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Dokumentation

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36

ig. September

1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

WIRTSCHAFT
T o k i c ) - K o n f e r e n z l ä ß t e r f o l g r e i c h e V e r h a n d l u n g e n i n Genf
Von J o h n H o l " a y

erwarten

S t e i n r e c h n e t m i t A u s g l e i c h d e r U S - Z a h l u n g s b i l a n z noch i n d i e s e m J a h r
Von J c h n Holway
US-Landwirtschaftsministerium

rechnet für

1974 m i t noch h ö h e r e n

Ernteerträgen
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Zielsichere Umweltpolitik in den USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht
Lebenswichtiger Gewässerschutz
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss
Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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36/1973

SHULTZ FORDERT ABBAU ALLER HANDELSSCHRANKEN
Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung
in Tokio

TOKIO - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz hat am
12. September bei der Eröffnung der GATT-Ministertagung den Abbau aller Handels
schranken, der landwirtschaftlichen wie der industriellen, gefordert und die
Mitarbeit der Vereinigten Staaten bei diesen gemeinsamen Bemühungen zugesagt.
Die Rede des amerikanischen Finanzministers hat folgenden Wortlaut:

"Dies ist eine historische Konferenz, und ich habe die Ehre, an ihr teilnehmen zu dürfen. Wir sind hier, um den ersten offiziellen Schritt in Richtung
auf eine wesentliche Ausweitung und Verbesserung der weltweiten Handelsbeziehungen zu tun. Diese Verhandlungen basieren auf dem, was in der Vergangenheit, in der Kennedy-Runde und zuvor, erreicht worden ist. Sie sind gleichzeitig ein kühner Schritt, der über das in der Vergangenheit Erreichte hinausgeht. Unsere derzeitigen Verhandlungen haben einen weiter gesteckten Rahmen,
sind in ihren Zielen ehrgeiziger und werden von den wirtschaftlichen und politischen Realitäten geleitet.

Bevor ich nach Tokio kam, wurde mir gesagt, daß dieses Treffen Anlaß für
zahlreiche Reden zugunsten eines offenen Welthandels sein werde. Ich glaube,
daß dies der Fall sein wird, und ich halte es für ganz richtig, daß dies so
ist. Wenn wir jetzt einen Weg der Verhandlungen einschlagen, die viele Monate

- 1 -

�Monate dauern und sich mit äußerst komplexen Details befassen werden, dann
sollten wir uns die Prinzipien vor Augen halten, die unseren Bemühungen zu
Grunde liegen. So klar uns diese Prinzipien auch erscheinen mögen, der Weg,
sie in die Praxis umzusetzen, war stets schwierig und ist bei weitem noch
nicht abgeschlossen.

Das grundlegende Prinzip, das uns hier zusammenführt, ist ganz einfach
und bedarf keiner großen Erwähnung. Wenn immer es einen freiwilligen Warenaustausch gibt, haben beide Seiten - der Käufer und der Verkäufer - etwas zu gewinnen. Ist dies nicht der Fall, dann wird die eine oder die andere Seite den
Warenaustausch ablehnen. Dieses Prinzip gilt genauso, ob die beiden Parteien
aus verschiedenen Ländern kommen, oder ob sie aus dem gleichen Land stammen.
Hindernisse, die Regierungen dem Handel in den Weg legen, binnen- wie außenwirtschaftliche, hindern die Menschen daran, miteinander Geschäfte abzuschließen,
die für alle Beteiligten von Nutzen sein würden.

Es geht um mehr als nur darum, daß ein Land nur die Güter, die es im
Augenblick am billigsten herstellt, gegen die Waren, die andere Länder heute
am billigsten erzeugen, exportiert. Ein offener Handel zwingt uns alle, rationeller zu arbeiten, und spornt uns hierzu an. Der Sog des ausländischen
Wettbewerbs zwingt die Unternehmer aller Länder dazu, mehr Neuerungen einzuführen, größere Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen zu machen und sich
stärker den Wünschen der Verbraucher anzupassen.

Unsere Generation hat mehr Grund, sich dem Zwang dieser Vorstellungen zu
beugen, als irgend eine andere Generation vor uns. Wir haben den größten und
umfassendsten wirtschaftlichen Fortschritt in der Geschichte der Welt erlebt.
Dieses Zusammenfallen von Entwicklungen ist natürlich kein Zufall. Die Ausweitung der internationalen Gütererzeugung hat zur Expansion des Handels beigetragen, aber die Expansion des Handels hat ebenfalls zur Ausweitung der
internationalen Gütererzeugung beigetragen. Ein besserer Zugang zu den Märkten
hat die Spezialisierung der Gütererzeugung gefördert, und damit auch die bessere
Nutzung der Hilfsquellen jedes einzelnen Landes. Der Wettbewerbsdruck ausländischer Firmen hat den technologischen Fortschritt und die Initiative der
Wirtschaft belebt.

_n

�Als Folge einer offeneren Weltwirtschaft sind die wirtschaftlichen Möglichkeiten für die Bürger aller Länder wesentlich größer geworden und ist der
Lebensstandard überall auf der Welt gestiegen. Ein freierer Handel hat zu höheren Reallöhnen für die Arbeitnehmer und einem größeren Güterangebot für die
Verbraucher geführt.

Eine der jüngsten Entwicklungen in der Wirtschaftspolitik ist für uns
alle eine heilsame Lehre. Die Regierungen in vielen Teilen der Welt, zum Beispiel in Australien, Japan, Kanada, einigen europäischen Ländern und den Vereinigten Staaten, sahen sich aus binnenwirtschaftlichen Gründen gezwungen,
ihre Zölle oder Quoten einseitig abzubauen, ohne entsprechende Konzessionen
der anderen Länder zu fordern. Wenn auch die Umstände in jedem einzelnen
Falle verschieden waren, so zeigt dies doch, daß wir nicht jeden Abbau eigener
Beschränkungen als Konzession anderen gegenüber betrachten sollten, die nur
dann von Wert ist, wenn von den anderen eine noch größere oder eine zumindest
gleich große Konzession gemacht wird. Die allgemeinen Prinzipien, die als
Richtlinien für unsere Arbeit dienen, besagen, daß der Abbau unserer eigenen
Handelsschranken genauso ein Gewinn für uns ist wie ein Abbau der Handelsschranken anderer.

Natürlich gibt es Einschränkungen für die grundlegende Vorstellung von
einer Handelsliberalisierung. Die Teilnehmer an dieser Konferenz, die Regierungen angehören oder im politischen Leben stehen, sind sich dieser Einschränkung besonders bewußt. Ein wesentlicher Abbau der Handelsschranken kann
zu örtlichen und vorübergehenden Schwierigkeiten führen, die nicht ignoriert
werden dürfen, so groß die Vorteile auf lange Sicht und ganz allgemein auch
sein mögen. Ein vorübergehender Schutz führt manchmal zu einer Leistungsfähigkeit, die sonst nicht zu erreichen gewesen wäre. Andere Vorbehalte müssen ebenfalls bedacht werden.

Diese Einschränkungen sind ein Beweggrund für Abstufung, Selektivität und
Gegenseitigkeit. Zweifellos wird ein großer Teil der Zeit in den jetzt beginnenden Verhandlungen solchen Einschränkungen gewidmet sein. Aber lassen Sie
uns, wie wir in den Vereinigten Staaten sagen, das Ziel, nämlich die Liberali- 3-

�Liberalisierung und Ausweitung des Handels, nicht aus den Augen verlieren und
versuchen, die Probleme in einer mit dem großen Ziel am besten zu vereinbarenden
Weise zu lösen.

Ich sehe eine Reihe wichtiger Aufgaben für diese Verhandlungen. Wenn ich diese
jetzt aufführe, so besagt das nicht, daß damit der gesamte Rahmen von Fragen
umrissen ist, die in diesen Verhandlungen behandelt werden sollen, noch besagt
dies, daß diese Fragen zwangsläufig Tagesordnungspunkte der Verhandlungen sein
müssen.

