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ITlöntCltiOn

Te I e x : 0 8 - 8 5 4 3 2

9

28. Februar 1973

Inhalt
DOKUMENTATION:
Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft
- Wortlaut Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats
vom 21. Februar 1973
- Auszüge Wortlaut des amerikanisch-chinesischen

Kommuniques

HINTERGRUNDMATERIAL:
Kissinger b e r i c h t e t über seine China-Reise
- Wortlaut der einleitenden Erklärung -

INFORMATION:

vierte internationale technische Konferenz in Japan
(13. - 16. März 1973)

WIRTSCHAFT:
USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden HandelsVerhandlungen
- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband
kanadischer Erporteure Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend
Von Eugene Brake

Um Übersendung von Belegexemplaren wird gebeten.

�ii amerika dienst
United
53

States

Bonn-Bad

T e l :

I n f o r m a t i o n

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Dokumentation

300

T e I e x : 08 - 8 54 3 2

9/1973

TEIL III DER BOTSCHAFT ÜBER DIE LAGE DER NATION: DIE WIRTSCHAFT
-Wortlaut-

WASHINGTON -»(AD)-« Der dem amerikanischen Kongreß am 22. Februar unterbreitete Teil III der Botschaft Präsident Nixons über die Lage der Nation,
der sich mit der Situation der amerikanischen Wirtschaft befaßt, hat folgenden Wortlaut:
An den Kongreß der Vereinigten Staaten:
Heute, in diesem dritten Teil meiner Botschaft über die Lage der
Nation für 1973, möchte ich über die Lage unserer Wirtschaft berichten und
den Kongreß ersuchen, gemeinsam mit mir die Grundlagen einer neuen Ära der
Prosperität in den Vereinigten Staaten zu errichten.
Die Lage unserer Nation ist in fundamentaler Weise abhängig von der
Lage unserer Wirtschaft. Ich freue mich, berichten zu können, daß unsere
wirtschaftlichen Aussichten sehr gut sind. Zum ersten Mal seit fast 20 Jahren können wir einer Epoche echter Prosperität in einer Zeit des Friedens
entgegensehen. Wir können in der Tat die größte Prosperität erreichen, die
dieses Land jemals erlebt hat.
Dieses Ziel kann jedoch nur erreicht werden, wenn wir selbst Disziplin
üben und uns auf bestimmte grundlegende politische Richtlinien einigen:
—Wir

-1-

�-- Wir müssen Zurückhaltung üben bei den Ausgaben der Bundesregierung.
—

Wir müssen in den Arbeitnehmer-Arbeitgeberbeziehungen Vernunft
walten lassen.

-- Wir müssen den Erfordernissen der Phase III unseres wirtschaftlichen
Stabilisierungsprogramms voll und ganz entsprechen.
-- Wir müssen unsere Bemühungen, die Lebensmittelpreise niedrig zu halten, fortsetzen.
-«. Und wir müssen der Wettbewerbsherausforderung im Außenhandel energisch begegnen.
Es ist mir klar, daß das amerikanische Volk bei der Unterstützung dieser Politik fest zusammensteht. Sein Präsident hält zu ihm. Und wenn die
Mitglieder des 93. Kongresses die uns dieses Jahr vorliegenden Alternativen
prüfen, so bin ich gewiß, daß sie sich ebenfalls an dieser großen Aufgabe
beteiligen werden.

- Die Auswirkung der Wirtschaft auf das Leben der Menschen In dieser Botschaft werden meine grundlegenden wirtschaftlichen Empfehlungen dargelegt, die Prioritäten gesetzt und einige der Bereiche aufgezeigt,
auf denen weitere detaillierte Pläne später vorgelegt werden.
Ich möchte unsere wirtschaftliche Lage aber auch in einer weniger formellen Form erörtern: Wie wirken sich statistische Normen, Vergleiche und
Tabellen auf das tägliche Leben der einzelnen Amerikaner und ihrer Familien
aus?
Wir bauen unsere Wirtschaft nämlich nicht auf, um kalte, unpersönliche
Statistiken für unsere Geschichtsschreibung zu schaffen, sondern um das Leben
unserer Menschen zu verbessern.
Grundsätzlich

-2-

�Grundsätzlich wirkt sich die Wirtschaft auf die Menschen auf dreierlei
Weise aus. Einmal beeinflußt sie ihre Arbeitsplätze - wie viele verfügbar
sind, wie sicher sie sind und wie gut sie sind. Zweitens wirkt sie sich auf
die Bezahlung der Menschen für ihre geleistete Arbeit aus = und darauf, wie
viel sie mit diesem Einkommen kaufen können. Schließlich wirkt sie sich darauf aus, wie viel die Bevölkerung an Steuern an die Regierung zu entrichten hat.

- Ermutigende Arbeitsmarktlage Zunächst einmal, die Arbeitsmarktlage ist heute sehr ermutigend. Die
Zahl der in Arbeit Stehenden in unserem Lande ist 1972 um 2,3 Millionen gestiegen ~ das ist die größte Zunahme in 25 Jahren. Die Arbeitslosigkeit ging
von einem Stand von 6 Prozent im Jahre 1971 auf 5 Prozent im letzten Monat
zurück.
Der Grund, warum die Zahl der Arbeitsplätze so schnell zugenommen hat,
ist, daß die Wirtschaft im letzten Jahr real um 6 1/2 Prozent expandierte
-- das ist eines der besten Ergebnisse des letzten Viertel Jahrhunderts. Unsere Wirtschaftsberater rechnen für 1973 mit einer Wachstumsrate von fast
7 Prozent. Das würde die Arbeitslosigkeit bis Ende des Jahres auf einen Stand
von 4 1/2 Prozent herabdrücken.
5 Prozent Arbeitslosigkeit ist zu viel. Trotzdem ist es aufschlußreich,
diese Zahl von 5 Prozent genauer zu prüfen. Zum Beispiel:
-» Nur 40 Prozent der jetzt als arbeitslos Geführten befinden sich in
diesem Status, weil sie ihren Arbeitsplatz verloren haben. Die Entlassungsrate war Ende des Jahres niedriger als zu irgendeinem Zeitpunkt seit dem
Korea^Krieg.
-- Die übrigen 60 Prozent haben ihren Arbeitsplatz entweder freiwillig
verlassen oder sie bemühen sich erstmals um einen Arbeitsplatz oder sie tre-

-3-

�treten nach einer langen Zeitspanne erneut wieder in das Arbeitsleben ein.
-- Rund 45 Prozent der Arbeitslosen waren weniger als 5 Wochen ohne
Arbeit.
-- Verglichen mit früheren Zeiten, in denen die Arbeitslosenrate sich
in etwa auf dem gegenwärtigen Stand befand, ist die Arbeitslosenrate bei
männlichen Arbeitnehmern, Haushaltsvorständen und verheirateten Männern niedr
ger. Bei verheirateten Männern beträgt sie nur 2,4 Prozent. Die Arbeitslosigkeit bei diesen Gruppen sollte 1973 noch weiter zurückgehen.
Dieser Erfolg auf dem Beschäftigtensektor ist umso bemerkenswerter, da
weit mehr Menschen Arbeit suchen als sonst. Zum Beispiel sind fast drei
Millionen Amerikaner seit 1969 aus mit der Verteidigung zusammenhängenden
Arbeitsplätzen entlassen worden - in dieser Zahl sind auch über eine Million
Kriegsveteranen enthalten.
Die Arbeitslosenrate bei Veteranen des Vietnamkrieges liegt gegenwärtig
bei 5,9 Prozent - also über der allgemeinen Arbeitslosenrate, aber geringfügig unter der Arbeitslosenrate für Männer in der Altersgruppe 20 bis 29 Jahre
Dies ist zwar bedeutend besser als die 8,5 Prozent vor einem Jahrj die Arbeitslosenrate von 5,9 Prozent ist jedoch immer noch zu hoch.
Das Problem, Arbeitsplätze für Kriegsveteranen zu schaffen, die so viel
für ihr Land gegeben haben, wird im kommenden Jahr weiterhin obenan auf meiner Liste der dringenden Anliegen stehen.
Frauen und junge Menschen haben sich ebenfalls in noch nie dagewesenen
Zahlen um Arbeit bemüht. Doch

wie im Falle der Kriegsveteranen, hat die Zahl

der Arbeitsplätze für diese Gruppen noch schneller zugenommen. Die Arbeitslosigkeit bei Frauen und jungen Menschen ist somit zurückgegangen - aber sie
liegt immer noch zu hoch und bedeutet für unser Land eine große Vergeudung.
Wenn wir jetzt in eine neue Ära der Prosperität in Friedenszeiten eintreten, hat unser Wirtschaftssystem Platz - ja es besteht ein Bedarf - für
jede verfügbare Arbeitskraft.
Die
-4-

�Die Rolle der Frau wird in unserer Wirtschaft immer stärker werden. Und
sie sollte das - nicht nur, weil die Erweiterung der Arbeitsplatzchancen
für Frauen ihr Recht hat, sondern auch, weil Amerika sonst nicht sein volles
wirtschaftliches Potential entfalten kann, sofern nicht jede Frau, die arbeiten will, einen Arbeitsplatz finden kann, der ihr faire Entlohnung und
gleiche Fortkommensmöglichkeiten bietet.
Diese Regierung hat sich verpflichtet, dieses Ziel zu fördern. Wir unterstützen den Zusatzartikel (zur Verfassung) über gleiche Rechte. Wir haben
die Tür für die Beschäftigung qualifizierter Frauen im Bundesdienst geöffnet. Wir haben ähnliche Bemühungen in den Wirtschaftsunternehmen und in den
Instituten gefordert, die Aufträge oder Unterstützung seitens der Bundesregierung erhalten. Gerade im letzten Jahr haben wir einen Beratungsausschuis
über die Rolle der Frau in der Wirtschaft geschaffen. Dieser Ausschuß wird
federführend mitwirken, die wirtschaftlichen Probleme aufzuzeigen, denen sich
die Frau gegenübersieht, und mit dazu beitragen, die Haltung zu ändern, die
ungerechte und unlogische Schranken für ihre Beschäftigung schafft.

