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und
Dokumentation

08-85432

6. Juni 1973

21

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Belebung des transatlantischen Dialogs
Von Paul W. McCracken

INFORMATION:
Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen
Partnerschaft
-Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. MaiUS-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA »73

WIRTSCHAFT:
Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergnjndmaterial

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BELEBUNG DES TRANSATLANTISCHEN'DIALOGS

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Professor für Betriebswirtschaft an der
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Universität von Michigan, Paul W. McCräcken,
hat in einem Artikel im Wall Street Journal am 24. Mai seine Auffassungen bezüglieh der Aussichten des transatlantischen
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Dialogs dargelegt. Mit freundlicher Geneh• .».,'

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hier im Wortlaut wieder.
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Copyright (c) 1973 by Dow Jones &amp; Co., Inc.
Für die internationale Wirtschaft ist eingutes Erntejahr zu erwarten.
Im September.ist in Tokio der Beginn einer neuen Runde von Verhandlungen
.., über einen Abbau der Handelsschranken; vorgesehen, und die Administration
(in Washington) hat bereits Gesetzesvorlagen unterbreitet, um .dem Präsidenten die notwendigen Verhandlungsvollmachten zu geben. Ferner arbeitet
der Zwanzigeraus'schuß mit Nachdruck an Vorschlagen für ein neues inter;

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nationales Währüngssystem, die aller Voraussicht: nach'auf der Jahrestagung
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�Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds und der Weltbank im Septem,
ber Beachtung finden werden.
Wie stehen die Aussichten?
Nach rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten wäre eine optimistische Er«
Wartung am Platze* Trotz all der Währungsunruhen und «krisen der letzten
zwei Jahre scheint die internationale Wirtschaft noch sehr lebendig zu sein.
Zunächst einmal hat sich'das Volumen des Welthandels weiterhin kräftig ausgeweitet. Die Exporte der zehn wichtigsten Handelsnationen, die allein drei
Viertel des gesamten Welthandels ausmachen, liegen heute etwa 20 Prozent
höher als vor einem Jahr. Wenn diese Expansion auch zum Teil auf Preiserhöhungen zurückzuführen ist, so scheint das Volumen doch auch - in realer
Kaufkraft gemessen - etwas rascher gestiegen zu sein als Produktion und Realeinkommen. Die Kräfte, die eine Ausweitung des Volumens des internationalen
Handels und Wandels bewirken, scheinen sehr standhaft zu sein. Sie machen
sich weiterhin wirksam bemerkbar.
Zum anderen fängt das anhaltende amerikanische Handelsdefizit an, erste
Anzeichen einer Verbesserung zu zeigen. Es ist bedeutsam, daß während der
nachhaltigen Expansion in den USA das Handelsdefizit von einer Jahresrate von
6,7 Milliarden Dollar im ersten Halbjahr 1972 auf eine Rate von 6,0 Milliarden Dollar im zweiten Halbjahr und auf eine Rate von 3,7 Milliarden Dollar im
ersten Quartal 1973 gesunken ist. Die Verbesserung im ersten Quartal dieses
Jahres war zu dramatisch, als daß sie aufrechterhalten werden könnte, und
man muß damit rechnen, daß die weitere Abwertung des Dollar im Februar die
übliche kurzfristige negative Auswirkung auf unseren Handel haben wird.
Aber es ist bedeutsam, daß der allgemeine Trend des Defizits seit einem Jahr
nach unten geht, und zwar trotz der einem Boom im eigenen Lande innewohnenden starken Tendenz, Importe anzuziehen.
Darüber hinaus gibt es heute genug Fälle, wo ausländische Firmen ihre
Pläne aufgeben, in den amerikanischen Markt einzudringen, was darauf schliessen läßt, daß die Abwertung von 1971, die allgemein höheren Inflationsraten

