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Dokumentation

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12. Dezember 1973

Inhalt
INFORMATION:
NATO-Minister bekräftigen Solidarität im Bündnis
- Kissinger stellt atlantische Einheit an erste Stelle
Von Marie König
Energiepolitik wird zentralisiert
- USA errichten "Bundesamt für Energie11-

WIRTSCHAFT:
Burns sieht fundamentale Verbesserung der Zahlungsbilanz
- Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Öl aus Sedimentgestein
- US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie
Von G. Weiss

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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47/1973

NATO-MINISTER BEKRÄFTIGEN SOLIDARITÄT IM BÜNDNIS
- Kissinger stellt atlantische Einheit an erste Stelle -

Von Marie König

BRÜSSEL —(AD) -- Die Ministertagung des Nordatlantikrates am 10. und 11.
Dezember in Brüssel, die zunächst im Zeichen einer gewissen europäisch-amerikanischen Konfrontation zu stehen schien, endete mit einer Bekräftigung der
Solidarität im Bündnis und, wie es NATO»Generalsekretär Joseph Luns ausdrückte, in einer "sehr positiven Stimmung". Wie aus dem Schlußkommunique
hervorgeht, sind die Minister über die Entwicklung der Ost-West-Kontakte
ermutigt, aber sie sind sich ebenso darüber im klaren, daß das Bündnis seine
Verteidigungs-und Abschreckungskapazität aufrechterhalten muß. Das Maß der
Übereinstimmung geht nicht zuletzt daraus hervor, daß sich die Minister nach
Mitteilung von Generalsekretär Luns in weniger als einer Stunde auf das Kommunique geeinigt haben, was nach seinen Worten einen "absoluten Rekord" darstellt.
Der amerikanische Außenminister, Dr. Henry Kissinger, hat in seiner mit
Spannung erwarteten Jungfernrede auf der Ministertagung seinen europäischen
Kollegen erklärt, daß Meinungsverschiedenheiten mit ihnen durchaus zu bewälti-

-1-

�bewältigen seien und daß die transatlantische Einheit der Eckpfeiler der
amerikanischen Außenpolitik ist und bleibt. Wie aus amtlichen amerikanischen
Kreisen verlautet, war die etwa halbstündige Rede Kissingers hinter verschlossenen Türen sehr sorgfältig formuliert und auf einen Ausgleich der
Meinungsverschiedenheiten ausgerichtet, die vor allem im Zusammenhang mit
dem Konflikt im Nahen Osten aufgetreten waren. Kissinger sprach sich vor
allem nachdrücklich für eine noch intensivere Konsultation zwischen den USA
und Westeuropa aus.
Der amerikanische Außenminister stellte, wie verlautet, das Bündnis vor
eine Reihe entscheidend wichtige Fragen, darunter vor allem die, ob die 15
Nationen in der heutigen Welt verbündet bleiben können oder letztlich Konkurrenten werden müssen. Kissinger betonte, daß nach amerikanischer Auffassung die europäische Einheit und die transatlantische Einheit keineswegs unvereinbar seien und Washington von Anfang an die Entwicklung zur europäischen
Einheit gefördert habe.
Diesen Standpunkt unterstrich Kissinger auch auf einer Pressekonferenz
im Anschluß an die NATO-Konferenz, und die kurze anschließende Zusammenkunft
der EG-Außenminister mit ihrem amerikanischen Kollegen lassen erkennen, daß
der Prozeß der intensiveren Konsultation bereits in Gang gekommen ist. Auf
seiner Pressekonferenz zeigte der amerikanische Außenminister Verständnis für
die Empfindungen der europäischen Verbündeten und betonte, diese dürften
nicht den Eindruck gewinnen, zu Objekten der Politik geworden zu sein. "Daher", so sagte er wörtlich, "herrschte bei den Erörterungen allgemeine Übereinstimmung, daß der Prozeß der Konsultation innerhalb des Bündnisses, vor
allem unter diesen Umständen, gestärkt werden muß* Die Vereinigten Staaten
haben ihre Bereitschaft zum Ausdruck gebracht, dies zu tun und spezifische
Vorschläge gemacht, wie dies zu erreichen ist."

In

�In seiner Rede vor dem Ministerrat hat Kissinger nach Angaben amtlicher
Kreise betont, daß die Vereinigten Staaten alle Anstrengungen machen werden,
um die kooperativen Beziehungen zu Europa zu fördern und eine Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen zu entwickeln. Kissinger hat sich dabei aufgeschlossen gezeigt und erklärt, daß er Vorschläge seiner NATO-Kollegen begrüßen würde.
Daß Kissinger auf eine Fortsetzung der Arbeit an den von ihm vorgeschlagenen gemeinsamen Grundsatzdeklarationen drängte, ist nicht verwunderlich.
Der amerikanische Außenminister hat, wie verlautet, die Hoffnung ausgesprochen, daß die europäischen Verbündeten hier neue Impulse einbringen werden.
Dabei kam es ihm nicht so sehr auf den Inhalt solcher Deklarationen, sondern
mehr auf den Geist an, in dem diese abgefaßt werden.
Was die Frage der Konsultationen anbetrifft, so schlug er unter anderem
vor, daß in diesen Prozeß in den Intervallen zwischen den Ministertagungen
die Ebene der politischen Direktoren oder anderer höherer Regierungsvertre cer
eingeschaltet

w.rdon solle. Gerade auf dem Gebiet der Verbesserung der Kon-»

sultationsverfahren dürfte die Ministertagung in Brüssel echte Fortschritte
gebracht haben.
Der amerikanische Außenminister hat, wie verlautet, bei allen Hinweisen
auf eine fortschreitende Entspannung die wachsende militärische Bedrohung
durch die Sowjets keineswegs außer acht gelassen und betont, daß das Bündnis
seine Verteidigungsbereitschaft aufrechterhalten müsse. Aber Kissinger wies
auch darauf hin, daß per Saldo die Probleme in der Welt außerhalb des NATOBereiches so groß seien, daß die Probleme unter den Verbündeten durchaus lösbar erschienen.

