibt in Europa Stimmen, die behaupten, daß Europa zwischen der Konzeption eines 'europäischen Europa' und eines 'amerikanischen Europa' wählen
müsse. Europa aber steht gar nicht vor einer solchen Entscheidung. Der einzig

- 4 -

�einzig mögliche Kurs für Europa ist der eines atlantischen Europa, so wie
der einzig mögliche Kurs für die Vereinigten Staaten der eines atlantischen
Amerika ist. Ein amerikanischer Isolationismus und die Idee einer europäischen
dritten Kraft würden für beide Seiten des Atlantik katastrophal sein."

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ERKLÄRUNG DES NATO-SPRECHERS ZU DEN MBFR-VERHANDLUNGEN IN WIEN
VOM 10. APRIL 1974

Der niederländische Botschafter Quarles
van Ufford hat im Namen der westlichen
Teilnehmer an den Verhandlungen über eine
beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierung (MBFR) in Wien am 10. April
anläßlich der einmonatigen Vertagung der
Konferenz folgende gemeinsame Erklärung
(in englischer Sprache) abgegeben:

Wie Sie wissen, werden wir in den MBFR-Verhandlungen nun erneut eine kurze
Pause einlegen, um Zeit für Konsultationen mit unseren Regierungen zu haben.
Die Verhandlungen werden in der am 6. Mai beginnenden Woche wieder aufgenommen.
Dies scheint ein geeigneter Zeitpunkt zu sein, um mit Ihnen den derzeitigen
Stand der Verhandlungen zu erörtern. Auf meiner letzten Pressekonferenz am
14. Januar sprach ich mit Ihnen über die allgemeine Betrachtungsweise, die sich
jede Seite bezüglich der Substanz der Verhandlungen zu eigen gemacht hat. Um
meine heutigen Ausführungen in die richtige Perspektive zu rücken, darf ich
diese grundlegenden Positionen noch einmal kurz ins Gedächtnis zurückrufen.

Das Gesamtziel der westlichen Bündnispartner besteht darin, durch Truppenverminderungen in Mitteleuropa zu einem stabileren Gleichgewicht zwischen den
Landstreitkräften der beiden Seiten zu kommen. Das bedeutet die Beseitigung des

�m
des derzeitigen Ungleichgewichts in den Landstreitkräften, bei denen die östliche Seite 150 000 mehr Soldaten in dem genannten Gebiet stationiert hat als
der Westen.

Die westlichen Bündnispartner haben dementsprechend vorgeschlagen, daß
das endgültige Ziel der Verhandlungen in einer gemeinsamen Höchststärke für
den gesamten Mannschaftsbestand der Landstreitkräfte auf beiden Seiten besteht.
Wir haben vorgeschlagen, daß dieses Ziel in zwei Verhandlungsphasen erreicht
werden soll. In der ersten Phase würde die Einigung dahingehen, die amerikanischen
und sowjetischen Landstreitkräfte zu reduzieren und gleichzeitig die Disparität in Höhe von 9500 Panzern, die in dem Gebiet besteht, zu vermindern. Die Beteiligten würden sich in einem Abkommen der ersten Phase ferner über das Konzept
einer gemeinsamen Höchststärke für den Mannschaftsstand der Landstreitkräfte
als Verhandlungsziel einigen.

In der zweiten Phase würde Einigung über weitere Verringerungen erzielt
werden, unter Einschluß von Reduktionen bei anderen direkt Beteiligten, bis
eine gemeinsame Höchststärke erreicht ist.

