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Nummer

35

12. September 1973

Inhalt
DOKUMENTATION
Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongreß
- Auszüge WIRTSCHAFT
US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus
- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies Von Sam Burks

HINTERGRUNDMATERIAL
US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen,
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet Von John J. Harter

INFORMATION
Audio-Visuelle Geräte und Systeme
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Technik für den Umweltschutz
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss
Schwefelmonoxid im interstellaren Raum

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�? a m e r i k a dienst
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I n f o r m a t i o n

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8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300

Telex:

08-85432

35/1973

SONDERBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS AN DEN US-KONGRESS
- Auszüge -

WASHINGTON - (AD) - Präsident Nixon hat am 10. September eine Sonderbotschaft an den Kongreß gerichtet, in der dieser ersucht wird, die VorrangGesetzesvorlagen der Regierung vordringlich zu behandeln und zu verabschieden. Amerika, so unterstrich Nixon, "sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die noch gelöst werden müssen".
Die wichtigsten Teile der Botschaft des Präsidenten haben folgenden
Wortlaut:
"Wenn der Kongreß jetzt für die letzten Monate der Legislaturperiode
1973 zusammengetreten ist, steht er erneut vor einer entscheidend wichtigen
Aufgabe.
Unser Land sieht sich zahlreichen drängenden Problemen gegenüber, die
rasch gelöst werden müssen.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln im Kampf
gegen die steigenden Preise. Und sie wollen, daß jeder mögliche Schritt jetzt
getan wird - nicht erst in einem Jahr oder in der nächsten Sitzungsperiode
des Kongresses.
Die Amerikaner fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in
diesem Jahr, damit wir genügend Heizmaterial für unsere Wohnungen, genügend
Energie für unsere Fabriken und genügend Treibstoff für unsere Verkehrsmittel
haben.

�Sie fordern und erwarten ein entschlossenes Handeln noch in diesem
Jahr, damit Verbrechertum und Drogenmissbrauch bekämpft werden. Der
Prozentsatz schwerer Verbrechen geht zum ersten Male seit 17 Jahren auf
nationaler Ebene zurück, und die Amerikaner wollen, daß diese Entwicklung
anhält.
Es besteht ferner eine dringende Notwendigkeit, die Qualität unserer
Schulen zu verbessern, die Bundesprogramme für unsere Städte und Gemeinden
zu reformieren, eine bessere Berufsausbildung anzubieten, unsere Wohnungsbauprogramme zu reorganisieren, eine Reform unserer Wahlkampfpraktiken
durchzuführen, die Bestand hat, sowie unsere Position auf den Weltmärkten
zu stärken.
Von überragender Bedeutung ist die anhaltende Verpflichtung Amerikas,
ein dauerhaftes Gebäude des Friedens in der Welt zu errichten. Unser Volk
lebt jetzt zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt wieder in Frieden und
es erwartet von seinen Führern, daß sie alles Erforderliche tun, um den
Frieden zu wahren - unter anderem auch solche Maßnahmen, die die starke
Verteidigungsposition der USA

erhalten.

Gleichzeitig ist klar, daß zahlreiche Kongreßmitglieder

zu Beginn

der Herbstsitzung der Legislative den Wunsch haben, sich vermehrt in die
Regierungsarbeit einzuschalten. Sie möchten, daß das amerikanische Volk
mehr Respekt vor dieser großen Institution hat, und daß ihre Autorität
wächst.
Ich persönlich begrüsse eine solche Renaissance des Kongresses. Aber
ich glaube auch, daß der Präsident eine starke Position haben muß - und
ich werde mich weiterhin allen Bemühungen widersetzen, das Präsidentenamt
solcher Vollmachten zu entkleiden, die es haben muß, um wirksam arbeiten
zu können - doch glaube ich ebenso, daß der Kongreß eine starke Position
haben sollte.
Wenn ich dem Kongreß heute diese Botschaft unterbreite, so möchte
ich seine Aufmerksamkeit auf über 50 Gesetzesentwürfe lenken, die ich im
Laufe dieses Jahres bereits vorgelegt habe. Diese Entwürfe haben jetzt
zusammen mit meinen normalen Ermächtigungsgesetzen höchste Dringlichkeit,

�Dringlichkeit, wenn wir unserer Verantwortung nachkommen wollen.
Im Geiste einer verantwortungsbewußten Zusammenarbeit, die zwischen der
Exekutive und dem Kongreß bestehen muß, wenn wir in diesem Herbst einen
echten Fortschritt erzielen wollen, bin ich voll und ganz bereit, eng mit
den Mitgliedern des Kongresses zusammenzuarbeiten, soweit es um eine Abänderung dieser Gesetzesvorlagen geht ...
Es gibt natürlich beätimmte Prinzipien von entscheidender nationaler
Bedeutung, bei denen es keine Kompromisse geben kann - die Notwendigkeit,
Haushaltsdisziplin zu üben, eine starke nationale Sicherheitsposition zu
behalten und die erforderlichen Vollmachten der Exekutive zu erhalten.
Doch innerhalb diesen Grenzen bin ich bereit, wo immer möglich, praktikable
Kompromisse zur Lösung unserer nationalen Probleme zu suchen.
Keine Frage liegt der amerikanischen Öffentlichkeit heute mehr am
Herzen als die steigenden Verbraucherpreise. Der Kampf gegen die Inflation
muß für uns für den Rest dieses Jahres oberste Priorität haben.
Die Exekutive hat sich bereits aktiv in diesen Kampf eingeschaltet:
- Wir haben nachdrückliche neue Wirtschaftskontrollen verfügt, die zur
Reduzierung der Inflationsrate bis Ende des Jahres beitragen sollen.
- Wir haben eine Reihe von Maßnahmen zur Ausweitung des Lebensmittelangebots ergriffen, so daß die Erzeugung mit der wachsenden Nachfrage Schritt
halten wird. Das Landwirtschaftsgesetz, das den Kongreß im letzten Monat
passiert hat und unterzeichnet worden ist, wird wesentlich hierzu beitragen.
- Drittens hat das Federal Reserve System (US-Bundesbank) angemessene Kontrollen der Geldflüsse innerhalb der Wirtschaft ausgearbeitet, was
für die Eindämmung der Inflation unerläßlich ist.
Wir bewegen uns in der richtigen Richtung, aber wir müssen uns darüber
im klaren sein, daß wir unser Ziel nur erreichen können, wenn wir auch die
eine, wichtigste Waffe in unserem Arsenal einsetzen: die Kontrolle des
Bundeshaushalts. Jeder Dollar, um den wir das Defizit im Bundeshaushalt
verringern, ist ein weiterer Schlag gegen Preiserhöhungen. Und wir können
im Augenblick nichts Wirksameres im Kampf gegen die Inflation tun, als das

- 3 -

�das Defizit völlig zu beseitigen und den Bundeshaushalt auszugleichen.
Eines der wichtigsten, dem Kongreß gegenwärtig vorliegenden Gesetze
ist die von mir eingebrachte Vorlage zur Reform des Handels von 1973. Es ist
wichtig, daß dieses Gesetz in den kommenden vier Monaten verabschiedet wird.
Dieses Gesetz bringt die wohl bedeutsamste Reform unserer Einstellung
gegenüber dem Welthandel seit über einem Jahrzehnt. Aber es basiert auf
einer starken Tradition, die seit den Tagen Franklin Roosevelts stets gewahrt wurde, und es gibt der Exekutive die erforderlichen Vollmachten, damit
sie die Vereinigten Staaten bei den Handelsverhandlungen mit anderen Ländern
wirksam vertreten kann.
Die vor uns liegenden Wochen und Monate sind eine besonders wichtige
Zeit für die Entwicklung der Weltwirtschaft. Dieser Monat bringt die
offizielle Eröffnung einer neuen und äußerst wichtigen Runde von Handelsverhandlungen in Tokio und die Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) und
der Weltbank in Nairobi. Die Tagung in Nairobi ist für die Verhandlungen
über eine Reform des internationalen WährungsSystems von größter Wichtigkeit.
Die aus diesen beiden Konferenzen erwachsenden Entscheidungen werden der
Weltwirtschaft auf viele Jahre hinaus eine neue Form geben. Die Vereinigten
Staaten können sich an diesen Gesprächen weit wirksamer beteiligen, wenn
der Kongreß die Hilfsmittel bereitstellt, die das von mir vorgeschlagene
Gesetz für eine Reform des Handels enthält.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eine offenere Handelswelt
anstreben. Wir sind der Ansicht, daß künstliche Schranken für den Handel
zwischen den einzelnen Ländern oftmals Schranken für die Prosperität innerhalb dieser Länder selbst bilden. Das Handelssystem sollte jedoch nicht
nur offener sondern auch fairer sein. Der Handel muß für alle Länder nach
gleichen Spielregeln abgewickelt werden - er muß unseren Arbeitern, Farmern
und Geschäftsleuten die Möglichkeit bieten, solche Erzeugnisse, die sie am
billigsten produzieren nach anderen Ländern zu exportieren, sowie als Verbraucher die Güter zu kaufen, die ihre Partner in anderen Ländern am
billigsten herstellen. Für die Verhandlungen über ein offeneres und gerechteres Handelssystem müssen unsere Unterhändler mit Vollmachten ausgestattet sein, die denen ihrer Gesprächspartner aus anderen Ländern entsprechen.

Meine

�Meine Vorlage über eine Reform des Handels enthält eine Reihe solcher
Vollmachten und würde damit unsere Verhandlungsposition stärken. Ich betone
erneut, daß der Kongreß einen Mechanismus schaffen sollte, der ihm für engere
Konsultationen und eine engere Zusammenarbeit mit der Exekutive am besten geeignet erscheint, um sicherzustellen, daß seine Auffassungen angemessen vertreten werden, wenn die Handelsverhandlungen voranschreiten.

Gleichzeitig habe ich aber auch entsprechende Maßnahmen gefordert, um
sicherzustellen, daß die Vorteile eines expandierenden Handels auf faire Weise
allen Teilen unserer eigenen Bevölkerung zugutekommen und kein Teil unserer
Wirtschaft unfaire Lasten auf sich nehmen muß. Meine Vorschläge würden uns
größere Flexibilität für die Gewährung geeigneter Hilfe geben, wenn Importe
schwerwiegende binnenwirtschaftliche Probleme schaffen. Sie würden ferner
unsere Programme für Anpassungshilfe sowie andere

Formen von Kompensation

liberalisieren, um den aufgrund steigender Importe freigesetzten Arbeitern
zu helfen. Sie würden uns weiter in die Lage versetzen, uns besser mit den unfairen Handelspraktiken anderer Länder zu befassen und durch Ausweitung des
Handels einen Teil der zu hohen ausländischen Dollarkredite abzusaugen, die zu
Störungen auf dem Binnenmarkt führen könnten.

Andere in der Vorlage enthaltene

Vollmachten würden uns größere Flexibi-

lität für den Einsatz unserer Handelspolitik im Kampf gegen die Inflation
geben, für die Korrektur unserer Zahlungsbilanz, für die Ausweitung unserer
Exporte und für die Förderung unserer außenpolitischen Ziele. Eine Bestimmung
dieser Gesetzesvorlage würde den Präsidenten ermächtigen, die Meistbegünstigungsklausel auf solche Länder anzuwenden, die noch nicht in den Genuß dieses
Status kommen. Sie wäre besonders nützlich für die Ziele unserer Außenpolitik,
und ich werde diese Bestimmung weiterhin nachdrücklich unterstützen.

In seiner Gesamtheit stellt das vorgeschlagene Gesetz für eine Reform
des Handels von 1973 einen entscheidend wichtigen Baustein dar, wenn wir uns
jetzt um die Errichtung eines dauerhaften Gebäudes des Friedens in der Welt
und seine dynamische und stabile Wirtschaft im eigenen Land bemühen. Bei den
vor uns liegenden schwierigen Verhandlungen würde dieses Gesetz es uns ermög- 5 -

�ermöglichen, mehr Arbeitsplätze für amerikanische Arbeiter, bessere Absatz-

i

markte für die amerikanischen Erzeuger, umfassendere Möglichkeiten für die
amerikanischen Investoren und niedrigere Preise für die amerikanischen Verbraucher sicherzustellen.

