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7

1 0 . A p r i l 1974

Inhalt

DOKUMENTATION:
Proklamation Nixons zum 25. Jahrestag der NATO

Europa-Auszüge aus der Pressekonferenz Dr. Kissingers am 28. März
in London
Erklärung des US-Verteidigungsministers zur NATO-Strategie
-AuszügeDas Atlantische Bündnis - Heute und Morgen
Von Dr. Joseph Luns

WIRTSCHAFT:
Oklahoma wünscht Touristen und Kapital aus Deutschland
Eine Handelsmission kommt zur Kontaktaufnahme nach Frankfurt und
Düsseldorf
Von Ernst W. Leonhard

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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7/1974

PROKLAMATION NIXONS ZUM 25. JAHRESTAG DER NATO

WASHINGTON --AD--

Präsident Nixon hat in einer am 3. April vom Weißen

Haus veröffentlichten Proklamation anläßlich des 25. Jahrestages der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages die Leistungen des Bündnisses gewürdigt, das, wie er versicherte, "der Eckstein der amerikanischen Außenpolitik" bleibt.

Die Proklamation hat folgenden Wortlaut:

Vor einem Viertel Jahrhundert, am 4. April 1949, haben in Washington
zwölf Nationen, vereint in der Entschlossenheit, ihre Freiheiten, ihre Integrität und ihr gemeinsames Erbe zu bewahren,den Nordatlantikvertrag unterzeichnet. In den darauffolgenden Jahren sind Griechenland, die Türkei
und die Bundesrepublik Deutschland dem Vertrag beigetreten und Mitglieder
der Organisation des Nordatlantikvertrages (NATO) geworden - die geschaffen wurde, um die Verpflichtung des Vertrages zu einer gemeinsamen
Verteidigung zu erfüllen.

In

-1-

�In jenen ersten Jahren lag die militärische Bedrohung des Westens auf
der Hand. Heute haben sich - obwohl die kollektive Verteidigung die erste
Aufgabe des Bündnisses bleibt - aus den über zwei Jahrzehnten westlichen
Zusammenhalts resultierend Möglichkeiten ergeben,die es den Verbündeten erlaubt haben, sich einem großen neuen Unterfangen zuzuwenden, das auf den Abbau der Spannungen zwischen Osti: und West abzielt.

Das Atlantische Bündnis bleibt der Eckstein der amerikanischen Außenpolitik. Über die Förderung der Sache des Friedens hinaus können die Mit glieder die Zielsetzungen unseres historischen Bündnisses erweitern, indem
sie unsere Vereinigung mit neuer Kraft erfüllen, um die miteinander zusammenhängenden Probleme der Sicherheit, der Politik, der Wirtschaft und der
Umwelt zu lösen,vor denen wir in der komplexen Welt dieses Jahrzehnts und
darüber hinaus stehen. Verständnis, Zusammenarbeit und Konsultation müssen
die Merkmale unserer weiteren Beziehungen sein. Die Erfolge der Vergangenheit dürfen nicht der Verfolgung eng konzipierter nationaler Interessen geopfert werden. Ich verpflichte die Vereinigten Staaten heute erneut auf diesen Kurs, denn nur auf diese Weise können die atlantischen Nationen wahrhaft der Sache des Friedens und der Prosperität für künftige Generationen
dienen.

So richte ich, Richard M. Nixon, Präsident der Vereinigten Staaten von
Amerika, denn die Aufmerksamkeit der Nation auf diesen fünfundzwanzigsten
Jahrestag der Unterzeichnung des Nordatlantikvertrages; und ich rufe alle

-2-

�1

/
»
alle Behörden und Bediensteten der Bundesregierung, die Gouverneure der
Einzelstaaten und die Vertreter der konununalen Behörden auf, dafür zu sorgen
und mitzuhelfen, daß dieses Ereignisses während des 25. GedächtnisJahres in
gebührender Form gedacht wird, vor allem im April, dem Monat,

in dem die

historische Unterzeichnung des Vertrages stattfand.

Ich rufe ferner alle Bürger auf, an angemessenen Aktivitäten und Feierlichkeiten zur Anerkennung der Leistungen der Organisation des Nordatlantikvertrages und ihres Beitrages zur Sicherheit und zum Wohlergehen Amerikas
teilzunehmen.

Zum Zeugnis dessen habe ich an diesem dritten Tag des April im Jahre
unseres Herrn Neunzehnhundertundvierundsiebzig und des einhundertachtund•

neunzigsten Jahres der Unabhängigkeit der Vereinigten Staaten von Amerika
diese Proklamation unterzeichnet.
Richard Nixon

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7/1974

EUROPA-AUSZÜGE AUS DER PRESSEKONFERENZ DR. KISSINGERS
AM 28. MÄRZ IN LONDON

LONDON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat am
28. März auf seiner Rückreise aus Moskau bei einer Zwischenlandung in der
britischen Hauptstadt auf einer Pressekonferenz unter anderem zu Fragen
des europäisch-amerikanischen Verhältnisses Stellung genommen:
Frage: Könnten Sie uns nach Ihren Besprechungen mit dem britischen
Außenminister Callaghan sagen, ob es jetzt ein stärkeres Gefühl der Partnerschaft im Atlantischen Bündnis geben wird?
Antwort: Ich glaube, daß alle Länder - einschließlich der Vereinigten
Staaten - aufgrund der Ereignisse der letzten Monate begriffen haben, daß
das atlancische Verhältnis wirklich zu wertvoll ist, als daß es aufgrund
von Mißverständnissen und Streitigkeiten, die im wesentlichen Verfahrensfragen betreffen, zerstört werden dürfte. Ich bin zuversichtlich - gestützt
auf meine Gespräche mit Mr. Callaghan - daß die Beziehungen zwischen dem
Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten sehr eng sein werden und

�und daß unsere Konsultation so eng und vertrauensvoll sein wird, wie sie es
seit jeher gewesen ist und daß infolgedessen auch die Beziehung zwischen
Europa und den Vereinigten Staaten eine partnerschaftliche sein wird.

Frage: Herr Dr. Kissinger, haben Sie jetzt ein klareres Bild von dem
deutschen Vorschlag und der Wahrscheinlichkeit von Gesprächen, nachdem Sie
mit Mr. Gallaghan konferiert haben?

Antwort: Der Zweck meines Herkommens bestand nicht darin, der britischen
Regierung irgendeine besondere politische Linie aufzudrängen. Es war für
mich die erste Gelegenheit zu einem Meinungsaustausch mit Mr. Callaghan und
ich glaube, daß die Frage der deutschen Vorschläge wohl zweckmäßiger zwischen
den Regierungen der Bundesrepublik und des Vereinigten Königreiches erörtert
werden sollte. Wir wiederholten die Auffassung, die wir bereits öffentlich
in Bonn dargelegt hatten, daß wir bereit seien, diesen deutschen Vorschlag
vorzubringen. Wir würden ihn gewiß eines Versuchs für wert halten, aber die
Entscheidung muß von den Neun und der britischen Regierung getroffen werden.

Frage: Herr Außenminister, könnten Sie etwas darüber sagen, welche Notwendigkeit Sie den Deklarationen beimessen, die zwischen den Vereinigten Staa
ten und Europa ausgearbeitet werden. Sind sie wirklich eine Notwendigkeit
oder sind sie nicht so bedeutsam - welche Stellung nehmen sie heute in
Ihrem Denken ein?

v

Antwort:

-2-

�Antwort: Lassen Sie mich zunächst erklären, was wir uns dabei dachten,
als wir eine Unterzeichnung dieser Deklaration vorschlugen, weil in der, Zwischenzeit darüber so viel debattiert worden ist, daß der ursprüngliche Zweck
möglicherweise gar nicht mehr deutlich vor Augen steht.