Dies ist allgemein gesprochen die westliche Position zur Frage der Truppenverminderungen. Wir glauben, daß das Ergebnis in erhöhter Sicherheit für beide
Seiten bestehen würde. Wir stimmen der Behauptung, daß unser Vorschlag zu
einer erhöhten Sicherheit für uns und zu geringerer Sicherheit für den Osten
führen würde, nicht zu. Wir halten es für unrealistisch, die Sicherheit als
eine vorgegebene, feste Größe zu betrachten, bei der die andere Seite automatisch
über weniger Sicherheit verfügt, wenn eine Seite in den Verhandlungen mehr Sicherheit gewinnt. Im Gegenteil, in einer Situation der nuklearen Gesamtparität wird
die Sicherheit von beiden Seiten in gleichem Maße geteilt, oder sie fehlt in
gleicher Weise- Wenn es zu einer Einigung kommt, werden beide Seiten an Sicherheit gewinnen, denn ein Krieg in Mitteleuropa wird weniger wahrscheinlich werden.

Nun zur östlichen Haltung: Die östlichen Teilnehmer wollen das derzeitige
zahlenmäßige Verhältnis zwischen den Streitkräften des Ostens und des Westens
und zwischen den verschiedenen Teilstreitkräften aufrechterhalten, und zwar ein-

�einfach mit der Begründung, daß dieses Verhältnis jetzt so existiert, und
sie wollen dieses Verhältnis als Grundlage für Verminderungen benutzen. Sie
haben dementsprechend drei Stadien für die Verminderung vorgeschlagen. Alle
direkt Beteiligten würden in jedem Stadium ihre Streitkräfte um die gleiche
Zahl oder den gleichen Prozentsatz vermindern. Außerdem sollen alle Arten
von Streitkräften, einschließlich der Luftstreitkräfte und der nuklearen
Streitkräfte darin eingeschlossen sein.

Wie ich bereits in meiner letzten Pressekonferenz ausführte, sind wir
der Auffassung, daß diese Betrachtungsweise - abgesehen von ihrer Komplexität nicht zu einer Verbesserung der Stabilität und Sicherheit in Mitteleuropa
beitragen würde; sie würde die derzeitige unbefriedigende Situation vielmehr
verewigen, ja sogar noch verschlechtern.
Ich möchte Ihnen jetzt einen Überblick über den Verlauf der Verhandlungen
sowie darüber geben, welches der derzeitige Sachstand unserer Auffassung nach
ist. Allgemein gesprochen sind wir der Auffassung, daß der Verlauf der Verhandlungen den Erwartungen entspricht, die im gegenwärtigen StacU.um vertretbar erscheinen. Bei Verhandlungen dieser Art, für die kein Präzedenzfall vorliegt,
an denen 19 Staaten teilnehmen und die sich mit höchst vielschichtigen und
kritischen Fragen befassen, sind rasche Fortschritte nicht zu erwarten.

Geduld und Ausdauer sind erforderlich. Die Verhandlungen brauchen Zeit.
Es liegt auf der Hand, daß wir noch einen weiten Weg zurückzulegen haben.
Nichtsdestoweniaer

glauben wir, daß die Verhandlungen in stetigem Tempo vor-

angehen.

Der Zusammenhalt der westlichen Bündnispartner ist auch weiterhin hervorragend, der Gesprächston zwischen den Teilnehmern aus Ost und West ist nach wie
vor sachlich. Die Diskussionen haben die Auffassungen der beiden Seiten in
wesentlichen Punkten geklärt. Beide Seiten haben umfangreiche und wertvolle
Hintergrundinformationen erhalten, die für die künftigen Verhandlungen von
Nutzen sein werden. Noch bedeutsamer ist jedoch, daß beide Seiten unserer Auffassung nach ein ernsthaftes Interesse an einer Einigung zeigen, wenn möglich
- 3 -

�möglich noch in diesem Jahr.

