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Dokumentation

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1. Juni 1973

20

Inhalt

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger erläutert Jahr Europas
-Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom
29. Mai-

WIRTSCHAFT:
Washington umreißt Standpunkt zu schwebenden Wirtschaftsfragen
-Shultz erläutert Begriff der GegenseitigkeitUS-Wirtschaftsberater: April-Indikatoren deuten auf Rückgang der
Inflation
Dent begrüßt Verbesserung der Handelsbilanz
-Erklärung des US-Handelsministers-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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Hintergrundmaterial

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20/1973
KISSINGER ERLÄUTERT JAHR EUROPAS
- Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom 19.Mai •

WASHINGTON — ( A D ) — Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen
Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat auf einer Pressekonferenz am 19. Mai
erneut den Begriff des Jahres Europas in der amerikanischen Politik näher
erläutert und ist auch auf die Treffen Nixons mit europäischen Staatsmännern eingegangen. Die Ausführungen Dr. Kissingers zu Beginn der Pressekonferenz haben folgenden Wortlaut:
"Meine Damen und Herren!
Darf ich einmal zusammenfassen, wohin unsere Pläne hinsichtlich des
"Jahres Europas" und der Gespräche abzielen, die jetzt zwischen Präsident
Nixon und Staatspräsident Pompidou in diesem Zusammenhang stattfinden.
Die Grundzüge dessen, was als Jahr Europas bezeichnet wird, sind in
dem Bericht des Präsidenten an den Kongreß und in der Rede niedergelegt
worden, die ich am 23. April vor (dem Jahresessen) der (amerikanischen
Nachrichtenagentur) Associated Press hielt.
Kurz gesagt besteht das Ziel darin, die atlantischen Beziehungen den
Bedingungen der siebziger und achtziger Jahre anzupassen und zu prüfen,

.1.

�prüfen, welche der Einrichtungen, die in den vierziger und fünfziger Jahren
entstanden sind, mit neuem Leben erfüllt und welche politischen Vorstellungen neu definiert werden müssen.
Die eigentliche Absicht dabei ist, nun festzustellen, ob wir definieren können, welchen Weg die an den Atlantik angrenzenden Nationen auf dem
Gebiet der Wirtschaft, auf dem Gebiet der Verteidigung, auf dem Gebiet der
Außenpolitik und bei der Bestimmung ihrer Beziehungen untereinander und
ihrer gemeinsamen Beziehungen zu anderen Industrieländern, wie Japan, einschlagen wollen.
In den von mir angesprochenen Unterlagen wird darauf hingewiesen, daß
in den letzten zwanzig Jahren eine Reihe von Institutionen auf den verschiedensten Gebieten entstanden ist, deren Arbeitsweise nicht notwendigerweise oder nicht unbedingt miteinander vereinbar ist.
Auf dem Gebiet der Wirtschaft liegt der Nachdruck auf Regionalismus.
Auf dem Gebiet der Verteidigung liegt der Nachdruck auf Integration. Auf dem
Gebiet der Außenpolitik werden die Geschäfte weitgehend auf nationaler Basis geführt, und daraus ergeben sich unausweichlich gewisse Belastungen.
Nun hat es im Gefolge dieser Ansätze sehr viele öffentliche Erörterungen in Europa gegeben, aber bisher noch sehr wenig offizielle Reaktionen.
Was die öffentliche Debatte anbetrifft, so ist behauptet worden, die
Vereinigten Staaten versuchten, die Verhandlungen auf dem Gebiet der Wirtschaft, der Verteidigung und der Außenpolitik sozusagen in einer einzigen
SuperVerhandlung

zusammenzuziehen, auf der alle diese Themen zugleich be-

handelt werden könnten.
Man hat argumentiert, daß die Vereinigten Staaten Europa eine regionale Rolle, sich selbst aber eine globale Rolle zuweisen wollten. Auch hat
man Besorgnis geäußert, daß die Vereinigten Staaten gegen eine Einheit
Europas seien.
Lassen

