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14. März 1973

11

Inhalt

WIRTSCHAFT:
US-Staatssekretär unterstreicht "gesunden Wert" des Dollar
-Auszüge aus einer Rede Caseys in New YorkBurns: Vertrauen in den US-Dollar wiederherstellen
US-Regierung setzt neue Akzente im Kampf gegen die Inflation
Von Richard P„ Wilson

WISSENSCHAFT UND TECHNIK:
Lotsendienst über den Weltraum
-Satelliten geleiten havariertes Forschungsschiff durchs südliche
EismeerVon G. Weiss
Technische Neuheiten für die Medizin
Staubpartikelgröße ein karzinogener Faktor
Strom aus Müll und Abfallstoffen

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

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11/1973
,„'J- STAATSSEKRETÄR UNTERSTREICHT "GESUNDEN WERT" DES DOLLAR

-Auszüge aus der Rede Caseys in New YorkHARRIMAN, New York --(AD)-» Der Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten im amerikanischen Außenministerium, William J. Casey, hat auf
einer Konferenz über Probleme der Weltwährungsreform am 10. März den
"gesunden Wert" des Dollar unterstrichen. In seiner Rede wies der frühere Vorsitzende des amerikanischen Effekten-und Börsenaufsichtsamtes darauf
hin, daß der von Währungsspekulanten gezeigte Mangel an Vertrauen in den
Dollar von einer Fehleinschätzung der "soliden Basis" der amerikanischen
Währung herrühre.
Casey zeigte Wege zur Wiederherstellung des Gleichgewichts der amerikanischen Handels-und Zahlungsbilanz auf und wandte sich vor allem der
Rolle der internationalen Investitionen bei der Stärkung der Zahlungsbilanz™
Position der Vereinigten Staaten zu.
Im folgenden geben wir Auszüge aus der Rede Caseys wieder:
"Ich teile Präsident Nixons Überzeugung, daß der Dollar heute einen
gesunden Wert hat. Sicherlich geben unser Handelsdefizit von sechs Milliarden Dollar und unser Zahlungsbilanzdefizit von 10 Milliarden Dollar Anlaß

~1-

�Anlaß zu ernster Besorgnis. Noch größeren Anlaß zur Besorgnis bieten jedoch
die 70 bis 80 Milliarden expatriierter Dollar, die heute im Ausland stehen
und zwar aufgrund eines Zweifrontenkrieges - einmal in Vietnam uno zum anderen gegen Armut und soziale Übel im eigenen Lande, die beide in ungeeigneter
Form geführt wurden.
Ich bin jedoch der Überzeugung, daß die Probleme des Dollar zum großen
Teil daraus resultieren, daß man die solide Grundlage nicht richtig einschätzt,
die unter dem Ganzen liegt. Die Welt hat den deutlich sichtbaren Verlust der
amerikanischen Position auf den Gebieten der Verbraucherelektronik,der Sportartikel und der Kraftfahrzeuge als einen Niedergang der allgemeinen Technologie angesehen. Eine objektive Analyse würde jedoch feststellen, daß die
Vereinigten Staaten auf den Gebieten der Computer, der Photographie, der
Arzneimittel, der medizinischen Technologie, der Luft-und Raumfahrt, der Kernenergie, des Wohnungsbaues, der Schwerindustrie, der Erdölbohrungen im ShelfGebiet, der allgemeinen Versorgungseinrichtungen usw. noch immer führend
sind.
Wir haben Einkünfte von sieben Milliarden Dollar aus Investitionen,
Tantiemen und Management, stecken einen großen Teil unserer ausländischen Einnahmen wieder in das Geschäft in Übersee und besitzen heute rund 90 Milliarden Dollar - Buchwert - an Direktinvestitionen in Übersee, die in Wirklichkeit
noch sehr viel mehr wert sind. Amerikanische Transportgesellschaften haben im
vorigen Jahr über drei Milliarden Dollar außerhalb der Vereinigten Staaten verdient. Über 100 amerikanische Bankinstitute sind mit fast 6oo Filialen im
Ausland tätig. Etwa 250 Maklerfirmen arbeiten mit über 2000 Vertretern im
Ausland.
Wollen wir uns einmal ein allgemeines Bild machen, wie wir unser Zahlungsbilanzdefizit von 10 Milliarden Dollar korrigieren können. Wir könnten es
allein schon fast ganz beseitigen, wenn wir unsere Touristen, unsere Streitkräfte und unsere Entwicklungshilfe im eigenen Lande ließen. Aber wir können
es uns nicht leisten, uns von der Welt zurückzuziehen. Wir könnten es ferner