Richtlinien und Verfahren

Die zentrale Aufgabe dieser Verhandlungen ist, wie ich dies sehe, Richtlinien und Verfahren zu erarbeiten, die die Beseitigung der Handelsschranken
gestatten und den Regierungen die Möglichkeit belassen, ihren binnenwirtschaft- .
liehen Verantwortungen nachzukommen. Zahlreiche, immer noch den Welthandel behindernde Handelsschranken sind die Folge von Bemühungen einzelner Regierungen,
eine Vielzahl unterschiedlicher binnenwirtschaftlicher, sozialer und politischer
Ziele zu erreichen. Wir müssen die Maßnahmen erarbeiten, durch die diese Handelsschranken beseitigt oder abgebaut werden können. Da nationale Erfordernisse und
politische Präferenzen häufig voneinander abweichen, müssen wir Regeln entwickeln, die jeder einzelnen Regierung genügend Spielraum für die Formulierung
und Verfolgung ihrer eigenen Politik geben. Gleichzeitig müssen wir die Länder
dazu ermutigen, politische Maßnahmen zu erarbeiten, die Störungen der wirtschaftlichen Interessen anderer Länder auf ein Minimum reduzieren.

In einer interdependenten Welt wird die von einer Regierung zur Durchführung
ihrer Aufgaben verfolgte Politik zwangsläufig ab und zu in Konflikt mit der von
anderen Regierungen verfolgten Politik geraten. Wir werden uns daher auf die
Verfahren und Vereinbarungen konzentrieren müssen, die solche Konflikte auf
ein Minimum reduzieren und etwa sich ergebende Streitfälle beilegen. Unsere
gemeinsamen Institutionen wie das GATT haben diese Aufgabe gut versehen. Diese
Institutionen werden immer älter und wenn sie auch strukturell gesund sein

�sein mögen, so ist es doch wichtig, daß wir unsere jüngsten Erfahrungen bei
der Behandlung von Handelsproblemen genau prüfen, um festzustellen, wo Bestimmungen und Verfahren auf den neuesten Stand gebracht und verbessert werden
können.

Schutz vor Marktstörungen verursachenden Importen
Unsere jüngsten Erfahrungen zeigen, daß wir unä besonders mit den Bestimmungen und Verfahren zur Lösung von Problemen befassen müssen, die durch
Marktstörungen verursachende Importe hervorgerufen werden. Jedes hier vertretene Land hat es schon einmal für notwendig befunden, vorübergehend den Import einzuschränken, um der einheimischen Industrie ausreichend Zeit zu Anpassungen zu geben. Häufig haben die solche Maßnahmen betreffenden derzeitigen
Bestimmungen und Verfahren sich als unzulänglich erwiesen, und die Regierungen
mußten inoffizielle Vereinbarungen ausarbeiten. Obwohl solche Vereinbarungen
sich als zweckdienlich erwiesen haben, so konnten sie doch nicht alle Probleme
beseitigen, und oftmals führten sie zu unnötigen internationalen Reibungen.
Es ist an der Zeit, daß wir dieser Frage offen ins Auge sehen und gemeinsam
ein für alle akzeptables Schutzsystem ausarbeiten.

Lebensmittel
Ein weiteres Gebiet, auf dem gemeinsame Maßnahmen wünschenswert wären,
ist die Landwirtschaft. Die derzeitigen Verknappungen landwirtschaftlicher Erzeugnisse und die Gefahr, daß solche Verknappungen sich in der Zukunft wiederholen werden, verleiht der Notwendigkeit, ein rationelleres Verfahren für die
Erzeugung von und den Handel mit Agrarerzeugnissen auszuarbeiten, große Dringlichkeit. Wenn wir diesen Anlaß dazu nutzen, die Möglichkeiten für den Welthandel auf diesem Sektor auszuweiten, dann können wir für alle mehr Lebensmittel
zu niedrigeren Preisen verfügbar machen.

Es

- 5-

�Es sind verschiedene Anregungen unterbreitet worden, wie dies erreicht
werden könnte. Wir sind bereit, jeden ernsthaften Vorschlag zu prüfen.

Im vorigen Jahr haben wir es erlebt, wie der Welthandel mit Agrarerzeugnissen dazu beitragen kann, Lebensmittelverknappungen zu vermeiden, die anderenfalls kritisch gewesen wären. Der Rückgang der Weltgetreideernte wurde für viele
Länder dadurch gemildert, daß sie, vor allem aus den Vereinigten Staaten, Getreide importieren konnten. Trotz ungünstiger Witterung und geringerer Ernteerträge in unserem Land konnten wir den Ländern in allen Teilen der Welt, zum
Teil auf Kosten eines starken Abbaus unserer eigenen Vorräte, wesentlich größere
Mengen an Agrarprodukten und Futtermitteln zur Verfügung stellen.

Unsere Weizenexporte im Finanzjahr 1972/73 stellten sich auf 32 Millionen
metrische Tonnen. Das ist fast die doppelte Menge, die im Finanzjahr 1971/72
exportiert wurde,und macht rund 75 Prozent der amerikanischen Ernteerträge
aus. Die Futtergetreideexporte stiegen stark von 21 auf 35 Millionen Tonnen an.
Und die Sojabohnenexporte erhöhten sich auf 14 Millionen Tonnen, was eine Zunahme um zwei Millionen Tonnen gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Über die Hälfte
unserer Sojabohnenernte wurde exportiert - ja, der gesamte Mehrertrag unserer'
Sojabohnenernte ging im letzten Erntejähr in den Export.

Zwar wurden unsere Vorräte stark abgebaut, doch rechnen wir mit einer ausgezeichneten Futtergetreideernte und einer Rekordsojabohnenernte in diesem Jahr,
so daß wir im Finanzjahr 1973/74 die Auslandsnachfrage bei diesen Agrarprodukten
bei einem Exportniveau, das selbst den Rekordstand des vorangegangenen Finanzjahres übersteigt, befriedigen können. Wir rechnen ferner damit, daß unsere
Weizenexporte nahe an den sehr hohen Stand des letzten Jahres kommen und den
vernachlässigten Weltbedarf decken werden. Wir haben Millionen von Hektar Land
wieder in die Bestellung genommen und 1974 werden die Anbaubeschränkungen für
alles Land, das in Reserve gehalten wurde, fallen. Wir haben bewiesen, daß die
Vereinigten Staaten in der Not wirklich ein zuverlässiger Lieferant sind - und
daß auf ihr absatzorientiertes System Verlaß ist.
Das

�*

Das Meistbegünstigungsprinzip

Ich möchte mich jedoch jetzt einer Entwicklung zuwenden, die für die
Vereinigten Staaten eine Quelle wachsender Besorgnis bildete. In den letzten
Jahren haben wir eine Tendenz festgestellt, von dem Gedanken eines einheitlichen Welthandelssystems abzugehen, in dem alle Länder gleich behandelt werden.
Das Meistbegünstigungsprinzip bildete einen Eckpfeiler unseres weltweiten
Handelssystems. Jetzt erleben wir, daß dieses Prinzip immer stärker mißachtet
wird. In einer Zeit, da der Kreis der am Welthandelssystem beteiligten Länder
ständig zunimmt, müssen wir uns erneut zu den Idealen einer einheitlichen,
nicht-diskriminierenden Handelsordnung bekennen.

Ich möchte in diesem Zusammenhang betonen, daß wir weiterhin die zahlreichen regionalen Bemühungen unterstützen, eine politische und wirtschaftliche
Integration zu erreichen. Dies ist dort sinnvoll, wo Nachbarländer mit einer
gemeinsamen Tradition feststellen, daß sie wirtschaftlich in wachsendem Maße
miteinander verflochten sind. Wir müssen jedoch darauf bestehen, daß solche
Bemühungen nicht das weltweite System untergraben dürfen, das wir gemeinsam
aufgebaut haben und das uns so große Vorteile gebracht hat. Es ist daher wichtig,
daß di'e regionalen Gruppierungen angehörenden Länder sich so organisieren, daß
sie als Einheit wirksam die Verpflichtungen erfüllen können, die sie selbst
einzeln als Länder eingegangen sind.