Sicherlich befinden wir uns noch in der erläuternden und sondierenden
Phase der Verhandlungen. Dies bedeutet, daß jede Seite damit beschäftigt ist,
ihre Auffassung vorzutragen, bestimmte Einzelheiten und Klarstellungen hinzuzufügen, ihre Haltung zu rechtfertigen, die Probleme herauszuarbeiten und die
Auffassungen der anderen Seite festzustellen in dem Bemühen, Gebiete, hinsichtlich deren Gemeinsamkeit besteht, zur späteren Weiterentwicklung festzustellen
und zu erweitern. Wir hoffen, daß wir bei Wiederaufnahme der Verhandlungen im
Mai die nächste Phase der Weiterentwicklung einiger dieser Gemeinsamkeiten in
Angriff nehmen können.

Wie bei allen Verhandlungen, so ist auch der von mir erläuterte Prozeß
notwendig und nützlich. So sind insbesondere in den letzten drei Monaten die
wesentlichen zu verhandelnden Sachfragen klarer

definiert worden. Lassen Sie

mich Ihnen sagen, was wir als die beiden Hauptfragen betrachten, die derzeit
Ost und West trennen:

Die erste Frage lautet: Wie sollte die Reihenfolge der Verringerungen
sein?

Die westliche Auffassung geht dahin, daß die Teilnehmer ein erstes Abkommen über die Verminderung amerikanischer und sowjetischer Streitkräfte anstreben und die Verminderung anderer Streitkräfte auf eine zweite Phase verschieben sollten. Der Osten fordert, daß die Streitkräfte aller direkt Beteiligten von Anfang an gemeinsam reduziert werden sollten.

Die zweite Frage lautet: Welche Art von Reduzierungen würde am meisten
zur Verminderung des Risikos des Ausbruchs eines Konflikts mit den damit verbundenen Gefahren der Eskalation zu einem nuklearen Krieg beitragen?

Die westliche Auffassung ist, daß die Teilnehmer ein Gleichgewicht durch
eine gemeinsame Höchststärke bei den Landstreitkräften anstreben sollten. Der
Osten vertritt die Auffassung, daß alle Arten von Streitkräften - einschließ- 4-

�einschließlich der Luftstreitkräfte und der nuklearen

Streitkräfte - allgemein

anteilig reduziert werden sollten.

Ich möchte mich mit diesen beiden Fragen nacheinander befassen. Wie ich
bereits erwähnte, schlagen die westlichen Bündnispartner ein erstes Abkommen
zur Verminderung der amerikanischen und sowjetischen Landstreitkräfte vor.
Dieses Abkommen würde die Verpflichtung enthalten, in eine zweite Verhandlungsphase einzutreten, als deren Ergebnis die Teilnehmer die Mannschaftsstärke ihrer
Landstreitkräfte auf eine gemeinsame Höchststärke reduzieren würden. Diese Verminderungen der zweiten Phase würden auch Verringerungen bei anderen direkt
Beteiligten umfassen.

Wir glauben, daß diese Betrachtungsweise mancherlei Vorteile bietet. Wir
halten es für sinnvoll, die amerikanischen und sowjetischen Streitkräfte zuerst zu reduzieren. Angesichts ihrer militärischen Stärke und ihres Status als
große nukleare Mächte tragen die Sowjetunion und die Vereinigten Staaten besondere Verantwortung für die Wahrung des Friedens in Europa und die Förderung
der Entspannung. Eine Verminderung der Streitkräfte dieser beiden Großmächte
wäre von beträchtlicher militärischer und politischer Bedeutung. Darüber hinaus
ist die Verminderung amerikanischer und sowjetischer Landstreitkräfte der einfachste und praktischste Weg. Sie würde ein Höchstmaß an Aussichten auf Einigung
innerhalb einer angemessenen Zeit bieten.

Wir halten es ferner für sinnvoll, Verminderungen bei anderen direkt Beteiligten auf eine zweite Phase zu verschieben, d.h. auf die Zeit nach einer
amerikanisch-sowjetischen Verminderung und einer Einigung über das Konzept
der gemeinsamen Höchststärke.

Da dies für uns ein wichtiges Anliegen ist, möchte ich mich einen Augenblick lang mit den Gründen beschäftigen.

