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28

2 5 .Juli

1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Präsident Nixon gibt neues Stabilisierungsprogramm bekannt
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18. JuliDas neue wirtschaftliche Stabilisierungsprogramm in Stichworten
-WortlautUSA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-WortlautVolcker verweist auf Fortschritte der internationalen Währungsgespräche
-Auszüge-

HI NTERGRUNDMATERIAL :
Alaska-Pipeline könnte Situation auf dem Weltölmarkt einschneidend
ändern

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Vitamin Bft-Zusatztherapie bei Langzeitdialyse

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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28/1973

PRÄSIDENT NIXON GIBT NEUES STABILISIERUNGSPROGRAMM BEKANNT
-Auszüge aus der Erklärung des Präsidenten vom 18.Juli-

WASHINGTON —(AD)-- Präsident Nixon hat am 18. Juli die Maßnahmen der
Phase IV seines Programmes zur Stabilisierung von Preisen und Löhnen bekanntgegeben. Die wesentlichen Teile der Erklärung des Präsidenten haben
folgenden Wortlaut:
"Das amerikanische Volk steht jetzt vor einer äußerst wichtigen Entscheidung. Wir haben einen Preisstopp, um die Inflationswelle einzudämmen,
die ausbrechen würde, wenn die Kontrollen aufgehoben würden. Gleichzeitig
drückt aber der Preisstopp auch die Produktion herab und schafft so Verknappungen, die bei einem Anhalten des Preisstopps und der Kontrollen
immer schlimmer zu werden drohen und zu noch höheren Preisen führen koennen.
In dieser Situation sind uns zwei extreme Ratschläge angeboten worden. Der eine Vorschlag besagt, daß wir Preis-und Lohnkontrollen als ständigen Aspekt der amerikanischen Wirtschaft akzeptieren sollten... Der andere Vorschlag läuft darauf hinaus, jetzt den Schritt zur Freiheit zu tun
und alle Kontrollen sofort aufzuheben...
Wenn

-1-

�Wenn wir klug sind, dann entscheiden wir uns heute nicht für einen
dieser extremen Vorschläge, sondern bemühen uns um den bestmöglichen

Aus-

gleich zwischen unseren Interessen, indem wir die Inflationsrate auf der
einen Seite verlangsamen und die Produktion sowie Produktivität der USA
auf der anderen Seite erhalten.
Die Hauptelemente der von uns benötigten Politik sind folgende:
Erstens, das Kontrollsystem muß greifen...
Zweitens, das Kontrollsystem muß selektiv sein, Es muß eine Lockerung
der Beschränkungen zulassen, die die Produktion am stärksten beeinträchtigen. ..
Drittens, das Kontrollsystem muß eine ausreichende Gewähr dafür bieten,
daß es zu gegebener Zeit auslaufen wird, damit der Anreiz zu Investitionen
und zur Produktion erhalten bleibt und ein Schutz gegen Bestrebungen besteht, die Kontrollen zu verewigen.
Viertens, das Kontrollsystem muß durch entschlossene Maßnahmen zum
Ausgleich des Haushalts untermauert werden, so daß die Übernachfrage den
inflationistischen Druck nicht ständig nährt, der das Leben mit oder ohne
Kontrollen so erschwert.
Wir hatten 1973 ein ungewöhnliches Zusammentreffen von Umständen, die
zu einem schnellen Preisauftrieb führten. Die Binnenwirtschaft erlebte einen
Boom von ungewöhnlichem Ausmaß, der einesehr starke Nachfrage nach Gütern
und Dienstleistungen auslöste. Der Boom in anderen Ländern und die Dollarabwertung, so erwünscht diese von den meisten Gesichtspunkten her auch
sind, haben die Preise für Waren, die wir exportieren oder importieren,
steigen lassen.
Diese Kräfte lösten Anfang 1973 einen starken Preisanstieg aus. Der
Index der Verbraucherpreise erhöhte sich in der Zeit von Dezember 1972 bis
Mai 1973 - auf Jahresbasis - um rund 8 Prozent...
Ein

�Ein gewisser angestauter Druck für eine We!!e von Preiserhöhungen ist
für das Ende des Preisstopps zu erwarten. Abgesehen von dieser noch nicht
verkrafteten Welle von Preiserhöhungen bestehen die Bedingungen, die Anfang
1973 zu dem Preisanstieg führten, aber noch weiter, auch wenn es nicht mehr
so viele sind. Die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen wird weniger
stark als im ersten Halbjahr ansteigen. Das Lebensmittelangebot wird zunehmen, wenn

auch nicht schnell genug. Unsere Position im Welthandel wird sich

verbessern, und dies wird den Dollar stärken.
Alles in allem wird die Tendenz zu Preissteigerungen in den restlichen
Monaten des Jahres 1973 - eine Tendenz, die sich entweder in höheren Preisen niederschlagen oder durch Kontrollen unterdrückt wird - weniger stark
als im ersten Halbjahr, aber immer noch größer als erwünscht sein.
Vor allem gibt es keine Möglichkeit - mit oder ohne Kontrollen -, einen
beträchtlichen Anstieg der Lebensmittelpreise zu verhindern. Bis 1974 sollten wir jedoch eine wesentlich gemäßigtere Inflationsrate erreichen können.
Dann wird die für dieses Jahr zu erwartende gute Futtermittelernte zu einem
weit größeren Lebensmi.ttelangebot geführt haben, und die Gesamtnachfrage
dürfte dann weniger schnell als 1973 steigen.
Diese befriedigendere Situation auf der Inflationsfront wird erreicht
werden, wenn drei Bedingungen erfüllt sind:
Erstens ... müssen wir ... Preise und Löhne niedrig halten.
Zweitens dürfen wir es nicht zulassen, daß die derzeitigen Kontrollen
1974 die Produktion stark herunterdrücken - ein Problem, das bei Fleisch und
Geflügel am deutlichsten auftritt.
Drittens dürfen wir es nicht zulassen, daß die Übernachfrage andauert
oder wieder auflebt, die neue inflationistische Kräfte auslösen wird. Aus
diesem Grunde ist die Kontrolle des Bundeshaushalts ein unerläßlicher Bestandteil der Gesamtanstrengungen...
Das

