<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<item xmlns="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5" itemId="1484" public="1" featured="0" xmlns:xsi="http://www.w3.org/2001/XMLSchema-instance" xsi:schemaLocation="http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5 http://omeka.org/schemas/omeka-xml/v5/omeka-xml-5-0.xsd" uri="https://www.amerikahaus-archiv.de/items/show/1484?output=omeka-xml" accessDate="2026-11-04T02:56:12+00:00">
  <fileContainer>
    <file fileId="1495">
      <src>https://www.amerikahaus-archiv.de/files/original/3f55873535b012fa8c35acce2430f720.pdf</src>
      <authentication>97d154580031188280eb42a17179c138</authentication>
      <elementSetContainer>
        <elementSet elementSetId="4">
          <name>PDF Text</name>
          <description/>
          <elementContainer>
            <element elementId="52">
              <name>Text</name>
              <description/>
              <elementTextContainer>
                <elementText elementTextId="7797">
                  <text>amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Nummer

Service

Postfach

300

Information
und
Dokumentation

T e I e x : 0 8 - 8 54 3 2

2

30. Januar 1974

Inhalt

WIRTSCHAFT:
USA heben Kapitalverkehrskontrollen auf
-Wortlaut der amtlichen ErklärungenShultz begrüßt Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen
-AuszügeDie Olpreise erschüttern das Gefüge der Wirtschaft
Von Eugene Brake

HINTERGRUNDMATERIAL:
Hoffnung auf Energiekonferenz von Washington
-Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�. amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

2/1974

USA HEBEN KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN AUF
- Wortlaut der amtlichen Erklärungen -

WASHINGTON --(AD)°- Die Vereinigten Staaten haben am 29. Januar die bestehenden Kapitalverkehrskontrollen aufgehoben. Die einzelnen Maßnahmen wurden
in Erklärungen des Finanzministeriums, des Handelsministeriums sowie des Federal Reserve Board (Bundesbank) bekannt gegeben.

Die Erklärung des Finanzministeriums über die praktische Aufhebung der
Maßnahmen zur Verhinderung des Kapitalabflusses hat folgenden Wortlaut:

"Das Finanzministerium, das Handelsministerium und der Federal Reserve
Board haben, wie aus den gesonderten Erklärungen der drei Behörden hervorgeht, koordinierte Maßnahmen ergriffen, durch die die Beschränkungen des
Kapitalabflusses aus den Vereinigten Staaten, wie sie in verschiedener Form
seit 1963 bestanden haben, praktisch aufgehoben werden.

Die Maßnahmen sind angebracht angesichts der jüngsten Verbesserung der
amerikanischen Zahlungsbilanzposition, der starken Position des Dollar auf

-1-

�auf den Devisenmärkten und des Wunsches, staatliche Beschränkungen des Kapitalabflusses nach Orten des Bedarfs in einer Zeit zu vermeiden, in der
sich die Zahlungsbilanzposition zahlreicher Länder durch die Auswirkungen
der gestiegenen Erdölpreise stark verändert haben.

Auch wenn die Programme für eine aktive Einschränkung eingestellt worden sind, werden zur Zeit bestimmte Normen für eine Berichterstattung beibehalten werden, um die Überwachung der Zahlungsbilanzflüsse und der internationalen Transaktionen amerikanischer Geschäftsleute und Finanzinstitute zu
unterstützen."

Die Erklärung des Finanzministeriums zur Senkung der Zinsausgleichssteuer (IET) auf Null hat folgenden Wortlaut:

"Das Finanzministerium gibt bekannt, daß der Satz der Zinsausgleichssteuer (IET) auf Null herabgesetzt worden ist. Gemäß dem vom Präsidenten unterzeichneten Regierungserlaß wird der Null-Satz vom 29. Januar 1974 an für
den Handel mit und den Erwerb von ausländischen Aktien und Schuldverschreibungen gelten.

