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Dokumentation

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11. J u l i 1973

26

Inhalt

DOKUMENTATION:
Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli
-Wortlaut-

INFORMATION:
Aktion "Rettet die Meere"
-UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor«
Von Barrett McGurn

WIRTSCHAFT:
US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung
Von Eugene Brake
US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft
Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Industrie und Umweltschutz
US.Wissenschafts-und Energiepolitik:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen WissenschaftsstiftungMühlen im Golfstrom?
-Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
EnergiequelleImmunotherapie für schwere Lepra-Fälle

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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26/1973

REDE DES US-AUSSENMINISTERS AUF DER KSZE AM 5. JULI
- Wortlaut -

HELSINKI --(AD)— Der amerikanische Außenminister William P. Rogers hielt
am 5. Juli auf der Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Buropa
(KSZE) eine Rede, die folgenden Wortlaut hat:
"Ich möchte mich meinen Kollegen anschließen und den Dank der amerikanischen Regierung an die Regierung von Finnland für ihre vielfältigen
und wesentlichen Beiträge zum Ausdruck bringen, die das Zustandekommen
dieser Konferenz ermöglicht haben.
Diese Konferenz bietet den hier vertretenen Nationen eine historii

sehe Gelegenheit. Ob die Konferenz selbst jedoch historische Bedeutung
gewinnen wird, hängt davon ab, wie wir - die hier anwesenden Außenminister
und die 35 Regierungen, die wir vertreten - diese Gelegenheit nutzen.
Ich glaube sagen zu dürfen, daß die Konferenz bisher unseren Erwartungen entsprochen hat. Wir sind auf freundliche und konstruktive Weise zusammengekommen und haben mit der - wie wir es bezeichnen . allgemeinen Debatte begonnen - eine Debatte jedoch mit nur sehr wenig Meinungsverschiedenheiten. Ich bin der 21. Redner, und wenn ich nicht etwas verpaßt habe,
dann hat jeder meiner Vorredner überlegt und respektvoll von den Gesichtspunkten anderer gesprochen, ohne streitsüchtige Formulierungen zu gebrauchen. Vielleicht sollten wir das nicht als einen Erfolg an sich bezeichnen
- aber sicherlich dürfen wir es mit Erleichterung zur Kenntnis nehmen.
Aber

�Aber über das von Anfang an herrschende freundliche Klima hinaus
haben wir schon zu Beginn eine Entscheidung von bedeutsamen Ausmaßen getroffen - sozusagen routinemäßig. Nach sorgfältiger Prüfung durch unsere Regierungen nahmen wir einstimmig die •Schlußempfehlungen der Konsultationen
von Helsinki1 an.
Diese stellen in der Tat ein bemerkenswertes Dokument dar. Hierbei
handelt es sich nicht lediglich um die Tagesordnung für eine Konferenz. Es
enthält eine lange Liste vereinbarter Grundsätze sowie ein detailliertes
und sorgfältig entworfenes Arbeitsprogramm, das dazu dienen soll, die friedliche Entwicklung in Europa in den kommenden

Jahren zu fördern.

Dieses Dokument stellt eine Verpflichtung dar,neue und zivilisierte
Wege im Umgang miteinander zu finden. Ich möchte den Punkt unterstreichen,
daß die Zusagen, die wir hier gemacht haben, feierliche Verpflichtungen bedeuten, umfassende und spezifische Maßnahmen zur Förderung unserer Beziehungen in diesem Gebiete zu entwickeln.
Ich glaube, Präsident Kekkonen hat das Wesentliche unserer Entscheidung getroffen, als er sagte: »Sicherheit gewinnt man nicht, indem man
Zäune errichtet - Sicherheit gewinnt man, indem man Pforten öffnet.'
Ein Viertel Jahrhundert lang ist die Spaltung das dominierende Merkmal
Europas gewesen. Wir alle sind uns darüber im klaren, daß diese Konferenz
nicht die Schranken bestätigen darf, die Europa noch immer spalten. Wir
haben uns vielmehr durch unsere Unterstützung der Schlußempfehlungen ausdrücklich verpflichtet, diese Schranken abzubauen. Wir haben erklärt, Koexistenz alleine genüge nicht. Ja das Dokument, auf das wir uns geeinigt
haben, verlangt konstruktive Änderungen auf breiter Front, damit wir im Laufe
der Zeit in viele wahrhaft kooperative und beiderseits nützliche und friedliche Beziehungen eintreten können.
Die entscheidende Herausforderung für diese Konferenz wird also sein,
ob wir das durchhalten können.
Wir

•2-

�Wir haben hier über den zeitlichen Rahmen für die Lösung dieser Aufgabe
gesprochen. Mir scheint, daß wir die Entscheidung darüber noch später treffen können. Wenn wir Erfolg haben - und ich bin überzeugt, daß wir erfolgreich sein können - dann wird die Festlegung des zeitlichen Ablaufs keine
Schwierigkeiten bereiten. Wenn wir keinen Erfolg haben, dann wird der zeitliche Ablauf ohnehin von geringer Bedeutung sein.
Zyniker haben erklärt, das Ziel einer internationalen Konferenz sei, sie
zum Abschluß zu bringen. Ich bin sicher, daß keine der hier vertretenen Nationen diese Auffassung hegt. Diese Konferenz sollte nach meiner Überzeugung
so rasch wie möglich vorankommen - jedoch ohne unziemliche Hast. Was wir
wollen, ist Fortschritt. Fortschritt resultiert aus praktischen Schritten.
Praktische Schritte sind nicht leicht - aber sie sind von entscheidender Bedeutung, da wir unsere Arbeit nicht einfach damit abschließen wollen, daß wir
bekannte Grundsätze wiederholen.
Wie schon einige meiner Vorredner festgestellt haben, kommt diese Konferenz zu einem günstigen Zeitpunkt. Viele der hier vertretenen Nationen haben in augerfälliger Weise dazu beigetragen, die Bedingungen zu schaffen, die
diese Konferenz ermöglicht haben.
Vor viereinhalb Jahren hat Präsident Nixon verbindlich erklärt, daß es
die Politik der Vereinigten Staaten sein werde, in allen Gebieten der Welt
von der Konfrontation zu Verhandlungen zu gelangen. Er hat prompt gehandelt,
um seine Politik zu verwirklichen, und als Ergebnis wird heute allgemein anerkannt, daß wir jetzt in einer viel friedlicheren Welt leben. Dieses neue
Klima des Friedens kommt der ganzen Menschheit zugute. Aber es bleibt noch
s

ehr viel mehr zu tun. Die weltweite Hoffnung auf einen dauerhaften Frieden,

die diesen Saal erfüllt, kann durch die an dieser Konferenz teilnehmenden
Staaten wesentlich gestärkt werden. Wir vertreten die meisten Industriestaaten der Welt. Unsere Volkswirtschaften produzieren rund 75 Prozent der Güter
der Welt. Und auf uns alle entfallen insgesamt etwa 85 Prozent der militärischen Ausgaben der Welt. Es muß unser langfristiges Ziel sein, durch eine
gemeinsame Willenserklärung unsere riesigen Hilfsquellen zur Lösung der