Gesetz zur Regelung des Exports

Die von meiner Regierung am 13. Juni vorgeschlagene Änderung des Gesetzes
zur Regelung des Exports (Export Administration Act) stellt eine weitere Waffe
dar, die im Kampf gegen die steigenden Preise nützlich sein könnte.

Eine der

wichtigsten Ursachen für den jüngsten inflationistischen Preisauftrieb waren
der ungewöhnlich starke Wirtschaftsboom im Ausland und die hieraus resultierende
zusätzliche Nachfrage nach unseren Erzeugnissen. Insgesamt gesehen sollte dieser
Boom als eine gesunde, langfristige Entwicklung für unsere Wirtschaft wie auch
i

für die übrigen Länder gewertet werden. Ich sagte jedoch bereits im Juni:
Wenn wir in den Vereinigten Staaten ernste Verknappungen haben und uns entscheiden müssen, ob wir den Auslands- oder den Inlandsbedarf decken sollen,
'dann muß der amerikanische Verbraucher Vorrang haben'.

Aus diesem Grunde habe ich um neue und flexiblere Vollmachten ersucht, um
bestimmte Kontrollen für Lebensmittel und andere Exportgüter verfügen zu können,
wann und wo sie erforderlich sind. Ich werde jedoch weiterhin ständige Kontrollen ablehnen, weil sie das gesamte Gefüge gesunder Handelsbeziehungen durcheinanderbringen und stören können und so den Kampf gegen die Inflation erschweren. Unsere begrenzten Kontrollen bei Sojabohnen sind am letzten Freitag
abgeändert worden, so daß neue Exportkontrakte voll erfüllt werden könnet;.
Dieser Schritt wurde getan, weil wir überzeugt sind, daß die Vorräte und die
Erträge der neuen Ernte für die Deckung unseres eigenen Bedarfs mehr als ausreichend sind.
Trotzdem ersuche ich weiterhin um die im Juni geforderte Vollmacht, um
sicherzustellen, daß wir notfalls neuen Gegebenheiten schnell entsprechen
können. Ich möchte ferner betonen, daß neue Kontrollen nur verfügt werden,
wenn sie absolut notwendig sind ...
Gesetz
- 6 -

�\.

Gesetz zur Verwertung von Lagerbeständen

Eine weitere wichtige Maßnahme, die der Kongreß im Kampf gegen die
steigenden Preise ergreifen kann, ist die Gewährung der erforderlichen Vollmachten, damit ein Teil unserer nationalen Bestände an strategisch wichtigen
Rohstoffen verkauft werden kann - Rohstoffe, die nicht länger aus Gründen
der nationalen Sicherheit benötigt werden. Ich habe im April um eine solche
Vollmacht ersucht, damit Waren im Wert von 4 Milliarden Dollar aus unseren
Beständen abgegeben werden können. Solche Verkäufe, die eine Steigerung des
Angebots an wichtigen Rohstoffen auf dem Markt ermöglichen, könnten dazu beitragen, dem hart bedrängten amerikanischen Verbraucher Erleichterung zu verschaffen. Weiter könnte dieses Gesetz dazu beitragen, Arbeitsplätze für Arbeiter zu erhalten und zu beschaffen, deren Arbeitsplatz davon abhängig ist,
daß genügend Grundstoffe wie Aluminium, Zinr,und Kupfer, bei denen das Angebot
knapp ist, zur Verfügung stehen.

Die Vorräte der US* an strategisch wichtigen Rohstoffen sind noch immer
auf die wirtschaftlichen und militärischen Realitäten der fünfziger Jahre ausgerichtet - praktisch wurden 95 Prozent der derzeitigen Bestände vor 1959 angekauft. In den siebziger Jahren haben sich jedoch unsere militärischen Erfordernisse geändert - und genauso hat sich unser Wirtschaftspotential, um
ihnen entsprechen zu können, geändert. Die von mir vorgeschlagenen neuen Richtlinien für die Bevorratung würden unsere nationale Sicherheit angesichts dieser
veränderten Realitäten peinlich genau schützen, gleichzeitig aber unsere wirtschaftliche Position wesentlich stärken. Ich bedaure es, daß diese Vorlage in
den letzten Monaten nicht schneller vorangekommen ist. Zwecks Verbesserung der
Wirksamkeit, Sparsamkeit und Preisstabilität ersuche ich erneut um seine
rasche und positive Verabschiedung ...

Vordringliche

- 7-

�Vordringliche Aufgabe auf dem Energie-Sektor

Ich habe schon früher betont, und möchte dies hiermit ganz ausdrücklich
wiederholen, daß die Lücke zwischen dem für Amerika vorausberechneten kurzfristigen Energiebedarf und den uns verfügbaren einheimischen Energiereserven
in einem Maße größer wird, das unsere unmittelbare Aufmerksamkeit erfordert.

Ich bin dabei, alle angemessenen Maßnahmen im Rahmen meiner Kompetenzen
zu ergreifen, um zu einer Steigerung unserer Vorräte und zu einer Abschwächung
unseres Bedarfs zu kommen. Für die weitere Zukunft habe ich Pläne für eine umfangreiche Ausweitung unserer Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen angekündigt, und ich habe Gouverneur John Love, meinen Chefberater in Energiefragen,
gebeten, in Zusammenkünften mit offiziellen Vertretern der Bundesstaaten sich
um eine vorübergehende Modifizierung der Luftqualitäts-Grenzwerte zu bemühen.
Solche Abänderungen würden helfen, im kommenden Winter den Brennstoffmangel

'

zu reduzieren. Darüber hinaus werde ich in Kürze mit Mitgliedern der US-Atomenergie-Kommission zusammentreffen, um zu ermitteln, ob wir Atomkraftwerke
rascher in Betrieb nehmen können. Aber das Energieproblem verlangt mehr als
nur Maßnahmen des Präsidenten. Es verlangt auch, daß der Kongreß handelt.

Es ist von lebenswichtiger Bedeutung, daß der Kongreß nicht auf den Anstoß
durch Energieverknappung wartet, um die Gesetze zu verabschieden, die zur
Deckung unseres Bedarfs notwendig sind. Wir haben regional in diesem Sommer
bereits Unzulänglichkeiten in bezug auf die Benzinversorgung erlebt, und im
kommenden Winter dürfen wir ähnliche Probleme in bezug auf Heizöl haben.

Langfristig gesehen sind die Prognosen für eine ausreichende Energieversorgung der Vereinigten Staaten ausgezeichnet. Wir besitzen die Hilfsquellen
und die Technologie, um unseren wachsenden Bedarf zu decken. Um jedoch den Anforderungen auf weite Sicht gerecht werden und kurzfristige ernste Probleme
vermeiden zu können, müssen wir eine konzentrierte Anstrengung unternehmen, die
die Regierung, die amerikanische Industrie und das amerikanische Volk gleichermaßen mobilisiert.
Ich
- 8 -

i

�Ich habe kürzlich um die Verabschiedung von sieben wichtigen, dem Kongreß
unterbreiteten Energie-Gesetzesvorlagen ersucht. Nicht alle von ihnen können
im gleichen Tempo behandelt werden. Vier sind jedoch von äußerster Dringlichkeit und verlangen eine Entscheidung noch vor Jahresende. Diese vier würden
den Bau der Alaska-Pipeline, den Bau von Tiefwasser-Häfen, die Freigabe der
Erdgaspreise und die Schaffung neuer Standardvorschriften für den Tagebau ermöglichen. Alle vier dieser Gesetzesvorlagen sind sowohl auf unseren kurzfristigen als auch auf unseren langfristigen Bedarf ausgerichtet.

Alaska-Ölleitung

Unser erstes Ziel in bezug auf gesetzliche Maßnahmen - ein Ziel, das noch
in diesem Monat erreicht werden sollte - ist die Verabschiedung der Gesetzesvorlage über die Alaska-Ölleitung. Der Bau der Pipeline würde uns mit zusätzlich 286 000 Tonnen Öl pro Tag versorgen, über die wir die volle Kontrolle
haben und die uns zur gleichen Zeit um drei Milliarden Dollar pro Jahr von notwendigen Importen entlasten würden. Ich habe eine gesetzliche Regelung vorgeschlagen, um jede weitere Verzögerung im Bau der Alaska Ölleitung zu vermeiden,
und ich stelle mit Genugtuung fest, daß beide Häuser des Kongresses diesen Gesetzesvorschlag mit gewissen Abwandlungen bereits verabschiedet haben. Ich ersuche dringend darum, daß der Vermittlungsausschuß von Senat und Repräsentantenhaus seine Aufmerksamkeit so bald wie nur irgend möglich diesen Vorlagen zuwendet, damit mit dem Bau der Pipeline begonnen werden kann.

Tiefwasser-Häfen

So lange die einheimischen Hilfsquellen nicht voll erschlossen sind und
der technologische Fortschritt an einem Punkt angelangt ist, an dem genügend
Energiequellen zur Verfügung stehen, sind wir auf die Einfuhr von ausländischem
Erdöl angewiesen. Gegenwärtig sind jedoch die Hafenanlagen unzureichend ausgestattet, um unseren Einfuhrerfordernissen gerecht zu werden.
Wegen
- 9 -

�Wegen unserer begrenzten Hafen-Kapazitäten können die Supertanker, die
gegenwärtig für den Erdöltransport dienen, nicht in beliebigen Häfen an unserer
Atlantikküste entladen werden. Ich habe deshalb Maßnahmen vorgeschlagen, die
zum Bau und Betrieb von Tiefwasser-Häfen ermächtigen, und zwar in einer Weise,
die mit unseren vordringlichen Umweltschutzmaßnahmen in Einklang steht und
die Rechte und Verantwortlichkeiten der betreffenden Bundesstaaten berücksichtigt.

Wir dürfen diese wichtigen Gesetze nicht hinausschieben. Würden wir dies
tun, so bedeutete dies eine weitere Verzögerung wirtschaftlicher Einfuhren von
Erdöl und erhöhte Kosten für den amerikanischen Verbraucher, eine unnötige Gefährdung unserer Küstengebiete und weitere Verluste an Einkünften zugunsten
kanadischer und karibischer Häfen, die bereits in der Lage sind, die Ladungen
großer Supertanker zu löschen.

Erdgas
i

Über mehrere Jahre haben Bestimmungen der Bundesregierung in bezug auf
Erdgas dazu beigetragen, den Preis für dieses Produkt künstlich niedrig zu
halten. Große Industrieverbraucher haben dieses System der Preisregulierung begrüßt - es half ihnen, ihre Brennstoffkosten niedrig zu halten, und da Erdgas
außerdem der sauberste unserer fossilen Brennstoffe ist, hat es sie auch in die
Lage versetzt, Umweltschutz-Vorschriften bei künstlich niedrigen Kosten einzuhalten. Dieses Vorschriftensystem hatte jedoch leider auch zur Folge, daß die
Produzenten entmutigt wurden, ihre Kapazität auszuweiten. Infolge des hohen Verbrauchs durch die Industrie und der gleichzeitigen Zurückhaltung der Produzenten,
neue Erdgasvorkommen zu suchen und zu erschließen, sehen wir uns jetzt einer
Erdgasverknappung gegenüber.

Ich habe deshalb vorgeschlagen, daß wir bei Erdgas allmählich auf freie
Marktpreise hinarbeiten, indem wir zulassen, daß sich der Preis für Erdgas
aus neu erschlossenen einheimischen Vorkommen entsprechend dem Angebot und der
Nachfrage auf dem freien Markt einpendelt. Dieses Verfahren müßte zu einer

�einer sichereren Versorgung mit Erdgas zu einem Preis führen, der fühlbar
niedriger ist als der für andere Energiequellen. Obgleich es dabei kurzfristig
zu einer Erdgas-Preiserhöhung kommen kann, dürfte sich diese in engen Grenzen
halten.

Tagebau

Unsere am reichsten vorhandene Energiequelle ist Kohle. Wir müssen lernen,
mehr davon zu verwenden, und wir müssen lernen, dies in einer Weise zu tun,
bei der weder das Land, das wir bewohnen, noch die Luft, die wir atmen, geschädigt werden.

Tagebau ist einerseits die wirtschaftlichste Form von Bergbau, andererseits aber die Methode, mit der die meisten UmweltZerstörungen angerichtet
werden. Die durch Tagebau verursachten Schäden sind jedoch wieder gutzumachen,
das Land ist rekultivierbar. Meines Erachtens trägt die Bergbauindustrie die
Verantwortung dafür, solche Rekultivierungsmaßnahmen zu ergreifen, und ich
meine, man muß dies von ihr verlangen.