Aufgrund des Gesetzes über die Zinsausgleichssteuer ist der Präsident
ermächtigt, den IET-Satz auf Null herabzusetzen, sobald ein solcher Schritt
mit den Zahlungsbilanzzielen der Vereinigten Staaten zu vereinbaren ist. Die
IET ist seit Juli 1963 in Kraft und soll dazu beitragen, den Kapitalabfluß
aus den Vereinigten Staaten in Wertpapierinvestitionen in anderen Industrie-

-2-

�t
\
Industriestaaten einzuschränken. Der Steuersatz ist verschiedentlich geändert worden. Die letzte derartige Änderung trat am 1. Januar 1974 in Kraft,
als der Steuersatz bei ausländischen Aktien von 11,25 auf 3,75 Prozent und
bei ausländischen Schuldverschreibungen von 0,75 auf 0,25 Prozent pro Jahr
herabgesetzt wurde.
Die Finanzverwaltung wird in Verlautbarungen Richtlinien bezüglich der
J.
Auswirkung dieses Erlasses auf die Berichterstattung sowie über Bestimmungen
zu seiner Einhaltung veröffentlichen."

Die Erklärung des Handelsministeriums über die Aufhebung der Beschränkungen für direkte Privatinvestitionen im Ausland hat folgenden Wortlaut:

"Der Direktor des Amtes für Direkte Auslandsinvestitionen (OFDI) im
amerikanischen Handelsministerium, Robert H. Enslow, hat heute bekannt gegeben, daß die von diesem Amt vorgenommenen Kontrollen für direkte Auslandsinvestitionen mit sofortiger Wirkung aufgehoben sind. Diese Maßnahme schließt
auch die Aufhebung der Kontrollen von Rückzahlungen ausstehender Auslandskredite ein, die am 26. Dezember 1973 bekannt gegeben worden waren.

Das vom OFDI überwachte Programm für direkte Auslandsinvestitionen war
aufgrund der Verschlechterung der amerikanischen Zahlungsbilanzposition am
1. Januar 1968 eingeführt worden.
c

•

•&lt;

Mr. Enslow hat erklärt, daß Direktinvestoren Berichte über die Einhaltung der Bestimmungen für direkte Auslandsinvestitionen im Jahre 1973 vor-

-3-

�t
vorlegen müssen. Das Amt wird in Kürze vereinfachte Formulare herausgeben,
die dazu dienen sollen, bei einer beträchtlich reduzierten Zahl von Direktinvestoren wirtschaftliche Informationen über die derzeitige und die künftige Investitionstätigkeit im Ausland für statistische Zwecke einzuholen."

Die Erklärung des Federal Reserve Board über die Aufhebung der freiwilligen Beschränkungen für Auslandskredite von Banken hat folgenden Wortlaut:

"Der Board of Governors des Federal Reserve System hat heute die Aufhebung seiner Richtlinien für eine freiwillige Einschränkung von Auslandskrediten (VFCR) mit sofortiger Wirkung bekannt gegeben. Das Programm hatte den
Zweck, die Auslandskredite und die Auslandsinvestitionen von Banken und anderen .Finanzierungsinstituten einzuschränken.

Die heutige Bekanntgabe erfolgt im Einklang mit den Maßnahmen des Finanzministeriums, die Zinsausgleichssteuer auf Null zu senken, und des Handelsministeriums, seine Beschränkungen für direkte Auslandsinvestitionen aufzuheben. Der Federal Reserve Board hat auf Ersuchen der Regierung das VFCR-Programm seit Anfang 1965 durchgeführt.

Bei der Bekanntgabe seiner Maßnahme hat der Federal Reserve Board erklärt, daß er die Banken und die übrigen Finanzinstitute ersuchen wird, die
Berichterstattung über Auslandskredite und Auslandsinvestitionen an den Board,
allerdings in wesentlich reduziertem umfang, 1974 fortzusetzen. "
+-H-

-4-

�amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Postfach

Wirtschaft

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

2/1974

SHULTZ BEGRÜSST AUFHEBUNG DER KAPITALVERKEHRSKONTROLLEN
- Auszüge -

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Finanzminister George Shultz hat
die am 29. Januar bekanntgegebene Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen
begrüßt. In einer Rede in Washington betonte der Minister, dieser Schritt
werde zu ausländischen

Investitionen in den Vereinigten Staaten ermutigen

und amerikanischen Bürgern wieder die Möglichkeit zu Investitionen im Ausland geben. Wörtlich erklärte Shultz unter anderem:

"Die vom Präsidenten am 15. August 1971 eingeleitete Reform unserer
Wirtschaftspolitik bringt dem Land weiterhin greifbare Vorteile. Mit der
endgültigen Aufhebung aller Zahlungsbilanzkontrollen für Auslandsinvestitionen und Auslandskredite amerikanischer Bürger ist in diesem Prozeß ein weiterer wichtiger Punkt erreicht worden. Die Probleme, die sich aus diesen
Kontrollen für unsere eigenen Finanzmärkte ergaben, sind im Herbst letzten
Jahres in Gesprächen mit maßgebenden Finanzexperten wiederholt vorgebracht
worden.
Als

�Als vor einem Jahr ein internationales Abkommen über weitere Maßnahmen
auf den Devisenmärkten bekannt gegeben wurde, war eine öffentliche Verpflichtung eingegangen worden, die Kontrollen bis Ende 1974 auslaufen zu lassen.
Seit diesem Zeitpunkt sind wir ganz allmählich vorgegangen, um Störungen auf
den Devisenmärkten sowie Mißverständnisse bei unseren Handelspartnern zu vermeiden. Wir konnten jedoch das Endziel viele Monate vor der gesetzten Frist
erreichen.

Als wir seinerzeit noch an einen Wechselkurs gebunden waren, der den
damaligen wirtschaftlichen Gegebenheiten nicht mehr entsprach, hatten diese
Kontrollen einen Zweck und bewirkten eine gewisse Einschränkung des Dollarabflusses. Doch diese Wirkung war wahrscheinlich weitaus geringer, als die Statistiken auf den ersten Blick zu zeigen schienen. Denn bei einem großen Teil
der von Geschäftsleuten aufgrund des Programms im Ausland und nicht in den
USA aufgenommenen Gelder handelte es sich wahrscheinlich um amerikanisches Kapital, das trotz dieses Programms seinen Weg ins Ausland gefunden hatte.
Gleichgültig, wie groß die Beschränkungen wirklich waren, der Preis war hoch.

!

Er bedeutete einen Verlust an Freiheit für Amerikaner. Die Freiheit, sein

Geld dort zu investieren, wo man glaubt, daß die Aussichten am günstigsten
sind, ist vielleicht nicht die allerwichtigste, aber ich freue mich, daß sie
Jetzt wiederhergestellt worden ist.

Weiter entstanden echte Verwaltungskosten für die Regierung und es entstanden noch größere Verwaltungskosten für unsere Firmen.
Es

2-

�Es entstanden Verluste an Einkommen und Arbeitsplätzen in unserer Finanzwelt. Es war meiner festen Überzeugung nach kein Zufall, daß das außerordentlich starke Anwachsen der internationalen Finanztätigkeit in London
und an bestimmten anderen traditionellen Finanzzentren im letzten Jahrzehnt
mit der Periode der Einschränkung der konkurrierenden Tätigkeit unserer Finanzinstitute zusammenfiel.

Ich bin der Überzeugung, daß jetzt, da die Kontrollen aufgehoben sind,
unsere Institute in der Lage sein werden, höhere Einkommen zu erzielen und
mehr Arbeitsplätze für Amerikaner zu schaffen, indem sie mehr Leistungen aller Art auf Wettbewerbsbasis anbieten können - für Mittel, die aus den Vereinigten Staaten abfließen, für Mittel, die zur Reinvestition im Ausland nach
den Vereinigten Staaten hereinfließen, und für Mittel, die aus dem Ausland
in die amerikanische Wirtschaft fließen.

Als wir die Kontrollen noch hatten, versuchten wir, ausländische Investoren davon zu überzeugen, daß die Kontrollen ihr Interesse an den Vereinigten Staaten nicht mindern sollten. Was wir sagten, klang nicht ganz überzeugend. Offensichtlich zögerten viele Investoren, in einem Land zu investieren, das einen Zaun brauchte, um das Geld im Lande zu halten. Sie befürchteten, daß die Kontrollen eines Tages verhindern könnten, daß sie ihr Geld aus
dem Lande herausbekämen, wenn sie es wollten. Unsere neuen Maßnahmen dürften
diese Befürchtungen zerstreuen. Das Ergebnis unserer Beseitigung der Kontrollen für den Abfluß für Investitionszwecke wird wahrscheinlich gleichzeitig

-3-

�gleichzeitig eine Zunahme der Zuflüsse von Investitionen in unsere Wirtschaft bedeuten. Wir haben damit den ohnehin bereits attraktiven Investitionschancen eine weitere Attraktion hinzugefügt. Und wir haben einen Schritt getan, der unsere Kapitalmärkte und unsere Finanzwelt erweitern und auffrischen
wird."

