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Dokumentation

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1 4 . November 1973

44

Inhalt

DOKUMENTATION:
Nixon gibt Sparmaßnahmen zur Sicherung der Energieversorgung bekannt
-Wortlaut der Rundfunk-und Fernsehansprache des Präsidenten vom
7.November-

WIRTSCHAFT:
Rede des amerikanischen Landwirtschaftsministers Earl L. Butz
zur Eröffnung der Welt-Soja-Protein~Konferenz in München am 11. November 1973
US-Außenhandel verzeichnet wachsende Überschüsse
Von Dr. Sidney L„ Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Bautechnik » wichtiger Ansatzpunkt zum Energiesparen
-Schul^und Behördenbauten als Modellprojekte~
Von G. Weiss
Schwache elektrische Felder steuern Hirnaktivität
Verfahrensumstellung bei der Tiefkühlindustrie spart Wasser

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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44/1973
NIXON GIBT SPARMASSNAHMEN ZUR SICHERUNG DER ENERGIEVERSORGUNG BEKANNT
- Wortlaut der Rundfunk- und Fernsehansprache des Präsidenten
von 7. November -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am Abend des 7. November (Ortszeit) eine Reihe von Sparmaßnahmen bekanntgegeben, die angesichts der gegenwärtigen Krise die Energieversorgung der Vereinigten Staaten sichern sollen.
Gleichzeitig kündigte er eine Gesetzesvorlage - Emergency Energy Act - an, um
die Regierung in die Lage zu versetzen, Notmaßnahmen anordnen zu können.

Die Ansprache des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:

"Ich möchte heute abend mit Ihnen über ein ernstes Energieproblem sprechen,
dem wir in den kommenden Monaten und Jahren ins Auge sehen müssen.

In dem Maße, in dem Amerika in den letzten Jahren gewachsen und gediehen
ist, hat unser Energiebedarf mit der Zeit die verfügbaren Vorräte überstiegen.
Wir haben in den letzten Monaten viele Maßnahmen ergriffen, um die Versorgung
zu erhöhen und den Verbrauch zu drosseln. Aber selbst mit all unseren besten
Anstrengungen waren wir uns bewußt, daß unausweichlich eine Periode temporärer
Verknappungen auf uns zu kam.

Leider sind unsere Erwartungen für diesen Winter jetzt durch den jüngsten
Konflikt im Nahen Osten stark eingeschränkt worden. Wegen des Krieges haben

- 1 -

�&lt;

haben die meisten der Ölproduzenten im Nahen Osten ihre Gesamtproduktion

«•

verringert und ihre Lieferungen an die Vereinigten Staaten eingestellt. Bis
Ende dieses Monats werden über zwei Millionen Barrel (ein Barrel gleich 159
Liter) pro Tag, mit denen wir als Einfuhr in die Vereinigten Staaten rechneten,
nicht mehr zur Verfügung stehen.
Wir müssen uns daher der nackten Tatsache stellen, daß wir auf die akutesten
Energieverknappungen seit dem zweiten Weltkrieg zusteuern. Unsere Erdölversorgung in diesem Winter wird mindestens 10 Prozent unter unserem erwartungsgemäßen Bedarf liegen - und könnte bis zu 17 Prozent darunter liegen.

Schon vor Ausbruch des Krieges im Nahen Osten waren diese zu erwartenden
Verknappungen das Thema intensiver Erörterungen unter Mitgliedern meiner Administraticn

und führenden Vertretern des Kongresses, Gouverneuren, Bürger-

meistern sowie Vertretern der Verbraucher und der Industrie. Aus diesen Gesprächen
hat sich eine allgemeine Ü^reinstimmung

herauskristallisiert, daß wir jetzt

einen neuen Kurs für unsere Nation abstecken müssen.
fr

Kurzfristig gesehen bedeutet dieser Kurs, daß wir weniger Energie verbrauchen dürfen - weniger Heizung, weniger Elektrizität und weniger Benzin.
Auf lange Sicht bedeutet das, daß wir neue Energiequellen entwickeln müssen,
die uns in die Lage versetzen, unseren Bedarf zu decken, ohne uns auf andere
Länder verlassen zu müssen.

Die unmittelbare Knappheit wird sich auf das Leben eines jeden van uns
auswirken. In unseren Fabriken, in unseren Autos, in unseren Wohnungen und in
unseren Büros werden wir weniger Brennstoff verbrauchen können, als wir dies
gewohnt waren. In manchen Schulen und Fabriken werden die Unterrichts- und Arbeitszeiten neu festgelegt werden müssen. Manche Düsenflüge werden gestrichen
werden.

Das bedeutet nicht, daß wir kein Benzin mehr haben werden oder daß der
Luftverkehr eingestellt wird oder daß wir in unseren Wohnungen oder Büros
frieren müssen. Die Brennstoffkrise muß nicht unbedingt bedeuten, daß jeder

�jeder Amerikaner echt leidet. Aber sie wird von allen Amerikanern einige
Opfer verlangen.

Wir müssen sicherstellen, daß unser lebenswichtiger Bedarf am ersten gedeckt wird - und daß unsere am wenigsten wichtigen Tätigkeiten als erste gedrosselt werden. Und wir müssen sicherstellen, daß zwar an unserer Wirtschaft
das Fett abtrainiert wird, daß aber die Muskeln nicht ernsthaft beschädigt
werden.

Um uns dabei zu helfen, diese Aufgabe zu erfüllen, gebe ich heute abend
folgende Schritte bekannt:

Erstens: Ich ordne an, daß Industrien und öffentliche Versorgungsbetriebe,
die Kehle verwenden - das natürliche Hilfsmittel, das uns am reichlichsten zur
Verfügung steht - davon abgehalten werden, in unmittelbarer Zukunft auf öl umzustellen. Ferner werden Anstrengungen unternommen, Kraftwerke und öl auf Kohle
umzustellen.

Zweitens: Wir teilen verringerte Mengen an Brennstoff für Flugzeuge aus.
Dies wird zu einer Kürzung über 10 Prozent der Anzahl der Flüge und zu einer
Neufestlegung von Abflugs- und Ankunftszeiten führen.
Drittens: In der Versorgung mit Heizöl führ Wohnungen, Büros und andere
Einrichtungen wird eine Kürzung von schätzungsweise 15 Prozent eintreten. Um
sicherzustellen, daß genug öl für den gesamten Winter vorhanden ist, wird es
für alle von uns unumgänglich sein, bei niedrigeren Temperaturen zu leben und
zu arbeiten. Wir müssen jeden darum bitten, den Thermostat in seiner Wohnung
um mindestens 6 Grad (Fahrenheit) zurückzudrehen, damit wir einen nationalen
Tagesdurchschnitt von 68 Fahrenheit (20 Grad Celsius) erreichen. In Büros,
Fabriken und kaufmännischen Betrieben müssen wir darum bitten, daß sie eine
verhältnismäßige Verringerung um 10 Grad erreichen, indem entweder der Thermostat zurückgedreht oder die Arbeitsstunden gekürzt werden.

Viertens:

�&gt;

Viertens: Ich ordne eine weitere Verringerung des Energieverbrauchs durch

\

die Bundesregierung an. Wir haben bereits Schritte unternommen, um den Verbrauch der Regierung um 7 Prozent zu senken. Die Kürzungen nüssen jetzt noch
weitergehen.und in jedem Amt und Ministerium der Regierung durchgeführt werden.
Ich gebe die Anweisung, daß die Temperaturen in Büroräumen der Bundesregierung
während des Tages sofort auf einen Stand zwischen 65 und 68 Grad verringert
werden. Darüber hinaus ordne ich an, daß alle Fahrzeuge im Besitz der Bundesregierung - und es gibt etwa eine halbe Million davon - nicht schneller als
50 Meilen pro Stunde fahren, außer in Notfällen. Dies ist ein Schritt, den
sofort zu ergreifen ich auch alle Gouverneure, Bürgermeister und Kommunalbeamte bezüglich den ihnen unterstellten Fahrzeugen gebeten habe.

