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DokumÖntotJOn

08-85432

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29. August

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Nixon gibt Wechsel Im US-Außenministerium bekannt
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. AugustSchriftwechsel zwischen Nixon und Rogers
-WortlautKissinger-Pressekonferenz vom 23. August
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Weltwirtschaftskonferenz in Tokio vor großen Aufgaben
-US-Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway
Amerikanische Vorstellungen über das Weltwährungssystem
-US-Finanzministerium veröffentlicht HintergrundmaterialUSA werden auf Modifizierung der EG-Agrarpolitik drängen
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungUS-Handelsbilanz verbessert sich weiterhin

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Spurenelemente
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss
SKYLAB-Beobachtungen
Zellen unter dem Protonen-Mikroskop

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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33/1973

NIXON GIBT WECHSEL IM US-AUSSENMINISTERIUM BEKANNT
-Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. August-

SAN CLEMENTE, Kalifornien —(AD).-- Präsident Nixon hat auf einer Pressekonferenz am 22. August den Rücktritt von Außenminister William P. Rogers mit
Wirkung vom 3. September bekanntgegeben und gleichzeitig mitgeteilt, daß
er dem Senat die Nominierung seines Berates für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, als Nachfolger von Rogers zur Bestätigung zugeleitet habe.
Die Erklärung des Präsidenten hat folgenden Wortlaut:
"Nicht nur mit dem Ausdruck des tiefen amtlichen Bedauerns, sondern
auch des tiefen persönlichen Bedauerns, gebe ich den Rücktritt von Außenminister William Rogers zum 3. September bekannt. Ein Schreiben, das im Anschluß an diese Pressekonferenz veröffentlicht werden wird, läßt erkennen,
wie hoch ich seine Arbeit als Außenminister einschätze. Ich möchte heute nur
darauf hinweisen, daß er bereits nach den ersten vier Jahren, zurücktreten
wollte. Er willigte ein, weiter in seinem Amt zu bleiben, weil einige ungeheuer wichtigen Probleme anstanden, einschließlich der Verhandlungen, die
zur Beendigung des Krieges in Vietnam führten, des Moskauer Gipfeltreffens,
der Europäischen Sicherheitskonferenz, wie auch Probleme in anderen Gebieten

�Gebieten - Lateinamerika und Asien - wo der Außenminister, wie Sie wissen,
in den letzten acht Monaten sehr rege tätig war.
Wenn er jetzt ins Privatleben zurückkehrt, dann werden wir ihn nicht
nur in seiner amtlichen Eigenschaft vermissen, sondern ich werde ihn auch
persönlich vermissen, denn er ist mir im Laufe der Jahre ein sehr enger persönlicher Freund und Berater gewesen. Diese persönliche Freundschaft und Beratung wird mir, wie ich hoffe und wie ich weiß, jedoch erhalten bleiben.
Als seinen Nachfolger werde ich Dr„ Henry Kissinger nominieren, und die
Nominierung zur Bestätigung dem Senat zuleiten. Drc Kissinger wird Außenminister werden und sein Amt antreten, nachdem er vom Senat bestätigt worden
ist.
Ich hoffe, daß der Senat ohne Verzug mit den Anhörungen zur Bestätigung
voranschreiten wird, da

eine Reihe von Angelegenheiten von großer Bedeutung

ansteht.,

•

So liegen beispielsweise einige Aufgaben vor, die Auslandsreisen von
Dr. Kissinger verlangen; sie müßten verschoben werden, wenn der Senat mit
seinen Anhörungen in Verzug gerät. Die Eignungen Dr. Kissingers für seinen
Posten sind Ihnen, meine Damen und Herren, wie ich glaube ebenso gut bekannt,
wie all jenen, die uns jetzt an Rundfunk und Fernsehen zuhören und zusehen.
Er wird auch als Außenminister seinen Posten als Berater des Präsidenten für
Fragen der Nationalen Sicherheit beibehalten. Er wird mit anderen Worten eine
ähnliche Beziehung zum Weißen Haus haben wie George Shultz. Wie Sie wissen,
ist George Shultz Finanzminister und gleichzeitig Berater des Präsidenten für
Wirtschaftliche Angelegenheiten.
Der Zweck dieser Einteilung besteht darin, eine engere Koordinierung
zwischen dem Weißen Haus und den Ministerien sicherzustellen - in diesem Fall
zwischen dem Weißen Haus, dem Nationalen Sicherheitsrat und dem Außenministerium, das die Hauptarbeit auf diesem Gebiet leistet. Ein weiterer Zweck

-2-

�Zweck besteht darin, die Arbeit den Ministerien zuzuleiten, in die sie
gehört, und ich bin überzeugt, daß diese Änderung in dieser Hinsicht - wenn
also Dr. Kissinger das Amt des Außenministers übernimmt und seinen Posten
als Berater des Präsidenten für Fragen der Nationalen Sicherheit beibehält nicht nur den Interessen einer besseren Koordinierung, sondern auch den Interessen einer effektiven Außenpolitik dient.
Ich möchte abschließend bezüglich Außenminister Rogers nur noch sagen,
daß er - und das mag jetzt wie Eigenlob klingen, aber ich sage es jetzt um
seinetwillen und nicht um meinetwillen - auf eine der, wie ich meine,

er-

folgreichsten Zeitspannen der Außenpolitik irgendeiner Administration in
der Geschichte zurückblicken kann - eine Ära, in der wir den längsten Krieg
in der Geschichte Amerikas beendet haben, eine Ära, in der wir darüber hinaus begonnen haben, ein Gebäude des Friedens zu errichten - vor allem im
Hinblick auf die beiden Großmächte, die Volksrepublik China und die Sowjetunion, wo wir zuvor nichts anderes vorfanden als eine häßliche und manchmal sehr, sehr schwierige Konfrontation. Wir haben immer noch einen weiten
Weg vor uns. Es gibt noch Unruheherde im Gebiet des Nahen Ostens und andere,
wie in Südostasien, auf die wir hier näher eingehen könnten. Aber wenn Außenminister Rogers auf seine Jahre - viereinhalb Jahre - im Amt zurückblickt,
dann darf er sehr stolz darauf sein, daß er einer der Hauptarchitekten einer
meiner Meinung nach sehr erfolgreichen Außenpolitik gewesen ist."

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33/1973

SCHRIFTWECHSEL ZWISCHEN NIXON UND ROGERS
»Wortlaut-

WASHINGTON -«(AD)«"« Der Schriftwechsel zwischen Präsident. Nixon und dem ausscheidenden Außenminister William P. Rogers, der am 22. August vom Weißen
Haus veröffentlicht wurde, hat folgenden Wortlaut:
(Schreiben Nixons )
Lieber Bill:
Nur mit größtem Zögern und Bedauern nehme ich Ihren Rücktritt als
Außenminister an.
Ich kann es nicht, ohne dankbar an das Viertel Jahrhundert unserer persönlichen Freundschaft zurückzudenken, an gemeinsam geschlagene Schlachten
und gemeinsam durchgestandene Krisen und an Ihre unerschütterliche Zuversicht, Ihr gutes Urteil und Ihren klaren Kopf.
Ich erinnere mich noch lebhaft, daß Sie der erste waren, an den ich mich
um Rat und Beistand wandte, als ich 1955 die schreckliche Nachricht von Präsident Eisenhowers Herzanfall erhielt, und ich erinnere mich, wie viel mir
Ihre Ruhe, Ihr vernünftiger Zuspruch bedeutete, als ich in dieser Stunde der
Prüfung das Rechte tun wollte. Aber das war nur einer der vielen Fälle zuvor
und danach, bei denen ich mich instinktiv um Rat an Sie gewandt und mich in