Unterstützung der Entwicklungsländer

Wir unterstützen die Bemühungen, den Entwicklungsländern besonderen Zugang
zu Auslandsmärkten zu geben. Unseres Erachtens werden solche Vereinbarungen
sowohl den Industriestaaten als auch den Entwicklungsländern Vorteile bringen.
Wir sind uns ferner darüber im klaren, daß es weder angebracht noch wünschenswert ist, wenn wir darauf bestehen, daß diese Länder die gleichen Pflichten
auf sich nehmen, die wir von den Ländern erwarten, die bereits ein relativ
hohes Maß an wirtschaftlicher Entwicklung erreicht haben. Gleichzeitig erwarten wir jedoch dem Entwicklungsstand eines Landes angemessene Zusagen und
- 7-

�»

I
•und eine Mitbeteiligung an der Verantwortung für ein wirksames Funktionieren
des weltweiten Systems. Keine internationale Maßnahme kann Erfolg haben, wenn
nicht die, die daraus Nutzen ziehen, auch zu ihr beitragen. Und das System
als ganzes kann nicht funktionieren, wenn nicht alle Länder zu seiner Effektivität beitragen.

Der Zusammenhang von Währung und Handel

Zum Schluß möchte ich noch ein Wort zu dem Zusammenhang zwischen unseren
Bemühungen hier und den Bemühungen um eine Reform des internationalen Währungssystems sagen. Wir sind uns darüber klar, daß zwischen Währungs- und Handeisfragen ein Zusammenhang besteht. Ein Hauptziel eines internationalen Währungssystems ist einerseits die Erleichterung des Handels. Dieses Ziel wird ernstlich gefährdet, sobald die Beziehungen auf dem Währungsssektor nicht stabil
sind. Auf der anderen Seite ist es genauso logisch, daß der Anpassungsprozeß
auf dem Währungssektor weniger wirksam und weniger nachgiebig ist, wenn der
Handel durch direkte Maßnahmen eingeschränkt wird und nur langsam, partiell
und verzerrt auf die Kräfte des monetären Anpassungsprozesses reagieren kann.

Kurz gesagt, Maßnahmen auf einem Gebiet können auf anderen Gebieten erzielte Lösungen zunichte machen, doch sollte dies nicht zugelassen werden.
Aus diesem Grunde ist eine gleichzeitige Verbesserung aller Elemente des
internationalen Wirtschaftssystems notwendig.

Obwohl konkreter Fortschritt auf einem Gebiet der Verhandlungen nicht als
Faustpfand für spezifische Verhandlungen auf einem anderen Gebiet benutzt
werden sollte, wird der Erfolg auf dem einen Gebiet letztlich auch vom Erfolg
auf dem anderen anhängen.
Wo in spezifischen Fällen Überschneidungen vorkommen, sollte die auf einem
Gebiet geleistete Arbeit die Arbeit auf den anderen Gebieten ergänzen und sie
nicht zunichtemachen.
Verhandlungsmandat

�Verhandlungsmandat der Vereinigten Staaten
Meine Regierung hält es für wichtig, daß die durch diese Verhandlungen
gegebenen Möglichkeiten genutzt werden und ist bestrebt, dynamisch mitzuarbeiten. Zur Durchführung der ausgehandelten Veränderungen und zur Bekräftigung unseres Bekenntnisses zu den grundlegenden Zielsetzungen bedarf es natürlich der Unterstützung, des Rates und der Zustimmung unseres Kongresses. Präsident Nixon hat dem Kongreß im April dieses Jahres sein Gesetz für eine Reform
des Handels unterbreitet. Dieses Gesetz ist im Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses eingehend und sehr konstruktiv geprüft worden und wird im Kongreß
wahrscheinlich noch einige Monate lang erörtert werden. Die maßgebenden demokratischen und republikanischen Ausschußmitglieder haben in der letzten Woche
ihre 'Hoffnung und Auffassung bekundet, daß wir die Behandlung des Gesetzes
bis zum 1. Oktober abgeschlossen haben werden1. Sie erklären ferner: 'Unseres
Erachtens wird der Ausschuß ein Gesetz vorlegen, daß einen ausreichenden Rahmen
für umfassende Verhandlungen mit dem Ziel gibt, die Handelsschranken zu beseitigen und den Welthandel wesentlich auszuweiten. Wir hoffen und wünschen,
daß der Kongreß dieses Gesetz in absehbarer Zeit verabschieden wird, um diese
Verhandlungen zu erleichtern.'

Die Tatsache, daß unser Handelsgesetz noch vom Kongreß geprüft wird, beeinträchtigt unsere aktive und volle Teilnahme an dieser Phase nicht. Die Verhandlungen, die auf dieser Konferenz beginnen, werden sich am Anfang darauf
konzentrieren, den dann kommenden detaillierten Verhandlungsprozeß vorzubereiten. Wir stehen weiterhin zu der Zusage, mit der substantiellen Arbeit in
diesen Verhandlungen Ende Oktober dieses Jahres zu beginnen und diese Arbeit
intensiv, kontinuierlich und ohne Verzögerung fortzusetzen.

Ich möchte Ihre Aufmerksamkeit auf die Tatsache lenken, daß die Haltung
des Kongresses gegenüber diesen Verhandlungen - und damit auch das Mandat, das
er unseren Unterhändlern geben wird - davon beeinflußt sein wird, wie wir in
den kommenden Monaten einige der noch offenen Fragen mit unseren Handelspartnern
lösen werden. Wir haben bereits kürzlich befriedigende Abkommen mit einigen
unserer wichtigen Handelspartner über die Beseitigung seit langem bestehender

- 9 -

�bestehender Handelsbeschränkungen erzielt, die mit dem GATT nicht zu vereinbaren sind. Dies war eine sehr positive Entwicklung und zeigt den amerikanischen
Beobachtern eindeutig, daß das GATT funktioniert. Trotzdem stehen zur Zeit
noch einige andere Fragen an. Wir betrachten die Lösung dieser Fragen als Beweis dafür, daß wir darauf bauen können, daß die internationale Völkergemeinschaft ein Abkommen über eine offenere und bessere Welthandelsordnung erreichen
kann. Wir wissen, daß es unbedingt notwendig ist, dem Kongreß zu beweisen, daß
Grund für solches Vertrauen besteht.

Die Haltung der Vereinigten Staaten

Kurz gesagt, die Haltung der Vereinigten Staaten wird, was diese Verhandlungen anbetrifft, auf folgenden Gedanken basieren:

1. Wir wollen die Möglichkeiten für den Welthandel ausweiten und sind bereit, voll an den gemeinsamen Bemühungen um die Beseitigung oder die Reduzierung
aller Handelsschranken, der landwirtschaftlichen wie auch der industriellen,
mitzuarbeiten.

2. Wir streben ein Abkommen an, das allen Beteiligten Vorteile bringt und
von allen anerkannt wird. Dies bedingt, daß das Abkommen vom Standpunkt jedes
einzelnen Teilnehmerlandes ausgewogen ist. Wir sind jedoch der Ansicht, daß es
nicht notwendig ist, auf einer Ausgewogenheit jeder einzelnen Komponente

jedes

Abkommens zu bestehen, da dadurch das, was erreicht werden kann, in einem unerwünschten Maße beschränkt werden würde.

3. Unseres Erachtens sollte der zollfreie Handel wesentlich ausgeweitet
und der Durchschnittszoll bei den noch verbleibenden zollpflichtigen Waren erheblich gesenkt werden.

4. Wir betrachten es als ein Hauptziel dieser Verhandlungen, möglichst
viele nicht-tarifären Handelsschranken zu beseitigen, und diejenigen, die nicht
beseitigt werden können, so weit wie möglich abzubauen.
5. Der
- 10 -

�5. Der Abbau der Schranken für den Agrarhandel ist ein Hauptziel, und
die diesbezüglichen Verhandlungen sollten zusammen mit den Verhandlungen
über Industrieerzeugnisse vorangehen. Wir sollten vereinbaren, daß in solchen
Fällen, in denen wir binnenwirtschaftliche Maßnahmen zur Unterstützung unserer
eigenen Farmer für notwendig erachten, diese Maßnahmen nicht den Landwirten
anderer Länder schaden dürfen.

6. Unseres Erachtens wird eine maximale Liberalisierung des Handels erreicht, wenn wir Übereinstimmung über ein multilaterales Schutzsystem erzielen
können, das den Regierungen geeignete Maßnahmen gestattet, wenn eine zu schnelle
Ausweitung der Importe die einheimische Produktion einer bestimmten Industrie
zu zerrütten droht. Gleichzeitig werden wir jedoch sicherstellen, daß solche
Maßnahmen nicht umfassender sind und länger dauern, als dies für den binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozeß notwendig ist.

7. Wir stehen besonderen Verfahren oder Vereinbarungen aufgeschlossen gegenüber, die dazu benutzt werden, gemeinsame Verhandlungsziele zu erreichen.