�' amerika dienst
»

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Postfach

Telex:

Wirtschaft

Service
300

08-85432

2/1974

DIE ÖLPREISE ERSCHÜTTERN DAS GEFÜGE DER WIRTSCHAFT
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Äußerungen maßgebender Staatsmänner während und nach
der kürzlichen Sitzung des Zwanziger Ausschusses in Rom lassen erkennen,
daß sich die Finanzminister der Teilnehmerstaaten zumindest in einem Punkt
einig waren, nämlich daß der plötzliche Anstieg der Exportpreise für Erdöl
enorme Auswirkungen auf die Weltwirtschaft haben wird.

Und besonders stark hiervon werden die Entwicklungsländer betroffen
sein. Der amerikanische Finanzminister George Shultz hat gerade dieses
Problem sehr treffend umrissen, als er nach seiner Rückkehr nach den USA
vor Korrespondenten erklärte: Die Vereinigten Staaten werden die Bemühungen
des Internationalen Währungsfonds (IWF) unterstützen, einen tragbaren Weg
zur Finanzierung der gestiegenen Importkosten des Erdöls zu finden. Allerdings sind die Vereinigten Staaten nicht der Ansicht, daß die Finanzierung
selbst bereits eine Lösung darstellt - für die meisten Entwicklungsländer
dürfte dies noch keine Lösung des Problems sein.
Sollten
-1-

�Sollten die Erdölpreise sich auf dem hohen Stand halten, der kürzlich
von den erdölexportierenden Ländern festgesetzt worden war, und sollten
- was zweifelhaft erscheint - die importierenden Länder das nunmehr so teuer
gewordene Erdöl in den gleichen Mengen wie vorher einführen, dann würden sich
riesige Devisenbeträge in den Tresoren der erdölexportierenden Länder ansammeln. Nach übereinstimmender Meinung der Experten können diese Länder nicht
alle diese Gelder für vermehrte Warenimporte benutzen. Soll ein Ausgleich erzielt werden, so kann dies nur durch Kapitalflüsse, d.h. durch Investitionen
der Erdölländer in anderen Teilen der Welt, geschehen. Hierfür bieten sich
vor allem die Industriestaaten des Westens und Japan an..
Shultz räumt zwar ein, daß, trotz all der Warnungen auf der Konferenz
von Rom vor den schwerwiegenden Erschütterungen, die die plötzlichen und
drastischen Preiserhöhungen für Erdöl der Weltwirtschaft gebracht haben,
sich bisher noch kein Erdölland freiwillig erboten hat, die Preisforderungen
zurückzuschrauben. Trotzdem bleibt der amerikanische Finanzminister zuversichtlich, daß die Marktkräfte bereits innerhalb weniger Jahre einen Rückgang
der Erdölpreise von ihrem derzeitigen hohen Stand

erzwingen werden. Die Nach-

frage, so erklärte Shultz, werde aus dem einfachen Grunde zurückgehen, weil
zahlreiche Importländer die hohen Preise auf die Dauer nicht zahlen können.
Gleichzeitig werde ein größeres Angebot auf den Markt drücken, da eine Nutzung
anderer Energiequellen, zum Beispiel ein Abbau der Ölschiefervorkommen, zu
kostendeckenden Preisen nunmehr möglich geworden sei. Auf die Frage eines Korrespondenten, ob dann nicht mit plötzlichen Preisunterbietungen seitens der
erdölexportierenden Länder zu rechnen sei, sagte der Minister lediglich, das
amerikanische Volk müsse sich klar darüber sein, welche Folgen solche Be-2-

