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43

^ \ November 1973

Inhalt

DOKUMENTATION:

Außenminister Kissinger unterrichtete NATO»Botschafter über Lage
im Nahen Osten
-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile

WIRTSCHAFT:
Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen
Von John J.Harter

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Raumsonde unterm Sonnenschirm
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss
PIONIER 10 vor dem Ziel
-Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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43/1973

AUSSENMINISTER KISSINGER UNTERRICHTETE NATO-BOTSCHAFTER ÜBER LAGE
IM NAHEN OSTEN

-Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2.November-

WASHINGTON —(AD)»= Der amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger
hat die Botschafter der 14 anderen NATO-Staaten am 2. November im State
Department zu einem Gedankenaustausch über die Lage im Nahen Osten empfan.
gen und sie über die Auffassungen der USA unterrichtet. Der Sprecher des
amerikanischen Außenministeriums, George Vest, gab im Anschluß an das
90 Minuten dauernde Gespräch folgende Erklärung ab:
"Die Botschafter wurden von dem Außenminister eingehend über die
Ereignisse im Nahen Osten unterrichtet. Sie gaben ihrer Befriedigung und
Anerkennung über diese sehr umfassende Unterrichtung Ausdruck und stimmten ganz allgemein zu, daß dies ein äußerst nützlicher Gedankenaustausch
war.
Sie gaben ferner der Hoffnung Ausdruck, daß sie in dem vor ihnen
liegenden Zeitabschnitt in enger Verbindung bleiben werden."

Maßgebende

-1-

�Maßgebende amerikanische Kreise betonten später, daß die Atmosphäre wäh
rend der Aussprache "sehr freundschaftlich" gewesen sei. Außenminister Kissi
ger habe ein Resümee des gesamten arabisch-israelischen Problems gegeben
und die Hoffnung auf noch dynamischere und umfassendere Konsultationen zwischen den Vereinigten Staaten und ihren atlantischen Verbündeten unterstrichen, um so ein besseres Verständnis für die Situation zu schaffen. Ein solches Verständnis, so wurde hervorgehoben, sei für eine einheitliche Position
des Westens gegenüber dem Nahen Osten unbedingt notwendig.

-H-+

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43/1973

ERKLÄRUNG VON UNTERSTAATSSEKRETÄR KUBISCH ZU DEN VORGÄNGEN IN CHILE
WASHINGTON --(AD)— Der Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, Jack B. Kubisch, hat in einer
Erklärung vor dem Unterausschuß für Interamerikanische Angelegenheiten des
Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses am 20.September kategorisch erklärt, daß die Vereinigten Staaten keinerlei vorherige Kenntnis
des Staatsstreiches in Chile am 11.September hatten.Die klärenden Ausführungen des Unterstaatssekretärs, haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses:
Ich freue mich, heute vor diesem Ausschuß erscheinen zu dürfen und über
die jüngsten Ereignisse in der Politik Chiles und der Vereinigten Staaten zu
sprechen. Obwohl dies mein erster formeller Auftritt vor dem Ausschuß ist,
seit ich vor einigen Monaten den Posten als Unterstaatssekretär für Interamerikanische Angelegenheiten übernommen habe, so habe ich doch den Kontakt
mit dem Vorsitzenden aufrechterhalten und Gelegenheit gehabt, von Zeit zu
Zeit mit anderen Mitgliedern des Ausschusses informell zusammenzutreffen.
Ich begrüße diese Gelegenheit, einige einleitende Bemerkungen zu machen
und werde dann gerne all die Fragen beantworten, die Sie stellen möchten.
Ich bin ferner außerordentlich interessiert, Ihre Auffassungen zu hören,
und ich darf Ihnen versichern, daß sie sorgfältige Erwägung finden werden.
Es mag einige Fragen geben, die Sie nicht gerne zu diesem Zeitpunkt
öffentlich behandelt sehen mögen, da die Entwicklungen in Chile noch nicht
abgeschlossen sind. Ich darf Ihnen jedoch versichern, daß ich bereit bin,
alle einschlägigen Fragen so umfassend und rückhaltlos zu behandeln, wie
ich nur kann, und falls es sich als unzweckmäßig erweisen sollte, einige
dieser Fragen in öffentlicher Sitzung zu behandeln, so bin ich durchaus
bereit, diese Anhörung in geschlossener Sitzung weiterzuführen. Im Anschluß
daran könnten wir selbstverständlich alle die Aussagen veröffentlichen, die
keiner Einstufung als Verschlußsache bedürfen.
Wenn

