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1. August 1973

29

Inhalt

DOKUMENTATION:

Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen
Integration
-Auszüge-

WIRTSCHAFT:
Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optimistischer Atmosphäre
Von Eugene Brake
Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden
Von John Holway
US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt
-WortlautDie wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni
-Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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29/1973

BOTSCHAFTER GREENWALD BEKRÄFTIGT UNTERSTÜTZUNG PER EUROPÄISCHEN INTEGRATION
-AuszügeDUBLIN --(AD)-- Der amerikanische Vertreter bei den Europäischen Gemeinschaften, Botschafter Joseph A. Greenwald, hat am 27. Juli in einer Rede vor
der US-Handelskammer in Irland erneut die Unterstützung der europäischen In
tegration durch die Vereinigten Staaten bekräftigt. Die wesentlichen Teile
der Rede des Botschafters haben folgenden Wortlaut:
"Meine Regierung hat von Anfang an die Schaffung, Stärkung und Erweiterung der europäischen Institutionen unterstützt. Pie Zusammenarbeit zwischen
den europäischen Ländern war ein unerläßliches Element für den Erfolg des
Marshall-Planes. Seit 25 Jahren haben die Vereinigten Staaten^- unter demokratischen wie auch republikanischen Regierungen, die europäische Integration
- die Kohle- und Stahlgemeinschaft, den Gemeinsamen Markt, EURATOM, das
Europäische Parlament und den Gerichtshof - als in ihrem eigenen wie auch
im gemeinsamen Interesse unserer Atlantischen Völkergemeinschaft liegend erachtet
Diese Unterstützung ist von Präsident Nixon bekräftigt
;

Ausführungen am 23 April zum Jahr Europas

worden. In seinen

hat Dr. Kissinger den Zusammen-

hang zwischen unserer seit langem befolgten Europa-Politik und den wirtschaftlichen, politischen und militärischen Veränderungen aufgezeigt, die in
den letzten 10 oder 15 Jahren eingetreten sind. Er hat gemeinsame amerika
nisch-europäische Anstrengungen gefordert, um unsere gemeinsamen Absichten

-1-

�1
\

Absichten und Zielsetzungen neu zu formulieren. Eine solche auf den heutigen
Stand gebrachte politische Deklaration würde den Rahmen geben, in dem wir die
Meinungsverschiedenheiten leichter beilegen könnten, die sich zu einem großen
Teil aus den engen Wechselbeziehungen innerhalb der freien Welt ergeben.
Die Vereinigten Staaten sind auch weiterhin überzeugt, daß ein starkes,
geeintes Europa uns allen mehr zum Vorteil gereicht als ein schwaches gespaltenes Europa. Wir waren ermutigt durch den bedeutenden Schritt, den die Vertreter Irlands und der übrigen acht Länder der Europäischen Gemeinschaft im
Oktober letzten Jahres getan haben, als sie sich feierlich zum Fortschritt
in Richtung auf eine Europäische Union bekannten. In einer Würdigung der
Gipfelerklärung der Neun hat Präsident Nixon betont, daß die amerikanische
Regierung voll und ganz die Ziele der EG-Mitgliedsstaaten teile, auf eine
Reform des Weltwirtschaftssystems .. hinzuarbeiten, und zwar in einer Weise,
durch die eine Freiheit des Welthandels, eine neue Gerechtigkeit im internationalen wirtschaftlichen Verhalten sowie wirksame Lösungen der Probleme
der Entwicklungswelt erreicht werden4.

Handels - und Währungsreform
Damit komme ich zu der zweiten grundlegenden Politik. Die Vereinigten
Staaten haben während der gesamten Nachkriegszeit stets die Führung bei den
Bemühungen um eine Liberalisierung des Handels und des Zahlungsverkehrs übernommen. Zum Teil als Folge der veränderten Position der USA in der Weltwirtschaft haben in Amerika die protektionistischen Strömungen zugenommen. Trotz
dieser Tendenz hat Präsident Nixon bei zahlreichen Anlässen immer wieder
unterstrichen, daß er sich weiterhin dem Ziel eines freieren Waren-und Kapitalverkehrs verpflichtet fühlt. Weit wichtiger noch, er hat den mutigen
Schritt getan und dem Kongreß ein umfassendes Handelsgesetz vorgelegt. Pie
von ihm geforderten Verhandlungsvollmachten werden die Vereinigten Staaten

~2~

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i

Staaten in die Lage versetzen, an der gemeinsam von den USA, der EG und Japan im Februar 1972 vorgeschlagenen neuen Runde von Handelsgesprächen teilzunehmen .
Obwohl es in der Vergangenheit Abweichungen und Warnungen gegeben hat,
und dies auch weiterhin der Fall sein wird, die Zweifel an der Beständigkeit
unserer europäischen und internationalen Wirtschaftspolitik aufkommen lassen
könnten, so glaube ich, ist auf lange Sicht die Richtung klar. Und unter der
Voraussetzung, daß wir zu einer neuen gemeinsamen Grundlage finden können,
wird nach meiner Auffassung die auf einer atlantischen Zusammenarbeit basierende Zukunft voller Verheißungen sein.

Landwirtschaft
Es ist jetzt an der Zeit, daß wir von allgemeinen Formulierungen weg zu
te

konkreten Fragen übergehen. Ich habe das Thema Landwirtschaft

aus drei Grün-

den angeschnitten: einmal ist es von entscheidender Bedeutung für den Erfolg
der multilateralen Handelsverhandlungen; zweitens ist es in Form einer gemeinsamen Agrarpolitik ein notwendiges Element - besonders für Irland der gegenwärtigen Europäischen Gemeinschaft; und drittens bedeuten die von
einigen in der letzten Zeit ergriffenen Schritte eine grundlegende Veränderung der internationalen Situation von Angebot und Nachfrage. Lassen Sie mich
diese Punkte jetzt der Reihe nach aufgreifen.