Unsere Ansicht war,

daß es eine Generation nach der Schaffung des atlantischen Bündnisses für die
Länder des Nordatlantik wichtig sei, sich selbst die Frage zu stellen, welchen Weg sie gehen; daß sie nicht einfach nach den Zielsetzungen früherer
Jahrzehnte weitermachen könnten. Wir waren uns der Tatsache bewußt, daß auf
beiden Seiten des Atlantik eine neue Generation heranwuchs, für die die Erfahrungen der fünfziger Jahre nicht mehr so relevant waren.
Es ging uns in den Vereinigten Staaten darum, die in Amerika bestehende
Tendenz zu einem Isolationismus zu bekämpfen. Das absolut letzte aber, an
was wir zu jener Zeit dachten, war eine Hegemonie in Europa anzustreben oder
gar die Kontrolle über die Entscheidungen Europas zu erlangen. Das ganze Bestreben unserer Außenpolitik war darauf ausgerichtet, das Entstehen von europäischen Entscheidungszentren zu unterstützen - oder auch anderen Zentren,
in denen Entscheidungen gefällt werden - ich will nicht unbedingt europäische
Entscheidungszentren sagen. Und dies wurde in jedem außenpolitischen Bericht
des Präsidenten zum Ausdruck gebracht.

Wir waren daher offen gesagt doch einigermaßen erstaunt, als wir uns in
endlose Dispute verwickelt sahen, als ob wir ein Dokument zu erlangen versucht hätten, mit dem wir unsere europäischen Verbündeten vor den Kadi zitie-

-3-

�t
zitieren könnten, wenn sie bestimmte Formulierungen nicht genau erfüllten,
nach denen wir unsererseits strebten, um dieses Verhältnis mit einer gewissen Emotion auszufüllen. Da wir nicht versucht haben, einen juristischen
Kontrakt zu erzielen, ist es nun wirklich Sache der europäischen Nationen,
darüber zu entscheiden, wie sie dem atlantischen Verhältnis Ausdruck verleihen wollen. Es wäre eine Absurdität, wenn der Versuch, die atlantischen
Beziehungen zu stärken, zu endlosen Disputen führte und wenn Staaten, wenn
Staatsmänner sich bemüßigt fühlten, nur auf bestimmte Formulierungen zu
achten, wie die berühmte Formulierung - sie ist berühmt geworden -, daß wir
Europa auf eine regionale Rolle zu begrenzen wünschten, während wir für uns
die globale Rolle beanspruchten.

Tatsächlich werden Sie, wenn Sie die Rede lesen, feststellen, daß dies
als eines der Hindernisse für eine Zusammenarbeit angeführt ist und nicht
als eine Vorschrift amerikanischerseits. Und es war zweifellos nicht unsere
Absicht. Unsere Ansicht bezüglich der Deklaration läßt sich daher wie folgt
zusammenfassen: Wir meinen, daß irgendeine Aussage darüber, wie das atlantische Verhältnis im nächsten Jahrzehnt aussehen sollte, immer noch nützlich
sein könnte. Ob es dazu kommt, liegt nicht mehr bei uns. Wir haben unseren
Vorschlag unterbreitet. Wir haben kein Interesse daran, ihn unseren Verbündeten aufzuzwingen, und wir warten jetzt auf irgendeine europäische Initiative.
Frage:

-4-

�&lt;

Frage: Dr. Kissinger, sind Sie der Auffassung, daß die Mißverständnisse,
von denen Sie sprachen, die Folge wirklich divergierender Ansichten sind?

Antwort: Ich muß sagen, daß mir die Subtilität der Frage nicht aufgeht.
Doch scheinen die Ansichten weit genug auseinanderzugehen, obwohl wir lange
brauchten, um das Vorhandensein &lt; iner ernsten Streitfrage zu akzeptieren,
denn viele der vorgebrachten Argumente standen so im Gegensatz zu unseren Absichten, daß es eine gewisse Zeit dauerte, dies zu erkennen.

Auf der anderen Seite, wenn wir auf die Realitäten und nicht auf die
Formalitäten blicken, um die es bei der Debatte geht, so laufen die Interessen Europas und der Vereinigten Staaten in den meisten strittigen Fragen
parallel. Es liegt nicht im amerikanischen Interesse - ja es übersteigt die
Kräfte Amerikas - eine Hegemonie in Europa auszuüben. Es liegt in unserem Interesse, daß es noch andere Zentren der Entscheidung gibt, so lange nur unsere Zielsetzungen im großen ganzen parallel laufen. Ich bin der festen Ansicht,
und wir alle sind es, daß dies für die Interessen Europas und der Vereinigten
Staaten zutrifft.

Die innerhalb dieses Rahmens in den letzten Monaten aufgetretenen Meinungsverschiedenheiten sind divergent genug, real genug, doch glaube ich, sollten sie in dem richtigen Zusammenhang gesehen werden,

denn es handelt sich

um einen Familienstreit und nicht um einen Konflikt grundlegend verschiedener
Interessen oder verschiedener geistiger Auffassungen.
Frage:

-5-

�Frage: Können Sie uns etwas über die Pläne des Präsidenten bezüglich
eines Besuches in Europa oder in der Sowjetunion sagen?

Antwort: Die Pläne des Präsidenten für einen Besuch in der Sowjetunion
sind bekanntgegeben worden. Und einer der Gründe meines Besuchs in Moskau war,
diese Reise vorzubereiten. Sein Besuch in Europa ist stets im Zusammenhang
mit gewissen konkreten Resultaten oder gewissen spezifischen Zielen gesehen
worden. Und daher ist es für uns schwierig, einen genauen Zeitpunkt festzulegen, solange die gegenwärtige Diskussion zwischen den Vereinigten Staaten
und ihren europäischen Verbündeten nicht bereinigt ist.

Frage: Hat es irgendeine offensichtliche Änderung in der französischen
Haltung gegenüber den Vereinigten Staaten und ihren Beziehungen zu Europa
vor allem im Zusammenhang mit der letzten Erklärung Präsident ^ompidous gegeben?

Antwort: Ich freue mich, daß die örtliche Presse so eingehend Gelegenheit hatte, ... den vollen Wortlaut der Erklärung Präsident Pompidous oder
der Erklärung des französischen Kabinetts zu lesen. Ich hatte bisher leider
noch keine Gelegenheit dazu. Daher kann ich dazu auch noch nicht Stellung nehmen.