- Lohn und Kaufkraft -

Die zweite große Frage ist, welche Entlohnung die Menschen für ihre Arbeit erhalten und was sie dafür kaufen können.
Hier sind die Berichte ebenfalls gut. Es stehen nicht nur mehr Menschen
in Arbeit, sondern sie erhalten auch eine höhere Entlohnung für ihre Arbeit.
Das durchschnittliche pro-Kopf-Einkommen ist 1972 um 7,7 Prozent gestiegen
- das liegt weit über dem Durchschnitt der letzten zehn Jahre.
Am wichtigsten ist jedoch, daß diese Erfolge nicht durch steigende Preise
zunichtegemacht werden - wie dies oftmals in den siebziger Jahren der Fall
war. Die Bundesregierung gab in dieser Zeit zu viel Geld zu schnell aus, und
das Ergebnis war eine galoppierende Inflation.
Während

»5-

�Während die Löhne in diesen Jahren sehr schnell, anstiegen, nahm die
Kaufkraft nicht zu. Vielmehr blieb die Kaufkraft unverändert oder sie ging
sogar zurück. Die Inflation führte zu einem wirtschaftlichen Stillstand, bei
dem ein Arbeitnehmer oftmals eine sechsprozentige Gehaltserhöhung jährlich
haben mußte, nur um den gleichen Stand halten zu können.
Das hat sich jetzt geändert. Die Inflationsrate ist im letzten Jahr gegenüber dem Stand von vor vier Jahren auf fast die Hälfte gesenkt worden.
Die Kaufkraft des durchschnittlichen Arbeitnehmereinkommens nahm im letzten
Jahr stärker als in irgendeinem Jahr seit 1955 zu; sie stieg um 4,3 Prozent
an - dies entspricht etwa zwei Extrawochenlöhnen.
Wir rechnen damit, daß die Inflation 1973 noch weiter abgebaut werden
kann - und zwar aus mehreren Gründen.
Ein Hauptgrund ist die wachsende Opposition im Lande gegen zu stark
steigende Bundesausgaben. Die Öffentlichkeit erkennt in immer stärkerem Maße,
was solche Ausgaben für Preise und Steuern bedeuten. Als folge hiervon haben
wir jetzt eine gute Chance, die beste seit Jahren, um der Ausweitung des Bundeshaushaltes Einhalt zu gebieten. Das wird mehr als irgendeine andere Maßnahme dazu beitragen, das Familienbudget zu schützen.
Andere Kräfte arbeiten ebenfalls für uns. Die Produktivität ist im
letzten Jahr stark gestiegen - was bedeutet, daß der durchschnittliche Arbeiter mehr produziert und daher mehr verdienen kann, ohne daß hierdurch die
Preise in die Höhe getrieben werden. Darüberhinaus wird die Tatsache, daß
das freie Einkommen im letzten Jahr real so stark gestiegen ist, zu vernünftigen Lohnforderungen in diesem Jahr führen. Die Arbeitnehmer werden nicht
mehr einen früheren Lohnruckstand aufzuholen haben.
Schließlich haben wir ein neues System von Lohn-und Preiskontrollen
- ein System, das das Richtige für 1973 ist.
-Strikte

�- Strikte Kontrollen und Kampf gegen die Lebensmittelpreise-

Jeder Gedanke, daß die Kontrollen praktisch aufgehört haben, ist völlig
falsch. Wir haben noch immer strikte Kontrollen, Wir setzen sie immer noch
entschlossen durch. Was sich geändert hat, ist die Art, wie wir sie durchsetzen.
Das alte System war abhängig von einer Bürokratie in Washington, die
im voraus größere Lohn-und Preiserhöhungen billigen mußte.. Obwohl dieses
System während seiner Geltungsdauer wirksam war, begann es doch zu Ungerechtigkeiten zu führen und sich in der Bürokratie zu verlieren. Das neue System
wird diese Gefahren vermeiden. Wie die meisten unserer Gesetze basiert es
weitgehend auf Selbstverwaltung und auf der freiwilligen Mitarbeit des
amerikanischen Volkes.
Sollten jedoch einige nicht mitmachen, so verfügen wir über den Willen
und die Mittel, sie dazu zu zwingen.
Allen wirtschaftlichen Interessen, die etwa glauben sollten, daß das
neue System ihnen, offen oder heimlich, gestatten wird, Gewinne zu erzielen,
die über die von uns festgesetzten Sicherheitsgrenzen hinausgehen, möchte
ich folgendes in klaren und unmißverständlichen Worten sagen:
Wir werden jede Verhöhnung unserer anti-inflationistischen Bestimmungen
und Normen als nichts anderes als einen Versuch wirtschaftlicher Brandstiftung ansehen, der die Stabilität unserer Volkswirtschaft bedroht - und wir
werden dementsprechend handeln. Wir möchten, daß die Phase III so freiwillig
wie möglich gehandhabt wird. Aber wir werden so viel Zwang ausüben, wie
notwendig ist.
Unser neues System findet breite Unterstützung bei Wirtschaft und Gewerkschaften - das ist der entscheidende Punkt für jedes erfolgreiche Programm. Es wird uns auf den Tag vorbereiten, an dem Kontrollen nicht länger
mehr notwendig sind. Es wird uns die Möglichkeit geben, uns auf solche

-7-

�solche Gebiete zu konzentrieren, auf denen die Inflation am störendsten war
- auf die Bauwirtschaft, die Gesundheitsfürsorge und vor allem auf die Lebensmittelpreise .
Wir werden dem schwierigen Problem der Lebensmittelpreise besondere Aufmerksamkeit schenken und unsere Maßnahmen hierauf konzentrieren. Diese Preise
haben auf Großhandelsebene in den letzten Monaten stark angezogen, so daß
die Statistiken der Einzelhandelspreise im Januar und Februar zwangsläufig
eine starke Zunahme aufweisen werden. Praktisch werden wir wahrscheinlich
noch auf Monate hinaus eine Erhöhung der Lebensmittelpreise erleben.
Die diesem Problem zugrundeliegende Ursache ist, daß die Lebensmittelversorgung nicht schnell genug ausgeweitet worden ist, um mit der schnell
steigenden Nachfrage Schritt halten zu können. Wir dürfen jedoch schnell
steigende Lebensmittelpreise nicht als eine ständige Erscheinung im Leben
der USA hinnehmen. Wir müssen dieser inflationistischen Spirale Einhalt gebieten, indem wir die Ursachen der steigenden Lebensmittelpreise auf allen
Fronten angehen. Der Verbesserung der Lebensmittelversorgung muß von uns
oberste Priorität gegeben werden, um die wachsende Nachfrage befriedigen zu
können.
Wir ergreifen nachdrückliche Maßnahmen, um unsere Lebensmittelversorgung
zu verbessern:
—

Wir ermutigen die Farmer, mehr Land in Bestellung zu nehmen, sowohl
für Feldfrüchte wie auch für die Viehzucht.

-- Wir werden mehr Fleisch und Trockenmilch aus dem Ausland hereinlassen.
-- Wir haben die Subventionen für Agrarexporte eingestellt.
-- Und wir bauen die Regierungsbestände an Agrarerzeugnissen ab und ermutigen die Farmer, ihre eigenen Bestände zu verkaufen.

Derartige

-8-

�Derartige Maßnahmen werden dem Anstieg der Lebensmittel-Großhandelspreise Einhalt gebieten und den Anstieg der Lebensmittel-Einzelhandelspreise
verlangsamen. Leider wird sich nichts von dem, was wir tun können, bereits
in den nächsten Monaten entscheidend auswirken. Aber die von mir ergriffenen Maßnahmen werden für die zweite Hälfte des Jahres eine nachhaltige Wirkung haben.
Diese Maßnahmen werden ferner unseren Farmern helfen, ihre Einkünfte
durch Ausweitung der Erzeugung und ohne gleichzeitige Preiserhöhungen zu verbessern.. Wir rechnen damit, daß die Agrarpreise Ende des Jahres nicht höher
liegen werden als zu Jahresbeginn.
Aus allen diesen Gründen haben wir eine gute Chance, die Gesamtinflationsrate bis Ende 1973 auf 2 1/2 Prozent zu senken.
- Beibehaltung des Steuerniveaus Die dritte wichtige wirtschaftliche Frage ist, wieviel
kerung an Steuern zu zahlen hat und wieviel

Geld die Bevöl-

ihr zu ihrer eigenen Verfügung

bleibt. Hier ist das Bild ebenfalls vielversprechend.
Seit 1950 hat sich der Anteil der Steuern am durchschnittlichen Familieneinkommen in den Vereinigten Staaten fast verdoppelt - er ist auf über
20 Prozent gestiegen. Der durchschnittliche Arbeitnehmer hatte 1950 weniger
als eine Stunde seines Achtstundentages gearbeitet, um seine Steuern bezahlen zu können; heute arbeitet er fast zwei Stunden täglich für den Steuereinzieher .
Wären die Steuersenkungsvorschläge während unserer ersten Amtszeit nicht
angenommen worden, so wäre die Lohnaufbesserung des durchschnittlichen Arbeitnehmers im letzten Jahr fast völlig durch die höheren Steuern aufgezehrt
worden

und die Steuerzahler müßten dieses Jahr weitere 25 Milliarden Dollar

an Einkommenssteuer entrichten.
Der

-9-

�Der einzige Weg, um die Steuern nicht höher werden zu lassen, ist,
die Bundesausgaben nicht weiter steigen zu lassen.
Dies ist der Grund, warum wir Bundesprogramme kürzen, einstellen oder
reformieren, die das Geld des Steuerzahlers verschwenden.
Meine Administration blickt auf eine vierjährige Erfahrung mit allen
unseren Bundesprogrammen. Wir haben detaillierte Studien durchgeführt und
ihre Kosten und Ergebnisse miteinander verglichen. Aufgrund dieser Erfahrungen bin ich zu der Überzeugung gelangt, daß die Kosten zahlreicher Bundesprogramme nicht länger mehr gerechtfertigt sind. Zu ihnen gehören:
-- Bauprogramme, durch die mehr Krankenhäuser errichtet werden, wenn
ein Überschuß an Krankenhausbetten besteht;
-- Lehrerstipendien, die den Lehrerberuf für mehr Leute attraktiv machen
sollen, wenn bereits zehntausende von Lehrern keinen Arbeitsplatz
in ihrem Beruf finden können;
-- Programme zur Subventionierung von Schulplätzen für Kinder von Bundesangestellten, die bereits genügend Steuern an kommunale Stellen
zur Unterstützung ihrer örtlichen Schulen entrichten;
-- Programme für die Fortsetzung sozialer Beihilfezahlungen an Personen, die nicht mehr in den Kreis der Berechtigten fallen oder zu
hohe Einkünfte haben.
Solche Programme mögen klingende Namen haben; sie mögen nach einer
guten Sache klingen, aber hinter einem anspruchsvollen Etikett kann sich ein
böser Fehlschlag verbergen. Und wenn wir nicht bald die Programme einstellen, die sich als Fehlschlag erwiesen haben,dann werden wir bald kein Geld
mehr für Programme haben, die erfolgreich sind.
Es ist behauptet worden, unsere Haushaltskürzungen ließen einen Mangel
an Mitgefühl für die Unterprivilegierten erkennen. Die beste Antwort auf
diese Beschuldigung ist ein Hinweis auf die Tatsachen. Wir setzen in unserem

-10-

�unserem Haushalt für das nächste Jahr (1973/74) 66 Prozent mehr ein, um
den Armen zu helfen, als vor vier Jahren; 67 Prozent mehr, um den Kranken
zu helfen; 71 Prozent mehr, um den alten Menschen zu helfen,und 242 Prozent mehr, um den Hungrigen und Unterernährten zu helfen.
Insgesamt beläuft sich unser Budget für Aufgaben im Dienste des Menschen auf eine Rekordhöhe von 125 Milliarden Dollar - also fast auf das
Doppelte der Summe vor vier Jahren, als ich mein Amt antrat.
Wir haben unsere Ausgabenprioritäten bereits von Verteidigungsprogrammen auf Programme im Dienste des Menschen verlegt. Jetzt müssen wir unsere
Ausgabenprioritäten von Programmen, die einen schlechten Ertrag pro Dollar
erbracht haben, auf Programme verlegen, die ihr Geld wert sind. Damit zeigen wir, daß wir uns wirklich um jene kümmern, die in Not sind.
Die Frage ist nicht, ob wir helfen, sondern wie wir helfen. Indem wir
Programme abstellen, die Verschwendung bedeuten, können wir uns auf Programme konzentrieren, die funktionieren.
Unser jüngstes Paket an Haushaltskürzungen kann im Laufenden Finanzjahr 11 Milliarden Dollar einsparen, 19 Milliarden Dollar im nächsten Haushaltsjahr und 24 Milliarden Dollar im darauffolgenden Jahr. Das bedeutet
für jeden der 75 Millionen Steuerzahler in Amerika im Laufe der nächsten
drei Jahre eine durchschnittliche Ersparnis von 700 Dollar.
Ohne die Einsparungen, die ich durch Programmkürzungen und Reformen
erzielt habe, würden sich die Gesamtausgaben auf jeweils 261 Milliarden
Dollar, 288 Milliarden Dollar und 312 Milliarden Dollar belaufen - Zahlen,
die entweder höhere Steuern oder eine neue Welle lähmender Inflation oder
beides zusammen bedeuten würden.
Um

-11-

�Um die Ausgaben des Bundes in Grenzen halten zu können, ist es absolut
unerläßlich, daß der Kongreß voll und ganz mit uns zusammenarbeitet. Ich
appelliere an den Kongreß, als eine seiner dringendsten Aufgaben
Haushaltsjahr einen Gesamtausgabenplafond

für jedes

festzulegen. Ich möchte ihn auch

ersuchen, ein ordentliches Verfahren zu entwickeln, um die Einhaltung des
Plafonds zu garantieren.

