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                  <text>amerika dienst
United

States

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Godesbergl,

89-3240

Service

Postfach 300

Telex:

Information
und
Dokumentation

08-85432

29. März 1973

13

Inhalt

WIRTSCHAFT:
Erster Jahresbericht des Rates für Internationale Wirtschaftspolitik
-Begleitschreiben Präsident Nixons an den KongreßMills fordert Reform des internationalen Handelssystems
-Wortlaut der Erklärung vor dem RepräsentantenhausVolcker tritt für grundlegende Reform des internationalen Währungssystems ein
-AuszügeWashingtoner Währungskonferenz brachte wachsende Übereinstimmung
-Von Eugene Brake-

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
US-Kommission empfiehlt neue Konzeptionen für die Suchtbekämpfung
-Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang vor Bestrafung habenAmerikanisch-sowjetische Forschungsprogramme
Großstädter atmen zu viel Kohlenmonoxid ein
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�amerika dienst
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G o d e s b e r g l ,

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Wirtschaft

Service
300

08-85432

13/1973

ERSTER JAHRESBERICHT DES RATES FÜR INTERNATIONALE WIRTSCHAFTSPOLITIK
-Auszüge-

BEGLEITSCHREIBEN PRÄSIDENT NIXONS AN DEN KONGRESS
-Wortlaut-

WASHINGTON _-(AD)— Präsident Nixon hat am 20. März den ersten Jahresbericht
des amerikanischen Rates für Internationale Wirtschaftspolitik an den Kongreß
übermittelt. In dem am 22. März veröffentlichten Bericht geht der Rat auf die
handels-und währungspolitische Entwicklung nach dem Kriege ein und gibt seine
Empfehlungen für den künftigen Kurs der Vereinigten Staaten. In seinem Begleitschreiben lehnt Präsident Nixon eine Abkehr Amerikas von der Welt ab und
betont, daß sich die Vereinigten Staaten der Weltkonkurrenz stellen müßten.
Der Vorsitzende des Rates und Sonderberater des Präsidenten, Peter M.
Flanigan, teilte auf einer Pressekonferenz über den Bericht mit, daß Nixon
seine Handelsgesetzvorlage voraussichtlich im April dem Kongreß unterbreiten
werde. Die endgültigen Entscheidungen über die Details der Vorlage seien
noch nicht gefallen.
Das

�Das Begleitschreiben des Präsidenten hat folgenden Wortlaut"An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Die Nation hat wieder Frieden; ebenso sind wir wieder auf einem festen
Kurs zu einem starken wirtschaftlichen Wachstum im eigenen Lande. Jetzt müssen
wir unsere Aufmerksamkeit stärker den dringenden Problemen zuwenden, vor denen
wir in unseren wirtschaftlichen Beziehungen zu anderen Ländern stehen. Für
manche von uns mögen internationale Probleme fernab liegend erscheinen, sie
haben jedoch eine sehr direkte Auswirkung auf die Arbeitsplätze, die Einkommen
und den Lebensstandard unseres Volkes. Weder der Friede, den wir erreicht
haben, noch das wirtschaftliche Wachstum, das für unser nationales Wohlergehen notwendig ist, werden Bestand haben, wenn wir diese Fragen vernachlässigen, denn sie können unsere Prosperität im eigenen Lande vermindern und
gleichzeitig schädliche Reibungen mit anderen Ländern verursachen.
Unsere Hauptschwierigkeiten rühren daraus her, daß wir uns trotz der
raschen Veränderungen, die in der Welt stattgefunden haben, zu lange auf veraltete wirtschaftliche Vereinbarungen und Institutionen verlassen haben. Viele
Länder, denen wir nach dem zweiten Weltkrieg beim Wiederaufbau geholfen haben,
sind jetzt zu unseren starken wirtschaftlichen Konkurrenten geworden. Wir
Amerikaner können nicht länger so handeln, als ob diese geschichtlichen Entwicklungen nicht stattgefunden hätten. Wir müssen mehr leisten, um uns - sowohl auf dem privaten Sektor wie in der Regierung - darauf vorzubereiten, wirksamer auf den Weltmärkten konkurrieren zu können und damit den Handel auszu-.
weiten, damit er unserem Volke größeren Nutzen bringt.
Im Sommer 1971 hat diese Administration in der amerikanischen Außenhandelspolitik fundamentale Änderungen eingeleitet. Wir haben auch Vorschläge für
die Reform des internationalen Währungs-und Handelssystems unterbreitet, das

�das nicht mehr in der Lage ist, mit den gegenwärtigen Problemen fertig zu
werden. Das Durcheinander in den Währungsangelegenheiten der Welt hat deutlich gezeigt, daß jetzt eine konstruktive Reform mit noch größerer Dringlichkeit in Angriff genommen werden muß.
Im eigenen Lande haben wir unseren Kampf für die Aufrechterhaltung der
Preisstabilität und die Verbesserung unserer Produktivität fortgesetzt
- Ziele, die für unsere internationale Wirtschaftsposition ebenso wichtig
sind wie für unser Wohlergehen im eigenen Lande.
Was wird unser nächster Schritt sein?
In meiner Botschaft über die Lage der Nation zur Wirtschaft im vorigen
Monat habe ich bestimmte Maßnahmen umrissen, um sowohl unsere einheimische
als auch unsere internationale Wirtschaftsposition zu stärken. Eines unserer wichtigsten Vorhaben ist die Reform des Handels.
Bei der Wahl einer internationalen Handelspolitik, die allen Amerikanern
zugute kommen wird, bin ich zu dem Schluß gekommen, daß wir uns einer intensiveren langfristigen Konkurrenz auf den Weltmärkten stellen müssen und
nicht vor ihr zurückschrecken dürfen. Jene, die möchten, daß wir uns nach
innen kehren und uns hinter einem Schild von Einfuhrbeschränkungen unbegrenzter Dauer verstecken, könnten kurzfristige Gewinne und Vorteile für bestimmte Gruppen erreichen, aber sie würden von der Gesamtwirtschaft hohe
Kosten fordern. Diese Kosten müßten von allen von uns in Form höherer Preise
und eines geringeren Realeinkommens getragen werden. Solche restriktiven
Maßnahmen könnten nur als Reaktion auf unfairen Wettbewerb oder die Schliessung ausländischer Märkte für unsere Güter gefordert werden oder zu dem
Zweck, Zeit für Anpassungen zu gewinnen.
Meine

�Meine Einstellung beruht auf meinem festen Glauben an die Konkurrenzfähigkeit der Amerikaner und auf meiner Zuversicht, daß alle Nationen erkennen werden, daß ihre eigenen Lebensinteressen in einem Abbau der wirtschaftlichen Hindernisse und der Anwendung fairerer und effektiverer Handelsregeln
liegen.
Die Tatsache, daß die meisten dieser Äußerungen sich auf die Rolle unserer Regierung beziehen, darf die Aufmerksamkeit nicht von der entscheidend
wichtigen Rolle ablenken, die die private Wirtschaftstätigkeit bei der Lösung
unserer gegenwärtigen Probleme spielen wird. Um unsere Produktivität zu erhöhen und unsere Preise wettbewerbsfähig zu erhalten, sind die Zusammenarbeit
und die Initiative aller Sektoren unserer Wirtschaft notwendig. Das ist von
entscheidender Bedeutung für unsere internationale Handelsposition. Und doch
gibt es bestimmte notwendige Schritte, die nur die Regierung tun kann, wenn
man von dem weltweiten Ausmaß der Handelstätigkeit und der Notwendigkeit für
ein allgemeines internationales Übereinkommen ausgeht, den Handel fair und
effektiv auszuweiten. Ich bin entschlossen, diese Schritte zu ergreifen.
Ich weiß, daß wir uns auf das amerikanische Volk und seine Vertreter im
Kongreß verlassen können, wenn es darum geht, sich den Bedingungen der sich
wandelnden Weltwirtschaft zu stellen. Zusammen müssen wir das Notwendige tun,
um dif Prosperität uiseres Landes und der Welt, in der wir leben, zu fördern.
gez. Richard
(Ende Wortlaut)

-4-

Nixon."

�AUSZÜGE AUS DEM BERICHT
- Ein Viertel Jahrhundert des Fortschritts -

Die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg war, gleichgültig welchen quantitativen Maßstab man anlegt, die wohl erfolgreichste in der Geschichte der
Weltwirtschaft. Länger als ein Viertel Jahrhundert hat die Welt ein Wirtschaftswachstum erlebt, das weder durch einen weltweiten Krieg noch durch
eine weltweite Depression unterbrochen wurde. Die steigenden Einkommen haben
Massenmärkte geschaffen, und das schnelle Tempo der technologischen Entwicklung hat zu einer rationelleren Produktion zahlreicher Erzeugnisse geführt.
Die meisten Industriestaaten haben heute einen Lebensstandard, der dem Gros
der Bevölkerung weit mehr als nur den nackten Lebensunterhalt bietet. Und
zahlreiche Entwicklungsländer haben nach Jahrhunderten der Stagnation jetzt
begonnen, eindrucksvolle wirtschaftliche Fortschritte zu machen....

- Auftretende Probleme Während die engeren wirtschaftlichen Bindungen der Welt Vorteile brachten, schufen sie zugleich auch neue Möglichkeiten für Meinungsverschiedenheiten zwischen den einzelnen Ländern. Überall auf der Welt sehen sich die
Regierungen vor neuen Schwierigkeiten wegen der Probleme, die der umfangreiche und rasche Transfer von Gütern und Kapital ausgelöst hat. Die meisten
großen Länder exportieren heute einen größeren Prozentsatz ihrer Gütererzeugung und importieren einen größeren Teil ihrer Konsumgüter als noch vor zehn
Jahren, so daß der Außenhandel sich wesentlich stärker auf Arbeitsplätze und
Einkommen auswirkt. Länder mit begrenzten Handelsschranken müssen feststellen,
daß plötzliche Importstöße auf ihren Binnenmärkten bei einzelnen Erzeugnissen

-5-

�Erzeugnissen zu ernsthaften Störungen führen und daß den Arbeitnehmern und
den Betrieben nicht genügend Zeit bleibt, sich den schnellen Veränderungen
unter Wettbewerbsbedingungen anzupassen.
Angesichts der immer größer werdenden Interdependenz der Weltwirtschaft
wirkt sich die Binnenwirtschaftspolitik der einzelnen Länder gleichzeitig
immer stärker auf die übrigen Länder aus. Bemühungen um die Lösung des Arbeitslosenproblems in einem Lande können dazu führen, daß anderswo Arbeitnehmer ihre Arbeitsplätze verlieren. Versuche, den inflationistischen Druck
durch Verknappung der Geldversorgung in einem Lande zu mildern, können
durch starken Zustrom zinsempfindlichen ausländischen Kapitals ernstlich beeinträchtigt werden. So ist es nicht länger mehr möglich, daß ein Land eine
absolute Souveränität über seine eigene Binnenwirtschaftspolitik ausübt, ohne
daß sich dies auf den Wohlstand der übrigen Länder auswirkt....
Die meisten Industriestaaten haben eine Politik verfolgt, die darauf ab»gestellt war, Handels-und Zahlungsbilanzüberschüsse zu erzielen. Nach der
Wiederaufbauperiode unmittelbar nach dem Kriege schlugen die westeuropäischen
Länder und Japan eine Politik ein, die Vollbeschäftigung durch Förderung des
Exports und Einschränkung des Imports erreichen sollte. Sie haben bereits vor
langer Zeit dieses Ziel erreicht und praktisch besteht jetzt in zahlreichen
dieser Länder ein Mangel an Arbeitskräften. Doch die Politik, die zu diesen
Handelsüberschüssen führte, wurde zu einem großen Teil fortgesetzt, vor allem,
weil die Gruppen, die unter dieser Politik so floriert hatten, naturgemäß
zögerten, sie aufzugeben. Es entstand ein "Überschuß-Syndrom". Der gesamte
Druck, Anpassungen vorzunehmen, richtet sich somit auf die Defizit-Länder.
Das System von Bretton Woods, so wie es sich in der Praxis entwickelte,
stützte sich zu sehr auf die Annahme, daß Defizit-Länder normalerweise ihre
Zahlungsbilanz-Ungleichgewichte durch eine eigene Haushalts-und Währungspolitik anpassen könnten. Diese Länder haben aber festgestellt, daß derartige
Hilfsmaßnahmen zu langsam wirkten und zu viele Härten in Form eines langsame-

-6-

�langsameren Wirtschaftswachstums und untragbarer Arbeitslosenraten mit sich
brachten.
Somit wurde offensichtlich,daß die bestehenden internationalen Institutionen und ihre Verfahren zu wenig Flexibilität boten, um eine reibungslose
Anpassung von Zahlungsbilanz-Ungleichgewichten - Überschüsse wie auch Defizite - herbeizuführen. Obwohl in den letzten Jahren immer häufiger Wechselkursanpassungen vorgenommen wurden, erfolgten diese im allgemeinen doch erst,
nachdem die Zahlungsbilanzprobleme eines Landes akut geworden waren. Dies ist
zu einem großen Teil auf das Fehlen von international vereinbarten Normen
zurückzuführen, wann Wechselkursanpassungen notwendig sind. Die gleichen
Schwierigkeiten und einen noch härteren Widerstand gab es bei der Anwendung
von Handelsmaßnahmen aus Zahlungsbilanzgründen. Im Rahmen der internationalen Abkommen ist gegenwärtig nur eine begrenzte Verwendung von Mengenbeschränkungen zulässig, und es gibt keinerlei offizielle Bestimmungen für auf den
Preis einwirkende Maßnahmen, wie zum Beispiel die Einführung von Zuschlägen.