Frage: Herr Außenminister, können Sie uns sagen, inwieweit Mr. Callaghan
Konsultationen mit den Vereinigten Staaten über die USA interessierende Fragen des Gemeinsamen Marktes vorgeschlagen hat?
Antwort:

�Antwort: Ich glaube, es ist fair, zu sagen,beide Seiten haben vereinbart, daß zwischen dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten umfassende Konsultationen stattfinden sollen. Was nun Fragen anbetrifft, die
nicht Gegenstand von Konsultationen innerhalb des Gemeinsamen Marktes sind,
so hat der Außenminister bereits öffentlich seine Auffassung dargelegt, und
meines Erachtens wird es, soweit dies in der Macht der Engländer liegt, umfassende und befriedigende Konsultationen geben.
Frage: Haben Sie jetzt bereits irgendwelche Vorstellungen hinsichtlich
des zeitlichen Ablaufs der europäischen Sicherheitskonferenz?
Antwort: Der zeitliche Ablauf der europäischen Sicherheitskonferenz
hängt von der Lösung von drei oder vier wichtigen Fragen ab. Die Vereinigten
Staaten sind bereit, gemeinsam mit ihren Verbündeten einen ernsthaften Versuch zu ihrer Lösung zu unternehmen. Was das Gipfeltreffen oder die Ebene für
eine Unterzeichnung anbetrifft, so hat jede Regierung bisher mehr oder weniger den Standpunkt eingenommen, daß sie bereit wäre, die Ebene für eine Unterzeichnung von dem Ergebnis der Konferenz abhängig zu machen. Es hat jedoch
bisher noch keine Übereinkunft darüber gegeben, welche Ergebnisse welche Ebene
rechtfertigen würden. Tatsächlich hat es, soweit ich weiß, noch nicht einmal
eine umfassende Erörterung darüber gegeben, welche Ergebnisse ein Gipfeltreffen rechtfertigen würden, und wir meinen, daß eine solche Diskussion jetzt
zwischen den westlichen Ländern stattfinden sollte.

Frage:

-7-

�Frage: (Frage akustisch unverständlich, betraf offensichtlich die Europäische Gemeinschaft und die arabischen Staaten).
Antwort: Unsere Besorgnis bezüglich des Dialogs zwischen der GemeinschafL
und den arabischen Ländern betrifft das Verfahren, wie diese Entscheidung so
kurze Zeit, nachdem wir mit allen unseren Kollegen auf der Washingtoner Konferenz zusammengetroffen waren, zustandegekommen ist. Und zum anderen betrifft
sie gewisse wesentliche Aspekte im Zusammenhang mit der Außenministerkonferenz. Wir verstehen sehr gut das Problem, dem sich die britische Regierung im
Hinblick auf die Entscheidung gegenübersieht, die ihre Partner bereits getroffen haben. Wir haben unsere Ansichten zu diesen Punkten,

die uns Anlaß zur

Besorgnis geben, dargelegt. Wir sind jedoch überzeugt, daß, wie auch immer
die Entscheidung der britischen Regierung ausfällt, sie kein Hindernis in
unseren Beziehungen sein wird."

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ERKLÄRUNG DES US-VERTEIDIGUNGSMINISTERS ZUR NATO-STRATEGIE
- Auszüge -

WASHINGTON —(AD)--

Der amerikanische Verteidigungsminister James

Schlesinger hat am 4. April vor dem Unterausschuß für Internationale Sicherheitsabkommen, Abrüstung und internationale Fragen des Außenpolitischen
Ausschusses des Senats zur NATO-Strategie Stellung genommen. Wir geben seine
Erklärung hier auszugsweise wieder;

"... Das Ziel der NATO-Strategie ist die Abschreckung, und die Streitkräfte, die wir einsetzen, um die Abschreckung zu erreichen, sind Nuklearstreitkräfte und konventionelle Streitkräfte. Die Rolle dieser Streitkräfte hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. In der Anfangszeit erfreuten sich
die Vereinigten Staaten einer eindeutigen Überlegenheit an Nuklearstreitkräften. Dadurch war es damals

möglich, die NATO-Strategie auf die soge-

nannte rStolperdraht-Konzeptionf aufzubauen, nach der die konventionellen
Streitkräfte in Europa in erster Linie dazu dienen sollten, im Falle eines
Angriffs durch den Warschauer Pakt die nukleare Vergeltung seitens der

�der Vereinigten Staaten auszulösen.

Jetzt, da die Sowjetunion die nukleare Parität mit den Vereinigten Staaten erreicht, wird die Abschreckung nachhaltig verstärkt, wenn wir ein
Gleichgewicht sowohl der konventionellen als auch der nuklearen Streitkräfte
aufrechterhalten. Das bedeutet keineswegs, daß wir keine nukleare Abschrek*»
kung mehr brauchten. Und es bedeutet ebensowenig, daß die nukleare Verpflichtung Amerikas gegenüber dem Bündnis überholt wäre. Diese Verpflichtung steht.
Es bedeutet jedoch, daß unsere Nuklearstreitkräfte nicht mehr das gleiche Übergewicht im Gleichgewicht der Abschreckung haben mögen wie früher, und daß damit den konventionellen militärischen Kapazitäten der NATO eine größere Bedeutung zukommt. Daher ist die Aufrechterhaltung einer starken konventionellen Kapazität notwendiger denn je - nicht etwa, weil wir einen konventionellen Krieg zu führen wünschen,

sondern weil wir eben keinen Krieg führen möch-

ten.

Lassen Sie mich von vorneherein unterstreichen, daß wir nicht den Wunsch
haben, die Grundprinzipien der NATO-Strategie zu ändern, nämlich die flexible Antwort, die Vorne-Verteidigung und Vorne-Abschreckung auf der Grundlage
eines Spektrums konventioneller und nuklearer Fähigkeiten. Wir sind der Überzeugung, daß die gegenwärtige NATO-Strategie gesund ist, daß sie auch weiterhin dem Bündnis gut dient und wir glauben auch, daß unsere Verbündeten derselben Meinung sind.
Wir

�Wir haben mit unseren NATO-Verbündeten über die, wie ich sie nenne,
»NATO-Triade* (oder NATO-Dreiheit) gesprochen, die etwas anderes ist, als
unsere Konzeption der strategischen Triade. Sie basiert auf strategischen
Streitkräften - die hauptsächlich von den Vereinigten Staaten gestellt werden - , taktischen Nuklearstreitkräften und einer starken konventionellen Kapazität. Ich bin sicher, daß die europäischen Verbündeten sich über die Auswirkungen der nuklearen Parität im klaren sind und daher ein größeres Interesse an einer starken konventionellen Kapazität haben, als dies zur Zeit der
Gründung der NATO im Jahre 1949 der Fall war.

Ein Vertrauen in die Abschreckungs-Triade der NATO setzt in erster Linie voraus, daß das Bündnis über echte Kapazitäten verfügt, um einer Aggression Einhalt zu gebieten. Aber ein Vertrauen in die NATO-Abschreckung erfordert auch, daß die von der NATO vorgeschlagenen Antworten potentiellen Gegnern glaubwürdig erscheinen. Abschreckung wirkt nur solange, als keine ernsthaften Zweifel an der Bereitschaft auftreten, verfügbare Streitkräfte auch
einzusetzen.

Welcher Anteil dieser Last von taktischen Nuklearkapazitäten übernommen
werden kann, ist weiterhin eine Frage, über die die Meinungen auseinandergehen. Während das Bündnis zwar im Aufbau eines Arsenals von Nuklearwaffen für
taktische Zwecke Fortschritte gemacht hat, bleibt für den Ausbau dieser Säule
der Triade noch viel zu tun. Die NATO braucht noch immer bessere Doktrinen
für den taktischen Einsatz von Nuklearwaffen. Dazu gehört die Fähigkeit der
Kontrolle einer Eskalation, wenn das Bündnis zum Einsatz von Nuklearwaffen

-3-

�Nuklearwaffen greifen muß. Wir sollten uns darum bemühen, die Verletzbarkeit
von bereits dislozierten Systemen zu verringern, und wenn die NATO diese
Probleme in den Griff bekommen kann, dann sollte das Bündnis prüfen, ob es
für die Zukunft ernsthafte Möglichkeiten gibt, die bestehenden Arsenale
durch Nuklearwaffen und-systeme zu ersetzen, die den Gegebenheiten Ost-und
Westeuropas besser entsprechen.