�der gemeinsamen Probleme, vor denen wir stehen, wie auch für die Hilfe für
andere weniger vom Glück begünstigte Länder einzusetzen. Darüber hinaus
können wir jetzt unmittelbar zu einer verbesserten internationalen Atmosphäre beitragen, so daß ein Abbau der Rüstungen auf der Welt ganz gewiß im
Bereich des Möglichen liegt.
Wir alle wissen, und viele haben dies schon gesagt, daß die beiden Weltkriege in Europa begonnen haben. Wir alle haben aus diesen Konflikten gelernt. Die Vereinigten Staaten haben aus eigener Erfahrung gelernt, daß die
Sicherheit Europas untrennbar mit unserer eigenen Sicherheit verbunden ist.
Die Anwesenheit meiner Delegation hier unterstreicht diese grundlegende Tatsache - die Tatsache, wenn Sie so wollen, unseres Engagements in
Europa.
Die Amerikaner sind der Ansicht, daß wir während der letzten Generation
eine konstruktive und erfolgreiche Verpflichtung für Frieden und Stabilität in Europa übernommen haben. Und heute möchte ich hier namens meiner Regierung unterstreichen, daß wir fest entschlossen sind, sowohl diese Verpflichtung fortzusetzen als auch unsere Beziehungen zu allen hier vertretenen Staaten zu stärken.
Lassen Sie mich kurz auf einige der spezifischen Fragen eingehen, die
zu erörtern diese Konferenz vereinbart hat.
Nichts ist wichtiger als das Prinzip, daß die Länder sich jeder Anwendung oder Androhung von Gewalt enthalten. Dies ist der entscheidende Punkt
für jeden dauerhaften Frieden. Und wir haben dies als ein grundlegendes Prinzip für die Beziehungen zwischen den Ländern akzeptiert. Dies besagt natürlich, daß Grenzen nicht durch Gewalt oder Androhung von Gewalt verletzt
werden dürfen. Gleichzeitig schließt dies aber - und ich unterstreiche dies friedliche Änderungen von Grenzen nicht aus, wenn solche Änderungen sich
auf dem Willen der Bevölkerung begründen und im beiderseitigen Einvernehmen
der Staaten erfolgen. Ganz gewiß kann niemand rechtens etwas anderes be-

-4-

�behaupten, denn jede solche Behauptung wäre eine Verletzung der beiden zusammengehörenden Prinzipien: Souveränität und Recht auf Selbstbestimmung.
Ein weiteres Prinzip, das diese Konferenz bereits bekräftigt hat, ist
das Prinzip der weltweiten Achtung des Rechtes aller Länder auf Unabhängigkeit und auf eine eigenständige innenpolitische Entwicklung ohne jede ausländische Einmischung, ungeachtet seines politischen, wirtsehaftlichen oder
sozialen Systems. Wir haben praktisch erklärt, daß keinem Lande diese Rechte
aus irgendeinem Grunde verwehrt werden dürfen. Daher haben auch wir Außenminister dem Ausschuß das Mandat übertragen, daß 'er die Entschlossenheit der
Teilnehmerstaaten bekunden soll, diese Prinzipien zu respektieren und in allen ihren Aspekten gerecht und unvoreingenommen auf ihre gegenseitigen Beziehungen und ihre Zusammenarbeit anzuwenden, um sicherzustellen, daß alle Teil nehmerstaaten.in den Genuß der Vorteile gelangen, die sich aus der Anwendung
dieser Prinzipien durch alle ergeben.•
Dieser von uns getroffene Beschluß ist ganz eindeutig, und es ist von
äußerster Wichtigkeit, daß dieses Mandat in internationalen Fragen strikt eingehalten wird.
Ein weiteres wichtiges Mandat in diesem Dokument besagt, daß wir Wege
und Möglichkeiten prüfen sollten,wie zwischen den Ländern sich ergebende
Probleme frühzeitig auf einer friedlichen Basis gelöst werden können, um
einen späteren Konflikt zu vermeiden. Der Ausschuß könnte bedeutsame Ergebnisse auf diesem Gebiet erreichen, wenn er sorgfäLtig Pläne für frühzeitige
Konsultationen und eine mögliche Schlichtung ausarbeitet, um Konfrontationen
zu vermeiden.
Der Ausschuß ist ferner angewiesen worden, der Konzeption einer Verminderung der Spannungen auf militärischem Gebiet besondere Bedeutung beizumessen, wie dies in Paragraph 23 der Schlußempfehlungen festgelegt ist.

Daher

�Daher unterstützen wir:
1) die Vorausbenachrichtigung über größere militärische Manöver;
2) den Austausch von Beobachtern auf Einladung bei militärischen Manövern
zu allseits akzeptablen Bedingungen und
3) die Prüfung der Vorausbenachrichtigungen über größere militärische Bewegungen.

Wir haben diese Maßnahmen unterstützt, weil wir der Auffassung sind,
daß die Übermittlung solcher militärischen Informationen größeres Vertrauen
schaffen kann, so daß der Spielraum für Überraschungen wesentlich eingeengt
wird.
Ein grundlegender Aspekt unserer Verpflichtung ist in Teil III dargelegt. Ich meine damit den Abbau der Schranken für den freieren Fluß von Menschen, Informationen und Ideen zwischen den Teilnehmerstaaten. Dieser Aspekt
unserer Arbeit beruht auf der Bedeutung, die wir den Menschenrechten und
den grundlegenden Freiheiten beimessen. Es gibt nur wenige Worte, die so
voller Bedeutung sind - und von den Völkern überall so voller Ehrfurcht aufgenommen werden. Aber Teil III könnte zu einer traurigen Fußnote in den
künftigen Geschichtsbüchern werden, wenn der Ausschuß nicht konkrete Wege
zur Verwirklichung der in diesem Teil enthaltenen Konzeptionen findet, so
daß das tägliche Leben der Menschen positiv beeinflußt wird.
Ich denke hier zum Beispiel an Vorschläge für Vereinbarungen, die die
Wiederzusammenführung von Familien gestatten - an regelmäßigere Besuche
zwischen Angehörigen getrennter Familien; an neue Wege für einen Erfahrungsaustausch bei den auf verschiedenen praktischen und wissenschaftlichen Gebieten durchgeführten Programmen und an die Förderung engerer Beziehungen
zwischen unseren jungen Menschen - unsere Jugend sollte mehr über einander
und über die anderen Staaten und Systeme erfahren. Die künftige Entwicklung
unserer Beziehungen kann nur davon profitieren, wenn sie sich gegenseitig
versteht.
Wir

-6-

�Wir haben hier ferner vereinbart, Reisen aus persönlichen oder beruflichen Gründen zu erleichtern. In verschiedenen Ländern, wie zum Beispiel
dem unsrigen, steht es den Bürgern frei, ohne jede Beschränkung oder Einmischung überall in der Welt hinzureisen. Ich weiß natürlich, daß jedes
Land seine eigenen Bestimmungen hat. Aber dieses Mandat zielt in erster
Iinie darauf ab, die Staaten zu ermutigen, ja anzuspornen, ihre Reisebeschränkungen abzubauen und die menschlichen Kontakte zu fördern, die für
die Verständigung und die gegenseitige Achtung in der heutigen Welt so
wichtig sind.
Es wird ferner wichtig sein, unserer Vereinbarung spezifischen Inhalt
zu geben, die Weitergabe der von den verschiedenen Medien verbreiteten Informationen und den Zugang zu ihnen sowie die Bedingungen zu verbessern,
unter denen Journalisten ihren Beruf in unseren Ländern ausüben können.
Das Recht der Menschen, voll und ganz zu erfahren,was auf der Welt geschieht, gehört zu den grundlegenden Menschenrechten und ist ein Grunderfordernis für Verständigung und Wissen.
Wir haben ferner vereinbart, die Hindernisse für die Entwicklung des
Handels abzubauen, indem wir unter anderem spezifische Maßnahmen prüfen, um
geschäftliche Kontakte und den Austausch von Informationen über Handelsmöglichkeiten zu erleichtern.
Wir haben anerkannt, daß der Prozeß der Aussöhnung, unabhängig von
der Arbeit dieser Konferenz, auf einer breiteren Front voranschreiten muß.
In diesem Zusammenhang sollte darauf hingewiesen werden, daß die sich immer
stärker zusammenschließende Europäische Gemeinschaft hier einen besonderen
Beitrag zu leisten hat, während sie die Mitgliedsstaaten, deren Streitigkeiten in der Vergangenheit häufig Ursache eines Krieges in Europa waren,
zu einer wirtschaftlichen und politischen Union zusammenschweißt. Und durch
die Schaffung engerer Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen Ländern
bauen die Mitglieder der Gemeinschaft und andere Westeuropäische Länder die
Schranken ab, die Europa zu lange geteilt haben.
Die

