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Information

G o d e s b e r g l ,

3240

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Postfach

Telex:

Information

300

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Dol&lt;U mentation

08-85432

17

2 6 . A p r i l 1973

Inhalt

DOKUMENTATION

Energiebotschaft Präsident Nixons
- Wortlaut -

Das J a h r Europas
- Wortlaut d e r Kissinger-Rede vom 2 3 . A p r i l 1973 -

USA: E r n s t e Verletzung des Vietnam-Abkommens durch Hanoi
- Wortlaut d e r amerikanischen Note vom 20. A p r i l 1973 -

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Service

Dokumentation

Postfach 300
Telex:08-85432

17/1973

ENERGIEBOTSCHAFT PRÄSIDENT NIXONS
- Wortlaut -

WASHINGTON - (AD) - Die von Präsident Nixon dem amerikanischen Kongreß
am 18. April 1973 übersandte Energiebotschaft hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:

Nach innen und außen befindet sich Amerika in einer Zeit des Übergangs.
Alte Probleme bringen neue Initiativen hervor, doch an ihrer Stelle entstehen
neue Probleme, die erneut unsere Erfindungsgabe herausfordern und dynamisches
Handeln erfordern. Nirgendwo trifft dies mehr zu als auf dem Gebiet der Energie,

In dem Maße, wie der Wohlstand in Amerika anstieg und das Land immer
stärker industrialisiert wurde, nahm auch der Energiebedarf immer mehr zu.
Bei einer Einwohnerzahl von nur sechs Prozent der Weltbevölkerung entfällt
auf uns fast ein Drittel des gesamten Energieverbrauchs der Welt. Unser Energiebedarf ist so schnell angewachsen, daß er das verfügbare Angebot übersteigt,
und bei unserer derzeitigen Zuwachsrate wird unser Energiebedarf in 12 Jahren
fast doppelt so hoch wie im Jahre 1970 sein.

In den unmittelbar vor uns liegenden Jahren müssen wir mit der Möglichkeit gelegentlicher Energieverknappungen sowie mit einem Ansteigen der Energiepreise rechnen.
Es

�Es ist ganz klar, daß wir auf dem Gebiet der Energie vor entscheidend
wichtigen Aufgaben stehen. Wenn der derzeitige Trend unkontrolliert anhält,
könnten wir mit einer echten Energiekrise rechnen. Aber eine solche Krise
kann und sollte abgewendet werden. Denn wir verfügen über die Kapazitäten und
die Hilfsguellen zur Deckung unseres Energiebedarfs, wenn wir nur die entsprechenden Maßnahmen ergreifen - und zwar jetzt ergreifen.

Mehr als die Hälfte der gesamten Kohlereserven der Welt befinden sich in
den Vereinigten Staaten. Diese Vorkommen allein würden zur Deckung unseres
Energiebedarfs für mehr als ein Jahrhundert reichen. Wir verfügen über potentielle

Vorkommen von Milliarden Tonnen Erdöl, die ausgeschöpft werden könnten,

über ähnlich große Mengen Schieferöl und über rund 57 Billionen Kubikmeter Erdgas. Wenn wir richtig haushalten und vonseiten

der Verbraucher der Einsparung

an Energie mehr Aufmerksamkeit geschenkt wird, dann können diese Vorräte ausreichen, solange unsere Wirtschaft von konventionellen Brennstoffen abhängig
ist.

Neben den natürlichen Brennstoffen haben wir Wasserkraftwerke und eine
wachsende Anzahl von Atomkraftanlagen zur Verfügung. Weiter können Amerikas
riesige Forschungs- und Entwicklungskapazität

noch lange,bevor unsere der-

zeitigen Energiequellen erschöpft sind, uns neue, saubere und praktisch unbegrenzte Energiequellen erschließen.

Daher sollten wir uns nicht zu pessimistischen Voraussagen über eine
Energiekrise verleiten lassen. Genausowenig aber sollten wir uns von einem
trügerischen Sicherheitsgefühl einlullen lassen. Wir müssen unsere Situation
realistisch prüfen, die Alternativen sorgfältig abwägen - und dann entschlossen
handeln.

Abwägen der Alternativen
Über 90 Prozent der Energie, die wir heute in den Vereinigten Staaten verbrauchen, kommen von drei Quellen: Erdgas, Kohle und Erdöl. Jede dieser Quellen

�Quellen stellt uns vor andere Probleme.

Erdgas ist unser sauberster Brennstoff und wird aus Gründen des Umweltschutzes am meisten bevorzugt. Aber schlecht überlegte Vorschriften der Bundesregierung für Preisgestaltung bei Erdgas haben zu einer ernsten und zunehmenden
Verknappung dieses Brennstoffes geführt. Wir verfügen über riesige Mengen an
Kohle, aber der Abbau und die Verwendung von Kohle haben so hartnäckige Umweltprobleme geschaffen, daß gegenwärtig nicht einmal 20 Prozent unseres Energiebedarfs durch Kohle gedeckt werden und die Gesundheit der gesamten Kohleindustrie ernsthaft gefährdet ist.

Unsere dritte konventionelle Hilfsquelle ist Erdöl; aber die einheimische
Produktion förderbaren Erdöls reicht nicht mehr aus, um mit dem Bedarf Schritt
zu halten.
Bei der Entscheidung, wie wir diese Hilfsquellen zusammen mit anderen,
wie zum Beispiel der Kernenergie, ausweiten und weiterentwickeln sollten,
müssen wir nicht nur unsere wirtschaftlichen Ziele, sondern auch unsere Ziele
auf den Gebieten des Umweltschutzes und unserer nationalen Sicherheit berücksichtigen. Jedes dieser Gebiete wird von unseren die Energie betreffenden Entscheidungen stark berührt.

Wenn wir die Dynamik unserer Wirtschaft, die Gesundheit unserer Umwelt
und die Sicherheit unserer Energiequellen erhalten wollen, ist es notwendig,
daß wir das richtige Gleichgewicht zwischen diesen Prioritäten finden.

Die Entscheidungen sind schwierig, aber deshalb dürfen wir uns nicht
weigern, zu handeln. Wir können nicht einfach stehenbleiben, nur weil es
schwierig ist, vorwärts zugehen. Dies ist etwas, wofür sich Amerikaner niemals
entscheiden dürfen.

Die Herausforderung, vor die uns das Energieproblem stellt, ist eine der
größten Chancen unserer Zeit. Wir haben bereits damit begonnen, dieser Herausforderung zu entsprechen und ihre Chancen wahrzunehmen.
Nationale

�Nationale Energiepolitik:

Die erste Botschaft zur Energiepolitik:,die je ein amerikanischer Präsident vorgelegt hat, übersandte ich dem Kongreß im Jahr 1971. In dieser Botschaft schlug ich eine Reihe spezifischer Maßnahmen vor, um unseren veranschlagten Bedarf durch Steigerung unserer Produktion an sauberer Energie in
Amerika zu decken.
Zu diesen Schritten gehörten verstärkte Forschung und Entwicklung, um
mehr saubere Energie zu erhalten, vermehrte Bereitstellung von Energieressourcen,
die auf im Besitz des Bundes befindlichem Land liegen, verstärkte Anstrengungen
zur Entwicklung der Kernenergie und ein neues Bundesamt, das unsere Energieprogramme planen und durchführen soll.

In den 22 seit Vorlage dieser Botschaft verstrichenen Monaten sind die
Anstrengungen Amerikas auf den Gebieten der Energieforschung und -entwicklung
um 50 Prozent verstärkt worden.

Zwecks Steigerung der einheimischen Gewinnung konventioneller Brennstoffe
ist die Vergabe von Erdöl- und Erdgaskonzessionen zur Förderung im Schelfgebiet erweitert worden. Die von der Bundesregierung und den Einzelstaaten festgesetzten Normen zum Schutz der Umwelt in den Meeresgebieten, in denen diese
Pachtzonen liegen, sind verschärft worden. Wir haben strengere Überwachungseinrichtungen geschaffen und die Möglichkeiten verbessert, um Verschmutzungen
durch öl zu verhindern oder zu beseitigen.

Wir beabsichtigen, die Erschließung von Ölschiefer und geothermisehen
Energiequellen auf Bundesland so lange fortzusetzen, wie eine jetzt im Gange
befindliche Untersuchung zeigt, daß die Umwelt ausreichend geschützt werden
kann.

Wir haben ferner neue Maßnahmen ergriffen, um unser Potential zur Anreicherung von Uran, das zur Produktion von Brennstoff für Kernkraftwerke benötigt wird, zu erweitern, den Bau von Atomkraftwerken zu standardisieren und

�und sicherzustellen, daß der bereits erfreulich hohe Sicherheitsstand erhalten bleibt.

Wir haben neue Normen und Richtlinien in Kraft gesetzt sowie weitere
Maßnahmen ergriffen, damit mehr zur sparsamen Nutzung von Energie getan und
hierzu ermutigt wird. Kurzum, wir haben unsere Anstrengungen mit Nachdruck
begonnen, um sicherzustellen, daß Amerika stets über die Energie verfügt,
die es zur Erhaltung seines Wohlstandes braucht. Aber alles, was wir bisher
erreichten, ist nur ein Anfang.

Wir müssen jetzt auf unserem vermehrten Wissen und den Leistungen der
letzten 22 Monate aufbauen und eine umfassendere, integrierte nationale
Energiepolitik entwickeln. Zur Durchführung dieser Politik müssen wir:
- die einheimische Erzeugung aller Arten von Energie steigern;
- Maßnahmen ergreifen, die wirksamer zum sparsamen Energieverbrauch beitragen;
- uns um Deckung unseres Energiebedarfs zu den niedrigstmöglichen Kosten,
wie sie mit der Gewährleistung unserer nationalen Sicherheit und dem
Schutz unserer natürlichen Umwelt vereinbar

sind, bemühen;

- übermäßige regulative und administrative Hindernisse abbauen, die den
Bau von Anlagen zur Energiegewinnung verzögert oder verhindert haben;
- zusammen mit anderen Ländern Maßnahmen treffen, um Forschungsvorhaben
auf dem Energiesektor durchzuführen und Wege zur Verhinderung ernsthafter Verknappungen zu finden; und
- unsere

riesigen wissenschaftlichen und technologischen Kapazitäten

- staatliche wie private - einsetzen, so daß unsere gegenwärtigen
Energiequellen vernünftiger genutzt und neue Quellen und Formen von
Energie erschlossen werden können.

Die von mir heute angekündigten Maßnahmen und die Vorschläge, die ich
dem Kongreß unterbreite, sollen diese Ziele verwirklichen. Sie tragen der
Tatsache Rechnung, daß wir uns in einer Zeit des Übergangs befinden, in der

�der wir darauf hinarbeiten müssen, kurzfristige Versorgungsschwierigkeiten
zu vermeiden oder zumindest auf ein Minimum herabzudrücken, während wir Maßnahmen zur Steigerung und zum Ausbau unserer einheimischen Versorgung treffen,
um unseren langfristigen Energiebedarf zu decken.

Wir dürfen nicht glauben, daß diese Übergangsperiode leicht sein wird.
Die vor uns liegende Aufgabe wird die gemeinsamen und kooperativen Anstrengungen von Verbrauchern, Industrie und Regierung fordern.

Entwicklung unserer einheimischen Energiequellen
Dia Anstrengungen zur Steigerung der einheimischen Energieproduktion in
einer Weise, die mit unseren Wirtschafts-, Umwelt- und Sicherheitsinteressen
zu vereinbaren ist, sollte sich auf die folgenden Gebiete konzentrieren:

Erdgas
Erdgas ist Amerikas wichtigster Brennstoff. Es verbrennt sauber und hat
damit die geringsten schädlichen Auswirkungen auf unsere Umwelt.

Seit 1966 ist unser Erdgasverbrauch um mehr als ein Drittel gestiegen,
so daß Erdgas heute 32 Prozent unseres GesamtVerbrauchs an Energie aus allen
Quellen deckt. Im gleichen Zeitraum sind unsere nachgewiesenen und verfügbaren
Erdgasreserven um ein Fünftel zurückgegangen. Wenn wir nicht verantwortungsbewußt handeln, werden wir bald zunehmende Verknappungen bei diesem entscheidend
wichtigen Brennstoff erleben.

Doch das Problem der Verknappungen ist weniger die Folge unzureichender
Vorkommen, als vielmehr schlechter Regelungen. Erdgas ist der Brennstoff, bei
dem es seitens der Bundesregierung - über die Bundesenergiekommission - die
meisten Vorschriften gibt. Nicht nur der Betrieb der Erdgasleitungen zwischen

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�zwischen den einzelnen Bundesstaaten,wie dies der Kongreß ursprünglich und
zu Recht vorgesehen hatte, ist Vorschriften unterworfen, sondern auch der
Preis des Erdgases, das von Tausenden unabhängiger Produzenten über diese
Pipelines geliefert wird.

Über ein Jahrzehnt lang waren die Preise des über diese Pipelines unter
so weitgehenden

Bestimmungen gelieferten Erdgases künstlich niedrig gehalten

worden. Die Folge war, daß die Nachfrage künstlich angeregt wurde, Exploration
und Erschließung jedoch,die für die Bereitstellung neuer Erdgasmengen zur
Deckung dieses zunehmenden Bedarfs notwendig waren, verkümmerten. Diese Form
eines Reglements durch die Regierung hat wesentlich zu den Verknappungen,
die wir erlebt haben, beigetragen, und zu der noch stärkeren Verknappung, mit
der wir nunmehr rechnen.

Als Folge der durch Vorschriften niedrig gehaltenen Preise werden mehr
als fünfzig Prozent unseres Erdgases durch industrielle Benutzer und Versorgungsbetriebe verbraucht, von denen viele sonst vielleicht Kohle oder öl
benutzen würden. Während die Hausbesitzer gezwungen werden, vom Erdgas abzulassen und teurere Brennstoffe zu benutzen, werden unnötig große Mengen an
Erdgas durch die Industrie aufgebraucht.

Da außerdem die Preise in den Erdgas erzeugenden Bundesstaaten häufig
höher sind als die Preise, die von der Bundesenergiekommission für die Weiterverteilung festgesetzt wurden, gelangt neu entdecktes und neu gefördertes Erdgas meist gar nicht mehr in die Pipelines. Die potentiellen Verbraucher in
den Bundesstaaten ohne eigene Erdgasförderung leiden also am schlimmsten unter
Verknappungen. Die Bundesenergiekommission bemüht sich zwar, diese Probleme
zu mildern, jedoch beeinträchtigen der ganze Rahmen der Durchführungsbestimmungen
und

damit zusammenhängende juristische Beschränkungen die Möglichkeiten der

Kommission, in angemessener Weise darauf zu reagieren.

Es ist klar, daß der Preis, der den Erzeugern von Erdgas im inneramerikanischen Handel gezahlt wird, steigen muß, wenn es den notwendigen Anreiz für

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�für eine bessere Versorgung und für eine Verminderung der unrationellen Nutzung
geben soll. Manche haben zusätzliche Vorschriften vorgeschlagen, um den nötigen
Anreiz zu gewähren, aber wir haben bereits die Gefahren einer solchen Methode
erlebt. Wir müssen die Vorschriften abbauen und nicht erhöhen. Gleichzeitig
können wir jedoch nicht alle Vorschriften für Erdgas beseitigen, ohne daß es
zu einem wesentlichen Preisauftrieb bei dem gegenwärtig erzeugten Erdgas sowie zu Konjunkturprofiten kär.e.

Um dieses Problem zu lösen, schlage ich vor, daß Erdgas aus neuen Vorkommen, Erdgas, das neu für die inneramerikanischen Märkte bestimmt ist, sowie
die weiterlaufende Erzeugung von Erdgas aus erloschenen Kontrakten nicht mehr
einer Preisreaulierung beim Produzenten unterworfen sein soll. Die Verabschiedung dieses Gesetzes sollte zu neuer Exploration und Erschließung von Quellen
anregen. Da jedoch erhöhte Preise für neues, nicht den Reglements unterliegendes
Erdgas im Durchschnitt nach den Preisen für Erdgas berechnet werden, das den
Vorschriften unterliegt, dürfte gleichzeitig der Verbraucher vor allzu jähen
Kostensteiqerungen geschützt werden.
Um dem Verbraucher einen weiteren Schutz gegen ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu geben, schlage ich vor, den Innenminister zu ermächtigen, für
das neue Naturgas einen Preisstopp zu erlassen, falls die Umstände dies erfordern. Ehe der Minister aber von dieser Vollmacht Gebrauch macht, würde er
die Kosten für andere einheimische Brennstoffe in Erwägung ziehen, wobei die
Überlegenheit des Naturgases vom Standpunkt des Umweltschutzes in Rechnung
zu stellen wäre.