-3-

�Das Kontrollprogramm der Phase IV

Die Kontrollen werden bindend sein. Der Erfolg des Programms wird jedoch von einem hohen Maß an freiwilliger Einhaltung abhängen...
Trotzdem sind die von uns jetzt vorgeschlagenen Bestimmungen strenger,
und es ist nur fair gegenüber denjenigen, die sich freiwillig daran halten,
sicherzustellen, daß die anderen dazu gezwungen werden.
Mit Ausnahme der Lebensmittel wird der Preisstopp bis zum 12. August
in Kraft bleiben. Es werden jedoch Modifizierungen der Preisstoppbestimmungen vorgenommen werden, um die gröbsten Ungerechtigkeiten zu beseitigen.
Grundlegend für die Preisbestimmungen der Phase IV ist, daß die Preise
in dem Ausmaß steigen dürfen, wie sich die Kosten erhöhen, und zwar in
Dollar pro Einheit und ohne irgendeine Gewinnspanne auf die zusätzlichen
Kosten... Die Lohnbestimmungen der Phase II und III werden weiter in Kraft
bleiben. Bei größeren Belegschaften wird eine Benachrichtigung von Lohnanhebungen weiterhin erforderlich sein.
Dies sind, und das räumen wir ein, einschneidende Bestimmungen, in gewisser Hinsicht einschneidender als in der Phase II. Aber die Situation
ist ebenfalls in vieler Hinsicht schwieriger als in Phase II. Solange das
System jedoch als vorübergehend betrachtet wird, kann unserer Ansicht nach
die Wirtschaft weiter prosperieren, der Arbeitsfriede in der Industrie gewahrt bleiben und die Produktion im Rahmen dieser Bestimmungen sich weiter
ausweiten...
Die besondere Situation bei Lebensmitteln
Nirgendwo ist das Dilemma der Preiskontrollen deutlicher zu Tage getreten als bei Lebensmitteln. Zu Anfang des Jahres bildeten die steigenden Lebensmittelpreise den Hauptteil des Inflationsproblems, statistisch wie auch

�auch psychologisch. Wenn es irgendwo einer Zurückhaltung bei den Preisen bedurft hätte, so war dies bei Lebensmitteln der Fall. Aber seit für die Fleisch
preise am 29. März Höchstgrenzen festgesetzt wurden und besonders seit dem
am 13. Juni verfügten Preisstopp, hat sich bei den Lebensmitteln ganz deutlich gezeigt, wie schädlich Kontrollen für die Versorgung sein können. Wir
haben erlebt, wie Küken ertränkt und trächtige Schweine und Kühe, also praktisch im kommenden Jahr anfallende Lebensmittel, geschlachtet und Versandbetriebe geschlossen wurden...
Wir müssen sorgfältig einen Weg verfolgen, der zwischen einer Preispolitik für Lebensmittel,die so starr ist, daß die Erzeugung stark eingeschränkt wird

und die so zwangsläufig in einigen Monaten zu Verknappungen

führt, und einer Preispolitik für Lebensmittel liegt, die so locker ist, daß
sie uns einen unnötigen und untragbaren Preisauftrieb bringt. Auf dieser Basis haben wir für Lebensmittel die folgenden besonderen Bestimmungen erlassen:
1.

Ab sofort können Erzeuger und Verteiler von Lebensmitteln, Rindfleisch

ausgenommen, ihre Preise in Cent pro Stück in dem Maße erhöhen, wie die
Kosten für die landwirtschaftlichen Rohprodukte seit dem Basiszeitraum für
den Preisstopp (1.-8.Juni) gestiegen sind.
2.

Für die Rindfleischpreise gelten weiterhin die gegenwärtigen Höchst-

grenzen.
3.

Die oben genannten besonderen Bestimmungen laufen am 12. September

aus; nach diesem Zeitpunkt gelten für Lebensmittel die gleichen Bestimmungen
wie für andere Produkte.
4.

Landwirtschaftliche Rohprodukte bleiben von den Preiskontrollen ausge-

nommen.
Um

-5-

�Um eine Erleichterung bei den extrem hohen Preisen für Futtermittel
zu schaffen, die .sich stark auf die Preise für Fleisch, Geflügel, Eier und
Molkereiprodukte auswirken, haben wir Exportbeschränkungen für Sojabohnen
und verwandte Erzeugnisse eingeführt, bis die neue Ernte auf den Markt kommt.
Diese Beschränkungen werden bis dahin in Kraft bleiben. Ständige Exportkontrollen sind jedoch nicht die Politik dieser Regierung, und wir beabsichtigen im Augenblick keine Ausdehnung der Kontrollen über den derzeitigen
Stand hinaus. In gewissem Maße hebt sich die Wirkung von Exportkontrollen
als Antiinflationsmaßnahme von selbst auf. Eine Begrenzung unserer Exporte
verringert unsere Devisenerlöse, drückt den Wert des Dollar und erhöht die
Kosten der Waren,' die wir einführen, was sich wiederum auf die Lebenshaltungskosten der amerikanischen Familien auswirkt. Eine Begrenzung unserer
Agrarexporte läuft darüber hinaus auch unserer grundlegenden Politik zuwider,
Absatzmärkte für unsere Agrarerzeugnisse im Ausland zu erschließen. Sofern
die Ernteerwartungen bei uns nicht sehr enttäuschend sind oder die Auslandsnachfrage äußerst groß ist, werden Exportkontrollen nicht erforderlich
sein. Das Melden von Exportaufträgen für Agrarerzeugnisse wird jedoch auch
weiterhin notwendig sein. Unsere Politik muß stets davon ausgehen, daß die
Aufrechterhaltung einer ausreichenden Lebensmittelversorgung im Inland von
grundlegender Wichtigkeit ist.
Die Stabilität der amerikanischen Wirtschaft in den kommenden Monaten
und Jahren bedingt eine maximale Agrarerzeugung. Ich appelliere an die amerikanischen Farmer , so viel wie möglich zu produzieren. Es liegen Berichte
vor, daß Farmer zögerten, Vieh aufzuziehen, weil sie nicht sicher waren, ob
ihnen die Bestimmungen der Regierung einen fairen Ertrag ihrer Investitionen
gestatten würden, und vielleicht auch, weil sie die Einführung von Höchstpreisen für Lebensmittel ablehnten. Ich hoffe, daß diese Berichte nicht zutreffen. Im letzten Jahr ist das reale Nettoeinkommen pro Farm um 14 Prozent
gestiegen, fürwahr eine beachtliche Zunahme. Ich kann den amerikanischen
Farmern versichern, daß die Regierung nicht die Absicht hat, sie zu diskri-

�diskriminieren. Die heute bekanntgegebenen Bestimmungen sollten den Farmern
Vertrauen geben, daß die Regierung sie nicht daran hindern wird, einen
fairen Ertrag aus ihren Investitionen für die Lebensmittelerzeugung zu erzielen.
Der Landwirtschaftsminister... hat entschieden, daß es 1974 keine Reduzierung der Anbauflächen für Futtergetreide, Weizen und Baumwolle geben wird.
•«« •

Der Prozeß bei der Aufhebung der Kontrollen
Es besteht keine Notwendigkeit, daß ich meinen Wunsch,die Kontrollen
zu beenden und zu einem freien Markt zurückzukehren, erneut wiederhole. Ich
glaube, daß ein großer Teil der amerikanischen Bevölkerung, wenn ihm ein abgewogener Überblick über die Optionen gegeben wird, diesen Wunsch teilt...
Und trotzdem muß ich eine Politik der Geduld fordern. Ein Übergang zu
völliger Freiheit jetzt würde höchst wahrscheinlich auf Abwegen und in einem
Sumpf von noch viel länger dauernden Kontrollen enden. Ich bin beeindruckt
von der einstimmigen Empfehlung der führenden Vertreter von Gewerkschaften
und Wirtschaft im Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeirat, daß die Kontrollen Ende
1973 auslaufen sollten. Ich hoffe, da'ß dies möglich sein wird, und werde
alles in meinen Kräften stehende tun, um dieses Ziel zu erreichen. Ich halte
es jedoch nicht für klug, uns auf ein bestimmtes Datum für die Beendigung
aller Kontrollen zu diesem Zeitpunkt festzulegen...