�Lassen Sie mich dazu einige Bemerkungen machen und alsdann erklären,
worauf wir abzielen und wie das bevorstehende Treffen sich in diesen Rahmen
einfügt.
Was das Wesen der Verhandlungen anbetrifft, so vertreten die Vereinigten Staaten nicht die Ansicht, daß es nur eine einzige SuperVerhandlung
geben sollte, bei der alle Themen zugleich diskutiert würden. Ganz offensichtlich ist es doch weitaus praktischer, die einzelnen Themen für sich
getrennt zu behandeln, wobei die Vereinigten Staaten allerdings der Ansicht
sind, daß diese Themen organisch miteinander verbunden sind, nicht durch
einen Akt der Politik oder eine Willensentscheidung seitens der Vereinigten
Staaten, sondern durch den Zwang der Notwendigkeit.
Mit anderen Worten: Es ist für die beiden Seiten diesseits und jenseits
des Atlantik unmöglich, einen regionalen Egoismus auf dem Gebiet der Wirtschaft hervorzukehren, dabei aber an der Doktrin einer integrierten Verteidigung innerhalb der NATO-Struktur festzuhalten. Und daher vertreten die
Vereinigten Staaten die Auffassung, daß die Verhandlungspartner auf beiden
Seiten des Atlantik bei der Verhandlungsführung auf den verschiedenen Gebieten sich der größeren politischen Realitäten bewußt sein und sich bei ihren
detaillierten Verhandlungen von ihnen leiten lassen müßten.
Das Gleiche gilt auch für den Bereich der Außenpolitik oder den Bereich
der Politik insgesamt.
Es ist auch keineswegs richtig, daß die Vereinigten Staaten durch die
Hervorhebung der Beziehung, in der die verschiedenen Gebiete zueinander
stehen, versuchten, ihre europäischen Verbündeten auf wirtschaftlichem Gebiet zu erpressen. Ganz im Gegenteil. Der sicherste Weg, um zu einer Konfrontation zu kommen, besteht darin, den Wirtschaftstechnokraten auf beiden
Seiten zu gestatten, die Verhandlungen auf der Basis rein wirtschaftlicher
Kriterien zu führen. Dies würde zu einer nachdrücklichen Betonung der speziellen Interessen der beiden Seiten des Atlantik führen und die Anpassungen
und Konzessionen unmöglich machen, die ein umfassenderes politisches Rahmen-

-3-

�Rahmenwerk gebieterisch fordernmuß.

.

..

. .,

Der tiefere Sinn unserer Forderung nach einer Neubewertung der atlantischen Beziehungen besteht gewiß nicht darin, einen einseitigen Vorteil bei
dieser oder jener Verhandlung zu erzielen* Wie diese Administration ja wiederholt in öffentlichen Erklärungen hervorgehoben hat, kann ein dauerhafter
Frieden oder eine Beziehung, die Bestand haben soll, gar nicht auf dem einseitigen Vorteil des einen Partners begründet werden. Nur solche, Übereinkommen werden von Dauer sein, an deren Bestand jede Seite ein entscheidendes Interesse hat.

..

•

, ,., •

• ,

. •.

Daher ist es das Ziel dieser Administration, die atlantische Debatte
aus dem alten Gleis der rein technischen Kontroversen herauszubringen, auf
die sich die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit seit rund einem.Jahrzehnt konzentriert hat.

:

,.

Wir glauben, daß&gt;es keiner zur atlantischenGruppegehoerenderi Nation
dienlich sein kann, ihre .außenpolitischen Erfolge ausschließlich mit den Beziehungen zu den Gegnern zu identifizieren. •

r

*

Wir haben uns zu einer Entspannungspolitik bekannt und halten weiter an
ihr fest. Aber es ist unserer Meinung nach auch wichtig, daß Nationen, die mit
den Gegnern gemeinsame Prinzipien abzugrenzen wissen, in der Lage sein sollten, eine Möglichkeit für die Definition gemeinsamer Prinzipien mit ihren
Freunden zu finden - und daß Länder, die sich zur gemeinsamen Verteidigung
vereint haben, fähig sein sollten, die Ziele dieser gemeinsamen Verteidigung
zu artikulieren.

;

,

Wir werden also im Verlauf dieses Jahres mit den führenden europäischen
Politikern die Grundprinzipien erörtern, die, wir wir meinen, unsere Beziehungen bestimmten sollten und die auch nach ihrer Meinung füir! unsere Beziehungen
maßgeblich sein sollten - nicht- wie sie sägten - als einseitige'anierikanische
Vorschläge, sondern als ein gemeinsames Unterfangen. Wir haben bereits mit
Premierminister Heath und Bundeskanzler Brandt Gespräche geführt, denen sich

-4-

�sich jetzt die Besprechungen mit Präsident Pompidou anschließen.
Die Rolle Frankreichs bei diesen Verhandlungen ist allerdings doch
recht entscheidend. Auf wirtschaftlichem Gebiet, bei den Verhandlungen mit
dem Gemeinsamen Markt, hat Frankreich stets eine sehr bedeutsame und in
vieler Hinsicht entscheidende Rolle gespielt.
Auf dem Gebiet der Verteidigung hat Frankreich allerdings eher abseits
gestanden und in außenpolitischen Fragen hat es den nationalen Charakter
seiner Politik nachdrücklich betont.
Was wir zu tun versuchen, ist nicht gegen die Einheit Europas gerich~
tet, sondern setzt sie vielmehr voraus und aus eben diesem Grunde halten wir
die Beteiligung Frankreichs und sein Einverständnis für sehr wichtig.
Natürlich werden wir nicht imstande sein, bei einem zweitägigen Treffen auf Island zu irgendwelchen abschließenden Entscheidungen zu gelangen.
Was wir aber zu erreichen hoffen, ist ein Übereinkommen irgendeiner Art
über die Verfahrensfragen, die bei der Artikulierung der Zielsetzungen ein»
geschlagen werden könnten, die wir zu definieren versuchen - Verfahrensfragen, bei denen die Rolle Frankreichs natürlich außerordentlich wichtig
sein wird, damit wir zu der Zeit, in der der Präsident Ende dieses Jahres
Europa besuchen wird, in der Lage sein werden, die erste Phase dieser Verhandlungen zu einem Abschluß oder doch bis unmittelbar vor einen Abschluß
zu bringen.
Ob dieses Treffen mit einem formellen Kommunique abschließen wird oder
nicht, ist allerdings noch nicht entschieden und ist auch nicht der wichtigste Aspekt dieser Gespräche.
Es gibt viele Dinge - viele konkrete Fragen, über die zu sprechen ist.
Frankreich ist sehr an einer Erörterung des Währungsproblems interessiert,
ferner an den bevorstehenden Handelsverhandlungen. Wir sind bereit, darüber
sowie über andere Fragen der atlantischen Beziehungen zu sprechen. Wir
würden sie aber gerne in einem Rahmen weitergesteckter und langfristigerer