�Wenn Sie, Herr Vorsitzender, erlauben, möchte ich Ihnen gerne eine
kurze Zusammenfassung der gegenwärtigen Situation in Chile aus unserer Sicht
geben,obwohl ich davon ausgehe, daß die.meisten der anwesenden Mitglieder ein
gutes Bild von den heutigen allgemeinen Zuständen im Lande (Chile) und den
Ereignissen haben, die zu dem Staatsstreich führten.
Ich möchte jedoch gerne diese Gelegenheit benutzen, um gleich zu falschen Anschuldigungen von einigen Seiten Stellung zu nehmen, daß die amerikanische Regierung vorherige Renntnis gehabt hätten oder in irgend einer Weise
an dem Sturz und dem Tod von Präsident Allende beteiligt gewesen wären.
Meine Herren, ich möchte so klar und kategorisch, wie ich nur kann, erklären, daß wir keine vorherige Kenntnis von dem Staatsstreich hatten, der am
11. September stattfand. Im Lichte dessen, was ich als eine recht ungenaue
Berichterstattung in dieser Angelegenheit erachte, möchte ich unterscheiden
zwischen dem Eingang von Berichten über die Möglichkeit eines Staatsstreiches
in Chile und der vorherigen Kenntnis, daß ein Staatsstreich stattfinden würde.
Tatsache ist, daß wir über eine lange Zeitspanne hinweg viele Berichte
über die Möglichkeit eines Staatsstreiches in Chile erhielten. Solche Berichte und Spekulationen grassierten in Chilu selbst. Ja sogar Präsident Allende
selbst äußerte sich öffentlich zu ihnen, und eine in Santiago erscheinende
Tageszeitung brachte sogar am 11. September einen Bericht, daß am gleichen
Tage ein Staatsstreich der chilenischen Streitkräfte geplant sei.
.Alle diese früheren Berichte, die über Umsturzversuche spekulierten
falsch
oder solche vorausgesagt hatten, erwiesen sich als/- mit Ausnahme des letzten
Berichtes, der am Dienstag, den 11. September, morgens bei uns im Amt eintraf, nachdem der Staatsstreich bereits begonnen hatte.
Es bestand jedbch zwischen den Organisatoren und den Führern des Staatsstreiches keinerlei direkter Kontakt zu uns, und wir hatten im voraus keine
definitive Kenntnis von dem Staatsstreich.

la

-2-

�In ähnlicher Weise ist die amerikanische Regierung direkt oder indirekt
der Verwicklung in oder der Mitschuld an dem Staatsstreich beschuldigt worden. Das ist absolut falsch. Wie amtliche Sprecher der amerikanischen Regierung wiederholt erklärt haben, waren wir in keiner Weise in den Staatsstreich verwickelt.
Ich möchte an diesem Punkt auch etwas zu den amerikanisch-chilenischen
Wirtschaftsbeziehungen während der letzten Jahre sagen.
Nach meiner Auffassung war der Standpunkt der amerikanischen Regierung durchaus korrekt und absolut verständlich. Die Vereinigten Staaten hatten nicht den Wunsch, eine Konfrontation mit der Regierung Allende zu provozieren. Es wurden im Gegenteil wiederholt nachhaltige Versuche unternommen, um Mittel und Wege zur Beilegung unserer Differenzen zu finden, obwohl die chilenische Regierung in diesem Zeitraum amerikanische Privatinvestitionen in Höhe von über 700 Millionen Dollar entschädigungslos enteignet
hatte. Darüber hinaus ist Chile im gleichen Zeitraum mit Schulden in Höhe
von über 100 Millionen Dollar gegenüber den Vereinigten Staaten in Verzug
geraten.
Tatsache ist, daß dem Handel mit Chile keine Embargos oder Restriktionen auferlegt wurden. Amerikanische Firmen bleiben weiterhin die Hauptlieferanten fün Nahrungsmittel, Ersatzteile und Gerät für die chilenische Wirtschaft.

