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1 1 . A p r i l 1973

15

Inhalt
DOKUMENTATION:
Rush erläutert Osteuropa-Politik der USA
-Auszüge-

INFORMATION:
Nixon nominiert neuen Direktor der amerikanischen Abrüstungsbehörde

WIRTSCHAFT:
Jasey legt US-Wirtschaftspolitik gegenüber der Europäischen Gemeinschaft dar
-Wortlaut-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
USA proklamieren "Woche der Erde"
-Jahresbilanz beim UmweltschutzDie Atmung der Meere
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren.
Hormone und Muskeldystrophe
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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15/1973

RUSH ERLÄUTERT OSTEUROPA-POLITIK DER USA

- Auszüge -

ANNAPOLIS, Maryland - (AD) - Der stellvertretende amerikanische Außenminister Kenneth Rush hat am 4. April

in einer Rede vor der US-Marineaka-

demie in Annapolis die Politik der Vereinigten Staaten gegenüber Osteuropa
umrissen. Dazu erklärte Rush wörtlich:

"Während der letzten drei Tage haben Sie sich hier mit Europa befaßt.
Wenn man auf die vor uns liegenden Monate blickt, dann dürfte es wahrscheinlich sein, daß das Jahr 1973 ein Jahr wesentlichen Fortschrittes sowohl innerhalb Europas als auch in den Beziehungen zwischen Europa und den Vereinigten
Staaten sein wird.

- Es sollte eine anhaltende Verbesserung im Hinblick auf die Situation
Berlins geben, eine Weiterentwicklung des Dialoges zwischen der Bundesrepublik
Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik sowie die Aufnahme der
beiden Staaten in die Vereinten Nationen.

- Zwischen den Vereinigten Staaten und der Sowjetunion sind bereits Verhandlungen im Gange mit dem Ziel, die strategischen Offensivwaffen für ständig
zu begrenzen.

- Die Vereinigten Staaten und die jüngst erweiterte Europäische Gemeinschaft werden neue Methoden der wirtschaftlichen und politischen Zusammenar-

- 1 -

�Zusammenarbeit sondieren, die zu einer Stärkung unserer Verbundenheit führen
soll.
- Es wird Verhandlungen über den Abbau der Streitkräfte geben, die einander immer noch in Mitteleuropa gegenüberstehen.

- Und es wird eine Konferenz

über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa

stattfinden, die die Bewegung zur Entwicklung normalerer Kontakte zwischen Ostund Westeuropa sowie zwischen den Staaten Osteuropas und den Vereinigten Staaten
beschleunigen könnte.

All diese Schritte werden wichtig sein. Ich möchte jedoch heute mit Ihnen
über die Aussichten sprechen, die dafür bestehen, daß wir in diesem Jahr vielleicht eine bedeutende Erweiterung unserer Bindungen mit Osteuropa und eine
entscheidende Verbesserung in den Beziehungen zwischen allen euroDäischen Staaten
erreichen können ...

Schon sehr bald, während seiner ersten Amtszeit stellte Präsident Nixon
klar, daß wir bereit seien, eine neue Ära in unseren Beziehungen zu Osteuropa
einzuleiten. Unser Ziel war, normale und beiderseitig nützliche Beziehungen,
wo immer möglich, zu entwickeln, wobei jedes Land für sich behandelt wurde.
Schon im Frühsommer (jenes Jahres) hatten wir damit begonnen, konkrete Maßnahmen
hinsichtlich der Durchführung dieser Politik zu ergreifen. Sie führten zu dem
Besuch Präsident Nixons in Bukarest im August 1969 - dem ersten Besuch, den
jemals ein amerikanischer Präsident einer kommunistischen Hauptstadt abgestattet hatte -. In Rumänien betonte der Präsident, daß 'wir bereit sind, die
Bemühungen eines je^en Landes, das normale Beziehungen zu uns anstrebt, zu
erwidern.'

Dieser Besuch verlieh unseren bilateralen Beziehungen eine Schwungkraft,
die dann niemals mehr verlorenging. Präsident Ceaucescu besuchte die Vereinigten Staaten im Oktober 1970. Unser beiderseitiger Handel hat sich mehr
als verdreifacht. Wir haben unsere bilateralen Kontakte auch auf anderen Gebieten vertieft, und während seines Besuches in Bukarest im Juli letzten Jahres

�Jahres unterzeichnete Außenminister Rogers das erste Konsularabkommen zwischen Rumänien und den Vereinigten Staaten seit 1881.

Anfang 1970 gab es einen zweiten Besuch des Präsidenten in einer kommunistischen Hauptstadt; dieses Mal besuchte er das blockfreie Jugoslawien. Unsere
Bande der Freundschaft und der Zusammenarbeit mit Jugoslawien reichen über 20
Jahre zurück. Der Besuch des Präsidenten war also weniger eine Sache der Absteckung neuer Wege als vielmehr eine Unterstreichung der Tatsache, daß Bindungen über die politischen Grenzen hinweg von Dauer sein können ... Wir
möchten, daß unsere Bindungen zu Jugoslawien zu einem Modell der Zusammenarbeit werden, die zwischen Staaten mit völlig unterschiedlichen sozialen Systemen
bestehen können. Der Erfolg eines solchen Vorhabens hängt natürlich von beiden
Ländern ab.

Im Frühjahr 1972 unternahm der Präsident einen dritten wesentlichen Schritt
hinsichtlich unserer Beziehungen zu Osteuropa - er besuchte Polen. Wir unterzeichneten ein Konsularabkommen in Warschau und werden in diesem Jahr in New
York sowie in der alten Universitätsstadt Krakau, dem Zentrum der polnischen
Auswanderung nach den Vereinigten Staaten»Konsulate eröffnen.

Auch in bezug auf ein viertes osteuropäisches Land - Ungarn - zeichnet
sich eine Verbesserung der Beziehungen ab. Im Juli besuchte Außenminister
Rogers Budapest; es war der erste Ungarn-Besuch, den jemals ein amerikanisches
Kabinettsmitglied gemacht hat. Der stellvertretende Ministerpräsident

Valyi

war im vergangenen Monat in Washington; er war der höchste ungarische Regierungsvertreter, der die Vereinigten Staaten seit 25 Jahren besucht hat. Ungarn hat
nunmehr zugestimmt, 22 Millionen Dollar für durch den Krieg beschädigtes und
verstaatlichtes amerikanisches Eigentum zu zahlen, und wir haben zugesagt,
den Kongreß um die Vollmacht zu ersuchen, ein Handelsabkommen einschließlich
der Meistbegünstigtenklausel auszuhandeln. Ferner sprechen wir mit den Ungarn
über ein Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch ...

Die Fortschritte, die während der ersten Amtszeit Präsident Nixons in

�in bezug auf die osteuropäischen Länder erzielt worden sind, sind beträchtlich. Ich weiß von meinen eigenen kürzlichen Reisen nach Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn her, daß in unseren Beziehungen ein wesentlicher Wandel
zum Besseren eingetreten ist. Ein Hinweis darauf ist die Tatsache, daß sich
die Besuche aus Osteuropa im Rahmen unserer Austauschprogramme 1972 um 40 Prozent erhöht haben.

Wenn nun die zweite Amtszeit des Präsidenten beginnt, dann bietet der
beiderseitige Wunsch nach kontinuierlichen Fortschritten

die Hoffnung auf

noch größerere Erfolge in dieser Richtung. Zu diesem Zweck ist die Politik
der Vereinigten Staaten darauf gerichtet, die osteuropäischen Länder in einem
sich erweiternden Rahmen enger und individueller Beziehungen mit uns und mit
ihren Nachbarn im Westen zu verflechten.

Wir haben die Absicht, diese Politik der Verflechtung sorgfältig und umsichtig zu verfolgen. Wir werden nicht bestrebt sein, das Tempo zu forcieren,
wir werden uns allerdings darum bemühen, einen Prozeß zu fördern, der unserer
Ansicht nach dem Weltfrieden dienlich sein wird.

Bei der Verfolgung dieser Politik beabsichtigen wir, uns auf drei Prinzipien zu stützen.