�ferner erreichen, indem wir unsere Handelsbilanz von einem Defizit von 6 Milliarden Dollar in einen Überschuß von 4 Milliarden Dollar verkehren. Wenn wir
das ohne eine Verringerung unserer Importe tun wollten, müßten wir über unsere gegenwärtigen Exporte von 43 Milliarden Dollar hinaus fast 25 Prozent mehr
exportieren. Unsere Handelspartner sind über diesen Vorschlag erschreckt.
Sie vergessen jedoch, daß unsere Importe in den letzten zwei Jahren um 40 Prozent angewachsen sind, während unsere Exporte nur um 15 Prozent zunahmen. Wir
brauchten nur dieses Verhältnis umzukehren, um wieder ins Gleichgewicht zu
kommen. Eine Liberalisierung des Handels und der Investitionsbeschränkungen
im Ausland und eine stärker export-orientierte Geschäftswelt könnte zusammen
mit einer abgewerteten Währung und verbesserten Dienstleistungs-und Marketingeinrichtungen im Ausland in wenigen Jahren zu einer Ausweitung unserer
Exporte um 25 Prozent führen.
Werfen wir einen Blick auf unsere Landwirtschaft. Durch ein technologisches Wunder sind fünf Prozent unserer Arbeitskräfte in der Lage, uns alle
hier im eigenen Lande und noch viele Menschen im Ausland zu ernähren. Mit
all dem Brachland, das wir der Erzeugung zugeführt haben, und einer Liberalisierung der Agrarhandelspolitik ist nach unserer Auffassung eine Zunahme der
Agrarexporte um 10 Milliarden Dollar pro Jahr und eine Verbesserung unserer
Agrarhandelsposition um über 7 Milliarden Dollar erreichbar. Dies würde uns
Ersparnisse von 4 Milliarden Dollar pro Jahr an Steuern sowie weitere Ersparnisse in den Lebensmittelgeschäften und Metzgereien im eigenen Lande und im
Ausland bringen, da wir mehr Futtermittel und Vieh exportieren und mehr Molkereiprodukte importieren würden.
Nichts von all dem wird rasch eintreten. Manches mag überhaupt nie eintreten. Wir brauchen nur die Hälfte davon zu erreichen, um unsere Zahlungsbilanz auszugleichen. Ein Drittel davon würde schon unsere Handelsbilanz ausgleichen,
...Der

-3-

�... Der Handel braucht nicht länger die einzige Haupteinnahmeque.: j e unserer Zahlungsbilanz zu sein. Die amerikanischen Auslandsinvestitionen sind so
gewachsen und ihr Potential, sowohl um Gewinne zwecks Kapitalerhöhung einzubehalten als auch um Schulden im Ausland aufzunehmen, ist jetzt so groß, daß der
Teil der Gewinne, der nach den USA repatriiert wird, und die Einnahmen aus
Lizenzen und Patenten der amerikanischen Technologie zu unserem Hauptaktivposten in den kommenden Jahren werden können. Darüberhinaus sind die amerikanischen Wertpapiermärkte zweifellos für einen beträchtlichen Teil der Gelder
attraktiv, die Investoren im Ausland für Sicherheit und Wachstum anlegen möchten. Und vor allem gibt es wesentliche Anreize, die auf ein Anwachsen

der

direkten Auslandsinvestitionen in den Vereinigten Staaten hinwirken.
Wenn wir auf unsere Investitions-und Einkommensaktiva blicken, dann finden wir hier das vielversprechendste Element unserer Zahlungsbilanz. Wir haben
ein Handelsdefizit von 6 Milliarden Dollar und einen Nettozufluß an Dividenden, Zinsen, Tantiemen usw. aus unseren Investitionen im Ausland von 7 Milliarden Dollar. Als ein Land, das einen immer größer werdenden Energie-und Rohstoffbedarf im Ausland decken muß, werden wir im Ausland investieren und den
Zufluß von Investitionserträgen, um solche Investitionen zu rechtfertigen,
vergrößern müssen.
Um diese Investitionen auszugleichen, müssen wir einen Anreiz für Investitionen aus dem Ausland bieten. Wir werden Wertpapiere zu einem Exportposten machen müssen. Wir werden unsere Fähigkeit, in allen Teilen der Welt
wie auch bei uns in den USA Kapital aufzubringen, beibehalten und stärken
müssen...
Halten Sie sich doch bitte vor Augen, daß New York bis 1962 der einzige
wirklich große Kapitalmarkt für Regierungen, internationale Gesellschaften
und andere Institutionen war. Im Juli jenes Jahres führte Präsident Kennedy,
besorgt über den immer größer werdenden Abfluß langfristigen Kapitals , der
von 850 Millionen Dollar im Jahre 1960 auf eine fast doppelt so hohe Jahresrate im Jahre 1963 stieg, die Zinsausgleichssteuer ein. Dieser Maßnahme folgten

-4-

�folgten andere Beschränkungen für Auslandskredite und Kapitalexporte.
Die Nettowirkung war, daß zu Investitionen in Wertpapieren anderer Länder als den Vereinigten Staaten ermutigt wurde, daß Finanzzentren außerhalb
der Vereinigten Staaten entstanden, die von amerikanischen Wertpapieren leben,
daß das Geschäft von amerikanischen Wertpapierbörsen auf ausländische Häuser
verlagert wurde und daß die Kapitalflüsse ganz allgemein verzerrt wurden. Das
Tempo, mit dem sich der Eurodollar-Markt und der Eurobond-Markt entwickelt
haben und die gewaltigen Kapitalmengen auf diesen Märkten sind zumindest zu
einem großen Teil amerikanischen Maßnahmen zuzuschreiben.
Kurz gesagt, der Eurodollar-Markt und der Eurobond-Markt konnten zum
großen Teil deshalb aufblühen, weil amerikanische Kontrollen sie vor der Konkurrenz New Yorks geschützt haben. Die Beseitigung dieser Kontrollen dürfte zu
einer wesentlichen