Multilaterale Handelsverhandlungen
Im weiteren Verlauf dieses Jahres werden die EG, die Vereinigten Staaten
und weitere Handelsländer eine neue wichtige Runde von Verhandlungen aufneh,
men,um im Rahmen des GATT die Handelsschranken abzubauen. Seit Ende der
Kennedy-Runde sind jetzt sechs Jahre verstrichen. In dieser Zeit haben sich

�sich Meinungsverschiedenheiten in Handelsfragen ergeben, und in einigen Fällen
sind sie zu echten Ärgernissen in unseren allgemeinen Baziehungen geworden,
weil es keine gemeinsamen Liberalisierungsanstrengungen gab. Die Teilnahme
an den multilateralen Verhandlungen sollte diese Situation korrigieren und
Meinungsverschiedenheiten in dem umfassenderen Rahmen beiderseitiger Konzessionen leichter lösbar machen. Neue Verhandlungen sind ferner deswegen notwendig, um zu vermeiden, daß einzelne Teilnehmer dem innenpolitischen Druck nach
Entliberalisierung nachgeben.
Um diese Ziele zu erreichen, müssen die Verhandlungen gute Aussicht auf
Erfolg haben. Wir haben mit der EG und Japan vereinbart, daß die Verhandlungen auf Gegenseitigkeit basieren müssen. Für die großen Exportländer wie die
Vereinigten Staaten bedeutet Gegenseitigkeit, daß Gebiete, auf denen wir
einen Wettbewerbsvorteil halten - wie zum Beispiel die Landwirtschaft - in
einer wirklich bedeutungsvollen Weise einbezogen sind. Natürlich war der
Agrarsektor durch soziale und politische Erwägungen belastet. Aber andere politische - und wirtschaftliche - Faktoren fordern eine Verbesserung des
Agrarhandels.
»
Gemeinsame Agrarpolitik
In der gesamten industrialisierten Welt - und noch mehr in den Entwicklungsländern - wies das Problem der Landwirtschaft auf einen Wirtschaftssektor hin, der vernachlässigt worden war. Die landwirtschaftlichen Einkommen
waren im allgemeinen niedriger als die der städtischen Bevölkerung, und innerhalb der Landwirtschaft selbst gab es deutliche Einkommensunterschiede.
In zahlreichen Ländern, unter anderem auch in den USA, haben die Regierungen
besondere Programme für die Bauern durchgeführt. So überrascht es nicht, daß
einer der ersten Schritte der sich entwickelnden Europäischen Gemeinschaft
eine gemeinsame Agrarpolitik (CAP) war.
Ich möchte jedoch hoffen, wie auch Sir Ghristopher Soames dies kürzlich
in Straßburg sagte, daß die CAP nicht für alle Zeiten in ihrer gegenwärtigen
Form als eingefroren betrachtet wird. Wir haben aus unseren Fehlern in der

-4-

i

�der Agrarpolitik gelernt, und vielleicht kann die Europäische Gemeinschaft
von unseren Erfahrungen ebenfalls profitieren.
Die sozialen und politischen Ziele der amerikanischen Landwirtschaftsprogramme sind durch Stützung hoher Binnenmarktpreise nicht erreicht worden.
Marktkräfte und Druck der Verbraucher in jüngster Zeit wirkten sich auf den
Kongreß aus und beeinflußten die Haltung der Regierung wesentlich. Die hohen
Preise für Agrarprodukte beeinträchtigten ferner den amerikanischen Export
und schufen Probleme für die amerikanische Industrie. Unter diesen Umständen
sind wir von dem System der Preisstützung abgegangen.
Bis jetzt haben die Europäer zahlreiche ähnliche Erfahrungen gemacht
wie wir. Und es scheinen einige Zweifel an der Wirksamkeit der CAP zu bestehen. Wenn jetzt die europäischen Produzenten und Verbraucher immer mehr Erfahrungen mit der Praxis der gemeinsamen Agrarpolitik sammeln, wird die Europäische Gemeinschaft entscheiden können, ob die derzeitigen oder andere Vereinbarungen den europäischen Zielen am besten gerecht werden. Es gibt verschiedene Techniken, die gegenwärtig im Rahmen der CAP angewandt werden, unter anderem Direktzahlungen bei besonderen sozialen Problemen, und die Kommission
ist dabei, ihre eigene Bewertung und ihre eigenen Empfehlungen auszuarbeiten.
Obwohl es kein Geheimnis ist, daß wir nicht immer mit allen Aspekten
der die amerikanischen Interessen berührenden CAP einverstanden waren, so war
und ist es doch der eindeutig umrissene Standpunkt meiner Regierung, daß wir
nicht die gemeinsame Agrarpolitik zu Fall bringen wollen. Genauso wenig halte ich es für angebracht, irgend jemandem zu raten, welche Richtung dieses
Programm einschlagen sollte. Wenn ich jedoch sehe, welche überragende Bedeutung Weidewirtschaft und tierische Erzeugnisse für die irische Landwirtschaft
haben, so scheint es mir, daß eine Politik mit dem Ziele, die europäischen
Preise für Futtermittel niedrig zu halten, Irland großen Nutzen bringen
würde.
Die