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47/1973

ENERGIEPOLITIK WIRD ZENTRALISIERT
&lt;= USA errichten "Bundesamt für Energie" -

--(AD)— Die Anfang Dezember 1973 durch Präsidialerlaß geschaffene neue
Bundesorganisation für Energiefragen soll, sobald der amerikanische Kongreß
die gesetzlichen Voraussetzungen geschaffen hat, zu einem "Bundesamt für
Energie" (Federal Energy Administration - FEA) erweitert werden. An die
Spitze dieser Organisation, in der die meisten mit Energiefragen befaßten
Bundesbehörden vereinigt werden, berief Präsident Nixon William E. Simon,
den stellvertretenden Finanzminister der Vereinigten Staaten. Simon (46)
ist bekannt dafür, auch die schwierigsten Probleme tatkräftig anzupacken
und keine Zeit zu vergeuden. Das bewies er in seiner bisherigen Funktion
im US-Finanzministerium, die er vorläufig beibehalten wird, und als Vorsitzender des interministeriellen Ausschusses für Ölpolitik, der alle die
Mineralölindustrie betreffenden regierungsamtlichen Maßnahmen koordiniert.
Simons erste wichtige Aufgabe wird es sein, den Aufbau und die Funktionsfähigkeit des neuen Bundesamtes für Energie vorzubereiten. Er äußerte
sich dazu in einer Erklärung vom 4. Dezember, die im folgenden auszugsweise
wiedergegeben wird:
"Traditionsgemäß

-1-

�"Traditionsgemäß gilt Energiepolitik in eng gefaßter Definition als eine
Angelegenheit der nationalen Sicherheit. Ich sehe darin jedoch weitaus mehr.
Unsere Sicherheit basiert auf unserem wirtschaftlichem Wohlergehen, und das
wiederum gründet sich in bemerkenswertem Umfang auf eine ausreichende Energieversorgung zu vernünftigen Kosten. Unter diesem Aspekt steht Energiepolitik
in direkter Beziehung zu den wirtschaftlichen Verhältnissen und ist eine
Voraussetzung für das Verständnis der Funktionen unserer Wirtschaft...
Die Vereinigten Staaten, deren Bevölkerung sechs Prozent der Weltbevölkerung ausmacht, verbrauchen ein Drittel der auf der Erde produzierten Energie. Der Energiebedarf der USA nimmt jährlich um etwa vier Prozent zu; im
Jahre 1990 dürfte er doppelt so groß sein wie 1973. Ein großer Teil davon entfällt auf Öl, schon allein deshalb, weil sich das Schwergewicht von Kohle auf
Öl verlagert hat und weil Erdgas, ebenfalls ein wichtiger Energieträger,
nicht in den benötigten Mengen verfügbar ist. Der einheimische Bedarf an Erdöl stieg von 15,1 Millionen Barrel pro Tag im Jahre 1971 auf 18 Millionen im
Jahre 1973. Er wird 1975 bei etwa 21 Millionen und 1980 bei 25 Millionen Barrel pro Tag liegen. Gegenwärtig machen Erdöl und Erdgas zusammen etwa 65 Prozent der Energierohstoffe für den Weltverbrauch, aber 78 Prozent für den Verbrauch in den Vereinigten Staaten aus.
Die Produktionsausweitung der amerikanischen Mineralölindustrie hat mit
dem steigenden Bedarf nicht Schritt gehalten. Im Jahre 1972 war sogar eine
leicht rückläufige Tendenz zu verzeichnen - die Raffineriekapazität ging um
11 000 Barrel pro Tag zurück. Die Expansion dieses Industriezweiges war aus
verschiedenen Gründen, u.a. früheren Beschränkungen der Ölimporte, Vorteilen
wirtschaftlicher und steuertechnischer Art bei Investitionen im Ausland, erschwerter Standortwahl für neue Raffinerien in den USA wegen der verschärften
Umweltschutzbedingungen, nahezu zum Stillstand gekommen.
Als

�Als Folge der Gesamtentwicklung und des verstärkten Bedarfs in den USA
gingen dann jedoch die Ölimporte sprunghaft in die Höhe. Ein großer Teil davon kam aus dem Mittleren Osten. Heute schätzt man, daß die Einfuhren an ausländischem Öl von 27 Prozent des Gesamtverbrauchs in den USA im Jahre 1972
auf 33 Prozent im Jahre 1973 und auf mehr als 50 Prozent im Jahre 1980 anstei^
gen werden. Aus diesem Grunde kann uns ein Boykott der arabischen Länder zu
schaffen machen. Aber wir sollten hier auf einige Fakten der gegenwärtigen
Verknappung kurz zu sprechen kommen:
1) Ungefähr 85 Prozent der in den Vereinigten Staaten verbrauchten Energie ist aus einheimischen Quellen verfügbar.
2) Etwa die Hälfte des amerikanischen Energierohstoffbedarfs entfällt
auf Öl.
3) Im vierten Quartal 1973 dürfte durch den arabischen Boykott eine Versorgungslücke von 7,5 Prozent bei der Deckung des Ölbedarfs in den USA entstehen, die sich im ersten Quartal 1974, auf 17,3 Prozent ausweiten könnte.
Da rechtzeitig Einsparungsmaßnahmen und andere Schritte unternommen werden, gibt diese Größenordnung keinen Grund, mutlos zu werden. Ich bin mir
allerdings bewußt, daß sich die Verknappung innerhalb der Wirtschaft unterschiedlich auswirken wird... Aufgrund der Ergebnisse unserer Untersuchungen
zur Einsparung von Benzin, Heizöl und Strom würden die jetzt getroffenen Maßnahmen das Defizit zum großen Teil ausgleichen. Allerdings ist die Zeit der
Vergeudung von Energie vorbei. Unser Land muß jetzt zwischen der Bequemlich»
keit und der Erhaltung von Arbeitsplätzen wählen...
Mit Verlagerungen der Wirtschaftsaktivität in begrenztem Umfang könnten
wir 3 Millionen Barrels pro Tag einsparen... Deshalb akzeptiere ich düstere
Voraussagen nicht, denen zufolge die Industrie die ganze Last des Energie-