8. Wir wünschen, daß die Verhandlungen sofort beginnen und schnell voranschreiten und verpflichten uns zu einer optimalen Mitarbeit, damit dieses Ziel
erreicht wird.

Gehen wir ans Werk!

Wir erwarten, daß der Ausschuß für Handelsverhandlungen (TNC) eine wichtige
Rolle dabei übernehmen wird, diese Verhandlungen in Richtung auf das gewünschte
Ziel zu lenken. Wir hoffen, daß der Ausschuß mit seiner Arbeit so bald wie möglich beginnt, Verfahren für die Untergruppen festlegt und dafür sorgt, daß diese
sofort kontinuierlich und wirksam die Arbeit an den wesentlichen Punkten der
Verhandlungen aufnehmen. Wir hoffen, daß die teilnehmenden Regierungen sich auf
die Verhandlungspläne konzentrieren, die grundlegende analytische Arbeit, die
möglichst bald getan werden muß, aufnehmen und mit diesem Prozeß im Ausschuß
nicht später als am 1. November beginnen werden. Sobald ein Anfang gemacht ist,
- 11 -

�I
ist, sollten wir die Arbeit ernsthaft und kontinuierlich fortführen, damit das
Ziel, 1975 zum Abschluß zu kommen,erreicht werden kann.

Unseres Erachtens bildet die vom Vorbereitungsausschuß im Juli ausgehandelte
Deklaration eine gesunde Basis für die Aufnahme solcher Verhandlungen. Sie gibt
uns nützliche politische Richtlinien, denen unsere Unterhändler folgen sollen.
Wir wissen, daß hinsichtlich der Deklaration einige Meinungsverschiedenheiten
bestehen, die sich auf ganz spezifische Punkte des Inhalts oder des Schwerpunkts
beziehen. Die Deklaration setzt jedoch einen Rahmen, um ein für uns alle wünschenswertes Ergebnis zu erreichen. Diese Deklaration in eine Änderung unserer Handelsbeziehungen umzusetzen, ist die Aufgabe, vor der wir während dieser Verhandlungen
stehen werden.

Der Fortschritt, den wir uns alle bei diesen Verhandlungen wünschen, kann
nur durch gemeinsame Anstrengungen erreicht werden, zu denen alle von uns auf
geeignete Weise beitragen müssen und aus denen wir alle entsprechende Vorteile
ziehen werden. Diese Deklaration von Tokio soll als Ausgangsbasis und Ansporn
dienen. Die Vision von der Zukunft, die in der Vergangenheit die Völker angespornt hat, große Ziele zu erreichen, soll auch uns bei den gemeinsamen Bemühungen leiten, eine dauerhafte Handelsordnung zu errichten, die zur internationalen Eintracht und Prosperität für uns und für die künftigen Generationen
beitragen wird."

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36/1973

TOKIO-KONFERENZ LÄSST ERFOLGREICHE VERHANDLUNGEN I N GENF ERWARTEN

Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der von allen Teilnehmerstaaten der GATT-Ministertagung
in Tokio gezeigte "gute Wille" läßt nach amerikanischer Auffassung auf einen
erfolgreichen Verlauf der Gespräche in Genf schließen, wo Ende Oktober die
eigentlichen Verhandlungen über einen weltweiten Abbau aller Handelsschranken
beginnen werden.

Diesen Optimismus in Kreisen der amerikanischen Delegation begründete
der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, damit, daß sich Presseberichte aus allen Teilen der Welt
nicht bewahrheitet haben. Danach hätten die Verhandlungen in diesem Herbst
noch nicht beginnen können und einzelne Regierungen einen Aufschub gewünscht.
Vielmehr, so erklärte Eberle nach Abschluß der Konferenz, hätten die Finanzminister Frankreichs, der USA, Japans sowie zahlreicher anderer Länder und
auch die EWG feste Zusagen gemacht, daß die bevorstehenden Verhandlungen den
richtigen Verlauf nehmen und Fortschritte erzielen könnten.

Aber auch die inoffiziellen Kontakte der Minister außerhalb des Konferenzsaales, so betonte der Botschafter, hätten die Aussichten auf einen erfolgreichen
Verlauf der kommenden Verhandlungen verbessert. Sollten sich im Zuge dieser Ende
Oktober beginnenden Verhandlungen Probleme ergeben, so könnten die Minister auf
politischer Ebene miteinander sprechen, "und ich glaube, das ist äußerst wichtig."
Der
- 1 -

�i
Der nächste Schritt liegt nach Ansicht Eberles jetzt bei dem in Tokio
eingesetzten Ausschuß für HandelsVerhandlungen, der am 24. Oktober oder kurz
danach in Genf zusammentritt, um mit der analytischen Arbeit zu beginnen, die
den eigentlichen Verhandlungen vorangehen muß. Natürlich, so fügte Eberle hinzu, bestehe auch die Gefahr, daß bei den Genfer Gesprächen erneut Spannungen
entstünden. Er erachte dieses Risiko aber angesichts der von den Ministern
in Tokio gegebenen Zusagen für gering. Der in der japanischen Hauptstadt manifestierte politische Wille berechtige zu der Hoffnung, daß die bevorstehenden
Verhandlungen einen guten Verlauf nehmen und erfolgreich sein werden.

Natürlich, so fuhr Eberle fort, gebe es nationale Maßnahmen, die international

Spannungen auslösen könnten. Der Botschafter erwähnte in diesem Zu-

sammenhang die amerikanischen Gegenzölle bei Erzeugnissen, die zu ungewöhnlich
niedrigen Preisen in die USA eingeführt werden, weil sie von den betreffenden
Exportländern subventioniert sind. Diese Frage sollte in einem multilateralen
Rahmen behandelt und mit den Handelspartnern der USA erörtert werden. Das sei
in jedem Fall einseitigen Maßnahmen, die nur zu Vergeltungsschritten führen
würden, vorzuziehen.

Die amerikanische Verhandlungsdelegation wird im Oktober in Genf zu einem
Zeitpunkt eintreffen, da

das neue amerikanische Handelsgesetz vom Kongreß

sicherlich nocht nicht verabschiedet sein wird und auch die Europäische Gemeinschaft noch über kein

Verhandlungsmandat verfügen dürfte. Dies habe jedoch,

so betonte Eberle, während der organisatorischen und analytischen Phase der
Konferenz nichts zu besagen, da die echten Verhandlungen mit Vorschlägen und
Gegenvorschlägen erst danach beginnen könnten.

Im Gegensatz zur Kennedy-Runde haben sich die USA dieses Mal bereit erklärt, allen Vorschlägen über eine Harmonisierung der Zölle sowie deren Auswirkungen zu prüfen, so daß bereits vor den eigentlichen Verhandlungen gemeinsame
statistische Unterlagen erarbeitet sind, auf denen dann die Verhandlungen aufbauen können. Diese Vorbereitungen, so sagte Eberle, brauchten allerdings
Zeit, doch sollte es trotzdem möglich sein, wie beabsichtigt, die Verhandlungen
1975 zum Abschluß zu bringen. Für die USA würde dies bedeuten, daß das Ende
- 2-

�Ende der Verhandlungen nicht mit dem nächsten amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf zusammenfallen würde.

Bei der Kennedy-Runde fand der größte Teil der harten Verhandlungen in
den letzten acht Monaten statt. Dieses Mal werden die Unterhändler über zwei
Jahre Zeit haben, um die neue Verhandlungsrunde zu einem erfolgreichen Abschluß
zu bringen. Seit der Kennedy-Runde hat sich der Welthandel mehr als verdoppelt.
Aber in diesen Verhandlungen wurde auf den Gebieten des Agrarhandels und der
nicht-tarifären Handelsschranken nicht viel erreicht. Dieses Mal nun werden
die Unterhändler gerade diese beiden Probleme besonders eingehend erörtern.

Aber auch den Problemen der Entwicklungsländer soll weit mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden. Nach Ansicht Eberles werden die Verhandlungen gerade
für diese Länder "einige wesentliche Verbesserungen" bringen. Sie dürften
sowohl von den Sonderpräferenzen der Industriestaaten als auch von dem allgemeinen Abbau der Zollschranken zwischen allen Ländern profitieren.