-5-

�Die derzeitige Futtermittelkrise

Aufgrund der von den Vereinigten Staaten verfügten Exportkontrollen für
Sojabohnen und andere Produkte sind grundlegende Fragen aufgeworfen worden,
die die Handelsverhandlungen und vielleicht sogar die gegenwärtige Agrarpolitik überschatten könnten. Die sich schnell entwickelnde Proteinknappheit
hat zu einigen übereilten Schlußfolgerungen geführt - zum Beispiel, daß die
Vereinigten Staaten nicht mehr ein zuverlässiger Lieferant seien und Europa
nach Selbstversorgung streben müsse. Bevor ich zu diesen Fragen Stellung nehme,
möchte ich kurz aufzeigen, wie es zu dieser Situation kam und was wir zu tun
versuchen.
Unsere Prüfung der Situation bei Futtermitteln im Juni zeigte, daß bei
diesen Erzeugnissen Kontrakte über die Lieferung größerer Mengen aus der vorjährigen Ernte sowie aus Reservebeständen abgeschlossen worden waren, als
tatsächlich vorhanden sind. Zu der Verknappung und zu den höheren Preisen kam
es nicht aufgrund eines gestiegenen amerikanischen Verbrauchs, sondern aufgrund
verschiedener ausländischer Faktoren - eine starke Zunahme der Auslandsnachfrage nach proteinhaltigen Futtermitteln, die langfristige Bevölkerungszunahme,
die geringeren Fischfänge in Peru und die ungünstige Witterung in zahlreichen
Gebieten. Die vorjährige amerikanische Sojabohnenernte brachte einen Rekordertrag, doch der inneramerikanische Bedarf stieg nicht wesentlich. Praktisch
ging der gesamte Mehrertrag in den Export. Und im Rahmen der während der Sommer
monate bis zur Einbringung der neuen Ernte gültigen Zuteilungssystems werden
wir weiterhin unsere ausländischen Kunden bedienen. Wir sind uns unserer Verpflichtung durchaus bewußt, einen großen und wachsenden Weltmarkt mit Sojabohnen zu beliefern, und wir tun unser Bestes, um dieser Verpflichtung nachzukommen .
Im letzten Jahr hat die amerikanische Regierung für den Anbau von Getreide und Sojabohnen über 16 Millionen Hektar Land zusätzlich freigegeben, was
etwa der gesamten bestellten Landfläche in Frankreich entspricht. Die vom

-6-

�,t

vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium Anfang Juli veröffentlichten
Erntevoraussagen, die auf den Anfang Juni eingegangenen Berichten basieren,
deuten auf eine potentielle Ertragssteigerung der Sojabohnenernte im September hin sowie auf einen zwar nicht ganz so großen, aber doch beträchtlichen
Mehrertrag bei der Getreideernte. Wenn das Wetter weiter günstig bleibt,
werden die Aussichten recht gut sein. In der letzten Woche sind aus der amerikanischen Bodenreserve weitere 7,6 Millionen Hektar für die Bestellung
freigegeben worden, was etwa der gesamten bestellten Landfläche in der Bundesrepublik Deutschland entspricht. Dieser Schritt wird 1974 zu einer weiteren Steigerung der verfügbaren Ernteerträge führen.
Nun zurück zu den Zweifeln, die angesichts der kürzlichen amerikanischen
Maßnahmen aufgekommen sind. Da die Launen des Wetters und die peruanischen
Fischfänge schlecht vorauszusehen sind, bezweifele ich es, daß irgend jemand
voraussagen kann, ob wir nun in eine Zeit chronischer Verknappungen in der

Landwirtschaft eingetreten sind oder nicht. Der stabilisierende Faktor in
der Nachkriegszeit scheinen die von den Vereinigten Staaten eingelagerten Vorräte gewesen zu sein. Wir glauben jedoch, daß die derzeitig offensichtliche
Verknappung

des Angebots kurzfristiger Natur sein wird. Wenn man über die

Zuverlässigkeit von Lieferanten spricht, so muß man auch die Zuverlässigkeit
der Kunden in Rechnung setzen. Beide Seiten müssen mit Vertrauen zueinander
arbeiten können.
Angenommen,wir sehen uns einer langfristigen strukturellen Veränderung
- auf kommerzieller Basis - von Angebot und Nachfrage auf der Welt gegenüber.
Meines Erachtens ist es dann Unsinn, wenn die heute hochindustrialisierten
Länder in der Landwirtschaft oder auf anderen Gebieten an eine neue Art von
Autarkie denken. Es scheint mir ganz unmöglich, die Uhr zurückzudrehen, selbst
auf der Basis einer erweiterten Europäischen Gemeinschaft, bis wir wieder
weit zurück in einer vor der Interdependenz liegenden Zeit sind. Ob wir es
gerne sehen oder nicht, unsere Volkswirtschaften sind so miteinander ver-

�verflochten, daß Selbstversorgung weder in der Landwirtschaft noch in der
Industrie, im Handel, auf dem Währungssektor oder bei Investitionen möglich
ist und daß es auf internationaler Ebene auch nicht möglich ist, sich bestimmte genehme Sektoren für einen langfristigen Schutz oder eine Selbstversorgung
herauszusuchen.