Das erste ist, daß wir jedes osteuropäische Land als einen unabhängigen
souveränen Staat behandeln werden, der ein Recht darauf hat, frei von jeglicher
Einmischung von außen zu sein. Diese Einstellung beseelte die Politik Woodrow
Wilsons; dies ist auch heute unsere Einstellung.
In Moskau setzten Präsident Nixon und Generalsekretär Breschnew im vergangenen Frühjahr ihre Unterschriften unter die Verpflichtung, die souveräne
Gleichheit aller Staaten anzuerkennen, keinen Anspruch auf irgendwelche Sonderrechte oder Vorteile in weltpolitischen Angelegenheiten zu erheben und Verhältnisse zu fördern, unter denen kein Land einer Einmischung in seine inneren
Angelegenheiten von außen her ausgesetzt ist.
Diese

�»

Diese Verpflichtungen spiegeln eine seit langem gültige amerikanische
Politik wider. Die gemeinsame Annahme dieser Verpflichtungen durch die beiden
Länder kann zur Förderung der Entspannung beitragen, die von so vielen jetzt
gewünscht wird. Das Recht eines Landes, sich gemäß seiner eigenen Wünsche zu
entwickeln, ist fundamental für die friedlichen Beziehungen zwischen den
Staaten. Einem Land darf das Recht auf volle Souveränität nicht verwehrt
werden, nur weil es ein kleines Land ist. Ihm darf dieses Recht auch nicht
verwehrt werden, nur weil es aus rein geographischen Gründen neben einem
größeren Land liegt. Ihm darf dieses Recht nicht verwehrt werden, nur weil es
das gleiche politische und soziale System mit einer stärkeren Macht teilt.
Vielmehr müssen die Prinzipien der Nicht-Einmischung und der Respektierung der
nationalen Souveränität, wie Ministerpräsident Kossygin und der norwegische
Ministerpräsident Bratteli in einem Kommunique im vergangenen Jahr bekräftigten,
konsequent verwirklicht werden, ungeachtet der politischen und sozialen Systeme
der betroffenen Staaten.

Auf unserer Seite besteht gewiß nicht der Wunsch, uns in die inneren Angelegenheiten der osteuropäischen Staaten einzumischen. Wir sind nicht nur zur
Koexistenz, sondern auch zur Zusammenarbeit mit ihnen in bilateralen Bemühungen
um Frieden und Verständigung sowie um umfassendere Kontakte und Verbindungen
zwischen unseren Völkern bereit.

In diesem Geiste werden wir die Bande zu den Ländern zu konsolidieren
suchen, bei denen wesentliche Fortschritte zu verzeichnen waren.
Wir werden uns aber auch weiter um Verbesserungen bei solchen Ländern bemühen, bei denen nur geringer oder überhaupt kein bilateraler Fortschritt erzielt worden ist.

In ihren Gesprächen mit Außenminister Rogers in den Vereinten Nationen im
vergangenen Oktober haben sowohl der tschechoslowakische wie auch der bulgarische
Außenminister den festen Wunsch ihrer Regierungen bekundet, konkrete Verbesserungen

in unseren Beziehungen zu erreichen. Wir begrüßen diesen Wunsch, wir

teilen ihn und wir erwidern ihn.
Mit

�I

Mit der Tschechoslowakei haben wir Verhandlungen über eine Konsularkonvention aufgenommen und wir hoffen, noch in diesem Jahr Gespräche über ein
Abkommen für einen kulturellen und wissenschaftlichen Austausch beginnen zu
können und später dann auch über die Lösung der seit langem anstehenden Finanz- und Handelsfragen.

Von allen unseren diplomatischen Beziehungen zu kommunistischen Regierungen

waren unsere Beziehungen zu Bulgarien am wenigsten umfassend. Wir

haben kürzlich die Verhandlungen über eine Konsularkonvention wieder aufgenommen. Wir bereiten uns darauf vor, zusammen mit der bulgarischen Regierung
auf die Lösung einer Reihe bilateraler kultureller und wirtschaftlicher Probleme hinzuarbeiten, die unsere Beziehungen getrübt haben. Unser Wunsch nach
besseren Beziehungen spiegelt sich auch in unserer Bereitschaft wider, den
stellvertretenden bulgarischen Ministerpräsidenten dieses Jahr in den Vereinigten Staaten zu begrüßen.

Nur in bezug auf Albanien hat es keinen sichtbaren Fortschritt gegeben.
Angesichts unserer sich ausweitenden Beziehungen zu allen übrigen osteuropäischen Ländern erscheint es wie ein Anachronismus, wenn Albanien weiterhin
den Wunsch haben sollte, in einer solchen Isolierung zu verharren. Albanien
spricht über uns immer noch in den aggressiven Worten einer vergangenen Zeit.
Ob es diplomatische Beziehungen aufzunehmen wünscht, wissen wir nicht. Wenn
- und wann immer es dies aber will, wird es uns bereit finden, darauf zu reagieren.

Bei allen osteuropäischen Ländern werden wir ihre Bereitschaft zur Verbesserung der Beziehungen uns gegenüber aber auch in einem umfassenderen Zusammenhang bewerten. Wir alle müssen in den Vereinten Nationen und in anderen
internationalen Foren Zurückhaltung in unseren Worten gegenüber dem anderen
sowie einen Geist der Zusammenarbeit und nicht der Konfrontation zeigen. Wir
erwarten im besonderen von Ungarn und Polen, daß sie eine verantwortungsbewußte
Rolle in der internationalen Kontroll- und Überwachungskommission für Vietnam
spielen.
ID.

- 6-

�In dem Maße, wie sich unsere Beziehungen zu den einzelnen osteuropäischen
Ländern verbessern, werden wir das zweite Grundprinzip unserer Politik anstreben - durch Ausweitung unseres Handels und Förderung ihrer wachsenden
Aufnahmefähigkeit für ausländische Investitionen dauerhafte Beziehungen zu
den osteuropäischen Ländern zu schaffen.

In den letzten vier Jahren hat sich unser Handel mit Osteuropa ständig
ausgeweitet, wenn auch in einem bescheidenen Maße. Im Jahre 1968 belief sich
der gesamte Handel auf wertmäßig rund 450 Millionen Dollar; die Zahl für 1972
liegt bei 800 Millionen Dollar - eine gesunde Zunahme um über 75 Prozent. Wir
rechnen damit, in den nächsten vier Jahren, den Handel zumindest verdoppeln
zu können. Im Herbst letzten Jahres haben wir unsere Botschafter in Osteuropa
angewiesen, die Förderung des Handels an die Spitze unserer politischen Prioritätenliste in diesem Raum zu setzen.

Die osteuropäischen Länder stellen Handelsfragen stets an die Spitze
der bilateralen Probleme. Sie behaupten, daß die amerikanischen Handelsbestimmungen in bezug auf diesen Bereich noch aus der Vergangenheit her Elemente
der Diskriminierung enthalten.

Um mitzuhelfen, ein wesentlich höheres Handelsvolumen zu erreichen, beabsichtigen wir, eine Reihe dieser Beschränkungen schrittweise abzubauen.

- Wir haben die strategische Bedeutung der Güter, deren Export nach Osteuropa immer noch untersagt ist, angesichts der veränderten Gegebenheiten überprüft. Eine Reihe von Änderungen sind bereits vorgenommen worden. In naher Zukunft werden wir die Zahl der amerikanischen Erzeugnisse auf der Verbotsliste
weiter wesentlich verringern.

- Wir sind gewillt, die Bereitstellung von Krediten und Ausfallbürgschaften
der amerikanischen Export-Importbank für den Verkauf amerikanischer Erzeugnisse
in einem erweiterten Rahmen zu erwägen, so wie sich die Beziehungen zu einzelnen
Ländern weiter verbessern.
- Wir

�'

- Wir beabsichtigen ferner, wenn sich die Beziehungen weiter verbessern,
den 'Meistbegünstigtenstatus' auf die Exporte einer größeren Zahl osteuropäischer Länder auszudehnen. Bisher wird dieser Status nur Erzeugnissen aus
Jugoslawien und Polen gewährt, doch haben wir seit einem Jahr ein ähnliches
Gesetz für Rumänien gefordert. In dieser Sitzungsperiode des

Kongresses wird

der Präsident ein allgemeines Gesetz unterbreiten, das uns die Einräumung des
Meistbegünstigtenstatus an die osteuropäischen Länder gestattet, wenn der
Stand unserer wirtschaftlichen und politischen Beziehungen dies rechtfertigt,
und seine baldige Verabschiedung fordern. Die Normalisierung unserer Handelsbeziehungen ist notwendig, wenn die Vereinigten Staaten die wirtschaftlichen und
politischen Vorteile eines erweiterten Handels voll realisieren sollen.

Obwohl die Politik der osteuropäischen Länder dem Handel oberste Priorität eingeräumt hat, so haben Jugoslawien, Rumänien, Polen und Ungarn ebenfalls ein Interesse an ausländischen Investitionen in ihren einheimischen
Unternehmen gezeigt. Selbst bei der zurückhaltenden Einstellung der Kommunisten
gegenüber privaten Investitionen dürfte eine Ausweitung der gemeinsamen Unternehmungen in diesem Raum für alle Beteiligten konkrete Vorteile bringen.