- Die internationale Herausforderung -

In den letzten Jahren hat sich die Aufmerksamkeit der Amerikaner in zunehmendem Maße den ernsten Fragen zugewandt, vor denen wir auf dem internationalen Handels-und Währungsschauplatz stehen.
Dies ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten - so hervorragend sie in der Wissenschaft, in der Vermarktung und in den Dienstleistungen sein mögen - die Weltmärkte mit den modernen Erzeugnissen unserer Technologie und unserer modernen Produktionsmittel beherrschen können.
Das ist kein Gebiet mehr, auf dem die Vereinigten Staaten automatisch
mehr im Ausland verkaufen können,als wir von anderen Ländern kaufen. Wir stehen vor neuen Herausforderungen auf dem Gebiete des internationalen Wettbewerbs und befinden uns somit in einer Periode substantieller Anpassungen in
unseren Beziehungen zu unseren Handelspartnern.
Eine Konsequenz dieser Entwicklungen war die Maßnahme, die wir in der
letzten Woche ergriffen haben, um den relativen Wert des Dollar beim Handel
im Ausland zu ändern.
Wir haben diesen Schritt wegen des ernsthaften Handelsungleichgewichts
ergriffen, das die wachsende

Prosperität unseres Volkes bedrohen könnte.

Amerika hat von anderen Ländern mehr gekauft als diese Länder von uns. Und genau so wie eine Familie oder ein Unternehmen nicht auf unbegrenzte Zeit mehr
kaufen als verkaufen kann, so ist dies auch im Falle eines Landes.
Eine

-12-

�Eine Änderung der Wechselkurse wird uns helfen, dieses Bild zu ändern.
Sie bedeutet, daß unsere Exporte auf den internationalen Märkten preislich
konkurrenzfähiger werden und sich besser verkaufen.

Unsere Importe anderer-

seits werden nicht so schnell anwachsen.
Diesem Schritt müssen jedoch Reformen folgen, die grundlegender sind.
Erstens benötigen wir ein flexibleres internationales Währungssystem
- ein System, das zum Gleichgewicht ohne Krisen führt. Die Vereinigten Staaten haben im September letzten Jahres fundamentale Vorschläge für ein solches System unterbreitet. Für andere Länder ist es jetzt an der Zeit, sich
gemeinsam mit uns für Maßnahmen hinsichtlich dieser Vorschläge einzusetzen.
Zweitens müssen amerikanische Produkte einen faireren Anteil an einem
offeneren Welthandelssystem erhalten, damit wir die amerikanischen Märkte
und die amerikanischen Arbeitsplätze ausweiten können. Wenn andere Länder
einen Verkauf unserer Waren im Ausland erschweren, dann kann unser Handelsungleichgewicht nur noch schlimmer werden.

- Die Verantwortung des Kongresses -

Amerika Defindet sich ohne Frage auf dem Wege zu einer neuen Ära der
Prosperität. Die Zeichen sind klar und deutlich, und mit jedem Monat gewinnen
wir mehr an Schwungkraft. Aber wir können sehr leicht vom Wege abkommen, wenn
der Kongreß nicht mit dabei ist und mithilft, den Kurs zu halten.
Wenn wir auf das Jahr 1973 blicken, dann können wir sicher sein, daß
die Lage unserer Wirtschaft tatsächlich in großem Maße von den Entscheidungen abhängt, die der Kongreß in diesem Jahr trifft.
Im Laufe der nächsten Monate werde ich auf unverzügliche Maßnahmen des
Kongresses bezüglich einer ganzen Anzahl wirtschaftlicher Vorschläge drängen. Zusammengenommen werden diese Vorschläge eines der wichtigsten Bündel

-13-

�Bündel wirtschaftlicher Initiativendarstellen, die jemals von irgendeinem
Kongreß in unserer Geschichte erörtert worden sind. Ich hoffe - wie dies
auch unser ganzes Volk tut -,daß der Kongreß mit Umsicht und ohne Verzug
handelt.
Zu den Punkten, die mein Wirtschaftspaket für 1973 enthält, gehören:
—

eine Verlängerung des wirtschaftlichen Stabilisierungsprogramms.

Die gegenwärtige Vollmacht läuft in Kürze aus,und ich habe den Kongreß ersucht, das Gesetz um ein Jahr bis zum 30. April 1974 zu verlängern. Ich hoffe, daß dies ohne weitere allgemeine Zwangsnormen oder die Auflage starrer
Vorentscheidungen geschehen wird - Schritte, die eine vernünftige Durchführung dieses Programms nur behindern würden. Eine so hochkomplizierte Wirtschaft kann auf diese Weise einfach nicht über längere Zeiträume wirksam
reguliert werden.
-- das Steuerprogramm. Ich werde ein Steuerprogramm empfehlen, das
weitere Reformen auf den 1969 und 1971 bereits erreichten aufbaut.
-- Vermögenssteuerentlastung. Ich werde ferner Empfehlungen vorlegen,
damit die schwere Belastung für ältere Amerikaner durch die Vermögenssteuer
gemildert wird.
—

Steuerkredit für nicht-öffentliche Schulen. Ich werde ein Gesetz

vorschlagen, das einen Einkommenssteuerkredit für in nicht-öffentlichen
Volksschulen gegebenen Unterricht vorsieht. Diese Institutionen stellen eine
wertvolle nationale Einrichtung dar, die das öffentliche Schulsystem bei zu
starken Aufnahmezahlen entlastet, in unseren Erziehungsprozeß eine willkommene Vielfalt bringt und Millionen von Eltern größere Möglichkeiten bietet.
—

Handelsgesetz

Ein weiterer Punkt, der obenan auf unserer Tagesord-

nung steht, werden neue Handelsvorschläge sein, die ich dem Kongreß in Kürze
unterbreiten werde. Sie werden es uns leichter machen, nicht nur unsere Handelsschranken zu senken, wenn die anderen Länder die ihren abbauen, sondern
auch unsere Schranken zu erhöhen, falls dies notwendig ist, um faire Verhältnisse zu schaffen.
--Andere

-14-

�-- Andere Reformen. Ich werde ferner später Empfehlungen unterbreiten
für eine Verbesserung unseres privaten Pensionssystems, unseres Arbeitslosenunterstützungsprogramms, unserer Gesetze über Mindestlöhne sowie die Art,
wie wir unsere Transportsysteme handhaben, um diese zu modernisieren, sie
gerechter und besser zu machen.
-- Ausgabenlimit. Schließlich, und das ist äußerst wichtig, werde ich
den Kongreß ersuchen, noch in diesem Jahr feste Höchstgrenzen für die Bundesausgaben zu setzen.
Die von mir in dem diesjährigen Haushalt vorgeschlagenen Kürzungen
fielen mir nicht leicht. Daher kann ich es gut verstehen, daß es dem Kongreß
nicht leicht fallen wird, sie beizubehalten, wenn jede besondere Interessengruppe mit ihren eigenen Vertretern im Kongreß für ihre eigenen besonderen
Interessen wirbt. Aber der Kongreß sollte Höherem als nur besonderen Interessen dienen; seine oberste Aufgabe muß es stets sein, dem öffentlichen Interesse zu dienen.
Wir müssen uns ferner darüber klar sein, daß niemand im Kongreß zur
Zeit damit beauftragt ist, alle unsere Bundesaufgaben zusammenzuaddieren
und ihre Gesamtauswirkungen auf Steuern und Preise zu untersuchen. Es ist
so, als ob jedes Mitglied einer Familie für sich einkaufen geht, ohne zu
wissen, wieviel

Geld in dem gesamten Familienbudget verfügbar ist und wie,,

viel die übrigen Familienmitglieder ausgeben oder auf die verschiedenen Kreditkarten kaufen.
Um diese Probleme zu lösen,schlage ich vor, daß der Kongreß umgehend
eine Gesamtausgabenhöchstgrenze für jedes Finanzjahr festlegt. Ein solcher
Schritt würde es dem Kongreß ermöglichen, gemeinsam mit mir darauf hinzuarbeiten, die Ausgaben im laufenden Finanzjahr auf 250 Milliarden Dollar, im
nächsten Finanzjahr auf 269 Milliarden Dollar und im Finanzjahr 1974/75 auf
288 Milliarden Dollar beschränkt zu halten. Neben der Verabschiedung einer
Jahreshöchstgrenze empfehle ich ferner, daß der Kongreß innere Reformen erwägt, durch die ein regulärer Mechanismus für die Entscheidung geschaffen

-15-

�geschaffen wird, wie diese Höchstgrenze einzuhalten ist.
Keine andere wirtschaftliche Empfehlung, die ich dem Kongreß zu unterbreiten habe, ist für das wirtschaftliche Wohlergehen unseres Landes wichtiger. Ich glaube, daß die meisten Mitglieder des Repräsentantenhauses und
des Senats die Ausgaben niedrig halten wollen. Die meisten Kongreßmitglieder stimmten im Prinzip

für eine Ausgabenhöchstgrenze, als der Senat und

das Repräsentantenhaus im vergangenen Herbst eine Höchstgrenze billigten.
Leider konnten die beiden Häuser sich nicht auf eine endgültige Formulierung einigen. Meines Erachtens sollten sie bald zusammenkommen - damit der
Kongreß in diesem Jahr mit einem entschlossenen Sinn für Haushaltsdisziplin
arbeiten kann.
Es steht viel auf dem Spiel. Wenn wir die Ausgaben nicht einschränken
und wenn meine empfohlenen Kürzungen rückgängig gemacht werden, so müßten
die Einkommenssteuern um 15 Prozent erhöht werden, um die zusätzlichen Ausgaben bezahlen zu können.
Die Gewaltenteilung zwischen dem Präsidenten und dem Kongreß ist in
den letzten Wochen ein beliebtes Gesprächsthema geworden. Natürlich sollten
wir niemals unsere große Sorge um die Erhaltung eines verfassungsmäßigen
Gleichgewichts aufgeben.
Aber wir sollten auch niemals die Tatsache übersehen, daß wir gemeinsame
Verantwortungen wie auch getrennte Gewalten haben.
Es gibt viele Gebiete, auf denen der Präsident und der Kongreß im Namen
des gesamten Volkes zusammenarbeiten sollten und müssen - und die Höhe
der Ausgaben, die sich direkt auf das Portemonnafc jeder einzelnen Familie
des Landes auswirkt, ist eines der wichtigsten.
Ich habe mein Versprechen gehalten, daß ich keine Programme empfehlen
werde, die eine allgemeine Steuererhöhung erfordern oder einen inflationären Druck auslösen würden.Nunmehr liegt es beim Kongreß, diesen Bemühungen zu entsprechen durch eine eigene Ausgabenhöchstgrenze.
-Die

-16-

�- Die Entscheidung Wir stehen an der Schwelle einer neuen Ära einer langen und wachsenden
Prosperität für die Vereinigten Staaten.
Im Gegensatz zu früheren Hochkonjunkturen wird diese Prosperität nicht
durch einen Krieg stimuliert sein. Sie wird auch nicht durch die Seuche
der Inflation aufgezehrt werden. Sie wird solide sein; sie wird stetig sein;
und sie wird von Bestand sein.
Wenn wir verantwortungsbewußt handeln, können wir diese neue Prosperität auf viele Jahre hinaus haben. Wenn wir dies nicht tun, dann können wir,
wie Franklin Roosevelt einst warnte, "an

den Felsen einer zügellosen Haus-

haltspolitik zerschellen".
Wir haben die Wahl. Wählen wir eine von Verantwortung getragene
Prosperität!