Ich habe einen Gesetzesvorschlag eingebracht, der Normen für die Bodenreklamation festsetzt und Bestimmungen für den gesamten Bergbau über und unter
Tage in den Vereinigten Staaten enthält. Für die Einhaltung dieser Standardvorschriften hätten die Bundesstaaten zu sorgen. Ich ersuche erneut um die Verabschiedung dieser Vorlage, denn sie würde uns in die Lage versetzen, das Angebot
an einem höchst wirtschaftlichen Brennstoff zu steigern und dabei gleichzeitig
die ernsten Umweltschaden, die wir in der Vergangenheit als Preis in Kauf
nehmen mußten, zu verhindern.

Reorganisation der Bundesenergiepolitik

Die oben erörtertenvier Gesetzesvorlagen zum Thema Energie können und
sollten vom Kongreß in diesem Jahr verabschiedet werden. Die Regierung hat
- 11 -

�hat drei weitere Maßnahmen vorgeschlagen, deren baldige Verabschiedung wichtig,

t

jedoch nicht so vordringlich ist, daß sie noch in diesem Jahr behandelt werden
müßte. Ich möchte hoffen, daß diese Maßnahmen weit oben auf der Liste der in
Zukunft zu behandelnden Gesetzesvorlagen stehen.

Eine dieser Vorlagen sieht eine Reorganisation der Bundesenergiepolitik
vor. Während Energie eines der akutesten Probleme unseres Landes ist, und
während die Erhaltung und effektive Nutzung unserer natürlichen Hilfsquellen
ein zwingendes Gebot unserer Politik darstellt, ist es gegenwärtig unmöglich,
diese miteinander in Beziehung stehenden Ziele in einem koordinierten Verfahren
anzugehen. Unsere Fähigkeit, Hilfsquellen zu bewirtschaften und für unsere Bedürfnisse Sorge zu tragen, darf nicht in den Fesseln alter administrativer
Formen und Institutionen verbleiben.

Ich habe wiederholt erfahren, wie notwendig gründliche Reorganisationen
.
.
.
bei der Exekutive in der Bundesregierung sind. Ich glaube, die Notwendigkeit

•

einer Reorganisation ist auf dem Gebiet der natürlichen Hilfsquellen besonders
akut. Ich habe bereits dringend ersucht - und ich erneuere dieses dringende Er- '
suchen - , ein Ministerium für Energie und natürliche Hilfsquellen zu schaffen,
das es uns erlaubt, mit diesen Fragen in einer umfassenderen und effektiveren
Weise fertig zu werden.
Ich ersuche den Kongreß außerdem, eine neue, unabhängige Behörde für
Energieforschung und

-entwicklung zu schaffen, damit wir in Zukunft den best-

möglichen Gebrauch unserer Forschungs- und Entwicklungsmittel sicherstellen
können. Unsere Anstrengungen auf den Gebieten Forschung und Entwicklung könnten
die ergiebigsten Lösungen für das Energieproblem herbeiführen. Aus diesem
Grunde gab ich kürzlich Pläne bekannt, in den nächsten fünf Jahren mit Bundesmitteln in Höhe von 10 Milliarden Dollar ein entsprechendes Programm in die
Wege zu leiten. Der Kongreß braucht in diesem Jahr keine gesetzlichen Maßnahmen
zur Bereitstellung von Mitteln zu ergreifen; aber in den kommenden Jahren wird
es für den Kongreß erforderlich sein, eine solche Ausstattung mit Geldmitteln
zu genehmigen.
Da
:'
- 12 -

�Da die Vorschriften bei den Atomenergie-Hilfsquellen besser und gerechter
durchgeführt werden können, wenn sie nicht mehr mit dem Komplex Entwicklung
und Förderung gekoppelt sind, habe ich außerdem im Reorganisationspaket eine
eigene und unabhängige Atomenergiekommission für die Durchführung dieser bedeutsamen Aufgabe vorgesehen.

Standort von Kraftwerken
Eine der wichtigsten Energiefragen, denen wir uns 1973 gegenübersehen,
ist die, ob wir genügend Strom verfügbar machen können, um unsere Städte zu
beleuchten, Gebäude zu kühlen und zu heizen und unsere Industrie in den kommenden Jahrzehnten mit Betriebsstrom zu versorgen. Eine der Lösungen für dieses
Problem liegt in der gesteigerten Nutzung von Kernenergie. Man schätzt, daß
bis zum Jahr 2000 annähernd die Hälfte der Stromerzeugung in den Vereinigten
Staaten auf Kernenergie basieren wird.

Wir verfügen nunmehr über angemessene Sicherheitsbestimmungen und -maßnahmen, um zu gewährleisten, daß Kernkraftwerke sicher und in bezug auf Umweltschutz akzeptabel sind. Aber die Art und Weise, in der wir manchmal diese
Sicherheitsmaßnahmen anwenden, verursacht unvernünftig große Verzögerungen
beim Bau. In ähnlicher Weise kam es zu unverhältnismäßig langer Verzögerung
bei der Standortsuche für Kraftwerke, die mit fossilen Brennstoffen arbeiten
und noch immer - und dies auch für die nächsten drei Jahrzehnte - den Hauptanteil unserer Stromerzeugungskapazität stellen. Ich habe dementsprechend Gesetzes vorschlage vorgelegt, die den Prozeß der Standortermittlung für Kraftwerke und Stromleitungen vereinfachen, gleichzeitig aber weiterhin öffentliche
Gesundheit und Umwelt voll schützen. Diese Gesetzesvorlage wird seit zwei
Jahren geprüft, und mir liegt außerordentlich viel daran, sie aus den Ausschüssen herauszubekommen und als Gesetz wirksam werden zu lassen.

Wiederherstellung

�Wiederherstellung und Erneuerung unserer Umwelt

i

In meiner Botschaft vom 15. Februar dieses Jahres an den Kongreß konnte
ich berichten, daß unsere Nation aus einer Ära der Vernachlässigung der Umwelt
in eine Ära der Wiederherstellung und Erneuerung der Umwelt eingetreten ist.
Der 92. Kongreß half in den Jahren 1971 und 1972 mit der Verabschiedung einer
Anzahl wichtiger Maßnahmen, um diesen Prozeß in Gang zu bringen.

Leider hat der Kongreß 19 meiner Vorlagen zum Umweltschutz bisher nicht
behandelt, und die Regierung leitete sie deshalb im letzten Winter dem neuen
Kongreß wieder zu. Während die Mehrzahl dieser Maßnahmen noch immer auf Behandlung wartet, gebe ich die Hoffnung nicht auf, daß ihnen der Kongreß seine Aufmerksamkeit zuwendet.

Manche sagen, wir seien das Opfer unseres eigenen Erfolges - insofern
nämlich, als wir auf dem Gebiet des Umweltschutzes wichtige Gesetze verabschiedet haben, und viele nunmehr versucht sind, sich auf diesen Lorbeeren
auszuruhen. Aber eine solche lässige Haltung wäre gefährlich. Es gibt viele Ge- *
biete auf dem Sektor Umwelt, die noch behandelt werden müssen. Drei besonders
wichtige Fragen sind die nationale Politik der Bodennutzung, Vorschriften für
toxische Substanzen und die Gewährleistung der Sicherheit von Trinkwasser ...

Bekämpfung von Verbrechen und Drogenmißbrauch ...

Gesetz zum Heroinhandel

Trotz unserer ermutigenden Fortschritte bei der Ausschaltung der Quellen
für Drogenmißbrauch in Amerika haben wir bei dieser wichtigen Aufgabe noch
einen langen Weg vor uns. Der Schwerpunkt beim Drogenproblem in den Vereinigten
Staaten liegt bei den 'harten Drogen1 - mit Heroin an der Spitze. Heroinhandel
ist mit dem ganzen Spektrum von Kriminalität verflochten, vom international
organisierten Verbrechen bis zum Straßenraub. Der Heroinhandel ist eines der
- 14 -

�der einträglichsten Gebiete krimineller Aktivität, und wir werden niemals in
der Lage sein, damit wirksam fertigzuwerden, bis die Maßnahmen, die wir dagegen zum Tragen bringen können, so schwerwiegend sind, wie heute der damit
zu erzielende Gewinn attraktiv erscheint.

Untersuchungen aus der jüngsten Zeit haben gezeigt, daß zehntausende jener,
die wegen Rauschgiftdelikten in Haft genommen wurden, sofort wieder für ein
Jahr und länger auf die Straße zurückkehren, wenn es ihnen gelingt, bei den
Gerichten bis zur Verhandlung Zeit zu gewinnen. Noch alarmierender ist die
Tatsache, daß viele Tausende rechtskräftig wegen Rauschgiftdelikten Verurteilter
ihre Gefängnisstrafe niemals antreten. Solche Tatsachen bedeuten, daß die
Strafen für den Handel mit harten Drogen eine unwirksame Abschreckung sind, wenn
man sie mit den möglichen Profiten aus dieser kriminellen Multi-MilliardenDollar-Aktivität vergleicht.
Die Schlußfolgerung ist einfach. Wir brauchen Gesetze, die uns in die
Lage versetzen, Heroinhändler von den Straßen weg zu bekommen. Ich habe einen
Gesetzesvorschlag unterbreitet, der genau das erreichen würde. Er sieht harte
neue Strafen für Heroinhändler vor, einschließlich eines Minimums an zwangsläufig abzubüßenden Gefängnisstrafen. Er würde auch einem Richter erlauben,
die Gefahr für die Allgemeinheit abzuwägen, die sich aus der Freilassung eines
in Haft genommenen Heroinhändlers gegen Kaution ergäbe.

Heroinhandel ist eine eindeutige und allgegenwärtige Gefahr, über deren
schlimme Auswirkungen sich alle vernünftigen Menschen einig sein können. Während zahlreiche Vorschläge, die ich dem Kongreß vorlegte, möglicherweise einer
längeren Zeit der Prüfung bedürfen, ist vernünftigerweise nicht anzunehmen,
daß sich darunter auch jene befinden, in denen es um die Notwendigkeit der
Zerschlagung des Heroinhandels geht. Deshalb ersuche ich darum, daß der Kongreß
sofort den Gesetzesvorlagen seine Aufmerksamkeit widmet,welche uns helfen,
diesen Markt des Elends auszuschalten.
Umstellung

- 15 -

�Umstellung auf das metrische System

Amerikaner halten an ihrer Tradition fest und tun Dinge gern auf ihre
eigene Weise. Nachdem wir von Kindheit an an die Vorstellung von Inch, Meile
oder Pfund (US-Pfund) gewöhnt sind, bereitet es uns begreifliche Schwierigkeiten, uns die Begriffe Zentimeter, Kilometer, Gramm oder Kilo vorzustellen.
Wenn wir uns jedoch überlegen, daß der übrigen Welt unser Maßsystem genau die
gleichen Schwierigkeiten bereitet, dann müssen wir, so traurig das ist, zu
dem Schluß kommen, daß wir außer Tritt sind.

In einer Welt des integrierten Handels und der wachsenden persönlichen
Kontakte ist es für uns nur klug, unsere Vorstellungen und Instrumente der
Maße

und Gewichte anzupassen.

Ich habe dem Kongreß empfohlen, die entsprechenden Gesetze über eine Umstellung Amerikas auf das metrische System zu verabschieden. Dies kann auf
vernünftige Weise geschehen, ohne abrupte oder alles störende Auswirkungen.
Ich freue mich, daß der Vorschlag der Administration gegenwärtig dem zuständigen
Unterausschuß des Repräsentantenhauses vorliegt. Ich bitte darum, daß der Senat
ebenfalls ohne Verzug die Maßnahmen für diese notwendige Umstellung erörtert.

Verteidigung - Außenpolitik - Auslandshilfe
Zum ersten Mal seit über einem Jahrzehnt lebt Amerika im Frieden. Nun
müssen wir lernen, diesen Frieden zu erhalten - eine Aufgabe, die zumindest
genau solche Anforderungen stellt und in vieler Hinsicht sogar noch subtiler
ist als das Ringen um die Beendigung des Krieges.

