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Dokumentation

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2 5 . Oktober 1973

41

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:

Neue Welthandelskonferenz hat praktische Arbeit aufgenommen
Von Michael O'Mara

WIRTSCHAFT:
Vorratslage bleibt trotz steigender Weltagrarerzeugung weiter
angespannt
Von Don Paarlberg

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:

Die Energielücke in der Mikroweit
-Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche ErklärungSonnen-und Erdwärroe für die Energieversorgung
-Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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41/1973

NEUE WELTHANDELSKONFERENZ HAT PRAKTISCHE ARBEIT AUFGENOMMEN
Von Michael O'Mara

GENF ~«(AD)-» Die im September in der japanischen Hauptstadt von den Ministern aus 102 Ländern feierlich eröffnete Tokio»Runde von multilateralen
Handelsverhandlungen ist am 24. Oktober in Genf in ihre praktische Arbeits^
;

phase eingetreten.
Diese vielleicht bedeutendste, bestimmt aber am besten vorbereitete
internationale Handelskonferenz in der Geschichte wird ihrem Umfang nach noch
die Kennedy-Runde übertreffen, die 1967 mit einem Abkommen über Zollsenkuno
gen abgeschlossen worden war, das sich auf ein jährliches Handelsvolumen
von über 40 Milliarden Dollar erstreckte. Angesichts des inzwischen gestiegenen Preisniveaus und der Entschlossenheit der Unterhändler, gleichzeitig
mit weiteren Zollsenkungen dieses Mal auch die nicht-tarifären Handelsschranken wesentlich abzubauen, dürfte damit zu rechnen sein, daß die neue
Runde von Handelsgesprächen noch erheblich größere Auswirkungen auf den
Welthandel haben wird.
Der

-1-

�Der Leiter der amerikanischen Delegation, Harald B.Malmgren, hat erst
kürzlich vor Korrespondenten in Genf die Bedeutung, die die Vereinigten Staaten den Gesprächen beimessen, mit folgenden Worten umrissen: "Wir rechnen
mit weitreichenden Verhandlungen, die die Konditionen, zu denen der Welthandel abgewickelt wird, wesentlich verändern werden. Dabei schweben uns besonders zwei Ziele vor • Liberalisierung des Handels, die zu einem offeneren und
faireren Handelssystem führen soll, und Reform des Handelssystems selbst, die
dieses gerecheter machen und neue Leitsätze aufstellen soll, so daß die Re»
gierungen künftig weniger geneigt sein werden, zu intervenieren und so die
Auswirkungen der Liberalisierung zu neutralisieren."
Die Tokio«Runde ist bis in alle Einzelheiten von Ausschüssen und Ar»
beitsgruppen vorbereitet worden, die eine Vielzahl von tarifären und nicht
tarifären Handelsschranken sowohl für Industrie» wie auch für Agrarerzeugnis»
se definiert und geprüft haben. Allein die nicht tarifären Handelsschranken
machen eine lange, viele Seiten umfassende Liste aus, die bei Agrarerzeugnissen in Export-und Anbausubventionen, Mengenbeschränkungen, variable Abschöpfungsbeträge, sanitäre Bestimmungen, Absatznormen sowie Lizenzen und
bei Industrieerzeugnissen in staatliche Beschaffungskäufe, Zölle und ad»
ministrative Verfahren, Normen, besondere Beschränkungen sowie Einfuhrabgaben unterteilt ist. Diese Hauptgruppen wiederum weisen zahlreiche Untertitel
auf.
Darüber hinaus stehen den Unterhändlern die Großrechenanlagen des GATT«
Sekretariats zur Verfügung, in die detailliertes und umfassendes Zahlenmaterial
über alle derzeitigen Zolltarife sowie deren Auswirkungen auf die Warenflüsse
ein

gegeben ist und die innerhalb von Sekunden Tabellen darüber erstellen können,

wie die verschiedenen möglichen Änderungen sich auf die tatsächlichen Zoll»
sätze auswirken würden.

