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46

5. Dezember 1973

Inhalt

WIRTSCHAFT:

Wirtschaftsbeirat des US-Präsidenten veröffentlicht Oktober-Bericht
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch "

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INFORMATION:

I

MikroSchaltungen
- Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Drogenkampagne mit neuen Schwerpunkten
- US-Fachleute ziehen Bilanz Dem Erreger der Serumhepatitis auf der Spur

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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46/1973

WIRTSCHAFTSBEIRAT DES US-PRASIDENTEN VERÖFFENTLICHT OKTOBER-BERICHT
- Stein trotz Ölkrise vorsichtig optimistisch WASHINGTON — ( A D ) — Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten,
Herbert Stein, hat am 29. November den Bericht über den Stand der amerikanischen Wirtschaft im Oktober 1973 mit entsprechenden Projektionen auf der
Basis des arabischen Ölembargos veröffentlicht.
Vor der Presse gaben Stein und seine Mitarbeiter anläßlich der Veröffentlichung des Berichtes auf entsprechende Fragen folgende Darstellung:
Sie sind "vorsichtig optimistisch" hinsichtlich der Auswirkungen des
arabischen Ölembargos, wenn das amerikanische Volk einige Opfer auf Gebieten
bringt, die nicht von entscheidender Bedeutung für die Wirtschaft sind, wie
etwa Einschränkungen in der privaten Nutzung von Automobilen und bei der
Heizung. Stein bezeichnete dies als keine angenehme Lösung, aber als die
"beste Alternative".
Eine derartige Lösung würde eine Einschränkung der Verbraucherausgaben
für Benzin, Autos, Reifen, Motels und andere autobezogene Industrien von
etwa 10 Milliarden Dollar pro Jahr oder 1,5 Prozent der amerikanischen Verbraucherausgaben bedeuten.
Es

-1-

�Es wird "einige negative Auswirkungen auf geschäftliche Investitionen
geben... Diese werden jedoch wahrscheinlich gering sein."
Die Auswirkungen auf die amerikanischen Exporte werden als unbedeutend
eingeschätzt. Die Vereinigten Staaten werden voraussichtlich mehr energieintensive Waren wie beispielsweise Aluminium nach energieknappen Ländern
in Europa und nach Japan ausführen, während der Export von Verbraochsgütern
zurückgehen dürfte.
Die Auswirkung auf die Arbeitslosenrate wird auf 0,6 Prozent geschätzt.
Der Rückgang des Bruttosozialproduktes wird von Regierungsseite auf zwei
Prozent eingeschätzt, wobei die Voraussagen von anderer Seite bei nur einem
Prozent liegen.
Eine Abschätzung der Auswirkungen auf das Preisgefüge der USA ist gegenwärtig nicht möglich, da keine Angaben über die Entwicklungen ausländischer
Preise vorliegen. Ein Preisanstieg von einem Dollar pro Barrel Rohöl könnte
jedoch einen Anstieg der amerikanischen Lebenshaltungskosten von etwa einem
halben Prozent bedeuten.
Regierungsmaßnahmen zur Anregung der Nachfrage müssen mit höchster Vorsicht gehandhabt werden.
Die eigentliche Auswirkung des Ölembargos dürfte in den ersten drei
Monaten des Jahres 1974 eintreten. Danach dürfte mit zunehmend wärmerer
Witterung, der Erschließung neuer Energiequellen und der wachsenden Konvertierung von Kraftwerken von Öl auf andere Energiequellen ein Nachlassen der
Nachfrage zu verzeichnen sein.
Wenn das nicht für die private Nutzung von Autos ausgegebene Geld gespart wird, so könnte dies zu einem starken Aufschwung der Hypothekenaufnahme und damit der Bautätigkeit führen.
Der

�%

Der Wirtschaftsbeirat spricht sich gegenwärtig gegen eine Benzinrationierung aus. Benzingutscheine und entsprechende Verordnungen werden jedoch für
den Notfall vorbereitet. Der frühestmögliche Zeitpunkt für eine Rationierung
könnte in drei Monaten eintreten. In dieser Zeitspanne wird es dem Beirat möglich sein, die wirtschaftliche Entwicklung ohne Benzinrationierung zu beobachten.
Das Ölembargo wird nach Auffassung des Wirtschaftsbeirates keine Auswirkungen auf die Pläne haben, die landwirtschaftliche Erzeugung im kommenden Jahr
um drei

Prozent zu steigern, da die Landwirtschaft ebenso wie die Industrie

höchsten Vorrang bei der Energieversorgung hat.

Der Bericht des Wirtschaftsbeirates hat folgenden Wortlaut:

Die wirtschaftliche Entwicklung im Oktober
Die wesentlichen wirtschaftlichen Entwicklungen im Oktober sind noch nicht
statistisch erfaßt. In diesen Zeitraum fiel der Beginn des Embargos für den
Ölexport aus den arabischen Ölländern nach den Vereinigten Staaten. Dieser Schatten fiel auf eine Wirtschaft,die auf hohen Touren lief, deren Anstieg sich im
nächsten Jahr jedoch wahrscheinlich mit einer Rate vollzogen hätte, die etwas
unter dem Wachstum der Produktionskapazität gelegen hätte, so daß an die Stelle
der verbreiteten Verknappungen in der Wirtschaft eine gewisse Flaute in der
Wirtschaftstätigkeit eingetreten wäre .
Es handelte sich ferner um eine Wirtschaft, in der die Inflationsrate
ungleichmäßig zurückging und allen Erwartungen nach weiterhin - wenn auch immer
noch ungleichmäßig - zurückgegangen wäre. Das Ölembargo hat große neue Unsicher-