-3

�1
*

Energiemangels zu tragen habe. Fraglos werden verschiedene Industriebranchen
ihre Energienutzung verbessern müssen. Unsere Aktionen zum Einsparen von Energie werden sich jedoch in erster Linie an den Verbraucher wenden, so daß
die Produktion und die Beschäftigungslage in der Industrie am wenigsten betroffen wird.
Die Aktionen müssen sowohl kurzfristig als auch auf lange Sicht wirksam
sein. Zusätzlich zu den bereits eingeleiteten Schritten werden wir alles Notwendige veranlassen:
1) Der Benzinverbrauch muß-reduziert werden. Dies könnte durch das Zusammenwirken verschiedener Maßnahmen in der Form von Benzinpreiserhöhungen,
Erhebung von Steuern und Rationierung sowie freiwilligerund verfügter Einsparung erreicht werden.
2) Wir müssen den Energieverbrauch auf dem privaten und wirtschaftlichen Sektor reduzieren. Hier sind erhebliche Brennstoffeinsparungen ohne
Verluste an Arbeitsplätzen oder Produktionseinbußen möglich. Dies wird neben
einem Zuteilungsprogramm für privatenHeizungsbrennstoff gewisse Preiserhöhungen oder Steuern auf Erdgas und Strom erfordern.
3) Wir werden die Schwerpunkte der Raffinerieproduktion so verlagern,
daß mehr Heizöl und lebenswichtige petrochemische Rohstoffe verfügbar sind.
Preiserhöhungen sollen diesen Trend unterstützen.
4) Wir prüfen z.Zt. Pläne zur Treibstoffumstellung bei den Maschinen
der kommerziellen Fluglinien, was die Verfügbarkeit knapper Mineralöldestillate erhöhen würde.
5) Wir erweitern das Bewirtschaftungsprogramm...
6) Wir betreiben vordringlich die Umstellung von 26 Heizkraftwerken
von Öl auf Kohle.

11

-4-

�\
7) Wir dringen bei den Bundesstaaten darauf, die Höchstleistungsrate für
die Produktion heraufzusetzen.

Es ist äußerst wichtig, daß diese Sofortmaßnahmen mit unserer auf lange
Sicht berechneten Politik vereinbar sind. Wir wollen in der Energieversorgung vom Ausland unabhängig werden, was zweierlei Dinge erfordert: Wir müssen erstens die Wachstumsrate für unseren Energiebedarf reduzieren, und wir
müssen zweitens unser Angebot an Energie aus einheimischen Quellen erhöhen.
Dabei sind auch die Anforderungen an die Energieversorgung und die Anforderungen an den Umweltschutz miteinander in Einklang zu bringen. Wir dürfen jedoch die Erschließung unserer einheimischen Energiereserven nicht länger
hinausschieben. So werden wir beispielsweise auf die Erschließung der "Naval
Petroleum Reserve Number 4" (in Alaska), den Bau einer zweiten Alaska-Pipeline, den beschleunigten Bau von Atomkraftwerken und anderer Anlagen zur Produktion von Energie, einschließlich von Anlagen auf Kohlebasis, dringen...
Ich möchte an dieser Stelle die Bedeutung des heute vom Präsidenten geschaffenen Bundesamtes für Energie besonders hervorheben. Es wird uns den
notwendigen Rahmen für die zu treffenden Maßnahmen geben. Ein Hauptproblem
für die Behandlung von Energiefragen war stets die Tatsache, daß zu viele
Kompetenzen auf diesen Gebieten auf viele Regierungsbehörden verteilt waren.
Das Bundesamt für Energie wird alle diese Elemente in sich vereinigen und uns
so in die Lage versetzen, energiepolitische Maßnahmen schnell zu ergreifen.
Dabei geht es u. a. auch darum, die wirtschaftlichen Auswirkungen der Energieverknappung durch Sparmaßnahmen beim Verbraucher und bessere Ausnutzung der
Energie bei der Industrie auf ein Minimum zu beschränken, der jeweiligen
Situation elastisch zu begegnen und die aktive Mitarbeit von Kongreß, Bundesstaaten, Kommunalverwaltungen, Industrie und Verbraucherschaft zu gewinnen.
Ich will die gegenwärtige Situation keineswegs herunterspielen. Aber oft
genug schon hat sich eine Krise als Katalysator für neue Entwicklungen er-

-5-

�erwiesen - Entwicklungen, die uns eine ausreichende Versorgung mit sauberer
Energie bringen können. Diese brauchen wir dringend, wenn wir ein gesundes
wirtschaftliches Wachstum erhalten und die Qualität unseres nationalen Lebens verbessern wollen. Wir sehen uns zweifellos einer überaus wichtigen
Herausforderung auf dem Energiesektor gegenüber. Sie verlangt seitens der
Regierung Führungseigenschaften und Stärke für eine Politik, die gewährleistet, daß die Vereinigten Staaten nie wieder in die Lage kommen, zur
Deckung ihres eigenen Bedarfs auf Versorgung aus dem Ausland angewiesen zu
sein..."