Kontinentales Schelfgebiet
Die Öl- und Gasvorkommen in den Vereinigten Staaten liegen annähernd
zur Hälfte in einem Gebiet, das der öffentlichen Hand gehört, vor allem im
Schelfgebiet an den Kontinentalrändern. Das Tempo, mit dem wir unsere einheimische Energieproduktion steigern können, wird in weitem Maße davon abhängen, wie schnell wir diese Vorkommen erschließen können.
Seit

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�Seit 1954 hat das Innenministerium nahezu 3,2 Millionen Hektar Land in
diesem Schelfgebiet an private Entwicklungsunternehmen verpachtet. Dies ist
jedoch nur ein kleiner Prozentsatz der potentiell produktiven Gebiete. Zu
einer Zeit, in der wir gezwungen sind, fast 30 Prozent unseres Öls aus dem
Ausland zu beziehen, ist ein Erschließungs- und Entwicklungsprogramm dieses
Ausmaßes nicht zureichend.
Ich erteile daher dem Innenminister die Anweisung, Maßnahmen zu ergreifen,
durch die die jährlich im Schelfgebiet verpachtete Bodenfläche bis zum Jahr
1979 auf das Dreifache erweitert wird, wobei bereits im Jahr 1974 mit zusätzlichen Verkäufen im Golf von Mexiko zu beginnen ist und auch Gebiete
mit mehr als 200 m Wassertiefe einzuschließen sind, und zwar unter Bedingungen,
die meiner Erklärung vom Mai 1970 über die Ozeanpolitik entsprechen. Durch
diese Beschleunigung der Verpachtungen könnte die jährliche Energieproduktion
bis zum Jahre 1985 um schätzungsweise 214 Millionen Tonnen Öl gesteigert
werden (das sind etwa 16 Prozent des von uns für dieses Jahr erwarteten Ölbedarfs), sowie um 142 Milliarden cbm Naturgas (was etwa 20 Prozent des für
dieses Jahr erwarteten Bedarfs an Naturgas entspräche).
Bislang bestand eines der zentralen Probleme für die Nutzbarmachung
dieser speziellen Hilfsquellen in der Gefahr, die damit für die Umwelt entstehen konnte. Heute aber geben uns neue Techniken, neue Bestimmungen und
Normen und neue Überwachungskapazitäten die Möglichkeit, die Gefahren für die
Umwelt ganz erheblich zu reduzieren und unter Kontrolle zu bringen. Wir sollten
nunmehr aus diesem Fortschritt Nutzen ziehen. Die im Schelfboden und in dem
der öffentlichen Hand gehörenden Land liegenden Rohstoffquellen sind das Eigentum aller Amerikaner, und der akute Bedarf, der für alle Amerikaner an neuen
Energiequellen besteht, erfordert es, daß wir sie erschließen.

Wenn irgendwann festgestellt werden sollte, daß die Schürf- und Erschließungsarbeiten in einem spezifischen Schelfgebiet nur mit unzureichendem
Schutz für die Umwelt weitergeführt werden können, dann werden wir mit solchen
Operationen nicht beginnen oder sie nicht weiterführen. Diese Politik fand 1971
ihren Ausdruck in der Aussetzung von 35 Konzessionsverträgen im Santa BarbaraKanal. Wir bleiben auch weiterhin bei dieser Aussetzung der Konzessionen von

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�von Santa Barbara, und ich fordere erneut, daß der Kongreß eine entsprechende
Gesetzesmaßnahme verabschiedet, die für diejenigen eine angemessene Regelung
möglich macht, die gezwungen sind, ihre Pachten in diesem Gebiet aufzugeben.

Gleichzeitig weise ich den Innenminister an, über die Schelfgebiete jenseits der Kanalinseln von Kalifornien weiterhin Pachtkonzessionen zu vergeben,
wenn die zur Zeit im Gang befindlichen Untersuchungen erweisen, daß die Risiken für die Umwelt tragbar sind.
Ich ersuche ferner den Vorsitzenden des Präsidialbeirats für Umwelthygiene, zusammen mit der Umweltschutzbehörde und in Konsultation mit der
Nationalen Akademie

der Wissenschaften und den zuständigen Bundesbehörden

in einer Untersuchung feststellen zu lassen, welche Auswirkungen die Öl- und
Gasgewinnung im Schelfgebiet des Atlantik und im Golf von Alaska auf die Umwelt haben. In diesen Gebieten werden keine Bohrungen unternommen werden, solange ihre ökologischen Auswirkungen nicht ermittelt sind. Bei diesem Prozeß
werden die Gouverneure, die Mitglieder der Legislative und die Bürger dieser
Gebiete zu Rat gezogen werden.
Schließlich ersuche ich den Innenminister um die Aufstellung eines langfristigen Konzessionierungsprogramms für alle Energiequellen, die auf einem
der öffentlichen Hand gehörenden Gebiet liegen. Dieses Programm muß auf einer
gründlichen Analyse der Ziele unseres Landes hinsichtlich Energie, Umwelt und
Wirtschaft beruhen.

Alaska-Pipeline
Eine weitere wichtige Quelle für die einheimische Ölproduktion existiert
im Norden Alaskas. Obgleich die Privatindustrie sich schon darauf eingestellt
hat, diese Vorkommen zu erschließen, und die Bundesregierung hohe Summen für
ökologische Analysen aufwandte, wird dieses Projekt noch immer verzögert.
Diese Verzögerung hat nichts mit kritischen Gutachten zu ökologischen Auswirkungen zu tun, sondern mit veralteten rechtlichen Behinderungen, die die Geländebreite für die Verlegung der vorgeschlagenen Pipeline betreffen.
In

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�In e i n e r Z e i t , i n der w i r wachsende Mengen von Rohöl i m p o r t i e r e n und
dabei unsere Z a h l u n g s b i l a n z e r h e b l i c h i n Unordnung b r i n g e n , außerdem zu
e i n e r Z e i t , i n der w i r b e a c h t l i c h e Ölverknappungen e r l e b e n , s i n d wir e i n d e u t i g auf d i e 2 86 000 Tonnen Öl pro Tag angewiesen, d i e Alaska l i e f e r n
könnte - e i n e Menge, d i e e i n v o l l e s D r i t t e l u n s e r e r gegenwärtigen Importe
ausmachen würde.
In den l e t z t e n Wochen habe i c h dem Kongreß e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e zugel e i t e t , durch d i e d i e gegenwärtigen R e s t r i k t i o n e n i n bezug auf den Bau der
Leitung aufgehoben würden. Ich a p p e l l i e r e an den Kongreß, d i e s e A n g e l e g e n h e i t
s c h n e l l zu behandeln, damit wir den Bau der Ö l l e i t u n g so s c h n e l l wie möglich
i n Angriff nehmen können.
Ich wende mich gegen jede w e i t e r e Verzögerung, d i e d u r c h ' d i e nochmalige
Untersuchung der Frage e n t s t ü n d e , ob es ratsam s e i , die Ö l l e i t u n g durch
Kanada zu v e r l e g e n . Unserem I n t e r e s s e an e i n e r raschen S t e i g e r u n g u n s e r e r
Ölversorgung w i r d am b e s t e n damit g e d i e n t , daß d i e A l a s k a - L e i t u n g gebaut
w i r d . Sie könnte v i e l s c h n e l l e r f e r t i g g e s t e l l t werden a l s e i n e P i p e l i n e
durch Kanada; i h r e gesamte K a p a z i t ä t würde für den T r a n s p o r t von Öl b e n u t z t ,
das auf amerikanischem T e r r i t o r i u m g e f ö r d e r t wird und für amerikanische Märkte
i n Regionen bestimmt wäre, wo es am meisten gebraucht w i r d . Außerdem würde
der Bau e i n e r Leitung durch Alaska e i n e b e a c h t l i c h e Anzahl von A r b e i t s p l ä t z e n
für Amerikaner i n Alaska und in der S c h i f f b a u i n d u s t r i e

schaffen.

Schieferöl
Die abbaufähigen Vorkommen von S c h i e f e r ö l auf dem k o n t i n e n t a l e n T e r r i t o rium der V e r e i n i g t e n S t a a t e n werden auf etwa 86 M i l l i a r d e n Tonnen g e s c h ä t z t ,
von denen ca. 11,5 M i l l i a r d e n Tonnen a l s r e l a t i v l e i c h t zugänglich g e l t e n .
Als i c h im J ä h r

1971 meine E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , e r s u c h t e i c h

den I n n e n m i n i s t e r darum, versuchsweise e i n Konzessionierungsprogramm für Ö l s c h i e f e r zu entwickeln und mir e i n e eingehende Begutachtung der ö k o l o g i s c h e n
Auswirkungen e i n e s solchen Programms an d i e Hand zu geben. Der M i n i s t e r h a t
d i e s e s Modellprojekt v o r b e r e i t e t und e r w a r t e t i n Kürze e i n e n d g ü l t i g e s Gutachten über d i e ökologischen Auswirkungen. Wenn d i e Umweltrisiken annehmbar

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�annehmbar s i n d , werden w i r mit dem Programm

fortfahren.

B i s h e r h a t es i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n keine Produktion von S c h i e f e r ö l auf kommerzieller B a s i s gegeben. Unser Versuchsprogramm wird uns w e r t v o l l e
Erfahrungen i n der Anwendung v e r s c h i e d e n e r B e t r i e b s t e c h n i k e n und b e i u n t e r s c h i e d l i c h e n ökologischen Gegebenheiten e i n b r i n g e n . Im Rahmen des v o r g e schlagenen Programms würden d i e Kosten der E r s c h l i e ß u n g und des Umweltschutzes
von den p r i v a t e n Konzessionsinhabern

getragen.

Verpachtung g e o t h e r m i s c h e r E n e r g i e q u e l l e n
Zu der Z e i t , i n d e r i c h d i e e r s t e E n e r g i e - B o t s c h a f t v o r l e g t e , wies i c h
auch den I n n e n m i n i s t e r an, e i n Konzessionierungsprogramm für d i e E r s c h l i e ß u n g
g e o t h e r m i s c h e r Energie auf Bundesland v o r z u b e r e i t e n . Die Bestimmungen und endg ü l t i g e ö k o l o g i s c h e Analysen für e i n s o l c h e s Programm d ü r f t e n gegen Ende des
Frühjahrs

1973 f e r t i g g e s t e l l t

sein.

Wenn d i e Analyse zu dem Ergebnis f ü h r t , daß w i r i n e i n e r für den Umwelts c h u t z a k z e p t a b l e n Art und Weise mit den Vorbereitungen f o r t f a h r e n können,
e r w a r t e i c h , daß d i e Verpachtung von Bundesland zur Verwendung a l s

Förderfeld

für geothermische Energie b a l d darauf beginnen w i r d .
Die Verwendung g e o t h e r m i s c h e r Energie könnte für v i e l e Regionen im Westen
d e r USA von g r o ß e r Bedeutung s e i n ,

da damit e i n T e i l

des E n e r g i e b e d a r f s

i n den W e s t s t a a t e n gedeckt und andere E n e r g i e r e s e r v e n f r e i g e s e t z t würden, d i e
s o n s t v e r b r a u c h t werden müßten. B e i s p i e l s w e i s e wird h e u t e schon der E n e r g i e b e d a r f der S t a d t San F r a n c i s c o zu einem D r i t t e l aus dem G e y s i r - G e b i e t i n
Kalifornien

gedeckt.

Gegenwärtig werden neue Verfahren der L o k a l i s i e r u n g und E r s c h l i e ß u n g von
g e o t h e r m i s c h e r Energie e n t w i c k e l t . Im kommenden H a u s h a l t j ä h r werden d i e Nationale Wissenschaftsstiftung

( N a t i o n a l Science Foundation) und das Geologische

Bundesamt i h r e Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen auf diesem Gebiet i n t e n sivieren.

Kohle

�Kohle
Kohle ist unsere am reichlichsten vorhandene und billigste einheimische
Energiequelle- Dennoch deckt Kohle in einer Zeit, in der Energieknappheit
droht, weniger als 20 Prozent unseres Bedarfs an Energie, und es besteht ernste
Gefahr, daß ihre Verwendung sogar noch weiter eingeschränkt wird. Wenn das tatsächlich einträte, müßten wir unsere ölimporte sehr rasch steigern und alle
damit zusammenhängenden Handels- und Sicherheitsprobleme in Kauf nehmen.
Die Kohleproduktion wurde nicht nur infolge der Konkurrenz des Erdgases
eingeschränkt - eine durch Preisregulierungen seitens des Bundes künstlich
geschaffene Konkurrenz -, sondern auch infolge aufkommender Besorgnisse um
die Umwelt und der Gesundheitsschutz- und Sicherheitsvorschriften für die
Gruben. Um den Umweltschutzanforderungen gerecht zu werden, sind die Versorgungsunternehmen zu Erdgas und schwefelarmen Heizöl aus dem Ausland übergegangen. Das Problem wird durch die Tatsache noch kompliziert, daß einige
schwefelarme Kohlevorkommen deshalb nicht erschlossen werden, weil über die
SchürfVorschriften der Bundes- und einzelstaatlichen Behörden Unklarheiten bestehen.
Ich ersuche dringend darum, die erweiterte Erschließung und Nutzung
unserer Kohlevorkommen auf nationaler Ebene mit größtem Vorrang in Angriff
zu nehmen. Die heutigen und möglichen künftigen Verbraucher, die zwischen verschiedenen Energiequellen wählen können, sollten bei ihrer Entscheidung das
nationale Interesse im Auge haben. Jede Entscheidung gegen Kohle steigert
den Erdöl- oder Gasverbrauch, beeinträchtigt unsere nationale Unabhängigkeit
und steigert die Kosten dafür, den Energiebedarf zu decken.
In meiner Anfang des Jahres unterbreiteten Botschaft über die Lage der
Nation forderte ich im Kapitel "Natürliche Hilfsquellen und Umwelt" strenge
gesetzgeberische Maßnahmen zum Schutz der Umwelt gegen die durch den Bergbau
verursachten Schädigungen. Ich wiederhole jetzt diesen Appell. Solange aber
die Kohleindustrie die Betriebsvorschriften, nach denen sie sich in der Praxis
zu richten haben wird, nicht kennt, werden auch unsere riesigen Vorkommen an
schwefelarmer Kohle nicht so schnell erschlossen, wie dies der Fall sein müßte,
und diese Kohle wird auch weiterhin zu wenig genutzt.
Das
- 13 -

�Das inzwischen erweiterte Gesetz von 1970 über die Luftreinhaltung
macht zur Auflage, daß die primären Anforderungen an die Luftqualität - jene,
die der Gesundheit gelten - ab 1975 einzuhalten sind, während die verschärften
sekundären Grenzwerte - jene, die mit dem "Allgemeinwohl" in Zusammenhang
stehen - innerhalb einer vernünftigen Zeitspanne Gültigkeit erlangen. Die
Bundesstaaten arbeiten sehr erfolgreich darauf hin, die primären Grenzwerte,
wie sie das Gesetz zur Luftreinhaltung fordert, durchzusetzen, und ich fühle
mich durch ihre Anstrengungen ermutigt.
Gleichzeitig sollten wir in unsere

Sorge um das "Allgemeinwohl" oder

das nationale Interesse auch Erwägungen einbeziehen, die sowohl der nationalen
Sicherheit und der Prosperität der Wirtschaft als auch unserer Umwelt gelten.
Wenn wir darauf bestünden, bis 1975 sowohl die primären als auch die
sekundären Grenzwerte in der Luftreinhaltung durchzusetzen, könnte es geschehn,
daß wir die Nutzbarmachung von Kohlemengen in der Größenordnung bis zu 155 Millionen Tonnen pro Jahr verhindern. Dies würde zwangsläufig einer Steigerung des
ölbedarfs um ca. 2 30 OOO Tonnen pro Tag bedeuten. Dieses Öl müßte importiert
werden, was unsere Zahlungsbilanz ungünstig beeinflussen und mit 1,5 Milliarden
Dollar und mehr pro Jahre belasten würde. Eine solche Entwicklung könnte auch
zum Verlust von etwa 26 OOO Arbeitsplätzen in Kohlegruben führen.
Wenn wir aber andererseits die Bestimmungen des Gesetzes über die Luftreinhaltung vernünftig durchführen und dabei sorgfältig die primären, auf die
Gesundheit bezogenen Grenzwerte einhalten, dagegen die Durchsetzung der sekundären Grenzwerte nicht überstürzen, sollte es uns auch möglich sein, praktisch
all die Kohle zu verwenden, die sonst ungenutzt bliebe.
Die Bundesbehörde für Umweltschutz deutete bereits an, daß die nach dem
Luftreinhaltegesetz als vernünftige Frist zugestandene Periode zur Erreichung
der Sekundärnormen über 1975 hinaus verlängert werden könne. Im vergangenen
Jahr richtete der Leiter der Umweltschutzbehörde an alle Gouverneure der
Bundesstaaten ein Schreiben, in dem er darlegte, daß in der gegenwärtigen
Periode der Verknappung schwefelarmer Brennstoffe die Bundesstaaten nur dort
auf der Verwendung solcher Brennstoffe bestehen sollten, wo dies im Interesse
der Einhaltung der primären Maximalwerte zum Schutz der Gesundheit notwendig

- 14 -

�notwendig s e i . Diese Maßnahme s e i t e n s der Bundesstaaten s o l l t e i n v i e l e n
F ä l l e n den wünschenswerten E r s a t z von schwefelarmen Brennstoffen durch Kohle
ermöglichen. Ich u n t e r s t ü t z e s o l c h e Handlungsweise v o l l a u f .
Viele Ordnungs-Kommissionen d e r Bundesstaaten e r l a u b e n i h r e n

staatlichen

V e r s o r g u n g s b e t r i e b e n , e r h ö h t e B r e n n s t o f f k o s t e n i n der Form von höheren Gebühren an den Verbraucher w e i t e r z u g e b e n . G e l e g e n t l i c h g i b t es aber Verzögerungen
d a b e i , auch d i e Weitergabe der Kosten für Umweltschutzausrüstungen i n ä h n l i c h e r
Weise zu g e s t a t t e n . D e r a r t i g e Verzögerungen ermutigen n i c h t dazu, von Umwelts c h u t z v e r f a h r e n Gebrauch zu machen, und fördern nur d i e Tendenz z u r Verwendung
schwefelarmer B r e n n s t o f f e ,

die meist i m p o r t i e r t sind.