Aber

-2-

�Aber auch die einzeLnen Teilnehmerländer haben zahlreiche theoretische
Lösungen für die einzelnen Probleme ausgearbeitet, die sich auf dem Agrarsektor stellen, sowie auf dem Industriesektor Normen für Standardisierung, Bewertung und Lizenzierung vorbereitet. Sollten einzelne dieser Vorschläge in
ihrer gegenwärtigen oder in einer modifizierten Form angenommen werden, so
könnten sie wesentliche Bestandteile eines schließlichen Abkommens bilden.
Neben den 81 GATT-Mitgliedsstaaten nehmen auch zahlreiche Nicht-Mitglieder - unter ihnen viele Entwicklungsländer - an den Gesprächen teil. Sie haben
bereits die Vorbereitungen für die neue Verhandlungsrunde in allen Einzelheiten aufmerksam verfolgt. Eines der in der Deklration vom 14. September in
Tokio aufgestellten Ziele ist es, für den Außenhandel der Entwicklungsländer
zusätzliche Vergünstigungen zu erreichen, was, wie betont wird, durch einen
wesentlich verbesserten Zugang zu den Märkten der Industriestaaten erreicht
werden soll.

Gerade die Vereinigten Staaten sind bestrebt, durch die gegenwärtige
Runde die Handelspositionen der Entwicklungsländer zu verbessern. Auf die USA
entfallen rund 50 Prozent aller Fertigwarenexporte der Entwicklungsländer nach
Industriestaaten; die Vergleichszahlen für die neun Länder der Europäischen Gemeinschaft und für Japan lauten 22 Prozent und 7 Prozent.
Für die jetzt in Genf aufgenommenen Gespräche des in Tokio geschaffenen
Ausschusses für Handelsverhandlungen sind drei Tage veranschlagt. Der Ausschuß
wird die einzelnen Arbeitsgruppen einsetzen sowie allgemeine Richtlinien für
die Verhandlungen beschließen und dann in periodischen Zeitabständen - wenn
erforderlich - wieder zusammentreten. Darüber hinaus wird es aber wie bei den
früheren GATT-Runden auch zahlreiche bilaterale und multilaterale Verhandlungen geben, bei denen die einzelnen Seiten ihre Verhandlungspositionen darlegen
und die ihrer Gesprächspartner sondieren.
Es

3-

�Es besteht die feste Absicht, die neue Verhandlungsrunde noch bis Ende
1973 zum Abschluß zu bringen - ein Ziel, das von der Europäischen Gemeinschaft im letzten Jahr in Paris aufgestellt und in Tokio offiziell bestätigt
worden ist. Die Verhandlungen werden keineswegs in einem Vakuum stattfinden.
Die Minister haben in Tokio ausdrücklich anerkannt, daß eine Liberalisierung
des Handels ohne gleichlaufende Bemühungen um eine Verbesserung des internationalen Währungssystems nicht möglich ist. Auf der anderen Seite sollte
eine Handelsliberalisierung das ordnungsgemäße Funktionieren des Währungssystems erleichtern.
Die nach dem Beitritt Großbritanniens, Irlands und Dänemarks zur Europäischen Gemeinschaft erforderlichen Verhandlungen über Kompensationen für
Nachteile, die Drittländern durch die Angleichung der Zolltarife der neuen
Mitgliedsstaaten an den gemeinsamen Außenzoll der EG entstehen, laufen unabhängig von der neuen GATT-Verhandlungsrunde weiter, können sich aber erheblich auf deren Ausgang auswirken. Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für
Handelsverhandlungen, Botschafter William D. Eberle, hat sich erst kürzlich
sehr besorgt geäußert, weil die Europäische Gemeinschaft sich so viel Zeit
ließe, ein Angebot auf den Tisch zu legen, das dieses "wichtige Problem"
lösen kann. Eine Regelung, so betonte Eberle, werde die Beziehungen zwischen
den USA und der EG verbessern und könne so zu Lösungen beitragen, wie sie für
andere Handelsprobleme angestrebt werden.
Und der Vorsitzende des Haushaltsausschusses des US-Repräsentantenhauses,
der demokratische Abgeordnete Wilbur Mills, hat zu Beginn des Sommers unmißverständlich erklärt, wenn keine Übereinstimmung über Kompensationen erzielt
werde, so werde dies ein schlechtes Vorzeichen für die neuen Handelsverhandlungen sein und sich auch nachteilig auf die Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes Präsident Nixons auswirken. Die Debatte über dieses Gesetz soll am