Internationale Investitionen

Ich möchte mich jet;zt Zweifeln zuwenden, die hinsichtlich des freien Kapitalflusses über die nationalen Grenzen hinweg geäußert worden sind. Die bewährten Prinzipien, die für den Abbau der Handelsschranken, sowohl in der Industrie wie in der Landwirtschaft, sprechen, gelten auch für den Kapitalverkehr. Dieser Faktor der Gütererzeugung wird am wirksamsten zum Tragen gebracht,
wenn ein freier Verkehr auf der Basis der Marktkräfte möglich ist. In dem
Maße, wie Regierungen den Markt für internationale Kapitalbewegungen verzerren,
gehen auch die Möglichkeiten zurück, die wirtschaftlichen Hilfsquellen für
alle auf die wirksamste Weise einzusetzen.
Aus politischen und sozialen Gründen müssen Regierungen in demokratischen Ländern manchmal von rein volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten abgehen.
Auf dem Investitionssektor besteht ein Druck in beiden Richtungen. In unserem
Falle haben die Vertreter der Gewerkschaften versucht, amerikanische Firmen
von Neugründungen im Ausland abzuhalten mit der Behauptung, daß damit amerikanischen Arbeitern Arbeitsplätze verloren gingen. Dieses Argument wird von
der amerikanischen Industrie heftig bestritten, und die Regierung hat für
eine stetige und offene Politik zusammen mit Steuervorschlägen optiert, um
sicherzustellen, daß der Kapitalverkehr nicht aufgrund künstlicher Anreize
stattfindet.
Manchmal erachten es Regierungen für notwendig, Kapitalflüsse aus Zahlungsbilanzgründen zu unterbinden. So haben die Vereinigten Staaten mehrere
Jahre lang eine Zinsausgleichssteuer auf aus den USA nach anderen Ländern

-8-

�Ländern abfließendes Kapital erhoben. Diese Steuer gilt sowohl für amerikanischeswie auch für ausländisches Kapital. Dm den Anreiz zu steigern und um
den Investanten zu versichern, daß sie bei einer späteren Rückführung ihrer
aus den USA abgezogenen Gelder nicht bestraft werden, hat Finanzminister Shultz
im Februar dieses Jahres angekündigt, daß die Zinsausgleichssteuer Ende 1974
auslaufen wird.
Einige Regierungen haben die Bedingungen auf dem internationalen Investitionsmarkt auf andere Weise geändert, indem sie den eigenen und den ausländischen Geschäftsleuten beträchtliche Anreize boten. Die Vereinigten Staaten sind der Auffassung, daß es genauso wichtig ist, für internationale Investitionen eine gleiche Behandlung sicherzustellen wie beim Welthandel. Aus
diesem Grunde haben wir in der Organisation für Europäische Zusammenarbeit
und Entwicklung (OECD) auf die Durchführung einer Studie über die verzerrenden
Auswirkungen der Investitionspolitik von Regierungen gedrängt, die zu Richtlinien für steuerliche und sonstige Anreize führen würde, die von den Regierungen beachtet werden müßten, wenn sie ausländisches Kapital anziehen und
lenken wollen.
Besondere umstände können besondere Lösungen erfordern. Ich möchte annehmen, daß, genauso wie die GATT-Bestimmungen außergewöhnliche Maßnahmen in
außergewöhnlichen Situationen vorsehen, bei den Verhaltensnormen für internationale Investitionen das gleiche gilt. Solange es solche internationalen Normen noch nicht gibt, steht jedoch der Weg für den Wettbewerb um ausländisches
Kapital offen. Bei einem solchen Wettbewerb können sowohl die Kapitalgeber
wie die Kapitalnehmer Schaden leiden. Regierungen werden vielleicht feststellen, daß die von ihnen gewährten Konzessionen größer als die erzielten Vorteile sind, während die privaten Investoren vielleicht feststellen werden, daß
ihre langfristigen Kalkulationen auf falschen Annahmen basieren.

Schlußfolgerungen

�Schlußfolgerungen
Ich sollte am Ende noch einen weiteren kontroversen Punkt anschneiden,
der

sich hinter dem Schlagwort 'Globalisierung' verbirgt. In unserer Umgangs-

sprache sind damit die angeblichen amerikanischen Bemühungen gemeint, alle
Aspekte unserer Beziehungen zu Europa in ein großes Verhandlungspaket zu
packen. Das ist jedoch nicht das, worauf sich Dr. Kissinger bezog, als er
betonte, daß der amerikanisch-europäische Handel, monetäre, politische und
Sicherheitsfragen aufgrund der Realitäten eng miteinander verknüpft sind.
Er hat nicht vorgeschlagen, daß sie alle in einer einzigen Verhandlungsrunde
behandelt werden sollten.
Die am meisten ins Auge fallenden Bindeglieder auf wirtschaftlichem Gebiet sind Handel und Geld. Handelsbilanzen wirken sich auf den internationalen
Wert der Währungen aus, und Änderungen der Wechselkursparitäten wirken sich
auf den Handel aus. Es ist ermutigend, daß unsere europäischen Partner diese
Konzeption nur 18 Monate später akzeptiert haben, nachdem wir den Gedanken
engerer Beziehungen zwischen Handels-und Währungsverhandlungen ins Gespräch gebracht hatten.
Ich habe einige weitere Bindeglieder angedeutet. Es ist nicht möglich,
ausgewogene und auf Gegenseitigkeit beruhende Handelsverhandlungen ohne Einbeziehung des Agrarsektors zu führen. In gleicher Weise muß jedes lebensfähige
internationale Wirtschaftssystem vereinbarte Regeln über Maßnahmen einschliessen, die sich auf den Fluß von Investitionen auswirken.
Im größeren Rahmen lassen sich Frieden und Sicherheit auf der Welt -innerhalb oder außerhalb von Bündnissen - kaum ohne gleiche und praktisch durchführbare Bestimmungen für das Wirtschaftsgeschehen aufrechterhalten. In diesem Sinne ist 'Globalisierung* ein relevanter Begriff..."