Bilateral setzten wir eine Vielzahl von Programmen fort, wie bei-

spielsweise AID, People-to-People-Programme, Lebensmittel-für-den-FriedenHilfe, Friedenskorps sowie wissenschaftliche und kulturelle Austauschprogramme. Wir setzten die

normale Auszahlung der noch offenstehenden AID-

Anleihen fort, nachdem Dr.Allende sein Amt übernommen hatte. Es wurden zwar
keine neuen bilateralen Entwicklungsanleihen vergeben, jedoch muß in diesem Zusammenhang darauf hingewiesen werden, daß wir die AID-Entwicklungsanleihetätigkeit in Lateinamerika, einschließlich Chile,scharf reduziert
hatten, noch bevor1 die Regierung Allende ihr Amt übernahm. Im übrigen hat
die chilenische Regierung keine neuen Entwicklungsanleihen beantragt.

Auf
-3-

�Auf internationalem Gebiet setzten multilaterale Banken die Auszahlung
zugesagter Anleihen an Chile in einer Gesamthöhe von 83 Millionen Dollar von
August 1971 bis August 1973 fort , wobei diese Summe eine Zunahme der jährlichen Auszahlungen gegenüber den drei Jahren vor der Machtübernahme
Dr. Allendes bedeutete.
Die Wirtschaftspolitik selbst jedoch, die die Regierung Allende verfolgte, bewirkte eine stetige Verschlechterung der wirtschaftlichen

Lage.

Die mangelnde Bereitschaft der Regierung, ihre Politik zu ändern, "führte
unausweichlich dazu, daß internationale Finanzierungsinstitute ihre Programme
für Chile kürzten,und die Vereinigten Staaten hätten schon wegen rechtlicher Beschränkungen nicht für einige dieser Hilfsprogramme stimmen können.
Der Klub von Paris, dem verschiedenartige Kreditorenländer angehören,
kam zu dem Schluß, daß für Chile nur wenig getan werden konnte, solange
Chile keine Politik einschlug, die er hätte unterstützen können. Ich wiederhole jedoch, daß es nicht die Vereinigten Staaten waren, die diese Beschlüsse faßten, sondern die Finanzierungsinstitute selbst.
Alles in allem ist es unrichtig, zu sagen, die amerikanische Regierung
sei - direkt oder indirekt - für den Sturz des Allende-Regimes verantwortlich.
Große Besorgnis hat natürlich die menschliche Tragödie ausgelöst, die
durch die jüngsten Ereignisse in Chile entstanden ist. Das amerikanische
Volk und seine Regierung haben stets ihre Sorge um das Leider anderer in
der ganzen Welt bekundet. Die Vereinigten Staaten haben auf viele Weise
aktiv dazu beigetragen , Leiden zu erleichtern und die Achtung vor den
Menschenrechten zu stärken. Was Chile anbetrifft, so haben wir bereits
unser Bedauern über den Verlust von Menschenleben und den Tod von Präsident
Allende zum Ausdruck gebracht.
Wir sind auch über Berichte über Verletzungen der Menschenrechte in
Chile besorgt. Meines Wissens sind jedoch viele dieser Berichte unbegründet und nicht notwendigerweise aufschlußreich ttyC.'J die Politik, die die
neue Regierung Chiles verfolgen wird, wenn sich die Situation dort erst
voll stabilisiert hat.
Darüber