Fünftens: Ich ersuche die Atomenergiekommission, die Lizenzierung und den
Bau von Kernkraftwerken zu beschleunigen. Wir nüssen versuchen, die Zeitspanne,
die erforderlich ist, um Kernkraftwerke in Betrieb zu setzen, von zehn auf
sechs Jahre zu verringern.

Sechstens: Ich ersuche die Gouverneure und Bürgermeister, diese Maßnahmen zu *
unterstützen, indem sie auf einzelstaatlicher und koimiunaler Ebene entsprechende
Schritte unternehmen. Wir haben beispielsweise van Staate Oregon bereits gelernt,
daß beträchtliche Energiemengen eingespart werden können, wenn unnötige Beleuchtung eingespart und das Schuljahr leicht geändert wird. Ich empfehle, daß
andere Gemeinden diesem Beispiel folgen und ebenfalls nach Mitteln und Wegen
suchen, um Arbeitsstunden zu verlegen und zu einer stärkeren Benutzung von
öffentlichen Verkehrsmitteln und Fahrgemeinschaften anzuregen. In Übereinstimmung mit Sicherheits- und Wirtschaftserwägungen ersuche ich femer die Gouverneure, Schritte zu ergreifen, um die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen auf
50 Meilen pro Stunde herabzusetzen. Diese Maßnahme allein könnte, wenn sie auf
nationaler Basis ergriffen wird, täglich über 200 000 Barrel öl einsparen.

All diese Maßnahmen werden zu einer wesentlichen Einsparung an Energie
führen. Und was noch wichtiger ist, die meisten dieser Maßnahmen können sofort
und ohne weitere Verzögerung eingeführt werden. Der Schlüssel zu ihrem Erfolg
liegt nicht in Washington, sondern in jedem Heim und in jeder Gemeinde im
- 4 -

�im ganzen Lande. Wenn jeder von uns an dieser Anstrengung mitwirkt - mitwirkt
in dem Geist und der Entschlossenheit, die den amerikanischen Charakter schon
inner ausgezeichnet haben, dann ist die Schlacht bereits halb gewonnen.
Wir müssen jedoch einsehen, daß selbst diese Schritte, so wesentlich sie
sein mögen, wohl nicht ausreichend sind. Wir müssen bereit sein, weitere
Schritte zu unternehmen, und zu diesem Zweck muß der Kongreß zusätzliche Vollmachten gewähren.

Ich habe daher meinen Chefberater für Energiepolitik, Gouverneur John
Love, und andere Regierungsbedienstete angewiesen, eng mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um ein Energienotgesetz - Emergency Energy Act - auszuarbeiten.

Ich bin heute vormittag mit führenden Kongreßvertretem zusammengetroffen
und habe sie ersucht, diese Vorlage mit Priorität auf dringlicher Basis zu behandeln. Es ist unerläßlich, daß dieses Gesetz zur Unterschrift auf meinen
Schreibtisch kcmmt, bevor der Kongreß im Dezember in die Ferien geht. Aufgrund
der harten Arbeit, die die Senatoren Jackson, Fannin und andere für diese Vorlage bereits geleistet haben, bin ich zuversichtlich, daß wir diesen Termin
einhalten können.

Diese vorgeschlagene Gesetzgebung würde die Exekutive in die Lage versetzen, der Energiekrise auf verschiedene wichtige Weise begegnen zu können:

Erstens: Sie würde die sofortige Rückkehr zur Sommerzeit (Daylight saving
time) auf ganzjähriger Basis erlauben.

Zweitens: Sie würde die notwendige Vollmacht gewähren, die Umweltbestimmungen auf temporärer Basis von Fall zu Fall zu lockern, und es uns erlauben,
unsere Umweltinteressen mit unseren Energieerfordernissen in geeigneter Weise
aufeinander abzustimmen.

Drittens:

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Drittens: Sie würde die Vollmacht gewähren, besondere Energiesparmaßnahmen
einzuführen, wie etwa Einschränkungen der Öffnungszeiten für Einkaufszentren
und andere kaufmännische Einrichtungen.

Viertens: Sie würde die Suche, Erschließung und Produktion im Hinblick auf
unsere Erdölreserven im Meeresboden genehmigen und finanzieren. Diese Reserven
enthalten reiche Ölquellen. Allein aus einer dieser Quellen - Elk Hills, Kalifornien - könnten wir innerhalb von zwei Monaten täglich über 160 000 Barrel fördern.

Fünftens: Sie würde der Bundesregierung Vollmacht erteilen, die Höchstgeschwindigkeit auf Autostraßen im ganzen Lande herabzusetzen.

Und letztlich würde sie die Ermächtigung der zuständigen Regierungsbehörden
ausweiten, um die Fahrpläne von Flugzeugen, Schiffen und anderen Verkehrs- und
Transportmitteln den Umständen anzupassen.

'

Wenn die Verknappungen trotz all dieser Maßnahmen und trotz unvermeidlicher-Erhöhungen des Preises für Energieprodukte anhalten sollten, könnte es notwendig
werden, noch nachhaltigere Maßnahmen zu ergreifen. Es ist ein Gebot der Klugheit, daß wir bereit sind, den Verbrauch von ölprodukten wie Benzin durch Rationierung oder durch ein faires System der Besteuerung einschränken, und ich habe
Anweisung erteilt, Notstandspläne zu diesem Zweck vorzubereiten.

Mancher von Ihnen mag sich fragen, ob wir die Uhr auf ein anderes Zeitalter zurückstellen. Benzinrationierung, Ölknappheit und Geschwindigkeitsbeschränkungen, das alles riecht nach einem Leben, das wir mit den Kriegsjähren
in den vierziger Jahren hinter uns gelassen haben. Nun stammt ein Teil unserer
Probleme auch vom Krieg - dem Krieg im Nahen Osten -, aber genauer gesehen ergeben sich unsere Energieprobleme nicht aus dem Krieg, sondern aus dem Frieden
und dem Wohlstand. Unsere Energie wird heute knapp, weil unsere Wirtschaft ungeheuer gewachsen ist, und weil in der Prosperität das, was früher als ein Luxus
angesehen wurde, heute als Notwendigkeit betrachtet wird.

Als
- 6 -

�Als Ergebnis wird der Durchsdinittsamerikaner in den nächsten sieben Tagen
so viel Energie verbrauchen wie die reisten anderen Menschen in der Welt in
einem ganzen Jahr. Wir haben nur sechs Prozent der Weltbevölkerung, aber wir
verbrauchen über 30 Prozent der Weltenergie. Jetzt stößt unser wachsender Bedarf an die Grenzen der verfügbaren Versorgung, wenn wir keine neuen Energiequellen für morgen erschließen, dann müssen wir bereit sein, heute unseren Gürtel
enger zuschnallen.

Darf ich mich jetzt unseren langfristigen Plänen zuwenden.

Wenn wir auch der Lösung der unmittelbaren Krise höchste Dringlichkeit
einräumen, so müssen wir doch schon jetzt handeln, um die Wiederholung einer
solchen Krise in Zukunft zu verhindern. Das ist eine überparteiliche Angelegenheit und verlangt eine überparteiliche Antwort.
Vor zwei Jahren lenkte ich in der ersten Energiebotschaft, die je ein
amerikanischer Präsident dem Kongreß unterbreitete, die Aufmerksamkeit auf
unser kritisches Energieproblem. Im April unterstrich ich dem Kongreß gegenüber
erneut die Größenordnung dieses Problems und ersuchte darum, auf sieben wichtigen,
durch gesetzliche Maßnahmen zu regelnden Gebieten die notwendigen Maßnahmen zu
ergreifen. Im Juni ersuchte ich erneut darum, zu handeln, und das habe ich
seitdem wiederholt getan.

Bisher ist keine der wichtigen Gesetzesvorlagen über Energie verabschiedet
worden. Ich weiß, daß der Kongreß in dieser Zeit mit anderen Dingen beschäftigt
war. Jetzt aber ist für den Kongreß der Zeitpunkt gekorrmen, diese dringende
Angelegenheit zu behandeln und die Gesetze zu schaffen, mit denen nicht nur
der gegenwärtigen Krise, sondern auch den langfristigen Aufgaben begegnet
werden kann.