Anstrengungen dieser Größenordnung dürften sicherstellen, daß die taktischen Nuklearstreitkräfte sowohl als eine direkte Abschreckung vor einem
Nuklearangriff des Warschauer Paktes wirken als auch als ein fester Damm
gegen einen größeren Zusammenbruch unserer konventionellen Verteidigung.

Wir überprüfen kontinuierlich die Rolle der Nuklearstreitkräfte am
Ort im Verhältnis zur NATO-Strategie sowie die Zahlen und Typen der Nuklearwaffen in Kuropa aus drei Hauptgründen: Erstens ist die Aufrechterhaltung
nuklearer Kapazitäten von entscheidendet Bedeutung für die Abschreckung,
solange der Warschauer Pakt in etwa vergleichbare nukleare Kapazitäten am
Ort aufrechterhält. Diese Waffen tragen dazu bei, vor dem Einsatz von Nuklearwaffen durch den

Warschauer Pakt abzuschrecken und sie bilden zusam-

men mit den konventionellen Streitkräften und den strategischen Nuklearstreitkräften eine allgemeine Abschreckung auf dem gesamten Spektrum möglicher Aggressionen. Zweitens bieten unsere taktischen Nuklearkapazitäten
für den Fall, daß die Abschreckung versagen sollte, eine Basis nuklearer
Optionen für die Verteidigung über den Einsatz von strategischen Streitkräften hinaus. Drittens, in Übereinstimmung mit der Strategie der flexiblen

-4-

�flexiblen Antwort schließen wir den Einsatz von Nuklearwaffen durch die Vereinigten Staaten und ihre Verbündeten nicht aus, wenn dies notwendig sein
sollte, um eine große konventionelle Aggression einzudämmen und aufzuhalten.

Die NATO muß weiterhin die Glaubwürdigkeit der Abschreckung und Verteidigung auf allen drei Gebieten der militärischen Antwort aufrechterhalten:
konventionell, Gefechtsfeld-nuklear und strategisch-nuklear. Wenn eine dieser
Fähigkeiten fehlen sollte, dann wäre die Abschreckung einer gewollten Aggression in Frage gestellt.

Ich möchte mich jetzt einigen der wünschenswerten Charakteristika taktischer Nuklearstreitkräfte zuwenden, die notwendig sind, eine glaubwürdige
nukleare Abschreckung am Ort aufrechtzuerhalten. Diese Streitkräfte müssen
grundsätzlich über folgende Fähigkeit verfügen:

- rasche Verteilung, um einer überraschenden Dislozierung durch den
Warschauer Pakt begegnen zu können;

- Überlebensfähigkeit und Kontrollierbarkeit in der Dislozierung;
- sie müssen dem Gegner verwehren, seine militärischen Ziele zu erreichen, ohne daß übertriebene Zerstörungen damit verbunden sind;

- sie müssen selektive, sorgfältig kontrollierte Einsatzoptionen ermöglichen - und sie müssen die gegnerische Verteidigung durchdringen können.

Nukleare Streitkräfte mit diesen Eigenschaften fördern zusammen mit der
Entschlossenheit, sie angesichts einer Aggression auch einzusetzen, wie ich

-5-

�ich dies oben beschrieben habe, die Glaubwürdigkeit unserer Abschreckung.

Die taktischen Nukleararsenale sind im Laufe der Jahre in bescheidenem
Umfange verbessert worden, um einige dieser erwünschten Eigenschaften zu erreichen. Wenn wir daran arbeiten, Mängel zu beseitigen, dann gehen wir nicht
davon aus, daß die bloße Existenz einer bestimmten neuen Technologie eine
Änderung des Arsenals verlangen müßte. Es ist vielmehr so, daß vorgeschlagene neue Nuklearwaffen von Fall zu Fall auf der Basis militärischer und politischer Faktoren geprüft werden, um festzustellen, ob sie eine erwünschte
Verbesserung gegenüber gegenwärtigen Waffen bieten.

Der zahlenmäßige Umfang und die Zusammensetzung unseres Nukleararsenals
in Europa ist eine Angelegenheit, der der Alliierte Stab bei SHAPE und der
amerikanische Stab bei USEUCOM ständige Beachtung schenken...

Einen bedeutsamen Beitrag zu unserer Bewertung der Nuklearstreitkräfte
am Ort leistet die ständige Arbeit in der Nuklearen Planungsgruppe der NATO
... Diese Studien und Erörterungen in der NPG haben dazu gedient, sowohl
unsere eigenen als auch die Vorstellungen der Verbündeten von der Rolle zu
klären, die Gefechtsfeld-Nuklearwaffen in der Gesamtstrategie der NATO spielen.

Wenn ich von der Rolle von Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräften spreche,
dann muß ich unterstreichen, daß unsere taktischen Nuklear-Systeme weder heute noch in Zukunft einen wirksamen Ersatz für eine starke nicht-nukleare

�nicht-nukleare Verteidigung darstellen können. Wir und unsere Verbündeten
müssen starke konventionelle Streitkräfte aufrechterhalten. Darüber hinaus
besteht jedoch auch die Notwendigkeit, Nuklearstreitkräfte am Ort aufrechtzuerhalten, die, wie ich bereits angedeutet habe, eine wichtige Komponente
unserer Abschreckung darstellen.
Die Tatsache, daß Nuklearwaffen von alliiertem Boden aus abgefeuert
oder auf alliiertem Boden eingesetzt werden könnten, macht den engstmöglichen Dialog und eine koordinierte Planung zwischen den Vereinigten Staaten
und den Verbündeten notwendig. Wir haben schon früh erkannt, daß die Notwendigkeit der engen Konsultation in der NATO von entscheidender Bedeutung für
die Solidarität des Bündnisses und unsere kollektive Sicherheit ist...

Der Prozeß der Nuklearkonsultation ist natürlich in den laufenden Prozeß der allgemeinen Konsultation in Zeiten der Krise hineinverwoben. Die
NATO-Länder würden sich von den frühesten Stadien einer Krise an konsultieren - wie wir hoffen, vor dem Ausbruch von Feindseligkeiten. Auf diese Weise
würden sich nukleare Überlegungen in die Struktur allgemeiner Konsultationen
einfügen, die bereits im Gange wären...

Besondere Aufmerksamkeit richten wir auf die Sicherung unserer Nuklearwaffen gegen jede Bedrohung der Waffen selbst und ihrer Einlagerungsorte.
Wir unternehmen ständige Anstrengungen, um sicherzustellen, daß unsere Verfahren zureichend sind, um unerwünschte Aktionen zu verhindern, während wir
die operative Einsatzfähigkeit dieser Waffen im Zusammenhang mit unserer
Strategie der Vorne-Verteidigung aufrechterhalten. Wie groß die Gefechts-

-7-

�Gefechtsköpfe auch sein mögen oder wo sie sich auch auf dem Gefechtsfeld befinden mögen, so sind alle Waffen unter positiver Kontrolle, um ihren Einsatz vor einer Freigabe durch den Präsidenten zu verhindern...