-3-

�Unsicherheiten in das wirtschaftliche Bild gebracht. Es besteht kaum ein Zweifel, daß die Wirkung dahin gehen wird, Produktion und Beschäftigung mehr zu
senken und die Preise mehr zu steigern, als dies sonst geschehen wäre. Die
offene Frage ist, in welchem Umfange diese Auswirkungen eintreten werden. Nach
unserer Beurteilung wird die Auswirkung auf das reale Bruttosozialprodukt
zwei Prozent nicht übersteigen., Es wird möglich sein, das Wirtschaftswachstum
im Jahre 1974, wenn auch verlangsamt, aufrechtzuerhalten, und die Arbeitslosenrate dürfte zu keiner Zeit des nächsten Jahres 6 Prozent übersteigen - wenn
die Regierung mit Unterstützung des Kongresses und der Öffentlichkeit eine Politik durchführen kann, die sich auf eine hauptsächliche Verlagerung der Verknappung auf den nicht wesentlichen Gebrauch von Automobilen und die Beheizung
von Wohnungen und Geschäftsgebäuden konzentriert. Dies ist eine entscheidende
Voraussetzung. Daraus läßt sich erkennen, warum wir eine Politik verfolgen
müssen, die von der Allgemeinheit gebrachte Opfer in der Benutzung von Automobilen, in der Beheizung von Wohnungen verlangt - um nämlich einer großen Zahl
von Menschen den viel größeren Nachteil der Arbeitslosigkeit zu ersparen.
Diese Einschätzung der Auswirkung der Ölknappheit wird im folgenden näher,erläutert. Zunächst wollen wir uns jedoch kurz den wirtschaftlichen Entwicklungen zuwenden, wie sie sich aus den vorliegenden Oktoberstatistiken ergeben.

Monatsüberblick
Die industrielle Produktion stieg im Oktober um 0,6 Prozent, also etwa
mit der gleichen Rate wie im Vorjahr. Trotzdem ging die Wachstumsrate eindeutig allmählich zurück. Vom dritten Quartal 1972 bis zum ersten Quartal 1973
stieg die Industrieproduktion mit einer Jahresrate von 12 Prozent; vom ersten
Quartal bis zum dritten Quartal 1973 betrug die Zuwachsrate 6,2 Prozent. Eine
ähnliche Verlangsamung zeigte sich in den neuen Zahlen des Brutto sozialproduk-

�Bruttosozialproduktes, die im November veröffentlicht wurden. Das reale
Bruttosozialprodukt stieg vom dritten Quartal (1972) bis zum ersten Quartal
(1973) mit einer Rate von 8,4 Prozent, jedoch vom ersten Quartal bis zum dritten Quartal 1973 nur noch mit einer Rate von 2,9 Prozent.
Dieses Nachlassen der Wachstumsrate war hauptsächlich, wenn auch nicht
gänzlich, der Tatsache zuzuschreiben, daß sich die Produktion praktisch dem
Plafond näherte. Die Zahl der Beschäftigten hat rasch zugenommen - allein im
Oktober um 0,6 Millionen und um 3,2 Millionen in den vorangegangenen zwölf
Monaten. In diesen zwölf Monaten ist die Arbeitslosenrate um ein Prozent auf
4,5 Prozent zurückgegangen. In diesem Zeitraum stand ein größerer Anteil der
Bevölkerung im zivilen Arbeitsalter in Arbeit als zu irgendeinem Zeitpunkt
seit dem zweiten Weltkrieg. Bis Oktober lag die Arbeitslosenrate bei Männern
im Alter von 20 Jahren und darüber niedriger als jemals in Friedenszeiten und
die Arbeitslosenrate bei Frauen im Alter von 25 Jahren und darüber war beinahe
auf dem niedrigsten Stand, den sie jemals in Friedenszeiten erreichte.
Die Leistungsnachfrage stieg weiter stark an, wenn auch nicht ganz so
stark wie im Winter 1972/73. Der Absatz des Einzelhandels stieg im Oktober um
zwei Prozent. Die Gesamtausgaben für Güter und Dienstleistungen wuchsen im
dritten Quartal (1973) mit einer Jahresrate von 10,6 Prozent. Dieses anhaltend
rasche Wachstum der Nachfrage ging trotz einer Abflachung in zwei wichtigen Kategorien weiter - Verbrauchsdauergüter und Wohnungsbau. Wichtige Elemente des
Nachfragewachsltums waren fixe Geschäftsinvestitionen, einzelstaatliche und kommunale Regierungsausgaben und Nettoexporte.
Die Verbraucherpreise stiegen im Oktober um 0,8 Prozent, was für sich genommen eine enttäuschend hohe Zahl ist. Diese Zahl für den Oktober wird jedoch durch einige Ausnahmen verzerrt, die den zugrundeliegenden Trend überhöhen. Wenn man die Zahl zusammen mit dem kleinen Zuwachs im September und dem
Rückgang von Großhandelspreisen sowohl im September wie im Oktober betrachtet,

-5-

�&lt;
*

betrachtet, dann ergibt sich das Bild eines gewissen Fortschritts an der Inflationsfront.
Ein hervorstechendes Charakteristikum der letzten Monate ist die dramatische Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz gewesen. Im Oktober ergab
sich ein Exportüberschuß von 527 Millionen Dollar, der auf einen Überschuß von
873 Millionen Dollar im September folgte. Die ersten zehn Monate des Jahres
1973 wiesen einen Überschuß von 678 Millionen Dollar aus, verglichen mit einem
Defizit von 5 232 Millionen Dollar in den ersten zehn Monaten des Jahres 1972.
Diese Verbesserung der Handelsbilanz ist ein wichtiger Faktor im Zusammenhang
mit dem scharfen Anstieg des Wechselkurses des Dollar in den letzten Wochen
gewesen.