- Die veränderte Rolle der USA Fast immer wurde in den Jahren nach dem zweiten Weltkrieg die Formulierung der amerikanischen Außenwirtschaftspolitik den internationalen politischen Zielsetzungen weitgehend untergeordnet. Wir wollten politische Stabilität und enge gegenseitige Bindungen innerhalb der freien Welt fördern, um das
Risiko eines kommunistischen Vordringends zu verringern. Die Vereinigten Staaten waren der Ansicht, daß wirtschaftlicher Wohlstand zu politischer Stabilität beitragen würde; daß, nachdem die meisten Industriestaaten vom Außenhandel stark abhängig waren, ein Abbau der Handelsschranken das Wirtschaftswachstum stimulieren würde und daß die Entwicklung von Handel und anderen
wirtschaftlichen Bindungen die Einheit der freien Welt fördern würde. Mit
diesem Ziel vor Augen haben wir über 25 Jahre lang eine liberale Handels-

�Handels-und Zahlungspolitik verfolgt. Diese Politik war erfolgreich; sie hat
wesentlich zu dem raschen Wirtschaftswachstum sowohl im Inland wie auch im
Ausland beigetragen und damit zur Verwirklichung unserer politischen Ziele.
Die Vereinigten Staaten konnten sich damals eine solche Politik ohne
weiteres leisten. Sie waren nach dem zweiten Weltkrieg die einzige Großmacht,
die keine Kriegsverwüstungen erlitten hatte. Obwohl unser wirtschaftliches
Übergewicht naturgemäß in dem Maße zurückging, wie sich der Wiederaufbau in
den übrigen Ländern vollzog, hielten wir uns in dem Wettbewerb um die Weltmärkte bis in die sechziger Jahre hinein gut. Vor einem Jahrzehnt belief sich
unser Handelsüberschuß auf jährlich über fünf Milliarden Dollar - ein Betrag, der groß genug war, um beträchtliche Gelder für die Verfolgung unserer
politischen und militärischen Ziele im Ausland ausgeben zu können, ohne daß
unsere Zahlungsbilanzposition ausgehöhlt wurde. Wir konnten uns ferner ein
Zahlungsbilanzdefizit von mehreren Milliarden Dollar pro Jahr ohne ernste
Probleme leisten, weil die Weltwirtschaft Dollar brauchte, um das rasch anwachsende Volumen der internationalen Wirtschaftstransaktionen zu bewältigen.
Darüber hinaus haben wir, da unsere starke internationale Wirtschaftsposition
und die wirtschaftliche Wiedererholung Westeuropas und Japans Schlüsselelemente unserer Außenpolitik waren,bestimmte ausländische Praktiken geduldet, die
unsere Exportmöglichkeiten einschränkten.
Jetzt haben sich zahlreiche dieser Politik zugrundeliegende Bedingungen
geändert.Angesichts der neuen Stärke Westeuropas und Japans ist dieses politische Prinzip, Praktiken zu dulden, die unsere Wettbewerbsposition auf unfaire Weise einschränken, nicht länger von Bestand. Die Vereinigten Staaten
haben einen großen Teil ihres starken wirtschaftlichen Übergewichtes in der
Industrie der freien Welt verloren.
Gleichzeitig

-8-

�Gleichzeitig waren wir nicht länger in der Lage, die großen Beträge auszuwerfen, die erforderlich waren, um unseren internationalen Verpflichtungen
nachzukommen, sowie ständige Zahlungsbilanzdefizite auf uns zu nehmen,ohne
daß dies die internationale monetäre Stabilität nachteilig beeinflußte. Der
starke Dollarfluß in das internationale Währungssystem während der letzten
Jahre hat dazu geführt, das Vertrauen in den Dollar zu untergraben. Diese
sich verschlechternde Außenwirtschaftsposition hat ihre Ursache weitgehend
in unserer immer schlechter werdenden Handelsbilanz. Anstelle von Handelsüberschüssen haben wir jetzt beträchtliche Defizite.
Das verbesserte Produktionspotential unserer Handelspartner hat uns neue
Konkurrenz im In-wie auch im Ausland gebracht. Zahlreiche Länder haben prozentual mehr für neue Anlagen und Ausrüstungen ausgegeben als wir. Ein bedeutender Teil unseres Kapitals und unseres technologischen Könnens war für
die Verteidigung der freien Welt eingesetzt. Der eindrucksvolle technologische Vorsprung, den die Vereinigten Staaten nach dem zweiten Weltkrieg hatten, ist zurückgegangen, nachdem andere Länder sich als fähig erwiesen, hochentwickeltes technologisches Wissen aufzunehmen oder weiterzuentwickeln.
Die Übernachfrage, die zu der hohen Inflationsrate in den Jahren von
1964 bis 1971 führte, hat ebenfalls unseren Export verlangsamt und unseren
Import gesteigert. Einige Länder hatten ähnliche Inflationsprobleme, blieben
jedoch durch Abwertung ihrer Währungen wettbewerbsfähig. Wir nahmen jedoch
von einem solchen Schritt Abstand, und zwar im Hinblick auf die zentrale
Rolle, die dem US-Dollar im internationalen Währungssystem zukam.
Während die Importe von Verbrauchsgütern stiegen, machten die ausländischen Handelsschranken häufig unsere Anstrengungen um eine Ausweitung des Exports solcher Güter zunichte,

bei denen wir einen Vorsprung hatten, wie zum

Beispiel auf dem Gebiet der modernen Technologie und vor allem auf dem Landwirtschaftssektor.
Aufgrund

-9-

�Aufgrund unserer immer geringer werdenden Autarkie auf dem Gebiet der
Rohstoffe sehen sich die Vereinigten Staaten ferner schnell steigenden Importen von Mineralen gegenüber. Nachdem wir unsere qualitativ hochwertigen
einheimischen Vorkommen erschöpft haben, gehen wir nunmehr auf ausländische
Lieferungen über. Jedes Jahr steigt unsere Abhängigkeit von ausländischen
Vorkommen wichtiger Bodenschätze wie zum Beispiel Rohöl oder Bauxit.

- Auf dem Wege zu einem gerechteren System Präsident Nixon hat am 15. August 1971 die Initiative ergriffen, um
unsere unmittelbaren Schwierigkeiten zu überwinden, und den Boden für eine
grundlegende Reform des internationalen Wirtschaftssystems vorbereitet. Die
im Dezember 1971 sowie im Februar und März 1973 erreichten Wechselkursanpassungen haben unsere Wettbewerbsposition genau so gestärkt wie die erfolgreichen Bemühungen um eine Eindämmung der Inflation im Inland. In der Tat
hatten die Vereinigten Staaten in den letzten 18 Monaten unter allen großen
Industriestaaten die niedrigsten Preissteigerungen bei Verbrauchsgütern. Infolgedessen ist das Verhältnis zwischen unseren Produktionskosten und denen
der übrigen Industriestaaten heute etwa wieder das gleiche wie Mitte der
sechziger Jahre.
Der zweite Teil des Programms des Präsidenten hat jetzt begonnen. Auf
der Jahrestagung des Weltwährungsfonds (IWF) im September 1972 in Washington wurden weitreichende amerikanische Vorschläge für eine Reform des internationalen Währungssystems vorgelegt, und die Verhandlungen im ZwanzigerAusschuß des IWF schreiten voran; wir hoffen, daß ein neues Abkommen im Prinzip auf der IWF-Tagung im September dieses Jahres in Nairobi erreicht werden
kann. Die Vereinigten Staaten haben ferner Zusagen erhalten, daß Ende 1973
mit umfassenden multinationalen Handelsverhandlungen begonnen wird.

Wir

-10-

�Wir sehen uns einer Vielzahl von Möglichkeiten gegenüber, wenn wir uns
jetzt um die Entwicklung einer neuen internationalen Wirtschaftspolitik bemühen. Es ist völlig klar, daß wir es uns nicht leisten können, einfach zu den
internationalen Handels-und Finanzpraktiken der Zeit vor dem 15. August 1971
zurückzukehren. Denn aus den Entwicklungen der letzten zwei oder drei Jahre
zeigt sich: Gleichgültig welche Vorteile sich auch ergeben könnten, die Risiken für den künftigen Bestand des internationalen Wirtschaftssystems sind
einfach zu groß.
Es ist genau so klar, daß es für die Vereinigten Staaten einfach untragbar wäre, sich von ihren internationalen Verpflichtungen zurückzuziehen. Ein
solcher Rückzug wäre in der Tat für unsere Volkswirtschaft kostspielig. Man
darf nicht vergessen, gaß die Vereinigten Staaten während der meisten Zeit
nach dem Kriege beträchtliche Vorteile aus dem Welthandel gezogen haben. Darüber hinaus bestand ein enger Zusammenhang zwischen unseren politischen und
militärischen Beziehungen und unseren wirtschaftlichen Geschäften im Ausland;
eine Entscheidung der USA, unsere Wirtschaft plötzlich auf den Binnenmarkt
auszurichten, würde mit größter Sicherheit nachteilige Auswirkungen auf unsere
Beziehungen haben, die für die Sicherheit und den Frieden der freien Welt von
so entscheidender Wichtigkeit sind.
Den Interessen der USA wie auch der Völkergemeinschaft der Welt wäre mit
einem internationalen Wirtschaftskurs am besten gedient, der den so große
Vorteile bringenden, marktorientierten Fluß von Gütern und Dienstleistungen
so weit wie möglich erleichtert, der aber ungebührliche Härten vermeidet, die
sich ergeben könnten, falls dieser Fluß zu einer unerwarteten Flut ausufert.
Um ein solches Gleichgewicht zu erreichen, werden angesichts des wachsenden
öffentlichen Interesses an internationalen Wirtschaftsfragen eingehende und
sorgfältige Verhandlungen zwischen den Staaten notwendig sein.

Bei

�Bei der Gestaltung einer wirksamen Wirtschaftspolitik in der heutigen
Welt geht es um mehr als nur um die Wahl zwischen "Protektionismus" und
"freiem Handel". Ein langfristiger Schutz vor ausländischem Wettbewerb
führt zu einem niedrigeren Lebensstandard, einer geringeren Gesamtproduktion
und weniger Arbeitsplätzen gerade in der Volkswirtschaft, die dadurch gestützt werden soll, während uneingeschränkter freier Handel einigen Wirtschaftssektoren in einer Zeit sich schnell ändernder Produktions-und Handelsformen untragbare Lasten auferlegen kann...
Die Schaffung einer echten internationalen Wirtschaftsgemeinschaft
setzt die Bereitschaft voraus, neue Kräfte und neue Ideen zu akzeptieren
und einige hergebrachte Gepflogenheiten zu ändern. Sie bedeutet, daß die
Länder bereit sein müssen, ein gewisses Maß an Selbstinteresse zu Gunsten
übergeordneter internationaler Interessen aufzugeben. Am Ende aber wird es
für alle größere Vorteile bringen.
Was uns anbetrifft, so sind wir bereit, auf dem sich ändernden und
wachsenden Weltmarkt einen scharfen Wettbewerb aufzunehmen. Wir müssen den
Kampf um Preisstabilität und größere Produktivität fortsetzen. Wir müssen
bereit sein, einige Teile unserer Wirtschaft den Veränderungen im Ausland
anzupassen. Wir dürfen nicht vor den erforderlichen Anpassungen zurückschrecken, um den Wettbewerb auf den Weltmärkten wirksamer führen zu können.
Die Bedeutung unserer potentiellen Gewinne in Form von Arbeitsplätzen und
Einkommen, in verbesserten Aussichten auf eine friedliche Welt ist zu groß.

- Politische Vorschläge Währung:
Das vordringlichste Erfordernis ist die Reform des internationalen Währungssystems. Die zunehmende Häufigkeit von Währungskrisen und die Einführung von Kapitalmarktkontrollen in den letzten Jahren sind symptomatisch für

-12-

�für die Unzulänglichkeit der gegenwärtigen Abkommen. Die Störungen auf den
Devisenmärkten im Februar und im März 1973 unterstreichen die Notwendigkeit neuer monetärer Bestimmungen und Verfahren.
Unseres Erachtens ist der schwächste Punkt des Systems von Bretton
Woods der Anpassungsprozeß. Die im September 1972 vorgelegten amerikanischen Vorschläge sollen den internationalen Druck auf Defizit-und Überschußländer, ihre Ungleichgewichte anzupassen, verstärken. Die Wahl der
Politik, um dieses Ergebnis zu erreichen - zwischen Wechselkursanpassungen
und anderen Maßnahmen - liegt jedoch bei den betreffenden Ländern. Unser
Plan sieht Bandbreiten beiderseits der Leitkurse

in dem auf der Smithso-

nian-Konferenz zugelassenen Rahmen vor. Dem Dollar sollte gleich den anderen Währungen ein gewisses Maß an Flexibilität beiderseits seiner Parität gestattet sein. Den Ländern sollte ferner ein Floaten ihrer Währungen
im Rahmen vereinbarter internationaler Richtlinien erlaubt sein.
Um die Verantwortung für Anpassungen gerecht aufzuteilen, haben wir
objektive Kriterien vorgeschlagen, nach denen entschieden wird, ob Anpassungsmaßnahmen notwendig sind, sowie Verfahren, um sicherzustellen, daß
solche Maßnahmen ergriffen werden. Die geeignetesten Kriterien wären unangemessen große Gewinne oder Verluste an Reserven gegenüber den angemessenen Reservepositionen, die durch Übereinstimmung im IWF festgestellt werden müßten. Kapitalbeschränkungen, die die Wirksamkeit solcher Kriterien
verringern, würden durch ein internationales Abkommen auf ein Minimum begrenzt werden. Wir haben kürzlich bekanntgegeben, daß wir die Kapitalkontrollprogramme Ende 1974 auslaufen lassen wollen, die wir Anfang der
sechziger Jahre zur Überwindung unserer Zahlungsbilanzdefizite eingeführt
hatten.
Wir haben vorgeschlagen, daß der Wert aller Währungen in Sonderziehungsrechten festgelegt werden soll und daß die erforderliche Erhöhung
der internationalen Liquidität in erster Linie in Form von Sonderziehungsrechten erfolgt.
Handel:

-13-

�Handel:
Gleichzeitig mit der Reform des Währungssystems müssen wir auch neue internationale Vereinbarungen über die Abwicklung des Handels treffen. Diese neuen Vereinbarungen könnten eine dringend notwendige Alternative zu Zahlungsbilanzanpassungen bilden und gleichzeitig verhindern, daß Handelsschranken
die Auswirkungen notwendiger Wechselkursanpassungen zunichtemachen. Da Wechselkursanpassungen einigen Wirtschaftssektoren Vorteile bringen, andere jedoch schädigen, sehen sich die Regierungen häufig einem Druck ausgesetzt, ihren Auswirkungen durch Handelsschranken zu begegnen. Es gibt ferner seit langem bestehende Praktiken, die ausdrücklich bestimmte Wirtschaftssektoren vor
dem internationalen Preiswettbewerb abschirmen sollen. Zum Beispiel haben die
Europäische Gemeinschaft und Japan Mittel zum Schutze ihrer Agrarerzeugnisse ,
die die Auswirkung jeder Abwertung einer Währung voll aufheben - auf Kosten
ihrer Verbraucher und unserer Farmer. Wir müssen uns aber auch darüber klar
sein, daß auch unser eigenes System nicht völlig frei von solchen Maßnahmen
ist.
Erfolgreiche Handelsverhandlungen sind ebenfalls notwendig, wenn wir den
zunehmenden Forderungen im In-und Ausland nach mehr Schutz widerstehen und
wenn wir unsere eigene Handelsbilanz verbessern sollen. In den letzten Jahren
ist das Prinzip der Nichtdiskriminierung zwischen Handelspartnern durch die
wachsende Verwendung bilateraler Präferenzabkommen stark ausgehöhlt worden
mit der Tendenz, die Welt in Handelsblöcke zu spalten. Mit großer Sorgfalt
ausgehandelte Zollsenkungen sind durch Diskriminierungen und andere den Handel verzerrende Maßnahmen zum Teil gefährdet worden. Die Handelsstreitigkeiten haben zugenommen, da viele Länder mit einer zur Zeit ausgezeichneten Handelsposition ihre Importbeschränkungen nicht aufgehoben haben, die sie unter
früheren negativen Bedingungen eingeführt hatten.