Weißes Haus
22. Februar 1973

g e z . Richard Nixon

-H-+

-17-

�amerika dienst
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9/1973

ROGERS-ERKLÄRUNG VOR DEM AUSSENPOLITISCHEN AUSSCHUSS
DES US-SENATS VOM 21.FEBRUAR 1973
-Auszüge-

WASHINGTON --(AD)-- Der amerikanische Außenminister William P. Rogers
hat am 21. Februar vor dem Außenpolitischen Ausschuß des US-Senats die
Zielsetzungen der amerikanischen Außenpolitik niedergelegt. Seine Einleitung sowie die die Handels-und Währungspolitik, das Verhältnis zur Europäischen Gemeinschaft und die Ost-West-Beziehungen betreffenden Passagen
haben folgenden Wortlaut:
"Herr Vorsitzender!
Vor fast genau vier Jahren erschien ich vor diesem Ausschuß, um die
Hauptziele unserer Außenpolitik darzulegen. Ich erklärte damals, daß wir
erstens eine dauerhafte Lösung in Vietnam anstreben würden, in deren Rahmen
sowohl Nordvietnam als auch seine Nachbarn in Frieden und nicht nur im
Stadium eines ausgesetzten Kriegszustandes leben können; daß zweitens die
Vereinigten Staaten bei der Suche nach einem Frieden im Nahen Osten eine
aktive Rolle spielen würden; daß wir drittens ein zunehmend vereintes

.1-

�vereintes Westeuropa

'legünstigen und in diesem Sinne mit ihm zusammenar-

beiten würden; daß wir viertens den Ausbau beiderseits nützlicher Beziehungen
zu Ost uro,r

anstreben würden: daß fünftens unsere Politik einen ernsthaf-

ten Versuch einschließen würde, zu einer konstruktiveren Beziehung zu Peking
zu gelangen, und dab wir sechstens hofften, einen wesentlichen Fortschritt
zu verbesserten Beziehungen zur Sowjetunion zu machen.
Im vorigen Jahr konnte ich Ihrem Ausschuß berichten, daß wir im Nahen
Osten mit beachtlichem Erfolg tätig waren; daß wir im Begriffe waren, uns
aus dem Konflikt in Indochina zurückzuziehen, und daß wir nachhaltige Anstrengungen unternahmen, um sowohl die Zusammenarbeit mit unseren Freunden
in Westeuropa und Japan zu verstärken, als auch um unsere Beziehungen zu jenen zu verbessern, mit denen wir fundamentale Meinungsverschiedenheiten haben, wie etwa die Sowjetunion und die Volksrepublik China; und daß der Präsident sich nachhaltig für die Errichtung eines Gebäudes des Friedens durch
Verhandlungen einsetzte.
Die Erfolge bei der Erreichung unserer außenpolitischen Ziele waren
höch;,t ermutigend • in jüngster Zeit vor allem natürlich das Vietnam-Abkommen.
In meinem ersten außenpolitischen Bericht erklärte ich, daß meine größte
Hoffnung darin bestehe, unter den Amerikanern eine neue nationale Einheit
und Zielsetzung in unserer Außenpolitik schaffen zu können - einer Politik,
die nicht länger von den düsteren Schatten der Vergangenheit gejagt wird,
sondern sich den Chancen der Zukunft zuwendet. Nachdem wir nun die Hauptquelle der Spaltung in unserem Lande hinter uns gelassen haben, besteht aller
Grund zu der Anna.ime, daß wir zusammenarbeiten können, um diese Gemeinsamkeit
der Zielsetzungen wiederherzustellen. Der Zweck meines Hierseins ist gerade
der, darum zu bitten, daß wir uns für diese Aufgabe einsetzen.

Nach

�Nach einer langen und oft entmutigenden militärischen Auseinandersetzung
mag sich bei manchen Amerikanern eine gewisse Sehnsucht einstellen, sich von
den Lasten und Verantwortlichkeiten einer aktiven Rolle in der Weltpolitik
zurückzuziehen. Schon zweimal in diesem Jahrhundert war unsere erste Reaktion,
uns zurückzuziehen und uns auf innenpolitische Fragen zu konzentrieren. Dieses Mal, so bin ich überzeugt, werden wir diesen Fehler nicht machen.
Wir müssen natürlich die Überdehnung der Rolle Amerikas vermeiden, die
unsere Politik in der Vergangenheit manchmal gekennzeichnet hat. Aber unser
eigenes Selbstinteresse verlangt von uns, den neuen Konsensus in unserer
Außenpolitik auf etwas aufzubauen, was ich als eine Politik des 'realistischen Engagements* bezeichnen möchte - eine Politik, in deren Rahmen wir
weiterhin unseren Anteil an der Verantwortung tragen, auch wenn wir andere
auffordern, die größeren Rollen zu übernehmen, deren sie heute fähig sind.
Es mag gelegentlich unterschiedliche Beurteilungen geben, wo hier der
richtige Punkt der Ausgewogenheit sein mag. Ich bin jedoch sicher, daß dieser
Ausschuß, der Kongreß, und das amerikanische Volk unsere Auffassung teilen
werden, daß ein verantwortungsbewußtes und in richtigem Maße engagiertes
Amerika einem Amerika vorzuziehen ist, das vor einer Führungsrolle in der
Welt zurückschreckt und sich zurückzieht.
Ich werde mich in den kommenden Monaten ernsthaft bemühen, mit diesem
Ausschuß und mit dem Kongreß zusammenzuarbeiten, um eine wohlüberlegte und
hoffentlich gemeinsame Einstellung zur Rolle Amerikas zu entwickeln. Lassen
Sie mich diesen Prozeß mit der Darlegung einiger der Hauptprobleme beginnen,
vor denen wir heute stehen

—Handels-

�--Handels-und Währungspolitik--

Ein dringendes allgemeines Ziel der Außenpolitik besteht darin, einen
baldigen Fortschritt bei der Reformierung des Handels-und Währungssystems
zu erzielen. In der vorigen Woche hat Präsident Nixon die Initiative ergriffen, um eine neue Währungskrise zu überwinden, indem er eine Abwertung
des Dollar angeordnet hat. Bei dieser Maßnahme war ihm die Zusammenarbeit
vieler Länder, vor allem der beiden Länder, sicher, deren Dollarreserven
die höchsten sind, nämlich Deutschland und Japan.
Die von uns ergriffenen Währungsmaßnahmen waren ein wichtiger Schritt
in der Neuordnung unserer wirtschaftlichen Beziehungen. Aber sie waren
kein Allheilmittel. Es müssen ihnen grundsätzliche Änderungen des Währungssystems folgen. Der Präsident und Finanzminister Shultz haben die
Prinzipien umrissen, die nach unserer Auffassung die Grundlage eines solchen Systems sein könnten. Es ist für den Zwanziger-Ausschuß wichtig, ohne
Verzug auf dieses Ziel hinzuarbeiten.
Innerhalb der nächsten Wochen wird Präsident Nixon dem Kongreß die
Vorschläge für eine umfassende Handelsgesetzgebung unterbreiten, von der
er bereits gesprochen hat. Das unmittelbare Hauptziel dieser Gesetzgebung
wird darin bestehen, die Fähigkeit amerikanischer Arbeiter und Geschäftsleute zu verbessern, auf den Weltmärkten zu konkurrieren. Das langfristige
Ziel dieser Gesetzgebung wird darin bestehen, die Bedingungen des internationalen Handels weiter auszudehnen und zu liberalisieren.
In bilateralen Gesprächen und in den formellen Handelsverhandlungen,
die in diesem Herbst beginnen, werden wir darauf bestehen, daß amerikanischen Erzeugnissen eine faire und vernünftige Behandlung zuteil wird. Die
Vol macht, die der Präsident vom Kongreß erhalten möchte, in bestimmten
Fällen Zölle zu erhöhen, dient dazu, diesen Zweck zu erreichen, und nicht
etwa verstärkte Handelsschranken aufzurichten. Unser Ziel ist gerade das
Gegenteil.
Weder

-4-

�'

Weder für uns noch für irgendeinen unserer Handelspartner wäre eine Erhöhung statt einer Senkung der Handelsschranken der Weg zum größten wirtschaftlichen oder politischen Nutzen. Dieser Weg könnte höchstens zur internationalen Diskriminierung, Isolierung und Autarkie führen. Auf lange Sicht
gesehen werden sich die größten Vorteile aus einem schrittweisen Abbau der
tarifären und nicht-tarifären Schranken - auf absolut gegenseitiger Basis sowohl für industrielle wie auch für landwirtschaftliche Güter ergeben,
und zwar einem Abbau bis zu dem Punkt, wo sie keine fühlbare Behinderung
des Handels mehr darstellen.
Während die Industrienationen die internationalen Wirtschaftsbeziehungen noch immer beherrschen, gewinnen die Entwicklungsländer jedoch zunehmend
an Bedeutung - in der Energie-und Rohstoffversorgung, in Handel und Investitionen und auf einer Vielzahl anderer Gebiete, angefangen von der Nutzung
der Meere bis zur Erhaltung der Umwelt. Gleichzeitig verbreitert sich die
wirtschaftliche Kluft weiterhin und wird nicht etwa geringer. In dieser Tatsache liegt die Wurzel potentiell ernster Zukunftsprobleme zwischen Entwicklungsländern und Industrieländern.
Wir beabsichtigen daher, mit neuem Nachdruck darauf zu dringen, daß unsere Entwicklungspolitik umfassend ist; wir verfolgen dabei eine Politik, die
nicht lediglich Hilfe gewährt, sondern alle Aspekte der wirtschaftlichen Beziehungen der industrialisierten Welt mit der Entwicklungswelt einschließt.
Unser Ziel wird es sein, sowohl mit Industriestaaten wie mit Entwicklungsländern zusammenzuarbeiten, um die Wachstumsrate des pro-Kopf-Einkommens der
ärmeren Nationen zu beschleunigen und gleichzeitig die beiderseitigen Interessen an verstärktem Handel und verstärkter Investition zu fördern.
Ich habe den neuen Staatssekretär für Wirtschaftliche Angelegenheiten
(im State Department), William Casey, ersucht, alle dem Ministerium zur Verfügung stehenden Hilfsmittel auf diese Aufgabe zu konzentrieren, um so
unterschiedliche Elemente wie Bevölkerungskontrolle, internationale Investitionen, Ausweitung des Handels, Zollpräferenzen, Warenabkommen, Zuwendungen
und Anleihen und Umschuldung unter einen Hut zu bringen.
Die
-5-

�-- Die Europäische Gemeinschaft -Die wirtschaftlichen Fortschritte - mit ihren starken politischen Auswirkungen - sind ebenfalls die Hauptanregung dafür gewesen, daß der Präsident das Jahr 1973 als ein Jahr wichtiger Entwicklungen in unseren Beziehungen zu Europa betrachtet. Die Erweiterung der Europäischen Gemeinschaft
stellt sich uns sowohl als eine Herausforderung wie auch als eine Chance.
Wir werden uns in diesem Jahr darum bemühen, so dauerhafte und konkrete Bindungen zu der Gemeinschaft herzustellen, daß unsere Beziehungen eine weitere
Säule der amerikanisch-europäischen Zusammenarbeit wird.
Wir müssen ferner eine baldige Beseitigung von Praktiken innerhalb der
Gemeinschaft erreichen, die sich gegen unsere Erzeugnisse als diskriminierend
auswirken. Wir werden dieses Ziel in unseren Gesprächen mit der Gemeinschaft
noch vor der Handelskonferenz in diesem Herbst verfolgen.