Wirtschaftliche Auswirkungen des Ölembargos
Die wirtschaftlichen Auswirkungen des Ölembargos hängen - auf kurze Sicht
gesehen - von drei Hauptfaktoren ab:
1.

der Dauer des Embargos;

2.

der Art, in der die Verknappung auf die Verbraucher umgelegt wird;

3.

der Reaktion der privaten Unternehmen und Verbraucher auf die durch
die Verknappung geschaffenen Umstände.

Die folgenden Schätzungen für das Jahr 1974 gehen von der Hypothese aus,
daß das Embargo während des ganzen Jahres anhalten wird. Dies mag der Fall
sein oder nicht, es scheint jedoch nützlich und zweckmäßig zu sein, die Schätzungen auf dieser Hypothese vorzunehmen.

Unsere

-6-

�t

Unsere Schätzungen gehen davon aus, daß die Ziele erreicht werden, die
in der allgemeinen Strategie für eine Verteilung der Lasten der Ölverknappung
aufgestellt und zum Zeitpunkt der Rede des Präsidenten vom 25. November dargelegt worden sind. Diese Annahme wird jedoch etwas fragwürdig, wenn man bedenkt, auf welche Weise Erdöl in den Produktionsprozeß eintritt„ Der Gesamtwert der Erdölprodukte, die wir wegen des Embargos nicht bekommen werden, wird
0,5 Prozent des Bruttosozialproduktes nicht überschreiten. Eine Verknappung
in dieser Größenordnung wäre an sich bei vielen Erzeugnissen noch kein großer
Verlust für die amerikanische Wirtschaft und würde an sich noch nicht notwendigerweise eine Verringerung der amerikanischen Produktion und Beschäftigung
bedeuten. Wenn uns beispielsweise Importbananen im Werte von einer Milliarde
Dollar entzogen würden, so hätte dies kaum irgendeine Auswirkung auf die amerikanische Wirtschaft, da mit diesen Bananen auf dem Wege zu ihrem Endverbraucher eine nur raltiv geringe amerikanische Wirtschaftstätigkeit und Beschäftigung verbunden sind. Öl tritt jedoch bereits in einem frühen Stadium
.

in den amerikanischen Produktionsprozeß ein, und von ihm hängen hohe Produktionsmengen und viel Beschäftigung ab. Wenn beispielsweise eine Eisenbahnge-

&gt;A

Seilschaft kein Dieselöl erhält, dann kann sie möglicherweise keine Kohle an
Stahlwerke liefern, die Stahlversorgung geht zurück und damit die AutomobilProduktion, was zu einem Produktionsverlust führt, der den Wert des fehlenden
Dieselöls um ein Vielfaches übertrifft.
Es ist unmöglich, die Lasten der Ölverknappung zu verteilen, ohne daß es
in der Anfangsphase zu gewissen negativen Auswirkungen auf die Produktion und
Beschäftigung in den USA kommt. Der Umfang dieser negativen Auswirkungen hängt
aber in hohem Maße von der Art der Verbrauchsbeschränkungen ab.
Wenn wir beispielsweise den Verbrauch von Öl für die Wohnraumbeheizung
einschränken, erlegen wir zahlreichen Verbrauchern gewisse Unbequemlichkeiten
und Härten auf, während der Gesamtausfall an Produktion und Beschäftigung weit

-7-

�1

i
weit geringer wäre als im vorstehend angeführten Beispielfall einer Beschränkung der Dieselölversorgung der Eisenbahnen.
Das Bestreben der Regierung wird hauptsächlich dahingehen, die Beschränkungen im Energieverbrauch so zu verteilen, daß die damit verbundenen Auswirkungen auf die Beschäftigung möglichst gering ausfallen. Das bedeutet im allgemeinen, die Beschränkungenauf die Beheizung von Haushaltungen und Wirtschaftsgebäuden und den Verbrauch von Strom und von Benzin im Individualverkehr
zu konzentrieren.
Ein wesentlicher Punkt des am 25. November bekanntgegebenen Planes besagt,
daß sich die Beschränkungen des direkten Verbrauchs von Mineralölprodukten
durch die Industrie auf lediglich 10 Prozent beziffern, das sind rund drei
Prozent des gesamten industriellen Energieverbrauchs. Die Folgen möglicher Einschränkungen der Stromerzeugung für die Industrie könnten die Gesamteinbüßen
des industriellen Energieverbrauchs auf etwa vier Prozent erhöhen. Eine Verringerung des industriellen Energieverbrauchs dieser Größenordnung läßt sich nach

»

allgemeinem Dafürhalten durch eine Verringerung der Raumbeheizung und andere
Sparmaßnahmen ohne eine Beeinträchtigung des Gesamtausstoßes bewerkstelligen,
sofern die Aufteilung der Energieeinsparungen auf die verschiedenen Industriezweige auf vernünftige Weise erfolgt.
Bei dieser Art der Verteilung der Lasten der Energieverknappung wird ihr
hauptsächlicher wirtschaftlicher Effekt in der Anfangsphase in einer Verminderung der Verbraucherausgaben für die ohnehin nicht erhältliche Energie und
einer Reduzierung des Aufwands für die Benutzung von Automobilen bestehen. Hierzu gehören nicht nur die Ausgaben für flüssige Treibstoffe und Strom, sondern
auch Aufwendungen für Reifen, Ersatzteile, Reparaturen, Hotels, Motels, Fahrzeuge für Zwecke der Freizeitgestaltung und Kraftfahrzeuge mit größerem Hubraum.
Nach unseren Schätzungen dürfte die Verminderung der Verbraucherausgaben für
diese Zwecke ein bis eineinhalb Prozent der gesamten Verbraucherausgaben ausmachen.
Die