+
- Hauptaufgaben der neuen Behörde -

Das neue "Bundesamt für Energie" ist innerhalb des Regierungsapparates
für die Formulierung und Durchführung der Programme verantwortlich, mit denen der Energiekrise begegnet werden soll:
Sie entwickelt und koordiniert innen-und außenpolitische Maßnahmen in
bezug auf Energierohstoffe.
Sie entwickelt und führt Programme wie Brennstoffzuteilung, Erhebung
von Zusatzabgaben und Rationierung durch, mit denen Versorgungslücken auf
dem Energiesektor bekämpft werden sollen.
Sie entwickelt Energie-Einsparungsprogramme auf der Basis freiwilliger
und behördlich angeordneter Maßnahmen und fördert eine bessere Nutzung der
Energiereserven.
Sie entwickelt und veröffentlicht Energiepreisregelungen. •
Sie

-6-

�Sie entwickelt und empfiehlt Impor t-und Exportmaßnahmen bei Energierohstoffen.
Sie erleichtert die Durchführung des vom Präsidenten eingeleiteten Programms zur Entwicklung der Kapazitäten, die für eine Selbstversorgung mit
Energie notwendig sind.
Sie sammelt, begutachtet und analysiert Informationen über Energiereserven, Produktion und Bedarf samt diesbezüglicher wirtschaftlicher Daten.
Sie arbeitet mit der Industrie, den einzelstaatlichen und kommunalen
Behörden und mit der Öffentlichkeit hinsichtlich des Energiereserven-Managements zusammen...

- SofoTrtmaßnahmen gegen die Energiekrise Generell wird die Regierung zur Beherrschung der gegenwärtigen Situation
Maßnahmen ergreifen, die die Auswirkungen der Energieverknappung auf die Wirtschaft verringern und Produktion und Beschäftigung so weit wie nur irgend
möglich erhalten.

- Größenordnung der Verknappung -

Nach vorliegenden Schätzungen beträgt der Fehlbestand,gemessen am vorausberechneten Bedarf, im letzten Quartal 1973 etwa 1,4 Millionen Barrels pro
Tag (d.h. etwa 7,5 Prozent) und im 1. Quartal 1974 etwa 3,5 Millionen Barrels/
Tag (17,3 Prozent). Als Folge einer Bedarfsreduzierung würde das Defizit im
2. Quartal 1974 auf weniger als 3 Millionen Barrels pro Tag zurückgehen.

-Eingeleitete

-7-

�- Eingeleitete Aktionen -

Düsentreibstoffe
Ab 7. Januar 1974 werden die Zuteilungen an die Fluggesellschaften
gegenüber ihrem Verbrauch im Jahre 1972 um 15 Prozent gekürzt.

Benzin
Am 25. November wurde die Entscheidung über die Einführung eines Benzin-Zuteilungsprogramms

bekanntgegeben. Die Zuteilung liegt in Überein-

stimmung mit den zu erwartenden ersten Schwerpunktverlagerungen der Raffinerie-Produktion zunächst 15 Prozent unter dem Bedarf, der für das erste
Quartal 1974 vorausberechnet wurde (10 Prozent unter dem Bedarf von 1972).
Die Benzinzuteilung kann weiter gekürzt werden, wenn die Raffinerien künftig weniger Benzin und dafür mehr andere Erdölprodukte herstellen.

Mittelschwere Destillate
Im "Federal Register" vom 27. November wurden die Vorschläge für Bestimmungen zur Rationierung mittelschwerer Destillate veröffentlicht. Sie
sehen vor, den Industrieverbrauch um 10 Prozent zu senken und die Thermostat-Einstellung für die Beheizung von Wohnungen um 6 Grad (Fahrenheit), von
Wirtschafts-und Gewerbebetrieben um 10 Grad (Fahrenheit) zu reduzieren, was
einer Energieeinsparung von 15 bezw. 25 Prozent entspricht.

Schweröl
Die Umstellung von Heizkraftwerken von Öl auf Kohle wird gegen Ende
des ersten Quartals 1974 täglich 200 000 Barrels einsparen helfen. Entsprechende Schritte sind eingeleitet.
-Angekündigte

�- Angekündigte Aktionen -

Der Benzinverkauf an Tankstellen wird von Samstag 2100 Uhr bis Sonntag
2400 Uhr untersagt.
Die Höchstgeschwindigkeit auf allen Straßen und Autobahnen des Landes
wird auf 55 Meilen pro Stunde (88,5 km/st) für Überlandbusse und schwere
Lastzüge, auf 50 Meilen (80 km/st) für Kraftwagen festgesetzt.
Leuchtreklamen und die Benutzung ähnlicher Beleuchtungsanlagen durch
kommerzielle Unternehmen werden untersagt.
Treibstoffe für Privatflugzeuge werden gekürzt.
Die Beleuchtung von Gebäuden zu Stimmungs-und Ausschmückungszwecken
wird untersagt.