�am 31. Oktober im Plenum

des ^«Repräsentantenhauses aufgenommen werden, und

Fortschritte bei den Kompensationsgesprächen dürften eine Verabschiedung dieses Gesetzes im Repräsentantenhaus und später im Senat wesentlich erleichtern.

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41/1973

VORRATSLAGE BLEIBT TROTZ STEIGENDER WELTAGRARERZEUGUNG WEITER ANGESPANNT
Von Don Paarlberg
(Direktor der Abteilung für Agrarwirtschaft im US-Landwirtschaftsministeriu»)

Don Paarlberg hat am 17. Oktober vor dem
Senatsunterausschuß für Agrarerzeugung
einen Überblick über die internationale
Situation gegeben und darauf hingewiesen,
daß trotz einer Weltrekordernte die Vor»
ratslage bei steigender Nachfrage weiter
angespannt bleiben wird.

Alle Anzeichen sprechen dafür, daß bei Getreide und Ölsaaten für die
unmittelbare Zukunft mit einer Weltrekordernte zu rechnen ist. Unsere Verbrauchsschätzungen für das Erntejahr 1973/74 liegen bei Getreide jedoch
über der voraussichtlichen Erzeugung. Das zu erwartende Defizit wird allerdings gering sein und leicht durch Bestände an Weizen und Futtergetreide in
den Vereinigten Staaten, Kanada, Australien und Argentinien ausgeglichen

�ausgeglichen werden können, die am 1. Juli dieses Jahres noch weit über
100 Millionen Tonnen betrugen. Dies setzt allerdings voraus, daß diese Länder
im Erntejahr 1973/74 keine ungewöhnlich hohen Getreidevorräte anlegen. Doch
selbst ohne eine derartige Maßnahme könnte ein Rückgriff auf die Lagerbestände der vier Hauptexportländer notwendig werden, die am 1. Juli ihren niedrigsten Stand in zwei Jahrzehnten erreicht hatten. In zahlreichen anderen Ländern wie Brasilien, Thailand, Indien und Südafrika sind die Getreidevorräte
ebenfalls weitgehend erschöpft. Die zum Schutz vor Mißernten erforderlichen
Vorräte sind somit recht gering. Trotzdem dürften sie zusammen mit den zu erwartenden Rekorderträgen aus der neuen Welternte immer noch mehr als ausreichend sein, um den veranschlagten Verbrauch decken zu können...
Die zur Zeit für den Export verfügbaren Weizenbestände konzentrieren
sich auf die Vereinigten Staaten, Kanada und die neun Länder der Europäischen
Gemeinschaft - die in der UdSSR verfügbaren Vorräte sind nicht bekannt. Zusätzliche Mengen werden erst verfügbar sein, wenn die neue Ernte in Australien
und Argentinien Ende 1973 und Anfang 1974 eingebracht ist. Die gegenwärtig in
diesen beiden Ländern für den Export verfügbaren Bestände sind bereits fest
zugesagt. Und nachdem Argentinien seine letzte Weizenernte überschätzt und
im voraus mehr Weizen verkauft hatte, als überhaupt verfügbar war, sah es
sich im August gezwungen, zur Erfüllung seiner früheren Exportzusagen sowie
zur Deckung des einheimischen Bedarfs über eine halbe Million Tonnen Weizen
hinzuzukaufen. Weitere Ankäufe könnten erforderlich werden. Der größte Teil
der in den neun EG-Ländern für den Export verfügbaren Weizenbestände wird in
den Mitgliedsstaaten selbst bleiben. Kanada .... räumt seinen traditionellen
Kunden Vorrang ein. Somit sind die Vereinigten Staaten im Augenblick das
einzige Land, das bei neuen Weizenaufträgen liefern könnte.
Angesichts der oben aufgezeigten Bedingungen und der Ungewißheit hinsichtlich der Erträge der jetzt in zahlreichen Ländern eingebrachten Ernte
gab es einen Sturm auf die amerikanischen Weizenbestände. Die Exportlieferun«
gen waren im Vergleich zu den gemeldeten Exportaufträgen im Erntejahr 1973/74