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29/1973

KONFERENZ DES ZWANZIGER-AUSSCHUSSES ENDETE IN OPTIMISTISCHER ATMOSPHÄRE
Von Eugene Brake
WASHINGTON --(AD)-- Die zweitägigen Gespräche der Finanzminister und Notenbankpräsidenten der im Zwanziger-Ausschuß vertretenen Länder, die am 30
und 31. Juli in Washington stattfanden, haben alle Teilnehmer davon überzeugt, daß der Wille vorhanden ist, tragbare Kompromisse bei den entscheidenden Fragen zu finden, die noch den Weg zu einem neuen internationalen Währungssystem versperren.
Dies zeigen übereinstimmend erste Äußerungen einzelner Konferenzteilnehmer. So erklärte ein europäischer Notenbankpräsident, er sei mit sehr geringen Erwartungen zu der Konferenz gekommen, habe jedoch jetzt das Gefühl, daß
eine Beilegung der noch bestehenden Meinungsverschiedenheiten möglich sei.
Damit könne dann mit der Ausarbeitung der Artikel eines neuen Abkommens bereits im kommenden Frühjahr begonnen werden.
Per Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, wollte sich nicht ganz so spezifisch äußern. Nach Abschluß der Konferenz sagte er vor Korrespondenten, unter den Teilnehmern habe allgemein
die Auffassung bestanden, daß es nunmehr möglich sei, weiter voranzugehen,
und daß für die Probleme, die in den bisherigen Verhandlungen aufgetreten
seien, praktikable Lösungen gefunden werden könnten.
Vor

�Vor allem bei zwei eng miteinander verbundenen Problemen, die für eine
Feform des internationalen Währungssystems von entscheidender Wichtigkeit sind
- der Anpassungsprozeß und die Konvertierbarkeit - , konnten Fortschritte in
Richtung auf eine Annäherung der Standpunkte erzielt werden. Offensichtlich
sind die einzelnen Delegationen jetzt befriedigt darüber, daß die Vereinigten
Staaten kein vollautomatisches Anpassungssystem vorschlagen - ein System, das
Überschußländer zu bestimmten Maßnahmen zwingen würde, sobald ihre Reserven
eine bestimmte Höhe erreicht haben. Diese Möglichkeit hat Volcker ganz ausgeschlossen. Gleichzeitig wurde in immer stärkerem Maße die Nützlichkeit eines
objektiven Indikators anerkannt, der zur Korrektur von Ungleichgewichten in
den internationalen Zahlungsbilanzen beitragen soll. Und man war sich auch da~
rüber im klaren, daß eine Möglichkeit gegeben sein muß, auf Überschußländer
einen gewissen Druck ausüben zu können, wenn das System "symmetrisch" sein
soll.
Bei Defizitländern besteht, wie Volcker betonte, ganz naturgemäß ein
Druck, Maßnahmen zur Korrektur von Zahlungsbilanzungleichgewichten zu ergreifen. Defizitländern bleibt keine andere Wahl, als Veränderungen ihrer Wechselkurse zuzulassen oder andere korrigierende Maßnahmen zu ergreifen, wenn sie
mit ihren Reserven oder Kreditmöglichkeiten am Ende sind. Nunmehr gehe es darum, einen Weg zu finden, um einen ähnlichen Druck auch auf Überschußländer
auszuüben. Den europäischen Vorschlag, eine Art Steuer auf Überschußreserven
eines Landes zu erheben, ist nach den Worten Volckers ein Versuch zur Lösung
dieses Problems.
Volcker unterstrich jedoch zugleich, daß weder die Vereinigten Staaten
noch irgendein anderes Land ein neues internationales Währungssystem wünschten,
das weitgehend auf Druck oder Sanktionen basiere. Das Ziel sei vielmehr, klar
umrissene Verhaltensnormen festzulegen, an die die Länder sich zu halten haben..
Nur wenn sie dies nicht tun, könnten Strafen angewandt werden, aber es sei
wichtig, wie Volcker sagte, daß die Möglichkeit eines internationalen Druckes

�Druckes im Hintergrund stehe.
Die Fragen der Konvertierbarkeit und der A n p a s s u n g stehen In einem engen
Zusammenhang zueinander und nach Auffassung der Vereinigten Staaten ist ein
striktes Konvertierbarkeitssystem

- bei dem die Vereinigten S t a a t e n zur Ein-

w e c h s l u n g v o n D o l l a r , die sich im Besitz anderer Notenbanken befinden, in a n dere R e s e r v e n m e d i e n bereit sein m ü ß t e n - für sie nicht tragbar, sofern nicht
auch der A n p a s s u n g s p r o z e ß so strikt gehandhabt w i r d , daß ein Entstehen

großer

Defizite oder Überschüsse in den Zahlungsbilanzen der einzelnen L ä n d e r verhindert w i r d . Die Konvertierbarkeitsfrage
jedoch ein anderes Gesicht, w e n n ein

erhält nach den W o r t e n V o l c k e r s

" M u l t i w ä h r u n g s s y s t e m " für I n t e r v e n t i o -

nen angenommen w ü r d e , bei dem die einzelnen R e g i e r u n g e n bei ihren M a ß n a h m e n
zur Stabilisierung der W e c h s e l k u r s e statt w i e bisher nur Dollar k ü n f t i g ein
Paket verschiedener W ä h r u n g e n benutzen w ü r d e n .
A u c h die Frage eines Zusammenhanges zwischen der Reform des internationalen Währungssystems und der E n t w i c k l u n g s h i l f e

ist auf der Sitzung eingehend er-

örtert w o r d e n . Nach den W o r t e n Volckers hat sich der amerikanische

Standpunkt

in dieser Frage nicht g e ä n d e r t . Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n , so erklärte V o l c k e r ,
begrüßten und gewährten E n t w i c k l u n g s h i l f e , hielten jedoch eine Abgrenzung gegenüber M a ß n a h m e n für erforderlich, die das internationale

Währungssystem

funktionsfähig erhalten sollen.Die Entwicklungsländer w ü r d e n am m e i s t e n v o n
einem internationalen Währungssystem p r o f i t i e r e n , das w i r k s a m und

reibungslos

a r b e i t e , einen o f f e n e n Handel gewährleiste und eine Prosperität ihrer Volksw i r t s c h a f t e n ermögliche.
II I