- Neue Maßnahmen in Vorbereitung -

Umstellung der Raffinerie-Produktion von Benzin auf mittelschwere Destillate und Schweröl entweder durch Preisanreize auf dem Wege über Bestimmungen,
die der Lebenshaltungskosten-Rat erläßt, oder durch regierungsamtliche Verfügungen, sobald die Ermächtigung dazu vorliegt;
Zuteilungsprogramme für Rohöl, schweres Heizöl und andere Erdölprodukte, wie im Energiesicherungsgesetz von 1973 ausgeführt;
System von Bezugsscheinen, Preiserhöhungen, Steuern oder eine Kombination
dieser drei Faktoren,um den Benzinverbrauch auf die geringeren verfügbaren
Mengen abzustimmen;
Umstellung der kommerziellen Passagierflugzeuge von Kerosin-Düsentreibstoff auf Naphtha-Kohlenwasserstoffe.
Preiszuschläge auf Erdgas und Strom, um übermäßigen Verbrauch zu verhindern.
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47/1973
BURNS SIEHT FUNDAMENTALE VERBESSERUNG DER ZAHLUNGSBILANZ
-Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten.

WASHINGTON -.(AD)— Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve System
(US-Bundesbank), Dr. Arthur F. Burns, hat in einer Erklärung vor einem Kongreßunterausschuß; li'ne "fundamentale Verbesserung" der Zahlungsbilanz der
Vereinigten Staaten festgestellt, die sich von Monat zu Monat verstärkt und
zur Höherbewertung des Dollar auf dem internationalen Devisenmarkt beigetragen habe.
In seiner Erklärung vor dem Unterausschuß für Internationale Finanzen
des Banken-und Währungsausschusses des Repräsentantenhauses am 5. Dezember
hob Dr. Burns folgende Punkte heraus:
- Die amerikanischen Exporte sind im Jahre 1973 außerordentlich rasch
angestiegen; in derzeitiger Kaufkraft lagen die Exporte im dritten Quartal
um 47 Prozent über dem Vergleichszeitraum des Vorjahres und preisbereinigt
um 23 Prozent höher.
- Die Agrarexporte der USA stiegen von einer Jahresrate von 9,5 Milliarden Dollar im dritten Quartal 1972 auf rund 19 Milliarden Dollar im dritten
Quartal 1973.
-Die

-1-

�r
t
m Die amerikanische Handelsbilanz veränderte sich von einem Defizit vcn
fast 7 Milliarden Dollar im Jahre 1972 zu einem Überschuß von 3 Milliarden
Dollar im dritten Quartal 1973 (auf Jahresbasis umgerechnet). Die USA rechnen daher für 1973 mit einem Handelsüberschuß.
Die wichtigsten Auszüge aus der Erklärung von Burns haben folgenden
Wortlaut:
"In den letzten Wochen ist der Dollar im Verhältnis zu den großen europäischen Währungen und dem japanischen Yen stärker geworden. Die Position des
Dollar gegenüber dem Yen wäre sogar noch stärker gewesen, wenn die Bank von
Japan nicht durch große Dollarverkäufe auf dem Markt interveniert hätte. Ende
November war der Durchschnittspreis des Dollar... in zehn wichtigen Währungen... auf den Stand zurückgekehrt, wie er zwischen Mitte März und Mitte Mai
gegolten hatte. Mit anderen Worten, er lag wieder etwa 20 Prozent über den
Kursen, wie sie im Frühjahr 1970 vorherrschten - oder anders ausgedrückt etwas über dem Stand der Woche, die auf die Abwertung am 12. Februar folgte.
I
Manche Marktbeobachter haben hier die Auswirkung der Ölrestriktionen
der arabischen Länder als einen Faktor angesehen, der zu diesen Entwicklungen
in den letzten Wochen beigetragen habe. Andere haben auf die stabilisierenden
Auswirkungen der amtlichen Interventionen durch die amerikanische Bundesbank
und andere Währungsbehörden hingewiesen. Nach meiner Auffassung besteht jedoch
kein Zweifel daran, daß der wesentliche Faktor

die entscheidende Wende in

der amerikanischen Zahlungsbilanz gewesen ist. Mit jedem neuen Monat haben
sich neue Beweise dieser fundamentalen Verbesserung unserer Zahlungsbilanzposition akkumuliert.
Unsere Exporte sind in diesem Jahr mit einer außerordentlichen Rate gestiegen. Gemessen in derzeitiger Kaufkraft lagen die Exporte im dritten Quartal (1973)um 47 Prozent über dem Stand im dritten Quartal 1972. Ein Großteil
dieses Zuwachses muß steigenden Preisen zugeschrieben werden. Aber selbst

-2-

�s
I

selbst preisbereinigt stiegen die Exporte in diesem Zeitraum um 23 Prozent.
Der starke Zuwachs unserer Agrarexporte - von einer Jahresrate von 9,5 Milliarden Dollar im dritten Quartal 1972 auf etwa 19 Milliarden Dollar im dritten Quartal dieses Jahres - hat starke Beachtung in der Öffentlichkeit gefunden. Dabei wird oft außer acht gelassen, daß die nicht-landwirtschaftlichen Exporte, die etwa drei Viertel unserer Gesaratexporte ausmachen, ebenfalls außerordentlich rasch angestiegen sind.
Daß sich die Exporte so stark entwickelt haben, ist zum Teil den schlechten Ernten in anderen Ländern im vergangenen Jahr und dem gegenwärtigen weltweiten industriellen Boom zuzuschreiben. Die Verbesserung spiegelt jedoch auch
eine geringere Inflationsrate in den Vereinigten Staaten als in anderen Industrieländern wider, und was noch viel wichtiger ist, die geballten Auswirkungen der Abwertung des Dollar seit 1971.
Die Veränderungen unserer internationalen Wettbewerbsfähigkeit als Ergebnis der Abwertung des Dollar haben ihre Auswirkung sowohl auf unsere Importe als auch auf unsere Exporte. Preisbereinigt gingen unsere Importe zwischen dem ersten und dem dritten Quartal dieses Jahres trotz der starken
einheimischen Nachfrage de facto zurück. Der Wert der Importe stieg zwar in
dieser Zeitspanne mit einer Jahresrate von 14 Prozent, jedoch lediglich aufgrund des Preisanstiegs in Dollar.
Als Ergebnis dieser Entwicklungen hat sich die Handelsbilanz von einem
Defizit von fast sieben Milliarden Dollar im Jahre 1972 auf einen Überschuß
von einer Jahresrate von drei Milliarden Dollar im dritten Quartal dieses Jahres verändert. Die Handelsbilanz blieb auch im Oktober mit einer beträchtlichen Rate im Überschuß. Es ist daher jetzt wahrscheinlich, daß die Vereinigten Staaten für 1973 insgesamt einen, wenn auch vielleicht bescheidenen, Handelsüberschuß aufweisen werden.
Der