-- Ost-West-Beziehungen —

Verbesserte Beziehungen zu Osteuropa werden ebenfalls von Bedeutung
sein. Wir unternehmen bereits zusammen mit unseren westeuropäischen Verbündeten eine nachhaltige gemeinsame Anstrengung, um durch eine Verstärkung der
menschlichen Kontakte, des Informationsflusses und des Handels mit Osteuropa
Schranken gegenüber dem Zusammengehörigkeitsgefühl Europas abzubauen. Der
Fortschritt der Vorbereitungsgespräche für die Konferenz über Sicherheit und
Zusammenarbeit in Europa, auf der diese Themen eine Hauptrolle spielen werden, ist ermutigend gewesen. Wir rechnen mit bedeutsamen Ergebnissen bei den
Verhandlungen in diesem Sommer. Wir haben auch die Absicht, diesen Fortschritt
auf bilateralem Wege voranzutreiben, indem wir unsere eigenen Beziehungen zu
Osteuropa verbessern, vor allem indem wir versuchen, mit der Tschechoslowakei und Bulgarien ähnliche Fortschritte zu erzielen, wie wir sie anderswo
bereits gemacht haben.
Mit

�Mit diesen Bemühungen geht eine Politik der weiteren Verbesserung der
Sicherheit durch Rüstungskontrolle einher. Von zentraler Bedeutung sind natürlich die Gespräche über eine Begrenzung der Strategischen Rüstungen. Wir
sind ermutigt über den kürzlichen öffentlichen Hinweis von Parteichef
Breschnew auf einen 'schrittweisen Abbau» strategischer Waffen und hoffen,
daß im Rahmen des jetzt zur Verhandlung stehenden Abkommens ein solcher Abbau erreicht werden kann.
Vor einigen Wochen sind auch Sondierungsgespräche über eine beiderseitige und ausgewogene Verringerung der Streitkräfte in Mitteleuropa angelaufen. Im Herbst dieses Jahres sollen eigentliche Verhandlungen beginnen. Eine
Verringerung der Streitkräfte, die sich so lange in Mitteleuropa gegenübergestanden haben, ist zwar technisch schwierig, jedoch einfach in der Konzeption
und würde den Abbau strategischer Waffen

noch verstärken und weiter zur

Entspannung und zum Frieden in Europa beitragen. In der Zwischenzeit ist
es jedoch wichtig, daß wir die Verteidigungskapazität der NATO nicht einseitig verringern.
Herr Vorsitzender, in einer Zeit, da unsere Aufmerksamkeit noch immer
so stark auf ein Problem ausgerichtet ist - nämlich Indochina - ist es wichtig, daß wir den weiten Bereich des Fortschritts auf einer Vielzahl anderer
Gebiete erkennen. Ich habe heute kurz eine Reihe von Fragen gestreift, die
uns angehen,und habe dabei auch auf einige ungelöste Probleme hingewiesen.
Ich habe jedoch versucht, diese Probleme in die richtige Perspektive zu
rücken und darauf hinzuweisen, wie weit wir in nur vier Jahren gekommen sind.
Der Ausschuß ist voll und ganz auf dem laufenden über die Entwicklungen
in unseren Beziehungen zur Sowjetunion und zur Volksrepublik China. Für andere, weniger dramatische, aber auf lange Sicht gleich wichtige Gebiete - wie
Umweltverschmutzung, Bevölkerungskontrolle, Rauschgift, Erschließung der

-7-

�der Ozeane, Flugzeugentführung und Terrorismus - haben wir viel Zeit und
Mühe aufgewandt. Herr Vorsitzender, wir dürfen alle stolz auf das sein,
was wir in diesen letzten vier Jahren erreicht haben, und ich bin sicher,
daß die nächsten vier Jahre unter der Führung von Präsident Nixon eine
Periode des weiteren Fortschritts zu unserem Ziel darstellen werden: einer
Welt des Friedens."

• 8-

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9/1973

WORTLAUT DES AMERIKANISCH-CHINESISCHEN KOMMUNIQUES
WASHINGTON --(AD)— Das am 22. Februar vom Weißen Haus in Washington veröffentlichte gemeinsame amerikanisch-chinesische Kommunique1 hat folgenden
Wortlaut:
Der Berater des amerikanischen Präsidenten für Nationale Sicherheitsfragen, Dr. Henry A. Kissinger, hat die Volksrepublik China vom 15. bis
19. Februar besucht. In seiner Begleitung befanden sich Herbert G. Klein,
Alfred Le S. Jenkins, Richard T. Kennedy, John J. Holdridge, Winston Lord,
Jonathan T. Howe, Richard Solomon und Peter W. Rodman.
Der Vorsitzende Mao Tse-tung hat Dr. Kissinger empfangen. Dr. Kissinger
und Mitglieder seiner Begleitung führten umfassende Gespräche mit Ministerpräsident Chou En-tlai, Außenminister Chi Peng-lei, dem stellvertretenden
Außenminister Chiao Kuan-hua und weiteren chinesischen Regierungsmitgliedern. Mr. Jenkins führte gleichlaufende Gespräche über technische Fragen
mit dem Abteilungsleiter im Außenministerium Chang Wen-chin. Alle Gespräche wurden in einer zwanglosen Atmosphäre geführt und waren ernsthaft,
offen und konstruktiv.
Die

-1-

�Die beiden Seiten überprüften die Entwicklung der Beziehungen zwischen
den beiden Ländern in dem Jahr, das seit dem Besuch Präsident Nixons in der
Volksrepublik China verstrichen ist, sowie andere Fragen von beiderseitigem
Interesse. Sie bekräftigten die Prinzipien des gemeinsamen Kommuniques, das
im Februar 1972 in Schanghai herausgegeben worden war, sowie ihre gemeinsame
Verpflichtung, eine Normalisierung der Beziehungen herbeizuführen. Sie vertraten die Ansicht, daß der in dieser Zeit erzielte Fortschritt den Völkern
ihrer beiden Länder zum Vorteil gereicht.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß nunmehr die Zeit reif für
eine Beschleunigung der Normalisierung der Beziehungen ist. Zu diesem Zweck
haben sie sich verpflichtet, ihre Kontakte auf allen Ebenen zu erweitern. Sie
vereinbarten ein konkretes Programm für eine Ausweitung des Handels wie auch
des Austausches auf wissenschaftlichen, kulturellen und anderen Gebieten.
Um diesen Fortschritt zu erleichtern und die Kommunikationen zu verbessern wurde vereinbart, daß jede Seite in naher Zukunft ein Verbindungsbüro
in der Hauptstadt der anderen Seite errichten wird. Einzelheiten sollen über
die bestehenden Kanäle ausgearbeitet werden.
Die beiden Seiten stimmten darin überein, daß die Normalisierung der Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China zur
Verminderung der Spannungen in Asien und in der Welt beitragen wird.
Dr. Kissinger und seine Begleitung gaben ihrem tiefen Dank für die ihnen
gewährte herzliche Gastfreundschaft Ausdruck.

+++

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9/1973

KISSINGER BERICHTET UEBER SEINE CHINA-REISE
-Wortlaut der einleitenden Erklärung-

WASHINGTON --(AD)— Der Berater Präsident Nixons für Fragen der Nationalen Sicherheit, Dr. Henry A. Kissinger, hat am 22. Februar auf einer Pressekonferenz in Washington über seine Reise nach der Volksrepublik China und
nach Nordvietnam berichtet und sich den Fragen der Journalisten gestellt.
Seine einleitende Erklärung hat folgenden Wortlaut:
Meine Damen und Herren, ich dachte, ich beginne am besten mit einigen Bemerkungen über meine Reise nach der Volksrepublik China, beantworte
dann einige Fragen dazu sowie zum Kommunique und schließe dann daran einige
zusätzliche Feststellungen zu der Presseunterrichtung an, die (der Pressesekretär des Weißen Hauses) Ron Ziegler im Hinblick auf das Kommunique1 von
Hanoi bereits vorgenommen hat.
Um das Kommunique in die richtige Perspektive zu rücken und einige
Worte dazu zu sagen, sollte man sich die Entwicklung unserer China-Politik
vor Augen führen. Als wir im Jahre 1969 unsere ersten Kontakte mit der Volksrepublik China durch dritte Parteien aufnahmen und im Jahre 1971 dann direkt,

-1-

�direkt, hatten die Vereinigten Staaten seit nahezu 20 Jahren keinerlei Kontakt mit der Volksrepublik China gehabt; zumindest keinen Kontakt auf einer
wirklich bedeutsamen Ebene.
Unsere ersten Gespräche zielten in erster Linie darauf ab, Vertrauen
zu schaffen, wobei jeder seine Position darlegte und wobei Kommunikationskanäle eingerichtet wurden. Im vorigen Jahr bestanden unsere Erfolge darin,
daß die Richtungen sowie die Wege aufgezeigt wurden, die man beschreiten
könnte. Nach der Beendigung des Krieges in Vietnam und im Zuge unserer Gespräche in Peking konnten wir einige dieser Wege beschreiten und über den
Versuch, die Hindernisse und das Mißtrauen zu beseitigen hinaus zu einigen
konkreteren und positiveren Erfolgen zu gelangen.
Was sich in diesen Konferenzen vollzog, war praktisch eine Fortsetzung
der Möglichkeiten, die während des Besuches unseres Präsidenten und im Zuge
der Gespräche zwischen ihm und dem Vorsitzenden Mao sowie Ministerpräsident
Chou En-lai aufgezeigt worden waren; allerdings nahmen sie nunmehr konkretere Form an. Wie es im Kommunique heißt, überprüften wir ausführlich den
Fortschritt in den chinesisch-amerikanischen Beziehungen, und wir überprüften auch ausführlich die weltpolitische Situation.
Wir erörterten die Grundsätze des Kommuniques von Schanghai, besonders
diejenigen, die sich mit dem Wunsche nach einer Normalisierung der Beziehungen, dem Wunsche nach einem Abbau der Gefahr eines militärischen Konfliktes,
sowie der nachdrücklichen Versicherung beider Seiten befassen, daß sie nicht
nach einer Hegemonie im pazifischen Bereich streben - wobei jede Seite sich
gegen den Versuch irgendeines anderen Landes stellt, diese Hegemonie zu erreichen und wobei betont wird, daß die Beziehungen zwischen China und den
Vereinigten Staaten niemals gegen irgendein drittes Land gerichtet sein
würden.
In