Um mehr Anreiz für d i e Anwendung neuer Umweltschutztechniken zu geben,
ersuche i c h a l l e e i n z e l s t a a t l i c h e n Kommissionen für V e r s o r g u n g s b e t r i e b e ,

sicher-

z u s t e l l e n , daß d i e Versorgungsunternehmen für den Einbau von Umweltschutzausr ü s t u n g e n , e i n s c h l i e ß l i c h der Vorrichtung zur A b l u f t r e i n i g u n g und zur Kohlevergasung, s c h n e l l und f a i r e n t s c h ä d i g t werden.
«

Als z u s ä t z l i c h e Maßnahme zur S t e i g e r u n g der Produktion und d e r Verwendung
von Kohle ordne i c h an, daß e i n neues B e r i c h t s v e r f a h r e n im US-Innenministerium
über d i e n a t i o n a l e Kohleproduktion e i n g e f ü h r t w i r d , und i c h e r s u c h e d i e
Bundesenergiekommission, über d i e Verwendung von Kohle i n Kraftwerken

regel-

mäßig B e r i c h t zu e r s t a t t e n .
Ich erhöhe außerdem unsere

Aufwendungen für Forschung und Entwicklung

auf dem K o h l e s e k t o r , wobei Verfahren zur Entschwefelung und d i e Entwicklung
b i l l i g e r , s a u b e r verbrennender Kohle besonders g e f ö r d e r t werden s o l l e n .
Kernenergie
Obgleich w i r uns i n d e r E n e r g i e p r o d u k t i o n b i s h e r i n e r s t e r L i n i e auf
f o s s i l e B r e n n s t o f f e wie Kohle und Öl s t ü t z t e n , dürfen wir davon k ü n f t i g n i c h t
mehr so s t a r k abhängig s e i n und haben es auch n i c h t n ö t i g . Die w i c h t i g s t e
A l t e r n a t i v e für Energie aus f o s s i l e n Brennstoffen i s t für den Rest d i e s e s
Jahrhunderts die Kernenergie.
Unsere gut f u n d i e r t e n u k l e a r e Technik s t e l l t i n der Deckung des gegenw ä r t i g e n Bedarfs b e r e i t s e i n e u n v e r z i c h t b a r e E n e r g i e q u e l l e d a r . Wir haben i n
- 15 -

�i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n zur Z e i t 30 Atomkraftwerke i n B e t r i e b . Von den
neu zu i n s t a l l i e r e n d e n K r a f t w e r k s k a p a z i t ä t e n /

für d i e 1972 Abschlüsse g e -

t ä t i g t wurden, e n t f a l l e n 70 P r o z e n t auf Atomkraft. Um 1980 w i r d der von Atomr e a k t o r e n e r z e u g t e Strom der E l e k t r i z i t ä t s m e n g e aus 179 M i l l i o n e n Tonnen Öl
oder 227 M i l l i a r d e n Kubikmeter Gas e n t s p r e c h e n . Man s c h ä t z t , daß d i e Stromp r o d u k t i o n i n den V e r e i n i g t e n S t a a t e n im J a h r 1985 zu 25 P r o z e n t und im J a h r
2000 zu mehr a l s 50 Prozent auf Atomkraft b a s i e r e n w i r d .
Die m e i s t e n Atomkraftwerke, d i e h e u t e i n B e t r i e b s i n d , a r b e i t e n mit L e i c h t w a s s e r - R e a k t o r e n . In a b s e h b a r e r Zukunft werden e i n i g e m i t g a s g e k ü h l t e n Hocht e m p e r a t u r - R e a k t o r e n a u s g e r ü s t e t s e i n . Diese Methoden der Kerntechnik werden
im n ä c h s t e n J a h r z e h n t durch den S c h n e l l b r u t r e a k t o r e r g ä n z t , durch den der
Nutzungsgrad für unsere einheimischen Uranvorkommen um etwa das 30fache e r höht w i r d . Gegenwärtig wird d i e Entwicklung des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit
F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g im Rahmen d e r n u k l e a r e n Forschung und Entwicklung m i t
höchsten. Vorrang b e t r i e b e n .
Die B e t r i e b s s i c h e r h e i t b e i der Produktion von Atomstrom i s t

außerordent-

l i c h hoch. In unserem z i v i l e n Atomenergieprogramm h a t es keinen e i n z i g e n
T o d e s f a l l gegeben, der auf S t r a h l u n g zurückzuführen i s t . Wir haben d i e

feste

A b s i c h t , durch noch i n t e n s i v e r e Forschung und Entwicklung i n der Reaktors i c h e r h e i t d i e s e n Standard zu h a l t e n .
Bei Atomkraftwerken s i n d d i e Verfahren, mit denen d i e B e t r i e b s s i c h e r h e i t und d i e Z u l ä s s i g k e i t u n t e r den Aspekten des Umweltschutzes

ermittelt

werden, l e b e n d i g e r und e i n e r B e t e i l i g u n g der Ö f f e n t l i c h k e i t mehr z u g ä n g l i c h
a l s b e i a l l e n anderen v e r g l e i c h b a r e n I n d u s t r i e - V o r h a b e n . Von der Regierung
und der I n d u s t r i e müssen a l l e Anstrengungen unternommen werden, um d i e Ges u n d h e i t und d i e S i c h e r h e i t der A l l g e m e i n h e i t zu schützen und jenen b e f r i e digende

Antworten geben zu können, d i e s i c h wegen d i e s e r E n e r g i e q u e l l e e h r -

l i c h e Sorgen machen.
G l e i c h z e i t i g müssen w i r danach t r a c h t e n , u n v e r n ü n f t i g e

Verzögerungen

i n der Entwicklung von Kernenergie zu vermeiden. Sie bewirken n i c h t s a n d e r e s ,
a l s daß durch s i e unnötige Kosten v e r u r s a c h t und unsere E n e r g i e k n a p p h e i t
schlimmert w i r d . Es i s t entmutigend zu w i s s e n , daß Atomkraftwerke,

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die

ver-

�die 27 000 Megawatt Strom erzeugen könnten und im Verlauf des Jahres 1972
hätten in Betrieb genommen werden sollen, nicht fertiggestellt wurden. Um
diese Produktionskapazität zu ersetzen, müßten wir ein Drittel der Erdgasmengen verwenden, die in den Vereinigten Staaten im Jahr 1972 für die Stromerzeugung verbraucht wurden. So darf es nicht weitergehen.
In meiner ersten Sonderbotschaft über Energie im Jahr 1971 schlug ich
vor, daß die Versorgungsunternehmen langfristige Pläne in bezug auf den Standort von Atomkraftwerken und Stromfernleitungen vorbereiten und veröffentlichen.
Dieses Gesetz würde für Bund und Einzelstaaten den Rahmen schaffen, um die
Konzessionen für den Bau einzelner Anlagen zu erteilen, und zwar auf der Grundlage uneingeschränkter und ausgewogener Überlegungen sowohl in bezug auf
ökologische Erfordernisse als auch auf Energiebedarf. Der Kongreß hat diese
Vorlage noch nicht behandelt. Ich unterbreite sie in diesem Jahr erneut zusammen mit einer Anzahl neuer Bestimmungen zur Vereinfachung der amtlichen
Genehmigungsverfahren; darunter befindet sich auch eine Bestimmung, die verlangt, daß die Regierung innerhalb von 18 Monaten nach Eingang eines kompletten
Antrages auf Lizenzierung diesen endgültig behandelt haben muß.
Ich möchte außerdem betonen, daß der private Sektor bei künftigen nuklearen Entwicklungen auch weiterhin wachsen muß. Die Atomenergiekommission
unternimmt gegenwärtig Schritte, um größere Mengen von angereichertem Uranbrennstoff für die amerikanischen Atomkraftwerke bereitzustellen. In den
achtziger Jahren reicht diese Expansion jedoch nicht aus, um unseren Bedarf
voll zu decken. Die Regierung richtet jetzt ihre Erwartungen auf die Privatindustrie, die erforderlich werdende zusätzliche Kapazität zu beschaffen.
Unsere Atomtechnik stellt einen nationalen Wertfaktor dar, der gar nicht
hoch genug eingeschätzt werden kann. Es ist lebenswichtig, daß wir sie auch
in Zukunft mit Nachdruck weiterentwickeln.
Das immer häufigere Auftreten unnötiger Verzögerungen im Aufbau von Kraftwerken muß ein Ende haben, wenn wir unseren Energiebedarf decken sollen. Um
keinen Zweifel aufkommen zu lassen - zum Schutz der Öffentlichkeit und unserer
Umwelt muß energisch auf vernünftige Schutzmaßnahmen bestanden werden. Der
Öffentlichkeit muß auch das uneingeschränkte Recht zur Mitsprache und Frage-

- 17 -

�F r a g e s t e l l u n g zugestanden werden, wenn wir darüber e n t s c h e i d e n , wo neue K r a f t werksanlagen gebaut werden s o l l e n . Wir müssen unsere amtlichen Verfahren z u r
Konzessionierung und I n s p e k t i o n s t r a f f e n , Überlappungen i n d e r Z u s t ä n d i g k e i t
v e r r i n g e r n und Konfusion, d i e durch a m t l i c h e S t e l l e n zustande kommt, a u s schalten.
Diese Z i e l e versuche i c h mit mehreren S c h r i t t e n zu e r r e i c h e n . Im Laufe
des kommenden J a h r e s werden w i r v e r s c h i e d e n e Möglichkeiten p r ü f e n , um s i c h e r z u s t e l l e n , daß a l l e ö f f e n t l i c h e n und p r i v a t e n I n t e r e s s e n u n p a r t e i i s c h und
ohne Verzug i n a l l e n amtlichen Verfahren zur E r t e i l u n g von Genehmigungen,
Konzessionen und z u r I n s p e k t i o n gegeneinander abgewogen werden.
Ich s c h l a g e dem Kongreß e r n e u t v o r , d i e Standortwahl für Kraftwerke ges e t z l i c h zu r e g e l n , ebenso - und d i e s zum e r s t e n Mal - d i e Anlage von T i e f wasser-Häfen. A l l e meine G e s e t z e s v o r l a g e n zur S t a n d o r t f r a g e e n t h a l t e n Bestimmungen, d i e sowohl auf Bundesebene a l s auch auf e i n z e l s t a a t l i c h e r Ebene
die Lizenzierung

v e r e i n f a c h e n . Es i s t von g r o ß e r Bedeutung, daß der Kongreß

rasch und im Sinne d i e s e r Vorschläge h a n d e l t .

Ansporn zur E x p l o r a t i o n e i n h e i m i s c h e r Vorkommen
Unser S t e u e r s y s t e m g i b t j e t z t d i e dringend b e n ö t i g t e n Anreize für d i e
M i n e r a l - E x p l o r a t i o n i n der Form von p r o z e n t u a l e n Entschädigungen b e i Unerg i e b i g k e i t und von Abschreibungen für gewisse Bohrkosten. Diese Bestimmungen
u n t e r s c h e i d e n jedoch n i c h t zwischen der E x p l o r a t i o n für neue Vorkommen und
der E r s c h l i e ß u n g b e r e i t s b e k a n n t e r F e l d e r .
Um zu v e r s t ä r k t e r E x p l o r a t i o n zu e r m u t i g e n , ersuche i c h den Kongreß,
i n unserem gegenwärtigen S t e u e r g e s e t z d i e Bestimmungen über I n v e s t i t i o n s k r e d i t e so zu e r w e i t e r n , daß für a l l e Versuchsbohrungen für neue Öl- und
E r d g a s f e l d e r K r e d i t e b e r e i t g e s t e l l t werden. Im Rahmen d i e s e s Vorschlags würde
für e r f o l g r e i c h e Versuchsbohrungen e i n etwas h ö h e r e r K r e d i t a l s für e r f o l g l o s e Bohrungen gewährt, um p o s i t i v e E r g e b n i s s e z u s ä t z l i c h zu p r ä m i e r e n .
Der I n v e s t i t i o n s k r e d i t h a t s i c h a l s wirksamer Anreiz für A k t i v i t ä t e n
der I n d u s t r i e e r w i e s e n . Ich e r w a r t e , daß e r i n bezug auf d i e Suche nach neuen
Vorkommen gleichermaßen wirksam i s t .
Einfuhren
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�Einfuhren zur Deckung unseres Energiebedarfs
Ölimporte
Um für die nächste Zeit Brennstoffverknappungen zu vermeiden und Brennstoffkosten so niedrig wie möglich zu halten, wird es für uns notwendig sein,
die Brennstoffimporte zu erhöhen. Gleichzeitig müssen wir, um auf weiter
Sicht unsere Abhängigkeit von Importen zu verringern, zur Exploration und Erschließung einheimischer Ölvorkommen und zum Bau von Raffinerien zur Verarbeitung des Rohöls ermutigen.
Das gegenwärtige Quotensystem für Ölimporte - das kontrollierte Öl-Einfuhrprogramm - wurde zu einer Zeit geschaffen, in der wir im Inland mehr öl
produzieren konnten, als wir selbst verbrauchten. Durch die Kontingentierung
der Importe wurde die Einfuhr von ausländischem Rohöl begrenzt. Das Verfahren
ermutigte außerdem zum Ausbau der einheimischen Erdölindustrie und diente
der nationalen Sicherheit.
Heute jedoch produzieren wir nicht so viel Öl, wie wir verbrauchen, und
wir müssen immer größere Mengen einführen, um unseren Bedarf zu decken.
Als Folge davon ist das gegenwärtige kontrollierte Öleinfuhrprogramm
praktisch nicht mehr von Nutzen. Statt dessen ist es nur geeignet, unsere
Versorgungsprobleme noch zu vergrößern, und es nimmt uns die Flexibilität,
die wir brauchen, um schnell und wirksam unseren Importbedarf zu decken. Die
allgemeine Unzufriedenheit mit dem Programm und die offensichtliche Notwendigkeit, die Dinge zu ändern, hat zu Unsicherheit geführt. Unter solchen Verhältnissen kann es nur in begrenztem Umfang langfristige Investitionsplanungen
für neue Bohranlagen und den Bau von Raffinerien geben.
Mit sofortiger Wirkung hebe ich durch Erlaß alle bestehenden Zölle auf
importiertes Rohöl und Ölprodukte auf. Die Inhaber von Importlizenzen werden
so in die Lage versetzt, Erdöl zollfrei einzuführen. Dieses Verfahren wird
helfen, die Energiekosten für den amerikanischen Verbraucher niedrig zu halten.
Mit sofortiger Wirkung setzte ich außerdem die direkte Kontrolle über
die Menge von Rohöl und Raffinerieprodukten, die importiert werden können,
vorläufig außer Kraft. Anstelle

dieser Kontrollen führe ich ein System der
- 19 -

�der Lizenzgebühr entsprechend der Menge ein.
Unter dem neuen System können die gegenwärtigen Inhaber von Importlizenzen Erdöl gebührenfrei bis zur Höhe ihres Kontingents für 1973 einführen.
Für Importe,die die für 1973 zugeteilte Menge überschreiten, muß der Importeur
Gebühren entrichten.
Durch dieses System sollten sich mehrere Ziele erreichen lassen.
Erstens dürfte es helfen, unseren unmittelbaren Energiebedarf durch
Förderung der Einfuhr ausländischen Öls zu niedrigsten Kosten für den Verbraucher zu decken, während es gleichzeitig Anreize zur Exploration und Erschließung unserer einheimischen Vorkommen für die Deckung des langfristigen
Bedarfs gibt. In diesem Jahr werden wenig Gebühren bezahlt werden müssen;
allerdings werden alle Freistellungen von der Gebührenzahlung im Verlauf der
nächsten paar Jahre auslaufen. Durch ein allmähliches Anheben der Gebühren
über die nächsten zweieinhalb Jahre bis zum Maximum von 0,5 Cent pro Gallone
(3,78 Liter) Rohöl und 1,5 Cent pro Gallone Raffinerieprodukte sollten wir auch
künftig unseren Energiebedarf decken können und gleichzeitig die Industrie
zur Steigerung der einheimischen Produktion ermutigen.
Zweitens soll dieses System Anreiz zum Bau von Raffinerien innerhalb
der Vereinigten Staaten geben, weil die Gebühren für Raffinerieprodukte höher
sind als für Rohöl. Als zusätzliche Fördermaßnahme darf Rohöl bis zu einer
Menge, die 75 Prozent der neuen Raffineriekapazität entspricht, eingeführt
werden, ohne daß es der Gebührenabgabe unterliegt. Dieses Sonderkontingent
kann jede Ölfirma während der ersten fünf Jahre nach Errichtung oder Erweiterung ihrer Raffineriekapazität in Anspruch nehmen.
Drittens soll dieses System die Flexibilität schaffen, die wir zur
wirksamen Deckung unseres Kurzzeit- und Langzeitbedarfs brauchen. Wir werden
von Zeit zu Zeit die Gebührenhöhe überprüfen,um sicherzustellen, daß wir
entsprechend unserer Absicht, die einheimische Produktion zu steigern und
dabei gleichzeitig die Kosten für den Verbraucher auf dem niedrigstmöglichen
Stand zu halten, die niedrigsten Gebühren erheben. Wir werden außerdem das
Berufungsgremium für Ölimporte voll einschalten, um zu gewährleisten, daß
der Bedarf aller Sektoren der Mineralölindustrie gedeckt wird, insbesondere
- 20 -

�insbesondere der Bedarf der unabhängigen Betriebe, die helfen, den Wettbewerb auf dem freien Markt aufrechtzuerhalten.
Viertens soll das neue System zu unserer nationalen Sicherheit beitragen.
Erhöhte einheimische Produktion macht uns von der Versorgung aus dem Ausland
weniger abhängig. Gleichzeitig werden wir die Gebühren in einer Weise anpassen, durch die unsere Versorgung aus dem Ausland so weit wie nur irgend
möglich gesichert wird. Schließlich gebe ich dem Ausschuß für Ölpolitik Anweisung, Anreize zu prüfen, die auf eine Steigerung unserer einheimischen
Reservevorräte oder eine Zusatzproduktion abzielen. Auf diese Weise schaffen
wir Vorräte, die uns gegen eine vorübergehende Unterbrechung von Lieferungen
aus dem Ausland abschirmen.