-5-

�langfristigerer Ziele behandelt wissen. Aber selbstverständlich steht es
beiden Seiten bei diesem Treffen der beiden Präsidenten frei, jedes von
ihnen gewünschte Thema innerhalb jedes von ihnen gewählten Rahmens anzusprechen. Doch erhoffen wir konstruktive Gespräche, die den Zielen förder»
lieh sein werden, die ich Ihnen nannte und ich muß sagen, daß die Vorbesprechungen, die wir geführt haben, weitaus positiver waren als manche der
Berichte, die ich darüber gelesen habe."

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20/1973

WASHINGTON UMREISST STANDPUNKT ZU SCHWEBENDEN WIRTSCHAFTSFRAGEN
- Shultz erläutert Begriff der Gegenseitigkeit -

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Finanzminister George P„ Shultz,
der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im US=&gt;Außenministerium, Paul
Volcker, sowie der Berater Präsident Nixons für Wirtschaftsfragen und Vor«,
sitzende des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik, Peter Flanigan,
haben am 29. Mai auf einem vom Weißen Haus durchgeführten Wirtschaftsseminar
den Standpunkt der USA zu wichtigen nationalen und internationalen Wirtschaftsfragen umrissen.
Sowohl Shultz als auch Flanigan wurden auf das Prinzip der Gegenseitigkeit bei den kommenden Handelsverhandlungen angesprochen. Flanigan erklärte
dazu, sowohl die Europäer, die Amerikaner als auch die Japaner seien sich
darüber klar geworden, daß das Ziel ein Vorteil für alle Seiten - mit einer
allgemeinen Reziprozität - sein müsse. Es sei vorstellbar, daß in Fällen,
in denen amerikanische Exporte stärker unter Diskriminierung litten als
amerikanische Importe, die USA bei einer Senkung der Handelsschranken große»
re Vorteile erhielten als einige der anderen Handelspartner. Hier könne man
nicht einfach sagen, "wir werden Euch hier eine Million Dollar Handel geben, wenn Ihr uns dort eine Million Dollar Handel gebt."

Bei einem Abbau

der Schranken würden die USA jedoch profitieren und die Handelspartner würden ebenfalls profitieren.
Finanzminister

�Finanzminister Shultz formulierte es folgendermaßen:
Frage:.Ihr Kommentar vor einigen Tagen, daß die Einstellung der Vereinigten Staaten zu den Handelsverhandlungen mehr die des Nehmenden als
des Gebenden sein könnte, scheint eine ziemliche Unruhe verursacht zu
haben und auch eine gewisse Besorgnis über den Fortschritt in den damit
zusammenhängenden monetären Entwicklungen.
Wie schätzen Sie diese relativ harte Haltung auf Ihrer Seite hinsichtlich des zu erzielenden Fortschritts ein?
Antwort: Was ich gesagt habe, war lediglich eine Wiederholung des von
mir seit geraumer Zeit schon Gesagten. Nämlich, daß unserer Meinung nach
das gesamte System in den Jahren während der Nachkriegsperiode aus den Fugen geraten ist. Wir versuchen es wieder ins Lot zu bringen. Wir haben
entsprechendes an der monetären Front unternommen und bemühen uns auch an
der Handelsfront. Jedermann weiß, daß es bei Verhandlungen stets ein Geben
und Nehmen gibt.
Wenn man nicht bereit ist, irgendwie etwas zu geben, dann kommt man
bei Verhandlungen zu nichts.
Eine Interaktion dieser Art hat es zwischen allen an den Verhandlungen
Beteiligten gegeben. Gleichzeitig aber glauben wir Beispiele dafür zu haben
- wobei ich unsere Probleme in bezug auf einzelne Länder nicht dadurch erschweren möchte, daß ich mich auf sie in irgendwelchen besonderen Einzelheiten einlasse - aber, wie gesagt, wir glauben, daß es Probleme gibt, Orte,
an denen unsere Handelsgüter in unfairer Weise diskriminiert werden, und
wir glauben nicht, daß bei diesen Fällen die derzeitige Situation so gelagert wäre, daß etwas darauf hindeute, daß etwaige Veränderungen genau
parallel erfolgen müßten.
Wir sind der Ansicht, daß es manches gibt, was von der Bildfläche

