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5/1973

DAS PROBLEIM VIETNAM (Chronologie)
Von Alexander Sullivan

WASHINGTON — ( A D ) — Das Problem Vietnam reicht - politisch gesehen - in
seinem Ursprung bis ins 19. Jahrhundert zurück. Von den sechziger Jahren
des vergangenen Jahrhunderts an bis zur Besetzung durch die Japaner im zweiten Weltkrieg war dieses Gebiet Indochinas französische Kolonie. Präsident
Roosevelt wollte nach Beendigung des zweiten Weltkrieges Indochina zu einem
internationalen Treuhandgebiet machen, um ihm schließlich die völlige Unabhängigkeit zu geben. Frankreich unter Charles de Gaulle aber wollte das Gebiet zurückhaben und sicherte ihm einen neuen politischen Status in der französischen Gemeinschaft zu.
Japan verlor den Krieg; Präsident Roosevelt starb kurz vor Kriegsende,
und die Franzosen gewannen Indochina zurück. Seither hat das vietnamesische
Volk, das seit langem eine nationale Selbständigkeit anstrebte, praktisch beständig im Krieg gestanden. Nachfolgend einige wichtige Daten aus der leidgeprüften Geschichte Vietnams seit Ende des zweiten Weltkrieges:

August 1945:

-1-

�August 1945: Mit der "August-Revolution" entsteht die Demokratische
Republik Vietnam (DRV), die sich - unter der Führung von Ho Tschi Minh in
Nordvietnam (Tongking), wo Nationalchina die Besatzungsmacht ist, fest
etabliert, dagegen in Zentralvietnam (dem ehemaligen Annam) und Südvietnam
(Kotschinchina) - das unter britischer Besatzung steht - nicht die gleiche
Macht gewinnt. Kaiser Bao Dai dankt zugunsten der neuen Republik ab.
6. März 1946: Frankreich und der Viet Minh einigen sich über die Rückkehr französischer Truppen nach Tongking. Frankreich anerkennt die Demokratische Republik Vietnam als "freien Staat mit eigener Regierung....";
ein Referendum soll darüber entscheiden, ob Teile von Annam und Kotehinchina
zur Demokratischen Republik Vietnam gehören werden. (Von diesem Augenblick
an setzt ein Guerillakrieg im Lande ein, der die Verhandlungen zwischen
dem Viet Minh und Paris wie ein Kontrapunkt begleitet).
5. Juni 1948: Mit Bao Dai an der Spitze bilden die Franzosen den Staat
Vietnam (Annam), dem später Kotehinchina zugefügt wird.
8. März 1949: Durch das Elys£e-Abkommen werden die Staaten Vietnam,
Laos und Kambodscha als unabhängige in der französischen Union assoziierte
Staaten begründet.
18. Januar 1950: Die Demokratische Republik Vietnam wird vom kommunistischen China diplomatisch anerkannt; 12 Tage später erfolgt die diplomatische
Anerkennung durch die Sowjetunion.
7. Februar 1950: Die Vereinigten Staaten und Großbritannien erkennen die
Staaten Vietnam, Laos und Kambodscha diplomatisch an.
8. Mai 1950: Die Vereinigten Staaten erklären sich bereit, Frankreich
und seinen assoziierten Staaten Militär-und Wirtschaftshilfe zu gewähren.

27.Juni 1950:

�27. Juni 1950: Im Rahmen des an die amerikanischen Truppen ergangenen
Befehls, die nordkoreanischen Invasoren aus Südkorea zurückzudrängen, gibt
Präsident Truman die Anweisung zur Entsendung einer militärischen Mission
nach Indochina und beschleunigt die Unterstützung Frankreichs und seiner
assoziierten Staaten in ihrem Kampf gegen den Druck der Kommunisten.
12. Dezember 1952: Der NATO-Rat erklärt, daß der französische Kampf
in Indochina seitens der Mitglieder der NATO"anhaltende Unterstützung
verdient".
7. Mai 1954: Mit der Eroberung des vorgeschobenen Stützpunktes Dien
Bien Phu nach einer 56-tägigen Belagerung versetzt der Viet Minh dem Selbstgefühl Frankreichs einen schweren Schlag.
20. Juli 1954: Die Genfer Konferenz führt zu einer zeitweiligen Einstellung der Kämpfe - Vietnam wird entlang des 17. Breitengrades geteilt.
21. Juli 1954: In einer gesonderten, aber nicht unterzeichneten Deklaration fordert die Genfer Konferenz die Wiedervereinigung Vietnams durch
Wahlen bis zum 20. Juli 1956. (Diese Wahlen fanden jedoch niemals statt;
Südvietnam stellt die Behauptung auf, daß "gefälschte" Wahlen im Norden
die wahrhaft freien Wahlen im Süden überspielen würden).
August 1954: Über eine Million Vietnamesen flüchten aus dem Norden
und suchen Zuflucht in Südvietnam.
24. Oktober 1954: Präsident Eisenhower ordnet eine direkte Hilfe für
Südvietnam an.
23. Oktober 1955: Bao Dai wird nach Wahlen von den Südvietnamesen als
Staatsoberhaupt abgesetzt. Drei Tage später wird die Republik Vietnam gegründet mit Ngo Dinh Diem als Präsident.
4. Juli 1956: Die im März gewählte Verfassunggebende Versammlung
beschließt eine südvietnamesische Verfassung.
2.Juni 1962:

�2. Juni 1962: Indien und Kanada als Mitglieder der Internationalen Kontrollkommission informieren die Sowjetunion und Großbritannien als die beiden Ko-Vorsitzenden der Genfer Konferenz, daß sich Nordvietnam der Subversion
und der verschleierten Aggression gegen Südvietnam im Widerspruch zu den Genfer Abkommen von 1954 schuldig gemacht habe.
2.-4.August 1964: Präsident Johnson ordnet Luftangriffe gegen Nordvietnam an, nachdem zwei amerikanische Zerstörer außerhalb der Hoheitsgewässer
vor Nordvietnam angegriffen wurden.
7. August 1964: Mit überwältigender Mehrheit beschließt der amerikanische Kongreß, Präsident Johnson freie Hand für alle seiner Ansicht nach notwendigen Maßnahmen zur Förderung des Friedens und der Sicherheit in Südostasien zu geben.
1. Januar 1965: Die Zahl der amerikanischen Militärberater in Südvietnam
ist auf schätzungsweise 23 000 Mann gestiegen.
8. März 1965: Die ersten amerikanischen Trupperiverbände treffen in Vietnam zum Schutze der amerikanischen Anlagen ein.
9. Dezember 1965: Ho Tschi Minh bezeichnet die von Präsident Johnson gemachten Friedensvorschläge als "absolut unannehmbar."
10. Juli 1966: Das amerikanische Verteidigungsministerium gibt bekannt,
daß die Zahl der amerikanischen Truppen in Südvietnam bis zum Frühjahr 1967
auf 425 000 Mann ansteigen werde. Am Ende waren über 500 000 amerikanische
Soldaten in Vietnam stationiert.
28. März 1967: Der Generalsekretär der Vereinten Nationen,U Thant, schlägt
eine Feuereinstellung vor - Washington und Saigon nehmen diesen Vorschlag an,
doch Hanoi lehnt ab.