-3-

�Die Bilanz der langfristigen internationalen Privatkapitalbewegungen
hat sich in diesem Jahr ebenfalls zu unseren Gunsten entwickelt. Die Kapitalabflüsse haben sich seit dem ersten Quartal abgeschwächt und sind nach
Schätzungen im dritten Quartal weiterhin stark zurückgegangen. Vor dem jüngsten Kursrückgang an den Börsen hat das erneute Vertrauen in den Dollar dazu
beigetragen, die Käufe amerikanischer Wertpapiere durch das Ausland anzuregen. Auch die ausländischen Direktinvestitionen in unserem Lande sind in diesem Jahr beträchtlich gewesen. Diese Entwicklungen spiegeln neben anderen Faktoren die erhöhte Gewinnträchtigkeit der Produktion internatiol gehandelter
Güter in den Vereinigten Staaten im Verhältnis zur Produktion in anderen Ländern wider.
Die Grundbilanz - d.h. die Summe aller gegenwärtigen internationalen
Transaktionen und langfristigen Kapitalbewegungen - hat sich das ganze Jahr
über verstärkt. Die Verbesserung im dritten Quartal war so dramatisch, daß
sie einen großen Überschuß herbeigeführt hat - den ersten vierteljährlichen
Überschuß, den wir seit 1969 erlebten. Auch die Nettobewegungen kurzfristigen
Kapitals sind seit dem ersten Quartal für die Vereinigten Staaten günstig verlaufen.Als Ergebnis wies die Bilanz auf der Basis offizieller Transaktionen
während des zweiten und des dritten Quartals einen tatsächlichen Überschuß auf
Vorläufige Angaben für Oktober und November lassen darauf schließen, daß sich
der Überschuß auch im gegenwärtigen Quartal fortgesetzt hat.
Die kurzfristigen Aussichten für die Zahlungsbilanz sind jedoch durch
die jüngsten Entwicklungen auf dem Ölsektor etwas unsicherer geworden. Die
Preise unserer Ölimporte sind spektakulär von einem Durchschnitt von 2,75 Dollar pro Barrel im ersten Quartal 1973 auf gegenwärtig über fünf Dollar angestiegen. Der Boykott der arabischen Produzenten hat unsere Brdölimporte zu
verringern begonnen und würde, wenn fortgesetzt, unsere Importe im nächsten
Jahr um etwa drei Millionen Barrel pro Tag unter die Menge senken, mit deren
Verfügbarkeit gerechnet worden ist. Aber selbst dann würden angesichts des

-4-

�r
des jüngsten starken Preisanstiegs unsere Zahlungen für Öl Importe im Jahre
1974 wahrscheinlich den Rahmen der acht Milliarden Dollar wesentlich übersteigen, die wir im Jahre 1973 aufgewandt haben» Wenn natürlich der Öiwelthandel
bei diesen astronomischen Preisen wieder in normalere Bahnen zurückkehren sollte, dann würden unsere Ölimportkosten noch gewaltiger ansteigen. Die Nettoauswirkung auf unsere Gesamtzahlungsbilanz wäre jedoch wesentlich geringer,
ja könnte sogar günstig sein, da ein Großteil der erhöhten Aufwendungen für
Öl durch die Vereinigten Staaten und andere Länder direkt oder indirekt ihren
Weg zurück in unser Land finden würde, und zwar in Form erhöhter Exporte oder
Kapitalzuflüsse oder erhöhter Einkommen.
Welche Auswirkungen die Knappheit jedoch auf unsere Handels-und Zahlungsbilanz auch haben mag, eine unmittelbarere Sorge ist die Auswirkung auf Produktion und Beschäftigung in unserem Lande...
Im besten Fall wird ein ausgedehntes Embargo arabischer Öllieferungen
i

nach den Vereinigten Staaten im kommenden Jahr zu einigen wirtschaftlichen
Verzerrungen führen. Die Nachfrage nach neuen Autos, nach Reifen und anderen
Autozubehörteilen, nach Vorortwohnungen, nach Freizeitgeräten, nach Mahlzeiten in Restaurants und andere mit Reise und Freizeit zusammenhängende Ausgaben werden negativ beeinflußt werden. Private Fluggesellschaften werden die
Käufe von Düsenflugzeugen einschränken und es werden weniger Motels und Ferienhäuser und -wohnungen gebaut werden. Diese Entwicklungen werden zum Teil
durch eine stärkere Tätigkeit auf anderen Sektoren ausgeglichen werden - angefangen von Kohle bis zu Decken und Pullovern und von Bohrgerät bis zu Fahrrädern und Autobussen. Unser Inflationsproblem wird dabei allerdings durch
steigende Gas-und Ölpreise verschärft werden.
Die Lage, in der wir uns befinden, ist offensichtlich sehr schwierig,
aber sie kann nach meiner Überzeugung gemeistert werden. Die unserer Wirtschaft zugrundeliegende Stärke und Elastizität darf niemals unterschätzt

