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Dokumentation

T e I e x : 08 - 8 54 32

Nummer 34

6 . S e p t e m b e r 1973

Inhalt
WIRTSCHAFT
Shultz rechnet mit baldiger Einigung über Währungsreform
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers Neuentdeckung des US-Marktes für ausländische Investoren
Von Sam Burks

HINTE RGRUNDMATE RIAL

*

Arbeitsreiche Wochen für den amerikanischen Kongreß
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei Von James S. Aldrich

•n
i
WISSENSCHAFT UND TECHNIK
Neuer Seerechtsvertrag vordringlich
Ultravioletteinstrahlung und Hautkrebs-Häufigkeit
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen
Mini-Apparatur soll Bauchspeicheldrüse ersetzen

Um Obersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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34/1973

SHULTZ RECHNET MIT BALDIGER EINIGUNG ÜBER WÄHRUNGSREFORM
- Exklusiv-Interview des US-Finanzministers -

WASHINGTON - (AD) - Der amerikanische Finanzminister George P. Shultz
rechnet damit, daß bis zum Frühjahr kommenden Jahres eine Einigung über die
allgemeinen Grundsätze eines neuen Weltwährungssystems erzielt werden kann.
Shultz umriß am 30. August den Standpunkt der Vereinigten Staaten zur Reform
des internationalen Währungssystems in einem Exklusiv-Interview mit unserem
Korrespondenten Eugene Brake wie folgt:

"Frage: Herr Minister, was sollten nach Ihrer Auffassung die Endziele
der Reform des internationalen WährungsSystems sein? Mit anderen Worten,
welches sind die Kriterien für ein gut funktionierendes internationales Währungssystem?

Antwort: Ein Währungssystem dient dem Zweck, den Fluß des Handels und der
Investitionen und anderer finanzieller Transaktionen unter den Ländern zu erleichtern. Es hat keinerlei Selbstzweck, sondern es soll den Fluß der Dinge erleichtern, die sich in Geld ausdrücken - Handel, Investitionsprogramme, Hilfsprogramme usw.

Frage: Könnten Sie uns etwas darüber sagen, wie sich die amerikanischen
Vorschläge für eine internationale Währungsreform zu diesen Zielen verhalten?

Antwort:

�Antwort: Ein WährungsSystem sollte diesen Fluß des Handels, der Hilfe
und der Investitionen erleichtern, indem es sicherstellt, daß all diese Dinge,
wenn sie zusammenkommen und zusammen die Zahlungsbilanz darstellen, auch wirklich in einem echten Gleichgewicht sind. Das heißt, wenn Länder in ein großes
Defizit geraten, dieses System die Situation so im Griff hat, daß sie etwas
tun, um diese Defizite abzubauen. Auf der anderen Seite sollte das System in
derselben Weise die Korrektive an die Hand geben, die gewährleisten, daß ein
Land, das einen großen Überschuß ansammelt, etwas gegen diesen Überschuß tut.
Das System sollte also gewährleisten, daß insgesamt in dem Fluß des Handels
und anderer Transaktionen die Gesamtsummen in einem vernünftigen

Gleichgewicht

stehen - genauso wie in unserem persönlichen Leben, wo wir Geld verdienen und
Geld ausgeben und wo wir wissen, daß in einer gewissen Zeitspanne diese Dinge
so oder so ausgeglichen sein müssen.

Frage: Glauben Sie, daß unter den Ländern des Zwanziger-Ausschusses (des
IWF) für die internationale Währungsreform allgemeine Übereinstimmung über die
Ziele und die amerikanische Einstellung zu diesen Fragen herrscht?

Antwort: Es herrscht allgemeine Übereinstimmung über die Wichtigkeit der
Neugestaltung des Währungssystems sowie darüber, daß wir ein Währungssystem
brauchen, zu dem die Völker, die die Händler und Investoren der Welt sind, Zutrauen haben. Das ist das Ziel aller. Es wird viel darüber argumentiert, wie
dieses Währungssystem im einzelnen aufgebaut sein sollte. Wir haben eine Reihe
von Ansichten darüber dargelegt, und diese Ansichten sind, wie ich meine, begrüßt und sehr ernst genommen und sorgfältig geprüft worden. Ich glaube, daß
zumindest einige Länder diese Ansichten überzeugend gefunden haben. Wir haben
auch die anderen angehört. Es hat im Zwanziger-Ausschuß ein guter Austausch von
Informationen und Ideen stattgefunden.

Frage: Haben die Vereinigten Staaten ihre Gedanken über die Währungsreform
aufgrund dieses Meinungsaustausches modifiziert?

Antwort: Wir haben an einem Gesprächsprozeß teilgenommen, wir haben zugehört, und wo wir gefunden haben, daß wir die Auffassung anderer akzeptieren
- 2-

�akzeptieren können, haben wir versucht, sie in unsere eigenen Gedankengänge
aufzunehmen. In diesem Sinne kann ich Ihre Frage mit Ja beantworten.
Frage: Der Zwanziger-Ausschuß hat in den Mittelpunkt des neuen internationalen WährungsSystems die Formulierung 'stabile, aber regulierbare Nennwerte' gestellt. Gibt es über diesen Begriff eine gewisse Übereinstimmung hinr
sichtlich seiner Bedeutung oder gibt es unterschiedliche Interpretationen?

Antwort: Als diese Formulierung eingebracht wurde, bedeutete dies - zumindest meiner Auffassung nach - mehr oder weniger, daß einige recht wesentliche Meinungsunterschiede sozusagen übertüncht worden sind, obwohl diese Formel
in Einklang mit der Vorstellung stand, daß wir von dem neuen Wechselkurssystem
erwarten, daß es weit flexibler sein wird als das alte und größere Möglichkeiten
bieten wird, die Kurse zu verändern. Aber zu jenem Zeitpunkt bestanden große
Meinungsverschiedenheiten darüber, wie der Anpassungsprozeß im einzelnen genau
funktionieren sollte und würde. Seither scheinen sich eine Menge dieser Meinungsverschiedenheiten mehr oder weniger von selbst gelöst zu haben. Heute herrscht
eine sehr viel größere Übereinstimmung darüber, was diese Formel in der Praxis
tatsächlich bedeuten könnte.

Frage: Könnten Sie uns etwas über die Art des sich offensichtlich abzeichnenden Konsenses darüber sagen, was stabil

und regulierbar bedeuten würde?