Verlagerung der Tätigkeit zurück nach New York führen, so-

wohl weil dort reichlichere Mittel und größere institutionale Leistungsfähigkeit vorhanden sind als auch, weil viele Kunden es bequemer finden werden, dort
Gelder aufzunehmen. In dem Maße, wie sich die Anleihetätigkeit zurück nach
New York verlagert, werden die Zinsen für Depositen in London im Verhältnis
zu New York ebenfalls zurückgehen und auch die Depositen selbst werden nach
New York zurückfließen.
Das heißt nicht, daß der Eurodollar-Markt oder der Eurobond-Markt verschwinden werden, wenn die Kontrollen abgeschafft sind. Hier hat sich eine beträchtliche Leistungsfähigkeit entwickelt, und manche Kunden werden es immer
noch bequem finden, auch weiterhin im Ausland Geld aufzunehmen und anzulegen.
Mit einem hohen Grad an Wahrscheinlichkeit wird jedoch eine wesentliche Verlagerung eintreten, wenn die entsprechenden Kostenvorteile anhalten...
Mit der Ankündigung, daß die Kontrollen für den Kapitalexport auslaufen
sollen, ist es für unsere hoch befähigte Finanzwelt von entscheidender Bedeutung,daß sie sich voll und ganz engagieren kann. Es wird einen Abfluß von

-5-

�von Kapital geben, aber dieser dürfte durch eine stärkere Repatriierung
von Gewinnen aus der Auslandstätigkeit ausgeglichen werden und zwar in dem
Maße, wie es leichter wird, je nach Bedarf neues Kapital ins Ausland zu
verbringen, und wie unsere Finanzwelt mit ihrer Heimatbasis nicht länger
mehr von der Welt abgeschnitten ist, so daß sie wieder vermehrt in der Lage
sein wird, Geld für andere Länder aufzubringen....".

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BURNS: VERTRAUEN IN DEN US-DOLLAR WIEDERHERSTELLEN
WASHINGTON --(AD)»- Als ein Nahziel, das alle Länder der Welt angeht, hat
der Vorsitzende des US-Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - , Dr. Arthur F. Burns , die Wiederherstellung des Vertrauens in die
Weltwährungen und vor allem in den amerikanischen Dollar bezeichnet.
Vor dem Unterausschuß für Internationale Finanzfragen des amerikanischen Repräsentantenhauses sagte Burns am 7. März wörtlich: "Meines Erachtens müssen wir die Türe für jede weitere Abwertung schließen, denn
wir haben Vertrauen zu schaffen. Wir können das aber nicht, wenn wir an
die Möglichkeit einer weiteren Abwertung denken. Wir müssen unsere Inflation
unter Kontrolle bringen und wir müssen noch mehr als in den letzten Jahren
eine Wirtschaft aufbauen, die so stark und so blühend ist, daß die Leute,
die über Geld verfügen, dieses im eigenen Lande anlegen, statt es ins Ausland zu bringen und dort nach besseren Gewinnmöglichkeiten zu suchen. Und
die Wirtschaft sollte so stark sein, daß die Gewinnaussichten so gut sind,
daß die Ausländer ihr Geld in die USA schicken und dort langfristig anlegen. "
Burns

-1-

�Burns fügte hinzu, daß der Federal Reserve Board jede Maßnahme begrüßen
werde, die der Kongreß zur Stärkung des Vertrauens in den Dollar beschließt.
Dies gelte vor allem auch für das Abwertungsgesetz, durch das die von Präsident Nixon im Februar verkündete Abwertung des Dollar Gesetzeskraft erhalte.
Burns, der auf Fragen der Abgeordneten jede weitere Dollar-Abwertung kategorisch ablehnte, schloß jedoch die Möglichkeit künftiger Interventionen auf
den Devisenmärkten zur Stützung der Dollarparität nicht aus. Auf die Frage,
ob die Vereinigten Staaten sich selbst zur Stützung fester Wechselkurse verpflichten würden, sagte Burns wörtlich: "In dieser Frage will ich mich nicht
festlegen, aber nur deshalb nicht, weil es sich hier um eine Entscheidung
handelt, die die Vereinigten Staaten nicht allein treffen können; dies hängt
sowohl von den anderen Ländern als auch von uns ab, und im Augenblick hängt
dies mehr von den anderen Ländern als von den Vereinigten Staaten ab."
Burns räumte ein, daß ein weiterhin anhaltendes hohes Zahlungsbilanzdefizit der USA eine Änderung der derzeitigen Währungsparitäten bedeuten könne,
betonte jedoch, daß er es nicht als verhängnisvoll betrachte, wenn die USA
auch weiterhin eine negative Zahlungsbilanz hätten. "Ich glaube jedoch", so
sagte er wörtlich, "daß wir dies in den nächsten zwei oder drei Jahren beseitigen können."
Burns unterstrich erneut nachdrücklich die Dringlichkeit einer baldigen
Reform des internationalen Währungssystems, damit immer wieder auflebende Währungskrisen vermieden würden, und erklärte, der anfängliche Plan für eine
Reform des internationalen Währungssystems habe für seine Verwirklichung einen
Zeitraum von zwei bis drei Jahren ins Auge gefaßt. Die Dinge seien jedoch
schon so intensiv besprochen worden, daß er hoffe, die Aufgabe in drei Monaten bewältigt zu sehen.
Burns betonte, er unterstütze generell den Vorschlag, durch eine Ermächtigung zu selektiven Goldverkäufen aus amerikanischen Beständen auf dem