Obwohl

-14-

�Obwohl es unser Ziel ist, für alle die Vorteile eines expandierenden Handels zu erreichen, sind wir uns darüber klar, daß abrupte Änderungen der Handelspraktiken zu Härten führen können. Wir haben erlebt, wie unsere schnell
zunehmenden Importe von einigen Fertigerzeugnissen Störungen hervorgerufen
und eine ordnungsgemäße Anpassung an die neuen Wettbewerbsbedingungen erschwert
haben. Andere Länder hatten ähnliche Probleme.
Wir sind uns klar darüber, daß die Produktionspraktiken eines Landes
nicht starr sind und daß, um wettbewerbsfähig zu bleiben und den Bedarf der
Bevölkerung zu decken, Änderungen sowohl erwünscht wie auch unvermeidbar sind.
Wenn man jedoch einer industriellen Struktur nicht genügend Zeit läßt, zu anderen wettbewerbsfähigeren Erzeugnissen überzugehen oder bei den derzeitigen
Erzeugnissen wettbewerbsfähiger zu werden, so kann dies zu unerwünschten Belastungen der gesamtwirtschaftlichen Leistung führen. Daher sehen wir, auch
wenn wir dauernde Importbeschränkungen als produktionsfeindlich betrachten,
eine Notwendigkeit für ein temporäres System von "Schutzmaßnahmen", so daß
der natürliche Verbesserungsprozeß sich wirksamer und mit einem Minimum an
Freisetzungen auf dem Arbeitsmarkt vollziehen kann.
Wir erwarten, daß die bevorstehenden Verhandlungen sich nicht nur mit dem
Abbau der Zölle, sondern auch mit der Beseitigung oder Senkung der anderen,
häufig viel wichtigeren Schranken für den Austausch von Gütern zwischen den
Ländern befassen werden. Während die meisten Industriestaaten in den sechziger
Jahren ihre Zollsätze um etwa ein Drittel gesenkt haben,ist die Bedeutung der
nicht-tarifären Handelsschranken relativ gestiegen. Bei den Verhandlungen über
den Abbau von Handelsschranken aller Art werden wir eine so liberale weltweite Handelsposition anstreben, wie sie unsere großen Handelspartner für sich
selbst zu akzeptieren bereit sind.
Bei den

Verhandlungen,für die wir uns gegenwärtig um die gesetzlichen

Vollmachten bemühen, werden wir speziell vorschlagen, daß die Zölle phasenweise wesentlich gesenkt und daß die nicht-tarifären Handelsschranken harmonisiert
werden. Wir werden ferner ein internationales Abkommen anstreben, das tempo-

-15-

�temporären "Schutz" vor Importen gestattet. Der Abbau der Handelsschranken
auf dem Agrarsektor muß gleichzeitig mit der Liberalisierung bei den Industrieerzeugnissen erfolgen.
Wir unterstützen ferner die Konzeption allgemeiner Präferenzen für die
Erzeugnisse der Entwicklungsländer, aber wir können nicht Ländern einen bevorzugten Zugang zu diesem Markt gewähren, die unsere Exporte auf ihren Märkten diskriminieren und die Exporte anderer Industriestaaten begünstigen. Auf
dem besonderen Gebiet des Ost-West-Handels werden wir die wirtschaftliche
Normalisierung mit den kommunistischen Ländern weiter fördern. In diesem Zusammenhang werden wir den Kongreß um die Vollmacht ersuchen, den kommunistischen Ländern, mit denen wir befriedigende Handelsabkommen aushandeln, den
Meistbegünstigtenstatus einräumen zu können.
Wir werden uns ferner um ein Gesetz bemühen, das den Präsidenten ermächtigt, sicherzustellen, daß amerikanische Erzeugnisse - unabhängig von dem
Ausgang der bevorstehenden multilateralen Handelsverhandlungen - einen fairen und gerechten Zugang zu den ausländischen Märkten erhalten. Aufgrund dieser Vorschläge könnte der Präsident Zölle und andere Handelsschranken, falls
angebracht, senken oder erhöhen und so anderen Ländern einen Anreiz geben,
stark restriktive Handelsschranken abzubauen. Er hätte dann auch freiere Hand,
sich mit hartnäckigen Zahlungsbilanzproblemen zu befassen und bestimmte Importbeschränkungen als Anti-Inflationsmaßnahme abzubauen. Diese Maßnahmen
sind notwendig, um ein ausgewogeneres und freieres internationales Wirrschaftssystem zu erreichen und unser derzeitiges Handelsdefizit abzubauen.

- Andere wichtige internationale Fragen -

Internationale Investitionen:
Fast alle amerikanischen Firmen, die im Ausland investiert haben,
taten dies, um den Wettbewerb auf den Auslandsmärkten wirksamer führen zu

-16-

�zu können. Ein Verzicht auf solche Investitionen würde bedeuten, daß die
amerikanischen Gesellschaften dem ausländischen Wettbewerb unterliegen müssen.
Regierungsstudien zeigen, daß dies negative Auswirkungen auf ihre Produktion
wie auch auf ihren Beschäftigtenstand im Inland haben würde. Sie würden nicht
länger Vorteile aus den Direktexporten der Muttergesellschaften an die ausländischen Tochtergesellschaften und aus den Investitionserträgen ziehen.
Obwohl nur wenige Erzeugnisse von in amerikanischem Besitz befindlichen
Firmen im Ausland in den Vereinigten Staaten verkauft werden, führten Direktinvestitionen für den Absatz auf dem amerikanischen Markt zu Beschwerden, denn
solche Erzeugnisse stehen natürlich im Wettbewerb mit den Erzeugnissen der in
den USA ansässigen amerikanischen Firmen. Diese Kritik ignoriert jedoch eine
wichtige weitere Quelle des Wettbewerbs: Gesellschaften, die solche Investitionen vornehmen, haben dies in erster Linie getan, um den Wettbewerb mit ausländischen Erzeugnissen auf dem amerikanischen Markt aufnehmen zu können. Auf
jeden Fall sollte man sich darüber klar sein, daß unsere empfindlichsten Importprobleme nicht von in amerikanischem Besitz befindlichen Werken im Ausland verursacht werden, sondern vielmehr - wie im Falle von Textilien, Schuhen und Stahl - von in ausländischem Besitz befindlichen Gesellschaften.
Wir werden uns immer mehr bewußt, wie unzulänglich die derzeitigen internationalen Prinzipien oder Übereinkommen in bezug auf Direktinvestitionen
sind. In zahlreichen Fällen sehen sich amerikanische Investanten bei der Errichtung und beim Betrieb von Unternehmern im Ausland Beschränkungen gegenüber,
während Gesellschaften dieser gleichen Länder kaum Schwierigkeiten haben,
hier entsprechende Investitionen vorzunehmen.
Wir werden weiterhin zu Investitionen in den Entwicklungsländern ermutigen. In einigen Entwicklungsländern sind solche Investitionen nicht willkommen. Obwohl wir die Klugheit einer solchen Politik bezweifeln, erkennen wir
das Recht eines jeden Landes an, seine eigenen Prioritäten und Entwicklungsziele festzulegen. Wenn der Besitz amerikanischer Staatsbürger enteignet wird,
werden die Vereinigten Staaten jedoch gemäß der Erklärung Präsident Nixons
vom Januar 1972 darauf bestehen, daß ein solcher Schritt im Einklang mit dem
Völkerrecht und den Bestimmungen für eine umgehende, angemessene und wirksame Entschädigung erfolgt.
-17-

�EIN HANDELSPROGRAMM FÜR EINE SICH VERÄNDERNDE WELT

Das Kapitel III des ersten Jahresberichtes
über die Internationale Wirtschaftspolitik
trägt den Titel: "Ein Handelsprogramm für
eine sich verändernde Welt." Dieses Kapitel
enthält Einzelheiten hinsichtlich der Ziele,
die die Vereinigten Staaten bei den kommenden weltweiten Handelsverhandlungen anstreben, sowie hinsichtlich der Vorschläge für
eine Handelsgesetzgebung, die gegenwärtig
von der Nixon- Administration vorbereitet
wird. Im folgenden Auszüge aus diesem Kapitel:

Die Notwendigkeit multilateraler Verhandlungen:

Die Notwendigkeit multilateraler Handelsverhandlungen übersteigt zweifellos unsere gegebenen Möglichkeiten. Das internationale Handelssystem befindet sich gegenwärtig an einer Wasserscheide, von der aus es entweder auf
einen Protektionismus zutreiben oder seine in der Vergangenheit hart errungenen Fortschritte in Richtung auf eine offenere und gedeihlichere Weltwirtschaft fortsetzen kann. Schon immer seit dem zweiten Weltkrieg haben wir
durch den Abbau von Handelsschranken innerhalb der Länder der freien Welt
einen freieren Handel unterstützt.
In

-18-

�In den letzten Jahren mußten wir jedoch ein Wiedererstehen diskriminierender Handelsmaßnahmen miterleben. Fundamentale Handelsprinzipien, darunter
das Prinzip der Nichtdiskriminierung unter den Handelspartnern sind stark
unterminiert worden. Das Entstehen der Europäischen Gemeinschaft, von den
Vereinigten Staaten unterstützt, brachte in wachsendem Maße wechselseitige
Abkommen mit Nichtmitgliedsstaaten mit sich. Diese Praxis tendiert dahin, die
Welt in Wirtschaftsblöcke zu spalten. Der Abbau von Zöllen, über den so mühsam verhandelt wird, wurde durch nicht-tarifäre Handelsschranken sowie durch
andere den Handel verzerrende Maßnahmen beeinträchtigt. Die Reibungen auf
dem Handelssektor haben zugenommen, weil zahlreiche Länder, die sich jetzt
einer hervorragenden Handelsposition erfreuen, nicht die Einfuhrschranken beseitigt haben, die unter früheren Bedingungen wirtschaftlicher Schwierigkeiten errichtet worden waren.
Unter den gegenwärtigen Verhältnissen hat sich das Allgemeine Zoll- und
Handelsabkommen (GATT) in zunehmendem Maße als unfähig erwiesen, mit schwierigen Handelsfragen fertig zu werden. In einigen Fällen haben einzelne Länder
bestimmten, aufgrund des Abkommens übernommenen Verpflichtungen nur wenig mehr
als Lippenbekenntnisse geleistet. In anderen Fällen sind die Regeln gebrochen
worden, indem einzelne Länder die GATT-Bestimmungen einfach umgingen oder
wichtige Fragen bilateral lösten. Das so auffällige Versagen, landwirtschaftliche Handelsprobleme anzugehen, ist ebenfalls ein Schandfleck auf der Liste
des GATT. Weil so viele Länder die GATT-Regeln gebrochen haben, ist die Effektivität des GATT als Verhaltenskodex eingeschränkt worden.
Als der gegenwärtige Rahmen erstellt wurde, konnten die Vereinigten Staaten aufgrund ihrer wirtschaftlichen Überlegenheit restriktive Praktiken anderer noch tolerieren. Wie von zahlreichen Sprechern der USA immer wieder betont worden ist, sind diese günstigen Bedingungen jetzt nicht mehr gegeben.

Trotz

-19-

�Trotz ihrer neuen wirtschaftlichen

Stärke halten zahlreiche Länder

immer noch an ihrer bisherigen Politik und an bisherigen Praktiken fest.,, die
während ihres erfolgreichen Bemühens um Handelsüberschüsse entwickelt worden waren. Ja, was bleibt, ist ein "Überschuß-Syndrom" des Widerstandes gegen Importe und ein Druck, zu exportieren. Es ist nicht ungewöhnlich, daß
Regierungen , Unternehmer und Bauern einen Rahmen intakt halten möchten, an
den sie sich gewöhnt haben.
Natürlich haben auch die Vereinigten Staaten ihre eigenen restriktiven Maßnahmen.

Die Importe zahlreicher landwirtschaftlicher Produkte wie

auch die Erdölimporte werden durch Quoten geregelt; das "amerikanische
System der Verzollung nach dem Verkaufspreis (ASP)" führt zu prohibitiven
Zöllen

für bestimmte chemische Erzeugnisse. Die Stahlimporte sind gegen-

wärtig durch freiwillige Verpflichtungen ausländischer Produzenten eingeschränkt. Die Importe von Woll- und synthetischen Textilien sind aufgrund
amerikanischer Regierungsabkommen mit verschiedenen fernöstlichen Ländern
begrenzt.
Die wirksamste Methode, Reformen auszuhandeln, ist die Stärkung der
Prinzipien des Multilateralismus und der Nichtdiskriminierung in einer offenen und gerechten Weltwirtschaft. Der politische Wille zur Erweiterung
der nationalen Perspektiven und zur Entwicklung neuer Regeln und Mechanismen durch Verhandlungen statt durch Konfrontation ist von entscheidender
Wichtigkeit, wenn die Länder den vollen Beitrag, den ein freierer und fairer Handel zum Weltfrieden und zur Prosperität leistet, realisieren wollen...

- Die allgemeinen Ziele und Prinzipien der USA Unsere grundlegenden Ziele bei den multilateralen Handelsverhandlungen sind folgende:
--eine

-20-

�-- eine internationale wirtschaftliche Effizienz zu schaffen und auszuweiten, indem die einem freien Spiel der Marktkräfte entgegenstehenden Hindernisse bei der Festlegung des Umfangs und des Rahmens des Welthandels beseitigt werden, während gleichzeitig vereinbarte Regeln entwickelt werden,
durch die

Schutzmaßnahmen verhängt, werden können, wenn ein abruptes Anwach-

sen der Konkurrenz die nationalen Märkte zu stören droht, und
-- Änderungen des Systems zu erreichen, in dessen Rahmen die einzelnen
Länder ihre Handelsbeziehungen abwickeln, um sicherzustellen, daß die Regeln
fair sind und gerecht auf alle Parteien angewandt werden.
Mit der Entwicklung eines effektiveren Währungssystems und eines binnenwirtschaftlichen Anpassungsprozesses würde ein offeneres und faireres Handelssystem

uns wie auch andere Länder in die Lage versetzen, unsere Berei-

che relativer Wettbewerbsvorteile zu nutzen, während wir gleichzeitig die Mittel an der Hand haben, unangemessene Verzerrungen und Härten zu vermeiden.
Wir wissen, daß es sich bei fundamentalen handelspolitischen Entscheidungen praktisch gesehen nicht um eine klare oder einfache Wahl zwischen freiem
Handel und Protektionismus handelt. Die wirklichen Fragen drehen sich darum,
wie die Handelschancen erweitert werden können, um die Produktion anzukurbeln,
um mehr und bessere Arbeitsplätze zu schaffen, um die Preisstabilität auf dem
Binnenmarkt zu fördern, und um andere Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Diese Politik sollte gleichzeitig darauf abzielen, den Anpassungsprozeß zu erleichtern und die Härten zu mildern, die sich ergeben, wenn die Importe in
einem außergewöhnlichen Ausmaß ansteigen.
Wenn vom freien Handel die Rede ist, neigt man häufig dazu, das Problem
dieser Härten zu ignorieren, und restriktive Handelsmaßnahmen verschlimmern
sie nur noch. Die Lösung liegt in der Entwicklung eines international vereinbarten Systems von Schutzmaßnahmer., unter denen die einzelnen Länder handeln
könnten, um vorübergehend das rapide Anwachsen bestimmter Importe zu beschränken. Dies würde eine ordentlichere Anpassung bestimmter Industrien, Firmen

-21-

�Firmen oder Gruppen von Arbeitern an neue Wettbewerbsbedingungen ermöglichen. Ein solches System könnte eine effektivere und gerechtere Anpassung
fördern als die Vielfalt von ad hoc-Maßnahmen und Vorkehrungen, die in

den

letzten Jahren getroffen wurden - manchmal zu einem beträchtlichen Preis an
internationalem guten Willen und an einheimischer wirtschaftlicher Leistungsfähigkeit.
Wenn die notwendigen Handelsreformen erreicht werden sollen, dann wird
es für die Regierungen notwendig sein, in einem Geiste enger Zusammenarbeit,
gestützt auf einen festen politischen Willen zu verhandeln. Die Verantwortung
für die führende Rolle sowie die Übernahme von Verpflichtungen muß gemeinsam
erfolgen entsprechend der neuen und größeren Aufteilung der internationalen
Wirtschaftsmacht. Der Erfolg wird davon abhängen, inwieweit die Nationen zur
Erreichung gemeinsamer Ziele zusammenarbeiten, statt ihre Energien auf das
Streben nach zeitweiligen individuellen Vorteilen zu konzentrieren.
Das neue System muß unserer Ansicht nach - um der Fairneß willen - von
allen beteiligten Staaten gemeinsame bindende Zusagen erhalten, daß sie sich
den gleichen Grundprinzipien und Regeln unterwerfen. Wenn auch weitgehend anerkannt wird, daß bestimmte Teile des Handelssystems reformbedürftig sind, so
stimmt man doch allgemein darin überein, daß einige der bedeutsamen derzeitigen Probleme auf das Nichteinhalten der festgesetzten Regeln zurückzuführen
sind. Eine bessere Einhaltung der GATT-Bestimmungen ist wesentlich; wir werden uns ferner um die Entwicklung positiver Methoden bemühen, die einen grösseren Anreiz zur Zusammenarbeit und Einhaltung der Bestimmungen bieten, so
daß Verstöße gegen die Regeln seltener werden, daß man sich mit ihnen aber
dort, wo sie vorkommen, unverzüglich und in unparteiischer Weise befaßt.
Wir sind uns über die Bedeutung der Ausweitung und größeren Vielseitigkeit des Handels für das wirtschaftliche Wachstum der Entwicklungsländer im
klaren. Diese Länder haben ein hohes Interesse an dem Erfolg der bevorstehen-

-22-

�bevorstehenden Verhandlungen. Wir haben daher darauf gedrungen, daß sie voll
daran teilnehmen, um so eine größtmögliche Liberalisierung für all die Produkte zu gewährleisten, für die sie ein besonderes Exportinteresse oder ein
Exportpotential haben.
Ferner müssen die Unterschiede zwischen den Volkswirtschaften der Industrie-und der Entwicklungsländer voll berücksichtigt werden. In den Gesamtrahmen der Verhandlungen sollten auch spezifische Techniken einbezogen werden, die den Entwicklungsländern dadurch nutzen, daß die Exporte ihrer Produkte auf Märkte der Industriestaaten ausgeweitet werden. Genau so aber ist
es Pflicht der Entwicklungsländer - und zwar sowohl sich selbst wie anderen
gegenüber - ihre eigene Handelspolitik einer Überprüfung zu unterziehen und
dort Änderungen vorzunehmen, wo diese notwendig sind, um den effektiven Beitrag zu steigern, den ein freierer Handelsfluß zu ihrer eigenen wirtschaftlichen Entwicklung leisten kann.