Antwort: Worauf es hinausläuft ist, daß wir mehr und mehr Arbeit eben dem
Problem gewidmet haben, wie Wechselkursveränderungen vorgenommen würden, wieviel Druck erzeugt würde, um Anpassungen zu erreichen und wie dieser Druck erzeugt werden sollte. Von unserem Standpunkt aus gesehen, war es sehr wichtig,
uns mit den Gedanken aller vertraut zu machen, daß es Veränderungen geben
würde und daß man sie sich symmetrisch -vorstellen müsse, d.h., daß sie sowohl
die Überschußländer als auch die Defizitländer betreffen müssen. Ich glaube,
daß dieser Punkt anerkannt worden ist. Es war interessant, daß die Franzosen,
die allgemein als im Gegensatz zu uns stehend geschildert wurden, einen Negativzins für übermäßig große Reserven vorgeschlagen haben, was ein hartes Korrektiv gegen Überschußländer wäre. Das ist genau die Art von Maßnahmen, auf die

�&lt;

die wir abzielten. Wir meinten, daß der französische

Vorschlag recht inter-

\

essant sei und haben ihn unterstützt.
Frage: Manche Leute haben in der Vergangenheit offensichtlich geglaubt,
daß sehr stabile Kurse oder sogar festgelegte Kurse notwendig seien, um den
Handel zu erleichtern. Die Vereinigten Staaten sind offensichtlich der Auffassung, daß wir mehr Flexibilität brauchen. Warum ist diese Flexibilität so
wichtig?

Antwort: Damit die Wechselkurse voraussagbarer werden, und damit sie einen
Stand erreichen, der dazu beiträgt, eine Anpassung in den Handels- und Investitionsflüssen - mit anderen Worten, der Zahlungsbilanz - herbeizuführen. Die
Welt nach dem zweiten Weltkrieg beruhte auf einem System sogenannter fester
Wechselkurse, aber in Wirklichkeit veränderten sich diese Wechselkurse recht
oft und zwar konvulsivisch. Jedermann verteidigte den Mythos, sie seien fest.
Noch am Abend vor einer großen Änderung pflegte der Finanzminister des betroffenen Landes laut zu erklären, daß er den Wechselkurs niemals ändern würde.

*

Am nächsten Tag pflegte er ihn dann zu ändern. Es gab sehr viel Bewegung,
aber sie war immer mit großen Schmerzen und großer Agonie verbunden. Und so

i

dachten wir also, daß die Notwendigkeit für Veränderungen der Wechselkurse auf
der Hand lag und daß wir eine Methode finden müßten, daß sie öfter und in kleineren
Spannen vorgenommen werden konnte, und vor allem ohne die konvulsivischen Auswirkungen, die sie vorher begleitet hatten.

Frage: Liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, ein Zahlungsbilanzdefizit zu haben, oder liegt irgendein Vorteil für ein Land darin, einen Zahlungsbilanzüberschuß zu haben? Ich glaube, daß man in der Vergangenheit davon
ausgegangen ist, die Vereinigten Staaten hätten ihr Defizit gerne, und ich
glaube, man ist auch davon ausgegangen, daß einige Länder ihre Überschüsse aufrechterhalten wollten.

Antwort: Es gibt eine Art von neuem Marktantilismus in der Welt, der offensichtlich zu predigen scheint, daß Überschüsse wünschenswert seien. Nach meiner
Überzeugung ist ein Überschuß, der durch mehr Exporte als Importe geschaffen

�geschaffen wird, nicht unbedingt wünschenswert. Der Grund, warum man exportiert,
ist, daß man importieren will. Man arbeitet sozusagen, weil man ein Einkommen
haben möchte, das es einem ermöglicht, die Dinge zu kaufen, die man haben will.
Wenn sich also die Welt damit zufriedengäbe, uns auf ewig ihre Güter zu geben
und niemals die Gegenrechnung aufzustellen, dann wäre das eine große Sache
für die Vereinigten Staaten. Aber wir wissen, daß sich Menschen nicht über
einen längeren Zeitraum so verhalten. Früher oder später werden sie sagen, 'Moment mal, wir sollen Euch nicht immer unser gutes Erdöl und unsere Rohstoffe
und Automobile und Luxuserzeugnisse geben und nie etwas anderes als Bezahlung
erhalten als Papierdollar, die wir niemals einlösen. Wir wollen auch etwas dafür bekommen können'. Man kann also nicht auf ewig im Defizit leben.

Frage: Ich möchte sie gerne zwei Dinge fragen, die, wie ich meine, im Ausland immer ganz und gar mißverstanden wurden: das eine ist die 'Automatik'.
Die Vereinigten Staaten haben vorgeschlagen, daß der Stand der Reserven eines
Landes als 'objektiver Indikator' dafür beobachtet werden sollte, ob eine
Zahlungsbilanzanpassung notwendig ist. Aber soweit ich weiß, haben weder Sie
noch irgendein anderer Sprecher der amerikanischen Regierung je vorgeschlagen,
daß die zu treffenden Maßnahmen schon vorher genau vorgeschrieben und festgelegt würden, so daß die betroffene Regierung keine Freiheit der Wahl hätte.

Antwort: Das ist richtig. Wir haben in aller Deutlichkeit gesagt, daß es
nicht nur keine absolute Automatik geben würde, sondern daß das, was angezeigt
werden würde, die Notwendigkeit einer Anpassung wäre, und daß es wichtig wäre,
der einzelnen Regierung einen weiten Auswahlbereich zu lassen, wie sie mit dem
Problem fertig werden möchte.

Frage: Bei dem anderen, was ich Sie noch fragen möchte, handelt es sich
um das Problem der Konsultation als ersten Schritt zur Anpassung. Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß es wichtig sei, daß die Indikatoren, sofern sie einen bestimmten Punkt erreichen, zur berechtigten 'Annahme' für ein
Tätigwerden seitens des betroffenen Landes führen sollten - sei es im Sinne einer
Wechselkursanpassung oder einer anderen Maßnahme? Warum würden Konsultationen
nicht genügen?
Antwort:

- 5-

�Antwort: Wir halten es für wichtig, daß es Konsultationen gibt und wir

»

haben angeregt, die Ebene der Beteiligung der Länder im Internationalen Währungsfonds (IWF) zu erhöhen, damit diese Konsultationen mehr Bedeutung gewinnen
können. Aber wir sind auch der Auffassung, daß wir darauf bedacht sein müssen,
nicht immer nur zu konsultieren und niemals Maßnahmen zu treffen. Wenn es ein
ernstes Problem gibt, dann ist es sehr leicht, eine Konferenz einzuberufen
und zu konsultieren und zu erklären, 'wir hatten ein gutes Gespräch1 und dann
auseinanderzugehen, wenn es eigentlich so hätte sein müssen, daß irgendetwas
getan worden wäre. Konsultationen sind schon recht, aber wir müssen so etwas
wie ein festes Gerüst in diesem Prozeß haben. Darum haben wir uns so intensiv
mit den Indikatoren befaßt - Indikatoren, die eine Voraussetzung dafür schaffen
würden, daß auch wirklich Maßnahmen getroffen würden, und darum hat uns der
französische Vorschlag eines Negativzinses für übertrieben große Reserven so
gut gefallen - weil diese Dinge wirklich Maßnahmen auslösen.