.2*

�Inflationsraten im Ausland und jetzt die neuerliche Dollarabwertung das
amerikanische Preis-Kosten-Niveau wieder auf den Stand des Auslandes gebracht
haben. Man könnte sogar argumentieren, daß der Dollar an einem relativen
Preis-Kosten-Stand gemessen im Grunde etwas unterbewertet ist.
Und schließlich haben Wir bereits ein stabileres internationales Währungssystem erreicht, indem wir ein Floaten der Wechselkurse zulassen. Es
hat schon immer logische Gründe für die Überzeugung gegeben, daß - so paradox das klingen mag - starre Wechselkurse internationale Währungsinstabilität
und flexible Kurse ein stabileres System bedeuten. Der Grund ist natürlich
ganz einfach. Wenn die Wechselkurse sich nicht anpassen können, wen Preise,
Kosten und technologische Bedingungen sich in den verschiedenen Ländern mit
unterschiedlichen Raten bewegen, dann tritt die besonders starke Währung
beispielsweise an den ausländischen Devisenmarkt mit einer gewissen einseitigen Unsicherheit heran. Die einzige Unsicherheit ist, wann und um wieviel
diese Währung aufgewertet werden muß. Hier besteht also ganz offensichtlich
kein Risiko nach unten. Die natürliche Folge ist eine Lawine von Geld, das
dieses Land überflutet. Obwohl die unvermeidliche Heraufsetzung des Wechselkurses den Spekulanten angelastet werden kann, liegt die eigentliche Ursache
in dem Wechselkursmechanismus, der die Märkte mit einer einseitigen Unsicherheit konfrontiert hat.
Wenn sich die Wechselkurse frei bewegen können, dann wird eine Verlagerung von Geldern nach einem Lande dessen Währung stärken. Aber je*der, der
Geld in dieser Währung anlegt, muß auch mit einem Risiko nach unten rechnen».
Es besteht also entschieden weniger Anreiz, in einer solchen im Entstehen begriffenen Flutwelle mitzuschwimmen. Wir haben das im Mai erlebt, als Gerüchte
über eine mögliche weitere Aufwertung der DM im Rahmen des Antiinflationsprogramms der Bundesrepublik Deutschland zu einer kurzen Unruhe führten. Es
traten jedoch keine Flutwellen auf, und die Märkte blieben im allgemeinen im
Rahmen.
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-3-

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Das gegenwärtige System flexibler Kurse hat noch ein weiteres Problem
gemildert - die Tatsache nämlich, daß die Außenhandelsziele von Nationen von
Natur aus unvereinbar sind. Die meisten Länder wollen mehr exportieren als
importieren - wag schwer zu erreichen ist, denn

der Export des einen ist der

Import des anderen. Der Versuch, dies im Rahmen eines Systems fester Wechselkurse zu erzielen, fordert jedpch einfach das Risiko heraus, daß aus Wettbewerbsgründen gegen den Standard abgewertet wird, und das ist ein Teil des
systematischen Prozesses gewesen, durch den der Dollar (der Standard) schließlich überbewertet.wurde. Wenn ein Land bewußt eine Wechselkurspolitik verfolgt,
die dahin tendiert, seine Währung ständig unterbewertet zu halten, dann kann
es eine störende Wirkung auf die Weitwirtschaft ausüben, die praktisch kaum
erkannt wird, da die Stärke seiner Währungs-und Zahlungsbilanzposition nach
außen Redlichkeit und Tugend zeigen. So ist beispielsweise Frankreich seit
langem dafür bekannt, seinen Wechselkurs auf einem Stand zu halten, der dazu neigt, den Franc unterzubewerten. Die unnötige Abwertung des Franc im
Jahre 1969 ist nur ein Beispiel, und wenn wir in der Geschichte etwas weiter
zurückgehen, so ist die Festlegung des. Franc auf:einen unterbewerteten Kurs
in den zwanziger Jahren ein weiteres.
/
Wir haben deshalb heute ein Währungssystem, das der Dynamik einer rasch
fortschreitenden und unsicheren Welt besser angepast ist,als das System von
Bretton Woods, und Finanzminister und Zentralbankpräsidenten scheinen heute eher geneigt zu sein, das zu akzeptieren,