�1973/74 bisher ungewöhnlich hoch. Die einzelnen Länder suchten sich für den
Fall einer Mißernte eine ausreichende Versorgung zu sichern. Ja, einzelne
Länder versuchten sogar, ihre normalen Bestände aufzustocken, um mehr Sicherheit zu haben. Wenn in allen Teilen der Welt jedoch gute Ernten eingebracht
werden, so dürfte dies den Druck auf die für den Export verfügbaren Bestände
mildern.
Bei Futtergetreide konzentrieren sich die für den Export verfügbaren Bestände ebenfalls weitgehend auf die Vereinigten Staaten... Die USA und Kanada
müssen mit Rückgriffen auf ihre Vorräte rechnen, da sie bis zum Einbringen
der neuen Ernte in den Ländern der südlichen Hemisphäre die Hauptexportländer sein werden.
Ein kurzer Überblick zeigt, daß die gesamte Getreideerzeugung in den
Vereinigten Staaten, Kanada, Australien, der UdSSR und China gestiegen ist.
Die europäische Getreideernte liegt nahe bei den Rekorderträgen des Vorjahres. Das gleiche gilt für die indische Weizenernte, wobei die Erträge bei
Futtergetreide sogar den Vorjahresstand übersteigen dürften. Auch bei Reis
dürften die Erträge in den Haupterzeugerländern - normale Wetterbedingungen
vorausgesetzt - höher liegen, wenn im nächsten Vierteljahr der Hauptteil der
diesjährigen Ernte eingebracht ist. Darüber hinaus ist damit zu rechnen, daß
das Angebot an proteinhaltigen Produkten angesichts der zu erwartenden Rekordsojabohnenernten in den USA und Brasilien steigen wird....
Zahlreiche Länder haben im letzten Sommer Embargos, Quoten, Export«
steuern oder andere Maßnahmen zur Einschränkung des Exports benutzt. Zum Beispiel gab - oder gibt es noch - Beschränkungen in folgenden Ländern: USA und
Brasilien bei Sojabohnen; Thailand, Burma und die neun EG-Länder bei Reis;
Argentinien und die neun EG-Länder bei Weizen; Brasilien und Thailand bei
Mais. Zahlreiche Länder und internationale Organisationen überprüfen zur
Zeit die von ihnen verfolgte Politik in Bezug auf eine Lebensmittelreservehaltung, und es werden Alternativpläne vorgeschlagen.... In zahlreichen

-3-

�zahlreichen anderen Ländern geben höhere Preise und besondere Anreize einen
Ansporn zur Ausweitung des Getreideanbaus