Obgleich es in Europa in den letzten 29 Jahren keinen Krieg gegeben hat,
kann die Geschichte dieses Zeitraums nicht als glücklich bezeichnet werden. Es
war eine Zeit der Furcht und Sorge, die gekennzeichnet war von den möglichen

- 5-

�möglichen Konsequenzen der in

Europa stattfindenden militärischen Konfron-

tation der Sowjetunion und der Vereinigten Staaten und ihrer jeweiligen Bündnispartner. Wir unternehmen nun zum ersten Mal Bemühungen, um diese Konfrontation
zu vermindern. Es ist jedoch durchaus verständlich, daß die Besorgnisse und
Zweifel, die während dieses Zeitraums entstanden sind, nicht leicht zu zerstreuen, und daß sie noch in starkem Maße vorhanden sind. Deshalb sind sich
die westlichen Teilnehmer einig in dem Wunsch, ehe sie einen Weg beschreiten,
der zu nachhaltigen Auswirkungen auf ihre

Sicherheit in einem Maße führt, wie

es für die Sowjetunion nicht zutrifft, daß die Sowjetunion und mit ihr die
Vereinigten Staaten den ersten substantiellen Schritt tun sollten, um sowohl
die Echtheit ihres guten Willens als auch die Durchführbarkeit des ganzen
Projektes zu demonstrieren.

Die westlichen Bündnispartner unternehmen selbstverständlich nicht den
Versuch, den Beginn einer zweiten Verhandlungsphase auf unbestimmte Zeit zu
verzögern. Erweist sich die erste Verhandlungsphase als befriedigend, so sind
die Bündnispartner bereit, sich auf die Fortsetzung der Verhandlungen in einer
zweiten Phase festzulegen. Es sollte jedoch nicht übersehen werden, daß mögliche Abkommen nur einen bestimmten Teil der amerikanischen und sowjetischen
Streitkräfte betreffen würden.

Die Situation der meisten anderen direkt Beteiligten im Westen ist anders.
Ihr gesamtes Hoheitsgebiet liegt innerhalb des Reduktionsgebietes. Es besteht,
kurz gesagt, ein deutlicher qualitativer Unterschied zwischen der Situation
der Vereinigten Staaten und Sowjetunion und derjenigen der arideren direkten
westlichen Teilnehmer, und dieser Unterschied stellt unserer Auffassung nach
für die letzteren einen völlig ausreichenden Grund dafür dar, sich an Truppenverminderungen erst dann zu beteiligen, wenn die Vereinigten Staaten und die
Sowjetunion den

Weg gezeigt und dadurch die erforderliche Bedingung des Ver-

trauens geschaffen haben, ehe wir zu einer zweiten Phase übergehen können.
Ich möchte hinzufügen, daß selbst kleine Verminderungen seitens dieser direkten
westlichen Teilnehmer, wenn sie gleich zu Beginn durchgeführt werden, auf die
gleichen Bedenken stoßen würden.

Ich

�Ich komme damit zu der zweiten der beiden wesentlichen Fragen, die Ost
und West

trennen: Die Frage, wie das Risiko eines nuklearen Krieges in Mittel-

europa am besten vermindert werden kann und ob eine Verminderung von Luftstreitkräften und nuklearen Streitkräften zu einer Reduzierung dieser Gefahr beitragen würde.
So wie wir es sehen, ist es die Aufgabe dieser Verhandlungen, die wesentlichen Schritte zur Verminderung - und, wenn möglich, zur Beseitigung - der
Gefahren des Ausbruchs eines Konflikts in Mitteleuropa zu tun. Es besteht nämlich die weitere Gefahr, daß ein derartiger Konflikt, wenn er einmal ausgebrochen ist, zum Einsatz nuklearer Waffen eskaliert. Die Gefahr, daß es zu
einem Konflikt kommt, ergibt sich aus dem Ungleichgewicht zwischen den Landstreitkräften der beiden Seiten. Aus diesem Grunde ist es notwendig, die Landstreitkräfte zu vermindern, und zwar so, daß dieses destabilisierende Ungleichgewicht beseitigt wird. Sollte es zum Ausbruch von