Wenn wir jetzt dem Wunsch der Osteuropäer nach engeren Wirtschaftsbeziehungen nachzukommen suchen, können wir es uns nicht länger mehr leisten,
die Vorteile für unsere eigene Binnenwirtschaft einfach zu ignorieren, die das
Handelspotential Osteuropas bietet. In einer Zeit, in der wir gegenüber den
meisten Gebieten der Welt ein Handelsdefizit haben, ist unser Zahlungsbilanzüberschuß gegenüber Osteuropa besonders willkommen.

Wir würden es gerne sehen, wenn mehr amerikanische

Geschäftsleute ge-

winnbringende Geschäfte mit Ungarn, mit Bulgarien, mit Polen zu machen beginnen, wie sie es mit Belgien, mit Norwegen oder mit Uruguay tun. Wir ermutigen sie, so, wie die Möglichkeiten dies gestatten und im Vertrauen darauf,
daß Geschäfte mit Osteuropa voll und ganz im Einklang mit den nationalen Interessen der USA stehen, an diese Länder zu verkaufen, in ihnen zu investieren
und von ihnen zu kaufen. Wir verstärken unsere Handelsmissionen und im letzten
Monat haben wir in Wien ein neues Ost-Westhandelszentrum eröffnet. Eine solche
- 8-

�solche Politik zielt ab auf den Tag, da der Handel zwischen den Vereinigten
Staaten und den osteuropäischen Ländern so normal verläuft, wie dies zwischen
den Vereinigten Staaten und Ländern mit einem ähnlichen wirtschaftlichen und
sozialen System wie dem unsrigen der Fall ist.

Genauso wie wir unsere eigenen politischen und wirtschaftlichen Beziehungen
zu Osteuropa zu vertiefen wünschen, möchten wir auch die wachsende Verflechtung
der osteuropäischen Länder in Europa als ganzem fördern. Die Förderung einer
solchen Verflechtung ist das dritte Grundprinzip unserer Politik. Wir sind in
der Tat der Auffassung, daß es für uns genauso wichtig ist, eine Vertiefung
der politischen und wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den Ländern Ost- und
Westeuropas zu fördern, wie Beziehungen zwischen Osteuropa und uns zu entwickeln.
Dies darf aber nicht unsere enge und notwendige Partnerschaft mit unseren
atlantischen Verbündeten schmälern.
Es ist nur natürlich, daß alle europäischen Länder nach einer solchen
Gemeinschaft trachten, die Europa in den Höhepunkten seiner langen Geschichte
ausgezeichnet hat. Die künstlichen Schranken des kalten Krieges haben den
Kontinent eine Generation lang getrennt. Das ist bereits viel zu lange.

Dieses Jahr werden wir zwei Ereignisse erleben, die bei gutem Willen auf
beiden Seiten zur Wiederherstellung dieser Art von Gemeinschaft beitragen können.

Im Januar begannen vorbereitende Gespräche für Verhandlungen über Wege
zur Reduzierung der Streitkräfte der NATO-Länder und der Länder des Warschauer
Paktes, die einander immer noch im Herzen Europas gegenüberstehen. Eine beiderseitige und ausgewogene Reduzierung dieser Streitkräfte könnte die Spannungen
beträchtlich vermindern und einen echten Beitrag zur Sicherheit Europas leisten.
Es ist wichtig, daß die substantiellen Verhandlungen plangemäß im kommenden
Herbst beginnen und daß sie zu einem erfolgreichen Abschluß gebracht werden.

Wenn wir jetzt im Begriffe stehen, Verhandlungen über eine beiderseitige
Reduzierung der Truppen in Europa aufzunehmen, ist es völlig sinnlos, plötzlich und einseitig die amerikanischen Truppen dort zu halbieren. Einige Kritiker

�1

Kritiker unserer Verteidigungspolitik im Kongreß und anderswo befürworten,
daß wir einen solchen Kurs einschlagen. Es ist klar, daß die Sowjetunion
keinen Anreiz haben würde, ihre Truppenpräsenz in Osteuropa abzubauen, wenn
wir diesen Rat annähmen. Und nichts könnte mehr den von uns geschaffenen Auftrieb für die Errichtung einer stabileren und friedlicheren Welt gefährden.
Ich möchte hier heute Abend die feste Entschlossenheit dieser Administration
erneut bekräftigen, unsere Verpflichtungen unseren NATO-Verbündeten gegenüber
durch Aufrechterhalten der amerikanischen Truppenstärke in Europa zu erfüllen.

Seit November letzten Jahres sind in Helsinki vorbereitende Gespräche im
Gange, um den Weg für eine Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in
Europa zu ebenen, die, wie wir hoffen, Anfang des Sommers beginnen kann. Eine
solche Konferenz muß zu einem Werkzeug für konkrete Fortschritte in Richtung
auf eine stärkere Einigkeit zwischen den Völkern Europas werden. Spezifische
Schritte zur Verstärkung der Kontakte - durch vermehrte Bewegungsfreiheit der
Bevölkerung, durch einen freieren Fluß von Gedanken und Gütern auf dem gesamten Kontinent - sind der sicherste Weg, dieses Ziel zu erreichen.

Dieses Vorgehen bereitet der Sowjetunion gewisse Sorge. Aber die zahlreichen kürzlich ausgehandelten amerikanisch-sowjetischen Abkommen beweisen
bereits, daß stärkere Zusammenarbeit und vermehrte Kontakte bei weitem keine
Bedrohung der Sicherheit eines Landes darstellen und zum Wohle aller beitragen
können. Natürlich sind wir hier in den USA überzeugt, daß offenere Grenzen und
normalere menschliche Kommunikationen die Spannungen vermindern und nicht erhöhen und die Menschen und Völker ermutigen werden, in Freundschaft miteinander zu leben.

Ein Europa, das auf Spaltung basiert, kann niemals wirklich sicher sein.
Das letzte ViertelJahrhundert war eine Zeit der Spaltung; es war nicht eine
Zeit der Sicherheit. So erklärte Präsident Nixon 1970, 'Stabilität und Frieden
in Europa werden gestärkt werden, sobald seine Spaltung überwunden ist'. Das
kommende Viertel]ahrhundert sollte für alle europäischen Länder zu einer Zeit
werden, in der sie sich nach ihren eigenen Wünschen entwickeln können. Es sollte
für die Völker Europas zu einer Zeit werden, in der sie untereinander freiere
- 10 -

�freiere Kommunikationen pflegen können. Es wird eine Zeit der Zusammenarbeit
sein - und des Wettbewerbs - eine Zeit des Friedens und eines Gefühls der
Zusammengehörigkeit.

Wenn wir unsere enge Verbundenheit mit Europa aufrechterhalten wollen und nach unserer festen Überzeugung ist die Sicherheit Europas untrennbar von
unserer eigenen Sicherheit - dann müssen wir in Amerika auch ein Europa wünschen, das mit unserem eigenen Lande in Freundschaft und Zusammenarbeit verbunden ist. Diese beiden miteinander zusammenhängenden Ziele werden die Grundsätze unserer Politik gegenüber Europa in den kommenden vier Jahren bestimmen."

- 11 -

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15/1973
NIXON NOMINIERT NEUEN DIREKTOR DER AMERIKANISCHEN ABRÜSTUNGSBEHÖRDE

San demente, Kalifornien --(AD)-- Präsident Nixon will den bisherigen Leiter der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation, Dr. Fred
C. Ikle, zum neuen Direktor des amerikanischen Amtes für Rüstungskontrolle
und Abrüstung nominieren. Er soll die Nachfolge von Gerard C. Smith antreten, der Anfang Januar seinen Rücktritt eingereicht hatte.
Wie der Pressesekretär des Weißen Hauses, Ronald Ziegler, hierzu erklärte, wird Dr. Ikle nicht an der Phase II der SALT-Gespräche teilnehmen,
die derzeit in Genf geführt werden. Die Leitung der amerikanischen Delegation bei den Genfer SALT-Gesprächen hat der amerikanische Sonderbotschafter
U. Alexis Johnson.
Dr. Ikle steht seit 1967 an der Spitze der Abteilung für Sozialwissenschaften der Rand Corporation in Santa Monica, Kalifornien, eines Privatunternehmens, das auf Kontraktbasis Forschungsprogramme auf dem Gebiet der
Außenpolitik für die amerikanische Bundesregierung durchführt. Außer für
den Nationalen Sicherheitsrat ist Dr. Ikle auch als Berater für das amerikanische Außenministerium und das Verteidigungsministerium tätig gewesen.
Dr. Ikle wurde am 21. August 1924 in Samaden (Schweiz) geboren und kam
1946 nach den Vereinigten Staaten. Er promovierte 1950 an der University
of Chicago zum Dr. phil. und arbeitete anschließend vier Jahre im Institut

�Institut für angewandte Sozialforschung an der Columbia-Universität. Von
1955 bis 1961 war er bei der Rand Corporation tätig und arbeitete dann von
1962 bis 1963 am Harvard-Center für Internationale Politik. Von 1964 bis
1967 lehrte Dr. Ikle als Professor für Politische Wissenschaften an der
Harvard-Universität. Dr. Ikle hat zahlreiche wissenschaftliche Artikel sowie
drei Bücher veröffentlicht: "The Social Impact of Bomb Destruction" (1958);
"How Nations Negotiate" (1964) und "Every War Must End" (1971).
Dr. Ikle ist Mitglied des Internationalen Instituts für Strategische
Studien; der Amerikanischen Soziologischen Gesellschaft; der Amerikanischen
Gesellschaft für Politische Wissenschaften und des Los Angeles Komitees für
Außenpolitische Beziehungen.