Frage: So wie ich es sehe, lassen die jüngsten öffentlichen Formulierungen
des amerikanischen Standpunktes erkennen, daß der Hauptindikator der Stand der
Reserven eines Landes wäre, daß jedoch einem Signal dieses Indikators nicht unausweichlich eine Anpassung folgen müßte. Aus einer Veröffentlichung des, amerika- »
nischen Finanzministeriums geht hervor, daß die internationale Gemeinschaft
die Vollmacht haben würde, den Indikator zu überstimmen, wenn er als falsch
angesehen würde. Wie würde das funktionieren? Wer würde die Entscheidung treffen,
daß in einem bestimmten Fall keine Maßnahme zu treffen wäre?

Antwort: Das wäre die Auffassung des Konsultativgremiums. Irgendein Gremium
des IWF würde sich mit dem Problem befassen - vielleicht die Exekutivdirektoren
oder wenn eine stärkere Beteiligung durch eine Gruppe auf höherer Ebene gegeben
ist, könnten es Fälle geben, in denen sich diese Gruppe damit befassen würde.

Frage: Warum erklären die Vereinigten Staaten, daß die Überschußländer
ebenso aktiv an der Korrektur von Ungleichgewichten teilnehmen sollten wie die
Defizitländer? Würde das System nicht funktionieren, wenn einfach nur die. Defizitländer abwerten und keine Aufwertungen erfolgen?

&lt;

• n&lt;
••

•

• •

Antwort:
- 6 -

•'.

* i,.~

�Antwort: Nein, dieser Meinung sind wir nicht. Wir sind der Auffassung,
daß eine Anpassung von beiden Seiten eine raschere Anpassung und eine gerechtere
Anpassung gewährleisten würde. Es könnte beispielsweise so sein, daß ein Land
einen Überschuß hat, weil es hohe Schranken gegen Importe errichtet hat und
seine Exporte sehr stark fördert. Hier muß vielleicht ein Druck ins Spiel gebracht werden, um einen Abbau dieser Importschranken zu erreichen. Das ist einer
der Wege, auf dem eine Anpassung stattfinden wird. Es ist ein Hauptmittel der
Anpassung und wir sollten es nicht wegwerfen.

Frage: Manche Leute scheinen der Ansicht zu sein, daß das oberste Problem
der internationalen Währungsreform die Konvertibilität sei, d.h. die Schaffung
eines Systems, in dem die Vereinigten Staaten nicht in der Lage wären, ihre
Defizite durch die Ansammlung von Dollar durch andere Länder zu finanzieren.
Welchen Standpunkt nehmen die Vereinigten Staaten zu dem Thema der Konvertibilität ein?

Antwort: Wir haben erklärt, daß wir durchaus bereit sind, an einem konvertiblen System teilzunehmen und den ßollar konvertierbar zu halten, wenn die Bedingungen in Ordnung sind. Wenn versucht werden sollte, uns heute konvertierbar zu machen, dann hätten wir nicht die Reserven,um alle die draußen stehenden
Dollar einzutauschen. Daher kann es nicht funktionieren. In einem gewissen Sinne
ist die Konvertibilität etwas, was am besten funktioniert, wenn man es nicht
braucht,und nicht funktioniert, wenn die Leute es verzweifelt herbeizuwünschen
scheinen. Ich möchte jedoch annehmen, daß, wenn man ein System erreichen kann,
das die Aussicht auf ein Gleichgewicht in sich trägt, die Konvertibilität mit
dazu hilft, ein wirksames Korrektiv einzuführen, das dieses Gleichgewicht aufrechterhält, wenn man es erst erreicht hat - wenn es einen echten Druck zur
Anpassung gibt und wenn die Forderung nach Symmetrie erfüllt wird, über deren
Notwendigkeit wir bereits gesprochen haben.

Frage: Im September vorigen Jahres haben Sie, wenn ich mich recht erinnere,
vom Floating als von etwas gesprochen, das man vielleicht auf einer doch eher
kurzfristigen Basis zu tun wünsche. Sind Sie jetzt, nachdem fast jeder seit
6 Monaten floatet, etwas gelassener bezüglich des Floating? Oder schätzen die
- 7-

�die Vereinigten Staaten heute die Nützlichkeit des Floatens anders ein als
vor einem Jahr?

Antwort: Unser Vorschlag sah zwei Arten des Floating vor: Das eine ist ein
zeitweiliges Floaten, bei dem ein Land einen Stand der Wechselkurse erreicht
hat, diese aber aus dem Gleichgewicht geraten sind und man nicht weiß, welches
der richtige Kurs für sie ist, um sie wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Sie
floaten also eine Zeit lang, mit anderen Worten, sie lassen ihre Wechselkurse
nach Angebot und Nachfrage auf den Devisenmärkten sich frei bewegen - und durch
das Floating wird der Wechselkurs festgelegt.

Wir hatten auch das Konzept, daß ein Land über einen längeren Zeitraum
floatet, wie es beispielsweise Kanada und Großbritannien getan haben. Wir haben
beides in unserem Plan. Und ich glaube, daß die jüngste Erfahrung, nachdem
die Welt mehr auf der Basis eines floatenden Wechselkurses war, als es dies
seit langer Zeit gegeben hat, den Vorteil gezeigt hat,über diese Möglichkeit
zu verfügen.

Ich glaube, es ist bemerkenswert, daß bei all den Veränderungen und mit
all der Aufregung im WährungsSystem, die wir im letzten Jahr erlebt haben,
der Handel im Gegensatz zu den Voraussagen vieler sich weiterhin ausgeweitet
hat - und sich stark ausgeweitet hat. Das Floating-System scheint also ganz
gut funktioniert zu haben. Es hat den Handel nicht abgedrosselt. Die Leute
haben Mittel und Wege gefunden, sich aus der Affaire zu ziehen und mit einer
sehr viel flexibleren Situation fertig zu werden. Auf der anderen Seite haben
sich - wie ich meine - viele Leute bei der Floating-Situation etwas unwohl
gefühlt und haben die Überzeugung zum Ausdruck gebracht, daß es wichtig sei,
doch einige Spielregeln für das Floating festzulegen, wenn es denn ein solches
geben soll»und diese Regeln sichtbarer zu machen als bisher.

Frage: An was für Regeln würden Sie denken?
Antwort: Ich würde an Regeln für die Ansammlung von Reserven denken, sowie die Art und Weise und das Ausmaß einer Intervention. Man kann einen soge- 8-

�sogenannten floatenden Kurs haben, wenn es aber starke Marktinterventionen
um
durch das entsprechende Land gibt,/dafür zu sorgen, daß der Kurs sich nicht
wirklich ändert, sondern auf einem bestimmten Punkt bleibt, dann ist das in
Wirklichkeit kein Floating. Es erfüllt nicht den Zweck, den Kurs durch den
Markt beeinflussen zu lassen. Und daher braucht man gewisse Regeln, damit ein
Floating nicht irgendwie dazu benutzt wird, einen besonderen Vorteil aus einer
Situation zu ziehen.
Frage: Hat man daran gedacht, sich mit dem Euro-Dollar zu befassen, wie
etwa durch eine Regulierung des Euro-Dollar-Marktes?