-1-

�in jenen kritischen Momenten, die die wahre Bewährungsprobe nicht nur für
die Freundschaft eines Mitarbeiters, sondern auch für seinen Charakter sind,
so sehr auf Ihr Urteil verlassen habe.
Nur wenige Männer haben so viel von sich selbst für Ihr Land gegeben
wie Sie mit Ihren acht Jahren hervorragender Tätigkeit als Stellvertretender
Justizminister und Justizminister während der Eisenhower-Administration und
jetzt mit der viereinhalbjährigen Übernahme der schweren Verantwortung

als

Außenminister, und zwar in einer besonders entscheidenden Zeit in der Entwicklung der amerikanischen Außenpolitik. Ihr Einsatz war immer von völliger Hingabe und Selbstlosigkeit gekennzeichnet. Die Nation schuldet Ihnen ein gewaltiges Maß an Dank.
Als Außenminister haben Sie unser Land im Ausland mit großem Geschick
vertreten..Sie haben eine historische Rolle in der Formulierung und Verwirklichung jener Politik gespielt, die nach meiner Überzeugung, und - wie ich
weiß m auch nach Ihrer Überzeugung, auf lange Sicht ein Gebäude des Friedens
in der Welt erstellen kann, das bis weit in die Zukunft Bestand haben und es
ermöglichen wird, daß Meinungsverschiedenheiten unter Nationen am Verhandlungstisch statt auf dem Schlachtfeld beigelegt werden. Das ist eine Leistung,
auf die Sie ungeheuer stolz sein können, so wie ich auf den entscheidend
wichtigen Beitrag unendlich stolz bin, den Sie dazu geleistet haben.
Nicht nur in der Außenpolitik, sondern auch in dem weiten Bereich anderer Fragen, in denen ich Ihren Rat suchte, ist mir dieser mit Offenheit und
Mut und mit beispielhafter Einsicht gegeben worden. Ich habe das außerordentlich geschätzt, und die Nation ist dank Ihres Dienstes weit besser daran
- einer Dienstleistung, die - wie ich weiß--.rr.it großen persönlichen Opfern
verbunden war.
Pat (Mrs. Nixon) wünscht Ihnen und Adele (Mrs. Rogers) ebenso wie ich
für die kommenden Jahre alles Gute, und wir hoffen, daß wir uns auch weiterhin recht oft sehen werden.
Mit herzlichsten Grüßen
hochachtungsvoll
gez. Richard Nixon
-2-

�(Schreiben Rogers')

Sehr geehrter Herr Präsident:
Ich erkläre

hiermit meinen Rücktritt vom Posten des Außenministers mit

Wirkung vom 3. September 1973.
Wegen unserer persönlichen Freundschaft, die sich über einen so langen
Zeitraum erstreckt hat, tue ich diesen Schritt mit einiger Trauer. Sie werden
sich jedoch erinnern, daß ich bei der Annahme des Amtes den festen Entschluß
gefaßt hatte, mit dem Ende Ihrer ersten Amtszeit in die private Anwaltspraxis
zurückzukehren. Aus verschiedenen dringenden Gründen jedoch, vor allem wegen
der Abschlußphase unseres Engagements im Vietnamkrieg, des unsicheren Waffenstillstandes im Nahen Osten, der Anfangsphase der Konferenz über Sicherheit
und Zusammenarbeit in Europa und wegen der Notwendigkeit, unseren Beziehungen
zur NATO, CENTO, zu Japan, Südkorea und unseren lateinamerikanischen Verbündeten unmittelbare Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, wurde vereinbart, daß ich
noch eine Zeit im Amt bleiben sollte.
Jetzt, da die Vereinigten Staaten ihren langen Krieg in Indochina beendet
haben, da der Waffenstillstand im Nahen Osten auf seinen dritten Jahrestag
zurückblickt, da die erste Phase der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa in befriedigender Weise zu Ende gegangen ist und unsere Beziehungen zu unseren Verbündeten wie auch zur Sowjetunion und der Volksrepublik China auf einer guten Grundlage stehen, glaube ich, daß die Zeit für einen
Wechsel gekommen ist.
Es ist für mich ein großes Privileg und eine große Ehre gewesen, daß ich
der Nation während der vergangenen viereinhalb Jahre als Außenminister habe
dienen können. Unter Ihrer starken und wirksamen Führung ist der Kurs unserer
Außenpolitik außerordentlich erfolgreich verlaufen. Aufgrund Ihrer Politik,
Ihrer Initiative und

Entschlußkraft sowie der loyalen Unterstützung und Hilfe

von vielen anderen, darunter jene im State Department, mit denen es mir vergönnt war

zusammenzuarbeiten, ist die Welt zu einer weitaus friedlicheren

Stätte geworden,als sie es vor viereinhalb Jahren war.

-3-

�I
Unter Ihrer Führung sind wir auf dem Wege zur Errichtung eines Gefüges
internationaler Beziehungen, das die Hoffnung auf Frieden und Stabilität
für künftige Generationen bietet. Die Vollendung dieser Aufgabe vor allem
ist es, die für die gesamte Menschheit so wichtig ist und die weiterhin eine
große Unterstützung seitens der Öffentlichkeit während des Restes Ihrer
Amtszeit erfordert.
Nehmen Sie bitte meinen Dank und das tiefe Gefühl der Wertschätzung
dafür entgegen, daß Sie mir die Chance gaben, meinem Lande in diesen entscheidenden und wichtigen Jahren in der Geschichte unserer Nation dienen zu
können. Adele (Mrs. Rogers) schließt sich meinen herzlichsten persönlichen
Grüßen an Sie und Pat (Mrs. Nixon) an.

Hochachtungsvoll
gez. William P. Rogers

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33/1973

KISSINGEEUPRESSEKONFERENZ VOM 23, AUGUST
»Auszüge»

SAN CLEMENTE, Kalifornien ~.»(AD)~« Der designierte amerikanische Außenminister Dr. Henry Kissinger hat am 23 August auf einer Pressekonferenz seine
Vorstellungen von der künftigen Amtsführung, dem Verhältnis zwischen Exekutive und Legislative und den außenpolitischen Zielen der Vereinigten Staaten allgemein dargelegt,, Nach einer einführenden Erklärung nahmen Fragen
nach der Situation in Kambodscha und dem Einfluß innenpolitischer Probleme
auf die Außenpolitik einen großen Raum ein.
Wir geben im folgenden wesentliche

Auszüge aus der Eingangserklärung

und die Fragen im Wortlaut wieder, die sich mit Europa befassen.
"Zunächst möchte ich betonen, daß mir der Präsident mit meiner Nominierung eine große Ehre erwiesen hat...
Nun möchte ich etwas zu dem sagen, was vor uns liegt. Jede Administration möchte eine bessere Welt hinterlassen, als sie vorgefunden hat, und
die wichtigste Aufgabe, vor der unser Land auf dem Gebiet der Außenpolitik
steht, ist die Herbeiführung eines stabilen Friedens.
Während der ersten Amtsperiode des Präsidenten wurden viele wichtige
und revolutionierende Änderungen vorgenommen. Diese erforderten zu einem

-1-

�einem großen Teil Geheimdiplomatie, und sie wurden von einem recht begrenzten
Kreis durchgeführt. Heute sind wir jedoch in einer anderen Phase. Die Grundlagen, die gelegt worden sind, müssen jetzt zum Bau eines dauerhafteren Gebäudes führen. Das Begonnene ist noch immer sehr zerbrechlich.
Wenn Sie zurückdenken, dann ist es erst drei Jahre her, daß wir gleichzeitig Krisen im karibischen Raum, im Nahen Osten und in Berlin erlebten.
Es ist nur zwei Jahre her, daß wir die Beziehungen zur Volksrepublik China
anknüpften, und in der gleichen Periode haben die Beziehungen zu unseren
traditionellen Freunden einen tiefgreifenden Wandel durchgemacht.
Was wir also versuchen werden, ist eine Festigung des Begonnenen, mehr
Nachdruck auf unsere Beziehungen zu Europa und Japan zu legen und während
dieser Amtszeit des Präsidenten den Aufbau eines Gebäudes abzuschließen, das
wir an nachfolgende Administrationen übergeben können, damit bei ihrer Amtsübernahme die Welt ein sichererer Ort sein wird.
Dies wird allerdings eine stärkere Institutionalisierung der Außenpolitik erfordern als bisher. Eine der Anforderungen bei der Übernahme des Außenministeriums wird in der Fähigkeit bestehen, mit den ausgezeichneten Fachleuten zu arbeiten,die noch da sein werden, wenn diese Administration ihre Amtszeit beendet hat, und die, wie zu hoffen steht, die wertvollen Traditionen
fortsetzen werden, die bis dahin geprägt sein werden...
Der Stab des Nationalen Sicherheitsrates wird weiterhin eine interministerielle Rolle spielen. Es wird einen stärkeren personellen Austausch zwischen dem Außenministerium und dem Nationalen Sicherheitsrat geben, als dies
bisher möglich war. Die Einzelheiten dazu möchte ich jedoch bis nach meiner
Bestätigung verschieben.
Ein weiterer wichtiger Aspekt der Institutionalisierung der Außenpolitik
wird darin bestehen, den Kongreß in eine enge Partnerschaft zur Entwicklung,
Planung und Durchführung unserer Außenpolitik zu bringen.
Gestern