Wenn wir es jetzt versäumen, unsere langfristigen Energieprobleme anzupacken, würden wir die Fähigkeit unserer Industrie und Landwirtschaft ernsthaft gefährden, unserer Bevölkerung in einem alle Rekorde brechenden Umfang
Arbeit und Brot zu geben - wir haben in diesem Land z.Z. fast 86 Millionen Be- 7 -

�Beschäftigte - und den in unserer ganzen Geschichte höchsten Lebensstandard
zu erhalten.
Es könnte unsere Möglichkeit beeinträchtigen, den Rekordtiefstand der Arbeitslosigkeit - der niedrigste in Friedenszeiten seit 16 Jahren - zu halten.
Es könnte die Produktionskapazität unserer Farmer zur Erzeugung der notwendigen
Nahrungsmittel einengen. Es könnte unser gesamtes Transport- und Verkehrssystem
in Gefahr bringen. Und es könnte ernsthaft die Fähigkeit Amerikas schwächen,
weiterhin die führende Rolle zu spielen, die nur wir übernehmen können, um den
Frieden, den wir jetzt mit so großen Opfern an Tausenden unserer besten jungen
Menschen erreicht haben, zu erhalten.

Deshalb ist es höchste Zeit, die lebenswichtigen Energiegesetze, die
unseren Alltag auf Jahre hinaus beeinflussen werden, zu verabschieden.

Wir brauchen jetzt das Gesetz, das zum Bau der Alaska-Pipeline ermächtigt
- ein Gesetz, das nicht mit irrelevanten und unnötigen Bestimmungen belastet
ist.
Wir brauchen eine gesetzliche Vollmacht, um die Erschließung unserer
riesigen Erdgaslager zu fördern.

Wir brauchen die gesetzliche Handhabe, um vernünftige Richtlinien für
den Kohlen-Tagebau festzusetzen.

Wir brauchen den organisatorischen Rahmen, um unsere Energieprogramme
sachlich und verwaltungsmäßig durchzuführen.

Ich ersuche den Kongreß noch einmal dringend, sich mit den Initiativen
zu befassen, die ich vor sechs Monaten empfahl, um diesen Erfordernissen nachzukommen.

Schließlich habe ich wiederholt die Notwendigkeit unterstrichen, unsere
Anstrengungen in bezug auf Energieforschung und Energieentwicklung zu ver-

�verstärken. Im Juni dieses Jahres kündigte ich ein mit 10 Milliarden Dollar
ausgestattetes Fünfjahres-Programm an mit dem Ziel, bessere Möglichkeiten
für die Nutzung von Energie zu schaffen sowie nach neuen Energiequellen zu
suchen und sie zu erschließen. Im vorigen Monat gab ich Pläne für eine sofortige Beschleunigung dieses Programms bekannt.

Wir können beruhigt sein, daß wir in den Vereinigten Staaten über die
Hälfte der gesamten bekannten Kohlevorkommen verfügen. Wir haben riesige bisher
noch nicht angezapfte Erdgaslager. Wir besitzen die fortschrittlichste nukleare
Technik der Welt. Wir haben Erdöl in unseren Schelfgebieten. Wir haben Ölschiefer in unseren Westregionen. Wir haben viele der besten Ingenieure und
Wissenschaftler der Welt unter uns.

Kurzum, wir verfügen über alle die Hilfsquellen, die wir brauchen, um
die große vor uns liegende Aufgabe bewältigen zu können. Jetzt müssen wir beweisen, daß wir auch willens sind, diese

Herauforderung zu meistern.

Im zweiten Weltkrieg sah sich Amerika der Notwendigkeit gegenüber, in
kürzester Frist eine atomare Kapazität zu entwickeln. Die Lage war ernst. In
der Reaktion auf diese Herausforderung konzentrierte unsere Nation ihre besten
wissenschaftlichen Talente und Organisatoren auf das Manhattan-Projekt. Da
diesem alle notwendigen Hilfsquellen zur Verfügung gestellt wurden und ihm die
höchste Dringlichkeitsstufe zuerkannt worden war, brachte uns das ManhattanProjekt die nukleare Kapazität, die half, den Krieg im Pazifik zu beenden.

Zwei Jahrzehnte später konzentrierten wir in Reaktion auf eine andersgeartete Herausforderung unsere wissenschaftlichen und technischen Talente auf
die Raumfahrt-Front. Wir verpflichteten uns, noch vor 1970 Menschen zum Mond
zu bringen - und am 21. Juli 1969 tat Neil Armstrong den historischen 'großen
Sprung für die Menschheit'.

Die Lektionen aus dem APOLLO-Projekt und dem zuvor durchgeführten ManhattanProjekt sind die gleichen, wie sie uns die gesamte amerikanische Geschichte lehrt:
Wenn sich das amerikanische Volk einem klaren Ziel gegenübersieht und herausge-

�1
herausgefordert ist, es zu erreichen, dann können wir Außergewöhnliches vollbringen.

Heute besteht die Herausforderung darin, die Stärke wiederzuerlangen, die
wir in diesem Jahrhundert schon einmal besaßen: die Stärke der Autarkie. Unsere
Fähigkeit, unseren eigenen Energiebedarf zu decken, ist direkt mit unserer
bleibenden Fähigkeit verknüpft, im Dienst des Friedens im eigenen Lande und
draußen entschlossen und unabhängig zu handeln.

Ich habe angeordnet, Mittel für die Finanzierung der Anstrengungen zur
Erreichung der Autarkie bereitzustellen, wobei die Surrmen weit über die hinausgehen, die für das Manhattan-Projekt aufgewandt wurden. Aber Geld ist nur einer
der Faktoren, die für den Erfolg eines solchen Projekts notwendig sind. Wir
brauchen auch eine gemeinsame Verpflichtung auf dieses Engagement, und wir
brauchen eine einheitliche Lenkung für die Anstrengungen, mit denen es erreicht
werden soll.

Da eine Organisation zur Leitung dieser Anstrengungen dringend gebraucht
wird, ersuche ich den Kongreß, meinen Vorschlag zur Schaffung eines Amtes für
Energie-Forschung und Energieentwicklung gesondert von meinen anderen Vorschlägen
für einen organisatorischen Rahmen zu behandeln und dieses Gesetz noch in der
jetzigen Legislaturperiode zu verabschieden.

Laßt uns einig sein in der Verpflichtung, die Hilfsquellen dieser Nation
für ein neues großes Wagnis einzusetzen - ein Wagnis, das dieser Ära des 200jährigen Bestehens unseres Landes angemessen, als 'Project Independence' (Projekt Unabhängigkeit) bezeichnet werden soll.

Wollen wir uns im Geiste von APOLLO und der Entschlossenheit, wie sie im
Manhattan-Projekt zum Ausdruck kam, das nationale Ziel setzen, bis zum Ende dieses
Jahrzehnts die Möglichkeiten zu schaffen, unseren eigenen Energiebedarf unabhängig von allen ausländischen Energiequellen decken zu können. Wollen wir uns
darauf verpflichten, bis 1980 im Rahmen des 'Projekts Unabhängigkeit1 in der
Lage zu sein, den Energiebedarf Amerikas aus den amerikanischen Energiequellen

- 10 -

�1

Energiequellen zu decken.

Wenn ich so offen zu Ihnen spreche wie heute abend, so deshalb, weil id*
vor Ihnen uneingeschränkt die Tatsache der Energieknappheit im Lande darlegen
wollte. Es ist wichtig, daß jeder von uns die Situation begreift und erkennt,
wie notwendig die Anstrengungen, die wir gemeinsam zu ihrer Lösung unternehmen
können, in unserem gesamten Bemühen sind.

Kein Volk verhält sich nobler als das amerikanische Volk, wenn es aufgerufen wird, im Dienst für das Land zusammenzustehen. Ich vertraue zutiefst
darauf, daß die vor uns liegenden Tage und Wochen, mögen sie auch für viele
von uns Härten bringen, eine Zeit erneuter Orientierung und Hinwendung zu den
nationalen Interessen sein werden.