Antwort: Das ist sicherlich ein großes Problem, das noch im Hintergrund
steht. Es steht ein großer Betrag an über die ganze Welt verteilten Dollar aus,
mit dem man, wenn es ein System geben soll, das auf einer internationalen Reserve beruht, wohl in irgendeiner Weise fertig werden muß. Dies stellt ein
Übergangsproblem dar, dem wir und andere uns stellen müssen, und es handelt
sich um ein recht schwieriges Problem.

Wir meinen, daß wir eine gewisse Konsolidierung der Dollar-Guthaben im
Ausland haben müssen, die zum Teil die Grundlage für den Euro-Dollar-Markt bilden.
Das würde darauf abzielen, diesen Markt bis zu einem gewissen Ausmaß auszutrocknen. Aber es ist die Frage, wieweit man diesen Markt austrocknen will.

Frage: Warum sind die Vereinigten Staaten der Auffassung, daß es ausländischen
Regierungen gestattet sein sollte, Dollar in ihren Reserven zu halten, wenn sie
das wollen?

Antwort: Weil wir der Auffassung sind, daß es dem System etwas mehr
Elastizität geben wird, etwas mehr Raum für die Anpassung, etwas mehr Spielraum, als wenn man alles auf die Grundlage einer festen Zahl von Sonderziehungsrechten stellen würde, die periodisch ausgegeben werden, nämlich gerade einer
ganz bestimmten Zahl. Wenn man zuläßt, daß ein relativ kleiner fluktuierender
Betrag von Devisen in dem System präsent

ist, dann bringt das eine gewisse

Elastizität.
Wir
- 9-

�Wir haben vorgeschlagen, daß, wenn das ausgebende Land keine Einwände
erhebt, es für ein Land möglich sein sollte, Währungen in seiner Reserve
zu halten, wenn es dies wünscht. Andere sind nun wieder der Auffassung, daß
dies keine gute Idee sei und das ist ein gewisser Streitpunkt.

Frage: Gäbe es nach dem amerikanischen Plan eine gewisse Grenze für den
Betrag an Dollar, den andere Länder halten könnten?

Antwort: Nein, wir haben keine spezifische Begrenzung vorgeschlagen.
Selbstverständlich gäbe es schon per defihitionen in dem Plan eine Grenze,
und zwar in dem Sinne, daß wir oder jedes andere Land in der Lage wären, zu
sagen, 'nein, ich will nicht, daß Ihr mehr von meiner Währung haltet'. In
diesem Falle würden andere alle zusätzlichen Beträge, die sie erhalten haben,
zurückgeben müssen.
-

.

Frage: Würden Sie etwas zu dem Zeitplan von Monsieur M. Giscard d'Estaing
für die Verhandlungen über die internationale Währungsreform sagen?

Antwort: Nun, ich möchte sagen, es ist ein vernünftiger Zeitplan und es
ist ein Zeitplan, der viel erörtert wurde: daß wir in Nairobi zusammenkommen
werden, daß wir ein bestimmtes Pensum schaffen werden, daß wir wahrscheinlich
irgendwann im Spätherbst erneut zusammenkommen werden, und daß wir bis zum
Frühjahr ein vereinbartes Paket von Grundsätzen entwickelt haben werden, die
eindeutig genug sind, daß die Juristen die Sache übernehmen und damit beginnen,
Abkommen usw. zu entwerfen. Ich bin überzeugt, daß dies eine Art von Konsens
war, der sich aus der Ministertagung des Zwanziger-Ausschusses ergeben hat,
die wir vor etwa einem Monat in Washington abgehalten haben, und an der auch
Monsieur Gistard d'Estaing teilnahm. Dies stellt seitens vieler Leute ein neues
Denken dar, da viele glaubten, daß es länger dauern würde, diese Aufgabe zu
lösen. Es mag vielleicht länger dauern, aber gegenwärtig sind die Leute einigermaßen optimistisch, daß ein Abkommen erreicht werden kann.

Frage: Wie stellen sich die Vereinigten Staaten vor, daß diese Währungsvorschläge nicht durch Handeln oder Nichthandeln auf dem Gebiet des Handels und
- 10 -

&gt;

�(

und der Investitionen blockiert oder aufgehoben werden?

Antwort: Wir beginnen gleichzeitig mit einer neuen multinationalen Runde
von Handelsverhandlungen. Sie werden im September in Tokio beginnen. Ich bin
sicher, daß die Währungsfragen gelöst sein werden, bevor die Verhandlungsrunde
über Handelsfragen abgeschlossen ist, aber wir haben erklärt, daß diese beiden
Dinge zusammengesehen werden müssen und wir werden weiterhin diesen Punkt in
den GATT-Verhandlungen vorbringen und darauf achten, wie das Währungssystem
nicht nur in der Vereinbarung, sondern auch in seiner Durchführung aussehen
wird."

+ + + + +

- 11 -

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34/1973

NEUENTDECKUNG DES US-MARKTES FÜR AUSLÄNDISCHE INVESTOREN
Von Sam B u r k s

WASHINGTON - (AD) - Eine immer größere Zahl ausländischer Unternehmer
hat erkannt, welche günstige Investitionsmöglichkeiten der amerikanische Markt
ihnen heute bietet. Und wie in den Aufbaujahren der amerikanischen Wirtschaft
beginnen sie diese Möglichkeiten auch zu nutzen.

Nach Schätzungen eines namhaften Bankhauses in New York beliefen sich die
Aufwendungen ausländischer Unternehmer für den Kauf oder die Ausweitung von
Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten allein im ersten Quartal 1972 und
im ersten Quartal dieses Jahres zusammen auf 1,5 Milliarden Dollar, wobei etwa
zwei Drittel dieser ausländischen Investitionen mit ausländischen Mitteln finanziert wurden.

Die ausländischen Direktinvestitionen in den Vereinigten Staaten haben
sich nach Angaben eines New Yorker Marktforschungsinstituts in den letzten zehn
Jahren nahezu verdoppelt und beliefen sich Ende 1972 auf rund 14 Milliarden
Dollar. Nach Ansicht des Instituts deuten alle Anzeichen darauf hin, daß diese
Entwicklung sich in den nächsten zehn Jahren noch beschleunigen wird. Unter
den Begriff Direktinvestitionen fallen nicht die Anlagen ausländischer Investoren
in amerikanischen Wertpapieren, die Ende 1972 rund 38 Milliarden Dollar betrugen.
Die von dem Institut - dem Conference Board - vorgenommenen Erhebungen zeigen
weiter, daß sich die Erträge aus diesen ausländischen Investitionen in den USA

- 1 -

�USA seit 1962 verdreifacht haben und daß etwa die Hälfte dieser Erträge von
den ausländischen Investoren abgezogen wurde.