-8-

c

�Die Verminderung der Verbraucherausgaben dürfte sich zu zwei Dritteln
in einer direkten Verminderung der privaten Einkommen (ohne Außenbeitrag)
und das restliche Drittel in einer Verringerung der Einfuhren von Erdöl und
Erdölprodukten und einem Rückgang der Verbrauchssteuern niederschlagen.
Über die Auswirkungen auf die Verbraucherausgaben hinaus würden solche
Beschränkungen auch gewisse Rückwirkungen auf die Investitionstätigkeit der
Wirtschaft zeitigen. Es käme zu einer Verringerung der Investitionen aufgrund
der Unsicherheit bezüglich der Energieversorgung und der Erfordernisse des Unweitschutzes. Andererseits würde auch ein verstärkter Anreiz bestehen, die
Investitionen in die Erdöl-Lagerstättenforschung und -Raffination, in die Umstellung auf Kohle, in Maßnahmen zur Rohstoffkonservierung und in die vermehrte Produktion von kleineren Kraftfahrzeugen zu erhöhen. Nach unserem Dafürhalten dürfte sich hieraus in der Anfangsphase nur ein geringer, aber negativer
Gesamteffekt ergeben.
Abgesehen von der direkten Verminderung der Erdöleinfuhren ergäben sich
sowohl positive wie auch negative Auswirkungen auf unsere Gesamteinfuhren.
Obwohl sich dies nicht mit Sicherheit sagen läßt, dürften Europa und Japan
ernste Produktionsbeschränkungen aufgrund der Energieverknappung zu gewärtigen
haben. Trifft diese Auffassung zu, würden ihre Ausfuhren nach den Vereinigten
Staaten zurückgehen, ihre Einfuhren aus den USA aber aufgrund der eintretenden
Warenverknappung zunehmen. Diese Entwicklung könnte zu einer Steigerung unserer Ausfuhren nach Drittländern führen. Andererseits könnten unsere Ausfuhren
gewisser Produkte nach bestimmten Ländern angesichts der dort zu erwartenden
Produktions-und Einkommenseinbußen zurückgehen. Diese unterschiedlichen Auswirkungen exakt abzuschätzen ist angesichts des Fehlens entsprechender Berechnungsgrundlagen unmöglich; wir nehmen allerdings an, daß sie sich im Endeffekt
gegenseitig aufheben werden.

Ein

-9-

�i

Ein besonders großer Unsicherheitsfaktor in der Beurteilung der Auswirkungen der Energieknappheit liegt in der unbekannten Reaktion der Verbraucher
auf die Verringerung ihrer Ausgaben für Benzin, Heizöl, Strom und andere damit in Zusammenhang stehenden Dinge. Je mehr Verbraucher auf den Rückgang dieser Ausgaben mit erhöhten Ausgaben für andere Güter und Dienstleistungen reagieren, umso geringer werden dessen negative Auswirkung auf die Wirtschaft
sein. Wenn die Verbraucher ihre Ausgaben für andere Zwecke in dem gleichen
Maße steigern, in dem sich ihre Ausgaben für Mineralölprodukte im weitesten
Sinne verringern, steigt die Nachfrage nach Arbeitskräften und anderen Hilfsquellen zur Deckung dieses anderweitigen Bedarfs; dies wiederum wird dazu beitragen, den Rückgang der Beschäftigung und der Wirtschaftstätigkeit in den
mineralölabhängigen Wirtschaftssektoren wettzumachen. Im umgekehrten Extremfall - wenn die Konsumenten ihre anderweitigen Ausgaben nicht erhöhen - werden
die Einkommenseinbußen der Beschäftigten in den mineralölabhängigen Industrien
in Verbindung mit dem weiteren Rückgang der Ausgaben dieses Personenkreises
die Auswirkungen des ursprünglichen Ausgabenrückgangs vervielfachen. Diese Vervielfachung wiederum wäre geeignet, die Ausgabenverminderung auf etwa zwei
Prozent des Jahressatzes der an sich zu erwartenden Gesamtproduktion anzuheben (
und das ist die höchste Einbuße des Bruttosozialproduktes im Jahre 1974, mit
der gegenwärtig gerechnet wird.
Selbstverständlich wird die vorstehende Annahme, daß sich die Industrieproduktion völlig gegen die Auswirkungen der Brennstoffverknappung abschirmen
läßt, nicht buchstäblich zutreffen und sich sicherlich nicht in jedem Fall bewahrheiten. Es wird aufgrund der Brennstoffknappheit in gewissen Industrien
zu Produktionsrückgängen kommen, während andere Industriezweige sogar Produktionssteigerungen verzeichnen werden. Große Bedeutung kommt zudem der Wechselwirkung zwischen den Auswirkungen aufgrund der Nachfrage, auf die sich unsere
Schätzungen vornehmlich beschränken, und den Auswirkungen der Angebotsverknappung zu. Sollten sich die Nachfrageauswirkungen im äußeren Btreich unserer