Wir haben zwar eine Energiekrise, aber keine Krise der amerikanischen
Geisteshaltung. Mit dieser Überzeugung wollen wir jetzt voranschreiten, wollen
wir das Noto/endige tun, stolz auf das in der Vergangenheit gemeinsam Erreichte,
und wollen wir darauf vertrauen, was wir in Zukunft gemeinsam erreichen können.

Laßt uns in dieser Zeit nationaler Anforderungen zu einem erneuerten Bewußtsein unserer Fähigkeiten als Volk, zu einem vertieften Bewußtsein unserer
Verantwortung als Nation und zu einem besseren Verständnis dafür finden, daß
die Größe und die Bedeutung Amerikas stets von der Hingabe bestimmt wurde, die
jeder von uns für unsere Pflichten als Bürger Amerikas aufbringt."

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REDE DES AMERIKANISCHEN LANDWIRTSCHAFTSMINISTERS EARL L. BUTZ
ZUR ERÖFFNUNG DER WELT-SOJA-PROTEIN- KONFERENZ

IN MÜNCHEN AM 11. NOVEMBER 1973

SOJA-PROTEINE - GRUNDLAGE EINER BESSEREN ERNÄHRUNG

Vieles, was heute einem Nahrungsmittel in der Welt zugeschrieben
wird, hat mit diesem überhaupt nichts zu tun.Vielmehr handelt es sich
hier um eine Reaktion auf die jüngsten Preisentwicklungen bei tierischem
Eiweiß. Man kann nicht generell - einige wenige isolierte Gebiete ausgenommen - von Hungersnot sprechen. Die Situation ergibt sich eher aus Proteinmangel und Proteinbedarf.
Lassen Sie mich den Unterschied zwischen Mangel und Bedarf klarmachen:
(1) Viele Menschen in den weniger entwickelten Gebieten der Welt haben zu
wenig Eiweiß in ihrer Nahrung, woraus sich ein echtes Gesundheitsproblem
ergeben kann. (2) In anderen Gebieten sind die Menschen vielleicht Fleisch,
Milch und Eier gewöhnt. Sie woll-n den Verbrauch dieser Produkte bei
sinkenden Preisen beibehalten oder noch steigern.
Viele Länder verfügen über die Kapazitäten, die Vieh-und Geflügelproduktion auszuweiten. Und im Verlauf der Prozesse, die zur Preissenkung
bei diesen Produkten führen, trägt dieses Potential viel zu der Möglichkeit einer Ausweitung des Marktes für Sojabohnen und andere Nahrungsprodukte in der ganzen Welt bei. Aber selbst in Gebieten, wo die Produktion
an Schlachtvieh und Geflügel langsamer zunimmt, gibt es Möglichkeiten,
den Eiweißverbrauch auf andere Weise zu steigern.
Sojaeiweiß

�1

i
Sojaeiweiß ist ein Mittel, tierisches Eiweiß sowohl zu strecken, als
auch durch qualitativ hochwertiges Eiweiß, das noch dazu verhältnismäßig
billig zu produzieren ist, zu ersetzen. Das bedeutet, kurz gesagt, eine
enorm günstige Gelegenheit, Sojabohnen weitaus stärker als bisher der
menschlichen Ernährung direkt zuzuführen. Im Orient hat die Sojabohne schon
von altersher große Bedeutung als Nahrungsmittel und Delikatesse gehabt. In
der Welternährungsbilanz spielt sie jedoch als Nahrungsmittel noch kaum eine
Rolle.
Tatsächlich begann die westliche Welt erst Mitte der 60er Jahre,Sojabohnen als Nahrungsmittel ernsthaft in Betracht zu ziehen - von der Herstellung von Babynahrung und Diätspeisen einmal abgesehen. Gegenwärtig schätzt
man, daß Sojabohnen amerikanischer Herkunft als Nahrungsmittel auf den Märkten des In-und Auslandes etwa 1 Million Tonnen pro Jahr ausmachen. Auf die
Sojabohnenernte in den USA bezogen bedeutet das nur einen geringen Anteil.

«

Für Nahrungsmittel werden etwa drei Prozent der in Amerika angebauten Sojabohnen vermählen und exportiert, gegenüber 85 Prozent, die als Tierfutter
verwertet und 12 Prozent, die industriell weiterverarbeitet werden.
Die Zukunft sieht jedoch wesentlich besser aus. Manche Schätzungen gehen
dahin, daß bis 1980 für amerikanische Produkte ein Markt im Umfang von vielleicht 2 Milliarden Dollar gegenüber derzeit schätzungsweise 75 Millionen
Dollar für Nahrungsmittel auf Sojaeiweißbasis zu erwarten sei. Wissenschaftler vom US-Landwirtschaftsministerium sind der Ansicht, daß bis 1980 pflanzliche Proteine in einem Umfang verbraucht werden, der etwa 8 Prozent des
Verbrauchs an Fleisch (ohne Geflügel)ausmacht. Und von privater Seite wurde
prophezeit, daß 1980 bis zu 20 Prozent des "Fleisches" aus Stoffen bestehen,
die auf pflanzlichem Eiweiß basieren.
In

-2-

,

�In amerikanischen Supermärkten ist beispielsweise zu beobachten, daß
sich mit Sojabestandteilen gestrecktes Rinderhackfleisch zunehmender Beliebtheit erfreut und zu Preisen zu haben ist, die niedriger liegen als jene für
Vollfleischprodukte. Auch als Zusatz zu Fleischtiefkühlkost, Fertigmahlzeiten und vielen anderen Schnellgerichten wird Sojaeiweiß benutzt.
Darüber hinaus verwendet auch der normale Handel Sojaeiweiß bereits in
beträchtlichem Umfang - nicht nur in Rindergehacktem, sondern auch in anderen Fleischgerichten. Sojaeiweiß-Produkte werden in wachsendem Maße in Krankenhäusern, Kliniken, in den Kantinen von Behörden, Colleges und Universitäten, in Restaurants und von der Nahrungsmittel verarbeitenden Industrie
benutzt.
Ein wichtiger Durchbruch kam im Jahre 1971, als das US-Landwirtschaftsministerium die Verwendung von T.V.P.(Textured Vegetable Protein), angereichert mit Vitaminen und Mineralien, für Schulspeisungsprogramme sowie
Mittags-und Abendbrottische im Rah men besonderer Versorgungsprogramme für
Kinder zuließ. Als Folge davon darf heute T.V.P. auf Sojabasis bis zu 30
Prozent bei Fleischklößen, Soßen, Eintopfgerichten und ähnlichen Fleisch-,
Geflügel- oder Fischgerichten ausmachen.
Gegenwärtig werden diese T.V.P.-Präparate ausschließlich aus Sojabohnen gewonnen. Aber es ist möglich, daß auch Baumwollsamen,Erdnüsse, Sonnenblumenkerne, Saflorsamen und Getreide in zunehmendem Maße als dafür geeignet betrachtet werden. Im Rahmen mancher Programme des amerikanischen Landwirtschaftsministeriums werden pflanzliche Proteine anderen Nahrungsmitteln
zugesetzt. Dabei ergeben sich Nahrungsmittel mit einer sehr viel besseren
Aminosäure-Bilanz, als es bei den Nahrungsmitteln allein der Fall wäre.