Erstmalig werden die Vereinigten Staaten bei den bevorstehenden Verhandlungen einen eigenen Präferenzplan für die Entwicklungsländer vorlegen. Dadurch
könnten nach Ansicht Eberles die Präferenzschemen Japans, Europas und anderer
Industriestaaten verbessert werden. Aber auch die Beseitigung der nicht-tarifären Handelsschranken dürfte für die Entwicklungsländer besondere Bedeutung
haben. Und das Gleiche gilt, wie Eberle betonte, für die Verhandlungen über eine
Angleichung der Hygienebestimmungen und der Verpackungsnormen sowie für die
Fragen, die den Entwicklungsländern den Export ihrer Erzeugnisse in die Industriestaaten erleichtern könnten.

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STEIN RECHNET MIT AUSGLEICH DER US-ZAHLUNGSBILANZ NOCH IN DIESEM JAHR
Von John Holway

TOKIO - (AD) - Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirats Präsident Nixons,
Dr. Herbert Stein, rechnet mit einem Ausgleich der amerikanischen Zahlungsbilanz noch vor Ende dieses Jahres. Im letzten Jahr hatte die Zahlungsbilanz
dei USA ein Defizit von rund 7 Milliarden Dollar aufgezeigt.

Gleichzeitig, so betonte Stein am 12. September vor Korrespondenten,
werde die Inflationsrate in den USA bis zum zweiten Halbjahr 1974 "sehr deutlich" zurückgehen. Die derzeitige Inflationsrate in den USA von rund 8 Prozent
sei nur vorübergehend. Eine Rückkehr zu "den goldenen Zeiten der sechziger
Jahre" mit einer Inflationsrate von 1,5 Prozent sei allerdings wenig wahrscheinlich. Doch dürfte mit einem Rückgang auf 3 bis 3,5 Prozent zu rechnen sein.
Diese Rate sei nach amerikanischen Maßstäben zwar immer noch hoch, liege jedoch niedriger als in irgend einem anderen Lande.

Für seine Voraussage führte Stein vier Gründe an. Einmal werde die Rekordernte in diesem Jahr zu einer Steigerung des Lebensmittelangebots führen und
einen Druck auf die Preise ausüben. Zweitens werde der Wert des Dollar wieder
steigen, der bereits etwa 60 Prozent des Verlustes seit Jahresbeginn aufgeholt
habe. Drittens werde sich der Boom in den USA abkühlen. Und viertens werde sich
der Wirtschaftsaufschwung in Japan, der Bundesrepublik und anderen Industriestaaten verlangsamen.

Stein
- 1 -

�Stein gab zu, daß eine Gefahr bestehe, daß sich der Wirtschaftsaufschwung
zu schnell verlangsame und in eine Rezession übergleiten könnte. Doch bestehe
aller Grund zur Annahme, daß dies vermieden werden könne. Die Wirtschaft verhalte sich vorsichtiger als bei früheren KonjunktüraufSchwüngen und die Währungsprobleme würden sorgfältiger als bei früheren derartigen Entwicklungen
gehandhabt. Die Regierung sei jedoch auf der Hut und werde das Steuer rechtzeitig herumwerfen, falls die Entwicklung den falschen Weg einschlagen sollte.

Stein stimmte zu, daß der US-Dollar noch immer unterbewertet sei. So
lange die amerikanische Zahlungsbilanz noch ein kleines Defizit aufweise, werde
auch der Druck auf den Dollar fortbestehen. Dies werde sich jedoch ändern, sobald die amerikanische Zahlungsbilanz den erwarteten Überschuß aufweise. Es
lasse sich im Augenblick schwer sagen, so fuhr Stein fort, welches der richtige
Wechselkurs für den US-Dollar - oder auch für irgend eine andere Währung - sei.
Daher seien die Vereinigten Staaten an einem Währungssystem interessiert, in
dem eine Anpassung von Wechselkursen möglich ist.

In Gesprächen während der GATT-Tagung betonte Stein

gegenüber japanischen

Regierungsvertretern und Wirtschaftsexperten, daß die Vereinigten Staaten nicht
die Absicht hätten, im Rahmen ihrer Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation
Handelsrestriktionen zu benutzen. Vielmehr, so sagte Stein, kämpften die USA
gegen den Preisauftrieb mit einer Liberalisierung ihrer Handelspolitik an.
Genauso würden die USA auch keinen Druck auf den Dollarkurs ausüben, um auf
diese Weise der amerikanischen Wirtschaft einen Auftrieb zu geben und die Arbeitslosigkeit in den Vereinigten Staaten abzubauen. Vielmehr werde versucht,
den Wirtschaftsboom durch eine Hochzinspolitik und andere Maßnahmen abzukühlen,
obwohl die amerikanische Arbeitslosenquote immer noch bei 4,7 Prozent liege.

Zu den bereits wieder aufgehobenen Beschränkungen für den Export von Sojabohnen meinte Stein, angesichts des äußerst starken Anstiegs der Lebensmittelpreise in den USA hätten ungewöhnliche, aber sehr gemäßigte und zeitlich begrenzte Maßnahmen ergriffen werden müssen. Die Vereinigten Staaten seien beispielsweise das einzige Land der Welt, das noch frei Getreide exportiere. Die
Sojabohnenexporte hätten zu Ende des ErnteJahres reduziert werden müssen, da
- 2-

�da mehr exportiert als geerntet worden sei, doch diese Kontrollen hätten lediglich zwei oder drei Monate gedauert und es würden immer noch mehr Sojabohnen
exportiert als je zuvor. Die Vereinigten Staaten hätten alleine den Proteinmangel der übrigen Welt ausgleichen müssen, und aus diesem Grunde - und nicht
als Maßnahme zur Bekämpfung der Inflation - seien die Beschränkungen vorgenommen
worden. Bei ihren Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation, so fuhr Stein
fort, hätten die USA ihre Beschränkungen abgebaut. So seien zum Beispiel die Importkontrollen für Milch, Fleisch und Käse verringert worden, und es werde gegenwärtig geprüft, ob die Einfuhrbeschränkungen bei Käse völlig fallen könnten.
Die Inflation in den USA könne nur durch eine Liberalisierung des Handels bekämpft werden.
Stein unterstrich erneut, daß die Prosperität der Vereinigten Staaten und
ein starker US-Dollar für die übrige Welt genauso wichtig wie für die USA selbst
seien. Die amerikanische Regierung müsse gemäßigte und verantwortungsbewußte
Maßnahmen ergreifen. Die Vereinigten Staaten betrachteten die Wirtschaft als
einen sehr wichtigen Teil ihrer Beziehungen zur übrigen Welt und hätten weniger
als irgend ein anderes Land der Welt ihre Außenwirtschaftspolitik zur Erreichung
binnenwirtschaftlicher Ziele manipuliert. Ziel der amerikanischen Wirtschafts-,
Währungs- und Auslandshilfepolitik in den letzten 20 Jahren sei es gewesen,
nicht etwas für die eigene Wirtschaft, sondern vielmehr etwas für die übrige
Welt zu tun.

Abschließend betonte Stein, die Vereinigten Staaten hätten gerade im letzten
Jahr - ebenso wie zahlreiche andere Länder - festgestellt, daß die Inflation
ein weltweites Problem ist und die einzelnen Länder nur begrenzt allein dagegen
ankämpfen könnten. Daher seien die USA an der Möglichkeit gemeinsamer Anstrengungen interessiert, um so die weltweite Inflation einzudämmen und die einzelnen
Regierungen vermehrt in die Lage zu versetzen, der Inflation im eigenen Lande
Herr zu werden.

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36/1973

US-LANDWIRTSCHAFTSMINISTERIUM RECHNET FÜR 1974 MIT NOCH HÖHEREN
ERNTEERTRÄGEN
- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -

WASHINGTON - (AD) - Mit Ernteerträgen, die noch erheblich über der diesjährigen Ernte liegen werden, rechnet das amerikanische Landwirtschaftsministerium
für 1974.