Feindseligkeiten kommen,

würden beide Seiten alles in ihrer Macht stehende tun, um den Einsatz nuklearer
Waffen zu vermeiden. Eine Eskalation zum Einsatz nuklearer Waffen würde die
ernstesten Folgen haben. Beide Seiten wissen dies. Nun sind die nuklearen Waffen
in Mitteleuropa eng verbunden mit den taktischen und strategischen Kernwaffen,
die außerhalb der Reduktionsgebiete stationiert sind. Die innerhalb des Gebiets
stationierten Kernwaffen können nicht getrennt behandelt werden. Die Reduzierung
dieser Waffen würde die Gefahr der Eskalation nicht vermindern. Was vermieden
werden muß, ist der Ausbruch jedes Konflikts, denn er könnte zu einem nuklearen
Krieg eskalieren. Dies läßt sich dadurch erreichen, daß man unmittelbar an die
potentielle Quelle eines Konflikts in diesem Gebiet herangeht, nämlich das derzeitige Ungleichgewicht zwischen den Landstreitkräften.

Hinsichtlich der Frage der Luftstreitkräfte ist unsere Auffassung die,
daß die Beweglichkeit von

Flugzeugen, die es ihnen ermöglicht, schnell und

ohne Schwierigkeiten in das Reduktionsgebiet einzufliegen und dieses wieder
zu verlassen, zur Folge hat, daß ihr Abzug militärisch gesehen kein bedeutsamer
stabilisierender Faktor wäre.

Es

- 7-

�Es gibt darüber hinaus die Probleme der Vergleichbarkeit und der Einigung
auf Waffenzahlen. Dies wäre kein leichtes Problem. Man braucht sich nur die
vielfältigen Flugzeugtypen anzusehen, die in den Streitkräften der beiden
Seiten eingesetzt sind, und die Beschreibungen ihrer Einsatzaufgaben zu lesen,
die in öffentlich zugänglichen Schriften enthalten sind, um diese Schwierigkeit zu erkennen. Aus den von mir genannten Gründen neinen wir, daß große oder
kleine Verminderungen von Luftstreitkräften und nuklearen Streitkräften für
die Erreichung des Ziels der Verhandlungen keinen Wert haben würden.

Im derzeitigen Stadium der Verhandlungen sind wir immer noch dabei, zu
versuchen, die östlichen Teilnehmer von den Vorteilen unserer Position zu
überzeugen. Über die beiden Fragen, die ich soeben dargelegt habe, haben ausführliche Diskussionen stattgefunden. Obgleich keine der beiden Seiten ihre
Auffassungen substantiell geändert hat, sind die gegenseitigen Auffassungen
geklärt worden. Trotz der bedeutsamen Meinungsverschiedenheiten, die ich erläutert habe, glauben wir, daß wir nun bestimmte Punkte ausmachen können, von
denen aus beide Seiten in der Zukunft weitergehen können.

Ich möchte diese Punkte kurz erwähnen:

Zunächst scheint es, daß sich beide Seiten einig sind hinsichtlich der
zentralen Bedeutung von Maßnahmen, die einen Konflikt - einschließlich eines
nuklearen Konflikts - weniger wal rscheinlich machen. Beide Seiten erkennen an,
daß die Materie vielschichtig ist und daß der Schlüssel zur Lösung der verschiedenen Verhandlungsphasen in einem schrittweisen Vorgehen besteht. Außerdem
haben beide Seiten offensichtlich den Wunsch, daß Sie möglichst rasch zu praktischen Ergebnissen kommen möchten.