Haushaltsausgleich
Den Schlüssel für den Erfolg unserer Anti-Inflationsanstrengungen bildet
der Haushalt. Wenn die Bundesausgaben anschwellen und das Defizit steigt,
dann wird das Kontrollsystem dem Nachfragedruck nicht standhalten können. Die
häufigste Ursache für einen Zusammenbruch von Kontrollsystemen war, daß £j&gt;

-7-

�es nicht gelang, die Haushalts-und Währungspolitik einzuschränken. Wir dürfen es nicht zulassen, daß dies auch bei uns geschieht.
Ich bin mir sicher, daß der Federal Reserve Board durch Verlangsamung
der Geld-und Kreditausweitung unsere Anti-Inflationsanstrengungen unterstützen
wird. Aber man sollte und darf nicht erwarten, daß die Währungspolitik alleine
die erforderliche Zurückhaltung übt. Auch ein weiterer Beitrag von der Haushaltsseite ist erforderlich.
Ich schlage vor, daß wir uns als Ziel für das laufende Haushaltsjahr
einen ausgeglichenen Haushalt setzen. In der Vergangenheit habe ich als Norm
für den Bundeshaushalt vorgeschlagen, daß die Ausgaben die Einnahmen, die bei
einer Vollbeschäftigung erzielt würden, nicht überschreiten sollten. Wir halten diese Norm ein. Aber unter den heutigen Umständen... können wir uns es
nicht mehr leisten, uns an diese Mindestnorm zu halten. Wir müssen unser Ziel
höher setzen und den Haushalt tatsächlich ausgleichen.
Dieses Ziel zu erreichen wird schwierig sein - schwieriger, als es dies
zunächst den Anschein hat. Meine Ausgaben waren ursprünglich für das Finanzjahr 1973/74 auf 268,7 Milliarden Dollar veranschlagt worden. Seit Vorlage
dieses Haushaltes haben die Expansion der Wirtschaft, die Inflation und andere Faktoren die Einnahmen auf die Höhe der ursprünglich veranschlagten Ausgaben ansteigen lassen. Während dies geschah, sind aber auch die voraussichtlichen Ausgaben gestiegen...
Es ist klar, daß bei den voraussichtlichen Ausgaben mehrere Milliarden
Dollar gekürzt werden müssen, wenn wir den Haushalt ausgleichen wollen. Das
wird schwerfallen, da mein ursprünglicher Haushalt bereits scharf kalkuliert
war. Ich erachte dies jedoch für notwendig und versichere Ihnen feierlich,
darauf hinzuarbeiten.
Wir sollten uns daran erinnern, daß ich es vor etwas mehr als einem Jahr
als das Ziel für das Finanzjahr 1972/73 bezeichnet habe, die Ausgaben unter

�unter 250 Milliarden Dollar zu halten. Damals war man deswegen sehr skeptisch,
und es fielen Andeutungen, daß diese Zahl nur politischen Zwecken dienen
sollte und nach den Wahlen vergessen sein würde. Aber ich habe dies so gemeint, die Bevölkerung stand hinter mir, und der Kongreß hat mich unterstützt.
Heute kann ich Ihnen berichten, daß dieses Ziel erreicht worden ist und daß
die Gesamtausgaben im Finanzjahr 1972/73 unter 249 Milliarden Dollar lagen.
Ich werde die administrativ möglichen Schritte ergreifen, um das Ziel
eines ausgeglichenen Haushaltes im Finanzjahr 1973/74 zu erreichen. Als Beginn werde ich anordnen, daß die Zahl der Zivilangestellten der Bundesregierung am Ende des Finanzjahres 1973/74 unter der jetzt im Haushalt angewiesenen
liegen muß...
Trotz der schwierigen Situationen und Entscheidungen, vor denen wir jetzt
stehen, ist die amerikanische Wirtschaft stark. Die Gesamterzeugung liegt um
6 1/2 Prozent höher als vor einem Jahr. Die Beschäftigtenzahl ist um drei
Millionen gestiegen, und die Realeinkommen sind höher als zuvor. Auch was die
Inflation anbetrifft, ist die Entwicklung bei uns besser als in den meisten
Teilen der Welt. So sollten wir ob unserer Lage nicht verzweifeln. Aber wir
haben Probleme, und sie sind zum Teil schwerwiegender Natur, denn wir und die
übrige Welt erwarten von der amerikanischen Wirtschaft eine optimale Leistung.
Wir können noch besseres leisten. Und wir werden dies in beiderseitigem Einvernehmen und mit Unterstützung des amerikanischen Volkes tun."

+-H-

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28/1973
DAS NEUE WIRTSCHAFTLICHE STABILISIERUNGSPROGRAMM IN STICHWORTEN
-Wortlaut-

WASHINGTON —(AD)-- Das Weiße Haus hat am 18. Juli eine Zusammenfassung
der wichtigsten Punkte des neuen wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms
veröffentlicht, die folgenden Wortlaut hat:
"Das Ziel
Die Verringerung der in den ersten sechs Monaten des Jahres 1973 verzeichneten Inflationsrate bei minimalen nachteiligen Auswirkungen auf die
Versorgung.
Der Rahmen
- Die Phase IV ist gesetzlich bindend; sie umfaßt die meisten Sektoren der Wirtschaft, verlangt Vorausmeldungen und beschränkt den Preisanstieg, indem Kosten nur Dollar um Dollar weitergegeben werden dürfen.
- Der Preisstopp bleibt auf allen Gebieten bis zum 12. August in Kraft,
die Sektoren

Lebensmittel und Gesundheitswesen ausgenommen, für die so-

fort gesonderte Bestimmungen in Kraft treten.
- Für alle Wirtschaftssektoren - außer dem

Lebensmittelsektor -

werden mit Wirkung vom 12. August neue Bestimmungen in Kraft treten, die
jetzt zur Stellungnahme veröffentlicht werden. Stellungnahmen müssen bis

�I
bis zum 31. Juli erfolgt sein.
- Die während der Phasen II und III geltenden Richtlinien für Löhne
und Zuwendungen bleiben weiter gültig.
- Kleinbetriebe (60 Beschäftigte und weniger), die Sätze der öffentlichen Versorgungsbetriebe, Zinsen und Renten sowie Löhne und Preise bei
Holz und Sperrholz fallen ab 12. August nicht mehr unter die Bestimmungen.
- Es werden Verfahren für die Prüfung einer schrittweisen Aufhebung der
Kontrollen in der Industrie festgelegt.