- Wege zur Liberalisierung - verschiedene Arten von Handelsschranken -

Wir haben eingehend neue Maßnahmen zur Verwirklichung unserer Handelsziele geprüft. Dabei sind wir ganz allgemein zu dem Schluß gelangt, daß multilaterale Handelsverhandlungen sich ganz wesentlich von den früheren im
GATT geführten Verhandlungen unterscheiden müssen. Der Grund dafür liegt darin, daß Verzerrungen verschiedenster Art beim Agrarhandel zusammen mit gewissen industriellen nicht-tarifären Zollschranken die ganze Aufmerksamkeit
in Anspruch nehmen, die früher lediglich in traditioneller Weise den Industriezöllen galt.
Somit kommen wir bezüglich der spezifischen Schranken, die den internationalen Handel verzerren, zu folgenden Ergebnissen:
Landwirtschaft:

-23-

�Landwirtschaft:
Zuerst und vor allem werden wir versuchen, die Marktkräfte vermehrt eine
bestimmende Rolle bei der Befriedigung der Verbraucherbedürfnisse für Agrarerzeugnisse spielen zu lassen. Wir können einen so großen und entscheidend
wichtigen Sektor nicht sozusagen immun gegenüber den Kräften des Marktes
lassen, wenn die Handels-und WährungsSysteme der Welt effektiv arbeiten sollen. Ja, wenn es keine bindende Zusage in bezug auf sinnvolle und realistische Verhandlungen auf dem Agrarsektor gibt, dann wäre es für die Vereinigten Staaten schwierig, auf anderen Sektoren mit den multilateralen Handelsverhandlungen voranzuschreiten.
Wir sind der Überzeugung, daß sich für beide Seiten vorteilhafte Lösungen für die ProbLeme des Agrarhandels finden lassen. Alle Länder haben ein
grundlegendes Interesse an der Erhaltung der Stärke ihres Landwirtschaftssektors, aber die Kosten für seinen Schutz können enorm hoch sein. In den
wichtigsten Industrieländern liegen die Kosten der Stützung von Einkommen
und Preisen in der Landwirtschaft bei wenigstens 30 Milliarden Dollar jährlich, die die Verbraucher und Steuerzahler zu tragen haben. Was schlimmer
ist, die meisten dieser Systeme zur Stützung der Preise und Einkommen haben
sich als nahezu völlig unwirksam erwiesen, um die gestellten Ziele zu erreichen, nämlich durch Erhöhung der Einkünfte der ärmeren Bauern die Ungleichheit der Einkommen in der Landwirtschaft abzubauen.
Obwohl nach dem derzeitigen Stande in die Verhandlungen einige Zollsenkungen einbezogen worden sind, erwiesen sich die Haupthandelsschranken
auf diesem Sektor als schwer zu handhaben. Hier liegt der Kern des Problems
nicht so sehr bei den Zöllen als bei den nicht-tarifären Handelsschranken
wie Quoten und variable Abschöpfung. Zur Stützung der Einkommen in der Landwirtschaft haben zahlreiche Länder Programme zur Einschränkung des Imports
eingeführt, um einen wesentlichen Teil des Binnenmarktes für die einheimischen Erzeuger zu reservieren, wobei die einheimischen Agrarpreise manchmal

-24-

�manchmal auf über dem dreifachen Stand des Weltmarktpreises gestützt wurden. Da die Erzeugung normalerweise keinen Kontrollen unterliegt, haben
diese Stützungsprogramme zu Überschüssen geführt, die dann, oftmals mit
hohen Subventionen, exportiert werden, was zu Störungen der traditionellen
Absatzmärkte für rationell arbeitende Erzeuger führt. Obwohl die jeweiligen
Techniken von Land zu Land und bei den einzelnen Produkten verschieden sind,
führten sie in ihrer Gesamtheit zu einer schwerwiegenden Beeinträchtigung der
Marktkräfte, wobei der internationale Agrarhandel eingeschränkt und verzerrt
wurde.
Für eine Liberalisierung des Agrarhandels wird es weitreichender Reformen bedürfen. Sowohl die tarifären wie auch die nicht-tarifären Handelsschranken werden allmählich abgebaut und beseitigt werden müssen,und als
Folge hiervon werden die einzelnen Länderihre den Handel verzerrenden einheimischen Subventionierungssysteme in einer Weise anpassen müssen, daß die
Marktkräfte einen stärkeren Einfluß auf Erzeugung und Handelspraktiken ausüben können. Aber eine derartige Entscheidung würde natürlich jedem einzelnen Lande vorbehalten bleiben, wobei klar wäre, daß viele Länder die Stützung
der Agrareinkommen durch andere Mechanismen fortsetzen werden, die den Agrarhandel nicht verzerren.
Wir haben ferner Maßnahmen ergriffen, damit unsere Landwirtschaft stärker auf die Märktkräfte reagiert. In dem Landwirtschaftsgesetz von 1970 haben wir der Regierung eine geringere richtungweisende Rolle für Anbauentscheidungen zugewiesen. Die Farmer unterliegen, was Anbaufläche und Erzeugung anbetrifft, nicht mehr Beschränkungen, und die Exportsubventionen bei
Weizen, Tabak und anderen Erzeugnissen sind ausgesetzt worden.

Zölle:
In einer Serie multilateraler Handelsverhandlungen haben die großen
Handelsnationen seit 1948 ihre Zölle erheblich abgebaut....
Wir

-25-

�Wir möchten gerne, daß diese Abwärtsentwicklung andauert, wobei die
Zölle für die meisten Industrierzeugnisse phasenweise weiter gesenkt werden sollten, vorausgesetzt, daß es auch bei den nicht-tarifären Handelsschranken und der Landwirtschaft sowie einem Schutzsystem zur Lösung vorübergehender Anpassungsprobleme wesentliche Fortschritte gibt. Dies würde den
erforderlichen Spielraum zur Entwicklung von Lösungen für Probleme schaffen,
die sich aus den unterschiedlichen Zollstrukturen und anderen Schutzmaßnahmen ergeben, und zur Beseitigung der aus den Zollpräferenzen resultierenden
Ungerechtigkeiten führen.

Nicht-tarifäre Handelsschranken:
In dem Maße, wie die Zölle abgebaut wurden, sind verschiedene andere
Arten von nicht-tarifären Maßnahmen relativ stärker in den Vordergrund getreten. . .
Die Vielfältigkeit der nicht-tarifären Handelsschranken schließt jede
einheitliche Verhandlungsformel aus. Weiter ist das Gewicht der einzelnen
Maßnahmen von Land zu Land sehr verschieden, so daß ausgewogene Abkommen
wahrscheinlich mehrere Arten von nicht-tarifären Schranken, Zölle und
Agrarkonzessionen einschließen müßten. Die wichtigsten Ausnahmen wären der
Standard von Erzeugnissen und die Beschaffungspraktiken von Regierungen,
für die es internationale Normen auf Gegenseitigkeit geben könnte.
Die Verfahren für Verhandlungen über nicht-tarifäre Schranken sind innerhalb des GATT eingehend geprüft worden, und die Arbeit an möglichen Lösungen ist bei verschiedenen Arten von Maßnahmen beträchtlich fortgeschritten. Bei den Praktiken, die sich nicht abschaffen lassen, erwägen wir andere
Initiativen wie Harmonisierung der nationalen Bestimmungen und Schaffung vereinbarter multilateraler Verhaltensnormen, die die derzeitigen Handelsverzerrungen verringern würden.
Präferenz-HandelsVereinbarungen

-26-

�Präferenz-Handelsvereinbarungen:
Es wird immer mehr zur Praxis, daß ein Land den Importen bestimmter anderer Länder eine bevorzugte Behandlung - sowohl tarifärer wie auch nicht-tarifärer Art - zuteil werden läßt. Die Handelsstatistiken zeigen, daß über ein
Fünftel der Gesamtimporte der GATT-Mitgliedsstaaten einen bevorzugten Situs
haben. Bei bestimmten Märkten, die zu unseren wichtigsten gehören, erfolgt
über die Hälfte der Einfuhren aufgrund von Präferenzhandelsabkommen. Sofern
diese Aushöhlung des Meistbegünstigtenprinzips nicht in ihr Gegenteil verkehrt
werden kann, besteht die Gefahr, daß die Ungerechtigkeiten und Diskriminierungen dieser Abmachungen das multilaterale Handelssystem untergraben und die
internationalen Investitionsentscheidungen verzerren, was möglicherweise nachteilige Auswirkungen auf andere Aspekte der internationalen Beziehungen haben
könnte.
Wir haben viele Jahr lang nachdrücklich die Notwendigkeit unterstrichen,
die diskriminierenden Aspekte besonderer Handelsvereinbarungen zu beseitigen
und sie in Einklang mit den GATT-Bestimmungen zu bringen. Was die Abkommen zwischen den Industriestaaten und den Entwicklungsländern anbetrifft, so haben
die Vereinigten Staaten als Minimum die Aufhebung der den Industriestaaten von
den Entwicklungsländern eingeräumten Präferenzen gefordert. Es bedarf ganz eindeutig neuer Bestimmungen, nach denen die Präferenzpraktiken zwischen den Industriestaaten beseitigt und alle Importe in einem bestimmten Zollraum gleich
behandelt werden.

- Die Notwendigkeit eines Gesetzeswerkes ~
Die Verwirklichung neuer internationaler Handelsabkommen wird neue Vollmachten seitens des Kongresses erfordern. Zusätzlich zu dem, was unsere internationalen Verhandlungen noch nach sich ziehen werden, wird es einer Vielzahl
von Änderungen in Bundesgesetzen im Zusammenhang mit der Führung unserer eige-

-27-

�eigenen Handelspolitik bedürfen. Damit Kongreß und Öffentlichkeit die notwendigen Änderungen leichter verstehen, haben wir in diesem Absatz die wichtigen Vorschläge aufgeführt, die gegenwärtig innerhalb der Regierung geprüft werden und die den folgenden Erfordernissen gerecht werden sollen:
- um die Verhandlungen über offenere und gerechtere Handelsabkommen für
Industrie-und Agrarerzeugnisse zu erleichtern, bedarf es einer Vollmacht zur
Erhöhung oder Senkung der amerikanischen Handelsschranken;
- um mit dem rasch wachsenden Import-Wettbewerb fertig zu werden, der zu
Störungen der Binnenmärkte und zur Freisetzung amerikanischer Arbeitskräfte
führt, bedarf es eines neuen einheimischen Schutz-und Anpassungsprogramms;
- um mit dem unfairen Wettbewerb, dem amerikanische Erzeugnisse sowohl im
In-wie im Ausland ausgesetzt sind, fertig zu werden, sind Vollmachten zur Erhöhung der Handelsschranken notwendig;
- um die Zahlungsbilanzprobleme zu lösen, ist eine Ermächtigung zur Erhöhung oder zur Senkung der Handelsschranken erforderlich;
- um mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden, bedarf es einer
Vollmacht für eine vorübergehende und selektive Senkung der Handelsschranken;
und
- um die neuen Handelsmöglichkeiten zu nutzen und die Verpflichtungen gegenüber den Entwicklungsländern zu erfüllen, bedarf es einer Vollmacht, um allen Ländern die Meistbegünstigtenbehandlung zu gewähren und den Entwicklungsländern allgemeine Zollpräferenzen einzuräumen.

Verhandlungsvollmachten:
Bei den früheren Handelsverhandlungen hat die Regierung stets um eine Ermächtigung seitens des Kongresses zur Senkung der amerikanischen Zölle um bestimmte Beträge nachgesucht, und sie ist ihr auch gewährt worden. Zum letzten

-28-

�letzten Mal wurde eine solche Ermächtigung im Rahmen des Gesetzes für eine
Ausweitung des Handels von 1962 gewährt, in dem der Kongreß den Präsidenten
ermächtigte, aus multilateralen Verhandlungen sich ergebende Zollsenkungen
bis auf 50 Prozent des damals bestehenden Satzes in einer Zeit von fünf Jahren zu verfügen.Das Gesetz ermächtigte den Präsidenten ferner, die Zölle für
solche Erzeugnisse aufzuheben, bei denen auf die Vereinigten Staaten und die
Europäische Gemeinschaft (bei der man mit dem Beitritt Großbritanniens rechnete) zumindest 80 Prozent des Welthandels entfielen. Diese Ermächtigung
wurde nicht ausgenutzt, vor allem, weil Großbritannien der Europäischen Gemeinschaft 1962 nicht wie erwartet beitrat. Die Vollmachten des Präsidenten,
neue Handelskonzessionen zu gewähren, liefen 1967 aus und sind nicht erneuert
worden.
Bei den neuen Verhandlungen, auf die wir uns jetzt vorbereiten, würde
diese Art von Ermächtigungen nicht ausreichen. Die Festlegung eines Limits
für die prozentuale Senkung würde den Verhandlungsspielraum zu stark einschränken. Und wir sind entschlossen, wirksam über ein weites Gebiet von den
Handel behindernden oder verzerrenden Praktiken zu verhandeln, von dem die
Zölle nur ein Teil sind. Wir werden ein Maximum an Flexibilität bei den Verhandlungen brauchen, das dem entspricht, über das unsere Handelspartner praktisch verfügen, sofern sie es nutzen wollen. Um unseren Unterhändlern diese
notwendige Flexibilität zu geben, sollten die folgenden Vollmachten erwogen
werden.