Wie der Unterstaatssekretär im US-Landwirtschaftsministerium, Carroll
Brunthaver, und der Leiter des Amtes für Agrarwirtschaft, Donald Paarlberg,
am 17. September vor der Presse betonten, stützen sich ihre Voraussagen vor
allem auf die geplante Ausweitung der Anbauflächen. Änderungen auf Grund der
Wetterbedingungen, der Verfügbarkeit von Dünger und Treibstoff sowie der veränderten Wirtschaftssituation lägen allerdings durchaus im Bereich des Möglichen. Bei den meisten Agrarerzeugnissen, vor allem bei Sojabohnen, müsse auch
für 1974 mit steigenden Exporten gerechnet werden, lediglich bei Mais und
Futtergetreide dürften die Ausfuhren zurückgehen. Eine Stellungnahme über die
künftige Entwicklung der Agrarprexse lehnten beide ab, doch dürften ihrer Ansicht nach die Preise bei Weizen wie auch bei Sojabohnen nachgeben.

Die wichtigsten Teile des auf der Pressekonferenz veröffentlichten Ernteberichts des Landwirtschaftsministeriums der USA haben folgenden Wortlaut:

"Die
- 1 -

�"Die Ernteaussichten bei Futtergeteide, Sojabohnen, Weizen und Baumwolle
haben sich im August noch verbessert, so daß sich die angespannte Versorgungslage im Erntejahr 1973/74 etwas entspannt hat. Bei Reis wird der Nachfragedruck trotz der wesentlich höheren diesjährigen Ernte anhalten. Dieser neue
Erntebericht enthält zum Teil auch Voraussagen für die Ernte im kommenden Jahr
und für das Erntejahr 1974/75. Die gesetzlichen Beschränkungen lassen allerdings
die Veröffentlichung von Ernteschätzungen bei Baumwolle nicht zu. Bei Reis ist
das Programm für 1974 noch nicht bekannt gegeben worden. Bei den Angaben für
1974 handelt es sich um sehr grobe Schätzungen. Sie sollen im wesentlichen auf
die erwarteten Veränderungen hinweisen. Diese Schätzungen können sich durchaus
noch ändern, sobald weitere Informationen verfügbar werden. Ein zur Veröffentlichung am 21. Dezember vorgesehener Bericht wird eine offizielle Schätzung
der mit Winterweizen bestellten Anbauflächen enthalten. Über die Anbaupläne
bei den anderen wichtigen Agrarprodukten wird Anfang 1974 berichtet werden.
Weizen:
Die Weizenernte 1973, die nahezu eingebracht ist, hat einen Rekordertrag
von 46 Millionen Tonnen erbracht, aber die Vorräte sind um 10 Prozent niedriger
als vor einem Jahr und haben auf Grund der geringen Überhangsbestände aus der
alten Ernte den niedrigsten Stand seit 1967 erreicht. Der Gesamtverbrauch im
Erntejähr 1973/74 wird zwar etwas niedriger als im vorangegangenen Erntejähr
sein, aber die Erträge der letzten Ernte übersteigen, so daß die Überhangsbestände im kommenden Sommer weiter auf etwa 8 Millionen Tonnen zurückgehen
dürften. Anbaufläche und Ernteerträge werden 1974 weiter zunehmen, einen Ausgleich schaffen und so zu einem Ansteigen der Vorräte über den derzeitigen
Stand führen. Vorausgesetzt, daß sich der Verbrauch wenig ändert, dürften die
Überhangsbestände dann um rund 2,7 Millionen Tonnen höher liegen.

Futtergetreide:
Die Besserung der Ernteaussichten bei Mais und Hirse im letzten Monat hat
die angespannte Marktlage bei Futtergetreide etwas verbessert. Obwohl die Vorräte zu Beginn des ErnteJahres 1973/74 wesentlich niedriger sind, dürften die
besseren Ernteaussichten das Gesamtangebot etwa auf dem Stand des ErnteJahres
- 2-

�Erntejahres 1972/73 halten. Da der Verbrauch sich wahrscheinlich ungefähr auf
der Höhe des Vorjahres halten wird, dürften die Bestände zu Ende des Erntejahres 1973/74 eher niedriger sein. Der Export dürfte etwas zurückgehen, aber
der Verbrauch auf dem Binnenmarkt dürfte - angesichts der höheren Viehhaltung weiter steigen. Die Anbauflächen dürften im nächsten Jahr erheblich zunehmen, so
daß die Vorräte im darauffolgenden Jahr zunehmen werden.

Sojabohnen:
Die Überschußbestände bei Sojabohnen betrugen am 1. September 1973 rund
1,7 Millionen Tonnen. Die Ernte ist sehr gut verlaufen und die Gesamtvorräte
im Erntejahr 1973/74 werden um rund 23 Prozent höher liegen als im Vorjahr. Obwohl Weiterverarbeitung und Export um rund 15 Prozent höher sein werden als im
Vorjahr, dürften die Überhangbestände am 1. September 1974 mit schätzungsweise
5,4 Millionen Tonnen dreimal so hoch liegen wie dieses Jahr.

Der Verbrauch von Sojabohnenschrot auf dem Binnenmarkt und der Exportbedarf werden im Erntejahr 1973/74 steigen. Die Exportzahlen auf der Tabelle geben
die Exportabsichten für Sojabohnenschrot wieder und tragen der voraussichtlichen
Weltmarktsituation bei Proteinen sowie dem Verhältnis zwischen Sojabohnenschrot
und Sojabohnenöl Rechnung.

Die Überhangbestände bei Sojabohnenöl (roh und verarbeitet) sind am 1. Oktober 1973 sehr gering. Die vermehrte Gewinnung von Sojabohnenöl im Erntejähr
1973/74 sollte jedoch eine Zunahme des inneramerikanischen Verbrauchs auf den
normalen Stand von 136 080 Tonnen gestatten. Angesichts einer erwarteten stärkeren
internationalen Konkrrenz, unter anderem auch durch Sojabohnenöl, das aus exportierten amerikanischen Sojabohnen gewonnen worden ist, und eines Rückgangs des
Exportförderungsprogramms der amerikanischen Regierung nach Pl-480 dürften die
Ausfuhren von Sojabohnenöl im Erntejahr 1973/74 mit 453 600 Tonnen um rund
90 720 Tonnen niedriger liegen als im Erntejähr 1972/73.

Die

- 3-

�Die 1974 mit Sojabohnen bestellten Flächen werden voraussichtlich etwas
niedriger sein, da die Anbauflächen bei Mais und Baumwolle wesentlich erhöht
werden dürften und normale Wetterbedingungen im kommenden Jahr vorausgesetzt
werden.

Baumwolle:

Obwohl sich die Ernteaussichten gegenüber dem Vormonat verbessert haben,
dürfte der Ernteertrag gegenüber 1972 um rund 6 Prozent zurückbleiben. Der Gesamtverbrauch wird mengenmäßig etwas höher als im Erntejahr 1972/73 liegen.
Der verstärkte Export wird den geringeren Bedarf der einheimischen Fabriken
mehr als ausgleichen. Damit dürften die Überhangbestände im Sommer nächsten
Jahres etwas unter dem Stand von 3,8 Millionen Ballen am 1. August 1973 liegen.

Reis:
Die Septemberschätzungen der Reisernte 1973 liegen mit 4,4 Millionen
Tonnen um 16 Prozent höher als die Vorjahresernte. (Diese Schätzungen berücksichtigen etwaige Schäden des Wirbelstumes Delia Anfang September nicht.) Die
höheren Ernteerträge werden nicht nur die Vorräte auffüllen, die zu Beginn
des neuen Erntejahres auf den niedrigsten Stand seit 1962 abgesunken waren,
sondern auch zu einem vermehrten Angebot führen. Aber die internationale Versorgungslage ist die angespannteste seit Jahren. Die amerikanischen Vorräte
dürften im Sommer 1974 leicht ansteigen."

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36/1973

ZIELSICHERE UMWELTPOLITIK IN DEN USA
Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene
veröffentlicht

- (AD) - Der vierte Jahresbericht des US-Präsidialbeirats für Umwelthygiene, der am 17. September 1973 veröffentlicht wurde, dokumentiert, daß
man in den Vereinigten Staaten nach der Schaffung von Rahmenrichtlinien für
den Umweltschutz an die Feinarbeit gegangen ist. Der 500 Seiten starke Report
bringt nichts sensationell Neues, gibt jedoch eine wertvolle und kritische
Übersicht über die Fortschritte wie die Schwierigkeiten, die sich im Verlauf
der letzten zwölf Monate ergaben. Gleichzeitig zeigt er auf, an welcher Stelle
und in welcher Weise die Strategie geändert werden muß, um die bereits definierten Ziele des Umweltschutzes auch wirklich zu erreichen.