�Bildfläche verschwinden sollte, und daß

es einen kontinuierlichen Prozeß

des Gebens und Nehmens geben muß, wie wir ihn in den Handelsverhandlungen
nunmehr seit Jahrzehnten erlebt haben - eine gewisse Art von Tradition
der Bemühung um einen Abbau der Handelsschranken.
Übrigens ist es bemerkenswert, daß in den letzten vier Jahren - bei
all dem Durcheinander, das wir im Währungssystem hatten und all den Debatten in der Öffentlichkeit über Handelsvereinbarungen und ähnliches - das
reale Volumen des Welthandels in einem Ausmaß zugenommen hat, das doppelt
oder sogar größer ist als die Wachstumsrate des Bruttosozialproduktes
der ganzen Welt.
Der Handel gedeiht also im Grunde. Natürlich ziehen wir daraus unseren
Nutzen; er ist gut für uns und ist gut für jedermann. Was wir aber brauchen,
sind bestimmte Mittel und Wege, um mit einigen der dabei auftretenden
Probleme fertig werden zu können."
Im folgenden bringen wir wesentliche weitere Auszüge aus den Darlegungen der genannten Regierungsvertreter zu den wichtigsten angeschnittenen
Themen:
"Finanzminister Shultz: Mir scheint, daß sich die Flexibilität unseres
gegenwärtigen Währungssystems gerade in der letzten Woche wie auch in der
vorangegangenen Woche recht gut bewährt hat, als wir ein gewisses Wiederaufleben der Spekulation gegen den Dollar und das Gold usw. erlebt haben.
Hätten wir ein festes System gehabt, in dem Länder feste Wechselkurse
zu verteidigen suchen, dann hätten wir, dessen können Sie sicher sein, wieder eine internationale Währungskrise erlebt. Sie hat nicht stattgefunden.
Das System hat die Entwicklung grundsätzlich im Griff gehalten und ließ
sich nicht aus dem Gleichgewicht bringen
Frage:

-3-

�Frage: Herr Minister, zu den potentiellen Problemen, die nicht erwähnt
wurden, gehört auch die Möglichkeit einer wirtschaftlichen Rezession, die
vielleicht Ende dieses Jahres oder 1974 ernste Ausmaße annehmen könnte.
Gibt es ein Programm, um dem zu begegnen?
Antwort: Meines Erachtens besteht das Problem darin, wie dieser Boom
so gelenkt werden kann, daß er abflacht, ohne zu einem Rückgang der Realeinkommen zu führen, denn ein reales Bruttosozialprodukt ist ein zentrales
Problem für das Management der Wirtschaft.... Wir wissen,, daß sich die gegenwärtige reale Wachstumsrate von acht Prozent nicht aufrechterhalten
läßt. Die Wirtschaft darf einfach nicht so rasch expandieren, was die
grundlegende Zunahme von Produktivität und Arbeitskräftepotential anbetrifft.
Die meisten Leute glauben, daß eine Ausweitung der Kapazitäten in der Größenordnung einer Rate von etwa 4,5 Prozent tragbar wäre. Diese reale Zuwachsrate von acht Prozent muß daher aus dieser Erkenntnis heraus auf vier Prozent
gesenkt werden. Das Problem besteht darin, die Zuwachsrate auf vier Prozent
herunterzubringen, ohne daß sie auf vielleicht minus ein Prozent oder dergleichen umschlägt; sie also so herunterzudrücken, daß die Wirtschaft mit
einer Rate von etwa vier Prozent expandiert. Das ist einfach ein Problem
des Managements, eine Frage der Beurteilung der gegenwärtigen Situation,
ob nämlich der derzeitige Boom durch monetäre oder fiskalische Maßnahmen so
gelenkt werden kann, daß wir mit einem allmählichen Abflachen auf ein Niveau
von etwa vier Prozent rechnen und dieses dann auch halten können, oder ob es
zu einer weiteren Überhitzung kommt und zum Beispiel starke fiskalische Maßnahmen notwendig werden.
Staatssekretär Volcker: Zu den Bemühungen um eine Reform des internatio«
nalen Währungssystems möchte ich sagen, wenn sie zwar nicht unverzüglich
voranschreiten, glaube ich doch nicht, daß irgendein.Grund besteht, entmutigt
zu sein. Es handelt sich hier um ein schwieriges politisches und wirtschaftliches Problem auf dem Gebiet der Reform der internationalen Wirtschaft, bei
dem unsere institutionelle Struktur und unser Währungssystem den tiefgreifen-