-7-

�Die Vereinigten Staaten werden weiterhin eng mit ihren Verbündeten in
der Atlantischen Allianz zusammenarbeiten, die nicht nur zur Sicherheit und
Unabhängigkeit ihrer Mitglieder beiträgt, sondern auch nach neuen Wegen zur
Verbesserung der Beziehungen in Europa sucht.
Mit den Ländern Osteuropas haben die Vereinigten Staaten eine neue Ära
verbesserter Beziehungen eingeleitet. Wir befassen uns mit jedem einzelnen
Land in Osteuropa gesondert - wir legen unsere Politik im Einklang mit der
spezifischen Politik und den spezifischen Maßnahmen jedes dieser Länder
fest, und wir rechnen mit umfassenderen und konstruktiveren Bindungen zu
allen Ländern dieses Raumes.
Die Vereinigten Staaten und die Sowjetunion haben einen wichtigen Beitrag zu einem sicheren und kooperativen Europa zu leisten. So wie die Konfrontation zwischen unseren beiden Ländern zur Spaltung des Nachkriegseuropas beigetragen hat, so hilft die Verbesserung unserer Beziehungen in
jüngster Zeit mit, Europa wieder zusammenzubringen. Gleichzeitig sind wir
uns aber auch darüber klar, daß die Frage der europäischen Sicherheit und
Zusammenarbeit von den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion nicht allein
gelöst werden sollte und gelöst werden kann - und daß beide daher positiv
in dieser Konferenz mitarbeiten müssen.
Zum Abschluß ihres Treffens in Washington im letzten Monat haben Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew bekräftigt, daß »die Gewährleistung
eines dauerhaften Friedens in Europa ein überragendes Ziel ihrer Politik
ist*. Das von ihnen unterzeichnete Abkommen zur Verhinderung eines Atomkrieges ist ein Meilenstein in den sowjetisch-amerikanischen Beziehungen
und sollte sich ebenfalls positiv auf die europäische Sicherheit auswirken.
Und durch das Festlegen der Grundprinzipien für eine weitere Begrenzung der
strategischen Rüstungen sowie durch den Abschluß verschiedener anderer Abkommen über gemeinsame Programme haben die Sowjetunion und die Vereinigten
Staaten weiter zu dem Ziel beigetragen, das allen von uns auf dieser Konferenz gesetzt ist - der Stärkung der Stabilität und der Sicherheit in
Europa.
Die

�Die Vereinigten Staaten sind ferner erfreut über den Fortschritt, der i
den Gesprächen der verschiedenen Foren über die Begrenzung der Waffen und
Rüstungen gemacht wird. Wir sind besonders erfreut darüber, daß viele von
uns hier Übereinstimmung darüber erzielt haben, daß die Verhandlungen über
beiderseitige Reduzierung der Streitkräfte und Rüstungen sowie damit zusammenhängende Maßnahmen in Mitteleuropa am 30. Oktober beginnen werden. Diese
Gespräche werden in Wien zu der gleichen

Zeit stattfinden wie die zweite

Phase dieser Konferenz in Genf. Die Wiener Gespräche sollen unsere Bemühungen auf dieser Konferenz um eine Stärkung von Stabilität und Sicherheit in
Europa ergänzen.
Wenn jetzt die erste Phase der Konferenz zu Ende geht, dürfte es angebracht sein, kurz das zu umreißen, was, wie wir hoffen, während der zweiten
Phase erreicht werden kann.
Die Konferenz sollte:

1) Die vereinbarten allgemeinen Prinzipien so präzise ausarbeiten, daß
sie direkt und ganz speziell die Probleme der an der Konferenz teilnehmenden
Staaten ansprechen;
2) Übereinstimmung über spezifische militärische Fragen, unter anderem
über den Austausch bestimmter wichtiger militärischer Informationen und über
einen geeigneten Austausch von Beobachtern, erreichen, um so das Vertrauen
zu stärken und den Argwohn zu zerstreuen.
3) Verfahren für eine frühzeitige und friedliche Beilegung von Streitfällen, die möglicherweise zu einer Konfrontation zwischen irgendwelchen
Teilnehmerstaaten führen könnten, ausarbeiten;
4) Vorschläge zum Abbau der Schranken für eine Ausweitung des Handels
und für eine Verstärkung des Handelsaustausches, der industriellen Zusammenarbeit sowie der Zusammenarbeit auf den Gebieten der Wissenschaft und Technologie vorlegen; und

1)

�»

l
5) was von überragender Wichtigkeit ist, spezifische und bedeutsame
Maßnahmen ausarbeiten, um menschliche Kontakte, die freiere Verbreitung von
Informationen und die Erweiterung der Zusammenarbeit auf den Gebieten der
Kultur und des Bildungswesens zu erleichtern.
In der zweiten Pbase müssen wir die Ergebnisse unserer Arbeit in dynamische Programme umsetzen, die den von uns angestrebten Beziehungen spezifische Bedeutung verleihen, und die Vereinigten Staaten werden hierzu konkrete Vorschläge unterbreiten. Schließlich müssen wir uns während des ganzen
Prozesses in allen unseren Schritten an den Geist der Aussöhnung halten.
Denn dies ist der Geist, der all unsere Hoffnung auf eine neue Ära des Friedens in Europa und überall auf der Welt hat aufkommen lassen.
Unser Ziel sollte ein Kontinent sein, auf dem sich kein Land bedroht
fühlt; ein Kontinent, der für den freien Fluß von Menschen und Ideen offen
ist; und ein Kontinent, der durch seine politische und kulturelle Vielfalt
bereichert und nicht gespalten wird. Ein solches Europa läßt sich nicht da-

"

durch schaffen, daß man es lediglich herbeisehnt. Nur die Zeit wird zeigen,
ob wir etwas erreicht haben oder nicht. Aber etwas ist sicher: wir müssen

&gt;

in den kommenden Tagen mit großem Fleiß und großer Sorgfalt vorgehen und unser
Ziel in den kommenden Jahren geduldig, verständnisvoll und entschlossen verfolgen. Wenn in einem solchen Geiste Übereinstimmung zwischen uns besteht,
dann können wir stolz auf die wenigen Tage sein, die wir in dieser gastfreundlichen Stadt Helsinki verbracht haben."