Schulen

�Schulen können T.V.P.-Präparate für etwa 18 Cent pro Pfund (in genußfertigem Zustand) kaufen und diese im Verhältnis 30 zu 70 mit magerem Rindfleisch vermischen, das mehr als 1 Dollar pro Pfund kostet. Im Schuljahr
1971/72 wurden etwa 23 Millionen Pfund an T.V.P. (genußfertig) bei den
Schulspeisungsprogrammen verwendet; im darauffolgenden Jahr war es nahezu
die doppelte Menge.
Der Dienst für Nahrungsmittel und Ernährung des US-Landwirtschaftsministeriums hat ein System für die Begutachtung, Einführung, Katalogisierung und Überwachung von Pflanzenproteinen aufgestellt, die in den verschiedenen Programmen verwendet werden. Neben T.V.P. benutzt das US-Landwirtschaftsministerium in seinen Nahrungsmittelprogrammen jetzt auch eine
Reihe anderer pflanzlicher Eiweißprodukte und es zieht weitere in Erwägung.
Als teilweise Ausweichnahrung für Fleisch werden stark mit Eiweiß angereicherte Makkaroni benutzt. Analoge, aus Soja, Nährmittelgetreide und
anderen Produkten entwickelte Nahrungsmittel werden vor allem in Religionsschulen als Fleischersatz verwandt. Ernährungsprogramme für amerikanische
Indianer des Navajo-Stammes ziehen mit Lysin angereichertes Weizenmehl
heran. In einem Sonderspeisungsprogramm für Kinder ist ein verarbeitetes,
auf Milch basierendes Erzeugnis genehmigt worden.
Ferner wird eine Vielzahl von Backerzeugnissen in bestimmter Zusammen Setzung für die Verwendung von Soja und vielleicht anderen Pflanzenproteinen
erwogen, um sowohl die Quantität als auch die Qualität von Eiweiß zu steigern. Es ist vorgeschlagen worden, mit Soja angereichertes Maismehl oder
Tortilla-Mehl zu verwenden, um im Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten den Proteingehalt im Maismehl zu steigern - in Gebieten also, in denen
Mais ein wichtiger Bestandteil der Ernährung ist. Ferner werden Richtlinien
für die Verwendung von Pizzas in bestimmter Zusammensetzung in USDA-Lebensmittelprogrammen ausgearbeitet.
Die

�'

Die Verwendung von Soja-Proteinen in gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen ist als zusätzliche Ernährung ebenfalls immer wichtiger geworden. Sie
werden bei den amerikanischen Programmen für bedürftige Menschen in anderen
Ländern eingesetzt, um die Unterernährung zu bekämpfen. Seit 1966 sind gemischte Nahrungsmittel - Mais-Soja-Milch und Weizenmehl-Soja - in die Liste
der Waren aufgenommen worden, die im Rahmen von Titel II des Öffentlichen Gesetzes 480 verteilt werden, um bedürftige Menschen zu ernähren und Notstände
zu beheben, die durch Naturkatastrophen oder menschliche Konflikte hervorgerufen werden.
Mais-Soja-Milch-und Weizen-Soja-Mischungen bildeten dringend benötigte
Nahrungsmittel für Schulspeisungsprogramme, Mutter-und Kind-Speisungsprogramme
sowie Programme zur Ernährung der arbeitenden Menschen, die darauf abzielen,
die Not unter Arbeitslosen und Kurzarbeitern zu lindern.
Diese Erzeugnisse sind sehr gut aufgenommen worden. Die Lieferungen in
die Nahost- und die südasiatischen Länder waren größer als in andere geographische Gebiete;

es folgten Lateinamerika, Afrika und Ostasien. Darüber hinaus

sind die kommerziellen Lieferungen von gemischten Nahrungsmittelerzeugnissen
ebenfalls gestiegen. Die Weizen-Soja-Mischung steht jetzt unter Titel I des
Öffentlichen Gesetzes 480 sowie im Rahmen des CCC-Exportkredit - Programms zum
Verkauf gegen ausländische Währungen zur Verfügung.
Der besondere Vorzug der gemischten Nahrungsmittel besteht darin, daß sie
ein großes Maß an Sättigung zu relativ niedrigen Kosten bieten.
Während der letzten Jahre hat die Forschung Mittel und Wege aufgezeigt,
um Nährmittel mit proteinreichen Zusätzen anzureichern. Mit der Perfektionierung der Formeln wurden mit Soja angereichertes Maismehl, Weizenschrot, Haferflocken und Sorghum-Gries als hochwertige Ergänzungsnahrung verfügbar. All
diese Nahrungsmittel sind jetzt in Titel II

der Verteilungsprogramme, die

von amerikanischen Freiwilligen-Organisationen getragen werden, eingeschlossen

-5

�eingeschlossen worden. Die unter Titel II zur Verfügung stehenden Nahrungsmittel werden auch über das Welternährungsprograram verteilt - ein multilaterales Lebensmittelhilfsprogramm, das in vielen Ländern tätig ist.
Diese verschiedenartigen Verwendungsmöglichkeiten von Sojaproteinen
könnten sicherlich als Omen für eine Vielzahl erweiterter kommerzieller
Chancen angesehen werden. Wie bei jedem neuen Produkt gibt es auch hier
Probleme, und wir laden die anderen auf dieser Konferenz vertretenen Länder
ein, sich uns in dem Versuch anzuschließen, diese Hindernisse für eine Ausweitung des Marktes zu beseitigen.
Die Vereinigten Staaten werden andere Länder einladen, auf den für
Herbst dieses Jahres angesetzten Multilateralen Handelsverhandlungen die
Klassifizierung und Zollbehandlung eßbarer Proteine zu überprüfen. In dieser Hinsicht sind viele von Ihnen hier Experten auf diesem Gebiet und Sie
können eine wichtige Rolle dabei spielen, die Normen festlegen zu helfen,
die für eine sinnvolle Zollklassifizierung notwendig sind.
I
Die Vereinigten Staaten machen sich besonders Sorgen über die unterschiedliche Zollbehandlung von Soja-Proteinen wie Konzentraten, Extrakten
und Peptonen. In den wichtigeren Märkten wie Großbritannien, Dänemark und
Irland erfahren diese Produkte eine relativ liberale Zollbehandlung und sie
sind in manchen Fällen sogar völlig vom Zoll befreit. Diese Länder aber
werden auf Grund ihres Beitritts zur Europäischen Gemeinschaft gezwungen
sein, ihre Zölle denen der ursprünglichen sechs Mitgliedsstaaten anzugleichen. Bei dieser Angleichung geht das amerikanische Interesse dahin, daß
die Einstufung dieser Proteine in die Niedrigzoll-Kategorie BTN 35.04
(Peptone und andere eiweißhaltige Stoffe und deren Derivate) der fast überall akzeptierten Klassifikation dieser Produkte erhalten bleibt und daß
sie nicht im Zuge der Neuklassifizierung in die höheren Zollkategorien
anderer Produkte eingereiht werden, von denen manche in der Gemeinschaft
nicht nur dem Zoll, sondern auch variablen Abgaben unterliegen.
Die

-6-

�Die Vereinigten Staaten haben Bedenken gegen eine bereits ergangene Entscheidung des Nomenklatur-Ausschusses des Zollkoordinierungs-Rates angemeldet, in der festgelegt wurde, daß die Herstellungsmethode von Protein-Substanzen als Ausgangsbasis für deren Zollklassifizierung zu benutzen sei.
Unserer Auffassung nach war diese Entscheidung, die

eine große Zahl west-

europäischer Länder berührt, mehr das Ergebnis eines Mißverständnisses als
ein bewußter Versuch, die Marktchancen von Soja-Konzentraten einzuengen.
Aber selbst wenn die Entscheidung bezüglich der Neuklassifizierung dieser
Erzeugnisse und ihre Einstufung in höhere Zollkategorien aus einem Mißverständnis resultiert, so ist ihr Ergebnis bedauerlicherweise doch das gleiche
- insofern, als damit zu rechnen ist, daß es abträgliche Auswirkungen auf
den Handel zeitigen wird.
Unserer Auffassung nach besteht die Notwendigkeit einer Überprüfung der
derzeitigen Klassifikationen auf dem weiten Gebiet der Soja-Proteine mit
dem Ziel, ein Höchstmaß an liberaler Zollbehandlung dieser wichtigen Kategorie von proteinhaltigen Nahrungsmitteln sicherzustellen. Angesichts der
weitgehenden gegenseitigen Austauschbarkeit dieser Produkte sollte der Versuch unternommen werden, die größtmögliche Zahl derselben in die Niedrigzoll-Kategorie einzustufen.
In den letzten Monaten fehlte es nicht an Kommentaren zur weltweiten
Verknappung an Proteinen, in denen implizite zum Ausdruck kam, daß Sojabohnen nicht in ausreichenden Mengen zur Verfügung stehen, um den gesamten
direkten Nahrungsbedarf zu decken. Das ist einfach lächerlich, wenn man bedenkt, daß nur ein geringer Prozentsatz der Sojabohnenerzeugnisse in den unmittelbaren Konsum geht und daß der Gesamtabsatz an Sojabohnen für alle Verwendungszwecke erheblich gestiegen ist.