�Darüber hinaus haben die chilenischen Behörden bereits der Menschenrechtskommission der Vereinten Nationen Zusicherungen bezüglich der Flüchtlinge in jenem Lande gegeben.
Herr Vorsitzender, Mitglieder des Ausschusses, abschließend möchte ich
noch einmal unterstreichen, daß die Entwicklung in Chile noch im Fluß
ist. Wenn die neue Regierung beginnt, ihre Wirtschafts-, Sozial- und sonsti
ge Politik abzustecken, werden wir uns bemühen, unsere eigene Politik zu
formulieren, um uns auf die Realitäten der neuen Situation einzustellen.
Wir waren für die Schwierigkeiten nicht verantwortlich, in denen
sich Chile befand, und es steht uns nicht an, darüber zu urteilen, was für
das chilenische Volk das Beste gewesen wäre oder jetzt das Beste wäre.
Das ist eine Sache, die die Chilenen selbst entscheiden müssen, und
wir achten ihr Recht auf diese Entscheidung. Wenn wir bei den Aufgaben, vor

denen sie jetzt stehen, helfen können, und wenn Chile unsere Hilfe wünscht,
dann werden wir, dessen bin ich sicher, unser Bestes tun,um diese Hilfe
in dem Geist der Verständigung und Freundschaft zu gewähren, den das amerikanische Volk dem chilenischen Volk seit langem entgegengebracht hat.".

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KOMMENDE VERHANDLUNGEN SOLLEN LEBENSMITTELVERSORGUNG DER WELT SICHERSTELLEN
Von John J. Harter

WASHINGTON —(AD)-- Mit der Frage, wie die Lebensmittelversorgung der Welt
auch künftig sichergestellt werden kann, befassen sich bereits zahlreiche
internationale Gremien wie die Ernährungs-und Landwirtschaftsorganisation
der Vereinten Nationen (FAO), die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), das Allgemeine Zoll-und Handelsabkommen
(GATT), die Welthandelskonferenz der Vereinten Nationen (UNCTAD). Aber
auch den Regierungen der einzelnen Länder kommt hierbei eine besondere Verantwortung zu, und die jetzt im Rahmen des GATT angelaufene Tokio-Runde
von Handelsverhandlungen bietet ihnen erneut Gelegenheit, dieser Verantwortung zu entsprechen.
Erst vor wenigen Tagen hat der stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,Botschafter Harald B. Malmgren,
vor dem GATT-Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC), der dem von den

-1-

�den Ministern in Tokio erteilten Mandat folgend die einzelnen Arbeitsgruppen
sowie die bei der neuen Verhandlungsrunde zu beachtenden Richtlinien festgelegt hatte, erklärt, die Vereinigten Staaten erwarteten, "daß alle den
derzeitigen Handelsverzerrungen zugrundeliegenden Faktoren behandelt werden.1
Dies gelte auch, so führte der Botschafter damals aus, für die Bevorratungspolitik bei Agrarprodukten. Die USA erwarteten nicht, daß andere Foren hier
spezifische Rahmenvereinbarungen aushandelten, denn alle multilateralen
Verpflichtungen für eine Lebensmittelbevorratung ständen in direkter Beziehung zum Welthandel, zur Handelspolitik der einzelnen Länder sowie zu dem
Modus für eine Beilegung et.:.i.g&gt;r Handelsstreitigkeiten.
In anderen Gremien werden solche Fragen zwar in groben Zügen im Zusammenhang mit der Welternährungslage behandelt. Die Vorschläge der Vereinigten Staaten, diese Fragen dort zu erörtern, besagen jedoch nicht, daß damit
versuchen werden soll, die entscheidenden Agrarfragen aus den multilateralen
Handelsverhandlungen auszusondern und anderen Gremien zu übertragen. Jede
derartige Verlagerung wäre mit der grundlegenden Auffassung der USA nicht
zu vereinbaren, daß die Landwirtschaft ein unerläßlicher Bestandteil der
neuen Handelsverhandlungen als ganzes sein muß.
. Zwar hat der amerikanische Außenminister Henry A. Kissinger in seiner
Rede vor der UN-Vollversammlung am 24. September 1973 für 1974 die Einberufung einer Welternährungskonferenz unter den Auspizien der Vereinten Nationen vorgeschlagen, um die Kräfte aller Länder für den Kampf gegen Hunger und
Unterernährung als Folge von Naturkatastrophen zu mobilisieren. Botschafter
Malmgren hat das Ziel einer solchen Konferenz jetzt dahingehend definiert,
daß sie Möglichkeiten für eine internationale Zusammenarbeit aufzeigen soll,
um etwa auftretende weltweite Ungleichgewichte in der Lebensmittelversorgung
ausgleichen zu können.