�1

dem Weltmarkt den Druck auf den US-Dollar zu mildern, lehne jedoch jede
lineare Sonderabgabe auf Importe ab. Wörtlich sagte er: "Ich bezweifle sehr,
ob wir überhaupt zu irgendeinem Zeitpunkt eine Sonderimportabgabe auf einer
linearen und einheitlichen Basis für alle Erzeugnisse aller Länder erheben
werden." Sollte es aber zu einer Ermächtigung für eine Sonderabgabe auf
einer temporären Basis kommen, wie dies in dem von Präsident Nixon dem Kongreß
noch vorzulegenden Handelsgesetz vorgeschlagen werde, dann müßten gleichzeitig
entsprechende Garantien gegeben werden, damit die gesamte Welt wisse, daß
die Vereinigten Staaten sich nicht auf eine Ära des Protektionismus hinbewegen.

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11/1973

US-REGIERUNG SETZT NEUE AKZENTE IM KAMPF GEGEN DIE
INFLATION
Von Richard P. Wilson

WASHINGTON --(AD)-- Die Nixon-Administration hat in diesen Tagen angesichts
^er

steigenden Großhandelspreise, die den Erfolg der Phase III des libera-

lisierten Programms für eine Kontrolle von Preisen und Löhnen in den USA
zu gefährden drohen, zwei unerwartete Maßnahmen ergriffen, die Löhne und
Preise in die ihnen gesetzten Schranken verweisen sollen. Gleichzeitig
möchte die Regierung in Washington diese beiden Maßnahmen aber auch als ein
Signal an die amerikanischen Verbraucher und die ausländischen Besitzer von
Dollar-Guthaben verstanden wissen, daß sie nach wie vor entschlossen ist,
den Kampf gegen den inflationistischen Druck auf zahlreichen Fronten fortzusetzen.
Auch wenn sich jetzt ein anderes Bild von der Phase III des Kontrollprogramms ergibt, sollen die Kontrollen doch auch weiterhin flexibel,aber
eben entschlossener gehandhabt werden

So werden die in der Phase II gülti-

gen Normen für Lohnerhöhungen nun auch für die Phase III Gültigkeit behalten.
Zum anderen wurden für die Erdölindustrie, zugleich als Warnung an andere
Industriezweige, für Phase III gesetzlich

bindende Bestimmungen erlassen.

�erlassen. Damit hat Finanzminister George P- Shultz gezeigt, daß er auch
von dem"Knüppel"Gebrauch machen wird, den er, wie er seinerzeit sagte, für
den Fall bereit hält, daß die freiwilligen Kontrollen der Phase III nicht
ausreichten. Doch sind die neuen Maßnahmen nicht als Strafe, sondern vielmehr vorbeugend zu verstehen, um den immer stärker werdenden Druck auf die
Ölpreise zu dämpfen. Schon der Anstieg der Lebensmittelpreise stellt eine
starke Belastungsprobe für das Kontrollprogramm dar, und auch auf anderen
Gebieten scheinen sich erste Warnzeichen bemerkbar zu machen.
So sind die Großhandelspreise in den USA im Februar gegenüber dem Vormonat um 1,9 Prozent (saisonbereinigt um 1,6 Prozent) gestiegen. Vor allem
der Anstieg der Preise für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse - 3,9 Prozent
und saisonbereinigt 3,2 Prozent - hat hierzu beigetragen. Und in den letzten
12 Monaten hatten die Preise für Lebensmittel und Agrarerzeugnisse sogar um
19,1

Prozent angezogen, die Großhandelspreise für industrielle Erzeugnisse

dagegen nur um 4,1 Prozent.
Entgegen allen Erwartungen hat daher der Lebenshaltungskostenrat bekanntgegeben, daß die Normen für Lohnerhöhungen der Phase II, denen zufolge

die

Löhne nur um 5,5 Prozent angehoben werden dürfen, nunmehr auch für Phase III
als Maßstab dienen sollen, wobei allerdings bei den in den kommenden Monaten anstehenden TarifVerhandlungen ein größeres Maß an Flexibilität möglich
ist. Die Gewerkschaften hatten bereits höhere Forderungen angemeldet. Sie
argumentieren, daß bei einer Produktivitätssteigerung von 3 Prozent und einem
Anstieg der Lebenshaltungskosten von 3 bis 4 Prozent die Lohnforderungen
eher bei 7 bis 8 Prozent als bei 5,5 Prozent liegen müßten.
Die Wiedereinführung der bindenden Preiskontrollen für die Erdölindustrie ist nicht nur als vorbeugender Schritt gegen ein Ausufern der Erdölpreise zu sehen, sondern wird allgemein auch als Warnung an andere Industriezweige interpretiert. Die 23 größten amerikanischen Erdölgesellschaften werden k'nftig die Preiserhöhungen für ihre meisten Erzeugnisse auf ein Prozent