Das Programm für die Sicherheit der Nuklearwaffen wird auf höchster
Ebene im europäischen Kommando und in meinem eigenen Amte überwacht. Ich
halte es für angebracht, von vorneherein darauf hinzuweisen, daß ein Großteil der Informationen über unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreitkräfte in Europa bereits der Öffentlichkeit bekannt sind. Der Zweck unserer Dislozierungen, der allgemeine zahlenmäßige Umfang oder die Art nuklearer TrägerSysteme,
um die es geht, sind kein großes Geheimnis, So ist beispielsweise bekannt,
daß in Europa etwa 7 000 amerikanische Nuklear-Gefechtsköpfe disloziert sind. '
Es ist bekannt, daß zu diesen Systemen atomare Sprengmunition (Atomic Demolition Munitions oder ADM), 8 inch und 155 mm Artillerie, Honest John-,
Sergeant-, Lance- und Pershing-Raketen, Bomben und Luftverteidigungswaffen
gehören. Bei allen diesen Systemen ist auch in etwa die Sprengkraft bekannt,
d.h. ob Sub-Kilotonnen, Kilotonnen oder Megatonnen - und ob für ein bestimmtes System Gefechtsköpfe verschiedener Sprengkraft verfügbar sind. Ähnliche,
nicht der Geheimhaltung unterliegende Informationen sind auch für die verschiedenen Waffenkategorien der Marine verfügbar. Nach meiner Auffassung wird
daher eine intelligente Debatte dieser Fragen in der Öffentlichkeit nicht
durch den Mangel an verfügbarer relevanter Information behindert.

Auf der anderen Seite müssen wir weiterhin Informationen über die technischen Details von Nuklearwaffen und über den militärischen Schutz unserer
operativen Nuklearstreitkräfte der Geheimhaltung unterwerfen....
Wir

�Wir dürfen auch nicht vergessen, daß ein Großteil der Informationen über
unsere Nuklearstreitkräfte am Ort nicht nur amerikanische Interessen, sondern
auch Interessen unserer europäischen Verbündeten berühren. Wie Sie wissen,
besteht einer der Hauptaspekte des Atomwaffensperrvertrages in unserer Zustimmung, den Nuklearschild für die NATO zu stellen.
Wir haben Programme der Zusammenarbeit mit einer Reihe von NATO-Ländern,
in deren Rahmen die Vereinigten Staaten vereinbart haben, Nuklearwaffen für
den Einsatz durch alliierte Nuklear-Trägereinheiten bereitzustellen. Diese
Waffen bleiben selbstverständlich in amerikanischem Gewahrsam und unter amerikanischer Kontrolle, und zwar zu allen Zeiten, bis der Präsident sie freigibt. Viele relevante

Informationen über unsere Gefechtsfeld-Nuklearstreit-

kräfte stammen aus diesem Abkommen mit unseren Verbündeten und tragen eine
doppelte Geheimhaltung - d.h. sowohl eine amerikanische Geheimhaltung als
auch die eines anderen Landes oder der NATO. Infolgedessen könnte die amerikanische Regierung solche gemeinsam kontrollierte Informationen nicht ohne
eingehende Konsultation mit unseren Verbündeten freigeben."

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DAS ATLANTISCHE BÜNDNIS - HEUTE UND MORGEN
Von Dr. Joseph Luns

Der Generalsekretär der NATO, Dr. Joseph
Luns, hat am 25. März 1974 auf einer Veranstaltung der Deutschen Atlantischen Gesellschaft in Bonn anläßlich des 25. Jahrestages der NATO eine vielbeachtete Rede
gehalten, die wir im Wortlaut wiedergeben.
Jede Organisation läßt sich nach äußerer Leistung und nach innerer
Effizienz beurteilen, und so halte ich es mit der NATO. Meist pflegen reibungslos arbeitende Organisationen auch erfolgreich zu sein. Aber es gibt
Ausnahmen. Die NATO ist zur Zeit eine Organisation, die beachtliche Leistungen erbringt trotz beträchtlicher innerer Reibungen. Das ist kein Grund,
beruhigt zu sein, im Gegenteil: Diese Reibungen dürfen keinesfalls andauern.

Wenn wir fragen, was das Atlantische Bündnis heute leistet, so lautet
die erste Antwort: Das Bündnis bietet fünfzehn Völkern Sicherheit, ganz besonders den europäischen Verbündeten. Diese Tatsache wird von keiner Mitgliedsregierung bestritten, und zumeist - wie gerade hier in Bonn - auch
von den Oppositionsparteien voll anerkannt. Der Grund ist klar, so klar,
daß er manchmal Gefahr läuft, vergessen zu werden: Nur im Atlantischen

�Atlantischen Bündnis können die konventionellen Verteidigungsbeiträge der
Verbündeten mit der strategischen nuklearen Abschreckung zu einem einzigen
wirkungsvollen Verteidigungsinstrument zusammengeschweißt werden. Das ist
und bleibt der wesentliche Inhalt der Allianz.
Wäre 1949 die NATO nicht gegründet worden, dann hätten die Staaten Westeuropas andere Wege gesucht, der Bedrohung zu begegnen, der sie sich gegenübersahen. Der Vertrag von Brüssel, zum Beispiel, war eine Station auf dieser Suche, doch seine Mängel lagen auf der Hand. Nur eine atlantische Lösung,
nur die feste Verbindung der Vereinigten Staaten und Kanadas mit Westeuropa,
kann Europas Sicherheit gewährleisten. Allein der Nordatlantikpakt garantiert
eine institutionelle Verknüpfung der Vereinigten Staaten mit Europa. Es ist
nützlich, sich daran zu erinnern, daß es für unsere Verteidigung immer nur
die atlantische Option gegeben hat. Eine andere Wahl besteht auch weder heute
noch in der voraussehbaren Zukunft, das heißt in dem Zeitraum, für den politische Entscheidungen vorbereitet werden können.

Das Atlantische Bündnis gibt uns Sicherheit. Doch wie sicher sind wir?
Ich fürchte, nicht ganz so sicher, wie manche meinen. In unseren Ländern findet sich-bei Diskussionen über Sicherheit - ein eigenartiger Hang zu Trugschlüssen. Man hört, eine militärische Bedrohung bestehe nicht mehr. Oder es
heißt, im nuklearen Zeitalter genüge es, sich auf das Gleichgewicht des
Schreckens zwischen den Supermächten zu verlassen.
•''-

Dabei

�Dabei wird übersehen, daß es nicht um unmittelbare militärische Bedrohung geht, sondern um die Gefahr des politischen Druckes, die jedes militärische Machtgefälle in sich birgt. Und es ist unbestreitbar, daß sich das
militärische Kräfteverhältnis in den letzten Jahren stetig zugunsten des
Ostens verschoben hat, und daß eine Tendenzwende nicht erkennbar ist. Ebenso wird übersehen, daß gerade ein nukleares Gleichgewicht zwischen den Supermächten die Bedeutung konventioneller Verteidigung erhöht. Der Warschauer
Pakt weiß dies und handelt danach. Dagegen wird es unseren Regierungen immer
schwerer gemacht, die für Abschreckung und Verteidigung notwendigen Haushaltsmittel bereitzustellen.