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15/1973

CASEY LEGT US-WIRTSCHAFTSPOLITIK GEGENÜBER DER EUROPÄISCHEN
GEMEINSCHAFT DAR
- Wortlaut -

WASHINGTON -_(AD)-- Der Staatssekretär für Wirtschaftsfragen im amerikanischen Außenministerium, William Casey, hat am 5. April vor den Unterausschüssen für Europa und für Aussenwirtschaftspolitik des amerikanischen Repräsentantenhauses die Politik der USA gegenüber der Europäischen
Gemeinschaft dargelegt. Die Erklärung des Staatssekretärs hat folgenden
Wortlaut:
Ich freue mich, an Ihren Anhörungen über "Die Vereinigten Staaten
und die Europäische Gemeinschaft" teilnehmen zu dürfen. Sie haben für Ihre
Anhörungen den richtigen Zeitpunkt gewählt, denn unsere Beziehungen zu der
erweiterten Gemeinschaft befinden sich in einem wichtigen Gestaltungsprozeß. Was mich persönlich anbetrifft, so finden diese Anhörungen ebenfalls
zu einem richtigen Zeitpunkt statt, denn ich bin soeben von umfassenden Konsultationen in Europa zurückgekehrt. Ich möchte Ihnen heute morgen einige
der Eindrücke und Gedanken über diese Konsultationen und die Richtung vermitteln, die unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft nehmen und
über die ich Außenminister Rogers bereits in dieser Woche berichtet habe.

Zunächst

�Zunächst möchte ich jedoch versuchen, diese Beziehungen in eine umfassende Perspektive zu setzen. Vier Entwicklungen haben in ihrer Gesamtheit
unsere Beziehungen grundlegend verändert und sie viel komplexer gestaltet.
- Erstens haben die im allgemeinen besseren Beziehungen zu den kommunistischen Mächten die internationalen Spannungen vermindert und eine neue
Flexibilität in die politischen Beziehungen gebracht.
- Zweitens haben Westeuropa, Kanada und Japan eine relativ größere wirtschaftliche Stärke erlangt, und für uns hat sich damit die Notwendigkeit ergeben, mit ihnen auf der Basis der Gleichberechtigung zu verhandeln. Sie
sind nicht nur unsere besten Handelspartner, sondern auch unsere schärfsten
Konkurrenten.
- Drittens haben zwei Jahrzehnte amerikanischer Handelsbilanzdefizite
unser wirtschaftliches Wachstum wie auch das der Welt finanziert, aber
schließlich führten immer wieder auftretende Krisen zu der Erkenntnis, daß
das Nachkriegssystem einer wesentlichen Revision bedarf.
- Viertens haben wir eine noch nie dagewesene Interdependenz mit anderen demokratischen Industriestaaten erlangt - eine Interdependenz, die für
uns alle eine einzigartige Prosperität, aber auch neue Probleme gebracht
hat, die neue Initiativen für die Formulierung unserer Außenpolitik erfordern.
Die nächsten Jahre werden eine Zeit der Bewährung für unsere Bindungen
zu allen demokratischen Industriestaaten sein, wenn wir jetzt neue Beziehungen entwickeln, um dieser neuen Komplexität gerecht zu werden. Dies ist ganz
eindeutig keine Zeit für Selbstgefälligkeiten. Aber es ist ganz eindeutig
auch keine Zeit, um den Rat derer anzunehmen, die verzweifeln oder die an
die Unvermeidbarkeit einer Konfrontation glauben. Denn unsere gemeinsamen
Interessen und unsere gemeinsame Vision von der Welt wiegen weit schwerer als
unsere spezifischen und vorübergehenden Meinungsverschiedenheiten.
Präsident

-2-

�Präsident Nixon hat immer wieder unterstrichen, daß wir auch weiterhin
an die Notwendigkeit starker Bindungen zu Europa glauben. Diese Bindungen
bilden einen unerläßlichen Bestandteil seiner Strategie für einen Weltfrieden. Die "Nixon-Doktrin" stellt klar, daß andere heute das Potential und
auch die Pflicht haben, das Ihre dazu beizutragen. So erklärte der Präsident in seinem ersten außenpolitischen Bericht an den Kongreß: "Amerika
kann nicht - und will nicht - alle die Pläne ausarbeiten, alle die Programme aufstellen, alle die Entscheidungen ausführen und die gesamte Verteidigung der freien Welt übernehmen." Und er führte weiter aus: "Amerika kann
nicht in Isolierung leben, wenn es erwartet, in Frieden zu leben. Wir haben
nicht die Absicht, uns aus der Welt zurückzuziehen."
Diese Administration hat im besonderen ganz eindeutig klargestellt,
daß sie unsere Beziehungen zu Europa als "den Eckstein der gesamten Struktur
des Friedens" betrachtet.
Die europäische Einheit verleiht unseren transatlantischen Beziehungen
mehr Stärke und ermöglicht es uns, von einer Position größerer Stärke im
atlantischen Bereich aus in Richtung auf eine neue Ära der Entspannung mit
dem Osten zu schreiten. Aus diesem Grunde hat der Präsident im Oktober vergangenen Jahres bekräftigt, daß er die auf der Gipfelkonferenz der Europäischen
Gemeinschaft verkündete Absicht nachdrücklich unterstützt, den gesamten Komplex der Beziehungen zwischen ihren Mitgliedsstaaten bis zum Jahre 1980 in
eine europäische Union umzuformen, und ich zitiere hier: "Es ist - und war
immer - meine feste Überzeugung, daß Fortschritte in Richtung auf ein vereintes Europa den Frieden in der Welt, Sicherheit und Prosperität fördern."
Wir sind weiterhin der Auffassung, daß die Zusammenarbeit mit Europa auf
dem Gebiet der Politik und der Verteidigung zur Verwirklichung der europäischen
Einheit führen wird. Zwei starke Mächte im Westen würden der westlichen DiplomaU-j
vermehrte Flexibilität verleihen und die Verantwortung für Entscheidungen in
wachsendem Maße teilen.
Die

-3-

�Die europäische Einheit muß jedoch zuerst auf wirtschaftlichem Gebiet
erreicht werden. Diese wachsende Einheit hat Vorteile erbracht und die Möglichkeiten für eine wachsende Zusammenarbeit geschaffen. Sie hat aber auch
Probleme der Anpassung an die neuen Beziehungen gebracht. Der Präsident hat
die Initiative ergriffen, um mit der Gestaltung der neuen Beziehungen zu beginnen und so die Vorteile für uns zu vergrößern, die Möglichkeiten für eine
erweiterte Zusammenarbeit zu nutzen und die Anpassungsprobleme zu lösen.
Überläßt man diese Probleme sich selbst, so könnten sie in der Tat zu einer
Konfrontation führen, die weder wir noch die Europäer wünschen,
Knapp einen Monat nach seiner ersten Amtseinführung hat Präsident
Nixon durch einen Besuch Westeuropas symbolisch die Bedeutung unterstrichen,
die er diesem Punkt beimißt. Bei diesem Besuch traf er mit dem Präsidenten
und der Kommission der Europäischen Gemeinschaft zusammen. Spätere, mehr
Aufsehen erregende Besuche in Peking und in Moskau sollten diese Tatsache
nicht verdunkeln noch sollten sie vergessen lassen, daß seit 1969 ständig
auf hoher Ebene Konsultationen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft stattgefunden haben.
Im Jahre 1970 haben wir die Praxis halbjährlicher Zusammenkünfte mit
der Europäischen Gemeinschaft aufgenommen. Ich habe gerade erst als Leiter
unserer Delegation an der 6. Runde dieser Konsultationen teilgenommen, die
immer offener und in einem größeren Rahmen geführt wurden und immer nützlicher waren. In den letzten Monaten hat der Dialpg zwischen den USA und der
Europäischen Gemeinschaft ein noch nie dagewesenes Maß an Intensität und Substanz erreicht. Im Dezember traf Außenminister Rogers in Brüssel mit der Kommission zusammen. Mitte Februar hat das neue Kommissionsmitglied für außenpolitische Fragen, Sir Christopher Soames, Washington zu einer Reihe informeller Gespräche besucht. Er traf mit dem Präsidenten und maßgebenden Mitgliedern des Kabinetts zusammen und führte mit mir und anderen hohen Regierungsbeamten ausgedehnte Gespräche über die Beziehungen wischen den USA