Dies alles könnte zu erheb-

lichen ProduktionsSteigerungen im kommenden Jahr führen mit einem Druck auf
die Preise und einer höheren Getreidebevorratung. Doch dürfte die Situation
zumindest im Erntejahr 1973/74 weiter recht angespannt bleiben
Alle Anzeichen deuten auf eine Rekordgetreideernte in der Sowjetunion
hin, die auf günstige Wetterbedingungen, Ausweitung der Anbauflächen und
höheren Düngemittelverbrauch zurückzuführen ist. Nach den verfügbaren Informationen werden die Getreideexporte nach der Sowjetunion im Erntejahr 1973/74
mit rund 10 Millionen Tonnen etwa halb so hoch wie im letzten Jahr sein.....
Die Ernteerträge bei Getreide und Ölsaaten werden in der Volksrepublik China
ebenfalls höher liegen als im letzten Jahr, doch bleibt die Nachfrage weiterhin stark. Trotz der gestiegenen Ernteerträge dürften die Einfuhren also
weiter zunehmen. Nach den zur Zeit verfügbaren Informationen werden sich die
amerikanischen Lieferungen nach der Volksrepublik China im Finanzjahr 1974
auf 3,5 bis 4 Millionen Tonnen Weizen, wenigstens 1 Million Tonnen Mais, fast
1 Million Tonnen Sojabohnen und über 700.000 Ballen Baumwolle stellen.
Die Entwicklungsländer traten in das Erntejahr 1973/74 mit weitaus geringeren Getreidevorräten ein als zu Beginn früherer Erntejahre, was auf
die geringeren Erträge im Erntejähr 1972/73 zurückzuführen ist....
Die Nachfrage nach Agrarerzeugnissen auf den Weltmärkten hat Rekordhöhen erreicht, was wiederum zu einem starken Düngemittelbedarf in Gebieten mit
Lebensmittelüberschüssen führte. Infolgedessen gingen die Bestände an Düngemitteln auf einen noch nie dagewesenen niedrigen Stand zurück, und die Weltmarktpreise für Dünger erreichten in manchen Fällen Rekordhöhe.... In den
Vereinigten Staaten hat die angespannte Düngemittelsituation Berichten zufolge vereinzelt zu Verknappungen bei der Herbstaussaat geführt, obwohl die
durchschnittliche Auslastung der Kapazitäten in der Düngemittelindustrie

�Düngemittelindustrie sich einem Stand von 90 Prozent nähert. Die Weltmarktpreise liegen in einzelnen Fällen erheblich über den kontrollierten Binnenmarktpreisen. Außerdem haben die Dollarabwertungen amerikanische Düngemittel
auf den Weltmärkten wesentlich - in manchen Fällen bis zu 35 Prozent - billiger werden lassen. Und die hohen Bestände Ende 1972 haben zahlreiche große
amerikanische Düngemittelfabriken veranlaßt, zusätzliche Auslandsmärkte zu erschließen. Dies hat dazu geführt, daß die Düngemittelexporte im ersten Halbjahr 1973 gegenüber dem Vergleichszeitraum des Vorjahres um 18 Prozent höher
lagen.

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41/1973

DIE ENERGIELÜCKE IN DER MIKROWELT
-Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche Erklärung-

--(AD)-- In Anerkennung ihrer wissenschaftlichen Arbeiten zur theoretischen
Erklärung von Vorgängen, die die elektrische Leitfähigkeit von Materialien
bestimmen»und zum Nachweis besonders wichtiger, damit zusammenhängender
physikalischer Effekte wurden Dr. Brian D. Josephson, Dr. Leon Esaki und
Dr. Ivar Giaever mit dem Nobelpreis 1973 für Physik ausgezeichnet. Er
wurde von der Schwedischen Akademie der Wissenschaften zur einen Hälfte dem
an der Universität Cambridge tätigen Engländer Dr. Josephson, zur anderen
Hälfte den beiden naturalisierten Amerikanern Esaki und Giaever zuerkannt.