Bereits

�Bereits auf ihrer 17. Zwei Jahreskonferenz im November in

Rom wird die

FAO die Lebensmittelsituation der Welt und im besonderen die Ausweicung der
Lebensmittelerzeugung erörtern. Und auch die OECD hat sich erst kürzlich mit
diesen Themen befaßt. Eine solche internationale Diskussion über die Welternährungslage wie auch über die Aufstockung der internationalen Bestände an
Agrarprodukten wird von den USA durchaus begrüßt,die ohnehin kurzfristig mit
einer deutlichen Zunahme der Weltagrarerzeugung sowie einer Verbesserung der
Bevorratungslage rechnen.
Amerikanische Regierungskreise haben sich schon immer ganz generell dafür ausgesprochen, durch Verhandlungen neue Abkommen zu erreichen, die eine
wirksamere Nutzung der landwirtschaftlichen Hilfsquellen der Welt sicherstellen. Und auch die Frage der Bevorratung ist nach amerikanischer Auffassung ein zentrales Problem. Eine durch internationale Verhandlungen zu erreichende Lösung wäre zum Beispiel eine zentral verwaltete"Lebensmittelbank"
oder eine Vereinbarung über eine gegenseitige Abstimmung der nationalen Bevorratungspolitik.
Wie man in Washington betont, steht jedoch die Frage der internationale
Lebensmittelbevorratung ohne jeden Zweifel in engem Zusammenhang mit anderen
den Welthandel und die nationale Landwirtschaftspolitik betreffenden Fragen.
Gerade die in den kommenden Monaten auf allen Ebenen, inner-und außerhalb de
Vereinten Nationen, geführten Verhandlungen, so hofft man in der amerikanischen Hauptstadt, werden die Vor-und Nachteile der verschiedenen Vorschläge
von allen Seiten beleuchten helfen, die den einzelnen Arbeitsgruppen der
neuen GATT-Verhandlungsrunde vorliegen.

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RAUMSONDE UNTERM SONNENSCHIRM
-MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und MerkurVon Gertrud Weiss

--(AD)-- Der Planet Venus, vor ein paar Monaten durch neue Radarmessungen mit den mächtigen Antennen des Goldstone-Laboratoriums in der MojaveWüste in Kalifornien teilweise "demaskiert", wird im Februar 1974 wohl
mehr von seinen Geheimnissen preisgeben müssen. Am 5. Februar fliegt die
am 3. November 1973 gestartete amerikanische Raumsonde MARINER 10 in
ca. 5 000 km Abstand an ihm vorbei. Sie wird ihn vorher und danach - insgesamt 17 Tage lang - mit zwei Fernsehkameras und sechs Meßinstrumenten
sondieren.
Allerdings ist noch nicht vorauszusehen, in welchem Umfang mehr über
die Beschaffenheit dieses "Schwesterplaneten" der Erde zu erfahren sein
wird. Wohl haben die Meßdaten von MARINER 2 (1962) und MARINER 5 (1967)
sowie von sowjetischen Raumsonden schon manche Kunde von dem ständig unter
einer dichten Wolkendecke verborgenen Planeten V e n u s gebracht. Man weiß
z.B., daß die Temperatur auf der Tagseite weit über 400 Grad Celsius und
der atmosphärische Druck etwa das Hundertfache des Luftdrucks an der Erdoberfläche beträgt. Den Meßdaten der im Juli 1972 weich gelandeten sowjetischen Sonde VENUS 8, die 50 Minuten lang Signale übermittelte, war u.a. zu
entnehmen, daß der Untergrund am Landeort vermutlich aus granitähnlichem
Gestein besteht.
Die