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26/1973

AKTION "RETTET DIE MEERE"
UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor
Von Barrett McGurn

--(AD)- - Die vernünftige Erschließung und Nutzung der Weltmeere ist das
Thema der diplomatischen Gespräche, die Ende vergangener Woche in Genf begannen. Nur wenige internationale Konferenzen müssen sich mit einer so komplizierten Materie befassen und haben gleichzeitig so weitreichende Auswirkungen auf die friedlichen Beziehungen aller Länder untereinander. Der
Meeresbodenausschuß der Vereinten Nationen, in dem 90 Länder vertreten sind,
trifft derzeit weitere Vorbereitungen für die große Internationale Seerechtskonferenz, die im April und Mai 1974 in Santiago de Chile abgehalten
wird.
Es geht um nicht mehr und nicht weniger als die Frage, ob die Weltmeere,
die ja zwei Drittel der Erdoberfläche bedecken, rationell und von allen
Ländern gleichberechtigt genutzt werden, oder aber ob sie zu einem Tummelplatz unkontrollierten Ausbeutens werden, wo Ansprüche einzelner miteinander kollidieren. Sollte letzteres sich durchsetzen, ist es völlig klar, daß
alle Länder, reiche wie arme, Verlierer sein werden.
Die

-1-

�Die Gespräche von Genf sind das vorläufig jüngste Glied in einer ganzen
Kette von Konferenzen, von denen einige formell und auf diplomatischer Ebene
wie jetzt, andere informell und auf wissenschaftlicher Ebene durchgeführt
wurden. Für die letztgenannte Kategorie mag das "Seerechtsseminar" ein Beispiel sein, das während der letzten zwei Juniwochen 1973 von der Universität Rhode Island abgehalten wurde. Fachleute aus 40 Ländern, unter anderem
der Volksrepublik China und der Sowjetunion, nahmen daran teil.

Veraltetes Se3recht

i

Kernpunkt aller Schwierigkeiten ist die Tatsache, daß das Seerecht, so
wie es heute besteht, weder dem technischen Fortschritt noch den vielfältigen Bedürfnissen der Nationen gerecht wird. Beispielsweise erhielt durch
die Sonar-Technik die Fischerei ein ungemein wirksames Hilfsmittel an die
Hand, um Fischschwärme aufzuspüren und die Fangquoten zu erhöhen. Neue Bohrverfahren ermöglichen es, Öl in großer Entfernung von der Küste aus dem Meeresboden zu fördern. Verbesserungen der Bergbautechnik werden es bald zulassen, vom Boden der Tiefsee wertvolle Mineralien zu bergen. Das alles macht
vertragliche Regelungen darüber, wie die zweifellos enormen Reichtümer an
Nahrung und Rohstoffen in den Meeren aufgeteilt werden sollen, zu einer vordringlichen Angelegenheit.

Wenn es nicht zu einer allgemeinen Verständigung kommt, könnte sich
ein verheerender Wettlauf um Besitz an den Meeren entwickeln. Anstelle der
traditionellen Drei-Meilen-Zone in nationalen Hoheitsrechten wird bereits
von vielen Ländern die Zwölf-Meilen-Zone beansprucht. Manche Länder in Lateinamerika und Afrika wollen sogar einen Bereich der Landeshoheit unterstellen, der 200 Seemeilen oder gar noch weiter ins Meer hinausreicht.

Solche

�Solche Eigenmächtigkeiten müssen zu anarchischen Zuständen führen und
alle Bemühungen unterbinden, die Rohstoffe der Meere zum Vorteil aller zu
nutzen und der Verschmutzung der Meere entgegenzuwirken. Von nicht geringerer Bedeutung wäre die Gefährdung der traditionellen "Freiheiten der Meere"
wie unbehinderte Schiffahrt, Handel und Nachrichtenwesen. In der extremsten
Form, dem Bestehen auf der 200-Meilen-Zone, würde dies bedeuten, daß^ ein
Drittel Meeresraum von den Anliegerstaaten, d.h.den Küstenländern , gesperrt
werden könnte.
Verständigung über die maximale Hoheitszone ist deshalb auch einer der
Hauptpunkte auf der im November und Dezember dieses Jahres von den Vereinten
Nationen in New York veranstalteten Konferenz und auf der Seerechtskonferenz von Santiago. Die Vereinigten Staaten sind bereit, von der Drei-MeilenZone zur Zwolf-Meilen-Zone überzugehen, aber unter einer Bedingung: In diesem Fall muß es allen Hochseeschiffen und Flugzeugen gestattet werden, internationale Schiffahrtsstraßen und Meerengen ungehindert zu passieren. Es
gibt 116 solcher internationalen Straßen,von 10 bis 70 km Breite (auch Gibraltar, Dover und Singapur gehören dazu). Vor allem Entwicklungsländer mit Zugang zum Meer dürften auf zusätzlichen Seerechten in bezug auf Fischerei und
Rohstoffgewinnung bestehen, wenn es zu einer Einigung über die Zwölf-MeilenZone kommt. Die Konferenzteilnehmer von Genf und Santiago werden deshalb eine
Flut von Vorschlägen zu begutachten haben. Einer davon befürwortet die Schaffung einer neuen internationalen Behörde, die den marinen Bergbau in Bereichen jenseits der SchelfZonen am Kontinentalabfall überwacht. Wie allgemein
bekannt, gibt es dort große Mengen von Nickel, Kupfer, Kobalt und anderen Metallen. Die Internationale Ozeanbehörde könnte bestimmte Abschnitte der Hochsee für Zwecke der Exploration und Ausbeutung verpachten. Die Vereinigten
Staaten haben bereits vorgeschlagen, die daraus resultierenden Einkünfte,
die sich jährlich auf Millionen von Dollar belaufen dürften, für internationale Aufgaben, insbesondere für solche Projekte zu verwenden, die den Entwicklungsländern weiterhelfen.
Eine

-3

�Eine weitere Frage ist die des Anrechts auf Meeresgebiete zwischen der
Zwölf-Meilen-Zone oder anderen Hoheitsgrenzen und dem Ende bezw. Übergang
des Kontinentalabfalls zur Tiefsee. Bekanntlich ist gerade der Kontinentalabfall reich an Öl. Manche Experten sind der Meinung, daß dort nicht weniger Öl zu finden sei als auf dem Festland. Wie vor der Küste von Texas oder
des Iran zu beobachten ist, rücken die Bohrtürme immer weiter ins Meer
hinaus. In Genf und in Santiago wird man sich darum bemühen, über die Anrechte an der Schelf2one und den Zuständigkeiten der Küstenanliegerstaaten
einerseits und der neuen Ozeanbehörde andererseits eine Einigung zu erzielen.

Die UN-Vo11Versammlung hat sich den Grundsatz zu eigen gemacht, daß das
Meer jenseits der Hoheitsgrenzen allen gehört und somit jede Vereinbarung,
die getroffen wird, auch die Rechte der Binnenstaaten zu beachten habe. Entweder haben diese Länder, wie Bolivien oder Afghanistan, keinen eigenen Zugang zum Meer, oder ihre Hoheitsgewässer erstrecken sich, wie im Fall der
Niederlande oder von Singapur, nur auf Flachmeer.

Die Liste der Streitfragen ist lang. Auch das Problem fällt darunter,
wie die Durchführung weitreichender Forschungsprojekte und die Teilhabe an
wissenschaftlichen Ergebnissen garantiert und wie die Meere gegen ökologische Schäden und (Tberfischen geschützt werden können.