. ,

Die eigentliche Frage ist, ob Europa und die Vereinigten Staaten miteinander reden können - zumindest in einer sinnvollen und problembezogenen
Weise. Sicherlich

hat Europa einige durchaus berechtigte Gründe, Unbehagen

wegen der Vereinigten Staaten zu empfinden. Hier stehen wir nun nur noch
wenige Monate von den Handelsgesprächen in Tokio, die im September beginnen
sollen, und die Administration hat nicht die Vollmacht, zu verhandeln. Eine
liberale Handelsgesetzgebung ist niemals einfach, und Europa sieht gerade
für das Handelsgesetz dieses Jahres ganz besondere Probleme. Sie umfassen
den gesamten Bereich vom Wiedererstehen einer protektionistischen Einstellung

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�Einstellung bis zu den Befürchtungen, daß die Watergate-Affaire die Administration so unbeweglich machen werde, daß sie nicht in der Lage sein
dürfte, das Handelsgesetz im Kongreß voranzubringen.
Außer der Ungewißheit über die Aussichten für eine Verabschiedung des
Handelsgesetzes, das für .eine Teilnahme der USA an der Handelsgesprächsrunde in Tokio notwendig ist, hegt man in Europa noch weitere allgemeinere Besorgnisse. Das alte Währungssystem hat uns nach ihrer Auffassung die Möglichkeit gegeben - ausgerüstet mit unbegrenzten Mengen der Leitwährung der
Welt (dem Dollar) - überall vorzustoßen, ihre Wirtschaftsunternehmen aufzukaufen und sie mit Dollars zu überfluten, bis sie daran erstickten. Sie
glauben - und in dieser Hinsicht haben sie vielleicht sogar Recht - daß die
amerikanische Geschäftswelt bei weitem nicht so exportorientiert ist, wie
sie es sein sollte. Die amerikanische Inflation, die Mitte der sechziger
Jahre einsetzte, wirft immer noch ihren Schatten weit voraus und der beschleunigte Anstieg unseres Preisniveaus, am Anfang des letzten Jahrzehnts erweckte die Befürchtung, daß Onkel Sam wieder einmal in der Tinte sitzt - durch
Mißmanagement seiner Wirtschaft im eigenen Lande. Nachdem wir die Wirtschaft nach 1965 auf den langen Weg einer beschleunigten Inflation eingestellt
haben, müssen wir mit dem Auftreten von ernsten Besorgnissen im Ausland
rechnen, die selbst bei geringfügigen Tendenzen einer Kursabweichung der
Wirtschaft schon unverhältnismäßig groß sein können.
Was uns betrifft, so haben wir auch einige Sorgen wegen Europa. Die
gemeinsame Agrarpolitik und die bei den EG-Ländern bestehende

Tendenz, für

gewährte Präferenzen von einigen Entwicklungsländern für die eigenen Exporte
Gegenpräferenzen zu erlangen, sind Dinge, die Uncle Sam nicht schmecken wollen. Darüber hinaus erscheinen die Gegenpräferenzabmachungen für die Exporte der Gemeinschaft in diese Länder doch wirklich schon ein wenig wie eine
Reinkarnation des Wirtschaftskolonialismus. Was nun die Inflationsraten in
den bedeutenderen europäischen Ländern anbetrifft, so sehen sie heute
schlechter aus als die der USA, und bei manchen sind die Aussichten für eine
substantielle Verbesserung für die Zukunft nicht gerade rosig. Selbst in