In den letzten 15 Jahren befaßten sich die drei Wissenschaftler mit
Experimenten, die neue Einsichten dazu brachten, auf welche Weise Elektronen Hindernisse mit Hilfe des sogenannten Tunnel-Phänomens überwinden.
Ihre Arbeiten standen im Zusammenhang mit Untersuchungen zur Erklärung der
Supraleitfähigkeit von Materialien. Diese tritt bei der Abkühlung auf Temperaturen nahe dem absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius) auf und bedeutet, daß die Materialien von diesem Temperaturpunkt an ihren elektrischen

�I

elektrischen Widerstand geradezu sprunghaft verlieren. Die sogenannte Sprungtemperatur ist bei den einzelnen Materialien unterschiedlich, aber charakteristisch für sie. Der Effekt der Supraleitfähigkeit, schon 1911 von dem
Holländer Kamerlingh Onnes entdeckt und lange Zeit nur als physikalisches
Kuriosum betrachtet, spielt heute eine wichtige Rolle z.B. bei der Entwicklung kleiner, äußerst leistungsstarker Elektromagnete.
Schon im vergangenen Jahr war die theoretische Erklärung der Supraleitfähigkeit, derzufolge bei sehr tiefen Temperaturen Elektronen, durch die ja
der Stromfluß entsteht, sich paarweise verbinden und widerstandsfrei im
Kristall bezw. dem Molekül des betreffenden Materials bewegen, mit dem PhysikNobelpreis ausgezeichnet worden. Das Aufbrechen der Paar-Struktur und die
Überführung der Elektronen in

den für die normale elektrische Leitfähigkeit

charakteristischen Zustand erfordert die Zufuhr einer bestimmten, für das
jeweilige Material charakteristischen Menge von Energie.
In den sechziger Jahren war es nun Dr. Giaever (44) während seiner Tätigkeit in der Forschungsanstalt Schenectady (New York) von General Electric
gelungen, die dem Unterschied in den beiden Leitfähigkeitsformen zugrundeliegende "Energielücke" im Supraleiter experimentell nachzuweisen und sogar
genau zu messen. Die vorausgehende Pionierarbeit hatte Esaki (48) Ende der
fünfziger Jahre als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Sony-Werke in Japan
mit verschiedenen Entdeckungen geleistet.
Dr. Josephson (33) hatte bereits als 20jähriger auf dem Gebiet der
Supraleitfähigkeit zu arbeiten begonnen. Er fand unter anderem heraus, daß
elektrische Ströme beim absoluten Nullpunkt (minus 273 Grad Celsius oder
Null Grad Kelvin) mit so hoher Energie durch supraleitendes Material flies sen, daß überhaupt keine Spannung mehr angelegt zu werden braucht, um sie
aufrechtzuerhalten. Das Phänomen, daß zwischen zwei supraleitenden Materia-

�Materialien beim Anlegen einer Gleichspannung eine hochfrequente Wechselspannung entsteht, wird heute als nJosephson-Effekt" bezeichnet. Die Erkenntnisse über die Passierbarkeit isolierender Barrieren zwischen Supraleitern
("Tunnelphänomen") durch Elektronenpaare

und die darauf aufbauenden Entwick-

lungen in der Festkörperphysik mit sogenannten Josephson-Dioden führten z.B.
dazu, daß die Rechengeschwindigkeiten von Computern außerordentlich erhöht
wurden und jetzt auch sehr schwache Magnetfelder gemessen werden können.
Dies ist auf den verschiedensten Gebieten von Bedeutung - von der Medizin
(z.B.Ermittlung von Herzströmen, die der normale Elektrokardiograph nicht zu
erfassen vermag) bis zur Raumfahrt.
Dr. Esaki siedelte 1960 in die USA über, nachdem er in Tokio als Physiker promoviert und für die Firmen Sony und Kobe-Kogyo in Japan gearbeitet
hatte, Er ist seitdem in der Thomas J. Watson-Forschungsanstalt von IBM in
Yorktown Heights (New York) tätig. Dr. Giaever hatte am norwegischen Institut für Technologie in Trondheim Maschinenbau studiert. Im Jahre 1964 promovierte er als Physiker am Rensselaer-Institut für Polytechnik in Troy (New
York), arbeitet jedoch bereits seit 1955 bei General Electric.