�Bemühungen, die Abhängigkeit von ausländischen Energiequellen zu verringern,
nach sich ziehen können. Und es müsse bereit sein, einen höheren Preis für
eine gesicherte Energieversorgung zu zahlen.
Shultz deutete in diesem Zusammenhang an, daß auf ein in seiner Art
variables Abschöpfungssystem zurückgegriffen werden könnte, um sicherzustellen, daß sich die Projekte zur Erschließung anderer Energiequellen nicht eines
Tages als unwirtschaftlich erweisen, falls die Erdölländer überraschend ihre
Preise wieder senken sollten. Dem amerikanischen Finanzminister dürfte dabei
eine variable Abgabe vorschweben, die auf alle Erdölimporte erhoben wird, sobald ein bestimmter Schwellenpreis unterschritten ist. Die Importabgabe würde
dem Differenzbetrag zwischen dem Schwellenpreis, der eine wirtschaftliche
Nutzung einheimischer Energiequellen gewährleisten soll, und dem niedrigeren
Weltmarktpreis entsprechen. Allerdings warnte der Minister vor jeder übereilten Festsetzung dieses Schwellenpreises, da die Vereinigten Staaten sonst möglicherweise unnötige und kostspielige Verpflichtungen auf sich nehmen würden.
In seinem Gespräch mit den Korrespondenten stellte Shultz ferner folgende Punkte heraus:
-- In der derzeitigen Stärke des US-Dollar kommt zum Teil die Auffassung
zum Ausc'.iruck, daß die Investitionen der erdölexportierenden Länder eher in den
Vereinigten Staaten als in anderen Ländern erfolgen werden. Diese Auffassung
trifft wahrscheinlich zu, doch hat die Börse, wie so häufig, auch hier übertrieben.

Die

-3-

�Die gestiegenen Erdölpreise werden sich nicht so stark auf die amerikanische Binnenwirtschaft wie auf die übrigen Volkswirtschaften auswirken, doch
dürften die negativen Auswirkungen auf die amerikanische Zahlungsbilanz vielfach unterschätzt werden. Zweifellos werden die von den erdölexportierenden
Ländern festgesetzten höheren Erdölpreise zu einer Stärkung des US-Dollar
beitragen; die Frage ist nur, wie weit die Festigung des Dollarkurses gehen
wird.
-- Die Entscheidung der französischen Regierung, den Wechselkurs des
Franc freizugeben, zeigt, wie stark sich die Erhöhung der Erdölpreise auf die
Weltwirtschaft ausgewirkt hat.

-- Die Freigabe des Wechselkurses des Franc und die durch die Erhöhung
des Erdölpreises herbeigeführte Situation beweisen, wie wichtig es ist, daß
alles für eine baldige Reform des internationalen Währungssystems getan
wird.
•H+

�' amerika dienst
^

United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Hintergrundmaterial

Postfach 300

T e I e x : 08 - 8 5 4 3 2

2/1974
HOFFNUNG AUF ENERGIEKONFERENZ VON WASHINGTON
- Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je Von G. Weiss

--(AD)-- Mehr und bessere internationale Zusammenarbeit bei der Einsparung
von Energie, in der Energieforschung, der Preispolitik, der Ölexploration
und der Währungspolitik erhofft die amerikanische Regierung von der Konferenz, zu der Präsident Nixon die wichtigsten Ölverbraucherländer für den
11. Februar 1974 nach Washington eingeladen hat. Systematische Zusammenarbeit
und Koordination von Maßnahmen, die die Energiekrise überwinden helfen sollen,
ist aber keineswegs nur für die hochindustrialisierten Staaten von Bedeutung.
Für die Entwicklungsländer, die selbst über wenig oder kein Öl verfügen,
werden sie sogar lebenswichtig sein.

Die Welt muß sich darüber klar werden, daß die Situation nach dem
23. Dezember 1973, der Teheran-Konferenz der ölproduzierenden Länder aus dem
Gebiet des Persischen Golfes, nicht mehr die gleiche ist wie zuvor. Schah
Mohammed Reza Pahlevi forderte damals die Industrieländer auf, neue Energie-

-1-

�Energiequellen zu suchen, denn "die Ära ihres gewaltigen Fortschritt auf
der Basis ... billiger Energie ist zu Ende".

Darauf gilt es sich auf weite Sicht einzustellen, auch wenn hier und
dort Tagesereignisse die Lage vielleicht in etwas rosigerem Licht erscheinen
lassen. Vor einer Energiekrise, die nicht zuletzt eine Folge unvorstellbarer
Bedarfssteigerung in den letzten 15 Jahren und gleichzeitig bedenkenloser,
ja verschwenderischen Konsums ist, wurde von Kennern der politischen und
wirtschaftlichen bezw. entwicklungstechnischen Lage in Förder» wie Verbraucherländern lange genug gewarnt. Jetzt ist es erforderlich, ein internationales Konzept für die Energiepolitik zu finden, das sowohl die Interessen der
Industriestaaten als auch der Entwicklungsländer und der ölproduzierenden
Staaten berücksichtigt. Blockbildungen, gleich welcher Interessengruppen, würden nur in eine Sackgasse führen und für die Zukunft außerordentlich gefährlich sein.