_4-

�i

USA und der Europäischen Gemeinschaft. Im Februar hat der Präsident Peter
Peterson nach Europa entsandt, wo dieser mit den maßgebenden Persönlichkeiten der Gemeinschaft sowohl in Brüssel wie auch in den einzelnen Hauptstädten
der Länder zusammentraf, um mit ihnen den gesamten Bereich unserer Beziehungen zu Westeuropa zu erörtern. Im März hat Finanzminister Shultz die wichtigen westeuropäischen Hauptstädte besucht und dort mit der Kommission und den
maßgebenden nationalen Politikern über unsere Wirtschaftspolitik und vor
allem über die Reform des Währungssystems sowie die Handelsverhandlungen gesprochen. Im Oktober vergangenen Jahres hat die Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) im Rahmen des Prozesses einer
Intensivierung des Dialogs mit Westeuropa und anderen Industriestaaten und
weitgehend auf Initiative der USA hin eine neue Art von Exekutivausschuß geschaffen, der es den für die Gestaltung der Politik Verantwortlichen auf hoher Ebene ermöglichen soll, sich häufiger mit der ganzen Vielzahl von Fragen
zu befassen, denen das Interesse der wirtschaftlich hoch entwickelten Länder
gilt. Und auf meiner letzten Reise habe ich unsere Delegation auf dem zweiten
dieser Treffen geführt.
Der NATO-Generalsekretär Joseph Luns hat erst in der vergangenen Woche
auf der europäisch-amerikanischen Konferenz erklärt: "Ich kann mich an keine
Zeit erinnern, in der es eine so starke diplomatische Aktivität, so zahlreiche Gespräche und Konferenzen gegeben hat."
Wir begrüßen besonders die von diesem Gremium ergriffenen Maßnahmen,um
den amerikanischen Dialog mit Europa zu vertiefen. Die Ausweitung unserer Beziehungen zum Europäischen Parlament und zur Europäischen Gemeinschaft ist
in hohem Maße wünschenswert. Wir sind bereit, diesen Prozeß auf jede Weise
zu erleichtern, die Sie für nützlich halten.
Denn es ist klar, daß wir ohne Unterstützung und Mitwirkung
sowohl des Kongresses wie auch des amerikanischen Volkes unser Ziel
dieses Jahr nicht erreichen können, so dauerhafte Bindungen

-5-

�Bindungen zu schaffen, daß unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft
gleich denen zur NATO einen festen und dauerhaften Pfeiler der amerikanischeuropäischen Verbundenheit und Zusammenarbeit bilden.
Diese gesamte Aktivität ist Teil des Prozesses, der sich mit unseren
gesamten Beziehungen zu Westeuropa befaßt und den der Präsident in den Vordergrund gerückt hat. Ich möchte unterstreichen, daß nach seiner Auffassung
das Problem, unsere neuen wirtschaftlichen Beziehungen zu formen, untrennbar
verbunden ist mit der Erhaltung und Verstärkung unserer politischen und
unserer Sicherheitsbeziehungen.
Und während meines letzten Besuches in Europa habe ich festgestellt,
daß die Bedeutung unserer gesamten politischen und Sicherheitsbeziehungen für
die erfolgreiche Behandlung unserer wirtschaftlichen Probleme schnell und
bereitwillig anerkannt worden ist. Ihre erfolgreiche Lösung bedingt auf lange
Sicht eine grundlegende Umstrukturierung des internationalen WirtschaftsSystems, um es offener, gerechter und flexibler zu gestalten und es besser
geeignet für die Lösung solcher Probleme zu machen, denen sich die Entwicklungsländer gegenübersehen. Kurzfristig erfordert dies eine bessere Lösung
der spezifischen Probleme mit der Gemeinschaft, so wie sie auftreten.
Wie Sie wissen, arbeiten wir im Zwanziger-Ausschuß bereits an der Umstrukturierung des internationalen Wirtschaftssystems durch Reform des internationalen Währungssystems sowie durch Vorbereitungen auf die umfassenden
multilateralen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT, die im kommenden September beginnen sollen. Weiter haben wir in der OECD eine Prüfung der Probleme der internationalen Investitionen in Angriff genommen, um damit sicherzustellen, daß dieses Gebiet nicht zu einem Streitobjekt zwischen den Regierungen wird, wenn wir jetzt in Richtung auf neue Übereinkommen auf den Gebieten des Handels und der Währungen voranschreiten. In allen diesen Fragen
spielt Westeuropa eine entscheidend wichtige Rolle. Wenn wir mit Erfolg das
internationale Wirtschaftssystem umstrukturieren wollen, um es offener und

-6-

�und gerechter zu machen, dann wird sich die amerikanisch-europäische Zusammenarbeit als unerläßlich erweisen.
Wenn wir uns jetzt immer stärker auf die offiziellen Handelsverhandlungen im Rahmen des GATT im kommenden September vorbereiten, dann wird es als
erstes notwendig sein, sicherzustellen, daß wir, wie auch die Europäische
Gemeinschaft, dem gemeinsamen Wachstum Vorrang gegenüber dem individuellen
Schutz einräumen, daß wir die Handelsschranken weiter abbauen und nicht neue
Präferenzabkommen eingehen

Der rapide anwachsende Handel war in den letzten

25 Jahren ein wesentlicher Antrieb für das wohl bedeutendste globale Wirtschaftswachstum in der Geschichte der Menschheit. Durch den Abbau der Handelsschranken wurde dieser Beitrag möglich. Wir haben an diesem Prozeß mitgewirkt und aus ihm Vorteile gezogen.
Eine weitere wesentliche Handelsliberalisierung ist notwendig, wenn wir
unseren Wohlstand erhalten und steigern wollen. Aber der politische Aspekt
der künftigen Handelsverhandlungen ist von gleich großer Bedeutung. Ihren
größten Fortschritt in Richtung auf Einheit hat die Europäische Gemeinschaft
auf dem Gebiet des Handels gemacht. Sir Christopher Soames, der "Außenminister" der Gemeinschaft, ha£ klargestellt, daß die Handelsverhandlungen im
Mittelpunkt der künftigen Beziehungen der Gemeinschaft zu den USA stehen und
von entscheidender Bedeutung für diese Beziehungen sein werden. Er hat die
Gemeinschaft aufgefordert, nicht zu vergessen, daß die Verhandlungen in den
weiteren politischen Rahmen der Beziehungen zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gestellt werden müssen.
Ich möchte gerade diesen Punkt vor den beiden Unterausschüssen unterstreichen, die sowohl an den politischen wie auch an den wirtschaftlichen
Aspekten unserer Beziehungen zu Europa interessiert sind. Die Verabschiedung
des Handelsgesetzes, das der Präsident dem Kongreß in einigen Tagen unterbreiten will, wird von entscheidender Wichtigkeit für die. Verwirklichung der
Strategie des Präsidenten sein, die auf eine Verbesserung der Beziehungen zu
Europa abzielen.
Auf

-7-

�•

Auf meiner Reise nach Europa habe ich den von Finanzminister Shultz eingeleiteten Prozeß fortgesetzt, die maßgebenden europäischen Staatsmänner
über die Grundzüge des Gesetzes zu unterrichten, das der Präsident vorzulegen beabsichtigt. Ich fand im allgemeinen eine positive Reaktion auf unser
Vorhaben. Ich habe allerdings auch gewisse Befürchtungen hinsichtlich der Importabgabe und der Schutzaspekte unseres vorgeschlagenen Handelsgesetzes festgestellt. Doch im allgemeinen schien diese gewisse Empfindlichkeit sich zu
begeben, sobald hervorgehoben wurde, daß wir lediglich für den Präsidenten die
gleichen umfassenden VerhandlungsvolLmachten anstreben, wie sie die europäischen Regierungen bereits besitzen. Die Reaktionen auf die Schutzmaßnahmen
waren weniger scharf, wenn sie als eine liberalisierende Kraft dargelegt wurden. Gibt man den empfindlichen Industrieen nicht genug Zeit zur Anpassung
an die veränderten Handelsgepflogenheiten, dann werden die Regierungen kaum
den Willen aufbringen, den Handel offener zu gestalten. Ich habe ferner darauf
hingewiesen, daß Form und Verwirklichung unseres Gesetzes in den kommenden Monaten wesentlich dadurch beeinflußt würden, ob wir einige der kurzfristigen
Handelsprobleme mit der Europäischen Gemeinschaft befriedigend lösen können;
dies gilt im besonderen für die GATT-Verhandlungen über die Beeinträchtigung
unseres Handels, die sich aus der Erweiterung der Gemeinschaft ergibt.
Ich stellte ferner einige Besorgnisse in Europa fest - die ich mich zu
zerstreuen bemühte -, daß die Vereinigten Staaten versuchen könnten, die Gemeinschaft in einigen spezifischen und fundamentalen Fragen zu spalten. Beispielsweise weist die europäische Presse immer wieder hartnäckig auf ein ihrer
Meinung nach mögliches gemeinsames Interesse der Vereinigten Staaten und Großbritanniens an einem Zusammenbruch der gemeinsamen Agrarpolitik hin. Unsere
Ansicht ist - und das habe ich immer wieder erläutert -, daß wir nicht bestrebt sind, diese gemeinsame Agrarpolitik zu Fall zu bringen, sondern daß wir
nur eine Liberalisierung auf dem Agrarsektor erreichen wollen, die sich im
beiderseitigen Interesse sowohl der Vereinigten Staaten als auch Europas auswirken würde. Statt auf eine Spaltung der Gemeinschaft zu hoffen, erwarten wir
eine Zusammenarbeit mit ihr in jedem bedeutsamen Bereich wirtschaftlichen