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41/1973

SONNEN-UND ERDWÄRME FÜR DIE ENERGIEVERSORGUNG
•Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses-

--(AD)-- Die Nutzbarmachung von Sonnenenergie und Erdwärme in kommerziellem
Umfang als zusätzliche und "saubere" Energiequellen haben zwei neue Modellprojekte des CCMS-Ausschusses der NATO zum Ziel. Das "Komitee für Aufgaben
der Modernen Gesellschaft" (CCMS), auch kurz Umweltausschuß genannt, stimmte den von den Vereinigten Staaten eingebrachten Vorschlägen auf seiner
jüngsten Plenarsitzung in Brüssel am 23. Oktober 1973 zu. Auch das von der
Bundesrepublik Deutschland vorgelegte Projekt zur Entwicklung von Methoden,
die eine sichere Beseitigung gefährlicher Substanzen erlauben, wurde angenommen.
Die praktische Arbeit bleibt nationalen Organisationen für Umweltschutz und für die Tätigkeit auf speziellen wissenschaftlich-technischen
Fachgebieten überlassen. Aber in den knapp vier Jahren seit Aufnahme der
Arbeit der CCMS-Gruppe im November 1969 demonstrierte diese immer überzeugender, wie sehr eine international koordinierte Zusammenarbeit der
Spezialisten innerhalb dieses von den 15 NATO-Ländern gebildeten Gremiums
selbst technisch äußerst schwierige Projekte zu fördern vermag. Der Aus-

-1-

.

�Austausch wissenschaftlicher Daten wird erleichtert, Forschungsprioritäten
lassen sich besser bestimmen und den Regierungen der Mitgliedsstaaten werden
in relativ kurzer Zeit konkrete Empfehlungen vorgelegt, die wirksame gesetzliche oder andere Maßnahmen ermöglichen. Weil sich das Verfahren so gut
bewährt hat, schalteten sich inzwischen auch Staaten wie Japan und Schweden,
die nicht der NATO angehören, in die CCMS-Aktivitäten ein.
Russell E. Train, der Leiter der US-Delegation und amtierende Chef der
US-Umweltschutzbehörde EPA, kündigte für die nächste Plenarsitzung im
Frühjahr 1974 einen weiteren amerikanischen Vorschlag für ein neues Modell projekt an. Es soll Möglichkeiten zur Einsparung von Energie auf breiter Basis aufzeigen helfen. In der Zwischenzeit werden die Vorbereitungen zur
Sonnenkraft-Studie bereits intensiviert.

Ideen und Pläne für eine Nutzung der Sonnenwärme gibt es seit Jahrzehnten zur Genüge. Aber solange Kohle und Öl in ausreichender Menge zur Verfügung standen, kümmerten sich eigentlich nur Einzelgänger um die praktische
Verwirklichung. Jedoch scheiterten die meisten Projekte an zu hohen Kosten
bei zu geringer Leistung, wenn es darum ging, Versorgungssysteme größeren
Umfangs zu entwickeln.
Diesen Engpaß hofft man, mit der neuen Studie in ca. drei Jahren zu über
winden. Angestrebt werden wirtschaftlich tragbare Heiz-, Kühl- und Warmwasser
Systeme für Wohnungen, Industrie- und Bürogebäude sowie öffentliche Einrichtungen. Dabei sollen die Vor-und Nachteile verschiedener Methoden unter den
jeweiligen regionalen oder auch örtlichen Bedingungen herausgearbeitet und
gegeneinander abgewogen werden.