Tiefwasserhäfen
Es ist völlig klar, daß wir in der absehbaren Zukunft Öl in großen Mengen
importieren müssen. Wir sollten dabei im Auge behalten, daß dies mit möglichst
geringen Schäden für die Umwelt geschieht. Leider sind unsere gegenwärtigen
Kapazitäten für diese Zwecke nicht ausreichend.
Die Lösung dieses Problems liegt in der Anlage von Tiefwasserhäfen, die
Großtanker aufnehmen können, gleichzeitig wichtige wirtschaftliche Vorteile
bieten und das Risiko vermindern, daß Schiffe kollidieren oder auf Grund
laufen. Kürzlich vom Präsidialbeirat für Umwelthygiene durchgeführte Untersuchungen zeigen, daß wir mit sehr viel geringerer Verschmutzung zu rechnen
haben, wenn wir weniger, aber größere Tanker und Tiefwasserhäfen zur Verfügung
haben,anstatt, wie bisher, viele kleine Tanker und herkömmliche Hafenanlagen
zu benutzen; sie werden anderweitig gebraucht.
Wenn wir unsere Hafenkapazität nicht auf tiefes Wasser ausweiten, ist
zu erwarten, daß amerikanische und ausländische Gesellschaften ihr öl auf
den Bahamas und in den kanadischen Häfen löschen. Von diesen Tankerhäfen aus
wird das Öl durch eine immer größere Anzahl kleiner und mittelgroßer Tankschiffe
zu unseren herkömmlichen Häfen transportiert, wodurch sich das Risiko der
Verschmutzung während des Transports und durch Unfälle erhöht. Zur gleichen
Zeit gehen den Vereinigten Staaten die Arbeitsplätze und das Kapital verloren,

- 21 -

�v e r l o r e n , die s i c h b e i diesen a u s l ä n d i s c h e n Anlagen ergeben.
Angesichts d i e s e r Sachlage müssen w i r , s o glaube i c h , e i n e h r g e i z i g e s
Programm i n Angriff nehmen, um für d i e Aufnahme von Erdölimporten neue T i e f wasserhäfen zu s c h a f f e n .
Für d i e Anlage von Häfen waren b i s h e r d i e E i n z e l s t a a t e n , kommunale
Verwaltungen und die P r i v a t w i r t s c h a f t z u s t ä n d i g . Die E i n z e l s t a a t e n können
jedoch k e i n e Genehmigung e r t e i l e n , d i e über d i e Drei-Meilen-Zone h i n a u s r e i c h e n . Deshalb b r i n g e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l a g e e i n , auf Grund deren das
US-Innenministerium e r m ä c h t i g t w i r d , s o l c h e Lizenzen zu e r t e i l e n .

Die

L i z e n z i e r u n g wäre mit e i n e r umfassenden und angemessenen Begutachtung d e r
ökologischen Auswirkungen verbunden und würde für s t r e n g e N a v i g a t i o n s - und
S i c h e r h e i t s v o r s c h r i f t e n sowie für entsprechende E r f o r d e r n i s s e für d i e Landnutzung Sorge t r a g e n . Im besonderen s i e h t das vorgeschlagene Gesetz d i e Zusammenarbeit von Bundes-, E i n z e l s t a a i _ s - und Kommunalbehörden vor.

Sparsamer Umgang mit Energie
Der Reichtum an n a t ü r l i c h e n H i l f s q u e l l e n war i n d e r Vergangenheit
u n s e r g r ö ß t e r V o r t e i l . F a l l s uns aber d i e s e r Reichtum dazu e r m u t i g t ,

unsere

H i l f s q u e l l e n a l s etwas S e l b s t v e r s t ä n d l i c h e s anzusehen, so kann s i c h d i e s
l e i c h t n a c h t e i l i g für unsere Zukunft auswirken.
Der gesunde Menschenverstand s a g t uns k l a r , daß w i r , während w i r d i e
uns i n Zukunft zur Verfügung stehenden Formen und Quellen von Energie a u s w e i t e n , ebenso v i e l Aufmerksamkeit auf den sparsamen Umgang mit der uns h e u t e
zur Verfügung stehenden Energie verwenden und nach M i t t e l n und Wegen suchen
müssen, um das k ü n f t i g e Anwachsen des E n e r g i e b e d a r f s zu b e s c h r ä n k e n .
Als Volk müssen w i r uns auf n a t i o n a l e r Ebene um einen sparsamen Umgang
mit Energie bemühen. Die I n d u s t r i e kann dazu b e i t r a g e n , indem s i e e n e r g i e sparende E r z e u g n i s s e l i e f e r t und s e l b s t Energie ökonomischer e i n s e t z t .

Alle

A r b e i t e r und Verbraucher können m i t h e l f e n , indem s i e im A l l t a g b e s t ä n d i g auf
Einsparung von Energie bedacht s i n d - daß man Lampen a u s s c h a l t e t , wenn k e i n
L i c h t gebraucht w i r d , d i e M o t o r e i n s t e l l u n g beim Auto r e g u l i e r e n l ä ß t , Klimaanlagen und Heizungen weniger b e n u t z t und E r z e u g n i s s e k a u f t ,
- 22 -

d i e Energie w i r t -

�wirtschaftlicher verbrauchen.
Der Regierung fällt ebenfalls auf allen Ebenen eine wichtige Rolle zu einmal direkt durch Einsparen von Energie und zum anderen richtungweisend
für die Bemühungen um den sparsamen Umgang mit Energie.
Ich ordne heute die Schaffung einer Behörde für Energiewirtschaft an,
die im Innenministerium gebildet werden und die Programme zur Einsparung
von Energie koordinieren soll, welche gegenwärtig noch auf den gesamten Regierungsapparat aufgesplittert sind. Diese Behörde wird Forschungsvorhaben
durchführen und mit Verbraucher- und Umweltschutzgruppen

zusammenarbeiten,

um die Verbraucher über die Möglichkeiten aufzuklären, wie ihre für den
Energiebezug aufgewandten Dollars den größten Gegenwert erbringen können.
Um den Verbrauchern weitere Informationen an die Hand zu geben, werde
ich das Handelsministerium anweisen, in Zusammenarbeit mit dem Präsidialbeirat für Umwelthygiene und dem Amt für Umweltschutz ein auf freiwilliger Beteiligung basierendes System von Energieverbrauchsplaketten für die wichtigsten
Haushaltsgeräte zu entwickeln. Diese Plaketten sollen Angaben über den Energieverbrauch sowie eine

Einstufungstabelle aufweisen, die einen Wirtschaftslich-

keitsvergleich mit anderen gleichartigen Erzeugnissen möglich

macht. Darüber

hinaus wird die Umweltschutzbehörde in Kürze die Ergebnisse ihrer Tests zum
Kraftstoffverbrauch von Kraftfahrzeugen veröffentlichen.
Es gibt noch weitere Möglichkeiten, wie die Regierung sich richtungweisend auf diesem Gebiet betätigen kann. Ich fordere zum Beispiel erneut,
daß örtlichen Dienststellen die Verwendung von Geldern aus dem Fernstraßentreuhandfonds für Zwecke des Massentransitverkehrs gestattet wird. Wenn wir
dem Massentransitverkehr mehr Augenmerk schenken, so kann dies erheblich zur
Einsparung von Benzin beitragen.
Auch die Bundesbehörden können ein Beispiel geben. Das Bundesamt für allgemeine Verwaltungsdienste (GSA) errichtet gegenwärtig ein neues Bürogebäude
des Bundes unter Verwendung moderner Verfahren zur Einsparung von Energie mit
dem Ziel, den Energieverbrauch gegenüber entsprechenden anderen Gebäuden gleicher
Größe um 20 Prozent zu senken. Gleichzeitig untersucht das Bundesamt für technische Normen (NBS) in seinen Laboratorien den Energieverbrauch von Gebäuden.

- 23 -

�Gebäuden. Sobald diese Untersuchung abgeschlossen ist, werden analytische
Verfahren zur Verfügung stehen, um den Energieverbrauch neuer Wohngebäude
im Voraus veranschlagen zu können. Diese Informationen werden zusammen mit den
Erfahrungen, die beim 3au und Betrieb des von der Bundesregierung errichteten
Versuchsgebäudes gesammelt werden, den Architekten und Baufirmen helfen,
energiewirtschaftlich günstigere Gebäude zu entwerfen und zu errichten.
Auf Grund meiner Weisungen von 1971 und 1972 wurden bereits wichtige
Schritte unternommen, um die Isolierungsnormen für Ein- und Mehrfamilienhäuser auf den neuesten Stand zu bringen und mitzuhelfen, den Wärmeverlust
zu verringern sowie auch anderweitig Energie im Wohnungsbau zu sparen. Sobald
die Ergebnisse dieser wichtigen Demonstrationsprojekte vorliegen, werde ich
die Bundesanstalt für den privaten Wohnungsbau (FHA) anweisen, 5io

Konsulta-

tionsvorschriften angesichts unserer Erfahrungen auf den neuesten Stand zu
bringen und ihre mögliche Ausdehnung auf mobile Wohneinheiten zu erwägen.
Schließlich sollten wir uns darüber klar sein, daß wir die Einsparung
von Energie am wirksamsten fördern können, wenn wir sicherstellen, daß die
Energiepreise den wirklichen Gestehungskosten

entsprechen. Durch die Aufhe-

bung von Vorschriften wie den derzeitigen Höchstpreisen für Erdgas, und durch
Gewährleistung einer gerechten Aufteilung der Kosten für angemessene Umweltschutzmaßnahmen können wir Fortschritte in Richtung auf eine wirtschaftlichere
Inanspruchnahme unserer Hilfsquellen machen.
Das Einsparen von Energie ist eine nationale Notwendigkeit, doch glaube
ich, daß dies auf freiwilliger Basis wirksamer durchgeführt werden kann. Wird
diese Herausforderung ignoriert, so könnte dies die Gefahr vermehrter Verknappungen, steigender Preise und einer Schädigung der Umwelt heraufbeschwören
sowie die Möglichkeit vergrößern, daß die Einsparungen künftig durch Zwangsmaßnahmen verwirklicht werden. Es dürfte nicht notwendig werden, daß ein Land,
das stets über große Mengen an Energie verfügte, zur Rationierung von Energie
übergehen muß. Dies ist ein Teil der Herausforderung auf dem Energiesektor,
dem zu begegnen jeder Amerikaner mithelfen kann; ich rufe alle Amerikaner auf,
das Ihre hierzu beizutragen.
Forschung

- 24 -

�Forschung und Entwicklung
Wenn w i r d i e Gewißheit haben w o l l e n , daß der Aufwärtstrend u n s e r e r W i r t s c h a f t n i c h t durch unzureichende Energieversorgung oder durch zu t e u r e Energie
b e h i n d e r t w i r d , dürfen

wir uns n i c h t l ä n g e r von k o n v e n t i o n e l l e n

Energieformen

abhängig machen. S t a t t dessen müssen wir durch Forschung und Entwicklung a l l e
s i n n v o l l e n Anstrengungen unternehmen, um sowohl andere E n e r g i e q u e l l e n
auch neue Verfahren zu b e s c h a f f e n ,

als

d i e s e Energie zu p r o d u z i e r e n und zu n u t z e n .

Für d i e nahe Zukunft werden wir dank u n s e r e r Forschungs- und E n t w i c k l u n g s p o l i t i k Verfahren zur Verfügung haben, um unsere gegenwärtigen f o s s i l e n Brenns t o f f e so zu fördern und n u t z b a r zu machen, wie d i e s e i n e r gesunden Umwelt am
meisten z u t r ä g l i c h

ist.

S p ä t e r , etwa ab 1985 b i s zum Beginn des nächsten J a h r h u n d e r t s , werden
wir über k o m p l i z i e r t e r e E r s c h l i e ß u n g s t e c h n i k e n für unsere Reserven an f o s s i l e n
Brennstoffen und über d i e v o l l e n t w i c k e l t e Technologie zun. B e t r i e b des S c h n e l l b r u t r e a k t o r s mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g verfügen.

Unsere Anstrengungen i n bezug

auf d i e w e i t e r e n t f e r n t e Zukunft k o n z e n t r i e r e n s i c h auf Verfahren - b e i s p i e l s weise k o n t r o l l i e r t e Kernfusion und Sonnenenergie - , d i e uns s a u b e r e Energie
p r a k t i s c h unbegrenzt zu l i e f e r n

vermögen.

In meiner E n e r g i e - S o n d e r b o t s c h a f t

vom J a h r 19 71 an den Kongreß umriß i c h

e i n b r e i t f u n d i e r t e s Forschungs- und Entwicklungsprogramm. Ich s c h l u g d i e
Ausweitung gemeinsamer Anstrengungen von Regierung und I n d u s t r i e v o r , um den
s c h n e l l e n B r u t r e a k t o r mit F l ü s s i g m e t a l l k ü h l u n g , Verfahren der Kohlevergasung
und der Kamin-Abluftreinigung b i s zum Stadium der Demonstrationsanlagen w e i t e r zu e n t w i c k e l n . Diese Programme kommen gut voran.
In mainera Haushalt für das F i n a n z j a h r 1974 i s t e i n e Erhöhung der M i t t e l
für Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r vorgesehen, d i e 20 P r o z e n t
mehr a l s 1973 b e t r a g e n s o l l e n .
Mein Haushalt für 1974 s i e h t d i e Schaffung e i n e s neuen z e n t r a l e n E n e r g i e fonds im Innenministerium v o r , um z u s ä t z l i c h e Gelder für n i c h t - n u k l e a r e Forschung und Entwicklung b e r e i t zu s t e l l e n , wobei das Schwergewicht auf der
Kohleforschung l i e g e n s o l l . Dieser Z e n t r a l f o n d s s o l l uns d i e F l e x i b i l i t ä t
geben, d i e w i r für e i n e r a s c h e Nutzbarmachung n e u e r , besonders
- 25 -

vielver-

�v i e l v e r s p r e c h e n d e r Technologien auf dem E n e r g i e s e k t o r b r a u c h e n , welche schon
nach k u r z e r Z e i t Früchte t r a g e n .
Eines der meistversprechenden Programme, dem im F i n a n z j a h r 1974 e r h ö h t e
Mittel zufließen, i s t ein Kohle-Lösungsextraktionsverfahren,

das zu a s c h e -

und schwefelarmen Brennstoffen aus Kohle f ü h r t . A l l e s i n allem i s t

vorgesehen,

für Forschungs- und Entwicklungsvorhaben i n der KohleVeredelung 27 P r o z e n t
mehr M i t t e l b e r e i t z u s t e l l e n .
Neben der Erhöhung der M i t t e l für den F l ü s s i g m e t a l l - B r u t r e a k t o r

ersuche

i c h um mehr M i t t e l für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Reaktors i c h e r h e i t und der B e s e i t i g u n g r a d i o a k t i v e r Abfälle sowie für d i e P r o d u k t i o n
von K e r n b r e n n s t o f f e n .
Wasser e n t h ä l t e b e n f a l l s p o t e n t i e l l e B r e n n s t o f f e - i n d e r Form e i n e s
besonderen I s o t o p s von Wasserstoff - i n Mengen, die a u s r e i c h e n würden, um
F u s i o n s r e a k t o r e n J a h r t a u s e n d e i n B e t r i e b zu h a l t e n . W i s s e n s c h a f t l e r d e r Atomnergie-Kommission sagen j e t z t i n zunehmendem Vertrauen auf einen E r f o l g vora u s , daß w i r im Laboratorium d i e Anwendbarkeit der k o n t r o l l i e r t e n thermonukl e a r e n Fusion durch magnetische E i n s c h l i e ß u n g i n naher Zukunft

demonstrieren

können. Wir s i n d auch b i s zu dem Punkt vorgedrungen, wo manche W i s s e n s c h a f t l e r
glauben, daß schon i n den n ä c h s t e n p a a r J a h r e n d i e KernVerschmelzung mit
H i l f e von Laser S t r a h l e n d e m o n s t r i e r t werden könne. In meinem Budget für 19 74
habe i c h e i n e Erhöhung a l l e r für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der
Kernfusion vorgesehenen M i t t e l um 35 P r o z e n t v o r g e s c h l a g e n , um Versuchsprogramme zu b e s c h l e u n i g e n und Vorstudien für den Reaktorbau i n d i e Wege zu l e i t e n .
Während wir für d i e m i t t e l f r i s t i g e Deckung des E n e r g i e b e d a r f s