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29/1973
EBERLE: USA LASSEN ÜBER AGRARIMPORTE MIT SICH REDEN
Von John Holway
WASHINGTON -~(AD)~~ Die Vereinigten Staaten sind bereit, über eine Senkung
der Schranken für Agrarimporte zu sprechen, wenn dafür ein besseres "Management" ähnlicher Schranken in Europa und anderswo zugesagt wird. Dies erklärte der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsverhandlungen,
Botschafter William Eberle, am 25. Juli vor amerikanischen Landwirtschaftsattaches in Washington.
Eberle, der die amerikanische Delegation bei den internationalen Handelsverhandlungen führen wird, die im September in Tokio beginnen sollen,
gab in großen Zügen einen Überblick über seine Verhandlungsposition. Nach
den Worten Eberles zielen die Vereinigten Staaten auf eine Stärkung der
Marktmechanismen ab und wollen im Agrarhandel von Subventionen, Zöllen und
anderen verzerrenden Maßnahmen wegkommen. Wenn die Europäische Gemeinschaft
erkläre, daß ihre Gemeinsame Agrarpolitik (CAP) nicht Verhandlungsgegenstand sein könne, so sagte Eberle weiter, dann sei es nicht allzu schwierig
für die USA, das zu akzeptieren. Amerika verlange nicht von Europa, daß es
sein System aufgeben solle, aber es gebe genügend Spielraum, über die Anwendung des Systems zu verhandeln. Man müsse sich auf die Gebiete konzentrieren, auf denen die Anwendung der Gemeinsamen Agrarpolitik verbessert werden
könne .
Als ein weiteres Gebiet, über da^s man sprechen könne« nannte Eberle die
Exportsubventionen. Die beste Gelegenheit, diese Subventionen abzubauen, sei

-1-

�sei eine Zeit hoher Preise. Auch über die Abschöpfungen könne man verhandeln,
denn es sei immerhin bedeutsam, ob diese variablen Abgaben 100 Prozent des
Importpreises ausmachten oder nur 60 Prozent.
Wie Eberle betonte, würde ein Abbau der Schranken zur Bekämpfung der
Inflation beitragen und dem Verbraucher zugutekommen. Das gelte auch für Japan.
Die Vereinigten Staaten ihrerseits prüfen nach den Ausführungen Eberles
Möglichkeiten, ihrerseits Schranken abzubauen. So habe das amerikanische Landwirtschaftsministerium eine Studie über mögliche Auswirkungen der Abschaffung
aller Restriktionen für die Einfuhr von Molkereiprodukten in den Jahren zwischen 1972 und 1980 erstellen lassen. Nach der Studie könnte dies zu einem
Rückgang der amerikanischen Milcherzeugung um zehn Prozent führen; dieser
Verlust würde jedoch durch die Steigerung der Produktion auf anderen Agrargebieten mehr als ausgeglichen. Diese Studie sei nur eine von vielen, die gegenwärtig durchgeführt würden. Sie sei, so betonte Eberle, "keine Verhandlungs
basis, aber wir suchen nach Ideen." Eberle wies weiter darauf hin,» daß Japan
mehr Orangen nach den USA verkaufen wolle, die Entwicklungsländer mehr tropische Früchte, Australien mehr Weizen und Wolle und Kanada mehr Früchte und
Gemüse. "Wir sind bereit, über diese Dinge zu sprechen in dem Sinne: Wie kommen wir zu einer besseren Handelsbilanz?", so betonte Eberle. ,
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten wies darauf hin, daß Europa über
hohe amerikanische Industriezölle sprechen wolle, und das sei durchaus legitim
Aber es müsse sowohl auf dem Industriesektor wie auch auf dem Agrarsektor ein
Fortschritt erzielt werden. Er bekräftigte erneut, daß die Vereinigten Staaten
danach streben, das System der M^istbegünstigungsklausel auf das Sonderpräferenzsystem des Gemeinsamen Marktes angewendet zu sehen. Amerika begreife zwar,
daß es besondere kulturelle und historische Bindungen gebe, aber es sei zu
fragen, ob das für 55 Länder gelte.
Eberle

-2-

�Eberle räumte ein, daß auch über Exportkontrollen, wie etwa die amerikanische Kontrolle für die Ausfuhr von Sojabohnen und Schrott gesprochen werden müsse. Auf der anderen Seite brauche es die Welt nicht zu schockieren,
wenn ein Land bei Verknappungen einzelner Agrarprodukte ein System von Kontrollen benötige. Dies könne sogar vorteilhaft sein. Wenn manche Länder über
dieses Problem sprechen wollten, dann seien die USA jedoch nicht negativ eingestellt.
Der Sonderbeauftragte des Präsidenten unterstrich ferner die Parallelität
der Handelsverhandlungen und der im September in Nairobi beginnenden Weltwährungsgespräche. Handels-, Währungs-*und Investitionssysteme machten zusammen ein besseres Gesamtwirtschaftssystem aus, so sagte er. Die Handelsgespräche sollten auf jeden Fall fortgeführt werden, auch wenn es noch kein Übereinkommen in den gegenwärtigen Gesprächen über Kompensationen der USA für Handelsverluste durch den Beitritt Großbritanniens zum Gemeinsamen Markt gebe. Er
hoffe jedoch,daß ein solches Übereinkommen bis September erreicht werde.