-1-

�Die bisher aufschlußreichsten Informationen über die Oberfläche der
Venus lieferten nach den noch relativ groben Radarmessungen vom Jahre 1970
die neuen, detaillierten Radaruntersuchungen vom Radioobservatorium Goldstone
aus. Dabei wurde ein 1,3 Millionen qkm großes Gebiet im Äquatorgürtel abgetastet. Die Echos nahmen zwei leistungsstarke Antennen in Kalifornien auf,
die ca. 20 km auseinanderliegen, so daß mit Hilfe dieser "Stereotechnik11
eine äußerst präzise Vermessung möglich wurde. Die jetzt vorliegende Karte
zeigt eine pockennarbige Oberfläche, der des Mondes nicht unähnlich. Der
größte Krater hat 160 km Durchmesser.Die Höhenunterschiede sind jedoch alles
in allem viel geringer als auf dem Mond; sie dürften kaum mehr als 1 100 m
betragen. Nach Meinung von Prof. Richard M. Goldstein vom Jet Propulsion
Laboratory in Pasadena (Kalifornien) sind die Krater in diesem Gebiet in
erster Linie auf Meteoriteneinschläge und nicht primär auf vulkanische Vorgänge zurückzuführen. Sie könnten durch ein massives Bombardement aus dem
Weltraum bereits zu einer Zeit entstanden sein, als die Venus noch gar keine
Atmosphäre besaß.
', Die Hoffnung ist gering, daß die Fernsehkameras von MARINER 10 beim
Vorbeiflug an der Venus etwa durch ein zufällig aufgerissenes Loch in der
mindestens 13 km dicken Wolkenhülle einen Blick auf die Oberfläche erhaschen,
obgleich den Meßdaten von VENUS 8 zufolge hie

und da Sonnenlicht bis zum

Boden durchdringt. Aber schon die farbigen Fernsehbilder von der Wolkendecke
und ihrer Struktur, welche besonders im Bereich der Grenzlinie

zur Nacht-

seite gut zu erkennen sein dürfte, wären aufschlußreich, da sich daraus im
Verein mit den Meßdaten der ebenfalls mitgeführten Radarsonde Rückschlüsse
auf die Oberfläche ziehen lassen. Die Radarsondierung von Goldstone aus wird
zu diesem Zeitpunkt wieder aufgenommen.
Man vermutet ein reguläres Zirkulationsschema für die Wolkenhülle, die
den Planeten - unabhängig von dessen sehr langsamer Eigenrotation - einmal
in fünf Tagen umkreist. Die Ursache für dieses Phänomen ist unbekannt. Sensoren an den Fernsehausrüstungen sollen helfen, die schon häufig beobachteten Ultraviolett-'Tlecke", die ebenfalls eine Umlaufzeit von vier bis fünf

-2-

�/
fünf Tagenhaben, näher zu untersuchen. Die TV~Geräte selbst sind mit denen
der erfolgreichen Marssonde MARINER 9 nahezu identisch, besitzen jedoch
durch die Ausstattung mit 1 500 mm-Cassegrain-Teleskopen ein höheres Auflösungsvermögen. Dieses liegt bei etwa 50 m« Von Infrarot-Sensoren erhoffen
sich die Wissenschaftler Hinweise auf die Zusammensetzung der Atmosphäre,
die, wie man weiß, hauptsächlich aus Kohlendioxid besteht. Das interplanetare Plasma, d.h. die von der Sonne ständig abströmende Materie mit elektrisch geladenen Partikeln wie Protonen und Elektronen, wird, ebenso wie
Magnetfelder,auf dem ganzen Flugweg gemessen, aber besonders aufmerksam in
der unmittelbaren Umgebung des Planeten beobachtet.
Sechs Wochen später wiederholt sich das Arbeitsprogramm zur ersten
Nahbeobachtung des Planeten Merkur, den die 500 kg schwere Sonde MARINER 10
am 29. März 1974 in nur 1 000 km Abstand passieren soll. Bei diesem Ausflug
'

zu den sonnennächsten Planeten wird übrigens zum ersten Mal von der sogenannten Swing-by-Technik Gebrauch gemacht. Die Flugbahn des MARINER 10 zur