Obwohl

.7.

�\

Obwohl im Sommer dieses Jahres Exportkontrollen notwendig wurden, haben
die Vereinigten Staaten 19 Prozent mehr Sojabohnen und Sojaschrot in dem am
31. August zu Ende gegangenen Erntejähr auf den Markt gebracht als im Vorjahr.
Fast die Hälfte unserer Ausfuhren im Erntejahr 1972/73 ging in Länder der
Europäischen Gemeinschaft - sei es in Form von Sojabohnen oder in der Form
von Sojaschrot. In Sojabohnen-Einheiten ausgedrückt bezifferten sich die
Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft auf 332 Millionen Bushel (9 Millionen t), das entspricht einer Steigerung von 14 Prozent gegenüber dem vorausgegangenen Jahr.
Nach unseren Schätzungen deckten die amerikanischen Sojabohnen- und
Sojaschrot-Ausfuhren in die Europäische Gemeinschaft nicht nur den erhöhten
Verbrauch in diesem Jahr, sondern halfen auch, einen guten Teil der Lieferausfälle aus anderen traditionellen Anbieterländern auszugleichen. Die amerikanischen Sojabohnen-Farmer haben mehr als nur das übliche getan, um den
steigenden Bedarf der Gemeinschaft zu decken - und sie haben gleichzeitig dazu beigetragen, einen Ausgleich für die ausgebliebenen Fischmehllieferungen
t

aus Peru, die geringeren Erdnuß-Exporte aus Nigeria und die Lieferausfälle
aus anderen Ländern der Erde im abgelaufenen Erntejahr zu schaffen.
Darüber hinaus erzeugten wir 1973 etwa 24 Prozent mehr Sojabohnen als
im vorausgegangenen Rekorderntejähr. Wir waren und - dazu sind wir fest entschlossen - bleiben ein beständiger und verläßlicher Lieferant in Agrarprodukten für unsere Abnehmer überall auf der Welt. Wir verlangen aber umgekehrt,
daß man unseren Erzeugnissen den freien Zugang zu den Märkten unter einem
Welthandelssystem gewährleistet, das liberal und expansiv ist.
Die amerikanische Landwirtschaft entwickelt sich in Richtung auf ein
marktorientiertes System und die Freiheit,im Hinblick auf die tatsächlichen
Markterfordernisse zu produzieren. Dies steht voll im Einklang mit unseren
Zielsetzungen im Bereich des internationalen Handels. Nach unserer Überzeugung profitieren die Farmer - und die Volkswirtschaften - von einer Handels-

-8-

�Handelspolitik, die es den Erzeugern gestattet, auf das Wachstum des Bedarfs
ebenso wie auf veränderte Bßgewohnheiten der Verbraucher zu reagieren.
Eine internationale Nahrungsmittelpolitik, die wirksam und praktikabel
sein soll, muß auf einem expandierenden Handelssystem beruhen. Und für eine
Welt, die besser zu essen wünscht, muß ein solches Handelssystem sicherlich
auch den Handel mit Sojabohnen einschließen.

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44/1973

US-AUSSENHANDEL VERZEICHNET WACHSENDE ÜBERSCHÜSSE
Von Dr.Sidney L.Jones
Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium

WASHINGTON --(AD)-- Mit einem wachsenden Außenhandelsüberschuß in den kommenden Monaten rechnet der Unterstaatssekretär im amerikanischen Handelsministerium, Dr. Sidney L.Jones. In einem Artikel in der neuesten Ausgabe
der Zeitschrift "Commerce Today" betont Dr.Jones, daß der September den
Vereinigten Staaten den höchsten Außenhandelsüberschuß seit acht Jahren gebracht hat und gute Aussicht besteht, daß 1973 für die USA mit einem bescheidenen Handelsüberschuß abschließen wird. Wörtlich führt Dr. Jones in
der Zeitschrift aus:
"Ein starker Aufschwung in der amerikanischen Außenhandelsbilanz im
September erweckt jetzt Hoffnungen, daß die Auftriebstendenzen stärker sind,
als zu Beginn des Jahres angenommen worden war. Die Importe sind im September
zum ersten Mal in diesem Jahr zurückgegangen, während die Exporte weiter anstiegen; der hieraus resultierende Handelsüberschuß von 873 Millionen Dollar
wirkt sich nachhaltig auf die amerikanische Zahlungsbilanz sowie die einheimische Wirtschaft aus.
Auch

�Auch wenn die Ergebnisse eines Monats angesichts der Fluktuationen der
Außenhandelsstatistiken ganz allgemein nur einen begrenzten Aussagewert haben, so war das Ausmaß der erzielten Verbesserung im September doch sehr
eindrucksvoll. Dies war der höchste Überschuß seit acht Jahren und das in den
vorangegangenen acht Monaten dieses Jahres entstandene kumulative Defizit
wurde damit auf einen Schlag beseitigt.
Ein gleitender Durchschnitt, durch den die monatlichen Fluktuationen
praktisch ausgeglichen werden, zeigt, daß die Verbesserung der Handelsbilanz
Ende 1972 einsetzte, obwohl das Gesamtdefizit in dem Jahr noch 6,4 Milliarden
Dollar betrug. Trotz der Verbesserung wies der Warenhandel in den ersten Monaten dieses Jahres immer noch ein Defizit aus und allgemein ging man von der
Annahme aus, daß 1973 ein weiteres Defizitjahr werden würde. Jetzt besteht
gute Aussicht, daß die Handelsbilanz dieses Jahres etwa ausgeglichen oder mit
einem bescheidenen Überschuß abschließen wird.
Die Vereinigten Staaten hatten Viele Jahre lang Handelsüberschüsse aufzuweisen. Das Handelsdefizit von rund 2 Milliarden Dollar im Jahre 1971 war
das erste seit 1888.
Da die Handelsbilanz eine Komponente der Zahlungsbilanz ist, wird ihre
Aufwärtsentwicklung auch unsere internationale Zahlungsbilanzposition positiv
beeinflussen. Darüber hinaus hat diese Aufwärtsentwicklung starke psychologische Auswirkungen auf die übrige Welt, denn sie ist ein Indikator dafür,
inwieweit die amerikanische Wirtschaft in der Lage ist, den Wettbewerb auf
den Weltmärkten wie auch auf den Binnenmärkten zu bestehen.
Die den Veränderungen im Außenhandel zugrundeliegenden Ursachen sind
schwer zu identifizieren, doch sind zahlreiche Analytiker der Auffassung, daß
die Hauptursache in den späten Auswirkungen der Dollarabwertung von Ende
1971 zu suchen ist. Das verlangsamte Wirtschaftswachstum in den letzten zwei

-2-

�zwei Quartalen ist ein weiterer Grund, denn eine rasch expandierende Wirtschaft löst gewöhnlich einen starken Importsog aus.
Wenn es also logisch erscheint, daß die Dollarabwertung von 1971 sich
positiv auf den Handel ausgewirkt hat, so ist es durchaus möglich, daß die
Dollarabwertung vom Februar dieses Jahres vorläufig noch eine dämpfende Wirkung hat. Somit könnte von der 1973er Dollarabwertung her im kommenden

Jahr

möglicherweise ein weiterer positiver Anstoß kommen.
Die Verbesserung hat sich sowohl bei den Exporten als auch bei den Importen auf breiter Ebene vollzogen. Dies war auch bei den Septemberzahlen
der Fall. Der Rückgang der Erdölimporte war die einzige ins Auge fallende
Abweichung in den Septemberstatistiken, die von Bedeutung war. Der stärkste
monatliche Rückgang war bei den Kraftfahrzeugimporten aus Japan und aus Europa zu verzeichnen, aber auch die Einfuhren von Fernsehern, Bekleidung,
Fleisch und Kaffee waren rückläufig.
Bei den Exporten war auf verschiedenen wichtigen Gebieten eine Zunahme
zu verzeichnen: auf dem Verkehrssektor, bei Maschinen, Chemikalien, Metallen
sowie Papier-und Textilerzeugnissen. Die Agrarexporte, die, was Preis und
Volumen anbetrifft, in den vorangegangenen Monaten bereits eine starke Position eingenommen hatten, zeigten im September praktisch keine Veränderung.
Der Aufwärtstrend dürfte jedoch wieder aufleben, sobald die Agrarprodukte der
diesjährigen großen Ernte verfügbar sind.
Insgesamt nahmen die Exporte im September um 7,5 Prozent zu, während die
Importe um den gleichen Prozentsatz zurückgingen."