-2-

�Gestern habe ich jedes Mitglied des Außenpolitischen Ausschusses des Senats und wichtige Mitglieder des Außenpolitischen Ausschusses des Repräsentantenhauses angerufen und ihnen all das dargelegt, was ich Ihnen, meine
Damen und Herren, heute vortrage.
Die Außenpolitik dieser Administration ist nicht auf parteipolitischer,
sondern auf nationaler Basis angelegt, und es ist von entscheidender Bedeutung, daß der Kongreß voll begreift, was wir zu tun beabsichtigen. Selbst in
meiner gegenwärtigen Stellung als Berater des Präsidenten bin ich regelmäßig
mit dem Außenpolitischen Ausschuß des Senats zusammengetroffen...
Es sind Fragen aufgetaucht, ob die doppelte Position des PräsidentenBeraters und Außenministers mich veranlassen könnten, das Exekutivprivileg
in Anspruch zu nehmen. Darf ich Ihnen heute darauf antworten: Der Zweck der
Kombination der beiden Positionen ist, wie der Präsident gestern betont hat,
ein Versuch, die Gestaltung der Politik vom Weißen Haus in das Außenministerium zu verlegen, und sie damit der Kontrolle durch den Kongreß und die Öffentlichkeit zugänglicher zu machen.
Ich gehe daher davon aus, daß ich in allen Fragen (vor dem Kongreß) aussagen werde, in denen traditionsgemäß Außenminister ausgesagt haben... Ich
wäre jedoch nicht in der Lage, über persönliche Gespräche zwischen dem Präsidenten und mir oder über direkte Ratschläge auszusagen, die ich dem Präsidenten gegeben habe - aber ich könnte darüber ohnehin nichts aussagen, und bisher ist auch noch nie ein Kabinettsmitglied aufgefordert worden, etwas über
Gespräche mit dem Präsidenten auszusagen. Die Absicht des Präsidenten geht
auf jeden Fall dahin, die dem Kongreß verfügbare Information zu vermehren...
Die Absicht des Präsidenten und meine Absicht bestehen ferner darin, eine
neue und volle Partnerschaft mit dem Kongreß zu entwickeln, was die Gestaltung einer Politik angeht, die im nationalen Interesse liegt, und jetzt, da
der Vietnam-Krieg hinter uns liegt - und damit die Hauptursache der Spaltung
in diesem Lande über die Außenpolitik - wissen wir, daß wir in der Lage sein

-3-

�sein werden, ein solches Arrangement mit den Mitgliedern der Kongreßausschüsse
und mit all denen, die ich persönlich kenne und mit denen ich in der Vergangenheit zusammengearbeitet habe, auszuarbeiten.
Und nun noch ein Wort über das Verhältnis des Außenministeriums und unserer Außenpolitik zur Öffentlichkeit. Wenn wir den dauerhaften Frieden erreichen wollen, den wir anstreben, und wenn wir eine außenpolitische Tradition
hinterlassen wollen, die in den nachfolgenden Administrationen von einer unparteilichen Basis getragen wird, dann haben wir die Pflicht, unsere Anschauungen und Zielsetzungen und politischen Entscheidungen der Öffentlichkeit zu
erläutern, und ich habe die Absicht, nach meiner Bestätigung führende Persönlichkeiten der meinungsbildenden Elemente in diesem Lande ins Außenministerium
einzuladen, damit sie uns beraten, wie wir diese Aufgabe am wirkungsvollsten
lösen können.
Wir werden unser Bestes tun, unsere Außenpolitik so offen zu führen,
wie es mit dem uns allen gemeinsamen Ziel vereinbar ist, nämlich einen dauerhaften Frieden herbeizuführen. Das über allem stehende Ziel einer jeden Administration muß,wie ich bereits zu Anfang gesagt habe, sein, die Fluktuationen der täglichen Schlagzeilen von den dauerhafteren Leistungen zu unterscheiden. Und jeder ernsthafte Mensch wird wissen und daran denken, daß das, an was
man sich bei jeder Administration erinnern wird, die Dinge sein werden, die
Bestand haben und zum Wohle unserer Kinder beitragen werden. Und ich kann nur
sagen, daß wir alle Anstrengungen machen werden, um eine friedlichere Welt zu
hinterlassen und ein besseres Amerika - und das ist alles, was ich heute sagen
möchte...
Frage: Herr Dr. Kissinger, ein Sprecher des französischen Staatspräsidenten sagte gestern, daß er zwar einen Besuch begrüßen würde, daß er aber
meine, daß es sich mehr um einen Informationsaustausch handeln würde und daß
es wirklich kein Abkommen auszuarbeiten gäbe und daß er ausdrücklich gegen die
atlantische Gipfelkonferenz sei, die Sie anstrebten. Wie beeinflußt das aus
Ihrer Sicht das Jahr Europas?
Antwort:

�Antwort: Die europäischen Außenminister kommen im September zusammen,
um eine europäische Antwort auf unseren Vorschlag auszuarbeiten. Ich glaube,
daß ich hier nicht Stellung nehmen sollte, bevor wir wissen, wie ihre Antwort aussehen wird, denn es gibt in Europa viele Ansichten.
Frage: Herr Dr. Kissinger, wann plant der Präsident nach Europa zu
reisen, und wie sind heute die Aussichten für eine Art von Grundsatzerklärung,
während er dort ist?
Antwort: Die Frage ist, wann wird der Präsident voraussichtlich nach
Europa reisen, und wie sind die Aussichten für eine Grundsatzerklärung, während er dort ist.
Die Entscheidung über den Zeitpunkt wird nach dem Treffen der europäiischen Außenminister getroffen werden, das im September stattfindet, und bei
dieser Gelegenheit wird er auch beantworten können, was sich ergeben wird;
aber wir gehen davon aus, daß eine Reise des Präsidenten nach Europa um eines
bedeutsamen sachlichen Ergebnisses wegen stattfinden muß und es sich nicht
einfach um eine Galatour handeln darf."

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WELTWIRTSCHÄFTSKONFERENZ IN TOKIO VOR GROSSEN AUFGABEN
-US~Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes aufVon John Holway

WASHINGTON —(AD)-- Wenn am 12. September in Tokio die Mitglieder des Allgemeinen Zoll~und Handelsabkommens (GATT) auf Ministerebene zusammenkommen,
um sich mit Problemen des Handels zu befassen, dann wird der Ausgang dieser dreitägigen Konferenz von entscheidender Bedeutung nicht nur für das
Verhältnis Europa-Amerika, sondern für die Zukunft der Weltwirtschaft
insgesamt sein.
Der amerikanische Chefdelegierte und Sonderbeauftragte Präsident
Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter William Eberle, sieht immerhin einen Lichtblick darin, daß eine Reihe schwieriger Fragen vorgeklärt
werden konnte - auch wenn noch zahlreiche tiefgreifende Meinungsverschieden™,
heiten herrschen. So hat man sich schließlich auf die Parallelität der Handelsverhandlungen und der Währungsverhandlungen (die am 24, September in
Nairobi beginnen) geeinigt. Zunächst hatte die Europäische Gemeinschaft unter Führung Frankreichs darauf bestanden, daß die Währungsreform zuerst
kommen muß. Mit der Erhöhung des Dollar waren jedoch Besorgnisse über eine
zu günstige Rate für die USA etwas zurückgegangen, und jetzt werden sogar
Stimmen laut, die fragen, warum die USA auf einer Handelsreform bestünden