Zölle:
Es könnte für einen Zeitraum von fünf Jahren eine Ermächtigung gewährt
werden, im Rahmen von ausgehandelten Abkommen bei allen Erzeugnissen Zölle
aufzuheben, zu senken, heraufzusetzen oder einzuführen. Bei den meisten Zöllen
würden die Senkungen phasenweise über einen Zeitraum von fünf Jahren oder noch
länger erfolgen, wobei längere Zeiträume für eine phasenweise Zollsenkung bei
import-empfindlichen Erzeugnissen vorgesehen wären.
Unbegrenzte

-29-

�Unbegrenzte Vollmachten für die Senkung von Zöllen im Austausch für
wirklich entsprechende Konzessionen anderer würden unseren Unterhändlern ein
Maximum an Flexibilität und Verhandlungsspielraum geben. Wenn auch wenig
Wahrscheinlichkeit besteht, daß andere einer Aufhebung aller Zölle zustimmen
würden, so sollten wir doch bei unseren Erwägungen keine Verhandlungstechnik
ausschließen, wie wir dies auch in der Vergangenheit getan haben. Weiter würde eine solche Ermächtigung Raum für die Beseitigung der europäischen

Zoll-

präferenzen lassen, die unsere Exporte diskriminieren. Die Ermächtigung zur
unbegrenzten Heraufsetzung unserer Zölle würde es uns ermöglichen, an den
Verhandlungen mit großen Industriegruppen teilzunehmen, uns mit besonders
schwierigen Problemen zu befassen, indem wir nicht-tarifäre Beschränkungen
in feste Zölle mit ausreichendem Schutzniveau umwandeln, und gegenseitige
Zollsenkungen - falls erwünscht auch für längere Zeiträume - auszuhandeln.
Schließlich würden wir um neue Ermächtigungen nachsuchen, die uns eine Erhöhung von Zollschranken jeder Art gegenüber solchen Ländern gestatten, die
weiterhin unsinnige oder ungerechtfertigte Beschränkungen für unsere Exporte
aufrechterhalten.

Nicht-tarifäre Beschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung erteilt werden, um Abkommen über den Abbau
einer begrenzten Zahl spezieller, nicht-tarifärer Schranken durchzuführen
(darunter zum Beispiel Stand von Erzeugnissen, Zollwert- und Zolleinstufung,
Wertfestselzung, Nomenklatur, Kennzeichnungserfordernisse und Verwaltung), sofern der Präsident zufriedengestellt ist, daß die Vereinigten Staaten ihrerseits entsprechende Vergünstigungen erhalten haben. Dies könnte mit einer Deklaration des Kongresses gekoppelt sein, die sich für Verhandlungen zum Abbau anderer nicht-tarifärer Handelsschranken sowie für die Einführung eines
neuen Verfahrens ausspricht, das die Prüfung spezifischer hierzu erreichter
Abkommen durch den Kongreß erleichtern würde, sofern dessen Zustimmung erforderlich wäre .
Importentlastung:

-30-

�Importentlastung:
Unsere gegenwärtigen Gesetze, die Entlastung bei plötzlichen und
störenden Importstößen bringen sollen, sind unzulänglich.
Die Kriterien über die Gewährung von Entlastung bei störenden Importen
sind so starr, daß zahlreiche betroffene Industrien und Arbeitnehmer die
Normen nicht erreichen können. In dieser Situation ist der Druck, außerhalb
der verfügbaren Verfahren Hilfe zu erhalten, sehr stark.
Der Kongreß empfindet diesen Druck, der von einzelnen Gruppen ausgeht
und die Einführung einer Vielzahl besonderer Gesetze fordert, die sich-oft
für dauernd- mit den einzelnen Problemen befassen sollen. Die Exekutive
sieht, wie dieser Druck entsteht und wie diese Appelle die Form von Gesuchen an den Präsidenten oder die verschiedenen Regierungsämter annehmen,
ad hoc-Abkommen über die Begrenzung der Einfuhren bei diesem oder jenem Erzeugnis auszuhandeln.
Dieser Druck kann gefährlich sein, nicht weil die Notwendigkeit einer
Entlastung nicht gegeben sein könnte, sondern weil er Stückwerk ohne faire
und unparteiische Prüfung aller relevanten Faktoren fördern könnte. Erforderlich ist ein neues inneramerikanisches Schutzverfahren, das, wenn notwendig, Entlastung bringt und die erforderliche Flexibilität aufweist, um sich
in ausreichender Form mit diesen ernsten Problemen in einer sich rasch ändernden Weltwirtschaft zu befassen.
Um diesem Erfordernis gerecht zu werden, bedarf es Änderungen in der
derzeitigen Form der Import-Entlastung.

Importbeschränkungen:

-31-

�Importbeschränkungen:
Es könnte eine Ermächtigung für die Einschränkung von Importen erteilt
werden, wenn die Zollkommission feststellt, daß vermehrte Importe die. Hauptursache (die wichtigste einzige Ursache) für eine ernsthafte Schädigung
oder einer sich daraus ergebenden Gefährdung der einheimischen Industrie
und der Arbeitnehmer ist. (Im Augenblick muß sie feststellen, daß der Import die Hauptursache, d.h. größer als alle übrigen Ursachen zusammen, ist).
Die derzeitige Bestimmung, daß eine solche Schädigung aus früheren
Zollkonzessionen herrühren muß, sollte modifiziert werden. Diese Notwendigkeit, einen Zusammenhang zwischen Schädigungen und einer früheren Konzession
nachzuweisen, war vielleicht mehr als jedes andere Erfordernis der derzeitigen Ermächtigung aufgrund der Ausweichklausel dafür verantwortlich, daß
Industrien eine Entlastung verweigert wurde, die diese wirklich brauchten.
Die von uns vorgeschlagene neue Ermächtigung für Schutzmaßnahmen muß auf den
gegenwärtigen wirtschaftlichen Fakten beruhen, und nicht auf Regierungsmaßnahmen der Vergangenheit. Anders gesagt, worauf es für uns ankommt, ist die
Frage, die auch für die amerikanische Industrie und die Arbeitnehmer ganz
eindeutig ein wichtiges Anliegen ist, ob die schnell steigenden Importe
wirklich ernstliche Schäden verursachen....
Der Präsident sollte ferner größere Flexibilität bei der Entwicklung
einer wirklich durchgreifenden Entlastung erhalten. Dies könnte durch freiwillige Abkommen für eine Einschränkung des Exports wie auch durch direkte
nationale Maßnahmen wie höhere Zölle, höhere Zoll-oder Importquoten geschehen.
Wir werden ferner das Risiko einer Vergeltung gegen unsere Exporte verringern wollen, wenn die Vereinigten Staaten eine neue, leichter anwendbare Ausweichklausel zur Unterstützung der einheimischen Erzeuger einführen.
Dies könnte durch ein im Rahmen des GATT tragbares Schutzsystem geschehen,
das bei seiner Einführung keine Kompensationen notwendig macht. Wenn jedoch

-32-

�jedoch eine weitere Beschränkung von Importen notwendig wird, sollte der
Präsident die Vollmacht haben, unsere Handelspartner - falls dies aufgrund der
bestehenden Handelsabkommen notwendig ist - durch Senkung der amerikanischen
Zölle bei anderen, weniger empfindlichen Erzeugnissen zu kompensieren.
Die oben erörterten Gesetzesänderungen beziehen sich auf Probleme, die
durch Importe ausgelöst worden sind, die auf unsere Märkte unter fairen Wettbewerbsbedingungen gelangen. Andere Änderungen in unseren Gesetzen könnten erforderlich werden, damit wir uns mit unfairen Wettbewerbspraktiken befassen
können. Wir könnten unseren Schutz gegen ein Dumping, gegen die Subventionierung von Erzeugnissen, die auf unseren Markt gelangen, durch ausländische Regierungen, gegen Patentverletzungen und gegen die Tätigkeit ausländischer
Kartelle verstärken. Gleichzeitig könnten verschiedene verfahrensmäßige Verbesserungen eingeführt werden, um sicherzustellen, daß die Belange der einheimischen Erzeuger, Importeure und Verbraucher schneller und gerechter geprüft
werden.
Anpassungshilfe:
Die Regierung prüft gegenwärtig ein gesondertes Gesetz, das den Anpassungsprozeß für praktisch alle amerikanischen Arbeitnehmer, deren Arbeitsplätze gefährdet sind, und nicht lediglich für die durch den Importwettbewerb verdrängten, verbessern sollte. Dies könnte erstens zu erhöhten Zuwendungen und einer
Erweiterung des Bereichs der Arbeitslosenversicherung der Einzelstaaten aufgrund neuer bindender Normen des Bundes und zweitens zu neuen Normen des Bundes für verbesserte und sicherere private Pensionssysteme führen. Die Regierung hat dem Kongreß in der Vergangenheit zu diesen beiden Komplexen Empfehlungen vorgelegt.

-Zahlungsbilanzen

-33-

�- Zahlungsbilanzen und Wirtschaftspolitik Die vergangenen Jahre haben gezeigt, daß die Handelspolitik ein wirksames Instrument zur Lösung vorübergehender weit- oder binnenwirtschaftlicher Probleme sein kann. Die Einführung einer Import-Sonderabgabe trug 1971
dazu bei, ein ernstes Ungleichgewicht in unserer internationalen Zahlungsbilanz zu überwinden. Im Jahre 1972 benutzten wir die Handelspolitik dazu,
die Fleischversorgung in den Vereinigten Staaten zu steigern und die Preise
niedrig zu halten. Eine zu starke Verwendung restriktiver Maßnahmen könnte
jedoch die Art der von uns angestrebten Handelswelt gefährden. Daher ist
es wünschenswert, den Einsatz handelspolitischer Maßnahmen für temporäre
Zwecke zu begrenzen.
Jedes Fragen des Handels betreffende Gesetz sollte Bestimmungen über
die Führung einer modernen Handelspolitik unter folgenden Gesichtspunkten
enthalten:

Vollmachten zur Zahlungsbilanz:
Dem Präsidenten könnte eine ausdrückliche Vollmacht für eine lineare
Erhöhung oder Senkung der Importbeschränkungen erteilt werden, um ständige
Zahlungsbilanzdefizite oder -Überschüsse zu beseitigen. Zuschläge sind ein
bevorzugtes Hilfsmittel, aber die gegenwärtigen GATT-Bestimmungen gestatten in Fällen der Zahlungsbilanz nur eine Einführung von Quoten. Eine Ermächtigung für beide Maßnahmen sollte verfügbar sein. Der Präsident könnte
ferner ermächtigt werden, Zuschläge oder andere Beschränkungen selektiv
bei Importen aus Ländern mit einem ständigen weltweiten Zahlungsbilanzüberschuß einzuführen. Die Einräumung einer solchen Ermächtigung würde den von
den Vereinigten Staaten bei den derzeitigen Währungsverhandlungen eingenommenen Standpunkt unterstützen.
Ermächtigung

-34-

�Ermächtigung zur Bekämpfung der Inflation:
Es könnte eine ständige Ermächtigung für einen temporären Abbau bestimmter Arten von Importbeschränkungen erteilt werden, wenn der Präsident
feststellt, daß eine solche Maßnahme zur Milderung des inflationistischen
Druckes wünschenswert ist.

- Neue Handelsmöglichkeiten Mit an erster Stelle auf unserem Programm für wichtige internationale
Handelsinitiativen stehen Maßnahmen zur Ausweitung des Handels mit den Entwicklungsländern sowie mit den kommunistischen Ländern. Die Notwendigkeit
für eine Ausweitung der Exportmöglichkeiten der unterentwickelten Welt wird
nachfolgend erörtert. (Mögliche Maßnahmen für die Erschließung neuer Handelsmöglichkeiten mit den expandierenden Märkten der kommunistischen
Welt werden in Artikel IV aufgezeichnet).
Vor mehreren Jahren haben die Vereinigten Staaten die Ausarbeitung
einer weltweiten Vereinbarung unterstützt, in deren Rahmen die FertigwarenExporte der Entwicklungsländer durch Ausweitung eines Systems für einen
bevorzugten Zugang zu den Märkten aller Industriestaaten auf einer nichtdiskriminierenden Basis gefördert werden. Wir taten dies aus zwei Gründen:
1.)

Wir waren uns klar darüber, je mehr Devisen die Entwicklungsländer

mit ihren Exporten verdienen, umso mehr könnten - und würden - sie für Importe ausgeben. So könnte - realistisch gesehen - ein System allgemeiner
Präferenzen einen konstruktiven Weg bilden, um zu ihrer wirtschaftlichen
Entwicklung beizutragen, und unsere eigenen Exporte zu steigern. Die amerikanischen Exporte in diese Gebiete sind heute aufgrund der Wechselkursanpassungen der letzten beiden Jahre gegenüber den anderen großen Lieferanten weitaus wettbewerbsfähiger.
2.)

-35-

�2.)

Das sich ausweitende Netz von speziellen Präferenzvereinbarungen zwi-

schen einigen Entwicklungsländern und der Europäischen

Gemeinschaft führt

zu Diskriminierungen unserer Exporte auf den Märkten dieser Entwicklungsländer. Ein System, in dessen Rahmen alle Industriestaaten den Erzeugnissen aller Entwicklungsländer eine gleiche bevorzugte Behandlung einräumen, würde die Rechtfertigung für Sonderpräferenzen und die sich hieraus
ergebende Diskriminierung beseitigen. Dies würde ebenfalls unsere Exportmöglichkeiten verbessern und den lateinamerikanischen Ländern nützen, die
in die besonderen Präferenzvereinbarungen der Europäischen Gemeinschaft
nicht einbezogen sind.
Einige Industriestaaten haben ein allgemeines Präferenzsystem eingeführt, aber ihre Sonderpräferenzen ebenfalls beibehalten. Dies war zu einem
Teil der Fall, weil wir keine Ermächtigung hatten, ein allgemeines Präferenzprogramm für die Entwicklungsländer durchzuführen. Nur mit einer solchen Ermächtigung können wir die schließliche Beseitigung der besonderen
Präferenzvereinbarungen anstreben.
Somit ist ein Gesetz notwendig, das den Präsidenten ermächtigt, ein
temporäres System allgemeiner Zollpräferenzen für alle Entwicklungsländer
einzuführen. Das System könnte eine Reihe importempfindlicher Güter ausschließen, und der Präsident sollte ermächtigt sein, die Präferenz für jedes Land oder Erzeugnis auszusetzen, wenn sich besondere Härten für die amerikanische Industrie ergeben würden. Es sollte ein knapp und klar formuliertes"Wettbewerbserfordernis" geben, durch das die Präferenzen auf solche
Länder beschränkt werden könnten, die diese wirklich brauchen.