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44/1973

BAUTECHNIK - WICHTIGER ANSATZPUNKT ZUM ENERGIESPAREN
- Schul-und Behördenbauten als Modellprojekte Von G. Weiss

»-(AD)-- Das Dilemma, das heute jedermann als Energiekrise bezeichnet und
das nicht allein auf den Nahostkonflikt

zurückgeführt werden kann, haben

viele kommen sehen. Aber nur wenige waren mutig und ehrlich genug, darauf
hinzuweisen, daß der verschwenderische Umgang mit Energie schon seit geraumer Zeit einer der wesentlichen Faktoren für ihre Verknappung ist. Deshalb dürfte es bei rationellerem Verbrauch gar nicht so schwer sein, aus
dem Vorhandenen mehr zu machen. Die Devise heißt also "Sparen", und eine
Reihe von Ländern haben bereits Sparprogramme in die Wege geleitet.
•

• '

"

.

In seiner Fernsehrede vom 7. November 1973 zeichnete der Präsident der
Vereinigten Staaten ein Programm mit Sofortmaßnahmen vor, von denen Bürger,
Industrie und Behörden gleichermaßen betroffen sein werden. Es schränkt
z.B. den Luftverkehr ein, verlangt eine Reduzierung der Fahrgeschwindigkeit
von Kraftfahrzeugen, Einschränkungen für die so beliebte Lichtreklame und
einen besser überlegten Gebrauch von Heizungen und Klimaanlagen. Die Verwendung von Kohle und Nuklearenergie wird forciert, eine Änderung der
Arbeitszeiten und selbst des Schuljahres werden in Erwägung gezogen.

-1-

�gezogen. Selbstverständlich laufen parallel dazu die Bemühungen um Langzeitprogramme weiter - Programme, die nach ergänzenden Reserven für die
herkömmlichen Energieträger wie Kohle, Öl und Erdgas suchen, die aber auch
neue Energiequellen wie Erdwärme, Sonne, Wind und Meeresströmungen erschließen und nach Möglichkeit der technischen Nutzung zugänglich machen
sollen.

- Einsparung von 336 000 Tonnen Öl pro Tag -

Präsident Nixon setzte sich dafür ein, daß in Amerika alles getan werde, um die Vereinigten Staaten bis zum Ende dieses Jahrzehnts von ausländischen Energiequellen unabhängig zu machen. Dazu sei allerdings, wie der
Präsident erklärte, eine Mammutanstrengung ähnlich dem Manhattan-Projekt im
zweiten Weltkrieg oder dem APOLLO-Programm-in noch höherer Größenordnungerforderlich. Dieses neue "Project Independence" ist eine Aufforderung an
jedermann, mitzuhelfen, die Abhängigkeit der USA von fremder Energie-Zulieferung zu beenden. Einer Tabelle zufolge, die das Weiße Haus am 7. November
1973 veröffentlichte, könnten allein durch das von Präsident Nixon umrissene Sofortprogramm schon im kommenden Winter 336 000 Tonnen Öl pro Tag
eingespart werden.
Forschungsinstitute und Regierungsstellen befassen sich mit Projekten
verschiedenster Art, die Energie sparen helfen. Aus dem Katalog seien zwei
herausgegriffen, die in erster Linie die Bautechnik angehen. Am 9. November
1973 kündigte die "National Science Foundation" (NSF-Nationale Wissenschaftsstiftung) an, daß im Rahmen des RANN-Programms (RANN-Research Applied to
National Needs, d.h.Forschung mit Bezug auf nationale Dringlichkeitsprogramme) gemeinsam mit Experten des "National Bureau of Standards" (NBS-Bundesamt für Materialprüfung und Technische Normen) und dem Schulamt der Stadt
New York Möglichkeiten für eine bessere, gleichzeitig energiesparende Bauweise und Nutzung für Schulen untersucht werden.
Das

-2-

�Das dabei ausgearbeitete Modell soll eine Art Prototyp für künftige
Schulbauten in allen größeren Städten werden. In der ersten Phase wird man
sich auf Faktoren wie Lage und Dicke von Isolierungen, Material und Dicke
von Außenverkleidungen, Glasflächen, Jalousien, Ventilation, vorgesehene
Schwankungsbreite der Innentemperatur und die verschiedenen Erfordernisse an
Licht sowie den Energiebedarf im Hinblick auf die verschiedenen Unterrichtsprogramme konzentrieren. So sind die Anforderungen an Beleuchtung, Heizung
und Ventilation in Klassenzimmern ganz anderer Art als beispielsweise in
Bibliotheken oder Turnhallen.
In der zweiten Phase wird das NBS die inzwischen vorgelegten Konstruktionsvorschläge für verbesserte Systeme, die als architektonische Elemente
im Schulbau berücksichtigt werden sollen, analysieren und gleichzeitig Richtwerte für die Beurteilung von Schulbauten geben. In den darauffolgenden Phase
geht es nach dem Bau und der Inbetriebnahme der Modellschule darum,so viele
Erfahrungswerte wie nur möglich zu bekommen, um sie unter den verschiedensten
Gesichtspunkten auszuwerten.
Gebäude für Schule und Unterricht haben übrigens den größten Anteil an
öffentlichen Bauten. Das gilt keineswegs nur für die Stadt New York, deren
Haushaltsdezernat z.B. im Jahre 1973 in ihrem Gesamtetat von 1 Milliarde
Dollar 300 Millionen Dollar dafür vorgesehen hat.
Auf der "Dritten Konferenz über Städtebautechnik", die Ende September
1973 in Boston (Massachusetts) abgehalten wurde, befaßte sich Dr. Richard W.
Roberts, der Direktor des "National Bureau of Standards",mit dem wichtigen
Komplex "Bauen und Energiesparen". Wohl wenige Menschen machen sich darüber
Gedanken, daß Z.B.Heizungen und Klimaanlagen etwa ein Drittel der Aufwendunge
für Energie in Anspruch nehmen - jedenfalls trifft das für die Vereinigten
Staaten zu. Und 40 Prozent dieser Aufwendungen sind einfach verlorene Kosten,
bringen keinen Gegenwert. Das ist, so Dr. Roberts, gleichbedeutend mit einem

�einem jährlichen Verlust von 7,3 Milliarden Tonnen Öl.
Daß dagegen etwas unternommen werden muß, liegt auf der Hand. Der
Architekt hat Hunderte von Möglichkeiten, Einfluß auf die Energiebilanz zu
nehmen. Das beginnt bereits mit der Ausrichtung des Hauses, das er baut.
Fenster stellen einen wichtigen Faktor dar. Große Glasflächen können für
20 bis 30 Prozent des Energiebedarfs verantwortlich sein, da einfaches Tafelglas Wärme fünf-bis zehnmal leichter durchläßt .als eine gut isolierte Wand.
Schon Doppelfenster würden bis zu einem gewissen Grad Abhilfe schaffen.
Auch die Isolierung spielt eine nicht zu unterschätzende Rolle - und
zwar nicht nur die Isolierung der Bauelemente, sondern genauso

der Heiß-

wasser- und aller übrigen Wasserleitungen. Würde man die Wärmeleitfähigkeit
der bestehenden Bauten um 10 Prozent, die der Neubauten um 50 Prozent senken, so bedeutete dies nach Roberts im Verlauf der nächsten zwei Jahrzehnte
Einsparungen an Brennstoffkosten in der Größenordnung von 100 Milliarden
Dollar.
Es ist nicht zu erwarten, daß der Architekt das komplexe Problem der
optimalen Energiebilanz eines zu erstellenden Neubaus beherrscht. Im "National Bureau of Standards" wurde deshalb ein ausgeklügeltes Computerprogramm
ausgearbeitet, mit dessen Hilfe sich der Bedarf eines Bauwerks an Energie
für Heiz-oder Kühlzwecke rund um die Uhr vorhersagen läßt. Die Auswirkungen
dieser oder jener Bauverfahren und Bauelemente auf die Energiebilanz sind
im vorhinein genau zu übersehen - und dies nicht nur in der Theorie. Der
NBS-Computer wurde vom US-Bundesamt für Verwaltungsdienste bei der Erstellung
eines neuen, riesigen Behördenkomplexes in Manchester (New Hampshire) eingeschaltet - mit dem Effekt, daß der Energiebedarf um 20 bis 30 Prozent niedriger liegt als bei Bauten ähnlicher Größe und Nutzung. Auf Grund dieser ermutigenden ersten Ergebnisse hat man im NBS ein nicht minder bedeutsames Projekt in Angriff genommen. Man will Formeln dafür finden, wie den enormen
Verlusten an Energie beizukommen ist,die sich im industriellen Bereich ergeben.
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44/1973