-1-

�bestünden, da doch durch die Abwertung des Dollar ein kleiner Handelsüberschuß zu verzeichnen sei.
Botschafter Eberle hat hier in einem Interview ganz klar Stellung genommen: "Wir sind niemals davon ausgegangen, daß Handelsgespräche dem Hauptzweck dienten, die Zahlungsbilanz zu korrigieren; sie können dazu beitragen. Aber das beste WährungsSystem der Welt wird nicht funktionieren, wenn
die Mehrheit der Nationen Schranken um sich herum aufgebaut hat, die sie isolieren und die eine Ausweitung des Handels verhindern."
Seit 25 Jahren, so Eberle, hat die Welt Handelsschranken errichtet, die
zu gewaltigen Handelsüberschüssen Japans und anderer Nationen und zu einem
großen Handelsdefizit der Vereinigten Staaten führten. Dieses Ungleichgewicht
kann einmal durch einen Abbau der Handelsschranken und zum anderen durch eine
Reform der Wechselkurse korrigiert werden, aber diese beiden Dinge stehen in
einem inneren Zusammenhang und lassen sich kaum das eine ohne das andere lösen.
Eberle glaubt auch nicht, daß vor der Konferenz in Tokio noch das Problem
einer eventuellen Ausgleichsleistung der Europäischen Gemeinschaft an die
Vereinigten Staaten wegen der Erweiterung des Gemeinsamen Marktes gelöst werden wird. Man hatte sich in den USA eine gewisse Hoffnung gemacht, daß eine
Regelung (für die Einführung der Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen
Erzeugnissen an Stelle der früheren im allgemeinen niedrigeren Einfuhrzölle)
noch vor Beginn der Handelsverhandlungen bekanntgegeben werden könne. Allerdings, so betont Eberle, muß diese Frage gelöst werden, ehe die USA im kommenden Frühjahr in die eigentlichen ernsthaften Verhandlungen eintreten.
Nach Auffassung Eberles braucht der Erfolg der Tokioer Konferenz nicht
durch die - an sich bedauerliche - Tatsache beeinträchtigt zu werden, daß
weder die Vereinigten Staaten noch die Europäische Gemeinschaft mit einem
vollen Mandat an den Verhandlungstisch kommen.
Beim

�*

Beim Gemeinsamen Markt wird es bis Ende dieses wenn nicht bis Anfang
nächsten Jahres dauern, bis die Parlamente der neun Mitgliedsstaaten und
die Europäische Kommission einen gemeinsamen Verhandlungsauftrag erteilt
haben werden . Und der amerikanische Kongreß wird sicherlich nicht bis zum
12. September das neue Handelsgesetz verabschiedet haben, das der Regierung
der Vereinigten Staaten die notwendigen Verhandlungsvollmachten erteilt.
Eberle ist jedoch keineswegs pessimistisch und rechnet damit, daß die
neue Handelsgesetzvorlage bis Ende September oder Anfang Oktober das Repräsentantenhaus passiert haben wird, nachdem sich der Haushaltsausschuß
bereits eingehend - wenn auch noch nicht abschließend - damit befaßt hat.
Bis Ende des Jahres - und damit zum ursprünglich vorgesehenen

Termin -

wird das Gesetz nach Auffassung Eberles auch vom Senat verabschiedet sein.
Offene Fragen im Kongreß sind die allgemeinen Zollpräferenzen für die Entwicklungsländer und die Einräumung der Meistbegünstigungsklausel für die
Sowjetunion. Die Chancen für eine Billigung der ersten Forderung sind nach
Meinung Eberles "gut", während die Annahme des zweiten in der Vorlage gestellten Antrages wegen der sogenannten Auswanderungssteuer für Juden in
der Sowjetunion "fraglich" erscheint.
Nach Auffassung Eberles werden die Vereinigten Staaten und die Entwicklungsländer - die von einer allgemeinen Zollsenkung ohne Frage profitieren
würden - im Laufe der Verhandlungen viele gemeinsame Punkte haben. Die USA
nehmen immerhin einen größeren Prozentsatz von deren Exporten auf als andere Industrienationen.
Die Europäische Gemeinschaft, so meint Eberle weiter, wird nicht auf
eine Erneuerung der umstrittenen Gegenpräferenzen für afrikanische und
andere Entwicklungsländer drängen, die zu einer Assoziierung dieser Länder
mit dem Gemeinsamen Markt und in einigen Fällen zu einem praktischen Ausschluß billigerer amerikanischer Erzeugnisse geführt haben. Diese Ankündigung bezeichnet Eberle als "einen guten Anfang". Allerdings habe die

-3-

�die Europäische Gemeinschaft auch mit anderen Regionen Präferenzen eingeführt, über die gesprochen werden müßte. Schließlich ginge es hier um eine
klare Schädigung des amerikanischen Handels.
Etwas anders betrachtet Eberle Sonderregelungen mit Norwegen, da es
hier ausschließlich um Europa ginge. Eine weltweite Sonderregelung sei
jedoch etwas anderes.

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AMERIKANISCHE VORSTELLUNGEN ÜBER DAS WELTWÄHRUNGSSYSTEM
-US-Finanzministerium veröffentlicht Hintergrundmaterial -

WASHINGTON --(AD)-- Wie sich die Vereinigten Staaten die Reform des Weltwährungssystems in großen Zügen vorstellen, geht aus einer jetzt vom amerikanischen Finanzministerium veröffentlichten Dokumentation hervor. Die wesentlichen Gesichtspunkte dieser zwölfseitigen Darstellung wurden zwar bereits auf der vorjährigen Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds
(IWF) bekannt, aber einige Punkte wurden jedoch jetzt im Hinblick auf die
kommende Jahrestagung des IWF im September in Nairobi näher definiert. Vor
allem sollen durch die Veröffentlichung des Finanzministeriums einige Mißverständnisse und falsche Vorstellungen hinsichtlich des amerikanischen
Standpunktes ausgeräumt werden.
Wesentliche Punkte des Papiers sind:
- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß die gegenwärtigen Vereinbarungen, nach denen die Kurse für den Dollar und einige an'»
dere Währungen an den internationalen Devisenbörsen frei nach Angebot und
Nachfrage floaten können, auf lange Sicht eine Reform oder einen Ersatz für
vereinbarte Regeln darstellen.
-Die

�- Die Vereinigten Staaten haben bereits im September vorigen Jahres vorgeschlagen, daß der Stand der internationalen Reserven eines Landes als objektiver Indikator gelten solle, ob ein Überschuß-oder Defizitland etwas zum
Ausgleich seiner internationalen Zahlungsbilanz tun müsse. Allerdings hat
Washington niemals von einem "automatischen" System gesprochen, bei dem auf
das "Signal" des Indikators hin eine Anpassung erfolgen "muß". Die internationale Gemeinschaft soll das Recht haben, das Signal des Indikators außer Acht
zu lassen, wenn es als unberechtigt oder falsch angesehen wird. Das Signal
sollte auf jeden Fall jedoch die Aufmerksamkeit auf das Problem lenken, wobei dem betroffenen Land die Wahl zwischen einer Wechselkursanpassung oder
anderen Maßnahmen zur Korrektur des Zahlungsungleichgewichts frei bleiben
soll.