-4-

�tiefgreifenden Veränderungen in der Weltwirtschaft grundlegend angepaßt
werden müssen,,. .. Natürlich bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, wie
die verschiedenen Länder dieses Problem anpacken sollen. Doch sind meines
Erachtens auch einige Elemente vorhanden, bei denen, und zwar in wachsendem
Maße, Übereinstimmung besteht- beispielsweise über die Notwendigkeit einer
größeren Flexibilität des internationalen Währungssystems, die relative Zunahme der internationalen Reserveguthaben, die Sonderziehungsrechte und andere Währungen oder Gold oder die Notwendigkeit eines verbindlichen Verhaltenskodexes, der international ausgearbeitet oder unter Aufsicht einer internationalen Institution wie dem Internationalen Währungsfonds entwickelt werden
muß
Frage: Mr.Volcker, betrachten wir einmal ganz abstrakt die Qualität der
Sonderziehungsrechte; was halten Sie davon, die Bindung zwischen den Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben?
Antwort: Das ist eine sehr technische Frage, die Bindung zwischen den
Sonderziehungsrechten und dem Gold aufzuheben. Nach der derzeitigen Definition
haben die Sonderziehungsrechte einen bestimmten Wert in Gold und umgekehrt.
Es ist darüber diskutiert worden, ob wir dies in einem reformierten System
fallen lassen und den Wert der Sonderziehungsrechte einfach in Sonderziehungsrechten ausdrücken sollten. Natürlich besteht ein Wert in bezug auf bestimmte Währungen, nämlich der Wert, den ein Land seiner eigenen Währung in Sonderziehungsrechten gibt. Ich weiß nicht, ob dies wirklich eine zentrale Frage
ist... Wichtig ist, daß die Sonderziehungsrechte ein wachsender Bestandteil
der internationalen Reserven werden und auch wirklich diese Funktion übernehmen können, sobald die Rolle des Goldes als internationale Reserve zurückgeht, - ich sollte vielleicht sagen, weiter zurückgeht - und daß dann auf die
nationalen Währungen in dieser Beziehung eine nicht zu hohe Belastung zukommt. Hier handelt es sich um ein Gebiet, auf dem meines Erachtens bei praktisch allen Punkten dieser Frage ein sehr hohes Maß an Übereinstimmung besteht. ....
Frage:

-5-

�Frage: Sie werden also immer noch Gold als Reserve halten, doch muß
es nicht unbedingt an die Sonderziehungsrechte gebunden sein?
Antwort: Es wird noch auf lange Zeit hinaus Gold in den nationalen
Währungsreserven geben, Die einzelnen Länder verfügen heute über eine Menge
Gold. Der relative Anteil ist zurückgegangen. Niemand schlägt vor, daß das
Gold plötzlich aus den Reserven verschwinden sollte. Es ist heute ein wichtiger Bestandteil der Reserven und wird dies auch künftig bleiben...
Frage: Können Sie uns sagen, was - sofern etwas erreicht worden ist die Sitzung des Zwanzigerausschusses in der letzten Woche ergeben hat und
wie sich dies auf die Reform auswirken wird?
Antwort: Meines Erachtens war dies eine recht erfolgreiche Sitzung. Es
fand eine umfassende Diskussion statt, die weit detaillierter als früher war,
in einer zwangloseren Form vor sich ging - was nur nützlich sein kann - und
sich auf fast alle zentralen Fragen erstreckte.
Ich glaube, jeder hatte das Gefühl, daß die Standpunkte eingehender erläutert, klarer gemacht und die Punkte, bei denen Meinungsverschiedenheiten
und Unstimmigkeiten bestehen3 abgesteckt worden sind.... Das ist eine wichtige Phase, die durchgestanden werden muß
Frage: Gab es irgendwelche Entwicklungen in Richtung auf den amerikanischen Standpunkt über die Anwendung objektiver Indikatoren für eine Anpassung?
Antwort: Ich glaube, ich kann Ihnen die Situation am besten so erläutern, daß ich Ihnen sage, daß meines Erachtens in den vergangenen Monaten
die Logik aller amerikanischen Vorschläge immer mehr anerkannt worden ist
- die Art und Weise, wie sie zusammenhängen, die Hauptelemente dieser Vorschläge, die wichtig sind» Gleichzeitig besteht meines Erachtens ein gewisses Maß an Widerstand, was einige Auswirkungen dieser Vorschläge betrifft,
unter anderem die angedeutete Heranziehung von Reserven. Doch steht man
heute, wie ich meine, dieser Vorstellung positiver gegenüber als noch vor
sechs Monaten»