LebensmittelSektor
- Die Preisbestimmungen der Phase IV werden in zwei Phasen, A und B,
unterteilt.

' •-'

,

Phase A (tritt sofort in Kraft)
- Die Höchstpreise für Rindfleisch bleiben bestehen.
- Bei allen übrigen Lebensmitteln dürfen die Preise nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis heraufgesetzt werden, die dem Kostenanstieg bei den
landwirtschaftlichen Rohprodukten entspricht.
Phase B

(tritt am 12. September in Kraft)

- Die Höchstpreise für Rindfleisch werden aufgehoben.
- Erzeuger und Verteiler dürfen alle Kostenerhöhungen auf einer Dollarum-Dollar-Basis weitergeben. ••••-'
- Andere Aspekte der Lebensmittelbestimmungen werden den Kontrollen auf
dem Industrie-, dem Dienstleistungs-, dem Großhandels- und dem Einzelhandelssektor angeglichen.
Industrie

-2-

�Industrie-utid Dienstleistungssektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden:
- von den Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 100 Millionen
Dollar verlangen, daß sie den Lebenshaltungskostenrat 30 Tage im voraus benachrichtigen, bevor Preiserhöhungen in Kraft treten dürfen;
- von Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von über 50 Millionen Dollar die Vorlage von ViertelJahresberichten verlangen;
- von allen Gesellschaften mit einem Jahresumsatz von weniger als
50 Millionen Dollar, aber mit mehr als 60 Beschäftigten, die Vorlage eines
Jahresberichtes verlangen;
- einen neuen Basiszeitraum für Preiserhöhungen und Kostennachweis festlegen - das letzte Quartal des vor dem 11. Januar 1973 abgelaufenen Finanzjahres. Vor dem neuen Basiszeitraum der Phase IV angefallene Kosten dürfen
nicht als Rechtfertigung für höhere Preise benutzt werden;
- die Weitergabe von Kosten nur auf einer Dollar-um-Dollar-Basis gestatten;
- die Begrenzungen für die Gewinnspanne beibehalten.

Einzel-und Großhandelssektor (ohne Lebensmittel)
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
-Am

�- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden verlangen:
- eine vorherige Billigung der Preisgestaltungspläne durch den Lebenshaltungskostenrat auf der Basis der einzelnen Warengruppen bei Gesellschaften
mit einem Umsatz von mehr als 50 Millionen Dollar;
- Kontrolle der Bruttospannen bei diesen Warengruppen;
- Beibehaltung der Begrenzung der Gewinnspannen.
-

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Erdölsektor
- Die Preise bleiben bis zum 12. August eingefroren, wenn die Bestimmungen der Phase IV in Kraft treten.
- Am 19. Juli werden Bestimmungen zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht werden. Diese Bestimmungen werden vorsehen:
- Höchstpreise für Benzin, Heizöl und Dieselkraftstoff. Die Höchstpreise
setzen sich aus den tatsächlichen Kosten des Verkäufers der Produkte und dem
Aufschlag in Dollar und Cent zusammen, der im Einzelhandel für das gleiche
Produkt am 10. Januar .1973 galt;
- einen Höchstpreis für Rohöl;
- - Die Mehrförderung von Rohöl und die entsprechenden Mengen der alten
Förderung sind davon auszunehmen;
- Höchstpreise und Oktanzahl müssen an jeder Tankstelle angegeben sein.

Bestimmungen für besondere Sektoren
- Das Gesundheitswesen wird von dem Preisstopp sofort ausgenommen und
wieder den bindenden Kontrollen der Phase III unterworfen.
- Die vorgeschlagenen Bestimmungen für das Versicherungswesen werden jim

-4-

�am 19. Juli zur öffentlichen Stellungnahme veröffentlicht. Die neuen Bestimmungen werden am 12. August in Kraft treten. Bis dahin bleibt der Preisstopp
in Kraft.

Löhne
- Die allgemeinen Normen der Phasen II und III für Löhne und Zuwendungen bleiben bestehen. Die Berichte müssen eingehendere Informationen über die
Erhöhung von Löhnen und Zuwendungen enthalten.
- Benachrichtigungen über eine Anhebung von Löhnen und Zuwendungen durch
die größten Verhandlungsgruppen werden weiterhin notwendig sein. Vorausbenachrichtigungen werden in besonderen Fällen verlangt.
- Innerhalb des Lebenshaltungskostenrates ist eine neue Organisation
zur Überprüfung einer Anhebung von Löhnen, Gehältern und Zuwendungen im Bereich der Bundesstaaten und der Kommunalverwaltungen geschaffen worden."

-H-+

�Gegenüberstellung der wichtigsten Bestimmungen der Phasen II, III und IV
(' .",!. f 'i

Phase II

Phase IV

Phase III

Industriesektor:
-•*----------—»«f&lt;

Kostensteigerungen Kostensteigerungen einschließlich Gewinnspanne werden voll- weitergegeben

Weitergabe auf Dcllar-um-Dollar-Basis ohne Gewinn-

if

spanne
Basis

Letzte Preiserhö-

Letzte Preiserhö-

Basiszeitraum

hung oder Stand

hung vor dem 11.

letztes Quartal des

vom 1. Jan. 1971

Jan. 1973

vor dem 11. Jan.
beendeten Finanzjahres

Gewinnspanne

Basispreis

Die 2 besten von

Die besten 2 der

3 Finanzjahren

nach dem 15. Aug.

vor dem 15. Aug.

1968 beendeten

1971

Finanzjahre

wie Phase III

Höchstpreis, der für 10 Prozent der

Durchschnittliche

Produktion 30 Tage lang vor dem Zeit-

Preis im letzten

raum vom 16.Aug. bis 13. Nov.1971

Quartal des vor dem

gefordert worden ist

11. Jan. 1973 beendeten Geschäftsjahres

&gt;i

': (.iL

• . .:•;

-•&lt;••;

Verfahren

�.

Phase II

Phase III

Phase IV

Verfahren und Geltungs.