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in einem Land mit einer traditionell so starken Inflationsfurcht wie
Deutschland sind die Preise in der letzten Zeit mit einer Rate von mehr als
acht Prozent gestiegen.
Die Hauptbeschwerde amerikanischerseits scheint jedoch die zu sein, daß
es praktisch unmöglich sei, heute einen Weg zu wirklich bedeutungsvollen
Gesprächen mit Europa zu finden. Wenn man mit einzelnen Regierungen spricht,
dann wird einem gesagt, daß es sich hier um Fragen der Gemeinschaft handele,
zu denen die einzelnen Regierungen keinen unabhängigen Standpunkt einnehmen
oder über die sie unabhängig sprechen könnten. Wenn man zur Gemeinschaft
geht, dann wird einem erklärt,daß man dazu nicht viel sagen könne, weil die
Mitglieder noch keinen gemeinsamen Standpunkt hätten.
Diese Sackgasse wird auf vielerlei Weise sichtbar. Die Europäer sind
schnell dabei, die allgemeinen Richtlinien von Finanzminister Shultz für
eine Währungsreform zu kritisieren, aber sie sind nicht in der Lage, eine
Alternative der Gemeinschaft anzubieten. Sie reagieren kühl auf die Rede
Kissingers, in der er eine Atlantikcharta vorschlug, aber sie sind offensichtlich nicht in der Lage, irgend etwas Konstruktives dagegenzusetzen, Sie versteifen sich auf eine Währungsunion ihrer eigenen Währungen (ohne Pfund und
Lira), aber sie sind nicht bereit, jeweils das Maß an Kontrolle über die
Geld-und Fiskalpolitik im eigenen Land aufzugeben, das notwendig ist, wenn
die Währungsunion eine vernünftige Aussicht auf Bestand haben soll.
Wenn im Hinblick auf Tokio vielleicht Ungewißheit bestehen mag, ob die
amerikanische Delegation Verhandlungsvollmacht haben wird, so kann doch kaum
Ungewißheit darüber bestehen, was sie will. Die Delegierten der Gemeinschaft
werden Verhandlungsvollmacht haben, aber sie werden möglicherweise mit keinem
klaren Auftrag dessen eintreffen, was sie eigentlich wollen.

»Viel

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�- Viel Anlaß zum Nachdenken Wenn wir dieses wichtige Jahr einigermaßen konstruktiv überstehen wollen, dann müssen wir auf beiden Seiten noch über Vieles nachdenken. Was uns
hier in Amerika anbetrifft, so brauchen wir offensichtlich eine Handelsgesetzgebung im Sinne der Regierungsvorlage. Für uns geht es jetzt um eine
multilaterale Handelswelt und eine Welt schwindender Schranken.
Wir dürfen auch nicht vergessen, daß die Aufgabe, das Zusammenschmieden einer Europäischen Gemeinschaft zu vollenden, e ine Aufgabe ist, die
fast alle Vorstellungen übersteigt. Das Bemerkenswerte ist nicht, daß dieses Unterfangen so schwierig und so verdrießlich ist, sondern daß es überhaupt in Angriff genommen wird. Die Völker d.er Gemeinschaft stehen heute
vor all den Problemen (nur noch durch größere sprachliche, kulturelle und
politische Unterschiede ins Vielfache gesteigert), vor denen unsere Kolonien vor 200 Jahren standen, als sie versuchten, mit den Artikeln der
Konföderation unabhängig zu handeln.
Die Europäer haben selbstverständlich auch ihre Verantwortungen. Die
Ermahnung, die übrige Welt müsse geduldig warten, während sie komplexe
und schwierige innere Probleme der Gemeinschaft lösen, wird nicht ziehen.
Rund drei Viertel der Weltwirtschaft ist "dort draußen" außerhalb der Gemeinschaft. Diese Weltwirtschaft hat ihre eigenen inneren Gesetzmäßigkeiten,
und sie wird nicht in atemloser Spannung warten, bis die Gemeinschaft ihre
eigenen Probleme gelöst hat. Europa muß daher einige seiner Gedanken auf
konstruktive Ideen für die Gestaltung der gesamten Weltwirtschaft ausdehnen.
Die übrige Welt, und ganz besonders die Vereinigten Staaten, werden langsam
eines Europa müde, das sich auf negative Reaktionen auf die Initiativen anderer beschränkt. Dies wäre eine Strategie des internationalen wirtschaftlichen Zerfalls.