-5-

�•

unterschätzt werden. Die Pläne für Kapitalausgaben der Geschäftswelt sind
weiterhin groß und ebenso ist die Lagernachfrage für eine Fülle von Materialien und Teilen, die seit vielen Monaten in einem knappen Angebot gewesen
sind. Unser Hauptplus - die Findigkeit des amerikanischen Volkes - bleibt
völlig intakt. Nach meinen Erwartungen wird im Laufe des Jahres 1974 die
einheimische Produktion von Rohöl Schritt für Schritt steigen, die Kraftwerke werden zu einer stärkeren Verwendung von Kohle übergehen, die Autohersteller werden sich mehr auf die Produktion der vom Verbraucher verlangten
kleineren Wagen konzentrieren und einfallsreiche Unternehmer im ganzen Lande
werden tausende anderer Anpassungen vornehmen.
Über die längerfristigen wirtschaftlichen Auswirkungen der Sperre arabischer Öllieferungen sollten wir uns keinem Zweifel hingeben. Die Vereinigten Staaten dürfen keine Zeit mehr verlieren, darauf hinzuarbeiten, daß sie
in der Lage sind, ihren Energiebedarf unabhängig aus eigener Kraft zu decken.
Wir müssen jetzt an vielen Fronten mit Entschlossenheit vorgehen - sei es auf
dem Gebiet der Nuklearenergie, der Sonnenenergie, der Kohleumwandlung oder
der Suche nach Ol. Die jüngsten Ereignisse sollten uns klar machen, daß wir
selbst bei einem Nachlassen des gegenwärtigen Boykotts nicht so weitgehend
von Öllieferungen aus dem Ausland abhängig bleiben dürfen.
Es wird wohl einige Monate dauern, ehe die langfristigen Auswirkungen des
Ölproblems auf unsere Zahlungsbilanz klarer sichtbar werden. Bisher jedenfalls scheinen die Einschränkungen der Ölversorgung das Vertrauen der Welt
in den Dollar gestärkt zu haben. Aber schon vor dem Ausbruch des Nahostkon.»
fliktes wurde der Dollar mit neuer Wertschätzung angesehen. Der Dollar ist
erneut eine starke Währung und wir dürfen mit einer weiteren Unterstützung
unseres Außenhandels und unserer Zahlungsbilanz durch die jetzt eintretenden
Auswirkungen der letzten Wechselkursänderungen rechnen.
Eine anhaltende Stärke unserer Zahlungsbilanz wird jedoch ein befriedigendes einheimisches Preisverhalten im Verhältnis zu anderen Ländern er-

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�erfordern. Vor ein oder zwei Jahren lag unsere Inflationsrate wesentlich unter den Raten anderer Industrieländer. Leider ist diese Spanne des Wettbewerbsvorteils in den letzten Monaten zu einem großen Teil ausgehöhlt worden.
Im Oktober lag der Verbraucherpreis-Index um 0,8 Prozent über September und
um 7,9 Prozent über Oktober 1972. Die Gefahren der Inflation sind ohne Frage
weiterhin sehr groß für uns. Gleichzeitig wird jedoch, wie ich bereits erwähnt habe, die Ölknappheit Verlagerungen in der Struktur der Industrie herbeiführen und negative Auswirkungen auf die Gesamtproduktion und Beschäftigung haben. Die Wirtschaftspolitik steht also für die kommenden Monate vor
der außerordentlich schwierigen Aufgabe, zu dem Ziel der Wiedergewinnung der
Preisstabilität beizutragen, und gleichzeitig die Risiken einer extensiven
Schwächung der Wirtschaftstätigkeit auf einem Minimum zu halten..."

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47/1973

ÖL AUS SEDIMENTGESTEIN
US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie

Von G. Weiss

- (AD) - Mit einer öffentlichen Ausschreibung Anfang Janur 1974 werden
der Bergbau- und Mineralölindustrie der USA sechs Gebiete in den Bundesstaaten Colorado, Utah und Wyoming als Pachtland angeboten, auf dem Versuchsbetriebe für den Abbau, die Aufbereitung und Verarbeitung von Ölschiefer
errichtet werden sollen. US-Innenminister Rogers C.B. Morton verwies darauf,
daß diese Entscheidung wegen der Dringlichkeit des Energieproblems ungeachtet
der Unsicherheitsfaktoren getroffen worden sei, mit denen die Erschließung
von Ölschiefervorkommen als Energierohstoff noch immer belastet ist.

Das neue Pachtprogramm, das 1 Prozent der in den genannten Staaten in
Bundesbesitz befindlichen Ölschiefervorkommen umfaßt, gibt der Privatindustrie
freie Hand in der Wahl der Abbau- und Aufschlußverfahren, sofern bestimmte
Auflagen des US-Innenministeriums in bezug auf Umweltschutz eingehalten und
gegen die dieserhalb vorgesehene Überwachung keine Eiwände erhoben werden.
Die amerikanische Regierung möchte so ein seit vier Jahren laufendes Projekt
ohne viel Bürokratie beschleunigen und ausweiten. Sie ist sich darüber im
klaren, daß vorläufig keine Rede davon sein kann, die reichen Ölschiefervorkommen auf dem Territorium der Vereinigten Staaten (sie enthalten schätzungsweise 86 Milliarden Tonnen Öl) für die Wirtschaft nutzbar zu machen. Vielmehr

�Vielmehr geht es darum, in Pilotanlagen zu versuchen, brauchbare UntertageAbbauverfahren für den meist als Schichtgestein vorhandenen Rohstoff und
rentable Extraktionsmethoden für Öl und andere organische Produkte sowie
anorganische Produkte (z.B. Zement und Düngemittel) zu entwickeln. Gleichzeitig müssen Wege gefunden werden, um bei einer Ölschieferverarbeitung großen
Stils Umweltschäden, die vor allem durch Schwefel- und Stickstoffverbindungen
entstehen können, auf ein vertretbares Maß zu reduzieren.