-10-

�unserer Vorhersagen bewegen und würde das Bruttosozialprodukt zwei Prozent
niedriger ausfallen als es andernfalls ausgefallen wäre, dann wird sich der
industrielle -Brennstoffbedarf verringern und damit auch die Wahrscheinlichkeit, daß die Produktion durch die Brennstoffknappheit beeinträchtigt wird.
Die Unsicherheit derartiger Voraussagen sei hier abermals unterstrichen.
Die Möglichkeit größerer negativer Auswirkungen ist nicht auszuschließen, weil
es unter Umständen bei der Durchführung dieses Programms nicht gelingt, die
Industrieproduktion so wirksam gegen die Energieverknappung abzuschirmen.wie
geplant und weil die negativen Auswirkungen größer sein können als hier angenommen. Die hier angeführten Schätzwerte stimmen im großen und ganzen mit den
Prognosen von privaten Stellen überein, die den Versuch einer systematischen
quantitativen Analyse des Problems unternommen haben. Die privaten Vorhersagen gehen z.T. von der Annahme einer geringfügigeren Brennstoffverknappung
aus als wir sie erwarten, rechnen aber gleichzeitig auch mit einer weniger
ausgeprägten Abwälzung der Lasten aus der Verknappung auf den Verbrauch von
Benzin und Heizöl.
Die Auswirkungen der Verknappung auf die Beschäftigungslage dürften beträchtlich geringer sein als die auf den Ausstoß. Ein Teil der Einbußen des
Ausstoßes wird auf Verringerungen der wöchentlichen Arbeitszeit und ein anderer auf die Verringerung des Ausstosses pro Arbeiter und Arbeitsstunde entfallen. Trotz der Verringerung der Produktion wird es in den betroffenen Industrien - wie anzunehmen ist - mindestens auf absehbare Zeit hinaus relativ
wenige Entlassungen geben. Unsere Schätzungen gehen dahin, daß die Arbeitslosenrate wahrscheinlich zu keinem Zeitpunkt um mehr als 0,6 Prozent über das
Maß hinaus steigen wird, um das sie ohnehin steigen würde, und daß sie zu
keinem Zeitpunkt des Jahres 1974 auch nur sechs Prozent erreichen wird.
Die hier angeführten statistischen Schätzwerte lassen etwaige Veränderungen in der gesamten Wirtschaftspolitik außer Ansatz, die dem Zweck dienen,

-11-

�t

1
dienen, die Gesamtnachfrage in der Wirtschaft zu stärken. Sollte die Nachfrageverringerung sich so steigern, daß sie in den oberen Grenzbereicb unserer
Vorausschätzungen fällt, könnte es notwendig werden, staatliche Maßnahmen zur
Anregung der Nachfrage in Erwägung zu ziehen. Das müßte jedoch im Hinblick auf
die gegebenen inflationistischen Tendenzen, die in mehreren Sektoren der Wirtschaft fortbestehende Angebotsknappheit und die Reibungen, die sich in Zusammenhang mit der Transferierung von Arbeitskräften aus der Mineralölwirtschaft
in andere Beschäftigungsarten ergeben können, mit größter Vorsicht geschehen.
Die Auswirkungen der neuen Verhältnisse auf dem Gebiet der Ölversorgung
auf die Preise sind nur schwer vorherzusagen. Sie hängen zum Teil von der
Preispolitik der Ölerzeugerländer bezüglich des Öls ab, das wir von ihnen beziehen; sie hängen ferner ab von der Politik der amerikanischen Regierung hinsichtlich der Bewilligung von Preiserhöhungen für die im eigenen Lande produzierten Erdölmengen, um auf diesem Wege gegebenenfalls die Produktion zu fördern oder den Verbrauch zu beschränken. Man kann im Großen und Ganzen damit
rechnen, daß ein Preisaufschlag in Höhe von einem Dollar je Barrel Erdöl
heimischer und ausländischer Förderung die Kosten aller Güter-und Dienstleistungen im Durchschnitt um 0,5 Prozent erhöhen würde. Die direkten Kosten von
Brennstoffen, Benzin und Öl bestimmen den Verbrauoherpreisindex zu etwa sechs
Prozent. Wenn somit die Preise dieser Produkte um 20 Prozent steigen, bedingt
dies einen Anstieg des Verbraucherpreisindexes um 1,2 Prozent. Diese Angaben
sind nicht als eine Vorhersage dessen gedacht, was sich ereignen wird, sondern dienen lediglich zur Klarstellung der hier zu erwartenden Größenordnungen. Mehr läßt sich über die Zukunft der Energiepreise erst zu einem späteren
Zeitpunkt sagen.
Wenn die Brennstoffpreise steigen,um einen Anreiz für eine reichlichere
Versorgung oder für eine Einschränkung des Verbrauchs zu bieten, dürfen., alle
übrigen Preise und Einkommen nicht proportional zu den Brennstoffpreisen steigen. Die günstigen Auswirkungen einer Anhebung der Brennstoffpreise lassen

-12-

�lassen sich nur dann realisieren, wenn die Brennstoffpreise in Relation zu
den übrigen Preisen und zu den Einkommen steigen.

Veränderungen ausgewählter Wirtschaftsindizes
(auf der Grundlage saisonal~angepaßter Werte)

III

72 - III 73

September 73
- Oktober 73

Produktion (in Prozent)
Bruttosozialprodukt (reale Zunahme)

5,6

Industrieproduktion

9,0

0,6

- 14,8

- 8,4

Zivilbeschäftigung (in Prozent)

3,2

0,7

Beschäftigtenzahl (in Millionen)

2,6

0,6

sämtliche Arbeitskräfte
(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,8

- 0,3

Haushaltsvorstände
.(Prozentanteil an der Gesamtrate)

- 0,6

Neubaubeginne

Beschäftigung

Arbeitslosenrate

Einkommen und Preise (in Prozent)
Personaleinkommen insgesamt

11,0

Verfügbares Einkommen

11,3

Verfügbares Einkommen pro Kopf

10,4

0,9

Brutto-

-13-

�Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
Angeglichener Index der Stundenlöhne
Unternehmensgewinne vor Abzug der Steuern
(Milliarden Dollar)
Verbraucherpreise insgesamt