Sicherlich

�Sicherlich könnten die Probleme hier wesentlich abgeschwächt werden,
wenn jede Seite "sich ein bißchen mehr bemühen würde", wirklich herauszufinden, worauf die andere Seite in der Sache hinauswill, aber vielleicht leiden
wir auch darunter, daß wir keine zureichende Struktur haben, innerhalb derer
der Dialog stattfinden könnte. Früher wurden Kriege um weniger bedeutsamer
Dinge willen angefangen als die blutrünstigen Worte, die sich der französische und der deutsche Landwirtschaftsminister kürzlich wegen der Preise an
den Kopf warfen.Aber Frankreich und Deutschland leben in Frieden miteinander, und es wurde Übereinstimmung erzielt. Die Balken der Gemeinschaft wurden auf die Probe gestellt und sie hielten.
Dies schien die "große Idee" in der kürzlichen Rede Henry Kissingers
zu sein, und sie war vernünftig. Aber leider haben wir uns sofort in transatlantischen Argumenten festgefahren, ob "Jahr Europa" oder "neue Atlantikcharta" sehr gute Formulierungen seien.
Wenn wir unseren Dialog nicht mehr auf sachliche Argumente ausrichten
können als bisher, dann wird das Jahr 1973 nicht als ein irgendwie besonderes Jahr in die Geschichtsbücher eingehen.

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21/1973
TREFFEN NIXON-POMPIDOU IM ZEICHEN DER ERNEUERUNG DER ATLANTISCHEN
PARTNERSCHAFT
-Erklärung Dr.Kissingers in Reykjavik am 31.Mai-

REYKJAVIK — ( A D ) — Das Gipfeltreffen zwischen Präsident Nixon und dem französischen Staatspräsidenten George Pompidou stand im Zeichen einer Erneuerung der atlantischen Partnerschaft zwischen Europa und Amerika. Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou waren am 30. Mai auf Island eingetroffen und reisten am 1. Juni in ihre Hauptstädte zurück.
Der Sonderberater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, gab auf einer Pressekonferenz in Reykjavik am
31. Mai in einer Erklärung die wesentlichen Punkte der Gipfelkonferenz
wieder:
"Meine Damen und Herren, ich möchte Ihnen zunächst meine Aufzeichnungen darüber verlesen, was nach Vereinbarung zwischen Präsident Pompidou und
Präsident Nixon am Ende ihrer Zusammenkunft bekanntgegeben werden kann. Es
handelt sich hier nicht um eine offizielle Erklärung, doch haben sich beide Seiten damit einverstanden erklärt, daß diese Erklärung in der vorliegenden Form abgegeben wird. Ich wiederhole nochmals, daß es sich nicht um eine
offizielle Erklärung

handelt. Es handelt sich um Notizen, die nach Überein-

stimmung von Präsident Pompidou und Präsident Nixon den Inhalt ihrer Gespräche wiedergeben.
Wie

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Wie Ron Ziegler (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ihnen bereits
mitgeteilt hat, haben die beiden Präsidenten heute Vormittag in einem nützlichen und konstruktiven Geist ein Gespräch über die internationale Lage
und die Beziehungen innerhalb des atlantischen Bündnisses geführt.
Im Verlaufe dieses Gespräches hat Präsident Pompidou die wichtige Rolle der amerikanischen Truppen in Europa und die Gefahr einer einseitigen Verringerung dieser Truppen unterstrichen.
Präsident Nixon hat zu verstehen gegeben, daß er mit der Beurteilung
Präsident Pompidous voll und ganz übereinstimme.
Im Zusammenhang mit dem, was wir in den Vereinigten Staaten das 'Jahr
Europas* nennen, haben die beiden Präsidenten vereinbart, daß diese Konzeption in engster Zusammenarbeit zwischen Frankreich und den Vereinigten Staaten durch bilaterale Gespräche und einen Gedankenaustausch auf hoher Ebene
verwirklicht werden sollte.
Außenminister Jobert und ich werden diesen Gedankenaustausch weiterführen und unsere erste Zusammenkunft wird am 7, Juni in Paris stattfinden,
wenn ich zu den Vietnam-Verhandlungen dort sein werde.