I

Venus ist so berechnet, daß die Sonde mit Hilfe der Schwerebeschleunigung
bei der größten Annäherung im Februar umgelenkt und, wie aus einer Schleuder katapultiert, in Richtung Merkur weitertransportiert wird. Diese Technik
hilft Treibstoff sparen - aber die Voraussetzung für ihr Funktionieren ist
eine äußerst exakte Anflugbahn.
Wegen der im Vergleich zur Umgebung der Erde um das Zehnfache höheren
Temperaturen im inneren Bereich des Sonnensystems werden die Instrumente
der Sonde durch sonnenschirmähnliche Vorrichtungen geschützt. Selbst die
Solarzellen, die ja den Betriebsstrom für die Instrumente und Funkgeräte
liefern, müssen in Sonnennähe so gekippt werden, daß sie nur noch einen
Bruchteil der Gesamtstrahlung empfangen.
Von der Erde aus ist die Beobachtung des Merkur, des sonnennächsten
und mit nur 4 800 km Äquatordurchmesser kleinsten Planeten unseres Sonnensystems, allein schon deshalb außerordentlich schwierig, weil dabei die
Sonne immer stört. Ein paar Fakten sind bekannt: so beträgt die Umlauf-

-3-

�Umlaufzeit um das Zentralgestirn knapp 88 Tage. Sie scheint auf eigenartige
Weise mit der Eigenrotation gekoppelt zu sein - der Merkur dreht sich nämlich
im Verlauf von vier "Jahren" dreimal um die eigene Achse. Auf diesen Umstand
dürften, in Verbindung mit der relativ stark exzentrischen Umlaufbahn, die
sogenannten heißen Flecke auf seiner Oberfläche zurückzuführen sein. Diese
Stellen sind stets dann der Sonne zugewandt, wenn ihr der Merkur am nächsten
ist. Die Temperaturunterschiede zwischen der Tag-und Nachtseite scheinen sehr
krass zu sein - sie werden mit + 400 und - 100 Grad Celsius angenommen.
Der Merkur dürfte nur geringe oder gar keine Atmosphäre haben. Besonders interessant ist jedoch seine Dichte. Sie beträgt 5,3 g/ccm und kommt
damit jener der Erde (5,52 g/ccm) unter allen Planeten am nächsten. Vielleicht helfen die MARINER 10-Instrumente die Frage beantworten, weshalb dieser kleine Planet so "schwer" ist.
Nach Abschluß der Messungen und Fernsehaufnahmen am Merkur tritt
MARINER 10 als künstlicher Planet in eine Umlaufbahn um die Sonne ein. NASAWissenschaftler hoffen, diese Bahn so steuern zu können, daß die Sonde ein
zweites Mal in Merkurnähe gelangt, um den Planeten noch einmal zu inspizieren. Wenn dies gelingt »könnte sie am 24. September 1974 eine zweite Bilderserie zur Erde funken.

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PIONIER 10 VOR DEM ZIEL
Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter

--(AD)-- Zwanzig Farbaufnahmen vom Jupiter, dem Riesen unter den neun
Hauptplaneten des Sonnensystems, und vielleicht sogar Aufnahmen von einem
seiner 12 Monde hoffen die NASA-Wissenschaftler im Dezember 1973 übermittelt zu bekommen, wenn die amerikanische Raumsonde PIONIER 10 in etwa
160 000 km Abstand an dem Planeten vorbeizieht. 950 Millionen km weit war
der Anflugweg, der in die unbekannte Welt jenseits des Mars und des
Asteoridengürtels führte.Bisher verlief alles nach Plan. Auch die befürchteten Beschädigungen durch mögliche Kollisionen mit Meteoriten beim Durchgang
durch den Hunderte von Millionen Kilometern breiten Asteoridengürtel blieben aus. Seit dem 2. März 1972 ist PIONIER 10 unterwegs, seit dem 5. April
1973 folgt eine zweite, identische Sonde, PIONIER 11. Diese wird, wenn
weiter alles programmgemäß verläuft, im Dezember 1974 die Nahbeobachtungen
am Jupiter fortsetzen können.
Auf Minuten genau muß die Flugkontrolle der amerikanischen Weltraumbehörde NASA die Zeit der Ankunft an einem bestimmten Bahnpunkt am 3. Dezember 1973 errechnen. Diese Information wird z.B. benötigt, um Manöver wie
den Vorbeiflug der Sonde auf der Rückseite des orangefarbenen Jupitermondes Io und den Zeitpunkt des Absendens der Funkbefehle von der Erde für die