6,8
6,6
31,0

6,9

Nahrungsmittel

17,4

Sämtliche außer Nahrungsmittel

3,8

Großhandelspreise insgesamt

16,1

Agrarprodukte und verarbeitete Nahrungs-und
Futtermittel

38,4

Industrieerzeugnisse

7,6

angenommene Preisdeflationsrate des BruttoSozialproduktes

5,9

angenommene Preisdeflationsrate der privaten
Verbraucherausgaben

5,8

Realeinkommen (in Prozent)
Reales Personaleinkommen pro Kopf

3,1

Reales verfügbares Personaleinkommen pro Kopf

4,4

Reales Brutto-Wocheneinkommen (außer Landwirtschaft)
reales Nettoeinkommen pro Farm

23,8

Internationaler Vergleich (in Milliarden Dollar)
Güteraußenhandelsbilanz

2,4

Zahlungsbilanz offizieller Devisentransaktionen
(in Milliarden Dollar)

6,7

-14-

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46/1973
Ausstellungen
MIKROSCHALTUNGEN
Ausstellung und Fachtagung im US-Handelszentrum

- (AD) - Ihre neuesten Entwicklungen für Entwurf, Herstellung und Prüfung
von Mikroschaltungen zeigen mehr als 30 amerikanische Firmen vom 10. - 14.
Dezember 1973 im US-Handelszentrum in Frankfurt/Main. Einige der Firmen werden
zum ersten Mal hier vertreten sein; sie sind vor allem an Kontakten zur Vergabe von Lizenzen und zur Inangriffnahme gemeinsamer Projekte interessiert.

Die Ausstellung umfaßt Einrichtungen für die Herstellung und Prüfung von
Dickfilm-, Hybrid- und Dünnfilmschaltungen (integrierte Schaltungen). Dazu gehören Geräte zur automatischen Zeichnungs- und Maskenherstellung, Siebdruckmaschinen, Dickfilmöfen, Widerstands-Abgleicheinrichtungen, Durchlauflötöfen,
Chiplöteinrichtungen, automatische Bonder, Epoxy-Bonder, Wafer-Laser-Scriber,
Manipulatoren, Maskenjustiergeräte, Fotoresist-Einrichtungen wie Beschichtungsgeräte, BelichtungsSysteme und Entwickler, sowie Ausrüstungen für das Verfahren
der Ionen-Implantation. Daneben werden zahlreiche Prüf- und Meßeinrichtungen,
Eilipsometer, Wafer-Prober, Inspektions- und Klassifizierautomaten, eine Vielzahl von PrüfSystemen für digitale und lineare integrierte Schaltungen, sowie
Kupfer-Sonderlegierungen für Halbleiter-Bauelemente gezeigt. Des weiteren werden
"Packaging Devices" (z.B. Dual-in-line-carriers, IC-Sockel und Kontaktiervorrichtungen), komplette ICs wie FET's, Hybridschaltungen, Analog-Gatter, Multiplexer, bipolare Speicher- und MOS-Schaltungen von den amerikanischen Firmen

- 1 -

�«

Firmen vorgestellt.

Der Ausstellung angeschlossen ist eine Fachtagung, auf der deutsche
und amerikanische Experten über neueste Erkenntnisse auf dem Gebiet der
Mikroschaltungen berichten.

Weitere Informationen erteilt das US-HandelsZentrum in Frankfurt am
Main, Bockenheimer Landstraße 2 - 4; Tel.: (0611) 72 08 Ol; Telex: 416535.

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46/1973

DROGENKAMPAGNE MIT NEUEN SCHWERPUNKTEN
US-Fachleute ziehen Bilanz

- (AD) - In einer Konferenz mit zwei auf Kabinettsebene gebildeten
Sonderausschüssen bekräftigte

Präsident Nixon Ende November 1973 die Ent-

schlossenheit der Vereinigten Staaten, den Kampf gegen Drogenmißbrauch an
i

allen Fronten weiterzuführen. Die Entwicklung im Verlauf des Jahres 1973
zeige, daß die USA auf dem besten Wege sind, diesen Kampf zu gewinnen. Die

^

internationalen Versorgungsquellen für Heroin konnten, so betonte der Präsident, weiter gedrosselt werden, die Preise für illegale Suchtstoffe seien
- bei schlechter Qualität der angebotenen harten Drogen - nach wie vor hoch,
die Vollzugsmaßnahmen auf allen Ebenen der Drogenbekämpfung seien effektiver
geworden. Als Folge davon gehe jetzt allmählich die Zahl der Heroinsüchtigen
zurück, neue Fälle von Heroinsucht werden in auffallend geringerem Umfang
registriert.

An der Konferenz im Weißen Haus nahmen die Mitglieder des Kabinettsausschusses für internationale Narkotika-Kontrolle sowie des erst im August 1973
geschaffenen Sonderausschusses "Drogenmißbrauch" des Nationalen Rates für
Innenpolitik teil. Dieses Gremium erfüllt in bezug auf die Kontrolle und Lenkung der inneramerikanischen Vollzugsmaßnahmen im Rahmen der Rauschgiftbekämpfung ähnliche Funktionen wie der am 7. September 1971 gebildete Kabinettsausschuß, der unter dem Vorsitz des US-Außenministers für die Koordinierung
internationaler Maßnahmen gegen die illegale Herstellung und den Schmuggel mit

�r
&gt;

mit Rauschgift zu sorgen hat. Dem Sonderausschuß "Drogenmißbrauch" des Rates
für Innenpolitik gehören der Justizminister, der Minister für das Gesundheits-,
Erziehungs- und Sozialwesen, der Finanzminister, die Minister für Verteidigung,
Arbeit und Verkehr, der Direktor des Präsidialamtes für Planung und Haushalt,
der Leiter des Amtes für Angelegenheiten ehemaliger Kriegsteilnehmer und der
Direktor des Amtes für Sonderaktionen zur Vorbeugung gegen Drogenmißbrauch an.
Präsident Nixon verwies u.a. darauf, daß man sich jetzt vor allem auf
die Probleme konzentrieren müsse, die sich im Verlauf der bisherigen AntiRauschgift-Kampagnen herauskristallisiert haben. So sollen künftig alle Heroinsüchtigen in Behandlungsprogramme einbezogen werden - auch jene, die sich noch
nicht bei einer Drogenklinik oder einem Rehabilitationszentrum gemeldet haben.