Über

�Über die Schwerpunkte der ebenfalls in amerikanischer Regie durchgeführten Studie zur Nutzung der Erdwärme hatten sich Spezialisten aus acht
NATO-Ländern sowie aus Japan, Mexiko und Neuseeland auf einem Anfang Oktober in Kalifornien und Mexiko abgehaltenen Symposium bereits geeinigt. Sie
umfassen:
1) Informationsaustausch - angefangen von der Schaffung einer allgemein gültigen Fachterminologie und der Zusammenstellung von Bibliograpien
bis zur rechtzeitigen Veröffentlichung und Begutachtung geothermischer Daten, einschließlich der Ergebnisse praktischer Versuche und Betriebserfahrungen.
2) Informationen über Konstruktionstechniken, Wirtschaftlichkeit,
Vor-und Nachteile bestehender Anwendungsverfahren - in einigen Ländern wird
Wärme aus dem Erdinnern bereits für Heizzwecke, industrielle Verfahren
und Stromerzeugnis genutzt - sowie über Art und Ausmaß der noch zu lösenden technischen Probleme.
3) Aufbereitung und Beseitigung geothermischer Sole sowie deren Verwertung als Mineral-und Frischwasserquelle.
4) Die Entwicklung kleiner geothermischer Anlagen für die Stromerzeugung im Leistungsbereich zwischen 0,5 und 3,5 Megawatt (500-3500 kW), die
in schwer zugänglichen, normalerweise von der Außenwelt abgeschnittenen
Gebieten elektrische Energie liefern könnten, soll besonders gefördert
werden. Sie könnten gleichzeitig - und unter erheblicher Kosteneinsparung als Versuchsstationen für geothemische Großkraftwerke dienen.
5) Gemeinschaftsprogramme aller beteiligten Staaten mit den USA zur
Untersuchung von Möglichkeiten, auch trockenes, heißes Gestein als geothemische Energiequelle zu benutzen.
6)

�6) Austauschprogramm für geothemische Technologien im weitesten Sinne,
so daß bereits im Frühjahr 1974 den beteiligten Ländern z.B. die vorhandenen Informationen über verbesserte Bohrverfahren, Korrosionsschutz und die
Mechanik der Erdwärmequellen zugänglich sind.

- Giftmüll und Umweltschutz -

Die Ziele dieses unter Federführung der Bundesrepublik in Angriff genommenen Modells, das Dr. Günther Hartkopf, Staatssekretär im Bundesinnenministerium, auf der Plenarsitzung vortrug, waren bereits im September auf
einer Tagung in Bonn erläutert worden. Es soll unter anderem helfen, Verfahren zur Lagerung und Beseitigung gefährlicher Substanzen wie Zyanide
und Bleiverbindungen zu entwickeln und zufriedenstellende Lösungen für den
umfangreichen Problemkomplex "Giftmüll" zu finden. Zwei Forschungsprojekte
im Zusammenhang mit dieser Studie wurden von der Bundesregierung bereits in
Angriff genommen - nämlich die Schaffung einer Organisation in Baden-Württemberg, die sich mit der Wiederverwendung von Industrie-Abfallstoffen befaßt,
und die Untersuchung von Möglichkeiten für eine gefahrlose Beseitigung von
Zyanidsalzen. Das Projekt, das in enger Zusammenarbeit mit den Vereinigten
Staaten durchgeführt wird, ist vorläufig auf drei Jahre befristet.

-H-f

-4-

�</text>
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              <text>Herausgeben U.S. Information &lt;br /&gt;Service Embassy of the United States of America</text>
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          <name>Title</name>
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              <text>Amerikadienst 25.10.1973</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Neue Welthandelskonferenz hat praktische Arbeit aufgenommen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Michael O'Mara&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vorratslage bleibt trotz steigender Weltagrarerzeugung weiter angespannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Don Paarlberg&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Die Energielücke in der Mikrowelle&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Physik-Nobelpreis für ihre wissenschaftliche Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Sonnen- und Erdwärme für die Energieversorgung&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Neue Forschungsprojekte des NATO-Umweltausschusses -&lt;/em&gt;</text>
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