�Prozent beschränken müssen. Hierunter fallen auch Benzin sowie Heizöl für
die Haushaltungen. Damit soll, wie der Direktor des Lebenshaltungskostenrates, John T. Dunlop, erklärte, dem amerikanischen Verbraucher garantiert
werden, daß stets ausreichende Mengen an Benzin und Heizöl zu angemessenen
Preisen verfügbar sind. Auf die 23 betroffenen Gesellschaften entfallen rund
95 Prozent der Nettoumsätze der amerikanischen Erdölindustrie,und sie erzielen bei den nunmehr wieder kontrollierten Erzeugnissen Einnahmen von über
250 Millionen Dollar jährlich.
Einzelne Kritiker der Regierung meinen, dab die neuen Maßnahmen nicht
ausreichen, und halten ein erneutes Einfrieren von Löhnen und Preisen für
notwendig. Doch Finanzminister Shultz ist weiterhin optimistisch, wobei er
darauf verweist, daß die meisten der gegenwärtigen Probleme in der US-Wirtschaft auf das schnelle Expansionstempo zurückzuführen sind. Die Regierung,
so führte Shultz erst kürzlich vor amerikanischen Industriellen aus, müsse
daher nicht nur in der Ausgaben-und der Währungspolitik Zurückhaltung üben,
sondern auch ihren Apparat für Lohn-und Preiskontrollen aufrechterhalten
und das Lebensmittelangebot durch Steigerung des Imports und der einheimischen Erzeugung verbessern. Darüberhinaus werde die Regierung die Mittel
der Einkommenspolitik nutzen. In der Phase III des Kontrollprogramms, so versicherte der Minister, werde aber nur dort, wo unbedingt notwendig. Zwang angewandt werden; sonst werde sie, wo immer möglich, auf Freiwilligkeit basie«
ren.
Es besteht keinerlei Zweifel daran, daß der Wirtschaftsaufschwung in den
USA weiter anhalten wird. Hat doch gerade erst das Handelsministerium berichtet, daß 12 der wichtigsten Wirtschaftsindikatoren seit 27 Monaten ununterbrochen eine steigende Tendenz aufweisen, und dies deutet auf eine Fortdauer
des Aufschwungs hin. Auch verfügt die Industrie noch über ein reichliches Arbeitskräftereservoir, denn die Arbeitslosenquote liegt immer noch etwas über
5 Prozent. Außerdem hat Finanzminister Shultz unmißverständlich zu verstehen

-3-

�verstehen gegeben, daß die Regierung die Inflation unter Kontrolle halten
wird und fest entschlossen ist, die Phase III zu einem vollen Erfolg zu machen.
Voraussetzung hierfür ist allerdings auch, daß Gewerkschaften und Arbeitgeber
"ein wenig Mäßigung und Zurückhaltung" üben. Die von der Regierung ergriffenen Maßnahmen - die Phase III ihres Kontrollprogramms, Zurückhaltung bei den
Regierungsausgaben, Beachtung der wirtschaftlichen Grundprinzipien und Regulierung des Geldflusses - werden, wie Shultz unterstrich, in ihrer Gesamtheit
dazu führen, daß sich in der Wirtschaft ein allmählicher Übergang zu einer
kontinuierlichen Wachstumsrate vollzieht.

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LOTSENDIENST ÜBER DEN WELTRAUM
-Satelliten geleiten havariertes Forschungsschiff durchs südliche
Eismeer-

Von G. Weiss

--(AD)-- Kapitän Jacques Cousteau kam persönlich nach Washington, um der
NASA für die Rettung seines Schiffes zu danken, das bei der Kollision mit
einem Eisberg schwer beschädigt worden war. Die CALYPSO kreuzte nördlich und
südlich der Palmer-Halbinsel, einem Ausläufer des riesigen antarktischen Kontinents. Cousteau und die Besatzung seines Schiffes machten Wetterbeobachtungen und vor allem meeresbiologische Untersuchungen, um die heutigen Lebensbedingungen für Pflanzen und Tiere in diesen noch vor ein paar Jahrzehnten für
ihre biologische Produktivität berühmten Gebietendes südlichen Eismeers zu
studieren. Die Produktivität ist infolge der rücksichtslosen Wal-und Robbenfangmethoden in den letzten Jahrzehnten erheblich zurückgegangen und wird
jetzt durch die Meeresverschmutzung weiter bedroht.
Täglich wurden die Temperaturen an der Meeresoberfläche, die Planktondichte und damit die Chlorophyllkonzentration sowie die Durchlässigkeit des
Wassers für Licht gemessen und die zu beobachtenden Arten von Meerespflanzen

-l-

�Meerespflanzen und Tieren einschließlich ihrer Häufigkeit bestimmt. Neben
zahlreichen wissenschaftlichen Instrumenten waren für Unterwasser-Expeditionen ein kleines Zwei-Mann-U-Boot, für Aufnahmen aus größeren Höhen ein
Heißluftballon, für die Beobachtung von Treibeisflächen und Eisbergen ein
kleiner Helikopter und für den Funkverkehr mit einem amerikanischen Erdsatelliten Spezialantennen und andere elektronische Ausrüstungen an Bord, Sie
ermöglichten die tägliche Verbindung mit der Außenwelt, insbesondere mit
Forschungsinstituten in den Vereinigten Staaten und in England. Cousteau
übermittelte ihnen