Nach einem Krieg besteht stets die Versuchung, in eine Periode des Rückzugs und der Isolierung einzutreten. Aber gewiß haben wir aus den in der Vergangenheit mit der überstürzten Abrüstung gemachten Erfahrungen gelernt, daß
man dieser Versuchung widerstehen muß. Und sicherlich haben wir auch gelernt,
daß unser Fortschritt bei der Sicherung des Friedens in weitem Maße der Beibe-

�Beibehaltung unserer militärischen Stärke und der standhaften, verantwortungsbewußten Rolle, die wir in der Weltpolitik gespielt haben,zu verdanken ist.

In den letzten Jahren ist es schon beinahe Mode geworden, einfach zu erklären, daß man alles, was wir im eigenen Lande irgendwie an Extraprogrammen
haben wollen, ja mühelos dadurch finanzieren können, daß man das Verteidigungsbudget um fünf oder zehn oder auch zwanzig Milliarden Dollar beschneidet. Diese
Einstellung ist schlimmer als bodenloser Leichtsinn - sie ist selbstmörderisch.
Auch wenn wir das beste Angebot an innenpolitischen Programmen in der ganzen
Welt hätten, so würde dies doch nichts bedeuten, wenn wir unsere Freiheit verloren hätten oder wegen unserer Schwäche in den Abgrund eines nuklearen Krieges
gestoßen würden.

Die Hoffnung der Welt auf Frieden hängt von Amerikas Stärke ab - sie hängt
absolut davon ab, daß wir nie in die Position der zweitstärksten Macht der
Welt zurückfallen ...

Wir sind nun bereits seit Jahren in den langen und mühseligen Prozeß verwickelt, durch Verhandlungen zu einer beiderseitigen Begrenzung der strategischen
Nuklearwaffen zu gelangen. Abkommen von historischer Bedeutung sind bereits
erreicht und weitere stehen in Aussicht. Außerdem finden in diesem Jahr Gespräche statt, die auf eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung der Streitkräfte in Europa gerichtet sind. Aber der eigentliche Punkt, um den es bei all
diesen Verhandlungen geht, ist folgender: Wenn der Friede erhalten bleiben
soll, dann müssen die Begrenzungen und Reduzierungen auf beiden Seiten erfolgen.
Über das,was die eine Seite umsonst herzugeben bereit ist, wird die andere Seite
gar nicht erst verhandeln.

Wenn Amerikas Friede und Amerikas Freiheit wert sind, erhalten zu bleiben,
dann sind sie auch die Kosten wert, die mit dem für ihre Erhaltung jeweils
notwendigen Grad an militärischer Stärke verbunden sind. Wir dürfen nicht in
die Torheit verfallen, den Grad dieser Stärke herabzusetzen und damit unsere
Hoffnungen und die Hoffnungen der Welt auf eine friedliche Zukunft zu untergraben.
Obwohl

�Obwohl mein Budget für die Militärausgaben - gemessen in konstanten
Dollar - seit 1968 um fast ein Drittel herabgesetzt worden ist, droht der
Kongreß mit weiteren Verteidigungskürzungen, die die größten seit 1949 sein
würden. Eine solche einseitige Maßnahme - ohne die genau gleichen Konzessionen
von Seiten unserer Gegner - könnte die Chancen für weitere Rüstungsbegrenzungen
oder -reduzierungen unterminieren. Ich werde daher solchen Kürzungen aktiv
Widerstand entgegensetzen.

Das mit der Sowjetunion im vorigen Jahr unterzeichnete Abkommen über
Rüstungsbegrenzungen hat dem rapiden Anwachsen der Zahl der strategischen Waffen
endlich Halt geboten. Trotz dieses konkreten Erfolges bleibt noch viel zu tun,
um eine kontinuierliche Stabilität zu gewährleisten und unsere Verhandlungen
über ein ständiges Abkommen in bezug auf die strategischen Rüstungen zu unterstützen. Ein energisches Forschungs- und Entwicklungsprogramm ist unerläßlich,
um die unbedingte Gewähr zu bieten, daß kein Gegner jemals einen entscheidenden
Vorteil durch einen technologischen Durchbruch erzielen wird und daß massive
Dislozierungsaufwendungen daher nicht erforderlich sein werden. Aber der Kongreß
ist dabei, die Mittel für die Forschung und Entwicklung bis unter die von der
Vernunft gebotenen Mindestgrenzen zu beschneiden, einschließlich unserer Programme für Raketen und Luftverteidigung. Auch die Trident- und B-1-Programme,
die für die Aufrechterhaltung einer zuverlässigen Abschreckung entscheidend
wichtig sind, laufen Gefahr, völlig beschnitten zu werden.

Zu all dem hat der Senat auch noch eine tief einschneidende und unannehmbare Kürzung unserer militärischen Mannschaftsstärke um 156 000 Mann beschlossen. Eine solche Maßnahme würde uns dazu zwingen, die Zahl der Schiffe
unserer Seestreitkräfte zu verringern, während die Sowjetunion ihre Marine
weiterbin in einem bisher beispiellosen Ausmaß ausbaut, und die Stärke unseres
Heeres und unserer Luftwaffe zu reduzieren, während die Sowjetunion und die
Chinesen weiterhin weitaus größere Streitkräfte unterhalten.

Zu diesen Reduzierungen kommt ferner noch ein gewichtiger Vorschlag vom
Senat, der wesentliche einseitige Truppenabzüge aus Europa fordert - ein Fehler,
der eine gefährliche Auflösung des NATO-Bündnisses einleiten könnte. Die Ver- 18 -

�Verhandlungen über beiderseitige und ausgewogene Truppenreduzierungen beginnen
am 30. Oktober. In diesem Augenblick unmittelbar vor den Verhandlungen würden
Truppenkürzungen in Europa und die Reduzierung der militärischen Mannschaf t.sstärke unsere Chancen zerstören, mit den Staaten des Warschauer Paktes zu
einem Abkommen über die Verringerung der Truppenstärken in Europa auf einer
Basis der Gegenseitigkeit zu gelangen. Würde es dem Kongreß gelingen, diese
geplanten Kürzungen durchzusetzen, dann würden die Vereinigten Staaten weitreichende Konzessionen machen, noch ehe die eigentlichen Gespräche begonnen
haben.

Genau so unannehmbar sind Kürzungen bei anderen Verteidigungsprogrammen.
Es ist wider alle Logik, die Kapazitäten Amerikas in eben dem Augenblick zu
beschneiden, in dem die Sowjetunion ihre eigenen verstärkt. Und es würde
schwierig sein, die heiklen Situationen im Nahen Osten und Asien zu stabilisieren, wenn der Kongreß die wirksamen Mittel nimmt, die die Stabilität möglich machten.

Eine weitere Angelegenheit, die für mich allerersten Rang hat, ist unsere
Verpflichtung gegenüber einem gesunden Programm bilateraler und multilateraler
Auslandshilfe. Ich habe dem Kongreß im Frühjahr vernünftige und annehmbare Forderungen für unsere Wirtschafts- und Militärhilfeprogramme unterbreitet. Diese
Programme stellen ein zentrales Element in der Befähigung Amerikas dar, mit
seinen Verbündeten für die Erhaltung des Friedens und der Stabilität in der
Welt zusammenzuarbeiten. Unglücklicherweise hat der Kongreß meine Forderungen
nicht günstig behandelt.

Das Repräsentantenhaus hat das Militärhilfeprogramm bereits um 25 Prozent
gekürzt und der Senat hat es um die Hälfte reduziert. Nicht nur wurden die
Mittel in ungewöhnlicher Weise gekürzt, sondern außerdem wurden im Ausschuß
restriktive Zusätze eingebracht, denen im Plenum vielleicht noch weitere
folgen. Ich kann es nicht hinnehmen, daß diese entscheidend wichtigen Programme
in solcher Hast und Reaktion verstümmelt werden.

Die
- 19 -

�r

Die laufenden Hilfsprogramme werden mit Hilfe einer Übergangsermächtigung
finanziert, die am 30. September abläuft. Dieser Zustand ist unbefriedigend, vor
allem angesichts der Anforderungen, die sich aus den nordvietnamesischen Waffenstillstandsverletzungen in Kambodscha ergeben. Dabei will der Kongreß weiterhin
nicht nur geringere Dollarbeträge zur Verfügung stellen, sondern erhebt darüber
hinaus sogar noch die unsinnige Forderung nach Zugang zu heiklen Informationen
und verlangt entgegengesetzt wirkende Bedingungen bei bestimmten Programmen.
Diese Forderungen sind unannehmbar; sie würden unsere Fähigkeit zur Aufrechterhaltung der Sicherheit in der Welt schwer beeinträchtigen.

Ich habe die Absicht, alles nur erdenkliche zu tun, um die Mittel für die
Sicherheitshilfe-Anforderungen im Haushalt 1974 zu erhöhen. Ich werde mich auch
nachdrücklich gegen alle Versuche des Kongresses wenden, unvernünftige Forderungen zur Beschränkung der notwendigen außenpolitischen Hoheitsrechte der Exekutive durchzusetzen. Ein Geist der überparteilichen Zusammenarbeit hat das
Stahlgerüst gebildet, das Amerika über den kalten Krieg und über Vietnam getragen hat. Wir dürfen die großen Möglichkeiten des friedlichen Fortschritts
in der Nachvietnam-Ära nicht durch den Verlust dieses starken überparteilichen
Geistes gefährden.

Wenn wir ein wirklich dauerhaftes Gebäude des Friedens bauen wollen,
dann muß unser Fortschritt bei der Reform des Handels- und WährungsSystems
der Welt von Anstrengungen begleitet sein, den ärmeren Ländern zu einem gerechteren Anteil an der wachsenden Prosperität der Welt zu verhelfen. Zu diesem
Zweck ersuche ich den Kongreß, unseren fairen Anteil an den Beiträgen zu den
multilateralen Entwicklungsbanken zu bewilligen - sowohl die anstehenden Beiträge, die jetzt dem Kongreß vorliegen, als auch andere Vorschläge, über die
ich gegenwärtig mit dem Kongreß berate und die in naher Zukunft offizell eingebracht werden. Unsere bilateralen Hilfsprogramme sind ebenfalls ein wesentlicher Teil unserer Anstrengungen, die Entwicklung in der Welt zu fördern,
und ich ersuche den Kongreß, diesen Programmen seine volle Unterstützung zu
geben.
All
- 20 -

�All diese Anstrengungen stellen kurzfristige Investitionen in Frieden
und Fortschritt dar, die von gewaltiger langfristiger Bedeutung sind. Wenn
wir versuchen, hier heute ein paar Dollar einzusparen, so kann uns das morgen
weit mehr kosten.

Wenn der Kongreß, die Administration und die Bevölkerung in den kommenden
Wochen zusammenarbeiten, können wir viele in dieser Botschaft aufgezeigte
Ziele erreichen. Und wir werden am wirksamsten zusammenarbeiten, wenn wir im
Auge behalten, daß unsere letztliche Verantwortung nicht gegenüber einer Partei
noch einem geistigen Standpunkt, ja noch nicht einmal gegenüber einem Regierungszweig besteht. Unsere letztliche Verantwortung besteht gegenüber dem
Volk - und alles was wir tun, muß von dessen besten Interessen geleitet sein."

- 21 -

�amerika dienst
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35/1973

US-FINANZMINISTER ZEIGT VORSICHTIGEN OPTIMISMUS
Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
hat auf einer Pressekonferenz am 7. September im Weißen Haus einen vorsichtigen
Optimismus hinsichtlich der kommenden Handelsverhandlungen und der Reform des
internationalen Währungssystems an den Tag gelegt. Die wesentlichen Auszüge
der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:

"Wie Sie wahrscheinlich wissen, habe ich (am 6. September) einige Zeit
allein mit Präsident Nixon verbracht, um die Reise nach Tokio, Nairobi, Moskau,
Bonn und Jugoslawien und die damit verbundenen Zwecke zu erörtern. Und dann
sprachen wir über den Großhandelspreisindex und was hier zu tun wäre ...

Zunächst über die Reise: Wie es der Präsident sieht - und wie wir es alle
sehen - kommen wir im Verlauf weniger Wochen mit unseren Handelspartnern zusammen - als erstes bei der Eröffnung wichtiger Verhandlungen, die mit der Gestaltung des Handels zu tun haben. Darunter fallen Zollschranken und nichttarifäre

Handelsschranken. Dazu werden Erörterungen von Schutzbestimmungen

und -Systemen und von vielen anderen Fragen gehören. Hier handelt es sich um
die Eröffnung eines langen und schwierigen Prozesses - eines Prozesses, der
nach unserer Auffassung für das amerikanische Volk fruchtbar sein wird und
ebenso für andere Völker in der Welt.