+++

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26/1973

US-NOTENBANK VERFÜGT ÜBER BETRÄCHTLICHE MITTEL ZUR DOLLAR-STÜTZUNG
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)«- Während amerikanische Regierungskreise nach wie vor
jede Stellungnahme zu etwa möglichen Interventionen auf den Devisenmärkten
ablehnen, hat der Federal Reserve Board - die amerikanische Notenbank - am
10. Juli bekanntgegeben, daß sich die ihr für eine etwaige Stützung des
Dollar-Kurses verfügbaren Mittel beträchtlich erhöht haben.
Die auf der Sitzung der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich
(BIZ) am Wochenende in Basel getroffenen Vereinbarungen sehen eine Aufstockung der für eine mögliche Dollar-Stützung vorgesehenen Swap-Kredite
um 6 250 Millionen Dollar auf 17 980 Millionen Dollar vor. Darüber hinaus
könnten die USA aber auch Geld beim Internationalen Währungsfonds ausleihen
oder eigene Reserveguthaben wie Geld und IWF^Sonderziehungsrechte zur
Stützung des Dollar-Kurses einsetzen, falls eine solche Maßnahme erforderlich werden sollte. Im Rahmen der Swap-Vereinbarungen könnten aber auch die
ausländischen Notenbanken, falls notwendig, Dollar bis zu einem Betrage von
17 980 Dollar für etwaige Interventionen aufnehmen.
In den letzten Tagen ist von amtlichen amerikanischen Stellen weder
eine offizielle Intervention auf den Devisenmärkten ausgeschlossen worden,
noch ist angedeutet worden, daß Washington etwa zu intervenieren beabsichti-

�beabsichtige. Sprecher des US-Finanzministeriums wie auch des Federal Reserve Board erklärten lediglich, daß die auf der Tagung der Finanzminister
am 16. März niedergelegten Prinzipien weiterhin Gültigkeit hätten, Damals
hatten die Finanzminister festgestellt, daß offizielle Interventionen auf
den Devisenmärkten zu gegebener Zeit nützlich sein könnten, und jedes Land
hatte erklärt, daß es auf eigene Initiative zu Interventionen bereit sein
werde, falls dies notwendig und erwünscht sein sollte, und daß es dabei
flexibel entsprechend der Marktsituation und in enger Konsultation mit den
Währungsbehörden des Landes vorgehen werde, dessen Währung

angekauft

oder verkauft werden sollte.
Diese gleichen Prinzipien sind jetzt erneut in dem zum Abschluß der
BIZ-Tagung herausgegebenen Kommunique1 bekräftigt worden. In dem Kommunique1
haben die Notenbankpräsidenten ferner ausdrücklich festgestellt, daß die erforderlichen technischen Mittel zur Verwirklichung der am 16= März festgelegten Prinzipien zur Verfügung stehen.
Nach dem Stande vom 9. März dieses Jahres ~ also vor der jüngsten Auf=
Stockung der Swap-Kredite - standen den USA im Rahmen der bestehenden Swap-*
Vereinbarungen folgende Beträge - in Millionen Dollar umgerechnet - zur Verfügung:
Österreich

200

Belgien

600

Kanada

1 000

Dänemark

200

Großbritannien

2 000

Frankreich

1 000

Bundesrepublik Deutschland

1 000

Italien

1 250

Japan

1 000

Mexiko

130

Holland

300

Norwegen

200
Schweden
-2-

�Schweden

250

Schweiz

1 000

BIZ in Schweizer Franken

600

sonstige europäische Währungen

1 000

Gesamtbetrag am 9. März

11 730

Aufstockung am 10. Juli

6 250

Gesamtbetrag ab 10( Juli

17 980

Nach den neuesten Berichten des US-Finanzministeriums und des Federal
Reserve Board haben die Vereinigten Staaten in der Zeit vom September 1972
bis zum 9. März 1973 lediglich Ende Januar und Anfang Februar, also kurz
vor der zweiten Dollar-Abwertung, mit geringen Beträgen auf den Devisenmärkten interveniert. So wurden für 318,6 Millionen Dollar Deutsche Mark
und außerdem für 20,4 Millionen Dollar Holländische Gulden verkauft..

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26/1973

US-HANDELSMINISTER UNTERSTREICHT STÄRKE DER AMERIKANISCHEN WIRTSCHAFT
NEW YORK --(AD)-- Die grundlegende Stärke der US-Wirtschaft hat der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent erneut unterstrichen. Auf
einer Pressekonferenz betonte Dent am 9. Juli in New York, daß die amerikanische Wirtschaft ständig weiter expandiere und sich selten zuvor in
einer besseren Verfassung befunden habe. Der Minister verwies in diesem
Zusammenhang auf die hohe Rate der Kapitalinvestitionen in der Industrie,
die ständig zunehmenden Ausstoßzahlen, den jetzt erreichten Rekord-Beschäftigtenstand sowie die rückläufige Arbeitslosenquote, die im Juni
den niedrigsten Stand seit Jahren zu verzeichnen hatte, und erklärte, daß
zahlreiche andere Länder eine weit höhere Inflationsrate als die USA aufwiesen.
Der Kursrückgang des US-Dollar auf den ausländischen Devisenmärkten
läßt sich nach Ansicht Dents nicht mit der derzeitigen Verfassung der amerikanischen Wirtschaft begründen, die völlig gesund sei. Hier handele es
sich, wie Dent betonte, vielmehr um psychologische Trugschlüsse. Der
Dollar sei seinerzeit abgewertet worden, um die Wettbewerbsposition der
USA auf den Weltmärkten zu stärken, und dies sei durch die Abwertung erreicht worden. Die US-Exporte in den ersten Monaten dieses Jahres hätten
das Ergebnis des Vergleichszeitraumes 1972 weit übertroffen, und die Handelsaussichten für den Rest des Jahres seien noch besser.
Trotz

-1-

�Trotz des Kursrückganges des US-Dollar, so betonte Dent, setze das Ausland ganz erhebliches Vertrauen in die amerikanische Wirtschaft. Ausländische Geschäftsleute seien heute weit eher als früher zu Investitionen in den
USA geneigt. Die Beteiligungen ausländischer Firmen an amerikanischen Unternehmen stiegen ständig an, und vielfach würden ganze Produktionsanlagen von
ausländischen Unternehmen gekauft.
Dent verwies weiter auf die von der US-Regierung unternommenen Maßnahmen zur Steigerung der Agrarerzeugung. So seien, wie der Minister betonte,
1973 über 16 Millionen Hektar Land neu in die Bestellung genommen worden,
und die diesjährige Ernte werde bei Anhalten der günstigen Witterung eine
ausreichende Versorgung der amerikanischen Bevölkerung sowie die Bereitstellung beträchtlicher Mengen von Agrarerzeugnissen für den Export gewährleisten. Auf diese Weise werde die Regierung in die Lage versetzt, dem Preisauftrieb bei Lebensmitteln zu begegnen.
Dent unterstrich die Notwendigkeit einer ständigen Ausweitung des Exportes und forderte die Unternehmen auf, sich nicht nur um den amerikanischen
Markt, sondern auch um die Auslandsmärkte verstärkt zu bemühen. Auf die Frage, ob die Regierung weitere Exportbeschränkungen wie bei Sojabohnen und
Baumwollsaaten im Sinne habe, meinte Dent lediglich, daß die Situation bei
Mais und auf dem Getreidesektor ganz allgemein beobachtet werde.