Angesichts dieses Wunsches nach Fortschritten, scheinen beide Seiten erkannt zu haben, daß das vordringlichste Problem darin besteht, welche spezifischen, begrenzten Schritte unternommen werden sollten, um den Verhandlungen
in praktischem Sinne weiterzuhelfen.

Bei

�Bei diesem Versuch muß berücksichtigt werden, daß nach den Auffassungen,
die beide Seiten in diesen Verhandlungen vorgetragen haben, amerikanische und
sowjetische Landstreitkräfte in dieser oder jener Weise vermindert werden
würden. Außerdem scheinen wir uns einig zu sein, wie wichtig es ist, daß durch
künftige Abkommen die Sicherheit aller Teilnehmer erhöht wird. In diesem Zusammenhang scheinen wir die Auffassung zu teilen, daß Truppenverminderungen
in Mitteleuropa nicht zur Folge haben dürfen, daß die Spannungen in die Länder
an den Flanken verlagert werden.

Dies bringt mich zu meiner letzten Bemerkung, die ich machen möchte:
Unserer Beurteilung dessen, was vor uns liegt.

In der nächsten Sitzungsperiode der Verhandlungen, die Anfang Mai beginnt, werden die Teilnehmer in eine Phase eintreten, in der sie logischerweise damit anfangen sollten, einige vereinbarte Definitionen und Konzepte zu
skizzieren. Dies bedeutet die Nutzung der Gemeinsamkeiten in der Haltung der
beiden Seiten und den Versuch, darauf aufzubauen. Wir wissen nicht, welches
Ergebnis dieser Prozeß haben wird, aber wir sind hinsichtlich der Aussichten
nicht pessimistisch. Wir glauben, daß die Aufgabe bewältigt werden kann.

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8/1974

WILLIAM E. SIMON ZUM NEUEN FINANZMINISTER DER USA NOMINIERT

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 17. April die Nominierung
von William E. Simon zum neuen Finanzminister der Vereinigten Staaten bekanntgegeben. Simon, dessen Ernennung durch den Senat bestätigt werden muß,
tritt die Nachfolge von George P. Shultz an, der dieses Amt seit dem 12.
Juni 1972 innehatte.
Als Stellvertretender Finanzminister (seit 22. Januar 1973) und als
Leiter des Bundesamtes für Energie (seit 4. Dezember 1973) hat sich Simon
weit über die Grenzen der Vereinigten Staaten hinaus einen Namen als Finanzund Wirtschaftsexperte gemacht. Er berät den Präsidenten auch in Personalfragen und ist Vorsitzender des Ausschusses für ölpolitik.

William Edward Simon wurde am 27. November 1927 in Patterson im Staate
New Jersey geboren, erwarb 1951 am Lafayette College in Easton, Pennsylvanien,
den akademischen Grad eines Bachelor of Arts, um dann eine steile Karriere
in der New Yorker Finanz- und Börsenwelt zu machen. Nachdem er Vizepräsident
der "Union Securities" geworden war, ging er 1957 als Vizepräsident zu "Weeden
and Company", um dann 1964 als Seniorpartner in die New Yorker Investmentbank "Salomon Brothers" einzutreten.

Schon sehr bald auch im Verbandswesen tätig, gehörte Simon dem Vorstand
der "Investment Bankers Association of America" und nach deren Zusammenschluß
mit der "Association of Stock Exchange Firms" zur "Securities Industry Associa-

�»

Association" auch der Leitung dieser Vereinigung amerikanischer Börsenmakler
an. Ferner ist er Vorsitzender des Rates für Öffentliche Finanzen und Treuhänder des Lafayette College und anderer Bildungsstätten. Er gründete auch
die Vereinigung der Makler für Regierungsschuldverschreibungen.

Simon ist verheiratet und hat fünf Töchter und zwei Söhne. Er lebt in
McLean, Virginia, einem Vorort von Washington.