,

- Die Vereinigten Staaten sind nicht der Auffassung, daß ein System,in
dem der Indikator lediglich Konsultationen auslösen würde, funktionsfähig
wäre. Entscheidungen über Anpassungsmaßnahmen sind für jede Regierung schwierig und unbequem, und es besteht die Tendenz, solche Entscheidungen immer
wieder hinauszuschieben, selbst wenn sie längst fällig gewesen wären. Ebenso sperren sich auch internationale Gruppen, schwierige und politisch heikle
Fragen wie Anpassungsmaßnahmen unverzüglich in Angriff zu nehmen. Nach ame"
rikanischer Auffassung besteht also ohne einen objektiven Indikator die Gefahr, daß die notwendigen Maßnahmen verschleppt oder überhaupt nicht ergriffen werden.
« Die Vereinigten Staaten akzeptieren das Argument anderer Länder, daß
"stabile aber regulierbare Nennwerte" - wie es in dem Kommunique1 des Zwanziger-Ausschusses Anfang dieses Jahres geheißen hatte • den Schwer=und Angelpunkt des neuen Systems bilden sollten. Man ist sich auch einig darüber, daß
die Bandbreiten für Schwankungen dieser Nennwerte größer sein sollten, als
dies vor 1971 zugelassen war. Auf der anderen Seite darf nach amerikanischer
Auffassung aber auch nicht zugelassen werden, daß die Nennwerte selbst in ein

-2-

�ein völliges Mißverhältnis geraten. Daher müßten

rechtzeitig Anpassungen

vorgenommen werden. Nach Ansicht der USA soll allen Ländern auch das Recht
zum Floaten zugestanden werden. Wenn das System von Bretton Woods als einen
seiner Kernpunkte eine Abwertung aus Wettbewerbsgründen verurteilte, dann
muß ein neues System nach amerikanischer Überzeugung eine Unterbewertung aus
Wettbewerbsgründen ebenso scharf verurteilen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es anderen Ländern
freigestellt sein sollte, Dollar oder andere Währungen als Teil ihrer Reserven zu halten, wenn sie dies wünschen. Eine solche freie Wahl würde "ein
wichtiges Element der Elastizität für das System" und die Möglichkeit bieten,
"mit starken kurzfristigen und umkehrbaren Kapitalflüssen fertig zu werden",
ohne daß die betroffenen Länder gezwungen wären, ungerechtfertigte Anpassungen vorzunehmen oder restriktive Maßnahmen einzuführen. Der zulässige Umfang
der angesammelten Devisen würde durch die Grenzen bestimmt, die nach dem amerikanischen Vorschlag für objektive Indikatoren für die Gesamtreserven gesetzt
werden.
- Die Vereinigten Staaten haben einen Vorschlag für ein Reserveausgleichssystem unterbreitet. Ein Vorschlag, der in einem Bericht des Direktoriums des Internationalen Währungsfonds (IWF) enthalten ist, würde vorsehen,
daß ein Land mit einem Zahlungsbilanzdefizit sofort Sonderziehungsrechte (SDR)
- eine vom IWF geschaffene Reservewährung - oder andere Primaerreserven abgibt. Die Vereinigten Staaten haben stattdessen ein System der Konvertibilität vorgeschlagen, bei dem jedes Land bereit wäre, seine von einem anderen
Land erworbene Währung zurückzukaufen und dafür mit Sonderziehungsrechten,
anderen Primärreserven (wie Gold) oder mit der Währung des Landes zu bezahlen,
das auf einen Ausgleich drängt - aber nur wenn das andere Land die Währung
zum Ausgleich anbot. Wenn also das Land, das die Währung erwirbt, diese eine
Zeitlang in seinen Reserven halten will, dann würde nach dem amerikanischen
Plan das Land, dessen Währung erworben wird, nicht sofort Reserven verlieren.
- Die

3-

�- Die Vereinigten Staaten sind sich darüber im klaren, daß das Gold
nicht von heute auf morgen entmonetarisiert werden, d.h. völlig seiner Verwendung im Weltwährungssystem entzogen und völlig dem privaten Nutzer und
Halter überlassen werden kann. Die Rolle des Goldes sollte jedoch nach amerikanischer Auffassung mehr und mehr zurückgehen und die USA treten daher für
entsprechende Vereinbarungen ein, die jedoch das vereinbarte Ziel nicht gefährden dürfen, die SDR zur Hauptreservewährung zu machen.
- Die Vereinigten Staaten treten für ein Multiwährungs-Interventionssystem ein, d.h. alle Nationen sollen bei einer Intervention auf den Devisenmärkten zur Stabilisierung von Wechselkursen eine Reihe von Währungen kaufen
oder verkaufen.
- Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß die Fragen des Handels, der internationalen Währungsreform und der Investitionen eng miteinander zusammenhängen. Sie haben daher eine engere Zusammenarbeit der mit diesen Fragen befaßten internationalen Gremien vorgeschlagen. Sie sind jedoch
nicht der Ansicht, daß die Währungsverhandlungen das Ergebnis der detaillierten Handelsverhandlungen im GATT abwarten müßten - und umgekehrt daß die Handel sverhandlungen auf die Währungsreform warten müßten.
- Die Vereinigten Staaten schlagen vor, daß der Internationale Währungsfonds (IWF) auf zweierlei Weise gestärkt wird: Erstens,indem er klarer gefaßte Statuten erhält und zweitens durch die Gewährleistung der Beteiligung
der Mitgliedsstaaten auf höherer Ebene. Nach amerikanischer Auffassung bieten sich mehrere Alternativen für eine strukturelle Verbesserung - so beispielsweise eine Umgestaltung des Executive Board (Rat der Exekutivdirektoren),
ein neuer Exekutiv-Ausschuß (Executive Committee) oder eine Beibehaltung des
Zwanziger-Ausschusses evtl. mit Stellvertretern.

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33/1973

USA WERDEN AUF MODIFIZIERUNG DER EG-AGRARPOLITIK DRÄNGEN
-Eberle nimmt zu Agrarfragen StellungWASHINGTON --(AD)-- Die Vereinigten Staaten werden die Europäische Geraeinschaft drängen, die Handhabung ihrer Gemeinsamen Agrarpolitik zu modifizieren, wenn vermutlich im März nächsten Jahres in Genf die eigentlichen
Handelsverhandlungen beginnen. Die USA würden jedoch nicht - wie dies mancherots angenommen wird - darauf bestehen, daß Europa seine Agrarpolitik
vollständig aufgäbe. Dies geht aus einem kürzlichen Interview des Sonderbeauftragten Präsident Nixons für Handelsverhandlungen, Botschafter
William Eberle, hervor.
"Wir akzeptieren die Tatsache", so erklärte Eberle, "daß es eine Gemeinsame Agrarpolitik gibt". Schließlich hätten die USA ja auch Programme, die
das Einkommen der Farmer schützen sollten. Die Vereinigten Staaten seien
jedoch gegen die unvernünftig hohen Abschöpfungsbeträge bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, die die Dollarabwertung praktisch unwirksam machten.
Dadurch werde es unmöglich, daß die preiswerteren amerikanischen Agrarerzeugnisse die Hürde des Europäischen Marktes überwinden könnten. Auch gegen
die Exportsubventionen wenden sich die USA nach den Worten Eberles. Er könne
sich eine Reihe von Möglichkeiten vorstellen, wie die Europäer ihre Gemeinsame Agrarpolitik ohne diese beiden Erscheinungen handhaben und doch die wesentlichen Ziele der bestehenden Politik wahren könnten.
Für

-1-

�Für den amerikanischen Sonderbeauftragten gibt es keinen Zweifel, daß
der Verbraucher in Europa durch die Abschöpfungsbeträge genau so getroffen
wird wie der amerikanische Farmer. Man könne es sich in Europa nicht leisten,
die Preise zu erhöhen, um die Bauern zu unterstützen. Dies würde nur zu
Lohnerhöhungen führen, was wiederum eine schädliche Auswirkung auf die Wirtschaft hätte. "Daher werden meiner Meinung nach sowohl die Regierungen als
auch die Verbraucher in Europa auf unserer Seite sein", meinte Eberle. Das
heiße natürlich nicht, daß es nicht in vielen Teilen Europas ernsthafte wirtschaftliche und politische Probleme gebe

und dort nach neuen Systemen ge-

sucht werden müsse. Wenn der Gemeinsame Markt eine Senkung der Abschöpfungsbeträge in Erwägung ziehe, so Eberle,dann seien auch die Vereinigten Staaten
bereit, über einen Abbau ihrer eigenen Einfuhrschranken zu sprechen.
Zur Frage, welche Folgen die amerikanischen Exportkontrollen für Sojabohnen auf die am 12. September in Tokio beginnende Welthandelskonferenz haben würden, meinte Eberle, er glaube nicht an größere Auswirkungen. Der
Sonderbeauftragte Präsident Nixons verwies in diesem Zusammenhang darauf, daß
diese Kontrollen nur vorübergehender Natur seien und daß jedes größere Land
in der Welt sowie die meisten Entwicklungsländer ebenfalls Exportkontrollen
haben. Darüber hinaus hätten die Vereinigten Staaten ihre Agrarproduktion
vergrößert, und der gesamte Zuwachs sei in den Export gegangen. Im übrigen
sei das Problem bei Sojabohnen nicht durch die USA entstanden, sondern durch
ein weltweites Ungleichgewicht von Angebot und Nachfrage, bei dem die Handelspartner Amerikas eine Rolle spielten. "Wir sind immer ein guter, verantwortungsbewußter und verläßlicher Lieferant gewesen", so sagte Eberle. Andere Länder hätten jedoch ihren Bedarf unterschätzt und seien dann urplötzlich
mit enormen Bestellungen an die USA herangetreten. Wer seine Bestellungen
erst nach der Aussaat mache, gehe immer ein großes Risiko ein.
Eberle