Brutre-

a k t o r e n im Auge haben, werden d i e kommerziellen K r a f t r e a k t o r e n von h e u t e auch
noch b i s zum Ende des J a h r h u n d e r t s den größten T e i l der P r o d u k t i o n s k a p a z i t ä t
für Atomstrom s t e l l e n . Obgleich Kernreaktoren von Anfang an einen bemerkenswerten S i c h e r h e i t s s t a n d a r d besaßen, s i e h t mein Budget für 1974 z u s ä t z l i c h e
M i t t e l vor, d i e g e w ä h r l e i s t e n s o l l e n , daß unsere rasch anwachsende I n a n s p r u c h nahme von Atomkraft n i c h t d i e Gesundheit und S i c h e r h e i t der Bevölkerung aufs
S p i e l s e t z t . Zu den P r o j e k t e n gehören z . B . A r b e i t e n an Systemen für d i e
s i c h e r e Lagerung der r a d i o a k t i v e n A b f ä l l e aus den K e r n r e a k t o r e n . Die

- 26 -

�\

Die Atomenergie-Kommission a r b e i t e t an z u s ä t z l i c h e n Verbesserungen der Lagerung von Abfällen an der Oberfläche und wird w e i t e r h i n d i e Möglichkeiten
z u r u n t e r i r d i s c h e n Lagerung mit l a n g f r i s t i g e r Abkapselung d i e s e r A b f ä l l e
untersuchen.
Sonnenenergie i s t a l s mögliche Quelle für saubere Energie auf unbegrenzte
Z e i t ungemein v i e l v e r s p r e c h e n d . In meinem neuen Haushalt s i n d d i e für Forschung und Entwicklung auf dem Gebiet der Sonnenenergie vorgesehenen M i t t e l
v e r d r e i f a c h t worden und umfassen j e t z t 12 M i l l i o n e n D o l l a r . Ein g r o ß e r T e i l
d i e s e r Gelder s o l l dafür verwendet werden, d i e Entwicklung kommerzieller
Systeme für d i e Heizung und Kühlung von Gebäuden zu b e s c h l e u n i g e n .
Forschungs- und E n t w i c k l u n g s m i t t e l für Umweltschutz-Verfahren s o l l e n im
Haushalt 1974 um 24 P r o z e n t e r h ö h t werden. Zu d i e s e n Forschungen z ä h l t e i n e
V i e l z a h l von P r o j e k t e n im Zusammenhang mit der Kamin-Abluftreinigung;
•

auch

der Bau e i n e r Demonstrationsanlage für d i e Entfernung von Schwefeldioxid g e h ö r t dazu. Darüber h i n a u s werden s i c h d i e Atomenergie-Kommission und das
Bundesamt für Umweltschutz w e i t e r h i n mit Forschungsprojekten zur Untersuchung der thermischen Effekte von Kraftwerken

befassen.

Während d i e Bundesregierung i h r e Verpflichtungen i n Forschung und Entwicklung auf dem E n e r g i e s e k t o r bedeutend e r h ö h t , wird und s o l l e i n großer
A n t e i l d i e s e r Forschung von der P r i v a t w i r t s c h a f t übernommen werden.
Ich b i n besonders e r f r e u t ,

daß d i e E l e k t r i z i t ä t s g e s e l l s c h a f t e n

d i e Be-

deutung der Forschung im H i n b l i c k auf das r a s c h e Anwachsen des Bedarfs an
e l e k t r i s c h e r Energie e r k a n n t haben. Die k ü r z l i c h e Schaffung des Forschungsi n s t i t u t s für S t r o m t e c h n i k , das 1974 einen E t a t von mehr a l s 100 Millionen
D o l l a r haben w i r d , kann zur Entwicklung von Technologien b e i t r a g e n , d i e s o wohl Probleme des L e i s t u n g s b e d a r f s a l s auch des Umweltschutzes lösen h e l f e n ,
welche gegenwärtig der I n d u s t r i e Kopfzerbrechen b e r e i t e n .
H i s t o r i s c h gesehen haben d i e E l e k t r i z i t ä t s w e r k e einen g e r i n g e r e n A n t e i l
i h r e r Einkünfte auf Forschung verwandt a l s d i e meisten anderen t e c h n o l o g i e abhängigen I n d u s t r i e z w e i g e . Dies i s t zum T e i l auf d i e zögernde Haltung mancher
e i n z e l s t a a t l i c h e r Kommissionen für d i e V e r s o r g u n g s b e t r i e b e

zurückzuführen,

e r h ö h t e Aufwendungen für Forschung und Entwicklung i n den Grundgebühren zu

-

27 -

�zu berücksichtigen. Die Bundesenergie-Kommission erließ kürzlich eine Bundesvorschrift, derzufolge es zulässig ist, die Aufwendungen für Forschung und
Entwicklung über die Gebühren wieder hereinzuholen. Die für die einzelnen
Bundesstaaten zuständigen Behörden sind in ihren Anordnungen der Bundesenergiekommission

gefolgt und zeigen gegenwärtig in ihrer Behandlung der

Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, die in Übereinstimmung mit unserem
veränderten Bedarf an Energie auf nationaler Ebene anfallen, mehr Großzügigkeit.
Ich hoffe, daß dieser Trend bestehen bleibt, und ersuche alle einzelstaatlichen Kommissionen für die Versorgungsbetriebe dringend um eine Überprüfung ihrer Vorschriften in bezug auf Forschungs- und Entwicklungsaufwendungen, um sicherzustellen, daß sich die Stromversorgungsunternehmen in
der Energieforschung und -entwicklung uneingeschränkt an nationalen Anstrengungen beteiligen können.
Es ist töricht und bedeutet nur einen Schnitt ins eigene Fleisch, Mittel
schneller zuzuteilen, als sie wirksam verwendet werden können. Gleichzeitig
müssen wir unseren Fortschritt und unseren Bedarf sorgfältig überprüfen,
um eine ausreichende Verfügbarkeit von Mitteln zu gewährleisten. Wenn dringend zusätzliche Gelder gebraucht werden, werde ich alles in meiner Macht
stehende tun, daß diese auch bereitgestellt werden.

Internationale Zusammenarbeit
Mit Energieproblemen sieht sich jede Nation konfrontiert. Und wo es
eine solche Interessengemeinschaft gibt, existiert auch der Anlaß für gemeinsames Handeln sowie die dafür erforderliche Basis.
Die Vereinigten Staaten sind heute Partner einer Anzahl gemeinschaftlicher Anstrengungen. Wir haben uns den 22 Mitgliedstaaten der Organisation
für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) angeschlossen, um
einen umfassenden Bericht über die Probleme auf weite Sicht auszuarbeiten
und zu einer Übereinkunft über die Zuteilung von Öl in Zeiten akuter Verknappung zu gelangen. Die Europäische Gemeinschaft hat die Notwendigkeit
gemeinsamer Anstrengungen bereits erörtert und bereitet Empfehlungen für

- 28 -

�für e i n e E n e r g i e p o l i t i k der Gemeinschaft vor. Wir haben den Wunsch zum Ausdruck g e b r a c h t , i n d i e s e n Bemühungen mit i h r zusammenzuarbeiten.
Wir haben des w e i t e r e n mit der Sowjetunion gemeinsame Forschungen auf
dem Gebiet der

Magnetohydrodynamik (MHD) v e r e i n b a r t , e i n e s Verfahrens z u r

Stromerzeugung mit s e h r hohem N u t z e f f e k t ,

und w i r tauschen

Informationen

über Kernfusion, K e r n s p a l t u n g , Stromerzeugung, S t r o m t r a n s p o r t und Umweltschutz a u s . Diese Anstrengungen s o l l t e n e i n Modell für gemeinsame Forschungsanstrengungen mit anderen Ländern s e i n . Außerdem s o n d i e r e n amerikanische
Firmen d i e Möglichkeiten, d i e für gemeinsame P r o j e k t e mit der Sowjetunion
b e i der E r s c h l i e ß u n g von n a t ü r l i c h e n H i l f s g u e l l e n zum V o r t e i l b e i d e r Nationen bestehen.
Ich habe f e r n e r das US-Außenministerium dahingehend i n s t r u i e r t , i n k o o r d i n i e r t e m Vorgehen

mit der Atomenergie-Kommission, anderen z u s t ä n d i g e n Re-

gierungsbehörden und dem Kongreß so s c h n e l l wie möglich e i n Programm i n t e r n a t i o n a l e r Zusammenarbeit i n Forschung und Entwicklung für neue Formen von
Energie und zur Entwicklung i n t e r n a t i o n a l e r Verfahrensweisen b e i der Behandlung von Energiefragen i n Z e i t e n k r i t i s c h e r V e r s o r g u n g s s c h w i e r i g k e i t e n

auf-

zustellen.
Meines Erachtens ergeben s i c h aus den Energieproblemen bedeutende Mögl i c h k e i t e n für d i e N a t i o n , auf dem Wege über f r i e d l i c h e Zusammenarbeit l e b e n s w i c h t i g e Z i e l e zu v e r f o l g e n . Keine Gelegenheit s o l l t e versäumt werden, um das
Bauwerk des F r i e d e n s , das w i r i n der Welt e r r i c h t e n w o l l e n , zu s t ä r k e n . Und
nur wenige Fragen und Probleme geben uns e i n e so gute Gelegenheit an d i e Hand,
zu d e m o n s t r i e r e n , daß durch gemeinsame Zusammenarbeit für unsere n a t i o n a l e n
I n t e r e s s e n mehr zu gewinnen i s t a l s durch z e r s t ö r e r i s c h e Konkurrenz oder g e fährliche

Konfrontation.

Bundesenergieorganisation
Wenn wir der Herausforderung, d i e d i e E n e r g i e f r a g e s t e l l t ,

gerecht

werden s o l l e n , muß d i e gegenwärtige f r a g m e n t a r i s c h e O r g a n i s a t i o n der e n e r g i e bezogenen A k t i v i t ä t e n i n der Exekutive r e f o r m i e r t werden.
Im
- 29 -

�Im J a h r 1971 u n t e r b r e i t e t e i c h e i n e G e s e t z e s v o r l ä g e , um d i e E n e r g i e f r a g e n
b e t r e f f e n d e n A k t i v i t ä t e n der Bundesbehörden i n einem neu zu schaffenden Min i s t e r i u m für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n zusammenzufassen. Der 92. Kongreß h a t
i n bezug auf d i e s e n Vorschlag k e i n e Entscheidungen g e t r o f f e n .

Inzwischen habe

i c h d i e neue P o s i t i o n e i n e s P r ä s i d i a l b e r ä t e r s für n a t ü r l i c h e H i l f s q u e l l e n g e schaffen,

der d i e Koordinierungsbestrebungen auf dem Gebiet der n a t ü r l i c h e n

Hilfsquellen

unterstützt.

Auf dem Wege der P r ä s i d i a l V e r o r d n u n g t r e f f e i c h heute s p e z i e l l e Maßnahmen,
um auf Bundesebene d i e o r g a n i s a t o r i s c h e n Voraussetzungen für A k t i v i t ä t e n auf
dem E n e r g i e s e k t o r zu v e r b e s s e r n .
Ich habe den US-Innenminister angewiesen, d i e S t r u k t u r s e i n e r Behörde
auf dem E n e r g i e s e k t o r auf v e r s c h i e d e n e Weise zu s t ä r k e n :
- Die Verantwortungsbereiche des neuen U n t e r s t a a t s s e k r e t ä r s für Energie
und Mineralien werden so e r w e i t e r t , daß a l l e auf den S e k t o r Energie e n t f a l l e n d e n T ä t i g k e i t e n des Ministeriums einbezogen werden;
- das Ministerium w i r d d i e Voraussetzungen dafür s c h a f f e n ,

daß Unterlagen

über Energie gesammelt und a n a l y s i e r t werden;
- e i n e neu zu schaffende Behörde für E n e r g i e w i r t s c h a f t h a t d i e Aufgabe,
nach M i t t e l n und Wegen zu suchen, um den E n e r g i e b e d a r f zu r e d u z i e r e n ;
- das Innenministerium h a t außerdem s e i n e Möglichkeiten g e s t r a f f t ,

die

Energieforschung und - e n t w i c k l u n g auf b r e i t e r e r Basis zu überwachen und zu
koordinieren.
Durch P r ä s i d i a l e r l a ß habe i c h das US-Finanzministerium e r m ä c h t i g t , dem
Ausschuß für Ö l p o l i t i k Weisung zu e r t e i l e n . Dieses Kommittee k o o r d i n i e r t das
Erdölimportprogramm und l e g t mir Empfehlungen i n bezug auf Änderungen d i e s e s
Programms vor. Der s t e l l v e r t r e t e n d e F i n a n z m i n i s t e r wurde zum Vorsitzenden
d i e s e s Ausschusses bestimmt.
Durch einen zweiten P r ä s i d i a l e r l a ß , der h e u t e i n Kraft t r i t t , s t ä r k e i c h
die Möglichkeiten des P r ä s i d i a l a m t e s , auch Fragen der E n e r g i e p o l i t i k auf
h ö c h s t e r Ebene behandeln zu können, indem e i n Sonderausschuß Energie e i n g e s e t z t w i r d , dem d r e i meiner w i c h t i g s t e n B e r a t e r angehören. Außerdem b e s t ä t i g t
der E r l a ß noch einmal d i e Ernennung e i n e s S o n d e r b e r a t e r s , der einem Stab
-

30 -

�Stab von Energieexperten im Präsidialamt vorsteht.
Darüber hinaus wird im Amt für Haushaltfragen eine neue Abteilung
für Energie und Wissenschaft eingerichtet.
So hilfreich diese Maßnahmen der Exekutive auch sein mögen, ist doch mehr
grundlegende Umorganisation erforderlich. Um dieser Notwendigkeit nachzukommen, werde ich einen Gesetzesvorschlag
für Energie und natürliche

zur Schaffung eines Ministeriums

Hilfsquellen (Department, of Energy and Natural

Resources - DENR) unter Bezugnahme auf den im Jahr 1971 unterbreiteten Gesetzesvorschlag einbringen, wobei jetzt noch mehr Gewicht auf Energieprogramme gelegt wird.
Dieses neue Ministerium wäre für das gesamte Spektrum der nationalen
Energiefragen zuständig. Es wäre federführend bei der Durchführung der nationalen Energ:epolitik, wie sie in dieser Botschaft im einzelnen umrissen
ist.

Schlußfolgerung
Die Nationen bestehen nur dann, wenn sie Herausforderungen zu begegnen
vermögen und neue Wege beschreiten können, sobald die Umstände und die Möglichkeiten Änderungen erfordern.
Als die ersten Siedler nach Amerika kamen, fanden sie ein Land mit ungeahnten Naturschätzen vor, und dies wurde zum Grundstein für die wohlhabendste
Nation der Welt. In dem Maße, in dem wir bei der Bevölkerungszahl, Prosperität,
Industriekapazität, kurzum auf allen jenen Gebieten Wachstum verzeichneten,
die ein Spiegelbild des steten Aufwärtstrends im amerikanischen Lebensstandard sind, nahm auch die Inanspruchnahme unserer natürlichen Hilfsquellen zu.
Heute sind die Energierohstoffe, die unserem nationalen Wachstum so
viele Impulse gegeben haben, nicht genügend erschlossen, um der ständig weiter
wachsenden Inanspruchnahme,der sie ausgesetzt sind, gerecht zu werden. Es ist
an der Zeit, andere Wege zu gehen, um diesem Erfordernis nachzukommen. Die
Herausforderung, der wir uns gegenübersehen, bedeutet für uns eine der größten
Chancen der Gegenwart - die Chance, eine noch stärkere einheimische Wirtschaft,

- 31 -

�Wirtschaft, eine sauberere Umwelt und ein besseres Leben für unser ganzes
Volk zu schaffen.
Die Vorschläge, die ich hiermit unterbreite, und die Maßnahmen, die ich
ergreifen werde, können uns das Rüstzeug an die Hand geben, diese wichtige
Aufgabe zu erfüllen.
Es ist dringend notwendig,zu handeln. Ich hoffe, daß der Kongreß schnell
über die Vorschläge entscheidet, die ich vorlege. Letzten Endes liegt aber
die Verantwortung nicht nur beim Kongreß oder

bei der Regierung. Sie liegt

bei uns allen - sei es Regierung, Industrie oder jeder einzelne Bürger.
Wann immer wir mit großen nationalen Herausforderungen konfrontiert
wurden, tat das amerikanische Volk seine Pflicht. Ich vertraue darauf, daß
dies auch jetzt geschieht.