Gegenwärtig werden etwa 50 Prozent der Drogensüchtigen, d.h. diejenigen,
die selbst den Wunsch haben, vom Rauschgift frei werden, von Behandlungs- und
Rehabilitationsprogrammen erreicht. Künftig sollen nun auch im Rahmen des
Strafvollzugs alle Mittel eingesetzt werden, um z.B. durch detaillierte Aufklärung, Informationen und Anreize verschiedener Art auch die restliche Hälfte
zu bewegen, eine Behandlung zu akzeptieren. Dieser Personenkreis ist in erster
Linie verantwortlich dafür, daß "Neulinge" zum Genuß harter Drogen verführt
werden. Von der bei den staatlichen Programmen geübten Praxis, nur Heroinsüchtige zu behandeln und zu rehabilitieren, will man jetzt abgehen. Auch
Personen, die nicht auf Heroin fixiert sind, sollen jetzt Gelegenheit erhalten,
die Behandlungs- und Rehabilitationszentren aufzusuchen.

Für die Tätigkeit der Überwachungsbehörden wurde größere Flexibilität
gefordert, damit sie jederzeit rasch und wirksam jeder neuen Strategie der internationalen Banden begegnen können. Im einzelnen sieht die Bilanz, die Präsident
Nixon vom gegenwärtigen Stand der Maßnahmen gegen Drogenmißbrauch zog, folgendermaßen aus:

Behandlung

- 2-

�Behandlung und Rehabilitation
Seit 1969 erhöhte sich die Zahl der Behandlungszentren in den Vereinigten
Staaten von 16 auf 404; die Zahl der Personen, die wegen Drogensucht und
Drogenabhängigkeit in Behandlung stehen, stieg in den letzten zwei Jahren von
16 000 auf 72 000. Gegenwärtig können im Rahmen von Programmen, die Bundesregierung, Einzelstaaten und kommunale Stellen finanzieren, etwa 150 000 Personen betreut werden.

Mit der "Operation Outreach", einer Sonderaktion zur Verhütung von Drogenmißbrauch, sollen nicht genutzte Kapazitäten von Drogenkliniken Süchtigen zur
Verfügung gestellt werden, die bisher nicht behandelt wurden. Darüber hinaus
wird man mit dem Programm TASC ("Treatment Alternatives to Street Crime" Behandlungsalternativen bei Straßenkriminalität) alle Mittel und Wege sondieren, um auch innerhalb des Strafvollzugs Heroinsüchtige einer Behandlung
zuzuführen. Über geeignete Maßnahmen für das TASC-Programm, das jetzt in 20
amerikanischen Städten eingeführt ist, wurde bereits auf einer Anfang September
1973 im Weißen Haus abgehaltenen Konferenz von Richtern, Staats- und Rechtsanwälten, Vollzugsbeamten und Bewährungshelfern aus allen Teilen der USA beraten .

Internationale Kontrolle

Die Vereinigten Staaten arbeiten mit 59 Ländern zusammen, um die Produktion von Drogen, vor allem Opiaten, einzudämmen und den illegalen Handel
zu unterbinden. Als Gegenleistung stellen die USA diesen Ländern Gerät wie
Waffen, Helikopter und andere Hilfsmittel zur Verfügung und ermöglichen die Ausbildung von Drogenfahndern. Außerdem hat die US-Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (Drug Enforcement Administration - DEA) 140 amerikanische Beamte
in Ländern rund um die Erde stationiert, die ihre ausländischen Kollegen dabei
unterstützen, den Anbau und die Gewinnung von Drogenrohstoffen und den Rauschgiftschmuggel unter die Lupe zu nehmen.
Diese

�Diese Unterstützung zahlt sich aus. Bis Ende November 1973 wurden in
diesen Ländern im abgelaufenen Jahr fast 1,9 Tonnen Heroin oder dem Heroin
entsprechende Produkte in der Form von Morphinbase (aus der in gleicher Menge
Heroin gewonnen werden kann) beschlagnahmt. An Opium wurde - hauptsächlich im
sogenannten Goldenen Dreieck im südostasiatischen Raum - sogar mehr als die
zehnfache Menge beschlagnahmt, nämlich 23 Tonnen. Burmesische Heereseinheiten
trieben den berüchtigten Rauschgifthändler Lo Shing Han über die Grenze auf
thailändisches Gebiet, wo er festgenommen wurde. Französische Fahnder konnten
in den letzten eineinhalb Jahren sieben Heroinlaboratorien ausheben. Im Vergleich dazu wurde in den fünf vorangegangenen Jahren nur ein einziges entdeckt.

Vollzugsbehörde

Die Vollzugsbehörde zur Suchtstoffbekämpfung (DEA), die am 1. Juli 1973
im Zuge des zweiten Reorganisationsplanes geschaffen wurd°, verfügt über 2000
Fahnder. Fast alle sind in den USA stationiert. Sie arbeiten eng mit Personen
zusammen, die auf einzelstaatlicher und kommunaler Ebene in die Kampagnen
gegen das Rauschgift eingeschaltet sind. Die Menge der beschlagnahmten harten
Drogen war im Haushaltjähr 1973 siebenmal größer als 1972. Die Anzahl der
Festnahmen stieg von 15 500 im Jahr 1972 auf 24 000 im Jahr 1973.