Für den gesamten Komplex "Umweltschutz" beginnt jetzt eine neue Phase.
Der erste Abschnitt, in dessen Verlauf vor allem die Öffentlichkeit auf die
Probleme aufmerksam gemacht und zu einem entsprechenden Verhalten veranlaßt
werden mußte, ist erfolgreich abgeschlossen. Viele der Gesetze und Vorschriften,
die der Präsidialbeirat für Umwelthygiene (CEQ) in seinem ersten Bericht im
Jahr 1970 empfahl, sind inzwischen rechtskräftig geworden. Aus dem neuen
-vierten - Jahresbericht geht auch hervor, daß sich seit dem ersten "Tag
der Erde" am 22. April 1970 die Zahl der Umweltschutzorganisationen in den
Vereinigten Staaten verdoppelt und ihr Einfluß beträchtlich zugenommen hat.
Die

- 1 -

�I
Die großen Anstrengungen der Vereinigten Staaten im Umweltschutz wirken
- und auch das geht aus dem Bericht hervor - weit über die Grenzen der USA
hinaus. Das gilt natürlich in erster Linie für Projekte, die internationale
Zusammenarbeit erfordern oder interantionalen Erfahrungs • und Meinungsaustausch ratsam erscheinen lassen. Beispiele für gemeinsame Aktionen sind die
CCMS-Projekte der NATO, für die zu lösenden Aufgaben die MeeresVerschmutzung,
die Abfallbeseitigung und die Umweltprobleme im Zusammenhang mit der Energieproduktion. In dem Begleitschreiben zu dem Bericht an den Kongreß der Vereinigten
Staaten erklärt Präsident Nixon unter anderem: "Unsere Aktivität blieb nicht
auf die Lösung eigener Umweltprobleme beschränkt. Wir haben in der Gemeinschaft
der Völker eine starke Führungsrolle übernommen, um Antworten auf Umweltfragen
zu finden und internationale Anstrengungen zu fördern, durch die Probleme gelöst werden sollen, die an nationale! Grenzen nicht haltmachen ... Dank amerikanischer Initiative

ist es in den letzten Jahren gelungen, die Umweltsituation

zu verbessern ..."

Zum ersten Mal wird die Lage der Städte ausführlich in einem gesonderten
Kapitel behandelt. Es sei nicht zu erwarten, daß "unsere Städte in der Mehrzahl
niedergerissen oder völlig neu noch zu unseren Lebzeiten wieder aufgebaut
werden. Vielmehr sollten wir das Alte mit dem Neuen in einer Weise verbinden,
die den Charakter und die besondere Note unserer Städte bewahrt und die in
ihnen vorhandenen Elemente als Leitlinien für künftigen Fortschritt und künftige
Veränderungen nutzen."
Das Kapitel über "Internationale Aktion für den Umweltschutz" erwähnt
u.a. die für Oktober vorgesehene Konferenz der zwischenstaatlichen beratenden
Organisation für die Seeschiffahrt (IMCO), auf der Kontrollen für das Ablassen
von öl und anderer Schmutz- und Schadstoffe von Schiffen behandelt werden. Im
gleichen Kapitel wird der Sorge Ausdruck gegeben, daß wegen der in zahlreichen
Ländern in Kraft getretenen Gesetze gegen Luft- und Wasserverschmutzung ein
Teil der Abfallstoffe, die früher an Ort und Stelle in die Luft und einheimische
Gewässer eingeleitet wurden, jetzt im Meer beseitigt werden könnten.

Ein

- 2-

�Ein weiteres Kapitel ist dem Thema "Internationaler Handel und Umweltpolitik" gewidmet. Es macht auf die Gefahr aufmerksam, daß Subventionen, die
eine Regierung als Hilfe an die Industrie gibt, um Umweltschutzausrüstungen
zu installieren, die Handelsbilanzen verzerren könnten. Solche Subventionen
dürften nicht dazu führen, die echten Produktionskosten zu verschleiern.

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36/1973

LEBENSWICHTIGER GEWÄSSERSCHUTZ
ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wasserreinhaltung
Von G. Weiss

- (AD) - Amerika läßt sich die Programme für den Gewässerschutz und die
Abwasserreinigung einiges kosten. Die Bundes-Umweltschutzbehörde EPA z.B.
stellte im Finanzjahr 1973, das am 30. Juni zu Ende ging, den Bundesstaaten
und einigen Großstädten die Rekordsumme von 3,1 Milliarden Dollar zur Verfügung, damit diese etwa 3500 Kläranlagen bauen bzw. ausbauen. Die größten Anteile erhielten New York (81,9 Millionen Dollar) und Detroit (80,2 Millionen
Dollar).

Die amerikanische Industrie investierte im Jahr 1972 rund 2,04 Milliarden
Dollar auf dem Sektor "Abwasserbehandlung". Das Fünffache wäre allerdings nach
einer Erhebung von McGraw-Hill erforderlich, um die vorhandenen Anlagen so auszurüsten, daß den gegenwärtigen Umweltschutz-Bestimmungen Genüge getan werden
kann. Dennoch gibt es ermutigende Anzeichen dafür, daß Seen und Flüsse in
Amerika bereits sauberer geworden sind. Aber viele Probleme der Wasserverschmutzung sind eben noch immer unbewältigt.

Den neuen Umweltschutzbestimmungen zufolge müssen ca. 30 000 Industrieunternehmen und 22 000 städtische Betriebe die in Gewässer eingeleiteten Abwassermengen verringern. Die überaus aktive EPA hofft, im Jahr 1976 von den

- I -

�den meisten Flüssen und Seen "relative Sauberkeit" melden zu können. Bei dem
bereits als "biologisch tot" erklärten Erie-See z.B. sind jetzt schon Anzeichen
vorhanden, daß sich die Situation verbessert. Allerdings dürfte es im Einzugsbereich der Abwässer mancher Ballungszentren - u.a. im Räume Boston - noch bis
Mitte der achtziger Jahre dauern, bis die Belastung der Gewässer mit Schmutzund Schadstoffen und mit überwärmtem Kühlwasser auf einen erträglichen und vertretbaren Grad zurückgeht. Nur dann ist auf die Dauer auch dafür gesorgt,
daß die Trinkwasserversorgung und die Abwehr von Krankheits- und Seuchengefahr
gesichert werden können.
Das Einleiten von stark radioaktiven Stoffen oder solchen für chemische
oder biologische Waffen ist schon seit 1970 verboten. Für blei- und quecksilberhaltige Abfälle gibt es seit 1972 strenge Mengenbegrenzungen. Ab Januar 1974
unterliegt auch das Einleiten anderer toxischer Stoffe strikter Kontrolle. Ein
Stoff gilt als toxisch, wenn er Tod, Krankheit, Verhaltensanomalien, Krebs,
Erbänderungen, physiologische Fehlsteuerungen oder physische Anomalien beim
Menschen und bei anderen Lebewesen direkt oder indirekt hervorruft. Dabei ist
die EPA gehalten, bei der Festsetzung der Maximalwerte einen weiten SicherheitsSpielraum zu berücksichtigen. Das kann z.B. auch bedeuten, daß sie notfalls
jegliches Einleiten eines toxischen Abwassers, gleich welcher Menge, untersagt.

Die amerikanische Umweltschutzbehörde gibt gleichzeitig Informationen
über die "bestpraktizierbaren" und die "bestverfügbaren" Verfahren zur Wasserreinhaltung heraus. Die Angaben basieren auf einer Anzahl verschiedener Faktoren, u.a. Kosten für die Reinigungstechnik, Alter der Industrieausrüstungen,
Art des Reinigungsverfahrens und ökologischen Auswirkungen außerhalb des WasserBereichs. Darüber hinaus wird die EPA künftig auf Maßnahmen verweisen, durch
die das Einleiten von Industrieabwässern völlig ausgeschaltet werden kann.
Dies ist ein Ziel, das 1983 im ganzen Land verwirklicht werden und auch die
Nachbehandlung von Abwässern aus städtischen Kanalisationen einbeziehen soll.