"egelmäßig eine Fülle wissenschaftlicher Meßdaten aus

diesem noch immer schwer zugänglichen Teil der Erde.
Die Untersuchungen sollten helfen, bessere Arbeitsprogramme für die
Erdbeobachtung durch Satelliten und für die Auswertung bezw.. Interpretation
der von ihnen zur Erde gemeldeten Daten zu entwickeln. Denn nur durch die
Einbeziehung der weiten Gebiete außerhalb der üblichen Schiffahrts-und
Flugrouten und außerhalb der vom Menschen bewohnten Kontinente in eine gründliche Erforschung und Kontrolle bestünde Aussicht, die Störungen des ökologischen Gleichgewichts wirksam anzugehen und einer weiteren Dezimierung des
Lebens in diesem Raum wie auch der Verschmutzung Einhalt zu gebieten.
Vom ursprünglichen Walbestand sind, so stellte Cousteau fest, nur noch
sechs Prozent vorhanden. Die riesigen Tiere wie auch die Pinguine, die Robben und die Fische leben in erster Linie von Krill. Und diese Kleinorganismen,
die wiederum auf mikroskopisch kleine Algen angewiesen sind, gibt es noch in
Hülle und Fülle. Übrigens machte Cousteau die für Eiologen und Meeresforscher
außerordentlich interessante Beobachtung, daß über einem teilweise unter
Wasser liegenden vulkanischen Einbruchsgebiet am Deception Island die Chlorophyllwerte bis zu Hundertmal höher sind als an anderen Stellen

Wahrschein-

lich gelangen dort mehr Nährstoffe als anderswo aus der Tiefe an die Oberfläche.
Am

-2-

�Am 12. Februar 1973 wurde die CALYPSO am Heck von einem Eisberg gerammt. Eine der beiden Schrauben fiel aus, ein Propellerschaft des 43 m
langen, aus Holz gebauten Forschungsschiffes brach auseinander. Wenn das
havarierte Schiff und seine Besatzung aus dem stürmischen Seegebiet, wo
immer wieder Treibeismassen und Eisberge auftauchten, überhaupt glücklich
herauskommen sollte, konnten dazu exakte Eismeldungen und Wettervoraussagen
eine Menge beitragen. Und dafür wurde nun zusätzlich zu den Wettersatelliten
NIMBUS 4 und NOAA II, deren Auflösungsvermögen für die Detailbeobachtung von
Eis nicht ausreicht, das ERTS 1-Gerät mit seinen scharfen Fernsehaugen eingesetzt. Normalerweise ist dieser Erdforschungssatellit, der unseren Planeten
auf nahezu polarer Bahn in ca. 910 km Höhe umkreist, über dem antarktischen
Raum abgeschaltet.
Die ERTS-Aufnahmen von der Antarktis wurden im Goddard-Raumfahrtzentrum
bei Washington aufbereitet und sofort an das Wetteramt der US-Marine
(FWF - Fleet Weather Facility) zur Analyse weitergegeben, das seinerseits
über den Satelliten ATS 3, der in 36 000 km Höhe über Brasilien gewissermaßen
ortsfest steht, zweimal täglich die Informationen Cousteau direkt übermittelte. FWF identifizierte beispielsweise sowohl die Masse von Eisbergen und
Eistrümmern (auf einer ca. 22 km weiten Fläche) als auch die Richtung, in
der sie entlang der Route der CALYPSO durch die Drake-Passage dahintrieben.
Mit nur fünf Knoten Geschwindigkeit schlich sich die CALYPSO durch die eisfreien Gebiete voran. Dank des Lotsendienstes über den Weltraum erreichte
das Schiff "ohne ernsten Zwischenfall" Südamerika und lief am 21. Februar
1973 in den Hafen von Ushuaia (Argentinien) ein.

-K+

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TECHNISCHE NEUHEITEN FÜR DIE MEDIZIN
--(AD)-- Alle zwölf Monate erscheint in den Vereinigten Staaten in der
Zeitschrift "Industrial Research" eine Liste der wichtigsten technischen
Produkte des vorangegangenen Jahres. Sie wird im Auftrag der in Chicago
herausgegebenen Zeitschrift von einem Wissenschaftlergremium zusammengestellt, das Tausende neuer Vorrichtungen, Instrumente oder Ausrüstungen
begutachtet und auf ihre Brauchbarkeit bewertet. Einige Neuheiten auf medizinisch-technischem Gebiet seien herausgegriffen:
- VIDA, tragbares Herzschlagmeßgerät: Zwei kleine Sensoren, die am
Brustkorb des Patienten befestigt sind, reagieren auf den Herzschlag und
erfassen selbst die kleinste Unregelmäßigkeit. Bei einer von der Norm abweichenden Herztätigkeit gibt das Taschengerät Alarm. Die Schlagimpulse
können als akustische Signale über ein gewöhnliches Telefon in die Arztpraxis übertragen werden. Hersteller: Cardiodynamics Corporation in
Dublin (Kalifornien).
- DYNATOME: In einer ganzen Serie absichtlich unterbelichteter Röntgenaufnahmen mit nur fünf Sekunden Gesamtbelichtungszeit werden Schichtaufnahmen vom Körper des Patienten angefertigt, die dem Arzt die Inspektion von Gewebe in aufeinanderfolgenden Ebenen bis in jeweils zwei Millimeter Tiefe erlauben. Um von einer Schicht zur anderen überzugehen, braucht
der Arzt nur eine Wählscheibe zu betätigen. Die Bezeichnung des Geräts