Es
- 1 -

�1
Es wird schwierig werden, aber bei der Erörterung von Handelsfragen

J|

sollte doch niemand vergessen, daß es sich im Grunde um eine Situation handelt,
in der jeder gewinnen kann. Wir werden die Interessen der Vereinigten Staaten
hart vertreten, aber in einem Rahmen, in dem jeder aus diesen Verhandlungen
einen Gewinn ziehen kann.

Zweitens werden wir als ein Team zu der Jahrestagung des Internationalen
Währungsfonds und der Weltbank gehen, und wir werden an einer weiteren Tagung
des Zwanzigerausschusses teilnehmen. Wir hoffen auf weitere Fortschritte auf
dem Gebiet der internationalen Währungsreform, und wir werden, das liegt auf
der Hand, auch die Probleme der Entwicklungsländer und der Gewährung von Hilfe
an diese Länder erörtern.

Wir werden dann weiter nach Rußland reisen. Diese Reise war zur Zeit
des Gipfeltreffens dort vereinbart worden. Es wird eine reguläre Sitzung der
Amerikanisch-Sowjetischen Handelskommission stattfinden und wir werden eine
Reihe von Fragen erörtern, die für die weitere Arbeit dieser Kommission grundlegend sind. Und dann werde ich über Bonn zurückreisen, um dort mit meinem
Freund Helmut Schmidt zusammenzutreffen und vor der Deutschen Gesellschaft
für

Auswärtige Politik zu sprechen. Anschließend werde ich einen Gegenbesuch

in Jugoslawien machen. Diese gsamte Reise ist ein Versuch, unsere internationale
Wirtschaftspolitik im Interesse einer friedlichen und aufblühenden Welt weiter
voranzutreiben.

Ich freue mich, im Zusammenhang hiermit - und das betrifft die Weltwirtschaft - in Namen des Präsidenten bekannt geben zu können, daß wir im Weißen
Haus eine Konferenz des Präsidenten über Exportausweitung veranstalten werden.
Diese Konferenz wird am 11. Oktober um 0145 PM (Ortszeit) im Ostzimmer des
Weißen Hauses beginnen. Wir rechnen mit einer Teilnahme von rund 250 Vertretern
führender Exportunternehmen aus allen Teilen der USA. Handelsminister Dent
wird auf dieser Konferenz federführend sein.

Ich möchte betonen, daß die Unternehmer nicht auf diese Weise zum Export
angehalten werden sollen, sondern es soll ihnen aufgezeigt werden, daß die

- 2 -

�die amerikanischen Erzeugnisse jetzt überall auf der Welt wettbewerbsfähig
sind. Es liegt nunmehr bei unseren Unternehmen, unseren Produzenten, diese
Tatsache zu nutzen und in das Exportgeschäft einzusteigen. Dadurch werden
Arbeitsplätze und die Voraussetzungen geschaffen, daß wir die benötigten wichtigen Importe bezahlen können.

Neben der Erörterung dieser Fragen werden wir uns natürlich auch mit all
den Punkten befassen, die vorgebracht werden und den Export erschweren könnten
und bei denen die Regierung helfen könnte ...

Einmal zeigen die statistischen Berichte über die Arbeitsmarktentwicklung ... daß die Wirtschaft stark ist und die Arbeitslosigkeit weiterhin sehr
niedrig bleibt ... Auf der anderen Seite erleben wir ein schreckliches Drama
- das Problem der steigenden Preise - das uns bedrückt und das durch den heute
veröffentlichten Index der Großhandelspreise noch dramatisiert wird ...
Wie Sie wissen, wurden diese Zahlen Mitte August zusammengestellt ... Greift
man verschiedene Agrarprodukte heraus und nimmt man die prozentuale Veränderung
gegenüber dem Höchststand bei dem betreffenden Produkt Mitte August ..., dann
ergeben sich folgende Zahlen: Sojabohnen minus 47 Prozent, Sojabohnenschrot
minus 56 Prozent, Sojabohnenöl minus 41 Prozent, Weizen minus 10 Prozent Weizen hat noch eine anziehende Tendenz -, Mais minus 30 Prozent, Rinder
minus 15 Prozent, Schweine minus 35 Prozent - allein gestern ein Rückgang um
5 Dollar pro 1O0 Pfund Lebendgewicht - Brathähnchen minus 27 Prozent ...

Frage: Wenn Sie jetzt die Statistiken über den Rückgang der Preise für
Agrarprodukte während der letzten Tage anführen, wollen Sie den Verbrauchern
damit sagen, wie Sie das in der Vergangenheit wiederholt getan haben, daß das
Schlimmste nunmehr hinter uns liegt?

Antwort: ... Dieser Rückgang hat praktisch ... Tag für Tag seit dem Höchststand, den die Großhandelspreise erreicht hatten, angehalten, und wenn die
Preise auf dem derzeitigen Stand bleiben oder noch weiter nachgeben, dann
dürfte das bedeuten, daß auch die Lebensmittelpreise zurückgehen werden. Und
natürlich hängt dies auch zu einem großen Teil von der Ernte, nicht nur hier,
- 3-

�hier, sondern auch im Ausland, ab. Die Ernte ist noch nicht eingebracht, die
Aussichten sind jedoch sehr gut, und natürlich bemühen wir uns sehr um eine erneute wesentliche Ertragssteigerung im kommenden Jahr. Das ist es, was wir zur
Lösung des Problems unternehmen ...

Frage: Herr Minister, die Vereinigten Staaten haben im letzten Jahr für
über eine Milliarde Dollar Weizen an die Sowjetunion verkauft ... Können Sie
uns sagen, ob hier ein Trugschluß hinsichtlich der Auswirkungen für die amerikanische Landwirtschaft vorlag und ob diese neue Konferenz zu weiteren Agrarexporten anspornen soll?

Antwort: Der amerikanische Weizen ist wettbewerbsfähig; allerdings ist
es interessant, daß wir aus anderen Ländern Beschwerden über zu hohe Preise erhalten, daß sie nicht so viel kaufen können, wie sie möchten, und ob wir nicht
ihre Käufe subventionieren könnten.

Und wir sagen: 'nein ... Ihr bezahlt genau den gleichen Preis, den die
Amerikaner bezahlen'. Und das wirkt sich natürlich meines Erachtens erheblich
auf die Auslandsnachfrage aus ... Zum Beispiel erhalten wir jetzt aufgrund
des vom Präsidenten im Juni angeordneten Programms im voraus Informationen
über die Exportpläne, und uns liegen Zahlen über das vor, was im August geschehen soll ... Ich glaube, die Größenordnung liegt etwa zwischen 3,2 uni
4,1 Millionen Tonnen ...

Nach dem Stand vor Beginn der letzten Augustwoche sind 2 177 Millionen
Tonnen exportiert worden. In der letzten Augustwoche dürfte es noch etwas mehr
geworden sein. Wir haben diese Zahlen noch nicht vorliegen, aber es ist klar,
daß die tatsächlich exportierten Mengen wahrscheinlich nicht mehr als zwei
Drittel der ursprünglich für den Export vorgesehenen Menge ausmachten. Es ist
viel Spekulation und viel Luft in diesen Zahlen, und dies wird meines Erachtens nunmehr erkannt. Das wirkt sich jetzt auf die Preise aus. Die Preisrückgänge, die ich Ihnen verlesen habe, sind enorm, und man beginnt sich jetzt
zu fragen, ob all diese Nachfrage wirklich echt war oder ob sie angesichts der
höheren Preise dahinschwindet ...
Wir

�r

Wir bemühen uns natürlich darum, in Gesprächen mit den Sowjets, mit anderen,
mit unseren Handelspartnern, eine Vorstellung darüber zu bekommen, wie groß der
Bedarf wirklich sein wird. Wir haben Sitzungen der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) zu diesem allgemeinen Thema angeregt
und wir sind der Ansicht, daß solche Konsultationen und Abkommen darüber, wie
groß die zu importierenden Mengen wirklich sein werden, sehr nützlich sein können.

Aber natürlich sind wir auch der Auffassung, daß die amerikanische Landwirtschaft ein Gebiet ist, auf dem wir einen erheblichen Wettbewerbsvorteil
haben und auf dem wir große Mengen exportieren können. Wir haben dies natürlich
in all den Jahren getan und glauben, daß wir das auch weiterhin tun können. Wir
möchten diese Märkte erschließen, die Erzeugung steigern und diese Produkte im
Ausland verkaufen ...

Frage: Herr Außenminister, der Präsident hat auf seiner Pressekonferenz
recht nachdrücklich betont, daß es durchaus gemeinsame Bemühungen seitens der
westlichen, Erdöl verbrauchenden Ländern geben könnte, um zu bestimmten Maßnahmen zu kommen, die die arabischen Erdölexporte aus dem Nahen Osten in die
USA im Falle unfairer Enteignungen oder Preisfestsetzungen herabdrücken würden.
Werden Sie mit irgend einem unserer europäischen Verbündeten auf Ihren Reisen
nach Nairobi und Tokio über dieses Problem sprechen?

Antwort: Ja, auf allen Konferenzen der Finanzminister, zu denen ich gekommen bin, sprachen wir über die Fragen, die anstanden, aber wir führten daneben während der Mittagspause und auf den Gängen auch Gespräche, und diese
befaßten sich auch mit Energie und Lebensmitteln sowie damit, wie wir diese
Probleme handhaben werden. Denn das Problem der Versorgung und das Problem der
sehr großen Preissteigerungen betrifft jeden. Praktisch sind wir wahrscheinlich
von den großen Industriestaaten am besten weggekommen. Diese Fragen beschäftigen
alle.

Abgesehen von dem, was auf der Basis von Gesprächen mit unseren Lieferanten
und den Konkurrenten auf diesem Gebiet erreicht werden kann, erscheint es mir
wichtig, daß wir uns hinsetzen, um unser Energieproblem hier im eigenen Land
- 5-

�*
Land und unter anderen Verhältnissen wie in jedem anderen Land zu lösen. Wir

,,

können das erreichen. Wir verfügen über die grundlegenden Energievorkommen.
Wir müssen lediglich lernen, Energievorkommen in einer Weise zu erschließen
und zu nutzen, die mit unseren Umweltzielen vereinbar ist ...

Frage: Werden Sie auf Ihrer Reise gemeinsame Maßnahmen mit den übrigen
Verbraucherländern erörtern?

Antwort: Wir werden darüber sprechen, was für alle von Nutzen sein könnte.
Ich möchte keine bestimmte Richtung aufzeigen, die die Gespräche nehmen
könnten ...

Frage: Herr Minister, ist der Dollar Ihrer Ansicht nach gegenüber den
anderen Hauptwährungen unterbewertet? Steht dies in einem Zusammenhang mit den
hohen Lebensmittelpreisen in den Vereinigten Staaten und haben Sie für Nairobi
und Tokio irgend einen Plan, um dieses Problem zu lösen?

Antwort: Meines Erachtens ist der Dollar im Augenblick etwas unterbewertet. •
Wir haben im Frühjahr, im März glaube ich, in Verhandlungen einen Kurs festgesetzt und wir hielten ihn damals für richtig. Der Handel mit dem Dollar erfolgte
auf einem zum Teil floatenden Markt. Der Dollar-Kurs hat sich im Juli etwas
verschlechtert. Er hat sich seitdem wieder etwas erholt, und wir haben, wie dies
gestern bekannt gegeben worden ist, einen etwas anderen Interventionskurs verfolgt, als wir mit unseren Kollegen auf der Pariser Konferenz vereinbart hatten,
auf der das jetzt von uns benutzte System festgelegt wurde, indem wir nicht
intervenieren, um einen Preis zu stützen, sondern indem wir intervenieren, um
einen geordneten Markt aufrecht zu erhalten. Angesichts dieses Prozesses und
der, wie ich glaube, wachsenden Erkenntnis, daß der Dollar unterbewertet ist,
hat sich der Wert des Dollar geändert.

Und nun zu dem zweiten Teil Ihrer Frage, natürlich glaube ich, je niedriger
der Wert des Dollar ist - um es einmal so auszudrücken, um so billiger ist es,
Dinge in den Vereinigten Staaten zu kaufen. Und bis zu einem gewissen Maß haben
wir natürlich sehr hart gearbeitet, um eine Änderung des Dollar-Kurses zu bewirken.