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Die Verhandlungen innerhalb des Bündnisses über spezifische Fragen, die
gegenwärtig bereits im Gange sind oder die noch aufgenommen werden mögen,
werden in den bestehenden Gremien fortgesetzt werden. Beide Präsidenten haben
vereinbart, daß je nach den in diesen Gremien erzielten Fortschritten eine
Zusammenkunft auf der Ebene der stellvertretenden Außenminister auf einer
ad hoc Basis wünschenswert werden könnte, um festzustellen, inwieweit sich
die Ergebnisse dieses bilateralen Gedankenaustausches und des in den anderen
Gremien geführten multilateralen Gedankenaustausches für eine mögliche Einbeziehung in eine Prinzipienerklärung eignen.
Ob ein Gipfeltreffen der führenden europäischen Staatsmänner mit dem
Präsidenten stattfinden sollte oder nicht, wird entschieden werden, sobald die
Ergebnisse all dieser anderen Verhandlungen ausgewertet werden können.
Auf

-2-

�Auf jeden Fall wird Präsident Nixon nach Europa kommen, um seine Kontakte mit den verschiedenen führenden Staatsmännern fortzusetzen.
Was die Handelsfragen anbetrifft, so haben beide Seiten vereinbart,
weiter in einem kooperativen und konstruktiven Geist vorzugehen. Zu den
Währungsfragen gab der französische Staatspräsident eine umfassende Darlegung seiner Ansichten und Präsident Nixon sagte zu, daß wir sie sehr aufmerksam und mit einer positiven Einstellung prüfen würden.
Die beiden Präsidenten stimmten darin überein, daß unsere Interessen
identisch sind und daß die einzige Meinungsverschiedenheit zwischen unseren
beiden Nationen darin besteht, wie wir die gemeinsamen Ziele am besten erreichen können.
Das war der wesentliche Inhalt der heutigen Gespräche.
Neben den Ihnen mitgeteilten Themen gab es noch ein kurzes Gespräch über
Südostasien und den Nahen Osten - Themen, die bei den Zusammenkünften der
Außenminister ausführlicher behandelt worden waren.
Morgen werden Präsident Nixon und Präsident Pompidou sich den bilateralen Fragen zwischen den Vereinigten Staaten und Frankreich zuwenden und
wir sind zuversichtlich, daß diese Gespräche in dem gleichen konstruktiven
und freundschaftlichen Geist wie heute stattfinden werden."

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21/1973
US-GEMEINSCHAFTSSCHAU AUF D£R ACHEMA «73

--(AD)— Die Vereinigten Staaten sind auf der ACHEMA »73 mit einem Gemeinschaftsstand vertreten, auf dem über 40 amerikanische Hersteller ihre
neuesten Erzeugnisse zeigen.
Der Schwerpunkt der US-Gemeinschaftsschau liegt auf dem Gebiet der Laboratoriumstechnik, auf das rund 60 Prozent der Aussteller entfallen. 20
Prozent der anwesenden Firmen zeigen Instrumente und Geräte für die Meß»
und Regeltechnik und weitere 20 Prozent Anlagen und Einrichtungen für die
Verfahrenstechnik.
Über die Hälfte der Aussteller im amerikanischen Pavillon sind an
Kontakten zu deutschen Unternehmen interessiert mit dem Ziel, Lizenzabkommen zu treffen oder Vertriebsverträge abzuschließen.
Der amerikanische Gemeinschaftsstand ist in Halle la untergebracht
und wird vom US-Handelszentrum Frankfurt organisatorisch betreut. Weitere
Auskünfte erteilt das US-Handelszentrum, 6 000 Frankfurt am Main, Bockenheimer Landstraße 2-4, Telefon 72 08 01, Telex 416535.