Alle Firmen mit

Ab 2. Mai 1973 von

Alle Firmen mit

bereich

Jahresumsatz

allen Firmen mit

Jahresumsatz

Vo vau sme1düng en

von über 100

Jahresumsatz von

von über 100

Millionen D o L

über 25 Millio-

Millionen Dol-

lar; 30 Tage vor nen Dollar, die

lar; 30 Tage

Preisanhebung;

Preisanhebungen

vor Preisanhe-

Zustimmung er-

von über 1,5 %

bung; kann er-

forderlich

des Indexes

folgen, sofern

durchgeführt

Lebenshaltungs-

hatten; 30 Tage

kostenrat sie

vor Preisanhe-

nicht aussetzt,

bung

ablehnt oder
kürzt. Recht zur
Überprüfung bereits erfolgter
Preisanhebungen

Kriterien für Aus-

Bedeutende Här-

Wenn sie sich

Bedeutende H ä r -

nahmen

ten oder Unge-

von selbst an

ten oder Unge-

rechtigkeiten

die Bestimmun-

rechtigkeiten un-

gen der Phase II

ter Berücksichti-

halten

gung etwaiger Störungen für die
Wirtschaft

Meldungen

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Alle Firmen mit

Jahresumsatz

Jahresumsatz

Jahresumsatz von

von über 50 Mil-

oder Einnahmen

über 50 Millionen

lionen Dollar

von über 250

Dollar viertel-

vierteljährlich

Millionen Dollar

jährlich; nicht

vierteljährlich

befreite Firmen
mit Jahresumsatz
darunter jährlich

«•7Ausnahmen

�Phase III

Phase II
Ausnahmen für Klein-

Weniger als 60 Angestellte

Phase IV
Wie Phase II, jedoch aufgrund neu-

betriebe

er Einschätzung

Andere Sektoren:

Lebensmittel

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen; in
2 Phasen unterteilt

Erdöl

Allgemeine Norm

Sonderbestimmungen

Neue Sonderbestimmungen

Versicherungen

Sonderbestimmungen, die vom allgeraeinen Preisniveau abhängen

Öffentliche Versor-

Bestätigung der

Besondere Krite-

gungsbetriebe

zuständigen Be-

rien

Revidierte Sonbestimmungen

Ausgenommen

hörden erforderlich
Gesundheitswesen

Besondere Bestimmungen

Wie Phase III bis
neue Bestimmungen
ausgearbeitet
sind

Renten

Sonderbestimmungen

-8-

Ausgenommen

Ausgenommen

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USA bestätigen Intervention auf den Devisenmärkten
-Wortlaut-

WASHINGTON — ( A D ) — Die amerikanische Regierung hat am 18. Juli offiziell
bestätigt, daß die Vereinigten Staaten damit begonnen haben, auf den Devisenmärkten aktiv zu intervenieren mit dem Ziel, "geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten."
Die kurze gemeinsame Erklärung des Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board enthält keine Einzelheiten, doch kann angenommen werden, daß
die Vereinigten Staaten unter den gegenwärtigen Umständen für eine Intervention

ausländische Währungen zum Ankauf von Dollar verwendet haben,

um so den Rückgang des Dollar-Kurses zu verlangsamen oder in sein Gegenteil umzukehren.
Aufgrund der kürzlich erweiterten Vereinbarungen mit den ausländischen Notenbanken kann der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - bis zu 17 980 Millionen Dollar in ausländischen Währungen für derartige Operationen aufnehmen. Die Vereinigten Staaten könnten ferner ihre
Sonder-und ihre regulären Ziehungsrechte beim Internationalen Währungsfonds (IWF) oder ihre Goldreserven einsetzen, um sich ausländische Währungen
zur Stützung des Dollar-Kurses zu beschaffen.
Die

�Die am 18. Juli veröffentlichte gemeinsame Erklärung hat folgenden
Wortlaut:
"Der Vorsitzende des Federal Reserve Board und der Finanzminister

ha-

ben gemeinsam die folgende Erklärung herausgegeben:
•Auf der Sitzung der Finanzminister und der Notenbankgouverneure am
16. März 1973 in Paris wurde Übereinstimmung darüber erzielt, daß eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein
könnte, um die Aufrechterhaltung geordneter Marktverhältnisse zu erleichtern. Angesichts der dem Dollar innewohnenden Stärke und nach Konsultationen zwischen dem Federal Reserve Board, dem Finanzministerium und den Vertretern anderer Länder wurde am 10. Juli mit Interventionen des Federal
Reserve Board an der New Yorker Devisenbörse begonnen. Aktive Interventionen werden auch künftig zu gegebener Zeit und in der erforderlichen Größenordnung erfolgen, um geordnete Marktverhältnisse aufrechtzuerhalten.1"

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VOLCKER VERWEIST AUF FORTSCHRITTE DER INTERNATIONALEN WÄHRUNGSGESPRÄCHE
-Auszüge-

WASHINGTON — ( A D ) — Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul Volcker, hat am 19. Juli vor einem Unterausschuß des
amerikanischen Repräsentantenhauses zu dem derzeitigen Stand der internationalen Währungsgespräche Stellung genommen, die bereits zu einer Übereinstimmung über zahlreiche Grundprinzipien, darunter die Notwendigkeit
eines besseren Mechanismus für die Anpassung von Zahlungsbilanzen, geführt
hätten. Die wesentlichen Teile der Ausführungen des Staatssekretärs haben
folgenden Wortlaut:
"Ich glaube, daß jetzt, zum Teil durch Klärung der Auffassung aller
Seiten, ein besseres Verständnis für bestimmte Punkte besteht, die wir bei
Unterbreitung unserer Vorschläge hervorgehoben haben. Vor allem haben wir
darauf bestanden, daß die verschiedenen Elemente des monetären Systems
- Konvertierbarkeit, Wechselkurssystem, Anpassungsprozeß, Bereitstellung und
Art der internationalen Währungsreserven - als Teile eines ausgewogenen und
in sich geschlossenen Systems entwickelt werden müssen. Wir brauchen daher,
wenn ein System konvertierbarer Währungen wirklich funktionieren soll, eine
Technik, die gewährleistet, daß Anreize für Anpassungen nicht nur für Defizitländer mit schwindenden Reserven gelten, sondern gleichermaßen für
Überschuß-und Defizitländer. Die Toleranz, die wir für temporäre Ungleich-