In Kreisen amerikanischer Anlageberater ist man fast einstimmig der Auffassung, daß gerade im Augenblick der Erwerb amerikanischer Fertigungsunternehmen für Ausländer besonders attraktiv ist. Als Grund hierfür wird das Zusammenfallen einer Reihe besonders günstiger Faktoren angeführt. Einmal, so wird
betont, haben die beiden letzten Dollar-Abwertungen dazu geführt, daß für den
Erwerb amerikanischer Firmen oder die Übernahme einer Beteiligung weit weniger
Devisen erforderlich sind, als dies vor dem August 1971 der Fall war. Aber auch
das niedrige Kursniveau an der New Yorker Börse läßt den Erwerb größerer Aktienpakete und damit die Übernahme einer Beteiligung heute erheblich attraktiver
erscheinen.

Das britische Finanzmagazin "The Economist" stellt in seiner Ausgabe vom
14. Juli 1973 fest, daß die Kurse an der New Yorker Börse seit Jahresbeginn um
rund 16 Prozent gefallen und Aktien, wie General Motors, Ford, Chrysler oder
andere führende Werte besonders günstig erhältlich sind. Für DM, so schreibt

die Zeitschrift, sind amerikanische Firmen heute um rund 30 Prozent billiger
erhältlich

als noch vor zwei Jahren und bei japanischen Yen um circa 25 Pro-

zent. Selbst bei Bezahlung mit britischen Pfund Sterling ergibt sich noch eine
Ersparnis von etwa sechs Prozent.

Ausländische Firmen sind, so betonen diese Kreise, aber auch deshalb am
Erwerb amerikanischer Fabriken interessiert, weil sie hoffen, so etwaige Zollmauern umgehen zu können, die bei einer eventuellen Zunahme protektionistischer
Strömungen in den USA zu Handelsbeschränkungen und damit einer Verschlechterung
ihrer Wettbewerbsposition führen könnten, die sich gerade erst aufgrund der
Dollar-Abwertungen erheblich verbessert hatte. Auch verfügten zahlreiche ausländische Unternehmen bereits vor diesen Dollar-Abwertungen über beträchtliche
Dollarbeträge, so daß sich jetzt für sie die Möglichkeit ergibt, die entstandenen
Abwertungsverluste durch Ankauf amerikanischer Wertpapiere auszugleichen, deren
Kursniveau augenblicklich relativ niedrig ist und bei denen mit einem erheblichen
Kursgewinn gerechnet werden kann, wenn der derzeitige Wirtschaftsaufschwung in
den USA anhält.
Em
- 2-

�Ein weiterer Anreiz für Ausländer zu Investitionen in den USA ist nach
Auffassung dieser Kreise die relativ niedrige Inflationsrate in den Vereinigten
Staaten. Wie die Organisation für Europäische Zusammenarbeit und Entwicklung
(OECD) in ihrem Augustbericht betont hat, war die Inflationsrate in Amerika im
Juni trotz erheblicher Preissteigerungen immer noch eine der niedrigsten aller
nichtkommunistischen Ländern. Die von der OECD veröffentlichten Statistiken
zeigen weiter, daß die Vereinigten Staaten in den Jahren von 1968 bis 1972 im
Durchschnitt eine jährliche Inflationsrate von 4,5 Prozent aufzuweisen hatten,
während sie in der Bundesrepublik 5,9 Prozent und in Japan 4,8 Prozent betrug.

Ein weiterer, für ausländische Investoren interessanter Punkt ist die Tatsache, daß die Arbeitskosten in den USA in der letzten Zeit weit langsamer gestiegen sind als in den meisten anderen großen Industriestaaten. Sie erhöhten
sich zum Beispiel in Japan seit 1967 um 82 Prozent und in der Bundesrepublik
um 85 Prozent, während die Zunahme in den Vereinigten Staaten von 1968 bis
1972 lediglich 16 Prozent betrug. Zu einem großen Teil ist dies natürlich ebenfalls auf die Dollar-Abwertungen zurückzuführen.

Aber auch die Bemühungen der amerikanischen Regierung, durch Lockerung
einzelner Bestimmungen ein günstiges Klima für ausländische Investitionen zu
schaffen, haben ihren Zweck nicht verfehlt.

Diese und andere Entwicklungen haben eine Reihe großer ausländischer
Konzerne veranlaßt, sich entweder über Aktienkäufe oder durch direkten Erwerb
eigene Fertigungsanlagen in den Vereinigten Staaten zu verschaffen. So haben eine
britisch-amerikanische Firma den Warenhauskonzern Gimbel Brothers, Lloyds die
Western Bank and Trust Company of Los Angeles, und die schweizer Firma Nestle
die Stouffer Foods, einen bedeutenden Hersteller von Tiefkühlnahrungsmitteln
übernommen. Der Erwerb der Texasgulf Inc. durch die kanadische Development
Corporation und die Übernahme der Ronson Corporation durch die italienische
Firma Liguigas stehen bevor und Michelin, Siemens, Sony sowie weitere bedeutende
Unternehmen haben angekündigt, daß sie eigene Produktionsanlagen in den Vereinigten Staaten errichten wollen. Aber auch zahlreiche andere holländische,

- 3-

�holländische, schweizer, italienische, kanadische und skandinavische Gesellschaften intensivieren ihr USA-Geschäft. Volvo wie auch die Volkswagen AG
haben ihr Interesse an eigenen Montagewerken in den Vereinigten Staaten bekundet.

+ + + + +

- 4-

�t a m e r i k a dienst
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ARBEITSREICHE WOCHEN FÜR DEN AMERIKANISCHEN KONGRESS
- Die Sommerpause ist auch in Washington vorbei -

Von James S. Aldrich

WASHINGTON - (AD) - Der 93. Kongreß der Vereinigten Staaten, der am
5. September nach seiner einmonatigen Sommerpause wieder zusammentrat, steht
vor arbeitsreichen Wochen, die auch einiges an Konflikten bringen dürften.
Innenpolitischen Zündstoff enthalten vor allem die Fragen der Abgrenzung der
verfassungsmäßigen Rechte des Präsidenten und des Kongresses: das Recht des
Einsatzes amerikanischer Truppen, die Sperrung von Mitteln, die vom Kongreß
bereits bewilligt wurden, die Billigung von Abkommen, die nicht die Natur von
Verträgen haben, usw. Etwas kontrovers dürften auch geplante gesetzliche Bestimmungen für die Finanzierung von Wahlfeldzügen sein. Weitere innenpolitische
Vorlagen betreffen den Bau einer fast 1300 km langen Pipeline durch Alaska,
Massenverkehrsprojekte und schließlich die eventuelle Umstellung der USA auf
das metrische System. Großen Raum werden natürlich Verteidigungsfragen, die
Auslandshilfe und vor allem das neue Handelsgesetz einnehmen.

Von unmittelbarem und aktuellem Interesse werden jedoch die Anhörungen
und Beratungen über die Nominierung von Dr. Henry Kissinger zum Außenminister
der Vereinigten Staaten sein, die bereits am 7. September beginnen sollen und
sich bis in die kommende Woche erstrecken werden.