Im Gegensatz zu bituminösem Gestein ist mit Lösungsmitteln aus Ölschiefer
nichts herauszuholen. Nur unter Hitzeeinwirkung lassen sich in Retorten oder
in einer Art Kamin am Abbauort aus dem zerkleinerten Rohstoff gesättigte und
ungesättigte Kohlenwasserstoffe ausdestillieren. Entsprechend seiner Entstehung ist die Zusammensetzung des aus umgewandelten Überresten von Algen,
Pollenkörnern und anderen pflanzlichen und tierischen Organismen gebildeten
Ölschiefers recht unterschiedlich. Deshalb wird es auch kaum ein Standardverfahren geben, um dem Rohstoff das Öl zu entziehen und dabei nach Möglichkeit
auch Gas als Energieträger - zumindest für die Erzeugung der Prozeßwärme zu gewinnen.

Angesichts der geographischen Lage der amerikanischen Vorkommen in nahezu
wasserlosen Felswüsten sind die Industrie und das an der Verfahrensentwicklung
ebenfalls beteiligte US-Bergbauamt um Verarbeitungsmethoden bemüht, die wenig
Wasser erfordern. Auch müssen Verfahren gefunden werden, um das bei Abkühlung
auf 30 C gallertartige Schieferöl so zu verändern, daß es in Pipelines gepumpt
und transportiert werden kann. Außerdem ist es erforderlich, das hochviskose,
teerreiche Rohöl aus Ölschiefer überhaupt erst auf Raffineriequalität zu
bringen. Dies geschieht beispielsweise durch Verkokung eines gewissen Anteils
des Rohprodukts oder durch Behandlung im Wasserstoffgasstrom.

Natürlich müssen, bis sich wirtschaftliche Verfahren herauskristallisieren,
noch viele technische Fragen gelöst werden. Deshalb rechnet beispielsweise das
US-Innenministerium erst ab 1981 in dem jetzt freigegebenen Gebiet mit einem
Tagesausstoß von knapp 38 000 Tonnen

öl aus Ölschiefer. Die Erfahrung wird

zeigen, welche Aufschlußverfahren und welche Retortentemperaturen mit dem je- 2 -

�jeweiligen Rohstoff die besten Ergebnisse bringen. Bei den bisherigen Versuchen in Colorado machte man die Erfahrung, daß die dabei gewonnene organischen Verbindungen zu 65 Prozent aus Schieferöl, zu 10 Prozent aus Gas und
zu 25 Prozent aus kohleahnliehen Rückständen bestanden, wobei die Ergiebigkeit des Schiefers an öl bei 10 - 15 Gewichtsprozent lag.

Die Zusammensetzung des Rohöls wird jedoch erheblich von der Retortentemperatur beeinflußt. So enthält es bei einer Aufschlußtemperatur von 480 C
ca. 30 - 25 Prozent gesättigte Kohlenwasserstoffe, ca. 30 Prozent ungesättigte
Kohlenwasserstoffe, ca. 30 Prozent aromatische Verbindungen sowie 1 Prozent
Schwefel und 2 Prozent StickstoffVerbindungen. Schwefel und Stickstoff werden z
T;durch Hydrierung entfernt, die auch den Anteil der gesättigten Verbindungen
erhöht und das Rohschieferöl für Prozesse besser geeignet macht,welche für Erdölraffinerien entwickelt wurden. Liegt die Retortentemperatur bei 650 C, sind
nur 10 Prozent gesättigte Kohlenwasserstoffe, aber mehr als 50 Prozent aroo
matische Verbindungen zu erwarten. Bei 815 C Schweltemperatur - die Wärmebehandlung zur Freisetzung der organischen Bestandteile erfolgt unter Luftabschluß - beträgt der Anteil der aromatischen Verbindungen an der Gesamtmenge
Rohschieferöl 98 Prozent.
Im amerikanischen Kongreß werden immer mehr Stimmen laut, die eine noch
stärkere Förderung des Energieprogramms fordern, als es Präsident Nixon mit
einer Aufstockung der diesjährigen Forschungs- und EntwicklungsaufWendungen
auf 872 Millionen Dollar und dem für 1975 bis 1980 vorgesehenen, mit 10 Milliarden Dollar ausgestatteten Entwicklungsplan bereits vorgeschlagen hat. So
hält Senator Henry M. Jackson (Bundesstaat Washington) eine Verdoppelung der
Planungsfrist für Forschung und Entwicklung auf zehn Jahre bis 1985 mit Aufwendungen von mindestens 20 Milliarden Dollar für erforderlich. Nach den Vorstellungen Jacksons und anderer Politiker könnten sogar fünf halbstaatliche
Gesellschaften, ähnlich dem COMSAT-Unternehmen für Fernmeldesatelliten, geschaffen werden, die Gas, Erdöl und Strom aus Kohle sowie synthetisches Rohöl aus Ölschiefer produzieren und die geothermischen Quellen im großen Maßstab
in die Produktion von Primärenergie einbeziehen.
+ + + + +
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&lt;p&gt;Energiepolitik wird zentralisiert&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- USA errichten "Bundesamt für Energie" -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Burns sieht fundamentale Verbesserung der Zahlungsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus einer Erklärung des Bundesbankpräsidenten -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Öl aus Sedimentgestein&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Regierung verpachtet Ölschieferfelder an Privatindustrie -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;/p&gt;</text>
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