Zunehmendes nukleares Gleichgewicht

und wachsendes konventionelles

Ungleichgewicht, das sind die beunruhigenden Zeichen der Zeit. Trotzdem ist
unsere Sicherheit noch gewährleistet. Aber ich betone das Wörtchen "noch".
Die Leistungen des Bündnisses liegen nicht allein auf dem Gebiet der Sicherheit. Sie finden sich ebenso im Bemühen um ein gesünderes, ein stabileres
Verhältnis zwischen Ost und West. Auch hier sollten die unbestreitbaren Fortschritte kein Anlaß zu Selbstzufriedenheit sein, denn wir sind erst am Anfang eines steinigen Weges von Gegnerschaft zu Zusammenarbeit. Gerade in der
Bundesrepublik Deutschland wird verstanden, daß Entspannungspolitik langen
Atem erfordert und daß ihre Früchte nur langsam reifen. Und gerade hier ist
man sich bewußt, daß Zusammenhalt im Atlantischen Bündnis die wesentliche
Voraussetzung für einen dauerhaften Ausgleich mit den Nachbarn im Osten ist.
So kann die deutsche Ostpolitik zur Wirkung gelangen, weil sie von allen

-3-

�allen Verbündeten mitgetragen wird und weil sie mit der deutschen West-und
Bündnispolitik Hand in Hand geht. So können wir von den großen multilateralen
Ost-West-Verhandlungen - der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa und den Gesprächen über ausgewogene Truppenverminderungen - gute Ergebnisse erwarten, solange auf ihnen die Verbündeten die gemeinsamen Interessen gemeinsam verfolgen.

Die Verbündeten haben dafür gesorgt, daß es auf der Sicherheitskonferenz
nicht um große,leere Worte geht, sondern um kleine, konkrete Schritte zu
größerer Sicherheit und besserer Zusammenarbeit in Europa. Und es ist allein
dem Drängen des Bündnisses zu verdanken, daß jetzt in Wien der große Versuch
unternommen wird, Absprachen über unverminderte Sicherheit

und größere Sta-

bilität in Mitteleuropa bei verringerter Truppenpräsenz zu treffen.

Die Konferenz in Genf tritt bald in das entscheidende Stadium. Es bleibt
abzuwarten, wieviel Zusammenarbeit und wieviel menschliche Erleichterungen
auf ihr vereinbart werden können. Ich glaube, wir sind auf dem richtigen Wege. Doch der Erfolg der Konferenz, das ist sicher, wird weniger von verabschiedeten Resolutionen abhängen als von dem Maß, in dem das Ost-West-Verhältnis sich in der Folgezeit tatsächlich normalisiert.

Die MBFR-Gespräche in Wien haben gerade erst begonnen. Sie werden erfolgreich sein, wenn sie nicht zu einer Festschreibung des militärischen Ungleichgewichts in Mitteleuropa, sondern zu einem neuen, stabilen Gleichgewicht führen.
Seit

-4-

�Seit mehreren Jahren widmet der NA.TO-R.at den überwiegenden Teil seiner
Arbeit der Vorbereitung dieser Ost-West-Verhandlungen und ist damit zur wichtigsten treibenden Kraft unserer Entspannungspolitik geworden.

So sehen wir ein Bündnis, das Sicherheit bietet - noch bietet, wie ich
eben sagte, weil die Bereitschaft nachläßt, für die Verteidigung Opfer zu erbringen. Und wir haben ein Bündnis, das Fortschritte im Ost-West-Verhältnis
ermöglicht. Aber es bleibt viel zu tun, bevor wir von einem grundlegenden und
dauerhaften Wandel in den Beziehungen zu unseren östlichen Nachbarn sprechen
können.
Wenn wir nun nach dem Innenverhältnis im Bündnis fragen, wäre es töricht, vorzugeben, daß Eintracht herrschte. Meinungsverschiedenheiten unter
fünfzehn souveränen Verbündeten sind gewiß nie ganz zu vermeiden, und es hat
sie immer gegeben. Aber zweierlei kennzeichnet die heutige Lage. Einmal
dauert die Uneinigkeit über eine Reihe wichtiger Fragen länger an als üblich
und als gut tut. Das liegt vor allem an der Vielzahl aufeinander wirkender,
weltweiter Probleme, die gemeinsamer Lösungen harren. Welthandel, internationaler Zahlungsverkehr, jüngst auch die Energiepolitik berühren zum Teil vitale
nationale Interessen, deren Ausgleich natürlich nicht ohne Reibungen möglich
ist. Wir sollten daher diese Unstimmigkeiten nicht überbewerten, wenngleich
wir erkennen müssen, daß man auf die Dauer nicht in der Verteidigung sich gemeinsam schlagen, im übrigen aber getrennt oder gar in verschiedene Richtungen marschieren kann.
Mehr

-5-

�1
f
Mehr Anlaß zur Sorge bietet die Tendenz, das Verhältnis innerhalb des
Bündnisses zunehmend als Beziehung zwischen den Vereinigten Staaten auf der
einen und den Mitgliedern der Europäischen Gemeinschaft auf der anderen Seite
zu begreifen. Gewiß, das Bild von den zwei Pfeilern der Allianz - dem transatlantischen und dem europäischen - ist treffend. Es wird aber zu einem schiefen

Bild, wenn man nur zwei freistehende Pfeiler sieht und nicht den Bogen,

der sich über beide spannt. Wesentlich ist doch die architektonische Einheit
der Pfeiler mit dem Bogen. Die schiefe Optik ist gefährlich. Ich war stets
überzeugter "Europäer". Ich habe immer für den Aufbau und Ausbau der Europäischen Gemeinschaft gefochten. Ich habe nicht verkannt, daß daraus neue
Probleme erwachsen; aber die Vorteile schienen und scheinen mir überragend.
Kl gibt für mich keinen Gegensatz zwischen europäischer Gemeinschaft und atlantischer Partnerschaft, denn beides, richtig verstanden, ergänzt einander.
In London habe ich kürzlich gesagt, daß ich keinen Widerspruch zwischen Englands Platz in Europa und seinem traditionellen "special relationship" mit
den Vereinigten Staaten sehe. Das gilt entsprechend für die Kontinentaleuropäer, und gewiß für die Bundesrepublik Deutschland.

Die größere Kraft eines vereinten Europas kann und muß dem Bündnis dienen. Sonst ist sie vertan. Verteidigungspolitisch kann es keine europäische
Selbsterfüllung geben. Dem stehen entgegen : Verteidigungslasten, die niemand
zu tragen bereit wäre; ein Integrationsgebiet, dem Frankreich sich nicht beugen würde; und das Problem nuklearer Mitsprache, das im atlantischen Rahmen
immer noch leichter lösbar ist als in einem europäischen.
Wir

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�Wir müssen alles daran setzen, die Spannungen im Gebälk des Bündnisses
auszugleichen. Der Irrglaube, ein wahrer "Europäer" könne nicht zugleich
"Atlantiker" sein, würde sonst allzu schnell bewirken, daß jenseits des Atlantiks niemand mehr willens wäre, für und mit Europa zu handeln.
In den letzten Wochen und Monaten waren starke zentrifugale Kräfte am
Werk. Es gab gegenseitige Vorwürfe wegen mangelnder Konsultationen, und man
hörte: Konsultierst Du mich nicht, konsultiere ich Dich nicht. Meine Aufgabe
als Generalsekretär der NATO ist nicht, zu richten, sondern Gemeinsamkeit zu
wahren und vor allem zu verhindern, daß das Gespräch zwischen den Verbündeten
abreißt.
Dabei ist entscheidend, folgendes klar zu erkennen:
Die Vereinigten Staaten sind nicht Gegner, sondern Förderer einer europäischen Gemeinschaft. Sie haben keine Einwendungen gegen die zunehmende politische Abstimmung unter den Neun. Sie wissen auch, daß unterschiedliche Interessen zu unterschiedlichen Politiken führen können.