Richard Nixon

Weißes Haus,
18. April 1973

- 32

�• a m e r i k a dienst
United
53

States

Bonn-Bad

Tel:

I n f o r m a t i o n

G o d e s b e r g l ,

89-3240

Postfach

Telex:

Dokumentation

Service
300

08-85432

17/1973

DAS JAHR EUROPAS
Von Henry Kissinger

NEW YORK - (AD) - Der Berater Präsident
Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, hat am 23.
April 1973 in einer Rede auf dem Jahresessen der amerikanischen Nachrichtenagentur Associated Press in New York
programmatische Aussagen über die
Europa-Politik der Vereinigten Staaten
gemacht. Die vom Weißen Haus veröffentlichte Rede hat folgenden Wortlaut:
Wenn dieses Jahr als das Jahr Europas bezeichnet worden ist, so nicht
deshalb, weil Europa im Jahre 1972 oder 1969 weniger wichtig gewesen wäre.
Eine neue Ära
Das Jahr 1973 ist das Jahr Europas, weil die Ära, die durch die
Entscheidungen einer Generation zuvor gestaltet wurde, zu Ende geht. Der
Erfolg jener Politik hat neue Realitäten geschaffen, die neue Methoden
erfordern:
- Die Wiedererstarkung Westeuropas ist genauso

ein definitives

Faktum, wie es der historische Erfolg der europäischen Bewegung zur
wirtschaftlichen Vereinigung ist.
- Das
- 1-

�- Das strategische militärische Kräfteverhältnis zwischen Ost und
West hat sich von einem amerikanischen Übergewicht fast bis zur Stufe der
Gleichheit hin verschoben, womit sich die Notwendigkeit eines neuen Verständnisses der Erfordernisse unserer gemeinsamen Sicherheit ergibt.
- Andere Gebiete in der Welt haben an Bedeutung gewonnen. Japan
ist zu einem wichtigen Machtzentrum geworden. In vielen Fällen müssen
"atlantische" Lösungen, wenn sie Bestand haben sollen, heute auch Japan
miteinbeziehen.
- Wir befinden uns in einer Periode des Nachlassens der Spannungen.
Aber zugleich mit dem Verschwinden der starren Abgrenzungen der letzten
zwei Jahrzehnte, treten neue Ansprüche der nationalen Identität auf und
bilden sich Rivalitäten zwischen den Nationen.
- Es haben sich Probleme ergeben, mit denen man eine Gercration
zuvor überhaupt nicht rechnete - die neue Formen kooperativen Handelns
erfordern. Ein Beispiel dafür ist die Energieversorgung der Industriestaaten.
Diese Faktoren haben zu einer dramatischen Veränderung des psychologischen Klimas im Westen geführt - eine Wandlung, die für die westlichen
Staatsmänner derzeit die größte Aufgabe und Herausforderung darstellt.
Eine neue Generation in Europa, die den Krieg und seine Erschütterungen nicht
mehr aus persönlicher Erfahrung kennt, nimmt die Stabilität als etwas
selbstverständliches. Dagegen fühlt sie sich weniger verpflichtet gegenüber
der Einheit, die den Frieden möglich machte, und gegenüber den Anstrengungen,
die zu seiner Erhaltung notwendig sind. In den Vereinigten Staaten haben
die Jahrzehnte, in denen man Lasten globalen Ausmaßes trug, eine Abneigung
entstehen lassen - die durch die Frustrationen des Kriegs in Südostasien
noch verstärkt wurde - globale Engagements auf der Basis einer überwiegenden
amerikanischen Verantwortung beizubehalten.
Diese Periode des Übergangs muß zwangsläufig Schwierigkeiten mitsichbringen. So hat man sich in Amerika beschwert, daß Europa seine weitergesteckten Aufgaben und Verantwortungen ignoriere, indem es gar zu einseitig seinem wirtschaftlichen Eigeninteresse nachgeht, und daß es nicht

- 2-

�nicht seinen fairen Anteil an der Last der gemeinsamen Verteidigung
übernähme. In Europa hat man sich beschwert, daß Amerika darauf aus
sei, Europa wirtschaftlich zu spalten oder Europa militärisch im
Stich zu lassen oder es in diplomatischer Hinsicht zu übergeben.
Die uns gestellte Aufgabe lautet: Kann eine aus der gemeinsamen
Erkenntnis der Gefahr zusammengeschmiedete Einheit aus gemeinschaftlichen positiven Bestrebungen und Wünschen eine neue Zielsetzung erlangen?
In den vierziger und fünfziger Jahren bestand die Aufgabe in
dem wirtschaftlichen Wiederaufbau und in der Sicherung gegen die Gefahren eines Angriffs. Der Westen reagierte mit Mut und Einfallsreichtum. Heute besteht die Notwendigkeit darin, aus dem atlantischen
Verhältnis eine möglichst dynamische Kraft für den Aufbau einer neuen
Struktur des Friedens zu machen, einer Struktur, die weniger auf Krisen
abgestellt und sich dafür ihrer Chancen bewußter ist, die ihre Inf
spiration mehr aus ihren Zielen als aus ihren Ängsten gewinnt.
Das ist der Grund, warum der Präsident es unternimmt, sich persönlich

und direkt an die führenden Männer Westeuropas zu wenden. Das

Ziel des Präsidenten ist es, in seinen Gesprächen mit den Regierungschefs Großbritanniens, Italiens, der Bundesrepublik Deutschland und
Frankreichs sowie mit dem Generalsekretär der NATO und anderen führenden
Persönlichkeiten in Europa die Grundlage für eine neue Ära schöpferischer
Gestaltung im Westen zu legen.
Er wird dabei davon ausgehen, die atlantischen Probleme in umfassender Weise zu behandeln. Die politischen, militärischen und wirtschaftlichen Probleme in den atlantischen Beziehungen sind durch die
Realität miteinander verkoppelt, nicht weil wir das wollten oder zu dem
taktischen Zweck, das eine Problem gegen das andere auszuspielen.
Im Jahre 1972 hat der Präsident die Beziehungen zu unseren Gegnern
so umgestaltet, daß die Lasten der Furcht und des Mißtrauens leichter
wurden.
Im
- 3 -

�Im Jahr 1973 können wir zu dem gleichen Gefühl einer historischen
Leistung kommen, wenn wir die Ideale, die wir mit unseren Freunden
teilen, und die gemeinsamen Zielsetzungen mit neuer Kraft beleben.
Die Vereinigten Staaten schlagen ihren atlantischen Partnern
vor, daß wir bis zu der Zeit, da der Präsident gegen Ende des Jahres
nach Europa reist, eine neue Atlantik-Charta ausgearbeitet haben, die
die Ziele für die Zukunft setzt - einen Plan:
- der auf der Vergangenheit aufbaut, ohne zu ihrem Gefangenen
zu werden;
- der sich mit den Problemen befaßt, die durch unseren Erfolg entstanden sind;
- der ein neues Verhältnis zwischen den atlantischen Nationen
schaftt, an dessen Fortschritt auch Japan teilhaben kann.
Wir bitten unsere Freunde in Europa, Kanada und schließlich auch
in Japan, sich uns in diesem Bemühen anzuschließen.
Das ist es, was wir mit dem Jahr Europas meinen.
Probleme der atlantischen Beziehungen
In den atlantischen Beziehungen gibt es echte Probleme. Sie sind
zu einem Teil entstanden, weil die atlantische Gemeinschaft sich in den
fünfziger und sechziger Jahren in den vielen verschiedenen Dimensionen
ihres gemeinsamen Unterfangens in unterschiedlicher Weise organisiert
hat.
- In den Wirtschaftsbeziehungen hat die Europäische Gemeinschaft
in immer stärkerem Maße ihre regionale Wesensart betont; die Vereinigten Staaten hingegen müssen als Teil eines umfassenderen internationalen Handels- und Währungssystem handeln und für es verantwortlich sein.
- In unserer gemeinsamen Verteidigung sind wir immer noch nach dem
Grundsatz der Einheit und Integration organisiert, aber unter radikal

�radikal anderen strategischen Bedingungen.
- Die Diplomatie ist Gegenstand häufiger Konsultationen, im
Wesentlichen wird sie jedoch von traditionellen Nationalstaaten betrieben. Die Vereinigten Staaten haben globale Interessen und Verantwortungen. Unsere europäischen Verbündeten haben regionale Interessen. Diese widersprechen einander nicht notwendigerweise, aber
in der neuen Äara sind sie auch nicht automatisch identisch.
Kurz gesagt, in der Verteidigung verkehren wir miteinander regional
und sogar als Konkurrenten auf einer integrierten Basis und in der
Diplomatie als Nationalstaaten. Wenn die verschiedenen kollektiven
Institutionen rudimentärer Natur wären, dann wäre der potentielle Widerspruch in ihrem Arbeitsmodus kein Problem. Aber nach einer Generation
der Entwicklung und angesichts des neuen Gewichts und der Stärke unserer
Verbündeten harmonieren die verschiedenen Teile der Gesamtkonstruktion
nicht immer miteinander und manchmal behindern sie sich sogar gegenseitig.
Die atlantischen Nationen müssen eine Lösung für die Bewältigung
ihrer Vielfalt finden. Wir können es uns nicht mehr leisten, nationale
oder regionale Selbstinteressen ohne einen einigenden Rahmen zu verfolgen. Wir können nicht zusammenhalten, wenn jedes Land oder jedes
Gebiet seine Autonomie behauptet, wann immer es zu seinem Nutzen ist,
und auf Einigkeit besteht, wenn es darum geht, die Unabhängigkeit
anderer zu beschneiden.
Wir müssen ein neues Verhältnis zwischen dem Eigeninteresse und
dem gemeinsamen Interesse herstellen. Wir müssen über das Gebiet
der Sicherheit hinaus Interessen und positive Werte finden, um erneut
Völker und Parlamente mitzureissen.

Die

- 5-

�DIE TAGESORDNUNG FÜR DIE ZUKUNFT
Wirtschaft
Kein Element der amerikanischen Nachkriegspolitik war beständiger
als unsere Unterstützung der europäischen Einheit. Wir haben sie bei
jeder Gelegenheit gefördert. Wir wußten, daß ein vereintes Europa ein
unabhängigerer Partner sein würde. Aber wir nahmen an - vielleicht allzu unkritisch -, daß unsere gemeinsamen Interessen durch die langen
Jahre der Zusammenarbeit sichergestellt seien. Wir rechneten damit,
daß der wirtschaftlichen Integration die politische Einheit folgen
würde, und daß ein vereinigtes Europa, das mit uns in einer atlantischen
Partnerschaft kooperativ zusammenarbeitete, viele unserer internationalen
Lasten erleichtern würde.
Es liegt auf der Hand, daß sich viele dieser Erwartungen nicht
erfüllten.
Wir und Europa haben aus der europäischen wirtschaftlichen Integration Nutzen gezogen. Ein vermehrter Handel innerhalb Europas hat
das Wachstum der europäischen Volkswirtschaften sowie die Expansion des
Handels in beiden Richtungen über den Atlantik hinweg gefördert.
Wir können jedoch die Tatsache nicht übersehen, daß der wirtschaftliche Erfolg Europas und seine Verwandlung von einem Empfänger
unserer Hilfe zu einem starken Konkurrenten gewisse Reibungen erzeugt
hat. Es hat in den internationalen Währungsbeziehungen Störungen sowie
gewisse Rivalitäten gegeben.
Auf dem Gebiet des Handels hat das natürliche wirtschaftliche
Gewicht eines 250 Millionen Menschen umfassenden Gebietes andere
Staaten dazu veranlaßt, besondere Vorkehrungen anzustreben, um ihren
Zugang zu diesem Markt zu schützen. Das Aufkommen eines geschlossenen
Handelssystems, das die Europäische

Gemeinschaft sowie eine ständig

wachsende Zahl anderer Länder in Europa, im Mittelmeerraum und in Afrika
umfaßt, scheint zu Lasten der Vereinigten Staaten und anderer Länder

�Länder zu gehen, die hiervon ausgeschlossen sind. Im Hinblick auf die
Landwirtschaft, wo die Vereinigten Staaten Wettbewerbsvorteile haben,
sind wir besonders darüber besorgt, daß die Schutzpolitik der Gemeinschaft den Zugang unserer Erzeugnisse behindern könnte.
Diese Divergenz tritt zu einem Zeitpunkt auf, da wir ein chronisches
und wachsendes Defizit in unserer Zahlungsbilanz sowie einen protektionistischen Druck von innen zu verzeichnen haben.
Dem allmählichen Anwachsen manchmal unbedeutender, manchmal wesentlicher Dispute muß ein Ende gesetzt werden; an seine Stelle muß die entschlossene Verpflichtung auf beiden Seiten des Atlantik treten, nach
kooperativen Lösungen zu suchen.
Die Vereinigten Staaten werden weiterhin die Vereinigung Europas
unterstützen. Wir haben nicht die Absicht, das zu zerstören, an dessen
Zustandekommen wir so nachdrücklich mitgewirkt haben. Für uns ist die
europäische Einheit, was sie immer gewesen ist: nicht Selbstzweck, sondern
ein Mittel zur Stärkung des Westens. Wir werden weiterhin die europäische
Einheit als Komponente einer grösseren atlantischen Partnerschaft unterstützen.
In diesem Jahr beginnen wir umfassende Handelsverhandlungen mit
Europa und mit Japan. Wir werden ebenso auch in Zukunft auf eine Reform
des Währungssystems drängen, damit es die Stabilität fördert, statt
ständige Störungen hervorzurufen. Auf dem Gebiet des Handels und in den
Währungsbeziehungen muß ein neues Gleichgewicht hergestellt werden.
Wir sehen in diesen Verhandlungen eine historische Chance für
positive Leistungen. In diese Verhandlungen müssen sich die höchsten
Politiker einschalten, denn sie erfordern vor allem anderen den Einsatz
des politischen Willens. Wenn sie nur den Experten überlassen bleiben
würden, dann würde das unvermeidliche Konkurrenzdenken wirtschaftlicher
Interessen die Debatte beherrschen. Der Einfluß von Interessengruppen
und von Sonderinteressen würde sich durchsetzen. Es gäbe keine übergeordnete Zielsetzung.
Die
- 7-

�I

Die Vereinigten Staaten werden sich eine weitgefaßte politische
Einstellung zu eigen machen, die unserem richtungweisenden politischen
Interesse an einer offenen und ausgewogenen Handelsordnung sowohl mit
Europa als auch mit Japan gerecht wird. Dies ist der Geist des Handelsgesetzes des Präsidenten und seiner Rede vor dem Internationalen Währungsfond im vorigen Jahr. Er wird unsere Strategie bei den Handels- und
Währungsgesprächen bestimmen. Wir sehen diese Verhandlungen nicht als
einen Test der Stärke an, sondern als einen Test der gemeinsamen staatspolitischen Klugheit.

Verteidigung
Die atlantische Einheit ergab sich immer am natürlichsten auf
dem Gebiete der Verteidigung. Über lange Jahre hinweg waren die militärischen Bedrohungen für Europa ganz eindeutig;über die Notwendigkeit,
ihnen zu begegnen, war man sich auf beiden Seiten des Atlantik allgemein
einig; und die Verantwortung Amerikas war vorrangig und stand außer Frage.
Heute sind wir uns weiterhin über das Ziel der kollektiven Verteidigung
einig, aber wir sehen uns der neuen großen Aufgabe gegenüber, sie unter
radikal veränderten strategischen Bedingungen und mit der neuen Chance
aufrechtzuerhalten, unsere Sicherheit durch ausgehandelte Truppenreduzierungen zu fördern.
Der Westen hat nicht mehr das nukleare Übergewicht, das es ihm
in den fünfziger und sechziger Jahren gestattete, sich fast ausschließlich auf

iine massive nukleare Vergeltung zu verlassen. Weil eine solche

Strategie unter Bedingungen des nuklearen Gleichgewichts zum gegenseitigen Selbstmord geradezu einlädt, muß das Bündnis andere Möglichkeiten
haben. Die kollektive Fähigkeit, einem Angriff in Westeuropa mit Hilfe
der Strategie der flexiblen Antwort zu widerstehen, steht im Mittelpunkt
einer rationalen Strategie und ist von entscheidender Bedeutung für die
Wahrung des Friedens. Aus diesem Grunde haben die Vereinigten Staaten beträchtliche konventionelle Streitkräfte in Europa aufrechterhalten, und

- 8-

�I

und unsere NATO-Verbündeten haben die wichtige Anstrengung unternommen,
ihre eigenen militärischen Einrichtungen zu modernisieren und zu verbessern.
Die Erfordernisse der Flexibilität sind kompliziert und kostspielig.
Flexibilität erfordert ihrer Natur nach eine gewisse Empfindsamkeit für
neue Bedingungen und eine kontinuierliche Konsultation unter den Verbündeten, um die richtige Antwort auf sich ändernde Verhältnisse zu
finden. Und wir müssen der Verteidigungsposition, die durch unsere
Strategie festgelegt wird, Substanz verleihen. Die Strategie der flexiblen Antwort darf nicht nur ein Schlagwort für eine Verteidigungsstruktur sein, die auf dem aus innenpolitischen Erwägungen hervorgegangenen Kompromiß auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner errichtet ist.
Wir und unsere potentiellen Gegner müssen sie vielmehr als eine glaubwürdige, substantielle und rationale Position der Verteidigung sehen.
Um das militärische Gleichgewicht zu wahren, das die Stabilität
in Europa 25 Jahre lang gewährleistet hat, hat das Bündnis keine andere
Wahl, als diesen Notwendigkeiten gerecht zu werden und ein Übereinkommen über unsere Verteidigungsbelange zu erreichen. Diese Aufgabe ist um
so schwieriger, als das Nachlassen der Spannungen den Argumenten, daß
man ruhig mit einer einseitigen Reduzierung der Truppen beginnen könne,
neuen Auftrieb gegeben hat„ Und eine ungezügelte wirtschaftliche
Konkurrenz kann die Impulse für eine gemeinsame Verteidigung entscheidend schwächen. Alle Regierungen des westlichen Bündnisses sehen
sich der großen Aufgabe gegenüber, ihren Völkern die Realitäten der
Sicherheit in den siebziger Jahren vor Augen zu führen.
Der Präsident hat mich ersucht, zu erklären, daß Amerika sich
weiterhin verpflichtet fühlt, seinen fairen Anteil an der atlantischen
Verteidigung zu tragen. Er widersetzt sich mit allem Nachdruck einem
einseitigen Abzug amerikanischer Truppen aus Europa. Aber wir sind
unseren Völkern eine vernünftige Verteidigungsposition schuldig, und
zwar auf dem sichersten Minimalumfang und zu den sichersten Minimalkosten unter gerechter Aufteilung der Lasten. Das muß nach Ansicht des