-1-

�Ungleichgewichte im System zulassen wollen - und eine gewisse Toleranz
ist notwendig - muß im Einklang mit der Verfügbarkeit von Reserven zur Finanzierung von Ungleichgewichten stehen. Höhe der Reserven, die die einzelnen Länder in der Praxis halten möchten, und Verfügbarkeit solcher Reserven
im Rahmen dieses Systems müssen auf breiter Basis aufeinander abgestimmt
sein. Die als internationale Reserven benutzten Aktiva dürfen keinen spekulativen Verzerrungen ausgesetzt sein, und die einzelnen Länder müssen frei
und flexibel über sie verfügen können...
Meines Erachtens ist es fair, zu sagen, daß die Mitglieder des Zwanziger-Ausschusses bereits zu bestimmten, mehr oder weniger einstimmig gefaßten Schlußfolgerungen gelangt sind. Man schließt sich uns bei der Suche
nach wirksameren Mechanismen an, die zeitgemäßere

und effektivere Zah-

lungsbilanzanpassungen gewährleisten sollen und die sich in gleicher Weise
auf Überschuß-wie auf Defizitländer auswirken - ihr Fehlen hat ganz wesentlich zum Zusammenbruch des Systems von Bretton Woods beigetragen.
Es besteht eine allgemeine Bereitschaft, die These zu akzeptieren,
daß Anreize und Druck erforderlich sein könnten, um den Anpassungsprozeß
zu 'disziplinieren». Gleichzeitig möchten die meisten Länder es den betreffenden Staaten weitmöglichst überlassen, wie die Anpassung vorgenommen
wird - während solche Anpassungsformen verhindert werden sollen, die für das
internationale Handels-und Zahlungssystem abträglich sind.
Wir haben vereinbart, daß das Wechselkurssystem auf stabilen, aber anpaßbaren Paritäten basieren soll, wobei ein Floaten von Wechselkursen sich
in bestimmten Situationen als nützliche Technik erweisen könnte. Wir stimmten darin überein, daß die globale Liquidität besser gelenkt werden sollte
und daß modifizierte Sonderziehungsrechte (vielleicht mit anderem Namen)
zum Hauptreservemedium werden sollten. Wir waren uns einig darüber, daß
effektivere Mittel notwendig sind, um mit den Problemen der kurzfristigen

-2-

�kurzfristigen

Kapitalflüsse fertig zu werden, obwohl noch beträchtliche

Meinungsverschiedenheiten hinsichtlich der angebrachten Form der diesbezüg
liehen Kontrollen verbleiben.
Eine Übereinstimmung über diese Punkte ist wichtig und trägt zur Ermutigung bei. Ich lasse mich jedoch nicht dazu verleiten, etwa zu glauben, daß
das Maß an Übereinstimmung über diese Punkte, so wichtig jeder von ihnen im
einzelnen ist, ausreicht, um die Vereinbarkeit, die Ausgewogenheit und Kohärenz, von der ich sprach, insgesamt zu gewährleisten., Im besonderen haben
wir noch viel Arbeit zu bewältigen, um diese Prinzipien funktionsfähig zu
machen und zwar im Sinne spezifischer und festgelegter Verhaltensnormen, die
für alle akzeptabel sind.
Zum Beispiel möchten wir alle ganz allgemein ein besseres Verfahren für
die Anpassung von Zahlungsbilanzen. In der Praxis jedoch stellt der schwerfällige und abstrakte Begriff 'Zahlungsbilanzanpassungen» jede Regierung
vor schwierige wirtschaftliche Entscheidungen und delikate politische Probleme. Wer soll entscheiden, welche Maßnahme wann und von welchem Land getroffen werden soll?

Praktisch müssen wir praktikable Antworten auf diese Fra-

gen finden und zwar Antworten, die für alle Handel treibenden Länder in ihrer Gesamtheit wie auch für die einzelnen Staaten zufriedenstellend sind.
Wir müssen zum Beispiel den geeigneten nationalen Ermessensspielraum, die
Rolle des Internationalen Währungsfonds (IWF) und das Ausmaß festlegen, bis
zu dem »objektive Indikatoren» nutzbringend angewandt werden können. Auf allen
diesen Gebieten ist eine volle Übereinstimmung noch nicht erreicht worden.
Das von uns im September letzten Jahres gesetzte Ziel war, bis zur
nächsten Septembertagung des IWF in Nairobi Übereinstimmung über die groben
Umrisse der Reform zu erreichen. Unser Ziel von heute bis zum September
bleibt weiterhin, ein weitmögliches Gebiet der Übereinstimmung zu erreichen,
so daß die Arbeit über die Durchführungsbestimmungen zur Verwirklichung

3-

�Verwirklichung dieser Prinzipien fortschreiten kann. Dies bedeutet, daß
Nairobi nicht das Ende der Reformarbeiten sein wird; selbst unter den günstigsten Aspekten wird noch eine Menge zu tun sein, um die Durchführungsbestimmungen abzufassen und die erforderlichen gesetzgeberischen Maßnahmen
vorzubereiten...
Seit März hat es bei einigen Wechselkursen, vor allem zwischen dem
Dollar und einigen europäischen Währungen, beträchtliche Bewegungen gegeben.
Ich, wie auch viele andere, glauben, daß die Bewertung bestimmter Währungen
gegenüber dem Dollar weiter gegangen ist, als dies gerechtfertigt oder erforderlich war, um das langfristige internationale Zahlungsbilanzgleichgewicht, und auch im besonderen den Ausgleich unserer eigenen Zahlungsbilanz,
wieder herzustellen.
Bei der Bewertung der letzten Wechselkursveränderungen möchte ich betonen, daß die starken Ausschläge sich fast ausschließlich auf die europäischen Länder beschränkten, die an einem gemeinsamen Floaten - an der sogenannten 'Schlange* - beteiligt sind. Ja, der Dollar war seit Monaten gegenüber den Währungen der Länder, auf die rund 75 Prozent unseres Handels entfallen, ziemlich konstant. Zu diesen Ländern gehören unsere wichtigen Handelspartner außerhalb Europas,Japan, Kanada und die meisten Entwicklungsländer, aber auch einige wichtige europäische Länder wie zum Beispiel Großbritannien und Italien.
Bei der Auswertung dieser jüngsten Erfahrungen möchte ich einige für
eine längerfristige Reform relevante Schlüsse ziehen:
- - Erstens, in einer Situation, die durch größere, während eines langen
Zeitraums aufgebaute Zahlungsungleichgewichte charakterisiert wird, mit
gleichzeitigen Unsicherheiten und spekulativen Strömungen, führen Versuche-,
feste Währungsrelationen aufrechtzuerhalten, zu wiederholten Spannungen und

�und Krisen. Solche Spannungen werden noch durch die Tatsache vergrößert, daß
die Ungleichgewichte sich nachhaltig auf die Hauptwährung des Systems - den
Dollar - ausgewirkt haben. In einer derartigen Situation bildete das Floaten
von Währungen, im Gegensatz zu den verfügbaren Alternativen, eine allgemein
akzeptable Arbeitsgrundlage für den Zeitraum bis zur Wiederherstellung des
Gleichgewichts, und die derzeitigen Anzeichen deuten darauf hin, daß der
Handelsfluß und die langfristigen Investitionen nicht ernst beeinträchtigt
worden sind.
— Zweitens unterstreicht diese Erfahrung meines Erachtens, was die
Erzielung stabilerer Währungsrelationen anbetrifft, wie wichtig die Schaffung eines Ausgleichs der amerikanischen Zahlungskonten ist. Keine Reform
des internationalen Währungssystems kann einen Ersatz für dieses Erfordernis bilden. Wir können, als Teil des Reformprozesses, das Ausmaß, in dem
das System vom Dollar abhängig ist, reduzieren, aber wir können nicht der