-2-

�In diesem Geiste beschlossen wir, die Normalisierung der Beziehungen
zu beschleunigen und die Kontakte auf allen Gebieten zu vertiefen; eii.
erstes konkretes Programm für die Erweiterung dieser Kontakte wurde ausgearbeitet .
Angesichts dieses neuen Bereiches von Kontakten kam man zu der Ansicht,
daß der bestehende Kanal in Paris nicht ausreichend sei und daß deshalb jede Seite in der Hauptstadt der anderen ein Verbindungsbüro einrichten würde.
Dieses Verbindungsbüro soll sich mit Fragen des Handels wie auch mit allen
anderen Angelegenheiten befassen, mit Ausnahme der rein formellen diplomatischen Aspekte unseres Verhältnisses, aber im übrigen soll dieses Büro
den ganzen Bereich der Beziehungen erfassen. Dieses Verbindungsbüro wird in
nächster Zukunft eingerichtet werden. Beide Seiten werden innerhalb der
nächsten Wochen Vorschläge hinsichtlich der technischen Erfordernisse unterbreiten und dann wird es für die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik
China möglich sein, miteinander in der Hauptstadt des jeweils anderen zu
unterhandeln.
Damit nun dieser Wunsch nach einer Normalisierung der Beziehungen konkreten Ausdruck erfährt, wurde eine Reihe von Schritten vereinbart.
Zunächst einmal haben uns die Chinesen als ein Zeichen ihres guten
Willens davon in Kenntnis gesetzt, daß sie während des Zeitraums unseres Abzuges aus Vietnam gleichzeitig die beiden militärischen Gefangenen, die in
China festgehalten werden, freilassen wollen, nämlich Korvettenkapitän
(Robert J.) Flynn und Major (Philipp E.) Smith. Sie werden seit 1967 bezw.
seit 1965 in China festgehalten und werden innerhalb der nächsten Wochen
freigelassen.
Ministerpräsident Chou En-lai hat mich ferner gebeten, Präsident Nixon
davon in Kenntnis zu setzen, daß das chinesische Strafgesetz die Möglichkeit
einer periodischen Überprüfung des Strafmasses von Gefangenen vorsieht und

3

�und daß diese Bestimmung auch im Falle von John Downey angewandt werden würde. Das chinesische Strafgesetz sieht eine Herabsetzung des Strafmasses
aufgrund guter Führung vor. Uns ist erklärt worden, daß die Führung und das
Verhalten von Mr. Downey beispielhaft gewesen sei und daß sein Fall in der
zweiten Hälfte dieses Jahres überprüft werden würde.
Im Hinblick auf weitere bisher ungelöste Fragen, die über andere Kanäle
erörtert wurden, kamen wir überein, daß die miteinander zusammenhängenden
Fragen der amerikanischen Privatansprüche gegen die Volksrepublik China und
der blockierten Guthaben der Volksrepublik China in den Vereinigten Staaten
in naher Zukunft auf einer globalen Basis ausgehandelt werden sollen. Erste
Gespräche über dieses Thema werden in der nächsten Woche zwischen Außenminister Rogers und dem chinesischen Außenminister beginnen, wenn beide an
der internationalen Vietnamkonferenz in Paris teilnehmen; wir rechnen damit,
daß diese Verhandlungen rasch und in einer umfassenden Weise abgeschlossen
werden können, und wir sind sicher, daß beide Seiten in einem konstruktiven
Geiste und mit einer Haltung an diese Verhandlungen herangehen werden, die
in Übereinstimmung mit unserer Absicht steht, die Verbesserung unserer Beziehungen zu beschleunigen.
Was einen verstärkten Austausch zwischen den beiden Ländern anbetrifft,
so haben die Chinesen zugestimmt, im Herbst dieses Jahres das Philadelphia
Symphonie-Orchester, im Frühjahr ein Ärzte-Team, im Sommer Gruppen von Wissenschaftlern, eine Gruppe von Lehrern weiterführender Schulen sowie in vermehrtem Maße Abgeordnete und Senatoren, sowie Sportler (verschiedener Sparten)
einzuladen.
Die Volksrepublik China hat der Entsendung einer archeologischen Ausstellung aus der Verbotenen Stadt nach den USA zugestimmt, die wahrscheinlich
im Jahre 1974 zu uns kommen wird, sowie der Entsendung einer Gruppe von
Wasserwirtschaftsexperten, einer Gruppe von Hormonspezialisten, einer Gruppe
von Hochenergiephysikern sowie eines Teams \o n Turnern.
Wenn

-4-

�Wenn die Verbindungsbüros eingerichtet sind, besteht die Möglichkeit
für die Entwicklung weiterer Kontakte und für die Beschleunigung dieses gesamten Prozesses. Der Hauptpunkt, den ich hier herausstellen möchte, ist folgender:
Unsere Kontakte zur Volksrepublik China haben sich von einem Zustand der
Feindseligkeit zur Normalisierung hin bewegt. Beide sind wir der Auffassung,
daß es für den Weltfrieden von entscheidender Bedeutung ist, daß die Vereinigten Staaten und die Volksrepublik China in weltpolitischen Angelegenheiten
verantwortungsbewußt handeln; daß wir Teil einer internationalen Gesellschaft
sind, in der alle Nationen ein entscheidendes Interesse an der Wahrung des
Friedens haben und daß sich deshalb, wie es im Kommunique von Schanghai bereits betont und jetzt noch einmal bekräftigt wurde, die Normalisierung der
Beziehungen zwischen den Vereinigten Staaten und der Volksrepublik China nicht
gegen andere Länder richtet, sondern daß dies Teil des Planes ist, den der
Präsident immer verfolgt hat, nämlich die Errichtung eines Gebäudes des Friedens, an dem alle Länder teilhaben können und an dem alle Länder ein Interesse haben.
Es bleibt mir nur noch zu sagen, daß wir mit außerordentlicher Höflichkeit empfangen wurden und daß die Gespräche in einer - wie es immer geheißen
hat - ungezwungenen Atmosphäre stattgefunden haben.

Nach der Beantwortung von Fragen zu diesem Komplex wandte sich Dr.Kissinger seinem Besuch in Hanoi zu. Hierzu erklärte er wörtlich:
Ich möchte noch eine allgemeine Feststellung zu meinem Besuch in Nordvietnam anfügen. Ein großer Teil der Kommentare, die ich seit meiner Rückkehr
und auch während meiner Reise gesehen habe, befaßte sich mit der Wirtschaftskommission und der Wirtschaftshilfe, über die jetzt gesprochen wird. Lassen
Sie mich versuchen, dies in die richtige Perspektive zu rücken.....
Es

-5-

�Es war nicht der Hauptzweck meines Besuches in Hanoi, ein wirtschaftliches Hilfsprogramm auszuarbeiten. Hauptzweck dieses Besuches war es vielmehr, mit der Führung der Demokratischen Republik Vietnam einen Kontakt herzustellen, um herauszufinden, ob es möglich sein würde, mir ihr in Indochina
eine ähnliche Beziehung herzustellen, wie wir sie mit der Volksrepublik China
herstellen konnten.
Sie müssen sich vor Augen halten, daß die Führer der Demokratischen Republik Vietnam fast ihr ganzes Leben lang entweder im Gefängnis oder mit dem
Führen von Guerilla-Kriegen oder dem Führen von internationalen Kriegen zugebracht haben. Noch niemals in ihrem Leben haben sie eine Möglichkeit gehabt,
an normalen diplomatischen Beziehungen mit anderen Ländern teilzuhaben oder
sich auf die friedliche Entwicklung ihres Landes und ihres Gebietes zu konzentrieren.
Aus welchen Gründen auch immer haben sie jetzt ein gewisses Interesse
zumindest an der Sondierung der Möglichkeit einer konstruktiveren Beziehung und einer friedlicheren Entwicklung gezeigt. Den größten Teil meiner
Zeit in Hanoi habe ich darauf verwandt, über die Verwirklichung des Abkommens
sowie darüber zu sprechen, welche Formen eine Normalisierung der Beziehungen
annehmen könnte.
Man sollte das Wirtschaftsprogramm nicht als eine Art Almosen betrachten und darin auch nicht nur ein reines Wiederaufbauprogtamm sehen; man sollte es vielmehr als einen Versuch ansehen, der es den Führern Nordvietnams
ermöglichen soll, mit anderen Ländern, insbesondere westlichen, in einem
kontruktiveren Verhältnis zusammenzuarbeiten und damit einen Anstoß zu einer
friedlicheren Entwicklung zu geben.

Die

-6-

�Die Wirtschaftskommission bietet den Führern der Demokratischen
Republik Vietnam die erste Möglichkeit, mit verantwortlichen Amerikanern
über etwas anderes zu sprechen als über Waffenstillstand oder militärische
Vereinbarungen, und deshalb war mein Besuch Teil eines Versuches, von
einem Zustand der Feindseligkeit zur Normalisierung zu gelangen. Deshalb
ersuchen wir nicht aus wirtschaftlichen Gründen und auch nicht in erster
Linie aus humanitären Gründen um die Unterstützung des Gedankens eines
solchen Programmes, sondern weil wir versuchen wollen, in Indochina Frieden
zu schaffen und damit zum Frieden in der Welt beizutragen.

+ ++++

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9/1973

VIERTE INTERNATIONALE TECHNISCHE KONFERENZ IN JAPAN
(13.-16.März 1973)

—(AD)-- Vom 13. bis 16. März 1973 wird in Kyoto (Japan) die 4. Internationale Konferenz über das "Sicherheitsauto" abgehalten. Veranstalter ist
der im Jahre 1969 geschaffene NATO-Ausschuß für Aufgaben der modernen Gesellschaft (CCMS). Dieses meist kurz als "Umweltausschuß" titulierte Komitee ist zu einer wichtigen Kontaktstelle für Experten der verschiedensten
Fachgebiete geworden - Experten, die sich in erster Linie damit befassen,
für Probleme wie Luft-und Wasserverschmutzung, unzureichende Straßen-und
Verkehrssicherheit, Verbesserung des Gesundheitswesens in allgemeiner und
spezieller Sicht oder bestmögliche

Hilfe nach Naturkatastrophen gute Lösun-

gen zu finden. In jedem Fall sind auf internationaler Ebene wirksamere Maßnahmen oder bessere Modelle für künftige Aktionen zu entwickeln, als sie
ein einzelnes Land präsentieren könnte.
Nicht alle an den CCMS-Projekten beteiligten oder daran interessierten
Länder sind Mitglieder der NATO. Auch Drittländern stehen die wissenschaftlich-technischen Arbeitskreise dieser Organisation offen. Von einer solchen gemischten Gruppe wird das Projekt "Experimentelles Sicherheitsauto"
(ESV) durchgeführt. Ihr gehören neben den Vereinigten Staaten die Länder
Belgien, Bundesrepublik Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien,