Schon jetzt sind die Gewässerschutzbehörden der einzelnen Bundesstaaten
verpflichtet, einzelnen Verschmutzern strengere Kontrollen aufzuerlegen, wenn

�\
f

wenn sich herausstellt, daß die "bestpraktizierbaren" und "bestverfügbaren"
Verfahren unter bestimmten Umständen nicht ausreichen, um die Einhaltung der
maximalen Belastungswerte zu gewährleisten. Deshalb müssen die Bundesstaaten
täglich Belastungsmaxima, einschließlich Wärme, festsetzen, die das Leben in
der Natur, vor allem den Fischbestand, nicht beeinträchtigen. Spätestens im
Oktober 1973 gibt die EPA Detaillisten der Schadstoffe bekannt, für die tägliche Maximalmengen festgesetzt werden. Die Bundesstaaten wiederum haben der
EPA bis April 1974 Aufstellungen mit den zulässigen Tagesbelastungswerten für
die einzelnen Gwässer zur Genehmigung vorzulegen.

Die von der EPA revidierten Kriterien für die Wasserqualität, die noch
vor Ende 1973 in Kraft treten sollen, berücksichtigen die neuesten wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Auswirkungen von Schmutz- und Schadstoffen auf
Oberflächen- und Grundwasser, auf Gesundheit und Allgemeinwohl, auf Plankton,
Fischarten, Krustentiere, frei lebende Tiere, Pflanzen, Ufer- und Küstengebiete, Naturschönheiten und Erholungsgebiete. Sie enthalten u.a. Informationen
über die Konzentration und Verdünnung von Belastungsstoffen durch biologische,
physikalische und chemische Prozesse. Darüber hinaus sollen Hinweise gegeben
werden, was in den Vereinigten Staaten zu tun sei, um die chemische, physikalische und biologische Integrität der Gewässer incl. Grundwasser und Meer,
wiederherzustellen, den Fisch- und Tierbestand zu schützen und die Wasserqualität so zu überprüfen, daß von der Verfahrensseite her das Menschenmögliche
für einen wirksamen Schutz getan werden kann.

Die amerikanische Industrie hat zahlreiche Verfahren erarbeitet und Ausrüstungen entwickelt, die bei den Programmen für die Reinhaltung der Gewässer
eine wichtige Rolle spielen. Anläßlich der internationalen Messe ENVITEC 73
in Düsseldorf (8. - 14. Oktober 1973) werden einige davon im Rahmen einer USGemeinschaftsausstellung demonstriert. So zeigt u.a.:

Bio-Pure (Boise, Idaho) ein nach einem aeroben Verfahren arbeitendes
Hausabwasser-Aufbereitungsgerät sowie ein Mengenregulierverfahren.
Ionics, Inc.

- 3-

�Ionics, Inc. (Watertown, Mass.) ein neuartiges Sauerstoffbedarfs-Meßgerät zur Bestimmung des Gesamtionenbedarfs sowie ein Gerät zur Ermittlung
der Kohlenstoffkonzentration.
•

i

Martek Instruments, Inc. (Newport Beach, Kalifornien) tragbare Feldinstrumente für Wasseranalysen die nach den Spezifikationen für Laborgeräte
gebaut sind.
r

Scientific Industries, Inc. (Mineola, N.Y.) Kontrollinstrumente zur Überwachung der Luftverschmutzung sowie weitere Systeme für Immissions- und Emissionsmessungen.

Sigmamotor, Inc. (Middleport, N.Y.) drei Arten von bewährten Probennehmern - Sammelprobennehmer (bei 9,5 oder 19 Litern Behältergröße), Einzelprobennehmer (24 Flaschen von je 450 ccm) und Proportionalprobennehmer.

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36/1973

POLARIMETER SPÜRT LUFTVERSCHMUTZER AUF

- (AD) - Der Raum Los Angeles ist berüchtigt für Luftverschmutzung.
Diese ist allerdings nicht allein auf die Mengen der in die Luft geblasenen
Abgase und Rauchpartikel von Autos, Industriebetrieben und Heizanlagen zurückzuführen. Vielmehr nimmt die Situation erst infolge der dort herrschenden
besonderen meteorologischen Bedingungen häufig unerträgliche Formen an. Wegen
dieser Gegebenheiten sind schon seit Jahren die Umweltschutzbestimmungen in
Kalifornien und speziell in diesem Gebiet strenger als in anderen Bundesstaaten
der USA. Gegenwärtig werden weitere drastische Maßnahmen, u.a. Einschränkungen
in bezug auf den Autoverkehr, vorbereitet.

Die wissenschaftlichen Informationen über die Prozesse, die zu der gefürchteten Smogbildung führen, sind jedoch noch immer recht unzulänglich.
Dr. Jacob C. Kuriyan, Professor für Meteorologie an der Universität Kalifornien
in Los Angeles, versucht nun seit einigen Monaten, mit Hilfe eines Spezialinstruments, eines sog. Polarimeters, mehr darüber in Erfahrung zu bringen.
An Bord eines Helikopters kreuzt er in 1500 m Höhe zwischen Meer und Gebirge
über der Stadt, die weit über 100 km Ausdehnung hat. Das 15 kg schwere Polarimeter, das von der Raumfahrtfirma TRW, Inc., entwickelt wurde, mißt sowohl
die Intensität des Lichts als auch seine Polarisierung, d.h. die durch die
Streuung in der Atmosphäre bewirkte Orientierung der Lichtwellen.
Den

- 1 -

^

�»

Den Messungen liegt die Tatsache zugrunde, daß ein großer Teil der
Strahlungsenergie, die die Erde von der Sonne aufnimmt, wieder in die Atmosphäre sowohl an deren natürlichen Molekülen als auch an den durch menschliche
Aktivität eingebrachten Molekülen und Partikeln gestreut wird. Mit den Polarimeter-Messungen lassen sich jederzeit und überall die Mengen und die Größe
von Schmutzpartikeln in der Luft ermitteln und sogar zu ihrer Quelle zurückverfolgen. Das Instrument gibt auch dem Wissenschaftler eine Möglichkeit,
herauszufinden, wie atmosphärische Partikel als Kondensationskeime zur Wolkenbildung und zu Regen führen.

Die Intensität und die Streuung der Sonnenstrahlung beeinflussen die
gesamten Zirkulationsvorgänge in der Erdatmosphäre. Kuriyan verweist darauf,
daß es mit der Polarisationsforschung möglich sei, mehr über die Mechanismen
der Erwärmung und Abkühlung auf der Erde und die sie begleitenden Wetterveränderungen zu erfahren. Ein besonderer Vorteil der Polarimetrie ist die dabei
praktizierte Fernmeßtechnik, bei der das Prüfobjekt nicht beeinflußt oder verändert wird. Da dieses Verfahren theoretisch auch von Satelliten aus angewandt
werden kann, zieht die NASA gegenwärtig ein entsprechendes Experiment zur
Überwachung von Luftverschmutzung für einen künftigen unbemannten Satelliten
in Erwägung. Prof. Kuriyan hat dafür bereits ein verbessertes Polarimeter vorgeschlagen, das keine beweglichen Teile besitzt und wartungsfrei arbeitet.
Mit derartigen Instrumenten ließe sich sogar die Atmosphäre von anderen Planeten unseres Sonnensystems untersuchen.

Auf der "Internationalen Konferenz über Strahlung und Fernerkundung der
Atmosphäre" (28. - 30. August 1973 an der Universität Kalifornien in Los
Angeles, Kalifornien) wurde in Anwesenheit von 150 Wissenschaftlern der USA,
der Bundesrepublik, Japans, der Niederlande, aus Jugoslawien und der Sowjetunion der gegenwärtige Stand der Polarimetrie und ihre Bedeutung für die Lösung von Umweltproblemen erörtert.

+ + + + +

- 2-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Shultz fordert Abbau aller Handelsschranken&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Wortlaut der Rede des US-Finanzministers auf der GATT-Ministertagung in Tokio&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Tokio-Konferenz lässt erfolgreiche Verhandlungen in Genf erwarten&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Stein rechnet mit Ausgleich der US-Zahlungsbilanz noch in diesem Jahr&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Landwirtschaftsministerium rechnet für 1974 mit noch höheren Ernteerträgen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem neuesten Erntebericht -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Zielsichere Umweltpolitik in den USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Vierter Jahresbericht des Präsidialbeirats für Umwelthygiene veröffentlicht&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Lebenswichtiger Gewässerschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;ENVITEC 73 informiert über Verfahren der Wassereinhaltung&amp;nbsp;&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Polarimeter spürt Luftverschmutzer auf</text>
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