Auf

- 1-

�Auf dem Gebiet der nationalen Verteidigung steht die Finanzierung wichtiger Projekte im Mittelpunkt, wie die Entwicklung eines neuen Jagdflugzeuges,
des neuen B-1-Bombers, eines neuen Flugzeugträgers mit Nuklearantrieb und der
neuen Unterseeboote des Typs Trident.

Das Repräsentantenhaus hat sich bei der Verabschiedung eines Beschaffungsgesetzes in Höhe von 20,5 Milliarden Dollar geweigert, eine Höchstgrenze für
im Ausland - vor allem in Europa - stationierte Truppen festzulegen. Der Senat
erwägt jedoch eine Kürzung der amerikanischen Streitkräfte in Übersee - wiederum vor allem in Europa - um 150 000 Mann. Die Frage der Stationierung im Ausland wird wohl das schwerste Hindernis für den Vermittlungsausschuß beider
Häuser darstellen, wenn er im Herbst eine gemeinsame Fassung beider Vorlagen
erarbeiten muß.

Auch eine Einigung beider Häuser in der Frage der Auslandshilfe wird
nicht ganz einfach werden. Das Repräsentantenhaus hat bereits eine Vorlage
verabschiedet, die von der Konzeption ausgeht, daß den Menschen selbst - bilateral - geholfen werden soll, während große Entwicklungsprojekte mehr Aufgabe der multinationalen Hilfsprogramme wären. Einige Senatoren - vor allem
der Fraktionsführer der demokratischen Mehrheit, Mike Mansfield, und der einflußreiche demokratische Vorsitzende des Außenpolitischen Ausschusses , William
Fulbright, - treten für eine stärkere amerikanische Beteiligung an multilateralen Hilfsprogrammen ein, während beispielsweise Senator Hubert Humphrey
eine Vorlage unterstützt, die sich den Vorstellungen des Repräsentantenhauses
nähert.

Präsident Nixon hat für das Hilfsprogramm 2,936 Milliarden Dollar angefordert. Die Vorlage des Repräsentantenhauses sieht 2,833 Milliarden Dollar
für diese Programme vor, von denen 1,046 Milliarden Dollar auf die Wirtschaftshilfe, 1,155 Milliarden Dollar auf die Militärhilfe und 632 Millionen Dollar
auf den Wiederaufbau in Indochina nach Beendigung des Krieges in diesem Jahr
sntfallen sollen. Es ist damit zu rechnen, daß der Senat diese Beträge noch
beschneiden wird.
Der

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Der Senat wird außerdem über eine Vorlage abstimmen, die 50,2 Millionen
Dollar für die Tätigkeit des Senders Radio Free Europe und Radio Liberty vorsieht, die die weitere Ausstrahlung von Programmen nach den osteuropäischen
Ländern und der Sowjetunion ermöglichen soll. Nach den Bestimmungen dieser
Vorlage soll ein fünfköpfiges Gremium eingesetzt werden, das die Tätigkeit
der beiden Sender überwacht und die Mittel für ihren Betrieb verteilt.

Senator Fulbright, dessen Ausschuß die Vorlage gegen seine Einwände
billigte, erklärte, daß er einen Zusatzantrag einbringen werde, wonach die
finanziellen Beiträge der amerikanischen Regierung mit Beginn des Jahres
1974 fünfzig Prozent der Ausgaben für die beiden Sender nicht übersteigen
dürften; die restliche Summe sei dann von den europäischen Regierungen und
privaten Quellen aufzubringen.

Das neue Handelsgesetz, das unter anderem Präsident Nixon und seinen Beauftragten die Vollmacht zu Verhandlungen über eine Senkung der Zoll- und
Handelsschranken geben soll, wird voraussichtlich diesen Herbst in der zweiten
Kammer verabschiedet werden. Der Haushaltsausschuß des Repräsentantenhauses
hat seine Beratungen darüber schon fast abgeschlossen. Die endgültige Verabschiedung dürfte Anfang nächsten Jahres erfolgen. Das Haus wird in den nächsten
Wochen auch ein Gesetz über die amtliche Festlegung des Wertes des Dollar in
Gold und Sonderziehungsrechten, die Erlaubnis zum privaten Goldbesitz in den
USA, die Meldepflicht von Währungstransaktionen durch multinationale Firmen
sowie die Forderung nach einer internationalen Währungsreform behandeln. Auch
eine Vorlage über Exportkontrollen für knappe Erzeugnisse (Weizen, Sojabohnen
usw.) steht an.

Völlig umstritten ist eine Vorlage über die Bewilligung der Mittel für
das Außenministerium, da hier durch Zusätze ein Verbot künftiger Stützpunktabkommen mit anderen Ländern - es sei denn mit ausdrücklicher Billigung durch
den Senat - sowie eine Offenlegung der Akten für Kongreßausschüsse vorgesehen
wären. Sollte die Vorlage in dieser Form verabschiedet werden - die Chancen
im Repräsentantenhaus stehen 50 zu 50 - dann ist ein Veto des Präsidenten
sicher. Der Präsident wird sich das in der bisherigen Verfassungspraxis ge- 3-

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J
geübte Recht des Abschlusses von Abkommen nicht nehmen lassen. Der Billigung
durch den Senat bedürfen nur feierliche internationale Verträge im Sinne des
Völkerrechts.
Ob verfassungsrechtliche Fragen oder finanzielle Fragen, Präsident und
Kongreß werden gemeinsam gangbare Wege finden müssen. Weniger Aufregung aber
sicherlich viel Mühe wird mit einer Vielzahl von Vorlagen verbunden sein, die
eine Verbesserung von Pensionsplänen, Wohnbauförderung für sozial schwache
Bevölkerungsschichten, die Schaffung eines Verbraucherschutzamtes, Massenverkehrsprojekte, Maßnahmen bei Rohölverknappung usw. vorsehen.

Was den "Anschluß" der Vereinigten Staaten an das metrische System angeht,
so

ist die

Ausschuß-Behandlung im Repräsentantenhaus praktisch abgeschlossen,

und die Befürworter hoffen auf eine baldige Debatte im Plenum. Der Senat hat
sich allerdings mit diesem Problem überhaupt noch nicht befaßt.

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34/1973

NEUER SEERECHTSVERTRAG VORDRINGLICH

- (AD) - Nach Ansicht der Vereinigten Staaten dürfen die geplanten Verhandlungen über die Formulierung eines neuen internationalen Seerechts nicht
länger hinausgeschoben werden, nachdem am 24. August 1973 die sechste und
letzte vorbereitende Konferenz in Genf zu Ende gegangen ist. An dieser Tagung
des UN-Komitees für den Meeresboden nahmen die Vertreter von 91 Ländern teil.
Die eigentlichen Verhandlungen über den neuen Seerechtsvertrag sollen im April
*

1974 in Santiago de Chile beginnen. Die Vollversammlung der Vereinten Nationen
wird im November in New York eine Organisationssitzung abhalten, auf der auch
die zuständigen UN-Vertreter gewählt werden sollen.