SCHWACHE ELEKTRISCHE FELDER STEUERN HIRNAKTIVTTÄT

- (AD) - Mit sehr schwachen elektrischen Feldern lassen sich wichtige
physiologische Vorgänge und biologische Zyklen beeinflussen. Welche Effekte
im einzelnen ausgelöst werden können, untersuchte Dr. W. Ross Adey mit drei
Mitarbeitern von den Kliniken der Universität Kalifornien in Los Angeles (UCLA)
durch Versuche an Tieren,und im Anschluß daran mit der versuchsweisen Anwendung beim Menschen.
Die Spannungswerte für die künstlich induzierten luftelektrischen Felder,
die dabei benutzt wurden, betrugen bis zu fünf Prozent der Spannungswerte von
Transistorbatterien. Es wurden niedrige sowie sehr hohe Frequenzen, wie sie
im Bereich von Radarwellen auftreten, verwendet. Diese Frequenzbereiche entsprachen den Frequenzen von Wellentypen, wie sie bei Himwellen beobachtet
werden.

Bei den Versuchen zeigte sich, daß solche Felder rhythmische Aktivitäten
des Gehirns beeinflussen können, welche z.B. charakteristisch sind für Schlaf,
Schlaflosigkeit oder rasches Reagieren. Nach Ansicht Dr. Adeys lassen sich auf
der Basis dieser Erkenntnisse neue Methoden zur wirksamen Behandlung von Schlaflosigkeit, chronischen Schmerz zuständen und zum Regulieren biologischer Rhythmen entwickeln - beisoielsweise zur Verbesserung der Reaktionsfähigkeit oder
zur "Einstellung" von Stimmungslagen, die durch starke Schwankungen gekennzeichnet sind.
Die
- l -

�Die UCLA-Wissenschaftler fanden auch heraus, daß die für Kraftstran üblichen Frequenzen bei Anwendung relativ hoher Feldstärken ähnliche Auswirkungen
haben. So könnten beispielsweise die elektromagnetischen Felder von elektrisch
beheizten Decken auch dazu benutzt werden, Hirnströme so zu beeinflussen, daß
die Decke nicht nur warm hält, sondern auch den Schlaf fördert.

Von langjährigen Untersuchungen über die Auswirkungen starker elektromagnetischer Felder von Mikrowellen weiß man, daß diese unter Umständen Schäden
an Augen, inneren Organen und an den peripheren Nerven hervorrufen. Man macht
dafür in erster Linie thermische Effekte verantwortlich. Im Gegensatz dazu
zeigten die in Los Angeles angestellten Versuche, daß extrem schwache Felder
mit bestimmten, sehr hohen Frequenzen (VHF) spezifische Hirnfunktionsrhythmen
unterstützen und auf diese Weise Verhaltensweisen und hormonale Zyklen zu
ändern vermögen, ohne daß es dabei zu thermischen Schäden kommt.

Bei den Forschungsarbeiten ergaben sich auch Hinweise auf die Prozesse,
die der Wirkungsweise der schwachen Felder zugrunde liegen. Offenbar lockern
die schwachen elektrischen Felder Bausteine in den Wänden der Gehirnzellen. Dadurch ändert sich der in der Zelle erzeugte Strom, wodurch wiederum die von
der einzelnen Hirnzelle erzeugten Impulse und die Wellenmuster verändert werden.
Himwellen sind die Summe der Impulse vieler Zellen. Die Art und Weise, wie
Wellen erzeugt und die Weiterleitung von Impulsen reguliert wird, dürfte nach
Meinung Dr. Adeys

ebenso wichtig für die Gehirnfunktion als Ganzes sein wie

die Verarbeitung der Informationen.

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VERFAKRHNSUM3TELLUNG BEI DER TIEFKÜHLINIXBTRIE SPART WASSER

- (AD) - Nasser ist kaum weniger kostbar als Energie. Deshalb könnt
technischen Neuentwicklungen, die der Industrie Wasser sparen helfen, angesichts des generell steigenden Wasserbedarfs große praktische Bedeutung zu.
Ein Beispiel für solche SDarmöglichkeiten wird aus Kalifornien

gemeldet, wo

zwei Wissenschaftler der Universität Kalifornien in Davis der Tiefkühlindustrie Verfahrensänderungen vorschlugen, die nicht nur den Frischwasserbedarf und die Abwassermengen wesentlich verringern, sondern auch die Qualität
der Produkte steigern helfen.

R. J. Coffelt von der Abteilung Agrartechnik und F. H. Winter von der
Abteilung Lebensmittelforschung und -technik sind die Initiatoren des neuen
Verfahrens. Die beiden Wissenschaftler entwickelten es im Rahmen eines mit
5000 Dollar dotierten Forschungsauftrags, den die Elektrizitätswerke in
Kalifornien und das

:,

American Frozen Food Institute" erteilt hatten, um ver-

schiedenen Problemen bei der Tiefkühlkonservierung von Gemüse und Früchten
auf den Grund zu gehen oder Lösungen für sie zu finden. So ging es beispielsweise um unzureichende Zwischenkühlung vor dem Abpacken und Einfrieren, um
ständig steigende Wasserkosten und die kostspielige Behandlung der großen
Mengen von Abwässern.

Bei der Mehrzahl der rund zwei Dutzend Kalifornischen Konservenfabriken
für Tiefkühlobst und -gamüse (Jahresausstoß: ca. 230 000 Tonnen) entfielen pro

- 1 -

�pro Monat im Durchschnitt mehr als 30 000 Dollar auf Wasserkosten - ca.
10 000 Dollar für Frischwasser, 20 000 Dollar für die Behandlung der Abwässer.
Die großen Wassermengen wurden vor allem dafür gebraucht, um die Produkte
nach dem Überbrühen - eine wichtige Stufe in der Behandlung des Frischprodukts,
um z.B. bestimmte Enzyme zu inaktivieren, einige für das Endprodukt ungünstige
Verbindungen auszulaugen und die Verpackung zu erleichtern - im Wasserstrom
abzukühlen. Das Gemüse oder die Früchte müssen vor dem Verpacken und Einfrieren
von 83 C auf ca. 15 - 20 C fast schlagartig abgekühlt werden. Dieses Abschrecken bewerkstelligten Coffelt und Winter nicht mehr mit Wasser, sandem
mit einem Luftstrom.

Mit dieser äußerst wirksamen Technik wird viel Wasser gespart. Außerdem
ist das Fertigprodukt viel ansehnlicher als nach dem Abschrecken mit Wasser,
behält mehr Mineralstoffe und seinen natürlichen Geschmack. Die Fabrikationskosten werden gesenkt, das kostbare Frischwasser wird für andere Verwendungs-

&lt;

zwecke frei, es fällt weniger Abwasser an. Verschiedene Konservenfabriken in
Kalifornien sind bereits dabei, ihre Produktion auf das mit so geringen Investitionen erarbeitete Verfahren umzustellen.

+ + + + +

*

�</text>
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