Wir
- 6 -

�Wir hielten ihn für überbewertet, so daß unsere Erzeugnisse auf den Weltmärkten stark benachteiligt waren. Aber wir wollen hier nicht zu weit gehen
nur aus dem einen Grunde, den Ihre Frage anschneidet.

Frage: Herr Minister, der starke Anstieg der Lebensmittelpreise im Frühjahr und Sommer scheint sich in den letzten Lohnabsprachen dieses Jahres noch
nicht niedergeschlagen zu haben. Können Sie sagen, warum das so ist, und dazu
Stellung nehmen, wie lange die Arbeitnehmer noch Geduld üben sollen, wenn der
Anstieg der Lebensmittelpreise und die Inflation ganz generell nicht unter
Kontrolle kommen?

Antwort: Ich glaube, es gibt eine ganze Reihe von Gründen für das meines
Erachtens hervorragende Verhalten bei den TarifVerhandlungen dieses Jahres.
Zunächst einmal sollte man sich daran erinnern, daß die Unterhändler, im Gegensatz zu den beiden vorangegangenen Verhandlungsrunden - und wir haben dies
Ende letzten Jahres gesagt und Ihnen gegenüber betont - im Gegensatz zu diesen
Situationen, in ihre Verhandlungen eintraten, nachdem sie in der dreijährigen
Laufzeit ihres Vertrages einen echten Einkommenszuwachs gehabt hatten und nachdem eine relative Zunahme der Beschäftigtenzahl in dieser Zeit erzielt worden
war, so daß sie sich im Gegensatz zu früheren Runden in einer relativ guten
Position befanden ...

Meines Erachtens ist von Seiten der Unternehmer wie auch der Arbeitnehmer
wirklich staatsmännisches Verhalten an den Tag gelegt worden. Ich glaube, daß
unsere Beamten innerhalb der Regierung mit dazu beigetragen haben ... Die Tarifverhandlungen dieses Jahres sind nahezu abgeschlossen. Die Verhandlungen in der
Automobilindustrie dauern noch an und es stehen noch einige andere Verhandlungen
bis Ende des Jahres an, aber die großen TarifVerhandlungen haben wir im allgemeinen hinter uns ... Was nun die Lebensmittelpreise anbetrifft ..., so glaube
ich, liegt es in der Natur der Sache, warum es so wichtig ist, daß wir alles
in unseren Kräften stehende tun, um das Inflationsproblem zu bekämpfen, das
Angebot an Agrarprodukten zu steigern, eine disziplinierte Währungspolitik zu
verfolgen und alles vernünftigerweise nur mögliche zu tun, um die Inflation
unter Kontrolle zu bringen.
Frage:
- 7-

�1

Frage: Herr Minister, meines Wissens zirkuliert seit etwa einem Monat
i,

ein Regierungserlaß im Weißen Haus, demzufolge die Steuervergünstigungen für
Exporteure solcher Erzeugnisse ausgesetzt werden würden, die den Exportkontrollen
des Handelsministeriums unterliegen. Erstens, rechnen sie in naher Zukunft damit,
daß der Erlaß unterzeichnet und veröffentlicht wird, und zweitens, aus welchem
Grund ist die Unterzeichnung dieses Erlasses jetzt um mehrere Wochen verzögert
worden?
Antwort: ... Der Präsident hat dargelegt, daß seine Politik gegen Exportkontrollen gerichtet ist. Wir haben außer den vor einigen Monaten verfügten
Exportkontrollen, die Ende dieses Monats auslaufen sollen, keine weiteren erlassen.

Wir haben die Lage sehr sorgfältig beobachtet und wir halten es für recht
wahrscheinlich, daß im Lebensmittelbereich keine weiteren Kontrollen verfügt
zu werden brauchen. Wenn die Ernte gut eingebracht ist, wie wir dies zur Zeit
erwarten, und wir hier die Preisveränderungen halten können ... dann werden wir
natürlich keine weiteren Exportkontrollen benötigen ...

Frage: Herr Minister, mit welchem zeitlichen Ablauf rechnen Sie bei dem
i

jetzt dem Kongreß vorliegenden Handelsgesetz?
Antwort: ... Der Ausschuß arbeitet sich durch die Materie recht gut durch.
Die Mitglieder scheinen der Auffassung zu sein, daß sie Ende dieses Monats
oder Anfang Oktober ihre Arbeit beendet haben werden ...

Frage: ... Was halten Sie davon, wenn das Handelsgesetz keine Vollmacht
zu Verhandlungen über die Meistbegünstigungsklausel für Rußland oder China enthalten einschließen würde?

Antwort: Der Präsident erachtet die Meistbegünstigungsklausel für wichtig.
Sie ist für unsere sich jetzt entwickelnden Beziehungen zu diesem Teil der Welt
- nicht nur Rußland und China, sondern auch zu anderen Ländern - wichtig. Wir
möchten, daß sie in das Gesetz einbezogen wird, der Präsident hat dies unter- 8-

�f

unterstützt und wir haben mit Mitgliedern des Kongresses zusammengearbeitet,
um festzustellen, welche Formulierung angebracht wäre. Wir sind sehr daran
interessiert, daß dies verabschiedet wird, und der Präsident hat diesen Standpunkt von Anfang an vertreten und vertritt ihn noch heute."

- 9 -

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35/1973

MULTINATIONALE GESELLSCHAFTEN VERSTÄRKEN PRODUKTION
IN ENTWICKLUNGSLÄNDERN
- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -

Von Sam Burks

WASHINGTON - (AD) - Die Umsätze der multinationalen Gesellschaften außerhalb ihrer Heimatländer nehmen gegenwärtig doppelt so rasch zu wie das Bruttosozialprodukt der Welt, und es steht zu erwarten, daß Anfang der achtziger Jahre
rund 25 Prozent der gesamten Produktion der nicht-kommunistischen Welt auf
solche Gesellschaften entfallen werden. Im Gefolge dieser Expansion wird sich
die Produktionstätigkeit dieser Firmen immer mehr aus den Vereinigten Staaten,
Europa und Japan in die weniger entwickelten Gebiete der südlichen Hemisphäre
verlagern.

Dies geht aus einer am 4. September vom "Diebold Institute for Public
Policy Studies" - eine mit der Dieboldgruppe für Internationale Unternehmensberatung assoziierte Stiftung - veröffentlichten Studie hervor, die den Titel
"Wirtschaft und Entwicklungsländer - eine Studie über die Rolle privater Unternehmer bei der wirtschaftlichen Entwicklung" trägt. Die Veröffentlichung dieser
122 Seiten zählenden Studie erfolgte zu dem gleichen Zeitpunkt, da in New York
auf Einladung der Vereinten Nationen eine Expertengruppe sich mit einer Untersuchung der wirtschaftlichen, sozialen und politischen Auswirkungen multinationaler Firmen befaßte.
Einen
- 1 -

�Einen Hauptgrund für diese Expansion nach Süden sieht die Studie darin,
daß die reichen Länder nunmehr in eine nach-industrielle Ära eintreten, in der
sie sich immer stärker auf die Bereitstellung von technologischem Wissen und
Dienstleistungen konzentrieren, statt selbst Güter zu produzieren. Gleichzeitig
wächst ihre Fähigkeit, durch ein geschicktes Offerieren des für die Produktionssysteme erforderlichen technologischen Wissens sowie neuer Ausbildungsmethoden
für Unternehmer und Fachkräfte solche Kenntnisse anderen Ländern zu vermitteln.

Die Studie führt sieben traditionelle Gründe für die Verlagerung der
Produktion in weniger entwickelte Länder an - der Wunsch, sich Zugang zu billigeren
Arbeitskräften und billigerer Energie zu verschaffen; aus den sich verändernden
Handelsgepflogenheiten Vorteile zu ziehen; in der Nähe eines expandierenden Auslandsmarktes zu sein; zu verhindern, daß die Konkurrenz vorher bereits die Märkte
und Versorgungsquellen mit Beschlag belegt; den einheimischen Antitrust-Bestimmungen zu entgehen; sich gegen zyklische Schwankungen auf den Binnenmärkten
abzusichern; sowie aus einer voll integrierten Geschäftstätigkeit auf größerer
Ebene Nutzen zu ziehen.

Die europäischen Länder werden nach Auffassung der Studie nicht länger
Fabrikarbeiter importieren, wie sie dies in den fünfziger und sechziger Jahren
taten. Vielmehr werden sie ihre Fabriken nach Süden dorthin verlagern, wo die
Gastarbeiter früher herkamen. Junge japanische Arbeiter sind zum Beispiel nicht
mehr bereit, in kleinen, nur niedrige Löhne zahlenden einheimischen Betrieben
zu arbeiten, die schon immer Einzelteile für die großen japanischen Konzerne
hergestellt haben. Die Folge ist, daß japanische Firmen bereits dazu übergegangen sind, Kontraktbetriebe in den Niedriglohnländern Südostasiens und Lateinamerikas zu errichten.

Die Diebold-Studie warnt, daß diese erwartete Ausweitung der Produktion
in den Entwicklungsländern durch einen Nationalismus in den Gastländern verlangsamt oder zum Stillstand gebracht werden könnte. Um dieser Gefahr auszuweichen, wird den multinationalen Gesellschaften geraten, folgenden Kurs zu
verfolgen:
- Es

�- Es sollte vermieden werden, daß die als Ersatz für Importe errichteten
Unternehmen sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden, sofern nicht
überzeugende Argumente hierfür bestehen - zum Beispiel fehlendes einheimisches Kapital oder keine geeigneten einheimischen Partner. Bei exportorientierten Unternehmen könnte es jedoch angebracht sein, wenn sie
sich zu 100 Prozent in ihrem Besitz befinden.

- Es sollte zugestanden werden, daß die einheimischen Arbeitskräfte das
Gefühl haben müssen, daß sie mit zur Ausbildung herangezogen und ebenfalls in Spitzenpositionen beschäftigt werden und daß sie wo möglich,
in ihrem Lande Forschungs- und Entwicklungsarbeiten durchführen können.

- Es sollte nicht versucht werden, weit über den ortsüblichen Sätzen liegende
Löhne zu zahlen, sondern stattdessen vereinbart werden, höhere Steuern
zu zahlen, um so zur Entwicklung der Infrastruktur beizutragen und eine
Lohninflation zu verhindern.

- Es sollte nicht versucht werden, Steuern durch Manipulationen von Dienstleistungen oder Transferpreisen zu umgehen.

- Es sollte vereinbart werden, Abkommen in gewissen Zeitabständen immer
wieder neu auszuhandeln.

- Es sollte vermieden werden, Werke auf Gebieten zu errichten, die bisher
stets eine Domäne einheimischer Investoren waren.

- Es sollte möglichst viele Aufträge an einheimische Kontraktfirmen vergeben werden.
- Es sollten keine besonderen Konzessionen in Anspruch genommen werden,
die nicht auch den einheimischen Geschäftsleuten zugänglich sind.

- Es sollten Aktien an einheimische Tochtergesellschaften ausgegeben werden,
sofern eine funktionsfähige Börse besteht.
Ganz
- 3-

�Ganz allgemein kommt die Studie zu der Feststellung: "Wenn ein Entwicklungsland

ein eigenes festes

Wirtschaftsethos sowie ein eigenes Wirtschafts-

leben hat, dann dürften die multinationalen Gesellschaften der Welt auch einen
Weg finden, um an seine Tür zu klopfen und um Zugang zu ersuchen. Dann wird es
Sache des Entwicklungslandes sein, darüber zu entscheiden, unter welchen Bedingungen ihnen dies gestattet werden wird". Auf der anderen Seite, so warnt
die Studie, wird eine Entwicklungspolitik, die nicht erfolgreich ist, das
einheimische

Wirtschaftsethos abtöten und Schranken gegen die Mitarbeit aus-

ländischer Unternehmen errichten, die unter solchen Umständen nicht in dieses
Land werden kommen wollen.

Die Studie empfiehlt den Regierungen der Gastländer folgende Schritte, um
private Investitionen anzuziehen und im Lande zu halten:

- Sie sollten unabhängige einheimische Firmen dabei unterstützen, damit sie
als Zulieferbetriebe ausländischer multinationaler Unternehmen fungieren
können, wobei die großen Möglichkeiten aber auch die besonderen Probleme
beachtet werden sollten, die sich für die Zulieferbetriebe der japanischen
Großunternehmen ergaben.