Tatsache ausweichen, daß die Vereinigten Staaten weiterhin die größte Wirtschaftseinheit bleiben werden und daß es für andere Länder wie auch für uns
wichtig ist, daß der Dollar gesund bleibt.
-- Drittens, die jetzt in Kraft befindlichen Interimsvereinbarungen sind
kein Ersatz für eine langfristige Reform. Sie geben keinen Rahmen für vereinbarte und einigermaßen klare Bestimmungen, die notwendig sind, um den
längerfristigen Erfordernissen des Systems zu entsprechen. Dies ist die Aufgabe der Reform.
-- Viertens beweisen die von mir zu Anfang meiner Ausführungen aufgezeigten Schwierigkeiten, auf die wir gestoßen sind, welche Gefahren sich ergeben, wenn man einen Aufbau von Zahlungsbilanzungleichgewichten über einen
längeren Zeitraum hinweg zuläßt. Obwohl die Februarabwertung fast überall als
ausreichend betrachtet wurde, haben die unumgängliche Zeitspanne bis zu ihrem
Wirksamwerden und die hieraus resultierende Unsicherheit, bis diese Auswir-

-5-

�I
t

Auswirkungen voll durchschlagen können, zu den darauf folgenden Marktstörungen beigetragen. Dies unterstreicht die Notwendigkeit wirksamer Anreize für
Länder - für die USA wie auch für andere -, sich entwickelnde Ungleichgewichte umgehend anzupassen. Dies wiederum ist die Aufgabe der Reform.
-- Fünftens, die Instabilität des privaten Goldmarktes mit dem starken
Hochschnellen der Preise hat erneut bewiesen, daß dieses Metall als zentrales Reservemedium eines neuen Systems ungeeignet ist.
-- Schließlich hat sich, während eine Reihe von Ländern vermehrt zur
Anwendung von Kontrollen für kurzfristiges Kapital griffen, um so den massiven
Flüssen beweglicher Gelder, wie sie sich in der heutigen Welt ergeben können,
zu begegnen, erneut gezeigt, daß die Wirksamkeit solcher Kontrollen begrenzt
ist. Derartige Kontrollen scheinen keine adäquate Lösung für das Problem der
Spekulationen und der Ungleichgewichte zu sein."
»

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28/1973

ALASKA-PIPELINE KÖNNTE SITUATION AUF DEM WELTÖLMARKT EINSCHNEIDEND ÄNDERN
Von John Uhler

--(AD)-- Die projektierte Ölleitung aus dem Norden des amerikanischen Bundesstaates Alaska zu den nächstgelegenen Häfen am Pazifik dürfte früher
Realität werden als zunächst erwartet, da der US-Senat jetzt wichtige Entscheidungen getroffen hat. Durch die Abstimmung vom 17. Juli 1973 wurde
eine Anzahl jener Hindernisse aus dem Wege geräumt,die eine Aufschiebung
des Baues der Pipeline verlangten, bis eine Studie zum Alternativprojekt
mit Verlegung der Trasse durch Kanada vorgelegen hätte. Der Senat entschied
u.a., daß die Beschränkung der Trassenbreite in den Gebieten in Regierungsbesitz auf je 7,5 m links und rechts der Rohrleitung zu entfallen habe,
weil andernfalls die erforderlichen Versorgungsstraßen nicht gebaut und
die Trassen nicht über Bergregionen geführt werden könnten.
In seiner Eigenschaft als Senatspräsident setzte sich Vizepräsident
Agnew auch für die Aufnahme eines Zusatzparagraphen in die Gesetzesvorlage
ein, in dem erklärt wird, daß die Erfordernisse des Umweltschutzgesetzes
von 1970 berücksichtigt seien und das Projekt durch Gerichtsurteile, die
unter Berufung auf das Umweltschutzgesetz gefällt wurden, nicht länger aufgehalten werden dürfe.
In

�In seiner Energiebotschaft an den Kongreß hatte Präsident Nixon bereits im April dieses Jahres um eine rasche Entscheidung ersucht, damit mit
den Bauarbeiten für die 1 280 km lange Rohrleitung begonnen werden könne.
Mehr als ein Jahr lang mußte sich die Regierung mit den Umweltschützern auseinandersetzen, die Schäden für die Tundra und die Tierwelt befürchteten.
Jetzt fehlen noch die Verabschiedung der Vorlage durch das Repräsentantenhaus
und

entsprechende Beschlüsse der Bundesgerichte im Hinblick auf mögliche

künftige Beschwerden.
Obgleich die Umweltschützer bereits wissen ließen, daß sie ihre Kampagne zur Blockierung des Baues der neuen Pipeline fortsetzen würden, besteht gute Aussicht, daß diese Streitfrage noch in diesem Jahr beigelegt
wird. Die Bauarbeiten könnten noch im Herbst in Angriff genommen werden,
so daß schon in etwa drei Jahren Öl durch die Leitungen fließt. Um 1980 dürf
te Alaska täglich etwa 286 000 Tonnen Erdöl liefern; das entspräche etwa
10 Prozent des amerikanischen Erdölbedarfs, der dann bei drei Millionen Tonnen pro Tag liegen dürfte. Der letztgenannten Zahl liegt die Schätzung zu»
gründe, daß die 1980 erforderlichen Importe der USA doppelt so hoch liegen
wie 1973. Die Explorationsbohrungen in Alaska dürften schon in Kürze wieder
aufgenommen werden, und es besteht Grund zu der Annahme, daß man durch sie
zusätzlich neue Vorkommen lokalisieren kann.
Die ersten abbaufähigen Öllager in Alaska wurden 1968 entdeckt. Große
Ölfirmen taten sich zusammen, um die Anlage einer Rohrleitung von 1,2m
Durchmesser zu finanzieren, durch welche heißes Öl zu dem eisfreien Hafen
Valdez an der Südküste Alaskas transportiert werden sollte. Von dort hätten
es Tanker zum Weitertransport in die amerikanischen Raffinerien an der Pazifikküste übernommen. Die Ökologen wandten sich jedoch gegen diesen Plan,
da sie befürchteten, daß Flora und Fauna in Alaska und im Golf von Alaska
allein durch die Existenz einer Leitung, in der heißes Öl fließt, und durch
die zahlreichen Tanker gefährdet seien, die eine mögliche Quelle für Öl-