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21/1973

WASHINGTON RECHNET MIT WACHSENDEN HANDELSÜBERSCHÜSSEN
Von Eugene Brake
WASHINGTON —(AD)..- In Washington gibt man sich, was die weitere Entwicklung der amerikanischen Zahlungsbilanz anbetrifft, neuerdings wieder recht
optimistisch.
Dies lassen sowohl Äußerungen von Mitgliedern des Federal Reserve
Board (US-Bundesbank) wie auch maßgebender Vertreter der Regierung in jüngster Zeit erkennen. So bezeichnete der Experte für internationale Währungsfragen des Federal Reserve Board, J. Dewey Daane, in diesen Tagen die längerfristigen Aussichten für die internationale Zahlungsbilanz der USA
- und damit für den US-Dollar - als "erheblich besser" als dies seit langem
der Fall gewesen sei.
Diesen "vorsichtigen Optimismus" begründet Daane mit den letzten Statistiken über die Entwicklung des amerikanischen Außenhandels. Das Handelsdefizit der USA hatte Anfang 1972 mit einer Jahresrate von fast 8 Milliarden Dollar ihren bisher höchsten Stand erreicht. Seitdem war eine ständige
Verbesserung der Handelsbilanz zu verzeichnen, die gerade in den letzten
Monaten besonders stark war. So belief sich die Jahresrate des amerikanischen Handelsdefizits in den Monaten Januar bis April 1973 auf rund
2 Milliarden Dollar gegenüber einem Defizit von 6,8 Milliarden Dollar für
das gesamte Jahr 1972.
Der

-1-

�Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen Finanzministerium, Paul A. Volcker, hatte bereits auf dem vom Weißen Haus veranstalteten
Wirtschaftsseminar auf diese stetige Verbesserung der US-Handelsbilanz verwiesen und betont, daß sich die Situation nunmehr im positiven Sinne zu
entwickeln scheine. Allerdings hatte Volcker einschränkend hinzugefügt:
"Ich möchte diesen Zahlen nicht zu viel Bedeutung beimessen, da sie das
Tempo, mit dem sich diese Entwicklung vollzieht, vielleicht zu schnell erscheinen lassen. Trotzdem werte ich sie als ein Zeichen dafür, daß sich
das zugrundeliegende Problem nach den sehr beträchtlichen Anstrengungen
nunmehr in der von uns gewünschten Richtung zu entwickeln beginnt."
Die in letzter Zeit eingetretene Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz ist natürlich auch zu einem großen Teil auf die ungewöhnlich starke Zunahme der US-Agrarexporte zurückzuführen, vor allem auf die umfangreichen Lieferungen an die Sowjetunion. Amerikanische Regierungskreise rechnen
damit, daß diese Entwicklung weiterhin anhalten und so zu einer Verbesserung
der Handelsbilanz beitragen wird. Allerdings glauben sie nicht, daß die ungewöhnlich hohe Zuwachsrate der Agrarexporte in den letzten Monaten auf die
Dauer aufrechterhalten werden kann.
Aus all diesen Gründen glaubt Daane nicht, daß die tatsächliche Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz wirklich so groß ist, wie dies die
letzten Statistiken vermuten lassen. Auch warnt er, daß eventuell mit vorübergehenden Rückschlägen in den nächsten Monaten zu rechnen sein könnte, da
die Dollarpreise der Importgüter aufgrund der Wechselkursänderungen in diesem Jahr zunächst steigen werden, weil das Importvolumen sich dem veränderten
Preisniveau noch nicht voll angepaßt hat. Trotzdem, so erklärte Daane, "hat
es solide Fortschritte gegeben". Selbst wenn man den Anstieg der Agrarexporte
außer Betracht läßt, lassen die Handelsstatistiken - sowohl auf der Export wie auch auf der Importseite - eine eindeutige Verbesserung erkennen.