- Sie sollten es ablehnen, Produktionsziele für Fertigungsindustrien über
einen langen Zeitraum hinaus im voraus aufzustellen, da ein großer Teil
der Produktion in den nächsten 20 Jahren aus völlig neuen Erzeugnissen bestehen wird. Aus dem gleichen Grunde sollten jedoch Ziele für "Infrastruktur"
Industrien gesetzt werden.

- Sie sollten Schulungs- und Ausbildungsprogramme importieren, bei denen
Verfahren unter Ausnutzung moderner Fernmeldeeinrichtungen und Großrechenanlagen benutzt werden.
- Sie sollten die staatlichen Entwicklungsanstrengungen auf die Bereitstellung von Fernmelde- und Transporteinrichtungen konzentrieren und
nicht auf die Arbeit der Fertigungsindustrien.
- Sie
- 4 -

�- Sie sollten den Multinationalen den Betrieb exportorientierter Unternehmen, die Tätigkeit im Bergbau und auf dem Erdölsektor sowie die
Führung moderner technologisch hoch entwickelter Betriebe gestatten.

- Sie sollten gemeinsamen Unternehmen Vorrang einräumen, um so technologische Kenntnisse zu importieren, sofern in dem betreffenden Entwicklungsland die eigene wirtschaftliche Infrastruktur weit genug entwickelt ist,
damit mehrere gemeinsame Unternehmen auf dem gleichen Industriesektor miteinander konkurrieren können. Ist dies nicht der Fall, dann sollte den
multinationalen Unternehmen die Arbeit unter nicht-monopolistischen Bedingungen gestattet werden oder es sollten technologische Kenntnisse auf
Wettbewerbsbasis importiert werden.

- Es sollte dafür gesorgt werden, daß einzelne Industrien für eine gewisse
Zeit besonderen Schutz erhalten, damit sie den Import übernehmen und
selbst exportieren können. Wird dies nicht erreicht, so soll der Schutz
entzogen werden.

- Es soll versucht werden, die multinationalen Gesellschaften fair und gerecht zu besteuern, ihnen aber gleichzeitig der Vorteil billiger Arbeitskräfte belassen werden.

- Es soll ein "Expertenberatungsdienst" geschaffen werden, entweder in
Form eines internationalen Instituts oder als unabhängige Beratergruppe,
um festzustellen, wie die multinationalen Gesellschaften ihr Rechnungswesen aufbauen.

- Die Besteuerung soll so gestaltet werden, daß die Vergabe von Kontrakten
an einheimische Firmen gefördert wird.

- Es soll eine nationale Politik auf der Annahme entwickelt werden, daß
die Entwicklungsländer über ein nicht voll ausgenutztes Potential an
Arbeitskräften verfügen, die in wachsendem Maße angelernt werden können.
Die
- 5 -

�Die Diebold-Studie ist die zweite einer Reihe von Untersuchungen, die
sich mit der sich wandelnden Rolle der Privatunternehmen in einer nach-industriellen Gesellschaft sowie den Möglichkeiten für eine Steigerung der Produktivität im privaten und öffentlichen Sektor befaßt.

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35/1973

US-DELEGATION OPTIMISTISCH ÜBER TOKIOER HANDELSVERHANDLUNGEN
- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -

Von John J. Harter

WASHINGTON - (AD) - Die Vertreter der Vereinigten Staaten für die Handelsverhandlungen in Tokio vom 12. bis 14. September haben sich optimistisch über
die Aussichten geäußert, eine neue Ausweitung des Welthandels und eine Reform
der internationalen Regeln für diesen Handel herbeizuführen. Die Ministertagung des Allgemeinen Zoll- und Handelsabkommens (GATT) in der japanischen
Hauptstadt wird nach Auffassung von Botschafter William D. Eberle, dem Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, zu einem "zentralen
Punkt" werden, um die "allgemeine Richtung und den Ton" der kommenden Verhandlungen zu bestimmen.

Der 20-köpfigen amerikanischen Delegation unter Führung von Finanzminister
George P. Shultz gehören neben Eberle unter anderem der Staatssekretär für
Wirtschaftliche Angelegenheiten im Außenministerium, William J. Casey; der
Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan; der Vorsitzende des
Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Herbert Stein; und der Stellvertretende
Sonderbeauftragte für Handelsverhandlungen, Botschafter Harald B. Malmgren, an.

Botschafter Eberle will die Zusammenkunft in Tokio weder als "zeremonielle
Formalität" noch als "Punkt der Konfrontation" gesehen wissen. Die Verhandlungen
werden nach seiner - sicherlich von allen Fachleuten geteilten - Auffassung

- 1-

�Auffassung langwierig, weitgreifend, technisch und kompliziert sein. Die hohe
Ebene der Delegierten der beteiligten Länder und Institutionen dürfte nach
Ansicht Eberles das Zustandekommen einer "gemeinsamen Deklaration" erleichtern,
die die Richtschnur für die kommenden detaillierten Verhandlungen bieten soll.
Die Verhandlungen werden voraussichtlich Ende Oktober in Genf auf der Ebene
des GATT-Ausschusses fortgesetzt und dürften in der ersten Hälfte 1974 in ihr
eigentliches Sachstadium treten.

Die Ziele sind bekannt: Liberalisierung der Zollsätze, Abbau der nichttarifären Handelsschranken, Liberalisierung des Agrarhandels und Reform der
internationalen HandelsregeIn, vor allem hinsichtlich der Schutzbestimmungen
für einheimische Industrien.

Für die gemeinsame Deklaration sind bereits weitgehende Vorbereitungen
getroffen worden, wobei die Frage des Zusammenhangs zwischen HandelsVerhandlungen und WährungsVerhandlungen, sprich Währungsreform, sowie die Position
der am weitesten zurückliegenden Entwicklungsländer noch umstritten sind.

Der Wirtschaftsberater des Präsidenten, Peter M. Flanigan, der offiziell
den Titel "Direktor des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik" trägt,
rechnet mit einer sehr aktiven Rolle der Entwicklungsländer bei den kommenden
Handelsverhandlungen. Diese Verhandlungen können nach Auffassung Flanigans den
Entwicklungsländern große wirtschaftliche Vorteile bringen, wenn sie gekillt
sind, sich an der wirtschaftlichen Expansion zu beteiligen. Ihr Lebensstandard
könne auf die Dauer nur gehoben werden, wenn sie ihre Güter und Erzeugnisse
in den "Hauptstrom des Welthandels" einbringen können.

Flanigan sieht ferner eine große Chance für die Entwicklungsländer in
der Steigerung der Privatinvestitionen. Gerade das Privatkapital könne zu einer
wirksamen Quelle der Entwicklung werden. Allerdings, so räumt Flanigan ein, sei
in diesem Zusammenhang die Verstaatlichung ohne Entschädigung in manchen Ländern
zu bedauern, da sie das zur Entwicklung dringend gebrauchte ausländische Kanital
abschrecke. Jedes Land, so betonte Flanigan, habe natürlich das Recht, innerhalb seiner Grenzen Betriebe zu verstaatlichen, aber das Land habe dann auch

�auch die Pflicht, eine entsprechende Entschädigung zu leisten. "Wir sind der
Auffassung", so erklärt der Wirtschaftsberater des Präsidenten, "daß es ein
schwerer Fehler für ein Land ist, ausländische Investitionen zu verstaatlichen,
wenn es selbst nicht über genügend Kapital verfügt".
Die Nixon-Administration wird nach den Worten Flanigans weiterhin für
bilaterale und multilaterale Auslandshilfe für die Entwicklungsländer eintreten. Allerdings dürfe man sich über die Wirkung der offiziellen Hilfe - die
bei allen OECD-Ländern zusammen nur zwei Prozent des Bruttosozialprodukts der
Entwicklungsländer ausmacht - keinen Illusionen hingeben. Neben den Privatinvestitionen sei für die Entwicklungsländer vor allem ein Abbau der Zoll- und
Handelsschranken in der ganzen Welt - vor allem auf dem Agrarsektor - von entscheidender Bedeutung.

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35/1973

AUDIO-VISUELLE GERÄTE UND SYSTEME
- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -

Vom 11. bis 15. Oktober 1973 - parallel zur Buchmesse - zeigen im USHandelszentrum in Frankfurt am Main über fünfundzwanzig amerikanische Hersteller ihre neuesten Entwicklungen auf dem Gebiet der audio-visuellen Geräte
und Systeme. Einige dieser Firmen kommen mit ihren Erzeugnissen erstmals
nach Deutschland und suchen auf diesem Wege Kontakte zu deutschen Unternehmen.

Das Ausstellungsprogramm umfaßt Videorecorder (Band und Kassette), Anlagen
für die Produktion von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder von Software für Videobandsysteme (z.B. Recorder für Originalbänder), Bandkopiergeräte,
Prüfeinrichtungen und Reinigungsgeräte, VCR-Software, Bildplattensysteme, EVRBauteile und -Software, Projektionswände, CCTV-Geräte, Mattscheibenprojektoren
für Super-8-Kassetten, Bausteine für Lernmaschinen, computergesteuerte Unterrichtssysteme, Software für computerunterstütztes Lernen, Simulationseinrichtungen, Overhead-Projektoren, Transparent-Kopiergeräte für Overhead-Projektoren
und Bildstreifen-Dia-Projektoren.

Auf der angeschlossenen Tagung am 12., 13. und 14. Oktober werden Experten
in Fachvorträgen zu den jüngsten Erfahrungen auf dem Sektor der Audiovision
Stellung nehmen.
Anmeldungen und Programme durch US-HandelsZentrum, 6000 Frankfurt am Main,
Bockenheimer Landstraße 2 - 4 , Telefon (0611)-72 08 Ol, Telex 41 65 35.
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35/1973

TECHNIK FÜR DEN UMWELTSCHUTZ
Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf
Von G. Weiss

- (AD) - In einer Gemeinschaftsausstellung zeigen 15 der amerikanischen
Firmen, die die internationale Fachmesse "Technik im Umweltschutz" beschicken
(ENVITEC 73, 8. - 14. Oktober 1973 in Düsseldorf), ihre neuesten Entwicklungen
an Apparaturen und Verfahren. Sie wenden sich, wie die anderen der z.T. ebenfall
auf nationalen Gemeinschaftsständen vertretenen 330 Aussteller

aus 15 Ländern,

an Interessenten der verschiedensten Fachbereiche. Diese repräsentieren in
erster Linie Behörden, Industrieunternehmen und kommunale Betriebe, welche z.B.
Wasser und Abwässer behandeln und überwachen, bei denen feste, flüssige und gasförmige Abfallstoffe anfallen oder die sich mit Lärmschutz befassen.

Zu dem mit der Messe verbundenen Weltkongreß der "Internationalen Union
zur Verhütung von Luftverschmutzung" werden Wissenschaftler und Ingenieure,
Beauftragte von Verwaltung und Politik aus 18 Ländern nach Düsseldorf kommen.
Die Veranstaltungen und die persönlichen Kontakte bieten reichlich Gelegenheit,
Erfahrungen und Meinungen über Probleme und mögliche Verbesserungen von Umweltschutzmaßnahmen und nicht zuletzt über Wege zu einer Verminderung dadurch entstehender Belastungen für Wirtschaft und Staat auszutauschen.

Die Kosten sind enorm. So schätzte vor ca. einem Jahr der Beirat Präsident Nixons für Umwelthygiene die Aufwendungen, die allein in den Vereinigten

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Vereinigten Staaten in den Jahren 1971 bis 1980 für den Umweltschutz aufzubringen sind, auf 287 Milliarden Dollar. Die Bewältigung solcher zwingenden
Aufgaben bereitet schon den Volkswirtschaften der Industrieländer in finanzieller, handelspolitischer und technischer Hinsicht erhebliche Schwierigkeiten.
Und diese Schwierigkeiten tragen zu den - vielfach recht umstrittenen - Bestrebungen bei, die künftige Industrieentwicklung zugunsten des Umweltschutzes
zu steuern und sogar für ein wirtschaftliches "Null-Wachstum" zu plädieren.
Sie erklären auch, weshalb manche Entwicklungsländer auf Forderungen nach mehr
Umweltschutz allergisch reagieren - auch wenn sie sich darüber klar sind, daß
Umweltschäden vor nationalen Grenzen nicht Halt machen und reiche wie arme
Länder treffen.