+ ++

- 36 -

�' amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

Information

G o d e s b e r g l ,

8 9 - 3 2 4 0

Wirtschaft

Service

Postfach

300

T e I e x : 08 - 8 54 32

13/1973

MILLS FORDERT REFORM DES INTERNATIONALEN HANDELSSYSTEMS
-Wortlaut der Erklärung vor dem Repräsentantenhaus-

WASHINGTON --(AD)-- Der einflußreiche demokratische Abgeordnete Wilbur
Mills hat am 21. März vor dem Plenum des amerikanischen Repräsentantenhauses eine Reform des internationalen Handelssystems gefordert und dargelegt,
welche Politik die Vereinigten Staaten seiner Ansicht nach verfolgen sollten. Mills ist Vorsitzender des wichtigen Haushaltsausschusses des Repräsentantenhauses, der wesentlichen Einfluß auf die amerikanische Handelsgesetzgebung hat.
Die Erklärung des Abgeordneten hat folgenden Wortlaut:
"Zu keinem Zeitpunkt nach dem Kriege ist es für die Vereinigten Staaten dringender gewesen, einen Kurs für den Außenhandel festzulegen. In den
letzten Jahren sind mit dem Entstehen neuer wirtschaftlicher Machtrealitäten Reibungen und Spannungen in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen
aufgetreten. Es besteht die ernste Gefahr, daß die Bemühungen um ein stabiles, friedliches und zivilisiertes System in der Welt nicht durch Krie-

-1-

�Kriege zwischen alten Feinden, sondern durch Streitigkeiten zwischen alten
Freunden bedroht wird.
Sowohl die Europäische Gemeinschaft als auch Japan sind nahezu auf gleicher Höhe mit den Vereinigten Staaten, was ihre Fähigkeit angeht, ihre internationalen Wirtschaftsziele zu verwirklichen. Ja, in einigen wesentlichen
Aspekten der internationalen wirtschaftlichen Macht übertreffen beide die Vereinigten Staaten. Die sogenannte freie Weltwirtschaft wird also durch drei
Akteure von nahezu gleicher Stärke beherrscht, und es besteht ein hohes Maß
an potentiellen Konflikten zwischen ihren jeweiligen wirtschaftspolitischen Zie
len. Jedoch haben weder Europa noch Japan bisher die politische Kapazität gezeigt, ihre wirtschaftliche Macht konstruktiv zu nutzen, teilweise deswegen,
weil jeder sich in einer inneren Entwicklung von historischen Dimensionen befindet. Sie können zwar negieren, müssen sich in einer Führungsrolle jedoch
noch beweisen. Gleichzeitig sind die Vereinigten Staaten unsicher hinsichtlich
der Rolle, die sie in einer Welt spielen sollten, die sie nicht länger beherrschen, aus der sie sich aber auch nicht zurückziehen können. Das Ergebnis ist
bisher gleich null.
Die gegenwärtige Stellung relativ gleicher Mächte, von denen jede unsicher hinsichtlich der eigenen Rolle ist und die Ziele verfolgen, welche häufig im Widerspruch zueinanderstehen, ist vielleicht der schwierigste Ausgangspunkt, von dem aus eine dauerhafte und stabile internationale Wirtschaftsordnung geschaffen werden kann. Aber dennoch müssen Anstrengungen dazu gemacht
werden, denn die Alternative könnten schwerwiegende wirtschaftliche Verluste
und ein ernsthafter politischer Zerfall sein.
Noch niemals war es so klar, daß kein einzelnes Land von sich aus eine
Lösung verordnen kann. Und dennoch ist die Rolle, die die Vereinigten Staaten
spielen werden, von entscheidender Bedeutung. Denn trotz des starken Druckes,
sich nach innen zu wenden und sich auf dringliche innenpolitische Probleme

-2-

�f

Probleme zu konzentrieren, ist es doch immer noch die Aufgabe der Vereinigsten Staaten, den Weg in der internationalen wirtschaftlichen Zusammenarbeit zu weisen.
Wenn die Vereinigten Staaten an eine Lösung herangehen, dann dreht es
sich um drei miteinander zusammenhängende Elemente:
- Erstens brauchen wir eine Politik; wir müssen wissen, welche Ziele
wir verfolgen und wie wir sie erreichen wollen;
- zweitens brauchen wir im Rahmen unserer Verfassung eine Gesetzgebung,
die diese Politik bekräftigt und den Präsidenten in die Lage versetzt, ihre
Verwirklichung anzustreben;
- drittens sind Verhandlungen notwendig, durch die die politischen Ziele im Zuge von Anpassungen der miteinander konkurrierenden Interessen der
Verhandlungsländer verwirklicht werden können.

Die Politik

Es wird allgemein anerkannt, daß das internationale Wirtschaftssystem
reformiert werden muß. Reform bedeutet nicht Revolutionjdas Wirtschaftssystem,
das unmittelbar nach dem Kriege entwickelt wurde, hatte viel lobenswertes.
Die sich ändernde Rolle der Vereinigten Staaten in diesem System sowie die
größere wirtschaftliche Macht Westeuropas und Japans haben jedoch ein Ungleichgewicht geschaffen,sowohl was

die Währungs- als auch die Handels-

politik anbetrifft, das jetzt ausgeglichen werden muß.
Verhandlungen über eine internationale Währungsreform sind bereits im
Gange. Im Gegensatz zu Handelsfragen geht es jedoch bei Währungsverhandlungen
um höchst technische und zum Teil mysteriöse Themen, die nur von Experten

-3-

�Experten beherrscht werden. Beim Handel hingegen geht es auch um politische
Aspekte, weil Handelsfragen Arbeitsplätze sowie Profite der verschiedensten
Interessengruppen bedeuten

und daher politische Entscheidungen mit sich

bringen.
Um eine Politik für die Reform des internationalen Handelssystems zu entwickeln,bedarf es daher einer Entscheidung auf den höchsten politischen Ebenen
der Haupthandelsländer. Das ist bisher noch nicht geschehen.
Über Fragen der Handelspolitik ist in immer stärkerem Maße von Bürokraten aus starren Positionen auf einer ad hoc-Basis verhandelt worden. Es ist
jetzt dringend erforderlich, daß die Haupthandelsländer einen umfassenden Plan
für die Lösung der bereits bestehenden und der sich abzeichnenden Handelsprobleme entwickeln und daß sie zu einer Entscheidung über den Verhandlungsrahmen gelangen, mit dessen Hilfe ein solcher Plan verwirklicht werden kann. Die entscheidenden und detaillierten Handelsverhandlungen sollten ihrer Art nach auf
Gegenseitigkeit beruhen und zu der Annahme einer Reihe von Prinzipien führen,
die allgemein als fair und als die größtmögliche Expansion des internationalen
Handels fördernd akzeptiert werden. Die Verwirklichung dieser Ziele mag vielleicht etwas zu einer Korrektur unserer Handels-und Zahlungsbilanzdefizite
beitragen. Wir sollten uns jedoch darüber im klaren sein, daß es weder realistisch noch wünschenswert ist, die Handelsverhandlungen übermäßig zu belasten. Der Frage des Handelsbilanz- oder des Zahlungsbilanzungleichgewichtes,
das ungeachtet unserer kürzlichen zweiten Abwertung ein ständiges Problem bleiben wird, muß durch eine Reform des internationalen Währungsmechanismus zu
Leibe gegangen werden.

Die

�I

Die Gesetzgebung

Damit die Vereinigten Staaten in der Lage sind, mit größter Effektivität an solchen Verhandlungen teilzunehmen, wird der Präsident den
Kongreß in Kürze um gesetzliche Vollmachten ersuchen. Dieses Ersuchen sollte klar und eindeutig die Art von Vollmachten darlegen, die der Präsident
benötigt, um in Verhandlungen jene Ziele zu erreichen, die nach seiner Auffassung und nach Auffassung des Kongresses im Interesse der Vereinigten
Staaten liegen. In diesem Zusammenhang wäre es nicht produktiv, wollte
die Administration in ihrem Gesetzesentwurf jede Kritik vorwegnehmen,
die der Kongreß möglicherweise an einer solchen Vorlage üben könnte; das
wird sich am besten aus dem normalen legislativen Prozeß ergeben.
So wie ich die Dinge heute sehe, muß in einem solchen Gesetzesprogramm folgendes enthalten sein:

1. Zölle:
Der Präsident sollte die Vollmacht haben, das Problem der Zolldiskriminierung anzupacken, das sich hauptsächlich um die Europäische Gemeinschaft herum ausgebreitet hat. Eine perfekte Lösung des Problems derartiger Diskriminierungen würde erfordern, daß im Laufe von einigen Jahren die
Zölle vollständig abgeschafft werden. Es ist richtig, daß alles, was d a runter bleibt, eine Spanne von Zolldiskriminierungen bestehen lassen würde, die höchstwahrscheinlich Gebiete wichtiger amerikanischer Exportinteressen berühren würde. Es ist ferner richtig, daß im großen und ganzen die
Zölle bereits sehr niedrig sind und eine Abschaffung der meisten Zölle
eine geringere absolute Zollsenkung bedeuten würde, als sie aufgrund bisheriger Zollverhandlungen zustande kamen. Die Frage jedoch, welche Ausnahmen für eine vollständige Abschaffung der Zölle für die amerikanische In-

-5-

�Industrie wirtschaftlich wichtig und von entscheidender Bedeutung wäre,
erfordert eine sorgfältige Prüfung, wenn die Exekutive um eine solche Vollmacht nachsuchen sollte.

2. Nichttarifäre Handelsschranken:
Hier geht es um einen komplexen, weitgespannten Bogen von Regierungsmaßnahmen meist auf der Basis einheimischer gesetzlicher Bestimmungen oder
Verordnungen, die in ihren Auswirkungen auf den Handel heute bedeutsamer
sind als die Zölle. Im Gegensatz zu den Zöllen ist es hier für den Kongreß
außerordentlich schwierig, wenn nicht gar unmöglich, im voraus Vollmachten
für Verhandlungen über nichttarifäre Handelsschranken zu erteilen. Trotzdem
braucht die Exekutive eine gewisse Form eines allgemeinen Auftrages vom
Kongreß, um hier sinnvoll verhandeln zu können. Ob dies in der Form geschieht, daß man davon ausgeht, daß bei Verhandlungen, die eine Änderung
amerikanischer gesetzlicher Bestimmungen erfordern, das Ergebnis dieser Verhandlungen der Zustimmung des Kongresses auf einer ad referendum-Basis bedarf, oder in irgendeiner anderen Form, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall
muß dieser Prozeß durch ausreichende und wesentliche Konsultation mit den
zuständigen Kongreßausschüssen sowohl während der Vorbereitung der Verhandlungen als auch während der Verhandlungen selbst erleichtert werden.

3. Landwirtschaft:
Auf dem Gebiete der Landwirtschaft erfreuen sich die Vereinigten Staaten eines vergleichsweise großen Vorteils. Alle künftigen Verhandlungen
müssen auf diesem Gebiet einen Durchbruch bringen. Wo der Schutz vor Einfuhren in Form von Zöllen geschieht, bedarf es keiner besonderen Vollmacht. Wo
jedoch andere Mittel angewandt werden und wo Agrarverhandlungen gewisse Zu-

-6-

�Zugeständnisse auf Gegenseitigkeit in den Agrarimportrestriktionen der Vereinigten Staaten erfordern, können diese in der gleichen Weise behandelt werden
wie die nichttarifären Handelsschranken.

4. Schutzmaßnahmen:
Eine Gesetzgebung, die der einheimischen Industrie und den einheimischen Arbeitern die Gewähr bietet, daß ernsthaften Schädigungen oder der Gefahr einer ernsthaften Schädigung durch erhöhte Importe rasch begegnet werden
kann, sollte liberalere Schutzbestimmungen enthalten als die. gegenwärtige.
Die Zeitspanne, die für solche Entlastungsmaßnahmen durch Importbeschränkungen notwendig sein mag, hängt von der Zeitspanne ab, die notwendig ist, bis
geeignete wirtschaftliche Anpassungsmaßnahmen greifen» Zu den Maßnahmen, die
ergriffen werden können, gehören höhere Abgaben, Unterstützung bei der Anpassung von Importquoten, freiwillige Exportbeschränkungen oder eine Kombination
dieser Maßnahmen. Die Schutzmaßnahmen der Vereinigten Staaten sind normalerweise auf der Basis der Meistbegünstigungsklausel angewandt worden. Hier sollte für eine Flexibilität gesorgt werden, damit sie gegen bestimmte Länder angewandt werden können, wenn nur ein Land oder nur wenige Länder die Quelle des
Problems sind. Alle anderen großen Handelsnationen wenden eine solche Methode
an.
Das Gesetzeswerk sollte auch Richtlinien für die multilaterale Neuverhandlung der GATT-Regeln über die Anwendung von Schutzmaßnahmen durch einzelne Länder enthalten. Nur zu oft sind die Schutzmaßnahmen in Form von Importbeschränkungen in widersprüchlicher Weise und ohne Rücksicht auf die vereinbarten Normen und Kriterien angewandt worden. Dies führt unausweichlich zu
Verärgerungen und manchmal zu Vergeltungsmaßnahmen. Hier sollte man sich bemühen, einen Schutz auszuhandeln und ein Beschwerde-und Konsultationsverfahren
zu schaffen, in dessen Rahmen Maßnahmen überprüft werden können. Wenn in Übereinstimmung mit diesen Regeln und Verfahren Schutzmaßnahmen angewandt werden,
zu denen normalerweise auch Bestimmungen für geplante Anpassungshilfe und das

-7-

�1

das automatische Auslaufen von Restriktionen gehören würden, wäre es nicht
notwendig, Gegenrestriktionen seitens der betroffenen Lieferländer zu erlauben.

5. Anpassungshilfe:
Arbeitern, die aufgrund erhöhter Importe geschädigt werden oder denen
eine Schädigung droht, sollte eine Anpassungshilfe zur Verfügung stehen, die
ihre Umschulung und ihre Wiedereingliederung auf anderen Arbeitsplätzen erleichtert. Die gegenwärtigen Bestimmungen für die Anpassungshilfe sind unzureichend, da sie ganz und gar veraltete und starre Kriterien für die Qualifikation für eine solche Unterstützung anlegen und weil die Bestimmungen für
die Anpassungshilfe völlig einfallslos angewandt worden sind.

6. Fairer Handel:
Der Kongreß sollte seine Vollmacht und seine Richtlinien für den Präsidenten stärken, unter Beachtung der internationalen Verpflichtungen den Hebel
von Importbeschränkungen gegen Länder anzuwenden, die sich weigern, illegale
oder unvertretbare Importrestriktionen für amerikanische Exporte aufzuheben ,
und die an einer Exportsubventionierung auf den Märkten von Drittländern festhalten. Auch wir selbst sollten uns dieser unfairen und selbstzerstörerischen
Formen des Handels enthalten.

7. Allgemeine Zollpräferenzen für Fertigwaren aus Entwicklungsländern:
Sowohl Präsident Johnson als auch Präsident Nixon haben sich verpflichtet, die Zustimmung des Kongresses zu einem System von Zollpräferenzen für
Entwicklungsländer anzustreben. Diese Verpflichtung gehört zu einer gemeinsamen Anstrengung zusammen mit anderen Industrieländern. Eine Vollmacht für die
Exekutive, sich an dieser weltweiten Politik zu beteiligen, den Entwicklungs-

-8-

�Entwicklungsländern eine bescheidene Hilfe zu gewähren, ist gerechtfertigt
- unter Berücksichtigung der begrenzten Ausnahmen für bestimmte Erzeugnisse
und eines richtig funktionierenden Schutzmechanismus bei anderen Produkten.
Es wäre jedoch nach meiner Auffassung eine Travestie des Prinzips der
Nichtdiskriminierung im Handel und eine Verhöhnung der Handelshoffnungen der
Entwicklungsländer, wenn die Exekutive diese Vollmacht benutzen würde, während die Europäische Gemeinschaft und Japan an starren und kärglichen Quoten
für bevorzugt klassifizierte Importe aus den Entwicklungsländern festhalten.
In gleicher Weise wäre es für die Vereinigten Staaten eine Travestie des ganzen Prinzips, wenn sie Ländern Zollpräferenzen einräumen würde, die der Europäischen Gemeinschaft oder anderen Industrieländern diskriminierende Gegenpräferenzen einräumen. Die Vereinigten Staaten verlangen von den Entwicklungsländern keine so kleinliche Konzession, und wir erwarten, daß andere wohlhabende und mächtige Handelsnationen ebenfalls nicht auf solchen Forderungen
bestehen werden.

8. Zahlungsbilanzmaßnahmen:
Wir haben in den letzten Jahren schmerzlich die Notwendigkeit für ein
politisches Instrumentarium auf dem Gebiete des Handels erkannt, das notfalls
im Hinblick auf die kritischen Zahlungsbilanzprobleme zum Tragen gebracht werden kann, handelt es sich nun um ein Defizit oder um einen Überschuß. Eine
symmetrische Vollmacht für die Exekutive, eine Importabgabe zu erheben, wenn
die Vereinigten Staaten ein Defizit haben, oder die Zollsätze entsprechend
zu senken,wenn die USA einen Überschuß haben, wird die so sehr benötigte ergänzende Unterstützung für den monetären Anpassungsprozeß darstellen.
Ferner könnte der Kongreß in Erwägung ziehen, die Exekutive zur Erhebung
einer Importabgabe gegenüber einem Land zu ermächtigen, das einen chronischen
Zahlungsbilanzüberschuß hat und nicht die erforderlichen korrektiven Maßnahmen

�Maßnahmen ergreift; von dieser Vollmacht sollte natürlich nur in Übereinstimmung mit Abkommen Gebrauch gemacht werden, die jetzt im Rahmen der Bemühungen um eine internationale Währungsreform ausgehandelt werden.