-l-

�Geräts ist eine Abkürzung aus "Dynamic Tomograph" (dynamische Schichtaufnahmetechnik). Hersteller: CFC Products Corporation in Ann Arbor (Michigan).
- Blutdruckmessung: Der Patient kann dies selbst tun, indem er einfach
eine Manschette am Handgelenk befestigt. Die Meßwerte werden automatisch
auf einem Papierstreifen aufgezeichnet, so daß sie der Arzt später begutachten kann. Das Gerät (eine gemeinsame Entwicklung der Firmen Sears Roebuck
und Inventure Development Company, Auburndale, Massachusetts) erfaßt auf
elektronischem Wege das Geräusch des durch die Adern strömenden Blutes.
- Blindenbrille: Das Brillengestell enthält winzige elektronische Teile,
die die Funktion eines Senders und Empfängers für unsichtbares Infrarotlicht
haben. Taucht vor dem Blinden ein Hindernis auf, verändert sich das Echo
der ausgesandten Infrarotstrahlung, das in ein akustisches Signal umgesetzt
und von dem Blinden über ein kleines Ohrmikrofon ständig abgehört wird.
Mauerwände sind so aus drei bis vier Metern Entfernung zu identifizieren.
Schlechte Reflektoren wie bestimmte Gewebe werden aus 1,5 m Abstand registriert.
Hersteller: Sensory Aids Research Company in Albuquerque (New Mexico).
- Augeninnendruck: Das sogenannte"N^n-Contact Tonometer" ermöglicht
Messungen des Augeninnendrucks ohne Lokalanaesthesie, weil das Gerät nicht
auf den Augapfel aufgesetzt werden muß. Statt dessen richtet es einen Strahl
von Luftimpulsen von ständig steigendem Druck so lange auf die Hornhaut, bis
diese innerhalb eines bestimmten Bereichs beziehungsweise Durchmessers flachgedrückt wird. Der dafür erforderliche Außendruck ergibt einen indirekten
exakten Maßstab für den Augeninnendruck. Hersteller: American Optical Corporation, Framington Center (Massachusetts).
- Diagnose der Schilddrüsenfunktion: Der sogenannte "Thyroid Scanner"
fertigt unter Umgehung des Radiojod-Cocktails, den der Patient normalerweise
für eine solche Untersuchung trinken muß, ein Bild der Schilddrüse an, aus

-2-

�aus dem ihre Funktionsfähigkeit ersichtlich ist. Für die Aufnahme ist nicht
einmal ein Hundertstel der Energie erforderlich, die eine herkömmliche Röntgenanlage benötigt. Das Gerät liefert ein auf elektronischem Wege abgenommenes und anschließend verbessertes Bild. Hersteller: Kevex Corporation,
Burlingame (Kalifornien).
- Diagnose des Hirnstoffwechsels: Ein winziges Instrument erlaubt zum
ersten Mal die Entnahme von Flüssigkeiten aus dem Gehirn oder die Infiltration von Medikamenten bei vollem Bewußtsein. Es trägt die Bezeichnung
"Transdermal Brain Chemode" und wird an der jeweils kritischen Stelle implantiert. Die Wissenschaftler hoffen, damit schließlich auch chemische Vorgänge im Gehirn bei Patienten, die zu Gewalttätigkeit neigen, untersuchen
zu können. Hersteller: Gulf Energy and Environmental Systems Corporation,
San Diego (Kalifornien).

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11/1973

STAUBPARTIKELGRÖSSE EIN KARZINOGENER FAKTOR

--(AD)-- Die Größe und Form eingeatmeter Partikel - und weniger das Material, aus dem sie bestehen - können ursächliche Faktoren für die Entstehung von Krebsgeschwülsten der Pleura (Brustfell) sein. Dies ist das
Ergebnis einer Studie, die Dr. Mearl F. Stanton vom Nationalen Krebsforschungsinstitut der USA in Verbindung mit zahlreichen Tierversuchen durchführte. So ist nach Ansicht Dr. Stantons der faserigen Struktur des Asbests die
eigentliche karzinogene Wirkung des Asbeststaubs zuzuschreiben.
»

Die Experimente an Ratten wurden unternommen, um herauszufinden, ob
und inwieweit faserige und nichtfaserige Substanzen Krebs der Pleura hervorrufen können. Dabei stellte sich heraus, daß sehr feine Fasern von Asbest,
Glas oder Saphir relativ häufig, grobe Fasern oder fein pulverisiertes Material der gleichen Substanz dagegen nur selten zur Ausbildung von Krebsgeschwülsten führten. Die karzinogenen Fasern waren im Durchschnitt zwischen
0,5 und 5 Mikron dick und weniger als 80 Mikron lang (1 Mikron = ein
Tausendstel Millimeter).
Mesotheliome

�Mesotheliome (Tumoren der Deck-und Bindegewebszellen von Brust-und
Bauchfell) beim Menschen entwickeln sich in erster Linie bei Personen, die
Asbeststaub ausgesetzt sind. Allerdings können Jahre, ja Jahrzehnte vergehen,
bis als Spätfolge des Einatments von Asbeststaub ein Mesotheliom oder andere
Erkrankungen wie Asbestose und Lungenkrebs in Erscheinung treten. (Nach dem
Zigarettenrauchen steht Asbest als Ursache von Lungenkrebs an zweiter Stelle).
In einem im "Journal of the National Cancer Institute" veröffentlichten Bericht beschreibt Dr. Stanton Durchführung und Ergebnisse der Tierversuche.