Was

-2-

�Was nun die künftige Entwicklung anbetrifft, so rechnet Daane für die
letzten Monate dieses Jahres sowie für 1974 mit einer weiteren Verbesserung
der US-Handelsbilanz - nicht nur aufgrund der kumulierenden Wirkung der verbesserten Wettbewerbsposition der Vereinigten Staaten, sondern auch als Folge
der sich zu Gunsten der USA vollziehenden internationalen Wirtschaftsentwicklung. Während sich das Wachstumstempo der amerikanischen Wirtschaft verlangsamen und auf einem gemäßigten Niveau stabilisieren dürfte, wird der Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern mit unverminderter Kraft anhalten.
Hieraus folgt, daß die dieses Jahr einsetzende beträchtliche Verbesserung der
amerikanischen Handelsbilanz sich 1974 und 1975 verstärkt fortsetzen wird,
so daß sich dann - zum ersten Male seit Ende der sechziger Jahre - wieder ein
beträchtlicher Handelsüberschuß ergeben dürfte.
Vor einem Senatsunterausschuß unterstrich Daane, daß er bei seinen Voraussagen die Notwendigkeit steigender amerikanischer Energieimporte voll berücksichtigt habe. Selbst bei ständig wachsenden Energieimporten rechne der
Federal Reserve Board mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA in den
nächsten Jahren. Allerdings, so fügte Daane hinzu, sei die Frage, wo die Öl»
exportländer ihre schnell steigenden Einkünfte aus den Erdölexporten investieren werden, nicht nur für die USA} sondern für das gesamte internationale Wirtschaftssystem von Bedeutung.
Ein wichtiger Grund für den Optimismus, den Washington hinsichtlich der
Entwicklung der amerikanischen Handelsbilanz - und damit auch der amerikanischen Zahlungsbilanz - zur Schau trägt, sind die seit 1970 erfolgten Veränderungen der Währungsparitäten. Der amerikanische Dollar ist gegenüber einigen
Währungen - vor allem dem japanischen Yen und der DM - stärker und gegenüber
anderen Währungen - vor allem den Währungen der Entwicklungsländer - in geringerem Maße abgewertet worden. Im Durchschnitt belief sich die Abwertung
des US-Dollar gegenüber allen anderen Währungen auf rund 17 Prozent. Dies
ist eine sehr erhebliche Wechselkursanpassung, die die internationale Wettbewerbsfähigkeit amerikanischer Erzeugnisse wesentlich verbessert. Und so

�so konnte Daane mit Recht vor dem Ausschuß darauf hinweisen, daß sich mit
Sicherheit erhebliche Auswirkungen auf den amerikanischen Außenhandel ergeben werden. Allerdings lassen sich Umfang und Zeitpunkt der zu erwartenden
Exportausweitung sowie der Verlangsamung der Zuwachsrate bei den Importen
nicht genau voraussagen. Bis sich die Auswirkungen einer Abwertung positiv
auf den Außenhandel niederschlagen, braucht es immer eine gewisse Zeit.
Im Augenblick beginnen die Wechselkursänderungen der Jahre 1970 und 1971
langsam auf die amerikanische Handelsbilanz durchzuschlagen. Die neuerlichen
Wechselkursänderungen werden sich somit erst in den kommenden Jahren bemerkbar machen, und Daane rechnet damit frühestens für 1974 und 1975.
Die aufgrund des Smithsonian-Abkommens vom Dezember 1971 vorgenommenen
Wechselkursänderungen schlugen nicht so stark durch, wie man sich das in
Washington erhofft hatte. Aber nach den erneuten, in diesem Jahr vorgenommenen
Wechselkursanpassungen sind sowohl das amerikanische Finanzministerium wie
auch der Federal Reserve Board der Meinung, daß nunmehr ein vernünftiges und
realistisches System von Wechselkursen erreicht worden ist. Daher unterstrich
Daane auch auf Fragen der Ausschußmitglieder, daß mit einer eventuellen weiteren Abwertung des US-Dollar niemandem gedient sei und er darin "absolut
keinen Nutzen" sehen könne.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Belebung des transatlantischen Dialogs&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Paul McCracken&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Treffen Nixon-Pompidou im Zeichen der Erneuerung der Atlantischen Partnerschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung Dr. Kissingers in Reykjavik am 31. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Gemeinschaftsschau auf der ACHEMA '73&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington rechnet mit wachsenden Handelsüberschüssen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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