-8-

�.

wirtschaftlichen Bemühens, an dem die Gemeinschaft und die Vereinigten Staaten ein gemeinsames Interesse haben.
Was die Landwirtschaft anbetrifft, so möchte ich hinzufügen, daß in
Westeuropa die Erkenntnis wächst, der Kampf um die Lösung des ernsthaften
Inflationsproblems werde eine Modifizierung des hohen Grades an Protektionismus erfordern, der zur Zeit dort gegeben ist. Selbstverständlich würden
wir jeden Schritt ihrerseits auf dem Getreide- und dem Fleischsektor begrüßen, durch den sie (die Westeuropäer) billigere Getreideerzeugnisse und
billigeres Fleisch erhalten würden und der gleichzeitig die Aussichten für
die amerikanischen Getreide-und Futtermittelexporte verbessern würde. Wir
haben vor kurzem in den Vereinigten Staaten seit langem bestehende Beschränkungen in der landwirtschaftlichen Erzeugung abgebaut. Wir hoffen, daß die
Europäer - um ihre Preise niedrig zu halten - Schritte zu einer wesentlichen
Liberalisierung ihres überaus protektionistischen Agrarsystems ergreifen werden, wir wollen den Agrarhandel als wichtigen Punkt in die bevorstehenden
multilateralen Handelsverhandlungen einbeziehen und auf der Basis der Gegenseitigkeit sinnvolle Erleichterungen der Restriktionen anstreben.
Ich habe ferner in Europa für unsere gemeinsame Sorge über das sich entwickelnde Energieproblem eine gemeinsame Basis festgestellt. Die Europäer
sehen der bevorstehenden Energiebotschaft des Präsidenten mit großem Interesse entgegen. Sie erörtern diese Frage untereinander mit Vorrang, und die
maßgebenden Staatsmänner der Europäischen Gemeinschaft haben auf ihrem Gipfeltreffen in Paris die unverzügliche Formulierung einer gemeinsamen Energiepolitik der Gemeinschaft gefordert. Vom Standpunkt der Binnenwirtschaft und
der Zahlungsbilanz her gesehen scheinen Energie und Landwirtschaft sich als
zwei der kritischsten Gebiete der künftigen wirtschaftlichen Zusammenarbeit
zwischen den Vereinigten Staaten und Westeuropa zu entwickeln.
Westeuropa und die Vereinigten Staaten stehen ferner vor der gemeinsamen
Aufgabe, wirksame Lösungen für die Probleme der Entwicklungsländer zu finden.

-9-

�finden. Wir haben mit beträchtlicher Befürchtung die ständige Zunahme der
Präferenzhandelsabkommen der Gemeinschaft mit denjenigen Entwicklungsländern
in Afrika und im Mittelmeerraum beobachtet, mit denen sie in der Vergangenheit enge Bindungen unterhalten haben. Diese Abkommen könnten sich in Kürze
auch auf die Commonwealthländer in Afrika sowie im karibischen Raum ausdehn

6n. Wir unterstützen die besonderen Beziehungen zwischen der Gemeinschaft

und diesen Ländern und sind ebenfalls der Ansicht, daß sie Stabilität und
Frieden in den betreffenden Gebieten stärken. Wir können jedoch keine Rechtfertigung für die diskriminierenden Handelsaspekte dieser Beziehungen, vor
allem für die Gegenpräferenzen, sehen, die zur Bildung geschlossener NordSüdhandelsblöcke führen könnten. Wenn wir jetzt unser eigenes Handelsgesetz
ausarbeiten, sehen wir keine Möglichkeit, die Ausdehnung der allgemeinen
Handelspräferenzen seitens der Vereinigten Staaten auf die Entwicklungsländer
zu rechtfertigen, die uns zu Gunsten von Importen aus anderen Industriestaaten diskriminieren. Zweifellos müssen wir nach einer gemeinsamen Lösung dieses Problems suchen, die den Entwicklungsländern zum Vorteil gereicht. Dies
ist ein Problem, das ich bereits angeschnitten habe und das wir in naher Zukunft im einzelnen mit der Gemeinschaft erörtern werden.
Auf allen diesen Gebieten müssen wir sicherstellen, daß ausreichende Möglichkeiten für einen umfassenden und offenen Dialog mit der Europäischen Gemeinschaft vorhanden sind. Eine Reihe maßgebender europäischer Persönlichkeiten hat von einem umfassenderen und stärker institutionalisierten Mechanismus für einen Dialog zwischen den USA und der Europäischen Gemeinschaft gesprochen, aber die Gemeinschaft muß sich noch über eine Formel einigen. Wir
haben den Europäern gesagt, daß wir jeden von ihnen gemachten Vorschlag ernsthaft prüfen werden und daß unsere Sorge dem Inhalt und nicht der Form des
Dialoges gilt.
Mein

-10-

�Mein Gesamteindruck ist, daß sich unsere Beziehungen zur Europäischen Gemeinschaft in der richtigen Richtung bewegen, aber daß sie ständiger Aufmerksamkeit bedürfen und daß eine wirksame Zusammenarbeit bei unseren großen gemeinsamen Interessen in den Bereichen von Politik und Sicherheit, bei unseren gemeinsamen Problemen auf den Gebieten der Energie und der Entwicklung
sowie im gesamten wirtschaftlichen und finanziellen Bereich notwendig ist.
Daß zwischen uns Probleme bestehen, ist eine Folge unserer wachsenden Interdependenz wie auch der besonderen, sich aus der Notwendigkeit ergebenden Umstände, grundlegende und längst überfällige Reformen auf dem Handels-und dem
Währungssektor auszuarbeiten, die den veränderten wirtschaftlichen

Gegeben-

heiten voll und ganz Rechnung tragen.
Die neuen maßgebenden Persönlichkeiten der Kommission haben mich sehr
positiv beeindruckt und wir führen einen freien und offenen Dialog mit ihnen.
Wie wir erkennen a uch sie an, daß die gemeinsamen Bindungen zwischen den USA
und der Gemeinschaft bei weitem stärker sind als unsere Meinungsverschiedenheiten und daß wir den richtigen Sinn für die Proportionen in unseren Beziehungen behalten müssen. Ich bin sicher, daß wir bei gutem Willen auf beiden
Seiten die vor uns liegenden gemeinsamen Aufgaben erfolgreich lösen werden.
Wie der Präsident unterstrichen hat, ist es von höchster Wichtigkeit, daß die
Vereinigten Staaten und Europa eng zusammenarbeiten.