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29/1973

US-HANDELSMINISTERIUM GIBT WEITERE EINZELHEITEN DES LIZENZIERUNGSSYSTEMS
BEKANNT
-Wortlaut-

WASHINGTON --(AD)-- Das amerikanische Handelsministerium hat am 27. Juli
weitere Einzelheiten des Lizenzierungssysteros für die 41 Agrarprodukte bekanntgegeben, für deren Ausfuhr aufgrund der Ankündigung vom 5. Juli vorübergehend Lizenzen ausgestellt werden müssen. Die Bekanntgabe des Handelsministeriums hat folgenden Wortlaut:
"Am 5. Juli hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für 41
Agrarprodukte, darunter eßbare Öle, tierische Fette und proteinhaltiges Viehfutter, bekanntgegeben.
Aufgrund der die 41 Agrarprodukte betreffenden Bekanntgabe vom 5. Juli
sind Lizenzen für Aufträge ausgestellt worden, die am oder vor dem 13. Juni
1973 für Exporte vor dem 1. Oktober 1973 angenommen worden sind. Heute
(27. Juli) hat das Handelsministerium ein Lizenzierungssystem für den Export
dieser Agrarprodukte aufgrund von Aufträgen bekanntgegeben, die nach dem
13. Juni angenommen worden sind, aber noch vor dem 1. Oktober ausgeführt
werden sollen. Es hat ferner die beschlossenen Verfahren für Erdnußmehl und
Baumwollsaatmehl, die Aflotoxin enthalten, verkündet.
Erstens werden für die neun Agrarprodukte, Sojabohnen und Baumwollsaatöl usw., Lizenzen für die Ausfuhr vor dem 1. Oktober zu 100 Prozent ausgestellt .solange noch ein Rest an nicht ausgeführten Aufträgen besteht, die

-1

�die am oder vor dem 20. Juli angenommen und gemeldet worden waren

Dies ist

der letzte Meldetermin für die bisherige Fortschreibung der Statistiken über
die veranschlagten Gesamtexporte.
Das Handelsministerium warnt die Exporteure davor, irgendwelche Schlüsse
bezüglich eines Lizenzierungssystems für Exportaufträge bei diesen neun AgrarProdukten zu ziehen, die nach diesem Termin gemeldet worden sind.
Zweitens werden Lizenzen für die 32 anderen Agrarprodukte ausgestellt
und zwar unter Berücksichtigung der Mengen, die jeder Exporteur von diesen
Agrarprodukten jeweils in den Monaten Juli bis September 1972 ausgeführt hat.
Praktisch wird der Exporteur eine Quote auf der Basis der bisherigen Ausfuhren
bei jedem dieser Agrarprodukte erhalten. Gegen diese Quote werden alle Exportlizenzen für Aufträge aufgerechnet, die am oder vor dem 13. Juni angenommen worden sind. Sofern diese Ausfuhren die Quote nicht übersteigen, kann für
den Rest eine Lizenz auf nach dem 13. Juni angenommene Aufträge für eine Ausfuhr vor dem 1. Oktober ausgestellt werden.
Für alle diese 32 Agrarprodukte, ausgenommen Talg, der nicht für menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote jeweils 100 Prozent der Exporte
in den Monaten Juli bis September 1972 betragen. Bei Talg, der nicht für den
menschlichen Genuß bestimmt ist, wird die Quote auf 90 Prozent der früheren
Ausfuhren des Exporteurs festgelegt. Es werden Lizenzen auf dieser Basis von
100 Prozent der nicht ausgeführten Aufträge, die nach dem 13. Juni angenommen wurden, solange ausgestellt, bis die Quotenhöchstgrenze erreicht ist.
Darüber hinaus hat das Handelsministerium bekanntgegeben, daß es die
noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Exportaufträge auf Lieferung von für den menschlichen Genuß geeigneten Erdnüssen zu 100 Prozent lizenzieren wird, gleichgültig wann diese Aufträge angenommen wurden. Allerdings muß der Exporteur bei der Ausfuhr der Zollstelle eine Bescheinigung des
US-

••;.' . "

-2-

�US-Landwirtschaftsministeriums vorlegen, daß es sich um Erdnüsse handelt, die
für den menschlichen Genuß geeignet sind.
Bei Erdnußmehl, das 25 ppm Aflatoxin enthält, wird das Handelsministerium
die noch nicht ausgeführten Teile aller angenommenen Aufträge zu 100 Prozent
lizenzieren, gleichgültig zu welchem Zeitpunkt der Auftrag angenommen wurde.
Allerdings muß bei der Ausfuhr eine Bescheinigung des US-Landwirtschaftsministeriums über den Aflatoxingehalt vorgelegt werden.
Ferner teilt das Handelsministerium mit, daß zwar kein Lizenzierungssystem für aflatoxinhaltiges Baumwollsaatmehl geschaffen worden ist, daß jedoch
Exporteure, die eine Lizenz für solche Exporte erhalten wollen, diese unter Berufung auf die Härteparagraphen der Exportkontrollbestimmungen, die am 10.
Juli 1973 veröffentlicht worden sind, beantragen sollen."

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29/1973
DIE WIRTSCHAFTLICHE ENTWICKLUNG IN DEN USA IM JUNI
- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates WASHINGTON --(AD)— Der Wirtschaftsbeirat des Präsidenten hat am 26. Juli
seinen Bericht über die wirtschaftliche Entwicklung in den Vereinigten Staaten im Juni dieses Jahres veröffentlicht, in dem es unter anderem heißt:
Die im Juli veröffentlichten Statistiken für den Monat Juni und davor
zeigen ungewöhnlich scharfe Kontraste in der Wirtschaft.
1.

Die Inflation hat weiterhin rasch zugenommen bis zu dem Zeitpunkt, als

am 13. Juni der Preisstopp angeordnet wurde. Trotz der Inflation waren jedoch die Realeinkommen der Verbraucher nach Anpassung an die Preise hoch
und zeigten eine steigende Tendenz.
2.