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8/1974

WESTAR - ERSTER KOMMERZIELLER NACHRICHTENSATELLIT IN USA
Fernmeldegesellschaft "Western Union" dehnt ihr Leitungsnetz
auf den Weltraum aus

- (AD) - Der jüngste amerikanische Fernmeldesatellit WESTAR ist zwar
keine technische Neuheit, aber das erste rein kommerzielle Gerät dieser Art
in den Vereinigten Staaten. Besitzer ist die Telefongesellschaft Western
Union, die es am 13. April 1974 von Kap Kennedy aus in eine erdsynchrone Bahn
in fast 36 OOO km Höhe einschießen ließ, damit es an einem für die USA
günstigen Punkt am Himmel "stationiert" werden kann. Das private Dienstleistungsunternehmen, vor allem auf den Telefon- und Telegrammdienst spezialisiert, beabsichtigt, WESTAR für die Übermittlung von Telegrammen, Ferngesprächen, Faksimile-, Fernseh- und Datensendungen innerhalb der Vereinigten Staaten zu benutzen.

Das Unternehmen hofft, mit den Gebührenreinnahmen das neue Projekt nicht
nur finanzieren, sondern auch einen Gewinn daraus erwirtschaften zu können.
Gelingt dies nicht, hat es den Verlust selbst zu tragen. Der einzige Beitrag
seitens des Staates war eine Dienstleistung der Weltraumbehörde NASA - nämlich der Abschuß der THOR-DELTA-Trägerrakete. Außerdem hatte die US-Regierung
die Benutzung von

Funkfrequenzen zu genehmigen, die für Satelliten erforder-

lich sind, und sie ist außerdem verpflichtet, die Funktion des WESTAR als
Instrument für Dienstleistungen im Interesse der Öffentlichkeit zu überwachen.

Erst

�i
Erst nach vollständiger Überprüfung der Instrumente an Bord des Satelliten
und seiner exakten Einsteuerung auf den Stationierungspunkt über der Erdoeberfläche wird WESTAR einsatzbereit sein und in ständiger Verbindung mit den Bodenstationen nahe New York, Atlanta (Georgia), Chicago, Dallas (Texas) und Los
Angeles stehen. Man hofft, daß dies im August 1974 soweit

sein wird. Das

trommeiförmige Gerät, das 1,80 m Durchmesser hat und 572 kg wiegt, kann 7200
Telefongespräche oder 12 Farbfernsehprogramme zur gleichen Zeit übertragen,
oder - in unterschiedlicher Kombination - eine entsprechend geringere Anzahl
von Gesprächen, Daten- und Fernsehsendungen bewältigen. Diese Kapazität wird
sich nach dem für Juni 1974 vorgesehenen Start eines zweiten, identischen Geräts
(WESTAR II) verdoppeln. Ein dritter Satellit wird in Reserve gehalten, um notfalls einen der beiden ersten zu ersetzen oder in ihrer Funktion zu ergänzen.
Jeder Satellit erhält seinen Betriebsstrom von 20 500 Sonnenzellen; die aktive
Betriebsdauer ist auf sieben Jahre veranschlagt.

Inzwischen haben fünf weitere amerikanische Fernmeldeunternehmen (in den
USA ist das Fernmeldewesen nicht Staatsmonopol, sondern befindet sich in Privathand) Pläne bekanntgegeben, von Ende 1975 an ebenfalls Satelliten für den Inlandsverkehr benutzen zu wollen. Obgleich darin in der Mehrzahl andere Bodenstationen vorgesehen sind, wird sich aus den Projekten doch eine gewisse
Konkurrenz für "Western Union" ergeben. Die "Radio Corporation of America"
(RCA) bietet ihren amerikanischen Kunden bereits seit Januar 1974 Dienstleistungen
via Weltraum in der Form an, daß sie die Mitbenutzung von zwei kanadischen Fernmeldesatelliten für den Inlandsverkehr innerhalb der USA vermittelt. Die RCA
hat nämlich mehrere Kanäle des kanadischen Satelliten ANIK II gemietet. ANIK I
und II, die beide in den Vereinigten Staaten gebaut und mit amerikanischen Raketen gestartet wurden, sind über dem Äquator stationiert und können für den
Fernmeldebetrieb in ganz Nordamerika benutzt werden. Ende 1975 möchte die RCA
mit neuartigen Satelliten - vorläufig sind insgesamt drei vorgesehen - ein
eigenes Weltraum-Fernmeldenetz mit zusätzlichen Bodenstationen aufbauen. Bisher
stehen ihr Bodenanlagen in New York, San Francisco und an zwei Orten in Alaska
zur Verfügung.