_

»6-

�Es wäre jedoch zu viel und würde zu Fehlschlüssen führen, wenn ich
erklärte, daß in diesem Punkt eine allgemeine Übereinstimmung bestehe,
daß dies unbedingt ein Bestandteil des Systems sei, der akzeptiert werden
muß. Es gibt hier noch beträchtliche Unstimmigkeiten....
Frage an Flanigan: Werden Sie bei den nächsten Handelsverhandlungen auf
mehr als Gegenseitigkeit drängen?
Antwort: Einmal ist uns vorgeworfen worden, wir gingen in diese Handelsverhandlungen nur, um unser Zahlungsbilanzdefizit zu beseitigen. Wenn Sie
den zeitlichen Rahmen, um den es hier geht, sowie die sich aus den Handelsverhandlungen ergebenden Vorteile betrachten und sich vergegenwärtigen, wie
unmittelbar das Zahlungsbilanzproblem ist, so werden Sie meines Erachtens
selbst sehen, daß diese Beschuldigung wirklich völlig unzutreffend ist.
Wir rechnen nicht damit, daß sich die Zollverhandlungen vor fünf Jahren
voll auswirken werden; bei vielen Punkten wird es noch bedeutend länger dauern und bei Fortschritten in der Landwirtschaft natürlich noch länger, bis
sie voll verwirklicht werden.
Wir rechnen nicht damit, daß die Handelsverhandlungen vor 1975 - als
dem frühesten Zeitpunkt - beendet sind. Dies ist die Forderung, die auf dem
europäischen Gipfeltreffen gestellt wurde und vom Präsidenten bekräftigt worden ist. Nehmen wir einmal an, daß dies ein optimistisches Ziel ist. Dann
würden die vollen Auswirkungen unserer Handelsverhandlungen real erst in den
achtziger Jahren durchschlagen. Wir rechnen jedoch damit, daß wir unser Zahlungsbilanzproblem lange vorher gelöst haben werden....

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20/1973

US-WIRTSCHAFTSBERATER: APRIL«INDIKATOREN DEUTEN AUF RÜCKGANG
DER INFLATION

WASHINGTON —(AD)-«. Der Vorsitzende des Wirtschaftsbeirates des Präsidenten, Dr. Herbert Stein, und ein Mitglied des Beirates, Marina V.N.Whitman,
haben in einer Erklärung die Wirtschaftsindikatoren für den Monat April
dargestellt, und Dr. Stein bezeichnete sie als ein Anzeichen dafür, daß
die Flut der Inflation in den Vereinigten Staaten zurückgeht. Die am
23. Mai veröffentlichte Erklärung hat folgenden Wortlaut:
"Zusammenfassung der wirtschaftlichen Bedingungen im April:
Das zweite Quartal (1973) begann mit Anzeichen für ein Nachlassen
der Verbrauchernachfrage gegenüber dem ausnahmsweise hohen Zuwachstempo im
ersten Quartal, während die industrielle Produktion weiterhin rasch anstieg. Die Nachfrage nach Arbeitskräften blieb stark; der Beschäftigungsstand außerhalb der Landwirtschaft und die gearbeiteten Wochenstunden nahmen zu,

die Arbeitslosenrate insgesamt blieb jedoch auf der Fünf-Prozent-

Marke konstant, die seit November vorigen Jahres vorherrschte. Die Inflationsrate blieb im April noch hoch, jedoch stieg der Index der Großhandels«
und der Verbraucherpreise weniger an als in den beiden vorangegangenen Mo~
naten.
Nach

»le

�Nach ersten Berichten gingen die Einzelhandelsumsätze im April zurück,
nachdem sie vier Monate lang um durchschnittlich zwei Prozent monatlich
angestiegen waren. Die deutlichen Umsatzrückgänge in Geschäften, für die
das Ostergeschäft wichtig ist, deuten auf mögliche Schwierigkeiten für die
Saisonbereinigung für die Monate März und April. Der Absatz von neuen Automobilen (amerikanischen und ausländischen) ging gegenüber einer Jahresrate
von 12,5 Millionen Einheiten im ersten Quartal auf eine Jahresrate von
12 Millionen Einheiten zurück. Der Absatz einheimischer Wagen lag Anfang
Mai etwa auf dem gleichen Stand wie im April.
Mit einem Nachlassen auf dem Wohnungsmarkt und mit einer langsameren
Rate der Spareinlagen in Sparerinstitutionen schienen Baubeginne in eine
Richtung nach unten zu zeigen. Im April nahmen die Baubeginne im dritten
aufeinanderfolgenden Monat ab.
Die industrielle Produktion stieg im April um ein Prozent, wobei Gewinne bei Büroeinrichtungen und Verbrauchsgütern und «materialien erzielt
wurden. Die Produktion von Dauergütern stieg erneut überdurchschnittlich,
obwohl der Eingang von Neuaufträgen auf diesem Sektor nach ersten Berichten
zurückging. In den drei vorangegangenen Monaten waren die Neuaufträge für
Dauergüter durchschnittlich um vier Prozent monatlich gestiegen.
Die wachsende Produktion brachte in privaten Erzeugungsstätten außerhalb der Landwirtschaft eine erhöhte Beschäftigung und eine längere Arbeitswoche. Mit einem mäßigen Anstieg der Durchschnittstundenlöhne stieg das
Arbeitnehmereinkommen auf Jahresbasis umgerechnet um fast sechs Milliarden
Dollar oder 5,5 Milliarden Dollar, wenn man Lohnnachzahlungen berücksichtigt.
Die letztere Zahl entspricht in etwa der durchschnittlichen Zunahme in den
Monaten Februar und März.
Die Großhandelspreise stiegen im April (saisonbereinigt) um ein Prozent,
nachdem sie im Februar und März 1973 um durchschnittlich zwei Prozent monatlich und im Jahre 1972 um durchschnittlich 0,5 Prozent angestiegen waren. Bei