Was die Vereinigten Staaten nicht hinnehmen können, ist, sich von den
Neun vor vollendete Tatsachen und nicht konsultierte Entscheidungen gestellt
zu sehen. Dies gilt im Grundsatz für die gesamte Bandbreite internationaler
Fragen, ganz gewiß aber für Entscheidungen, die vitale amerikanische Interessen - so ihre Bemühungen um einen Frieden im Nahen Osten - sowie militärische und politische Sicherheitsinteressen des Atlantischen Bündnisses berühren.
Die Lösung der Spannung wäre, den politischen Willen vorausgesetzt, sehr

�sehr einfach. Es genügte, die langgeübte und bewährte Praxis voller und
rechtzeitiger Konsultationen im NATO-Rat wieder aufleben zu lassen. Dabei könnten, und sollten, die acht im Rat vertretenen Mitglieder der Europäischen Gemeinschaft mit einer Stimme sprechen. Sie würden sich damit keinesfalls einer
höheren Autorität unterwerfen; der Rat beschließt immer einstimmig. Sie behielten ihr souveränes Recht, die von ihnen für richtig gehaltenen Entscheidungen zu treffen. Aber die Erwartung der Amerikaner - wie der Kanadier, Isländer, Türken, Griechen, Portugiesen und Norweger - geht dahin, daß ihre
europäischen Mitverbündeten sie eingehend konsultieren, bevor sie sich entscheiden. Ich habe mit Absicht alle NATO-Mitglieder aufgezählt, die nicht der
Europäischen Gemeinschaft angehören. Verbesserte Konsultationen allein zwischen den Vereinigten Staaten und den Neun wären keine zweckdienliche Lösung;
sie könnten zu neuen Unstimmigkeiten führen.

Gewiß sind Konsultationen ein Geben und Nehmen. Aber wie die Dinge heute
stehen, darf keiner darauf warten, daß der andere den ersten Schritt tut,
sondern muß jeder zu immer neuen Vorleistungen bereit sein. Jeder Vorschuß an
Vertrauen, jede auch einseitige Bereitschaft, sich mit den anderen ins Benehmen zu setzen - und das ist der Sinn einer Konsultation,- wird Zinsen und
Zinseszinsen tragen.

Und damit bin ich schon bei der Zukunft der Allianz. Diese Zukunft bestimmen zum Teil äußere Faktoren, überwiegend aber wir selbst.
Nicht

�Nicht in unserer Hand sind die Bedrohung und das durch sie bestimmte
Sicherheitsbedürfnis sowie die Bereitschaft des Ostens zu einem dauerhaften
Ausgleich. Für die Bedrohung sehe ich keine wesentliche Änderung voraus, es
sei denn durch eine unerwartete Krise, wie im letzten Nahostkrieg, als sich
wörtlich über Nacht Ost und West in einer gefährlichen Konfrontation gegenübersahen. Wir werden auch weiterhin in einer gefahrvollen Welt leben und
den Schutz des Bündnisses brauchen.

Wie gut das Bündnis sein wird liegt allein in unserer Hand. So wie Regierungen werden wir auch dasjenige Bündnis haben, das wir verdienen.
Es kommt auf dreierlei an: Erstens auf ausreichende Verteidigung; zweitens auf die Bereitschaft der Europäer, die erforderlichen konventionellen
Streitkräfte zu unterhalten; und schließlich auf die Fähigkeit der amerikanischen Regierung, ihre militärische Präsenz in Europa voll aufrechtzuerhalten.
Denn die Glaubwürdigkeit der nuklearen Abschreckung beruht, bei der Strategie
der angemessenen Erwiderung, letztlich auf einer glaubhaften konventionellen
Verteidigungsfähigkeit.

Wenn das Bündnis weiterhin ein wirkungsvolles Instrument der Entspannung sein will, braucht es Vertrauen in die Werte, die es schützt. Es ist
kein gutes Zeichen, wenn man an Selbstvertrauen appellieren muß, aber es tut
not. Die Zweifler und die Verzagten gewinnen sonst an Boden. Die Präambel

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�i
i
Präambel des Nordatlantikpaktes nennt: Unabhängigkeit; Demokratie; Freiheit;
Rechtsstaatlichkeit; gemeinsames geistiges und kulturelles Erbe. Wir wären
auf schlechtem Wege, wenn sie uns heute weniger bedeuteten als vor 25 Jahren.

Schließlich: Die Zukunft des Bündnisses hängt davon ab, wie wir unser
Verhältnis zueinander gestalten. Ich messe der neuen Atlantischen Erklärung
Bedeutung bei. Wir haben schon gute Arbeit geleistet und werden sie bald
vollenden. Diese Arbeit zwingt uns, das inneratlantische Verhältnis zu überdenken und dem Wandel der Zeiten anzupassen. Die Erklärung allein wird natürlich keine Probleme lösen. Dies kann nur der gemeinsame Wille aller Mitgliedsregierungen. Und ich habe eben gesagt, worauf es dabei vor allem ankommt:
Nämlich auf die Bereitschaft der Europäischen Gemeinschaft, in Fragen gemeinsamen Bündnisinteresses die übrigen Verbündeten durch volle und rechtzeitige
Konsultationen am Entscheidungsprozeß zu beteiligen.

+++

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7/1974

OKLAHOMA WÜNSCHT TOURITSTEN UND KAPITAL AUS DEUTSCHLAND
Eine Handelsmission kommt zur Kontaktaufnähme nach Prankfurt
und Düsseldorf

Von Ernst W. Leonhard

- (AD) - Der US-Bundesstaat Oklahoma beabsichtigt, eine Handelsmission
aus ICO Investitionsexperten - Beamten, Unternehmer, Makler und Bankiers nach Frankfurt und Düsseldorf zu entsenden. Zweck dieser Handelsmission unter
der Schirmherrschaft des Gouverneurs von Oklahoma,David Hall, wird es sein,
deutsches Kapital für die Anlage in diesem Staat zu interessieren.

Die Händelsmission wird sich vom 6. bis 10. Mai in Deutschland aufhalten.
Sie wird sich nach dem Eintreffen in Frankfurt in Zweier-Teams auflösen, die
vom 6. bis 8. Mai von dort aus und am 10. Mai von Düsseldorf aus persönliche
Kontakte mit Interessenten aus der deutschen Geschäftswelt sowie mit Reiseveranstaltern aufnehmen werden. Die Teilnehmer verfügen über reiche Erfahrungen
aus drei Fachgebieten: Investitionen in die Industrie, Investitionen in den
Bereich der natürlichen Hilfsquellen und Tourismus. Die drei Expertengruppen
stehen unter der Leitung von Jay Casey, dem Vorsitzenden des Industrieberaterteams des Gouverneurs, Abgeordneten Clem McSpadden und dem stellv. Gouverneur
George Nigh McAlester.