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15/1973

USA PROKLAMIEREN "WOCHE DER ERDE"
-Jahresbilanz beim Umweltschutz-

--(AD)-- In den Vereinigten Staaten wird vom 8.-14.April 1973 die
"Woche der Erde" begangen. Man zieht Bilanz, möchte feststellen, was mit
den Kampagnen gegen Umweltverschmutzung und UmweltSchädigung bereits erreicht wurde und wo künftig die AktionsSchwerpunkte liegen sollen.
Die Luftqualität ist zweifellos in vielen Regionen besser geworden.
Im Verlauf des letzten Jahres - genauer gesagt seit dem 1. März 1972 wurden z.B. weitere 2000 Stadtmüll-Deponien geschlossen, weil sie Quellen
für Rauch-und Geruchsbelästigungen waren oder die Gegend verschandelten.
Schwefeloxide und Staub in der Luft gingen in zahlreichen Städten merklich
zurück. Allerdings entsprechen die jetzt gemessenen Konzentrationen noch
nicht den höchstzulässigen Werten, die nach dem Bundesgesetz von 1970
zur Luftreinhaltung ab 1976 den Maßstab abgeben und nicht mehr überschritten werden dürfen.
Das Gesetz, das Schadstoffe

wie Staub, Schwefeloxide, Kohlenmonoxid,

Kohlenwasserstoffe, Stickstoffoxide und photochemisch wirksame Aerosole
stark verringern helfen soll, begrenzt z.B. Schwefeldioxid auf 0,14

-l-

�0,14 Anteile SO

in 1 000 000 Teilen Luft. Durch die Verwendung schwefel-

armer Brennstoffe und die strengen Kontrollmaßnahmen ist nach den Angaben
der Bundesuraweltschutzbehörde EPA die SO -Konzentration in den Großstädten
im Vergleich zu den sechziger Jahren tatsächlich schon erheblich zurückgegangen. Sie sank in einigen Gebieten bereits um 75 Prozent - d.h. sie liegt
schon 5 Prozent unter der ab 1976 gültigen Obergrenze.
Aus den Unterlagen des EPA-Überwachungszentrums in Nordkarolina, bei
dem die Meßdaten von 247 regionalen Stationen gesammelt werden, geht aber u.a.
hervor, daß z.B. Städte wie Atlanta, Detroit und St. Louis gegen Staub-,
Schwefeldioxid und Stickstoffoxide weitere Kontrollmaßnahmen ergreifen müssen,
um den Auflagen zur Ausschaltung gesundheitsgefährdender Abgase gerecht werden zu können. Von New York wird berichtet, daß die Emissionen an Schwefeldioxid in den letzten acht Jahren um 25 Prozent zurückgingen, in der Stadt
Buffalo (New York) um 50 Prozent. In der Bucht von San Francisco stellt der
Smog im Sommer und Herbst noch immer ein Problem dar, jedoch ist in bezug auf
Staubemissionen ein Rückgang zu verzeichnen.
Aufgrund neuer Ergebnisse, die Wissenschaftler des EPA-Forschungszentrums
in Durham (Nordkarolina) bei atmosphärischen Untersuchungen und Tierversuchen
erzielten, ist es jedoch zweifelhaft geworden, ob die für 1976 angestrebten
"Sicherheitsgrenzen", insbesondere der für Schwefeldioxid noch zulässige
Höchstwert,überhaupt sicher genug sind. Denn die Anzeichen häufen sich, daß
weniger das Schwefeldioxid in der Luft als vielmehr die daraus entstehenden
Tochterprodukte wie Schwefelsäure (bei Verbindung mit Sauerstoff und Feuchtigkeit) und bestimmte Sulfate (Salzeaus Schwefel und anderen Substanzen wie
die Verbindung mit Metallen und Ammoniak) viel gefährlicher sind als die
"Muttersubstanz" Schwefeldioxid. Sie behindern z.B. bei Meerschweinchen die
Atmung viermal bezw. zwanzigmal stärker als die Ausgangsverbindung, das
Schwefeldioxid. Inwieweit diese Resultate allerdings für den Menschen zutreffen, vermag man noch nicht zu sagen. Jedenfalls ist höchste Wachsamkeit
geboten.
-Gewässer

�i

- Gewässer werden sauberer Das Bundesgesetz von 1972 zur Reinhaltung der Gewässer demonstriert,
daß die Regierung auf diesem Gebiet nicht minder entschlossen vorgeht. Die
einzige Kontroverse ergibt sich aus den dabei anzuwendenden Methoden und
dem Tempo. Aus preis-und konjunkturpolitischen Gründen lehnte es Präsident
volle
Nixon bisher ab, jetzt schon die/Hälfte der vom Kongreß bewilligten 24 Milliarden Dollar für den Bau von Kläranlagen freizugeben. Die dafür zur Verfügung gestellten Bundesmittel stiegen von 214 Millionen Dollar im Jahre 1969
auf zwei Milliarden im Jahre 1972, und sie werden im kommenden Haushaltsjahr
drei Milliarden Dollar erreichen.
Ziel des Wasserschutzprogramms der EPA, das in erster Linie durch den
Bau oder die Verbesserung von Kläranlagen erreicht werden soll, ist es,
bis 1977 die Entfernung von 85 Prozent der biologischen Abfälle aus dem
Wasser zu gewährleisten. Von der Industrie, der 34 Prozent der Wasserverschmutzung angelastet werden, wird bis 1977 die Anwendung der "bestmöglichen" Technik der Abwasserreinigung und bis 1985 eine - vorläufig allerdings vielfach als hypothetisch angesehene - völlige Einstellung des Einleitens von Abwässern in Flüsse und Seen verlangt. In den Vereinigten Staaten gibt es z.Zt. etwa 12 000 Anlagen zur Abwasserbehandlung. Bei der EPA
liegen derzeit Gesuche und finanzielle Zuschüsse zum Bau von weiteren
9 000 Anlagen vor.
Schon jetzt ist das Einleiten von Industrieabwässern in offene Gewässer scharfen Kontrollen und Beschränkungen mit Auflagen zur Vorbehandlung unterworfen. Es wird in zahlreichen Fällen von Sondergenehmigungen seitens der EPA abhängig gemacht. Gegenwärtig sind 600 solcher Anträge in
Bearbeitung bezw. bereits bewilligt; man erwartet, daß die Zahl schon im
Juni auf 3 500 angestiegen sein wird. Weitere 1 000 Anträge, die durch ein

-3

�ein neues Gesetz notwendig wurden, betreffen die Beseitigung von Industrieabfällen im Meer. Auch Motorboote und VergnügungsJachten bedürfen jetzt
im Interesse des Umweltschutzes einer besonderen Betriebserlaubnis.
Für die Beseitigung von Schrottfahrzeugen wurde im letzten Jahr viel
getan. Die Zahl der Schredderanlagen stieg von 90 auf 120 an. Sie können
pro Jahr acht Millionen Schrottfahrzeuge zerkleinern. Die Stahlwerke sind
in der Lage, den Eisenschrott in die Produktion wieder einzuschleusen.

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15/1973

DIE ATMUNG DER MEERE
-Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren-

--(AD)--

Nach neunmonatiger Forschungsfahrt, die von den Gewässern um

Grönland bis in die Antarktis führte, machte die KNORR, ein schwimmendes
Laboratorium des Ozeanographischen Instituts Woods Hole (Massachusetts)
Anfang April im Hafen von New York fest. Fast 26 000 Seemeilen (ca. 48 000
km) hatte sie auf dieser ersten Atlantik-Expedition für GEOSECS" (Geochemical Oceans Section Study - Erforschung der geochemischen Vorgänge
in den Weltmeeren) zurückgelegt. Im kommenden Jahr wird das Schwesteischiff
der KNORR, die MELVILLE vom Scripps-Institut in La Jolla (Kalifornien), mit
den gleichen Ausrüstungen und Meßverfahren im Pazifik und im Indischen Ozean
operieren. Ein japanisches Forschungsschiff, das bereits Teile des Pazifik
sondierte, schließt sich der MELVILLE an, während von Wissenschaftlern der
Bundesrepublik und Frankreichs noch in diesem Jahr bestimmte Gebiete des
atlantischen Ozeans im Rahmen des GEOSECS-Programms erkundet werden.
An dem von der amerikanischen "National Science Foundation" (Nationalstiftung für die Wissenschaft) finanzierten Projekt sind außerdem 15 amerikanische Universitäten und Laboratorien sowie Institute in Kanada, Indien

-l-

�I

Indien und Italien mit Untersuchungen beteiligt, die vom Festland aus durchgeführt werden können. Man möchte nicht nur eine allgemeine Übersicht, sondern möglichst exakte Kenntnisse von Temperaturen, Zirkulation, Salzgehalt,
Sauerstoffkonzentrationen, Nährstoffen, Druckverhältnissen, Radioaktivität
und anderen physikalischen Faktoren bekommen, die jenseits der Schelfzonen
in der Tiefsee anzutreffen sind.
Es liegt auf der Hand, daß alle diese Faktoren praktische Auswirkungen
auf wirtschaftswichtige Aktivitäten und Entwicklungen haben - Fischerei,
langfristige Wettervorhersagen, neue Hilfsquellen und, was vielleicht am bedeutsamsten ist, die Kontrolle der Meeresverschmutzung. Sie beeinflussen
den Stoffaustausch zwischen Tiefsee-und Oberflächenwasser, die biologische
Aktivität in verschiedenen Tiefenregionen und in einzelnen Meeresgebieten
und schließlich den Austausch von Wasser und Gasen zwischen Meer und Atmosphäre. Der erste Schritt zur Anwendung der mit GEOSECS erworbenen und
vertieften Kenntnisse wäre, wie Dr. Wallace Broecker von der Columbia-Universität (New York) in diesem Zusammenhang erklärte, die Ausarbeitung eines
Computer-Modells für den Stoff-und Energiehaushalt der Meere.
Die Wissenschaftler an Bord der KNORR sammelten Daten, die über die
Dynamik des Atlantik Aufschluß geben sollen. Die Reise begann am Polarkreis
und führte den westlichen Atlantik entlang bis zum Kap Hörn. Von dort aus
ging die Expedition weiter zur Küste der Antarktis, an dieser entlang und
schließlich zur Westküste Afrikas und wieder in Richtung Norden. Das Schiff
ist mit den wohl modernsten Anlagen ausgestattet, über die ein Forschungsschiff nur verfügen kann. Automatische Laboranlagen sind ebenso wie empfindliche neue Meßgeräte direkt an einen Bordcomputer angeschlossen, der nicht
nur die Daten speichert, sondern auch einen großen Teil der Operationen
steuert.
An