- 9-

�des Präsidenten aus dem Dialog mit unseren Verbündeten im Jahre 1973
herauskommen.
Wenn dies erreicht ist, werden die notwendigen amerikanischen
Truppen in Europa aufrechterhalten bleiben, nicht lediglich als Pfand
für den tatsächlichen Einsatz unserer Nuklearwaffen, sondern als ein
wesentlicher Beitrag zu einer vereinbarten und eindeutigen Struktur
der westlichen Verteidigung. Dies wird uns auch in den Stand setzen,
unsere Gegner sinnvoll in Verhandlungen über beiderseitige, ausgewogene Reduzierungen zu verwickeln.
In den nächsten Wochen werden die Vereinigten Staaten der NATO
das Ergebnis unserer eigenen Vorbereitungen für die Verhandlungen über
beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen unterbreiten, die in
diesem Jahr beginnen werden. Wir hoffen, daß dies ein Beitrag für einen
wnitergefaßten Dialog über Sicherheit sein wird. Unsere Haltung wird
nicht vom Standpunkt spezifischer amerikanischer Interessen, sondern von
den allgemeinen Interessen des Bündnisses bestimmt. Unsere Position wird
die Ansicht des Präsidenten widerspiegeln, daß diese Verhandlungen
kein Vorwand sind, amerikanische Truppen ungeachtet der Konsequenzen
abzuziehen. Keine Formel für einen Abzug - welchen innenpolitischen
Anreiz oder welche politisch logische Grundlage sie auch haben mag -,
ist zu verteidigen9wenn sie die Sicherheit unterminiert.
Unser Ziel in dem Verteidigungsdialog ist ein neuer Konsens über
die Sicherheit, der auf die neuen Verhältnisse und die hoffentlich neuen
Möglichkeiten effektiver Rüstungsbegrenzungen abgestellt ist.
Diplomatie
Wir sind in eine wahrhaft bemerkenswerte Periode der Ost-WestDiplomatie eingetreten. Die beiden letzten Jahre haben ein Abkommen über
Berlin, einen Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der
UdSSR, ein SALT-Abkommen, den Beginn von Verhandlungen über eine Europäische Sicherheitskonferenz und über beiderseitige, ausgewogene Truppenreduzierungen sowie eine ganze Reihe bedeutsamer praktischer bilateraler

- 10 -

�t

i

bilateraler Abkommen zwischen westlichen und östlichen Ländern
gebracht, darunter eine dramatische Änderung in den bilateralen Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der UdSSR. Dies waren
keine isolierten Schritte, sondern Schritte auf einem bereits 1969
abgesteckten Weg, und sie wurden als kollektive Anstrengung unternommen. Unsere Haltung zur Frage der Entspannung unterstrich, daß Verhandlungen konkret und nicht nur die Atmosphäre verbessernd sein
müßten und daß Konzessionen auf der Basis der Gegenseitigkeit erfolgen müßten. Wir beabsichtigen, die Politik der Entspannung auf
dieser Basis weiterzuverfolgen.
Doch gerade dieser Erfolg hat seine eigenen Probleme geschaffen.
Es besteht ein wachsendes Unbehagen, daß die Interessen unserer
traditionellen Verbündeten und anderer Freunde der Diplomatie der
Supermächte geopfert werden könnten. Einige unserer Freunde in Europa
schienen einfach nicht bereit zu sein, Amerika das gleiche Vertrauen
in seine Motive entgegenzubringen, das wir ihnen entgegengebracht
haben, oder uns die gleiche taktische Flexibilität zuzugestehen, die
sie bei der Verfolgung ihrer eigenen Politik anwandten.
All dies unterstreicht die Notwendigkeit, zusammen mit unseren
Verbündeten eine klare Serie gemeinsamer Ziele zu artikulieren. Wenn
dies einmal erfolgt ist, dann wird es für die verschiedenen Verbündeten
durchaus möglich, ja sogar wünschenswert sein, diese Ziele mit beträchtlicher taktischer Flexibilität zu verfolgen.
Wir brauchen nicht in allen

politischen Einzelheiten übereinzu-

stimmen. In vielen Teilen der Welt, insbesondere außerhalb Europas,
werden unsere Methoden und Einstellungen unterschiedlich sein. Unbedingt erforderlich ist jedoch eine Verständigung darüber, was gemeinsam
getan werden sollte und welche Grenzen dem Ausmaß unserer Autonomie gesetzt werden sollten.
Wir haben nicht die Absicht, auf Kosten unserer Freunde eine
illusorische Ruhe zu erkaufen. Die Vereinigten Staaten werden niemals
wissentlich die Interessen anderer opfern. Aber die Einsicht gemeinsamer
- 11 -

�gemeinsamer Interessen erfolgt nicht automatisch; sie erfordert
eine ständige Neudefinition. Der Abbau der Spannungen, zu dem wir
uns verpflichtet haben, macht den Zusammenhalt der Verbündeten unerläßlich, doch auch schwieriger. Wir müssen sicherstellen, daß der
Schwung der Entspannung durch gemeinsame Zielsetzungen aufrechterhalten bleibt und nicht durch ein Treibenlassen, durch Weltflucht oder
durch Selbstgefälligkeit.
Der Beitrag Amerikas
Die Tagesordnung, die ich hier dargelegt habe, ist keine ameri»
kanische Verordnung, sondern ein Appell zu einem gemeinsamen schöpferischen Bemühen. Diese Generation hat die historische Chance, ein
neues Gebäude der internationalen Beziehungen für die vor uns liegenden
Jahrzehnte zu errichten. Dafür ist eine wiedererstarkte atlantische
Partnerschaft unerläßlich.
Die Vereinigten Staaten sind bereit, ihren Beitrag zu leisten:
- Wir werden weiterhin die europäische Einheit unterstützen.
Auf der Grundlage der Prinzipien der Partnerschaft werden wir Konzessionen für ihr weiteres Wachstum machen. Wir erwarten, daß man uns
in einem Geist der Gegenseitigkeit entgegenkommt.
- Wir werden nicht von unseren feierlichen Verpflichtungen gegenüber unseren Verbündeten zurücktreten. Wir werden unsere Streitkräfte
aufrechterhalten und uns nicht einseitig aus Europa zurückziehen.
Andererseits erwarten wir von jedem Verbündeten einen fairen Anteil an
dem gemeinsamen Bemühen um die gemeinsame Verteidigung.
- Wir werden den Abbau der Spannungen gegenüber unseren Gegnern
auf der Grundlage konkreter Verhandlungen im gemeinsamen Interesse
weiter betreiben. Wir begrüßen die Beteiligung unserer Freunde an einem
konstruktiven Ost-West-Dialog.
- Wir werden niemals bewußt die Interessen unserer Freunde in
Europa und in Asien verletzen. Andererseits erwarten wir, daß ihre
Politik unsere Interessen und unsere Verantwortung ernst nimmt.

- 12 -

.

�- Wir sind bereit, an der Lösung neuer gemeinsamer Probleme, denen
wir gegenüberstehen, kooperativ mitzuwirken. So wirft beispielsweise das
Problem der Energie den schwierigen Fragenkomplex der Sicherstellung der
Versorgung, der Auswirkung der Öleinkommen auf die internationale
Währungsstabilität, der Natur der gemeinsamen politischen und strategischen Interessen und der langfristigen Beziehungen zwischen den
Öl verbrauchenden und den Öl erzeugenden Ländern auf. Dies könnte eine
Ära der Konkurrenz sein; es sollte eine Ära der Zusammenarbeit sein.
- Genauso wie die Autonomie Europas kein Selbstzweck ist, so kann
die atlantische Gemeinschaft kein exklusiver Klub sein. Japan muß ein
Hauptpartner bei unserem gemeinsame Vorhaben sein.
Wir hoffen, daß unsere Freunde in Europa uns in diesem Geist entgegenkommen werden. Wir haben das Beispiel der großen Leistungen der
vergangenen Jahrzehnte vor Augen.- sowie die Möglichkeit; ihnen gleichzutun und sie noch zu übertreffen. Das ist die vor uns liegende Aufgabe.
Auf diec.2 Weise können die atlantischen Länder in den siebziger Jahren
wirklich ihren Völkern und der Sache des Friedens dienen.

+ + + + +

- 13 -

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17/1973

USA: ERNSTE VERLETZUNG DES VIETNAM-ABKOMMENS DURCH HANOI
- Wortlaut der amerikanischen Note vom 20. April 1973 -

WASHINGTON - (AD) - Die Vereinigten Staaten haben Nordvietnam der
ernsten Verletzung des Vietnam-Abkommens beschuldigt und darauf hingewiesen,
daß Hanoi seit dem Waffenstillstand vom 28. Januar über 30 OOO nordvietnamesiche Soldaten durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam eingeschleust
hat. Diese Feststellungen sind in einer Note vom 20. April enthalten, die
an die Teilnehmer der Internationalen Vietnamkonferenz gerichtet ist und am
24. April vom State Department veröffentlicht wurde. In der Note werden die
von Hanoi am 16. April erhobenen Vorwürfe und Behauptungen als "völlig grundlos" zurückgewiesen.

Die amerikanische Note hat folgenden Wortlaut:

1. Das Außenministerium der Vereinigten Staaten von Amerika entbietet
dem Außenministerium der Demokratischen Republik Vietnam seine Hochachtung
und gibt sich die Ehre, auf eine Note vom 16. April 1973 Bezug zu nehmen, die
von der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam an die Regierung der
Vereinigten Staaten und - wie angenommen wird - auch an die anderen Unterzeichner der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz übermittelt
worden ist.

2. In ihrer Note macht es sich die Regierung der Demokratischen Republik
Vietnam in ihrem Namen und gelegentlich auch im Namen der "provisorischen Re- 1 -

�Revolutionsregierung" zur Aufgabe, die Situation in Südvietnam zu beschreiben,
und erhebt Beschuldigungen gegen die Regierung der Vereinigten Staaten und
gegen die Regierung der Republik Vietnam.

3. Die Vereinigten Staaten weisen die Beschuldigungen der Demokratischen
Republik Vietnam als völlig grundlos zurück und erblicken in dieser Note einen
schlecht getarnten Versuch seitens der Demokratischen Republik Vietnam, die
Aufmerksamkeit von ihren eigenen zahlreichen und äußerst ernsten Verletzungen
des Waffenstillstandes abzulenken.
4. Im Gegensatz zu den in der Note angeführten Behauptungen ist es völlig
klar, daß das Haupthindernis für den Frieden in der militärischen Aktivität
besteht, die von der Demokratischen Republik Vietnam und von unter ihrer Kontrolle
stehenden Truppen in Südvietnam, Laos und Kambodscha in unentschuldbarer Übertretung des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung
des Friedens in Vietnam sowie des Abkommens über die Wiederherstellung des
Friedens und die Wiederaussöhnung in Laos durchgeführt wird.

5. Außerordentliche Sorge ruft die große Menge an militärischer Ausrüstung
hervor, die seit dem 28. Januar heimlich von Nordvietnam nach Südvietnam
transportiert worden ist, ohne daß man sich auch nur im geringsten bemüht, die
Artikel 7 und 20 des Friedensabkommens vom 27. Januar einzuhalten. Es liegen
überwältigende Beweise für den ständigen illegalen Transport von Ausrüstungen
und Nachschubgütern aus Nordvietnam nach oder durch Laos und Kambodscha und
nach Südvietnam vor, die von den gegen die legitimen Regierungen dieser Länder
opponierenden militärischen Streitkräften verwendet werden. Zu dem Nachschub,
der Vietnam erreichte, gehören über 400 Panzer und Panzerspähwagen, 300 Artillereigeschütze der verschiedensten Typen sowie große Mengen an Munition,
Fahrzeugen usw. Beispielsweise wurden in der Zeit vom Inkrafttreten des Waffenstillstandes bis zum 18. April 1973 mehr als 27 000 Tonnen an militärischem
Nachschub durch die entmilitarisierte Zone nach Südvietnam gebracht. Im gleichen
Zeitraum wurden über 26 000 Tonnen von Nordvietnam nach Loas transportiert.
Ebenfalls in diesem Zeitraum konnten mehr als 17 OOO Fahrten von militärischen
Lastkraftwagen von Nordvietnam nach Laos und mehr als 7000 durch die entmilita-

�e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone nach Südvietnam f e s t g e s t e l l t werden. Keinem der auf
Grund des Friedensabkommens e i n g e s e t z t e n Organe zur Wahrung des F r i e d e n s
wurde d i e Gelegenheit gegeben, d i e s e T r a n s p o r t e zu r e g i s t r i e r e n .
6. Ein Beweis für d i e A b s i c h t , an den Verletzungen des A r t i k e l s 20 des
Abkommens f e s t z u h a l t e n , s i n d d i e großen Anstrengungen, d i e unternommen werden,
um das Straßensystem i n Laos sowie i n den angrenzenden T e i l e n Südvietnams a u s zubauen. Auf der S t r a ß e 7, der Hauptverbindung von Nordvietnam zur Hochebene
der Tonkrüge, sowie auf den S t r a ß e n 4 und 4 / 7 , d i e i n Ost-West-Richtung durch
d i e n ö r d l i c h e Hochebene v e r l a u f e n , wurden Brücken und Entwässerungsgräben
festgestellt.

Darüber h i n a u s g i b t es Beweise für s t ä n d i g e Anstrengungen

Nordvietnams, e i n e S t r a ß e von Südlaos nach der Provinz Quang T r i und der Provinz
Quang Ngai zu bauen. Diese g r e n z ü b e r s c h r e i t e n d e S t r a ß e b e f i n d e t s i c h n i c h t i n
der Nähe i r g e n d e i n e r der f e s t g e l e g t e n Ü b e r g a n g s s t e l l e n , u n d

logischerweise

könnte s i e nur a l s h e i m l i c h e r Nachschubweg nach den z e n t r a l e n Küstenregionen
Südvietnams verwendet werden.
7. Die Demokratische Republik Vietnam h a t f e r n e r i n d i r e k t e r V e r l e t z u n g
der A r t i k e l 7 und 15 b des Friedensabkommens und des A r t i k e l s 7 des Waffens t i l l s t a n d s p r o t o k o l l s M i l i t ä r p e r s o n a l sowie m i l i t ä r i s c h e Ausrüstung i n und
durch d i e e n t m i l i t a r i s i e r t e Zone g e b r a c h t .
8. Es i s t bekannt geworden, daß nach dem W a f f e n s t i l l s t a n d vom 28. J a n u a r
1973 w e i t e r h i n über 30 OOO n o r d v i e t n a m e s i s c h e S o l d a t e n u n t e r s c h w e r s t e r Verl e t z u n g des Abkommens durch Laos und Kambodscha nach Südvietnam m a r s c h i e r t
s i n d . D i e s e r E r s a t z für Kampftruppen h a t d i e K a p a z i t ä t der n o r d v i e t n a m e s i s c h e n
Armee-Einheiten im Süden s t a r k e r h ö h t . Darüber h i n a u s l i e g e n Beweise v o r , daß
neue n o r d v i e t n a m e s i s c h e Armee-Einheiten wie Flugabwehr-Einheiten nach dem
28. J a n u a r nach Südvietnam gekommen s i n d . So i s t b e i s p i e l s w e i s e der Komplex
des F l u g p l a t z e s von Khe Sanh k ü r z l i c h mit Raketen vom Typ SA-2 b e s t ü c k t
worden, d i e vor dem W a f f e n s t i l l s t a n d e i n d e u t i g n i c h t vorhanden gewesen waren.

9. Sich mit dem i l l e g a l e n Aufbau des M i l i t ä r p o t e n t i a l s n i c h t

zufrieden

gebend h a t d i e Demokratische Republik Vietnam s e i t dem W a f f e n s t i l l s t a n d

diese

�diese Einheiten und andere unter ihrem Befehl stehenden Streitkräfte tatsächlich eingesetzt, um im ganzen Lande unter eindeutiger Verletzung der fundamentalen Zielsetzung des Friedensabkommens, wie sie in den Artikeln 2 und 3
niedergelegt ist, Hamlets und Dörfer sowie militärische Stellungen der Republik anzugreifen. Die Angriffe bestanden im allgemeinen aus Beschießungen
mit Granatwerfern und Artillerie, auf die häufig Bodenangriffe folgten - mit
dem offensichtlichen Zweck, das Gebiet auszuweiten, das von den unter n^r-.
vietnamesischem Kommando stehenden Streitkräften kontrolliert wird. In einic^n
Fällen wurden die Angriffe mit solcher Intensität vorgetragen, daß die Verteidigungsstreitkräfte der Regierung sich zurückziehen mußten, so beispielsweise aus Stellungen in Hoang Hau in der Nähe von Hue, an der kambodschanischen
Grenze in der Provinz Chau Duc und in der Provinz Bac Lieu. Andere seit lanaem
von Streitkräften der Republik Vietnam besetzte Vorposten halten sich trotz
anhaltender Angriffe weiterhin, wie Stellungen in Tonle Cham in der Provinz
Tay Ninh, in Räch Bap in der Provinz Binh Duong und in den Distrikten Hong
Ngu und Cai Cai in der Provinz Kien Phong.