�Eberle zog folgendes Fazit: "Wenn man sich mit anderen Nationen an einen
Tisch setzt und das Problem erklärt, dann verstehen sie offensichtlich, warum die Vereinigten Staaten so handeln mußten, wie es der Fall war. Natürlich
werden jene Leute, die uns in die Defensive zu drängen suchen, dies psychologisch gegen uns verwenden."
Das beste Argument,das für einen Abbau der Handelsschranken spricht,
so fügte er hinzu, sei die weltweite Inflation. "Die Menschen wünschen Qualitätslebensmittel zu einem niedrigeren Preis. Die einzige Stelle, von der
sie dies erhalten können, sind die Vereinigten Staaten."

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33/1973

US-HANDELSBILANZ VERBESSERT SICH WEITERHIN

WASHINGTON —(AD)-- Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat in einer am 24. August veröffentlichten Erklärung darauf hingewiesen,
daß sich die amerikanische Handelsbilanz im Juli weiter verbessert hat. Der
Außenhandelsüberschuß für den Monat Juli betrug 106 Millionen Dollar; dies
sei ein weiterer Hinweis für einen sich festigenden Handel.
Die Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Außenhandelsüberschuß für Juli in Höhe in 106 Millionen Dollar
läßt erkennen, daß die Verbesserung des grundlegenden Handelsverhältnisses
der Vereinigten Staaten zu anderen Ländern anhält.
Nach zwei aufeinander folgenden Jahren großer Handelsdefizite wurde im
zweiten Quartal ein geringer Überschuß berichtet. Die Zahlen für den Monat
Juli stellen nun einen weiteren Beweis für eine Festigung der Handelssituation dar.
Dollar
Die Exporte für Juli in Höhe von 5,9 Milliarden/bedeuten einen Höchststand und zeigen eine Verbesserung in zehn aufeinander folgenden Monaten
an. Ein starkes Anwachsen der ausländischen Käufe an Maschinen und industriellen Gütern war die Hauptvariable. Die Agrarexporte nahmen trotz
Preiserhöhungen ab.
Im

-1-

�Im Jahre 1973 haben sowohl der Industrie-als auch der Agrarsektor zu
einer verbesserten Bilanz beigetragen. Wir sollten jedoch nicht die großen
Aufgaben unterschätzen, die für die amerikanische Industrie und Landwirtschaft
bei ihrer Konkurrenz auf den Weltmärkten weiterhin bestehen. Der Handel kommt
allen Ländern zugute, indem er den Lebensstandard erhöht. Dies ist ein dynamischer Prozeß, der die amerikanischen Firmen herausfordert,kreativ und produktiv zu sein, wenn sie voll an diesen wachsenden Märkten partizipieren
wollen.
Eine Ausweitung der Exporte wird zur Stärke unserer Wirtschaft beitragen und die Zahl der unseren Menschen zur Verfügung stehenden Arbeitsplätze
vergrößern. Verstärkte Exporte werden uns ferner die Möglichkeit an die
Hand geben, für wichtige Importe wie Erdöl und Stahl sowie für attraktive
Verbrauchsgüter bezahlen zu können."

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33/1973

SPURENELEMENTE
-Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätztVon Gertrud Weiss

--(AD)— Es sind nur winzig kleine Mengen von Metallsalzen und anderen Mineralien, die der menschliche Körper neben den für die Ernährung wichtigen
Stoffen zur Aufrechterhaltung der normalen Lebensvorgänge braucht. Sobald
aber z.B. der Tagesbedarf von 20 Tausendstel Gramm Zink oder von zwei
Tausendstel Gramm Kupfer nicht gedeckt werden kann, treten schwerwiegende
Störungen am Nervensystem und im Stoffwechsel oder bei der Blutbildung
auf. Auf der anderen Seite ist jedoch auch ein Ansteigen des Kupferserumgehaltes über den normalen Wert hinaus ein Alarmzeichen - sie ist dann zu
beobachten, wenn z.B. eine Eisenmangelanämie besteht, wenn Infekte oder
Tumoren vorhanden sind. Die Kontrolle des Kupferserums hilft also mit,
Hinweise auf vielleicht noch gar nicht entdeckte Erkrankungen zu bekommen.
Vielen Wissenschaftlern, die sich mit der Natur und der physiologischen Bedeutung der sogenannten Spurenelemente befassen, ist es unverständlich, daß die klinische Medizin im allgemeinen so wenig Interesse für die
in den letzten Jahren gewonnenen neuen Erkenntnisse zeigt. Diese könnten,
wie Dr. Ross H. Seasly vom Kettering Medical Center (Kettering, Ohio) erklärt, schon für die Diagnose ungemein wertvolle Dienste leisten.
Aus

-l-

�Aus zahlreichen Laboratorien in aller Welt kommen immer wieder neue
Nachrichten über Beobachtungen, die beispielsweise Zusammenhänge zwischen
bestimmten Krankheitsbildern beim Menschen und speziellen Umweltbedingungen
wie geobotanischen oder industriellen Einflüssen erkennen lassen. Und Ergebnisse von Experimenten mit Tieren, an denen man die Auswirkung von Spurenelementen einzeln und kombiniert bei unterschiedlichen Konzentrationen untersucht, sind dazu angetan, Krankheitsbilder und Möglichkeiten zur Verhütung und vielleicht auch Heilung von Krankheiten mehr als bisher unter dem
Gesichtspunkt zu sehen: Welche Rolle spielen die Spurenelemente tatsächlich
bei den physiologischen Prozessen und bei pathologischen Vorgängen im menschlichen Organismus?
Daß für eine Beantwortung dieser Frage weitaus mehr in Betracht gezogen
werden muß als nur die bekannten Effekte der üblicherweise als wichtige
Spurenelemente angesehenen Stoffe wie Kupfer, Mangan, Kobalt, Jod, Fluor,
Zink, Bor, Eisen etc., zeigen eindringlich Forschungsergebnisse aus jüngster
Zeit. Viele wurden, wie Thomas H. Maugh von der amerikanischen Zeitschrift
"Science" in der Ausgabe Nr. 4096 (20. Juli 1973) berichtet, im Juni 1973
auf der 7. Jahreskonferenz der Universität von Missouri über "Spurenelemente
und Umweltmedizin" behandelt.
Die neuen Erkenntnisse gehen über Feststellungen wie z. B. jene weit
hinaus, daß Blei oder Methylquecksilber auch bei geringen Konzentrationen
schwerste Schädigungen - vor allem am zentralen Nervensystem - verursachen
können. Das Spurenelement Selen verwandelt sich innerhalb eines recht kleinen
Spielraums vom lebenswichtigen Stoff in ein Gift. Beryllium wirkt stark
karzinogen und ist außerdem in höherer Konzentration ein Kurzzeitgift, in
schwacher Konzentration ein Langzeitgift für ganze organische Systeme.
Nickelcarbonyl-Verbindungen spielen als Ursache von Lungenkrebs eine Rolle,
und Kadmium, Arsen, Selen und Yttrium rufen bei Labortieren Krebs hervor.
Alles