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26/1973

EBERLE RECHNET MIT TERMINGERECHTER VERABSCHIEDUNG DES NEUEN
HANDELSGESETZES

WASHINGTON — ( A D ) — Der Sonderbeauftragte Präsident Nixons für Handelsfragen, Botschafter William D. Eberle, rechnet damit, daß das amerikanische
Repräsentantenhaus das neue Handelsgesetz noch vor der am 3. August beginnenden Sitzungspause des Kongresses verabschieden wird. Damit, so betonte
der Botschafter am 2. Juli in einem Interview, sei die Möglichkeit gegeben,
daß der Kongreß seine Beratungen über das Gesetz noch vor Ende des Jahres
abschließen und die endgültige Vorlage dem Präsidenten zur Unterschrift
vorlegen könne, so daß der ursprüngliche Zeitplan der Regierung eingehalten
werde.
Eberle zeigte sich hinsichtlich der Beratungen über das Gesetz optimistisch und meinte, wenn auch verschiedene Änderungen noch vorgenommen würden, so dürfte die Regierungsvorlage doch in ihren wesentlichen Punkten
erhalten bleiben. Selbst wenn das Repräsentantenhaus vor der Sitzungspause
die Vorlage nicht mehr verabschieden sollte, so werde dies die für den
10. September nach Tokio einberufene GATT-Ministertagung nicht davon abhalten, eine neue umfassende Runde von Handelsverhandlungen einzuleiten. Aller«
dings sei es sehr zu wünschen, wenn auch nicht absolut notwendig, daß zu
Beginn der Tagung in Tokio bereits die erforderlichen Vollmachten vorliegen,

-1-

�vorliegen, damit die amerikanische Delegation dort nicht Verfahren zustimme,
die dann mit dem Gesetz nicht zu vereinbaren seien. Kernpunkt des neuen Handelsgesetzes sei die Ermächtigung, daß die Regierung an Verhandlungen über
Zollsenkungen teilnehmen und bei den nicht-tarifären Handelsschranken ad
referendum-Abkommen abschließen kann, die lediglich einer nachträglichen
Billigung durch den Kongreß bedürfen. Der US-Kongreß, so sagte Eberle, sei
sich darüber klar, daß wirklich bedeutsame Verhandlungen sich auch mit
den nicht-tarifären Handelsschranken befassen müssen. Seines Erachtens werde der Kongreß eine ähnliche Formel wie die der Nixon-Administration billigen, die ihm bei allen in den Verhandlungen erreichten Abkommen über nichttarifäre Handelsschranken ein Veto-Recht innerhalb von 90 Tagen einräumt.
Nach Ansicht Eberles werden die Aussichten auf schnelle Verabschiedung
des neuen Handelsgesetzes durch den Kongreß wesentlich durch das Ergebnis
der gegenwärtigen Verhandlungen mit der Europäischen Gemeinschaft über die
Auswirkungen der Erweiterung der EG auf den Welthandel beeinflußt werden. Er
sei, was die bisherige Haltung der Vertreter der EG anbetreffe, sowohl enttäuscht wie auch optimistisch. Bisher, so betonte Eberle, habe die EG der
amerikanischen Auffassung noch nicht öffentlich zugestimmt, daß sie den
Vereinigten Staaten für die durch die Erweiterung der Gemeinschaft entstandenen Handelsnachteile Kompensationen schulde. Sie bezeichne es vielmehr,
zumindest in ihren öffentlichen Erklärungen, als ihre Aufgabe, darzulegen,
wie durch einzelne Zollerhöhungen und Zollsenkungen das gegenwärtige Gleichgewicht beibehalten werde. Diese Auffassung könne von den USA so nicht akzeptiert werden, zumal zu viele Faktoren zu berücksichtigen seien. Trotzdem,
so betonte Eberle, sei er optimistisch, denn die Verhandlungen dauerten an
und die Unterhändler der EG begännen seines Erachtens zu begreifen, daß
die amerikanischen Besorgnisse berechtigt seien. Gleichzeitig gab der Botschafter der Hoffnung Ausdruck, daß der EG-Ministerrat auf seinen
Sitzungen im Juli seine Verhandlungsdelegation in Genf ermächtigen werde,
geeignete Konzessionen zu machen. Damit würden sich dann auch die Aussichten
auf eine schnelle Verabschiedung des neuen US-Handelsgesetzes verbessern,
da sonst die protektionistischen Kräfte Auftrieb erhalten würden.
Eberle

�Eberle betonte weiter, daß die amerikanischen Kontrollen für den Export von Sojabohnen und Baumwollsaaten die Notwendigkeit von Verhandlungen
über den Agrarhandel noch unterstrichen. Die Pflichten der Käufer und der
Verkäufer von Agrarerzeugnissen müßten auf internationaler Ebene klargestellt
werden, und hierzu böten gerade die bevorstehenden Handelsverhandlungen eine
günstige Möglichkeit. Eberle bezeichnete die amerikanischen Kontrollen als
Teil der Bemühungen um eine Eindämmung der weltweiten Inflation und wies darauf hin, daß die Verknappung bei einzelnen Erzeugnissen die USA gezwungen
habe, vorübergehende Kontrollen einzuführen. Diese Kontrollen seien in jedem
Fall nur vorübergehender Natur und würden lediglich so lange beibehalten werden, bis die neue Ernte auf den Markt komme. Diese jüngsten Entwicklungen
zeigten jedoch, daß der amerikanische Standpunkt richtig sei, nämlich daß
die Landwirtschaft ein wichtiger Bestandteil der kommenden Verhandlungen
sein müsse und daß Wege gefunden werden müßten, um den internationalen Handel
mit Agrarerzeugnissen auszuweiten.

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26/1973
INDUSTRIE UND UMWELTSCHUTZ

--(AD)-- In Zusammenarbeit mit der "National Audubon Society", die sich
dem Naturschutz in allen seinen Aspekten verschrieben hat, wird in der
Umgebung von Detroit (Michigan) ein Komplex von drei Großkraftwerken gestaltet werden. Die Edison Company, eines der größten Elektrizitätsunternehmen der Vereinigten Staaten, errichtet in ca. 15 km Abstand vom HuronSee zwei neue Atomkraftwerke mit je 1 100 Megawatt und ein Heizölkraftwerk
mit 800 Megawatt Kapazität. Die Anlage, die den Namen "Greenwood Energy
Center" bekommt, soll bis 1981 auch als Erholungspark fertiggestellt sein.
Die Edison Company plant, ein völlig geschlossenes Kühlsystem zu
schaffen, das eine thermische "Verschmutzung" des Huron-Sees ausschließt.
Zu diesem Zweck wird ein umfangreiches Kanalnetz in Verbindung mit zwei
künstlichen Seen angelegt, um an Stelle der sonst üblichen Kühltürme, die
außerdem die Landschaft verschandeln, die Abwärme zu beseitigen. Anstatt
der für Kühltürme erforderlichen Wassermenge von 3 800 Tonnen pro Minute
werden nur 34 Tonnen pro Minute vom Huron-See erforderlich sein. Fußwege
um die künstlichen Seen, durch Marschland, Wiesen und Wald werden auf
einem insgesamt fast 100 Hektar großen Gelände angelegt, von wo aus die Besucher Gelegenheit haben, Wild und Wasservögel zu beobachten.

Die Edison

Company wird außerdem eine Forschungsstation einrichten, in der sich Wissenschaftler mit den Auswirkungen der Kraftwerke auf die Pflanzenwelt
befassen.
Die

-2-

�Die U.S.-Atomenergiekommission läßt diesen Aspekt der Atomtechnik besonders gründlich beobachten. Wie sie Ende 1973 bekanntgab, sind die
neuesten Erkenntnisse über die Toxizität von chemischen Verbindungen, die
beim Betrieb von Atomkraftwerken entstehen, für Flora und Fauna im Wasser
in dem Bericht "Toxicity of Power Plant Chemicals to Aquatic Life" zusammengefaßt. Der Bericht ist unter der Kennnummer WASH-1249 beim "Superintendent
of Documents" (U.S.Government Printing Office, Washington, D.C. 20502) zu
beziehen.

Abwasserreinigung
i

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,

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,.