Einer Fachmesse wie ENVITEC 73 kommt deshalb u.a. die Aufgabe zu, das
Verständnis für den ungemein weitreichenden Komplex "Umweltschutz" zu fördern.
Sicherlich gibt sie auch Anregungen, wie durch Rationalisierung der Umwelttechnik der Preis für den Umweltschutz verringert und durch eine nationale bzw.
regionale Harmonisierung der Umweltpolitik deren Effektivität gesteigert werden
könnte.

Daß es dabei kaum ohne Kompromisse abgeht, zeigt beispielsweise die
Suspendierung der für 1976 vorgesehenen verschärften amerikanischen Bestimmungen
zur Emission von Stickstoffoxiden für ein ganzes Jahr durch die US-Behörde für
den Umweltschutz (EPA). Sie gab damit dem Ersuchen der Automobilwerke Ford,
General Motors und Chrysler statt, es für die 1976er Modelle noch bei einer
Abgas-Toleranzgrenze von 2 Gramm Stickstoffoxiden pro Meile zu belassen. Der
vorgesehene Grenzwert von 0,4 g/Meile sei, wie die Firmen darlegten, in der
Serienfertigung einfach noch nicht realisierbar. Aber selbst die Einhaltung des
Zwischengrenzwertes von 2 g/Meile erfordert bei den meisten Autotypen den Einbau einer Zusatzausrüstung für die Abgas-Rezirkulation (EGR-System). Durch diese
Vorrichtung, die 10 Dollar kostet, wird gleichzeitig die Kilometerleistung verbessert. Die für 1976 ebenfalls vorgesehene strikte Reduzierung der Emission
von Kohlenwasserstoffen und Kohlenmonoxid wird allerdings von der Zwischenlösung in bezug auf Stickstoffoxide nicht berührt.
Auch
- 2-

�Auch der jüngste Vorschlag Präsident Nixons, schwefelreiches Rohöl als
Energierohstoff zu verwenden, um Versorgungsengpässe kurzfristig zu überwinden,
und in diesem Zusammenhang die strengen Kontrollen für die Emission von Schwefeldioxid vorübergehend etwas zu lockern, ist ein Kompromiß. Er wurde im Zusammenhang mit einem neuen Acht-Punkte-Dringlichkeitsprogramm für die Energieversorgung der Vereinigten Staaten vorgelegt.

In den einzelnen amerikanischen Bundesstaaten gelten zwar noch immer
unterschiedliche Vorschriften für die Reinhaltung der Luft. Die Bundesstaaten
haben jedoch Mindestanforderungen zu beachten, wie sie z.B. die EPA in bezug
auf Luftqualität im Zusammenhang mit Luftverschmutzung bei außergewöhnlichen
Witterungsbedingungen stellt. Im übrigen werden die von der EPA bisher festgesetzten Grenzwerte, die bundesweit gelten, von den Einzelstaaten erst nach Ablauf einer gewissen Frist mit der Anpassung ihrer eigenen staatlichen Vorschriften
an diese Grenzwerte übernommen.
Für Schwefeloxide, feste Partikel und Staub, Kohlenmonoxid, photochemische
oxidierende Verbindungen, Kohlenwasserstoffe und Stickstoffoxide liegen "BundesGrenzwerte" bereits vor, die Ausdehnung solcher Bestimmungen auf weitere Schmutzund Schadstoffe in der Luft ist wahrscheinlich. Dabei wird zwischen einem
"primären" Grenzwert, der die Gesundheit der Allgemeinheit schützen soll, und
einem - meist niedrigeren -"sekundären"Grenzwert unterschieden. Letzterer ist
eine Schutzmaßnahme für das Allgemeinwohl, die beispielsweise die Mengen von
Schmutz- und Schadstoffen wegen ihres Einflusses auf Kleidung, Gebäude, Metalle,
Vegetation, Agrarprodukte, Tiere, etc., begrenzt.

So können z.B. Schwefeloxide in der freien Luft von gewissen Konzentrationen an das Auftreten von Erkrankungen der Atmungsorgane begünstigen, die
Todeshäufigkeit erhöhen und zu Schäden an Bauwerken oder anderen Sachwerten
sowie an Anpflanzungen führen. Um ganz spezielle Erscheinungen wie Gesundheitsschäden zu vermeiden, ist der nationale primäre Maximalwert (als jährlicher
Mittelwert) auf 80 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft bzw. 0,03 Teile Schwefeloxide
in 1 Million Teilen Luft (abgekürzt ppm) festgesetzt. Der sekundäre Grenzwert
dagegen, der eine Beeinträchtigung des Allgemeinwohls verhindern soll, liegt

- 3-

�liegt - als arithmetisches Mittel - bei 60 Mikrogramm/cbm bzw. bei 0,02 ppm,
wobei die EPA auch kürzere Fristen der Exponierung als ein ganzes Jahr berücksichtigt.

Die Umweltschutzbehörde EPA gibt zu den bundeseinheitlichen Maximalwerten auch die technischen Informationen zur Bekämpfung und Kontrolle der
betreffenden Schadstoffe, zu den Kosten für die Emissionskontrolle, zu allen
bekannten Verfahren sowie Alternativ-Methoden, die eine spezielle Form der
Luftverschmutzung verhindern. In diesem Rahmen von Schutzmaßnahmen sind dann
die Einzelstaaten dafür verantwortlich, Emissions-Grenzwerte für Schmutz- und
Schadstoffe festzusetzen, die von einer bestimmten Quelle, z.B. einem Industriebetrieb, ausgehen. Neu errichtete Betriebe sind durch Bundesgesetz verpflichtet,
von vornherein die bestmöglichen Verfahren zur Abluftreinigung anzuwenden.
Aber noch immer belaufen sich die Schäden, die in den USA jährlich durch verschmutzte Luft an Gesundheit und Sachwerten angerichtet werden, auf schätzungsweise 16 Milliarden Dollar.

Acht amerikanische Firmen in der US-Gemeinschaftsausstellung für ENVITEC 73
sind auf Ausrüstungen und Verfahren für den Sektor "Reinhaltung der Luft" spezialisiert und bieten u.a. an:

Freeman Laboratories, Inc. (Rosemont, Illinois) zeigt eine Anzahl von Meßgeräten zur Überwachung von Stickoxiden, Schwefeloxiden, Schwefelwasserstoff,
Chlor und anderen Schadstoffen.

Horiba Instruments, Inc. (Santa Ana, Kalifornien) zeigt Geräte und Systeme
zur Automobilgasüberwachung, einschließlich Geräte für die Fahrzeugprufung
in bezug auf Emissions-Grenzwerte.

Metal Bellows Co. (Sharon, Massachusetts) zeigt geschweißte Metall-Membrandruckdosen. Die von dem Unternehmen gebauten Vakuum-Kompressorpumpen basieren
auf einer Technologie, die für Druckdosen, wie sie die Luft- und Raumfahrt benötigt, entwickelt wurde.
Monitor

�Monitor Labs., Inc. (San Diego, Kalifornien) zeigt eine neue Baureihe
von Gasanalysengeräten, die nach dem Chemolumineszenz-Verfahren arbeiten
und über die Messung des Ozongehaltes die Bestimmung und Aufzeichnung von
Schadstoffkonzentrationen ermöglichen. Das System 7000 bietet die Möglichkeit
einer vollständigen Datenerfassung, so daß man an einer Reihe von strategisch
plazierten Meßplätzen innerhalb einer Kontrollregion in kürzester Zeit Informationen zur Überschreitung von Emissions- und Immissionswerten bekommt.

Research-Cottrell (Bound Brook, New Jersey), das wohl größte Unternehmen
der Welt auf dem Gebiet "Umwelttechnik", zeigt Elektrofilter zur Reinigung von
Industrieabgasen. Darüber hinaus befaßt es sich mit allen Aspekten der Luftreinhaltung, von der Beratung bis zur Errichtung schlüsselfertiger Systeme.

Scott Research Laboratories, Inc. (Plumsteadville, Pennsylvania) zeigt
Meßinstrumente und -Geräte für Emissionsmessung, Datenverarbeitung, statistische
Analysen, Entwürfe und Bau von Meßsystemen, etc.

Summit Filter (Summit, New Jersey) präsentiert sein Spezialerzeugnis,
die doppelwandige Filterkerze System 720, die sich in jede Standard-Entstaubungsanlage einbauen läßt.

Western Precipitation - Joy (Los Angeles, Kalifornien) zeigt elektrische
Abschneider (Gewebefilter) für hohe und niedrige Temperaturen, Mehrfach-Zyklonenentstauber, Hoch- und Niederdruck-Gaswäscher, Luftschleusen, Staub-Austragorgane und Prüfgeräte.

Alle genannten Firmen sind an Vertretungen in Europa und an Fabrikationsabkommen mit europäischen Unternehmen interessiert.

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SCHWEFELMONOXID IM INTERSTELLAREN RAUM

- (AD) - Mit einem Radioteleskop des Kitt Peak-Observatoriums in Arizona
entdeckten die beiden amerikanischen Astrophysiker Dr. Carl A. Gottlieb und
Dr. John A. Ball Schwefelmonoxid-Moleküle im Sternbild Orion. Die Zahl der
bisher bekannt gewordenen chemischen Verbindungen, aus denen die Moleküle in
den unendlich weiten Räumen zwischen den Sternen bestehen, erhöht sich damit
auf 22. Nach der Entdeckung der 21. Verbindung dauerte es allerdings ein ganzes
Jahr, bis man die nächste fand.

Eine ganze Anzahl dieser Moleküle zählt zu den organischen Verbindungen,
was natürlich immer wieder zu Spekulationen über mögliche Vorstufen für die
Entstehung von Leben im Kosmos Anlaß gibt. Das auf der Erde unbeständige
Schwefelmonoxid (SO), dessen Moleküle mit Hilfe der 3 mm-Frequenz erfaßt wurden,
ist die fünfte kosmische Verbindung, die Schwefel enthält. Mit Ausnahme der
schon vor längerer Zeit entdeckten Verbindung Silizium-Monoxid enthalten die
übrigen Molekülen eines oder mehrere der häufigsten Elemente - nämlich Wasserstoff, Kohlenstoff, Stickstoff und Sauerstoff.

Die neue Entdeckung ist für die Forschung deshalb von besonderer Bedeutung,
weil dadurch eine Möglichkeit eröffnet wurde, Rückschlüsse auf die Häufigkeit
von Sauerstoff im Kosmos und auf die Prozesse der Molekülbildung zu ziehen.
Allerdings sind dafür sehr komplizierte und langwierige Berechnungen notwendig.
Die Kenntnis dieser Prozesse hilft jedoch, z.B. die Evolution der Sterne und
der interstellaren Gase besser zu verstehen.
Die
- 1 -

�Die 3 mm-Radioimpulse von den Schwefelmonoxid-Molekülen, die inzwischen
auch ein Radioobservatorium der Universität Texas auf dem MT. Locke empfing,
wurden entdeckt, als man mit der Antenne des Kitt Peak-Observatoriums Orion A
anpeilte. Dies ist eine Radioquelle im Sternbild Orion,dessen helle Gaswolken
gerade noch mit bloßem Auge sichtbar sind. Einer Mitteilung der amerikanischen
"National Science Foundation" zufolge, die die Untersuchungen von Gottlieb und
Ball unterstützte, veröffentlichten die Wissenschaftler ihre Entdeckung im
"Astrophysical Journal".

- 2 -

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Sonderbotschaft Präsident Nixons an den US-Kongress&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Finanzminister zeigt vorsichtigen Optimismus&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Shultz-Pressekonferenz vom 7. September -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Multinationale Gesellschaften verstärken Produktion in Entwicklungsländern&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eine Studie des Diebold Institute for Public Policy Studies -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Sam Burks&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Delegation optimistisch über Tokioer Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Aktive Rolle der Entwicklungsländer erwartet -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John J. Harter&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Audio-Visuelle Geräte und Systeme&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Fachausstellung und Tagung in Frankfurt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;5. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Technik für den Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Internationale Fachmesse ENVITEC 73 vom 8. - 14. Oktober in Düsseldorf&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von G. Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schwefelmonoxid im interstellaren Raum</text>
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