Der amerikanischen Regierung ist daran gelegen, der Tendenz zur "Kartell"-Bildung entgegenzuwirken. Denn die Zeit drängt, in Forschung und Entwicklung, Industrie und Wirtschaft - einschließlich des Arbeitsmarktes- die
notwendige Schwerpunktverlagerung für eine Umstellung auf Energiequellen
vorzunehmen, die gleichwertig neben dem Öl rangieren und in bezug auf Rohstoffversorgung weniger störanfällig und manipulierbar sind.

Der Bedarf an Energie wird weiter rapide ansteigen. Deshalb sollte eine
weitsichtige Planung z.B. auch die Voraussetzungen dafür schaffen, daß

�daß Doppelgleisigkeit bei Neuentwicklungen vermieden und eine vernünftige
Arbeitsteilung angestrebt wird.

- Einsparungen als wirksame Sofortmaßnahme -

Die Erfahrungen der USA seit dem Herbst 1973 haben gezeigt, daß Sparmaßnahmen, die sowohl von den Behörden verordnet als auch auf freiwilliger
Basis durchgeführt wurden, kurzfristig zur Entspannung der schwierigen Energieversorgungslage beitragen können. In seiner jüngsten Energiebotschaft an
den US-Kongreß verweist Präsident Nixon darauf, daß im Dezember 1973 der Verbrauch an Benzin 9 Prozent niedriger war als erwartet. In den Neuenglandstaaten z.B. wurden 16 Prozent weniger Heizöl als im Vorjahr verbraucht. Berichten der Versorgungsunternehmen zufolge ging im ganzen Land der Verbrauch
an Erdgas um 6 Prozent, an Strom um 10 Prozent gegenüber dem Vorjahr zurück.
Allerdings spielte dabei die günstige Witterung eine nicht unerhebliche Rolle.
Die Einsparungsvorschriften für die Bundesbehörden brachten im dritten Quartal
1973 einen im Vergleich zu den Vorausberechnungen um 20 Prozent niedrigeren
Gesamtverbrauch.

Dennoch wird das Defizit an Öl im ersten Quartal 1974 mit ca. 2,7 Millionen Barrel pro Tag (1 Barrel • 159 Liter), für den Rest des Jahres mit 3 Millionen Barrel pro Tag angenommen. 1973 bezogen die USA 35 Prozent ihres Öls und
ihrer Mineralölprodukte aus dem Ausland. Würde die Tendenz wie vor Beginn des
Ölembargos anhalten, so müßte 1980 fast die Hälfte der zur Bedarfsdeckung benötigten Mengen importiert werden. Schon angesichts der inzwischen eingetre-

�eingetretenen Preisentwicklung und den daraus sich ergebenden Gefahren für
die Handelsbilanzen müßte dies, so Präsident Nixon, zu untragbaren Verhältnissen führen. Um das Land so weit wie nur irgend möglich von Fremdenergie
unabhängig zu machen, sollen jetzt die einheimischen Vorkommen an Öl und Kohle
maximal verwertet, die Anwendung von Kernenergie ausgeweitet und neue, "unkonventionelle" Quellen wie Erdwärme, Sonnen-und Windkraft, vielleicht auch
die Energie chemischer Reaktionen für die technische Nutzung erschlossen werden.

- 1,8 Milliarden Dollar für die Forschung -

Die Erfüllung dieser Forderung setzt jedoch erhebliche Anstrengungen von
Forschung und Entwicklung voraus. Ca. 1,8 Milliarden Dollar sind allein im
Haushaltsjahr 1974/75 dafür vorgesehen und werden u.a. verteilt auf
Kerntechnik und Forschung, incl. Brutreaktorentwicklung

725 Millionen

Vergasung und Verflüssigung von Kohle, Verbesserung der
Fördertechniken und Rekultivierungsmaßnahmen

427 Millionen

wirtschaftlich tragbarer Umweltschutz in bezug auf Energiewirtschaft, insbesondere Ausfiltern von Schwefeldioxid

179 Millionen

Kernfusion

169 Millionen

rationellere Energieverwendung

116 Millionen

Sonnenenergie

50 Millionen

geothemische Energie

45 Millionen

bessere Nutzung von Erdöl-und Erdgasquellen, Lagerstättenforschung, Erschließung von Ölschiefervorkommen