Demnach wurden unter den insgesamt 450 mit Asbestfasern behandelten

Ratten

- gleichgültig, welche der drei Asbestarten (Krokidolit, Chrysotil

oder Amosit) verwendet wurde - zu 58 bis 75 Prozent Mesotheliome festgestellt. Das Ausmaß der Tumorentwicklung unter der Einwirkung von Asbest
stand in keinem Zusammenhang mit Verunreinigungen, ebensowenig mit zwei
üblichen metallischen Beimengungen, mit denen außerdem auch allein experimentiert wurde. Nach der Behandlung mit pulverisiertem Silikat, dem Hauptbestandteil aller Asbestarten, kam es nur bei einem von 48 Versuchstieren zur Entwicklung von Mesotheliom, während in späteren, noch nicht abgeschlossenen
Versuchen an 150 Tieren mit voll pulverisiertem Asbest, faserfreiem Saphir
(Aluminiumoxyd) oder groben Faserglaspartikeln bisher in keinem einzigen Fall
Krebs entdeckt wurde. Angesichts dieser Ergebnisse sollte nach Meinung
Stantons das Einatmen faseriger Partikel unter allen Umständen vermieden
werden.

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11/1973
STROM AUS MÜLL UND ABFALLSTOFFEN

--(AD)-- Die guten Erfahrungen, die man in der Bundesrepublik und in einigen anderen europäischen Ländern mit Müllkraftwerken gemacht hat, veranlaßten in zunehmendem Maße zuständige Regierungsstellen und Kommunalverwaltungen in den Vereinigten Staaten, sich um ähnliche Einrichtungen zu
bemühen. Nach Meinung von Vertretern der Bundesbehörde für Umweltschutz
(EPA) könnte diese Methode der Abfallbeseitigung, sofern sie weiter ausgebaut wird, auch zur Lösung des Energieversorgungsproblems beitragen.
Auf jeden Fall dürfte diese Art der MüllVerwertung die Beseitigung
der 360 Millionen Tonnen Abfälle, die jährlich in den USA allein in den
Städten anfallen, erheblich beschleunigen. Die Kosten für das Sammeln,
die Aufbereitung, den Transport und die Deponie von Stadtmüll belaufen
sich derzeit auf ca. 4,5 Milliarden Dollar pro Jahr. Mit großer Energie
treiben die EPA-Sonderabteilung für Feststoffabfälle und das Bundesbergbauamt Projekte voran, die für die Kombination "Müllbeseitigung plus Energieerzeugung" aussichtsreich erscheinen.
In St. Louis (Miss.) ist mit finanzieller Unterstützung der EPA ein
Projekt zur Verbrennung von täglich 300 Tonnen Shreddergut bei der Union
Electric Company angelaufen. In Chicago nimmt eine von deutschen Ingenieuren

-l-

�Ingenieuren erbaute Verbrennungsanlage täglich 1 600 Tonnen Abfälle auf und
liefert Dampf für kommerzielle Zwecke. Nashville (Tennessee) baut ein Müllverbrennungswerk, das sowohl Dampf als auch Kühlmittel für Großbauten produziert. Die Aufnahmekapazität liegt vorläufig bei 7.50 Tonnen Müll pro Tag,
soll jedoch auf 1 500 Tonnen gesteigert werden.
In San Diego (Kalifornien) ist eine Müllverwertungsanlage im Bau, die
aus Abfällen Rohöl erzeugt. Das Öl, das bei dem von einer Tochtergesellschaft
der Occidental Petroleum Corp. entwickelten Verfahren anfällt, hat nur einen
geringen Schwefelgehalt; es wird in einem Heizkraftwerk verfeuert.
Der nächste Schritt wäre die Pyrolyse - die Aufheizung von Festmüll auf
sehr hohe Temperaturen bis zur Verdampfung mit der Abtrennung der organischen Bestandteile und der Produktion von Gas oder synthetischem Ol. Gegenwärtig befindet sich dieses Verfahren in der Demonstrationsphase. In einem
Vergasungskessel zersetzen sich unter Luftzufuhr und großer Hitze in einem
kontrollierten SauerstoffSystem alle organischen Bestandteile; die meisten
werden im gasförmigen Zustand abgeleitet. Die übrigen Abfallstoffe gehen
in den flüssigen Zustand über und sammeln sich in der Schlacke. Der Vergasungskessel nimmt alles auf - von Autoschrott-Teilen bis zu Kunststoffen
aller Art.

++i-

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