Hauptaufgabe

-1

�Hauptaufgabe der Zweierteams wird es sein, deutschen Geschäftsleuten und
Interessenten Auskünfte über den Staat Oklahoma und seine Wirtschaft zu geben:
Markt, Transport und Verkehr, Energieversorgung, Arbeitsmarkt, Steuergesetzgebung, Finanzierungsmöglichkeiten und Standortwahl. Die Mitglieder der Handelsmission sind willens, jeden Interessenten in Frankfurt und Düsseldorf und an
jedem Ort im Umkreis von 150 bis 200 km von beiden Städten persönlich aufzusuchen, sofern er seine diesbezüglichen Wünsche und Terminvorstellungen rechtzeitig dem U.S. Trade Center in Frankfurt bekanntgibt.

"Wir kommen nach Deutschland, um neue Möglichkeiten für den Export eines
der wichtigsten deutschen Produkte überhaupt zu eröffnen: Geld", erklärte
Gouverneur Hall zum Zweck der Mission.

Der Staat Oklahoma ist fast so groß wie die Bundesrepublik Deutschland
und weist ein Straßen- und Schienennetz von etwa der gleichen Länge und Dichte
auf. Die zwei wichtigsten Handelsplätze sind Oklahoma City und Tulsa. Tulsa
ist zugleich Ausgangspunkt des Arkansas Waterway, der die Stadt mit dem Hafen
von New Orleans verbindet.

Wie Abgeordneter McSpadden in bezug auf die Mission erklärte, ist das
Oklahoma von heute nicht mehr mit dem Oklahoma der "Dust Bowls" (der riesigen
Sandstürme) von einst zu vergleichen, als Cowboys und Indianer das Wirtschaftsbild von Oklahoma bestimmten. Heute werden rund 20 Prozent der Bodenfläche des
Staates städtisch genutzt. Am Arkansas Waterway hat der Staat an einem Uferstrich von rund 150 km ein Industriegebiet bereitgestellt, das noch der Erschließung und Nutzung harrt. Im Einzugsbereich der Städte Oklahoma City, Tulsa
und Layton stehen darüber hinaus für Zwecke des Wohnungsbaus und der Industrieansiedelung 15 000 Quadratkilometern bereit, und im übrigen Bereich des Staates
warten weitere 400 000 Hektar erschlossenen Industriegeländes auf Käufer oder
Pächter.

Oklahoma bedarf dringend umfassender Finanzierungsmittel, um die wirtschaftlichen Möglichkeiten nutzen zu können, die sich ihm - mitten im Herzen

- 2-

�Herzen Amerikas gleichweit von New York, Chicago, Houston und Los Angeles
entfernt gelegen - bieten. Deutschen Kapitalgebern eröffnen sich mittel- und
langfristige Gewinnchancen auf drei Gebieten, auf die sich auch die Beratertätigkeit der Handelsmission erstreckt.

Investitionen im Bereich der Industrie

Die Handelsmission sucht in Deutschland Kapital für Investitionen im Bereich der Industrie - sei es durch Beteiligung deutscherFirmen an Gemeinschaftsgründungen, sei es durch Errichtung von

Tochtergesellschaften oder über die

Beteiligung an bestehenden Unternehmen oder den Aufkauf von solchen. Hierfür
kommen vor allem Firmen in Frage, die bereits ihre Erzeugnisse oder Dienstleistungen nach Amerika verkaufen. Es dürfte für diese heute vielfach günstiger
sein, ihre Produktion ganz oder teilweise nach Amerika zu verlagern. Die Nähe
der Produktionsstätte zu den Märkten und Verbrauchern ist in Oklahoma wie kaum
anderswo in den USA gegeben.

Investitionen im Primärbereich

Die Handelsmission wirbt ferner für eine deutsche Beteiligung an der Erschließung von Bodenschätzen, die am ehesten durch die Gründung von Firmengemeinschaften zu erreichen scheint: Es geht hier um die Erschließung bisher
nicht genutzter Erdgas- und Kohlevorkommen. Im Bereich des sogenannten "Deep
Anadarko Basin" lagern schätzungsweise 980 Billionen m^ Erdgas; für die Nutzung
dieser ungeheuren Menge wird die Erbohrung von rund 500 Quellen mit einem
Kostenaufwand von 1 bis 1,5 Milliarden Dollar notwendig sein. Im Osten Oklahomas
wurden Kohlevorkommen in der Größenordnung von über 3 Milliarden Tonnen entdeckt, wobei es sich etwa zu einem Drittel um schwefelarme Kohle handelt. Die
Kohle befindet sich größtenteils im Einzugsbereich des Arkansas ;aterways, so
daß sie über diesen mühelos verfrachtet werden könnte - beispielsweise für
Zwecke der Elektrizitätserzeugung.
Die

�1
1

I
Die Erdgasgewinnung in Oklahoma soll ausdrücklich nicht den großen
multinationalen Energiekonzernen, sondern kleineren unabhängigen Firmen übertragen werden. Hier bietet sich mithin der mittelständischen Wirtschaft eine
besondere Chance für längerfristige Investitionen.

Investitionen in die Rindermast

Die Viehzucht erfolgt in Oklahoma seit neuester Zeit in Riesenherden mit
5000 und mehr Rindern in der Form der Rindermast zur Fleischerzeugung. Die
Rinder werden von einem Computer auf Gesundheit und Mastgrad überwacht, der
jedem Rind die seiner Konstitution gemäße Menge an Nahrung zuteilt. Dadurch
verkürzt sich die Mastzeit ganz beträchtlich. Im vergangenen Jahr wurden in
Oklahoma und Texas rund 3,6 Millionen Rinder auf diese Weise gemästet, was
einen Kapitaleinsatz von rund 400 Millionen Dohlar erforderte. Bei einem weiteren ,
Ausbau dieser Form der Rinderzucht wird es möglich sein, den Export aufzunehmen.
Die Versendung von Rinderseiten nach Europa und Japan auf dem Flugweg bietet
sich an.

Flugtourismus nach Oklahoma

Die Fremdenverkehrsspezialisten der Handelsmission werden bestrebt sein, den
Kontakt mit deutschen Reiseveranstaltern aufzunehmen. Oklahoma weist zahlreiche
Gegenden nahezu völlig unberührter Natur auf. Zahlreiche künstliche Stauseen
bieten schier unbegrenzte Erholungsmöglichkeiten - im Luxushotel wie am CampingPlatz. Hinzu kommt, daß der Staat das Zentrum amerikanischer Indianerkultur ist,
für die europäische Touristen schon immer ein besonderes Interesse gezeigt haben.
Eine große Zahl bestausgestatteter Hotels und Motels in der Nähe der Indianerreservate erleichtert den Fremden den Zugang zu diesen. Oklahoma hat den stärksten
Anteil an der Indianerbevölkerung in den USA.

Es ist hier vor allem daran gedacht, in Zusammenarbeit mit deutschen Reisebüros Pauschalreisen zu organisieren, die dem Amerikatouristen eine wünschens-

- 4-

�wünschenswerte Mischung aus Erholung und FreiZeitbetätigung bieten. Um deutschen Reiseveranstaltern eine Übersicht über die Touristik-Möglichkeiten im
Staate Oklahoma geben zu können, verteilt die Mission einen besonderen Führer
für Reiseveranstalter.

Das US-Handelszentrum in Frankfurt, (U.S. Trade Center, 6000 Frankfurt,
Bockenheimer Landstraße 2, Tel.: 720801) nimmt Voranmeldungen deutscher Interessenten an der Kontaktaufnahme mit Mitgliedern der Oklahoma-Mission jederzeit
schriftlich oder fernmündlich entgegen.

+ + + + +

- 5-

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