42 Millionen.
Die

-4-

�Die Aufstellung zeigt deutlich, wo in der nächsten Zukunft die Schwerpunkte liegen werden, um - nach heutiger Sicht - zu einer zufriedenstellenden mittel-und langfristigen Energiepolitik zu kommen. Sie läßt gleichzeitig
erkennen, auf wie vielen Gebieten eine internationale Zusammenarbeit vor
allem unter den in Forschung und Technik führenden Ländern möglich wäre.
Amerikanische Experten verweisen darauf, daß in den USA der Zuwachs des
Energiebedarfs noch ein gutes Jahrzehnt lang weitgehend durch Öl - oder,
besser gesagt,die zahlreichen Erdölprodukte - gedeckt werden müsse. Denn erst
Mitte der achtziger Jahre dürften andere Energieträger wie Kernenergie das
erforderliche Wachstumspotential aufweisen, um die Versorgung merklich zu
entlasten. Gegenwärtig tragen die 37 Atomkraftwerke der Vereinigten Staaten
ca. fünf Prozent zur Stromerzeugung bei. Im Verlauf des Jahres 1974 sollen
weitere 21 Kernkraftwerke an das Versorgungsnetz angeschlossen werden. Man
schätzt, daß im Jahre 1987 ein Viertel des in den USA verbrauchten Stromes
aus Atomkraftwerken kommen wird.

- Energiesituation in den letzten zwei Jahrzehnten -

In den Vereinigten Staaten begann Anfang der fünfziger Jahre das Öl
die Kohle als primäre Energiequelle zu verdrängen. Bis 1972 war der Ölverbrauch auf 16,3 Millionen
gestiegen,

Barrel pro Tag (Kraftstoff: 6,7 Millionen Barrel/Ta

was 46 Prozent des Gesamtkonsums an Energie ausmachte. Der

Höhepunkt der Ölexploration in den USA wurde aber bereits 1956 erreicht. Im

�Im Jahre 1972 betrug die Zahl der Versuchsbohrungen nur noch 40 Prozent der
von 1956. Der Industrie fehlte der wirtschaftliche Anreiz, sich stärker um
die Neuerschließung einheimischer Quellen zu bemühen. Auch war dies technisch
sehr viel schwieriger geworden. Man mußte in immer größere Tiefen gehen und
außerdem strenge Umweltschutz-Vorschriften beachten, was zum Bau neuer Raffinerien auf amerikanischem Territorium nicht ermutigte.

Das Desinteresse der Industrie in den sechziger Jahren ist auch insofern
verständlich, als der Rohölpreis ab Pumpstation bei ständig steigendem allgemeinem Preisindex relativ stabil blieb, was schließlich

einem Absacken

der Rohölpreise gleichkam. Gegenwärtig liegen die Investitionen für eine neue
Quelle auf dem Festland bei ca. 100 000 Dollars im Schelfgebiet vor den Küsten
bei mehr als 500 000 Dollar, und in Alaska sind sogar Beträge bis zu zwei
Millionen Dollar keine Seltenheit. Dort aber werden mehr als 40 Prozent der
amerikanischen Reserven an Erdöl und Erdgas vermutet. In den nächsten Jahren
ist der Bau von Fernleitungen für den Transport von Öl und Gas aus Alaska vorgesehen. Gleichzeitig soll die Raffineriekapazität im Inland, die am 1. Januar 1973 bei 13,4 Millionen Barrel pro Tag lag (sie wurde z.B.1972 um 2,2 Prozent ausgeweitet - gegenüber einem Anstieg des Inlandsbedarfs an Mineralölprodukten um 6 Prozent im gleichen Zeitraum) erheblich vergrößert werden.

Bei Erdgas, das derzeit 32 Prozent des amerikanischen Energiebedarfs
deckt, besteht seit 1967 ein Defizit zwischen der Auffindung neuer Vorkommen
(Alaska ist hier nicht berücksichtigt) und der Inanspruchnahme der erschlossenen Quellen. Die Billigpreispolitik der Regierung und der besondere Vorteil

-6-

�Vorteil des Erdgases, ein "sauberer" und damit umweltfreundlicher Brennstoff
zu sein, führten dazu, daß zwischen 1966 und 1973 der Jahresverbrauch von
473 Milliarden auf 694 Milliarden Kubikmeter anstieg. Im-gleichen Zeitraum
gingen aber die nachgewiesenen Reserven um 21 Prozent zurück.