Wissenschaftler des Ozeanographischen Instituts von Woods Hole
(Massachusetts) arbeiten an einem Reinigungsverfahren für städtische Abwässer, das gleichzeitig die Produktion von Muscheln, Garnelen und anderen
Meerestieren im Stil einer Meeresfarm ermöglicht. Zur Reinigung des Wassers
wird Phytoplankton, d.h. winzige pflanzliche Algen, benutzt, das seinerseits
dem Meerestier

zur Nahrung dient.

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26/1973
US-WISSENSCHAFTS-UND ENERGIEPOLITIK:
-Dr.Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der
Nationalen Wissenschaftsstiftung-

--(AD)»- Die Einrichtung einer Abteilung für Wissenschafts-u.Technologie-Politik (Science and Technology Policy Office - STPO) innerhalb der Nationalen
Wissenschaftsstiftung (NSF) der Vereinigten Staaten wurde von Dr. H.Guyford
Stever bekanntgegeben. Gleichzeitig ernannte Dr. Stever, der Direktor der
NSF, Dr. Russell C. Drew zum Leiter der neugeschaffenen Abteilung, die
die Aufgaben des ehemaligen Präsidialamtes für Wissenschaft und Technik
übernimmt.
Dr. Drew, von Hause aus Physiker, war bereits von 1966 bis 1972 als
Beauftragter für Technik im Amt des Wissenschaftsberaters des US-Präsidenten tätig. In dieser Eigenschaft organisierte und leitete er eine Anzahl
von Gremien, die sich mit den verschiedensten Spezialthemen befaßten- von
der Überwachung des Luftverkehrs, Raumfahrtwissenschaft und -Technik über
biomedizinische Forschung und Entwicklung auf dem Raumfahrtsektor bis zur
Fernmeldetechnik. Für die Entwicklung von internationalen Projekten, insbesondere solchender Zusammenarbeit im Weltraum, arbeitete er außerdem eng
mit den zuständigen Stellen des Außenministeriums und des Nationalen Sicherheitsrates zusammen.
Das

-1-

�I

l
Das neue Aufgabengebiet von Dr. Drew als Direktor der Abteilung
Wissenschafts-und Technologiepolitik, der ein Stab von Spezialisten verschiedener Fachgebiete zugeordnet ist, umfaßt u.a.:
- Beratung, Konsultation und Empfehlungen zu Fragen nationaler Politik auf dem zivilen Sektor von Wissenschaft und Technik;
- Entwicklung technischer Alternativen bei der Lösung nationaler
Probleme auf dem zivilen Sektor;
- Bewertung der allgemeinen Effektivität laufender nationaler Forschungs-und Entwicklungsprojekte, einschließlich solcher der Bundesregierung, und Empfehlung der einzuschlagenden Politik

und Programme, mit denen

nationale Ziele durch zivile Projekte von Wissenschaft und Technologie er«
reicht werden können;
- Funktion als zentrale Stelle für die Koordinierung von Bundesforschungs-und Entwicklungsprogrammen (die Abteilung STPO stellt u.a. dem Bundesbeirat für Wissenschaft und Technik - FCST - Spezialisten zur Verfügung);
- Zusammenarbeit, mit Wissenschaftlergruppen an Universitäten und in
der Industrie bei einem breiten Spektrum von Fragen der Wissenschaftspolitik, um deren Mitwirkung bei der Stärkung von Wissenschaft und Technik
in den Vereinigten Staaten weiter zu fördern;
- Beratung und Unterstützung

zur Förderung internationaler Ziele der

US-Regierung auf den Gebieten Wissenschaft und Technik.
Dr. Russell C. Drew, der 1961 das Studium der Physik mit der Promotion
an der Duke-Universität (Durham, Nordkarolina) abschloß, arbeitete zunächst
bei Dr. Walter Gordy am Mikrowellen-Institut der Duke-Universität.Als Mitarbeiter einer amerikanisch-britischen Kommission befaßte er sich von 1963
bis 1966 mit Problemen des Wiedereintritts von Raumflugkörpern in die Erdatmosphäre im Zusammenhang mit dem POLARIS-Programm. Während seiner Tätigkeit im Präsidialamt für Wissenschaft und Technik war er maßgeblich an der

-2-

�der Vorbereitung und Ausarbeitung von Berichten zum APOLLO-Nachfolgeprogramm,
den biomedizinischen Grundlagen des bemannten Raumflugs und zu künftigen
Raumflugprojekten beteiligt. Bis zur Aufnahme seiner neuen Funktion in
Washington leitete

Dr. Drew zuletzt die Verbindungsstelle des US-Marine-

forschungsamtes in London, das Projekte technischer Zusammenarbeit mit ver~
bündeten Nationen in Westeuropa, Afrika und dem Nahen Osten entwickelt und
wissenschaftliche und technische Kontakte zu den entsprechenden Stellen im
Ausland unterhält.

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26/1973

MÜHLEN IM GOLFSTROM ?
Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen
Energiequelle

— ( A D ) — Dr. Harris B. Stewart und Dr. John R. Apel von den Umwelt-Laboratorien des US-Bundesamtes für Meeres-und Atmospährenforschung (NOAA)
sowie Dr. William S. von Arx (Woods Hole-Institut für Meeresforschung)
schlagen vor, daß sich Spezialisten der Meerestechnik, der Elektrotechnik und verwandter Gebiete zusammensetzen, um die wirtschaftlichen und
technischen Möglichkeiten zur Nutzbarmachung der Energie des Golfstroms zu
sondieren. Die Wissenschaftler verweisen darauf, daß schon allein der
Florida-Strom vor Miami, der einen wesentlichen Teil des Golfstromes bildet, mehr als das 50fache der Wassermengen aller Süßwasserflüsse der Erde
transportiert.
Die Durchschnittsgeschwindigkeit zwischen Florida und der südöstlich
vorgelagerten Insel Bimini beträgt durchschnittlich 3,2 km pro Stunde,
in oberflächennahen Wasserschichten jedoch bis zu 8,8 km/st. Berechnungen
hätten ergeben, wie Dr. Apel hervorhob, daß mit diesem Wasser pro Quadratmeter Fläche 0,8 Kilowatt Strom erzeugt werden könnten, wenn man technische Möglichkeiten fände»

diese Energiequelle anzuzapfen. Die Ausbeute

wäre zehnmal höher als bei der Verwendung von Sonnenzallen auf entsprechend
gleichgroßer Fläche (1 qm), um z.B. im Raum von Südflorida das Sonnenlicht
für die Energiegewinnung nutzbar zu machen.
Aus

-l-

�Aus ökologischen Gründen sei es jedoch nach Meinung der Wissenschaftler
nicht ratsam,die gesamte Strömungsenergie zu nutzen, die ca. 25 000 Megawatt
Strom ergeben könnte. Das entspricht der Leistung von 25 Großkraftwerken.
Vielmehr sollten die Energiewandler - große, langsame Turbinen, deren Blätter
ähnlich wie bei einem Windrad um einen zentralen Schaft arrangiert sind vorerst nur etwa vier Prozent der verfügbaren Strömungsenergie in elektrische Energie umsetzen. Andernfalls bestehe möglicherweise die Gefahr, daß
der Weg des GolfStromes verändert werde, was einschneidende klimatische Auswirkungen in anderen Teilen der Welt zur Folge haben könnte. Das müsse auf
jeden

Fall vermieden werden.