-2-

�I

An mehr als 120 verschiedenen Stationen auf hoher See wurde das glockenförmige Tiefenmeß-Instrumentarium (die Wissenschaftler nennen es "Rosette")
so und so oft abgesenkt, stellenweise bis 7 000 m unter dem Wasserspiegel.
Obgleich es noch Monate, vielleicht Jahre dauern wird, bis die Daten ausgewertet sind, stehen bereits einige Ergebnisse fest. Man hatte z.B. befürchtet, daß die gegenwärtig ständig steigende Emission von Kohlendioxid auf
der nördlichen Halbkugel der Erde die Fähigkeit der Meere, Kohlendioxid zu
absorbieren, bereits übersteige, was zu einer Übersättigung der Atmosphäre
mit CO

und schließlich zu Klimaänderungen führen muß. Auf der KNORR-Expe-

dition wurde jedoch nachgewiesen, daß der Nordatlantik nach wie vor Kohlendioxid aus der Luft aufnimmt, der Südatlantik dagegen Kohlendioxid an die
Atmosphäre abgibt. Nach Dr„ Haro Takahashi, einem der Chefwissenschaftler
für das Unternehmen GEOSECS, sei dies ein Anzeichen dafür, daß die Meere
noch in der Lage sind, Gase aus den Regionen mit den stärksten Verschmutzungsgraden aufzunehmen. Allerdings bedeute dies, wie er betonte, keine Lösung des
Problems der atmosphärischen Belastung mit Industrieabgasen.
Die Wissenschaftler entdeckten außerdem, daß in den Tiefen der Weltmeere
sehr viel stärkere und ausgedehntere Turbulenz herrscht als bisher angenommen. Sie berichten z.B. von eindeutigen Anzeichen für "eine starke Wechselwirkung zwischen Grundströmungen und Meeresboden, wobei Material vom Meeresgrund durch die gesamten Weltmeere umverteilt wird."

Ein besonders wichti-

ger Teil der Forschungen entfiel auf die Entnahme und Messung radioaktiver
Isotope im Meer, weil diese ein sehr genaues Bild von der horizontalen und
vertikalen Zirkulation und den Auswirkungen der Verschmutzung ergeben können. Mit Hilfe der auf der KNORR praktizierten Methoden ist es möglich, bessere Vorhersagen für künftige Entwicklungen in den Weltmeeren zu machen.
"Sie verändern sich viel schneller, als wir bisher annahmen", meinte
Dr. Takahashi.

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15/1973
HORMONE UND MUSKELDYSTROPHE
-Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons-

--(AD)--Die biochemischen Prozesse, die der Muskeldystrophie zugrundeliegen,
konnten trotz intensiver Forschung bisher nicht geklärt werden. In einer
Reihe von Instituten in aller Welt bemühen sich Wissenschaftler darum, der
offenbar genetisch bedingten, in einigen typischen Hauptformen auftretenden Krankheit auf die Spur zu kommen. Bei einem Erfolg dieser Bemühungen
könnte es zum mindesten möglich werden, die Prozesse, die den Stoffwechsel
der Muskelzellen entgleisen

lassen, zu beeinflussen und die fortschrei-

tende Degeneration der Muskulatur zu stoppen.
Die "Muscular Dystrophy Associations of America, Inc." (MDAA), eine
private Vereinigung zur Bekämpfung dieser Krankheit, stellte kürzlich
Instituten in Kalifornien den Betrag von 200 000 Dollar zur Verfügung. Ein
Teil der Mittel geht an Dr.Hanna Friedman, Assistenzprofessorin für Biologie an der Universität Kalifornien in San Diego, die sich mit den Vorgängen an der Oberflächenmembran von gesunden und kranken Muskelzellen befaßt. Diese Trennschicht zwischen dem Zellinnern und der Umgebung der Zelle,
über die der Stoffaustausch vonstatten geht, macht im Verlauf der Austauschvorgänge selbst Veränderungen durch. Der Mechanismus, nach dem diese
Veränderungen ablaufen, ist jedoch noch unbekannt. Dr. Friedman hofft,

-l-

�hofft, durch ihre Untersuchungen mehr Licht in die Vorgänge zu bringen, die
vielleicht auch bei der Verschlimmerung des Zustandes von Patienten mit
Muskeldystrophie eine Rolle spielen.
Als eine mögliche Ursache der Muskeldystrophie werden enzymatische
Fehlreaktionen vermutet. Interessant in diesem Zusammenhang sind Erfahrungen,
die kürzlich Wissenschaftler des Klinikums der Emory-Universität in Atlanta
(Georgia) machten. Dr. Samuel B. Chyatte und Dr. Daniel Rudman gaben im Rahmen ein er kurzfristigen Studie Patienten mit Muskeldystrophie menschliches
Wachstumshormon (human growth hormon - HGH). Bei zwei Formen der Erkrankung
- nämlich der sogenannten myotonen Dystrophie und der Schultergürtel-Form zeigte sich bald eine ermutigende Reaktion. Das Hormon hatte offenbar einen
gewissen aufbauenden Effekt und wirkte als Anabolikum. Das Muskelgewebe nahm
an Substanz zu. Allerdings war in der noch relativ kurzen Zeit der Anwendung
keine entsprechende Kräftigung der Muskulatur zu beobachten. Deshalb wurde
jetzt ein längerfristiges Programm für die HGH-Therapie eingeleitet, bei dem
die Patienten unter diesem Gesichtspunkt besonders sorgfältig beobachtet werden.
Entgegengesetzt war jedoch die Reaktion bei der dritten und häufigsten
Form, der progressiven Muskeldystrophie (Typ Duchenne), auf die fast 90 Prozent aller Erkrankungen entfallen und von der meist nur Knaben betroffen
sind. Bei diesen Patienten kam es zu einer verstärkten Atrophie des Muskelgewebes. Man beobachtete unter anderem, daß aus den Muskelzellen Enzyme aussickern, was auf eine ernste Zellschädigung schließen ließ.
Dieses Ergebnis veranlaßte Chyatte und Rudman, Diaethylstilbestrol anzuwenden, ein synthetisch gewonnenes weibliches Sexualhormon. Es hatte bei den
Patienten mit progressiver Muskeldystrophie einen ähnlichen aufbauenden
Effekt wie HGH bei den anderen beiden Dystrophie-Formen. Nach Meinung der
Wissenschaftler liegt die Bedeutung dieser Ergebnisse allerdings weniger in

�in der therapeutischen Wirkung als vielmehr in der Tatsache, daß menschliches Wachstumshormon bei den verschiedenen Formen der Muskeldystrophie
konträre Wirkungen zeigt. Weder bei Tierversuchen noch beim Menschen war
zuvor der zeilabbauende (katabole) Effekt von HGH beobachtet worden. Es se
zu vermuten, so Dr.

Chyatte, daß bei Muskeldystrophie vom Typ Duchenne di

biologische Aktivität dieses Hormons überhaupt eine Schlüsselrolle spielt.
Diese Dystrophie-Form scheine eine Art "seitenverkehrtes Spiegelbild" der
anderen beiden Erkrankungsformen zu sein. Die bisherigen Forschungsergebnisse weisen auf spezifische bio-chemische Defekte hin, die man nun weiter
eingrenzen möchte und im Detail ausfindig zu machen hofft.

-3-

�</text>
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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Rush erläutert Osteuropa-Politik der USA&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Nixon nominiert neuen Direktor der amerikanischen Abrüstungsbehörde&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Casey legt US-Wirtschaftspolitik gegenüber der Europäischen Gemeinschaft dar&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wissenschaft und Technik&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA proklamieren "Woche der Erde"&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Jahresbilanz beim Umweltschutz -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Die Atmung der Meere&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Internationale Studie des Stoffkreislaufs in den Weltmeeren -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Hormone und Muskeldystrophe&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Rätselhafte Rolle des menschlichen Wachstumshormons -&lt;/em&gt;</text>
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