�die Sondierung des Jupiter präzise zu planen. Denn die Funksignale brauchen
46 Minuten, bis sie - bei Lichtgeschwindigkeit - PIONIER 10 überhaupt erreichen. Für die Nahbeobachtungen ist eine ganze Woche vorgesehen.
Mit 12 Instrumenten soll Jupiter, der allein mehr Masse besitzt als die
übrigen acht Hauptplaneten des Sonnensystems zusammen, während des Vorbeifluges beobachtet werden. Vom Infrarot-Radiometer erwartet man Informationen
über die wahrscheinlich sehr tiefe Atmosphäre des Giganten, dessen Durchmesser am Äquator 142 700 km, also mehr als das Elffache des Erddurchmessers beträgt. Da der Planet sehr schnell rotiert - er braucht nicht einmal 10 Stunden für eine Umdrehung «, ist er an den Polen stark abgeplattet.
Das Hochfeld-Magnetometer dürfte besonders interessante Daten liefern.
Vorläufig ist die Frage noch offen, woher bezw. aus welchen Prozessen Jupiter den "Überschuß" an Energie bezieht. Denn die Sonne kann eigentlich angesichts seiner Energiebilanz nicht die einzige Energiequelle sein. Der "Rote
Fleck" auf der Südhalbkugel beschäftigt die Planetenforscher schon seit langer Zeit. Auch die farbig abgesetzte Streifenstruktur der Atmosphäre gibt
manche Rätsel auf.
Schon auf dem Anflugweg registrierte PIONIER ständig

die Meteoriten-

dichte sowie den "Sonnenwind", d.h. die Strömungsrichtung und die Dichte der
von der Sonne fortlaufend an den interplanetaren Raum abgegebenen Schwaden
von Materieteilchen, und dazu die mit ihnen wandernden schwachen Magnetfelder. Vier Instrumente erfaßten

besonders energiereiche Partikel,

die sowohl von der Sonne als auch aus dem galaktischen Raum stammen können.
Und ein Ultr^violett-Instrument mißt Wasserstoff und Helium aus dem interstellaren Raum, d.h. von Bereichen außerhalb unseres eigenen Sonnensystems.
Der Planet Jupiter ist Von der Erde aus gesehen das vierthellste Objekt
am Himmel. Jedoch ist immer nur die "Tagseite" sichtbar. PIONIER 10 soll nun
zum ersten Mal Messungen vom Gebiet der Tag-und Nächtgrenze übermitteln.

-2-

�übermitteln. Spektrographische Aufnahmen von der Erde aus ergaben, daß die
Atmosphäre hauptsächlich aus Wasserstoff, Ammoniak, Methan und Wasserdampf
besteht. Wie es unterhalb der Atmosphäre aussieht, weiß niemand. Wohl gibt
es verschiedene Modelle, die den Aufbau des Planeten darzustellen versuchen
- er könnte beispielsweise einen sehr dichten Gesteinskern, darum einen Mantel aus metallischem Wasserstoff und eine Oberfläche aus flüssigem oder
festem Wasserstoff haben. Vielleicht helfen die PIONIER-Experimente, auch
einige Antworten auf diese Fragen zu finden.

-3-

�</text>
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    <description>Umwandlung eines physischen Dokumentes in ein digitales Medium.</description>
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      <description>The Dublin Core metadata element set is common to all Omeka records, including items, files, and collections. For more information see, http://dublincore.org/documents/dces/.</description>
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          <name>Creator</name>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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              <text>Amerikadienst 07.11.1973</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Außenminister Kissinger unterrichtete NATO-Botschafter über Lage im Nahen Osten&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der Presseverlautbarung des State Department vom 2. November -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Erklärung von Unterstaatssekretär Kubisch zu den Vorgängen in Chile&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kommende Verhandlungen sollen Lebensmittelversorgung der Welt sicherstellen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Raumsonde unterm Sonnenschirm&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- MARINER 10 auf dem Wege zu den Planeten Venus und Merkur -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;PIONIER 10 vor dem Ziel&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Am 3. Dezember 1973 Vorbeiflug am Planeten Jupiter -&lt;/em&gt;</text>
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