Um mit vier Prozent der Strömungsenergie ca. 1 000 Megawatt elektrischen Strom zu erzeugen, seien etwa 200 solcher "Windradu-Turbinen erforderlich. Sie würden in der Meerenge zwischen Florida und Bimini in 30 bis 130 m
Wassertiefe quer zur Strömung über einen etwa 20 km breiten Bereich stationiert. Jede Turbine, deren Gehäuse nur zur ankommenden Strömung offen ist,
hätte ihren eigenen Generator, wobei die Verankerung gleichzeitig als Kabelführung für den so erzeugten Strom zu dem am Boden verlegten Hauptkabel dienen
könnte. Der Schiffsverkehr würde bei einem solchen Arrangement nicht gestört,
und ebensowenig könnten die Wellenbewegungen des Oberflächenwassers an den
Ausrüstungen Schäden anrichten.
Die technischen und wirtschaftlichen Aspekte eines solchen Projektes
müßten, wie Dr, Apel hervorhebt, zuvor gründlich untersucht werden. Jedoch
sei die mit der Strömung verfügbare Energiemenge groß genug, um das Interesse
von Ingenieuren und Wirtschaftlern zu rechtfertigen. Falls der so erzeugte
Strom nicht direkt im Raum von Miami verbraucht werde, könne er zur Elektrolyse von Wasser benutzt werden. Die so gewonnenen Produkte Wasserstoff und
Sauerstoff sind transportabel und könnten - über Brennstoffzellen - andernorts Strom produzieren. Als Nebenprodukt fällt dabei sogar noch sauberes
Wasser an. Der besondere Vorteil einer Nutzbarmachung des Golfstromes ist
nach Dr. Apel in der Tatsache zu sehen, daß dieser Tag und Nacht, Sommer
wie Winter Energie liefern würde.
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26/1973

IMMUNOTHERAPIE FÜR SCHWERE LEPRA-FÄLLE

--(AD)-- Etwa zehn Millionen Menschen auf der Erde leiden an Lepra. Mit
Hilfe der modernen Chemotherapie ist es in vielen Fällen möglich,die

,

Krankheit unter Kontrolle zu bekommen. Bei den schweren Erkrankungsformen
jedoch, in denen durch Knoten-und Geschwürbildung nicht nur im Haut- und
Unterhautbereich, sondern auch an inneren Organen mehr und mehr Gewebe
zerstört wird, reicht diese Behandlung nicht aus. Der Körper ist nicht
mehr in der Lage, Abwehrkräfte gegen die Erreger (Mycobacterium leprae)
zu mobilisieren.
Diese Schwäche versuchen zwei Ärztegruppen in den USA, die für
ihre Studien erhebliche Zuschüsse der medizinischen Bundesforschungsanstalten (NIH) erhielten, durch künstlich hervorgerufene immunologische
Reaktionen zu überspielen. Das Unvermögen des Körpers, Abwehrreaktionen
trot'z möglicherweise sogar vorhandener Antikörper in Gang zu setzen,
läßt sich durch einen Hauttest mit dem antigenhaltigen Lepromin an einer
gesunden Hautstelle leicht nachweisen.
Bei solchen Kranken fehlen, obgleich sie hohe Antikörperspiegel aufweisen, die Lymphozyten, die normalerweise der Körper auf Lepromin ansetzen würde. Außerdem findet sich eine enorm große Menge von Makrophagen,
die sehr viele Lepra-Bakterien enthalten. Aus noch ungeklärten Gründen
sind bei lepromatösen Kranken die Makrophagen, die die Mikroben aufnehmen und zerstören sollen, nicht in der Lage, Lepra-Bakterien zu"er-

-1-

�"erkennen" und zu vernichten.
Auffallend gute Erfolge hatte nun eine Reiztherapie, bei der die LepraKranken einmal pro Woche - und dies bis zu 16 Wochen lang - eine hochdosierte Lymphozyten-Infusion erhielten. Dafür wurden absichtlich Spenderzellen benutzt, die den bei Gewebeübertragungen üblichen Kompatibilitätsanforderungen nicht entsprachen. Die Kalkulation der Wissenschaftler, auf
diese Weise eine begrenzte Reaktion des Fremdgewebes gegen den Wirtsorganismus hervorzurufen, erwies sich als richtig. Diesen Überlegungen lag die
Theorie zugrunde,daß Immunzellen

von einem Spender, die nicht kompatibel

sind, nicht nur das Gewebe des Empfängers, sondern auch die Lepra-Bakterien als "fremd" erkennen müßten. Deshalb war zu erwarten, daß die Lymphozyten die Makrophagen soweit mobilisieren, daß diese ihre' Schmarotzer, die
Lepra-Bakterien, zerstören.
Diese Therapie, die Prof. Soo Duk Lim (Universität Seoul, z.Zt. Gastprofessor für Pathologie an der Staatsuniversität von Minnesota in Minneapolis) zusammen mit Dr. Robert A. Good, Präsident des Sloan=Kettering-Instituts für Krebsforschung in New York, entwickelt hatte, war bei allen 14 Pa- '
tienten, an denen sie erprobt wurde, erfolgreich. Die Bakterienkonzentration im Gewebe wurde immer stärker reduziert, und die äußeren, für die Krankheit

charakteristischen Läsionen bildeten sich zurück. Das traf nicht

nur für den Schweregrad, sondern auch für ihre Ausdehnung zu. Alle 14 Patienten konnten nach 16 Wochen auf die herkömmliche Chemotherapie umgestellt werden. Auch nach mehr als einem Jahr ist es bei keinem von ihnen zu
einem Rückfall gekommen.

i.

Prof. Lim macht allerdings darauf aufmerksam, daß weitere Versuche
und Überprüfungen erforderlich seien, ehe zur Behandlung hartnäckiger LepraFälle auf dieses Verfahren übergegangen werden könne, auch wenn es, wie die
bisherigen Ergebnisse zeigen, für solche Lepraformen und vielleicht auch andere Krankheiten, bei denen die konventionelle Chemotherapie versagt, angewandt werden könnte.
In

-2-

�In einer ausführlichen Studie beabsichtigt nun Prof. Lim, die Wirkung
der neuen Therapie unter den verschiedensten Aspekten mit jenen der Chemotherapie sowie einem zweiten neuen Verfahren zu vergleichen, das Dr. W.
Bullock, Dr. James P. Fields und Dr. Michael Brandriss von der Universität
Rochester (New York) ausgearbeitet haben. Die drei Wissenschaftler versuchen
dabei unter Ausnutzung des sogenannten Transfer-Faktors, durch sensibilisierte Lymphozyten von Gesunden bei lepromatösen Patienten eine Immunreaktion in Gang zu setzen. Bei den auf diese Weise behandelten Patienten war
die Reaktion allerdings nur relativ schwach und von kurzer Dauer. Das Verfahren beruht auf der Tatsache, daß die Fähigkeit zu Abwehrreaktionen auf
die dazu unfähigen Personen übertragen werden kann, wenn sie Lymphozyten
von einer Person bekommen, die gegen ein spezielles Antigen eine Überempfindlichkeit entwickelt hat.

+++

3-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rede des US-Außenministers auf der KSZE am 5. Juli&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Aktion "Rettet die Meere"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- UN-Konferenz in Genf bereitet neues Seerecht vor -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Barrett McGurn&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;US-Notenbank verfügt über beträchtliche Mittel zur Dollar-Stützung&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Handelsminister unterstreicht Stärke der amerikanischen Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Eberle rechnet mit termingerechter Verabschiedung des neuen Handelsgesetzes&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Industrie und Umweltschutz&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wissenschafts- und Energiepolitik&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Dr. Russell C. Drew übernimmt Leitung der neuen Abteilung in der Nationalen Wissenschaftsstiftung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Mühlen im Golfstrom?&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Vorschlag amerikanischer Wissenschaftler zur Erschließung einer neuen Energiequelle -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Immunotherapie für schwere Lepra-Fälle</text>
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