-2-

�Bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen und verarbeiteten Lebensmitteln zeichnete sich kaum eine Preisveränderung ab, die Industriepreise stiegen jedoch
im dritten aufeinanderfolgenden Monat sehr stark an (um 1,3 Prozent). Der
Verbraucherindex stieg im April (saisonbereinigt) um 0,6 Prozent, d.h. etwas
weniger als im Februar und im März. Im Vergleich zu Februar und März spiegelte sich diese Verbesserung in einem sehr viel langsameren Anstieg der Einzelhandelspreise für Lebensmittel wider..
Bereinigtes Bruttosozialprodukt für das erste Quartal:
Nach den bereinigten Daten stieg das Bruttosozialprodukt im ersten
Quartal etwas mehr, als die vorläufigen Zahlen hatten erkennen lassen. Der
Großteil der Berichtigung nach oben entfällt auf höhere Preise. Die vorläufigen Zahlen für Gesellschaftsgewinne stellen die Zunahme des Buchgewinns vor
Abzug der Steuern auf 11,6 Milliarden Dollar (Jahresrate), wovon sich der
größte Teil in einer Zunahme der Lagerbestände widerspiegelt. Was also die
Darstellung der Gewinne als Nationaleinkommen angeht, so betrug die Zunahme
der Gewinne im ersten Quartal nach Abrechnung der Lagerbestandsgewinne nur
3,4 Milliarden Dollar.
Zahlungsbilanz:
Die vorläufigen Daten zeigen eine Verschlechterung des Defizits der amtlichen Reservetransaktionen von 1,6 Milliarden Dollar im vierten Quartal
(1972) auf 10,2 Milliarden Dollar im ersten Quartal (1973). Das neue NettoLiquiditätsdefizit war ebenfalls schlechter. Die Defizite und negativen Verlagerungen hingen eng mit den starken Kapitalabflüssen zusammen, die hauptsächlich auf die Unsicherheit auf den Devisenmärkten zurückzuführen waren.
Gleichzeitig jedoch verbesserte sich das Defizit bei Gütern und Dienstleistungen."
Auf einer Pressekonferenz bezeichnete Dr. Stein die Zahlen für April
als ein erstes Zeichen für einen Rückgang der Inflationsflut. "Wir

-3-

haben

�haben eine Taube ausgesandt'1, so sagte er, "und sie ist mit einem Ölzweig
zurückgekehrt."

Dr. Stein wies darauf hin, daß die Daten einer erwarteten

Entwicklung entsprächen, warnte jedoch davor, daraus voreilige Schlüsse zu
ziehen. "Ein Ölzweig", so betonte er, "macht noch keinen Wald." Aufgrund
der vorliegenden Indikatoren, so erklärte er weiter, plane die amerikanische Regierung keine Verschärfung der Lohn-und Preiskontrollen, werde jedoch ihre restriktive Geld-und Haushaltspolitik fortsetzen.

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20/1973

DENT BEGRÜSST VERBESSERUNG DER HANDELSBILANZ
-Erklärung des US-Handelsministers-

WASHINGTON — ( A D ) — Der amerikanische Handelsminister Frederick B. Dent
hat die fortschreitende Verbesserung der amerikanischen Handelsbilanz, die
im April erstmalig seit 18 Monaten wieder zu einem Überschuß von 196,3
Millionen Dollar geführt hat, begrüßt. Die vom amerikanischen Handelsministerium am 24. Mai veröffentlichte Erklärung Dents hat folgenden Wortlaut:
"Der Handel der USA hatte im April einen Überschuß von 196,3 Millionen
Dollar aufzuweisen. Damit ist der amerikanische Außenhandel zum ersten Mal
seit eineinhalb Jahren wieder in die schwarzen Zahlen gelangt. Die sich
bereits im März abzeichnende Verbesserung, als das Handelsdefizit erheblich
auf 52,6 Millionen Dollar zurückging, hat sich weiter fortgesetzt.
Die Exporte sind im April gegenüber März - saisonbereinigt - um zwei
Prozent auf 5 487 Millionen Dollar gestiegen, während die Importe um 2,6
Prozent auf 5 291 Millionen Dollar zurückgingen. Der April war damit der
dritte aufeinanderfolgende Monat, in dem die Exporte neue Rekorde zu verzeichnen hatten. Die Importe gingen im zweiten aufeinanderfolgenden Monat
zurück.
Die