-1-

�Italien, Niederlande sowie Japan und Schweden an. Nach den ersten drei Konferenzen in Paris (Januar 1971), Stuttgart (Oktober 1971) und Washington
(Mai 1972) wird nun Japan der Gastgeber sein. Die fünfte Konferenz ist für
das Frühjahr 1974 in England vorgesehen.
Die USA haben inzwischen mit jenen NATO-Ländern, die zu den wichtigsten
Autoproduzenten gehören, bilaterale Vereinbarungen über die Konstruktion von
Sicherheits-Modellfahrzeugen in verschiedenen Größenklassen getroffen. Mit
Japan und Schweden wurden ähnliche Abkommen geschlossen. Parallel zu den ESVEntwicklungen laufen in einigen Ländern ergänzende Studien - Erforschung
von Unfallursachen (Niederlande), Alkohol am Steuer (Kanada), technische
Überwachung von Kraftfahrzeugen (Bundesrepublik), Notarzteinrichtungen
("Italien), Fußgängersicherheit (Belgien) und bauliche Gefahren der Straße
(Frankreich).
Die bevorstehende 4. Technische Konferenz über Sicherheitsfahrzeuge
wird sowohl für die Fachpresse als auch für die Tagespresse\on Interesse
sein. Soweit zu erfahren war, sollen einige neue Modelle von Sicherheitsfahrzeugen vorgestellt werden. Außerdem ist damit zu rechnen, daß einige
Firmen die Öffentlichkeit darüber informieren werden, welche technischen
Neuerungen in bezug auf "mehr Sicherheit im Auto" in die Serienproduktion
übernommen werden sollen.
Die Vereinigten Staaten werden durch Experten des US-Verkehrsministeriums
sowie der großen Autofirmen vertreten sein. Aus der Bundesrepublik werden
Vertreter des Bundesverkehrsministeriums, der an der Entwicklung von ESVFahrzeugen beteiligten Firmen VW jnd Daimler-Benz sowie der Zulieferindustrie
und der Versicherungsgesellschaften erwartet.

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9/1973

USA ERLÄUTERN ZIELSETZUNGEN BEI DEN BEVORSTEHENDEN HANDELSVERHANDLUNGEN

-Auszüge aus der Ansprache von William R.Pearce vor dem Verband kanadischer
Exporteure-

WASHINGTON --(AD)-- Der Stellvertretende Sonderbeauftragte Präsident Nixons
für Handelsverhandlungen, William R. Pearce, hat vor dem Verband kanadischer Exporteuie in Toronto die Ziele der Vereinigten Staaten bei den
bevorstehenden Handelsverhandlungen erläutert.
Die wichtigsten Teile der Ansprache, die am 22. Februar in Washington veröffentlicht worden war, haben folgenden Wortlaut:
"

Am 1. Januar sind Großbritannien, Dänemark und Irland der

Europäischen Gemeinschaft beigetreten. Innerhalb eines Zeitraumes von fünf
Jahren werden sie die Zoll-und die sonstigen Handelsbestimmungen der Gemeinschaft übernommen haben. Sie werden ferner in den Genuß der Präferenzabkommen kommen, die die Gemeinschaft mit anderen Ländern in Westeuropa, im
Mittelmeerraum und in Afrika abgeschlossen hat.

•

Von den traditionellen Lieferanten der neuen Mitgliedsstaaten wird
dies mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Wenn die drei Länder sich jetzt

�jetzt dem gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft anpassen, werden einige
ihrer Zölle sinken.
Auf anderen Gebieten wird die Höhe des Zollschutzes stark steigen. Wir
sind am meisten besorgt über die Auswirkungen auf die Absatzmärkte für Agrarerzeugnisse . Während des letzten Jahrzehnts haben die drei Länder im Durchschnitt 10 Millionen Tonnen Getreide pro Jahr importiert. Wenn Großbritannien
zu den festen Zöllen des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens zurückkehren
und wenn Dänemark und Irland ihr derzeitiges Preissystem beibehalten würden,
könnten wir innerhalb von 5 Jahren mit einem Ansteigen ihres Netto-Importbedarfs um rund 50 Prozent rechnen. Auf der anderen Seite würden sie im Rahmen
der gemeinsamen Agrarpolitik der Gemeinschaft in dieser Zeit zu Netto-Getreideexporteuren werden.
In gleicher Weise sind wir auch über unsere Exporte von Zitrusfrüchten
und Tabak besorgt, die auf ein höheres Niveau von Importschutz und auf einen
wachsenden Wettbewerb seitens bevorzugter Lieferanten im Mittelmeerraum und
in Afrika stoßen werden.
Die Gemeinschaft hat den Standpunkt eingenommen, daß sie niemandem etwas
schuldig ist; daß die Senkungen in den Zolltarifen der drei neuen Mitglieder
die Lieferanten aus Drittländern für den Schutz mehr als kompensieren, der
sich aus der Anpassung an den gemeinsamen Außenzoll der Gemeinschaft sowie
der Annahme ihrer gemeinsamen Agrarpolitik ergibt.
Die Vereinigten Staaten können dem nicht beipflichten. Gleichgültig, was
für Auswirkungen die Erweiterung auf unseren Handel insgesamt haben wird
- und wer kann schon sagen, wie diese Auswirkungen sein werden - einige Warengruppen werden neue, restriktivere Handelsschranken zu gewärtigen haben.
Natürlich werden wir die Vorteile der Angebote der Gemeinschaft auf anderen
Sektoren auf einer Fall-zu-Fall-Basis beurteilen. Wir sind jedoch nicht verpflichtet - weder aus logischen noch aus gesetzlichen Gründen - zu akzeptieren, was uns angeboten wird.
Bestenfalls

-2-

�Bestenfalls wird es schwer werden, eine Übereinkunft zu erzielen. Ja,
einige haben sogar vorgeschlagen, daß die Erweiterungsfrage in die umfassenderen Verhandlungen einbezogen und dort gelöst werden sollte. Dies wäre
für uns schwierig. Es wird schwer fallen, den Kongreß davon zu überzeugen,
daß wir mit den umfassenden Vollmachten betraut werden können, die für die
neue Runde multilateraler Handelsverhandlungen notwendig sind, wenn die Erweiterungsfrage weiterhin ungelöst bleibt....
Die Vereinigten Staaten messen den später in diesem Jahr beginnenden
multilateralen Verhandlungen große Bedeutung bei. Wir haben zunächst in den
bilateralen Handelsgesprächen, die in Zusammenhang mit dem Smithsonian-Abkommen vom Dezember 1971 standen, die übrigen großen Handelsländer aufgefordert, umfassende Verhandlungen zu unterstützen. Diese sind für eine Ausweitung des Handels wie auch für eine Verbesserung des internationalen Handelssystems erforderlich, das den Veränderungen der auf den Handel einwirkenden
Faktoren, die seit der Ausarbeitung der GATT-Statuten in den vierziger Jahren
eingetreten sind, Rechnung trägt
Zölle - Wir werden einen Abbau der Zölle anstreben. Obwohl die Bedeutung der
Zölle in sechs aufeinanderfolgenden Runden von GATT-Verhandlungen immer mehr
verringert worden ist, bleiben sie weiterhin ein Hindernis für eine Ausweitung des Welthandels. Zollverhandlungen haben im Hinblick auf das wachsende
Handelsvolumen im Rahmen der Präferenzsysteme vermehrt an Bedeutung gewonnen.
Im Gegensatz zu Presseberichten haben die Vereinigten Staaten nicht eine
völlige Beseitigung der Zölle vorgeschlagen. Soweit wir sehen können, ist
kein Mitgliedsland bereit, in diesem frühen Stadium eine solche Verpflichtung
einzugehen. Was wir vorgeschlagen haben, ist, daß die künftige Arbeit des
GATT-Ausschusses für den Handel mit Industrieerzeugnissen mit einer -allerdings hypothetischen- Erörterung eines zollfreien Handels mit Industrieerzeugnissen zwischen den Industriestaaten beginnen könnte. Wenn wir uns jetzt

3-

�jetzt dazu durchringen, die vernünftigen Grenzen eines Zollschutzes für
bestimmte Erzeugnisse und Warengruppen zu prüfen, so würde dies bereits
den größtmöglichen Fortschritt bei den Zollsenkungen fördern.

Nicht-tarifäre Handelsschranken - Ein Fortschritt bei den Zollverhandlungen
hängt in gewissem Maße auch von einem Erfolg bei der Behandlung der nichttarifären Handelsschranken ab. Sofern die nicht-tarifären Handelsschranken
nicht in die internationalen Bestimmungen einbezogen werden können, werden
sie weiterhin die Erfolge von Zollverhandlungen zunichtemachen. Ein Fortschritt hier wird schwer sein. Die GATT-Mitgliedsstaaten haben mehr als 800
nicht-tarifäre Handelsschranken festgestellt. Nicht einmal zwei von diesen
scheinen einander gleich zu sein. Oft ist es schwierig, ihre Auswirkungen auf
den Handel zu bewerten, und noch schwerer ist es, Wege für ihren Abbau ohne
Beeinträchtigung des legitimen Zwecks zu finden, dem sie dienen sollen. Es
wird unsere Aufgabe sein, die nicht-tarifären Handelsschranken abzubauen
oder zu beseitigen, die nicht gerechtfertigt sind, und Bestimmungen für die
Harmonisierung und Kontrolle der übrigen zu finden
Die Vereinigten Staaten haben im GATT-Landwirtschaftsausschuß ein Verfahren vorgeschlagen, das für eine Liberalisierung des Agrarhandels im Laufe
der Zeit benutzt werden könnte. Wir haben praktisch vorgeschlagen, daß alle
Elemente des Schutzes in gemischte Zollkomponenten umgerechnet werden, die
von Anfang an gegen Erhöhungen geschützt sind. Die Zollsenkungen könnten dann
Erzeugnis für Erzeugnis ausgehandelt und über einen längeren Zeitraum verteilt
durchgeführt werden. Wir haben keinerlei Einschränkungen des Rechtes der Regierungen vorgeschlagen, das Einkommen ihrer Erzeuger aufzubessern, aber wir
haben vorgeschlagen, daß die Systeme für eine solche Förderung so beschaffen
sein sollen, daß sie sich im Handel so wenig wie möglich niederschlagen.
Wir sind nicht auf ein solches Vorgehen festgelegt; wir haben es als
Basis für die Aufnahme von Gesprächen vorgeschlagen. Genauso wenig sind wir in
der Frage der Rohstoffabkommen festgelegt. Wir sind uns im klaren darüber,

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�darüber, daß Änderungen bei den landwirtschaftlichen Subventionierungssystemen nicht über Nacht durchgeführt werden können. Es werden Übergangsabkommen notwendig sein, und dies könnte in der Tat irgendwelche multilateralen Abkommen erfordern. Wir werden jede derartige Vereinbarung danach beurteilen, in welchem Maße sie im Laufe der Zeit zu einer grundlegenden Liberalisierung und Ausweitung des Agrarhandels beitragen kann.