Schon vor drei Jahren machte Präsident Nixon darauf aufmerksam, daß in der
Unzulänglichkeit des geltenden Seerechts die Wurzel zu möglichen internationalen
Konflikten liege. Der Meeresboden-Ausschuß der Vereinten Nationen, der sich
bisher mit den daraus erwachsenden Problemen befaßte, vermochte jedoch keine
Einigung über neue Formulierungen zu Fragen wie der Ausdehnung der Hoheitsgewässer, der Durchfahrt durch Meerengen, Navigation, Schutz der marinen Umwelt,
Meeresforschung, wirtschaftliche Anrechte von Küstenstaaten auf Gebiete jenseits der Hoheitsgrenze auf See oder eine internationale Verfügungsgewalt und
Behörde für den Meeresboden außerhalb nationaler Hoheitsgrenzen zu erzielen.
Dies veranlaßte eine Reihe von Nationen, vor Beginn der eigentlichen Konferenz
die Einlegung einer siebten Vorverhandlungsrunde zu fordern.

Damit

-

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-

�Damit würden die allgemeinen Verhandlungen über ein neues Seerecht wieder
hinausgeschoben, was John R. S. Stevenson, der Leiter der US-Delegation für
die Meeresbodenkonferenz, wegen der dann zu erwartenden Fortsetzung der von
mancher Seite praktizierten Willkürhandlungen auf See und der unsicheren Situation für zahlreiche Staaten für gefährlich hält.

Schon während der sechsten Verhandlungsphase gab Mr. Stevenson zu verstehen, daß zwar die ganze Welt daran interessiert sei, wenigsten "Mindestvereinbarungen" über die wichtigsten Fragen zu erreichen, daß es jedoch "keine befriedigende Alternative zu einem internationalen Abkommen gibt." Dieses könne
nur funktionsfähig sein, wenn darin die Interessen aller Nationen im größtmöglichen Umfang berücksichtigt werden. Ein nur mit Stimmenmehrheit angenommener
Vertrag wäre wenig sinnvoll, weil sich dann möglicherweise einflußreiche Länder,
die ihn ablehnen, nicht an seine Bestimmungen halten.

Zu den noch ungelösten alten Problemen, die seit der letzten großen
Konferenz im Jahr 1960 mitgeschleppt werden, sind durch die neuen Nutzungsmöglichkeiten für die Weltmeere weitere hinzugekommen. Etwa 50 Prozent der Erdölvorkommen der Welt werden im Meeresboden vermutet. Die wichtigsten Reserven
der Zukunft für Kupfer und Nickel sieht man in den Manganknollen-Teppichen, die
auf dem Grund der Tiefsee - außerhalb nationaler Hoheitsgewässer - liegen. Industrie- und Entwicklungsländer, seefahrende Nationen und Binnenstaaten sind
an ihrer Ausbeutung interessiert, für die nun ein für alle akzeptabler Modus
gefunden werden muß. Manche Entwicklungsländer fordern, daß einer internationalen
Behörde das ausschließliche Abbaurecht für die Tiefsee-Mineralien übertragen
werden und daß diese Behörde entscheidet, wer die Vorkommen in welchem Umfang
abbauen dürfe. Industrienationen wie die USA dagegen sind der Auffassung, die
Behörde solle im Rahmen eines Lizenzierungs- und Verordnungssystems die Abbauaktivität regeln und dafür Sorge tragen, daß die internationale Gemeinschaft
in erster Linie durch die Verteilung von Gewinnen und Angebote auf technische
Hilfe Nutzen davon habe.

Mit der starken Ausweitung des Schiffsverkehrs und der industriellen Aktivität im ozeanischen Raum nimmt die MeeresVerschmutzung und die Gefährdung der

�der marinen Umwelt zwangsläufig ernste Ausmaße an, wenn dieser Entwicklung
nicht durch Maßnahmen auf internationaler Ebene Einhalt geboten wird. Den
organisatorischen Rahmen dazu soll eine Konferenz von UN-Mitgliedstaaten erarbeiten, die am 4. September 1973 begann.

Auch die Hochseefischerei gibt immer wieder Anlaß zu Streitigkeiten. Die
Vereinigten Staaten nehmen den Standpunkt ein, daß Küstenländer

das erste An-

recht an Fischbeständen in ihren jeweiligen wirtschaftlichen Interessengebieten
vor der Küsten haben. Bei Fischarten wie Lachs, die in küstennahen Flüssen
laichen, aber Wanderzüge über Tausende von Seemeilen unternehmen, sollten dem
Herkunftsland die Fangrechte vorbehalten sein, während für andere Spezies wie
Thunfisch, die ebenfalls Wanderzüge über große Entfernungen unternehmen, eine
internationale Kontrolle vorzusehen ist. Dies alles sind nur Einzelbeispiele
für die Unmenge von Fragen und Probleme, die mit der Formulierung eines neuen
Seerechts aus der Welt geschafft werden sollen.

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34/1973

ULTRAVIOLETTEINSTRAHLUNG UND HAUTKREBS-HÄUFIGKEIT
Umfangreiche Studie in den USA in Angriff genommen

- (AD) - Seit langem wird vermutet, daß ein Zusammenhang zwischen Ultravioletteinstrahlung der Sonne und Hautkrebs besteht. Um diesen nach Möglichkeit auch beweisen und definieren zu können, installierten kürzlich Wissenschaftler der US-Behörde für Meeres- und Atmosphärenforschung (NOAA) ein Netz
von Meßgeräten, mit denen die jeweilige Menge der ultravioletten Einstrahlung
ermittelt und die Ozonschicht in der Atmosphäre sondiert wird. Gleichzeitig
wird mit Hilfe besonders empfindlicher Dosimeter, die die Reaktion der Hautrötung beim Menschen unter Sonneneinstrahlung nachvollziehen, das Auftreten
und der Grad von "Sonnenbrand" in den von der Überwachungsaktion erfaßten Gebieten registriert. Denn der Verdacht, daß jener Strahlungsanteil des Sonnenlichts, der zu Sonnenbrand führt, auch die Entwicklung von Hautkrebs begünstigt,
scheint nicht unbegründet zu sein.
Die NOAA-Wissenschaftler arbeiten bei diesem Projekt eng mit dem Nationalen
Krebsforschungsinstitut, einer Abteilung der Medizinischen Bundesforschungsanstalten der USA (NIH) sowie der Temple-Universität in Philadelphia (Pennsylvanien)
und dem Nationalen Wetterdienst zusammen. Die Studie wird z.T. vom US-Verkehrsministerium finanziert, das durch sein Sonderprojekt zur Bewertung klimatischer
Einflüsse ("Climatic Impact Assessment Program") die möglichen Auswirkungen von
Abgasen sehr hochfliegender Flugzeuge auf das Klima

und die normale Struktur

der Atmosphäre zu ergründen sucht.
Das
- 1 -

�Das US-Verkehrsministerium ist deshalb an der Studie besonders interessiert, weil immer wieder die Befürchtung geäußert wird, daß künftige Flotten
von Überschall-Transportflugzeugen und Passagiermaschinen, die zur Erreichung
von Überschallgeschwindigkeiten in großen Höhen fliegen müssen, die schützende
Ozonschicht "verdünnen" oder gar zerstören könnten. An der Erdoberfläche würde
man sehr viel größere Mengen von ultravioletter Strahlung empfangen, wenn diese
nicht von der Ozonschicht absorbiert würde.
Dr. Lester Macha, der Direktor des NOAA-Instituts für Atmosphärenforschung
in