-2-

�Ölverschmutzungen größten Stils darstellten. Die stärksten Bedenken verursachte die Tatsache, daß die Pipeline durch ein Erdbebengebiet in Alaska
führt, wo ein Bruch der Rohrleitung verheerende Folgen hätte. Das US-Innenministerium zog in Zusammenarbeit mit anderen Behörden zahlreiche Gutachter
hinzu, um Mittel und Wege zu finden, durch entsprechende Vorsichtsmaßnahmen
Schäden an der Pipeline zu verhindern. Bei der Überlandleitung sollen beispielsweise automatische Ventile eingebaut werden, die den Ölfluß sofort
unterbinden,sobald auch nur ein minimales Leck auftritt. Tägliche Patrouillenflüge über das gesamte Gebiet, in dem die Trassen verlaufen, und häufige
Inspektionen zu Lande sollen eine Gewähr dafür bieten, daß kein Öl in die
zahlreichen Flußläufe einsickert. Den Tankern im Golf von Alaska wird untersagt, Spill-Öl und Ballastwasser abzulassen.
Die Alaska-Leitung dürfte Kosten von insgesamt 3 Milliarden Dollar verursachen; weitere 2 Milliarden Dollar sind für den Bau zusätzlicher Öltan ker notwendig. Hätte man sich für den Verlauf einer Ölleitung durch Kanada
entschieden, bei der eine Strecke von 4 800 km zu überwinden wäre, würden die
Kosten doppelt so hoch sein - nämlich 6 Milliarden Dollar. Präsident Nixon
erklärte zu dem Projekt in seiner Energiebotschaft vom 8. April 1973 unter
anderem:
"In einer Zeit, in der wir wachsende Mengen von Rohöl importieren und
dabei unsere Zahlungsbilanz erheblich in Unordnung bringen, außerdem zu
einer Zeit, in der wir beachtliche Ölverknappungen erleben, sind wir eindeutig auf die 286 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, die Alaska liefern könnte - eine Menge, die ein volles Drittel unserer gegenwärtigen Importe ausmachen würde....
Ich appelliere an den Kongreß, diese Angelegenheit schnell zu behandeln, damit wir den Bau der Ölleitung so schnell wie möglich in Angriff nehmen können.
Ich

-3-

�\

Ich wende mich gegen jede weitere Verzögerung, die durch die nochmalige
Untersuchung der Frage entstünde, ob es ratsam sei, die Ölleitung durch Kanada zu verlegen. Unserem Interesse an einer raschen Steigerung unserer Ölversorgung wird am besten damit gedient, daß die Alaska-Leitung gebaut wird.
Sie könnte viel schneller fertiggestellt werden als eine Pipeline durch Kanada; ihre gesamte Kapazität würde für den Transport von Öl benutzt, das auf
amerikanischem Territorium gefördert wird und für amerikanische Märkte in
Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht wird. Außerdem würde der
Bau einer Leitung durch Alaska eine beachtliche Anzahl von Arbeitsplätzen
für Amerikaner in Alaska und in der Schiffbauindustrie schaffen..."
Einige Senatoren waren deshalb gegen den Bau der Alaska-Leitung, weil,
wie sie behaupteten, das Öl an Japan verkauft würde, während die Oststaaten
der USA in immer stärkerem Maße au*f Importe aus dem Nahen Osten angewiesen
seien. Im US-Innenministerium ist man jedoch der Meinung, daß schon im Jahre
1980 das gesamte in Alaska geförderte Öl in Alaska selbst, in Hawaii und den
drei Bundesstaaten der Westküste verbraucht würde. Befürworter des AlaskaProjektes im Senat schlugen außerdem vor, zwar an Japan Alaska-Öl zu liefern, jedoch mit der Auflage, daß dann Japan aus seinen Verträgen mit dem
Mittleren Osten die Lieferung der gleichen Mengen Öl aus diesen Ländern nach
den Vereinigten Staaten veranlassen solle. Auf diese Weise würden die Transportkosten auf einem.Minimum gehalten, weil das Öl auf den kürzesten Seewegen angeliefert werde.

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28/1973

VITAMIN B,-ZUSATZTHERAPIE BEI LANGZEITDIALYSE
o

--(AD)-- Etwa 12 000 Menschen in den Vereinigten Staaten werden durch regelmäßige Blutwäsche mit einer "künstlichen Niere" am Leben erhalten.
An einem der Dialyse-Zentren, den Kliniken der Stanford-Universität (Kalifornien), wurde bei Patienten, bei denen die Dialyse-Behandlung schon über
einen langen Zeitraum durchgeführt wird, ein auffälliger Mangel oder sogar das Fehlen eines wichtigen Enzyms festgestellt. Es handelt sich um
Aspartat-Transaminase, die eine Schlüsselrolle beim Gewebestoffwechsel
spielt.
Zunächst wurde vermutet, daß bei der Dialyse das für die Bildung des
Enzyms wichtige Vitamin B, (Pyridoxin) "ausgewaschen" wird. Auf einer Tagung der Amerikanischen Gesellschaft für Klinische Chemie (19. Juli 1973
in New York) berichtete nun eine Wissenschaftlergruppe der Stanford-Universität über ihre Erfahrungen und die Mutmaßungen zur Ursache des beobachteten Enzymmangels. Dr. Paul L. Wolf, der zusammen mit Dr. Norman Coplon,
Dr. Alan S. Coulson und Dorothy Williams (med.-techn.Assistentin) nach New
York gekommen war, erklärte in einem Interview, daß möglicherweise sogar
das Enzym selbst beim Dialyseprozeß "ausgewaschen" werde. In einer jetzt in
Angriff genommenen gründlichen Studie hoffe man, diese Frage zu klären.
Die Wissenschaftler neigen allerdings eher zu der Ansicht, daß nur das
Vitamin B,, das als Koferment für die Aktivität der Aspartat-Transaminase

-l-

�Transaminase (abgekürzt GOT) von Bedeutung ist, beim Blutwäsche-Prozeß reduziert werde.
Eine unzureichende GOT-Aktivität ist bisher nur als eine Begleiterscheinung in der Schwangerschaft bekannt. Keine der Patientinnen, die gegenwärtig am Dialysezentrum von Stanford behandelt werden, erwartet jedoch ein
Baby. Künftig sollen alle Patienten, die auf Langzeitdialyse angewiesen
sind, Vitamin B, als Zusatztherapie erhalten, um den Pyridoxin-Spiegel zu
normalisieren. Andernfalls ist mit Komplikationen wie Anämie, Nierensteinen,
Dermatitis, neurologischen Störungen und bei Frauen, die die Pille nehmen,
mit Depressionen zu rechnen.
Aufgrund der schon früher gemachten Erfahrung, daß bei Langzeitdialyse
Vitamin C und Folsäure ausgewaschen werden,verordnet man seit geraumer
Zeit den Patienten diese Wirkstoffe zusätzlich zur medikamentösen Therapie.
Dadurch sollen Störungen der Blutgerinnung und anämische Erscheinungen verhindert werden.

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