�Alles in allem scheinen viel mehr Spurenelemente, als bisher angenommen,
die Lebensprozesse aktiv zu beeinflussen. Und offenbar bestehen überaus komplexe Zusammenhänge bei den Wechselwirkungen von Spurenelementen im Organismus und in bezug auf ihre Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit.
Fred Loser (Eastman Dental Center in Rochester, New York) fand bei der Untersuchung menschlicher Zähne, die von Personen aus allen Teilen der Vereinigten Staaten stammten, nicht weniger als 43 Elemente, die als reguläre Bestandteile beim Aufbau des Zahnschmelzes anzusehen sind. In manchen Zahnproben stellte er darüberhinaus noch weitere 25 Elemente fest. Dagegen traten 30 vornehmlich den schweren Elementen zuzurechnenden Substanzen in keinem einzigen Fall auf.
Die hier zur Debatte stehenden Spurenelemente wurden nicht, wie etwa
Fluor, mit dem Trinkwasser, sondern wohl in erster Linie mit der Nahrung vom
Körper aufgenommen. Obgleich die Mehrzahl von ihnen keinen Einfluß auf die
Entwicklung von Karies zu haben scheint, ist doch anzunehmen, daß Vanadium,
Bor, Strontium, Barium, Lithium, Titan und Aluminium Karies verhüten helfen,
während Blei, Kupfer, Zink, Selen und Chrom die Kariesbildung fördern. Durch
Versuche an Ratten fand Clive C. Solomons (Universität Colorado), daß Molybdän im Zahnschmelz die Zahnstruktur festigt - was auch mit

Berichten über

eine kariesverhütende Wirkung des Molybdäns übereinstimmt -, daß es sich
jedoch auf das Knochensystem ungünstig auswirkt. Bei Anwesenheit von Molybdän wird nämlich weniger Kalzium aufgenommen. Bei den so behandelten Ratten
entwickelt sich Osteoporose. Auch Kadmium hat einen entkalkenden Effekt»
In Volksgruppen, die beispielsweise Pflanzen als Nahrung verzehren, die
entsprechend den jeweiligen Bodenbedingungen mit bestimmten Elementen besonders angereichert sind, entwickeln sich typische, d.h. häufiger als normal auftretende Krankheitsbilder (z.B. Diabetes, Gallensteine, Darmgeschwüre, Bluthochdruck, Lungen- und Brustkrebs bei den Pirna-Indianern in Arizona).
Aber auch in Gebieten mit hohem Zivilisationsstandard sind regional auffäl-

-3-

�auffällige Krankheiten zu beobachten, die auf den Einfluß von Spurenelementen zurückgehen. Die sogenannte

Biertrinker-Kardiomyopathie,die in Omaha

(Nebraska), in Minneapolis sowie 1965 und 1966 in einigen Städten in anderen Ländern zahlreichen Menschen das Leben kostete, dürfte dadurch verursacht worden sein, daß die zur Schaumstabilisierung verwendeten winzigen
Mengen Kobalt die toxische Wirkung des Spurenelements Selen, das in den betroffenen Gebieten natürlichen Ursprungs ist, gesteigert haben. Dr. Robert E.
Burch vom Krankenhaus der Veterans Administration in Omaha fand bei Experimenten an Ratten, daß 10 ppm Selen (10 Anteile auf eine Million Anteile) in
einer eiweißarmen Nahrung das Wachstum der Tiere beeinträchtigten, zur Vergrößerung von Herz und Leber führten und die Konzentrationen von Magnesium,
Kupfer und Mangan in diesen und anderen Organen verringerten.
Blutanalysen auf Spurenelemente scheinen ein noch unausgeschöpftes Reservoir für Zustandskontrollen schwerkranker Patienten und für Frühdiagnosen
bestimmter Erkrankungen zu sein. Dr. A. Flynn (CaseWestern Reserve University
in Cleveland , Ohio) beobachtete ein Ansteigen der Zinkkonzentration im Blut
unter Stress, wie z.B. nach Operationen, Traumen und Verbrennungen, und zwar
proportional zur Schwere der Belastung. Der Zinkspiegel sinkt, wenn sich der
Patient erholt. Dr. M. Nosdrjukina (Institut für Geochemie und analytische
Chemie der Sowjetischen Akademie der Wissenschaften, Moskau) berichtet, daß
der Mangan- und Nickelspiegel im Blut unmittelbar vor einem Herzinfarkt rapide
ansteige, und daß Veränderungen der Normalkonzentration dieser Spurenelemente
schon im Frühstadium der Erkrankung als Kriterien für die Diagnose gelten
könnten.
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SKYLAB-BEOBACHTUNGEN

--(AD)-- Eine riesige "Blase" in der Gashülle der Sonne konnten die
SKYLAB II-Astronauten Bean, Dr. Garriott und Lousraa am 21. August 1973
über längere Zeit beobachten und fotografieren . Das Gebilde erreichte eine
Größe von drei Vierteln des Sonnendurchmessers, der ca. 1,4 Millionen km
beträgt. Die Blase hatte sich an der Ostseite des Sonnenkörpers entwickelt
und stand in Zusammenhang mit einer ungeheuer starken Eruption auf der
Rückseite der Sonne.
Nach Meinung von Dr. Robert MacQueen vom Hochatmosphären-Observatorium in Boulder (Colorado) handelt es sich dabei um"das bemerkenswerteste
Naturereignis seit Beginn des Unternehmens SKYLAB II". Von der Auswertung
der Film-und Fernsehaufnahmen, die die SKYLAB-Besatzung gemacht hat - die
Fernsehbilder wurden sofort zur Erde übermittelt - sowie von den übrigen
Meßdaten im Zusammenhang mit diesem Phänomen auf der Sonne hoffen die
Wissenschaftler, neue Erkenntnisse zu den Wirkungen bzw.Wechselwirkungen
der von der Sonne bei einer Eruption ausgestoßenen Partikelmassen mit der
Sonnenatmosphäre zu erhalten. Daraus könnten sich z.B. auch wichtige Gesichtspunkte für eine detaillierte Erklärung der Vorgänge in der Erdatmosphäre nach heftigen Sonneneruptionen ergeben. Zwar sind manche Effekte
bekannt - z. B. vorübergehende totale Störung des Funkverkehrs, Beeinträch-

-i»

�*

Beeinträchtigung der Funkverbindungen rund um die Erde oder das farbenprächtige Schauspiel der Polarlichter. Von dem tatsächlichen Ausmaß samt
der "Bandbreite" der Wechselwirkungen von Partikeln, elektrischen und magnetischen Feldern mit der Lufthülle der Erde weiß man dagegen noch recht
wenig - ganz abgesehen davon, daß sie wohl auch die biologische Welt an der
Erdoberfläche beeinflussen.
Eine höchst interessante Beobachtung bei Sonneneruptionen machte bereits die SKYLAB 1-Besatzung, die sich vom 25. Mai bis zum 22. Juni 1973
an Bord der Station aufgehalten hatte. Die Sonnenaufnahmen im Röntgenlicht,
die die Astronauten zur Erde zurückbrachten, lassen nämlich vermuten, daß
eine starke Eruption, bei der gewaltige Massen von Sonnenmaterial ausgeschleudert werden, unter umständen zu einer Art Reaktionskette mit weiteren
Eruptionen

in großer Entfernung vom "Herd" führen kann. Sie wird offenbar

durch die auf die Sonne zurückfallenden Materiemassen in Gang gesetzt.
Neben der Beobachtung der Sonne widmen die SKYLAB II-Astronauten aber
auch viel Zeit und Aufmerksamkeit der Mutter Erde. Einer der Höhepunkte der
damit verbundenen Projekte war am 5. August 1973 eine Gemeinschaftsaktion
auf den verschiedensten Beobachtereben en — im Weltraum, an Bord von For—
schungsflugzeugen in der Luft und schließlich auf See im Nordosten des Golfs
von Mexiko durch Wissenschaftler an Bord von Forschungsschiffen, die Besatzungen von Sportfischereibooten sowie mit Hilfe von Meßbojen.
Beobachtungsgebiet war ein fast 10 000 qkm großes Dreieck im Nordosten
des Golfs von Mexiko, das der unbemannte amerikanische Wettersatellit NOAA-2
und SKYLAB mehrmals am Tage überflogen. NOAA-2 und die Raumstation hatten
die günstigsten Positionen, um aufgrund einer Vielzahl von Messungen Daten
zu liefern, die z.B. Aufschluß über Salz-und Chlorophyllgehalt, Temperaturen
und Farbschattierungen im Meerwasser

geben können. Daraus sind wiederum

Rückschlüsse auf den Zustand des betreffenden Meeresgebietes mit Strömungen,
Temperaturschichtungen, aufströmendem nährstoffreichen Wasser, Plankton-