9. Fristen für bürokratische Verzögerungen:

Schließlich möchte ich noch einen prozeduralen Vorschlag machen, der
allerdings von wesentlicher Bedeutung für die amerikanischen Arbeitnehmer und
Arbeitgeber ist. Der Kongreß sollte vernünftige, aber genaue Fristen für den
Zeitraum setzen, über den die Exekutive verfügen kann, um die erforderlichen
Erhebungen anzustellen und die notwendigen handelsbezüglichen Maßnahmen zu
ergreifen - ob es sich um Importentlastung, Anpassungshilfe, Ausgleichsabgaben, Anti-Dumpingmaßnahmen oder um Verfahren der nationalen Sicherheit handelt.
Wir kennen genug solcher unverantwortlicher Verzögerungen, und der Kongreß
sollte handeln, um diese Hilfestellung zu leisten.
Ich habe hier meine Ansichten zur Handelsgesetzgebung dargelegt in dem
Bemühen, einen konstruktiven Beitrag zu leisten und dieses so sehr benötigte
Gesetzeswerk zu fördern.
Wir müssen unsere Erwägungen auf überparteilicher Basis anstellen. Es
kann damit gerechnet werden, daß der Präsident dem Kongreß in Kürze seine Gesetzesvorlage unterbreiten wird. Ich hoffe, daß sie die Notwendigkeit für unverzügliches Handeln widerspiegelt, dem der Haushaltsausschuß - dessen bin ich
sicher - entsprechen wird."

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13/1973

VOLCKER TRITT FÜR GRUNDLEGENDE REFORM DES INTERNATIONALEN
WÄHRUNGSSYSTEMS EIN
-AuszügeWASHINGTON --(AD)— Der Staatssekretär für Währungsfragen im amerikanischen
Finanzministerium, Paul A. Volcker, hat erneut die Notwendigkeit einer
grundlegenden Reform des internationalen Währungssystems unterstrichen und
betont, daß mit den jüngsten Wechselkursanpassungen eine solide Ausgangsbasis geschaffen worden ist. Der Staatssekretär nahm am 21. März vor dem
Unterausschuß für Internationale Finanzfragen des US-Repräsentantenhauses
zu der von der Regierung eingebrachten Gesetzesvorlage über die Abwertung
des US-Dollar Stellung. Die wichtigsten Teile der Erklärung des Staatssekretärs haben folgenden Wortlaut:
"Zwischen den führenden Industriestaaten ist weitgehende Übereinstimmung über eine gemeinsame Initiative erreicht worden mit dem Ziele, ein
geregeltes Wechselkurssystem zu gewährleisten, spekulativen Störungen zu
begegnen und zu einer schnelleren grundlegenden Reform des internationalen
Währungssystems beizutragen
Die Teilnehmer an den während der letzten Wochen abgehaltenen Konferenzen mußten praktisch von der Zusammenarbeit und der Übereinstimmung bei dem
gemeinsamen Vorgehen beeindruckt sein.
Natürlich

�Natürlich bleibt noch viel zu tun übrig, um einen reibungslosen Übergang
zu einem dauerhaften und befriedigenden Währungssystem für die Zukunft sicherzustellen. Ich glaube jedoch, daß eine solide Basis geschaffen ist, die zu
Optimismus berechtigt. Der Druck der letzten Wochen hat meines Erachtens mit
dazu beigetragen, den Fortschritt in Richtung auf jene Kombination von Flexibilität und Stabilität in unseren Währungsvereinbarungen zu beschleunigen, die
in unser aller Interesse ist.
Die tatsächlichen Wechselkurse auf dem Devisenmarkt haben sich in der
letzten Woche größtenteils nicht sehr verändert. Ja, am Montag und Dienstag
blieb der Wechselkurs des Dollar gegenüber den anderen führenden Währungen in
einer Bandbreite von 2 1/4 Prozent beiderseits der Parität oder der Leitkurse,
die nach Bekanntgabe unserer beabsichtigten Abwertung festgelegt worden waren
(wobei der anschließend von Deutschland bekanntgegebenen weiteren kleinen
Aufwertung Rechnung getragen wurde). Diese Reaktion der Märkte entspricht,
solange die führenden Länder sich einer Intervention auf den Dollarmärkten
zur Stützung ihrer Parität oder ihrer Leitkurse enthalten, der von uns und
anderen vertretenen Auffassung, daß das aufgrund unserer Abwertung geschaffene
Wechselkurssystem im großen und ganzen angemessen und realistisch ist.
Ganz gewiß aber ändern die Ereignisse der letzten beiden Wochen in keiner
Weise unsere Auffassung über die Richtigkeit der Wechselkursneufestsetzung,
die der vorgeschlagenen Dollarabwertung voranging. Ich hoffe, der Kongreß wird
die erforderlichen Beschlüsse zu diesem Gesetz mit der angemessenen Schnelligkeit fassen." (Ende Auszüge Erklärung) .
Auf die Frage von Abgeordneten, welche Form monetäre Interventionen künftig annehmen könnten, erklärte Volcker: " Ich kann mich hierzu nicht sehr detailliert äußern... Ganz allgemein ist man der Auffassung, daß wir an geordneten Märkten interessiert sind, daß wir an der Stabilität der Märkte interessiert
sind. Aber welche Taktik eingeschlagen werden sollte, um dies am besten zu
fördern, hängt meines Erachtens von der Beurteilung der Marktverhältnisse und

-2-

�und der jeweiligen Situation im Verlauf der Entwicklung ab. Ich möchte keine
präzisen Richtlinien, Ziele oder Hinweise geben, wie wir auf bestimmte Gegebenheiten reagieren könnten."
Gleichzeitig versicherte der Staatssekretär, daß die Vereinigten Staaten keine geheimen Absprachen, weder mündlich noch schriftlich, darüber eingegangen seien, unter welchen Umständen eine Intervention stattfinden könnte. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, bestehe ganz allgemein zwischen den
Ländern Übereinstimmung über die Notwendigkeit, die Reform des Währungssystems zu beschleunigen. Nicht dagegen bestehe Übereinstimmung bei den spezifischen Fragen wie kurzfristige Kapitalflüsse, die Ausstattung oder Konsolidierung der Reservebestände anderer Länder, das Funktionieren des Wechselkurssystems, die Durchführung von Veränderungen oder andere Elemente eines
Anpassungsprozesses. Der entscheidende Punkt sei nach wie vor, eine Einigung über die Festlegung der Regeln eines Anpassungsprozesses zu erreichen.
Auf Handelsfragen eingehend betonte Volcker, daß "echte Fortschritte"
beim Abbau der japanischen Handelsbeschränkungen erzielt worden sind. Bei
den europäischen Ländern und Kanada sei dieser Fortschritt weniger konkret.
Für die künftigen Handelsverhandlungen werde die Art, wie der US-Kongreß das
kommende Handelsgesetz berate, von entscheidender Bedeutung sein.
Der Vorsitzende des amerikanischen Federal Reserve Board (US-Notenbank),
Arthur Burns, wies vor dem Ausschuß darauf hin, daß die 14 auf den beiden
Pariser Konferenzen vertretenen Länder eine Zusammenarbeit vereinbart haben, um zu starke Wechselkursschwankungen zu verhindern und zur Erhaltung
geordneter Märkte beizutragen. Die amerikanische Delegation, so fuhr Burns
fort, habe dies ebenfalls zugesagt, aber gleichzeitig klar gestellt, "daß
wir bestimmen werden, wann wir intervenieren werden und in welchem Umfang,
und daß wir dies nur nach Konsultationen mit Vertretern der Zentralbanken
der anderen Länder tun werden."

Die USA seien nicht verpflichtet, irgend-

einen bestimmten Wechselkurs oder Systeme von Wechselkursen zu verteidigen

-3-

�verteidigen oder zu ihrer Verteidigung beizutragen.
Auf die Frage, ob andere Länder immer noch vom Dollar abhängig seien,
sagte Burns: "Der Dollar ist immer noch bei weitem die wichtigste internationale Währung. Allerdings ist dies nicht mehr ganz so stark der Fall wie vor
zwei Monaten. Die Deutsche Mark ist in gewissem Maße zu einer Reservewährung
geworden."
Burns gab weiter seiner Zuversicht Ausdruck, daß der amerikanische Plan
für eine Reform des internationalen Währungssystems "als fair und gesund anerkannt werden wird. "

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13/1973

WASHINGTONER WÄHRUNGSKONFERENZ BRACHTE WACHSENDE ÜBEREINSTIMMUNG
Von Eugene Brake
WASHINGTON .-(AD)— Die soeben beendete Tagung des Zwanziger-Ausschusses
in Washington brachte eine zunehmende Annäherung der Ansichten über eine
Reform des internationalen Währungssystems.
Dies zeigt das zum Abschluß der Beratungen der Finanzminister veröffentlichte Kommunique, in dem wichtige Prinzipien für die künftige Arbeit
niedergelegt sind. Der Vorsitzende des Ausschusses, der indonesische Finanzminister Ali Wardhana, vertrat auf einer anschließenden Pressekonferenz sogar die Auffassung, daß diese Prinzipien die "Hauptelemente" der kommenden
Reform des internationalen Währungssystems bilden werden. Trotzdem bestehen in einigen wichtigen Fragen auch weiterhin Meinungsverschiedenheiten.
Der Staatssekretär für Währungsfragen im US-Finanzministerium, Paul
Volcker, betonte ausdrücklich, daß die in dem Kommunique aufgeführten Prinzipien durchaus mit den von dem amerikanischen Finanzminister George Shultz
auf der Jahrestagung des Internationalen Währungsfonds (IWF) im vergangenen
September unterbreiteten Vorschläge zu vereinbaren seien. Allerdings, so
fügte der Staatssekretär hinzu, bedeute dies nicht, daß die anderen dem
Zwanziger-Ausschub angehörenden Finanzminister und Zentralbankpräsidenten
nun ebenfalls mit allen Aspekten der amerikanischen Vorschlägen übereinstimmten .
Das

-1-

�Das Kommunique unterstreicht die Auffassung der Ausschußmitglieder,
daß das neue Währungssystem besseres leisten müsse als das alte und daß vor
allem der Anpassungsprozeß besser funktionieren müsse. Dabei sollten angemessene Methoden rechtzeitige und wirksame Zahlungsbilanzanpassungen sowohl
bei Überschuß-wie bei Defizitländern gewährleisten, und dies sollte durch
verbesserte internationale Konsultationen im Rahmen des IWF sowie die Verwendung objektiver Indikatoren erleichtert werden.
Die Verwendung "objektiver Indikatoren" - eine oder mehrere von den
Volkswirtschaftlern als allgemein gültig betrachtete statistische Reihen -,
die die Notwendigkeit von Maßnahmen seitens der Regierung zur Korrektur von
Zahlungsbilanzüberschüssen oder Defiziten anzeigen sollen, bildete einen
der Hauptpunkte des amerikanischen Vorschlages. Über die Art der objektiven
Indikatoren, die verwandt werden sollen, ist allerdings in Washington noch
keine Einigung erzielt worden.
Die Vereinigten Staaten hatten zum Beispiel im vergangenen September
vorgeschlagen, daß Veränderungen der Währungsreserven eines Landes den besten
Indikator darstellten, der auch laufend beobachtet werden könne. Andere
Länder hatten dagegen andere Indikatoren vorgeschlagen. So werden sich die
Stellvertreter des Zwanziger-Ausschusses jetzt in einer besonderen Studie
mit dieser Frage befassen.
Obwohl Übereinstimmung darüber besteht, daß die Wechselkurse flexibler
als unter dem alten System von Bretton Woods sein

sollten, sind die meisten

Länder nicht bereit, ein ständiges System floatender Wechselkurse zu akzeptieren, bei dem der Wert der Währungen entsprechend den Marktkräften nach
oben oder unten schwanken könnte. Die meisten großen Währungen floaten gegenwärtig, aber die Minister haben auf ihrer Washingtoner Tagung vereinbart,
daß die langfristige Reform des internationalen Währungssystems "auf stabilen aber anpassbaren Paritäten" basieren sollte.
Allerdings

�.»

Allerdings wurde anerkannt, daß das Floaten der Wechselkurse in besonderen Situationen eine nützliche Technik darstellt. Die Frage jedoch,
eine wie große Rolle das Floaten künftig spielen darf, gehörte zu den Punkten, über die weiterhin unterschiedliche Meinungen bestehen. Staatssekretär
Volcker faßte dies so zusammen, allgemein werde erwartet, daß die meisten
Länder nach dem neuen System wahrscheinlich die meiste Zeit einen festen
Wechselkurs haben würden. Diese Wechselkurse würden jedoch nicht mehr so
enge Bandbreiten haben wie unter dem System von Bretton Woods, sondern es
würden wahrscheinlich größere Schwankungen möglich sein.
Nach Ansicht Volckers ist das gegenwärtige Floaten eine gute Möglichkeit für die augenblickliche Situation, doch brachten, wie der Staatssekretär betonte, die derzeitigen Vereinbarungen keineswegs eine umfassende Lösung des Problems einer Reform des Internationalen Währungssystems

Die

Dringlichkeit, mit dieser Aufgabe voranzukommen, werde dadurch keineswegs
verringert. Das Kommunique bedeute, was das Anpassungsproblem und den Anpassungsprozeß betrifft, einen gewissen Fortschritt, doch seien wichtige
Einzelheiten noch zu regeln.
Eine weitere noch offen bleibende wichtige Frage betrifft die zu ergreifenden Maßnahmen hinsichtlich der kurzfristigen Kapitalflüsse sowie der
von Land zu Land vagabundierenden Spekulationsgelder. Nach Ansicht Volckers
gibt es auch hier keine Zauberformel, vielmehr soll auch diese Frage in
einer zweiten Studie der Stellvertreter eingehend untersucht werden.
Der Vorsitzende des Stellvertreterausschusses, Jeremy Morse, teilte in
diesem Zusammenhang mit, daß die Stellvertreter vom 21. bis 25, Mai zu
ihrer bisher längsten Sitzung in Washington! zusammenkommen werden, um die
Studien zu überprüfen, die jetzt in Auftrag gegeben worden sind, Anschliessend soll in großen Umrissen ein erster Entwurf des Vorgeschlagepen neuen
internationalen Währungssystems erörtert werden. Gleichzeitig wollen sich

3-

�sich die Stellvertreter aber auf dieser Sitzung auch mit den besonderen Interessen der Entwicklungsländer befassen.
Wie Staatssekretär Volcker auf einer Pressekonferenz nach Abschluß der
Washingtoner Tagung betont hat,

ist in den Beratungen der Minister manches

erreicht worden. Vor allem sei klargestellt worden, wie weiter vorgegangen
werden soll. Doch seien noch lange nicht alle schwierigen Fragen geklärt worden.

-4-

�&gt;

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13/1973

US-KOMMISSION EMPFIEHLT NEUE KONZEPTIONEN FÜR DIE SUCHTBEKÄMPFUNG
Koordinierte Behandlungsprogramme sollen Vorrang
vor Bestrafung haben

- (AD) - Die amerikanische "National Commission on Marijuana and Drug
Abuse", eine 1970 vom US-Kongreß geschaffene überparteiliche Kommission zur
Untersuchung des Drogenproblems, appelliert in ihrem jetzt veröffentlichten
zweiten Bericht an die Bevölkerung

der USA, bei der Bekämpfung der Drogen-

abhängigkeit nach neuen Wegen zu suchen. Die Nation sollte, wie es in der 481
Seiten umfassenden Studie heißt, "eine andere Einstellung zu Drogen und Drogenpolitik" entwickeln. Vor allem müßten Behandlung und Rehabilitation Vorrang
vor Bestrafung haben. Mehr als 100 Punkte wurden besonders herausgearbeitet,
um Behörden und privaten Stellen spezielle Maßnahmen zu empfehlen.