-1-

�Die Zunahme der Exporte im April war in erster Linie auf höhere Ausfuhren industrieller Erzeugnisse, vor allem Chemikalien, zurückzuführen.
Die Lieferungen von Maschinen nahmen ebenfalls zu. Die Agrarexporte hielten sich weiter auf dem hohen Stand des Monats März. Die Importe gingen
ganz allgemein zurück, wobei besonders Waren aus Kanada, Westeuropa und Japan betroffen waren. Der stärkste Rückgang war bei Kraftfahrzeugen und KfzTeilen sowie industriellen Erzeugnissen zu verzeichnen,,
Die positive Veränderung der Handelsbilanz im April war zum größten
Teil auf einen Abbau des Defizits gegenüber Kanada zurückzuführen. Auf der
anderen Seite war bei dem Handelsungleichgewicht der USA gegenüber Japan
nur ein geringer Rückgang zu verzeichnen. Der Handelsüberschuß gegenüber
Westeuropa war im April etwas niedriger als im März.
Die anhaltende Verbesserung unserer Handelsposition im April ist als
bedeutsam zu werten, da der Export eine beachtliche Stärke und der Import
eine gewisse Schwäche zeigte. Diese Entwicklungen deuten darauf hin, daß
die Wechselkursänderungen der beiden letzten Jahre eine stimulierende Wirkung auf den Absatz von in den USA hergestellten Erzeugnissen ausgeübt
haben, der im übrigen auch von dem Wirtschaftsaufschwung in den anderen Ländern profitierte und sich dämpfend auf unsere Käufe ausländischer Erzeugnisse ausgewirkt hat. Es ist jedoch noch zu früh, das Ausmaß der Verbesserung
unserer Handelsbilanz für das gesamte Jahr vorauszusagen.

- Der Handel in den Monaten Januar bis April 1973 Um eine richtige Perspektive zu erhalten, ist es angebracht, die Entwicklung des Handels in den Monaten Januar bis April 1973 mit der in den
vorangegangenen vier Monaten zu vergleichen. Auf dieser Basis wiesen die
Exporte eine Zunahme um 19 Prozent und die Importe eine Zunahme um 11 Prozent auf. Gleichzeitig ging das Handelsdefizit, das in den Monaten September

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September bis Dezember 1972 eine Jahresrate von 5,9 Milliarden Dollar aufgewiesen hatte, stark zurück und zwar auf eine Jahresrate von 1,9 Milliarden Dollar.
Die in den Monaten Januar bis April 1973 erzielte Ausweitung des Exports gegenüber dem unmittelbar davor liegenden Viermonatszeitraum verteilt sich gleichmäßig auf landwirtschaftliche und nichtlandwirtschaftliche Erzeugnisse. Bei den nichtlandwirtschaftlichen Erzeugnissen verteilt
sich die Zunahme auf zahlreiche Warengruppen - unter anderem größere Lieferungen von Maschinen, verstärkte Ausfuhren der Autoindustrie nach Kanada,
Flugzeuge und zahlreiche industrielle Erzeugnisse wie Chemikalien und Stahl.
Die starke Ausweitung dieser Exporte ist auf die erhebliche Zunahme der
Wirtschaftstätigkeit in anderen Ländern in diesem Jahr und die stimulierende Wirkung der Wechselkursänderungen zurückzuführen. Die Agrarexporte haben
einen unverhältnismäßig hohen Anteil an der Ausweitung der Gesamtausfuhr
gehabt, da die Verkäufe von Getreide und Sojabohnen zu wesentlich höheren
Preisen äußerst lebhafte Formen annahmen.
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Die Zunahme der Importe war weit geringer, als dies bei den Exporten
der Fall war, und verteilt sich auf alle wichtigen Warengruppen, wobei in»
dustrielle Erzeugnisse an der Spitze standen. Die Importe der Autoindustrie
nahmen stark zu, vor allem von den amerikanischen Tochtergesellschaften in
Kanada, aber auch aus anderen Ländern. Die Einfuhr von Kapitalgütern wie
auch von Verbrauchsgütern erhöhte sich beträchtlich.
Die bisherige Stärkung unserer Handelsposition in diesem Jahr - gegenüber den letzten vier Monaten des Jahres 1972 - ist zu einem großen Teil
auf einen beträchtlichen Abbau des Handelsdefizits gegenüber Japan zurückzuführen, wo die Exporte stark anstiegen, während die Importe unverändert
blieben. Der geringe, in den Monaten September bis Dezember 1972 gegenüber
Westeuropa erzielte Handelsüberschuß erhöhte sich beträchtlich. Die

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�Die positive Bilanz gegenüber Osteuropa konnte ebenfalls gefestigt werden.
Obwohl die Exporte nach Kanada stiegen, war die Zunahme der Importe noch
größer, was zu einer Ausweitung des Handelsdefizits gegenüber diesem Land
führte."

-4-

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              <text>&lt;strong&gt;1. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger erläutert Jahr Europas&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des Präsidentenberaters auf der Pressekonferenz vom 29. Mai -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Washington umreißt Standpunkt zu schwebenden Wirtschaftsfragen&amp;nbsp;&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Shultz erläutert Begriff der Gegenseitigkeit -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;US-Wirtschaftsberater: April-Indikatoren deuten auf Rückgang der Inflation&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Dent begrüßt Verbesserung der Handelsbilanz&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Erklärung des US-Handelsministers -&lt;/em&gt;</text>
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