Boulder (Colorado), erklärte in diesem Zusammenhang, daß man genau ermitteln

wolle, wie sich die Sonnenbrand verursachende Sonnenstrahlung mit der geographischen Breite, mit dem Ozongehalt der Luft, mit Staub- und Aerosolkonzentrationen in der Atmosphäre sowie mit verschiedenen meteorologischen Faktoren
verändert. Diese Informationen werden zu Daten in Beziehung gesetzt, die das
Nationale Krebsforschungsinstitut über Art, geographische Verteilung und Häufigkeit von Hautkrebs zusammenstellt.

Die Spezialinstrumente messen Ultraviolettstrahlung im Wellenlängenbereich zwischen 2800 und 3200 Sngström. Der Teil des Spektrums, der Hautkrebs
verursacht, ist allerdings nicht genau bekannt. Jedoch ist anzunehmen, daß
exakte Beobachtungen der unter bestimmten Einstrahlungsbedingungen auftretenden
Hautrötung (eine Folge von Überfüllung und Verstopfung der Kapillaren) und
gründliche Erhebungen zur Frage "Sonnenbrandreaktionen der Haut und Hautkrebs"
die Wissenschaft ein gutes Stück voranbringen werden.

Auffallend ist, daß in südlichen Breiten Hautkrebs häufiger vorkommt
als in den gemäßigten und polnäheren Breiten. Im allgemeinen sprechen diese
Formen von Krebs gut auf Behandlung an und sind nicht lebensbedrohlich. Dennoch
warnen der öffentliche Gesundheitsdienst der USA und die "American Cancer
Society" immer wieder vor dem ausgedehnten Sonnenbad, um einen der möglichen
Faktoren für die Entstehung von Hautkrebs auszuschalten.

Parallel zu den beschriebenen Untersuchungen laufen unter Verwendung der
'.', .eichen Instrumente verschiedene Studien, mit denen man eine Reihe anderer

�anderer biologischer Reaktionen auf Ultraviolettlicht untersuchen will.
Eines dieser Forschungsgebiete ist die Aufdeckung von Zusammenhängen zwischen
Pflanzenwachstum und UV-Einstrahlung. An diesen Projekten sind jedoch keine
NOAA-Wissenschaftler beteiligt.

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34/1973

MINI-APPARATUR SOLL BAUCHSPEICHELDRÜSE ERSETZEN

- (AD) - Wissenschaftler des "Joslin Research Laboratory" in Boston
(Massachusetts) entwickelten und erproben derzeit eine Apparatur, die wichtige Funktionen der Bauchspeicheldrüse übernehmen soll. Wie Dr. J. Stuart
Soeldner, Forschungsdirektor des Instituts, in einem Interview mit der "Stimme
Amerikas" erklärte, handelt es sich dabei um ein winziges, implantierbares
Gerät, das fortlaufend den Blutzuckerspiegel ermitteln und entsprechend des
jeweiligen Meßwertes eine Mikrodosis von Insulin in den Körper des Diabetikers
einschleusen soll.

Durch dieses neue Behandlungsverfahren versucht man die beim LangzeitDiabetes häufig auftretenden Komplikationen wie Nierenversagen, Herz- und
Gefäßleiden - oft verbunden mit einer immer stärkeren Beeinträchtigung der
Sehfähigkeit - zu mildern oder ganz auszuschalten. Sie ergeben sich im Laufe
der Zeit, weil der Diabetiker bei der herkömmlichen Behandlung mit InsulinInjektionen einfach nicht in der Lage ist, den Blutzuckerspiegel ständig innerhalb der günstigsten, normalen Grenzwerte zu halten.

Das Projekt der Forschergruppe um Dr. Soeldner, an dem auch zwei Raumfahrtwissenschaftler (Dr. Chang und Dr. Eisenberg) beteiligt sind, befindet
sich noch im Experimentierstadium. Aber die Wissenschaftler sind sehr optimistisch, daß es ihnen gelingen wird, die "künstliche Bauchspeicheldrüse"
so klein zu halten, daß die Apparatur ohne Schwierigkeit im Unterhautgewebe
am Magen implantiert und ihr Insulinvorrat von außen regelmäßig ergänzt
werden kann.
Dr. Soeldner

�Dr. Soeldner verweist darauf, daß 2, 3 und selbst 4 Insulinspritzen pro
Tag keine Garantie dafür bieten, den Blutzuckerspiegel normal zu halten."Mit
der Funktionstüchtigkeit der gesunden Bauchspeicheldrüse, insbesondere ihrer
Beta-Zellen in den sogenannten Langerhansschen Inseln, konnte sich bisher auch
die beste Therapie mit einer stets aufs Sorgfältigste vorgenommenen Insulineinstellung nicht messen. Es habe, so Dr. Soeldner, den Anschein, als ob die
Beta-Zellen, die das Insulin produzieren, speichern und freisetzen, auch die
Fähigkeit hätten, kontinuierlich den Blutzuckerspiegel zu messen. Und entsprechend dem jeweiligen "Meßwert" geben sie ebenso kontinuierlich die Menge
Insulin ab, die zur Aufrechterhaltung des Normalwertes erforderlich ist.

Die fortlaufende Ermittlung des Glukose-Spiegels ist die eine Schlüsselfunktion der neuen Apparatur, die Freigabe der entsprechenden Menge Insulin
aus dem Nachfüllbehälter die zweite. Der dafür erforderliche Mechanismus wurde
von Dr. Chang und Dr. Eisenberg entwickelt. Er sollte ohne bewegliche Teile
und mit minimalem Energieaufwand funktionieren; außerdem durfte er keinerlei
toxische Verbindungen enthalten oder erzeugen. Das Nachfüllen, das vorläufig
einmal pro Tag erfolgt, soll mit weiterer Vervollkommnung der Apparatur später
auf einmal pro Woche beschränkt werden können. Der Blutzuckerspiegel des
Patienten soll auf diese Weise zu jeder Tages- und Nachtzeit auf dem Normalstand gehalten werden. Wahrscheinlich bedeutet das für ihn auch die Einhaltung
einer weniger strikten Diät - von der Befreiung von ernsten Komplikationen
einmal ganz abgesehen.

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