Die "Drogenkommission", wie der Ausschuß meist kurz genannt wird, fordert
die Schaffung einer unabhängigen Behörde auf Bundesebene, die für alle Programme auf dem Gebiet Drogen und Suchtbekämpfung verantwortlich sein soll.
Polizeiliche und juristische Maßnahmen würden ebenso unter ihre Kompetenz
fallen wie Vorbeugung, Aufklärung und Erziehung, ebenso Forschung, die Behandlung von Drogenabhängigen sowie die Beurteilung der Wirksamkeit einzelner
Programme. Allerdings solle die Tätigkeit der dem Präsidenten direkt zu unterstellenden Behörde zeitlich begrenzt, d.h. auf fünf Jahre befristet werden.
Die

- I -

�Die Drogenkommission, die unter der Leitung von Raymond P. Shafer (ehemaliger Gouverneur von Pennsylvanien) steht, zählt 13 Mitglieder. Neun von
ihnen wurden 1970 von Präsident Nixon ernannt, zwei vom Senat, zwei vom
Repräsentantenhaus. Zwei der 13 Vertreter des Ausschusses stimmten allerdings
gegen die Einrichtung der "Superbehörde", weil für die von Präsident Nixon
vor einem Jahr geschaffene Aktionszent.

fegen den Drogenmißbrauch "die Zeit

noch zu kurz war, um ihre Effektivität unter Beweis zu stellen". Sie soll in
erster Linie koordinieren, um Überschneidungen bei den verschiedenen Behandlungsprogrammen auszuschalten.

Das Weiße Haus, das sich zu dem neuen Bericht noch nicht direkt äußerte,
ließ verlauten, daß Präsident Nixon die Zuständigkeit für alle Vollzugsprogramme der Regierung gegen den Drogenmißbrauch in einer einzigen Stelle im
Justizministerium vereinigt sehen möchte.
Raymond Shafer warnt davor, sich mehr oder weniger auf die Strafgesetze
zu verlassen,um einer mißbräuchlichen Anwendung von Drogen und Narkotika vorzubeugen. "In den Augen von Drogenabhängigen", so heißt es in dem Bericht,
"ist die Strafjustiz ausschließlich deshalb gerechtfertigt, weil sie einen
Mechanismus zur Eingliederung in ein Behandlungssystem öffnet."

In den Untersuchungen zu ihrem vorjährigen Bericht hatte sich die Kommission auf Marihuana beschränkt und empfohlen, den privaten Besitz von
Marihuana für den persönlichen Gebrauch nicht unter Strafe zu stellen. Statt
dessen sollte der Gebrauch der Droge allgemein durch eine "Politik der Entmutigung" eingedämmt werden. Im diesjährigen Bericht wird der Vorschlag in
bezug auf Marihuana wiederholt und gleichzeitig empfohlen, den illegalen Besitz anderer Drogen auch künftig zu verbieten. Die Kommission hebt hervor,
daß Marihuana keine "physische Abhängigkeit" hervorrufe oder gewalttätig
mache, jedoch sowohl das Sehvermögen als auch die Reaktionsfähigkeit beeinträchtige und deshalb

z.B. die Verkehrstüchtigkeit des Autofahrers einschränke.

Während

- 2-

�Während für Rauschgifthändler, insbesondere diejenigen, die Heroin,
Kokain und andere "harte Drogen" vertreiben,auch nach Ansicht der Drogenkommission harte Strafen angebracht seien, habe die Kriminalität von Personen, die Drogen nehmen, damit in vielen Fällen nichts zu tun. Viel häufiger
sei Alkohol, nicht Heroin, für Gewalttaten für Unfälle und den Tod auf der
Straße verantwortlich zu machsn.

Drogenprobleme können aus dem Gebrauch oder dem Mißbrauch von Heroin,
Kokain, Barbituraten, Marihuana, Amphetaminen, Tabak und Alkohol entstehen.
Die beiden letztgenannten gelten im allgemeinen gar nicht als Narkotika, obgleich die Abhängigkeit vom Alkohol "heute das ernsteste Drogenproblem im
Lande" sei. Der Drogenkonsum sei, wie die Kommission meint, nur eines der Probleme im Gefolge von Armut, dem Verfall der Städte, Schwierigkeiten zur persönlichen Entfaltung, Fluchtreaktionen, Langeweile, Apathie und anderen Faktoren, die gesellschaftsfeindliches und asoziales Verhalten beeinflussen. Auf
ihren Studien im Ausland - die Kommission bereiste 36 Länder - habe sie festgestellt, daß Drogengebrauch, davon geprägtes Verhalten und Drogenabhängigkeit
überall zu finden seien; in keinem Land und keinem Teil der Welt gebe es
Immunität dagegen.

Der Begriff "Drogenmißbrauch" sollte dem Bericht zufolge nicht verwendet
werden, weil er unpräzise sei. Statt dessen sollten Öffentlichkeit und Politiker
die relativen Gefahren und sozialen Konsequenzen mehr herausstellen, die sich
aus dem Gebrauch der verschiedenen Drogen ergeben. Die amerikanischen Bundesstaaten sollten ihre zur Drogen- und Suchtbekämpfung eingerichteten Behörden
einheitlich an dem vorgeschlagenen Modell der Bundesregierung orientieren.
"Anstatt Geldmittel und Anstrengungen auf die Überredung oder Erziehung der
Menschen zum Nichtgebrauch von Drogen zu konzentrieren, sollte man bei den vorbeugenden Maßnahmen andere Wege in den Vordergrund stellen - Wege, die zu der
Befriedigung führen, welche der einzelne sich von Drogen erhofft, die aber
besser für ihn selbst und besser für die Gesellschaft sind. Ziel der Vorbeugungspolitik sollte sein, bessere Verhältnisse zu schaffen und dem einzelnen
das notwendige Rüstzeug mitzugeben, um mit den Problemen des Lebens, insbe-

- 3-

�insbesondere mit den Problemen und Sorgen des Heranwachsenden, fertig zu
werden. Informations- und Aufklärungsschriften über Drogen und die Nachteile
ihres Gebrauchs sollten in allgemeinere Programme eingefügt werden." Die Kommission verlangt die Einstellung jeglicher Werbung für Drogen wie Sedativa,
Tranquillantien und Stimulantien, und eine Kennzeichnung der Gefährlichkeit
alkoholischer Getränke durch die Herstellerindustrie.

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13/1973

AMERIKANISCH-SOWJETISCHE FORSCHUNGSPROGRAMME

--(AD)-- Auf ihrer ersten Konferenz (19.-21. März 1973 in Washington) nach
der Unterzeichnung des Abkommens über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit zwischen den USA und der UdSSR durch Präsident Nixon 1972 in Moskau
einigten sich die Mitglieder der "gemeinsamen Kommission" beider Länder auf
zunächst 25 Forschungsvorhaben. Diese verteilen sich auf die Sektoren Energie,
Computeranwendung, Agrarforschung, mikrobiologische Synthese, chemische Katalyse und Wasserwirtschaft. Leiter der US-Delegation war Dr. H. Guyford
Stever, der Direktor der "Nationalen Wissenschaftsstiftung" (NSF), der
gleichzeitig den Vorsitz in der gemeinsamen Kommission führte; die Leitung
der sowjetischen Delegation hatte V. A. Trapesnikow vom Staatskomitee für
Wissenschaft und Technik in Vertretung des erkrankten Vorsitzenden dieses Ausschusses, V.A.Kirillin, übernommen.
Aufgrund der Untersuchungsberichte und Empfehlungen der aus amerikanischen und sowjetischen Fachleuten gebildeten Arbeitsgruppen sollen auf dem
Gebiet "Energie" folgende Forschungs-und Entwicklungsprojekte mit Vorrang behandelt werden: Systeme und Leitungen für Kraftstrom, Magnetohydrodynamik,
Sonnenenergie und geothemische Energie. Nach erfolgreichem Anlaufen dieser
Programme will man weitere Projekte auswählen.
Für

-l-

�i
Für die Anwendung von Computern in Wirtschaft und Industrie empfahl die
Kommission fünf Projekte, die vorrangig zu behandeln seien. Auf dem Gebiet der
landwirtschaftlichen Forschung interessieren Samen-und Pflanzenzucht sowie
Schädlingsbekämpfung und andere Schutzmaßnahmen, Verfahren zur Steigerung der
Produktion von Schlachtvieh und Geflügel und Mechanisierungsverfahren. Über
die mikrobiologischen Studienprogramme soll erst nach dem Besuch einer
amerikanischen

Expertengruppe in der Sowjetunion entschieden werden,

während man sich für das Gebiet der chemischen Katalyse bereits auf fünf Projekte einigen konnte.
Auf der ersten Konferenz des gemeinsamen Komitees wurden außerdem Einzelheiten zur Beteiligung der Sowjetunion am Projekt DSDP (Deep Sea Drilling
Project - Tiefbohrungen auf hoher See zur Sondierung der Erdkruste) erörtert.
Das amerikanische Forschungsschiff GLOMAR CHALLENGER, das noch bei 6 000 m
,

Wassertiefe mit einer Bohrsonde Hunderte von Metern tief in den Meeresboden
vordringen kann, hat im Rahmen dieses für die Erforschung der Erdgeschichte
so wichtigen Unternehmens bereits unzählige Daten sammeln können.
Auch auf den Gebieten Forstwissenschaft, Technische Normen und Prüfbedingungen, Verkehrswesen, Meeresforschung, Physik und Elektrometallurgie
wollen die beiden Staaten künftig enger zusammenarbeiten. Das gleiche gilt für
den Sektor Wissenschaftspolitik im allgemeinen und für die Vorbereitung eines
Symposiums über wissenschaftliche und technische Informationen. Die nächste
Konferenz soll Ende 1973 stattfinden; der genaue Termin steht noch nicht
fest.

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13/1973

GROSSTÄDTER ATMEN ZU VIEL KOHLENMONOXID EIN
-Rauchen erhöht zusätzlich CO-Spiegel im Blut-

--(AD)-- In den unteren Etagen von Wohn-und Bürohäusern, die an verkehrsreichen Straßen liegen und keine zentrale Klimaanlage haben, müssen die
Menschen fast ebenso viel Kohlenmonoxid einatmen wie die Fußgänger draußen.
Das geht aus Untersuchungen hervor, die die US-Behörde für Umweltschutz (EPA)
durch die General Electric Company in New York durchführen ließ. Die Studie
war in Auftrag gegeben worden, um angesichts der immer zahlreicheren Projekte
in Großstädten, durch Überbauen von Verkehrsstraßen zusätzlichen Raum für
Schulen, Büro-und Wohnhäuser zu gewinnen, die Frage zu klären, ob und inwieweit eine solche Bauweise die Gesundheit der Bewohner gefährdet.
Die Wissenschaftler von General Electric wählten für die Untersuchungen
einen Alt-und einen Neubau ohne zentrale Belüftungsanlage an Stellen aus, wo
mit hoher Kohlenmonoxid-Konzentration gerechnet werden muß: Die eine Meßstation war ein 19stöckiges Bürohaus an einer der engen Straßenschluchten
von Manhattan, die zweite ein als Apartmenthaus gebauter Wolkenkratzer, der
eine Zufahrt zur George-Washington-.Brücke überspannt.
Obgleich

�Obgleich der Verkehr an der Autobahn-Zufahrt mit ca. 150 000 Fahrzeugen pro Tag 15 bis 20 Mal dichter ist als in der 40. Straße in Manhattan,
wurden in dem betreffenden Wohnhochhaus geringere Kohlenmonoxid-Konzentrationen als in Manhattan gemessen. Sie überschritten (jeweils in der zweiten
Etage) die in den USA bundesweit gültigen Maximalwerte während der Heizperiode um 23 Prozent, außerhalb der Heizperiode um 15 Prozent; die entsprechendenprozentualen Angaben für das Bürohochhaus in Manhattan lagen bei 47 und 33
Prozent.
Infolge eines "Schornsteineffektes", durch den erwärmte Luft in die
Höhe steigt und kältere, verschmutzte Luft von draußen angesogen wird, ist
die Kohlenmonoxid-Konzentration während der Heizperiode größer. Dies macht
sich, wie die Messungen im Wohnhochhaus in der kalten Jahreszeit ergaben,
nicht nur in den unteren Etagen bemerkbar. Noch im 31. Stock wurden in der
Heizperiode 19,7 Prozent mehr Kohlenmonoxid ermittelt, als den zulässigen
Maximalwerten entspricht. Da es in der Straßenschlucht der 40. Straße in
Manhattan - im Gegensatz zum Standort des Wohnhochhauses - nur wenig Luftbewegung gibt, stauen sich dort die Kohlenmonoxid-Schwaden, was bewirkt, daß
auch innerhalb des Gebäudes höhere CO-Konzentrationen vorhanden sind.

Die

Meßergebnisse für andere Verunreinigungen wie Kohlenwasserstoffe, Staub und
Bleipartikel sind in dem Bericht "Indoor-Outdoor Carbon Monoxide Pollution
Study", der bei der EPA vorliegt, gesondert behandelt.
Die Verfasser des Berichts schlagen u.a. vor, Neubauten an und über
verkehrsreichen Straßen nur mit zentraler Belüftung zu erstellen, um die
Raumluft gegen das Eindringen von Kohlenmonoxid von der Straße abzuschirmen.
Außerdem sollte genügend Freiraum um die Gebäude vorhanden sein, damit der
Wind die Schadstoffe rascher verdünnt. Und schließlich sollten Kohlenmonoxid"Fallen" wie Aufzugschächte oder unterirdische Garagen mit besonders leistungsfähigen Ventilationssystemen ausgestattet werden.

In

�In diesem Zusammenhang ist eine weitere Studie von Interesse, die Dr.
Richard Stewart vom "Medical College" der Universität Wisconsin mit zahlreichen Mitarbeitern zu der Frage möglicher Kombinationseffekte von Rauchen
und Luftverschmutzung durchführte. Sie stützt sich auf den CO-Spiegel im Blut.
Von Tausenden von Bürgern in 18 amerikanischen Großstädten und deren Vororten wurden zu diesem Zweck drei Jahre lang Blutproben untersucht.
Die freiwilligen Versuchspersonen wurden in zwei große Gruppen - Raucher
und Nichtraucher - eingeteilt. Bei den Blutanalysen zeigte sich nun, daß
die in Großstädten und in deren unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Raucher
einen besonders hohen Kohlenmonoxid-Spiegel haben. Das Rauchen hat offenbar
einen kumulierenden Effekt für diesen Schadstoff in einem an sich schon durch
Verschmutzung geschädigten Milieu. Deshalb wäre nach Meinung Dr. Stewarts
das Wohnen und Arbeiten in der Großstadt allein schon ein Grund, das Rauchen
aufzugeben.
Auch für die Nichtraucher war der Befund nicht gerade ermutigend. Bei
50 Prozent lagen die Kohlenmonoxid-Werte an der oberen Grenze der noch erträglichen Konzentration, bei der anderen Hälfte darüber. Die Auswirkungen
dieser permanenten Beeinträchtigung der Sauerstoffversorgung des Gewebes sind
zwar

schwer zu übersehen, führen aber in vielen Fällen sicherlich zu einer

Verschlimmerung bereits bestehender Leiden. Dr. Stewart berichtete Anfang
März 1973 in Washington vor der Nationalkonferenz des "Coordinating Research
Council", einer aus Industrie-und Regierungsvertretern gebildeten Arbeitsgruppe für Probleme der Luftverschmutzung in den USA,über die Ergebnisse seiner Untersuchungen.
+-H-

-3

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