30. Januar 1968:

�30. Januar 1968: Beginn der kommunistischen TET-Offensive, deren erste
Angriffswelle sich gegen etwa die Hälfte aller Provinzhauptstädte in Südvietnam sowie gegen 25 Flugplätze und das amerikanische Botschaftsgebäude
in Saigon richtet.
31. März 1968: Präsident Johnson ordnet die Einstellung der Luftangriffe auf Ziele nördlich des 20. Breitengrades an und verspricht die völlige
Einstellung der Bombenangriffe, wenn Hanoi die Kampftätigkeit einschränkt.
10. Mai 1968: Delegierte der Vereinigten Staaten und Nordvietnams treffen zum ersten Mal zu vorbereitenden Gesprächen über eine Beendigung des
Krieges zusammen.
20. Juli 1968: Präsident Johnson versichert, Washington werde es nicht
zulassen, daß Südvietnam gegen seinen Willen eine Koalitionsregierung unter
Beteiligung der Kommunisten aufgezwungen wird.
31. Oktober 1968: Um den Beginn produktiver Friedensgespräche zu erleichtern, ordnet Präsident Johnson die Einstellung sämtlicher amerikanischer
Luftangriffe gegen Nordvietnam an.
14. Mai 1969: Nach einem Zusammentreffen mit dem südvietnamesischen
Staatspräsidenten Thieu auf den Midway-Inseln ruft Präsident Nixon 25 000
amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
4. August 1969: Der Sonderberater des Präsidenten für Fragen der
Nationalen Sicherheit, Dr. Henry Kissinger, beginnt eine Reihe von Geheimgesprächen mit dem Vertreter Hanois, dem nordvietnamesischen Politbüromitglied
Le Duc Tho,in Paris.
4. September 1969: Radio Hanoi meldet den Tod Ho Tschi Minhs.
7. Oktober 1970: Präsident Nixon umreißt die Grundzüge eines Friedensplanes, der eine politische Lösung vorsieht, die den gegebenen Verhältnissen der politischen Kräfte in Südvietnam entspricht, sowie einen Waffen-

�Waffenstillstand, einen Truppenabzug nach einem festgelegten Plan und die
Freilassung der Kriegsgefangenen.
7. April 1971: Präsident Nixon ruft weitere L00 000 amerikanische Soldaten aus Vietnam zurück.
31. Mai 1971: Bei einem Geheimgespräch zwischen Kissinger und Le Duc
Tho in Paris bietet Washington die Festlegung eines bestimmten Zeitpunktes
für den Truppenabzug an, wenn Hanoi dafür die Kriegsgefangenen freilassen
würde. Hanoi lehnt diesen Vorschlag für eine militärische Lösung ab und besteht auf einer umfassenden - politischen wie militärischen - Lösung, die
unter anderem den Sturz des südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu vorsieht.
25. Januar 1972: Präsident Nixon gibt die zwischen Kissinger und Le
Duc Tho geführten geheimen Gespräche bekannt und fordert gleichzeitig Hanoi
zu Verhandlungen auf. Der Präsident schlägt einen Waffenstillstand an Ort
und Stelle sowie die Freilassung aller Gefangenen und den Abzug der amerikanischen und alliierten Truppen aus Vietnam vor. Außerdem erklärt Nixon, daß
Staatspräsident Thieu einen Monat vor dem Termin für Neuwahlen von seinem Amt
zurücktreten werde.
30. März 1972: Nordvietnam beginnt mit starken militärischen Kräften
eine Invasion nach Südvietnam über die entmilitarisierte Zone hinweg.
8. Mai 1972: Präsident Nixon ordnet die Verminung der nordvietnamesischen Häfen und Luftangriffe auf militärische Depots an, um den Invasionstruppen den Nachschub abzuschneiden.
29. August 1972: Präsident Nixon kündigt an, daß die amerikanische
Truppenstärke in Südvietnam bis zum 1. Dezember auf 27 000 Mann reduziert
werden soll, versichert aber zugleich, daß einige amerikanische Truppeneinheiten solange in Vietnam bleiben würden, bis Hanoi die amerikanischen Kriegsgefangenen freigelassen hat.
8.Oktober 1972:

-6-

�8. Oktober 1972: Auf einer geheimen Konferenz Ln Paris erklärt sich
der Vertreter Nordvietnams Le Duc Tho zum ersten Mal bereit, den militärischen Aspekt einer Vietnamlösung von dem politischen zu trennen. Ein Vertragsentwurf wird aufgesetzt, der einen Waffenstillstand an Ort und Stelle
unter internationaler Überwachung, die Freilassung aller amerikanischen Gefangenen und die Schaffung eines Nationalrates der Wiederaussöhnung und Eintracht vorsieht, der unter internationaler Überwachung die Durchführung neuer Wahlen in Südvietnam in die Wege leiten soll.
26.Oktober 1972: Der Entwurf wird von Radio Hanoi bekanntgegeben, wobei
die Vereinigten Staaten gleichzeitig beschuldigt werden, sie wollten sich
an die gegebene Zusage, dieses Abkommen bis zum 31- Oktober zu unterzeichnen,
nicht halten. Dr. Kissinger erklärt, daß gewisse Unklarheiten und Nuancen
im Text des Entwurfes einer weiteren Verbesserung und Klärung bedürften. Nach
seiner Ansicht sollten diese Schwierigkeiten jedoch durch eine weitere Konferenz von drei bis vier Tagen ausgeräumt werden können.
25. November 1972: Nach sechs weiteren Konferenzsitzungen werden die
vertraulichen Gespräche zwischen Kissinger und Tho bis zum 4. Dezember vertagt.
4. Dezember 1972: Kissinger und der Vertreter Nordvietnams Le Duc
Tho kommen erneut in Paris zu vertraulichen Verhandlungen zusammen.
13. Dezember 1972: Die Gespräche zwischen Kissinger und Le Duc Tho
werden vorerst ausgesetzt; Kissinger fliegt nach Washington zurück.
14. Dezember 1972: Kissinger führt eine Reihe von Konsultationen mit
Präsident Nixon, Vizepräsident Agnew, Außenminister Rogers und Verteidigungsminister Laird.
16. Dezember 1972: Auf einer Pressekonferenz im Weißen Haus erklärt
Kissinger, daß die vertraulichen Gespräche in Paris ausgesetzt wurden, weil

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�weil Nordvietnam sich weigerte, ernsthaft weiter zu verhandeln.
17. Dezember 1972: Der Stellvertreter Kissingers, General Alexander
Haig, fliegt von Washington zu einer sechstägigen Reise nach Südostasien, wobei er auch mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu konferiert.
18. Dezember 1972: Verstärkung des Einsatzes der amerikanischen Luftwaffe gegen strategische militärische Ziele in Nordvietnam entsprechend der von
Präsident Nixon am 8. Mai abgegebenen Erklärung.
30. Dezember 1972: Das Weiße Haus gibt bekannt, daß Kissinger am 8. Januar zur Wiederaufnahme der geheimen Gespräche mit Le Duc Tho nach Paris zurückkehren wird

und daß am 2. Januar Experten beider Seiten ebenfalls in

Paris technische Gespräche aufnehmen werden. Präsident Nixon ordnet die Einstellung der amerikanischen Luftangriffe auf militärische Ziele in Nordvietnam jenseits des 20. Breitengrades an.
2. Januar 1973: Die technischen Experten kommen in Paris zusammen.
8. Januar 1973: Kissinger und Le Duc Tho nehmen ihre vertraulichen Gespräche wieder auf.
13. Januar 1973: Kissinger fliegt nach den Vereinigten Staaten zu Konsultationen mit Präsident Nixon zurück.
14. Januar 1973: General Haig fliegt erneut nach Saigon zu Konsultationen mit dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu.
15. Januar 1973: Präsident Nixon ordnet die einseitige Einstellung der
amerikanischen Luftangriffe, der Beschießung und der Verminung der Häfen Nordvietnams an.
18. Januar 1973: Washington und Hanoi geben gemeinsam bekannt, daß
Kissinger und Le Duc Tho am 23. Januar erneut in Paris zusammenkommen werden, um dem Wortlaut des Abkommens seine endgültige Gestaltung zu geben.

23. Januar 1973:

�23. Januar 1973: Präsident Nixon gibt bekannt, daß an diesem Tage um
12:30 Uhr Pariser Zeit das Abkommen über die Beendigung des Krieges und
die Wiederherstellung des Friedens in Vietnam von Kissinger und Le Duc Tho
paraphiert worden ist.
27. Januar 1973: Das Abkommen wird von den Außenministern der an der
Pariser Vietnam-Konferenz Beteiligten im internationalen Konferenzgebäude
in Paris formell unterzeichnet.

-9-

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