Sicherheiten - Die Vereinigten Staaten werden ferner die Erörterung eines
neuen multilateralen Sicherheitssystems unterstützen.
Die Bestimmungen des Artikel XIX des Allgemeinen Zoll-und Handelsabkommens, die die Mitgliedsstaaten zu einer Beschränkung solcher Importe ermächtigen, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zufügen könnten,
waren für die Lösung von Problemen im Zusammenhang mit den immer schnelleren
Änderungen in den Welthandelspraktiken nicht ausreichend. Infolgedessen haben alle großen Handelsländer ihre eigenen Lösungen außerhalb des Rahmens der
gegenwärtigen GATT-Bestimmungen entwickelt. Ein derartiges Vorgehen hat dazu geführt, den Wert der bestehenden GATT-Verpflichtungen zu untergraben.
Was notwendig erscheint, ist ein neues multilaterales Sicherheitssystem, das
Bestimmungen und Verfahren schafft, die alle Länder akzeptieren und denen sie
in Praxis und Theorie nachkommen können.
Obwohl zweifellos noch keine Übereinstimmung besteht, beginnen jetzt die
Hauptelemente eines neuen, ergänzenden Systems Form anzunehmen. Im Rahmen
eines solchen Systems könnten die schnell zunehmenden Importe, die den einheimischen Produzenten ernsten Schaden zuzufügen drohen, vorübergehend eingeschränkt werden, um den einheimischen Industrien Zeit zur Anpassung an den
neuen Wettbewerb zu geben. Im Gegensatz zu den derzeitigen Verfahren nach
Artikel XIX würde das delikate Gleichgewicht der Lastenaufteilung unter einem
neuen multilateralen System erreicht werden - nicht durch Zollkompensationen
oder durch Vergeltung, sondern durch eine Verpflichtung seitens der den Import einschränkenden Länder, den einheimischen Anpassungsprozeß zu fördern
und zu beschleunigen.

,

�Obwohl die Konzeption eines neuen multilateralen Sicherheitssystems weite Unterstützung gefunden hat, ist auch Besorgnis hinsichtlich seiner wahrscheinlichen Auswirkungen auf bestehende Handelsverpflichtungen geäußert worden. Wir selbst sind in bezug auf diesen Aspekt ebenfalls besorgt. Aber eine
größere Sorge ist für uns die Verwundbarkeit des gesamten GATT-Systems, solange nicht ein Weg gefunden wird, um die sich ausweitende Kluft zwischen den
sich schnell ändernden Handelspraktiken und den mehr begrenzten Kapazitäten
der Binnenwirtschaften zu überbrücken, sich diesem neuen Wettbewerb anzupassen. Die Aufgabe scheint uns darin zu bestehen, Bestimmungen zu entwickeln,
die ein Ausweichen auf multilaterale Sicherheiten auf solche Fälle begrenzt,
wo eine echte Notwendigkeit besteht."

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9/1973

JÜNGSTE NEUFESTSETZUNG DER WECHSELKURSE IST AUSREICHEND
Von Eugene Brake

WASHINGTON --(AD)— Mit der jüngsten Dollarabwertung und dem Aufwärtsfloaten des Yen ist die erforderliche Neufestsetzung der Wechselkurse
abgeschlossen worden, die mit dem Smithsonian-Abkommen von 1971 nur
zum Teil gelöst worden war.
Dies hat der Staatssekretär im US-Finanzministerium, Paul A.
Volcker, am 27. Februar vor dem Bankenausschuß des amerikanischen Senats
unmißverständlich zu verstehen gegeben. Nach Ansicht Volckers reichen
die Veränderungen der Wechselkurse, die in den letzten zwei Jahren stattgefunden haben, für eine Korrektur der internationalen Ungleichgewichte
aus, sobald sie erst einmal voll auf Handel, Investitionen und andere
internationale Transaktionen durchgeschlagen sind. Gleichzeitig hat
der Staatssekretär jedoch unterstrichen, daß die Neufestsetzung der
Wechselkurse nur eines von drei Erfordernissen für die Wiederherstellung
des Gleichgewichts und der Stabilität in den internationalen Wirtschaftsbeziehungen ist. Die beiden anderen Erfordernisse' sind, daß die Vereinigten Staaten weiterhin erfolgreich die Inflation unter Kontrolle halten
und daß den amerikanischen Exporten Zugang zu den Märkten anderer Länder gewährt wird.
Volcker

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Volcker hatte vor dem Ausschuß das eingebrachte Gesetz über die offizielle Neufestsetzung der Dollar-Parität begründet. Die Devisenmärkte verhalten sich bereits so, als ob die zehnprozentige Dollarabwertung Gesetzeskraft habe; die Verabschiedung des Gesetzes durch den Kongreß ist jedoch erforderlich, damit die amerikanische Regierung den Internationalen Währungsfonds (IWF) offiziell von der Paritätsänderung in Kenntnis setzen kann. Nach
dem bisherigen Verlauf der Hearings im Senat dürfte mit keiner Opposition
gegen das Gesetz zu rechnen sein.
Auf Fragen der Senatoren eingehend hatte Volcker betont, daß es sich bei
der Neufestsetzung der Wechselkurse im Jahre 1971 um einen "Kompromiß" gehandelt habe, der erst nach harten Verhandlungen erreicht worden war und seines
Erachtens den Erfordernissen nicht voll gerecht geworden sei. Die Vereinigten Staaten, so meinte Volcker, wären damals bei der Neufestsetzung der
Wechselkurse wesentlich weiter gegangen, als dann von den Finanzministern im
Dezember 1971 vereinbart worden sei. Dieses Mal halte er die Neufestsetzung
der Wechselkurse jedoch für ausreichend.
1971, so sagte Volcker, habe man den amerikanischen Schätzungen über das
erforderliche Ausmaß der Wechselkursänderungen keinen Glauben geschenkt. Die
USA seien für wesentlich größere Veränderungen als ihre Handelspartner eingetreten; die späteren Entwicklungen hätten jetzt die Situation in neuem Licht
erscheinen lassen. In der Zwischenzeit habe sich eine wesentliche Änderung in
der Haltung der einzelnen Länder gegenüber Handels-und Zahlungsbilanzungleichgewichten durchgesetzt. Selbst Länder mit Handelsüberschüssen fänden
sich jetzt mit der Tatsache ab, daß Ungleichgewichte unerwünscht sind und
korrigiert werden sollten.
Auf Presseberichte angesprochen,wonach die Möglichkeit von Goldverkäufen aus amerikanischen Regierungsbeständen zur Beruhigung der Spekulation
auf den privaten Goldmärkten im Gespräch sei, meinte Volcker, die Vereinigten

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�Vereinigten Staaten hätten in dieser Frage in den letzten Tagen keinerlei
Kontakte mit anderen Regierungen gehabt. Die amerikanische Regierung halte
sich vielmehr weiterhin an das internationale Abkommen über einen gespaltenen Goldmarkt, nach dem Regierungen kein Gold auf dem privaten Markt kaufen
oder verkaufen dürfen. Eine etwaige Entscheidung über eine Änderung dieses
Abkommens, so betonte Volcker, könne von den Vereinigten Staaten allein nicht
getroffen werden. Allerdings, so fügte Volcker hinzu, seien die USA dafür,
daß das Gold in dem internationalen Währungssystem künftig eine geringere
Rolle spielen sollte. Im Rahmen einer solchen künftigen Entwicklung, so meinte Volcker, würden Goldverkäufe, um den höheren Marktpreis zu nutzen, nicht
störend wirken. Auf den Vorschlag eines Senators, wonach die Vereinigten
Staaten den Internationalen Währungsfonds zu Goldverkäufen aus seinen Beständen auffordern sollten, um den inoffiziellen Weltpreis herabzudrücken, erwiderte Volcker, daß diese Frage von Zeit zu Zeit aufgeworfen worden sei,
daß aber von der einen oder der anderen Seite ein solcher Gedanke immer wieder abgelehnt wurde. In einer vor dem Ausschuß abgegebenen vorbereiteten Erklärung hatte Volcker bereits betont, daß der offizielle Goldpreis von
42,22 Dollar pro Unze in keiner Weise den Schluß zulasse,"daß wir eine generelle Änderung des Goldpreises als ein angebrachtes oder nützliches Mittel
zur Erhöhung der internationalen Liquidität betrachten". Gerade die wilden
spekulativen Fluktuationen des Goldpreises auf dem freien Markt, so fügte
der Staatssekretär hinzu, deuteten auf eine der schwerwiegenden Unzulänglichkeiten des Währungssystems hin, dieses Metall als Basis zu benutzen.
Die beiden Abwertungen des US-Dollar 1971 und jetzt sind nach Ansicht
Volckers für die USA wie auch die übrigen Länder eine unerfreuliche Erfahrung
gewesen. Sie seien jedoch, so betonte der Staatssekretär, erforderlich gewesen, um eine wichtige Anpassung in der Nachkriegswirtschaft zum Abschluß zu
bringen. Doch könne und dürfe dies nicht zu einer Politik für die Zukunft werden. Die Welt brauche ein Währungssystem, das weniger anfällig für Ungleichgewichte, Marktstörungen und Spekulationen sei, durch die die jüngsten

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jüngsten Verhandlungen notwendig geworden seien. Für die USA gelte es zunächst einmal, mit der Inflation im eigenen Lande fertig zu werden. Darüberhinaus müsse eine neue internationale Handelsordnung geschaffen werden. Wörtlich sagte Volcker: "Wir arbeiten so hart wie nur möglich auf diese Ziele
hin und erwarten von unseren Handelspartnern eine aufgeschlossene Haltung."
Auch der Vorsitzende des Federal Reserve Board - der amerikanischen Notenbank - Arthur Burns vertrat vor dem Ausschuß die Ansicht, daß das
Smithsonian-Abkommen und die jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse die
USA eindeutig wieder auf den Weg zu einem Ausgleich ihrer Zahlungsbilanz zurückgebracht hätten. Die Auswirkungen der letzten Dollarabwertung würden
allerdings erst 1975 voll durchschlagen, während das Smithsonian-Abkommen
schon 1973 und 1974 voll zur Wirkung kommen werde. Wie Burns erklärte, könne
für 1975 bereits wieder mit einem beträchtlichen Handelsüberschuß der USA
gerechnet werden, "und dies ist der Grund, warum ich sage, wir sollten nicht
mehr an eine weitere Abwertung denken". Die USA, so fuhr Burns fort, hätten
in den letzten eineinhalb Jahren die Inflation weit besser als irgendein anderes Land unter Kontrolle gebracht. Dieser Kurs werde fortgesetzt werden.
Darüberhinaus werde es auch ein wichtiges Ziel der amerikanischen Wirtschaftspolitik in diesem Jahre sein, ein Klima zu schaffen, das zu Investitionen in
den USA ermutige.

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              <text>&lt;strong&gt;1. Dokumentation&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Teil III der Botschaft über die Lage der Nation: Die Wirtschaft&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Rogers-Erklärung vor dem Außenpolitischen Ausschuss des US-Senats vom 21. Februar 1973&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Wortlaut des amerikanisch-chinesischen Kommuniques&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;2. Hintergrundmaterial&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Kissinger berichtet über seine China-Reise&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Wortlaut der einleitenden Erklärung -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;3. Information&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;Vierte internationale technische Konferenz in Japan&lt;br /&gt;&lt;em&gt;(13. - 16. März)&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;&lt;strong&gt;4. Wirtschaft&lt;/strong&gt;&lt;br /&gt;USA erläutern Zielsetzungen bei den bevorstehenden Handelsverhandlungen&lt;br /&gt;&lt;em&gt;- Auszüge aus der Ansprache von William R. Pearce vor dem Verband kanadischer Exporteure -&lt;/em&gt;&lt;br /&gt;&lt;br /&gt;Jüngste Neufestsetzung der Wechselkurse ist ausreichend&lt;br /&gt;&lt;em&gt;Von Eugene Brake&lt;/em&gt;</text>
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