Die Expansionsrate in der Wirtschaft hat sich verlangsamt, Produktion

und Beschäftigung waren jedoch hoch, und die Arbeitslosigkeit ging zurück.
3.

Unsere internationale Handelsbilanz hat sich verbessert, der Wert des

Dollar an den ausländischen Devisenmärkten ging jedoch zurück.
Das überragende Problem, was die Aufmerksamkeit der amerikanischen Öffentlichkeit und Regierung angeht, war die Inflation.
Die überragende Tatsache, was die Lebensbedingungen der amerikanischen
Bevölkerung angeht, war der hohe Stand der realen Einkommen und des realen
Verbrauchs.
Der
-1-

�Der Index der Verbraucherpreise stieg von Mai bis Juni um 0,6 Prozent.
Dieser Anstieg trat fast ausschließlich vor dem Preisstopp II ein. über das
Verhalten der Preise während des Preisstopps liegen noch keine statistischen
Unterlagen vor.
Der Anstieg der Verbraucherpreise im Juni um 0,6 Prozent war der gleiche wie im April und im Mai. Die Zunahme während dieser drei Monate war etwas
geringer als in den vorangegangenen drei Monaten. Die Jahresrate der Zunahme
des Verbraucherpreis-Indexes ging von 8,6 Prozent in den ersten drei Monaten
des Jahres auf 7,4 Prozent im zweiten Quartal zurück. Diese leichte Verlangsamung der Inflationsrate war auf einen Rückgang der Inflationsrate bei den
Lebensmittelpreisen zurückzuführen, die jedoch selbst nach dem Rückgang außerordentlich hoch blieben...
Ziemlich weitverbreitet war die Zunahme der Verbraucherpreise außerhalb
des Lebensmittelsektors. Außergewöhnlich starke Zunahmen traten bei Benzin
und Gebrauchtwagen auf. Zu der Beschleunigung der Preisbewegung trugen auch
wesentlich Kleidung und Dauergüter für den Haushalt bei.
Ein wichtiges Element der Preissteigerungen in diesem Jahr war der scharfe Anstieg der Importpreise, was zum Teil auf den Weltboom und zum Teil auf
die Abwertung zurückzuführen war. Obwohl der Anteil dieses Faktors schwer zu
erfassen ist, läßt sich der Umfang aus der Tatsache ermessen, daß der Preisindex für Importe (in den Berechnungen des Bruttosozialproduktes) zwischen dem
ersten und dem zweiten Quartal dieses Jahres mit einer Jahresrate von 41 Prozent gestiegen ist. Die Preise der in den Großhandelspreisindex aufgenommenen
importierten Industriegüter stiegen in den ersten sechs Monaten dieses Jahres mit einer Jahresrate von 39 Prozent...
Das zweite Quartal 1973 brachte eine deutliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz. Auf der Basis eines Indikators überstiegen die Exporte in diesem Quartal etwas die Importe, verglichen mit einem Importüber-

-2-

�Importüberschuß von 1,5 Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Auf der Basis
eines anderen Indikators war im zweiten Quartal 1973 noch immer ein Delizit
von rund 300 Millionen Dollar vorhanden gegenüber einem Defizit von 1,7
Milliarden Dollar vor zwei Quartalen. Nach den Statistiken des Bruttosozialproduktes änderten sich unsere Nettoexporte an Gütarn und Dienstleistungen
von einem Defizit auf Jahresbasis von 5,7 Milliarden Dollar vor einem Jahr
in einen Überschuß - auf Jahresbasis - von 1,7 Milliarden Dollar im zweiten
Quartal 1973. Diese BSP-Statistiken sind jedoch erst vorläufig...
Die Statistiken für das erste Halbjahr zeigen das Bild einer Wirtschaft;
mit großen Leistungen - in Produktion, im Realeinkommen, in der Beschäftigung
und in der Handelsbilanz.Es trat eine notwendige und wünschenswerte Verlangsamung der Expansionsrate ein, ohne daß jedoch irgendwelche Anzeichen von
Störungen sichtbar wurden. Die Wirtschaft kämpfte mit einem großen Inflationsproblem. Ein Element in diesem Kampf war die Anstrengung der Regierung, die
Ausgaben zu beschränken.
Im Finanzjahr 1972/73 betrugen die Bundesausgaben 246 Milliarden Dollar,
was wesentlich unter den ursprünglichen Haushaltsvoranschlägen lag. Die Zunahme des Geldumlaufs im ersten Halbjahr lag bei einer Jahresrate von rund
sechs Prozent, verglichen mit einer Jahresrate von acht Prozent im Jahre 1972.
Ende des ersten Halbjahres wurde eine Intensivierung der antiinflationären
Anstrengungen bekanntgegeben. Das System der Lohn-Preis-Kontrollen soll wesentlich verschärft werden. Eine Politik der monetären Zurückhaltung soll fortgesetzt werden. Das Ziel der Politik soll ein restriktiverer Haushaltsansatz
sein, um das Budget für das Finanzjahr 1973/74 auszugleichen. Auf diese Weise
will die Regierung versuchen, die Inflation einzudämmen und gleichzeitig den
Wohlstand des Landes aufrechtzuerhalten.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Botschafter Greenwald bekräftigt Unterstützung der europäischen Integration&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Konferenz des Zwanziger-Ausschusses endete in optmistischer Atmosphäre&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eberle: USA lassen über Agrarimporte mit sich reden&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von John Holway&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsministerium gibt weitere Einzelheiten des Lizenzierungssystems bekannt&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die wirtschaftliche Entwicklung in den USA im Juni&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus dem Bericht des Wirtschaftsbeirates -&lt;/em&gt;</text>
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