Allgemeine Ergebnisse des Programms

Mit wenigen Ausnahmen gibt es heute - etwa wegen Überfüllung der Behandlungszentren - für Heroinsüchtige keine Wartezeiten mehr für die Aufnahme
in eine Drogenklinik. Umgekehrt können sich Süchtige auch nicht mehr darauf
berufen, für die Beschaffung von Heroin zu einer Straftat gezwungen gewesen
zu sein, weil sie keine Gelegenheit zur Behandlung gehabt hätten. Alles in
allem ist die Zahl der Rauschgiftdelikte zurückgegangen.

Überall in den Vereinigten Staaten ist der Trend erkennbar, daß das Heer
der Heroinsüchtigen weniger Neuzugänge erhält. So waren beispielsweise in
- 4-

�in New York im ersten Halbjahr 1972 bei der Stadtpolizei, in Krankenhäusern
und in BehandlungsZentren 53 939 Personen registriert. In den ersten sechs
Monaten des Jahres 1973 lag die entsprechende Zahl bei 33 539 - das bedeutet
einen Rückgang um 30 Prozent. In der Bundeshauptstadt Washington erhöhte sich
im Jahr 1969 die Zahl der Heroinsüchtigen um 2700 und erreichte damit einen
absoluten Höhepunkt. Im Jahr 1972 lag die entsprechende Zahl bei 100.

Polizei und Justiz auf internationaler und inneramerikanischer Ebene
sorgten außerdem dafür, daß in den Staaten an der amerikanischen Ostküste
seit 1972 Heroin mehr oder weniger rar geworden ist. Die Preise sind hoch und
die Qualität ist vielfach so miserabel, daß die Konsumenten unfreiwillig eine
Art Entziehungskur durchmachen.

+ + + + +

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46/1973

DEM ERREGER DER SERUMHEPATITIS AUF DER SPUR

- (AD) - Hepatitis (Leberentzündung), die viele Ursachen haben kann,
kostet jedes Jahr Tausenden von Menschen das Leben. Bei einer um ein Vielfaches größeren Zahl führt sie häufig genug zu schwerer Beeinträchtigung
der Gesundheit mit oft langem Siechtum.

Ein besonderes Problem stellen die auf Infekti onen beruhenden diffusen
Erkrankungsformen dar. Bei diesen ist, von einigen seltenen und tropischen
Hepatiden abgesehen, zwischen der Virushepatitis und der Serumhepatitis zu
unterscheiden. Erreger ist im ersten Fall das 1943 entdeckte HepatitisVirus A, das auf oralem Wege in den Körper gelangt, mit Stuhl und Urin oft
noch nach Jahren ausgeschieden wird und so unkontrolliert weite Verbreitung
erfahren kann.

Interessanterweise entwickeln Personen, die die Erkrankung durchgemacht
haben, keine Immunität gegen eine zweite infektiöse Form, die sog. Serumhepatitis. Diese wird z.B. mit der Transfusion des Blutes von Personen, deren
Erkrankung nicht erkannt oder bekannt wurde, oder auf Grund von Spritzeninfektionen übertragen. In jüngster Zeit ergaben sich jedoch Hinweise darauf,
daß sie auch oral, vielleicht sogar noch auf anderem Wege übertragbar ist.

Schon seit Jahren wird vermutet, daß zwischen bestimmten filtrierbaren
Elementarkörperchen im Blut von Patienten mit chronischer Hepatitis und dem

- I -

�»

dem Erreger der Serumhepatitis (Hepatitis-Virus B) irgendwelche Verbindungen
bestehen. Vielleicht haben sie mit den die Krankheit verursachenden Antigenen unmittelbar etwas zu tun. Eine Gruppe amerikanischer Forscher, die sich
im Auftrag der Medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) der USA eingehend
mit haematologischen Untersuchungen befaßten, entdeckten nun vor kurzem im
Serum von Hepatitiskranken einen spezifischen "Indikator" für das Erregervirus.
Es handelt sich um ein Enzym, eine DNS-Polymerase. Sie steuert den Aufbau
einer Nukleinsäure, die im genetischen Material zahlreicher Viren und anderer
Organismen enthalten ist. Die Wissenschaftler - unter ihnen Dr. Paul M. Kaplan
und Dr. John L. Gerin vom "Molecular Anatomy Program Laboratory" in Rockville
(Maryland) - konnten nachweisen, daß dieses Material mit den Partikeln, die
als Hepatitis-Erreger vom Typ B angesehen werden, in direktem Zusammenhang
steht.

Von den bisher erzielten Ergebnissen bis zu Aktionen großen Stils zur Bekämpfung der infektiösen Hepatitis, beispielsweise Massenimpfungen, ist es
noch ein sehr weiter Weg, der Jahre in Anspruch nehmen wird. Ist jedoch erst
einmal der Erreger bekannt, so müßten auch in kürzester Zeit Verfahren verfügbar sein, mit denen in Konservenblut und für Transfusionen bestimmten Biutfraktionen mit Sicherheit der Faktor ermittelt werden könnte, der Serumhepatitis
verursacht. Ein oft schwer bestimmbares Risiko bei Blutübertragungen würde damit ausgeschaltet. Ähnlich müßten auch Wasser und Lebensmittel auf HepatitisViren zu prüfen sein. Somit wären die neuesten Entdeckungen im Zusammenhang
mit infektiöser Hepatitis auch von unmittelbar praktischer Bedeutung.

- 2-

�</text>
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