10. Ferner setzen nordvietnamesische Streitkräfte größere militärische
Offensiven fort, die auf die Öffnung neuer Nachschubrouten und die Ausweitung
ihrer Kontrolle abzielen, wie im Gebiet von Sa Huynh in der südlichen Provinz
Quang Ngai.

11. Truppen unter Kontrolle der Demokratischen Republik Vietnam haben
ferner unter Verletzung von Artikel 5 des Waffenstillstandsprotokolls zahlreiche Minen verlegt und versucht, den wiederaufgenommenen Eisenbahnverkehr
zu stören. Anfang dieses Monats wurde in der Provinz Phu Yen eine Mine unter
einen Zug gelegt, und eine Gruppe von Gleisarbeitern wurde angegriffen.

12. Darüber hinaus haben diese Streitkräfte wahllos viele Städte, Flüchtlingslager und andere Bevölkerungszentren, wie beispielsweise in Tan Chau und
Phan Thiet, mit Granatwerfern und Artillerie beschossen und der Zivilbevölkerung schwere Verluste zugefügt. Sie haben sogar die Unterkünfte der Internationalen Kontroll- und Überwachungskommission in Tri Ton und Hong Ngu mit
Granatwerfern beschossen.
13. Über

�13. Über d i e w e i t v e r b r e i t e t e n Angriffe auf d i e t e r r i t o r i a l e n

Sicherheits-

s t r e i t k r ä f t e der Republik Vietnam h i n a u s haben Agenten der Demokratischen
Republik Vietnam i h r e T e r r o r a k t e f o r t g e s e t z t und Menschen e r m o r d e t , Handg r a n a t e n i n ö f f e n t l i c h e E i n r i c h t u n g e n geworfen, ö f f e n t l i c h e S t r a ß e n und Wege
vermint und z a h l r e i c h e Entführungen vorgenommen.
14. Eine w e i t e r e e r n s t e Gefährdung des F r i e d e n s s t e l l e n die z a h l r e i c h e n
Handlungen der k l a r e n und bewußten O b s t r u k t i o n s e i t e n s der Demokratischen
Republik Vietnam und der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " i n der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n

d a r . Beide w e i g e r t e n s i c h b e h a r r l i c h an i r -

gendwelchen Untersuchungen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n e c h t m i t zuwirken, d i e i h r e r Sache n i c h t d i e n l i c h gewesen wäre. Dementsprechend b l o c k i e r t e n oder v e r h i n d e r t e n s i e e i n e Untersuchung des Abschusses e i n e s CH-47Hubschraubers, des A n g r i f f e s auf Sa Huynh und d e r I n s t a l l i e r u n g von Raketen
i n Khe Sanh, um nur d r e i bezeichnende B e i s p i e l e zu nennen.

15. Die Taktik des H i n h a l t e n s und d e r O b s t r u k t i o n wurde auch e i n d e u t i g
aus d e r Weigerung e r s i c h t l i c h , s i c h offen zu d i s l o z i e r e n . Die Nordvietnamesen
d i s l o z i e r t e n nur fünf d e r s i e b e n r e g i o n a l e n H a u p t q u a r t i e r e , und i h r e Verbündeten von der " p r o v i s o r i s c h e n R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " s o g a r nur e i n e s . Die
D i s l o z i e r u n g von s u b r e g i o n a l e n Gruppen war minimal. Die " p r o v i s o r i s c h e Rev o l u t i o n s r e g i e r u n g " h a t t e zu keinem Z e i t p u n k t mehr a l s e i n V i e r t e l i h r e s zugestandenen Kontingents

operationsbereit.

16. Daher müssen d i e Demokratische Republik Vietnam und die " p r o v i s o r i s c h e R e v o l u t i o n s r e g i e r u n g " d i e Verantwortung für das Versagen der Gemeinsamen V i e r e r - M i l i t ä r k o m m i s s i o n , d i e i h r ü b e r t r a g e n e n Funktionen zu e r f ü l l e n ,
tragen.
17. Von b e s o n d e r e r Besorgnis für d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n i s t d i e b i s h e r i g e Weigerung d e r Demokratischen Republik Vietnam, Informationen über
Amerikaner zu v e r ö f f e n t l i c h e n , d i e i n Indochina vermißt s i n d , oder ü b e r j e n e ,
von den bekannt i s t , daß s i e d o r t g e s t o r b e n s i n d , wie d i e s i n A r t i k e l 8 (b)
des Pariser-Abkommens v e r l a n g t w i r d .
18. Zu
- 5 -

�18. Zu den von der Demokratischen Republik Vietnam in ihrer Note
gegen die Vereinigten Staaten vorgebrachten Beschuldigungen gehört die
Behauptung, daß die Vereinigten Staaten die Regierung der Republik Vietnam
"unterstützten", indem sie die Waffenruhe nicht einhielten und dadurch die
Artikel 2 und 3 des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des Friedens ernsthaft verletzten. Die gesamte Beschuldigung
entbehrt jeder Grundlage. Die Vereinigten Staaten haben sich vielmehr nach
dem 28. Januar darauf konzentriert, die Bedingungen des Abkommens genauestens
einzuhalten, indem sie ihre eigenen Streitkräfte aus Vietnam abzogen und sich
der Beteiligung an jeglicher Feindseligkeit

in Vietnam enthielten. Alle Lie-

ferungen an Waffen und militärischen Ausrüstungen für die Republik Vietnam
standen in strikter Übereinstimmung mit Artikel 7 des Pariser Abkommens und
Artikel 7 des Waffenstillstands-Protokolls.

19. Die Demokratische Republik Vietnam

behauptet ferner, daß der Abzug

der amerikanischen Streitkräfte in einer Weise abgeschlossen worden sei, die
von den Artikeln 5 und 6 des Pariser Abkommens abweiche, und beschuldigt die
Vereinigten Staaten, ihre Waffen nicht abzuziehen und ihre Stützpunkte nicht
abzubauen, wie dies in den genannten Artikeln verlangt wird. Artikel 5 verlangt
jedoch nur den Abzug jener Waffen, jener Munition und jenes Kriegsmaterials,
die sich zum Zeitpunkt oder nach dem Zeitpunkt des Inkrafttretens des Abkommens
im Besitz der Vereinigten Staaten (oder Verbündeter der Vereinigten Staaten
und der Republik Vietnams) befunden haben mögen. Er verlangt nicht den Abzug
irgendwelcher Waffen aus Südvietnam, die die Vereinigten Staaten vor dem Inkrafttreten des Abkommens auf Grund vorheriger Übergabe nicht mehr in Besitz
hatten. Dies war die Bedeutung der Formulierung "der Vereinigten Staaten" in
Artikel 5. Die gleiche Formulierung mit der gleichen Bedeutung wurde in Artikel
6 bezüglich der abzubauenden militärischen Stützpunkte

benutzt. Die Ver-

einigten Staaten haben diese Bestimmungen vollständig erfüllt. Alle militärischen Ausrüstungen und Einrichtungen von Militärstützpunkten, die sich
früher

im Besitz der amerikanischen Streitkräfte in Südvietnam befanden und

die nach dem 28. März dort verblieben, sind vor dem 27. Januar an die Regierung der Republik Vietnam übergeben worden.
20. In

�20. In der angeführten Note wird w e i t e r d i e Beschuldigung erhoben,
daß d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n der Republik Vietnam u n t e r Verletzung des Abkommens und des W a f f e n s t i l l s t a n d s - P r o t o k o l l s Waffen, Munition und K r i e g s m a t e r i a l g e l i e f e r t h ä t t e n . Diese Behauptung i s t e i n f a c h

unbegründet.

A r t i k e l 7 des Abkommens e r l a u b t es den südvietnamesischen P a r t e i e n , auf
e i n e r S t ü c k - f ü r - S t ü c k - B a s i s b e s c h ä d i g t e s , v e r n i c h t e t e s , unbrauchbar g e wordenes oder v e r b r a u c h t e s K r i e g s m a t e r i a l , Waffen und Munition zu e r s e t z e n .
Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n und die Republik Vietnam haben Verfahren für d i e
Überwachung von Waffenlieferungen

a u s g e a r b e i t e t , um d i e E i n h a l t u n g d i e s e r

Beschränkungen zu g e w ä h r l e i s t e n , und es werden Aufzeichnungen darüber g e führt, die diese Einhaltung v e r i f i z i e r e n .

Die Heranführung d i e s e s E r s a t z e s

wie auch d i e genannten Unterlagen der Verfahren s t e h e n j e d e r z e i t der I n s p e k t i o n und Beobachtung durch d i e I n t e r n a t i o n a l e K o n t r o l l - und Überwachungskommission und d i e Gemeinsame Zweier-Militärkommission o f f e n .

Die Heran-

führung d i e s e s E r s a t z e s i s t auf j e n e d r e i Ü b e r g a n g s s t e l l e n b e s c h r ä n k t ,
von der Republik Vietnam nach den Bestimmungen des Abkommens

die

festgelegt

worden s i n d .
2 1 . Die i n der Note d e r Demokratischen Republik Vietnam erhobene Behauptung, d i e V e r e i n i g t e n S t a a t e n h ä t t e n über 10 000 a l s Z i v i l b e r a t e r

getarnte

S o l d a t e n z u r ü c k g e l a s s e n , e n t b e h r t j e d e r Grundlage und i s t ohne Zweifel e i n
Versuch, d i e Aufmerksamkeit von der großen Zahl n o r d v i e t n a m e s i s c h e r S o l d a t e n
im Süden abzulenken. Die V e r e i n i g t e n S t a a t e n haben i n Übereinstimmung mit
A r t i k e l 5 des Friedensabkommens i h r e Truppen und i h r e M i l i t ä r - und P o l i z e i b e r a t e r abgezogen. In Südvietnam s i n d nur etwa 200 Mann a m e r i k a n i s c h e s

Militär-

p e r s o n a l v e r b l i e b e n , d i e zum Stab des V e r t e i d i g u n g s - A t t a c h e s , dem Wachpersonal
des Marinekorps der B o t s c h a f t und zu dem Team gehören, das v e r s u c h t , den
S t a t u s der im E i n s a t z Vermißten zu k l ä r e n . Es g i b t kein a l s Z i v i l i s t e n g e t a r n t e s M i l i t ä r p e r s o n a l . Wie b e r e i t s ö f f e n t l i c h e r k l ä r t , l i e g t d i e Gesamtzahl
des o f f i z i e l l e n

amerikanischen P e r s o n a l s i n Südvietnam u n t e r 9O00, wovon

d i e große Mehrhext l o g i s t i s c h e und Wartungsfunktionen a u s f ü h r t ,

die bald

von den Südvietnamesen übernommen werden s o l l e n .
22. Andere

�22. Andere Amerikaner üben Tätigkeiten aus, wie sie von diplomatischen,
konsularischen und Hilfsmissionen in der ganzen Welt ausgeübt werden. Die
Aufgaben und Funktionen des in Südvietnam verbliebenen Personals der Vereinigten Staaten sind der Regierung der Demokratischen Republik Vietnam voll
und ganz bekannt und stehen in völliger Übereinstimmung mit dem Abkommen vom
2 7. Januar.

23. Die Vereinigten Staaten werden ferner beschuldigt, durch ihre militärischen Tätigkeiten in Laos unmittelbar nach dem Abschluß des Waffenstillstandsabkommens zwischen den Parteien in Laos Artikel 8 der Akte von Paris
zu verletzen. Die militärische Tätigkeit der Vereinigten Staaten seit dem
Waffenstillstand ist

sehr begrenzt gewesen. Sie wurde

auf Ersuchen von

Ministerpräsident Souvanna Phouma durchgeführt. Sie wurde
fand

notwendig und

als direkte Antwort auf schwere und flagrante Verletzungen des Ab-

kommens durch nordvietnamesische und Pathet Lao-Streitkräfte, vor allem durch
die Angriffe in Pak Song am 23. Februar und in Tha Vieng am 13. April nach
dem Waffenstillstand, statt.

24. Die Demokratische Republik Vietnam behauptet ferner, die Vereinigten
Staaten verletzten die "Unabhängigkeit,

Souveränität, Einheit, territoriale

Integrität und Neutralität" von Kambodscha, indem sie weiterhin ihre militärische Tätigkeiten in diesem Lande durchführten. In Wirklichkeit sind
diese Tätigkeiten auf Luftunterstützungsoperationen in Antwort auf die anhaltenden militärischen Operationen der Demokratischen Republik Vietnam in
Kambodscha begrenzt und wurden von der Khmer-Republik selbst angefordert.
Ende Januar setzte die Khmer-Republik alle Angriffsoperationen aus, und
die Vereinigten Staaten stellten ebenfalls offensive Luftoperationen ein.
Die Reaktion der Demokratischen Republik Vietnam und der kambodschanischen
Streitkräfte unter ihrer Kontrolle

bestand jedoch in einer totalen mili-

tärischen Offensive - trotz der Verpflichtungen, die die Demokratische Republik Vietnam in Artikel 20 des Abkommens und Artikel 8 der Akte von Paris
übernommen hat. Um die Einhaltung dieser entscheidenden Bestimmungen herbeizuführen, ohne die das gesamte Vietnam-Abkommen in Frage gestellt würde,

- 8-

�I

würde, leisten die Vereinigten Staaten den Khmer-Streitkräften Luftunterstützung.

25. Was die Behauptungen der Demokratischen Republik Vietnam bezüglich
der anhaltenden Haft südvietnamesischer Zivilisten anbetrifft, so wird die
Regierung der Republik Vietnam diese ohne Frage zurückweisen wollen; die Regierung der Vereinigten Staaten möchte jedoch darauf hinweisen, daß die "provisorische Revolutionsregierung" die Freilassung von nur einigen Hundert Zivilgefangenen angeboten hat trotz der Tatsache, daß sie viele Tausende gefangengenommen hat. Dies ist eine Angelegenheit, in der es eindeutig auf Gegenseitigkeit ankommt.

26. Die Behauptung, die amerikanische Regierung verzögere absichtlich
die Minensuchoperationen, ist eindeutig falsch. Die Minensuchoperationen der
Vereinigten Staaten sind so rasch fortgeschritten, wie es die Sicherheit, die
verfügbaren Streitkräfte, Wetterbedingungen und von der Demokratischen Republik
Vietnam auferlegte Beschränkungen erlauben. Wir sind in der Lage gewesen,
trotz des Verlustes von zwei Hubschraubern unseren vereinbarten Zeitplan einzuhalten. Für diese Operation sind alle verfügbaren Minensucheinheiten der
Vereinigten Staaten herangezogen worden. Ja es ist so, daß eine beträchtlich
größere Streitmacht eingesetzt worden ist, als von den Vereinigten Staaten
ursprünglich vorgeschlagen und von der Demokratischen Republik Vietnam akzeptiert worden war.

27. Die Tatsache, daß nur die Explosion von einigen wenigen Minen beobachtet worden ist, ist völlig verständlich und keineswegs überraschend.
Wie Vertretern der Demokratischen Republik Vietnam bei zahlreichen Gelegenheiten genau erläutert worden ist, haben die Minen eine variable Neutralisie rungskapazi tat, die programmiert werden kann und die bis zum gegenwärtigen
Zeitpunkt zur Neutralisierung der meisten Minen geführt hat. Trotzdem kann
keine ausreichende Sicherheit garantiert werden, so lange nicht alle betroffenen
Gebiete mit der geeigneten Ausrüstung durch bestens ausgebildetes Personal

- 9 -

�\

Personal methodisch abgesucht worden sind.
28. Angesichts der vielen ernsten Verletzungen anderer Bestimmungen
des Abkommens durch die Demokratische Republik Vietnam, die oben erläutert
worden sind, haben die Vereinigten Staaten jedoch

beschlossen, ihre Minen-

suchoperationen auszusetzen. Diese Aussetzung ist als Antwort auf dip "^ih1reichen materiellen Verletzungen des Abkommens durch die Demokratische F\ publik Vietnam in Übereinstimmung mit der Regel des internationalen Rechtes
gerechtfertigt, daß ein materialler Bruch eines internationalen Abkommens
durch eine Partei die andere

Partei berechtigt, die Durchführung des Ab-

kommens ganz oder teilweise auszusetzen. Diese Regel des üblichen internationalen Rechtes ist in Artikel 60 der Konvention über das Vertragsrechtvon 1969 niedergelegt. Die Vereinigten Staaten sind selbstverständlich bereit, die Minensuchoperationen wieder aufzunehmen, sobald die Demokratische
*

Republik Vietnam damit beginnt, in Übereinstimmung mit ihren Verpflichtungen
gemäß des Abkommens zu handeln.

29. Die Regierung der Vereinigten Staaten lehnt daher die allgemeinen
und die spezifischen Beschuldigungen kategorisch ab, daß sie die Bestimmungen
des Abkommens über die Beendigung des Krieges und die Wiederherstellung des
Friedens in Vietnam verletzt habe. Die Regierung der Vereinigten Staaten
ihrerseits bekräftigt erneut, mit der oben ausgeführten Ausnahme, ihre Absicht, sich an die Bestimmungen des Abkommens vom 27. Januar zu halten, und
sie wird alles in ihrer Macht stehende tun, um einen dauerhaften Frieden in
Indochina herbeizuführen. Sie appelliert an die Demokratische Republik Vietnam
und alle

anderen Parteien der Schlußakte der Internationalen Vietnamkonferenz,

diese Bemühungen zu unterstützen.

- lO -

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