-2-

�Plankton-Konzentrationen, klarem oder trübem Wasser und auf andere Faktoren
zu ziehen, die für die Lebensbedingungen der Fische eine wichtige Rolle spielen.
Neun der 138 beteiligten Seefahrzeuge waren Forschungsschiffe der USBundesbehörde für Meeres-und Atmosphärenforschung (NOAA). Bei den übrigen
handelte es sich meist um die Boote von Sportfischern, die in dem betreffenden Seegebiet eine Art Wettfischen nach ganz bestimmten Regeln veranstalteten. Nur sieben Fischarten waren für den Fang zugelassen - unter anderem mehrere makrelenartige Fische und zwei Arten von Thunfisch.
Die Sportangler führten gleichzeitig Aufzeichnungen darüber, was sie an
Fischen gesichtet, aber nicht gefangen hatten. Nach der Rückkehr der SKYLAB IIBesatzung sollen die an Bord der Raumstation erzielten Meßergebnisse mit den
Daten des NOAA-2-Satelliten verglichen und zusammen mit den von den Schiffen
ausgemachten lokalen Beobachtungen ausgewertet werden. Auf diese Weise will
man einfach anzuwendende Meßgrößen erarbeiten, die die Beurteilung erleichtern, ob sich zu einem gegebenen Zeitpunkt in dem oder jenen Seegebiet Fischfang lohnt oder nicht.

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ZELLEN UNTER DEM PROTONEN-MIKROSKOP

— ( A D ) — Am Enrico Fermi-Institut der Universität Chicago arbeitet Prof.
Riccardo Levi Setti mit einigen Kollegen an der Entwicklung eines neuen
Verfahrens, das mit Hilfe von Protonen den Blick in das Zellinnere ermöglichen soll. Die Technik ähnelt der von Prof. Albert V. Crewe (Universität
Chicago) entwickelten Methode zur Verbesserung des Auflösungsvermögens
beim Raster-Elektronenmikroskop. Im Gegensatz dazu kann jedoch das Protonen-Mikroskop sowohl für Untersuchungen auf Zellebene als auch auf
Molekularebene benutzt werden.
Bei der Zelluntersuchung ergeben sich auf dem Betrachtungsschirm
des Protonen-Mikroskops Abbildungen, die Dichteunterschiede im Gewebe unvergleichlich besser herausheben, als dies mit den herkömmlichen RöntgenMikroaufnahmen möglich ist. Deshalb ist dies ein besonders vielversprechendes Verfahren beim Studium von Krebszellen, die im Vergleich zu gesunden Zellen anomale Dichteverteilungen aufweisen. Professor Setti, der aus
Mailand stammt und der Universität Chicago seit 1956 angehört, erklärt
die Arbeitsweise folgendermaßen: "Das Mikroskop arbeitet bei Energien um
100 Kilovolt. Schnelle Protonen sind im Gegensatz zu Elektronen und Röntgenstrahlen in der Lage, in Materie bis zu einer exakt definierten Tiefe
vorzudringen. Bei einer Beschleunigung auf 100 KV durchdringen sie etwa
1 Mikron, d.h. 1/1 000 mm biologisches Material. Bei einem Zellschnittpräparat von etwa 1 Mikron Dicke vermögen die Protonen gerade noch die

�die Wand zu durchdringen. Innerhalb der Zelle befindet sich der dichte Kern;
im Vergleich dazu weist das Zellplasma eine erheblich geringere Dichte auf.
Jene Protonen, die durch die Zone größter Dichte gehen, werden dort gestoppt. Nur die anderen Protonen, die die leichter durchlässige Zone passieren, sind auf der Rückseite des Präparates wieder zu erfassen."
Die "Geschosse" für das Protonenbombardement liefert ein Abtaststrahl,
der über das Präparat geführt wird. Aus den vom Präparat durchgelassenen Protonen ergibt sich ein Bild, das wichtige Rückschlüsse auf die Bedingungen im
Zellinnern zuläßt. Der besondere Vorteil des Abtastens mit Protonen besteht
darin, daß bei dieser Methode - im Gegensatz zur Untersuchung mit Röntgenoder Elektronenstrahlen - keine Vorbehandlung des Präparats durch Färben
oder Versetzen mit bestimmten Chemikalien zur Verbesserung der Kontraste erforderlich ist. Man untersucht also die Zellen in einem unveränderten Zustand.
Für Untersuchungen auf molekularer Ebene wird ein Auflösungsvermögen
bis zu wenigen Angström (1 A = 1 zehnmillionstel Millimeter) angestrebt, bei
dem Moleküle und sogar Atome sichtbar werden. Dann müßte es bei der Untersuchung einzelner organischer Moleküle beispielsweise auch möglich sein, die
Plätze ausfindig zu machen, wo sich Wasserstoff befindet. Für die biologische und physiologische Forschung hat dies große Bedeutung.
Nach Prof. Setti ist es günstig, mit einer kleinen Partikelquelle zu beginnen, wenn man Elektronen oder andere Partikel beispielsweise auf einen
Punkt von nur wenigen A Durchmesser fokussieren will. Die kleinsten Elektronenquellen sind feine Wolframspitzen. Wird um sie herum ein sehr starkes
elektrisches Feld aufgebaut, indem man die Spitze an eine negative Hochspannungsquelle anschließt, kommt es zur sogenannten Feldemission, umgibt
man aber die gleiche Spitze mit einer Wasserstoff-Atmosphäre oder irgendeinem anderen Gasmedium und kehrt nun das Feld um, so daß die Spitze, elektrisch positiv ist, kommt es zur sogenannten Feldionisation.
Mit

�Mit einer solchen Feldionisationsquelle arbeit Setti jetzt. Sie scheint
die besten Ergebnisse bei sehr tiefen Temparaturen zu liefern. Die Spitzen
müssen mit flüssigem Wasserstoff oder flüssigem Helium gekühlt werden.
Für das Arbeitsmodell ihres Protonen-Mikroskops entwickelten Prof.Setti,
William Escovitz und Thimothy Fox einen besonderen Kryostaten. Sie benutzten
ein von Prof. Crewe und seiner Gruppe gebautes Raster-Elektronenmikroskop
mit 30 Kilovolt Leistung und stellten es auf den Betrieb mit 100 Kilovolt
Spannung um.
Prof. Setti will in enger Zusammenarbeit mit Dr. William Steward die
Anwendungsmöglichkeiten des Protonen-Abtaststrahls für die Zellradiographie
sondieren. Dr. Steward, Assistenzprofessor für Pathologie und Direktor der
Neuropathologischen Abteilung an der Universität Chicago, besitzt bereits
reiche Erfahrung in der Makro-Abbildung von Krebsgewebe und Tumoren mit
energiereichen Protonenstrahlen, die von einem Zyklotron erzeugt werden. Das
neue Projekt Settis soll nun dieses bewährte Verfahren mit der Ausdehnung
dieser Untersuchungsmethode auf den Mikrobereich ergänzen und der Forschung
wie der Diagnose bei Krebs neue Möglichkeiten eröffnen.

+++

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon gibt Wechsel im US-Außenministerium bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung auf der Pressekonferenz am 22. August -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Schriftwechsel zwischen Nixon und Rogers&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Kissinger-Pressekonferenz vom 23. August&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Weltwirtschaftskonferenz in Tokio vor großen Aufgaben&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Chefdelegierter Eberle zeigt Haltung seines Landes auf -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Amerikanische Vorstellungen über das Weltwährungssystem&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- US-Finanzministerium veröffentlicht Hintergrundmaterial -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;USA werden auf Modifizierung der EG-Agrarpolitik drängen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Eberle nimmt zu Agrarfragen Stellung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsbilanz verbessert sich weiterhin&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Spurenelemente&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Ihre wahre Bedeutung für Gesundheit und Krankheit wird noch unterschätzt -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Gertrud Weiss&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;SKYLAB-Beobachtungen&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Zellen unter dem Protonen-Mikroskop</text>
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