Kohle macht 89 Prozent der gesamten amerikanischen Reserven an fossilen
Brennstoffen aus, trug aber beispielsweise im Jahre 1972 nur zu 17 Prozent
zur Deckung des Gesamtenergiebedarfs der USA bei. Leider ist diese relativ
billige einheimische Energiequelle, von deren Gesamtvorräten wahrscheinlich
erst 10 Prozent sicher erkundet sind, auch die Ursache schwieriger Umweltprobleme. Denn ein Teil der bisher erschlossenen Kohlevorkommen, vor allem
in den Oststaaten der USA, enthält bis zu fünf Prozent Schwefel. Die Bestrebungen der Forschung gehen u.a. dahin, ca. 90 Prozent der schädlichen Gase
wie Schwefeldioxid zu eliminieren. Aber noch keines der technisch möglichen
Verfahren hat sich bisher als wirtschaftlich vertretbar erwiesen.

Verschärfte Vorschriften über Umweltschutz, Erhöhung der Grubensicherheit
und Gesundheitsschutz für die Bergleute sind mit daran beteiligt, daß die
Kohle gegenwärtig nicht die ihr eigentlich zukommende prominente Rolle spielt.
Die Produktivität im Bergbau ging innerhalb von drei Jahren (1969-1972) von
19,9 auf 17,5 Tonnen pro Mann und Tag zurück. Jetzt soll jedoch alles unternommen werden, um die seit 1970 rückläufige Förderung von Stein-und Braunkohle (1972: ca. 542 Millionen Tonnen; Januar bis Oktober 1973: ca. 445 Millionen
Tonnen) erheblich zu steigern. Die Sollzahl für 1980 wurde auf 740 Millionen

-7-

�Millionen Tonnen Kohle vorausberechnet, was 9,1 Millionen Barrel Öl pro
Tag entspräche. Etwa zwei Drittel davon dürften von den Energieversorgungsunternehmen verbraucht werden. Um dies aber zu erreichen, bedarf es neuer
Investitionen in der Größenordnung von vielen Milliarden Dollar.

-8-

�</text>
                </elementText>
              </elementTextContainer>
            </element>
          </elementContainer>
        </elementSet>
      </elementSetContainer>
    </file>
  </fileContainer>
  <collection collectionId="4">
    <elementSetContainer>
      <elementSet elementSetId="1">
        <name>Dublin Core</name>
        <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
        <elementContainer>
          <element elementId="50">
            <name>Title</name>
            <description>A name given to the resource</description>
            <elementTextContainer>
              <elementText elementTextId="6534">
                <text>Dokumente</text>
              </elementText>
            </elementTextContainer>
          </element>
        </elementContainer>
      </elementSet>
    </elementSetContainer>
  </collection>
  <itemType itemTypeId="19">
    <name>Digitalisat</name>
    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
  </itemType>
  <elementSetContainer>
    <elementSet elementSetId="1">
      <name>Dublin Core</name>
      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
      <elementContainer>
        <element elementId="40">
          <name>Date</name>
          <description>A point or period of time associated with an event in the lifecycle of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7794">
              <text>30.01.1974</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="51">
          <name>Type</name>
          <description>The nature or genre of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7795">
              <text>Digitalisat</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="39">
          <name>Creator</name>
          <description>An entity primarily responsible for making the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="7796">
              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="50">
          <name>Title</name>
          <description>A name given to the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14388">
              <text>Amerikadienst 30.01.1974</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
        <element elementId="41">
          <name>Description</name>
          <description>An account of the resource</description>
          <elementTextContainer>
            <elementText elementTextId="14389">
              <text>&lt;strong&gt;1. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA heben Kapitalverkehrskontrollen auf&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der amtlichen Erklärungen -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Shultz begrüßt Aufhebung der Kapitalverkehrskontrollen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Ölpreise erschüttern das Gefüge der Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Hoffnung auf Energiekonferenz von Washington&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Zusammenarbeit wichtiger denn je -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;</text>
            </elementText>
          </elementTextContainer>
        </element>
      </elementContainer>
    </elementSet>
  </elementSetContainer>
</item>