Die
- 2-

�Die Vereinigten Staaten kommen überraschend spät zu einem eigenen, inländischen Satelliten-Fernmeldenetz. In den vergangenen Jahren konzentrierten
sie bei der Anwendung der neuen Technologie für den zivilen Gebrauch ihre Anstrengungen auf die Schaffung des weltweiten INTELSAT-Fernmeldesystem, das
heute 88 Bodenstationen in 53

der 84 INTELSAT-Mitgliedstaaten umfaßt. Kanada

dagegen schuf sich mit seinen ANIK-Satelliten ein eigenes Weltraum-Fernmeldenetz, TELESAT genannt, um damit auch die dünnbesiedelten abgelegenen Nordgebiete und die zahlreichen Inseln erreichen zu können. Es ist seit April 1974
in Betrieb.

Die Sowjetunion benutzt bereits seit einigen Jahren Nachrichtensatelliten
für den Inlandsverkehr. Die MOLNIJA-Geräte haben es ermöglicht, auch die weit
abgelegenen Regionen der UdSSR an das Fernmeldenetz anzuschließen. Im Gegensatz zu den amerikanischen und kanadischen Fernmeldesatelliten, die sich alle
auf geostationären Kreisbahnen in ca. 36 OOO km Höhe befinden, umrunden die
MOLNIJA-Satelliten die Erde auf stark exzentrischen elliptischen Bahnen. Für
\
die vielen Regionen des weiten Landes stehen sie abwechselnd mehrere Stunden
täglich über dem Horizont.

Fernmeldesatelliten und die damit verbundene Technik dokumentieren den
Nutzen der Raumfahrt besonders eindrucksvoll. Eine Reihe von Nationen hat
bereits die Absicht zu erkennen gegeben, mit Hilfe der INTELSAT-Geräte auch
inländische Satelliten-Fernmeldesysteme aufzubauen. Angesichts der Kommerzialisierung, die sich in den letzten Jahren auf diesem Sektor vollzogen hat, stellte
die US-Regierung ihre Unterstützung der Forschungsarbeiten für eine weitere Verbesserung von Nachrichtensatelliten weitgehend ein. Mit Kanada und den europäischen Ländern wird gegenwärtig die Schaffung eines gemeinsamen Systems von
Nachrichtensatelliten für den Luftverkehr

(AEROSAT) erörtert. Für 1975 planen

die USA außerdem ein ähnliches Netz für die Schiffahrt (MARISAT); die dafür erforderlichen Satelliten sollen über dem Atlantik und Pazifik stationiert
werden.

Auch für Bildungszwecke werden künftig Satelliten zur Verfügung stehen.
Im Juni 1974 wollen die USA das Gerät ATS-F starten, das zunächst ein Jahr
- 3-

�Jahr lang Fernseh-Programme für den Schulfunk in den USA ausstrahlen soll.
Anschließend wird der Stationierungspunkt in die Nähe des indischen Subkontinents verlagert. Dort soll da6 Gerät versuchsweise ein Jahr lang als
Relaisstation für Schulprogramme dienen, mit denen die indische Regierung
auch die abgelegensten Dörfer erreichen will.

+ + + + +

�</text>
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